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F E B R U A R 2 013

BM 009 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 009 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

Viva la Diva Große Frauenstimmen zu erleben

Adrianne Pieczonka

Waltraud Meier

DeutscheOperBerlin Das Opernjournal für den Monat Februar 2013

Anja Harteros

Fotos: Pa/dpa; pa/schaadfoto; pa/Annegret Hils; Montage: Bettina Jülch

Zeit: 14:49 von: /

Morgenpost

DEUTSCHE OPER BERLIN

Ressort: SONDERTHEMEN

Seite: 009 Status: In Bearbeitung

Berliner

TITELTHEMA

ZUBESUCH

SPIELPLAN

NEXTGENERATION

GASTSPIELE

PRIVAT UND BÜHNE

PROGRAMMTIPPS

JUGEND-MUSIKTHEATER

Ein Monat der international gefeierten Primadonnen

Wenn das Wohnzimmer zur Probebühne wird

Erinnerungen an eine Jahrhundertsängerin

Rockendes Teufelselixier: „M & The Acid Monks“

Mit Anja Harteros, Adrianne Pieczonka und Waltraud Meier gastieren weltberühmte Sängerinnen an der Bismarckstraße. Sind Stars immer auch Diven? Fragen an die Künstlerinnen auf den Seiten 2/3

Iana Salenko und Marian Walter, Erste Solisten beim Staatsballett Berlin, sind ein Tänzer-Ehepaar. Der Alltag mit Sohn und zwei Hunden in ihrem Häuschen in Tegel läuft ziemlich turbulent ab Seiten 4/5

Eine Schau im Foyer ehrt die große Sängerdarstellerin Martha Mödl. Berlioz, Wagner, Puccini und Verdi prägen das Programm der Deutschen Oper Berlin im Februar Seiten 6/7

Theater oder Konzert? Die Schweizer Band The Bianca Story hat mit Regisseur Daniel Pfluger eine moderne E.T.A.-Hoffmann-Adaption erarbeitet und zeigt sie jetzt in der Tischlerei Seite 8

Das Opern-Journal wird präsentiert von der Berliner Morgenpost


Februar 2013 | Berliner Morgenpost

Streben nach Göttlichkeit Die Sopranistin Maria Callas (1923-1977) gilt als unerreichte „Primadonna assoluta“ des 20. Jahrhunderts

PA / DPA-PUBLIFOTO

TitelThema

Einsam im Glanz, furchtbar im Zorn Der Mythos der Diva lebt seit Jahrhunderten: Doch was ist eigentlich eine Diva? Und was meinen die Primadonnen selbst dazu? VON KAI LUEHRS-KAISER

„Eine Diva ist eine Künstlerin, die weiß was sie will“ Jessye Norman Opernsängerin

IMPRESSUM: Eine Produktion der Redaktion Sonderthemen für die Berliner Morgenpost, 31. Januar 2013 Redaktionsleitung: Astrid Gmeinski-Walter (V.i.S.d.P.), Klaus Ries (Stellv.) Redaktion: Uwe Sauerwein, Matthias Billand Produktion und Gestaltung: Bettina Jülch Gesamtanzeigenleiter: Stefan Madel Anzeigen: Jan Schiller Verkauf: Anna Baronjan (anna.baronjan@axelspringer.de) Verlag: Ullstein GmbH Druck: Axel Springer AG (Berlin)

ls die bekannte Opernsängerin Edda Moser ihre berühmte „Rache-Arie“ aus Mozarts „Zauberflöte“ für die Schallplatte aufnehmen sollte, überlegten sich einige Mitarbeiter im Studio, wie man die reizbare, hohe Frau für diese Aufgabe präparieren könne. Sie ersannen ein Mittel, das für mustergültig gelten darf. Unmittelbar, bevor das Rotlicht den Einsatz der Sängerin signalisierte, flüsterte man ihr eilig zu: „Sie sind nur die zweite Wahl!!“ Die Aufnahme wurde ein Klassiker. Was eine richtige Diva ist, darüber entscheiden von alters her genau drei Kriterien: Unberechenbarkeit, ein gerüttelt Maß an Gehässigkeit – und ein kleines Hündchen. Woher das Klischee vom aufbrausenden, die lackierten Krallen ausfahrenden Opernmonster eigentlich kommt, das zu erforschen haben Universitäten bisher abgelehnt. Also lebt das Klischee fort. Es hat von der Händel-Sängerin Francesca Cuzzoni bis zu Maria Callas, von Maria Malibran bis Anna Netrebko eine Kollektion prächtig funkelnder Exemplare hervorgebracht. Sogar Fotos! Die fauchende Callas, die dem Met-Direktor

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Diva? Kommt darauf an… Anja Harteros Seit die Sopranistin 1999 als erste deutsche Sängerin den Wettbewerb „Singer of the World“ gewann, ging es mit ihrer Karriere steil aufwärts. Sie habe immer gern gesungen, erinnert sich die Tochter einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters. Im Schulchor habe man ihr entgegengehalten, sie singe wie eine Opernsängerin. „Das war mir zwar etwas peinlich, hielt mich aber trotzdem nicht davon ab.“ Jahrhundertsopran, Stradivari unter den Stimmen – Fans, Kollegen und Kritiker überschlagen sich. Sie selbst benennt Gefühl als Voraussetzung für Erfolg: „Die Seele und das eigene Empfinden müssen involviert sein, um in der Musik Wahrheit auszudrüPA/DPA/FRANK LEONHARDT

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Ressort: SONDERTHEMEN

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Zeit: 14:49 -

2 Deutsche Oper Berlin

Rudolf Bing an die Gurgel will, geht seither um die Welt. Es hat das Bild der explosiven Frau befestigt, deren scheinbare tödliche Wirkungsweise nicht darüber hin-

cken.“ Singen und Spiel seien per se sinnlich. Musik helfe, „uns selbst zu vergessen“. Diesen Zugang zu ihrem Beruf vermittelt Anja Harteros stets aufs Neue. Mit allen wichtigen Dirigenten arbeitend, umfasst ihr Opernrepertoire zentrale Partien von Händel, Mozart, Puccini,Verdi, Strauss und Wagner. Mit perfekter Stimmführung weiß Anja Harteros ihr Publikum auch bei Lieder- und Konzertabenden zu erobern. Die Bezeichnung Diva legt sie für sich so aus, dass sie als Sopran ja meist die ersten Rollen singe: „Das mache ich gerne. Ansonsten bin ich eher ein scheuer Typ. Die Verehrung des Publikums lässt sich nicht verallgemeinern…“ Am 17., 23. und 28. Februar gibt Anja Harteros ihr Rollendebüt als Tosca an der Deutschen Oper Berlin

wegtäuschen kann, dass ihr in Wirklichkeit nur ein einziges Mittel der Selbstverteidigung zu Gebote steht: Sie kann absagen. Viel mehr kann eine Primadonna zur

Rettung ihrer Diven-Würde eigentlich nicht tun. Auf der Suche nach einer Begriffsbestimmung der Diva hat der Verfasser im Laufe einiger Jahre lebende Vertreterinnen ihrer Zunft befragt. Niemand antwortete überzeugender als die rumänische Opern-Exzentrikerin Angela Gheorghiu. Ihre Definition der Diva: „Ich!“ Auch die amerikanische Ikone Jessye Norman, deren Karriere an der Deutschen Oper Berlin begann, antwortete. „Eine Diva ist eine Künstlerin, die weiß was sie will“, so Norman sachlich. Sie wies damit zugleich die Frage zurück, ob es unter Primadonnen eigentlich so etwas wie ein Network, eine Plattform nach Art von „Divas anonymous“ gibt. Warum sollte es?! Diven sind unabhängig manövrierende Himmelskörper. Einsam in ihrem Glanz. Abweisend in ihrer Herrlichkeit. Und, noch mal: Furchtbar in ihrem Zorn! Weil Jessye Norman einmal in Israel nicht gebührend am Flughafen empfangen wurde, soll sie sich nach dem Vortrag der „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss bitterlich an ihrem Publikum gerächt haben. Da man sie mit Applaus überschüttete, wandte sie sich an den Dirigenten Zubin Mehta: „Was soll ich bloß tun? Sie lassen mich nicht gehen.“


Diva? Wenn es positiv gemeint ist

Diva? Das lenkt nur ab! Waltraud Meier Ihre sängerischen Qualitäten insbesondere im hochdramatischen WagnerFach machen die Würzburgerin zu einem Weltstar. Deswegen Allüren zu haben, ist Waltraud Meier jedoch fremd. So genanntem Star-Kult hat sie sich immer entzogen. Der Hype um Stars, um Diven gar, sei ihr immer suspekt gewesen, sagte sie in einem ihrer seltenen Presseinterviews. „Ich habe auch weiß Gott alles dafür unternommen, dass es nie so einen Hype um mich gab. Denn das lenkt ab.“ Nach ihren Anfängen am Würzburger Stadttheater startete sie ihre internationale Karriere. In Buenos Aires sang sie die Fricka in Richard Wagners „Die Walküre“. Danach eroberte Waltraud Meier die Bühnen zwischen

Bayreuth und New York und glänzte vor allem als Kundry in Wagners „Parsifal“. Triumphe feierte die Mezzosopranistin zugleich in der Hauptrolle von „Tristan und Isolde“. Wagner, immer wieder Wagner. Ihn zu singen und zu spielen „ist immer wieder neu und immer spannend“, bringt Waltraud Meier diese „Liaison“ auf den Punkt. Waltraud Meier ist nicht nur eine Ausnahmeerscheinung als Sängerin. Sie ist mit ihrer Bühnenpräsenz zugleich ein Idealfall für jeden Opernregisseur. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt für Waltraud Meier der Liedgesang, bei dem sie Emotionen nicht darstellerisch, sondern fast nur mit ihrer Stimme erzeugen muss. An der Deutschen Oper Berlin singt Waltraud Meier am 10. und 16. Februar Ortrud in „Lohengrin“

PA / DPA-DANIEL KARMANN

An der Deutschen Oper Berlin singt Adrianne Pieczonka am 27. Februar, 2. und 6. März Desdemona in „Otello“ und am 9. März Tosca Berühmtheiten Drei Sängerinnen von Weltrang sind im Februar an der Deutschen Oper Berlin zu erleben. Adrianne Pieczonka (o. in Bayreuth als Senta im „Fliegenden Holländer“) gastiert als Desdemona und im März als Tosca. Anja Harteros (m. als Desdemona in der Berliner „Otello“-Inszenierung) singt Tosca. Waltraud Meier (u. als Kundry in San Francisco) übernimmt die Ortrud in „Lohengrin“

RON SCHERL/REDFERNS

probte, musste sie aus dem Graben plötzlich den Ausruf des Dirigenten Hans Knappertsbusch vernehmen: „Sch***ziege.“ Woraufhin sie, des Deutschen nicht mächtig, zur Rampe stöckelte und erwiderte: „Biitte Fronssösisch!“ Knappertsbusch korrigierte: „Französische Sch***ziege!“ Die schlimmsten Diven und Ekelpakete waren traditionell die Dirigenten. Daran kann man ablesen: Der natürliche Feind der Diva ist der Divo. Der natürliche Feind des Divos freilich auch. Die beiden verfeindeten Dirigenten Herbert von Karajan und Wilhelm Furtwängler gingen, aller Animositäten unerachtet, einmal in Salzburg miteinander essen. Es wurde, wie Karajan später erzählte, ein netter Abend. Man scherzte und lachte. Und trennte sich im schönsten Einvernehmen. Am nächsten Morgen aber erschien Furtwängler in der Direktion der Salzburger Festspiele, baute sich in der Tür auf und sagte nur einen einzigen Satz: „Er oder ich!” – Es ist die Lebenslosung der Diva bis heute.

„Das Leben ist zu kurz, und ich will es genießen und positiv da durchgehen.“ Sie versuche, mit ihren Rollen zu verschmelzen, um das Drama so glaubwürdig wie möglich zu machen. „Singen ist eine sinnliche Sache, und man kann sehr beeinflusst werden zum Beispiel von einer erotischen Musik oder Inszenierung – das Publikum kann sofort bemerken, wenn es zwischen zwei Sängern knistert“, so die Künstlerin.

PA / EVENTPRESS HOENSCH

Worauf Mehta antwortete: „Jessye, du machst folgendes: Geh raus und sing einfach ein Spiritual.“ Sie überlegte kurz, betrat die Bühne und sang dem mehrheitlich jüdischen Publikum als Zugabe: „Where have you been, when they crucified my Lord?“. Der Applaus war kurz. Welche von diesen beliebten Anekdoten wirklich wahr sind – und welche nur gut erfunden –, lässt sich beim Legendenbedarf der Institution Diva kaum entscheiden. Fest steht, dass man Vertreter dieser Spezies nicht unbedingt am verschwenderischen Gebrauch falscher Juwelen und langer Kleider erkennt. Ganz im Gegenteil. Gerade die Eingeborenen-Sprache von Giftpfeil und Blasrohr wird von den männlichen Diven, den Dirigenten, mindestens ebenso gut beherrscht wie von den Damen. An der folgenden, überaus glaubhaften Geschichte zeigt sich, dass Diven nur das charakterliche Abbild von Dirigenten sind. Als die französische Sopranistin Régine Crespin in Bayreuth Wagner

häusern und auf Konzertpodien weltweit. Außerdem gastiert sie bei wichtigen Festivals. Adrianne Pieczonka ist zweifelsohne ein Star. Doch ist sie bodenständig geblieben. Sie sehe sich keinesfalls in der Rolle einer Diva. „Diva hat verschiedene Nebenbedeutungen. Ich identifiziere mich mit den positiven Seiten: Dass ich seit Jahren auf einem hohen Niveau auf der Bühne singe und spiele…“ Sie sei nie unhöflich oder arrogant gegenüber Kollegen: PA- SVEN SIMON/MALTE OSSOWSKI

Adrianne Pieczonka Obwohl ihr Repertoire von Mozart bis Britten reicht, hat die kanadische Sopranistin zuletzt mit großen WagnerRollen auf sich aufmerksam gemacht, im Besonderen mit der Sieglinde in „Die Walküre“. 2006 hatte sie damit bei den Bayreuther Festspielen debütiert. 2010 sang sie in Paris ihre erste Senta in „Der fliegende Holländer“ und reüssierte in dieser Rolle im vergangenen Jahr auch auf dem Grünen Hügel. Adrianne Pieczonka wuchs in der Nähe von Toronto auf, machte dort ihr Diplom und ging dann nach Europa, nach Wien. Seit dieser Zeit singt Adrianne Pieczonka in Opern-

PROMO

Zeit: 14:49 - 01-29von: / Seite: 011 Status: In Bearbeitung Ressort: SONDERTHEMEN BM 011 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 011 Autor: 2013 gedruckt: bjuelch

Deutsche Oper Berlin 3

Berliner Morgenpost | Februar 2013


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ZuBesuch

BM 012 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 012 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

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4/5 Deutsche Oper Berlin

Wenn das Wohnzimmer zur Probe Unweit des Flughafens Tegel wohnen Iana Salenko und Marian Walter, Erste Solisten des Staatsballetts Berlin. Das Ehepaar hat einen kleinen Sohn. In diesem Tänzerhaushalt herrscht ein ganz eigener Geräuschpegel

Sofa-Idylle Iana Salenko mit Marian Walter, Sohn Marley und den Hunden Charley und Dina. Die Tänzerin sitzt in der Freizeit gern an der Nähmaschine

VON MARTINA HELMIG luglärm? „Nee, der stört überhaupt nicht“, findet Marian Walter (31). Seine Ehefrau Iana Salenko (29) und er merken es nicht einmal, wenn die Boeings über ihr Reihenhäuschen im französischen Viertel hinwegdüsen. Dabei ist der Flughafen Tegel gleich nebenan. Am Ende der Straße ist eine Flugbereitschaftsstaffel der Bundeswehr stationiert, da wird sogar vor Schusswaffen gewarnt. Vor dem Fünf-Zimmer-Häuschen der beiden Ersten Solotänzer aus dem Staatsballett stehen ein Dreirad und ein Schlitten. Drinnen hüpfen zwei verspielte Möpse japsend und jaulend an Kommoden und Hosenbeinen hoch. Söhnchen Marley will abwechselnd auf Sessel klettern, Bilder malen und den Papierflieger werfen. Eine kleine Melodie erklingt. Handy oder Spieluhr? Dann kocht das Kaffeewasser. Nach einer Stunde in dem turbulenten Tänzerhaushalt versteht man, dass hier niemand Probleme mit Fluglärm hat. Hier herrscht ein ganz eigener Geräuschpegel. Iana Salenko findet den nahen Flugplatz sogar praktisch. Öfter als ihr Ehemann gastiert sie in der ganzen Welt. Sie schwebt als Julia, Cinderella, Dornröschen und Sylphide über die Bühne. Ihr Mann gibt den Romeo, Siegfried und immer wieder die Märchenprinzen. Beide sind im besten Tänzeralter. Sie haben viel erreicht, internationale Wettbewerbe gewonnen, große klassische Partien getanzt, sich bis in die Spitze der Malakhov-Truppe emporgearbeitet. Auf der anderen Seite ist die magische Zahl 40 und die Überlegung, was nach der aktiven Karriere kommt, noch weit entfernt. „Ich möchte sowieso tanzen, bis ich 45 Jahre alt bin“, sagt die ukrainische Primaballerina in gebrochenem Deutsch. „Und ich sitze dann mit drei Kindern zu Hause“, lacht der Berliner Marian Walter. Tatsächlich hätten die Beiden gern noch mehr Kinder. Eigentlich wirken sie ganz ruhig und geerdet. Aber auf dem gemütlichen Velourledersofa und dem flauschigen Teppich davor kann ihnen wohl gar nicht genug Trubel herrschen. Ihre Energie scheint unerschöpflich zu sein. Beim Tanzen kommt man sich sehr nah. Es gibt eine Reihe von Paaren im Staatsballett Berlin, unter den Ersten Solisten etwa Shoko Nakamura und Wieslaw Dudek oder Elisa Carillo Cabrera und Mikhail Kaniskin. Es hat viele Vorteile, wenn zwei Tänzer Tisch und Bühne

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„In Deutschland sind alle netter und entspannter, müssen nicht nur dem Geld hinterher jagen wie in der Ukraine“ Iana Salenko Tänzerin

teilen, über ihre Rollen reden und sich gegenseitig beraten können. Wenn Iana Salenko mit ihrem Mann tanzt, findet sie alles viel vertrauter und harmonischer als mit einem anderen Tanzpartner. „Ich schaue ihm in die Augen und weiß ganz genau, was er will“, erklärt sie, und auch ihr Mann meint: „Mit Iana tanze ich viel entspannter, alles ist ganz bequem. Allerdings konzentriert man sich stärker mit einem anderen Partner. Da reiße ich mich mehr zu-

Schwanensee Ballett in zwei Akten Musik von Peter I. Tschaikowsky Choreographie und Inszenierung nach Marius Petipa und Lew Iwanow: Patrice Bart. Bühnenbild und Kostüme: Luisa Spinatelli. Musikalische Leitung: Michael Schmidtsdorff. Solisten und Corps de ballet des Staatsballetts Berlin, Orchester der Deutschen Oper Berlin. Es tanzen: Odette / Odile: Iana Salenko. Prinz Siegfried: Dinu Tamazlacaru.

Königin: Nadja Saidakova. Rotbart: Arshak Ghalumyan. Benno: Taras Bilenko Termine: 12., 20., 22., 25., 26. Februar sowie 12. und 13. März in der Deutschen Oper Berlin Außerdem im Februar: Peer Gynt Ballett von Heinz Spoerli Mit Marian Walter als Peer Gynt und Iana Salenko als Solveig Termine: 4. und 6. Februar, 19.30 Uhr www.staatsballett-berlin.de

sammen. Auch Kritik nehme ich eher von anderen Menschen an als von meiner eigenen Frau.“ Vor wichtigen Premieren wird das Wohnzimmer schon einmal zur Probebühne. Auch im Urlaub dürfen sie nicht aus der Übung kommen. Beide erinnern sich gern an den Balkon mit Meerblick auf Mallorca, wo sie ihr morgendliches Trainingsprogramm absolvierten. Eifersüchtig ist Iana nicht, wenn ihr Mann mit einer anderen tanzt, Marian aber schon ein bisschen. „Er will sich die Vorstellung gar nicht ansehen, wenn ich einen anderen Tanzpartner habe“, sagt sie. Da trifft es sich gut, dass er dann sowieso auf den vierjährigen Sohn und die beiden Möpse aufpassen muss. Im Februar ist Iana Salenko neben Dinu Tamazlacaru als Odette/ Odile in „Schwanensee“ und in dem Programm „Rund um die Ballets Russes“ zu erleben. Marian Walters Mutter übernimmt die BabysitterRolle am 4. und 6. Februar. Dann steht das Ehepaar gemeinsam in Heinz Spoerlis „Peer Gynt“ auf der Bühne der Deutschen Oper. „Die Rolle der Solveig ist toll, da bin ich als Schauspielerin gefragt und kann viel mit dem Körper erzählen“, freut sich Iana Salenko, und ihr Mann fügt hinzu: „Für mich als Peer ist es


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Februar 2013 | Berliner Morgenpost

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JAKOB HOFF (2)

Gegenseitige Bewunderung Das Paar lernte sich 2004 bei einem Ballett-Wettbewerb in Wien kennen. Danach ging man erst mal tanzen – in eine Disco

schon anstrengend, ich bin fast die ganze Zeit auf der Bühne. Aber ich genieße es auch, weil ich viel zeigen kann – mehr als in den immer ähnlichen Prinzenrollen.“ Beide tanzen am liebsten die anspruchsvollen klassischen Rollen, für die man richtig gut in Form sein muss. „Schwanensee“ und „Romeo und Julia“ verkörpern sie gern zusammen, „Giselle“ ist ein gemeinsamer Traum. Die rotblonde, nur 1,58

Meter kleine Iana spielt gern die süßen Prinzessinnen, während die feurige, rassige Zigeunerin in „La Esmeralda“ eine schwierige Herausforderung für sie war. Marian hat es gern, wenn der Prinz nicht nur lieb und nett ist, sondern auch eine dunkle Seite hat. Oder wenn er als Siegfried im „Ring um den Ring“ den ungezogenen kleinen Jungen herauslassen darf. Zu Hause tanzt Marley mit den Möpsen Charley

und Dina um die Tischbeine. Der Kleine dient auch als Wecker in der Tänzerfamilie. Oft holt er Mama und Papa schon um 6 Uhr aus dem Bett. Nach dem Frühstück möchte er spielen, dann geht die Familie mit den Hunden spazieren. Vor dem Training und den Proben wird Marley gegen 9 Uhr in der Kita abgeliefert. Seinen Namen haben die Eltern aus dem Endzeit-Film „I Am Legend“ mit Will Smith. „Wie Bob

Klassische Rollen Iana Salenko und Marian Walter tanzen gerne zusammen „Schwanensee“ oder, wie auf diesem Foto, „Le Corsaire“

DAPD / MAJA HITIJ

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ENRICO NAWRATH

BM 013 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 013 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

Ressort: SONDERTHEMEN

Seite: 013 Status: In Bearbeitung

robebühne wird

Marley“ sagen sie, wenn jemand nach der Schreibweise fragt. An der Wohnzimmerwand hängt ein Gemälde mit einer Ansicht von Kiew, Iana Salenkos Heimatstadt. Beide hatten keine Tänzer in der Familie. Ianas Mutter hat als Köchin gearbeitet, ihr Vater ist Pförtner am Atomkraftwerk von Tschernobyl, bezieht ein gutes Gehalt und freut sich über die kostenlose wöchentliche Gesundheitsuntersuchung. Iana, das jüngste von fünf Kindern, probierte alles aus: Malen, Sport und Tanzen – daran blieb sie hängen wie schon ihr älterer Bruder, der heute in Japan tanzt. Gemeinsam mit ihm ging sie in die Pisarev-Ballettschule von Donezk, die Schule in Kiew wäre für die Eltern zu teuer geworden. Nach nur vier Jahren kam sie ins Ensemble in Donezk, dann an die Nationaloper von Kiew. Die Ausbildung des Lehrersohns Marian Walter an der Staatlichen Ballettschule Berlin dauerte mit acht Jahren doppelt so lang. Er wuchs in Berlin auf, erlebte die Vorstellungen mit seinen Vorbildern Oliver Matz und Raimondo Rebeck. In Suhl wurde er eher zufällig geboren, weil seine Mutter dort Urlaub machte. Er begann seine Karriere in München, 2002 wechselte er nach Berlin. In Wien nahm er 2004 zum ersten Mal an einem Wettbewerb teil und gewann den ersten Preis. Hier lernte er Iana Salenko kennen, denn auch die junge Tänzerin aus der Ukraine bekam den ersten Preis. Natürlich interessierten sich die beiden Sieger füreinander. Bei der Preisträger-Gala bewunderten sie sich erstmals auf der Bühne. Danach verhielten sich die Profitänzer nicht anders als andere verknallte junge Leute: Sie gingen zusammen tanzen in die Disco. Schließlich

blieb er noch im Fahrstuhl stecken und hatte am Ende des Abends eine falsche Telefonnummer von Iana. „Ach, vergiss sie doch“, sagten Freunde in Berlin, aber das war unmöglich. Auch eine Fernbeziehung blieb es nicht lange. Iana stellte sich beim Staatsballett vor. Schon mit zwölf Jahren hatte sie sich bei ihrem ersten Besuch in die Stadt Berlin verliebt. Doch Vladimir Malakhov fand sie zu klein, und dem Ersten Ballettmeister waren ihre Arme nicht hübsch genug. Erst als Malakhov die Tänzerin in Athen auf der Bühne erlebte, gab er ihr einen Vertrag als Demi-Solistin. „Ich musste mit 21 Jahren von vorn anfangen. In Kiew hatte ich alles, ich war bereits Erste Solistin“, erinnert sich die zähe Ballerina, die sich auch in Berlin schnell wieder zur Ersten Solistin hochtanzte. 2005 heirateten die beiden Künstler, drei Jahre später kam der Sohn zur Welt, und seit dem vergangenen Juni haben sie nun ihr eigenes Häuschen. In fünf Minuten sind sie zu Fuß am Flughafensee, baden können sie aber auch im heimischen Swimmingpool. Im Obergeschoss hat Iana ihr Nähzimmer, da entstehen Blazer, Fellwesten und Tutus. Marian liebt es, die Wohnung zu dekorieren und im Sommer im Garten zu arbeiten. Iana fühlt sich wohl in Deutschland. „Hier sind alle netter und entspannter, müssen nicht nur dem Geld hinterher jagen wie in der Ukraine“, findet sie. Zwei der Tegeler Nachbarn waren auch schon bei Ballettvorstellungen. Die beiden Tänzer fühlen sich wohl mit ihrem fordernden Beruf und ihrem quirligen Privatleben. Marian Walter macht es sich mit Frau, Sohn und Vierbeinern auf dem Sofa gemütlich: „Ich kann mir gar kein anderes Leben vorstellen.“


DVDvorgestellt

PRIVATARCHIV MÖDL/VETTER

Bewegende Fotos Die Ausstellung zeigt auch die Berliner Auftritte wie „Elegie für junge Liebende“ 1962 an der Deutschen Oper

PRIVATARCHIV MÖDL/VETTER

Paraderolle Noch im hohen Alter begeisterte die Sängerin, vor allem als Gräfin in Tschaikowskijs „Pique Dame“

DEUTSCHE OPER BERLIN

Die Gespenstersonate Was für eine Erscheinung! Seit 40 Jahren lebt die Mumie im Wandschrank, als Bestrafung für eine einzige Liebesnacht. Nun, zum nächtlichen „Gespenstersouper“, verlässt sie ihre Behausung – als kleiner Lichtstrahl, der immer größer und bedrohlicher wird. In Szenen wie diesen kann eine Verfilmung die Effekte der Operninszenierung noch steigern. Aribert Reimanns „Die Gespenstersonate“ wurde am 25. September 1984 im Hebbel-Theater uraufgeführt, in der Regie von Heinz LukasKindermann. Martha Mödl brillierte als Verstorbene, die ihren einstigen Liebhaber und Vater ihrer Tochter entlarvt. Am Ende erhängt er sich im Wandschrank – mit jenem Strick, der ihm einst als Mordwerkzeug diente. Die Mumie ist sicher eine der verrücktesten Rollen in der an bemerkenswerten Partien nicht armen Karriere Martha Mödls. Aribert Reimann hatte die Rolle genau auf sie zugeschnitten. Wie überhaupt die Besetzung schon vor Beginn der Komposition feststand. Neben Martha Mödl erlebte man in Dietrich Schoras’ Bühnenbild Hans Günter Nöcker, David Knutson, Horst Hiestermann, Donald Grobe, Gudrun Sieber, William Dooley, Barbara Scherler und Katja Borris. Friedemann Layer dirigierte ein aus der Jungen Deutschen Philharmonie und dem Ensemble Modern zusammengestelltes zwölfköpfiges Orchester. Die Entwicklung kompositorischer Prinzipien aus dem Gesang heraus zählt zu den Merkmalen Aribert Reimanns. Der gebürtige Berliner, Jahrgang 1936, arbeitete schon nach dem Abitur als Korrepetitor an der damaligen Städtischen Oper. Schon seine erste Oper „Ein Traumspiel“ gestaltete Reimann nach einem Schauspiel von August Strindberg. Für „Die Gespenstersonate“, seine vierte Oper, verfasste Reimann mit Uwe Schendel den Text selbst nach dem Original. Der schwedische Dramatiker hatte sich formal an Beethovens 17. Klaviersonate orientiert. Die Uraufführung in Stockholm fand 1908 statt. Im gleichen Jahr eröffnete in Berlin das Hebbel-Theater. Zwischen 1979 und 1987 wurde es nur für Gastspiele genutzt, so auch von der Berliner Festspiel GmbH und der Deutschen Oper. „Die Gespenstersonate“ wurde vom Sender Freies Berlin (RBB), aufgezeichnet und ist jetzt bei Arthaus Musik usi auf DVD erschienen.

Februar 2013 | Berliner Morgenpost

Neu-Bayreuth Wieland Wagners Inszenierungen erforderten Sänger-Persönlichkeiten. Martha Mödl, hier mit dem Regisseur bei der Probe zu „Tristan und Isolde“, setzte mit ihren Interpretationen bei den Bayreuther Festspielen zwischen 1951 und 1967 Maßstäbe

PRIVATARCHIV MÖDL/VETTER

Zeit: 14:49 von: / Seite: 014 Status: In Bearbeitung Ressort: SONDERTHEMEN BM 014 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 014 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

6 Deutsche Oper Berlin

Grüner Hügel Die Künstlerin vor dem Bayreuther Festspielhaus im Jahr 1954. Hier feierte Martha Mödl ihre größten Operntriumphe

Stationen einer Jahrhundertkünstlerin Ausstellung im Rang-Foyer würdigt die große Sängerdarstellerin Martha Mödl pernstars gehen in der Regel dank ihrer unverwechselbaren Stimmen in die Geschichte ein. Im Falle der Martha Mödl (1912-2001) verhielt es sich anders. Zwar gehört die gebürtige Nürnbergerin zu den berühmtesten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Ruhm begründete sich vor allem auf ihre enorme Bühnenpräsenz. Martha Mödl war eine Sängerdarstellerin der ersten Stunde. Nicht zuletzt deshalb sind Leben und Werk dieser Sopranistin idealer Stoff für eine Ausstellung, die am 13. Februar nach Berlin kommt. Bis heute haben Martha Mödls intensive Rollengestaltungen Vorbildfunktion. Hinzu kommt die enorme Zeitspanne, in der sie auf der Bühne Erfolge feierte. 60 Jahre war die Künstlerin aktiv, sie sang bis kurz vor ihrem Tod, mit 89 Jahren, unter anderem noch die Gräfin in Tschaikowskijs „Pique Dame“. Das war ihre Paraderolle im Alter. In den vielen Jahren zuvor

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hatte es zahlreiche andere Paraderollen gegeben, von der Isolde, Brünnhilde und Kundry im „Parsifal“ zur Klytämnestra in „Elektra“. So war es auch die enorme Repertoirebreite, die diese außergewöhnliche Künstlerin, die eben weit mehr war als die Heroine von Neu-Bayreuth, auszeichnete. Ein Leben für die Bühne: Selten trifft diese Redewendung so zu. Nun dient sie als Untertitel der Ausstellung, mit der Martha Mödl vergangenes Jahr zum 100. Geburtstag in Bayreuth geehrt wurde. Mit Hilfe der hiesigen RichardWagner-Gesellschaft wird sie nun im Rang-Foyer der Deutschen Oper Berlin gezeigt. „Ich wollte singen, sonst nichts!“ zeichnet auf mehr als 100 Tafeln den künstlerischen Weg in Form einer Lebenslinie nach. Den Schwerpunkt bilden Fotos, hinzu kommen Briefe, Widmungen und Gemälde. Kuratiert wird die Schau durch einen langjährigen Freund der Sängerin, Helmut Vetter. Ihn hatte Martha Mödl mit dem künstlerischen

Nachlass betraut, aus dem fast alle Exponate stammen. So darf man durchaus die Ausstellung zum persönlichen Rückblick der Künstlerin aufwerten. Bayreuth, wo man die Mödl neben Astrid Varnay und Birgit Nilsson zu den drei großen Wagnerschen Nachkriegsprimadonnen zählte, war zweifellos der Hauptschauplatz ihrer Triumphe. Begonnen hatte die gelernte Buchhalterin, die erst mit 28 Jahren Gesangsunterricht nahm, 1942 als Mezzosopran in Remscheid. Nach Kriegsende führten sie Engagements bereits an viele große Häuser weltweit. Ihre große Stunde schlug aber mit dem Wechsel ins hochdramatische Sopranfach und den Regiearbeiten Wieland Wagners bei den Bayreuther Festspielen. Der Enkel des Komponisten entrümpelte in seinen Inszenierungen radikal die Bühne. So entstand Raum, der gefüllt werden musste durch Sängerpersönlichkeiten, die ihre Partien auch psychologisch hinterfragten. Dieser

Herangehensweise blieb Martha Mödl treu, als sie sich in den 60erJahren nach einem stimmlich bedingten Wechsel zurück zum Mezzo dem Charakterfach zuwandte. Zu ihren größten Leistungen zählt ihr Einsatz für zeitgenössische Komponisten wie Hans Werner Henze, Giselher Klebe und Aribert Reimann, bei dessen Werken „Melusine“ und „Die Gespenstersonate“ sie mitwirkte. In den 50er-Jahren war sie im hochdramatischen Fach Mitglied des Ensembles der Städtischen Oper Berlin. Später kam sie immer wieder zurück. Ihren letzten Auftritt an der Deutschen Oper Berlin hatte sie im Konzert unter Christian Thielemann mit dem „Hexenlied“ von Max von Schillings. Da alle Phasen dieser vielseitigen Karriere zur Geltung kommen, wird die Ausstellung auch zum Streifzug durch die Welt der Oper in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Uwe Sauerwein 13. Februar bis 4. Mai, Rang-Foyer


Zeit: 14:49 -

Deutsche Oper Berlin 7

Service www.deutscheoperberlin.de Deutsche Oper Berlin, Bismarckstraße 35, 10627 Berlin www.deutscheoperberlin.de Karten und Infos 030-343 84 343 (Mo bis Fr 8 –18 Uhr, Sa, So 11 –16 Uhr) info@deutscheoperberlin.de Tageskasse, Abo-Service (Eingang: Götz-Friedrich-Platz) Mo bis Sa 11 Uhr bis 1,5 Stunden vor der Vorstellung;

Klaus Geitel freut sich auf Berlioz, Wagner, Verdi und Puccini

Restaurant Deutsche Oper Reservierung und Pausenbewirtung 030 343 84 670 oder www.rdo-berlin.de Shop „Musik & Literatur“ 030 343 84 649 oder www.velbrueck-shop.de Di-Sa zwischen 16 Uhr und Ende der (ersten) Vorstellungspause, an vorstellungsfreien Tagen bis 19 Uhr

DPA - BRITTA PEDERSEN

MATTHIAS HORN

Der amerikanische Leutnant Pinkerton ist mit seinem Schiff im Hafen von Nagasaki vor Anker gegangen. Um sich die Zeit zu vertreiben, geht er mit der erst 15-jährigen Geisha Cio-Cio-San eine „Ehe auf Zeit“ ein. In der stimmungsvollen Bühnenausstattung entfaltet sich der Zauber dieses Werkes ganz besonders eindrucksvoll. Wenn Sie den Namen des Regisseurs kennen, dann können Sie 2 x 2 Freikarten für die Vorstellung „Madama Butterfly“ am 14. Februar, 19.30 Uhr gewinnen. Rufen Sie heute (31. Januar) an unter Tel.: 01379-706072 (0,50 ¤ / Anruf aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk deutlich teurer), die Hotline ist 24 Stunden geöffnet. Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt, die Karten zugeschickt. Mitarbeiter der Deutschen Oper Berlin und der Ullstein GmbH können nicht teilnehmen.

Der Förderkreis der Deutschen Oper Berlin sucht ideelle und finanzielle Unterstützung. Helfen Sie mit, Visionen zu verwirklichen: foerderkreis@ deutscheoperberlin.de Tel.: 030-343 84 240

an vorstellungsfreien Tagen bis 19 Uhr; So 10 –14 Uhr Abendkasse ab 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn, kein Abo-Service Anfahrt: U-Bahn: U2 Deutsche Oper, U7 Bismarckstraße, Busse: 101 und 109 Parken: Parkhaus Deutsche Oper: Einfahrt Zillestraße, Operntarif 3 ¤

Monumental 20 anspruchsvolle Solistenpartien, ein Ballett, ein immenser Chor und ein großer Orchesterapparat: Berlioz‘ vierstündige Grand Opéra „Die Trojaner“ zeigt die Schrecken des Krieges, koppelt Erkenntnis und Hilflosigkeit zu einem grausamen Gespann, berichtet von Liebe und Verzicht, von unverschuldeter Schuld und schicksalhafter Bestimmung! Vorstellungen am 21., 24. Februar und 3. März

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Klaus Geitels SpielplanTipps

Februar

SpielPlan

BM 015 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 015 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

Ressort: SONDERTHEMEN

Seite: 015 Status: In Bearbeitung

von: /

Berliner Morgenpost | Februar 2013

Ohren auf – und rein! Der Februar bietet noch zweimal Gelegenheit, Berlioz’ Meisterwerk „Die Trojaner“ in all ihrer grandiosen Ausführlichkeit zu erleben und zu bewundern. Donald Runnicles dirigiert wieder die preiswürdige Inszenierung von David Pountney, die sich unerschrocken und hingabevoll allen Herausforderungen von Berlioz an den Hals warf und sie glänzend erfüllte. Tatsächlich hat ein ganzes Jahrhundert darum gekämpft, Berlioz’ einzigartige musikdramatische Vision zu erfüllen, die Schilderung der jahrhundertmächtigen Vorgänge in und um Troja ein für allemal auf die Bühne zu zwingen und sie nachdrücklich den Nachgeborenen ans Herz zu legen und sie als Unvergesslichkeit zu bewahren. Das Musiktheater hat bis heute wenige vergleichbare Herausforderungen gekannt. Gar keine Frage: Man hat sich ihnen wenigstens einmal im Leben zu unterwerfen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Natürlich kommt in diesem Jahr des Doppeljubiläums von Wagner und Verdi, die gewissermaßen Hand in Hand ihren zweihundertsten Geburtstag begehen, kein Opernhaus der Welt ohne ein dankbares Gedenken an die beiden Übermenschen der Opernliteratur aus. Verdis „Maskenball“ und seinen „Otello“ lässt die Deutsche Oper Berlin zur Feier des Jahres im Februar aufklingen und schiebt von Wagner wie zur Entschuldigung den „Lohengrin“ dazwischen. Schließlich nennt sich das Haus ja „Deutsche Oper“. Da darf Wagner um keinen Preis fehlen. Es grenzt ja beinahe an ein Wunder, dass die Menschheit sich bis auf den heutigen Tag an den Opernwundern nicht sattgehört hat und nach wie vor unablässig nach ihnen verlangt. Sie sind offenbar tatsächlich zeitlos und alterslos. Wen sie einmal in voller Breite erwischt haben, den halten sie ein Leben lang gefangen und geben ihn nicht mehr frei. In dieser Beziehung übertrifft die Oper das Schauspiel bei weitem. Die Schauspielhasen geben sich gern mit einer einzigen angemessenen Aufführung von Lessings „Minna von Barnhelm“ zeitlebens zufrieden. Die Opernhasen dagegen gieren weiter nach ihrer „Tosca“ oder ihrer „Madama Butterfly“ und können sich gar nicht satt an ihnen hören. Prompt stehen beide Puccini-Reißer denn auch im Februar zwei- und sogar dreimal auf dem Spielplan. Die Oper kennt geradezu so etwas Unerbittliches wie eine Liebespflicht ihrem Publikum gegenüber und versucht, sie aufs Angemessenste zu erfüllen. Man kennt diesen Trick weltweit von den angesehensten Restaurants. Wer sich dankbar wiederkehrende Gäste wünscht, der muss zunächst einmal lernen, sie aufs genussreichste zu verwöhnen. Tatsächlich – Verdi wie Wagner sind die wundersamsten musikalischen Küchenchefs aller Zeiten geblieben.


Februar 2013 | Berliner Morgenpost

PA/AKG-IMAGES

NextGeneration

Von Engelchen und Teufelchen

Ewiger Zwiespalt zwischen Gut und Böse: Das Projekt „M & The Acid Monks“ der Schweizer Band The Bianca Story VON JACQUELINE KRAUSE-BLOUIN lia Rediger reibt sich die Hände, Berlin hat ihn in seiner kältesten Phase erwischt. Seine Nase ist schon gerötet; aber er lächelt. Der gnadenlose Winter kann Rediger nichts anhaben, denn es läuft gut. Sehr gut sogar. „Wir leben gerade in der spannendsten Zeit überhaupt!“ wird der Musiker später begeistert zu Protokoll geben. Aber der Reihe nach: Elia Rediger, Sänger und Mastermind der erfolgreichen Schweizer PopBand The Bianca Story, wandelt gerade auf neuen, aufregenden Pfaden. Ins Korsett der typischen Pop-Truppe haben er und sein Künstlerkollektiv sowieso nie gepasst und das Konzept „Album – Tournee – Album – Tournee“ war ihnen schon immer zu langweilig. Die Ex-Kunststudenten verlangen nach mehr, sprengen furchtlos die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen und machen sich selbst zum Gesamtkunstwerk. The Bianca Story, eine eigene Welt, eine eigene Geschichte. Diese führt die Künstler derzeit heraus aus ihrer Heimatstadt Basel an die Deutsche Oper Berlin, wo die Band unter der Regie von Daniel Pfluger ein ungewöhnliches Gastspiel gibt. Das Stück „M & The Acid Monks“ verwischt gekonnt die Grenzen zwischen Theater und Konzert. Basierend auf E.T.A Hoffmanns schaurigem Roman „Die Elixiere des Teufels“, entstand ein Programm in einer ganz eigenen Form. Einfach ein Abend für sich, der nicht weiter definiert werden soll.

E

CooleOper Clayton Nemrow, Schauspieler („Verliebt in Berlin“, „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“) Was manche Leute abstößt, hat mich persönlich an der Oper schon immer fasziniert – die Leidenschaft der Darbietung. Die Oper ist groß. Sie ist Koffein für die Seele. Schon als junger Schauspieler, verloren in New York, war sie für mich ein wichtiges Ventil. Und heute, an der Weggabelung, wo Erfahrung Langeweile trifft und man in ewigen Mustern gefangen zu sein scheint (midlife?) – ist die Oper in all ihrem Chaos wieder da. Wie eine Stimme, die mich daran erinnert, lebendig zu sein. Die Oper ist der Beweis dafür, dass das Leben selbst zu spüren das Wichtigste ist und am Ende über alle Torheiten jkb triumphieren wird. FRIENDS CONNECTION

BM 016 Beschr.: 31.01.13 BM-BL 1 BL 016 Autor: 01-29-2013 gedruckt: bjuelch

Ressort: SONDERTHEMEN

Seite: 016 Status: In Bearbeitung

von: /

Zeit: 14:49 -

8 Deutsche Oper Berlin

Neue Form Die Grenzen zwischen Theater und Konzert sind aufgehoben. „M & The Acid Monks“ basiert auf E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“, hier eine Illustration von Theodor Hosemann (kl. Foto) GREGOR BRAENDLI

Pfluger und Rediger kennen sich bereits seit Jahren aus Schweizer Künstlerkreisen. Gemeinsam haben sie schon öfter kleinere Projekte realisiert, doch dies ist der Höhepunkt der bisherigen Zusammenarbeit. „Daniel fragte uns, ob wir uns vorstellen könnten, einige Songs für diese Produktion zu schreiben“, so Elia Rediger. „Da wir seine Arbeit sehr schätzen, sagten wir sofort zu. Außerdem haben wir eigentlich immer Lust auf Experimente.“ Die Songs sind das Gerüst des Abends, doch hier wird nicht nur einfach eine Popgruppe in ein Theaterstück integriert. Denn auch die Band nimmt eine Rolle ein: Aus The Bianca Story werden

M & The Acid Monks. Aus „Art Pop“ wird „Desert Pop“. So wird subtil das Doppelgänger-Motiv aufgegriffen, das beim Romantiker Hoffmann stets präsent ist. Protagonist M. findet sich im Zwiespalt zwischen Gut und Böse wieder und wird vor lebensverändernde Entscheidungen gestellt. Dieser Ansatz ist es, der Rediger besonders interessiert. „Wir kennen das Gefühl ja alle; ständig müssen wir Entscheidungen treffen und haben auf der einen Schulter das Engelchen und auf der anderen das Teufelchen“, sagt der Künstler, der 1985 in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, geboren wurde. „Einen Fahrradhelm zu tragen, sieht

BerlinPremiere SA, 2. MÄRZ, 20 UHR, IN DER TISCHLEREI

M & The Acid Monks Desert-Pop-Theater von Adapt feat. The Bianca Story nach E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ Regie: Daniel Pfluger. Bühne: Flurin Borg Madsen. Kostüme: Janine Werthman. Video: Fabian Chiquet.

Musik: Fabian Chiquet, Victor Moser, Elia Rediger. Mit: Fabian Chiquet, Joël Fonsegrive, Mario Gremlich, Fabian Guggisberg, Lorenz Hunziker, Victor Moser, Natalina Muggli, Elia Rediger. Weitere Aufführung: 3. März, 20 Uhr. Karten 20/10 Euro

zwar bescheuert aus, schützt uns aber. Diese Balance zwischen ,Richtig und Falsch’ und ,Gut und Böse’ bestimmt unser Leben: Es fängt bei der Bio-Mohrrübe an und hört beim Atomkrieg auf.“ Von der Angst vor falschen Entscheidungen kann bei The Bianca Story allerdings keine Rede sein. Zu mutig, zu risikofreudig ist das Gespann. Man provoziert gerne, eckt schon mal an und bleibt sich trotzdem treu. Dass Elia Rediger in größeren Sphären denkt, bewies er erst im vergangenen Jahr, als er sich mit einer aufsehenerregenden Aktion um das Amt des Basler Stadtpräsidenten bewarb. Immerhin 4000 Basler wollten Rediger als Popstar-Präsidenten. Dem würde es wohl auf Dauer hinterm Schreibtisch zu langweilig werden. Außerdem hat er mit The Bianca Story noch allerhand vor. Die Vermischung verschiedener künstlerischer Disziplinen zu einem Gesamtkunstwerk ist das Ziel der Band. „Leute wie Lou Reed, Robert Wilson oder David Bowie haben da enorme Vorarbeit geleistet, von der wir nun profitieren“, sagt Rediger und legt seinen Schal ab; endlich ist ihm warm geworden. Mit einem Augenzwinkern erklärt er noch: „Übrigens, die künstlerische Weltherrschaft ist gar nicht so daneben.“

Das Opernjournal für den Monat Februar 2013  

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