Page 68

»Zu 99 Prozent hatte ich dank meiner Staubkunst wunderschöne Begegnungen mit Menschen. Es sind natürliche Begegnungen, Menschen bleiben stehen, freuen sich und bedanken sich für die Bilder auf ihren Autos. So bekomme ich neue Kontakte, baue mir ganz natürlich ein soziales Netzwerk aus allen Gesellschaftsschichten, Nationalitäten und Altersklassen auf.«

Kunst oDer VanDalismus

UnbEkAnnTE FRAU Besonders eine Frau scheint immer wieder in seinen Kunstwerken aufzutauchen. Mit verschiedenen Gesichtsausdrücken und in verschiedenen Formen.

hauPtsache BemalBar Bis heute stellt Daoulkas seine Werke in Galerien weltweit aus. »Ich probiere ein Mal in ein bis zwei Jahren eine richtig gute Ausstellung zu machen.« Die Ausstellungsstücke sowie Kunstwerke zum Verkauf vor Ort kreiert der Künstler aktuell in Portugal. Zu seiner täglichen Arbeit gehört das Designen und Bemalen von Surf- und Skateboards, ebenso wie Helmen, T-Shirts, Pullovern, Arbeiten auf Holz, Tischen und Lampen. »Eigentlich interessiert mich alles, was bemalbar ist«, erklärt der Künstler. So kam er vor Jahren auch auf die Idee der Staubkunst. Die dreckige Rückscheibe des Autos eines Freundes inspirierte Daoulkas vor fünf Jahren zum ersten Mal zu einem Staubkunstwerk, geriet dann jedoch vorerst wieder in Vergessenheit.

01 02 18

68

Doch nicht alle Begegnungen sind positiv, wie Daoulkas im Gespräch berichtet. »Es gibt hier die GNR, das ist eine Polizei, die eigentlich vom Militär ausgebildet wird, sich aber nicht entsprechend verhält, weil die Polizisten jung sind und ihnen langweilig ist«, erzählt Daoulkas. »Ich war eines Tages nach dem Surfen an einem Fenster am Malen, als die Polizei neben mir anhielt und mich fragte, was ich da mache. Ich sagte ihnen, dass ich genau das tue, was sie sehen würden: Malen. Sie erklärten mir, das sei Vandalismus und verlangten, dass ich Strafe zahle«. Daoulkas erklärte den GNR-Beamten, dass es sich bei seinen Zeichnungen nicht um Vandalismus handle, da es dazu kein Gesetz gebe: »Ich habe zu den Polizisten gesagt, dass ich sehr bescheiden sei und das gern gratis mache, weil Kunst inspiriert und ich gern male, ein Bild von mir in der Galerie jedoch so viel kosten könne, wie sechs Monatsgehälter von ihnen. Und falls sie mich mitnehmen wollten, könnten sie das sehr gern tun. Ich würde dann jedoch vorher meinen Anwalt anrufen, ebenso wie die Presse und einen Freund, der gerade erst Fußballeuropameister geworden war und der auch ein Bild von mir besitzt.«

Bis Anfang 2017. Monate bevor Daoulkas anfing seine aktuelle Muse auf die Scheiben fremder und bekannter Autos zu malen, war es die Liebe eines anderen Paares, die ihn erneut zu seiner Staubkunst inspirierte. »Die Freundin eines Bekannten hatte ›I love you‹ mitten auf seine Autoscheibe geschrieben. Ich habe dieses ›I love you‹ mit ganz vielen Männchen verbunden, die diese Schrift halten und zusammenbringen. So hat es wieder angefangen.« Mittlerweile hat »Dustman« Daoulkas unzählige verstaubte Autoscheiben verschönert. Und die meisten Autobesitzer freuen sich über die Gratiskunst. Kunst & KuLtur P o r t r ä t

Daoulkas stellte die Beamten vor die Wahl, ihn mitzunehmen und eine Diskussion über die Verschwendung von Steuergeldern loszutreten oder weiterzufahren. »Ich war mir sicher, dass ich nichts Kriminelles tue. Ich zerkratze keine Scheiben, benutze keine Gegenstände wie Metalle, es sind nur meine Finger. Und letztendlich sind die Scheiben ja hinten verstaubt, wodurch die Sicherheit eingeschränkt ist. Ich mache das Blickfeld frei, indem ich es verziere.« Am Ende lenkten die Polizisten ein und fuhren davon. Es war eine von wenigen negativen Erfahrungen, die der Künstler mit seiner Staubkunst machte. Ganz losgelassen hat sie ihn bis heute nicht.

Ausstellung seiner kunst Bis heute stellt Daoulkas seine Werke in Galerien weltweit aus.

folGe Deinem herzen Wirklich beeinflussen lässt sich Daoulkas von Ereignissen wie diesen am Ende aber nicht. Warum? Daoulkas ist glücklich. »Jeder Mensch macht sich seine Gedanken und jeder Mensch hat seine Probleme. Egal, wo man ist, es kommt darauf an, wie man sie auffasst und mit ihnen umgeht«, erklärt er und fährt fort: »Ich bin sehr glücklich. Weil ich immer meinem Herzen gefolgt bin. Deshalb bereue ich auch nichts«. So hat das, was ihn glücklich macht längst nichts mit Ruhm oder Besitztümern zu tun. Im Gegenteil: »Es macht mich glücklich gesund zu sein, Menschen lachen zu sehen, Geschmäcker und Gerüche zu teilen, die Zufälle des Lebens, die keine sind, solange man sich bewegt. Vertrauen in und von anderen macht mich glücklich, genauso wie zu sehen, wenn Mauern um Menschen herum kleiner werden und sie aus Isolation, Egozentrik und Ignoranz heraustreten; wenn ich Kinder mit Dingen spielen sehe, die nichts mit Materiellem zu tun haben und wenn Menschen ihre Werte umsetzen dürfen und nicht das Gefühl haben, wertlos zu sein. Und die Liebe. Die Liebe ist vielleicht der größte Motor«, sagt der Künstler und lächelt einmal mehr gedankenversunken über das ganze Gesicht. Text Anna Wengel

Fotos Christo Greco

« CHrISto GreCo

KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 1 & 2 | 18  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Im Web unter: www.deinkompass.de | www.facebook.com/dein...

KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 1 & 2 | 18  

KOMPASS - So muss Stadtmagazin. Interessant! Aufregend! GESCHENKT! Jeden Monat neu. Im Web unter: www.deinkompass.de | www.facebook.com/dein...

Advertisement