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S C H W ä R M e R e I I S T N A T ü R L I C H // Der süße Nachbarsjunge von nebenan, der unerreichbare YouTube-Star oder vielleicht sogar der Lehrer oder die Lehrerin – im Laufe des Heranwachsens schwärmen viele Kinder und Jugendliche für Personen aus ihrem Umfeld oder für unerreichbare Promis aus dem Fernsehen oder dem Netz. KOMPASS erklärt, wie man als Eltern mit dieser Verliebtheit umgehen sollte und wann es sinnvoll ist, helfend einzuschreiten.

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chon in jungen Jahren spielt Liebe eine wichtige Rolle im Leben von Kindern: Im Kindergarten ist häufig zu beobachten, dass im Sandkasten Küsschen und Umarmungen verteilt werden oder Hochzeit gespielt wird. Vielen Erwachsenen fällt es anfangs jedoch schwer zu akzeptieren, dass die Zuneigung nicht mehr allein ihnen gilt. Doch dieser Prozess gehört nun mal zum Leben dazu, ein ganz normaler und wichtiger Abnabelungsprozess, der sich im Teenageralter schließlich noch bemerkbarer macht. Häufig kommt spätestens dann die Frage auf: Wie sollten Eltern mit Schwärmereien ihrer Kinder umgehen – insbesondere, wenn der Nachwuchs in unerreichbare Personen wie den Lehrer oder einen Star verschossen ist?

schWärmereien im grundschulalter Es ist für viele normal, sich bereits im Grundschulalter das erste Mal zu verlieben – aus Sympathie zu einem Freund oder einer Freundin kann schon früh Schwärmerei oder Verliebtheit entstehen, denn Kinder genießen, wie Erwachsene, die Zuneigung und das Teilen gleicher Interessen. Meist sind diese Momente natürlich harmlos – Sexualität spielt in jungen Jahren kaum eine Rolle. Und selbst die sogenannten Doktorspielchen sollten niemanden beunruhigen: Die kindliche Sexualität, die schon in jungen Jahren entdeckt und mit Neugierde spielerisch ausgelebt wird, gehört selbstverständlich zum Entwicklungsprozess dazu. Beschämende Sätze wie »Das macht man nicht« sind hier nicht angebracht – vielmehr sollte man offen darüber reden, um gar nicht erst Schuldgefühle entstehen zu lassen. Das gilt im Übrigen auch für die spätere Pubertät und das so wichtige Aufklärungsgespräch. Eltern fällt für gewöhnlich schnell auf, wenn sich das eigene Kind in jemanden verguckt hat – die einen sprechen ständig von einer bestimmten Person und möchten sich und ihre Gefühle mitteilen, andere werden plötzlich ungewohnt verschlossen. Letzteres sollte Eltern allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Wichtig ist in solchen Momenten, nicht zu bedrängend zu wirken – auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Vielmehr sollte man darauf achten, eine einladende Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Nachwuchs gern mitteilen möchte. Der Wechsel des lehrenden Elternteils hin zum guten Zuhörer fällt vielen schwer, ist aber besonders in der bevorstehenden Jugendphase extrem wichtig. Tipp: Dem Kind ein Tagebuch zu schenken (das Eltern natürlich nie lesen sollten!), kann verschlossenen Kids helfen, ihre Gefühle in Worte zu fassen.

gefühle ernst nehmen eltern sollten die Gefühle ihrer Kinder ernst nehmen und nicht abwertend und spöttisch reagieren – das kann sehr verletzend sein. Foto unsplash.com

Kinder und Jugendliche ernst nehmen Gerade junge Lehrerinnen und Lehrer, aber auch junge Web-Stars, Schauspieler oder Musiker sind häufig Grund für Schwärmereien bei Teenagern, weil sie Vertrauenswürdigkeit und Lebensnähe ausstrahlen. Die meisten Schwärmereien erledigen sich mit der Zeit – finden Kinder oder Jugendliche jedoch nicht selbst einen Weg aus der problematischen Verliebtheit, ist ein klares Gespräch unumgänglich. Reagieren Eltern jedoch spöttisch auf das Verhalten ihrer Kinder oder verurteilen sie die Schwärmerei sogar, wirkt sich das oftmals negativ auf das Verhältnis in der Familie aus. Damit sich Kinder nicht zurückziehen und Rat bei den Eltern suchen möchten, sollte man auch im passenden Moment von den eigenen Erfahrungen berichten. Wen mochte man, als man selbst im Alter des Kindes war? Wie ging die Verliebtheit aus? Durch solche Geschichten fühlen sich Kinder und Jugendliche ernst genommen und verstanden. Entscheidend ist, sich an die eigenen ersten Liebesmomente zu erinnern. »Das ist doch nicht die große Liebe!« wollte damals auch niemand hören.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 1 & 2 | 19  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Zu finden in Zwickau + Umland, Vogtland, Erzgebirge, Che...

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