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expertin ein, sondern dank der Bekannten eines Bekannten einer Bekannten auch ein wunderschönes neues Domizil im Herzen Aljezurs, mit einer Aussicht, für die man in größeren Städten Hunderte, wenn nicht Tausende von Euros bezahlen würde, die hier jedoch günstiger ist, als ein Ein-Zimmer-Apartment in einem Berliner Hinterhaus.

Kurz nach der Autoschau traf ich eine Freundin im Café und erzählte ihr nebenbei von diesem doch sehr fragwürdigen Angebot. Sie verschluckte sich fast an ihrem Kaffee, riss die Augen auf und sagte: »Du darfst dieses Auto auf gar keinen Fall kaufen!« Amüsiert über ihre plötzliche Ernsthaftigkeit hakte ich nach. Ein Jahr zuvor hatte der Mechaniker ihr dieses Auto für 600 Euro angeboten. Anders als ich, hatte sie sich direkt einen Autokenner mitgenommen – der ihr ganz klar vom Kauf abriet. Im Nachhinein erfuhr sie, dass der Mechaniker das Auto bereits diverse Male an Touristen vermietet hatte, die, einer nach dem anderen, damit liegen geblieben waren. Das gehört, freute ich mich zum ersten Mal in meinem Leben über Dorfklatsch. Der sollte mir in Sachen Auto kurz darauf zugutekommen: ein Freund einer Freundin einer Freundin verkaufte seinen geliebten alten VW Polo. Trotz des vorangeschrittenen Alters in gutem Zustand und – als nostalgischer Pluspunkt – genau der Wagen, den ich schon mit 18 Jahren gefahren war. Gesehen, gefahren, gekauft.

Wen trifft Man Woanders?

büroaussicht Dank Laptop und portablem Wifi-Routern können Autoren, Grafiker und Co. häufig dort arbeiten, wo die Aussicht am schönsten ist.

vorankoMMen ohne auto? Möglich, aBer BeschWerlich Neben Wohnung und Job ist es vor allem ein fahrbarer Untersatz, der zu den Grundbedürfnissen eines Lebens auf dem Dorf zählt. Denn anders als etwa in Lissabon fahren durch Aljezur keine Straßen- oder U-Bahnen. Na gut, es gibt Busse, aber die bringen einen nicht überall hin und fahren außerdem selten. Wer hier führerscheinlos ist oder ständig am finanziellen Limit lebt, kommt dank ausgezeichneter Daumenraus-und-schon-hält-jemand-an-Gepflogenheiten, Fahrrad und Füßen natürlich auch irgendwie voran. Mir erschien das Auto aber von Anfang an genauso notwendig wie ein Dach über dem Kopf. Denn so klein der Ort auch sein mag, fußläufig ist trotzdem ein weit dehnbarer Begriff. Ich hatte von einem Mechaniker in Aljezur gehört, der hin und wieder Gebrauchtwagen verkauft. Ohne irgendeinen Funken Ahnung von Autos zu haben, fuhr ich mit meinem Leihwagen zur Werkstatt und durfte sogleich einen Blick in das Innere eines alten VW Golfs werfen: Schimmel, fehlende Gurte und ein Loch im Boden. Eine Schrottkarre für 1.000 Euro.

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er sie es T H E M A

Job, Auto und Wohnung waren geklärt, nun konnte der richtige Spaß losgehen: das Leben in meinem kleinen portugiesischen Paradies. Dieses Gefühl teile ich mit etlichen Auswanderern aus aller Welt, die sich hier nach ein oder mehreren Besuchen niedergelassen haben. In erster Linie sind es Surfer, die sich von zahlreichen Surfspots wie Arrifana, Beliche oder Ponta Ruiva – um nur drei zu nennen – nach Aljezur haben treiben lassen und die Strände und Straßen in einen Laufsteg für Beach-Looks verwandeln: Damen und Herren mit von der Sonne aufgehellten, ins Bodenlose wachsenden Haaren in Bordshorts, Bikinis und Wetsuits und mehr oder minder gestählten Körpern sind Teil des Straßenbildes. Und die kommen von überall her. Neben den hier ansässigen Portugiesen sind es vor allem Deutsche und Engländer, die sich in der kleinen Stadt niedergelassen haben. Hinzu kommen jede Menge Australier, Spanier, Italiener, Brasilianer sowie viele andere Nationalitäten. Entsprechend der Vielzahl an Nicht-Portugiesen ist neben Portugiesisch die Hauptsprache Englisch und vielfach auch Deutsch.

koMMunenleBen & entBehrungen Mit all diesen Auswanderern, die hier wie ich ihren aktuellen Lebensmittelpunkt gefunden haben, sowie ein paar Portugiesen, die jedoch – zumindest in meiner Alterssparte – schon fast die Minderheit bilden, lebt es sich hier fast wie in einer Kommune. Zum ersten Mal in meinem Leben lerne ich diese Intimität kennen, die es nur auf Dörfern zu finden gibt. An die Anonymität Berlins gewöhnt, irritierte es mich am Anfang, dass jeder dritte mir entgegenkommende Autofahrer die Hand zum Gruß hebt, wenn er oder sie mich kommen sieht und ich kaum eine Minute in einem Café oder am Strand sitzen kann, ohne dass ein bekanntes Gesicht auftaucht.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 6 | 17  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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