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Z wa n gsp r os t i t u t io n i n I n d i e n u n d N e pal Text: Anna Wengel | Fotos: Maiti Nepal | Info: www.maitinepal.org

wahre mädchen Nepal ist eines der beliebtesten Reiseziele für TreckingFreunde, Asienfans und Schnäppchenjäger. Doch hinter dem Vorhang liebevoller Gastfreundschaft und Bergsteigeroasen versteckt sich ein dramatisches Problem: Menschenhandel und Zwangsprostitution gehören bis heute zur Tagesordnung. Die Nichtregierungsorganisation Maiti Nepal tritt gegen die moderne Sklaverei ein. Ein Besuch bei Maiti.

Menschenhändler oder Bruder?

64 Frauen, ein Schicksal. Sie alle wurden von Menschenhändlern verkauft und zur Prostitution gezwungen. Heute arbeiten sie als Beobachterinnen an Nepals Grenzen nach Indien und China, um andere Mädchen vor diesem Schicksal zu bewahren.

Vor dem großen Tor auf der nepalesischen Grenzseite bildet sich eine kleine Menschenmenge. Laute Stimmen sind zu hören. Ein Polizist hat eine Rikscha angehalten. Die beiden Fahrgäste – ein Mann (22) und ein Mädchen (18) – steigen ab und diskutieren mit dem Polizisten. Ein paar Passanten bleiben stehen, beobachten was dort passiert. Der Polizist ruft die in der Nähe stehende Grenzbeobachterin zu sich. Nach einem kurzen Gespräch bittet sie das Mädchen in das blaue Infohaus. Ihr Begleiter muss davor warten. Er fährt sich mit den Händen durch die Haare, spricht immer lauter auf die zweite Grenzbeobachterin ein. Verständigung ist hier schwierig. Er spricht Hindi, sie Nepali. Nach ein paar Minuten kommt das Mädchen strahlend aus dem Haus. „Die Papiere sind in Ordnung“, erklärt Prabha Khanal, Leiterin des Maiti Transit Homes in Bhairahawa, die das Geschehen überwacht. „Anscheinend sind die beiden Geschwister. Sie ist Nepalesin, er lebt in Indien. Sie besucht ihn dort für ein paar Tage.“

Einer dieser Grenzübergänge ist Sunauli. Ein kleines blaues Holzhaus steht dort. „Maiti Nepal“ ist auf der Vorderseite zu lesen. Zwei Mädchen sitzen im Innern an einem Schreibtisch. Gebeugt über eine Vielzahl an Zetteln. Die 19-jährige Besucherin lässt sich von der etwa gleich alten Grenzbeobachterin über die Gefahren von Menschenhandel und Zwangsprostitution in Indien aufklären. Immer wieder lächelt sie. Schüttelt den Kopf. Sie ist seit neun Tagen verheiratet. Ihr Mann wartet in Indien auf sie. Drei Cousins wollten das Mädchen gerade über die Grenze bringen, als sie von den Grenzbeobachterinnen der NGO Maiti Nepal gestoppt wurden. Die Grenzbeobachterin kontrolliert die Papiere. Zwei Mal, drei Mal. Hier scheint alles in Ordnung zu sein. Das Mädchen kann gehen. Erleichtert lächelnd verlässt sie das Holzhaus und geht mit ihren Cousins in Richtung Grenze.

Auch die Grenzbeobachterin tritt nach draußen. Sie gesellt sich zu ihrer Kollegin an die Straße. Lange stehen sie dort. Sehen zu wie ein Bus voller Schulkinder, bis oben mit Stoffen beladene Rikschas, zwei von Kopf bis Fuß verschleierte Frauen und eine Kuh Richtung Grenze an ihnen vorbeiziehen. Kurz bevor sie das Tor nach Indien erreicht haben, werden sie von Grenzbeamten und –beamtinnen kontrolliert. Nur die Kuh darf die Grenze ungestört passieren.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 3 | 17  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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