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enn alles gut läuft, kommen wir auf diese Welt und das erste, was uns erwartet, sind die liebenden, sehnsüchtig wartenden Umarmungen unserer eltern. der mutterleib wird verlassen, ein Ort, an dem man in symbiose mit seiner mutter gelebt hat – ein schützender raum um uns herum. draußen jedoch gibt es das alles auch – in anderer form, aber mindestens genauso schützend. eltern überhäufen ihre Kleinen mit liebe, Zuneigung und ganz viel Körperkontakt. das stillen, also die nahrungsaufnahme zu beginn unserer lebens – die nahrung, die uns das Überleben sichert – läuft auch über Körperkontakt ab. das baby ist seiner mutter ganz nah und wird über die brust versorgt – etwas sehr intimes, das nicht nur Körperkontakt ist, sondern gleichzeitig auch Urvertrauen und somit die bindung von mutter und Kind stärkt. so geht es dann weiter … irgendwann gibt es die brust nicht mehr, die berührungen hingegen bleiben. Und auch, wenn wir ab einem bestimmten alter nicht mehr die elterliche Wärme in form von berührungen empfangen – einfach, weil wie zu alt sind und sich der fokus verändert – so bleibt doch das tiefe und menschliche, pure bedürfnis nach berührung und somit auch nach Geborgenheit und Wärme.

auch tiere Mögen KörPernähe Wir menschen leben von nähe und benötigen diese – ohne sie würden wir verkümmern. babys, die ohne jeglichen Körperkontakt aufwachsen, haben schlechte chancen auf ein Überleben. das Gefühl von Geborgenheit ist für Physis und Psyche enorm wichtig. die natur hat sich hier ein ganz einfaches und ausgeklügeltes system ausgedacht. Und nicht nur wir menschen fühlen uns wohl, wenn wir die nähe eines anderen empfangen – auch in der Tierwelt kann man sehr oft beobachten, wie Tiere nähe austauschen. affen, die sich lausen, hunde, die nebeneinander einschlafen oder die mutter-Kind-symbiose bei löwen. bei säugetieren gehört die nähe einfach dazu, damit es überhaupt zum Wachstum kommen kann. berührungen gehören zu unseren Grundbedürfnissen: neben essen, trinken und schlafen benötigen wir berührungen für unser Wohlbefinden. bereits vor unserer Geburt spielen diese eine rolle. studien der Universität leipzig unter leitung von herrn Professor Grunwald konnten zeigen, dass die befruchtete eizelle bereits ab der sechsten schwangerschaftswoche sensibel auf berührungen reagiert. dadurch wird das Wachstum der Zelle stimuliert, die Zelle kann reifen. Unser Körper ist zudem darauf ausgelegt, dass wir fühlen und dinge erspüren können. Unsere haut ist das größte Organ und stellt die Trennung unseres Organismus von innen und außen dar. sie schafft somit die Verbindung zur außenwelt und leitet jegliche sensorische information weiter, lässt uns sanfte streicheleinheiten spüren, ebenso wie schmerz, beispielsweise bei einer Verbrennung oder einem schlag. das Gute: schmerz kann durch berührungen gelindert werden. so konnten studien zeigen, dass das schmerzempfinden geringer wird, wenn wir währenddessen von anderen menschen berührt werden. Zudem sinkt dadurch auch die nervosität. angstpatienten beim Zahnarzt werden es kennen: die Zahnarzthelferinnen sind darauf geschult, Patienten mit angst vor und während der behandlung zu berühren. der Patient wird durch diese intervention merklich ruhiger. berührungen können also tatsächlich kleine Wunder bewirken.

das KuschelhorMon oXytocin des Weiteren zeigen sich auch positive immunreaktionen, die durch berührungen ausgelöst werden und den Organismus heilen können. die schöne, positive Wirkung lässt sich biologisch unter anderem durch die ausschüttung des hormons Oxytocin erklären. es wird ausgeschüttet, wenn wir die berührungen eines menschen empfangen und genießen, d.h. als positiv bewerten. Oxytocin wird auch als Kuschelhormon bezeichnet: durch das berühren und die ausschüttung wird Vertrauen aufgebaut. die natur hat dies ganz geschickt eingefädelt, denn ohne Oxytocin wäre die menschheit vielleicht schon ausgestorben. mütter schütten ganz viel dieses hormons bei der Geburt ihres Kindes aus; das erklärt auch die enormen Glücksgefühle. Zusammen mit dem hormon Vasopressin wird das mütterliche fürsorgeverhalten in Gang gesetzt und dieser unglaublich starke mechanismus versucht das Überleben des nachwuchses zu sichern. ein band zwischen eltern und kind schon als babys bekommen wir sehr viel nähe von unseren eltern und anderen menschen, die dazu beiträgt, dass wir gedeihen können und ein band des tiefen Vertrauens geknüpft wird. foto stocksnap // pixabay.com

auch in der liebe spielt das Kuschelhormon eine enorme bedeutung: durch den als angenehm empfundenen Geschlechtsverkehr sowie den Körperkontakt mit dem Partner oder der Partnerin schütten wir Oxytocin aus und binden uns emotional an das Gegenüber. allerdings ist es häufig so, dass frauen das hormon stärker ausschütten und es daher zu dem bekannten schema kommt: nach dem ersten sex will sich die frau binden, für den mann hingegen war es nur ein One-night-stand. damit eine bindung zwischen beiden entsteht, ist Oxytocin jedoch von hoher relevanz. auch hier wieder ein cleverer schachzug der natur: Wir binden uns, vertrauen und im besten fall wollen wir nachwuchs zeugen. der Kreislauf wiederholt sich immer wieder – die menschheit kann sich also fortpflanzen und das bestehen der spezies wird gesichert.

nähe unter Tieren auch in der Tierwelt gibt es viele arten, die nähe zueinander suchen und diese für eine gesunde entwicklung auch benötigen. foto rabedirkwennigsen // pixabay.com

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 19  

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