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Ausgabe 1 | www.sachsen-tourismus.de

Vom Zauber der Steine Die Schatzkammer Freibergs


Inhalt

Titelfoto: Eingangsbereich der »terra mineralia« · Foto: Jan Rieger

Torgau

Kamenz

leipzig Grimma

Radebeul

Görlitz Dresden

Freiberg Zwickau

Plauen

Bautzen

Meißen

Zittau

Pirna

Chemnitz

AnnabergBuchholz

Unterwegs

Genuss

Tradition & Handwerk

4 Die Heimstatt der Protestanten

20 Optimist & Optimierer

30 Gewebter Reichtum

Das prächtige Schloss Hartenfels war nicht nur

Hinter dem berühmten Namen »Vincenz Richter«

Die Kunst der Lausitzer Leineweber

Fürstensitz, sondern auch Zentrum der Reformation.

stecken heute zwei grundverschiedene Köpfe.

machte Zittau einst zur zweitreichsten Stadt

in ganz Sachsen.

8 Magisches Stein-Reich

23 Für großen Hunger

Das Silber sorgte einst für Reichtum,

und kleinen Geldbeutel

aber an die Pracht der »terra mineralia«

Grüne Klöße: vom »Arme-Leute-Essen«

reicht es bei Weitem nicht heran.

zu einer regionalen Spezialität

12 Daheim bei einem Genie

24 Feiner Wein mit Eigensinn

Der Chemie-Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald

hat in Großbothen bei Grimma ein faszinierendes

Kleinod hinterlassen.

Menschen

Kultur 34 Stilmix zum Lobe Gottes

Der Dom St. Petri vereint die unterschiedlichsten

Baustile und seit 1530 auch zwei Konfessionen.

Wenn die Reben an den Elbhängen reifen, freuen

sich »Drei Herren« auf den neuen Jahrgangs-Genuss.

Panorama

38 Der Rock des Reformators

Handschriften aus acht Jahrhunderten

machen die Ratsschulbibliothek zum Mekka

für Büchernarren.

28 Edle Klöppelei in Stahl 16 Der Rechenmeister

Wie Adam Ries vor mehr als 500 Jahren die

Mathematik modernisierte und im Erzgebirge

sein Glück machte

29 Umtrunk in der Tram

Canaletto nahm seine Arbeit sehr genau

und setzte – wie jeder Handwerker –

auf besondere Hilfsmittel.

Einsteigen, Ticket stempeln, aussteigen?

18 Der flüchtige Sohn

Nicht in Plauen! Hier wird manche

42 Cinecittà an der Neiße

Wo viele nur von Lessing reden,

Straßenbahnfahrt zum Erlebnis.

Warum reisen immer mehr Kinostars tief in den

lohnt auch die Suche nach einem anderen

Osten ans Ufer der Neiße? Der Kameras wegen!

Künstler: Georg Baselitz.

3 Editorial 2

40 Malen nach Strahlen 28 Zu Gast beim Kokosweber

·

27 Kulturhöhepunkte Teil 1

·

33 Kulturhöhepunkte Teil 2

·

46 Impressum

·

47 Adressen der Städte


Editorial

Dreizehn Mal

Willkommen! Liebe Leserinnen und Leser,

DREIZEHN nimmt Sie dabei an die Hand.

die erste Ausgabe des Stadtschönheiten-

Die Entdeckungsreise führt durch all jene

Magazins DREIZEHN möchte Sie entfüh-

sächsischen Städte, an denen man viel zu oft

ren: auf Seitenwege, unbekannte Pfade und

vorbeifährt oder die ein wenig im Schatten

zu ungeahnten Erlebnissen. Denn auch au-

der Metropolen stehen. Warum sich das

ßerhalb der Metropolen lockt Sachsen mit

lohnt? Das erfahren Sie von alten Meistern

vielen schönen Seiten, die Sie so noch nie

in Pirna und jungen Winzern in Radebeul,

gesehen haben.

in Meißner Traditionslokalen und einer

Finden Sie mit DREIZEHN heraus, was

ganz besonderen Handwerksstube in Zittau.

Kate Winslet in Görlitz zu suchen oder was

Überall kann sich Ihr Bild von Sachsen ver-

die Landskron-Brauerei mit dem New Yorker

ändern und zu den Facetten des Freistaats,

Hafen gemein hat. Erfahren Sie in Großbothen

die Sie bereits kennen – oder zu kennen

bei Grimma, wie es einst im »Haus Ener-

glauben –, werden sich neue Perspektiven

gie« im Laboratorium eines Nobelpreisträ-

gesellen.

gers zuging. Oder stürzen Sie sich in einen

Nur eine Sache müssen Sie selbst mit-

wahren Rausch betörender Formen und

bringen, wenn die gemeinsame Tour mit

Farben und bewundern Sie in Freiberg die

DREIZEHN ein Erfolg werden soll: Lust auf

schönsten Mineralien der Welt in atembe-

»Stadtschönheiten« wie Annaberg, Torgau,

raubender Präsentation. Vielleicht zieht es

Bautzen, Plauen oder Zwickau. Alles Weite-

Sie auch ins Umland von Kamenz, wo man

re findet sich von selbst – Sie werden sehen.

heute Inspirationen auf den Spuren eines Künstlers finden kann, der zu den bedeu-

Ein anregendes Lesevergnügen wünscht die

tendsten lebenden Malern der Welt zählt?

DREIZEHN-Redaktion

3


UNTERWEGS 路 Torgau

Torgau, Schloss Hartenfels 路 Foto: Sylvio Dittrich 4


UNTERWEGS · Torgau

Die Heimstatt der Protestanten Weil der sächsische Kurfürst lange auch in Torgau residierte, wurde das prächtige Schloss Hartenfels zum politischen Zentrum der Reformation – mit der ersten protestantischen Kirche überhaupt.

M

ühsam war der Weg für den alternden Reformator. Der Som-

tenfels war ihm gut vertraut. Über vierzig Mal soll er Zeit seines Le-

mer war längst vorbei und nasskaltes Herbstwetter machte

bens hier Station gemacht haben, wo einst sein Schutzherr Friedrich

ihm zu schaffen. Trotzdem nahm Martin Luther die 50 Kilometer

der Weise residierte. Der freilich war schon seit fast zwei Jahrzehnten

lange Strecke von Wittenberg nach Torgau im Oktober 1544 frohen

tot. Doch nun hatte sein Nachfolger und Neffe Johann Friedrich der

Mutes in Angriff: Es gab etwas zu feiern. Der Weg zum Schloss Har-

Großmütige nach dem Reformator schicken lassen.

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UNTERWEGS · Torgau

Schlosskapelle · Foto: Andreas Schmidt

Martin Luther · Quelle: Stadt Torgau

war der Kirchenbau jedoch eine Frage der

der sächsischen Prominenz predigte er

Anlass für die Einladung war die Einweihung

Ehre. Schließlich war Renaissanceschloss

»nach seiner Weise, einfach, kurz, zweck-

der neuen Schlosskapelle, die Johann Fried-

Hartenfels – um das die Sachsen sogar von

mäßig, freimüthig, ohne alle Rücksicht

rich in nur sieben Monaten Bauzeit auf dem

Kaiser Karl V. beneidet wurden – zur poli-

auf Fürstengegenwart und Fürstengunst«,

großzügigen Schlossgelände hatte errichten

tischen Schaltzentrale für die Ausbreitung

wie Grulich notierte. Luthers Freude an

Ein besonderer Neubau

lassen, als erstes protestantisches Gotteshaus

der Reformation geworden. Und so schien

der Kirche war offensichtlich, doch in sei-

überhaupt. Zwar war in Torgau schon 1520

es dem Kurfürsten nur recht und billig, dass

ner Predigt mahnte er zur Bescheidenheit:

die erste protestantische Predigt zu hören ge-

Martin Luther höchstselbst die erste Predigt

»Nicht, daß man daraus eine sonderliche

wesen, aber einen Kirchenneubau unter dem

in der neuen Kirche hielte.

Kirche mache, als wäre sie besser denn an-

Einfluss der Reformation von 1517 hatte es

Der stieg denn auch am 17. Sonntag nach

dere, wo man Gottes Wort predigt.« Es

noch nicht gegeben. »Wo die Reformation

Trinitatis auf die von Simon Schröter ge-

sein allen »der Vortheil dabei, daß das Ge-

Eingang fand, da war überall kein Bedürfniß

schaffene Kanzel, die symbolträchtig in

bet noch eins so stark geht, wenn der ganze

vorhanden, neue Kirchengebäude aufzufüh-

der Mitte des Kirchenschiffs angeordnet

Haufe einträchtiglich betet.«

ren. Nur in Besitz nehmen und einrichten

war, um die zentrale Bedeutung von Gottes

Dem Kurfürsten muss die Predigt, deren

durfte man die vielen, welche die Katholiken

Wort und der Predigt zu betonen. Es heißt,

Wortlaut komplett überliefert ist, gut

ihnen hatten überlassen müssen«, schrieb

Luther habe sogar mit dem Architekten

gefallen haben. Vier Wochen später ließ

Friedrich Joseph Grulich im Jahr 1855.

über seine Vorstellungen eines Kirchenbaus

er zum Dank ein Fässchen Most nach

Für den sächsischen Kurfürsten in Torgau

gesprochen. Mit Blick über die Häupter

Wittenberg senden.

Der Große Wendelstein im Schloss Hartenfels · © Tourismusverband Sächsisches Elbland · Foto: Volkmar Heinz

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UNTERWEGS · Torgau

Hübsche Hofdamen trifft man auch heute noch gelegentlich auf Schloss Hartenfels · Foto: Dirk Brzoska

Zeitreise inklusive

aus Sandstein ist das Lieblingsmotiv der Fo-

Die schlichte Altarmensa wird von steinernen

Wer sich heute in die Zeit vor fast 500 Jah-

tografen. Rechter Hand ist in edel gestalteten

Engeln getragen und ist eine Kopie des ver-

ren zurückversetzen möchte, hat es leicht auf

Ausstellungsräumen noch bis Oktober eine

loren gegangenen Originals. Allein die Or-

Schloss Hartenfels. Seit es zur viel beachte-

Ausstellung zur »Churfürstlichen Guardie«

gel stammt offensichtlich aus neuerer Zeit:

ten Landesausstellung »Glaube und Macht«

zu sehen, der herrschaftlichen Leibgarde.

Sie wurde erst 1994 eingeweiht und ent-

im Jahr 2004 herausgeputzt wurde, lässt der

  Weil das Schlossareal für die große Luther-

spricht im Klang dem Stil der Renaissance.

Schlosshof im Zentrum des Gemäuers die

Ausstellung ab 2015 nochmals »aufge-

  Interessant für Kunstkenner: Im Inneren

alte Macht wieder spürbar werden. Die Brü-

hübscht« wird, ist der Zugang zur lutheri-

des Schlosses wurde eine Wandmalerei aus

cke über den – bewohnten – Bärengraben

schen Kapelle nicht auf dem ersten Blick zu

der Werkstatt von Lucas Cranach nachge-

wird auch zu Luthers Zeiten kaum anders

finden, doch ein Besuch hinter dem Bret-

wiesen und weitere werden vermutet. Da

ausgesehen haben, ebenso das mächtige Por-

terzaun lohnt sich. Der Kirchenraum ist be-

die Denkmalschützer in vielen Räumen

tal. Der erste Blick fällt seit je auf den Großen

wusst schlicht gehalten und soll im Wesent-

noch immer forschen, dürften auch in Zu-

Wendelstein: Die kunstvolle Außentreppe

lichen den Zustand von 1544 widerspiegeln.

kunft interessante Überraschungen warten. 7


UNTERWEGS · Freiberg

Rhodochrosit aus Kuruman (Südafrika) »terra mineralia«, Freiberg · Foto: Jörg Wittig, Dresden 8


UNTERWEGS · Freiberg

Magisches Stein-Reich

Wahrscheinlich ist die »terra mineralia« in Freiberg die schönste Mineralienausstellung der Welt. Warum? Weil sie die exquisite Schönheit der kristallinen Farbwunder hemmungslos feiert und daraus ein rauschhaftes Erlebnis für die Sinne komponiert.

Aquamarin aus Virgem da Lapa (Brasilien) »terra mineralia«, Freiberg · Foto: Jörg Wittig, Dresden 9


UNTERWEGS · Freiberg

S

chloss Freudenstein in Freiberg ist ein

deutlich: Hier regiert allein die Schönheit.

GroSSzügige Sammlerleidenschaft

schmuckes Renaissanceschloss aus

Perfekt inszeniert und optimal ausgeleuchtet,

Zu verdanken ist diese Sammlung einer groß-

dem 16. Jahrhundert, wie es so man-

erstrahlen Fluorite, Amethyste und selbst

zügigen Stifterin. Die 93-jährige Dr. Erika

che gibt in Deutschland. Doch wer durch

Gips in einem Glanz, der jeden Besucher

Pohl-Ströher wuchs im Vogtland auf und ist

das Portal tritt, merkt gleich: Mit Schlossro-

seit über sechs Jahrzehnten der Faszination der

mantik und Rittersaal wird’s hier eher nichts.

Mineralien erlegen. Die vermögende Sammle-

Ein Korpus aus Glas und Sichtbeton domi-

rin unterhält seit vielen Jahren Kontakte rund

niert den Innenhof, die Fensterflächen lassen

um den Globus, um sich die schönsten Stücke

schreiendes Magenta im Inneren erkennen.

zu sichern. »Denn die pure Schönheit der Mi-

Ein architektonisches Experiment? Ohne

neralien war der wichtigste Antrieb ihrer Sam-

Zweifel. Ein gelungenes? Unbedingt!

melleidenschaft«, sagt die Ausstellungsleiterin Anna Dziwetzki – »und das ist das große Glück unserer Ausstellung.« Ab 2004 über-

Schatzkammer der Unterwelt Die Eintrittskarte zur »terra mineralia«

ließ Erika Pohl-Ströher rund 20.000 Stücke

kostet acht Euro für Erwachsene. Sie ist

ihrer viermal so großen Kollektion der TU

zugleich ein Ticket für eine Weltreise, ge-

Edelopal aus Yowah (Australien)

Bergakademie Freiberg und deren mineralo-

nau genommen: eine Unterweltreise. Die

»terra mineralia«, Freiberg · Foto: Jörg Wittig, Dresden

gischer Sammlung. Der Großteil steht nun der

beginnt in der Kornkammer direkt unterm Dach und führt dann rasch hinab in eine

10

Wissenschaft zur Verfügung, doch 3.500 der augenblicklich bannt. Farben voller Strahl-

schönsten Stücke machen die »terra mineralia«

zauberhafte Welt voll von bizarrer Schön-

kraft, Formen wie aus dem Skizzenbuch

seit 2008 zu einer unvergleichlich prunk-

heit. Der Weg durch die Kontinente mag

eines Fantasten – all das vereint sich über

vollen Schatzkammer. Und sind damit in

dabei die Ahnung einer Systematik vorge-

mehrere Etagen zu einem berauschenden

Schloss Freudenstein genau am rechten Ort.

ben, doch auf Schritt und Tritt wird über-

Gesamtkunstwerk.

www.terra-mineralia.de •


UNTERWEGS · Freiberg

»Afrika-Saal« der »terra mineralia« · Foto: Jan Rieger

Carbonato-Cyanotrichit aus Dachang (China) »terra mineralia«, Freiberg Foto: Jörg Wittig, Dresden

Fluorit aus Dalnegorsk (Russland) · »terra mineralia«, Freiberg · Foto: Jörg Wittig, Dresden 11


Unterwegs 路 Grimma

Geballtes Wissen: 14.000 Werke stapeln sich in Ostwalds Bibliothek 路 Foto: Kristin Schmidt 12


Unterwegs · Grimma

Daheim

Genie

bei einem

Im Wilhelm Ostwald Park in Großbothen bei Grimma führt die Urenkelin des Nobelpreisträgers durch Leben und Werk ihres Vorfahren.

D

ie weißhaarige Dame mit der

schers beschäftigte, desto mehr zogen die

dezenten Brille öffnet begeis-

Vielseitigkeit und Genialität ihres Urgroß-

tert ein wertvolles Buch nach

vaters sie in ihren Bann. »Ich kann mir nun

dem anderen. Während sie die Schätze des

keine andere Arbeit mehr vorstellen«, er-

Hauses zeigt, schwingen ihre schwarzen

klärt die Nachfahrin, die sich von 1991 bis

Ohrringe bei jeder Kopfbewegung. »Die

2005 um die Verwaltung des Archivs küm-

wissenschaftliche Bibliothek hier umfasst

merte und die Wilhelm-Ostwald-Gedenk-

rund 14.000 Werke. Damit sie alle in die

stätte leitete.

Regale passen, schwebte Wilhelm Ostwald ein genormtes Papierformat vor.« Der En-

Vielseitigkeit voller Energie

thusiasmus von Anna-Elisabeth Hansel

Seit 2012 ist »Haus Energie« komplett

reißt mit, wenn sie über den Chemie-Nobel-

saniert. So nannte der Wissenschaftler sei-

preisträger spricht – obwohl sie als Jugendli-

nen Landsitz, der heute ein seltenes Juwel

che nicht besonders gut auf ihren bedeuten-

darstellt: die völlig erhaltene Wohn- und

den Urgroßvater zu sprechen war. »Wenn

Wirkungsstätte eines Ausnahmeforschers

ich mit schlechten Leistungen nach Hause

inmitten eines denkmalgeschützten Parks.

kam, hörte ich die vorwurfsvolle Frage ‚Das

»Vergeude keine Energie, verwerte sie!«,

weißt du nicht?‘ und fühlte mich wie ein

war der Grundsatz Wilhelm Ostwalds, der

ganz kleines Licht.«

schon als kleiner Junge höchst wissbegierig

Hansel wurde zunächst Ingenieurin, doch

war und später als Erwachsener ein unglaub-

je länger sie sich mit dem Nachlass des For-

liches Pensum an Arbeit schaffte.

13


Unterwegs · Grimma »Wilhelm kam aus einer Handwerker-fa-

Amerika, hinterließ Unmengen an Lehrbü-

milie, in der es als einziges Buch die Bibel

chern und stand mit rund 5.500 Briefpart-

gab«, weiß Anna-Elisabeth Hansel. »Den-

nern in regem Kontakt.

noch konnte er mit fünf Jahren lesen und

14

schreiben. Als Zwölfjähriger baute er aus ei-

Universelles Interesse

ner Zigarrenkiste und dem Opernglas seiner

»Dadurch, dass ich jede Arbeit dann tat,

Mutter einen funktionierenden Fotoappa-

wenn mich nach ihr verlangte, konnte ich

rat, er war enorm vielseitig.« Das Interesse

alle Energie sparen, die man (…) darauf

und Talent für die verschiedensten Bereiche

wenden muss, die erforderliche Stimmung

begleiteten ihn ein Leben lang und machten

herzustellen oder innere Widerstände zu

ihn zu einem der wichtigsten Universalge-

überwinden. Dies ist meine Erklärung,

lehrten seiner Zeit.

wenn man mich fragt, wie ich so viele

Schon im Alter von 28 Jahren wurde Wil-

Arbeit habe fertig bringen können.« Die

Universalgenie

helm Ostwald in seiner Geburtsstadt Riga

Urenkelin des Wissenschaftlers erläutert

und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald

zum Professor ernannt und sechs Jahre

diese Zeilen von Ostwald und sein Vorge-

Foto: Kristin Schmidt

später, 1887, an die Universität Leipzig

hen. »Er hatte fünf thematische Schreibti-

berufen. 167 seiner Schüler wurden später

sche. Wenn er müde wurde, setzte er sich an

Professoren in Europa, Japan und den USA,

den nächsten und beschäftigte sich mit die-

vier davon bekamen den Nobelpreis. Ost-

sem Thema.« Doch er vergrub sich nicht

wald selbst wurde diese Anerkennung 1909

nur in der Arbeit, sondern musizierte auch

für seine Katalyse-Forschung verliehen, ein

häufig, nahm sich Zeit für seine fünf Kin-

nach ihm benanntes Verfahren kommt bis

der, genoss die Natur, malte Landschafts-

heute in der Industrie zum Einsatz. Er grün-

bilder und betätigte sich handwerklich,

dete Zeitschriften, übersetzte Fachtexte, war

um »Haus Energie« mit Gas und Wasser

der erste deutsche Austauschprofessor in

zu versorgen.

Engagierte Nachfahrin: Anna-Elisabeth Hansel, Urenkelin von Ostwald · Foto: Kristin Schmidt


Unterwegs · Grimma »Wilhelm Ostwald hatte eine unglaublich

»Ostwalds Versuche waren bahnbrechend,

weite Voraussicht«, sagt Anna-Elisabeth

denn sie nahmen fast seherisch die Digitali-

Hansel, während sie vom Musikzimmer in

sierung der Farben vorweg«, urteilt Kunst-

den zweiten Raum geht. Dieser ist dem Insti-

kritiker Professor Peter Guth.

tut gewidmet, das der Forscher gründete, um

»Mein Urgroßvater hatte selbst sehr viel Ener-

ein global einheitliches Verständigungssys-

gie«, sagt Anna-Elisabeth Hansel am Ende

tem für die Wissenschaft zu schaffen. Seine

des Rundgangs nicht ohne Stolz. »Aber er hat

Ideen reichten dabei von einer Weltsprache

auch an die Ressourcen der Natur und damals

bis zum Weltgeld. Er selbst hielt die Farben-

bereits an die Umwandelbarkeit von Sonnen-

lehre, der er sich vor allem in Großbothen

in elektrische Energie gedacht.«

widmete, für seine größte Leistung. In sei-

Aus ihrer anfänglichen Ablehnung ist Leiden-

nem ehemaligen Laboratorium zeugen davon

schaft für das Vermächtnis eines großen Mannes

Malkästen, Schautafeln, Farborgeln und sein

geworden, das sie mit Engagement weitergibt.

Doppelkegel für die Normierung der Farben.

www.wilhelm-ostwald-park.de • Faszination Farb-Harmonie: der Ostwaldsche Doppelkegel · Foto: Kristin Schmidt

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Menschen · Annaberg-Buchholz

Der

Rechenmeister

Adam Ries zählt zu den Vätern der modernen Rechenkunst. anders als viele seiner Zeitgenossen ist Ries bis heute bekannt: Weil er bei seiner Arbeit auch an den kleinen Mann dachte.

16

Adam-Ries-Museum Annaberg-Buchholz · Foto: Jörg Petzold


Menschen · Annaberg-Buchholz

Rechenbrett mit Rechenpfennigen · Foto: Jörg Petzold

D

er Bergbau hatte Annaberg zur zweitgrößten Stadt in

Auszug aus der »Coß« · Foto: Jörg Petzold

heutige Annaberger Johannisgasse, wo nun das Adam-Ries-Museum

Sachsen mit 12.000 Einwohnern wachsen lassen und zog

seinen Standort hat. Das Paar bekam mindestens acht Kinder, einige

noch immer viele Menschen ins Erzgebirge. Um das Jahr

der Söhne wurden später ebenfalls Rechenmeister.

1523 war auch ein Rechenmeister aus dem fränkischen Staffelstein dar-

Auch von offizieller Seite wurde Ries’ Arbeit geschätzt und man

unter. Sein Name: Adam Ries. Er hatte erst vor wenigen Jahren eine Re-

beauftragte ihn 1533 mit der Erstellung einer »Brotordnung«.

chenschule in Erfurt eröffnet, doch offenbar war die Blütezeit der Handelsstadt vorbei – ganz im Gegensatz zu Annaberg.

Diese Tabellensammlung sollte sicherstellen, dass »der arme gemeine man ym Brotkauff nicht übersetzt würde«, also betrogen. Sie legte fest, wie viel ein »Groschenbrot«

Neues Rechnen für die Praxis

oder eine »Pfennigsemmel« mindestens wiegen musste.

Zwar hat er wohl nie eine Universität besucht, aber bald

Der Hintergrund: Die Bäcker passten die Größe ihrer

fand der Zahlenkünstler Ries ein gutes Auskommen,

Backwaren an die schwankenden Getreideprei-

indem er für Silber- und Erzbergwerke die Abrechnungen übernahm und die Bücher prüfte. Dabei

se an. Die Brotordnung stellte sicher, dass sie nicht »zu kleine Brötchen« backten.

stellte Adam Ries täglich fest, dass die gebräuchlichen römischen Ziffern für viele Berechnun-

Für mehr Lust am Rechnen

gen schlicht unpraktisch waren. In der Folge

Bei aller wissenschaftlichen Arbeit hatte

setzte er sich immer stärker für die Nutzung des

Ries immer die Bedürfnisse der Menschen

arabischen Zahlen- und Rechensystems ein.

im Blick, die sich als Händler oder Bau-

In seinem zweiten Rechenbuch »Rechenung

ern in den unterschiedlichen Maß- und

auff der linihen und federn« leitete er vom

Gewichtseinheiten etlicher Fürstentümer zu-

damals gebräuchlichen Rechnen auf Linien,

rechtfinden mussten. Dieser Leserschaft gab

bei dem Pfennige auf linierten Brettern hinund hergeschoben wurden, auf das wesentlich praktischere schriftliche Rechnen mit indisch-arabi-

Ries immer wieder praktische Tipps an die Hand und wünschte ihnen in seinem dritten Rechenbuch aus dem Jahr 1550 , sie mögen damit das Rech-

schen Ziffern über. Das Buch wurde ein großer Erfolg und erschien in

nen »mit lust und frölichkeit begreiffen«.

mehr als einhundert Auflagen. Das lag vor allem daran, dass Ries sein

Trotz seiner damaligen Bekanntheit konnte Ries zu Lebzei-

Werk nicht auf Latein verfasste, sondern gut verständlich auf Deutsch.

ten nicht das Geld für den Druck seines Algebra-Lehrbuchs »Coß« aufbringen. Er starb 1559. Die erste Druckausgabe

Augen auf beim Brötchenkauf

des Werks erschien 1992 zum Anlass seines 500. Geburtstags.

1525 fand sich ein weiterer Grund, in Sachsen zu bleiben: Ries heiratete die Freiberger Schlossertochter Anna Leuber und zog in die

www.adam-ries-museum.de •

Büste Adam Ries · Foto: Marcel Drechsler 17


Menschen · Kamenz

Der

flüchtige

Sohn Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz wurde 1938 in Deutschbaselitz geboren, heute ein Ortsteil von Kamenz. Doch wie nähert man sich einem Künstler, dessen Werke sich selten auf den ersten Blick erschlieSSen? Eine Spurensuche.

DeutschBaselitz-Rundweg · Foto: Anne Hasselbach

18


D

Menschen · Kamenz

em einen großen Sohn der Stadt Kamenz kann man kaum entgehen: Gotthold Ephraim

Lessing grüßt am Ortseingang, in der Bäckerei gibt es »Lessing-Törtchen« und jede Stadtführung bringt Interessantes aus Leben und Werk des berühmten Dichters zutage. Doch ein zweiter Sohn der Stadt macht sich rar: Hans-Georg Kern. Der einflussreiche »Kunstkompass 2013« zählt den Maler und Bildhauer zu den fünf bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Freilich unter seinem Künstlernamen: Georg Baselitz. Stadtsilhouette im Rahmen · Foto: Anne Hasselbach

© 2013 Georg Baselitz

Georg Baselitz: »Auftritt am Sandteich II - bei + 30° C (Remix)«, 2006, Öl auf Leinwand • Foto: Jochen Littkemann

Beständigkeit im Wandel

Ganz bei sich, mit neuem Blick

Man kann den Künstlernamen als State-

Bernd Asselmann ist Vorsitzender des

Hasselbach. Die Station »Grabung.« spielt

ment verstehen. Als starkes Bekenntnis zu

Baselitz-Fördervereins und Mitinitiator des

etwa auf die Entdeckung frühgeschichtlicher

den eigenen Wurzeln in der Lausitz. Doch

DeutschBaselitz-Rundwegs. Er meint: Nie-

Urnen an, die der kleine Hans-Georg mit sei-

ein starres Festhalten an der Vergangenheit

mand muss glauben, auf den Rundwegen um

nem Bruder machte. »Die kleine Hütte mit

ist Baselitz’ Sache nicht. Nach seinen ersten

den Ort »die Welt durch die Augen von Ge-

einem späteren Doppelporträt des Brüder-

»Frakturbildern« wurde er in den 1970er-

org Baselitz zu sehen.« Vielmehr solle man

paars nimmt diesen Gedanken auf«, erklärt

Jahren berühmt, weil seine Bildmotive fort-

die Landschaft auf sich wirken lassen, durch

die Kamenzer Künstlerin, die den Rundweg

an kopfstanden, und um die Jahrtausend-

die Kunstinstallationen einen anderen Blick-

mitgestaltete.

wende entstanden mehr als 80 »Russenbil-

winkel gewinnen. »Die Leute sollen ganz bei

Das Schöne an dem Parcours: Der Besucher

der«. Kürzlich sorgte der wandlungsfreu-

sich selbst sein.«

muss selbst entscheiden, auf welche Weise er

dige Künstler für Aufsehen mit der Ankün-

Und vielleicht ist das tatsächlich der beste

dem Ort, der Landschaft oder dem Künstler

digung, »schwarze Bilder« malen zu wollen.

Weg, den DeutschBaselitz-Rundweg zu erle-

begegnen möchte; als Spaziergänger, Kunst-

»Ich mache es den Leuten nicht einfach«,

ben. Dazu die Natur, die sich immer auch im

kenner, Suchender oder jemand, der sich ein-

bekannte Georg Baselitz in einem Interview

Werk des Künstlers wiederfindet, und Orte

fach überraschend lässt. Denn anders als viele

mit dem SPIEGEL. »Die Identifikation

seiner Kindheit und Jugend. »Wir haben an

touristische »Hochglanzattraktionen« ge-

fällt schwer, man erkennt meine Kunst nicht

vielen Stellen Zitate von Baselitz platziert

steht er jedem, der sich darauf einlässt, seine

sofort.« Wie also soll man diesem Künstler

und mit neuen Kunstobjekten oder seinen

eigene Deutung zu. Eigentlich ganz passend.

in seiner Heimat nahe kommen?

Bildern in Beziehung gesetzt«, sagt Anne

www.deutschbaselitz-rundweg.de • 19


Genuss 路 MeiSSen

20

Gottfried Herrlich 路 Foto Wolfgang Schmidt


Genuss · MeiSSen

Der Name »Vincenz Richter« ist eine Institution in Meißen und seit Generationen dem Genuss verpflichtet. Dass der Weg dahin ganz unterschiedlich sein kann, wissen Vater und Sohn Herrlich am besten. enn Gottfried Herrlich von der »Gnade« schwärmt, jeden Tag in seinem Restaurant die Gäste begrüßen zu dürfen, glaubt man ihm jedes Wort. Der 76-Jährige dirigiert die Besucher durch jeden Raum des verwinkelten Traditionslokals »Vincenz Richter« neben der Meißner Frauenkirche. Er erzählt, schwadroniert, berichtet, erinnert sich und hat zu jedem der unzähligen Sammlerstücke des Hauses eine Geschichte parat. Mindestens eine. Handelnde Personen sind etwa der Porzellanerfinder Johann Friedrich Böttger, ein Offizier der Roten Armee nach dem Zweiten Weltkrieg und immer wieder Botschafter, Staatschefs, Landesherren oder Prominente aus vieler Herren Länder. Alle haben sie zur reichen Geschichte des bekanntesten Restaurants der Stadt beigetragen und Gottfried Herrlich wird nicht müde, seinen Gästen auf immer neue Weise davon zu erzählen. Er sagt: »Dieses Haus ist nicht so schön, wie es die Leute empfinden«, obwohl er genau um die Schönheit des Gebäudes weiß. Doch er versteht sich als die Seele des Restaurants, er macht es komplett – und seine Gäste danken es ihm jeden Abend aufs Neue.

Traditionslokal »Vincenz Richter« in Meißen · Foto: Wolfgang Schmidt

Reben rundum

doch heute füllen Riesling, Weißburgunder

Den anderen Herrlich kann man sich

und Scheurebe mehr als 100.000 Flaschen

schwerlich in den kleinen Räumen des Lo-

pro Jahr. »Uns ist schnell klar geworden, dass

kals vorstellen, auch wenn er dort praktisch

es wirtschaftlich nicht funktioniert, wenn

aufgewachsen ist. »Natürlich ist so eine

wir nur für das Lokal produzieren«, sagt der

Tradition auch eine Verpflichtung«, sagt

Winzer Herrlich. Und dann erzählt auch er.

Thomas Herrlich. Einen Kopf größer als

Was es heute bedeutet, gute Weine zu machen

sein Vater, wirkt er bedächtig und ruhig,

und wie sehr das Wissen und die Technologie

das ganze Gegenstück zum quirligen Senior.

der letzten Jahrzehnte die Qualität verbessert

Er wägt seine Worte ab, sucht gute Argu-

haben. »Mein Großvater hat noch im Kel-

mente und immer wieder wandert sein Blick

ler des Restaurants Trauben gepresst«, sagt

durch die großen Panoramafenster zwischen

er und klingt dabei nicht, als ob er sich die-

den Reben am Kapitelberg. Keine Butzen-

se Zeiten wieder herbeiwünscht. Der Vater

scheiben verklären den Blick hinaus in seine

nickt und erinnert sich an seinen Schwieger-

»Vincenz Richter«-Welt. Auch sie ist von

vater Vincenz Richter III. »Der hat das noch

einer Leidenschaft für den Genuss geprägt

in den Siebziger jahren gemacht«, meint er

– nur anders. Eigentlich wollten sie hier nur genügend Wein für das Restaurant herstellen,

und sieht in Gedanken vielleicht seinen kleiThomas Herrlich · Foto: Wolfgang Schmidt

nen Sohn vor der alten Weinpresse stehen. 21


GeNuss · MeiSSen Zwei Generationen, ein Ziel

blickt dankbar auf alles, was gewesen ist, und

Sohn gleichermaßen erarbeitet, auf verschiede-

Vier Jahrzehnte später macht der Sohn seinen

optimistisch auf die Tage, die noch kommen.

nen Wegen und mit einem unterschiedlichen

eigenen Wein. Gemeinsam mit dem Vater geht

Und der andere mag auch am Abend eines

Blick auf die Dinge. Aber doch immer auf eine

er ein paar Schritte durch die Rebenreihen und

Tages nicht von »Gnade« sprechen: Er sieht

Weise, die der Tradition des Genießens bei

man sieht zwei Männer, die ihren Platz in einer

Aufgaben, Herausforderungen, Chancen – und

»Vincenz Richter« diente – und dies wohl auch

langen Tradition gefunden haben. Der eine

natürlich Erfolg. Den haben sich Vater und

noch über die nächsten Generationen tun wird.

Thomas und Gottfried Herrlich · Foto: Wolfgang Schmidt

Familientradition seit 1873 1873 eröffnete der Gastronomensohn Vincenz Richter I. aus Aussig im Sudetenland in Meißen seine altdeutschen Wein- und Bierstuben im Haus der Tuchmacherzunft aus dem Jahr 1523. 40 Jahre später gründete sein Sohn ein Weingut und war damit nach dem vernichtenden Reblausbefall um die Jahrhundertwende einer der Pioniere im sächsischen Elbtal. Nach 1945 war die Arbeit von Vincenz III. und seiner Frau Ilse vom Kampf gegen die Enteignung geprägt – letztlich mit Erfolg. Noch vor dem Fall der Mauer – inzwischen führte die Tochter gemeinsam mit Schwiegersohn Gottfried Herrlich das Lokal – begann die umfassende Rekonstruierung des Hauses, die im Juni 1990 mit der Neueröffnung abgeschlossen wurde. Im Sinne der Familientradition übernahm die Tochter des Hauses, Ulrike Herrlich, das Vikarienhaus von 1513 auf der Freiheit in Meißen: Die »BurgStuben« werden als Pension und als Weinstube geführt. Der Sohn Thomas Herrlich trat 1995 in die Fußstapfen des Urgroßvaters und übernahm das Stadtweingut Meißen von 1617, das er im Jahr 2009 um ein modenes Kelterhaus erweiterte.

22


Genuss · Plauen ls »Arme-Leute-Essen« haben die Grünen Klöße eine lange Tradition im Vogtland. Warum? »Ganz einfach – Sie brauchen neben Salz nur eine einzige heimische Zutat: Kartoffeln.« Katharina Berger kennt sich aus. Als Betreiberin der »Tennera«, einer der ältesten Schankwirtschaften Plauens, ist sie zwangsläufig eine Fachfrau zum Thema und weiß, dass die Herstellung der regionalen Spezialität nicht ganz trivial ist. »Am besten gelingen die Klöße, wenn man nicht zu viel Respekt davor hat«, sagt Berger und erinnert sich an ihre ersten selbstgemachten Klöße: »Ich habe für meine Schwiegereltern gekocht und es ist völlig schiefgegangen.«

Für großen Hunger und kleinen Geldbeutel

Heute passiert ihr das nicht mehr. Die

Was bringt man im Vogtland auf den Tisch,

Grünen Klöße sind bei vielen Gästen der

wenn nur noch Kartoffeln im Haus sind?

»Tennera« der Favorit – die Chefin mag dazu am liebsten eine Rinderroulade, weil

Grüne Klöße! Umso besser, wenn sich dann

das ein »klassisches Sonntagsessen im Vogt-

doch noch etwas Fleisch findet.

land« ist. Und weil das Lokal zugleich der Sternquell-Brauerei-Ausschank ist, gehört auch ein frisch gezapftes Bier dazu. »Tennera« Plauen · tägl. 11–23 Uhr geöffnet www.tennera.de •

Grüne KlöSSe – in FÜNF Schritten zum Genuss REIBEN Geschälte Kartoffeln – am besten festkochende – reiben und die Rohmasse in einen »Kloßsack« aus robustem Stoff füllen. Unterdessen einen großen Topf Wasser zum Kochen bringen. PRESSEN Die Masse im Sack pressen oder walken, bis kaum noch Flüssigkeit herausläuft, und in eine Rührschüssel geben. WICHTIG: Die Flüssigkeit auffangen! STÄRKEN Ein paar Minuten warten, bis sich die Kartoffelstärke abgesetzt hat, restliche Flüssigkeit fortgießen. Etwa drei Viertel der Stärke unter die Kloßmasse rühren. Dazu Salz nach Geschmack. BRÜHEN Von dem kochenden (!) Wasser so viel über die Kloßmasse gießen, bis sie gut formbar und weich wird. Die Masse nun mit einem Holzlöffel grob durchrühren und anschließend Klöße formen. KOCHEN Die Klöße ins kochende Wasser legen und auf sehr kleiner Flamme 20 Minuten ziehen lassen. Fertig!

Grüner Kloß · Foto: Bernd Jürgens 23


Genuss · Radebeul

Feiner Wein mit Eigensinn Die Weintradition am Radebeuler Elbhang reicht 900 Jahre zurück. Das junge Weingut »Drei Herren« fügt dieser Tradition ein neues und spannendes Kapitel an.

D

as größte Kapital ist nicht das

moderner Kunst im Obergeschoss schwär-

schmucke Gutshaus mit traum-

men kann. Oder von beidem gleichzeitig.

haftem Elbblick und auch nicht

Doch Becks Leidenschaft für Schönheit

der Steilhang mit den Rebstöcken. Der größ-

und Genuss ist nicht als mangelnder Ernst

te Schatz ist Zeit. Denn die Zeit und der

beim Betrieb des Weinguts zu deuten – sie

Umgang mit ihr machen das Weingut »Drei

ist vielmehr eine belebende Zutat. Denn na-

Herren« zu einer besonderen Adresse für

türlich hat der Professor die schwarzen Zah-

Genießer, Weinfreunde und Kunstliebha-

len im Blick, die das Gut erwirtschaften soll

ber. Alles hat hier seine Zeit und bekommt

und denen man mit dem letztjährigen Er-

so viel davon wie nötig. Die Arbeit an den

trag von 35.000 Flaschen schon recht nahe

Rebstöcken, der Genuss am Feierabend, der

kommt. Entscheidend bei allem ist jedoch

Wein und nicht zuletzt die Kunst. »Wir kä-

der Anspruch, den Beck mit seinen Partnern

men nicht auf die Idee, unsere Weine mit

Claus Höhne und Antje Wiedemann teilt.

irgendwelchen Tricks schneller in den Ver-

Schon heute könnten sie mehr Wein verkau-

kauf zu bringen«, sagt Rainer Beck. »Unser

fen, als sie produzieren, doch: Die Zeit ist

Riesling braucht zwölf Monate und manch-

noch nicht reif.

mal mehr, bis er soweit ist. Deshalb kommt

Das sagt der Winzer Claus Höhne, der

unser 2011er auch erst in diesem Jahr in den

nicht viele Worte macht und dem man an-

Verkauf.«

sieht, dass er oft lange Tage im Weinberg

Nachhaltigkeit geht vor Ertrag

andere«, erklärt er seine Passion. Schneiden,

verbringt. »Kein Arbeitstag ist hier wie der

24

Solche Sätze hört man häufig unterhalb der

biegen, binden, neue Rebstöcke pflanzen,

markanten Feldsteinschnecke auf der Kuppe

Drahtrahmen erneuern oder – ganz wich-

des Weinbergs; nicht nur vom emeritierten

tig – die vielen Mauern auf dem Steilhang

Kunstgeschichtesprofessor Beck, der 2002

kontrollieren. »Für 50.000, vielleicht auch

die marode Domäne kaufte und 2004 mit

60.000 Flaschen könnten unsere fünf Hek-

zwei Partnern das Weingut gründete. Dem

tar einmal gut sein«, schätzt Höhne, aber

Liebhaber von Wein und Kunst fällt dort

allzu eilig hat er es damit nicht. »Weinbau

die Rolle des Connaisseurs zu, der mit un-

ist kein kurzfristiges Geschäft«, sagt er und

gebremster Leidenschaft von den aktuellen

Antje Wiedemann sekundiert: »Da ist die

Weinen oder seiner exquisiten Sammlung

Nachhaltigkeit zwangsläufig inklusive.«


Genuss · Radebeul

Bei der Arbeit: Claus Höhne, Rainer Beck und Antje Wiedemann (v. l.) · Foto: Wolfgang Schmidt 25


Genuss · Radebeul Qualität ohne Eitelkeiten

Weingut »Drei Herren« 2013 als einzigen

sein muss, liegt auf der Hand. »Als Claus

Zuständig für Marketing und Vertrieb, hat

Betrieb mit dem Bundesehrenpreis für Sach-

Höhne eine Cuvée aus Dunkelfelder, Ca-

Antje Wiedemann das Winzerhandwerk von

sen auszeichnete. Selbst die Feinschmecker-

bernet Cortis und Cabernet Franc machen

der Pike auf gelernt – obwohl sie eigentlich

bibel »Gault Millau« schreibt 2013, dass

wollte, haben wir gesagt: Das wird nichts«,

dem »deutschen Weinadel« entstammt:

sich »das Warten lohnt«, wie der »2010er

erinnert sich Rainer Beck. »Er hat sie natür-

2003 war sie Sächsische Weinkönigin und

feinduftig-würzige Riesling aus dem Holz-

lich trotzdem gemacht und sie war wirklich

ein Jahr später gar Deutsche Weinprinzessin.

fass« zeige, und regt an, diese Richtung wei-

ausgezeichnet.« Diese Anekdote bot denn

Die lebhafte Mittdreißigerin komplettiert

ter auszubauen.

auch den Anstoß für die passende Vermark-

das Führungstrio der »Drei Herren«, das

Ob man diese Empfehlung am Radebeuler

tung: Seit einigen Jahren wird sie erfolgreich

kaum unterschiedlicher sein könnte. Die

Weinberg freilich nötig hat, darf bezweifelt

unter dem Namen »Eigensinn« verkauft.

gemeinsame Liebe zu Riesling, Scheurebe,

werden. Denn alle wichtigen Entscheidun-

Weiß- und Grauburgunder oder Regent

gen fallen hier gemeinsam bei einem guten

Öffnungszeiten Vinothek

macht die Weingutbesitzer seit Jahren regel-

Wein in der gemütlichen Vinothek, im Gar-

Donnerstag, Freitag und Samstag

mäßig zu den Favoriten der Weingutachter

ten oder im Obergeschoss, umgeben von

14.00 – 18.00 Uhr

der Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft,

modernen Kunstwerken internationaler und

Sonntag 11.00 – 18.00 Uhr

deren Auszeichnungen bescheiden eine

nationaler Künstler wie etwa Neo Rauch.

und nach Vereinbarung

Wand im Kellergeschoss zieren und die das

Dass man dabei nicht immer einer Meinung

www.weingutdreiherren.de •

Über der Vinothek trifft traditioneller Genuss auf Gegenwartskunst · Foto: Wolfgang Schmidt 26


Kulturhöhepunkte

Was ist los in Sachsen? Die Kulturhöhepunkte 2014 · Teil 1

»Via Thea« in Görlitz · Foto: Thomas Igney

Annaberg-Buchholz

Freiberg

Grimma

31. Mai 2014 Annaberger Modenacht

26. – 29. Juni 2014 »Bergstadtfest« Das größte Volksfest Mittelsachsens

18. Mai 2014 Museumsfest im Göschengarten und im Göschenhaus

20. – 29. Juni 2014 494. »Annaberger Kät« Das größte Volksfest des Erzgebirges

Juni – Dezember Hochklassig-hochklassisch

12. – 14. September 2014 8. Internationales Musikantentreffen

22. – 24. August 2014 Festwochenende im Barbara-Uthmann-Jahr

28. September – 4. Oktober 2014 Große Festwoche

8. – 9. November 2014 Martinimarkt in der Klosterkirche

25. November – 22. Dezember 2014 Freiberger Christmarkt mit Bergparade

www.grimma.de •

www.annaberg-buchholz.de • www.kaet-blog.de •

www.freiberg-service.de •

Bautzen

Görlitz

Kamenz

23. – 25. Mai 2014 1012. Bautzener Frühling (Stadtfest)

Juni – August 2014 Historisches Sommertheater

Anfang Mai 2014 Lausitzer Blütenlauf und Anradeln in und um Kamenz

18. Juli – 3. August 2014 Lausitzer Musiksommer »Vier Elemente«

7. – 9. August 2014 »Via Thea« Internationales Straßentheaterfestival

21. Juni 2014 »Fête de la Musique« (Straßenmusikfest)

28. November – 21. Dezember 2014 630. Bautzener Wenzelsmarkt

29. – 31. August 2014 Görlitzer Altstadtfest

22. – 28. August 2014 Forstfest Kamenz (Umzüge, Fahrgeschäfte)

www.bautzen.de •

www.goerlitz.de •

www.kamenz.de • 27


Panorama · Annaberg-Buchholz

|

Zittau

Edle Klöppelei in Stahl Wenn die Annaberger Klöpplerinnen im Kulturzentrum ERZHAMMER zusammenkommen, finden sich auf den Klöppelsäcken nicht nur klassische Garne für Borten oder Spitzen. Stattdessen entstehen immer öfter filigrane Schmuckstücke aus glänzenden Metallfäden. Angeregt von Vorreiterinnen des Metallklöppelns wie Ines Schwotzer und Birgit Härtel, findet diese Variante des 450 Jahre alten Kunsthandwerks immer mehr Freunde. Auch die ehemalige Klöppelkönigin Manuela Fischer ist seit vielen Jahren mit von der Partie: »Die Arbeit mit Metalldrähten ist sehr viel schwieriger als das Klöppeln mit Garn, denn das Material verzeiht keine Fehler.« Auf der anderen Seite stehe aber die Möglichkeit, »räumlich zu klöppeln.« Bei den Kunden kommen die geklöppelten Preziosen aus Stahl- oder Kupferdraht gut an, sie zahlen zwischen 10 und 400 Euro für die exquisiten Einzelstücke. www.kloeppeln-in-sachsen.de •

Metallklöppelspitze von Manuela Fischer (Originalgröße 5 x 5 x 3 cm) · Foto: Marcel Drechsler

Zu Gast beim Kokosweber

D

ie Leinewebertradition in der Lausitz ist weithin geläufig. Weniger bekannt ist die Tatsache,

dass seit 1957 in Olbersdorf auch Kokosfasern verwebt werden. In der historischen

Wassermühle aus dem Jahr 1848 entstehen seitdem aus robusten Naturfasern wie Kokos, Sisal oder Hanf Türmatten, Fußmatten und Kokosläufer in den unterschiedlichsten Ausführungen. Die einzige Kokoshandweberei Europas wird seit 1993 von Mario Hilger geführt, der gemeinsam mit seiner Frau auch eine Schauwerkstatt betreibt: Nach Anmeldung können hier Kleingruppen die Kunst der Kokosweberei erlernen oder zusehen, wie auf teils über 100 Jahre alten Maschinen diese außergewöhnliche Handwerkstradition gepflegt wird. www.kokosweberei-hilger.de • 28

Iris Hilger beim Handweben einer Türmatte aus Kokosfasern · Foto: Foto-Pasja


Panorama · Plauen

Die »Bier-Elektrische« ist in Plauen bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt · Foto: Wolfgang Schmidt

D

ie Kinder in Plauen wissen es schon: Wenn die grüne 21 kommt, lohnt sich oft ein Blick in den Triebwagen. Denn mit etwas Glück lässt sich ein Brautpaar entdecken.

Brautpaar? Straßenbahn? Im Plauener »Standesamt auf Schienen« passt das durchaus zusammen: In zwei historischen Triebwagen können Heiratswillige ihre Lebenslinien offiziell verbinden lassen und dem »schönsten Tag im Leben« eine ganz besondere Note geben.

Doch das ist nur eine der Attraktionen, die immer wieder über die Schienen der Vogtlandstadt rollen. Insgesamt fünf liebevoll restaurierte Schienenfahrzeuge der Baujahre 1905 bis 1969 sind in Plauen für besondere Anlässe und Stadtrundfahrten unterwegs. Ein Dauerbrenner: die »Bier-Elektrische«. Der Triebwagen von 1966 mit der Nummer 78 ist als rollendes Restaurant ausgebaut und bei Touristen wie Einheimischen gleichermaßen beliebt. Wer auf das Bier verzichtet, kann in Plauen noch eine weitere nicht alltägliche Perspektive genießen – den Blick vom Führerstand der

Umtrunk in der Tram Eine Fahrt mit der Straßenbahn ist zumeist ziemlich alltäglich. Doch mit der richtigen Linie kann sie durchaus zu einem unvergesslichen Erlebnis werden – zumindest in Plauen.

Straßenbahn KT 4D. Auf diesem Modell können Führerscheinbesitzer ab 18 Jahren eine Straßenbahnfahrschulfahrt buchen und auf Wunsch die ganze Familie selbst durch die Stadt chauffieren.

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Tradition & Handwerk · Zittau

Gewebter Reichtum Die Tuchmachertradition legte den Grundstein. Doch erst das Geschick der Händler machte Zittau zur zweitreichsten Stadt in Sachsen.

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Tradition & Handwerk · Zittau

H

eute würde man die »Bildungsreise« von Friedrich und Christoph Lange vermutlich Industriespionage nennen. Im Jahr 1666 war es jedoch eine hochoffizielle Mission, mit der die Brüder aus Großschönau vom Zittauer Rat betraut wurden. Ihr Ziel war es, bei der Konkurrenz im fernen Holland die Kunst der Damastweberei zu erlernen und das wertvolle Know-how in die Lausitz zu holen. Ein kluger Schachzug Doch es war nicht die Zunft der Tuchmacher, die als treibende Kraft hinter diesem Coup steckte. Die erhielt zwar

bereits 1312 die erste Zunftordnung der Oberlausitz, doch das Sagen hatten in Zittau seit je die Händler. Sie waren es, die das Potenzial des Luxusguts Damast erkannt hatten und die damit in den folgenden Jahren zeitweise zum Weltmarktführer aufsteigen sollten. Für das aufwendig herzustellende Tuch wurden an den Fürsten- und Königshöfen Europas Höchstpreise gezahlt und nur wenige Weber verstanden sich damals auf diese Kunst. In den Jahren nach der Rückkehr der Gebrüder Lange wurde Zittau mit seinen 32 Ratsdörfern zu einem Paradebeispiel gelungener Wirtschaftspolitik.

Glaubensflüchtlinge aus Böhmen und Mähren fanden in der Oberlausitz eine neue Heimat und Arbeit, sodass sich die Region um Zittau zum am dichtesten besiedelten Landstrich der Oberlausitz entwickelte. Im Jahr 1705 schlossen sich die Zittauer Leinwandhändler zur Kaufmannssozietät zusammen, um ihre Interessen auch international besser zu schützen, und machten die Stadt in den folgenden Jahrzehnten zum wichtigsten Handelsplatz Sachsens nach Leipzig. Dieser Zeit verdankt die Stadt Zittau ihren Beinamen »die Reiche« – und natürlich den tausenden Webstühlen in Zittau und den Ratsdörfern.

Händlerstolz in alter Pracht: der Zittauer Bürgersaal · Foto: Thomas Glaubitz

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Tradition & Handwerk · Zittau

6.250 zählte man bereits im Jahr 1729, allein in Großschönau, wo rund drei Viertel der Bevölkerung von der Weberei lebten, waren bis zu 1.000 Damastwebstühle in Betrieb. Vor Ort waren Faktoren als Mittler zwischen Händlern und Webern für die Versorgung der Heimwebereien zuständig. Sie beschafften Flachs aus Schlesien und später auch andere Garne wie Seide, um noch hochwertigere Damaststoffe herzustellen.

Historischer Webstuhl · Foto: Mikko Ollikainen 32

HeiSS begehrt bei Hofe Während in den Webstuben auf dem Land oft die ganze Familie hart arbeiten musste, ging das Kalkül für die Kaufleute in Zittau auf. Die wertvollen Damaststoffe aus der Region waren Mitte des 18. Jahrhunderts äußerst gefragt in Frankreich, England und sogar in Übersee. Der Erfolg spiegelte sich bald in prächtigen Häusern in Zittau wider, aber auch in zahlreichen Stiftungen reicher Kaufleute zugunsten armer Studenten, Waisen und Bedürftiger. Die Produktion stieg an und auch die Bevölkerung wuchs immer weiter. Lebten um 1705 noch 26.000 Menschen im Land Zittau, waren es 85 Jahre später schon 43.000. Neben Damast waren auch andere Leinenstoffe aus der Region für den Export gefragt. Vor allem England war ein Großabnehmer und nahm etwa 1753 den größten Teil der Ausfuhrmenge von 25.550 Zentnern Leinwand ab, 3.504 Zentner gingen nach Italien. Doch jeder Aufschwung geht einmal zu Ende. Zwar wurde in Großschönau noch bis 1933 Damast hergestellt, doch mit dem Beginn des Industriezeitalters waren die Tage der traditionellen Leineweberei in der Oberlausitz gezählt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich die billigeren, industriell hergestellten Webwaren durch und viele der Heimweber mussten sich in den neuen Textilfabriken verdingen. Einige der Nachfolgeunternehmen sind bis heute wichtige Arbeitgeber in der Region.


Kulturhöhepunkte

Was ist los in Sachsen? Die Kulturhöhepunkte 2014 · Teil 2

Meißen

Pirna

Zittau

17. – 18. Mai 2014 Meißner Töpfermarkt

3. Juniwochenende 2014

28. Mai 2014

Stadtfest Pirna

Historienspektakel »Spectaculum Citaviae«

12. Juli 2014 Lange Nacht der Kunst und Kultur

1. Samstag im August

28. Juni 2014

Romantische Hofnacht

Sächsischer Familientag in Zittau

26. – 28. September 2014 Meißner Weinfest

1. Wochenende im September

15. – 17. August 2014

Einkaufsnacht, Weinfest und Open -Air –

»O-See-Challenge« (Weltmeisterschaft

Schauspiel »Der Retter von Pirna«

im Cross-Triathlon=

www.pirna.de •

www.zittau.de •

 

 

www.touristinfo-meissen.de • www.stadt-meissen.de •

www.o-see-challenge.de •

Plauen

Radebeul

20. – 22. Juni 2014 55. Plauener Spitzenfest

30. Mai – 01. Juni 2014 Karl-May-Festtage Radebeul

Zwickau 16. – 18. Mai 2014 Europäisches Lutherstätten-Treffen 2014

28. Juni – 6. Juli 2014

26. – 28. September 2014

Musical »Sugar –Manche mögen’s heiß«

Herbst- und Weinfest

Open-Air-Spektakel im Parktheater

6. – 7. Juni 2014 »Summer swing« bei Schumann

4. – 5. Oktober 2014 25. November – 21. Dezember 2014

Historisches Weinfest und Sächsischer

6. – 7. September 2014

Plauener Weihnachtsmarkt

Winzerzug im Weingut Hoflößnitz 

Historisches Markttreiben in der Altstadt

www.plauener-spitzenfest.de •

www.karl-may-fest.de •

www.zwickautourist.de •

www.theater-plauen-zwickau.de •

www.weinfest-radebeul.de •

www.zwickau.de •

www.plauen.de/weihnachten •

www.winzerzug.de •

Torgau 25. – 27. April 2014 ELBE DAY 29. Juni – 6. Juli 2014 32. Torgauer Festwoche der Kirchenmusik 4. – 6. Juli 2014 Katharina-Tag (Katharina von Bora)

www.torgau.eu • 33


Kultur 路 Bautzen

Stilmix zum Lobe Gottes

Romanik und Barock. Gotik und Jugendstil. Im Dom St. Petri zu Bautzen hat alles davon seinen Platz. Sogar zwei Konfessionen kommen in dem Prachtbau seit Jahrhunderten gut miteinander aus.

34


Kultur · Bautzen

A

m höchsten Punkt der Stadt, fest

stammen, als der Dom geweiht wurde und

Mehrere Stadtbrände beschädigten ihn im 15.

gegründet auf Lausitzer Granit,

die Vorgängerkirche St. Johannis ersetzte, die

Jahrhundert, der Feuersbrunst von 1634 fie-

thront der Dom St. Petri wie ein

hier unter dem Meißner Bischof Eido um die

len Teile des Turms, das gesamte Dach und die

steinerner Wächter. Generationen von Baut-

erste Jahrtausendwende nach Christus errich-

prachtvolle gotische Innenausstattung zum

zener Bürgern wurden unter seinem Dach ge-

tet worden war.

Opfer. Oft dauerte der Wiederaufbau Jahr-

tauft, getraut oder draußen vor den gotischen

In den folgenden Jahrhunderten wandelte

zehnte, vielfach unterbrachen Kriege oder

Stützpfeilern begraben. Zwar erinnert der

sich das Antlitz des Doms immer wieder.

Geldnot die Arbeiten. Nachdem schließlich

Parkplatz vor der Kirche heute kaum mehr an

das Gotteshaus in den Napoleonischen Krie-

den Gottesacker, doch einzelne Grabplatten

gen als Lazarett, Magazin und sogar als Pfer-

an der Dommauer zeugen noch immer von

destall herhalten musste, entschloss man sich

den bewegten Zeiten.

1813 zu einer umfassenden Restaurierung. Diese war mit einer radikalen Umgestaltung

Im Wandel der Jahrhunderte

im neugotischen Stil verbunden, der keine

Es waren Zeiten von verheerenden Kriegen

verspielten Barockelemente duldete: Etliche

und Stadtbränden, die selten vor den Kir-

der Seitenaltäre sowie die Beichtstühle muss-

chenmauern Halt machten. Mehrfach nahm

ten weichen und sogar der Orgelprospekt

der Dom Schaden, immer wieder wurde er

erhielt ein neues Gesicht. Lediglich der Al-

aufgebaut oder repariert, stets im Stil der Zeit.

tarraum im vorderen Hauptschiff, die Kanzel

So kommt es, dass der prächtige Kirchen-

und die Fürstenloge im barocken Stil blieben

bau Stilelemente vieler Jahrhunderte in sich

erhalten. Die letzte große Erneuerung des

vereint. Als älteste Bauteile gelten der unte-

Doms endete 1955 mit der Beseitigung der

re Teil des Turms und das romanische West-

Kirchenfenster mit Ausblick

Kriegsschäden und dem Ersatz der zerstör-

portal. Beide dürften aus der Zeit um 1221

Foto: Jens-Michael Bierke

ten Buntglasfenster aus dem 18. Jahrhundert.

Blick auf die Eule-Orgel · Foto: Jens-Michael Bierke

Barocke Fürstenloge · Foto: Jens-Michael Bierke 35


Kultur · Bautzen Ökumene seit 1530 Doch nicht nur äußerliche Faktoren wie Krieg und Zerstörung prägten die Geschichte von St. Petri. Vor allem eine innerkirchliche Bewegung – die Reformation – hat großen Anteil daran, dass der Bautzener Dom nicht nur architektonisch eine Besonderheit ist. Als erste Simultankirche Deutschlands dient er bereits seit 1530 als gemeinsames Gotteshaus für Katholiken und Protestanten. Nur 13 Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg waren die Gedanken der Reformation in Sachsen auf so fruchtbaren Boden gefallen, dass ein großer Teil der Bürgerschaft zum Protestantismus übergetreten war. Doch was anderswo zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen führte, fand in Bautzen eine pragmatische Lösung, die bis heute Bestand hat: Ein Drittel der Kirche gehört der katholischen, zwei Drittel gehören der evangelischen Domgemeinde. Im Inneren ist das an zwei Altären, zwei Orgeln und einem trennenden Geländer im Kirchenschiff ersichtlich. Außerdem teilen sich die Gemeinden den Dienst während der Öffnungszeiten, sodass Besucher den Dom jeweils eine Woche durch den kleineren, »katholischen« Eingang und zwei Wochen durch das Portal der Protestanten betreten. Statt meterhohem Lettner trennt heute nur noch ein Geländer die Konfessionen · Foto: Jens-Michael Bierke

Fest für die Sinne Doch ganz gleich, welches Portal man nimmt: Der erste Blick geht unweigerlich nach oben. Entlang der mächtigen Säulen, aus denen in lichter Höhe filigrane Gewölberippen sprießen, die sich an farbenfrohen Schlusssteinen vereinen. Erst wenn man die Größe des Raums ermessen hat, entdeckt man all die anderen Details: den katholischen Hochaltar aus Maxener Marmor, den der Italiener Giovanni Maria Fossati schuf. Oder das beeindruckende Kruzifix, das der Dresdner Zwinger-Bildhauer Balthasar Permoser dem Dom einst schenkte und das etwas versteckt hinter dem filigran geschnitzten Chorgestühl aus Eichenholz an der Wand hängt. Natürlich gibt es noch viel mehr zu entdecken und nicht allein mit den Augen. Denn die gewaltige Eule-Orgel mit ihren fast 4.000 Pfeifen muss man einerseits wegen ihrer prächtigen Jugendstil-Ausstattung von 1910 gesehen haben. Noch viel mehr sollte man sie aber hören. Aber das ist schon wieder eine Der Knick im Dach hat statische Gründe (siehe Kasten) · Foto: Jens-Michael Bierke 36

ganz andere Geschichte.


Der Knick in der Statik Der Blick vom Turm offenbart ihn und auch im Kirchenschiff ist er deutlich zu sehen: der »Knick« von St. Petri. Eine gesicherte Erklärung für den unvermittelten »Richtungswechsel« des Baus gibt es nicht. Wahrscheinlich liegen statische Ursachen zugrunde, da der Dom auf dem Fundament einer älteren und kleineren Kirche errichtet wurde. Gut möglich, dass der ansonsten felsige Baugrund im Bereich des Altarraums nicht hinreichend stabil schien und die Dombaumeister lieber auf Nummer sicher gingen.

Quelle: commons.wikimedia.org

Außenansicht des Bautzener Doms · Foto: Jens-Michael Bierke 37


Kultur · Zwickau

Der Rock des Reformators Die Zwickauer Ratsschulbibliothek ist ein halbes Jahrtausend alt. In dieser Zeitspanne entstand eine einzigartige Sammlung – mit einigen Kuriositäten.

Bibliotheksleiter Dr. Lutz Mahnke mit einer Tora · Foto: Lars Rosenkranz

M

38

it zartem, fast damenhaftem

Buchkunst seit mehr als 1.000 Jahren

Strich hat der massige Kirchen-

Einige der wichtigsten und schönsten Bü-

testen der rund 250.000 bibliografischen

mann seine Notizen auf den

cher, Drucke und Handschriften hat er auf

Einheiten stammten aus dem Jahr 830: zwei

Rand des Pergaments geschrieben. Während

dem schmalen Tisch des engen Museums-

kleine Blätter einer medizinischen Abhand-

Dr. Lutz Mahnke vorsichtig die Seiten um-

magazins ausgebreitet. Durch eine Glas-

lung, die aus einem französischen Kloster

blättert, entsteht eine Vorstellung von Martin

tür sind die Besucher im repräsentativen

kommen. Entdeckt wurde die Rarität eher

Luther, wie er in der Schreibstube konzentriert

Lesesaal zu sehen, dessen prächtige Ge-

zufällig, die Bögen dienten als Einband für

seine Gedanken mit dem Federkiel nieder-

staltung irgendwo zwischen Klassizismus

ein wesentlich jüngeres Buch. »So etwas ist

schreibt. Ganz anders hingegen, fast grob und

und Jugendstil angesiedelt ist. Der Zutritt

nicht selten«, erklärt der Bibliothekschef.

unbeholfen, erscheint die Handschrift von

zu den größten Bücherschätzen ist aller-

Er geht durch die Regalreihen und zeigt auf

Philipp Melanchthon, der dem Reformator

dings nur Wissenschaftlern vorbehalten –

viele Buchrücken, die ganz offensichtlich

einst als Mitstreiter zur Seite stand. Die bei-

und natürlich Lutz Mahnke. Aus einem

recycelt wurden – Handschriften, Noten-

als eher unbedeutende Ortschaft. Die äl-

den Handschriften zählen zwar nicht zu den

schützenden Pappkuvert zieht er die ältes-te

blätter, Druckseiten. »Das Pergament war

wertvollsten Beständen von Sachsens erster

Landkarte Sachsens aus dem Jahr 1502 her-

einfach teuer und deshalb hat man es auf

öffentlicher Bibliothek, aber Bibliotheksleiter

vor. Kaum größer als eine Postkarte, zeigt

diese Weise wiederverwendet.«

Mahnke zeigt sie trotzdem besonders gern.

sie etwa die spätere Residenzstadt Dresden


Kultur · Zwickau

Sicher ist sicher: Lange Zeit war es üblich, wertvolle Bände anzuketten · Foto: Lars Rosenkranz

Forschung mit Überraschungseffekt

fünf Jahrhunderten. »Leider sind viele die-

Im Gegensatz zu vielen anderen Bibliothe-

ser Dokumente noch nicht aufgearbeitet«,

ken musste die Ratsschulbibliothek seit ih-

bedauert Lutz Mahnke und hofft, dass

rer Gründung kaum Verluste verschmerzen.

sich der eine oder andere Wissenschaftler

Erstmals 1498 als Büchersammlung der

für eine dieser vielen Aufgaben begeistern

Zwickauer Lateinschule erwähnt, kamen

kann. Als Lohn könnten neben wissen-

trotz mehrerer Umzüge »erst nach 1945

schaftlichen Meriten auch unerwartete Ent-

Bücher abhanden, meist aus ideologischen

deck-ungen winken. So fanden sich in der

Gründen«, so Mahnke. So finden sich in

Bibliothek mit dem Ortsverweis »im

den Regalen des Magazins heute mehr als

Schubkasten« das jahrhundertealte Skelett

200 mittelalterliche Handschriften und

einer hingerichteten Kindsmörderin, Stüc-

etwa 1.200 Inkunabeln, also Drucke aus der

ke von drei Särgen Napoleons und ein Ku-

Zeit bis zum Jahr 1500. Aus zahlreichen

vert mit einem »Stücke vom Mönchsrock«

Nachlässen stammen umfangreiche Brief-

Martin Luthers.

wechsel, etwa von Alma Mahler, Cosima Wagner und anderen Persönlichkeiten aus

www.ratsschulbibliothek.de •

Historische Handschrift · Foto: Lars Rosenkranz

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Kultur · Pirna

Malen nach Strahlen Die historischen Stadtansichten von Canaletto sind weltberühmt – nicht zuletzt wegen ihrer erstaunlichen Detailgenauigkeit. Sein Trick: Zur Sicherheit verließ sich der Maler nicht allein auf seine Augen.

Lebendiges Canaletto-Bild · Foto: Jens Dauterstedt 40


Kultur · Pirna

Bernardo Bellotto – »Der Marktplatz zu Pirna« (1753), Staatliche Kunstsammlungen Dresden

D

ie Profession des jungen Bernardo

repräsentativ wirken und bisweilen wurde bei

Trubel am Markt

Francesco Paolo Ernesto Bellotto

Canaletto auch »gezaubert«, sodass Baustel-

Und noch eine damals übliche Arbeitshilfe

war gefragt am Dresdner Hof, wo

len auf der Leinwand schon zu fertigen Ge-

benutzte Canaletto: ein Büchlein mit Fi-

der 25-jährige Vedutenmaler im Jahr 1747

bäuden wurden.

gurenvorlagen. Das war im 18. Jahrhundert

seinen Dienst antrat. Der Kurfürst selbst

Vor allem kunsthandwerkliches Geschick

durchaus üblich und erklärt, warum sich

hatte nach dem venezianischen Kunsthand-

war für diese Arbeit gefragt, die Cana-

manche Personen oder ganze Gruppen iden-

werker geschickt, der sich bald »Canaletto«

letto selbst vielleicht eher als Handwerk

tisch auf unterschiedlichen Bildern wieder-

nannte und schon früh aus dem Schatten

denn als Kunst bezeichnet hätte. Wie

finden und warum ihre Kleidung eigentlich

seines Onkels und Lehrmeisters gleichen

jeder Handwerker nutzte auch der Hof-

nicht zu dieser Zeit passt.

Namens herausgetreten war.

maler technische Hilfsmittel wie etwa die

Ein Tipp für Kunst-detektive: Der Hund

Camera obscura, um Gestalt und Pro-

auf dem Bild »Der Marktplatz zu Pirna« ist

portionen des Sujets zu erfassen. Der

auch auf einer Dresdner Stadtansicht zu ent-

Präzise Proportionen In seinen ersten sieben Jahren an der Elbe

Nachbau einer sehr komfortablen Came-

decken.

schuf Canaletto seine berühmten 14 Ansich-

ra-Obscura-Ausführung erfreut sich in

Trotzdem darf man die Bilder natürlich ge-

ten – oder eben »Veduten« – von Dresden,

Pirna regen Interesses. Passenderweise im

trost als Meisterwerke bezeichnen – ob

die heute in der Gemäldegalerie »Alte Mei-

Canaletto-Haus am Marktplatz bewundern

sie nun »Auf der Festung Sonnenstein

ster« zu sehen sind. Zwischen 1753 und 1756

Besucher die ebenso simple wie wirkungs-

über Pirna« heißen oder eben den Pirnaer

entstand ein weiterer Zyk-lus von elf An-

volle Funktionsweise dieses Projektionsap-

Marktplatz zeigen. Letzterer hat sich übri-

sichten Pirnas; etwas weniger bekannt, aber

parats: Über eine Linse und einen Spiegel

gens seit den Zeiten des Malers kaum verän-

mindestens so sehenswert wie die Dresdner

wird das Bild der Umgebung direkt auf

dert und wer sich das Bild im Canaletto-Haus

Bilder. Auch diese Werke bestechen durch

den Zeichentisch in einer komplett abge-

anschaut, erkennt ohne Schwierigkeiten den

ihre Detailgenauigkeit und entsprechen da-

dunkelten Sänfte projiziert. Dort muss der

Platz vor den Fenstern wieder. Besonders gut

mit perfekt dem Zweck der Vedutenmalerei:

Maler die wichtigsten Linien und Raum-

klappt das übrigens einmal im Jahr: Dann

einer möglichst realitätsgetreuen Darstellung

bezüge nur mehr auf Papier nachzeichnen,

stellen die Pirnaer ihr Lieblingsgemälde mit

von Städten und Landschaften im Auftrag

wenn auch durch die Linsenprojektion

historischen Kostümen selbst nach.

des Regenten. Natürlich sollte das Ergebnis

spiegelverkehrt.

Canaletto wäre ganz sicher stolz darauf ...

41


Kultur · Görlitz

Cinecittà

an der Neiße

Die italienische Filmstadt »Cinecittà« ist vielen Kinoliebhabern ein Begriff. Weniger bekannt: Auch in Görlitz geben sich seit Jahren Regisseure und Hollywoodstars die Klinke in die Hand. Wieso eigentlich?

Florian David Fitz im Görlitzer Rathaushof als Carl Friedrich Gauß in »Die Vermessung der Welt« · © Boje Buck Produktion 42


Kultur · Görlitz

Schauspieler Götz Schubert als Meno Rohde in der Bestsellerverfilmung »Der Turm« · © ZDF/teamWorx/ · Foto: Nik Konietzky

er Markus Bensch bei der Arbeit beobachtet, könnte ihn leicht für einen Flaneur halten. Für einen Spaziergänger mit Blick für Architektur, die Farbe des Straßenpflasters oder den Zustand des Bahnhofs. Ganz falsch ist der Gedanke nicht. Doch während interessierte Touristen in Gedanken Reiseführer-Empfehlungen abhaken, entstehen im Kopf von Markus Bensch neue Welten. Und die gibt es dann – wenn alles glatt geht – irgendwann im Kino zu sehen. Markus Bensch • Foto: privat

Paris, New York – alles kein Problem

kers »In 80 Tagen um die Welt« aufspürte,

sich für Jules Vernes Weltreisenden Phileas

Bis dahin ist es freilich ein weiter Weg und

ist er begeistert von Stadt und Leuten. Denn

Fogg der Görlitzer Untermarkt in einen Pa-

ein gutes Stück davon legt Markus Bensch

beides muss stimmen, wenn ein Filmdreh vor

riser Marktplatz und die Landskron-Brauerei

zurück – im besten Sinne des Wortes zu Fuß,

Ort gelingen soll: Die schönsten Kulissen,

wurde – man höre und staune – zum New

im Auto und immer mit wachem Blick für

Bauwerke oder Landschaften nützen wenig,

Yorker Hafen. Bensch holte auch Kate Wins-

Details, Stimmungen, Atmosphäre. Denn

wenn das Umfeld nicht funktioniert. Für

let nach Görlitz, die für ihre Rolle als Han-

genau darauf kommt es bei seinem Job an:

jeden Dreh müssen Straßen gesperrt, Hau-

na Schmitz in »Der Vorleser« ihren ersten

Beim Studio Babelsberg ist er für die Aus-

seigentümer überzeugt, Genehmigungen

Oscar bekam. Regisseur Quentin Tarantino

wahl der Drehorte verantwortlich. Und

eingeholt und Dutzende Absprachen getrof-

drehte vor Ort einige Szenen der Nazi-Gro-

immer wieder kommt er dabei auf Görlitz

fen werden. »Wenn es da ständig irgendwo

teske »Inglourious Basterds« und in Kürze

zurück und findet, dass »man hier wirklich

klemmt, kann ein ganzer Film in Schwierig-

wird Willem Dafoe in »The Grand Budapest

jeden Film drehen könnte.«

keiten kommen – aber in Görlitz und auch

Hotel« zu sehen sein, wie er auf dem Motor-

Seit Bensch 2003 die Neiße-Stadt für die

anderswo in Sachsen habe ich wirklich nur

rad die Berliner Straße entlangknattert.

Hollywood-Variante des Jules-Verne-Klassi-

gute Erfahrungen gemacht.« So verwandelte 43


Kultur · Görlitz

Filmstadt aus Tradition

Auch der ZDF-Straßenfeger »Der Turm«

die mondänen Bürgervillen nahe dem Zen-

Görlitz als Drehort ist keine Entdeckung

entstand teilweise in Görlitz. Beim Blick

trum. Diese Vielfalt und einige versteckte

der letzten Jahre. Seit 1954 sind in der

auf die Bandbreite der Filme und der jeweils

Qualitäten machen Görlitz so besonders –

Stadt über 70 Filme gedreht worden, Ten-

dargestellten Epochen wird klar, was die

für Touristen und für Spezialisten wie Mar-

denz weiter steigend. Neben den interna-

Stadt für Filmemacher so attraktiv macht.

kus Bensch. Auch wenn der zuweilen auf

tionalen Produktionen unter der Feder-

Geschichten aus den »Goldenen Zwanzi-

andere Details achtet. ›Der Vorleser‹ spielt

führung von Studio Babelsberg entstanden

gern« lassen sich hier ebenso umsetzen wie

ja eigentlich in Heidelberg. Dort wusste ich

hier 2009 etliche Szenen des Films »Goe-

historische Stoffe aus dem 18. Jahrhundert

aber nach einem kurzen Spaziergang durch

the!«, zwei Jahre später fand Detlef Buck

oder aus der Wendezeit. Orte wie der Un-

die Innenstadt: Hier wird das nichts. Viel zu

hier die richtigen Bilder für die Verfilmung

termarkt und die Gassen der Altstadt regen

viel Außenwerbung und so viele Touristen-

des Bestseller-Romans »Die Vermessung

das Kopfkino an und sind wie geschaffen für

gruppen, dass eine vernünftige Arbeit kaum

der Welt« von Daniel Kehlmann. Eben-

Ausflüge ins Reich der Fantasie. Gleiches

möglich schien.«

falls 2011 war Jan-Josef Liefers für eine

gilt für das Neiße-Ufer, das gleich hinter der

So machte Görlitz das Rennen, wo Bensch

weitere Literaturverfilmung vor Ort:

Stadt wildromatische Züge annimmt, oder

bis heute immer wieder besondere Ecken

Der junge Gauß (Lennart Hänsel) mit seinem Lehrer Büttner (Karl Marcovics) am Untermarkt · © Boje Buck Produktion

44

entdeckt. Der Bahnhof zählt dazu – »einer

Görlitz-Besucher von Belang sind. »Das

pest Hotel« sei die 120 Mann starke Film-

meiner Lieblingsorte: in gutem historischen

Essen ist ganz wichtig beim Film«, weiß

crew über 14 Wochen vor Ort gewesen, eine

Zustand, nicht totsaniert und kaum Vanda-

Bensch. »Man braucht gute Restaurants

vergleichsweise lange Zeit. Dennoch »ist

lismus. Das ist ideal.« Abgesehen von der-

und Gastgeber, damit sich die Filmcrew

alles prima gelaufen und das spricht schon

lei »Spezialinteressen« zählen für ihn viele

nach ihren harten Arbeitstagen wohlfühlen

sehr für Görlitz und seine Gastgeber.«

Dinge, die auch für den durchschnittlichen

kann.« Beim Dreh von »The Grand Buda-


Kultur · Görlitz

Jan-Josef Liefers in Görlitz bei den Dreharbeiten zu »Der Turm« · © ZDF/teamWorx/ · Foto: Nik Konietzky

1967 Kleiner Mann, was nun?

Nadja Uhl in »Der Turm« © ZDF/teamWorx Foto: Nik Konietzky

Filme in Görlitz (Auswahl)

1969 Jeder stirbt für sich allein 1977 Über sieben Brücken musst du gehen 1980 Gevatter Tod 1983 Sachsens Glanz und Preußens Gloria 1992 Rosenemil 1994 Bruder Lustig 2002 Die Frau des Architekten 2003 In 80 Tagen um die Welt 2008 Der Vorleser 2008 Inglourious Basterds 2009 Goethe! 2011 Die Vermessung der Welt 2011 Der Turm 2013 The Grand Budapest Hotel

Die Ruhe vor dem Dreh: der Görlitzer Untermarkt · Foto: Mario Frost 45


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Ausgabe 1/2013

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Pirna, Kamenz, Bautzen, Görlitz und Zittau willkom-

Ihnen in diesem Prospekt ihre Aufwartung. Damit

men. Wenn Sie noch mehr Argumente benötigen,

halten Sie 13 treffende Argumente in den Händen,

um sich für eine Entdeckungsreise zu entscheiden,

auf dem Weg nach Dresden, Leipzig oder Chemnitz

dann bestellen Sie bei uns kostenfrei die ausführ-

Seitensprünge zu wagen und die Reize unserer histo-

liche Imagebroschüre »Stadtschönheiten Sachsen.

rischen Städte zu erkunden. Ihre fotogene Romantik,

Lieblingsplätze der Geschichte« oder alle 13 Stadt-

ihr Mittelalter-Flair und ihre lebhafte Ausstrahlung

rundgänge im handlichen Pocket-Format mit Kultur-

werden Ihnen gefallen. Ob Sie allein kommen, in Fa-

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milie, in der Gruppe oder im Verein – Sie sind herzlich in unseren Städten Annaberg-Buchholz, Plauen,

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HAUS SCHMINKE MODERNE HAUTNAH Das Haus Schminke von Hans Scharoun ist eines der vier weltweit wichtigsten Wohnhäuser des »Neuen Bauens« und repräsentiert wie kaum ein anderes Gebäude die Innovationsfähigkeit der Unternehmer in der Oberlausitz. Als Ikone der Moderne zieht das Haus jährlich viele Besucher aus aller Welt an. Erfahren Sie im Rahmen einer Führung mehr über die spannende Geschichte des »Nudeldampfers«! Zusätzlich bieten wir unseren Gästen die einzigartige Möglichkeit, im Haus zu übernachten. Stiftung Haus Schminke // Kirschallee 1b // 02708 Löbau // Telefon 035 85 - 86 21 33 // Fax 035 85 - 83 30 10 E-Mail info@stiftung-hausschminke.eu // www.stiftung-hausschminke.eu


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