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schluss Mit den geschlechtsKlischees Es wird allerhöchste Zeit, mit solchen Stereotypisierungen und Klischees aufzuräumen und dem Individuum den Entwicklungsraum zu geben, den es braucht. Warum müssen wir uns so formen, wie die Gesellschaft es erwartet? Vielleicht wollen wir die Rollen gar nicht annehmen. Wenn man sie hingegen von klein auf eingetrichtert bekommen hat, hat man gar keine andere Wahl, denn das Bild oder die Rolle ist stark in unserem Kopf verankert. Die Schweden greifen diesbezüglich radikal durch und denken um – nicht nur 90, sondern direkt 180 Grad. Sie etablieren die genderneutrale Erziehung und das bereits in Kindergärten, allen voran der umstrittene Egalia-Kindergarten. Rollenstarre Erziehung soll damit schon bald der Vergangenheit angehören. So verraten Eltern das Geschlecht ihres Kindes nicht und überlassen ihm selbst die Wahl, welchem Geschlecht es sich zugehörig fühlen möchte. In Schweden hat sich das Pronomen hen für Menschen etabliert, deren Geschlecht nicht öffentlich ist.

genderFreie erZiehung: gut oder schlecht? Und auch Menschen aus anderen Ländern verfolgen das Prinzip: So gibt es ein kleines Kind aus Kanada, dessen Eltern bewusst auf eine Eintragung des Geschlechts im Pass verzichtet haben. Statt männlich oder weiblich findet man hier nur ein u, welches unbestimmt meint. Man muss dazu sagen, dass ein Elternteil des Kindes transgender ist und somit eben auch ein Bewusstsein für Geschlechtsidentität in dieser Familie vorhanden ist.

Ein Kind, das ohne Label aufwächst, ist das Ziel. So kann es sich später selbst entscheiden, welchem Geschlecht es sich zugehörig fühlen möchte. Doch es hagelt auch Kritik, da vermutet wird, dass Kinder, die geschlechtsneutral erzogen werden, früher oder später nach einer Zugehörigkeit zu der einen oder der anderen Geschlechtergruppe suchen werden. Dass wir Menschen uns Gruppen zugehörig fühlen wollen, ist vollkommen normal und liegt in unserer Natur, denn so erschaffen wir uns auch unsere eigene Identität: Wir wissen, wer wir sind. Würden alle Kinder geschlechtsneutral aufwachsen, wäre das Thema vielleicht gar nicht so groß. Problematisch ist es nur, wenn eigentlich jeder entweder der einen, also der männlichen, oder eben der anderen, d.h. der weiblichen Gruppe, zugehörig ist. Welche Rolle nimmt man dann selbst ein? Gerade für Kinder ist dies schwer, da diese sich an ihrer Außenwelt orientieren und so ihr Konstrukt der Welt entwickeln. Ohne Geschlechtsidentität kann es zu enormen Unsicherheiten kommen. Langfristig könnte eine Identitätskrise und eine gestörte Wahrnehmung des Selbstbildes folgen. Zudem addiert sich, dass längst nicht alle Menschen in unserer Welt tolerant und offen gegenüber Neuem sind. Läuft ein Junge in einem Kleid rum, dann verstört das die Menschen. Es wird geguckt, gelästert und vielleicht auch geächtet. Für ein Kind ist so etwas wahrlich schwer auszuhalten.

Mama, ich bin jetzt Prinzessin! li.: Wenn mädchen die Prinzessin spielen wollen, finden eltern dies okay. doch was, wenn der Junge auf einmal rosa Kleider mag? foto sobima // pixabay.com

frei von rollenerwartung li. o.: Kinder wachsen in einer Welt voller stereotypisierungen auf – alles ist rosa, Glitzer oder fußball. ein neuer ansatz für mehr freiheit ist die genderfreie erziehung. foto sharon mccutcheon // pixabay.com

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 19  

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