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Von der Vision hin Zur eigenen stiFtung

ein ärZtin Mit grosseM herZen schon früh wollte frau de la Torre castro anderen menschen helfen. »als Kind wollte ich immer Ärztin werden und mein Traum, arme menschen zu behandeln, hat sich in berlin erfüllt. im Jahr 1994 habe ich meine arbeit in der medizinischen Versorgung obdachloser menschen angefangen. ihre schicksale und lebensläufe haben mich unglaublich erschüttert. ich konnte sie nicht einfach so stehen lassen. es gab nur eine möglichkeit – handeln!«, so die fachärztin für Kinderchirurgie. des Weiteren betont sie, dass sie die mithilfe der mitbürger sehr schätzt und erkannt hat, wie viele menschen sich engagieren wollen – genau daraus schöpft sie auch ihre motivation. »ich habe bei meiner arbeit erlebt, dass es in unserem land sehr viele solidarische menschen gibt. sie unterstützen meine arbeit nicht nur durch sach- und Geldspenden, sondern auch durch viel menschliche Wärme. dafür bin ich ihnen unendlich dankbar!« das Zentrum hat sich etabliert und bietet jeden Wochentag hilfe für Obdachlose an. »an fünf Tagen in der Woche biete ich von morgens bis nachmittags sprechstunde an. hier behandle und berate ich alle Patienten, die zu mir kommen. meine arbeit besteht oft auch aus Zuhören, Trösten, motivieren, Kontakte vermitteln. hinsichtlich der stiftung gehören zu meinen aufgaben u. a. die Organisations- und Öffentlichkeitsarbeit«, so de la Torre castro. doch die Ärztin ist nicht alleine mit ihrer Vision und wird von zahlreichen kompetenten Kollegen unterstützt. »im GZO arbeiten 10 festangestellte und ca. 30 ehrenamtliche mitarbeiter. Ärzte aus verschiedenen fachbereichen, z. b. Orthopädie, dermatologie, allgemeinmedizin, innere medizin, Ophthalmologie und Zahnmedizin. des Weiteren sind im GZO eine sozialarbeiterin, eine Psychologin, rechtsanwälte, Krankenschwestern, apothekenhelfer, im Garten hobbygärtner, ein Koch, ein logistiker und in der Verwaltung bürokräfte. alle gemeinsam bringen viel Teamfähigkeit und eine gesunde einstellung zu den menschen mit, die wir hier betreuen. darüber hinaus sind Geduld und seelische belastbarkeit notwendig, um auch misserfolge ertragen zu können.«

Medizinische versorgung einfach mal zum arzt gehen und sich behandeln lassen, ist für Obdachlose so nicht möglich. dabei werden Krankheiten schlimmer und chronisch, wenn sie nicht behandelt werden. eben hier setzt die Jenny de la Torre stiftung an. foto rawpixel // pixabay.com

dass die arbeit emotional berührend ist und ebenso schöne wie traurige erlebnisse mit sich bringt, liegt auf der hand: »es gibt nicht nur ein schönes erlebnis. es gibt sehr viele schöne erlebnisse, aber die schönsten sind, wenn ehemalige Patienten kommen und berichten, dass sie wieder in arbeit stehen, eine schöne Wohnung haben und sogar eine familie gegründet haben. das Traurigste ist, wenn man erfährt, dass einer der Patienten erfroren ist oder sich das leben genommen hat«, berichtet die Ärztin, die neben ihrer arbeit auch mutter eines sohnes ist.

selBst aKtiV werden die stiftung selbst wird fast ausschließlich aus Geld- und sachspenden finanziert. da es sich um eine gemeinnützige und mildtätige einrichtung handelt, können zudem mae-Kräfte (mehrwaufwandsentschädigung) zeitbegrenzt eingesetzt werden. die stiftungsgründerin gibt auch die möglichkeit, selbst tätig zu werden: »es gibt viele möglichkeiten unser Zentrum zu unterstützen. Gerade die ehrenamtliche arbeit ist für uns wichtig.«

wer nun aber nicht in der nähe von berlin wohnt und sich trotzdem engagieren möchte, dem rät frau de la Torre castro, sich mit bestehenden organisationen in verbindung zu setzen und nachzufragen, inwiefern man dort mitwirken kann oder einfach selbst einen verein zu gründen.

foto iamharsha // pixabay.com

das Problem hat die Ärztin dr. med. dr. h.c. Jenny de la Torre castro erkannt und kam auf eine geniale idee: eine niedrigschwellige Versorgung für Obdachlose in berlin zu etablieren. durch einen im Jahr 2002 gewonnenen medienpreis konnte sie ihre Vision in angriff nehmen. das gestiftete Preisgeld schuf die Grundlage für die Jenny de la Torre stiftung. Weitere stiftungsgelder folgten und so konnte die Ärztin ein Gesundheitszentrum für Obdachlose verwirklichen. »die stiftung hat das Gesundheitszentrum für Obdachlose (GZO) aufgebaut und im september 2006 eröffnet. hier bieten wir kostenlose medizinische, zahnmedizinische und augenärztliche Versorgung, soziale, psychologische und rechtliche beratung, die dienstleistung eines friseurs sowie das anfertigen von Passbildern, Kleidung, hygieneeinrichtungen und zwei kostenlose mahlzeiten an«, beschreibt frau de la Torre castro ihre arbeit. inzwischen gilt ihre stiftung als Vorbild in diesem bereich und hat auch viele andere menschen und initiativen inspiriert, die sich gegen Obdachlosigkeit einsetzen wollen.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 19  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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