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Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass diese Reise in unser Inneres zu den schönsten, erfüllendsten und kraftvollsten Reisen gehört, die wir jemals machen können. Unsere Erde ist, wie man an Plätzen sehen und spüren kann, die noch nicht von uns Menschen zerstört wurden, ein Paradies. Ich denke, dass dies fast jeder spüren kann, der in einem Wald steht und dort die Vögel zwitschern hört, an einem unberührten Bach inmitten von Wildblumen sitzt, einen sauberen Strand entlang wandert, in einem klaren Fluss badet ... Und ich weiß, dass wir das Potenzial in uns tragen, dieses Paradies wieder überall entstehen zu lassen. Wie treten Sie Menschen gegenüber, die durch die fehlende Verbindung zur Natur und sich selbst, jegliche Lebenskraft verloren haben und mit Gleichgültigkeit handeln?

Erst einmal finde ich es wichtig, diesen Menschen mit Liebe, Mitgefühl und Verständnis zu begegnen. Es ist ja niemand bewusst ignorant oder gleichgültig. Da stehen ein tiefer Leidensdruck und eine oft nicht sehr schöne persönliche Geschichte dahinter. Wenn ich so jemandem begegne und ich spüre oder höre, dass er/sie sich eine Veränderung wünscht, dann versuche ich erst einmal, gemeinsam mit ihm/ihr herauszufinden, was sein/ihr wahres Bedürfnis ist – und das ist zumeist wirklich gesehen zu werden, geliebt zu werden und lieben zu können, einen Sinn im Leben zu finden. Dann arbeite ich mit ihr/ihm daran, herauszufinden, was ihn/ sie davon abhält, dies in ihrem Leben zu erfahren. Meist stecken schmerzhafte Erfahrungen schon aus der frühesten Kindheit dahinter, die dann zur Ausprägung sabotierender bewusster oder meist unbewusster Glaubenssätze geführt haben, die das ganze Leben beeinflussten und manifestieren. Diese Glaubenssätze gilt es erst einmal zu erkennen und sie liebevoll anzunehmen, bevor sie dann verändert werden können. Unser Leben »beschenkt« uns jeden Moment mit Situationen, an denen wir heilen können, um wieder in unsere Freude und Lebenskraft zu kommen. Manchmal sind es eben auch die großen Krisen oder persönlichen Konflikte, die uns nicht verarbeitete Schatten (unbewusste sabotierende Glaubenssätze) spiegeln. Wenn ich beginne, diesen Situationen statt mit Abwehr oder Groll als ein »Schatzsucher« zu begegnen, der ein altes, nicht mehr dienliches Muster ans Licht bringen will, dann wird mein Leben plötzlich zu einem wundervollen Abenteuer. Dazu gehört auch, sich selbst und anderen verzeihen zu lernen. Dankbarkeit zu »trainieren« oder die Traumata und Schmerzen der Vergangenheit mutig aus dem zellulären Gedächtnis des Körpers zu entlassen. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die gelernt haben, sich selbst in ihren ganz individuellen Facetten wieder voll anzunehmen und zu lieben, automatisch auch wieder viel liebevoller und bewusster mit anderen Menschen oder der Natur umgehen. Wahre Liebe ist allumfassend. Wenn ich wirklich liebe, dann möchte ich das, was ich liebe automatisch auch schützen. Woraus schöpfen Sie Kraft für sich, wenn alle Signale auf den Kollaps der (Um-)welt / Natur zusteuern?

Ich gehe hinaus in die Natur und verbinde mich ganz bewusst mit der Natur, die ich ja auch selbst bin. Ich sitze oder gehe so lange, bis ich diese Verbindung wieder mit jeder meiner Zellen und in meinem Herzen spüre. Das ist ein riesiges Glücksgefühl. Ich aktiviere die Dankbarkeit in meinem Herzen für all die Lebewesen, die mich gerade umgeben.Meditation hilft mir, mich wieder mit meiner inneren kraft- und liebevollen Quelle zu verbinden und mich an mein wahres Sein und Potenzial zu erinnern. Die tägliche Praxis von Yoga-Asanas hilft mir, mich in meinem Körper wohlzufühlen und alle – durch Beobachtungen oder Medien wahrgenommenen Signale – die Schmerz, Wut oder innere Enge in mir auslösen, zu transformieren und in eine innere Kraft zu verwandeln. 06 19

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kunst & Kultur po r t r ät

Ist es nicht an der Zeit, die emotionale Intelligenz wichtiger einzustufen, als den IQ? Die Besinnung auf moralische und emotionale Werte müsste bereits Ausgangspunkt im Lernen an Schulen sein. Wie denken Sie darüber?

Oh ja, eine »Evolution« unserer Schulen ist der wichtigste und effizienteste Ansatz, um unsere Gesellschaft in kurzer Zeit zu einer wirklich nachhaltig agierenden und liebevollen Gemeinschaft zu verändern und damit unser Überleben und das unzähliger Spezies, die durch menschliches Handeln vom Aussterben bedroht sind, zu retten. Ein neues Schulsystem, das ein harmonisches und gesundes Miteinander mit der Natur, fördert, statt uns zu braven und gut funktionierenden Konsumenten zu erziehen, die sich durch einen Mangel an Sinn in ihrem Leben zu Konsum und medialer Ablenkung von ihrem wahren Leben verführen lassen. Und dabei spielt das Vermitteln von emotionalen und moralischen Werten eine ganz große Rolle. Gerald Hüther hat mir bei unserem Interview von einer deutschen Studie erzählt, bei der herausgekommen ist, dass die Schüler in unserem konventionellen Schulsystem 2 Jahre nach ihrem Abitur nur 5% des gelernten Stoffes wissen. Kinder kommen nicht als Umweltzerstörer und frustrierte Wesen auf die Welt, sondern werden erst durch ihre Sozialisation durch ihr Umfeld geprägt. Wie Bruce Lipton in AWAKE2PARADISE ja so schön erzählt, arbeitet das Gehirn eines Neugeborenen bis zu seinem 6. Lebensjahr in der Frequenz von »Theta«, einer Gehirnwelle, die dazu führt, dass alles, was das Kind wahrnimmt »wie in Hypnose« aufgenommen und als einzig wahre Realität abgespeichert wird. Wäre es nicht wundervoll, wenn wir Kinder schon in diesem Alter dabei unterstützen würden, sich als liebenswerte, liebende Wesen zu erfahren? Leider findet in den Schulen derzeit noch oft das genaue Gegenteil statt. Durch den massiven Leisungsdruck wird Stress im Körper produziert, das klare Denken und mitfühlende Handeln funktioniert nicht mehr, das Immunystem und die Verdauung werden deaktiviert, wir werden immer öfter krank. Durch die stressbedingte Aktvierung des Stammhirns können wir nicht mehr klar denken, merken uns nichts mehr und landen in einem evolutionsbedingten Modus von »Flucht, Kampf oder ohnmächtiger Erstarrung«. Kommt das den Eltern von uns irgendwie bekannt vor? Allein in meinem Freundeskreis kenne ich mindestens 7 junge Menschen, die massiv unter Mobbing in der Schule leiden und in therapeutischer Behandlung sind. Mobbing in der Klasse könnte ja theoretisch als eine Riesenchance betrachtet werden, um in der Schule das Thema »gewaltfreie Kommunikation« zu thematisieren. Es sind ja nicht nur die Mobbing»opfer«, sondern auch die Täter, die aus einem oft nicht bewussten Leidensdruck ihr inneres Mangelgefühl an ihren Mitschülern auslassen. Ich wünsche mir also neue Schulen und Kindergärten, in denen die Lehrer- und BetreuerInnen selbst zu den besten Coaches für ihre Schüler ausgebildet werden und ihre eigenen Schattenseiten kennen und transformieren gelernt haben, um sie nicht auf ihre Schüler zu projizieren. Eine Schule, in der Kinder als wundervolle Wesen mit individuellen Fähigkeiten gesehen werden, wo ihr persönliches Potenzial gefördert wird. Eine Schule in und mit der Natur, wo die Kinder begleitet werden, ihren persönlichen Weg zu finden, ihre Stärken zu entdecken und auszubauen. Ein Platz, an dem sich Kinder sicher fühlen, sich selbst auszudrücken und wo sie lernen, wie man gewaltfrei miteinander kommunizieren kann. Ein Platz, an dem die Schulfächer wieder Spaß machen und Neugier wecken. Die Schule könnte auch der Platz sein, an dem Kinder sich ihrer limitierenden Glaubenssätze, die sie aus ihren Familien mitgebracht haben, bewusst werden und diese zu verändern lernen. Ein Platz, an dem sie sich selbst als Schöpferwesen anerkennen und die Liebe und das Mitgefühl mit sich selbst und allem Sein üben.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 19  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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