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Kinder an die Macht a b e n T e U e r l U s T G e G e n z U k U n f T s f r U s T // »Gebt den Kindern das Kommando, sie berechnen nicht was sie tun. Die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende … «, skandierte Herbert Grönemeyer bereits vor rund dreißig Jahren. Doch, so erfolgreich der Song auch war, wirklich ernst genommen haben ihn sicher die wenigsten. Dabei würde es durchaus guttun, der kindlichen Blickweise mehr Bedeutung beizumessen.

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in Blick auf die Welt zeigt, immer mehr Kinder und Jugendliche erheben die Stimme und treten für ihre Überzeugungen ein. Dass dieses Engagement einerseits gar nicht neu, sondern vielmehr einer langen Tradition entspricht, ist ebenso verbürgt, wie die Tatsache, dass jugendliche Meinungsäußerung schon immer im besten Fall belächelt, im schlimmsten Fall drakonisch bestraft wurde. Doch was macht uns Erwachsene so sicher, immer im Recht zu sein? Wie sehen Kinder die Welt? Und was können wir von Kindern lernen? KOMPASS begibt sich auf die Suche nach Antworten... TiTel

Zugegeben, Kinder verhalten sich oft nicht so, wie es ihre Eltern oder auch außenstehende Erwachsene wünschen würden. Sie sind oft laut, expressiv, spontan und wirken irrational. Werden also unsere Erwartungen nicht erfüllt, spricht man heutzutage schnell von »Missverhalten« und wertet dieses als Defizit, sagt Dr. Herbert Renz-Polster. Sein Ansatz ist ein anderer: Statt nach dem zu suchen, was unseren Kindern scheinbar fehlt, fragt er nach den Vorteilen, die ein bestimmtes Verhalten bietet. Mit KOMPASS spricht er darüber, wie Kinder die Welt sehen und was ihre Sichtweise so besonders macht. »Kinder erleben sich ja als extrem schutzbedürftig und blicken deshalb gleichzeitig bang und hoffnungsvoll auf die Welt: Ist sie sicher? Ist sie ein gebender Ort? Kann man dort tolle Sachen machen? Leben dort gute Menschen? Ein ›heimatsuchender‹ Blick, so würde ich das nennen.« Und dieser sei den Kindern ganz nah am Herz: Was, wenn die Welt ihr Versprechen nicht hält, was, wenn die Welt kein guter Ort ist? »Ich finde diese Perspektive absolut respektabel. Hinter uns liegt eine Zeit, in der wir Menschen viel zu oft glaubten, alles in der Hand zu haben, alles zu unseren Gunsten gestalten zu können, und wir merken jetzt allmählich, wie falsch wir mit unseren Machbarkeitsfantasien liegen. dr. Herbert renz-Polster

der vierfache Vater ist Kinderarzt und assoziierter Wissenschaftler am mannheimer institut für Public health der Universität heidelberg. er gilt als eine der profiliertesten stimmen in fragen der kindlichen entwicklung. seine Werke »menschenkinder« sowie »Kinder verstehen« haben die erziehungsdebatte in deutschland nachhaltig beeinflusst. foto Kösel Verlag

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 19  

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