Kolumne
Fragen Sie Professor Flimm »Wie habt ihr das denn alles geschafft?!« âââfragt Hartmut P., Journalist
Da rief mich mein alter Freund Hartmut P. an. Hartmut P. ist Journalist und kennt sich aus, nicht nur in den Berliner Politwirren und Kulturkurven; in seiner Jugendzeit wĂ€re er auch ein begabter Schauspieler geworden. Seine lispelnde GrĂŒndgens-Parodie war von seltenem Glanz! »Hör ma« sprach also Hartmut, »ich lese da, immerhin im [â⊠von der Redaktion gestrichenâ], Dir geht es schlecht, Du willst aufs Altenteil, auch hast Du mit Barenboim einen Riesenkrach, muss ich mir Sorgen machen?« »Nein«, entgegne ich, »ich bin kerngesund, mein Professor Kardiologe bekommt immer glĂ€nzende Augen, wenn er in meinem Herzen herum leuchtet, und die Assistentinnen applaudieren mir stets bei meinem Abgang. Und mit dem groĂen Daniel denke ich immer noch im gleichen Tempoâââund zwar Allegro. Dem jungen [ââŠâŠâŠ.â] des [ââŠâŠâŠâŠ.â] habe ich mein gelbes Entchen der Saison geschickt, also alles Paletti, mein Lieber!«. »Du siehst mich stark erleichtert«, seufzte er, »ihr habt ja auch eine ziemlich gesunde Bilanz, wie schafft ihr das denn alles, mein lieber Schwan? So viele Veranstaltungen!« »Ja!«, unterbrach ich, »356 Vorstellungen, an die 200.000 Zuschauer hier im Schiller Theater und weitere 22.000 bei Gastspielen der wundervollen Staatskapelle mit Daniel Barenboim am Pult in vielen WeltstĂ€dten; die waren in London, Paris, Moskau, Madrid, Barcelona, Helsinki und woanders. 40.000 waren auf dem Bebelplatz beim Open Air, und 15 Premieren ⊠wir sind eben ein ganz fleiĂiges Opernhaus.« »Ja, doll!«, rief da Hartmut P., »das sind die anderen beiden OpernhĂ€user auch!«. »Ja, das sind sie! Zu dritt sind wir ja unschlagbar!«âââ»Ja, doch! Und sonst?«âââ»Sonst haben wir noch eine Umfrage gestartet.« »Und?«âââAlso holte ich tief Luft: »Meinen Freund Daniel schĂ€tzen 99â% ob seiner ĂŒberragenden QualitĂ€ten!«âââ»Und unsere Oper ĂŒberhaupt? So in GĂ€nze?«âââ»Sehr gut, an die 97â%! Und unser Ensemble: 98â% Zustimmung! Und unser Service âŠÂ« »Halt, halt« rief H.âP. »da fĂ€llt mir der alte Satz ein: Glaube nur einer Statistik, die Du selbst gefĂ€lscht hast âŠÂ« In dem Moment steckte meine Assistentin B. ihren Kopf durch die TĂŒr und bedeutete, dass Ulrich M. da sei ⊠»Also, tschĂŒss denn Hartmut, auf bald hoffentlich, auf einen schönen Rotwein!« Herr Ulrich M., der oberste Freund und Förderer unserer Staatsoper, umarmte mich: »So eine tolle Spielzeit! Ihr werdet ja immer beliebter, Daniel und diese tollen SĂ€nger!« Ich stieĂ mit ihm mit einer Tasse Kaffee an und dachte: Siehste, auch die gröĂten Erfindungen haben doch stets einen wahren Kern! P.S. Lieber Leser und Staatsopern-Freund, diese Geschichte ist ganz klar frei erfunden. Ăhnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufĂ€llig. Das ist die Wahrheit zu ungefĂ€hr 93,5â%.
Mit schönsten GrĂŒĂen Ihr
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