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Du bist jetzt gerade 40 Jahre alt geworden, hast Familie und Kinder. Wie ist das mit dem Reisen zu vereinbaren?

Indem man eine Partnerin hat, die das alles mitmacht. Ohne sie, die mich bei meinen Reisen und in meinem Tun unterstützt, wäre es sehr schwer. Mein großer Sohn, der ist mittlerweile 12 Jahre alt, der geht schon nach und nach seine eigenen Wege, der ist sehr selbstständig. Aber wir haben auch ein kleines Kind, das braucht natürlich eine gewisse Fürsorge und dementsprechend muss es zu Hause einen sicheren Hafen geben, eine Heimat, wo sich immer jemand um die Kinder kümmert und dafür sorgt, dass alles mit der Schule klappt. Und wenn ich unterwegs bin, dann muss ich mich hundertprozentig darauf verlassen, dass zu Hause nichts schief geht, sonst habe ich den Kopf nicht frei und wenn ich den Kopf nicht frei habe, dann mache ich Fehler und Fehler können schlimme Folgen haben. Deshalb ist der Rückhalt der Familie enorm wichtig! Du hast die Erde praktisch mehr als eineinhalb Mal umrundet, alles mit eigenen Augen gesehen, gehört und gespürt. Wie geht es unserem Planeten?

Man sagt ja immer die Uhr steht fünf vor zwölf. Meiner Meinung nach steht die Uhr schon fünf nach zwölf. Ich habe zum Beispiel in Afrika gesehen, wie dramatisch sich die globale Erwärmung auswirkt, das können wir uns hier gar nicht vorstellen. Die Gletscher beispielsweise tauen um etliches schneller ab als die Gletscher in der Schweiz. Natürlich gibt es noch Eis am Äquator in Afrika, aber es schwindet rapide. Die Regenwälder werden immer weiter abgeholzt und weichen irgendwelchen Palmölplantagen, weil bei uns Palmöl in nahezu jedem Produkt verwendet wird. Wir als Familie achten sehr stark darauf, welche Nahrungsmittel wir konsumieren und wie viel Müll wir produzieren, weil ich durch mein »Unterwegssein« immer wieder mitbekomme, wie die Erde kaputtgemacht wird. Natürlich ist es nicht leicht für jeden einzelnen etwas zu bewirken, aber ich denke, wenn wir nicht bei uns anfangen, dann erreichen wir gar nichts. Die großen Firmen, die es in der Hand hätten, reagieren nur, wenn wir nicht mehr kaufen, nicht mehr tolerieren. Ich denke, die uns folgenden Generationen werden darunter zu leiden haben, was wir als Menschen und ich sage bewusst nicht »wir Deutschen«, denn es betrifft alle, was wir als Bewohner dieser Erde verbocken. Und nur weil es andere nicht machen, heißt das nicht, dass wir es nicht versuchen sollten, etwas zu verändern. Man sollte es für sich selbst tun, um für sich ein reines Gewissen zu haben. Wir verschwenden, während anderswo Menschen verhungern. Das schmerzt. Ich kann das sicher nicht ändern, aber ich kann darauf aufmerksam machen. 06 17

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Du setzt Dich bei Deinen Grenzgängen bewusst Gefahren aus, denen man im Alltäglichen eher nicht begegnet, kennst Du das Gefühl von Angst? Wovor fürchtest Du Dich?

Ich denke, die Angst nicht zurückzukommen oder vielleicht krank wieder zurückzukommen nimmt im Laufe des »Älterwerdens« zu, so empfinde ich es zumindest. Obwohl ich gar nicht vorrangig Angst um mich habe, da habe ich einfach auch schon zu viele extreme Dinge gemeistert. Eher die Angst, was aus den Hinterbliebenen zu Hause wird, denn sie machen sich die größeren Sorgen um einen und stehen damit natürlich allein. Dies begleitet mich auf meinen Reisen und gehört auch dazu, denn sie halten mich wach und aufmerksam. Die Angst schwingt immer mit und hält einen auch von zu großen Wagnissen ab. Es ist aber keine einschnürende Angst, die einen hindert, sondern eine gesunde Angst, mit der man umgehen kann. Gab es Momente, an denen Du aufgegeben hast oder musstest und wie gehst Du mit dem Scheitern um?

Ja, es gab Momente, da musste man aufgeben, umdrehen, vielleicht die Expedition auch abbrechen. Das beste Beispiel ist der Weltrekord am Muztagata, den wir bei 7211 Meter geknackt hatten, klar hätten wir noch weiter gehen können an diesem Berg, haben dann aber im Team entschieden, dass wir das nicht machen. Man muss beachten, ein Berg ist erst dann geschafft, wenn man wieder unten ist. Mit Fehlschlägen selbst gehe ich ehrlicherweise nicht so gut um. Ich brauche dann ziemlich lange, um davon ein bisschen Abstand zu gewinnen, aber nach einiger Zeit, wenn man die Tour noch mal Revue passieren lässt und darüber nachdenkt, erkennt man, dass es wichtig und richtig war an der Stelle nicht zu übertreiben. Man sollte insgesamt nicht zu lange über gescheiterte Momente im Leben nachdenken, denn das bringt einen nicht weiter, es gilt das Positive voranzustellen. Man hat zwar vielleicht den Gipfel nicht ganz erreicht, aber man ist heil wieder angekommen. bilder für die ewigkeit Menschenmumie eines Häuptlings im Baliem Tal in Neuguinea. Auf den Spuren der letzten Berglandgorillas unserer Erde in Uganda. Atemberaubende Natur in Island. Direkter Kontakt mit den Urvölkern. re.: Naturgewalten sind unvermeidbar, doch das Ergebnis entschädigt. re.u.: Raja & Jadov. Im Jahr 2007 begab sich Bretschneider auf eine Expedition zur Quelle des Ganges.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 17  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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