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Wilde Rosen

Tabakfabrik Alttrachau

Das Wohnprojekt »Wilde Rosen« denkt Lebens- und Arbeitsräume neu: Die hier Lebenden sind in eine Nachbarschaft eingebunden, in der gegenseitige Unterstützung eine Selbstverständlichkeit ist. Menschen aus verschiedenen Generationen und Lebensmodellen treffen in der Nähe von Hamburg im Grünen aufeinander. Auch gebaut wird gemeinsam: Jeder ist in die Planung des Wohnumfeldes persönlich einbezogen. Damit jeder von den unterschiedlichen Begabungen und Fertigkeiten der hier Lebenden profitiert, wurde der Tauschring ins Leben gerufen, bei dem Dienstleistungen gegen Rosentaler getauscht werden: Das Spektrum der Angebote reicht von der Fahrradreparatur über Kochen, Kinderbetreuung, Computerhilfe oder Tiere ausführen. Jede Tätigkeit wird dabei als gleichwertig angesehen.

Die einstige Tabakfabrik wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert erbaut und im Dezember 2010 von der Bauherrengemeinschaft »Wohnprojekt Tabakfabrik Alttrachau GbR« erworben. Seit der Bauphase ist das Projekt noch gewachsen. Heute leben 18 Erwachsene und 10 Kinder - bunt gemischt von Alter, Beruf und Herkunft – auf dem Gelände zusammen. Verschiedene Räume werden gemeinschaftlich genutzt und die eigene Wohnung bietet genug Raum für Privatsphäre und die individuelle Lebensgestaltung. Nachbarschaftliches Miteinander wird hier durch gemeinsames Kochen und Essen, Feste, ein Hausorchester und natürlich gegenseitige Unterstützung gelebt. Foto: Susanne Hecht

www.wohnprojekt-wilde-rosen.de

www.tabakfabrik-alttrachau.de

INTERVIEW Tristan Horx studierte Sozial- und Kulturanthropologie. Im Zukunftsinstitut beschäftigt er sich mit den Trendbereichen Digitalisierung, Lifestyle, Globalisierung und Generationenwandel. Das Zukunftsinstitut wurde 1998 gegründet. Heute gilt das Institut mit Sitz in Frankfurt am Main und Wien als eines der einflussreichsten Think Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung. Kompass: Herr Horx, warum brauchen wir neue Wohnkonzepte?

Tristan Horx Sozial- und Kulturanthropologe Foto: Zunkunftsinstitut / Klaus Vyhnalek

Tristan Horx: Weil sich die Welt verändert und wir große Herausforderungen zu meistern haben. Die zentralen Themen für die nächsten Jahrzehnte sind Bevölkerungswachstum, fortschreitende Alterung, steigende Urbanisierung und dramatische soziokulturelle Veränderungen mit vielen neuen Lebensmodellen. Natürlich wird man bei weiterem Bevölkerungswachstum den Luxus von 41 Quadratmetern pro Kopf beispielsweise in einer Stadt wie Wien auf Dauer nicht aufrechterhalten können. Wir leben in einem Individualistischen Zeitalter, aber je individualistischer der Lebensentwurf, desto wichtiger wird die Unterstützung durch andere Menschen - und das ist der Grund, warum wir neue Wohnkonzepte brauchen. Hier geht’s vor allem um sogenannte Co-Living Spaces. Entsteht durch Collaborative Living wirklich eine höhere Wohnqualität oder geben wir uns aufgrund steigender Mieten und Wohnungsmangel einfach mit weniger zufrieden? Wir denken immer noch in alten Systemen, wenn wir über Wohnen und Wohnzimmer reden. Es wird in der Zukunft für viele in der Stadt aber nicht mehr darum gehen, wie viel Quadratmeter man ›hat‹, sondern um die Qualität und Vielfalt des Lebensraumes, die Qualität der Nachbarschaft. Das sogenannte Shared Spaces-Prinzip - das ausgelagerte, gemeinsam mit Nachbarn benutzte Wohnzimmer - rückt in den Fokus. Das kann in der Form einer Gemeinschaftsküche sein, einer Bibliothek im Erdgeschoss, eines Fitness-Raums, Co-Working-Spaces oder eines Co-Gardening-Projektes. Das neue Motto heisst ›shared metres‹ statt ›squared metres‹.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 4 | 17  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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