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Den typischen Jungmädchentraum, Sängerin zu werden, hatte Jördis Urban-Doetz eigentlich nicht. Bis zu dem Zeitpunkt, als zum familiären Bekanntenkreis ein Opernsänger hinzukam. Da war es um die damals Zehnjährige geschehen, wie sie erzählt. »Den fand ich ganz toll«, schwärmt die Sopranistin augenzwinkernd »also war für mich klar: Ich werde Opernsängerin. Aber natürlich überhaupt nicht wissend, was das genau für ein Beruf ist, was da alles dran hängt und vor allem, was man da können muss.« Zu ihrem großen Glück war sie auch nicht ganz unmusikalisch. So brillierte sie bereits 1997 mit der Arie der Dorabella »Smanie implacabili« aus Mozarts »Cosi fan tutte« beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« und gewann den 3. Preis. Aus heutiger Sicht bezeichnet die Perfektionistin ihre Darbietung lächelnd als »sicherlich nicht schön«, doch die Juroren überzeugte die damals Achtzehnjährige. Und so legte die ambitionierte Sängerin zwischen dem Deutsch- und dem Matheabitur mal eben schnell die Aufnahmeprüfung für die Musikhochschule »Franz Liszt« in Weimar mit Erfolg ab.

zweitliebstes Instrument Klavier spielt die Sopranistin seit ihrem siebenten Lebensjahr. Foto: Anna Borkert

zWischen trauM und Wirklichkeit Bis 2004 studierte die gebürtige Zwickauerin Gesang an der renommierten Musikhochschule und bestand ihr Examen mit »sehr gut«, was ihr ein anschließendes Aufbaustudium ermöglichte. »Irgendwann sagte mein Lehrer: Weiß du was? Wir haben jetzt gerade ein Ergänzungsstudium Pädagogik, mach das mal mit! Das wollte ich gar nicht! Ich wollte überhaupt nicht unterrichten. Ich sagte: Nein, ich will keine Schüler haben, ich will singen!« Fast hätte er sie ein wenig gezwungen, erzählt sie augenzwinkernd und am Ende war es »das Beste, was mir passieren konnte.« Das Problem in diesem Business sei, es hänge letztendlich nicht davon ab, wie talentiert man ist oder was man kann. Das Entscheidende ist, Glück zu haben. Zudem kann und konnte die Sopranistin mit dem harten Konkurrenzkampf unter Kollegen nichts anfangen. »Bei den 10 Sopranos hat man mich immer gefragt: Gab es Stress bei euch? Klar gab´s mal kleinere Sachen, aber wir haben uns grundsätzlich super verstanden, weil wir uns nicht als Konkurrenten verstanden haben, sondern als Kollegen. Das ist aber die Ausnahme, die meisten sehen sich in einem ständigen Konkurrenzkampf.« Deshalb, so sagt sie, habe sie im großen Operngeschäft auch keine Karriere machen wollen und können. Man müsse extrem geradlinig orientiert und von sich selbst überzeugt sein: Ich bin die Beste! Zweifel sind da fehl am Platz. Es ist ein Wettkampf von Anfang an. Es gehe heute in der Kunst mehr denn je um Vermarktung und bei Frauen zudem ganz extrem um Aussehen. Dabei scheue sich die Branche auch nicht vor klaren Ansagen: »Uns wurde deutlich gesagt, dass es eben nur bis zu einer gewissen Kleidergröße geht und auch nur bis zu einer gewissen Altersgrenze. Hinzu kommt, dass Kinder in diesem Job auch nicht wirklich gewünscht sind.«

der Beste joB der Welt So entschied sich die sympathische 38- Jährige direkt nach dem Studium in die Gesangspädagogik einzusteigen und das Singen freischaffend und parallel fortzuführen. Das war ihr von Anfang an wichtig, denn die eigene Glaubwürdigkeit leidet, wenn man nicht mehr selbst musiziert und weiß, wie es sich anfühlt, vor Tausend Menschen zu stehen und Lampenfieber zu haben, ist sich die Stimmbildnerin sicher. Bereits im Jahr 2009 wurde sie, zunächst mittels Honorarauftrag an ihre alte Wirkungsstätte, das Clara-Wieck-Gymnasium, berufen, um mit dem Kinderchor zu arbeiten und eine kleine Arbeitsgemeinschaft zu leiten. Ein Kollege hatte sie für die Anstellung empfohlen und ein wenig »Stallgeruch« war wohl auch noch vorhanden, immerhin hatte die schöne Musikerin 1997 im Planitzer Schloss, welches seit 1992 als Heimstätte des Musikgymnasiums fungiert, maturiert. Einem unglücklichen Umstand, eine Kollegin war schwer erkrankt, verdankte sie 2013 dann die endgültige Eingliederung ins Team des Musikgymnasiums. Heute unterrichtet sie Gesang in den Musikspezialklassen der 5. bis 12. Klassenstufen. Privat lebt die gebürtige Zwickauerin mit ihrer Familie in Dresden. Trotz der Möglichkeiten, die ihr die Landeshauptstadt bieten würde, auch dort gibt es ein Musikgymnasium oder auch so renommierte Institutionen wie den weltbekannten Dresdner Kreuzchor, möchte die Künstlerin ihr Clara-Wieck-Gymnasium nicht missen. »Es ist eine super Schule und ich kann mir keine andere vorstellen, wo ich unter diesen Bedingungen, mit so vielen motivierten und engagierten Schülern und Kollegen arbeiten kann. Für mich persönlich der berühmte Sechser im Lotto.«

moviehits for Kids Auch in diesem Jahr wird Jördis Urban-Doetz die beliebten Moviehits musikalisch unterstützen und moderieren. Foto: Krauß Event / Kristin Schmidt

Und vermisst sie es auf der großen Bühne zu stehen? »Nein, ich kann singen, wenn ich will, aber ich muss es nicht! Für mich wäre es das Allerschlimmste, mein ganzes berufliches Sein und mein Privatleben von einem Miniorgan in meinem Körper abhängig zu machen. Mir ständig die Frage zu stellen: Kann ich mich heute Abend mit Freunden treffen und vielleicht ein Glas Wein trinken oder kann ich dann morgen schon nicht mehr singen? Und, ich habe dann für mich festgestellt, dass es mir mindestens genau so viel Glücksgefühl bereitet, wenn ich jemanden dazu bringen kann, auf der Bühne zu stehen und da sein Bestes zu geben, als wenn ich da selber stehe.« Doch auf die Bühne ganz verzichten, wird die stimmgewaltige Sächsin auch künftig nicht, so steht neben ihren Auftritten mit dem Kammerchor VOCADEO auch schon der kommende »Moviehits for Kids«Event als fixer Termin in ihrem vollen Kalender. Text: JoKri Info: www.joerdisurban.de

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 17  

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