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Magazin der SRG Deutschschweiz Ausgabe 5/2012

Trainingslager f端r Sonderkorrespondenten Seite 6

SRG.D Mit der SRG.D an die Swiss Indoors 2012

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SRG Region Basel Die Swissness-Schiene von SRF wird hinterfragt

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SRG Z端rich Schaffhausen Mit Sportpromis auf Du und Du

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Bild: Eurovision Academy / Reinhold Weinretter


Editorial

Sich nicht nur auf den Instinkt verlassen

Bild: SF /Oscar Alessio

Die Erwartungen an Fernseh- und Radiokorrespondenten in Kriegs- und Katastrophengebieten sind enorm. Nur durch ihre Augen und Ohren wissen wir, was sich vor Ort wirklich abspielt. Für die Wahrheit setzen Korrespondentinnen und Korrespondenten ihr Leben aufs Spiel. Immer wieder war in den letzten Jahren und Monaten in den ­Medien vom Tod von Medienschaffenden in Kriegsgebieten zu lesen und zu hören, ­aktuell vor allem in Syrien.

Pernille Budtz.

Man fragt sich: Wie können sich Korrespondentinnen und Korrespondenten auf ihre Einsätze in Krisengebieten vorbereiten? SF-Korrespondent Pascal Weber hat sich ­bisher ausschliesslich auf seinen Instinkt verlassen. Damit soll jetzt Schluss sein. LINK hat ihn und eine Handvoll Sonderkorrespondenten aus ganz Europa an einem Sicherheitskurs der Eurovision Academy der European Broadcasting Union (EBU) ­begleitet. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen: Weil der Kurs von Überraschungs­ momenten lebt, bleiben die Details der Öffentlichkeit vorenthalten. Lesen Sie den ­Bericht auf Seite 6 – 8.

Inhalt

Bild: Fee Riebeling

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Forum/Kommentar DAB+-Update: Die Regis kommen – Schritt für Schritt

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Facebook SRG.D/Wettbewerb Wenn Rap auf Schlager trifft – die Interviews SRF Sonderkorrespondenten aus ganz Europa: So bereiten sie sich auf ihre Arbeit in Krisengebieten vor

9 SRG.D Swiss Indoors 2012 – die SRG.D ist wieder dabei: Verlosung für Mitglieder 10 SRG Region Basel Verschiedene Stimmen, ein Standpunkt: Die Swissness-Schiene von SRF unter der Lupe

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20 Bild: ImagoPress / Patrick Lüthy

10 Bild: iStockphoto.com

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12 SRG Zürich Schaffhausen Nah dran: Talk-Runde mit Barbara Colpi, Stefan Bürer und Rainer Maria Salzgeber 13

Publikumsrat SF zwei: SRF punktet mit der Super League «Kassensturz» und «Espresso»: Nützliche Tipps für den Alltag SF 1: Unterhaltende «g&g» Neue Gesichter im Publikumsrat

16 Ombudsstelle Können Kinder die Weltgeschichte in Fiktion einordnen? 18

SRG Zentralschweiz «SRG-Landsgemeinde»: Visionen für eine moderne SRG Zuger Messe 2012 – mit vergünstigtem Eintritt

LINK 5/2012

19 SRG Ostschweiz Dokumentarfilmer Friedrich ­Kappeler an der Preisverleihung des Ostschweizer Radio- und Fernsehpreises geehrt. 20 SRG Bern Freiburg Wallis Mit dem Radio am Stammtisch im «Doppelpunkt Forum» 21 Regional kreuz und quer 22 SRG Aargau Solothurn So ändert Social Media die Arbeit der Medienschaffenden 23 Carte blanche Franz-Xaver Risi: «Ich will das nicht!» 24 Agenda


aktuell

Bild: Keystone / Jean-Christophe Bott

Vorerst keine Onlinewerbung für die SRG

Keine SRG-Onlinewerbung, das publizistische Angebot darf aber erweitert werden.

Die Entscheidung ist gefallen: Der Bundesrat sieht angesichts der positiven Entwicklung der Werbeerträge in den letzten zwei Jahren zurzeit noch keine Notwendigkeit, der SRG SSR Werbung auf ihren Internet­ seiten zu gestatten. Grundsätzlich hält der ­Bundesrat aber an seiner 2010 formulierten Haltung fest, dass die SRG mittelfristig im

I­nteresse der Gebührenzahlenden auch im Internet kommerziell tätig sein muss. Er werde daher die finanzielle Situation der SRG im Auge behalten.Vorerst soll diese Lösung es den Verlegern aber erleichtern, sich im Internet wirtschaftlich zu entfalten. Der SRG sollen allerdings mehr publizistische Möglichkeiten im Internet eingeräumt werden, damit sie auch künftig die Bedürfnisse des Publikums erfüllen und sich im internationalen Umfeld behaupten kann. So soll die SRG innerhalb eines klar umgrenzten Spielraums auch nicht sendungsbezogene Inhalte auf ihren Internetseiten anbieten können. Der Bundesrat hat nun das UVEK beauftragt,Vorschläge für eine Konzessionsänderung und für die Einsetzung einer nationalen Medienkommission auszuarbeiten. Sowohl die Verleger wie auch die SRG zeigten sich mehrheitlich zufrieden mit dem Bundesratsentscheid. Iso Rechsteiner, Leiter Kommunikation der SRG SSR, sprach gar von einem «salomonischen Entscheid».

SRG SSR verlängert Sportverträge Die SRG SSR hat sich für die kommenden Jahre die Übertragungsrechte für diverse Sportveranstaltungen gesichert: Die Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) wurde bis 2014 verlängert und auch die Übertragungsrechte für die UEFA Champions League und die UEFA Europa League wurden bis 2014/15 gesichert. Eishockey- und Leichtathletik-Fans kommen bei der SRG ebenfalls weiterhin auf ihre Kosten. Mit Weltklasse Zürich wurde die Vertragspartnerschaft bis 2016 verlängert, mit der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) sogar bis 2016/2017.

Die vom Bundesrat vorgeschlagene Radiound Fernsehabgabe für alle hat sowohl Befürworter als auch vehemente Gegner. Dies zeigt die Vernehmlassung zur Teilre­ vision des Radio- und TV-Gesetzes. Die SP und die CVP befürworten das geplante neue System. Es diene dazu, den Service public auch unter veränderten technologischen Voraussetzungen langfristig zu sichern. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ist ebenfalls einverstanden, verlangt aber eine soziale Abstufung der Gebühren,

vorzugsweise nach steuerbarem Einkommen. Die FDP, die SVP und andere rechtsbürgerliche Kreise sind gegen das neue System. Der Wirtschaftsdachverband ­Economiesuisse und die Stiftung für Konsumentenschutz fordern weiterhin die Möglichkeit, sich bei Nichtkonsum von der Abgabe zu befreien. Auch einzelne Kantone haben sich bereits geäussert: Die Aargauer und die Solothurner Regierung begrüssen den Systemwechsel, der Zürcher Regierungsrat lehnt ihn ab.

Bild: SRF / Matthias Willi

RTVG-Revision: Durchmischte Reaktionen in der Vernehmlassung

Sportfans kommen bei der SRG SSR auch ­ weiterhin auf ihre Kosten.

Jede Woche Aktuelles rund um die SRG SSR: Abonnieren Sie jetzt den elektronischen Newsletter «Inside SRG SSR» unter www.insidesrgssr.ch

impressum

Ausgabe 5/2012 (Oktober 2012), erscheint sechs Mal jährlich Verantwortlich: SRG Deutschschweiz, Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb) Redaktion: Pernille Budtz (pb), Jasmin Rippstein (jr) Erweiterte Redaktion: Isabelle Bechtel, Ursula Brechbühl, Cathérine Engel, Monika Gessler, Daniela Palla,Therese Rauch

Mitarbeitende dieser Ausgabe: Achille Casanova, Fabian Gressly, Alexandra Hänggi, Walter Hofstetter, Denise Looser Barbera, Patricia Diermeier Reichardt, Fee Riebeling, Franz-Xaver Risi, Oliver Schaffner Kontakt: SRG Deutschschweiz, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich, Tel. 044 305 67 03, link@srf.ch, www.srgd.ch Gestaltung/Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH LINK 5/2012

Druckvorstufe: Küenzi & Partner, Langnau/ZH Korrektorat: Ingrid Essig, Winterthur Druck: galledia ag, Berneck Auflage: 15 687 Expl. (WEMF-beglaubigt)

SC2012092401 (swissclimate.ch)

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Forum

«Wenn auch die Regionaljournale über DAB+ empfangbar sind, werde ich begeistert sein» «Ich finde DAB+ ein sehr gutes Angebot. Was allerdings (noch) fehlt, sind sehr ­kleine ‹Taschen›-Geräte, die Verbreitung der Regionalprogramme und last but not least der Empfang ausländischer Radioprogramme (wie zum Beispiel Bayrischer Rundfunk oder BBC) sowie eine bessere Empfangbarkeit in gewissen Räumen.»

«Ich benutze im Büro DAB+, aber auch UKW über ein Portabelgerät. Ich stelle ­dabei fest, dass das DAB+-Empfangssignal zeitweise sehr schwach ist. Das DAB+-Gerät muss genau ausgerichtet sein, sonst fällt das Signal aus. UKW hat hier nach wie vor Vorteile.» Ernst J. Rast, Horw

Bild: Melectronics/ MCDT

Lucien Michel, Solothurn

«Ich muss Aussagen wie ‹eine bessere Tonqualität› bislang leider ablehnen. Für Leute, die in den Bergen leben, ist Radiohören via UKW bislang recht gut möglich. Doch über DAB ist ausser einem gelegentlichen Knacken nichts zu hören. Da bleibt noch viel zu tun, bevor darüber gesprochen werden kann, UKW endgültig durch DAB beziehungsweise DAB+ zu ersetzen.»

Zwischenfazit gefragt: Überzeugt die neue Radio-Empfangstechnologie DAB+?

Ab 17. Oktober 2012 sind sämtliche Digitalradio-Programme der SRG SSR auf DAB+ empfangbar. DAB+ wird DAB und UKW ablösen. LINK fragte im Mitgliederforum nach einem Zwischenfazit der Mitglieder und ihren Erfahrungen mit DAB und DAB+. Hier einige Kommentare aus dem Forum:

Peider Curdin Jenny, Obstalden

«Gerne würde ich beispielsweise die ­Radioprogramme von Schweizer Radio DRS in einem Raum über DAB und in ­einem anderen Zimmer über UKW hören. Der zeitverschobene Empfang der beiden Systeme ist aber derart gross, dass ich mich entscheiden muss, was ich will. In Frage kommt dann nur ein Empfang über UKW auf beiden Geräten.» Alfred Wihler, Zürich

«Seit rund einem Monat benutze ich DAB+ auch im Auto. Ich bin von der guten Em­pfangsqualität überrascht. Sobald auch die Regionaljournale über DAB+ empfangbar sind, werde ich sogar begeistert sein.» Urs Hess, Laupen

Experten beantworten Ihre Fragen rund um DAB+ Werden über DAB+ auch ausländische Radioprogramme empfangbar sein? ­Brauchen DAB-Geräte mehr Strom als UKW-Radios? Wann kann man auch in den Bergen DAB+-Radio hören? Und wann kommen die Regionaljournale auf DAB+? Lesen Sie im Mitgliederforum die Antworten der DAB-Experten auf diese und andere Fragen und diskutieren Sie mit unter www.mitglied.ch > Forum > ­Radio > Technik (Login erforderlich).

Die Regis kommen – Schritt für Schritt Am 17. Oktober 2012 wird DAB schweizweit von DAB+ abgelöst. Begleitet wird dieser Umstieg mit einem partiellen ­Parallelbetrieb von DAB und DAB+, der bis Ende 2015 dauert. Am 1. Dezember 2012 beginnt zudem für drei der sechs Regionaljournale der SRG SSR die schrittweise Verbreitung über DAB+. Sie wird die UKW-Verbreitung nicht ablösen, ­sondern parallel dazu erfolgen. Die flächendeckende Einführung des Regio­naljournals auf DAB+ ist ein

ä­ us­serst komplexer Vorgang. Aus diesem Grund kann dieser nur in gestaffelten Schritten erfolgen. Die Verbreitung der Regionaljournale auf DAB+ beginnt in der grössten Agglomeration der Deutschschweiz mit den ­Regionaljournalen Zürich Schaffhausen, Aargau Solothurn und Ostschweiz. Die Verbreitung wird anschlies­ send sukzessive in die anderen Regionen ausgedehnt. Insgesamt ist für die Ein­ führung aller Regionaljournale auf DAB+ eine Zeitspanne von rund zwei Jahren vorgesehen.

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LINK 5/2012

Auf der Webseite www.digitalradio.ch können Sie sich ab 1. Dezember 2012 über den Stand der Verbreitung informieren: Auf der digitalen Versorgungskarte können Sie nach Eingabe der Postleitzahl Ihres Wohnorts ablesen, ob der gewünschte Regionaljournal-Empfang in Ihrer Region bereits aufgebaut ist. Ausserdem informiert der elektronische Newsletter «Inside SRG SSR» (abonnieren unter www.insidesrgssr.ch) regelmäs­ sig über den Stand der Verbreitung. jr


facebook SRg.d

Wettbewerb

Wenn Rap auf Schlager trifft: Die Interviews

SRG-Wissensfragen

Was passiert, wenn ein junger Rapper auf eine Schweizer Musiklegende trifft – und beide einen Hit des anderen covern müssen? Dieser Frage ging die SRG Deutschschweiz auf ihrer Facebookseite nach.

Karten für «Benissimo» zu gewinnen!

Mit ihren Radiosendern ist die SRG SSR jederzeit in der Lage, die Bevölkerung sofort zu erreichen. Wie heisst dieses Informations­ angebot, das bei Krisen und Katastrophen­ (ohne Sirenenalarm) verwendet wird?

Bild: SRF

A: Amaro B: Emare C: Icaro

In der Sommerserie «Cover Me» prallten Welten aufeinander: In jeder Folge mussten ein Rapper und eine Schweizer Musik­ legende innert Wochenfrist einen Hit des anderen neu interpretieren. Dabei wusste keiner im Vorfeld, auf wen er treffen wird oder welchen Song er covern muss. Auf ­ihrer Facebookseite (www.facebook.com/ srgdeutschschweiz) gewährte die SRG.D exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Für die beteiligten Rapper und Musik­ legenden war «Cover Me» ein einmaliges ­Erlebnis. «Ich hatte sofort Bock, mitzumachen», verriet Rapper Greis im Interview mit der SRG.D. Er habe durch die Sendung aber erkennen müssen, «dass ich noch ­weniger über Musik weiss, als ich dachte. Und dass ich musikalisch noch in den Kinderschuhen stecke, obwohl ich mich als Rapper zu den Besten zähle». Auch Schlagersängerin Maja Brunner zeigte sich vom Format begeistert: «Die Frage war nicht, ob ich es machen will, sondern nur wie». Denn Maja Brunner stand vor einer besonders schwierigen Aufgabe. Sie sollte ein Lied der «Mundartisten» covern, welches die vier Rapper – darunter auch ­«Cover Me»-Moderator Knackeboul – i­hrem verstorbenen Freund Chrigu gewidmet ­haben. «Ich war nach Anhören des Liedes

tief berührt und irgendwie auch geschockt», erinnerte sich Brunner. «Am Freitag hörte ich das Lied zum ersten Mal und ich hatte bis Montagmorgen Zeit, mir zu überlegen, was ich damit machen wollte. Am Sonntagabend war ich fix und fertig und entschlossen, SF mitzuteilen, dass ich meine Teilnahme am Projekt zurückziehen muss. Das ganze Wochenende hatte ich an Chrigu, seinem Schicksal, dem Lied und meiner Aufgabe ‹umeghirnet›. Ich kam zu keinem Ergebnis, wie ich diese Geschichte musikalisch und textlich würdig und ange­ messen umsetzen konnte.» Mit Hilfe von Musikproduzent Georg Schlunegger ist schliesslich die Cover-­ Version «Ich nehme dich mit» entstanden. Und: Durch «Cover Me» hat Maja Brunner erkannt, «dass Menschen, die auf den ­ersten Blick nicht gegensätzlicher sein könnten, das gar nicht sind. Wir haben eine gemeinsame Liebe und das ist die Musik. Egal, welche Richtung». jr

Alle Interviews finden sich unter:

Bild: iStockphoto

Schlagersängerin Maja Brunner traf bei «Cover Me» auf die Langenthaler Rapper «Mundartisten» – darunter auch «Cover Me»-Moderator Knackeboul (rechts) – und eine bewegende Geschichte.

Auflösung und Gewinnerin aus LINK 4/12 Während eine Privatfirma Qualitätskriterien relativ autonom definieren kann, gelten für die SRG als öffentliches Unternehmen andere ­Regeln. So nennt die Konzession vier über­geordnete Qualitätsdimensionen: ­Relevanz, Glaubwürdigkeit,Verantwortungs­ bewusstsein und journalistische Professiona­ lität. Claire Dürrmüller aus Ittigen gewinnt zwei Karten für die Live-Sendung «Benissimo»!

Talon bis 7. November 2012 einsenden an: SRG Deutschschweiz, Redaktion LINK, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich Wie heisst das SRG-Alarmmeldesystem in Krisensituationen?

www.srgd.ch > Medienportal > Social Media. Die Folgen und Cover-Versionen sind abrufbar unter www.coverme.srf.ch

Name/Vorname:

LINK 5/2012

PLZ/Ort:

Strasse/Nr.:


Bild: Eurovision Academy /Reinhold Weinretter

SRF

Theorie und Praxis: Beim «Hostile Environment Safety Training» wird gerade Gelerntes direkt umgesetzt.

Vorbereitung der Sonderkorrespondenten für die Front

Sicherheitstraining für den Ernstfall Journalisten, die aus Krisengebieten berichten, stehen konstant unter Druck, denn oft müssen sie bei der Ausübung ihres Berufs um ihr Leben fürchten. Ein spezielles Training bereitet Korrespondenten wie den SF-Nahost-Experten Pascal Weber darauf vor. 45 Kilometer südwestlich der bayrischen Stadt Regensburg zeigt sich der September an diesem Morgen von seiner ungemütlichen Seite. Der Nebel hängt tief, das Gras ist noch immer feucht vom ­Regen in der Nacht. Auch die zehn Grad ­Celsius auf der Thermometeranzeige veranlassen kaum dazu, früh aus den Federn zu steigen. Trotzdem herrscht auf Schloss Hexenagger bereits reges Treiben. Denn um 8.45 Uhr ­beginnt der zweite Tag des insgesamt viertägigen «Hostile Environment Safety Training». Acht Journalisten sind angetreten, um mehr über das ­Überleben im Einsatz zu lernen. Dass am Nachmittag brennende

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Flaschen ­fliegen werden, ahnen sie nicht. Denn die Details des Kurses sind geheim: Ehemalige Kursteilnehmende und Medien dürfen keine Einzelheiten verraten, damit der Überraschungseffekt für künftige Kurse noch intakt bleibt. Auch LINK darf in diesem Bericht nicht alles preisgeben.

Journalisten leben gefährlich Der speziell auf die Bedürfnisse von ­Auslandskorrespondenten zugeschnittene Kurs wird seit 2002 mehrmals jährlich in Bayern durchgeführt – dies im Auftrag der Eurovision Academy, um die Journalisten LINK 5/2012

zu sensibilisieren und auf mögliche Gefahren vorzubereiten. Das ist wichtig, denn: «Viele unterschätzen im Eifer des Gefechts die Risiken», sagt Charlie McGrath, der das Training entwickelt hat und bis heute leitet. Dabei seien gerade die vermeintlich harmlosen Situationen die schlimmsten (siehe Interview Seite 7). Diese falsch einzuschätzen, könne in K ­ risen- und Kriegsgebieten den Tod b ­ edeuten. Wie gross die Gefahr für Journalisten ist, während der Ausübung ihres Berufs zu Schaden zu kommen, zeigen die Zahlen von «Reporter ohne Grenzen»: So wurden


Kontrollposten sind nicht nur in Krisen­ gebieten Usus, sondern werden auch bei Naturkatastrophen wie dem Hurrikan ­Katrina und immer häufiger bei Massenaufläufen wie Demonstrationen errichtet. In den nächsten zwei Stunden erklärt Kursleiter Charlie McGrath, was die Korrespondenten beim Passieren dieser neuralgischen Punkte beachten müssen.Videosequenzen von realen und fiktiven Szenen unterstützen seinen Vortrag.

Wissen statt Bauchgefühl

Auch Pascal Weber und seine Kommilitonen auf Zeit kommen zu Wort. Erst kürzlich, so berichtet der Schweizer, hätte er Schwierigkeiten gehabt, als er von Libyen nach Ägypten reisen wollte. «Die haben behauptet, mein Pass sei falsch.» Erst nach längeren Diskussionen habe man ihn und seinen Fahrer passieren lassen. «Könnte das eine versteckte Geldforderung gewesen sein?», fragt Alice Petrén, die für den schwedischen öffentlich-rechtlichen Sender Sverige Radio aus Frankreich, Spanien und Portugal berichtet. Einen Geldschein zu zücken, habe sie sich bisher nämlich nicht getraut – «aus Angst, wegen Bestechung belangt zu werden.» McGrath nickt und sagt: «No golden rules, just tips», ein Patentrezept gäbe es nicht. Schliesslich sei jede Situation unterschiedlich.

Auch Pascal Weber ist sich der Gefahr bewusst, der er sich als Nahostkorrespondent von Schweizer Fernsehen SF derzeit aussetzt, und ist deshalb froh, in diesem Jahr an dem Sicherheitstraining teilzunehmen. «Ich hätte den Kurs schon längst ­machen wollen. Aber es ist immer etwas dazwischengekommen», so Weber. «Das erste Mal musste ich an die ägyptisch-libysche Grenze, weil dort die Revolution ausge­ brochen war. Das zweite Mal fiel Tripolis und die Jagd auf Gaddafi war in vollem Gang.» So musste er seine Teilnahme erneut verschieben und sich bis heute bei der Vorbereitung auf seine Einsätze auf seinen Instinkt verlassen. Sicher sein, dass er sich dabei jeweils richtig verhielt, konnte er nicht. Das soll sich nun ändern. Weber und seine Kollegen aus Deutschland, Tschechien und Schweden haben sich bereits einige Minuten vor Unterrichtsbeginn im so genannten Marstall von Schloss Hexenagger eingefunden. Dort, wo in früheren Jahrhunderten die fürst­lichen Rösser versorgt wurden, stehen heute Tische in U-Formation. Dahinter: ­eingeschaltete Heizstrahler. Ein Muss an diesem Morgen, denn durch das alte Gemäuer zieht ein eisiger Wind. Ein Beamer wirft das Thema der ersten Lektion an die Wand. Es geht um Checkpoints. Gemäss Charlie McGrath «ein heikler Punkt bei ­Reisen im Ausland.»

«No golden rules, just tips» Und genau damit sind Journalisten in zunehmendem Masse konfrontiert. Denn die

Von Profis lernen Der Brite weiss, wovon er spricht. 15 Jahre diente er in der britischen Armee in ­Nordirland, Afrika und Zentralamerika ­sowie dem Nahen Osten. Auch seine drei Co-Trainer haben Fronterfahrung: So berichtete Robert Adams beispielsweise live aus dem Jugoslawien- und dem Afghanistankrieg, während Kollege Nick Mitglied der British Special Forces war und heute eine eigene Sicherheitsfirma leitet. Die Schönen und Reichen, aber auch Journa­ listinnen und Jour­nalisten des britischen Fern­sehsenders BBC vertrauen ihm bei ­Auf­enthalten in Mexiko oder Kolumbien ihr Leben an. Nach Charlie McGrath übernimmt Grant Wootton den Unterricht. Auch er ist nach LINK 5/2012

Bild: SRF /Oscar Alessio

im Jahr 2011 weltweit insgesamt 1959 Journalisten angegriffen oder bedroht, 1044 weitere festgenommen. Opfer einer Entführung waren 71 Medienschaffende, 66 wurden getötet, 20 von ihnen verloren infolge des Arabischen Frühlings im ­Nahen Osten ihr Leben. Und auch die ­momentane Situation für Journalisten in der Region ist alles andere als angenehm, denn die Wut über den MohammedSchmähfilm eskaliert immer weiter.

Reto Kohler.

«Die vermeintlich ­harmlosen ­Situationen sind die gefährlichsten» Die Arbeit in Krisengebieten kann gefährlich sein. Das weiss «10vor10»-Reporter Reto Kohler aus eigener Erfahrung. Er berichtete ­unter anderen aus einem Slum in Mexiko sowie während der ­Revolution in Ägypten. Letztes Jahr hat er am «Hostile Environment ­Safety Training» teilgenommen. LINK: Welche Erwartungen hatten Sie an den Kurs? Ich wollte von Profis lernen. Und zwar vor allem, wie ich mein Verhalten bei brenzligen Einsätzen verbessern kann. Was war das Lehrreichste für Sie? Dass die vermeintlich harmlosen Situationen tatsächlich die gefährlichsten sind. Mir wurde vor Augen geführt, dass auch ich bestimmte Risiken bis dato unterschätzt habe. Beispielsweise bin ich in Ägypten bei einem bekifften Taxifahrer eingestiegen. Dass er stoned war, merkte ich erst während der Fahrt. Bei Tempo 100 verschickte der Fahrer SMS und ­geriet dabei auf die Gegenfahrbahn. Im Kurs lernte ich denn auch, dass von ­Autounfällen statistisch gesehen die grösste Gefahr ausgeht. Wenn Sie in Zukunft wieder in ein Krisengebiet reisen: Was wird anders sein? Ich werde mich intensiver vorbereiten, mehr im Vorfeld abklären. Ich werde keine Informationen zu meiner Reise auf sozialen Netzwerken wie Facebook posten. Ausserdem würde ich bei der Hotelwahl bewusster vorgehen. Denn die grossen Hotels, in denen viele Journalisten untergebracht sind, sind immer wieder Ziel von Anschlägen.

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Fee Riebeling.


SRF

13 Jahren bei der britischen Armee ein ­erfahrener Mann: Er sorgte an der Front dafür, dass Schwerverletzte überlebten. Im Kurs erklärt er, wie die Teilnehmer Verletzungen rasch ausmachen, versorgen und so Leben retten können, dies mit Worten und bewegten Bildern. Um zu zeigen, ­welchen Einfluss die Körperposition auf den Blutdruck hat, lässt er Journalist Jakub Nettl (Ceská televize) zur Demonstration ­antreten. «If he’s pale, move up his tail», so Wootton. Und tatsächlich: Kaum liegt der Tscheche mit hochgelagerten Beinen auf dem Boden, pumpt das Blut in seiner Halsschlagader deutlich und für alle sichtbar.

Vier Augen sehen mehr als zwei: Pascal Weber filmt, Kollege Jakub Nettl weist ihm den Weg.

Spätestens wenn Molotowcocktails fliegen, sollten Journalisten Reissaus nehmen.

Bilder: Fee Riebeling

Praktische Übungen Das gerade Gelernte wird noch vor dem Mittagessen praktisch umgesetzt. Nach ­einer kurzen Kaffeepause, in der persönliche Erfahrungen zwischen den Kursteilnehmenden und den Ausbildenden ausgetauscht werden, sollen die Journalisten versuchen, in verschiedenen Szenarien Leben zu retten. Sie merken schnell, dass das aufgrund von Unerfahrenheit, Nervosität und Berührungsängsten schwieriger ist als gedacht. Mehr als einmal müssen Charlie McGrath und seine Kollegen die Übungen abbrechen. Denn das «Opfer» hätte auf-

grund der zu zaghaften Rettungsversuche nicht überlebt. Sie begründen dies den Medienschaffenden, zusammen mit nachvollziehbaren Verbesserungsvorschlägen. Mit einer heissen Lauchsuppe im Magen stürzen sich Pascal Weber und seine Kollegen nach dem Mittagessen in die nächste Übung. Sie sollen in einen Ort im erdachten Boziagharia reisen und dort einen Korrespondentenbeitrag drehen. Was sie nicht wissen: Die Anforderungen sind dieses Mal höher. So zeigt sich die Lage vor Ort zunächst unübersichtlich. Die «Einwohner» zeigen sich über die neue Situation ganz und gar nicht erfreut. Für die Journalisten bedeutet das: filmen, spontan reagieren – und gleichzeitig das neue Wissen anwenden. Doch als nach und nach Licht ins Dunkel des ersonnenen Szenarios kommt, fliegen plötzlich «Molotowcocktails» und «Pflastersteine». Am Ende kommen alle mit dem Schrecken davon.Vor allem deswegen, weil es nur eine Übung war. Die abschliessende Feedbackrunde ist ausführlich und schonungslos. Denn: Damit sich die Korrespondenten im Ernstfall richtig verhalten, müssen sie wissen, was noch ausbaufähig ist. Fee Riebeling

Das Korrespondentennetz von Schweizer Fernsehen SF Zehn Korrespondenten berichten für Schweizer Fernsehen SF. Sie sind dauerhaft in New York, Washington, Moskau, Brüssel, Berlin, Rom, Paris, London, ­ Kairo und Peking stationiert. Zusätzlich werden zu besonderen Ereignissen, wie den Olympischen Spielen oder auch ­Aufständen, Sonderkorrespondenten ­geschickt. Und auch freie Mitarbeiter ­liefern ihre Beiträge. Mit ihnen arbeitet SF jedoch nur punktuell zusammen. Ob ein Reporter in ein Krisengebiet fährt oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.

«Wir zwingen niemanden», sagt Tristan Brenn, Nachrichtenchef und stellvertretender Chefredaktor TV, der für die publizistische Koordination der Korrespondenten verantwortlich ist. Zudem ­schicke man nie jemanden in ein unmittelbares Kriegsgebiet. «Ein Menschenleben ist mehr wert als ein gutes Bild oder O-Ton.» Und so ist auch Syrien für die Korrespondenten von SF derzeit tabu. Befindet sich ein Reporter bereits in einem Gebiet, in dem offene Kriegshandlungen stattfinden, muss vor allem er selber die

Lage beurteilen. «Er weiss am besten, wie gefährlich es wirklich ist», so Brenn. Auf sich alleine gestellt ist er aber nicht. Mehrmals ­täglich telefoniert die Zentrale in Zürich mit dem Reporter, oft zu fix ­ab­gemachten Zeiten, um sich bezüglich ­Gefahrenpotenzial neu abzusprechen. Bei der Vorbereitung auf so einen Einsatz müssen die Reporter vor allem ihren eigenen Informationen trauen, also ­selber recherchieren. Ihre wichtigsten Ansprechpartner sind Berufskollegen, die sich aus eigener Erfahrung mit der Situation vor Ort auskennen. Fee Riebeling

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Mitgliederaktion

Swiss Indoors Basel 2012

Die Tennisgiganten kommen ... ... und 300 Mitglieder der Trägerschaft werden am Finaltag, dem 28. Oktober 2012, live dabei sein! Nach dem überwältigenden Erfolg im letzten Jahr lädt die SRG Deutschschweiz erneut zum exklusiven Mitgliederanlass an die Swiss Indoors Basel ein. Die Tickets werden verlost.

Die SRG SSR, die sich die Übertragungsrechte bis 2014 gesichert hat, berichtet die ganze Woche live vom Geschehen. Millionen Zuschauer in- und ausserhalb der Schweiz verfolgen die Weltklasse­spiele am Fernsehen und über 70 000 Zuschauer verfolgen die Matches jeweils live in der ­St. Jakobshalle. Auch Sie haben jetzt die Gelegenheit, am Finaltag der Swiss ­Indoors Basel mit dabei zu sein und sowohl den Einzel- wie auch den ­Doppelfinalmatch live mitzuverfolgen. Mit nebenstehendem Anmeldetalon können Sie an der Verlosung für den exklusiven Mitgliederanlass der SRG Deutschschweiz teilnehmen.Vor dem Einzel- und dem Doppelfinalmatch werden Sie von Niggi Ullrich, Präsident der SRG Region Basel, begrüsst und mit einem feinen Apéro riche verwöhnt. Ausserdem können Sie die Gelegenheit nutzen, sich mit anderen tennisinteressierten Mitgliedern auszutauschen, und erhalten exklusive Einblicke in die Turnierorganisation sowie das Engagement der SRG SSR an den Swiss Indoors Basel. jr

Bild: hauckfotograf.ch

Vom 20. bis 28. Oktober 2012 wird im Rahmen der ATP World Tour 500 in Basel einmal mehr Tennis vom Feinsten gezeigt. In diesem Jahr erleben die Swiss Indoors Basel, eines der bedeutendsten Hallenturniere der Welt, gar eine Konstellation, die es in 42 Jahren Turniergeschichte noch nie gegeben hat: Alle drei olympischen Medaillengewinner von London werden in der St. Jakobshalle an den Start gehen. Nebst Roger Federer, der seinen letzt­ jährigen Titel verteidigen wird, sind auch Olympiasieger Andy Murray und OlympiaDritter Juan Martin Del Potro am Start.

Mitgliederanlass am Finaltag der Swiss Indoors Basel 2012 Möchten Sie am grossen Finaltag in der St. Jakobshalle in Basel bei den zwei Finalspielen (Doppel und Einzel) live dabei sein? Datum und Zeit: Sonntag, 28. Oktober 2012, ab 12.00 bis ca. 19.00 Uhr. Nehmen Sie an der Verlosung der beschränkten Anzahl Plätze teil! Achtung: nur für Mitglieder. Name: Vorname: Strasse: PLZ/Ort: Mitgliedgesellschaft: Ich komme allein.

Wir kommen gerne zu zweit.

(Zutreffendes bitte ankreuzen)

Anmeldetalon bis spätestens 13. Oktober 2012 einsenden an: SRG Deutschschweiz, Mitglieder Services, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benach­­­ rich­tigt. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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SRG Region Basel

Übermässig viel Swissness im SF-Programm? Der Vorstand der SRG Region Basel fühlt sich nicht abgeholt.

Verschiedene Stimmen, ein Standpunkt

Zu viel Alpsegen, käsen, kalbern und Trachtenblusen In keinem Verhältnis: «Die ländlich idyllische und alpine Schweiz wird im Programm von SF überproportional thematisiert und zelebriert», stellt der Vorstand der SRG Region Basel fest und meldet sich nach dem Sommerprogramm 2012 zu Wort. Das televisionäre Unbehagen dauert schon eine Weile. Letzten Herbst hat die Basler Regionalratsdelegation dann in ­einem Prüfungsantrag zu den Programmkonzepten ihre Beobachtungen formuliert. Beobachtungen, die sich auf die Unterhaltungs- und nicht auf Info-Formate von SF beziehen. Beobachtungen auch, die nicht mit der Stoppuhr in der Hand gemacht wurden. Doch den starken Eindruck schleckt keine Geiss weg: Im SF-Haupt­ programm nimmt die idyllische, alpine und traditionelle Schweiz unverhältnis-

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mässig viel Platz ein.Von Jodel, Jass und Schwingen über landfrauliches Kochen bis zum Bergleben und zurück.

Spaghetti statt Zwetschgen Im Gegensatz dazu kommt die agglo­ urbane ­Lebensrealität zu kurz. In der ­deutschen Schweiz ist dies für die meisten Leute der Raum, in dem sie sich täglich bewegen, wo sie arbeiten, konsumieren und ihre Kinder aufziehen. Statt in der Tracht eigene Zwetschgen einkochen, ist LINK 5/2012

der Spagat zwischen Spaghetti kochen und Teilzeitstelle, Kids ­abholen und Internet angesagt. Dem Argument, dass TV, besonders Unterhaltung, Ferien vom Alltag sein soll, verschliesst sich niemand. Auch gegen die Pflege von Volkskultur und Tradition ist nichts einzuwenden. Doch mit Mass. Gehört es nicht auch zur Identifikation mit «meinem Fernsehen», dass ich meine eigene Lebenssituation, mindest teilweise, wiedererkenne? Nicht in eigens geschaffenen Serien und isolierten Beiträgen, sondern mit Selbstverständlichkeit.


auf dieser Liste: «SF bi de Lüt – Live». Diesen Sommer wurde mit dem Versprechen, urbaner zu sein, aus Städten wie Rheinfelden, ­Zürich, Davos und Schwyz gesendet.

Basler Kulti und Kuhglocken

Bild: iStockphoto.com

Während die Vorstandsmitglieder der SRG Region Basel aus ihrem Umfeld immer wieder hören, man nutze auf SF längst nur noch das Info-Angebot, ist ihnen ihr TVUnterhaltungsprogramm nicht egal.

Im Zeichen des Alpenlands Einen neuen Anstoss bekam die Basler Diskus­sion diesen Fernsehsommer, der mit der Wiederholung von «Ab auf die Alp!» begann. Es folgten die «Landfrauen» von 2008, bevor im Herbst eine neue KüchenStaffel ausgestrahlt wird. Nach der grossen Abschiedssendung von «Hopp de Bäse!» schliesst fast nahtlos das neue «Potzmusig» an. Und bei «handgemacht» gleich nochmals Volksmusik. Auch «Schlagersommer» und «Donnschtig-Jass» mit neuem Moderator geben sich volkstümlich. Dass der 1. August auf SF 1 und auch bei 3sat Schweiz ganz im Zeichen des Alpenlands stand, liegt auf der Hand. Es ist nicht zwingend, dass die auf Herbst geplante Fortsetzung von «Hüttengeschichten» und die neue Ranking-Show «Gipfelstürmer» auch von einer Berghütte aus gesendet werden. Dass der zuletzt ausgestrahlte Schweizer «Tatort» ein gröberes Klischee-Problem hatte, war auch andernorts zu lesen. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schrieb von «Mistgabelromantik». Bewusst nicht

Andreas Dürr (50),Vizepräsident SRG ­Region Basel, hat im August die «SF bi de Lüt – Live»-Übertragung aus Bern im Publikum miterlebt. Der Abend war lustig, der Moderator professionell und die Musik teils auch zeitgemäss. «Aber davon, dass die Sendung urbaner sein soll, hat man wenig gespürt. Mit diesem Konzept ist dies unmöglich. Schon der urschweizerische Auftritt mit Festbänken, Jodeln, Wurst und Brot lässt dies nicht zu. Die Kulisse der dörflichen Berner Kramgasse wirkte am TV bestimmt nicht städtisch. Auch sonst überwiegt bei SF die idyllische Schweiz. Das beginnt bei den Signeten. In meinem Wunschfernsehen würde alles abgebildet: der Kleinbasler Kulti, die Langstrasse und bimmelnde Kuhglocken.»

Sich (nicht) abgeholt fühlen Auch Christine Hatz (60),Vorstandsmitglied SRG Region Basel, mag die traditionsbetonte Seite von SF nicht: «Da mir der Überhang an Volkstümlichem im Hauptabendprogramm schon lange auffällt, ­mache ich mir Gedanken, wie man urbane Realität abbilden könnte. Das ist gar nicht so einfach. Landfrauen in Trachten bedienen halt den Exotik-Effekt.» Gelungen findet sie die neue Schiene um 19 Uhr auf SF zwei: «So ist ‹Lauf der Dinge› Abbild meiner Realität und erst noch generationenübergreifend. Auch im Jugendprogramm sehe ich Menschen von heute. Wenn ich am Abend mal TV schaue, ziehe ich meist einen deutschen Fernsehfilm vor, die ­kommen eher auch mal städtisch LINK 5/2012

daher.» Umschalten ist auch Daniela Palla (45), Geschäftsführerin der SRG Region Basel, nicht ganz fremd. Sie stört in der ­gesamten Programmgestaltung von SF eine gewisse Schweizer Biederkeit. Sei das bei «SF bi de Lüt» oder bei den Doppel­moderationen im Olympiastudio. Die ­eindeutig volkstümlichen Sendungen sind für sie nur die Spitze des Eisbergs. «Ich halte mich selbst nicht für eine ­flippige Person, aber wenn ich mich nicht abgeholt fühle, wie ist es dann für jüngere?» Und wenn der Schweizer «Tatort» sämtliche Klischees ins Ausland trans­portiert, tut es ihr leid um die verpasste ­Chance, ein differenziertes Bild zu zeigen.

Urban sind TV-Experimente Renatus Zürcher (55),Vorstandsmitglied der SRG Region Basel, Publikumsrat und selber als audiovisueller Gestalter tätig, ­findet es logisch, dass TV gerne schöne Vergangenheit zeigt. «Klischees werden sofort verstanden. Auch Städter haben dieses ­idyllische Bild der Schweiz. Und Fernsehen ist Unterhaltung, zeigt nicht Realität. Attraktive Landschaftsbilder sind von daher ­legitim. Was ich bei SF ‹urban› fände, wären Live-Experimente, wie damals die Zwei-­ Kanal-Übertragung aus dem Theater Basel: Bühne und Backstage. Oder 2011 das ­Studio auf dem Bundesplatz. So etwas funktioniert in Stadtzentren und heisst: ­TV-Schaffen sichtbar machen. SRF hat die Möglichkeiten. Ich setze auf den neuen SRF-Kultur-Standort Basel.» Und um das Anliegen des Wiedererkennens noch aus der Basler Ecke heraus zu holen: Die neusten Zahlen des Bundes zeigen, dass fast die Hälfte der Schweizer Wohnbevölkerung in Orten mit über 10 000 Einwohnern lebt. Also in Städten. Alexandra Hänggi, SRG Region Basel

Diskutieren Sie im Forum mit! Zu ländlich? Oder genau richtig? Ihre ­Meinung zum SF-Programm interessiert uns: www.mitglied.ch (login) > Forum > Fernsehen > Programm

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SRG Zürich Schaffhausen

Talk-Runde der Sportreporter

Mit Sportpromis auf Du und Du Nah dran – und doch auf gesunder Distanz. In der Talkrunde der SRG Zürich Schaffhausen sprechen die Sportreporter Barbara Colpi, Stefan Bürer, Rainer Maria Salzgeber und Gilbert Gress über respektvolles Siezen, schnelles Sprechen und die Zukunft von Live-Sendungen.

Bild: SRF/ Thomas Züger

niert für ungesundes Leben, wirft Salzgeber ein, relativiert aber: «Auch nicht jeder, der über die Mondlandung berichtet, war selber dort.»

Auf Augenhöhe mit Gilbert Gress, Rainer Maria Salzgeber, Barbara Colpi und Stefan Bürer. Andi Melchior, SRG ZH SH, moderiert den Anlass.

Flinke Ohren sind gefragt, wenn Barbara Colpi temperamentvoll zum reissenden Wortfluss ansetzt und die Mountainbiker ins Ziel schiessen. Am Ende des Live-Mitschnitts zeigt sich die Redaktorin selber überrascht, wie flott sie gesprochen habe: «Am Radio ersetzt der Sprecher das Bild, da muss man schon einen Zahn zulegen, um erzählen zu können, was sonst gesehen würde.» Doch nicht nur das Geschehen, auch die Hörergewohnheiten beeinflussen das Tempo.

deren Mannschaften und Geschichten zu kennen. Genügend Informationen zu finden, sei heute kein Problem. Im Gegenteil, es stünde so vieles bereit, dass man eher überlege, was weggelassen werden kann.

«Nicht jeder, der über die Mondlandung berichtet, war selber dort.» Rainer Maria Salzgeber

Ob am Radio oder im Fernsehen, während der Moderation wird nicht gesucht oder ­geblättert. Eine gute Vorbereitung ist also «matchentscheidend». Für ein Tennisturnier braucht Stefan Bürer kaum ein Briefing, bei einem Hockeyspiel siehts hingegen ganz anders aus, gilt es doch, 40 Spieler sowie

«Muss ein Sportreporter Sport treiben?», so die Frage aus dem Publikum. Müssen wohl nicht, sind sich alle einig. Aber selber Sport treiben, schafft Verständnis und Zugang zum Sportler, nährt das innere Feuer und erlaubt es auch einmal, über eine Kondi­ tionsschwäche zu nörgeln. Ausserdem brauche ein Journalist sowieso viel Sport, denn das Journalistenleben sei prädesti-

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Ihre Auftritte sind Kult: Seit Jahren treten ­Gilbert Gress und Rainer Maria Salzgeber gemeinsam vor die Kamera, mit Witz, Charme und Kompetenz. Die Rollen sind klar, Salzgeber liefert als Moderator Daten und Fakten, Gress darf als Experte seine Meinung äus­sern. Die beiden bezeichnen sich als jahrelange Freunde, reden sich aber immer noch mit Sie an.Wirklich? Dies sei die häufigste Frage, meint Gress. Ja, wirklich, die beiden sind aus Respekt beim Sie geblieben. «Aus­serdem,» so Salzgeber, «schliesst ein Du auch Fremde aus.» Gerade deshalb bekennen sich auch die anderen Moderatoren zum respektvollen «Sie», selbst bei Interviews mit persönlich bekannten Sportlern. Früher, bei einer Handvoll Sender, waren Sportmoderatoren noch Nationalhelden, wie etwa Beni Thurnheer. Heute gibt es hunderte Sender und tausende Moderatoren. Hinzu kommen die neuen Medien. Man ist sich einig: Die strukturierten Sendungen, also solche nach Programmheft, werden an Bedeutung verlieren. «Was aber sicher bleibt,» glaubt Stefan Bürer, «ist die Live-Sendung.» Noch ist sie das Privileg des Fernsehens, zeigt sich auch Salzgeber überzeugt. Er macht sich aber Sorgen über den Einfluss von Mitmachmedien wie Facebook und Co., denn deren Inhalte seien oft von bedenklichem Niveau. Doch vielleicht kommt eines Tages ein Umdenken? Wir werden sehen. Oliver Schaffner

Weitere Fotos unter www.mitglied.ch > Mitgliedschaft > Fotogalerie


Publikumsrat

Fussball-Sonntag auf SF zwei

Die Super League im Wohnzimmer Eine Mehrheit im Publikumsrat begrüsst die Übertragung der Schweizer Super-League-Spiele in Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Die Live-Übertragungen am Sonntagnachmittag seien professionell gemacht. Das Rahmenprogramm sei informativ und unterhaltend, jedoch etwas zu umfangreich.

Einige Ratsmitglieder befürchten, dass andere Sportarten durch den Ausbau der Fussballbeiträge zurückgedrängt werden könnten. «Das übrige Sportprogramm ist nicht gekürzt worden, denn die Berichterstattung über die Super League wird zusätzlich gemacht», beschwichtigt Martin Zinser, Redaktionsleiter des Livesports bei SRF.

Überzeugende Live-Übertragung Nicht ganz einig ist sich der Publikumsrat über die Auswahl der Live-Spiele. Während die einen es schätzen, dass alle Mannschaften über mehrere Sonntage verteilt zum Zug kommen, bedauern die anderen, dass dadurch nicht immer das Top-Spiel gezeigt werden könne.

­ ommentierten sachlich, könnten zwik schendurch aber auch einmal schweigen. Sie dürften nach Ansicht des Publikumsrats jedoch noch kritischer sein. Anklang im Rat finden auch die Co-Kommentatoren. Sie lieferten Fachwissen, Einschätzungen und Hintergrundinformationen. Publikumsrätin Kathy Gerber Widmer wünscht sich auch einmal eine Frau als Kommentatorin eines Live-Fussballspiels. Martin Zinser ist gerne bereit, Mitarbeiterinnen, die ein solches Spiel kommentieren möchten, zu unterstützen.

Attraktives Rahmenprogramm Das Rahmenprogramm, das die Zuschauerinnen und Zuschauer vor und nach dem Spiel sowie in der Pause begleitet, kommt im Publikumsrat gut an. Gefallen finden die informativen und unterhaltenden

­ nalysen und Einschätzungen vor und A nach dem Spiel. Der Umfang des gesamten Rahmenprogramms liegt für eine Ratsmehrheit allerdings an der oberen Grenze. Der Rat stellt hier die Frage, ob die Super League für ein solches wöchentliches Rahmenprogramm wirklich genügend Stoff hergibt. Als positiv beurteilt der Publikumsrat die Einbettung der Super League im «sport­ panorama» am Sonntagabend. Das entspreche dem Stellenwert des Fussballs und bereichere das «sportpanorama». Der Auftritt eines Kommentators als Experte im Studio kommt ebenfalls gut an. Einige Ratsmitglieder fragen sich jedoch, ob nach neunzig Minuten Live-Spiel und einem ­umfassenden Rahmenprogramm am Nach­ mittag wirklich so viel Fussball im «sport­ panorama» nötig sei. Denise Looser Barbera

Die Live-Übertragung der Spiele bezeichnet der Publikumsrat als sehr professionell. Bildqualität, Kameraführung und Schnitt bewegten sich auf hohem Niveau und könnten neben Champions-LeagueÜbertragungen bestehen. Kritisiert werden die Einblender, die der Publikumsrat in Deutsch statt in Englisch wünscht. Zudem seien oft zu viele Einblender und Informationen auf dem Bildschirm zu sehen. Die Leistung der Kommentatoren wird von einer Ratsmehrheit geschätzt. Sie

Der Publikumsrat schätzt die Hintergrundinformationen von Moderation und Co-Kommentatoren. (Bild: Moderator Rainer Maria Salzgeber und Co-Kommentator Benjamin Huggel)

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Bild: SRF/ Paolo Foschini

Seit Beginn der aktuellen Fussballsaison überträgt SRF jeden Sonntag ein Spiel der Super League auf SF zwei. Die Ausdehnung der Live-Berichterstattung über die Schweizer Super League ist für eine Mehrheit im Publikumsrat ein Gewinn: Damit finde der Schweizer Live-Fussball nicht ausschliesslich im Bezahlfernsehen statt.

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Bild: SRF/ Gian Vaitl

Bild: SRF/ Oscar Alessio

Publikumsrat

Kompetent und sympathisch findet der Publikumsrat die Moderatorinnen und Moderatoren von «Kassensturz» und «Espresso». (Bild links: Ueli Schmezer von «Kassensturz», rechts: Martina Schnyder von «Espresso»).

«Kassensturz» (SF 1) und «Espresso» (DRS 1)

Nützliche Tipps für den Alltag Ansprechende Beiträge, eine breite Themenpalette und ein direkter Nutzwert sind gemäss Publikumsrat die Stärken von «Kassensturz» und «Espresso». Die Sendungen seien abwechslungsreich, sachgerecht und fair. Gefallen finden auch die zahlreichen Zusatzinformationen im Internet. «Espresso» und «Kassensturz» sind beliebte Konsumentensendungen von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Auch nach ­etlichen Jahren vermögen sie den Publikumsrat noch zu überzeugen. Dieser lobt die vielfältigen Themen, die ein breites Publikum ansprechen. Die Sendungen zeichneten sich zudem durch ihren hohen Nutzwert aus. So erhielten die Radiohörerinnen und Fernsehzuschauer viele im Alltag umsetzbare Tipps und Hinweise. Beeindruckt zeigen sich die Ratsmitglieder ausserdem von der Geschwindigkeit, mit der «Espresso» auf aktuelle Ereignisse reagiert, wie beispielsweise auf ein Phishing-E-Mail (Passwort-Diebstahl im Internet) Anfang Juni. Gute Bilder und verschiedene journalistische Formen wie Berichte, Tests, Interviews, Streitgespräche und Reportagen machen «Kassensturz» gemäss Publikumsrat abwechslungsreich und attraktiv. Bei «Espresso» hingegen könnten die journa-

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listischen Formen vielfältiger sein, findet der Publikumsrat. Es kämen fast nur TelefonO-Töne zum Einsatz, deren Tonqualität zudem oft nicht optimal sei.

Moderatoren beider Sendungen. Sie seien kompetent und sympathisch und könnten sich gut in die Position der Zuschauerinnen bzw. Zuhörer einfühlen.

Zuweilen lässt ein «Kassensturz»-Beitrag manche Ratsmitglieder etwas ratlos zurück. Der Publikumsrat zeigt jedoch Verständnis dafür, dass für gewisse Sachverhalte, bei denen sich selbst die Experten uneins sind, keine konkrete Empfehlung abgegeben werden kann.

Die Zusatzinformationen auf den Internetseiten beider Sendungen sowie die Interaktionsmöglichkeiten des Publikums per Internet kommen beim Rat ebenfalls gut an. Das Publikum erhalte die Gelegenheit, Themen anzustossen sowie seine Erfahrung und Meinung einzubringen. D ­ abei sind den Ratsmitgliedern die vielen qualifizierten Rückmeldungen positiv ­aufgefallen.

Hohe Glaubwürdigkeit Insgesamt geniessen beide Konsumentensendungen eine hohe Glaubwürdigkeit, da sie professionell, unvoreingenommen und sachgerecht gemacht seien. Gespräche mit Gästen würden kritisch, aber fair geführt. Anerkennung seitens des Publikumsrats gibt es auch für die Moderatorinnen und LINK 5/2012

Denise Looser Barbera

Der Publikumsrat setzt sich aus 26 Mitgliedern zusammen. Durch Feststellun­gen und An­re­gun­gen begleitet er im Austausch mit den Verantwortlichen die Programmarbeiten von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) (vgl. auch www.publikumsrat.ch).


Neu im Publikumsrat

Das People-Magazin «glanz & gloria» berichtet gemäss Publikumsrat locker und auf eigenständige Art über bekannte Persönlichkeiten aus der Schweiz. «g&g weekend» hingegen würde etwas mehr Tempo vertragen. stehen und damit Werbung für das eigene Unternehmen machen.

«glanz & gloria» gibt Einblick in die Welt der Schönen und Reichen.

Insgesamt kommt «glanz & gloria» bei der Mehrheit des Publikumsrats gut an. Die Sendung biete einen guten Themenmix mit viel Abwechslung. Es werde über die verschiedensten Anlässe berichtet und Geschichten über prominente Personen erzählt. Die am Rande von Events gemachten Kurzinterviews entlockten den Promis oft Spannendes und zuweilen auch sehr Persönliches. Die Geschichten seien zwar meistens nicht weltbewegend und von grossem Tiefgang, für viele Zuschauerinnen und Zuschauer aber interessant. Die Sendung würde vor allem das Bedürfnis nach Unterhaltung befriedigen. Eine Minderheit im Rat lehnt das People-Magazin aufgrund des geringen Informationswerts und der Oberflächlichkeit ab. Eine Ratsmehrheit findet es richtig, dass in «glanz & gloria» vor allem Schweizer Prominente zum Zug kommen. Damit unterscheide sich das People-Magazin von ­ähnlichen Formaten in deutschen Privatsendern. Weniger gern sieht der Publikumsrat, wenn Mitarbeitende von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) im Fokus

Bild: SRF

Witz und Ironie gefragt Nach Auffassung des Publikumsrats kommt «glanz & gloria» locker und un­ beschwert daher. Es dürfe aber durchaus noch mit etwas mehr Witz und Ironie über die Welt der Promis berichtet werden. An der unter der Woche ausgestrahlten Sendung gefallen dem Publikumsrat die ­Länge der Beiträge und die Dauer der Sendung. Die Wochenendausgabe «g&g weekend» hingegen wirke etwas zu lang und verliere an Spannung. Etwas mehr Tempo würde hier gut tun. Die Ratsmehrheit schätzt das sympathische und gut gelaunte Auftreten der Moderatorinnen Nicole Berchtold, Annina Frey und Sara Hildebrand. Sie moderierten verständlich und repräsentierten die Sendung gut. Dani Fohrler, der ausschliesslich «g&g weekend» moderiert, wird für seine gute Gesprächsführung gelobt. Aufgrund seiner sympathischen und direkten Art würden seine Gäste einiges von sich preisgeben. Denise Looser Barbera

Publikumsratspräsident bestätigt Der Publikumsrat hat seinen Präsidenten Manfred Pfiffner für eine zweite Amtszeit gewählt. Der 49-jährige Erziehungswissenschafter übt sein Amt seit 2009 aus. Die zweite Amtszeit beginnt Anfang 2013 und dauert bis Ende 2016.

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Peter Spring wurde 1955 in Biel geboren. Heute lebt er mit seiner Frau Giovanna auf dem Mutschellen. Da die drei Töchter ausgeflogen sind, gehört das Ehepaar zur ­Kategorie der ­«empty nester». Seit mehr als 30 Jahren Peter Spring. ist Spring in der ­Tourismus- und Airlinebranche tätig. ­Nebenamtlich kommentierte er während 25 Jahren als Sportjournalist für Radio DRS Fussball- und Eishockeyspiele. In den 80er-Jahren war er auch bei der Sportabteilung von Fernsehen DRS zu sehen und zu hören. Als lokaler FDP-Politiker engagiert er sich in seiner Wohngemeinde für die Interessen der Bürgerinnen und Bürger. Medien, Politik, Sport, Reisen und die Familie sind die Themen, die den ­Alltag von Peter Spring bestimmen. Bild: SRF/ Oscar Alessio

Unterhaltendes über Schweizer Promis

Jasmina Causevic wurde 1980 in Zagreb, Kroatien, geboren. Im Alter von zehn Jahren zog sie mit ihrer Familie in die Schweiz und lebt seitdem in Bern. Nach dem Besuch des naturwissenschaftlichen Gymnasiums studierte sie Jasmina Causevic. Medien- und Kommunikationswissenschaft, Zeitgeschichte und Menschenrechte an der Universität Fribourg. In den Publikumsrat wurde sie als Vertreterin der Migrantinnen und Migranten gewählt. Jasmina Causevic: «Das Schönste an der Schweiz ist ihre sprach­ liche, regionale und kulturelle Vielfalt, die nicht zuletzt auch durch die hier lebenden Migrantinnen und Migranten bereichert wird. Im Publikumsrat setze ich mich dafür ein, dass diese Vielfalt auch in den SRGProgrammen ihren Ausdruck findet.» Bild: SRF/ Oscar Alessio

«glanz & gloria» auf SF 1

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Ombudsstelle

Hörbuch in «Zambox – Ä Chischte voll Gschichte» auf DRS 1

Können Kinder die Weltgeschichte in Fiktion einordnen? Bei der Behandlung einer Beanstandung hatte die Ombudsstelle kürzlich schwierige und grundsätzliche Fragen zu beantworten: Sind Kinder in der Lage, heikle Passagen von einem Hörbuch geschichtlich einzuordnen und sich emotional davon zu distanzieren? Wurden im vorliegenden Fall Hitler und die Gräuel des Nationalsozialismus verherrlicht oder verharmlost?

Bild: iStockphoto

fen, werden die kriminellen Ansichten des weiblichen Bösewichts, Adolfa Batters, mit positiven Worten geschildert: «Es stört sie nicht, wenn Kinder dabei blind werden oder Unschuldige ihre Beine verlieren.» Auch ihre ­kriminellen Absichten, nach Amerika zu gehen, um Kinder von reichen Eltern zu entführen und ein hohes Lösegeld zu verlangen, wird in einer Art formuliert, als ob dies das Normalste der Welt sei.

Bewunderin Hitlers

Ist das Hörbuch «Das Geheimnis des wandernden Schlosses» zu anspruchsvoll für Kinder?

Die Beanstandung betraf die Sendung «Zambox – Ä Chischte voll Gschichte». In dieser Sendung werden Hörbücher aus­ gestrahlt, die in verschiedene Folgen aufgeteilt werden. Am 27. Mai 2012 wurde die dritte Folge des Buches «Das Geheimnis des wandernden Schlosses» von der ­weltbekannten britischen Kinderbuch-­ Autorin Eva Ibbotson gesendet. Es ist die Geschichte eines Schlosses, das von einem amerikanischen Millionär gekauft wird. Stein für Stein abgebaut, wird das Schloss nach Texas verschifft, um dort ­wieder aufgebaut zu werden.

In der dritten Folge dieses Hörbuches geht es um das musikalische Trio des Schiffes, das sich als kriminelle Bande entpuppt und die Entführung der Tochter des reichen Amerikaners plant. Die Anführerin des kriminellen Trios ist eine Frau, Janet Blatter. Das Besondere ­dabei ist, dass sie Hitler für einen wahren Gott hält, seitdem sie las, dass er versucht hatte, «die ganze Welt zu erobern und Menschen, die er nicht mochte, einfach ­töten liess».

Als es um die Notwendigkeit geht, Geld zu beschaffen, um teure Bomben zu kau-

In diesem Buch wird kunstvoll erzählt, dass ihre Bewunderung für Hitler so weit geht, dass sie ihren Namen in Adolfa ­Batters geändert hat. Sie trägt ein Medaillon mit einem Hakenkreuz auf ihrer Brust, ­welches eine Locke von Adolf Hitler ­enthält. Die gleiche Verehrung gilt für die ­Bewegung, die erreichen wollte, «dass Grossbritannien wie ein Polizeistaat regiert wurde, alle sollen in Uniformen herummarschieren». Die Bewegung wollte alle Hunde abschaffen, weil sie Dreck

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­ achen, und die Königin hätte gestürzt m werden sollen, weil sie immer von Frieden und gutem Willen redete, während ein ­blutiger Krieg geführt werden sollte. Alte Leute hätte man abgeschafft, weil sie nicht mehr nützlich wären.

Verständliche Reaktion Gerade die erwähnte Passage war auf DRS 1 zu hören, als die Urheberin der ­Beanstandung beim Autofahren mit ihren Kindern kurz vor 20 Uhr «Zambo» eingestellt hatte. «Was ich just zu diesem Zeitpunkt gehört habe, war haarsträubend. Im gehörten Abschnitt wird eine Gang ­beschrieben, die Menschen tötet, alte Menschen verachtet und Hitler verehrt», lautete ihre kritische Reaktion. Als Mutter und Erziehungswissenschaft­ erin würde sie die Auswahl einer Geschichte mit einer solchen Passage nicht verstehen. Die Begründung: «Kinder, die zum Zielpublikum von ‹Zambo› gehören, können die Passage weder geschichtlich ­einordnen, noch sich emotional davon ­distanzieren. Sie werden lediglich erschreckt und mit einem Moralverhalten konfrontiert, das unseren Werten und ­Normen aufs Gröbste widerspricht.» Die Beanstanderin bittet somit die Redaktion von «Zambo», die Buchauswahl kind­ gerecht zu gestalten – auch dann, wenn ­lediglich einzelne Passagen derart abstos­ send seien. Solche menschenverachtende Passagen würden nicht in eine Kinder­ sendung gehören.


Die Verantwortlichen von «Zambo» teilen diese Schlussfolgerungen nicht. Kritisiert werde lediglich die Sequenz, wo die ­Bösewichte um Adolfa Batters vorgestellt ­werden. Diese Stelle werde isoliert beanstandet, ohne auf deren Bedeutung im Zusammenhang der Geschichte einzugehen. An keiner Stelle werde beim Hörer der ­Eindruck erweckt, das Tun und Wirken von Adolfa Batters und ihren zwei Komplizen sei gut oder entschuldbar und nachahmenswert. Das Trio verkörpere in der Geschichte klar «das Böse». Die Auseinandersetzung mit Gut und Böse werde seit jeher in Märchen und Geschichten thematisiert.Wichtig sei, dass das Böse als solches erkennbar ­gemacht und nicht verharmlost werde. Es werde in dieser Geschichte denn auch ganz klar als das Böse dargestellt. Da werde nichts verherrlicht oder verharmlost, im ­Gegenteil. Die Gangster-Anführerin Adolfa Batters weise ­Attribute des Bösen auf, die für Kinder klar erkennbar seien. Dazu würde auch ihre Hitler-Verehrung gehören.

Viele offene Fragen Für die Ombudsstelle sind diese Argumente nur zum Teil plausibel. Zwar werden Adolfa Batters und ihre zwei Komplizen eindeutig als das Böse dargestellt. Dies ist wohl auch für viele Kinder klar verständlich. Sie sind somit in der Lage, die abstrusen Vorstellungen und Ansichten der Bandenchefin als jene einer kriminellen Frau aufzufassen, zu interpretieren und somit auch in Frage zu stellen. Doch die Passage, wo Adolfa Batters Bewunderung für Hitler dargestellt wird, wirft viele grundsätzliche Fragen auf. Obwohl selber Jüdin, hatte Eva Ibbotson in dieser Passage den künstlerischen Mut und die schriftstellerische Gabe, die kriminelle Ansicht und Politik von Hitler und seinen furchtbaren Taten durch die Brillen von Adolfa Batters als bewundernswert darzustellen. Es ist eine geistreiche und unkonventionelle Erzählung, die vom Sprecher Rufus Beck mit zusätzlicher

Diese durchaus legitimen und wichtigen Fragen sind nicht leicht abschliessend zu beantworten. Interpretiert man die subtile und künstlerisch wertvolle Darstellung der Autorin richtig, kann man sicher nicht von Verherrlichung und Verharmlosung der Gräuel des Nationalsozialismus sprechen. Die Frage der Interpretation ist umso wichtiger, da man davon ausgehen kann, dass Kinder möglicherweise nicht in der Lage sind, das Ganze geschichtlich einzuordnen. Wissen Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren überhaupt etwas über Hitler? Sind sie deshalb in der Lage, sich emotional ­davon zu distanzieren oder werden sie mit einem Moralverhalten konfrontiert, «das unseren Werten und Normen aufs Gröbste widerspricht»? Und wie sieht es aus, wenn die Kinder noch jünger sind und die Sendung allenfalls ohne Mutter oder Vater hören? Zudem muss man davon ausgehen, dass viele Kinder lediglich diese Passage und nicht die ganze fiktionale Geschichte angehört haben. Auch wenn die Ombudsstelle die Beanstandung formell nicht unterstützen konnte, ­wurden die Verantwortlichen von «Zambo» eingeladen, die geäusserten fundierten Überlegungen der Beanstanderin bei der Themenwahl zu berücksichtigen. Achille Casanova

Ombudsstelle SRG.D, Kramgasse 16, 3011 Bern Weitere Beanstandungen finden Sie unter www.ombudsstelledrs.ch LINK 5/2012

Bild: SRF

Spannung vorgetragen wird. Erwachsene erkennen sofort, dass es sich um befremd­ liche und paradoxe Aussagen handelt. Sie verstehen, dass Hitlers Ideologie und seine verbrecherischen Taten gemeint sind und deren positive Darlegung ironisch und ­sarkastisch ist. Sind aber Kinder, die zum Zielpublikum von «Zambo» gehören, in der Lage, dies zu erkennen, die Passage geschichtlich einzuordnen und sich emotional davon zu distanzieren? Wurden Hitler und die Gräuel des Nationalsozialismus verherrlicht oder verharmlost?

«mitenand» lehnte Hilfswerk-Gesuch zu Unrecht ab Ein Vertreter des Hilfswerks «WeltWeit» protestierte, dass die SF 1-Sendung «mitenand» das Gesuch um Aufnahme in der Sendung grundsätzlich ablehnte. In der Begründung, «WeltWeit» besitze kein ZEWO-Gütesiegel, sieht er einen Verstoss gegen die Gesetzes­ bestimmung «Verweigerung des Zugangs zum Programm». Ombudsmann Achille ­Casanova beurteilte die Begründung der ­Sendung ­«mitenand» als diskriminierend, die ­Beanstandung daher als berechtigt.

Bild: iStockphoto.com

Das «Böse» ist erkennbar

Krimi-Vorschauen am Nachmittag waren zulässig Eine Zuschauerin mit Kindern im Vorschulalter kritisierte die Ausstrahlung von KrimiVorschauen im Nachmittagsprogramm von SF zwei. Alexander Marchet, Leiter On-AirPromotion, verwies aber auf die klaren ­Regeln zur Gewährung des Jugendschutzes. Dieser besagt, dass zu Uhrzeiten und in Programmen, bei denen nicht nur Erwachsene zuschauen, keine explizit gewalthaltige, sexistische, diskriminierende oder ­sonstige jugendgefährdende Szenen gezeigt werden dürfen. Diese Regelung sei ein­ gehalten worden. Ombudsmann Achille ­Casanova teilte diese Auffassung. jr

Sämtliche Schlussberichte der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz finden Sie unter: www.ombudsstelledrs.ch > Beanstandungen Im Newsletter «Inside SRG SSR» wird wöchentlich ein Ombudsfall behandelt. Abonnieren Sie den Newsletter unter: www.insidesrgssr.ch

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SRG Zentralschweiz

Zukunft der SRG im Fokus

Erste «SRG-Landsgemeinde» der Zentralschweizer Trägerschaft Unter dem Motto «Zäme gids Power» trafen sich Gremienmitglieder der Zentralschweizer SRG-Vereine erstmals zu einer «Landsgemeinde». Im «World Café» auf der Urner Alp Bocki wurden gemeinsam Ideen und Visionen für eine moderne SRG gesammelt.

Brainstorming auf der Alp Bocki.

Bild: Thomas Züger

Tibetischen Gebetsfahnen gleich flatterten die bunt beschrifteten Papiertischtücher auf knapp 1000 Meter ü. M. im Wind. Aller­ dings handelte es sich nicht um heilige Wünsche, sondern um die Ergebnisse ei­ nes aussergewöhnlichen Workshops: Um­ geben von weidenden Schafen und trotzi­ gen Felshängen setzten sich über 30 Delegierte der sechs kantonalen Sektio­ nen sowie der Präsident der SRG Deutsch­ schweiz,Viktor Baumeler, mit der Zukunft der SRG auseinander. «Die SRG ist harten Winden ausgesetzt», ­erklärte Niklaus Zeier, Präsident der SRG Zentralschweiz. «Miteinander aber können

wir Gegenwind geben.» So hatte diese «Landsgemeinde» vom 15. September denn zwei Ziele: die unabhängigen Sektio­ nen einander näher zu bringen und in den Diskussionsforen des «World Café» Ideen für eine Stärkung der Trägerschaft zu entwickeln. Die Ergebnisse werden noch vom Leiten­ den Ausschuss SRG Zentralschweiz aus­ gewertet. Klar aber ist jetzt schon: Die «Landsgemeinde» sollte zur Institution werden, denn die Premiere hat tatsächlich gezeigt: «Zäme gids Power». Patricia Diermeier Reichardt

Zuger Messe

SRG-Tag mit Erfinder Stefan Heuss Bereits zum achten Mal beschert die Zentralschweizer Sektion Zug den M ­ itgliedern einen speziellen Event an der Zuger Messe: Dieses Jahr ist es eine Show mit Stefan Heuss, dem «Erfinder» aus der Sendung «Giacobbo/Müller». Wer bastelt eine Handyhülle aus Salzteig oder lässt Hundekot schockgefrieren? Auf solche Ideen kommt nur einer: Stefan Heuss. Für den «Thomas Edison aus

Ermässigter Eintritt zur Zuger Messe

Gültig während der ganzen Messe, 20. bis 28. Oktober 2012 1 Eintritt ermässigt zu 10 Franken (Normalpreis 12 Franken) Der Gutschein muss an der Kasse ­abgegeben werden.

Zürich» ist kein Mechanismus zu kompli­ ziert, um unseren Alltag zu vereinfachen, keine Erfindung unmöglich, auch wenn sie die Welt nicht braucht. Seit 2009 sind seine Ideen regelmässig in der ComedySendung «Giacobbo/Müller» zu sehen. Live ­erleben kann man Stefan Heuss an der Zuger Messe am traditionellen SRGTag, am Sonntag, 21. Oktober 2012, um 15.00 und 17.15 Uhr. Mitglieder erhalten vergünstigten Eintritt (siehe Bon links). Ins Leben gerufen wurde der SRG-Tag 2005: Der Vorstand der Sektion Zug beschloss ­damals, nach Jahren des Unterbruchs mit einem bunten Mix aus Comedy und Musik LINK 5/2012

wieder an der Zuger Messe auf Mitglieder­ werbung zu gehen. Aus der Idee wurde Pro­ gramm und dank der konstruktiven Zusam­ menarbeit mit den Verantwortlichen der Zuger Messe entwickelte sich der SRG-Tag rasch zum erfolgreichen Event mit Stars wie Birgit Steinegger alias Frau Iseli oder dem Duo Sutter und Pfändler. Nebst der Unterhaltung kommt aber auch die Information nicht zu kurz: Während des ganzen Nachmittags stehen die SRGBotschafterinnen und -Botschafter den Mes­ sebesuchern für Fragen, Anregungen und Kritik rund um die SRG zur Verfügung. Patricia Diermeier Reichardt


SRG OSTSCHWEIZ

Thurgauer ausgezeichnet

«Dieser Preis soll ihn zu weiteren Taten inspirieren»

Lässt seine Werke für sich sprechen: Friedrich Kappeler

«Seit 1952 ist der Ostschweizer Radio- und Fernsehpreis 46 Mal verliehen worden, und jeder sechste Preisträger kommt aus dem Thurgau», hielt Erich Niederer, Präsi­ dent der SRG Ostschweiz, in seiner Begrüs­ sung der rund 80 Gäste im Cinema Luna in Frauenfeld fest. Friedrich Kappeler reiht sich ein zu anderen Thurgauerinnen und Thurgauern wie Dino Larese, Mona Vetsch oder Maria Dutli-Rutishauser. Der Preis, der von den Ostschweizer Kan­ tonsregierungen gestiftet ist und jährlich von der SRG Ostschweiz verliehen wird, ist mit 10 000 Franken dotiert.

Nur ein Zwischenhalt Wofür wurde der gut 60-jährige Friedrich Kappeler ausgezeichnet? Für sein Gesamt­ werk? «Von einem Gesamtwerk zu spre­ chen und dafür die Auszeichnung zu ver­

Bild: ImagoPress / Patrick Lüthy

Friedrich Kappler heisst der diesjähriger Gewinner des Ostschweizer Radio- und ­Fernsehpreises. Mitte August wurde der Dokumentarfilmer in Frauenfeld g ­ efeiert. LINK war dabei. leihen, wäre sicherlich nicht richtig und auch gar nicht im Sinn von Friedrich ­Kappeler», sagte die Thurgauer Regierungs­ präsidentin Monika Knill in ihrem Gruss­ wort als Vertreterin der Ostschweizer Kan­ tone, die finanzielle ­Träger des Ostschweizer Radio- und Fernsehpreises sind. Laudato­ rin Madeleine ­Hirsiger ergänzte: «Er hat uns mit dem bisherigen Schaffen schon viel gesagt, und er wird uns wohl noch ­einiges zu sagen haben. Dieser Preis von heute Abend soll ihn zu weiteren Taten in­ spirieren. Wir machen also nur einen Zwi­ schenhalt, es ist nichts Abschliessendes.»

Mit Leib und Seele ­Dokumentarfilmer Sowohl Monika Knill als auch Madeleine ­Hirsiger versuchten, den Menschen Friedrich Kappeler zu ergründen. Die Thurgauer ­Regierungspräsidentin verglich den Filme­ macher mit dem kleinen, aber feinen ­Cinema Luna, in dem die Preisverleihung stattfand. Das Luna stehe etwas unschein­ bar hinter dem Frauenfelder Bahnhof und nicht protzig im Stadtzentrum. Und das passe zum Preisträger, so Monika Knill, denn: «Friedrich Kappeler ist kein Mann der grossen Worte, keiner, der sich oder seine Filme grossspurig anpreist. Er lässt lieber seine Werke sprechen.» Madeleine Hirsiger bezeichnete ihn als Menschen, der mit Leib und Seele Dokumentarfilmer sei, weil er von Leuten fasziniert sei, weil er Menschen möge und an ihren Ge­ schichten interessiert sei und zuhören könne. Und zu seiner Arbeitsweise gehöre: sich Zeit lassen, keine Hetze, schauen und geschehen lassen. Und dennoch sei da seine Bestimmtheit in der Ruhe. Als sein Markenzeichen bezeichnete sie seine ­Unaufgeregtheit. LINK 5/2012

Magische Momente In ihrer Laudatio machte Madeleine Hirsiger einen Streifzug durch das filmische Werk Friedrich Kappelers. Sie begann mit dem Dokumentarfilm «Der schöne Augenblick» aus dem Jahr 1986, mit dem er sich in der schweizerischen Filmszene bemerkbar ge­ macht habe. Sie spannte den Bogen bis zu seinem Hauptwerk «Gerhard Meier – das Wolkenschattenboot» aus dem Jahr 2007. «Hier bringt der Filmer nochmals ­alles zum Gelingen, was in den vorher­gehenden Werken schon meisterlich ­angelegt war», würdigte Hirsiger den Preisträger. Sie ­erwähnte den 1991 entstandenen Film «Adolf Dietrich, Kunstmaler 1877–1957» und hielt fest: «Und wieder lässt Friedrich Kappeler den Leuten, seinen Hauptdar­ stellern, Zeit, ihre aufschlussreichen Ge­ schichten zu erzählen. Gekonnt verwebt er diese mit den Bildern von ­Dietrich, so dass ein Fluss in den Film kommt, der ­einen mitreisst.» Und schliesslich erwähnte Hirsiger auch Kappelers erfolgreichsten Film «Mani Matter, warum syt Dir so truurig?», den er im Jahr 2002 realisierte: «Mit seinem untrügeri­ schen Gespür für rhythmischen Wechsel zwischen Statement und Originalaufnahme gelingen dem Dokumentarfilmer diese ma­ gischen Momente, die uns ein so wohliges Gefühl geben, dass wir wünschen, der Film möge doch nie zu Ende gehen.» Walter Hofstetter

Hinweis! Bilder von der Preisverleihung im Cinema Luna: www.mitglied.ch > Mitgliedschaft > Fotogalerie > SRG Ostschweiz

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SRG Bern freiburg wallis

Ein ungewöhnlicher Gast am verrauchten Linde-Stammtisch: SRF-Bundeshausredaktor Pascal Krauthammer.

Bild oben: Zwei Räume, zwei Meinungen – die Rollen sind klar verteilt. Géraldine Eicher moderiert.

Sichtbares Radio

Mit dem Radio am Stammtisch Vor Kurzem wurde über die Initiative «Schutz vor Passivrauchen» abgestimmt. Grund für DRS 1 und DRS 4 News, dem Thema im Vorfeld ein «Doppelpunkt Forum» zu widmen. Für einmal wurden die Experten nicht ins Studio, sondern direkt ins Zentrum des Geschehens eingeladen: in ein Restaurant, in dem das Rauchen nach wie vor erlaubt ist. Etwas ist an diesem Dienstagabend an­ ders im Restaurant des Seminarhotels ­Linde in Stettlen bei Bern. Zwar haben die zahlreichen Gäste wie gewohnt an den rustikalen Holztischen Platz genommen, doch heute gilt ihre Aufmerksamkeit nicht in erster Linie den Tischnachbarn, Speisen und Getränken. Auch das Personal ist sichtbar abgelenkt. Statt immer wieder nach dem Rechten zu sehen, Bestellungen aufzunehmen oder nachzuschenken, ­verfolgen sie interessiert das ungewohnte Geschehen in «ihrer» Linde.

und Pascal Krauthammer sind heute Abend zu Gast. Sie moderieren im urigen Restaurant die Radio-Live-Sendung «Dop­ pelpunkt Forum» zum Thema «Schutz vor ­Passivrauchen». Zwei Lautsprecherständer und ein riesiges Banner weisen die Gäste schon am Eingang auf die Radiosendung hin. Entsprechende Flyer liegen auf den ­Tischen. Mit dabei sind neben den Gästen des Restaurants auch mehrere Mitglieder der SRG Bern Freiburg Wallis. Sie haben die Einladung angenommen und sich ihre Plätze schon im Voraus reservieren lassen.

vor Ort «on air» begrüssen und das Thema der Sendung vorstellen, wird es um sie he­ rum nur unwesentlich leiser. Das muss es auch nicht, denn heute ist Mitreden aus­ drücklich erwünscht. «Schliesslich geht es uns darum, eine Interaktion mit dem Pub­ likum herzustellen», sagt Géraldine Eicher. Dafür sei eine Sendung wie «Doppelpunkt Forum» geradezu ideal: «Hier können sich die Hörerinnen und Hörer direkt beteili­ gen: Wir geben ihnen ein Forum.»

Mit dem Publikum interagieren

Pünktlich geht es im Anschluss an die 20-Uhr-Nachrichten los. Während die ­Moderatoren die geladenen Experten, die Hörerschaft zu Hause und die Gäste

Während die Gäste in der rauchfreien ­Linde-Stube die Argumente der Befürwor­ ter mit einem Nicken oder einem leisen Applaus bekräftigen, ist die Unterstützung

Grund für den Ausnahmezustand: Die SRFBundeshausredaktoren Géraldine Eicher

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LINK 5/2012

Stammtischstimmung


Regional kreuz und quer

der Gegnerschaft in der Gaststube, die deutlich als Fumoir auszumachen ist, ­hörbar lauter.Verständlich, denn für die Anhänger des blauen Dunstes geht es um viel: Bei einem positiven Abstimmungs­ ergebnis werden sie hier entweder nicht mehr rauchen können oder dabei nicht mehr bedient werden. «Von dieser Stamm­ tischstimmung lebt die Sendung», sagt ­Pascal Krauthammer, der aus der ver­ qualmten Gaststube moderiert. Seine ­Kollegin arbeitet im rauchfreien Raum ­nebenan. Immer wieder schalten die ­beiden zwischen den zwei Gaststuben hin und her. Mal um die Experten, mal um die Hörer vor Ort zu befragen.

Greifbarer werden aber auch die Vertrete­ rinnen und Vertreter der gegnerischen Posi­ tionen wie Nationalrat Geri Müller, Thomas Müller von der IG Freiheit oder der ehema­ lige Präsident der Lungenliga, Otto Piller. Geduldig stellen sie sich während und nach der Live-Sendung den Fragen der ­Anwesenden. Dieser unkomplizierte Aus­ tausch ist ebenfalls Ziel der ausgelagerten Sendung. «Wir gehen mit den Leuten zu den Leuten», bringt Géraldine Eicher das Sendekonzept auf den Punkt. Während die Stammtischfraktion auf ein Feierabendbier und zur Verteidigung ihres Anliegens ins Restaurant Linde eingekehrt ist, wollen viele andere den Radiomachern einfach einmal über die Schulter schauen. «Auf diese Weise können wir die Personen hinter den Stimmen kennenlernen», sagt René Dürrmüller, Mitglied der SRG Bern Freiburg Wallis, der gemeinsam mit seiner Frau aus Ittigen angereist ist. Auch die Mit­ glieder Hansjörg und Marie-Louise Abegglen aus Bönigen bescheinigen dem «sichtba­ ren Radio» einen deutlichen Mehrwert. Ob sie die heimischen vier Wände auch für ein «Doppelpunkt Forum» in Zürich ver­ lassen hätten? «Natürlich», so die Antwort des Ehepaars nach der Sendung. Denn wo sonst bekäme man so viel geboten? Fee Riebeling

Direktes Feedback Die Sendung «Doppelpunkt Forum» macht nicht nur das Radio sichtbar, es verdeut­ licht auch den Gesprächsverlauf zwischen Moderatoren, Experten und Gästen. Dieses direkte Feedback empfinden alle als Be­ reicherung. «Anders als bei herkömmli­ chen Studiosendungen sehen wir hier,

Hinweis für Mitglieder Weitere Fotos vom «Doppelpunkt Forum» im Hotel Linde befinden sich in der Fotogalerie der SRG Deutschschweiz unter: www.mitglied.ch > Mitgliedschaft > ­Fotogalerie (Login erforderlich) LINK 5/2012

Bild: SRF / Oscar Alessio

Auch die SRG Ostschweiz hat ihren PK-Bericht zur Abgrenzung zwischen dem Bündner und dem Ostschweizer Regio­naljournal veröffentlicht: www.srgostschweiz.ch > Medienmitteilungen Julia Stirnimann ergänzt neu das Redaktorenteam des Regionalstudios Zentralschweiz mit einem Teilzeitpensum. Die 29-jährige Kinder­gartenlehrperson wohnt in Luzern und Julia Stirnimann. gelangte via Radio 3FACH und Radio ­Pilatus zum Regionalstudio Zentralschweiz. Bild: zVg.

Bild rechts: Wo sonst die Tische gedeckt sind, hat für einmal die Technik Platz genommen.

Bilder: ImagoPress/ Patrick Lüthy

Mehrwert schaffen

Riccardo Pozzi ist neuer Leiter der Programmkommission der SRG Zürich Schaffhausen. Der 44-Jährige ist ­promovierter Physiker und Publikumsrat der Riccardo Pozzi. SRG Deutschschweiz. «Riccardo Pozzi hat viel Elan, ist ideenreich, praxiserprobt und team­orientiert – ein Nachfolger, zu dem ich hundertprozentig stehe», so der ehemalige PKLeiter Robert Spichiger über seinen Nach­folger. Pozzis erster Bericht als Leiter der Programmkommis­sion zum Thema Regierungsratswahlen 2012 befindet sich unter: www.srgzhsh.ch > Organisation & Gremien > ­Programmkommission > Aktuelles

Die Nachfolgerin von Penelope Kühnis, die als Moderatorin zur ­«Tagesschau» gewechselt hat, steht fest: ­Noëmi Ackermann wird neue Fernsehkorrespondentin für die Kantone Aargau und Solothurn. Noëmi Ackermann. Die 25-jährige Solothurnerin absolviert seit März 2011 den ersten ­trimedialen Stage von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) mit Heimredaktion beim Regionaljournal Aargau Solothurn. Ackermann tritt ihre neue Stelle am 1. Juni 2013 an. Bild: SRF/ Oscar Alessio

wie wir auf unser Publikum wirken», so ­Eicher. Ob beispielsweise die Pointen an­ kommen oder ob etwas nicht verstanden wurde. «Dadurch können wir noch besser auf ­unsere Hörerschaft eingehen.»

jr

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SRG Aargau Solothurn

Journalisten, Politiker und Private in Facebook, Twitter und Co.

Chancen und Risiken im Internet Social Media sind in aller Munde, Augen und Ohren. Wie die neuen Netzwerke die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten verändern und wo für die Nutzer Gefahren lauern, zeigte die SRG Aargau Solothurn in einem Medienseminar. wasserte Passagier­maschine. Das Foto ver­ breitete sich via Twitter in Windeseile und wurde von ­Journalisten entdeckt, die die erfolgreiche Notwasserung schliesslich ­berühmt machten. Die Herausforderung für Journalisten bestehe aber immer mehr ­darin, zu wissen, welche Quellen vertrau­ enswürdig seien. Zunehmend würden ­entsprechende Schulungen durchgeführt, so Velati.

Wie verwenden Journalisten heute Social Media? Maurice Velati klärt auf.

Social Media beschäftigen Mediennutzer und -schaffende intensiv. So war denn auch das Interesse am Social-Media-Seminar, das die SRG Aargau Solothurn am 11. Septem­ ber 2012 in Olten gab, gross: Über 50 Per­ sonen hatten sich angemeldet, um von Maurice Velati, stv. Redaktionsleiter des ­Regionaljournals Aargau Solothurn, zu ­erfahren, was Social Media sind und wie sie funktionieren. Unter ihnen war auch ein Prominenter: Peter Studer, ehemaliger Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und früherer Präsi­ dent des Presserats. Gefragt, wieso gerade er als Medienexperte das Seminar besu­ che, meinte er, er nutze Social Media noch nicht aktiv, wolle das aber künftig tun. Des­ halb wolle er sich mit dem Thema vertraut machen, zumal er sich oft mit Medien­ ethik befasse und nach seiner Meinung gefragt werde.

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Bild: gly

Facebook: Privatsphäre schützen

Twitter für Journalisten wichtig Welchen Einfluss Social Media auf die ­Arbeit von Journalisten hat, zeigte Maurice Velati anhand einiger Beispiele. Die Grund­ idee – ob von Facebook, Twitter oder an­ deren Portale – ist immer die gleiche: Wer mit vielen Nutzern verbunden ist, ihnen folgt und ihre Beiträge liest, kann sich schnell informieren. So twitterte etwa ein SVP-Nationalrat aus einer Fraktions­sitzung, wer als Bundesrat nominiert worden sei. «Früher fragten die Journalisten nach der Sitzung, wer nominiert sei», so ­Velati, «die­ ses Mal wusste schon jeder ­Bescheid und fragte, wieso jene Person nominiert wur­ de.» Twitter sei für thematische Informatio­ nen wichtig und für Journalisten als Infor­ mationsquelle «eine ­zweite Nachrichtenagentur». Ein weiteres Beispiel: Ein Passant fotografierte von ­einer Fähre auf dem New Yorker Hudson ­River aus eine notge­ LINK 5/2012

Eine grundsätzliche Eigenheit des Inter­ nets, die sich mit sozialen Netzwerken ­verstärkt auswirkt, zeigte Velati an weiteren Beispielen: «Das Internet vergisst nie.» Selbst gelöschte Einträge, Bilder oder ­andere Inhalte seien, da sie einmal von Suchmaschinen erfasst oder von Dritten weiterverwendet wurden, oft noch auffind­ bar. Auf entsprechende Fragen aus dem Publikum riet er, man solle nicht mitteilen oder zeigen, was man nicht auch auf ei­ nem öffentlichen, belebten Platz laut er­ zählen würde. Zum anderen solle man sich Zeit nehmen und die Einstellungen zum Schutz der Privatsphäre den eigenen Wünschen entsprechend vornehmen. Fabian Gressly

Kinder schützen Kurz gestreift wurden im Seminar auch das Thema ­Cybermobbig und der Schutz von Kindern; auch in der Schweiz und in ländlicheren Regionen zunehmend ein Thema.

Mehr dazu: www.jugendundmedien.ch www.klicksafe.de


Carte blanche

«

Ich will das nicht! Ich gebs zu: Die Tätigkeit als Publikumsrat hat mir viel Spass

Sie machen weit überwiegend einen ausgezeichneten Job. Bei

­gemacht. Zurück bleiben Erinnerungen an engagierte Diskus­

aller Kritik, die in einzelnen Fällen berechtigt ist, darf man fest­

sionen mit den Programmschaffenden, an Sitzungen mit viel ­Lob

stellen, dass Radio und Fernsehen ihre Grundaufgabe, nämlich

und Konsens, aber auch an solche, in denen wir die Journalisten

zu informieren und zu unterhalten, gut erfüllen. Das ist alles an­

hart kritisierten. Es ging mir und sicher allen im Rat nie um

dere als selbstverständlich, wie ein Blick über die Landesgren­

Selbstprofilierung. Dafür ist die Bühne viel zu klein. Angetrieben

zen zeigt. Der ORF ist in den letzten Jahren von der Politik syste­

hat uns vielmehr die Überzeugung, dass es in der Schweiz eine

matisch ­zurückgebunden worden und wirkt zunehmend wie ein

starke SRG braucht. Nicht eine, die als Monopolistin über allem

dürres Bäumchen. Die ARD und das ZDF lagern mit Ausnahme

steht, aber ein Medienunterunternehmen, das mit hervorragen­

der Information anspruchsvollere Programme in eigene Sparten­

dem Journalismus dazu beiträgt, dass wir so gut und so transpa­

sender aus, nur um auf den Hauptkanälen mit immer seichteren

rent wie möglich über die wichtigen Vorgänge und Entwicklun­

Angeboten hohe Quoten zu erjagen.

gen in unserem Land und in der Welt informiert sind. Selbstver­ ständlich leisten auch andere Medien dazu ihren Beitrag. Dem

Das garstigere Wettbewerbsumfeld und der allmächtige Quoten­

Service public im Rundfunk kommt aber eine Leitfunktion zu,

druck setzen auch Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sicht­

allein durch die enorme Präsenz, die Radio und Fernsehen in

bar zu. Mit überdurchschnittlichem Engagement ist es bisher ge­

unserem Alltag einnehmen. Aber auch, weil die SRG-Medien seit

lungen, diese negative Entwicklung zu kompensieren. Das ständi­

vielen Jahren beträchtliche Mittel in die Ausbildung und in die

ge Schrauben an Kosten und Stellen macht sich aber zuneh­

Qualitätssicherung investieren. Die hohe Glaubwürdigkeit der

mend bemerkbar. Der hohe Qualitätsstandard bröckelt, die Häu­

Programme ist hart verdient – und keineswegs gottgegeben.

fung von Fehlleistungen ist kein Zufall. Genauso wenig wie die Kampagne, die seit Monaten gegen die SRG geführt wird. Man

In den zwölf Jahren im Publikumsrat

will ihr die finanziellen Mittel kürzen und sie damit gezielt

habe ich viel Respekt vor den

schwächen. Wenn behauptet wird, die SRG könne sich gut auf

Leistungen der SRF-­

Schweizer Themen beschränken, die Welt würden dann andere

Journalisten gewonnen.

Sender wie RTL in die Schweizer Stuben bringen, wird die ­Skrupellosigkeit offensichtlich. Ich will das nicht! Ich habe keine Lust, mir die Welt von in Berlin oder auf Mallorca inszenierten Realityshows erklären zu lassen. Dschungelcamps helfen mir nicht, Zusammenhänge zu verste­ hen. Mehr denn je bin ich überzeugt, dass wir eine starke SRG brauchen, die mit vernünftigen Mitteln ausgestattet ist, um glaub­ würdige und interessante Programme zu machen. Ziehen wir

»

uns nicht ins Schneckenhaus zurück, engagieren wir uns in den

Bild: ImagoPress /Patrick Lüthy

Mitgliedgesellschaften aktiv dafür!

Franz-Xaver Risi, Journalist und Kulturbeauftragter, war von 2000 bis 2012 Mitglied des Publikumsrats der SRG Deutschschweiz, zuletzt als Vizepräsident. LINK 5/2012

Kommentare zur Carte blanche: link@srf.ch

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Wie bediene ich ein iPad? Der Schnupperkurs der SRG Zürich Schaffhausen bietet eine Einführung in die Nutzung und Bedienung.

iPad-Schnupperkurs Der Kurs wird dreimal durchgeführt: Am Donnerstag, 1. November 2012, um 18 Uhr, sowie am Dienstag, 6. November 2012, um 10 Uhr und 15 Uhr, jeweils in der Päda­gogischen Hochschule Zürich. Kosten: CHF 30.– Workshop «Radio hören: heute – morgen und übermorgen» Montag, 19. November 2012, 18.30 Uhr im Fernsehstudio Zürich. Medienkritisches Seminar Dienstag, 20. November 2012, 18 Uhr im ­Radiostudio Zürich. Anmeldungen an info@srgzhsh.ch oder 044 366 15 44.

Führung durch das Medienzentrum im Bundeshaus in Bern Montag, 22. Oktober 2012, 17.30 Uhr Anmeldeschluss: 12. Oktober 2012.

Fernsehstudio-Führung und Besuch der Sendung «Aeschbacher» Freitag, 14. Dezember 2012, 15.30 Uhr, im Fernsehstudio Zürich Anmeldeschluss: 4. Dezember 2012. Anmeldungen an info@srgbern.ch oder 031 388 94 72.

Jubiläums-GV der SRG Schwyz mit Rahmenprogramm Freitag, 2. November 2012, 18.45 Uhr, im Tal Reding Haus in Schwyz. Zum Rahmenprogramm ab 19.30 Uhr sind alle Mitglieder der SRG Zentralschweiz eingeladen. Mitglieder der SRG Schwyz erhalten eine persönliche Einladung. Details unter www.srgd.ch > Agenda > SRG Zentralschweiz.

Medienkritisches Seminar Mittwoch, 31. Oktober 2012, 18 Uhr, im Studio Basel. Mitglieder der SRG Region Basel erhalten eine Einladung per ­E-Mail. Interessierte Mitglieder ohne ­E-Mail melden sich unter 061 365 32 53.

Podium: «Bildhafte Worte – ­wortgewandte Bilder» Podium mit Kurt Z ­ urfluh und Nicole Frank zum Thema «Bildhafte Worte – wortge­wandte ­Bilder», am Mittwoch, 14. November 2012, im Restaurant Brandenberg in Zug. Der Eintritt ­inklusive Apéro ist für Mitglieder frei.

Führung durch das Bundeshaus und das Medienzentrum in Bern Montag, 19. November 2012, 9 bis 15.30 Uhr. Mitglieder der SRG Ostschweiz ­erhalten eine persönliche Einladung. Anmeldeschluss: 30. Oktober 2012. Radiostudio-Führung für Neu­mitglieder in St. Gallen Dienstag, 1 ­ 3. November 2012, 17 Uhr Die Führung mit Beobachtung einer Live-Regisendung mit anschliessendem Apéro ist für neue und weitere ­interessierte Mitglieder.

Bild: SRF / Severin Nowacki

Bild: ImagoPress/ Patrick Lüthy

Agenda

Die SRG Zug lädt zum Podium mit Kurt Zurfluh und Nicole Frank (Bild), Inlandkorrespondentin Schweizer Radio und Fernsehen.

Anmeldungen an monika.gessler@srf.ch oder 071 243 22 14.

DRS 1-Sendung «Persönlich» live aus Schönenwerd Sonntag, 25. November 2012, 10 Uhr, im Casino-Saal beim H ­ otel Storchen in Schönenwerd. Der Anlass ist öffentlich, der Eintritt frei. Bild: SRF

Podium: «Stadt-Land-Gespräche» Das Podium mit Live-Schaltung ins ­Regionaljournal und Apéro findet am Dienstag, 23. Oktober 2012, um 17.30 Uhr im Radiostudio Bern statt. Anmeldeschluss: 16. Oktober 2012. Radiostudio-Führung in Bern Montag, 12. November 2012, 16.30 Uhr Anmeldeschluss: 5. November 2012.

Mitglieder der SRG Ostschweiz sind zur Führung durch das Bundeshaus und das Medienzentrum in Bern eingeladen.

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LINK 5/2012

Einen Überblick über alle Veranstaltungen und detaillierte Informationen finden Sie unter www.srgd.ch > Agenda

LINK 5 2012, Sonderkorrespondenten im Trainingslager  

LINK 5 2012, Sonderkorrespondenten im Trainingslager

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