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Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG Deutschschweiz Ausgabe 7/2011

SRG.D Mitgliederanlass bei den Swiss Indoors 2011: Möchten auch Sie dabei sein? Seite 7

SRG SSR Wahlen: Raymond Loretan wird knapp neuer SRG-Präsident. Seite 8

Publikumsrat «Schawinski»: Ein doppelter «Aeschbacher» in der halben Zeit. Seite 10 Ombudsstelle Politik statt Predigt? Beanstandung gegen «Wort zum Sonntag». Seite 12

Carte blanche Jürg Seiberth: Zerstreute ­Wahrnehmung. Seite 13

«Auf einmal stehst du im Rampenlicht.» Seite 14

Hinter den Kulissen von «Persönlich». Seite 16

SRF macht Bundesbern greifbar Seite 4

Bild: ImagoPress / Patrick Lüthy

Zürich Schaffhausen


SRF

Politik zum Anfassen: Mit dem Grossprojekt «Treffpunkt Bundesplatz» sollte gezeigt werden, dass Politik nichts Abstraktes ist.

SRF-Grossprojekt auf dem Bundesplatz

«Wie bei den alten Griechen» Nach neun Monaten Schweizer Radio und Fernsehen SRF war es an der Zeit für ein erstes medienübergreifendes Projekt des fusionierten Unternehmens: Im Vorfeld der Wahlen wurde der Bundesplatz in Bern in ein grosses Radio- und Fernsehstudio ­verwandelt. «Treffpunkt Bundesplatz» kam gut an – bei den Verantwortlichen, den ­Wählern und auch bei den Politikern selbst. LINK war live dabei. Auf dem Bundesplatz riecht es kurz nach Mittag köstlich. Bei strahlendem Sonnen­ schein geniessen Mitarbeitende von SRF, Politiker und Bürger original Saucisson Vaudois und andere Waadtländer Speziali­ täten. Wer keinen Platz an den Tischen des SRF-Bistros gefunden hat, kauert – den Tel­ ler auf den Knien – im Schatten. Andere balancieren ihr Zmittag mit den Händen, die Augen auf das gläserne Radiostudio

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gerichtet. Sie wollen nichts von der vor Ort produzierten Sendung «Treffpunkt Bun­ desplatz – Das Magazin» verpassen. Und auch nicht von den darauf folgenden. Wer einmal hier ist, bleibt länger.

«Den Spiess umdrehen» Während zehn Tagen fühlen Radio- und Fernsehmoderatorinnen und -moderato­ Ausgabe 7/2011

ren den bei den diesjährigen Nationalund Ständeratswahlen kandidierenden Po­ litikern und ihren Parteien auf den Zahn. Dies direkt im politischen Zentrum der Schweiz, mitten auf dem Bundesplatz, im eigens dafür errichteten Container-Village, das aus einem Fernseh- und einem Radio­ studio, einem Infostand sowie einer ­­ Foto- und Videobox besteht. Neben Dis­ kussionen, politischem Hintergrund und


Die Idee zu dem gemeinsam von Radio und Fernsehen organisierten Grossprojekt «Treffpunkt Bundesplatz» kam erstmals Ende 2010 auf, sagt Projektleiter Peter ­Lippuner. Zwar habe es auch vor früheren Abstimmungen so genannte Vorwahlsen­ dungen gegeben, doch bislang mussten die Politiker dafür in die Landesstudios reisen. «Dieses Mal wollten wir den Spiess umdrehen – und zu den Politikern kom­ men.» Die Entscheidungsträger von SRF seien sofort von dem Projekt überzeugt gewesen. Denn die dafür notwendige enge Zusammenarbeit von Radio, Fernse­ hen und Online verleiht dem abstrakten Begriff der Konvergenz ein Gesicht.

«Treffpunkt Bundesplatz» am 19. September noch im Aufbau.

Co-Projektleiter Alexander Sautter (Radio) und Projektleiter Peter Lippuner ­(Fernsehen, rechts).

Unterhaltung präsentieren die geladenen Kantone im täglichen Wechsel kulinari­ sche sowie kulturelle Spezialitäten. Heute hat die Westschweiz ihre Zelte auf dem Platz vor dem Bundeshaus aufgeschlagen. Direkt daneben wirbt die SVP um Wähler­ stimmen. Morgen werden es Freiburg, Jura und Neuenburg sowie die Partei CSP sein.

Diskutieren Sie mit! «Treffpunkt Bundesplatz»: Verschwen­ dung von öffentlichen Geldern oder Service public, wie er sein muss? Ihr Feedback zum Grossprojekt interessiert uns – diskutieren Sie im Mitgliederforum mit unter www.srgd.ch > Forum (Login erforderlich).

Damit während der zehn Tage alles rei­ bungslos funktioniert, mussten alle Beteilig­ ten in den vergangenen neun Monaten Hand in Hand arbeiten: Der pensionierte TV-Journalist Lippuner kehrte eigens für «Treffpunkt Bundesplatz» in den Beruf ­zurück. Er koordinierte die Vorbereitungen, unterstützt von ­Co-Projektleiter Alexander Sautter (Radio), dem stellvertretenden ­Radio-Chefredaktor Peter Bertschi sowie den Fernsehleuten Dominik Stroppel und ­Silvan Lerch. Die Berner Eventagentur ­Appalooza steuerte ihrerseits ihr organisa­ torisches Know-how bei. Und die Mitarbei­ tenden der technology and production center switzerland ag (tpc) sorgen auch noch während der Veranstaltung dafür, dass die Technik funktioniert. Über 50 Personen sind täglich vor Ort. «Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist keine einfache Aufgabe», sagt Sautter. «Denn die Bedürfnisse der einzelnen Mit­ streiter sind ganz unterschiedlich.» So hät­ ten sich beispielsweise die TV-Designer ei­ nen Holzboden für das Studio gewünscht. Die Radiomacher hingegen befürchteten, dass darauf jeder einzelne Schritt zu ­hören sei und stören würde. Heute ziert ein roter Teppich mit Schweizer Kreuz den Studioboden. «Konvergenz heisst eben auch, wie in einer guten Beziehung ­Kompromisse einzugehen», so Sautter. Ausgabe 7/2011

Lieber früher als später: Stimmbürger der Zukunft machen sich im «Zambo»-Studio politisch schlau.

Heute auf dem Bundesplatz-Menü: original ­Saucisson Vaudois und Politik auf allen Kanälen.

Bilder: ImagoPress / Patrick Lüthy

Bild: ImagoPress / Patrick Lützy

Gelebte Konvergenz

LINK-Autorin Fee Riebeling sucht Antworten beim SVP-Politiker Oskar Freysinger.

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srf ­ eter Lippuner ergänzt: «Das Verständnis P für das jeweils andere Medium wächst – auch während des Projekts.»

Für die beiden Koordinatoren ist die Ar­ beit mit Abschluss der Planung noch lan­ ge nicht getan. Zwar liegt die heisse Phase hinter ihnen, doch trotzdem müssen sie tagtäglich auf dem Bundesplatz präsent sein – teilweise von fünf Uhr in der Früh bis in die Nacht. Denn so lange senden Radio und Fernsehen. Und währenddes­ sen können jederzeit Fragen auftauchen oder verbesserungswürdige Dinge ins Auge fallen: Bei einem Rundgang regist­ riert Alexander Sautter beispielsweise, dass die Tür zum gläsernen Studio quietscht: «Sie sollte repariert werden.» Von den Aktivitäten im Hintergrund be­ kommen die Besucher der Veranstaltung kaum etwas mit. Für sie zählt lediglich das, was auch aus Sicht der Verantwortlichen in den letzten beiden Septemberwochen im Vordergrund steht: die Politik. Nicht nur können sie hier die Wahlkampfbemühun­ gen der Parteien vor Ort live verfolgen, sondern diese auch im Fernsehen und ­Radio nochmals erleben oder das Ganze online kommentieren. Nach dem Auftritt von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli bei

«Konvergenz heisst eben auch, wie in einer guten Beziehung Kompromisse einzugehen.» (Sautter). Im Bild Mario Torriani, DRS 3, und ein tpc-Kameramann.

DRS 3 geht es auf Facebook, Twitter und YouTube hoch her. Dank der konvergenten Möglichkeiten können sich die Bürgerin­ nen und Bürger direkt am politischen ­Diskurs beteiligen.

Positive Reaktionen Auch Gymnasiastin Jenny Bruder, die ge­ meinsam mit ihren Klassenkameraden am Morgen das Bundeshaus besucht hat, nutzt diese Chance: Sie hat die Fotobox für sich entdeckt und lässt sich zusammen mit ihrer Freundin mit den dort ausliegenden Statements fotografieren. Obwohl sie laut

eigener Aussage bisher nur wenig ­Ahnung von Politik hat, hält sie das «L’état, c’est moi»-Schild hoch. Ihr Urteil: «Treffpunkt Bundesplatz senkt die Hemmschwelle und macht Bundesbern greifbar. Das finde ich super.» Die anderen Besucher blasen ins gleiche Horn. Ebenso die Parteien. Nur eine hätte sich im Vorfeld negativ über das Grossprojekt geäussert, sagt Peter ­Lippuner: In einem Communiqué schimpf­ te die SVP, die Partei des heutigen Tages, «Treffpunkt Bundesplatz» als eine «Ver­ schwendung von öffentlichen Geldern». Doch so schlecht könne das erste gemein­ same Baby von Radio und Fernsehen nicht sein. Schliesslich zeigte sich SVP-­ Nationalrat Oskar Freysinger vor Ort rest­ los begeistert: Demokratie pur sei das, was SRF in Bern ermögliche: «Damit folgt das Schweizer Radio und Fernsehen den Tra­ ditionen der alten Griechen.» Denn in der Antike hätte Politik auch auf freien Plätzen stattgefunden. Es scheint, SRF hat alles richtig gemacht. Fee Riebeling

Hinweis für Mitglieder

«L’état, c’est moi»: Gymnasiastin Jenny Bruder (rechts) mit Freundin in der Fotobox auf dem ­Bundesplatz.

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Ausgabe 7/2011

Weitere Fotos vom Bundesplatz befinden sich in der ­Fotogalerie unter: www.srgd.ch > ­Mitgliedschaft > Fotogalerie (Login ­erforderlich).

Bilder: ImagoPress / Patrick Lüthy

Mittendrin statt nur dabei

LINK 7/11 - Hauptstory Treffpunkt Bundesplatz  

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