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1DEINS! | Ausgabe 07 -| Season 14 im juli 2019 Das Interviewmagazin vom

EINFACH Wuddi

Thorsten Kambach im Gespräch mit Manuel Schlottbom und Jan Beilmann


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Fast Forwort

Inhaltsverzeichnis EINFACH WUDDI ........................................ Seite 04 Manuel Schlottbom und Jan Beilmann

DIE NACHHALTIGKEIT LEERER WOHNUNGEN .............................................. Seite 16 Christof Stein

PHÄNOMENALE KUNST ............................ Seite 22 Frank J. Schäpel

SPORT & SONNE ......................................... Seite 30 Valentin Novillo Astrada Liebste Leserin, lieber Leser, heute muss ich dich mit einem überaus knappen Vorwort überraschen. Es ist leider so, dass bei dieser Hitze das Drücken einer Buchstabentaste auf meinem MacBook eine echte Zumutung darstellt – die Apple-Geräte sind für unser Sahara-Wetter einfach nicht gebaut. Nach einem Text von hundert Zeichen braucht dieses blöde Ding tatsächlich ´ne halbe Stunde Pause. Ich könnte k… Kühe melken – oder Oliver G. anrufen. Der ist ein super Anwalt und verklagt Tim Cook sicher gerne, aber ich bin ein friedfertiger Mensch und möchte Apple natürlich nicht an seinen Geschäften behindern. Aber mal im Ernst, es gibt viel zu erleben diesen Monat – erleben wir es an. Einen sonnigen und coolen Juli wünsche ich. Thorsten

FACHMANN FÜR WAHNSINN .................. Seite 38 Mark Benecke

DER TURMBAU ZU BABEL IN BRÜSSEL ................................................... Seite 46 Martin Schulz

ALL. YOU. CAN. EAT. ................................. Seite 54 Wei Liu

BESSER ALS SEIN RUF: MANTA! ............. Seite 58 Rainer Manthey

DAS ANLIEGEN DER KLEINSTEN ........... Seite 66 Carmen Molitor

TIPPS & TERMINE ....................................... Seite 64 UMWELT ........................................................ Seite 64


Fotos: Maren Kuiter

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Thorsten Kambach im Gespräch mit Manuel Schlottbom und Jan Beilmann Liebe Leserin, lieber Leser, verkaufen Sie Ihr Auto und machen Sie die Stadt frei von parkenden Privatwagen. Das geht nicht, weil Sie dann nicht mehr ins Büro kommen oder einkaufen können oder die Oma besuchen? Doch, das geht, mit wuddi. wuddi? Das sind Elektrofahrzeuge, die ich mir einfach schnappen kann. Dieses zahle ich genau solange, wie ich es benutze, zudem ist es per App einfach buch- und bezahlbar. Gute Idee? Gute Idee. Das dachten auch Manuel Schlottbom und Jan Beilmann. Beide gründeten mit dem Investor Beresa die wuddi GmbH. Ich treffe mich heute mit den beiden, mal schauen, wo der Haken ist. ;-)

EINFACH wuddi

Hallo, ihr zwei. Endlich ein Start-up, auf das ich gewartet habe. Wenn ich eure Idee richtig verstanden habe, brauche ich kein eigenes Auto mehr, sondern kann mir per App eines von euren Elektrofahrzeugen freischalten und losdüsen. Stimmt´s? Jan: Genau, das ist die Idee. Manuel: Schon immer möchten die Menschen mobil sein, unabhängig und flexibel. Aber heute wollen mehr und mehr Leute ein Auto im Grunde nur dann nutzen, wenn sie es wirklich brauchen. Zudem sollten die Fahrzeuge umweltschonend und stadttauglich sein, darum haben wir uns für elektrische smarts entschieden. Bisher konnte ich entweder mein Auto oder das Fahrrad nutzen, den Bus oder auch mal einen Leihwagen. Oder ab und zu ein Taxi. Wenn ich nun das Auto verkaufe, frage ich mich natürlich, ob wuddi günstiger ist als Taxifahren?

Jan: Es kommt darauf an, was du vorhast. Aber in vielen Fällen wird wuddi günstiger sein und damit die optimale Mobilitätsergänzung. wuddi soll daher eine Erweiterung des Öffentlichen Nahverkehrs darstellen, keine Alternative. Manuel: Stell dir einen Erasmus-Studenten vor, der hier eine Weile ist, der kann einfach unsere App runterladen, sich innerhalb von fünf Minuten verifizieren und los. So kann er super von A nach B kommen und sich im gesamten Münsterland bewegen. Jan: Oder ein Tourist … oder du selber, wenn du zwar einmal die Woche einkaufen, dafür aber nicht extra ein Auto kaufen und betreiben möchtest. Eure Autos sind elektrisch, stehen die aufgeladen in der ganzen Stadt rum, wie diese neuen Scooter? Jan (lacht): Aufgeladen schon, aber die


stehen nicht einfach in der ganzen Stadt rum. Unsere wuddis stehen an Stationen. Das Konzept ist damit nicht Freefloating, sondern stationsbasiert. Somit hat jedes Fahrzeug seinen definierten Parkplatz. Die aufwendige Parkplatzsuche bleibt dir erspart. Was genau ist Freefloating? Beim Freefloating übernehme ich das Fahrzeug da, wo es vom Vornutzer abgestellt wurde. Ich wiederum kann es auch in einer bestimmten Zone wieder abstellen. Dabei muss ich als Nutzer allerdings einen ordnungsgemäßen Parkplatz finden. Wo steht eure Station in Münster – oder wird es mehrere geben? Es wird mehrere geben.

MÜNSTER 69 – REVOLUTION IN DER PROVINZ STADTRECHERCHE VON RUTH MESSING UND DEM SCHAUSPIELENSEMBLE TERMIN: Montag

08. Juli

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In der Innenstadt? Das können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht kommunizieren, da stehen wir noch in Verhandlungen. Wir möchten jedoch so viele Stationen haben wie möglich. Unser Angebot soll perspektivisch flächendeckend dort vorhanden sein, wo es benötigt wird.

» parkplatzsuche bleibt dir erspart. «

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Wie ist denn die Reichweite der wuddis, anders gefragt: Schaffe ich einen IKEA-Einkauf damit? Die Reichweite ist für den Stadtverkehr und im näheren Umkreis von Münster absolut ausreichend. Grundsätzlich steht einem IKEA-Einkauf auch nichts im Wege. Die Reichweite hängt natürlich auch von der jeweiligen Fahrweise ab. Eine realistische Reichweiteneinschätzung deines gebuchten Fahrzeugs kannst du dir vorher in der App anschauen.


Fotos: schuebel@me.com

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smarte Lösungen für den Stadtverkehr Aber dass ich das Auto zurück zur Station bringen muss, ist nicht so praktisch. Jan: Durch das zukünftig geplante flächendeckende Stationsangebot soll der Weg zum nächsten wuddi für den Nutzer möglichst gering sein. Besonders praktisch an dieser Variante ist außerdem, dass die lästige Parkplatzsuche entfällt. Manuel: Übrigens haben wir uns diese Art Konzept in verschiedenen Städten angesehen und probiert. In Berlin mussten wir auch

immer mal wieder fünfhundert oder achthundert Meter laufen, trotz Freefloating, aber das ist völlig in Ordnung. Das wird in Städten wie Münster genauso sein, wo du zur Station läufst oder mit dem Rad fährst. Achthundert Meter sind sicher in Ordnung, wenn du das nicht jeden Tag brauchst, aber wenn du täglich zur Arbeit musst oder einkaufen willst … Deshalb sprechen wir auch mit lokalen Unternehmen und Händlern, um den priva-


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ten und beruflichen Mobilitätsbedarf besser miteinander zu verknüpfen und die Wege zum nächsten wuddi möglichst gering zu halten. Beim Freefloating in Berlin steht das Fahrzeug auch nicht immer direkt vor der Tür. Hmm … ? Du stellst das Fahrzeug dahin, wo der nächste freie Parkplatz ist. Das stimmt, dass kann schon mal eine ganze Ecke weg sein. Und bei uns hast du halt die Station, die auf deinen wuddi wartet, und der Parkplatz ist immer für dich frei. Dann werden die Immobilienpreise in der Umgebung eurer Stationen sicher in die Höhe schnellen! (Alle lachen) So haben wir das noch gar nicht betrachtet,

aber jetzt, wo du es sagst … Doch im Ernst, anfangs agieren wir auf jeden Fall stationsbasiert und da stehen wir zur Zeit in Gesprächen mit Privatbesitzern und auch der Stadt, damit wir wissen, wo wir unsere Ladestationen aufbauen können. Wir sind bemüht, so viele Parkplätze wie möglich zu bekommen, um Münster flächendeckend mit wuddis versorgen zu können. Damit ich nun aber mein Auto verkaufe, muss sichergestellt sein, dass ich auch immer einen wuddi bekomme. Ist meine Skepsis da angebracht? Zu Beginn sicherlich, aber solche Mobilitätskonzepte werden sich durchsetzen, da sind wir überzeugt. Somit ist Skepsis zu Anfang berechtigt, wie bei allem Neuen, aber nach einer Weile wird es normal sein. Teste uns gerne! Wann bringt ihr wuddi denn auf die Straße? Im September, Oktober etwa.

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Von Zweien, die auszogen, den Nahverkehr zu revolutionieren Wie ist wuddi denn eigentlich entstanden – und wie ist die Verbindung zu Beresa? Wir sind beide Mitarbeiter des Investors Beresa. Gemeinsam mit dem Geschäftsführer Thomas Ulms haben wir vor ca. zwei Jahren die Idee entwickelt. Als wir die in groben Zügen skizziert hatten, fingen wir an zu testen. Irgendwann war unsere Idee so konkret,

dass wir sagen konnten, jetzt machen wir ein Geschäftsmodell daraus; haben unsere Gesellschafter informiert, unseren Geschäftsplan abgegeben und mussten unser Konzept vorstellen. Bis die Eigentümer und Geschäftsführer von Beresa gesagt haben, ja, das hört sich gut an und ist logisch, gerade in der Kombination mit Beresa.


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Wir sind aber bewusst unabhängig, sehen uns ganz klar als Start-up; mit eigener Geschäftsadresse … Beresa ist natürlich schon mehr, aber im Grunde ein Investor in unsere Idee. Darum werden wir auch eigene Räumlichkeiten am [whyit]-Campus beziehen. Im dortigen Umfeld fühlen wir uns auch sehr wohl, weil wir dort eine gleichgesinnte Kultur vorfinden.

Die über zwanzig dort angesiedelten Startups probieren unser Konzept auch schon eine Weile aus. Also ist wuddi nur etwas für Start-ups? Nein, auf keinen Fall. Wir bieten wuddi allen interessierten Unternehmen an, die ihren Mobilitätsbedarf um einen weiteren Baustein


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ergänzen und interne Prozesse vereinfachen wollen. Unternehmen können sich durch das Angebot von wuddi den heutigen ökologischen Trends stellen.

Ihr könntet ja trotzdem als dezenten Hinweis auf wuddi die Idee von Swapfiets kopieren und eure Vorderreifen blau einfärben. Jan (lacht): Gute Idee … da sprechen wir später nochmal drüber, Manuel. Habt ihr schon viele Unternehmen gewinnen können für wuddi? Wir haben schon einige interessierte Kunden, gehen aber natürlich jetzt erst richtig auf die Unternehmen zu. Die sind für uns ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie. Uns geht es um den eigentlichen Gewerbeverkehr der Firmen, aber auch darum, dass die Autos in der Nacht häufig eben auch einfach rumstehen. So könnten Mitarbeiter Autos für Privatfahrten ganz einfach nutzen und die Fahrt über die App genau abrechnen. Früher brauchtest du Fahrtenbuch und, und, und … Ich wusste nicht, dass das für Unternehmen bisher so kompliziert war. Nun, was heißt kompliziert, es war aber eben nicht ganz so einfach wie es sein könnte. Und das nutzen wir. Das könnte auch was für uns sein; könnten wir damit unsere Stadtgeflüster Magazine ausliefern? Ja, klar! Wie sieht euer Tarif aus? Manuel: Du kannst aus zwei Tarifen wählen, entweder einen ohne oder einen mit Grundgebühr. Ohne bin ich komplett flexibel, zahle aber einen etwas höheren Minuten- und Kilometerpreis. Mit Grundgebühr meinst du, dass ich eine Art Mitgliedschaft eingehe und für die monatlich zahle?


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Hatten eine einfach gute Idee und blicken nun in die Zukunft: Jan (r.) und Manuel (l.) Manuel: Ja, genau. Aha, endlich, der Haken: die ber端hmte Abofalle! Manuel (lacht): Nein, alles ganz entspannt bei uns, unsere Grundgeb端hr ist monatlich k端ndbar.

Jan: Du musst dich also nicht f端r 12 oder gar 24 Monate verpflichten. Wir bauen darauf, dass unsere Kunden freiwillig bleiben. Habt ihr die App eigentlich selber programmiert? Ja, wir haben die App gemeinsam mit ei-


Das klingt nach viel Pizza und Start-up. Manuel: Oh ja, aber dann: Einer der schönsten Momente war, als ich selber die App zum ersten Mal installiert habe. Ich stand vorm Auto, drückte auf den Knopf und das Auto ging wirklich auf. Das war ganz besonders … Den Namen wuddi habt ihr gewählt, weil er einprägsam und putzig ist? Auch bei der Namenswahl wollten wir was einfaches und freundliches, da passt wuddi wunderbar, ist übrigens Massematte und bedeutet Wagen. Wie passend und einfach – und einfach ist gut. ◊◊◊

Jan Beilmann Geschäftsführer von wuddi GmbH, ist seit Geburt an Münsteraner. Ausgebildet bei BERESA kann er auf 10 Jahre Erfahrung in der Bereitstellung von Mobilitätsangeboten zurückblicken und diese für wuddi nutzen.

Manuel Schlottbom

nem Softwarepartner entwickelt. Dabei haben wir besonders auf praktische Funktionen und ein cooles Design geachtet. Wie lange habt ihr an der App gearbeitet? Ein Jahr!

Geschäftsführer von wuddi GmbH, lebt mit seiner Familie im Münsterland. Für BERESA plant er seit mehreren Jahren in leitender Funktion vor allem Großprojekte im IT- und Baubereich und setzt diese um.

wuddi wuddi ist Münsters ganzheitliches CarSharing Konzept und 100 Prozent elektrisch.


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CHRISTOF STEIN ERZÄHLT DOMINIK IRTENKAUF ÜBER … Nehmen wir an, die Eltern sterben oder die Mutter wird pflegebedürftig und entscheidet sich fürs Altersheim. Was passiert mit der hinterlassenen Wohnung? Keine Bleibe ist leer, wenn darin gelebt wurde. Klopapier wird bis zuletzt gebraucht; Putzmittel stehen in der Kammer, noch halbvoll – alles in den Müll werfen? Christof Stein, Kunsthändler und Sachverständiger für Nachlässe beim Gericht, hatte eine bessere Idee: Nachlass-Hopping. Über Sinn und Zweck reden wir im Interview.

DIE NACHHALTIGKEIT LEERER WOHNUNGEN Angenommen, meine Großeltern lebten in Wien und stürben, dann kämen Sie und veranlassten ein Nachlass-Hopping in der Wohnung? Sie müssen mich anfragen – dann komme ich, schaue mir die Behausung an und bewerte alles das, was verkaufbar ist. Aus dieser Begutachtung erstelle ich eine Plus-Liste, also Dinge, die wir verkaufen können. Wie läuft denn konkret so ein Hopping ab? Zunächst halte ich meine Ansprache, führe in das Leben der früheren Bewohner ein. Zudem weise ich darauf hin, dass es mir sehr wichtig ist, dass Dinge nicht getrennt werden. Es ergibt keinen Sinn, wenn da ein zehnbändiger Goethe steht und sich einer die ersten drei Bände nimmt und der Rest an jemand anderen geht. Oder wenn man Besteck trennt. Ich sage immer: Schön wäre es, die Sachen zusammen zu suchen oder zu finden. Häufig tauschen sich die Anwesenden aus, wer beim Transport helfen könnte. Das ist echt rührend. Richten Sie die Wohnungen her? Ich lasse klassische Musik laufen, um alles in eine schöne Atmosphäre zu tauchen – und wie ich mal nicht aufgepasst habe, waren direkt meine ganzen CDs weg. Meine Mitarbei-

terin hat dann über Facebook rausgeschickt: Das waren die persönlichen CDs vom Chef … Am nächsten Tag kamen sie wieder retour. Das ist ja ein bisschen verrückt! Es wird noch besser: Jemand fragte, ob er die Türklinken auch abmontieren dürfe. Es handelte sich um historische Flügeltüren. Da es eine Mietwohnung war, durfte da nichts abgeschraubt werden. Ich musste die Wohnung ja wieder an den Hausherrn übergeben. Abgeschraubt wurde aber. Unsere Boulevardzeitung, die auch in den U-Bahnen mit einer unglaublichen Auflage ausliegt, hat den Aufruf gestartet, dass diese Türklinken wieder zurückmüssten. Das hat letztlich auch geklappt! Es geht beim Hopping auch um das Wiederverwenden von Dingen? Ja, aber auch um das Aufbrauchen von (alten) Dingen. Gerade, was Putzmittel betrifft, hat jede Liegenschaft immer eine ziemliche Palette: Also vom Fleckenpulver über Waschmittel bis hin zum Entkalker. Diese Sachen würden sonst in der Sondermüllstelle entsorgt. Ein Prinzip der Nachhaltigkeit also?


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Was machen die dann mit solchem Gerät? Sie bringen es ihrem Onkel mit, weil der einen Garten hat. Es ist teilweise unfassbar, was da passiert.

14 Seit Februar 20 tandort! eren S am neuen größ Wird es9gewissen - Hoppern mulmig, weil das eg von9Verstorbenen - HöltenwBesitz ist? Manche schauen sich die Dinge nur an. Sie sagen: Es fällt mir schwer, ich halte das jetzt kaum aus. Dann kommt ein zweiter Versuch und sie sagen: Heute bin ich gut vorbereitet, weil ich weiß in etwa, was mich erwartet. Ich werde oft gefragt, wie es für mich ist, Wohnungen von Verstorbenen aufzulösen. Ich vergleiche das mit einem Chirurgen, der operiert, der muss ja auch jemanden aufschneiden, kann nicht wegsehen. Er sieht das als seine Arbeit an.

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Ja, genau! Diese Sachen sind alle bereits produziert – die können wir aufbrauchen. Da es wirklich nur den Eintritt kostet und nicht mehr, nehmen sich die Menschen auch Dinge mit, die sie vielleicht nicht brauchen. Ob es jetzt die Nagelschere, die Feile oder generell Werkzeug ist. Manchmal nehmen Leute den Rasenmäher oder den Rechen mit, die gar keinen Garten haben.

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» Jemand wollte bei einem Hopping die Türklinken abmontieren. « Mosern die Leute manchmal, weil sie Eintritt bezahlen müssen? Diese 15 Euro Eintritt kriege nicht ich, sondern die bekommen meine Mitarbeiter, die die Wohnung vorbereiten. Wir wollen keine persönlichen Dinge umverteilen, wie zum Beispiel Fotos oder Medikamente, die zu heikel sind.

4 1 0 2 r a u r b e F t i Se ! t r o d n a t S n e r e am neuen größ - Höltenweg 99 Also keine gefährlichen Sachen? Es geht darum, dass wir erstmal alles einpacken, was einen Wert hat. Dann gibt


Fotos: Presse

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Nachlasshopping … eine geniale Idee es ein zweites Team, das da durchgeht und alles Heikle aufräumt, zum Beispiel erotische Sachen. Ich möchte, dass persönliche Dinge persönlich bleiben. Etwa Briefe, Medikamente. Ich brauche da nicht die ganzen Junkies, die denken, da nehme ich mir einfach meinen Stoff beim Hopping mit. Ich wollte noch etwas zu dem Eintrittsgeld sagen. Ja, bitte. Das Hopping wird auf Facebook beworben und betreut. Die Leute, die das machen, haben viel Arbeit damit. Sie bekommen daher die 15 Euro. Kann jemand beim Hopping nichts finden oder nichts brauchen, erstatte ich den Eintritt zurück. Man kommt zu Ihnen und sagt: „Ich kann nichts finden!“ – und bekommt das Geld zurück? Ja. Wenn man zum Beispiel eine Waschmaschine wollte und die hat jetzt ein anderer genommen. Es ist nicht so, dass jemand etwas dabei riskiert. Ich möchte am Schluss

nur glückliche Gesichter sehen. Niemand soll enttäuscht sein. Damit ich das richtig verstehe: Man bezahlt also einen Eintrittspreis – und wer dann als erstes ins Wohnzimmer kommt, darf das dort stehende Utensil mitnehmen? Genau. Meine Frau meinte irgendwann zu mir: Du, wir haben jetzt für die nächsten 20 Jahre genug Klopapier und Küchenpapier. Ich habe immer original verpackte Sachen mit nach Hause genommen. Dazu kam, dass meine Tochter in einer WG wohnte, in der noch alles fehlte – und das sind ja eigentlich Dinge, die man in jedem Haushalt findet: Mixer, Kochlöffel und Töpfe. All das im Grunde am Kunst- und Antikmarkt nicht verkäuflich, aber brauchbar. Da kamen Sie auf die Idee des Hoppings? Wir haben uns entschieden, eine Marketing-/Pressegeschichte daraus zu machen, um auf die Nachhaltigkeit hinzuweisen. Bereits nach dem dritten Nachlass-Hopping hat sich


vor zwei Monaten, weil mich vor sechs Jahren eine 92-Jährige eingeladen hat, die ins Altenheim wollte. Da war auch ihre Nichte zugegen. Ich habe ihr geschildert, wie wir das machen, dass sich die Leute freuen und wenn sie Lust hat, sie natürlich auch dabei sein kann. Da könnten sich die Leute bei ihr bedanken.

Ein Leben ohne Hasen ist möglich, aber sinnbefreit die Aktion auf Facebook so herumgesprochen, dass ich praktisch einen Flashmob hatte! Ich habe mir dann gesagt: Die Teilnehmerzahl muss begrenzt werden. Es gibt dann kein Gedränge? Das gibt es schon, aber es ist erstaunlich, dass die Leute überhaupt nicht gierig wurden. Das hätte ja gut sein können. Beim Nachlass-Hopping findet man das nicht, weil doch eher junge Leute kommen und sich ihre Sachen zusammenstellen. Wir stellen bei Facebook nicht die genaue Anschrift ein. Die Hopper müssen sich bei uns einen Passierschein holen und erhalten erst danach die Adresse. Wie verhalten sich denn die Menschen? Prinzipiell ist es so, dass ich immer zuvor eine Ansprache halte und etwas über die Personen erzähle, wie sie gelebt hatten. Es handelt sich aber nicht allein um Todesfälle. Mich beauftragen zum Beispiel Leute, die ins Altersheim gehen. Als auf RTL ein Bericht darüber gesendet wurde, haben sich sehr viele Menschen aus Deutschland gemeldet. „Ich habe vor, in ein Altersheim zu gehen, könnten Sie solch ein Hopping auch in meiner Wohnung durchführen, weil ich gar nicht so viel mitnehmen kann?“ Sie erleben da bestimmt diverse Schicksale? Gerührt hat mich ein Nachlass-Hopping

Wie ging es weiter? Sechs Jahre habe ich nichts von ihr gehört. Die Tante ist nie ins Altersheim gegangen, aber sie hat ihre Nichte gebeten, mich mit einem Nachlass-Hopping zu beauftragen, wenn sie verstirbt. Sie war von meinen Schilderungen beeindruckt. Vor zwei Monaten haben wir das Hopping durchgeführt – und das war sehr besonders, weil der Auftrag dazu quasi aus dem Jenseits kam.

» Die alten Dinge sollen nicht auf dem Müll landen! « Hat das etwas mit dem morbiden Charme zu tun, den man Wien nachsagt? Das fand ich selbst hochspannend. Jeder kennt den Zentralfriedhof mit seinen Hunderttausenden Toten. Bei uns gibt es eine gewisse Affinität zu solchen Themen, so wie es auch den Sigmund Freud gibt. Er hat die Psychoanalyse und auch den grauen Alltag als solchen beschrieben. In seinen Schriften ging Freud der Frage nach, weshalb die Menschen in solch eine Lethargie fallen. Das hat schon was, hat aber eigentlich mit dieser Geschichte nicht so viel zu tun. Weshalb? Bislang habe ich noch nie erlebt, dass jemand aus Sensationslust zum Hopping kommt und sich das anschaut. Die Leute waren oft sehr gerührt. Aber dennoch kommen Gegenstände abhanden?


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Nicht beabsichtigt. Der ORF hat einmal im Zeitraffer in unserer Nachrichtensendung gebracht, wie sich solch ein Haus entleert. Das war recht speziell. Der ORF hat eine versteckte Kamera in Reichweite positioniert. Einer der Hopper hat sie entdeckt und das ging dann sogar so weit, dass der Sender seiner Kamera verlustig ging. Plötzlich erschien ein großes Gesicht vor der Kamera – dann nur noch Bildrauschen. (Lacht)

Genau. Ich möchte nur der Katalysator sein. Es gab einen Bericht über das zweite Hopping, und darin wurde vergessen, dass die 15 Euro wieder an die Hopper zurückgehen, wenn nichts gefunden wird. Da brach ein Shitstorm über uns herein, dass wir aus einer Wohnung noch das Letzte herausquetschen würden! Das hat nicht gestimmt, das war die Interpretation der Leser. Der Artikel war schlecht recherchiert.

Da verschwammen die Grenzen, was zur Wohnung gehörte und was nicht! Das war auf YouTube für ein paar Jahre ein absoluter Hit, weil man gesehen hat, wie das funktioniert und die Leute alles mitnehmen wollten. Man hat dann später noch mitbekommen, wie die Kamera im Taxi zwischen den Beinen des Hoppers lag.

Die Motivation ist eine andere? Klar. Im Auftrag der Angehörigen bieten wir vor allem jungen Menschen Dinge an, die sie aufbrauchen können. Diese Sachen sollen nicht im Müll landen, sondern noch mal in Verwendung kommen. Ein zweites Leben erhalten.

Bislang mussten Sie auch nicht einen neutralen Raum für die Gegenstände auswählen, wenn die Wohnung zu verwahrlost ist? Nein, da wäre der Aufwand viel zu groß. Ich kann es eigentlich nur immer so machen, wie ich es in dieser Reihenfolge geschildert habe. Die Gegenstände und die Wohnung bleiben nach der Erfassung durch mein Team, wie wir sie vorgefunden hatten. Wir geben die Musik dazu und dann kommen schon die Leute. Das dauert in der Regel nicht lang. Vielleicht zwei Stunden. Danach steht im Grunde die Wohnung leer. Das hört sich an wie eine soziale Idee, die sich verbreitet!

Ein gutes Schlusswort! Herzlichen Dank. Ich habe zu danken. ◊◊◊

INFO

CHRISTOF STEIN Betreibt in Wien vier Geschäfte mit, die in verschiedenen Aggregatszuständen mit Kunst zu tun haben. Neben einer Galerie (Lichterloh), die seit 1990 österreichisches und internationales Design vor allem von den 20er bis 70er Jahren vermittelt, betreibt Stein mit Mitarbeitern den Trödelladen „Ramsch & Rosen“. Das wohl kultigste Altwarengeschäft der Donaumetropole. Er ist auch Sachverständiger für das Gericht in Sachen Nachlass-Schätzung. facebook.com/RamschRosen


Fotos: Maren Kuiter

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FRANK J. SCHÄPEL BRINGT DOMINIK IRTENKAUF DIE GEHEIMNISSE DES UFO-PHÄNOMENS NÄHER Es gibt Dinge und Erlebnisse, die nicht alltäglich sind, die polarisieren, von denen manche behaupten, es gäbe sie gar nicht. Wer sich diesem Thema widmet, setzt sich bisweilen bissiger Kritik aus. Frank J. Schäpel aus Berlin beschäftigt sich seit Jahren mit UFO-Sichtungen und dokumentiert in seiner Bildenden Kunst Erkenntnisse und Erfahrungen auf seinem künstlerisch-wissenschaftlichen Weg. Im Interview gibt sich Schäpel klar und nüchtern, zeigt sich zudem wenig beeindruckt von der Popkultur und Filmindustrie.

PHÄNOMENALE KUNST Lass uns zunächst über das Phänomen sprechen. Was ist das Besondere daran? Das Besondere an dem UFO-Phänomen ist, dass wir nicht nur mehr Fragen als Antworten haben. Sondern dass wir es mit einer Realität zu tun haben, die nach den vorliegenden Daten von Piloten, Astronauten, Wissenschaftlern, Astronomen und Menschen aus anderen Berufen gesichert scheint. Was meinst du damit? Dass nicht nur Laien die unidentifizierbaren fliegenden Objekte, nicht identifizieren können. Auch geschultes Personal und Fachleute, also Militärpersonal, Physiker und Astronomen vermögen dies selbst bei den Fällen nicht, bei denen ausreichend Informationen oder Beobachtungsdaten der Zeugen vorliegen. Für mich bedeutet die gute Datenlage, dass wir es mit einem realen Phänomen zu tun haben, das trotz seiner Realität nicht greifbar ist. Was heißt das? Ich denke, diese Nichtgreifbarkeit ist ein Charakteristikum, welches dieses Geschehen von anderen Geschehnissen stark unterscheidet. Das liegt meiner Meinung nach an der Intelligenz, die mit diesem Phänomen in Verbindung steht, beziehungsweise es verursacht. Sie stört die Untersuchung. Inwiefern?

Ein ähnliches Problem gibt es in der Parapsychologie bei der Dokumentation anderer anomaler Phänomene wie Poltergeistaktivitäten. Das sind auch Dinge, die sich teilweise der Untersuchung entziehen, da sie sich nicht bereitwillig in einem Labor in wiederholten Versuchsreihen aufzeigen lassen. Geschehnisse, die sich einmal in einem Haus ereignen, wiederholen sich eben nicht auf Wunsch der Wissenschaftler Punkt 9 Uhr am nächsten Tag, wenn die ihre Geräte aufgebaut haben. Auch nicht im Labor. Das führt dazu, dass das Phänomen schwer untersuchbar ist und dass auch einige Forscher keinerlei Interesse an der Untersuchung haben, beziehungsweise davor zurückscheuen. Weil es nicht der naturwissenschaftlichen Anordnung dieser Labore entspricht? Genau. Das Vorhandensein dieser Intelligenz, die wir nicht genau kennen, die wir nicht einordnen oder nicht definieren können, steht einer wissenschaftlich-akademischen Untersuchung im Weg. Deshalb gibt es in der UFO-Forschung die berechtigte Frage, was denn vor allem die Forschungsstrategien sein müssten, mit denen das in Zukunft untersucht werden soll. Könntest du etwas zu diesen Strategien ausführen? Zum einen sollte – allen Schwierigkeiten zum Trotz – die Erforschung der von den


Objekten verursachten Wechselwirkungen auf die Umgebung weiter fortgesetzt werden. Beispielsweise können anhand der Verwirbelungen von Wasserflächen etc. Rückschlüsse auf durch UFOs generierte Felder gezogen werden. Aus diesen können wiederum Theorien entwickelt werden, die dann mit Daten neuer Fälle überprüft werden sollten.

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Und andererseits? Zum anderen lohnt ein Blick auf Gebiete, auf denen es ebenfalls um die Generierung von Wissen zu Handlungen und Techniken einer nicht kooperierenden Intelligenz geht: Welche Techniken benutzen Polizei und Jurisprudenz, um sich Klarheit über ein Verbrechen zu verschaffen?

» Die beste Hypothese, die wir haben, ist, dass wir hier mit einer außerirdischen Intelligenz konfrontiert sind. « Von dieser Einschätzung ist dann abhängig, wie das Phänomen von solchen Stellen eingeschätzt wird? In verschiedenen Bereichen gibt es jeweils andere Ansprüche, was ein Beweis eigentlich ist, welchen Ansprüchen er genügen muss. In einem Teil der Wissenschaft wird die Wichtigkeit von Wiederholbarkeit stark betont. Hat man es jedoch mit einer Intelligenz zu tun, die nicht bereit ist, sich in Testreihen untersuchen zu lassen, muss ein solcher Ansatz scheitern. Ja, das ist interessant. Was kann man denn überhaupt beobachten? Die Wechselwirkungen der auftauchenden Objekte mit der Umgebung. Die wiederholen sich dann auch in Fällen. Es ist jetzt nicht so, dass wie in einem Wunderland alles Mögli-


Fotos: F. J. Schäpel

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„Alien“-Zeichnungen von fremden Wesen nach Zeugenskizzen/2010–2019/Zusammenstellung einiger A4 großer Zeichnungen che passiert, unabhängig von physikalischen Regeln. Die Dinge, die bei UFO-Sichtungen gesehen werden können, entsprechen durchaus gewissen Ordnungen. Dann ist ja alles klar? Eben nicht. Was die Dinge hier erschwert, ist, dass das nicht die Regeln der bisherigen Physik sind, also nicht ausschließlich, sondern sich das Geschehen teilweise auch außerhalb dieser Regeln abspielt: Zum Beispiel ein Lichtstrahl, der wie ein Gegenstand scharf abgegrenzte Enden aufweist und wie eine Antenne ausgefahren wird. Das verstört sicher viele Menschen am Thema? Kann sein. Es steht meiner Meinung nach außer Frage, dass es eine Intelligenz ist, die diese Objekte steuert, weil deren Bewegungen eigentlich nicht als Zufallserscheinungen interpretiert werden können. Es gibt Reaktionen auf die Umwelt, auf Beschuss durch Militär, ja selbst auf Gedanken und auf Reaktionen

der Zeugen – Reaktionen, die meiner Meinung nach nicht zufällig sind. Was ist das für eine Intelligenz? Wir sind hier mit einer außerirdischen Intelligenz konfrontiert. Das ist die beste Arbeitshypothese, die wir haben. Bewiesen ist sie noch nicht. Theoretisch könnte es auch etwas Anderes sein. Es könnte eine Intelligenz sein, die irdisch ist oder eine, die eine andere Dimension hat, also weder irdisch noch nicht-irdisch ist. Theoretisch wäre es denkbar, dass diese Intelligenz aus einer anderen Zeit kommt. Zum Beispiel, dass sie zwar irdisch ist, aber aus der Zukunft stammt. Das sind ebenfalls theoretische Möglichkeiten. Wie siehst du denn die Rolle der Popkultur? Ich sehe die negativ. Weil das UFO-Phänomen in den Populärmedien, anhand von Hollywoodfilmen und Comics, eine enorme popkulturelle Dimension bekommen hat, die sich in der öffentlichen Wahrnehmung fast völlig über das reale Phänomen geschoben hat.


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„Operação Prato“ I.9. UFO-Foto/2016/Öl auf Leinwand, 30,3 x 27,5 cm Das bringt Nachteile mit sich? Es entsteht der Eindruck, dass jemand, der sich mit dem UFO-Phänomen beschäftigt, vielleicht zu viel Science-Fiction geguckt haben könnte. Dass diese Person zu sehr von der Fiktion beeinflusst ist und jetzt Sachen ernstnimmt, die eigentlich nur Hirngespinste sind. Leute, die ernsthafte UFO-Forschung betreiben wollen, werden daher oft nicht ernstgenommen. Gibt es auch andere Stimmen? Ja. Etwa die UFO-Forscherin Linda Moulton Howe, die dieses Thema ambivalenter sieht. Sie sagt zum Beispiel, dass trotz dieser negativen Effekte auf die UFO-Forschung, die häufigen Faktenverdrehungen und Falschdarstellungen des Phänomens, die Popkultur die Aufmerksamkeit für das Thema erhöht. Wodurch Menschen in Kontakt mit dem Phänomen kommen, die sonst nicht davon gehört hätten – und die so fasziniert sind, dass sie anfangen, selbst zu recherchieren. Wenn sie dann selbst weiterforschen, verstehen sie möglicherweise auch, dass sich das UFO-Phä-

nomen nicht auf ein popkulturelles Kuriosum reduzieren lässt. Popkultur ist ja sonst Unterhaltung und eher ungefährlich. Du siehst das in Bezug auf die UFOs anders? Ich finde, dass die Vermengung negative Effekte hat. Man kann nicht über dieses Phänomen sprechen, ohne dass man in eine SF- oder esoterische Ecke gedrängt wird. Das eigentliche Bild vom UFO-Phänomen wird verfälscht. Diese popkulturellen Bilder sind wirkmächtig und stecken tief in den Köpfen. Sie entsprechen in ihren Darstellungen aber oft weder der hohen Komplexität noch den widersprüchlichen Realitäten, mit denen wir konfrontiert sind. Mit deiner Kunst bist du dann auch nicht Teil der Popkultur? Genau, gerade diese Vermarktung und Verunglimpfung des UFO-Phänomens ist ein Grund dafür, dass es mir als Künstler sehr wichtig ist, eine alternative Art der Auseinan-


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dersetzung aufzuzeigen und zu kultivieren. Eine Kunst, die gegenüber all den Unklarheiten ehrlich ist. Die nicht versucht, die Daten glattzubügeln und Science-Fiction daraus zu machen, sondern die sich unvoreingenommen den ganzen Fragen stellt. Da muss ich dir kurz widersprechen: Gute SciFi zeichnet es ja gerade aus, wahrscheinliche oder leicht übertriebene Entwicklungen in die Zukunft zu projizieren. In der Alltagssprache wird Science-Fiction als abfällige Vokabel für unrealistische Begebenheiten benutzt! Aber ich höre in deiner Antwort ein Problem mit dem Kunstbetrieb heraus? Bei den Betrachtern in einer Kunstgalerie oder einem Kunstmuseum entsteht unweigerlich die Annahme, das wäre selbstverständlich erfunden. Ich hätte mir künstlerische Freiheit genommen und würde Science-Fiction malen. Gerade wegen dieser pauschalen Wahrnehmungen des UFO-Phänomens insistiere ich auf die – von vielen gar nicht berücksichtigten – Daten. Für mich ist es wichtig, mich zu einem hohen Grad mit der Datenlage auszukennen und zu wissen, womit ich mich in meiner Kunst überhaupt beschäftige. Deshalb versuche ich einen eher dokumentarischen Ansatz. Eben auch in der Malerei. Da besteht für mich kein Widerspruch. Einige der von dir gezeichneten Außerirdischen ähneln aber Figuren aus der Popkultur, wie zum Beispiel dem Spielberg-Film „E.T.“ – wie gehst du damit um? Da das Thema von der Popkultur und der Filmindustrie aufgenommen wurde, kann es natürlich sein, dass deren Bilder und Geschichten auf diejenigen zurückwirken, die an UFO-Forscher herantreten und von UFO-Sichtungen und fremden Entitäten berichten. Ab dem Zeitpunkt, an dem diese UFO-Erzählungen ein Massenpublikum erhalten haben, kann man nie ganz sicher sein, zu welchem Grad Zeugenaussagen davon gefärbt sind. Also taucht ein Spielberg-Alien auch in den Aussagen auf? Es kann sein, dass eine Entität so ausschaut

wie in Spielbergs Film „Begegnungen der dritten Art“. Und dass das geschilderte Aussehen der Wesenheit mehr von dem Streifen bestimmt ist als von der Realität, die der Zeuge wahrgenommen hat. Ein Skeptiker würde vielleicht generell argumentieren, er habe aus einer zu großen Entfernung einen Menschen gesehen und ihn, weil er ihn nicht genau erkennen konnte, uminterpretiert – dann wird daraus eben so ein Spielberg-Alien. Ich sehe, da muss man ganz genau die Zeugen befragen … Vielleicht hat der Beobachter aber wirklich eine Entität gesehen, die nicht menschlich war und die dem Spielberg-Muster bloß ähnelt. Es wäre auch wichtig, anzumerken, dass der Regisseur seinerzeit seine Aliens anhand von Zeugenaussagen konstruiert hat. Er hat sich von UFO-Forschern beraten lassen, zum Beispiel von J. Allen Hynek. Es entstand eine Synthese aus verschiedenen Berichten. Den so entwickelten Typus hat er für seinen Film verwendet. Im Einzelfall muss man also prüfen, was nun was beeinflusst hat.

» Ich halte das UFO-Phänomen für real. « Kehren denn manche Erscheinungsbilder wieder? Man kann durchaus zunächst vom Erscheinungsbild ausgehen, das sich dem Zeugen bietet, sollte aber dabei im Hinterkopf behalten, dass es eine Abweichung zur Wirklichkeit dieser Intelligenz geben könnte. Vielleicht hat der Beobachter ja tatsächlich eine Entität gesehen, die nicht menschlich war. Eine generelle Frage ist, auf welcher Wirklichkeitsebene diese Eindrücke sich abspielen. Wie sehen diese Wesen denn aus? Es gibt verschiedene Arten von Wesen, die


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da berichtet werden: Zum einen graue Entitäten, 1,40 bis 1,50 Meter groß und mit sehr großen, schwarzen Augen. Dann gibt es aber auch Entitäten, die wie Gottesanbeterinnen geschildert werden oder Wesen, die auf die Zeugen wie größere Affen wirken. Geschöpfe, die wie Maschinen aussehen, ohne Kopf, einfach wie aus Metallplatten. Es gibt Wesenheiten, die eine amorphe Form haben, beispielsweise ball- und knäuel-ähnliche Gebilde, von denen der Zeuge aber berichtet, dass sie mit ihm sprachen, mit ihm kommunizierten. Diese Begegnungen sind für die Menschen nicht immer angenehm? Das stimmt. Das wird von den Skeptikern häufig vergessen, die den UFO-Forschern und Zeugen vorwerfen, sie wollten daran glauben. Viele Beteiligte würden hingegen viel geben, wenn sie diese Erfahrungen nicht hätten machen müssen. Unter diese negativen Erlebnisse fällt die Ausübung von Zwang, das heißt die Zeugen konnten sich nicht gegen die Tätigkeiten der Wesenheiten

wehren, zu denen auch medizinische Untersuchungen zählen. Das ist sicher nicht immer einfach, die Fälle zu überprüfen? Bei der Untersuchung der Begegnungen mit fremden Entitäten sind wir ausschließlich auf die subjektiven Aussagen der Zeugen angewiesen. Doch gibt es in den Zeugenaussagen derartig auffällige, auch kulturübergreifende Häufungen einzelner Details im Aussehen oder Verhalten der Entitäten wie auch ganzer Handlungsabläufe, dass dieses Datenmaterial nicht einfach beiseite gewischt werden kann. Lass uns jetzt über deine Kunst sprechen. Gerne. Kannst du zu den verschiedenen Bildern einige Worte verlieren? Die erste Abbildung zeigt einige der über hundert Pauszeichnungen, die ich nach Zeugenskizzen fremder Entitäten angefertigt habe. In dieser Serie schaffe ich einen

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„Lady“. Animal Mutilation. 1967 Alamaso, Colorado/2015/Öl/Lw., 29 x 30,3 cm Überblick über die vielen verschiedenen von Zeugen berichteten Geschöpfe. Die zweite Abbildung stammt aus meiner Serie zu den UFO-Ereignissen im nordbrasilianischen Pará des Jahres 1977/78. Bei dieser UFO-Welle wurden Menschen nicht nur Zeugen, sondern auch Opfer von UFOs. Durch von den UFOs ausgesendete Strahlen gab es dutzende Verletzte – mindestens zwei Menschen starben an den Folgen des Beschusses. Die brasilianische Luftwaffe versuchte, die aufkommende Angst und Panik in der Bevölkerung durch eine Untersuchung einzudämmen. In meiner Serie gehe ich von den brasilianischen Militärakten aus. Die dritte Abbildung zeigt ein verstümmeltes Pferd. Der Kadaver des Appaloosa-Ponys „Lady“ weist mehrere nicht konventionell zu erklärende Anomalien auf. So ist der Tierkörper vollkommen blutentleert und in der Umgebung fehlt jegliche Spur des Täters. Ein ursächlicher Zusammenhang dieses und ähn-

licher Fälle mit der UFO-Intelligenz ist zwar nicht bewiesen, meiner Meinung aber sehr wahrscheinlich. Aktuell arbeite ich an der Fertigstellung und Veröffentlichung eines umfangreichen Kataloges von UFO-Sichtungen Nordwestdeutschlands (776-2014). ◊◊◊

INFO

FRANK J. SCHÄPEL Ist freier bildender Künstler und lebt in Berlin. Sein Interesse gilt kosmischen Phänomenen und der Anatomie. Sein letztes Projekt „DOME“ war eine Ausstellung mit umfangreichem Veranstaltungsprogramm im Zeiss-Großplanetarium in Berlin. Schäpel ist Mitglied von IGAAP, der Interdisziplinären Gesellschaft zur Analyse anomaler Phänomene. frankschaepel.de igaap-de.org


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VALENTIN NOVILLO ASTRADA FÜHRT DOMINIK IRTENKAUF IN DIE FASZINATION POLO EIN Eine Menge Spaß verspricht das Charity-Event Polo Picknick, das auch dieses Jahr wieder Ende Juli in Münster stattfindet. Neben erstklassigen Spielern sind die Besucher zum entspannten Picknick in der Sonne eingeladen. Von Profispieler Valentin Novillo Astrada erfahren wir einiges über das Event und den Sport – sowie Astradas eigene Vita.

SPORT & SONNE Du bist ein Vollprofi und spielst seit deiner Kindheit? Ja, ich bin mit Polo aufgewachsen. In Argentinien, wo ich herkomme, sind sehr viele Leute mit Pferden verbunden. Wir haben viel freies Land dort. Es ist also ein Leichtes, mit dem Pferd lange Ausritte zu unternehmen. Wie ist es dann für dich, in Münster zu spielen? Ich mag die Stadt. Mit Sebastian (dem Veranstalter des Polo Picknicks) bin ich gut befreundet. Wir spielen im gleichen Team überall auf der Welt. An diesem Wochenende zum Beispiel in Frankreich, nahe Paris. Dann kommen wir nach Münster zum Polo Picknick. Die Leute vor Ort sind sehr freundlich – so macht es immer wieder aufs Neue Spaß, dort anzutreten! Für den guten Zweck? Genau. Das ist eine Charity-Veranstaltung. Ich spiele dort bereits seit mehreren Jahren. Es ist eigentlich immer voll. Die Leute picknicken dort und im Endspiel schreien dann alle

Besucher mit. Auch wer mit Polo sonst nichts anfangen kann, lässt beim Finale rasch alle Schüchternheit fallen. (Lacht) Welche Leute kommen denn zum Turnier? Ganz unterschiedlich. Sicher sind da auch Menschen dabei, die sich intensiver mit Polo beschäftigen. Es geht vor allem um den Spaß, viel Sonne und Action auf dem Spielfeld. Der Sport scheint auf den ersten Blick nicht einfach. Da braucht man bestimmt viele Jahre Training? Ja, sicher. Einerseits Training, aber auch Leidenschaft für den Sport. Natürlich muss man ein sehr guter Reiter sein, sonst kommst du in dem Sport nicht weit. Das leuchtet ein! Was ist denn die besondere Faszination am Polo? Wie eng man mit dem Tier zusammenarbeitet. Natürlich ist das auch ein Beruf, aber ohne ein gutes Verhältnis zum Pferd kannst du nicht erfolgreich sein. Solltest du vor einem wichtigen Spiel nervös sein, merkt das das


Tier – und fängt zu schwitzen an. Man muss stets auf das Pferd achten. Es gut füttern, viel zu trinken geben, es sorgsam pflegen. Ich habe gelesen, dass du die Weltmeisterschaft im Polo in Australien gewonnen hast. Erstmal Glückwunsch! Danke. Ja, das war vorletztes Jahr. Eine wirklich tolle Leistung – ich bin froh, dass wir das als Team geschafft haben! Aber in Australien ist es doch sicher heiß: Wie geht man da mit den Pferden um? Wie gesagt, sorgfältige Pflege. Achtet man darauf, ist es gar nicht so wichtig, ob es heiß oder kalt ist. Aber die Weltmeisterschaft fand im Oktober statt, es waren also vergleichbare Temperaturen wie in Argentinien. So zwischen 20 und 30 Grad. Das muss doch ein wahnsinniges Erlebnis gewesen sein, den Weltmeistertitel zu holen? Klar! Ich bin sehr froh, diesen Titel errungen zu haben. Aber ich glaube nicht, dass ich das nochmals schaffe.

» Das Verhältnis zwischen Reiter und Pferd ist ein besonderes. «

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Warum nicht? Das ist eine enorme Anstrengung. Nicht nur ein „normales“ Turnier. Das erfordert intensives Training und immer auch ein Quäntchen Glück, dass es in der Endausscheidung gut läuft. Apropos Glück: Wie ist es, die Leidenschaft zum Beruf gemacht zu haben? Super! Ich kann mich nicht beschweren. (Lacht) Es ist zwar immer viel Training, aber wenn man dann auf dem Rücken der Pferde sitzt und mit den Tieren gemeinsam


Fotos: Presse

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All das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde das Spiel macht, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Das Verhältnis zwischen Reiter und Pferd muss doch sicher ein enges sein? Klar. Ein gutes Verhältnis zwischen Reiter und Pferd hilft im Wettkampf viel. Ohne das Pferd bist du nichts. Du musst es wie ein Familienmitglied behandeln. (Lacht) Ja, es ist sogar wichtiger als die Familie. Um ein guter Polospieler zu sein, brauchst du Pferde, die dir vertrauen. Die gibt es nicht an jeder Ecke! Das Tier spürt die Nervosität des Spielers, meintest du? Oder wenn er krank wird? In dem Moment, wenn du mit dem Polospiel beginnst, muss die Verbindung zu deinem Pferd bestehen. Wir merken, sobald es sich nicht wohlfühlt. Die Tiere spüren das umgekehrt ebenso. Stehst du kurz vor dem Endspiel, bekommen die Reittiere das mit. Pferd und Spieler müssen hundertprozentig aufeinander eingestimmt sein, damit du gewinnen kannst.

Wie ist das mit dem Klischee, dass Polo nur für vermögende Menschen interessant sei? Das war mal so. Inzwischen hat sich das stark geändert: Jeder, der sich für Pferde interessiert, kann sich engagieren. Jeder kann es antesten, ein Pferd zu reiten und dabei einen Ball zu schlagen. Das ist heute nicht mehr so kompliziert. Nun ist es viel offener, sodass Leute verschiedene Sachen ausprobieren können. Natürlich solltest du in der Lage sein, mit einem Pferd umzugehen. Beinahe jeder kann mit dem Sport anfangen. Dafür musst du weder der Beste noch der Reichste der Welt sein! Es geht also auch ums soziale Miteinander? Sicher! Das Schöne ist, mit Pferden die Zeit zu verbringen, Spaß am Spiel zu haben. Es geht auch um das Soziale am Sport: Mit den Leuten zusammenzusein, die sich um die Pferde kümmern, mit den Spielern, den Zuschauern. Nach dem Match kann man dann gemeinsam ein Bier trinken.


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Wenn du nicht in Münster bist, spielst du in einem Klub? Wir sind ein Team, das europaweit Matches bestreitet. Dieses Wochenende sind wir in Frankreich, dann kehren wir nach Deutschland, nach Münster zurück. Danach spielen wir in Saint-Tropez. Im Januar spielen wir immer in Kitzbühel Schnee-Polo. Dort organisieren wir stets die Saison fürs nächste Jahr. Wie sieht es eigentlich mit Polo in Europa aus? Das ist ziemlich groß. Eigentlich unterhält

jedes Land mindestens eine Mannschaft. Ich denke übrigens, dass das Polo Picknick zu den besten Turnieren in Deutschland zählt. Es ist immer brillant organisiert und es hat in jedem Jahr viele Besucher. Wo kommt Polo eigentlich her? Es wurde von den Briten entwickelt, aber die Argentinier haben den Sport perfektioniert. (Lacht) Im Ernst: Wir haben in meinem Heimatland die besten Voraussetzungen für den Sport. Ja, es ist eine Art Volkssport bei


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Das Polo Picknick zählt zu den wohl besten Turnieren in Deutschland uns. So lange ich denken kann, bin ich auf Pferden gesessen. Zunächst kleinere, und dann wurden sie allmählich größer. Heute kann ich mir nichts Anderes mehr vorstellen! So lange ich kann, werde ich weiter Polo spielen. Dann wünsche ich weiterhin viel Erfolg! Danke und kommt zahlreich zum Polo Picknick. Es lohnt sich. Ihr werdet es nicht bereuen! (Lacht) ◊◊◊

INFO

VALENTIN NOVILLO ASTRADA & POLO PICKNICK Der Familienname verpflichtet: Novillo Astrada ist in Argentinien eine Familie, die sehr eng mit dem Polosport verbunden ist. Sein bisher größter Erfolg war die Weltmeisterschaft in Australien. Valentin Novillo Astrada verfolgt den Polosport mit hoher Leidenschaft. Das Polo Picknick findet dieses Jahr am 27. und 28. Juli statt. Angefangen hat es 2004 und erfreut sich Jahr für Jahr zunehmender Beliebtheit. Es findet wie gewohnt auf dem Gelände am Hugerlandshofweg statt.


FASTER THAN HOCKEY. ROUGHER - 36 -


THAN RUGBY. SEXIER THAN GOLF. - 37 -

27.-28. Juli 2019

AB 12 UHR | HUGERLANDSHOFWEG | MÃœNSTER | POLOPICKNICK.DE


Fotos: Svenja Ennen

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Dennis besucht Mark Benecke in seinem Labor 1.) Mache niemals Annahmen. 2.) Egal wie nebensächlich etwas ist, alles ist wichtig. Und 3.) Schließe aus, was nicht sein kann. Diese drei Prinzipien bilden die Grundlage seiner weltweiten Ermittlungen gegen das Verbrechen. Und die Rede ist nicht von Sherlock Holmes, der diese Regeln begründete, sondern von Mark Benecke – seines Zeichens Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie. Ob Serienmörder, die Mumien von Palermo oder Hitlers Schädel: Mark geht unvoreingenommen an jede Untersuchung und ist damit noch längst nicht ausgelastet: Er ist auch Dudeist, Donaldist, Sherlockianer, Skeptiker, Politiker und ein …

FACHMANN FÜR WAHNSINN Ich möchte mit dir gerne über schräge Dinge sprechen und habe deshalb die neue „In Touch“ mitgebracht. Oh ja, zeig doch mal. Das ist allerdings nicht meine, sondern die unserer Fotografin. Aber du darfst die auch lesen? Ja, ich muss doch wissen, warum Britney Spears so dick geworden ist. Sie hat auf jeden Fall zugenommen. Das muss man objektiv feststellen. … Wow, sie hat wirklich zugenommen! Ist das nicht eher ein Zeichen, dass es ihr gut geht? Noch lustiger war, als sie von Betäubungsmitteln zugedröhnt auf die Bühne getorkelt ist. Das war mal eine Ansage! (Lacht)

Wer’s glaubt, wird selig. Dann nehmen diejenigen mehr energiehaltige Drinks zu sich. Das machen auch viele nach Magenverkleinerungen: zum Beispiel ein Glas Nutella in die Mikrowelle und rein damit. Igitt! Egal wie verkleinert dein Magen ist, solange du möglichst energiehaltiges Zeug durchlaufen lässt … Hier sind Miley Cyrus und Boris Becker – sind das die heutigen Prominenten? Haben die euch auch schon Interviews gegeben? Leider nein. Na toll!

Darin ist auch ein Bericht, dass man sich Widerhaken-Pflaster auf die Zunge nähen kann, um abzunehmen. Ohne Scheiß? Geil!

Du hast eben mit deiner Assistentin Akten aus dem Keller hochgetragen. Was ist gerade das Spannendste an eurem aktuellen Fall? (Ruft) Tinaaaa? Was ist gerade das Spannendste an unserem aktuellen Fall?! (Tina betritt den Raum.) Der Fall mit der Erhängung: Was ist gerade daran spannend und warum bearbeitest du so etwas gerne?

Dadurch wird essen so schmerzhaft, dass man es lässt.

Tina: Jeder Fall hat eine eigenständige Fragestellung – das finde ich interessant.


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Manche Dinge sind selbst Mark zu schräg Genau, jeder Fall ist anders und wir können uns immer neue Experimente ausdenken. Mit Experimenten meinst du labortechnische Überprüfungen? Richtig. Wir überprüfen, was der Richter, der Staatsanwalt, die Angehörigen, der Knacki oder wer auch immer glaubt. Tina: Mark findet es beispielsweise sehr interessant, wenn Leute psychisch gestört sind. Das interessiert mich nicht so. Tina meint „psychisch verändert“. Aber das stimmt. Ich war gerade bei einer interessanten Psychose-Tagung: Da hat eine Kollegin Suizidbriefe vorgelesen und alle Zuhörer waren stark berührt, während es mich ziemlich kaltgelassen hat. Wie kann dich so etwas nicht berühren? Das ist genau der Punkt. Deshalb habe ich gerade einen Psychoanalytiker angeschrieben, der andere Psychoanalytiker coacht. Ich würde gerne mal mit ihm reden, denn ich möchte durch mein Verhalten keine Angehörigen retraumatisieren. Ähneln sich Abschiedsbriefe nicht? Nee, überhaupt nicht. Gerade für die Angehörigen sind diese Briefe sehr individuell – persönlicher wird es nicht. Aber ich muss halt

Fragen stellen, wie: „Woher wissen Sie, dass das Bein da lag? Es war doch dunkel.“ Seit der Tagung bin ich mir jetzt nicht mehr so sicher, ob ich da taktvoll genug bin. Musst du denn solche Fragen stellen? Klar, ich will den Fall ja sachlich und objektiv untersuchen. Arbeitest du freiberuflich oder gehörst du zum Staat? Na, wir gehören doch alle als gute Bürger zum Staat. Oder sagen wir als Bürger. (Lacht) Ich bin öffentlich bestellt und vereidigt. Das heißt, du bekommst ein Glas schlechten Sekt und musst schwören, dass du dich von jedem Menschen beauftragen lässt – und das ist auch gut so. Wie ist das Auftragsverhältnis? Mehr privat oder mehr staatlich? Es sind tendenziell mehr Privataufträge, die der Überprüfung von bereits staatlich bearbeiteten Aufträgen dienen. Allerdings kann man dann auch wieder in Berührung mit den staatlichen Stellen kommen. Dennoch: Wir arbeiten nicht für eine Seite, sondern nur für die Wahrheit. Mich interessiert also nicht, wer mich beauftragt. Aber es muss doch jemand den Gehaltsscheck unterschreiben.


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Richtig, das ist die einzige Frage, denn wer den Auftrag erteilt, der muss auch die Kosten tragen. Gibt es viele freiberufliche Kriminalbiologen? Ein paar sicherlich. Wir unterscheiden uns von denen in zwei Punkten: Wir testen immer neue Methoden … … die ihr selber entwickelt habt? Entweder das oder wir haben die beispielsweise auf Kongressen gesehen. Neue Methoden haben uns schon sehr geholfen. Wir arbeiten zum Beispiel mit einer tragbaren Hochintensiv-UV-Lampe, die echt super ist. Tina kam auch mal mit so einem Silikonzeugs an, damit kannst du wirklich jede Oberfläche – egal was – abformen. Total geil! Und der zweite Punkt? Die Auftraggeber können beliebig häufig mit uns sprechen, wenn sie das wollen.

Und das ist etwas Besonderes? Insofern, dass es uns nicht an die Nieren geht, wenn schlimme Dinge detailliert berichtet werden. Aber diese Schilderungen sind auch wichtig, da sie relevante Informationen enthalten können. Hast du ein Beispiel? Es gab einen Fall, in dem ein Junge verschwunden war. Die Polizei ging davon aus, dass er mit seiner Freundin durchgebrannt sei. Seine Mutter glaubte das aber nicht. Natürlich kann man behaupten, dass der Sohn seinen Eltern solche Pläne schließlich auch als Letztes erzählen würde, aber sie konnte ihre Meinung nachvollziehbar begründen. Nun sagten wir ihr, wenn sie Recht hätte, würde es auch bedeuten, dass ihr Sohn an einem bestimmten Ort getötet worden sein muss – und somit muss es Spuren geben. Da ist den Angehörigen ein Licht aufgegangen, sie sind zu dem betreffenden Ort gefahren, haben sich umgeschaut.

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Jetzt bin ich gespannt. Die Mutter kam zu uns zurück und hat gesagt, dass sie rote Flecken gefunden hätte. Es stellte sich heraus, dass es das Blut ihres toten Jungen war. Auf die Idee wären wir aber gar nicht gekommen, wenn wir die Meinung der Mutter ignoriert hätten.

mal echt hier empfängt, mit all ihren schrägen und verrückten Fällen.

Und derartige Gespräche werden von der Polizei nicht geführt? Doch, aber die Polizei hört nicht immer gut zu, weil sie natürlich auch oft angelogen wird und Angehörigen aus Erfahrung misstraut. In diesem Fall hat die Behörde gesagt: „Die Frau spinnt!“

Oh! Ja, ja!

Um auf deine Laborarbeit zurückzukommen: Ist es der kindliche Spaß am Ausprobieren? Die Freude am Experimentieren darf nie verlorengehen. Sicherlich kann man Leute für ein paar Tage motivieren, mitzumachen, aber dann vergeht ihnen erfahrungsgemäß irgendwann die Lust. Wir putzen ja auch endlos viel. Diesen Raum hier haben wir für einen Kurs einmal komplett unter Blut gesetzt …

» Selbst wenn die Leute gerne spielen – hinterher putzen will niemand! « Den möblierten Raum? Ja genau! Das Saubermachen war die Hölle! Selbst wenn die Leute gerne spielen – hinterher putzen will niemand! (Lacht) Empfängst du in diesem Raum auch deine Kunden? Ich bin selbst Sherlockianer – kenne mich also gut mit den Holmes-Geschichten von Arthur Conan Doyle aus – und darf deshalb vielleicht auch sagen: Es ist bei mir wirklich wie bei Sherlock Holmes, der seine Klienten manch-

Ich frag nur, weil der Raum schon sehr speziell ist: Da stehen eine Drachenlampe und eine Marienstatue auf dem Schreibtisch … Das ist die heilige Rita!

Ich hab nicht so genau hingeschaut … Das kann man auch nicht wissen. Du kannst sie nur am Kreuz, dem Stirn-Stigma und der Rose erkennen. Sie ist die Schutzheilige bei aussichtslosen Anliegen … und Pocken. Jedenfalls, wenn deine Klienten den Raum betreten, schauen die dann verwundert? Wenn du dein verfaultes Kind aus einem Teich gezogen hast oder dein Onkel verspeist wurde, dann hast du echt andere Probleme, als ob hier eine komische Tischdecke liegt. Die hier habe ich übrigens neulich am Reichenbachfall gefunden. Womit wir wieder bei Holmes wären. Du sagtest mal, dass du zwölf Stunden am Tag arbeitest … Ja, oder wurschtel. Was ist für dich Arbeit und was ist Wurschteln? Das ist alles dasselbe. Ich könnte dich auch „Dr. Doom, der dudeistische Donaldist“ nennen. Wenn du gerne alliterierst … Ich wollte damit eher betonen, was du so wurschtelst: Dudeismus, Donaldismus, Subkulturen … Kannst du das genauer erklären? Der Donaldismus ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem fiktiven Entenhausen und seinen Bewohnern; der Dudeismus beschäftigt sich weitgehend mit der Philosophie des Films „The Big Lebowski“. Für mich ist es gleich, ob ich mich mit einem Kriminalfall oder einer donaldistischen Fragestellung beschäftige – ich sehe da keinen Unterschied.


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„Ich möchte wahrnehmen, wie viel Wahnsinn in der Welt ist.“ Außer vielleicht in der Frage der Prioritäten. Von der Ernsthaftigkeit ist es aber gleich. Wie kann die Beschäftigung mit Entenhausen genauso ernsthaft sein wie ein Mord? Du kannst an allen schrägen Dingen üben, nicht in der Kiste zu denken. Die meisten Menschen – auch Sachverständige – haben nämlich genau dieses Problem. Für mich sind es Möglichkeiten, um wahrzunehmen, wie viel Wahnsinn in der Welt ist. Wahnsinn? Ein normaler Mensch würde vielleicht sagen: „Es passiert irgendwo mal etwas Verrücktes: Irgendwo herrscht ein Krieg und woanders geht mal ein Schiff unter – aber das macht nicht die Welt aus.“ Das stimmt so aber nicht. Es passieren die ganze Zeit über extrem schräge Sachen, die zwar nicht katastrophal sein müssen, aber die man auch nicht für möglich hält und deshalb gar nicht wahrnimmt. Kapiere ich immer noch nicht … Es ist genau wie in dem Film „Matrix“: Es existieren eine Matrix und eine Nicht-Matrix. Die meisten von uns leben in der Matrix, doch kann man diese durch wissenschaftliche Methodik problemlos verlassen – und da herrscht besagter Wahnsinn. Und was erwartet mich, wenn ich meine geliebte Matrix verlasse? Dann weht dir ein irrsinniger Sturm um die Ohren, das Höllenfeuer oder wie immer du es nennen willst. Ach du je! Das Irre daran ist aber, dass es gar nicht schlimm ist! Die Menschen wollen es nur nicht

sehen, weil es sie Energie kostet. Ich mache es und kann abends trotzdem gut schlafen. Es ist nur so, dass es vernünftig und normal ist, diese extrem räumlich, zeitlich, kulturell und sozial verbogenen Zusammenhänge nicht wahrzunehmen. Dennoch existieren sie. Aber die Menschen entwickeln sich doch beständig weiter, werden sie nicht zwangsläufig irgendwann ihre Matrix verlassen? Nee, das wird nie passieren. Wie kannst du dir da sicher sein? Die Gesellschaft ist heute schließlich viel offener als früher? In reichen Gesellschaften wie Skandinavien oder der Schweiz kommt man sicherlich näher an ein humanistisches Weltbild – aber das war’s auch. Ein Beispiel: Ich bin häufiger in Kolumbien und Peru. Die Menschen sind dort total homophob, obwohl es ansonsten absolut tolerante und fröhliche Leute sind. Die Homophobie wird dort dennoch nie nachlassen … Aber woran liegt das? Das hängt sicherlich davon ab, wie viel positiven Kontakt du mit abweichenden Menschen hast. Vor fünfundzwanzig Jahren wärst du mit deinem Bart in Köln noch als „schwules Bärchen“ bezeichnet worden – auch wegen der Körperstatur. (Lacht) Danke! Aufgrund der bärtigen Hipster würde man dich heute eher als „einen jungen Medienschaffenden“ bezeichnen. Dabei ist das eine nicht intoleranter als das andere. Apropos Toleranz. Du hörst doch sicherlich oft diese Frage: Wie hältst du deinen Job aus?


Das musst du vorher können – das kann man nicht lernen. Wenn wir die Studenten fragen, warum sie den Beruf lernen möchten, kommt oft als Antwort: „Weil es mich interessiert.“

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Das ist falsch? Das ist gar keine Antwort, denn Gemüsehändler zu sein ist ja auch interessant. Wenn keine vernünftige Antwort kommt, fliegen sie raus – dadurch haben wir schon eine 90%ige Ausfallquote. Dann bleiben ja nicht mehr viel. Es geht noch weiter, denn es gibt noch die Studenten, die testen wollen, wieviel sie aushalten. Die können auch direkt gehen, denn was ist das bitte für eine Scheiße? Da haben wir keine Zeit für! Sollen die doch Geisterbahn fahren! Nur ein minimaler Teil versteht, dass die Spuren für einen Kriminalfall wie ein Fundament für ein Hochhaus sind. Ich untersuche den Mageninhalt der verwesten Leiche nicht, weil es cool ist oder ich mich erproben will, sondern ich will das für mich auseinanderpuzzeln: Was ist Bohne, was ist Fett, was ist Käse … Du hast auch – als einer von nur wenigen Experten – Adolf Hitlers Schädel in Moskau untersucht. Was gibt es dazu zu sagen? Hitler ist tot, seine Zähne waren schlecht und in seinem Schädel ist ein Loch. Auf deinen Vorträgen gibst du den Zuschauern eine Themenliste, aus der gewählt werden kann. Aber kaum jemand fragt nach dem Schädel. Woran liegt das? Ich denke, dass die Leute sich nicht „outen“ wollen.

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Aber wenn mich das interessiert, bin ich doch nicht direkt ein verkappter Nazi? Du glaubst gar nicht, wie sozial angepasst die Menschen sind. Die Zuschauer machen sich viel zu viele Gedanken, was ihre Sitznachbarn über sie denken könnten. Bei einem sehr kleinen Zuschauerkreis wür-


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den also mehr Leute danach fragen? Klar, das merkst du auch an etwas anderem: Wenn ich die Themen auf der Liste nicht näher ausführe. Dann steht da „plötzliche Selbstverbrennung“, „Alien-Autopsie“ oder „Insekten auf Leichen“ und irgendwas wird gewählt. Sage ich aber, dass bei der „Alien-Autopsie“ sehr viel Blut fließt und bei „Insekten auf Leichen“ viel Fäulnis zu sehen ist, werden die Themen nicht genommen. Der Sitznachbar könnte ja denken, man stehe auf Blut und Fäulnis. Soziale Anpassung ist die stärkste Determinante auf dem Planeten Erde. Definieren wir uns also durch andere? Ja, wir machen uns sehr stark von der Meinung anderer abhängig – allerdings im vorauseilenden Gehorsam. Dabei gäbe es keine Konsequenzen, den nicht einzuhalten. Ich werde nie verstehen, dass man Menschen nicht ermutigt, weniger angepasst zu sein – in einem Maße natürlich, in dem es niemandem schadet. Daher hast du vermutlich so viele Fotos als Vampir von dir. Vampire sind ein super Thema, denn da fließt wirklich jeder Wissenschaftsbereich zusammen, den es gibt: Musik, Architektur … Bist du deshalb Präsident der deutschen Sektion der transsilvanischen Dracula-Gesellschaft? Ich bin Präsident, weil der alte gestorben ist. (Lacht)

das Gleiche wie mit dem Donaldismus und anderen Ausprägungen: All diese schrägen Subkultur-Sachen sind ein Teil des erwähnten Wahnsinns – und wenn ich dessen Facetten nicht kennen würde, könnte ich keine Kriminalfälle bearbeiten. Zum Schluss darfst du dir noch etwas wünschen. Ich wünsche mir eine Stiftung! Ich würde gerne eine Infrastruktur zur Spurensicherung bei und zur Prävention von sexueller Gewalt errichten. In den USA gibt es schon so etwas – die „Forensic Nurses“. Das sind normal ausgebildete Krankenschwestern und –pfleger, die es ja überall gibt. Nur dass sie speziell unterwiesen werden, um rechtzeitig Spuren sichern zu können – so stecken sie beispielsweise schon in der Notaufnahme den Slip eines Opfers in die richtige Tüte. So etwas würde ich gerne umfassend aufbauen. Bleibt es ein Wunsch oder könnte er wahr werden? Bis jetzt ist es noch ein ziemliches Hickhack, da die zuständigen Vereine Angst haben, dass ihnen dadurch Gelder gestrichen werden, weil das Thema zu Abstoßungsreaktionen führt. Wir werden sehen, wer den längeren Atem hat – bis jetzt war das sehr oft ich. ◊◊◊

Okay, ich frag anders: Was macht man in der Dracula-Gesellschaft? Wir reisen beispielsweise nach Rumänien und halten Vorträge. Ich bin jetzt von etwas Spannenderem ausgegangen. Das ist spannend! Dort wurde zum Beispiel in einem Vortrag die Theorie aufgestellt, dass Arthur Conan Doyle auch Bram Stoker war und es war wirklich nicht falsifizierbar. Das heißt natürlich nicht, dass es stimmt … Aber es ist wieder genau

INFO

Mark Benecke wurde 1970 geboren und ist in Köln aufgewachsen. Mark ist Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie. Als Autor mehrerer populärwissenschaftlicher Bücher ist er zudem ein gerngesehener Gast in den Medien, wo er spektakuläre Fälle präsentiert oder über Vegetarismus, Sherlock Holmes und Skeptizismus aufklärt. Viel, viel mehr Informationen über Mark gibt es unter: benecke.com


Fotos: Maren Kuiter


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Tom feuerstacke und Martin schulz besprechen dicke Bretter der Europäischen Union, die es zu bohren gilt Nach den Wahlen ist vor den Wahlen. Dazwischen liegt eine Menge an Aufgaben, die es zu bewältigen gilt. Aufgaben, die wegweisend für die Zukunft Europas sind. Was aber, wenn das nationale Augenmerk über den gemeinschaftlichen Interessen liegt? Was ist, wenn Politiker verschiedener Parteien ihre Schwerpunkte unterschiedlich setzen? Findet man hier einen Konsens, hat man die Rechnung vermutlich ohne den Wirt gemacht. Denn die rechten Kräfte in der Union haben ihre Aufgabe in der Destabilisierung der Gemeinschaft gefunden. Eine schier stürmische Legislatur nimmt Fahrt auf.

Der Turmbau zu Babel in Brüssel Martin, was sind die wichtigsten Aufgaben, die nach der Europawahl in Brüssel angegangen werden müssen? Die Klimaziele, die wir im Pariser Abkommen festgelegt haben, müssen in ganz Europa durchgesetzt und diese Umsetzung muss von Europa auch vom Rest der Welt eingefordert werden. Außerdem muss die Europäische Union sämtliche Register ziehen, um den Iran von einer weiteren atomaren Aufrüstung abzuhalten und die Amerikaner von zunehmender Eskalation abzubringen. Eine ganz wichtige Frage stellt sich schon in den nächsten Tagen: Das EU-Parlament muss am Prinzip festhalten, dass nur jemand Kommissionspräsident wird, der bei der Europawahl als Spitzenkandidat kandidiert hat. Es geht häufig unter, dass die EU im Nahen Osten eine starke Verhandlungspartnerin ist. Die Rufe nach einer Verteidigungsarmee, nach einer Streitmacht werden lauter. Wie bekommen wir es hin, dass allen klar wird, dass die Europäische Union auch ohne diese gemeinsame Armee weiterhin in der Welt hilft, vermittelt und Frieden sucht? Ich bin ein großer Anhänger einer europäischen Regierung, die sich auch so nennen

sollte und die Aufgaben einer solchen übernimmt. Mit dem Begriff „hoher Beauftragter für Außen- und Sicherheitspolitik“ kann kein Mensch was anfangen. Wenn Federica Mogherini „Außenministerin der EU“ heißen würde, wäre vieles einfacher. So würde auch sichtbarer werden, welch wichtige Rolle sie schon heute spielt. Was wäre mit dieser Begrifflichkeit deutlich einfacher? Die Sichtbarkeit dessen, was erfolgreich läuft, hängt auch von Vermittlung und Vermittlungsstrategien ab. Das Abkommen mit dem Iran wäre beispielsweise ohne den Einfluss der EU nicht zustandegekommen. Trotzdem kann die EU eine noch stärkere und sichtbarere Rolle spielen, wenn sie noch entschiedener mit einer Stimme sprechen würde. Deshalb müssen die Regierungen der Mitgliedsstaaten endlich begreifen, dass sie Europa da, wo es stark sein soll, auch starkmachen. Wo fehlt es denn den Mitgliedstaaten aus deiner Sicht am Verständnis für die EU? Die Europäische Union ist nur so stark, wie die Mitgliedstaaten es wollen. Deshalb


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Definitiver Ausschluss einer Koalition mit Menschen rechter Gesinnung nochmal: Als Akteur in der internationalen Politik, mit einer abgestimmten Außen- und Sicherheitspolitik und einer Person, die dafür sichtbar zuständig ist, käme die EU sicherlich weiter. Als Gegner dieses gemeinsamen Europas und einer möglichen Einheitsregierung zeigen sich vor allem Länder mit rechtskonservativen und nationalistischen Regierungen. Es macht den Eindruck, dass Rechtspopulisten eher daran interessiert sind, das innere Gleichgewicht der EU ins Wanken zu bringen, als wichtige Aufgaben in der Weltpolitik zu übernehmen. Ich sehe da keinen Weg, wie das in den Griff zu bekommen wäre. Siehst du ihn, Martin? Indem die überwältigende Mehrheit von Menschen, die für diese Idee von Respekt, Toleranz und Demokratie einsteht, aufsteht und Nein sagt. Wenn eine Partei wie die AfD elf Prozent Zustimmung bei einer Wahl bekommt, heißt das im Umkehrschluss, dass 89 Prozent der Bürger sie nicht gewählt haben. Sie treten

aber so auf, als bildeten sie die Mehrheit. Dass die wahre Mehrheit im Lande das zulässt, ist falsch. Das heißt im Klartext, dass du eine Massenbewegung brauchst, die klarstellt: Ihr seid eine Minderheit, die in diesem Land wegen ihrer Politik niemals etwas zu sagen haben sollte. Das heißt: Ausschluss jeder Art von Koalition mit diesen Leuten. Deshalb kann ich auch nachvollziehen, dass keiner ihrer Kandidaten zum Vize-Bundestagspräsidenten gewählt wird. Man kann nicht unsere Republik, unser System, schlechtreden und gleichzeitig sagen, dass man alle Funktionen mitnimmt. Klare Kante, das ist das Wichtigste. Okay, das gilt für unser Land. In anderen Mitgliedsstaaten regieren Rechtspopulisten bereits. Wie schafft es die EU, dass die Bürger Europas gegen rechts aufstehen? Die Oppositionen der jeweiligen Länder müssen gestärkt werden. Ich nenne mal das Beispiel Polen: Das Land wird rechts regiert und ich glaube, dass trotzdem die deutliche Mehrheit gegen die Europapolitik der Regie-


rung Kaczyński ist. Diese Mehrheit gilt es zu unterstützen und den Menschen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Das alleine wird wohl nicht zu einer Massenbewegung gegen rechts führen – und vermutlich Staatsgewalten wie in Polen oder Ungarn ein müdes Lächeln abringen? Es ist nicht ganz einfach, weil man sich auch nicht so ohne weiteres in die nationalen Angelegenheiten eines Landes einmischen darf und sollte. Trotzdem haben sich alle Staaten der EU auf gemeinsame Werte geeinigt. Einer Regierung in Budapest, die die Pressefreiheit einschränkt, kann man durchaus sagen: Solange dies so bleibt, bekommt ihr keine EU-Mittel mehr, jedenfalls Solidarfonds sind für euch gestrichen. Das wäre ein Weg, um Regierungen zu zeigen, dass sie sich nicht alles erlauben können. Das würde dann folglich die Opposition in solchen Ländern ermutigen. Man muss da viel deutlicher und härter vorgehen.

» Die Europäische Union ist nur so stark, wie die Mitgliedsstaaten es wollen. « Wann sind wir denn soweit, zu verstehen, dass der europäische Gedanke über nationalen Interessen steht? Genau dann, wenn die Nationalregierungen endlich ihrer Pflicht nachkommen. Den Bürgerinnen und Bürgern sagen, dass man als nationale Regierung nicht mehr in der Lage ist, den integralen Schutz, der unseren Staatsangehörigen früher gewährt wurde, heute ohne europäische Strukturen zu gewährleisten. Die Aussage wirst du unseren Lesern näher erläutern müssen. Wir stehen in einem globalen Wettbewerb mit Staaten, die keine Menschenrechte

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Die Mitgliedsstaaten der EU müssen auf ihren Grundwerten beharren respektieren, keine sozialen Rechte und keine ökologischen Standards; die deshalb aber produktiver und wettbewerbsfähiger sind. Deshalb gerät unser Modell der sozialen Marktwirtschaft unter enormen Druck. Die Mitgliedsstaaten der EU müssen sich im Binnenmarkt zusammenschließen und gemeinsam auf ihren Grundwerten beharren – auch in der Wirtschaft. Zur Not müssen sie klar sagen: wenn gewisse Standards nicht eingehalten werden, dürfen Produkte aus Ländern, die sich nicht daran halten, nicht auf unseren Markt. Das geht aber nur, wenn wir das als Gemeinschaft zusammen machen. Dazu muss man in einem ersten Schritt nationale Souveränität nach Europa abgeben. Das ist ein Prozess. Man gibt Souveränität auf, erhält aber auf übernationaler Ebene Souveränität zurück.

gen äußern sich ähnlich und pochen auf ihre staatliche Unabhängigkeit. Emmanuel Macron sieht das zum Beispiel deutlich anders. Der sagt, dass die französische Souveränität eine Ergänzung benötigt. Sie braucht zusätzlich eine europäische Souveränität. Da hat er völlig recht. Es gibt allerdings kaum Regierungen in Europa, die den Mut aufbringen, das ihrem Volk zu sagen. Im Gegenteil. Die fatale Spirale ist die, dass es Regierungschefs gibt, die zuhause so tun, als hätten sie alles im Griff und bekämen alles geregelt. Und auf einmal merken die Bürger, die haben nichts unter Kontrolle. Sie bekommen gar nichts geregelt, weder Steuer- noch Migrationspolitik, nicht den Klimawandel und auch nicht die Kriminalitätsbekämpfung. Das führt am Ende zu einer Enttäuschung, die den Rechten Rückenwind gibt.

Ein Großteil der Briten hat ja gerade gezeigt, dass ihnen diese überstaatliche Souveränität am Arsch vorbeigeht. Dass man einfach keinen Bock auf Europa hat. Andere Regierun-

Es ist höchst offensichtlich, dass diese Europäische Union, die 1993 in Kraft trat, schwer um ihre Daseinsberechtigung kämpfen muss. 25 Jahre nach dem Maastrichter


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Europa ist die Zukunft, alles Andere ist Vergangenheit Vertrag scheinen nationale Interessen und somit Machtsicherung der Regierungen im Vordergrund zu stehen? Das stimme ich zu. Es fehlen an vielen Stellen Politiker wie Willy Brandt aber auch Helmut Kohl. Das klingt aus dem Munde eines Sozialdemokraten vielleicht überraschend. Aber über Kohl konnte man denken, was man wollte; ich habe ihn damals als Juso zu Wasser, zu Lande, in der Luft, bei Tag und bei Nacht, rund um die die Uhr, sitzend, stehend und liegend abgelehnt. Aber ich weiß heute eins: Der Typ hatte eine klare Haltung, wenn es um Europa ging. Der Angst, die nach der deutschen Einheit in Europa entstand, dass Deutschland nochmal einen Sonderweg gehen könnte, begegnete Kohl mit der Aufgabe der D-Mark und Einführung einer gemeinsamen Währung. Er garantierte damit, dass wir von nun an ein Teil der europäischen Familie sein würden. Die Verzahnung durch eine gemeinsame Währung ist so stark, dass kein Land mehr gegen ein anderes gehen kann, ohne sich zu ruinieren.

Nochmal, Martin: Wir sprechen von klarer Kante, Grenzen, die gesetzt werden müssen. Und dann gibt es zum Beispiel einen Orbán, der in seinem Land gegen die ethischen Grundrechte der EU handelt. Der sich nur negativ über die Arbeit in Brüssel äußert. Wo liegt der Knackpunkt, hier zu sagen, „Noch einen Meter weiter und ihr seid raus!“? Ich habe den Eindruck, hier wedelt der Schwanz deutlich mit dem Hund? Orbán ist sicherlich jemand, der die EU an ihre Grenzen bringt. Die Frage ist berechtigt. Wie lange kann man sich das bieten lassen? Die EU hat einen Austrittsmechanismus, keinen Ausschlussmechanismus. Also kann man nur sanktionieren, wenn sich nicht an Verträge gehalten wird. Orbán ist so ein Grenzgänger. Der hält sich Hintertürchen auf und somit glaube ich, dass man einen Viktor Orbán hier einzig über finanzielle Sanktionen bekommt und ihm Grenzen aufzeigt. Wer sich nicht an die Solidarprinzipien hält, darf letztendlich nicht erwarten, dass in der Finanzpolitik Solidarität mit ihm geübt wird.


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Wir schaffen das… Martin, jetzt reden wir die ganze Zeit über die anderen Mitgliedstaaten. Auch in Deutschland gibt es einen Wandel. Die Volksparteien verlieren an Zustimmung. Die Grünen werden stärker und stärker, Rechtspopulisten treiben ihr Unwesen. Da stellt sich die Frage, wie zum Beispiel die SPD wieder auf Kurs kommt und sich um politische Fragen kümmert, anstatt um sich selbst? Wir leben in einer Zeit des „Entweder – Oder“. Entweder Klimapolitik oder gar nichts. Entweder Industriepolitik oder gar nichts. Die SPD ist eine „Sowohl-als-auch-Partei“. Wir spielen nicht verschiedene Politikfelder und Themen gegeneinander aus, sondern versuchen, sie zu versöhnen. Deshalb gelten wir auch als eine wichtige Kraft für den Zusammenhalt in Gesellschaften. Ich nehme mal das Beispiel Klimawandel. Wir haben den Atomausstieg bereits 2001 beschlossen, und seitdem unsere Wirtschaft Schritt für Schritt umgebaut. Und jetzt haben wir das gleiche für die Kohleenergie beschlossen. Wenn es uns gelingt, als drittgrößte Industrienation der

Welt, zu beweisen, dass wir in den nächsten 19 Jahren aus der Kernenergie aussteigen, keine Kohle mehr benutzen und gleichzeitig den steigenden Energiebedarf noch durch erneuerbare Energien decken, wird Deutschland zum Modellfall in der ganzen Welt.

» Man muss da viel deutlicher und härter vorgehen. « Aber wie erhöht die SPD daraus ihren Zuspruch bei den Wählern? Die SPD muss viel stolzer sein. Sie muss mit größerem Selbstbewusstsein auftreten. Sie muss sagen: Das Projekt ist realistisch. Zu sagen, dass das Ganze bis 2030 umzusetzen möglich ist, das ist nicht realistisch. Da kann jeder was anderes behaupten, aber realistisch ist das nicht. Das muss die SPD vermitteln,


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so selbstbewusst wie möglich. Da kann durch andere Parteien so viel Kritik kommen, wie will. Das Ziel muss lauten, die Industriearbeiterschaft auf der einen und ökologisch bewusste Bevölkerung auf der anderen Seite nicht gegeneinander zu treiben, sondern miteinander zu versöhnen, indem wir dieses eine gemeinsame Projekt verfolgen. Das kann in Deutschland nur eine Partei. Wir sind keine „Entweder – Oder“-Partei. Daher: „Sowohl-alsauch-Partei“. Wir führen Menschen zusammen, nicht auseinander. Dafür braucht es eine Menge Selbstbewusstsein.

beständige Arbeitsverhältnisse schaffen. Das Ganze zerrüttet die Gesellschaft. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir dauerhaft gesicherte Arbeitsplätze mit gesicherten Einkommen brauchen. Dass die unmittelbare Daseinsvorsorge von der Kita bis zur Pflege so finanziert werden muss, dass Familien wirtschaftlich nicht in die Knie gezwungen werden. Wenn das nicht gelingt, zerfällt die Gesellschaft immer weiter. Danke, Martin.

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◊◊◊ Welcher Problempunkt, der in den nächsten fünf, sechs Jahren auf die Politik zukommt, bereitet dir Kopfschmerzen? Die weitere Erosion der Mittelschicht. Dass immer mehr Menschen trotz guten Einkommens ihren Lebensstandard nur unter äußerster Anstrengung finanzieren können. Dass immer mehr junge Menschen es nicht in 050619_mittendrin_Stadtgefluester_157x113.pdf

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Martin Schulz

Der 1955 in Hehlrath geborene deutsche Politiker und Mitglied der SPD war Bürgermeister von Würselen und wurde Mitglied des EU-Parlaments, für das er auch fünf Jahre als Präsident amtierte. Als Kanzlerkandidat der SPD führte er 2017 das schlechteste Ergebnis seiner Partei nach dem Zweiten Weltkrieg bei einer Bundestagswahl ein. Schulz ist Mitglied des deutschen Bundestages.

24.06.19

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Tischlein deck dich – Neue, japanische Küche für Münster Chiara Kucharski probiert mit Wei Liu von IchiBan Sushi Münster die gewaltige Vielfalt der modernen Sushi-Küche. Von vegetarischen, traditionellen und modernen Sushi-Varianten über zartes Fleisch bis hin zu Oktopus-Bällchen, Muscheln und Pilzen ist alles dabei. Es geht um kulinarische Experimente, gesunde Ernährung sowie japanische Standards und Besonderheiten. Die gibt es seit Kurzem nämlich auch neu in Münster.

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Was bedeutet „IchiBan“? Das heißt so etwas wie „das Beste“ und auch „das Erste“ und wurde aus dem Japanischen übernommen. In Münster habt ihr taufrisch eröffnet. Wie ist die Resonanz? Sehr gut. Viele kommen von hier oder aus der Umgebung vorbei. Besonders wenn etwas ganz neu ist, sind alle interessiert, was es gibt – und wollen es kennenlernen und sich im besten Fall begeistern lassen. Das Lokal ist sehr schön geworden. Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert? Es hat sich sehr lange hingezogen. Allein die Baugenehmigung hat es um ein halbes Jahr verzögert. Auch jetzt noch sind viele Anträge zu stellen. Unsere Eröffnung war eigentlich für letztes Jahr angesetzt. Die Mitarbeiter waren startklar, die Einrichtung war da, aber erst jetzt durften wir endlich loslegen. Schön, dass nun so viele Leute hier essen. Ist Sushi ein Trend-Food? Ja. Wir als Franchise-Nehmer haben uns durch unsere eigene Marke bereits einen guten Ruf in der Umgebung erkocht.

„Teppanyaki“ zum Beispiel ist mit all seinen Einflüssen quasi eine europäische Grillplatte. Machen die verschiedenen Rolltechniken beim Sushi einen Unterschied? Ja, eigentlich kommt es mehr auf die vielfältigen Zutaten an. Der Geschmack wird durch die Rolltechniken verschiedenartig hervorgehoben. Original japanisch ist, wenn die Rollen nicht so fest gerollt sind. Aber gerade für Leute, die nicht regelmäßig mit Stäbchen essen, ist die festere Variante einfacher. Viele versuchen sich wahrscheinlich an eigenen Stäbchen-Techniken, oder? Wenn man sich einen Abend hinsetzt und mit Stäbchen isst, lernt man es ziemlich rasch.

» Japan ist klein. Viele Einflüsse kamen aus dem Ausland und wurden kombiniert. «

Gibt es Unterschiede bei den Standorten? Als Franchise gibt es anderen Spielraum als bei einer Kette, oder? Wir sind schon einzelne Unternehmer, aber unser Konzept ist das gleiche und das Essen stimmt zu 90 Prozent überein. Das wird gut angenommen. In Hannover oder Braunschweig beispielsweise – und ich hoffe, in Münster wird das auch so sein.

Werdet ihr von den Gästen schonmal nach Messer und Gabel gefragt? Sehr selten. Selbst ältere Gäste, die zunächst Schwierigkeiten hatten, konnten nach einer halben Stunde gut mit den Stäbchen umgehen. Sie helfen, sich tatsächlich auf das Essen zu konzentrieren. Gerade in einer Zeit, in der alles so schnell geht. Aber mit Stäbchen kann man irgendwann auch echt flott essen. (Lacht.)

Wie kommen Europäer, insbesondere Westfalen, darauf, rohen Fisch zu essen? Unser Essen ist nicht nur traditionell japanisch. Sushi gibt es in höchst unterschiedlichen Varianten. Eine Art, bei der der Reis außen ist, wurde in Amerika gefunden. Mit Fischrogen und Sesam ist es sehr international. Traditionelles haben wir auch, etwa Maki und Nigiri. Japan ist klein. Viele Einflüsse kamen aus dem Ausland und wurden kombiniert.

Man hat oft das Gefühl, dass es bei den Japanern strengere Regeln zu Tisch gibt … In Japan darf man schlürfen, was hier anders gesehen wird. In Asien ist Suppe etwas zum Trinken. Oder es wird beim Sushi lieber die Fischseite als die Reisseite gedippt, weil der Reis zu viel aufsaugen würde. Isst jemand lieber mit der Gabel, ist das hierzulande ok. In anderen japanischen Restaurants gibt es manchmal keine Messer und Gabeln. Aber hier


ist alles erlaubt. Hauptsache, es schmeckt – und die Menschen fühlen sich wohl.

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Es ist verpönt, bei Sushi-Rollen mehrfach abzubeißen, weil die Komposition dann zerstört wird … Was ist noch wesentlich für die japanische Küche? In Japan wird beispielsweise ein Thunfisch komplett verwertet. Da werden nicht nur bestimmte auserlesene Teile verwendet, sondern vom Kopf über Gräten bis hin zur Bauchseite alles. Es wird nie etwas weggeschmissen. In anderen Küchen werden manchmal die Filets herausgenommen und der Rest kommt weg. So etwas darf nicht sein. Wenn man sieht, was teils in Amerika los ist … Aber da sieht man ja auch die Unterschiede zwischen Amerika und Japan: In Japan sind nur etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung übergewichtig, in Amerika … jeder Dritte? Japaner sind das gesündeste Volk und sie werden am ältesten. Übergewicht gibt es quasi nicht. Nur die Sumo-Ringer, aber das ist Absicht. (Lacht.) Da kommen aber viele auch aus Amerika oder der Mongolei. Die werden dann aber auch nicht älter als 50 oder 60 Jahre. Gutes Essen macht schon etwas aus. Gesundheit ist vielen ein wichtiger Aspekt beim Thema Ernährung. Was macht Sushi so gesund? Sushi verwendet kein Öl zum Braten. Es ist da frei von Fetten. Meist ist es einfach gekochter Reis mit Sushi-Essig und einer Füllung nach Wahl. Gemüse, roher oder gekochter Fisch, wie es gefällt. Hauptsache sind die ganzen frischen Zutaten. Gibt es Sushi für verschiedene Anlässe? Es gibt Unterschiede im Sushi, aber weniger nach Anlass, sondern je nach Region. Im Süden Japans, in Osaka, isst man das Sushi salzig. Isst man in Tokio oder im Norden, schmeckt es internationaler und süßer. Aber was Feiern und Anlässe angeht, ist man in Japan eher ruhig.


Foto: Dario Ronge

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Japanisches Essen ist stets einem Wandel unterworfen Was es bei IchiBan gibt, ist moderneres Sushi. Wird da auch experimentiert, was Neues in die Sushi-Rollen kommt? Japanisches Essen ist stets dem Wandel unterworfen. Man lernt immer von außen. Mit jedem Jahr gibt es andere Zutaten, eigene Ideen, das ist ganz normal. Gerade wenn man als japanischer Küchenmeister in Europa war und die Einflüsse mit der traditionellen japanischen Küche kombiniert, wird man in Japan zum Top-Koch. Hauptsache, alles ist frisch. Wo bekommt ihr die frischen Zutaten her? Ihr habt ja auch exotischere Sachen. Wir haben einen Lieferanten aus Düsseldorf, der auf japanische Zutaten spezialisiert ist. Und wir werden jede Woche aus Holland beliefert. Einige Zutaten können wir auch vor Ort im münsterschen Großhandel erhalten. Braucht man als Sushi-Koch eine besondere Ausbildung? Das hängt alles von der Erfahrung ab. Meist startet man ganz unten beim Tellerwaschen. Dann lernt man vom Zusehen. Irgendwann übernimmt man das Grillen der Nori-Blätter und wird mit der Zeit immer erfahrener. Richtige Praxis in japanischen Restaurants ist sehr wichtig. Wie lange machst du das schon? Oh. Seit mittlerweile zehn Jahren hier in Deutschland. Wie viele Leute arbeiten hier? Momentan haben wir zirka 15 Mitarbeiter.

Wenn es sich weiterhin gut entwickelt, sollen es 25 Kollegen werden. Generell ist einiges für die Zukunft geplant. Catering-Service, Sushi zum Bestellen nach Hause und Workshops zum Stäbchen-Essen. Auch, um Kulturelles zu vermitteln. Dann soll es jeden Monat neue Kreationen aus der Küche geben. Wie kam es zu diesem Standort in Münster? Die Friedrich-Ebert-Straße stellt eine gute Mischung aus „relativ zentral“ und einer Terrassen-Möglichkeit sowie einem Parkplatz für die Gäste dar. Das ist ganz im Zentrum nicht mehr zu finden. Was würdest du als passendes Getränk zum Sushi empfehlen? Auf jeden Fall einen schönen Weißwein, Reiswein (Liu schenkt uns einen Sake ein) oder auch hausgemachten Eistee oder hausgemachte Cocktails. In diesem Sinne: Prost! ◊◊◊

INFO

Wei Liu Wei Liu hat im Mai 2019 das Sushi-Grill-Restaurant IchiBan in Münster eröffnet. Zusammen mit seinen Kollegen betreibt er hier moderne japanische Küche auf gehobenem Standard und in entspannter Atmosphäre. Zuvor in seinem Restaurant in Freiburg tätig, baut er auch hier in Münster etwas Neues auf.


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RAINER MANTHEY ERLÄUTERT DOMINIK IRTENKAUF DEN FEINEN UNTERSCHIED ZWISCHEN MANTA A UND MANTA B Eine Automarke, die wie keine andere mit Stereotypen verbunden scheint. Dabei ist das nur Oberfläche. Wer etwas tiefer gräbt, wird auf die Expertise von Rainer Manthey stoßen, bekennender Mantafahrer und Opelexperte. Seit 35 Jahren beschäftigt er sich mit Technik und Kultur der Opel-Familie, schraubt an Autos und zeigt im Interview, dass einige Ansichten zum Manta nicht ganz up to date sind. Aber lest selbst …

BESSER ALS SEIN RUF:

MANTA!


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Wie fing denn die Faszination für Mantas an? Ich sag mal: Ich bin im Auto groß geworden. Ich hatte meinen ersten Verkehrsunfall, da war meine Mutter mit mir schwanger im siebten Monat. Das prägt! Vorgeburtliche Erfahrungen! Kann man so sagen. Man ist ja früher von Münster aus nach Holland gefahren und hat Kaffee und Butter gekauft, was eigentlich nicht erlaubt war. Auch Zigaretten. Da sind meine Eltern am Wochenende mit mir nach Holland gefahren – und in einer Gracht gelandet. Keiner wurde verletzt, aber das Auto hatte Totalschaden. (Lacht) Wie ging es weiter? Mein Vater kaufte 1962 einen Opel Rekord. Einen gebrauchten P1. Da habe ich bei Muttern ganz vorne auf dem Schoß gestanden und mich am Armaturenbrett festgehalten. „Auto, Auto, Auto“ – so kam das. Später wechselten Sie die Automarke nicht mehr? Ich spanne den Bogen mal weiter: Mit 12, 13 habe ich mich nicht sonderlich für Autos interessiert. Dann kam die Zweirad-, Mofaund Moped-Zeit. Da haben sie mich aber zweimal unschuldig über den Haufen gefahren, das habe ich also lieber sein gelassen. Hab mich den Autos zugewendet – noch bevor ich den Führerschein hatte, mit 17, hatte ich schon zwei Opel auf dem Hof stehen. Aus Ihren Büchern lese ich eine Faszination für den Stil und die Ästhetik heraus. Von Beruf bin ich Architekt, da hat man mit Formen und Gestaltung zu tun. Opel hatte eigentlich immer ein gutes Package mit seinen Autos. Das hat mir von Anfang an gefallen. Ich bin auch Fan amerikanischer Wagen. Das kommt natürlich in den 50er, 60er Jahren gut rüber. Das hat alles irgendwie zusammen bei mir gewirkt. Was kam noch dazu? Später habe ich die Schrauberfreundlichkeit dieser Autos kennengelernt. Da began-

nen die Faszination und das Prickeln. Da haben Sie mehrere Autos unter den Händen, die sie gesund schrauben können – und machen so ihre Erfahrungen. Irgendwie passt einfach das Portfolio der Produkte, die Opel da im Angebot hat. Die äußere Wahrnehmung der Mantas ist ja für die Fahrer nicht immer angenehm. Bedingt auch durch die Mantafilme. Sie nennen sie in Ihrem Buch „unsäglich blöd“! Als die beiden Streifen erschienen, fuhr ich bereits über zehn Jahre Manta und war bekennender Manta-A-Fahrer. Und in den Filmen ist welche Version zu sehen? Zu 95 Prozent der Manta B, das Nachfolgemodell, das ab 1975 vom Band lief. Er wurde bis 1988 gebaut und war, als die Manta-Filme gedreht wurden, im Grunde ein ladenneuer Oldtimer. Was ist der Unterschied? Der Manta A bekam seine Gestaltungsvorgaben direkt von GM in den USA, wo faszinierend und verspielt gestylte „Muscle Cars“ seit Mitte der 60er Jahre schwer angesagt waren. Aus dieser Direktive formten die Stylisten in Rüsselsheim ein hinreißend elegantes Coupé. Der Manta B hat zwar ebenfalls gestalterische Parallelen in der GM-Autowelt. Doch seine sachliche Formgebung folgte eher den Einflüssen des italienischen Designs, dem man in Rüsselsheim bevorzugt nacheiferte, und das auch bei den GM-Gestaltern seine Fans hatte. Kommen wir auf die Filme zurück. Die haben ja die öffentliche Wahrnehmung der Mantafahrer ziemlich geprägt? Initialzündung war „Norbert und die Feiglinge“ mit dem Song „Manta, Manta“, den der NDR Ende 1988 rauf und runter spielte. Ich habe die Filme bereits seinerzeit in meiner Manta-A-Zeitung, die es heute noch gibt, entsprechend kommentiert. In meinen Manta-Büchern natürlich auch: Wie es zu diesen Witzen gekommen ist und wie die hängengeblieben sind.


Foto: Presse

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Mantahafte Agilität Wenn man heute mit dem Manta in die Stadt fährt, kommen dann noch Sprüche? Das kommt immer noch. „Kurbele mal die Scheibe runter und leg den Arm raus!“ oder „Hast du heute deine Mantaletten vergessen?“ oder „Da ist ja gar kein Fuchsschwanz dran.“ Das hören Sie an jeder Tanke. Wenn Sie einmal in einer Schublade gelandet sind, kommen Sie da nicht mehr raus. Das können Sie abhaken! Wie reagieren die Fahrer? Mantafahrer haben gelernt, damit umzugehen. Einerseits sind diese Autos sehr selten geworden, und zum Zweiten gibt es eine große Portion Selbstironie. Entweder steht man dazu oder man lässt es bleiben. Das spüren die Leute, wenn sie mit diesen Witzen angelatscht kommen, auch ganz schnell, wenn sie sagen: „Okay, mit deinem Eimer würde ich nicht mal zum Einkaufen fahren!“ – denn dann ist die Geschichte flott gegessen und die interessieren sich eigentlich mehr fürs Auto. Ist natürlich ein Vorteil, wenn eine Automarke leicht erkennbar ist. Ach, den Manta A erkennen die Leute nicht gut, weil er in den Filmen gar nicht vorkommt, aber der Manta B ist imagemäßig natürlich unten durch! Das ist klar. Das ist und bleibt eine Prollkarre – und da bringen Sie die Leute auch nicht von weg. Beim Manta A ist das anders? Klar, der A hat ein ganz anderes Styling:

Das ist mehr spielerisch beeinflusst und die Form eine ganz andere, obwohl fast die gleiche Technik wie beim Manta B drunter steckt. Wenn Sie junge Leute von heute, die kurz vor dem Führerschein stehen, fragen: Was ist das da für ein Auto? Da käme keiner auf die Idee, zu sagen: Das ist ein Opel. Gibt es noch andere Insignien, die ein Mantafahrer angeblich besitzen soll? Das Goldkettchen um den Hals und die blonde Friseuse auf dem Beifahrersitz, um das komplett zu machen. Wie gesagt: Ich habe Anfang der 80er studiert und da stand ich tatsächlich mit einem Manta vor der Uni. Mantafahrer sind nicht doof! Ich habe damals Bundestagsabgeordnete kennengelernt, die einen Manta in der Garage stehen hatten.

» Der Manta A ist beinahe ausgestorben! « Auf Ihrer Webseite las ich, dass die Form des Autos vom Mantarochen abgeschaut wurde. Da war Aerodesign involviert? Die Produktphilosophie zum Manta war schon geschickt ausgeknobelt. Ende der 60er war Ford mit dem Coupé Capri sehr erfolgreich. Das Auto hing thematisch mit Wasser zusammen. Ford hat europaweit fast


20.000 Ford Capri pro Monat verkauft. Da musste Opel in diesem Marktsegment sicher mitziehen. Die Design-Crew bei Opel war bereits damals sehr italien-affin. Sie sind immer schon eher nach Turin oder Mailand auf die Autoshows gefahren als nach Paris oder London. Wo kam der Name her? 1969 bei der Autoshow in Turin stand eine Autostudie von der Firma Ital Design, die hieß Manta. Die Firma war chronisch pleite. Da haben die Designchefs von Opel und General Motors gemeint: Wir würden auch sehr gerne ein Auto mit dem Namen Manta bauen. Können wir uns einigen, dass wir den Namen für einen anderen Wagen nutzen dürfen? Im Gespräch waren damals 10.000 Mark. Da fackelten Opel und GM nicht lange! Manta ist ja dann noch das Meerestier? Ja. Dahinter stand noch der Fisch und da kam Jacques Cousteau ins Spiel, der unweit sein Schiff „Calypso“ liegen hatte. Man ist da kurzerhand hingefahren und hat sich über das Tier schlaugemacht. Hat sich ein paar Bilder und Filme zeigen lassen. Sie dachten: Okay, das könnte was werden. Das ist genau so maritim wie Fords Capri. Capri bezeichnet zwar eine Insel und keinen Fisch, aber das kommt gut an. Daraus wurde die Produktphilosophie entwickelt, das Logo und der Rochen. Damit war das Kind geboren. Orientiert sich die Autoform auch am Rochen? Beim Manta A zumindest. Wenn Sie sich die Wagenfront schräg von vorne angucken, sehen Sie dieses geschwungene Profil, das insbesondere die Motorhaube hat. Wenn ein Manta aus dem Wasser springt, finden Sie diese Silhouette. Die floss in die Autoform ein. Die lange Front ist auch bei den Tieren begründet. Wenn Sie sich Filme zu den Fischen anschauen und sich das Auto im 360°-Look begucken, finden Sie Elemente der Form wieder.

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Aus Ihren Antworten höre ich eine Leidenschaft heraus. Anders kann man über so ein Thema sicher nicht schreiben? Sonst kriegen Sie solch ein Buch nie hin. Sie müssen mit Herzblut bei der Sache sein und sollten eine lange Erfahrung und ein großes Archiv vorweisen können. Aber mit Opelbüchern hat man nicht immer Glück; die Dinger gehen einfach unter, lassen sich nur schlecht vermarkten. Dazu muss ich sagen, dass die professionellen Verlage eigentlich einen Bogen um Opelthemen machen. Die sind nicht gut gelitten. Lieber schreibt man das fünfzigste Käfer-Werk, bevor ein Opel-Buch erscheint. Woran liegt das? Tja, das ist bei Ford oder bei Fiat das gleiche. Diese Bücher müssen Sie hierzulande mit der Lupe suchen. Warum es nur auf

dem deutschen Markt so ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Im europäischen Ausland feiern die Bücher ziemliche Erfolge. Vielleicht weiß der deutsche Autofan alles besser? Oder er liest nur Bücher über VW, Porsche, Mercedes und BMW. Stärkt das den Zusammenhalt in der Opel-Familie? Ich versuche mal, das zusammenzufassen: Fangen wir beim Opelfahrer an. Nach Ansicht vieler Deutschen fährt der noch mit Hut herum und hat Hosenträger an. Das kriegen Sie einfach nicht weg! Der Marke wird ein gewisses modernes Image nicht zugetraut, obwohl die Autos wesentlich besser sind als ihr Ruf. Dazu stehen natürlich die Opelaner, ich nenne sie mal so, das sind Fans der Marke und Leute, die bei Opel arbeiten, teilweise seit Generationen.

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Woran liegt es also? Natürlich wissen die Opelaner genau, dass die Autos qualitativ mindestens so gut sind wie zum Beispiel die Dinger aus Wolfsburg. Meistens sind sie jedoch ein gutes Stück preiswerter, haben aber eben ein schlechteres Image. Viele können damit leben, sind aber froh, dass Leute wie ich sich mit dieser Thematik beschäftigen und dabei ihre Sprache sprechen. Damit gebe ich meinen Lesern etwas Positives zu lesen, verschweige aber nicht die Fehler, die innerhalb der Marke gemacht werden. Schönfärberei, Lobhudelei oder verschwurbeltes Marketingdeutsch sind nicht meine Sache. Klare Kante, und damit hopp!

Kommt vor. Ist aber eine kostspielige Angelegenheit, weil die jungen Leute ja eine rollfähige oder besser fahrbereite Kiste finden müssen. Da sind sie mit Einstiegspreisen von 8.000 bis über 12.000 Euro dabei. Das gibt kaum einer für einen Opel aus! Also suchen sie sich ein fahrbereites Exemplar, das restauriert werden muss.

Wie sieht denn die Zukunft der Mantas (im Straßenverkehr) aus? Vom Manta A sind vielleicht noch knapp tausend Stück zugelassen und in wirklich gutem Zustand sind davon etwa 250. Wann sehen Sie auf einem Oldtimer-Treffen mal einen Manta A? Opel GT geht vielleicht eher, da sind fast doppelt so viele noch zugelassen. Aber der Manta A ist beinahe ausgestorben, weil die Dinger zugrunde geritten wurden – oder totgebastelt. Das, was noch übrig ist, versucht man eben weitestgehend im Originalzustand zu halten.

Dann wünschen wir mehr Interesse für die Mantas! Danke.

Finden sich für junge Interessenten Modelle?

Stadtgeflüster Münster – Das Interviewmagazin wird herausgegeben von der Stadtgeflüster GmbH & Co. KG Rothenburg 14-16, 48143 Münster Telefon 0251 48168-30, Telefax 0251 48168-40 stadtgefluester-muenster.de info@stadtgefluester-muenster.de Herausgeber, Chef- und Schlussredakteur: Thorsten Kambach Redaktion: Jana Nimz, Stefan Reimer, Tom Feuerstacke, Arndt Zinkant, Claudia Maschner, Jonas Wintermantel, Chiara Kucharski, Dominik Irtenkauf, Julia Körtke Editorial Design: Buschy

Gibt es in den Manta-Clubs junge Mitglieder? Es gibt ein paar Einsteiger, die in ihren 20ern sind – die versucht man ein bisschen zu führen. Dass die das Auto nicht verbasteln, beziehungsweise, dass die bei der Stange bleiben. Das ist nicht immer ganz einfach, aber es gibt einige.

◊◊◊

INFO

RAINER MANTHEY In Münster geboren, als fünfjähriger Dreikäsehoch weggezogen, in Norddeutschland die Liebe zur Opel-Marke gefunden. Herausgeber der „Manta-A-Zeitung“, die seit 1986 erscheint. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, jüngst: „Fast alles über Opel. Ein Sammelsurium“ bei Delius Klasing manta-a-online.de f-kubik.de/rm/rm

Lektorat: Bernhard Trecksel Verteilung: Flyerwehr UG (haftungsbeschränkt) flyerwehr.net Fotografie: Thomas Schmitz – FXcommunication.com, Buschy Buschmeyer, Maren Kuiter www.shutterstock.com, Pressefotos Anzeigenvertrieb: Ekki Kurz, Horst Stronk Veranstaltungen und Kleinanzeigen: Jana Nimz Büro: Irene Kötter Druck: Lensing Druck Ahaus Webseite: Mark Grotegerd Stadtgeflüster liegt zur kostenlosen Mitnahme an über 300 Stellen in Münster aus. Sie haben Interesse an unseren Mediamöglichkeiten? Dann rufen Sie uns an oder schreiben Sie eine Mail, wir freuen uns!


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- 66 Tom feuerstacke und Carmen molitor besprechen die Kinder-Klima-Karawane In der heutigen Zeit kann man gar nicht genug auf das desolate Klima hinweisen, das auch auf die Trägheit und Tatenlosigkeit der Politik zurückzuführen ist. Der einzige Weg ist das ständige „Mit dem Finger darauf zeigen“, um ein Zeichen zu setzen. Das werden jetzt die Kleinsten der Kleinen in Münsters Süden tun.

Das Anliegen der Kleinsten Carmen, was treibt dich an, eine Kinder-Klima-Karawane zu organisieren? Kurz vor der Europawahl habe ich mich über die AfD-Rattenfänger und den Klima-Leugner Trump geärgert. Mir war klar, dass ich etwas unternehmen muss, um dem Ärger zu entfliehen. Also betrieb ich ein Brainstorming, um zu sortieren, welche Themen mich gerade umtreiben. Das Ergebnis: meine Kinder und der Klimawandel. Mit Sicherheit eine der größten Aufgaben: unsere Kinder, das Klima und ihre Zukunft? Das erste Wort, das mir einfiel, war die Kinder-Klima-Karawane. Ich wollte mich einfach nicht mehr über meine eigene Trägheit ärgern. Aktivität ist gefragt, wenn es um unsere Kinder geht. Diese Gedanken hast du nicht alleine. Ihr seid mehrere Eltern, die gemeinsam die Karawane auf den Weg bringen? Ich erzählte anderen Eltern von der Idee und wir waren direkt sechs erwachsene Aktivisten. Drei von denen befinden sich in Elternzeit, drei arbeiten bereits wieder, sodass die Organisation der Karawane unterschiedlich aufgeteilt ist. Am 05. Juli ist es soweit und die Kinder-Klima-Karawane setzt sich in Bewegung? Wir ziehen an dem Tag vom Josephskirchplatz mit hoffentlich vielen kleinen Kindern und ihren selbstgemalten Plakaten in den Südpark. Dort werden wir Oberbürgermeister Markus Lewe einen Gutschein für einen Baum überreichen, den die Kinder–Klima-Karawane pflanzen wird.

Das heißt, es wird eine zweite Karawane geben? Natürlich, der Baum muss ja gepflanzt werden. Das ist laut Grünflächenamt erst Ende Oktober möglich. Spätestens da startet die zweite Karawane. Dazwischen sind keine weiteren Aktionen geplant? Erst einmal nicht. Wir müssen schauen, wie viele Kinder mit ihren Eltern am 05. Juli dabei sind. Fällt das Interesse groß genug aus, sind weitere Aktionen nicht ausgeschlossen. Dazu braucht es allerdings ein größeres Organisationsteam. Aber wie gesagt: Erst mal die erste Karawane erfolgreich in den Südpark begleiten. Ich bin mir sicher, dass die Karawane groß sein wird. Damit niemand entkräftet im Südpark ankommt, habt ihr Unterstützer gefunden? Alle Karawanen-Kinder, die einen Trinkbecher mitbringen, bekommen vom Kaffeefreund Milchschaum – und die Bio-Bäckerei Cibaria versorgt die Kleinen mit einer Auswahl an Knuspersachen. Carmen, coole Aktion. Wir wünschen euch viel Erfolg. Danke ◊◊◊

INFO

Die Kinder-Klima-Karawane wird ihren Baum-Gutschein am 05.07.2018 an Oberbürgermeister Markus Lewe überreichen. Die Karawanen-Kinder treffen sich um 15:30 Uhr auf dem Josephskirchplatz. kinderklimakarawane.wordpress.com


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Stadtgeflüster Juli 2019  

Das Interviewmagazin vom DACHBODEN | www.facebook.com/stadtgefluester.muenster | Menschen haben viele Seiten – wir binden sie zu einem Heft!...

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