Page 1

Magazin der SRG Deutschschweiz Ausgabe 4/2013

Das Kulturradio im Umbruch Seite 6

SRF 12 Kurt Witschi und Remo Pagani im Interview

Ombudsstelle 16 Die Dissertationen von Professor Mรถrgeli

SRG Ostschweiz Die PK zu Besuch beim ORF Vorarlberg

20

Bild: istockphoto.com / SRF (Montage)


Editorial

Die Odyssee des Kulturradios

Bild: SRF /Oscar Alessio

Kaum ein Sender hat für so viel Wirbel gesorgt wie das SRG-Kulturradio, nachdem DRS 2 vergangenen Herbst zu Radio SRF 2 Kultur wurde. Vor allem das umgestellte Morgenprogramm wurde vom Stammpublikum in Leserbriefen und Forumskommentaren harsch kritisiert. Aber auch der Umgang der Redaktion mit dieser Kritik. Als Trägerschaft ist die SRG Deutschschweiz Bindeglied zwischen dem Publikum und den Programmschaffenden: Sie fördert den Dialog und das gegenseitige Verständnis. Die SRG Region Basel griff deshalb die Kontroverse rund um den Umbau des Kulturradios auf und lud die Programmverantwortlichen dazu ein, sich in diesem Frühling an der GV der Kritik zu stellen und ihre Sicht der Dinge zu erläutern. Fazit: Es hat sich nicht bewahrheitet, dass die Redaktion kein Ohr für die Kritik ihres Stamm­ publikums hat. Der Sender bleibt seiner neuen Linie treu, schraubt aber weiterhin am Konzept. Dies zeigt, dass er in der Lage ist, sich zu bewegen. Für das heutige und für das zukünftige Stammpublikum. Lesen Sie den Bericht auf Seite 6 – 9.

Pernille Budtz.

Inhalt

3

In Kürze

4 Meinungen 5

Social Media / Verlosung Die SRG-Plattform für Junge ist endlich da! Verlosung: SRG.D bi «SRF bi de Lüt» – Gewinnen Sie eine Reise nach Berlin und treffen Sie Caspar Selg

6 SRG Region Basel Fokus GV: «SRF 2 Kultur im Wandel! – Aber wie?»

20 Bild: SRF / Screenshot

Bild: Maurice Shourot

16 Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

6

11 SRG SSR Einladung zur Nationalen Tagung am 27. September in Montreux: «Werbung und Gebühren: ­Zauberformel für den Service ­public?»

18 SRG Aargau Solothurn Neue Vorstandsmitglieder: Politische Breite und Fach­ kompetenz im Vorstand

12 SRF Abschied nach 42 Jahren Radionachrichten: Kurt Witschi und Remo Pagani im Interview

20 SRG Ostschweiz Die PK zu Besuch beim ORF Vorarlberg

8 Regionen Alle GVs in Kürze 10 tpc Von Las Vegas nach Leutschenbach

14 Publikumsrat Seminar: Wie nutzt SRF die Social Media? Neu im Publikumsrat: Martin Peier 16 Ombudsstelle Die Dissertationen von Professor Mörgeli und die «Fertigmacher Kampagne»

2

LINK 4/2013

19 Regional kreuz und quer

22

SRG Zentralschweiz Luzern – das Hollywood der Schweiz: Einladung zum Besuch des «Tatort»-Drehorts

23 Carte blanche Andreas Krummenacher: «Jack, ich …» 24 Agenda


in kürze

Bild: Colourbox

Den Dialog mit Gebührenzahlenden fördern

Die SRG begrüsst eine Ausweitung des Dialogs mit ihrem Publikum.

Der Bundesrat will freie Zugänge zu Plattformen, wo Fragen im Zusammenhang mit dem Service public der SRG zur Diskussion gestellt werden – unabhängig davon, ob ­jemand Mitglied bei der SRG ist oder nicht. Das entsprechende Postulat «Mehr Mitwirkungsrechte für Gebührenzahlende» von SVP-Nationalrätin Natalie Rickli empfiehlt

Moderate Öffnung des Internets für die SRG

er deshalb zur Annahme. Die SRG begrüsst eine Ausweitung des Dialogs mit ihrem ­Publikum. «Die vier Regionalgesellschaften der SRG sind daran, Lösungen auszuarbeiten, die abgestuft nach Grösse der Region unterschiedlich ausfallen dürften», betont SRG-Mediensprecher Daniel Steiner. Um den Dialog mit Nichtmitgliedern zu pflegen, betreibt die SRG Deutschschweiz ­bereits frei zugängliche Facebook- und ­Twitter-Kanäle und publiziert monatlich im Namen des Publikumsrats öffentliche Umfragen. Zudem hat sie eine neue Online-Plattform «SRG Insider» lanciert, die speziell auf jüngere Erwachsene zugeschnitten ist, jeder/jedem aber offen steht. Mit dem Angebot soll die jüngere Generation fürs Thema Service public sensibilisiert und in Diskussionen darüber einbezogen werden (siehe Seite 5).

Die SRG SSR erhält im Internet mehr publizistische Möglichkeiten: Neu kann sie auch Texte veröffentlichen, die keinen Bezug zu Radio- oder Fernsehsendungen haben. Damit soll der Service public gestärkt werden. Die vom Bundesrat verabschiedete Konzessionsänderung setzt der SRG zum Schutz ­anderer Medien aber klare Grenzen und verlangt eine Ausrichtung des Internetangebots auf audiovisuelle Beiträge. Der SRG wird ­ferner erlaubt, wichtige Live-Ereignisse übers Internet zu übertragen.

Neues TV-Messsystem ist gesetzeskonform

Das neue Portal tvsvizzera.it soll 2014 starten.

Das neue Messsystem, mit dem Mediapulse seit Januar 2013 die Fernsehnutzung erhebt, erfüllt die gesetzlichen Grundanforderungen. Zu diesem Schluss kommt das Departement für Umwelt,Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) in einem Aufsichtsentscheid. Das UVEK verpflichtet jedoch Mediapulse, einen Massnahmenplan zur punktuellen Optimierung des neuen Systems auszuarbeiten und umzusetzen. Unstimmigkeiten in der Branche hatten dazu geführt, dass in den letzten Monaten nur noch vereinzelt TV-Nutzungsdaten publiziert werden konnten. Kritisiert wurde in erster Linie, die seit Anfang Jahr erhobenen Daten seien nicht verlässlich.

rsi.ch und swissinfo.ch sowie aus Eigen­ produktionen.Von den Kosten von 1,5 Millionen Franken pro Jahr übernimmt der Bund die Hälfte.

Jede Woche Aktuelles rund um die SRG: Abonnieren Sie den E-Newsletter «Inside SRG SSR» unter www.insidesrgssr.ch

Die SRG betreibt ab 2014 ein neues italienischsprachiges Online-Programm. Damit das Portal www.tvsvizzera.it lanciert werden kann, hat der Bundesrat die Leistungsvereinbarung zu den publizistischen Tätigkeiten der SRG im Ausland angepasst. Die neue Website ­richtet sich an ein italienischsprachiges Publikum mit Interesse an der Schweiz, namentlich an den Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien. Es zeigt das Tagesgeschehen – insbesondere grenzüberschreitende Aspekte – aus der Perspektive der Schweiz. Das Programm in Bild und Ton besteht hauptsächlich aus angepassten Sendungen von RSI,

Bild: Colourbox (Montage)

Neues italienischsprachiges SRG-Programm

impressum

Ausgabe 4/2013 (Juni 2013), erscheint sechs Mal jährlich Verantwortlich: SRG Deutschschweiz, Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb) Redaktion: Pernille Budtz (pb), Jasmin Rippstein (jr) Erweiterte Redaktion: Isabelle Bechtel, Ursula Brechbühl, Cathérine Engel, Monika Gessler, Daniela Palla,Therese Rauch

Mitarbeitende dieser Ausgabe: Michael Benzing, Achille Casanova, Patricia Diermeier, Cornelia Diethelm, Fabian Gressly, Alexandra Hänggi, Andreas Krummenacher, Erich Niederer, Arthur Oehler, Ueli Scheidegger, Julien Stauffer Kontakt: SRG Deutschschweiz, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich, Tel. 044 305 67 03, link@srgd.ch, www.srgd.ch LINK 4/2013

Gestaltung/Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Druckvorstufe: Küenzi & Partner, Langnau/ZH Korrektorat: Ingrid Essig, Winterthur Druck: galledia ag, Berneck Auflage: 15 687 Expl. (WEMF-beglaubigt)

3


Meinungen

Zu viele Anglizismen in SRF-Sendungstiteln? «Englisch gehört heute zum Allgemeinwissen und darf ohne Weiteres für Titel von Unterhaltungssendungen verwendet ­werden. Da hat das Medium TV keinen deutschen Lehrauftrag.»

«Wenn ein Programm gut ist, spielt es eine untergeordnete Rolle, ob der Programm­ titel deutsch oder englisch ist. Sprache ist nun mal dem Wandel unterworfen.» Walter Fischer, Münchenstein

Jean-Daniel Glauser, Schüpfen

Bilder: SRF

«Martin Candinas hat Recht, die englischen Sendungstitel nehmen viel Platz ein. Es wäre wünschenswert, wenn sich SRF auf die Landessprachen konzentrieren würde.»

Gibt es bei SRF zu viele englische ­Sendungsnamen? An englischen Sendungstiteln wie «The Voice of Switzerland», «Happy Day», «Pimp it or kick it» oder «Top Secret» stört sich CVP-Nationalrat Martin Candinas so sehr, dass er zuhanden des Bundesrats eine Interpellation eingereicht hat. LINK fragte daraufhin im Mitgliederforum nach: Stören sich die Mitglieder an den englischen Sendungsnamen? Hier einige Stimmen zur Debatte:

Urs Steudler, Gutenswil

«Es ist doch absolut lächerlich, wenn man das Rad der Zeit zurückdrehen will. Die Anglizismen gehören zum heutigen Sprachschatz, ob man will oder nicht.» Peter Gadient, Oberlunkhofen

«Die Massenmedien sind heutzutage tatsächlich voll von Anglizismen. Es wäre erfreulich, wenn die Programmverantwortlichen sich mit dieser Problematik befassen und die SRG diesbezüglich eine Vorreiterrolle in der schweizerischen Medienlandschaft übernehmen würde.» Thomas Wernly, Evilard

Stellungnahme von Wim Möllmann, Brand Manager bei SRF: «Aktuell sendet SRF rund 109 unterschiedliche TV-Formate. Davon sind gesamthaft 22 mit englischen Titeln, was ca. 20 Prozent entspricht. Bei den eigenproduzierten Formaten liegt der Anteil bei rund zehn Prozent. Grundsätzlich wird bei den Eigenproduktionen ein Anglizismus nur dann in Betracht gezogen, wenn er zum Programm, zur Positionierung und zum Zielpublikum passt. Auch spielt dabei die Überlegung eine Rolle, ob der Titel dadurch geläufiger oder besser klingt. Zudem werden nur englische Titel verwendet, wenn wir davon ausgehen können, dass das Gros des Zielpublikums diesen versteht. Bei «The Voice of Switzerland» und fiktionalen Serien wie «Mad Men» oder «Grey’s Anatomy» wäre eine Eindeutschung lizenzrechtlich nicht möglich. Zudem profitieren wir hier von der Bekanntheit der Sendungsnamen.»

Format-Einkauf bei SRF: Ein Wettbewerb mit ungleich langen Spiessen? Nach dem Start der neuen Survival-Sendung «Das Experiment» auf SRF zwei wurden kritische Stimmen laut, SRF ­konkurrenziere mit solchen eingekauften Formaten die privaten Schweizer Sender. Es entstehe ein Wettbewerb mit ­ungleich langen Spiessen. SRF betonte ­hingegen, dass man von bestehenden ausländischen Formaten nur dann eine Schweizer Version produziere, wenn das Konzept in die Schweiz passe. Hier einige Kommentare aus dem Mitgliederforum zur Diskussion: Es stellt sich die Frage, wen genau die SRG in der Schweiz konkurrenziert. Es gibt ja beispielsweise in der Deutschschweiz, mit

4

Ausnahme von 3+, keinen sprachregio­ nalen privaten TV-Sender, der Formateinkauf betreibt. Ausserdem hat 3+ seine ­eigenen bekannten Formate. Ich finde es gut, wenn die SRG solche Formate, ­sinnvoll an die Schweiz angepasst, einkauft und ausstrahlt. Beat Schneider, Oberdorf

Meiner Meinung nach gehört diese Sendung sicherlich nicht unbedingt zum ­Leistungsauftrag der SRG. Ich würde sie mir selber auch kaum anschauen. Sturmlaufen dagegen will ich deswegen aber nicht, und dass die SRG damit Privatsender konkurrenziere, finde ich übertrieben. Andreas Mathys, Bern LINK 4/2013

Warum soll die SRG nicht mit privaten Sendern konkurrenzieren dürfen? Zum Service public gehört auch Unterhaltung – denn dieser beschränkt sich nicht nur auf den informierenden und bildenden Teil des SRG-Programms und des Leistungsauftrags. Emanuel Helmke, Uster

Ihre Meinung interessiert uns! Schreiben Sie uns: Redaktion LINK, ­Leserbriefe, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich, E-Mail: link@srf.ch, und debattieren Sie mit im Mitglieder­ forum unter www.mitglied.ch (Login)


verlosung Bild: SRF /Andy Mettler

Social media

SRG-Plattform für Junge ist da! Die SRG Deutschschweiz hat mit «SRG Insider» eine Online-Plattform lanciert, die junge, medieninteressierte Personen auf die SRG SSR aufmerksam machen, für das Thema Service public sensibilisieren und zum Mitdiskutieren anregen soll.

SRG.D bi «SRF bi de Lüt» Die SRG Deutschschweiz ist mit «SRF bi de Lüt – Live» auf Achse. Besuchen Sie uns und nehmen Sie an der attraktiven Verlosung teil!

.ch er

sid

n gi

.sr w

w

Bild: Screenshot SRG.D

w

Für Junge und Junggebliebene: Die neue Online-Plattform «SRG Insider».

Wie kann man die Rolle und Tätigkeit der SRG SSR jungen Personen näherbringen und vermehrt junge SRG-Mitglieder gewinnen? Mit dieser Frage beschäftigt sich auch die SRG Deutschschweiz. Eine ­Antwort soll die neu lancierte OnlinePlattform «SRG Insider» liefern. Hier finden junge, medieninteressierte Personen Wissenswertes zu Trägerschaft und Unternehmen sowie «junge» Programmtipps. Dank «Responsive Design» können sie sich jederzeit und auf jedem Endgerät – egal ob Desktop, Tablet oder Smartphone – informieren und mitdiskutieren. Die neue Plattform richtet sich primär an 18- bis 34-Jährige. Selbstverständlich steht sie aber auch der älteren Generation offen. Lediglich die Angebote und Verlosungen können ausschliesslich von Personen unter 34 genutzt werden. Sie finden auf «SRG Insider» Ticket-Verlosungen und Einladungen zu Veranstaltungen wie Workshops oder Podiumsdiskussionen, welche die Medienkompetenz fördern und Nähe zur Trägerschaft und zum Unternehmen schaffen sollen. Um daran teilzunehmen, muss man sich lediglich als «SRG Insider» re­ gistrieren. Dies ist kostenlos und an keine ­Mitgliedschaft gebunden. Auch junge ­Personen, die bereits SRG-Mitglied sind, können sich als «SRG Insider» registrieren.

Speziell gefragt sind die Meinungen der Userinnen und User: Sie können nicht nur via Facebook- und Twitter-Kanäle der SRG.D, sondern auch auf der Plattform zu aktuellen Themen mitdiskutieren. ­Regelmässig werden medien-, unternehmens- und programmpolitische Fragen zur Debatte gestellt und im Namen des Publikumsrats Umfragen lanciert. Das Feedback wird wiederum an die Programmschaffenden weitergeleitet oder Stellungnahmen werden eingeholt. «SRG Insider» ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, vermehrt eine jüngere, medieninteressierte Zielgruppe auf die SRG SSR und die SRG Deutschschweiz aufmerksam zu machen und für das Thema Service ­public zu sensibilisieren. Die neue Plattform ist Teil des mehrjährigen Aktions­ programms «Blickwechsel», das die SRG.D 2011 lanciert hat, um ihre zivilgesellschaftliche Rolle wirksamer wahrzunehmen.

«SRF bi de Lüt – Live» startet diesen Sommer in die fünfte Runde. Nik Hartmann (Bild) macht sich mit Annina Campell, Grill-Ueli und der SRF Husmusig auf die Reise quer durch die Schweiz. Die SRG Deutschschweiz wird live vor Ort sein. Besuchen auch Sie «SRF bi de Lüt – Live» und lassen Sie sich von uns fotografieren. Die Fotos stehen Mitgliedern und auch NichtMitgliedern in der Galerie nach der jeweiligen Sendung zur Verfügung. Schicken Sie Ihren Freunden eine E-Postkarte, teilen Sie das Foto auf Facebook/Twitter oder drucken Sie es ­einfach aus! In folgenden Orten ist «SRF bi de Lüt – Live» diesen Sommer 2013 zu Gast: 5./6. Juli Glarus, Zaunplatz 12./13. Juli Langnau im Emmental BE, ­Bärenplatz 19./20. Juli Zofingen AG, Niklaus-Thut-Platz 26./27. Juli Neuhausen am Rheinfall SH, ­Rheinfallquai 2./3. August Herisau AR, Ebnet (vor der Markthalle) 9./10. August Brunnen SZ, ­Auslandschweizerplatz 16./17. August Biel/Bienne, Ring

jr

Verlosung Die Plattform «SRG Insider» ist abrufbar unter: www.srginsider.ch Informieren Sie sich auch via www.facebook.com/srgdeutschschweiz oder www.twitter.com/srg_d LINK 4/2013

Unter den Besucherinnen und Besuchern der Fotogalerie verlosen wir eine exklusive Reise nach Berlin mit persönlichem Treffen des SRF-Auslandkorrespondenten Casper Selg. Die Fotogalerie und alle Infos zur Verlosung finden Sie ab dem 5. Juli 2013 unter www.srgd.ch/foto

5


Bilder: Imagopress/ Patrick Lüthy

SRg Region basel

Am Podium «SRF 2 Kultur im Wandel! – Aber wie?»: Monica Cantieni (links), Franziska Baetcke (Mitte) und Franz-Xaver Risi (Moderation).

Das Kulturradio im Zentrum der Basler GV

«SRF 2 Kultur sendet nicht nur für Eingeweihte» Ist es nicht gewagt, die treue Hörerschaft aufs Spiel zu setzen? Programmleiterin Franziska Baetcke stellt sich an der Generalversammlung der SRG Region Basel der heftigen Kritik am Wandel des SRF-Kulturradiosenders. Die Basler Veranstaltung war eine von sechs GVs der Deutschschweizer SRG-Mitgliedgesellschaften. Auffällig emotional sind die Reaktionen in den Leserbriefspalten, auch im LINK, auf den Umbau des Kulturradiosenders von SRF im vergangenen Dezember. Die Rede ist von «Verlust», «Heimatlosigkeit», «Wehmut» und «Schmerz». Dass da starke Gefühle im Spiel sind, erstaunt Franziska Baetcke, Programmleiterin von SRF 2 Kultur, nicht wirklich. An der GV der SRG Region Basel Ende April meint sie im Gespräch mit dem Journalisten und Schwyzer Kulturbeauftragten Franz-Xaver Risi ganz offen, ihr sei immer bewusst gewesen, dass mit der Programmanpassung regelrecht in den Tagesablauf gewisser

6

­ örerinnen und Hörer reingefunkt würde. H «Und genau deshalb, weil Radio ein so intimes Medium ist, das nahe an dich herankommt, sind wir in all unseren Redaktionen beim Umbauen so sorgfältig vorgegangen.»

Es musste dringend etwas geschehen Ja, die bisher treue Hörerschaft schätzt ­Franziska Baetcke sehr. «Trotzdem mussten wir dringend etwas verändern.Wir haben in den letzten Jahren rund 40000 Hörer verloren und das Durchschnittsalter ist auf 65 ­angestiegen.Wir waren gezwungen, zu handeln und uns auch an Jüngere zu wenden.» LINK 4/2013

Mit dem Bewusstsein für unterschiedliche Interessen der Hörerschaft habe man sich an die Arbeit gemacht, etwa beim Umbau des Morgenprogramms. Nach eigener Wahrnehmung hat Radio SRF 2 Kultur das kulturjournalistische Angebot zwischen 6 und 9 Uhr markant ausgebaut. Die Berichterstattung zu aktuellen Themen aus Gesellschaft,Wissenschaft, Religion und Kunst wurde verstärkt und eingebettet in ein vielfältiges Klassik-Musikprogramm, wie von der «Mattinata» bereits bestens bekannt. Diese Einschätzung scheinen bei weitem nicht alle zu teilen. Gerade das Programm am Morgen wird in zahlreichen Reaktionen


«Geplapper» oder «Kleinode»? aus der Hörerschaft heftig kritisiert.Weder der Umgang mit der Musik noch die Wortbeiträge und schon gar nicht der Mix von beidem stossen überall auf Gegenliebe.

Plapperteile und Musikstückchen In einem E-Mail an die Geschäftsstelle der SRG Deutschschweiz etwa umschreibt eine erboste Hörerin das Morgenprogramm mit den Worten: «Irgendein Satz aus irgendeiner Symphonie oder irgend­ einem Konzert oder ein Tänzchen, dann wieder irgendwelche Infos, wild vermischt, meist ausgiebiger in den Zeitungen zu ­lesen, dann wieder ein Musikstückchen …» Auch eine Leserbriefschreiberin in der «NZZ am Sonntag» ärgert sich gemeinsam mit zahllosen Mitstreitern über das «seichte Gemisch von Musik und die kurzen Plapperteile mit nichtssagenden News». Sie kündigt im Brief gleich das Ende ihrer SRF Kulturclub-Mitgliedschaft an. Und die Leserschaft des «Kulturtipp», die sich offenbar so eifrig wie nie zuvor zu Wort gemeldet hat, beurteilt die gewählte Musik als «Gedudel und Gesäusel», als «zerstückelt» und «verdünnt». Die Beiträge am Morgen ­seien «Häppchen», «Sprecheinlagen» und «verbales Kurzfutter».Von «Wirrwarr» ist die Rede und davon, dass es eine Unverfrorenheit sei, dies noch Kulturradio zu nennen. Franz-Xaver Risi, langjähriger Publikumsrat und bekennender Fan von SRF 2 Kultur, kann diese Kritik selbst nicht nachvoll­ ziehen, wie er an der GV in Basel erklärt. Ihm gefällt die heute breitere Palette an

Themen und der offenere Kulturbegriff. SRF 2 Kultur-Programmleiterin Baetcke betont, dass Gesellschaftspolitisches auf ihrem Sender gar nichts Neues sei, die Bereiche Wissenschaft und Religion gehörten ja längst dazu. «Aber wir wollen die Themen dann bringen, wenn wir das meiste Publikum haben, denn das Hintergründige ist sonst rar in den heutigen Medien. Und wir pflegen jetzt auch die Kurzform.»

Kunst-Verführungs-Kunst Nicht nur Theater und Film, sondern das grosse Feld der Kultur soll abgebildet werden – weit über die Tickeraktualität hinaus. Gesucht werde immer die Reflexion, die andere Sicht, der feuilletonistische Blick. Sei dies beim Thema Arbeitslosigkeit oder bei der Finanzkrise. Mit zeitgenös­ sischer Kultur und dem Nachdenken über das Leben und die Welt sollen möglichst viele Leute erreicht werden. «Und zwar nicht nur Eingeweihte und Kulturschaffende. Wir wollen ein breites Publikum zu Kultur verführen.» Zum viel kritisierten Umgang mit der ­Musik erklärt Franziska Baetcke später am Abend auf die Frage eines Mitglieds: «Um uns zu hören, muss man nicht ausschliesslich klassische Musik lieben oder sich gar auskennen. Wir führen die Leute dahin; Vermittlung ist unsere Aufgabe. Wir wollen nicht den Geschmack vorgeben, sondern auf die Menschen zugehen.» Jüngere Leute auf Augenhöhe ansprechen ist speziell auch auf dem so genannten

Viele Trägerschaftsmitglieder nutzten die Möglichkeit, den Programmschaffenden direkt Fragen zu stellen.

LINK 4/2013

Auszüge aus den Hörerreaktionen auf den Wandel von DRS 2 zu SRF 2 Kultur

«Weniger wäre mehr! Der Mix von Wort und Musik ist geradezu lästig. Auch das Unterlegen von Geräuschen in Wortbeiträgen trägt nicht zur ­Verständlichkeit bei.» Hansruedi Drexler, Basel, in einem Brief an die LINK-Redaktion «Für mich war das sehr angenehm und wohltuend, während der Fahrt zur Arbeit mit dem Auto beruhigende Musik zu hören. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es zu dieser Zeit ­viele Hörer gibt, die ernsthafte ­Gespräche hören wollen.» Heinrich Roth, Amriswil, in einem ­E-Mail an die LINK-Redaktion «Da ich primär die Musik hören möchte, bin ich veranlasst, wegen der unterbrechenden Reden den ­Sender auszuschalten. Selten treffe ich den Wiederbeginn der Musik. Manchmal schalte ich – enttäuscht – um auf ein anderes Programm.» Theophil Tobler im Mitgliederforum der SRG Deutschschweiz «Wenn die Veränderungen weiter in der eingeschlagenen Richtung gehen, brauchen sich die Verantwortlichen nicht zu wundern, wenn der Höreranteil an den von uns mit Gebührengeldern finanzierten Sendern laufend abnimmt.» Fritz Winkler im Mitgliederforum der SRG Deutschschweiz «Leute, die von Gerede oder Geplapper reden, sind offenbar nicht fähig oder ­willens, wirklich zuzuhören: Man kann grundsätzlich die Ver­mehrung der Wortbeiträge beklagen, schwerlich aber deren Qualität. H ­ äufig sind das bezüglich Inhalt und Formulierung wahre Kleinode.» Hans Trachsel, Zollikofen, in der «NZZ am Sonntag» agi

7


SRG Region basel

dritten Vektor möglich – auf der neuen ­Kulturplattform im Internet. Damit fällt das Stichwort für Monica Cantieni, Bereichsleiterin Multimedia der SRF-Abteilung Kultur. Sie kann am Anlass in Basel eine Erfolgsstory erzählen: Der Aufbau der neuen Plattform (www.srf.ch/kultur) sei ein Bekenntnis zur Kultur und zugleich ein Bekenntnis zu den Online-Medien, mit denen bereits eine ganze Generation aufgewachsen sei. Die Rubriken auf der Website, die für ihre Nutzerfreundlichkeit schon einen Preis ­gewonnen hat, geben auch klare Hinweise auf das Kulturverständnis der Abteilung: Von «Film und Serien», über «Musik», ­«Literatur», «Bühne», «Gesellschaft und

«Der Einstieg in unsere Welt»

­ eligion» bis hin zur Rubrik «Im Fokus», in R der unter anderem auch lange umfassende Radiobeiträge zu finden sind, die viele Leute offenbar schätzen. «Gebündelt, gesammelt und zum Nachhören bereit.»

Sieht dies Franziska Baetcke auch positiv? «Durchaus. Es gilt, die Energie dorthin zu lenken, wo das Publikum wartet. Und das Eingangstor zum Radio ist heute das Internet, das gleichzeitig als Archiv und Lieferant von News dient.» Bei der Umgestaltung des Kultursenders ist man davon ausgegangen, dass das potenzielle neue Publikum im Alltag sehr beschäftigt ist, einem Erwerb nachgeht, Kinder erzieht und viel unterwegs ist, wie übrigens heute tendenziell auch die älteren Leute. Da sei die Kurzform der ideale Einstieg in die Welt von Radio SRF 2 Kultur, ist die Programmleiterin überzeugt. Und die

Jeder Beitrag auf der Website ist multimedial aufbereitet und hat einen Bezug zu ­einer Sendung und zur Aktualität. Auch Twitter und Facebook fehlen nicht. ­Monica Cantieni bestätigt, dass mit der neuen Plattform die Radionutzung übers Internet eindeutig zugenommen hat. «Die Nutzenden schätzen offenbar die zeitliche und dank Podcasts auch örtliche Unabhängigkeit.»

Regionen

Die GV der SRG Aargau Solothurn vom 14. Mai 2013 wählte gleich drei neue Mitglieder in den Vorstand: Rolf Schöner (54), Aarau, Dominique Oppler (57), Hochwald, und Ernst Zingg (62), Olten. Mehr dazu auf Seite 18 in dieser Ausgabe. Zudem passte die GV die Statuten an. Wesentliche Punkte darin sind die Aufwertung der Geschäftsstelle. Weiter sind nun auch die neuen Medien in den Aufgabenbereich einbezogen, und es werden sowohl der Verein SRG als auch das Unternehmen SRF angesprochen. Als Hauptgast erzählte Max Akermann in ­seinem Referat von seinen vielfältigen Erfahrungen als US-Korrespondent für SRF. Er habe die amerikanische Gesellschaft als äusserst polarisiert erlebt, hielt Akermann fest.

8

An der GV der SRG Bern Freiburg Wallis am 4. Mai 2013 sprach Willi Burkhalter, Zentralsekretär der SRG SSR, über das neue Projekt für die Zukunft des Vereins SRG, Trägerin des multimedialen Medienunternehmens SRG. Ziel des Projekts sei es, den Verein fit zu machen für einen ­effektiven und effizienten Dialog mit der Öffentlichkeit und die Trägerschaft noch besser in der Zivilgesellschaft zu verankern. Neu in den Vorstand wählte die GV Beat Hayoz (Düdingen), Christian Kräuchi (Lyss) und Mirjam Veglio (Zollikofen). Hayoz ist Gymnasiallehrer in Freiburg und neuer Präsident der Radio- und Fernsehgesellschaft Freiburg (FRF), Kräuchi ist Kommunikationschef des Kantons Bern und Veglio ist Kita-Betriebsleiterin und ­Vizegemeindepräsidentin von Zollikofen.

LINK 4/2013

Caspar Selg, SRF-Korrespondent, plädiert für einen Qualitätsjournalismus.

Am 11. Mai 2013 genehmigte die MV der SRG Ostschweiz u. a. neue Vereinsstatuten (siehe LINK 3/12) und folgte interessiert dem Plädoyer von Casper Selg, SRF-Korrespondent in Deutschland, für einen Qualitätsjournalismus. In den letzten drei Jahrzehnten habe sich die journalistische Arbeit gewaltig verändert. Heute seien alle Medien schnell und schaukelten sich gegenseitig hoch; es würden unüberlegt ­«Geschichten» übernommen, dramatisiert und emotionalisiert. Fachkompetenz und Reflexion würden immer mehr fehlen. Selg plädierte für einen Journalismus, der den Hörerinnen und Hörern Verständnishilfe biete. «Gute Information ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft.» Er sei dankbar, eine Trägerschaft zu wissen, die sich auch dafür einsetze.

Bild: Andreas Butz

Mitglieder wählen ihre neuen Vorstandsmitglieder.

Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

SRF-Korrespondent Max Akermann über seine Erfahrungen in den USA.

Bild: Daniel Desborough

Die Jahresversammlungen der weiteren SRG.D-Mitgliedgesellschaften im Überblick – alle Fotos unter


Multimediafrau ergänzt: «Ein g­ utes Gedicht ist nicht schlechter als ein guter Roman.»

­ rogrammfluss zwischen 6 und 9 Uhr. P «Da wird die Hörerschaft noch zu stark hin- und hergeworfen, da fehlt die Ruhe. Ohne den Wortanteil grundsätzlich in ­Frage zu stellen, arbeiten hier wir noch an einem schön fliessenden Programm.» Auf den Hinweis von Franz-Xaver Risi, dass die halbstündlich ausgestrahlten Nachrichten viel Anlass zu Ärger gäben, meint Franziska Baetcke: «Den Vorwurf der ständigen Wiederholung haben wir sehr wohl gehört.»

Doch selbstverständlich geht die heftige Kritik am umgebauten Programm nicht spurlos an den Macherinnen und Machern vorbei. Franziska Baetcke versichert: «Wir nehmen das sehr ernst. Zudem sind wir selber unsere kritischsten Hörerinnen. Unter Kollegen geben wir täglich Feedback und überprüfen alles immer wieder: Themensetzung, Recherchen, Wiederholungen …» Und es gibt denn auch tatsächlich Punkte, mit denen die Programmleiterin nach den ersten Monaten auf Sendung noch nicht zufrieden ist. Zum Beispiel mit dem

Dennoch möchte sie die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Musikfreunde am ­Morgen merken, was die Wortbeiträge wert

«Gemeinsam weiterkommen» hiess es an der 59. DV der SRG Zentralschweiz. Der Präsident der SRG SSR, Raymond Loretan, präsentierte die Eckpfeiler der neuen ­Vereinsstrategie, während SRG.Z-Präsident ­Niklaus Zeier die 56 Delegierten aufrief, vermehrt «Flagge zu zeigen für Schweizer Radio und Fernsehen und den Service public». Der Zuger Regierungsrat Urs Hürlimann hoffte bei seiner Grussadresse, «dass bei allen Diskussionen um Kosteneffizienz die regionalen Fenster ihre Bedeutung nicht verlieren». Neu im Vorstand der SRG.Z ist ­Florian Flohr als Vertreter der römisch-katholischen Landeskirche. Mit grossem Dank verabschiedet wurden die beiden Revisoren, Gerold Zenoni (seit 1977) und Elisabeth Gottrau (seit 1993). Die Nachfolger sind Pirmin Marbacher und Marion Renner.

SRF-Direktor Ruedi Matter zum Antrag, das tpc in SRF zu integrieren.

2012 brachte das 5000ste Mitglied, das Regi ZH SH wurde auf DAB aufgeschaltet und anstelle des budgetierten Verlusts ­resultierte ein Gewinn. Diese und weitere Informationen sowie rasche Entscheide prägten die 89. GV der SRG Zürich Schaffhausen in Uster, die auch von zahlreichen prominenten SRG- und SRFVertretern besucht wurde. So konnte ­SRF-Direktor Ruedi Matter gleich selbst zum Antrag eines Mitglieds, das Produk­ tio­nszentrum tpc als eigenständige AG ­auf­zulösen und in SRF zu integrieren, Stellung nehmen. Das tpc trage zur Flexibilität und Finanzierung des SRF bei, ­gerade weil es als AG seine Leistungen gewinnorientiert verkaufen könne, dies im Gegensatz zur nicht gewinnorientierten SRG. Der Antrag wurde abgelehnt.

LINK 4/2013

Dass es bereits heute auch ein paar positive Rückmeldungen aus der bisherigen Hörerschaft gibt, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. So etwa die Hörerin aus Ennetbaden, die die «lockere und dennoch anspruchsvolle Weise» schätzt. Für einen ­begeisterten Hörer aus Flurlingen ist es nun endlich «richtiges Aufwach-Radio.» Und eine Hörerin findet das Programm neuerdings so spannend, dass sie sich kaum losreissen kann, um einkaufen zu gehen. Alexandra Hänggi

Nachtrag: Der Fluss wird verbessert

Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

Im Publikum: Raphael Prinz, neuer InlandKorrespondent SRF in der Zentralschweiz.

Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

www.srgd.ch > Mitgliedschaft > Fotogalerie

sind, «dass sie unsere Sorgfalt spüren und ihre Hörgewohnheiten umstellen. Ich setze aufs Stammpublikum und auf neue Hörer.»

Auf Basis der vielfältigen Rückmeldungen hat die Programmleitung von SRF 2 Kultur die aktuellen Sendestrecken am Morgen und am Vorabend per 21. Mai 2013 überarbeitet. Neu sind die Nachrichten-Bulletins zwischen 6 und 9 Uhr aufs Maximum ­reduziert, das heisst, sie sind nur noch 60 bis 90 Sekunden kurz und liefern ­maximale inhaltliche Qualität. Direkt im Anschluss daran folgen neu zu jeder ­vollen Stunde die aktuellen «Kultur-Nachrichten». Der poetische Gedankenanstoss für den Tag wird neu bereits um 6.10 Uhr ausgestrahlt. Ansonsten gibt es von 6 bis 9 Uhr und von 16 bis 18.30 Uhr insgesamt etwas mehr Platz für Musik und Moderation, ­damit sich der Programmfluss in diesen aktuellen Sendestrecken weiter verbessert. Das Magazin «Kultur kompakt» mit den Highlights aus dem Morgen von SRF 2 Kultur beginnt neu direkt nach den 12-Uhr-Nachrichten und dauert eine halbe Stunde. Der «Lokaltermin», das wöchentliche Mini-Feature-Format auf Radio SRF 2 Kultur, wird neu am Samstagmorgen um 8.30 Uhr ein zweites Mal ausgestrahlt. Franziska Baetcke, Programmleiterin Radio SRF 2 Kultur

9


Bild: tpc /Gian Vaigl

tpc

Die Broadcast-Show ist nicht bloss ein Tummelplatz für Bubenträume: Über die Trends im Bild sein ist für Technologiefirmen existenziell. Kameravorführung (links), Vizrt-Vertreterin mit dem innovativen System für Spielanalysen (Mitte), Thomas Brun, tpc, mit einer kleinen Kamera-Drohne.

Broadcast-Innovationen

Von Las Vegas nach Leutschenbach Jeden Frühling ist Las Vegas Schauplatz für die wichtigsten Technologie-Neuerungen der Fernsehbranche. Auch tpc spürte an der NAB-Messe die wichtigsten Trends auf. Einige der Highlights zeigte die SRG-Technologietochter Interessierten im Studio 5 am Leutschenbach. Trendige Kameras, drahtlose Übertragungstechnologien oder Drohnen unterschiedlicher Grösse – das Studio 5 der technology and production center switzerland ag (tpc) war für einen Tag Ausstellungsort für ausgewählte Produkte, die u ­ nlängst an der NAB-Show, der weltweit grössten Broadcast-Messe, in Las Vegas präsentiert worden sind.Vor Ort in der Stadt der Zocker war auch tpc. «tpc ist Technologie-Provider und muss in dieser Rolle wissen, was die Branche zurzeit zu bieten hat», begründet Thomas Brun, Head of Innovation bei tpc, den Besuch. «Wir von tpc Innovation versuchen natürlich, weiter zu gehen und suchen nach Zeichen, was die Hersteller in Zukunft im Schilde führen.» Das gestaltet sich freilich nicht immer ganz einfach, doch: «Mit dem Netzwerk von Informanten und der einen oder anderen Indiskretion lässt sich manchmal einiges zusammenreimen.»

ein Tablet oder Smartphone liefert und von dessen grossem Potenzial tpc bereits vor Jahren überzeugt gewesen war. Mit der von tpc eigens entwickelten Fussball-App lassen sich beispielsweise bei einem Fussballspiel neben dem Hauptstream Nebenschauplätze einblenden. So sehen Zuschauer auf dem Fernsehbildschirm den strammen Schuss in der Wiederholung, während das iPad zeitgleich den jubelnden Trainer oder das Tor in einem anderen Winkel zeigt. Ein weiteres spannendes Produkt kommt von YellowBirds Surround Video System: Eine 360°-Kamera, mit der es möglich ist, ein zusätzliches Live-Video auf einem mobilen Gerät oder im Browser zu zeigen. So könnte man, während auf dem TV die Abfahrt in Wengen läuft, auf dem Tablet einen selber ausgesuchten 360°-Schwenk im Startraum ansehen.

Vor Ort zu sein, ist daher existenziell, denn Trends werden so früh erkannt. Brun: «Daraus leiten wir ab, was in Zukunft gefordert wird, und entwickeln Prototypen, die wir dann unserem Hauptkunden SRF oder Drittkunden anbieten.» Ein Beispiel ist der Second Screen, der zusätzliche Inhalte auf

Für tiefgreifende Spielanalysen entwickelte Vizrt sein Viz Libero System. Die Technologie, die in einem ETH-Spinoff entstand, erinnert stark an ein Videogame: Sämtliche Spielszenen können in 3D aufbereitet, einzelne Akteure via virtuellen Lichtstrahl hervorgehoben oder mögliche Ballwege samt Alternativszenarien aufgezeigt werden. So kann ein Experte im Studio den Zuschauern bildlich aufzeigen, was auf dem Rasen gerade besonders gut oder schlecht lief.

10

LINK 4/2013

Wissen, was die Zukunft bringt

ZDF nutzt diese Technologie bereits: Im Sportstudio wird das wöchentliche Spiel des Abends auf diese Weise analysiert.

Übertragung wird viel effizienter Auch punkto Übertragungstechnik liefert der Markt einige Neuerungen. Der deutsche Hersteller Riedel bietet Signaltransport, -bearbeitung und Routing in einer Box an. Bei externen Übertragungen kann damit auf teure Übertragungswagen verzichtet werden. So können bis zu 36 Kamerasignale mit zugehöriger Steuerung über zwei Glasfaserverbindungen in das Mutterhaus übermittelt werden. In der Schweiz sind schon viele Stadien mit dem tpc in Zürich über Glas verbunden. Es wäre also denkbar, dass in Zukunft nur noch Kameras in den Stadien stehen. Der ganze Rest wäre in Zürich und für mehrere Stadien vorhanden. Auf diese Weise wird Fernsehen um einiges effizienter. Michael Benzing

Tipp! Wer in die Welt der neuen Entwicklungen eintauchen möchte, findet hier von tpc zusammengestellte Links: www.linkmagazin.ch > Aktuelle Ausgabe


srg ssr

Einladung zur nationalen Tagung SRG SSR 2013

Werbung und Gebühren: Zauberformel für den Service public? Die zweite nationale Tagung des Vereins SRG findet am Freitag, 27. September 2013, in Montreux statt. Die Veranstaltung, die von RTSR organisiert wird, steht allen Mitgliedern der vier Regionalgesellschaften – SRG.R, SRG.D, CORSI und RTSR – offen. Die Finanzierung von Service-public-Medien und die Rolle der Werbung stehen im Fokus des diesjährigen Anlasses. Die Produktion und Ausstrahlung von gleichwertigen Programmen auf Radiound Fernsehsendern in den vier Landessprachen im gesamten Gebiet der Schweiz sowie der Betrieb von interaktiven Plattformen: Dies ist der Auftrag der SRG, die dafür über ein Jahresbudget von 1,6 Milliarden Franken verfügt. Doch woher stammen diese finanziellen Mittel? Wird das gegenwärtige Geschäftsmodell auch in Zukunft noch anwendbar sein? Und wie werden eigentlich die Service-public-Medien in unseren Nachbarländern finanziert? Kann die Online­­­­ werbung als neue Einnahmequelle betrachtet werden? Wie wird die Werbung in einigen Jahren aussehen? Welches Modell könnte in Zukunft für die Finanzierung der Service-public-Medien zur Anwendung gelangen? In einem Umfeld, in dem völlig neue crossmediale Plattformen aufkommen, drängen sich diese Fragen auf.

SRG-Führungskräfte wie Raymond Loretan und Roger de Weck,Vertreter von Publi­ suisse und der Hochschulen wie Professor Stephan Russ-Mohl von der Universität der italienischen Schweiz, Experten auf dem Gebiet der neuen Medien – anerkannte Fachleute mit unterschiedlichem Background kommen in Montreux zusammen, um das Thema von allen Seiten zu beleuchten und gemeinsam Antworten auf diese brennenden Grundsatzfragen zu ­finden.

In den Pausen werden zudem die besten (und die schlechtesten) Werbespots aus der ganzen Welt gezeigt – mal witzig, mal berührend, immer aber überraschend. Die Tagung klingt mit einer gemeinsamen Abendveranstaltung aus. Montreux bietet den idealen Rahmen für einen ungezwungenen Austausch unter Mitgliedern über die Sprachgemeinschaften hinaus. Julien Stauffer

Programm und Anmeldung Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt, bei der sich auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einbringen können. Die Rednerinnen und Redner äussern sich frei in einer der Landessprachen. Ein Dolmetscherdienst in die jeweils anderen Sprachen ist vorgesehen.

Ihre Teilnahme bestätigen, ein Zimmer reservieren und das Programm der Tagung einsehen können Sie unter www.tagungsrg2013.ch. Oder Sie scannen einfach das Logo der ­Tagung mit Ihrem Smartphone. Anmeldeschluss ist der 15. Juli 2013. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfehlen wir Ihnen, sich umgehend anzumelden.

Die Waadtländer Riviera heisst Sie willkommen! ­ elle Époque erbaut und kürzlich aufwänB dig renoviert wurde, liegt idyllisch direkt am See mit Sicht auf das atemberaubende Alpenpanorama, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Wir bieten den Tagungs-

gästen spezielle Übernachtungsangebote sowohl in diesem wie auch in einem anderen Hotel. Auf Wunsch kann auch ein touristisches Programm für den Samstag gebucht werden.

Bild: Régis Colombo

Im letzten Jahr war das Tessin mit Lugano Gastgeber der nationalen Tagung, in diesem Jahr ist es Montreux in der französischen Schweiz. Das Grand Hôtel ­Suisse-Majestic, das 1870 im Stil der

LINK 4/2013

11


SRf

Nach 43 Jahren Radio-Nachrichten in den Ruhestand

«Die Sprache ist freier und burschikoser geworden»

Haben die ganze Entwicklung der Nachrichtenberichterstattung im Radio miterlebt und geprägt: Remo Pagani (links) und Kurt Witschi.

LINK: Sie haben beide eine unglaublich lange Zeit für das Radio gearbeitet. War es die Faszination des Mediums oder was waren die Hauptgründe? Remo Pagani: Die Faszination für das ­Radio kam erst später. Am Anfang waren es mein Interesse für Politik, Gesellschaft und Soziales und die Freude am Formulieren, am Schreiben und an der Rolle des Vermittlers von Neuigkeiten, die mich beruflich ausfüllten. Aber der Einstieg ins Medium während meines Studiums war sehr zufällig. Kurt Witschi: Das Radio hat mich schon als Bub fasziniert. Ich machte aber zuerst eine KV-Lehre und wurde danach Redak­ tionssekretär beim «Berner Tagblatt». Mein

12

Ziel war es aber schon damals, die Radionachrichten zu schreiben und auch zu ­lesen. 1970 – zur Zeit als das Schweizer ­Radio seine Nachrichten auf- und ausbaute – habe ich mich beim Chefredaktor ge­ meldet und dieser hat mich stante pede angestellt. Wie haben sich die Nachrichten in dieser langen Zeit verändert? Kurt Witschi: Heute gibt es weitaus mehr Programme und Nachrichtensendungen auf verschiedensten Kanälen. Als ich mit dem Radio sozialisiert wurde, gab es fünfmal Nachrichten pro Tag: die Nachrichten der SDA. Später kamen dann die KurznachrichLINK 4/2013

ten von Schweizer Radio aus dem Studio Bern dazu. In der Nacht gab es keine Nachrichten. In der Zwischenzeit ist das laufend ausgebaut worden. Zudem sind die einzelnen Nachrichtensendungen kürzer geworden. Remo Pagani: Im Gegensatz zur SDA begannen wir damals, die Informationen einzuordnen und in einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Mit dem Trend zu kurzen Bulletins mussten wir davon in den letzten Jahren wieder etwas abrücken. Kurt Witschi: Früher hätten wir uns nie getraut, ein Kommuniqué des Bundesrats einzuordnen oder abzuändern. Aber wir haben das Lead-System eingeführt, um im ersten Satz das Wichtigste zu bringen. Die

Bild: Charles Benoit

Gleich vier Radiolegenden sind in Bern verabschiedet worden (vgl. Kasten). Ein Berufsleben lang haben Remo Pagani und Kurt Witschi für die Nachrichten von Radio DRS, SR DRS und zuletzt Radio SRF gearbeitet. Was sich in dieser Zeit verändert hat, erzählen sie im Gespräch mit LINK.


Kurt Witschi: Ein anderes Thema sind die Anglizismen. Es gibt nur noch Crews und keine Belegschaften mehr oder es gibt nur noch Jobs.

Wie wichtig waren bei dieser Entwicklung die Einflüsse von aussen? Remo Pagani: Die privaten Lokalsender haben unsere Arbeit ab 1984 stark beeinflusst. Kurt Witschi: Ja, aber wir hatten schon in den Siebzigerjahren gute Vordenker – etwa Gusti Hostettler –, die wichtige Veränderungen eingeführt haben. Aber mit den Lokalradios haben sich der Journalismus und das Journalismusverständnis verändert. Früher stellte man einem Bundesrat keine ungehörige, kritische oder gar freche Frage und hinterfragte auch eine Aussage nicht.

War das früher anders? Gab es entsprechende Regeln oder Weisungen in der Nachrichtenredaktion? Kurt Witschi: Vieles war ungeschrieben. Dann habe ich mal begonnen, Regeln aufzuschreiben – Empfehlungen eigentlich. In der Redaktion hatte ich den Auftrag zur Sprachpflege, musste aber offen bleiben für die Entwicklung der Sprache.

Kurt Witschi

Ist die Nachrichtensprache heute näher bei der Umgangssprache? Remo Pagani: Ja, sie ist heute der Umgangssprache oft sehr nah. Persönlich geht mir das zu weit. Kurt Witschi: Zum Teil sind sich die jungen Leute gar nicht bewusst, dass bestimmte Formulierungen der Gossensprache sehr nahe sind. Remo Pagani: Die Sprache ist heute vielleicht verständlicher, aber weniger sorgfältig. Die Pflege der Sprache ist heute nicht mehr so wichtig wie früher. Die Nachrichten sind heute auch mehr auf den Boulevard ausgerichtet.

«Die Sprache ist heute vielleicht verständlicher, aber weniger sorgfältig.» Hat man in der heutigen News-Welt noch genügend Zeit, die Sprache zu pflegen? Remo Pagani: Der Druck auf die Nachrichtenleute ist immens, ja fast unmenschlich. Die Leute müssen sehr rasch arbeiten. Darunter leidet die Sorgfalt der Sprache. Für mich ist eine hörerfreundliche Sprache das Wichtigste. Ich muss versuchen, einen komplizierten Sachverhalt möglichst einfach darzustellen. Kurt Witschi: Wenn man unter Druck steht, ist man sehr schnell bei feststehenden Begriffen. Dann gibts «grünes Licht», «die Weichen sind gestellt» und «die Fluggesellschaft fliegt einen Verlust ein» und all diese Modebegriffe.

Bild: Charles Benoit

Remo Pagani

Alexander Gschwind Fast 35 Jahre lang arbeitete Alexander Gschwind für Radio SRF. Er beobachtete die politischen Turbulenzen in Iberien und im Maghreb und war 12 Jahre lang ­Korrespondent in Madrid. ­Seine persönliche Bilanz zur Zeitgeschichte dieser Region zog er im «Echo der Zeit».

Remo Pagani 43 Jahre lang hat Remo ­Pagani als stiller, engagierter, seriöser Schaffer und geschätzter Kollege in der Nachrichtenredaktion ­gearbeitet. Ans Mikrofon trat er nur ungern – etwa spätabends oder in Notfällen.

Remo Pagani.

Bild: SRF

«Früher hätten wir uns nie getraut, ein Kommuniqué des Bundesrats einzuordnen oder abzuändern.»

Alexander Gschwind.

Daniel Schmidt Mit Daniel Schmidt ist ein leidenschaftlicher RadioMann in Pension gegangen. 34 Jahre lang war er mit der sanften, sonoren Stimme für Radio SRF tätig. Die meiste Zeit für SRF 1, aber auch als Geburtshelfer und Moderator für DRS 3.

Daniel Schmidt.

Hat sich in der langen Zeit, die Sie ­überblicken können, auch die Auswahl der Inhalte verändert? Kurt Witschi: Ein Stichwort: Wir haben ­früher kaum Wirtschaftsmeldungen gebracht, schon gar nicht Quartalsmeldungen. Remo Pagani: Und heute bringen wir fast nur noch Wirtschaftsmeldungen. Kurt Witschi: Wir zwei alten Humanisten fragen uns manchmal schon, was ein Hörer oder eine Hörerin damit anfangen kann, wenn am Morgen dreimal hintereinander eine Kurzmeldung über das Quartals­ ergebnis eines Konzerns kommt. LINK 4/2013

Bild: Charles Benoit

Haben sich diese Veränderungen auch in der Sprache ausgedrückt? Remo Pagani: Die Nachrichten waren früher noch sehr nahe an der Beamtensprache und am Verlautbarungsjournalismus. Sprachlich haben wir uns sicher weiterentwickelt. Kurt Witschi: Die Sprache ist freier, vielleicht auch burschikoser geworden. Und auch die Wortwahl ist heute frecher. Wir hätten doch früher nie geschrieben: Das Bundes­gericht pfeift den Kanton ­Zürich zurück.

Bild: SRF

grösste Veränderung aber war die Einführung von Korrespondentenbeiträgen in den Nachrichtensendungen 1979 mit dem «Morgenjournal».

Kurt Witschi.

Kurt Witschi «Verantwortlich: Kurt Witschi» – wohl über 30000 Mal ­endete eine Nachrichtensendung von Schweizer ­Radio, Radio DRS oder ­Radio SRF mit diesen Worten. Mit ihm geht nach 43 Jahren das wandelnde ­historische Gedächtnis der Redaktion in den aktiven Ruhestand.

Interview: Ueli Scheidegger

usch

13


Publikumsrat

Publikumsratsmitglieder testen das Social-Media-Angebot von SRF.

Alexander Sautter, Bereichsleiter SRF News Online, spricht über echte und gefälschte Bilder in den Social Media.

Publikumsrat und Social Media

Das digitale Zeitalter und der alte Turm – zwei Welten Am 16. Mai traf sich der Publikumsrat in Zürich zum zweitägigen Seminar 2013. Thema der diesjährigen Weiterbildung: Social Media. «Die einen heulen rum, andere sind blind vor Liebe, alle sind wir überfordert: Willkommen im digitalen Leben.» So schreibt David Bauer in seinem Buch «Kurzbefehl. Der Kompass für das digitale Leben». Und weiter: «Wir sind immer online, immer erreichbar. Und immer ratloser, was wir mit all den Fragezeichen machen sollen, die das Digitale in unser Leben gestellt hat.» Auch der Publikumsrat ist im digitalen Leben gelandet. Definitiv. Einige Mitglieder waren schon im Rat, da gabs weder Facebook, Twitter noch YouTube, keine iPods, keine Smartphones. Inzwischen beobachtet der Publikumsrat nicht nur Fernsehsendungen, sondern auch deren Online-Auftritt. Und kaum jemand verdreht die Augen, wenn die Jazz-Sendung erst um 23.15 Uhr ausgestrahlt wird, man schaut und hört sie sich dank SRF-Player am nächsten Tag gemütlich beim Frühstück oder unterwegs im Zug auf dem Laptop oder Tablet an.

dia aufbauen. 2. Praxisbezug herstellen. 3. Strategie und Umsetzung von Social Media bei SRF kennen. – Am ersten Seminartag war der Publikumsrat im neuen Gebäude der Pädagogischen Hochschule Zürich nah am Puls der Moderne.

Koexistenz statt Kooperation Philomen Schönhagen ist an der Universität Fribourg Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Soziale Kommunikation im Internet. Sie gab einen Überblick zum partizipativen Journalismus vom 18./19. Jahrhundert bis hin zu den heutigen Hyperlocal Communities. Ihr Fazit über den Jetzt-Zustand: «Es geht eher um Koexistenz denn um Kooperation.» Beim Blick in die Zukunft prognostiziert sie «eine Zunahme der Mobilnutzung».

An seinem zweitägigen Seminar zum Thema Social Media setzte sich der Publikumsrat folgende Ziele: 1. Wissen zu Social Me-

Wissen Sie, was ein «Shitstorm» ist? Oder ein «Candystorm»? Klaus Rummler, Forschungsgruppenleiter an der Pädagogischen Hochschule Zürich, erklärte verschiedene Begriffe, vermittelte Grundwissen zu Social Media und erzählte Über-

14

LINK 4/2013

raschendes. Zum Beispiel, dass die Videoplattform YouTube an gewissen Tagen ­höhere Zugriffszahlen verzeichnet als die Suchplattform Google. Klaus Rummlers ­Referat zeigte aber auch, dass Antworten zu neuen Fragen führen. Ein Beispiel: Wenn 4000 Leute auf Facebook eine Sendung ­«liken» – haben sie die Sendung tatsächlich auch angeschaut? Das herauszufinden, wäre zur Beurteilung von Programmnutzung und Reichweitenmessung interessant. Der Stv. Bereichsleiter SRF News Online, Alexander Sautter, betonte die Bedeutung von Social Media im Alltag von Journalist­ innen und Journalisten. Er zeigte, wie über Twitter recherchiert werden kann. Notwendigkeit und Herausforderung sei es dann aber, Meldungen, Bilder,Videos, die man auf Social Media finde, auf ihre Echtheit zu überprüfen.

Das Ende der One-Way-­ Sender-Mentalität Viele Unternehmen haben keine bzw. eine erfolglose Social-Media-Strategie – dies


Publikumsrat Riccardo Pozzi liess sich vom Seminar inspirieren und postete ein Handy-Foto auf Facebook mit dem Kommentar:

Publikumsrat Riccardo Pozzi beobachtet, wie der Kundendienst SRF per Twitter kommuniziert.

zeigte das Referat von Programmreferent SRF Ramón Bill. Wie Facebook, Twitter und Co. die Medienhäuser verändern, fasste er so zusammen: «Social Media sind das Ende der One-Way-Sender-Mentalität.» Lucas Bally, Social-Media-Verantwortlicher von SRF, erklärte mit praktischen Beispielen, wie sich SRF mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzt. So gebe es einen klaren Trend zur Parallelnutzung von Fernseher und Social Media, womit während einer laufenden Sendung etwa auf Reaktionen und Anregungen von Zuschauerinnen und Zuschauern eingegangen werden könne. Einen gewaltigen Sprung aus der digitalen Welt zurück ins Mittelalter machte der Publikumsrat, als er am Abend des ersten Tages auf den Turm der Kirche St. Peter hochstieg: dicke Mauern, schwere Glocken, das mit 8,70 Metern Durchmesser grösste Turmzifferblatt Europas, eine viele Jahrhunderte alte Geschichte, in der es auch Intrigen und dunkle Machenschaften gab.Von zuoberst im Turm ein heller, freier Blick über Stadt, See, Berge. Jahrhundertelang hatten die Feuerwache und ein bis drei Trompeter von hier oben die Bevölkerung alarmiert, wenn es irgendwo brannte.

Mit Social Media jüngere Leute erreichen Für den Rückweg vom Mittelalter in die Jetzt-Zeit hatte der Publikumsrat eine kurze Nacht lang Zeit. Am Freitag drehte sich im Fernseh-Hochhaus Zürich-Leutschenbach wieder alles um Social Media. Zu dem The-

ma «Arbeitsalltag im Bereich Social Media beim Sport, bei den News, bei Radio SRF 3 und beim Kundendienst» gab es je ein kurzes Einstiegsreferat durch eine Fachperson von SRF mit Aussagen wie zum Beispiel: «Unser Ziel ist, mit Social Media jüngere Leute zu erreichen und zu zeigen: Wir sind vor Ort.» (Danielle Hausmann, Sport) / «Wir wollen dem Publikum eine Stimme geben, den Dialog pflegen statt einen Monolog zu führen.» (Alexander Sautter, News) / «Die ganze Redaktion nutzt Social Media, situativ auch in der Freizeit. Social Media muss man leben.» (Andrew Jones, Radio SRF 3) / «Wir wollen am Puls der Zeit sein und ­twittern im Kundendienst per du.» (Rahel ­Stössel, Kundendienst). Die anschliessende Diskussion mit dem Publikumsrat, der sich entsprechend den vier Themenkreisen in vier Gruppen aufgeteilt hatte, war engagiert und anregend – und führte zum Schluss des Seminars. Präsident Manfred Pfiffner meinte zum Abschied: «Schon in zwei Jahren werden wir wohl über unsere heutigen Überlegungen zum Thema Social Media den Kopf schütteln.» Einen Blick in die Zukunft wagte auch David Bauer in seinem Buch «Kurzbefehl». «So könnte die ‹Tagesschau› als Videospiel angeboten werden, in dem ein aktuelles Ereignis aus der Perspektive der Akteure miterlebt werden kann.» Bei solchen Aussichten ist es beruhigend zu wissen, dass St. Peter in Zürich wohl auch in Jahrzehnten und Jahrhunderten noch stehen wird und die Zeiger am grossen Turmuhr-Zifferblatt sich unverändert weiter drehen werden. Cornelia Diethelm LINK 4/2013

Martin Peier lebt in Uetikon am Zürichsee. Er ist reformierter Theologe und bringt mediale Erfahrungen in den Publikumsrat. Zunächst war er im Bereich von Jugendarbeit und Jugendkultur tätig, danach Beauftragter der Reformierten Medien für Radio und Fernsehen. Er prägte kirchliche Sendungen, bildete Leute aus für deren Auftritt in den Medien und arbeitete im Bereich von Krisenkommunikation.

Bild: zVg.

«Neulich auf dem St.-Peter-Turm in Zürich (grösstes Zifferblatt, usw.). An diese Haken hänge sich der Dachdecker, wenn er Dachschindeln auswechseln müsse. Wäääääääähh!!!»

Bilder: Imagopress / Patrick Lüthy

Neu im Publikumsrat

Martin Peier, Uetikon, ist neuer Publikumsrat.

Die Arbeit im Publikumsrat interessiert Martin Peier, weil durch gesellschaftliche Veränderungen und durch technische Möglichkeiten die Aufgaben öffentlicher Kommunikation anders verteilt und geprägt werden. Wie entwickeln sich die Rollen öffentlicher Institutionen? Wie entwickeln sich Radio, Fernsehen, Internet als konvergierende Medien? Das sind ­unter anderem die Themen, an denen er mitdenken will. Cornelia Diethelm

Der Publikumsrat setzt sich aus 26 Mitgliedern zusammen. Durch Feststellun­gen und An­re­ gun­gen begleitet er im Austausch mit den ­Verantwortlichen die Programmarbeiten von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF). Er ist ein rein konsultatives Gremium und verfügt gegenüber den Programmverantwortlichen und Programmschaffenden über keinerlei Weisungs­ befugnis (vgl. auch www.publikumsrat.ch).

15


Ombudsstelle

Beanstandung gegen «Rundschau» auf SRF 1

Die Dissertationen von Professor Mörgeli Selten verursacht ein Fernsehbeitrag derart grosse Diskussionen wie jener der «Rundschau» vom 27. März 2013 über die von Professor Christoph Mörgeli am Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich angenommenen Dissertationen. Die gegenseitigen Vorwürfe waren schwerwiegend und der Fokus vor allem auf die Person Mörgeli gerichtet. «heissen Stuhl» zu spät und zu unvollständig über die gegen ihn gerichteten Vorwürfe informiert und unter grossen Zeitdruck gesetzt worden, so dass er nicht adäquat habe reagieren können. Das ­Motiv der «Rundschau», so die schwerwiegende Schlussfolgerung von Mörgeli, sei ein rein politisches.

Professor Christoph Mörgeli (rechts) bei der Darlegung seiner Sicht der Dinge auf dem «heissen Stuhl» der «Rundschau». Links Moderator Sandro Brotz.

Bild: SRF / Screenshot

… von der Redaktion abgewiesen

Im beanstandeten «Rundschau»-Beitrag wird Mörgeli vor allem vorgeworfen, Dissertationen mit einem fragwürdigen Qualitätsstandard akzeptiert zu haben. Gemäss Recherchen der «Rundschau» handelt es sich bei einem Dutzend von Titularprofessor ­Mörgeli betreuten Dissertationen lediglich um «Transkriptionen»: simples Abschreiben von alten Dokumenten in deutscher Schrift, praktisch ohne kritische Aufarbeitung, Auswertung und Einordnung. Im Beitrag bestätigen zwei anonyme Doktoranden, dass eine wissenschaftliche Bearbeitung nicht nötig gewesen sei. Sehr viele ­Studenten seien so zum Doktortitel gekommen. Eine Genfer Professorin konnte nicht verstehen, dass eine Universität solche Dissertationen toleriere. Sie verlangte von der Universität Zürich die Überprüfung der zur Diskussion stehenden Dissertationen.

16

Heftige Kritik … Die Reaktion von Professor Mörgeli auf die Berichterstattung war heftig. Zwar ­bestritt er nicht, dass es sich bei vielen ­Dissertationen um Transkriptionen handle. Es sei aber falsch, von reiner Abschrift zu sprechen. Es handle sich um eine sehr ­aufwändige und anspruchsvolle Arbeit, die eine respektable wissenschaftliche Leistung darstelle, was im «Rundschau»Bericht in Frage gestellt wurde. Der Beitrag sei ohne Einholung einer Gegenmeinung erstellt worden. Der im Schattenriss gezeigte Doktorand sei von ihm und anderen Doktoranden problemlos erkannt worden. Es würde sich nicht um einen Arzt, sondern um einen Zahnarzt ohne Doktortitel handeln. Auch sei er selbst bei der Einladung auf den LINK 4/2013

Redaktionsleiter Mario Poletti bestreitet in seiner Stellungnahme vehement die unterstellten politischen Motive der Berichterstattung. Professor Mörgeli habe selber nach seiner Entlassung als Konservator des Medizinhistorischen Museums der Universität Zürich seinen wissenschaftlichen Leistungsausweis hervorgehoben. Zudem habe er sich für die Stelle als ­Rektor der Universität Zürich beworben. Bereits diese an sich unbestrittene Ausgangslage würde rechtfertigen, die Arbeit von Christoph Mörgeli als Titularprofessor genauer anzuschauen. Dass es sich bei einem Teil der von Mörgeli betreuten Dissertationen um «Transkriptionen» handelt, sei unbestritten. Die Zweifel an ihrem wahren Wissenschaftlichkeits­­gehalt seien begründet und durch zwei Doktoranden sowie eine Expertin untermauert worden. Der Redaktionsleiter der «Rundschau» ­bestreitet die Interpretation betreffend des anonymen Zeugen: Es handelt sich um einen Doktoranden, der seinen Doktortitel bei Professor Mörgeli gemacht hat. Sämtliche im Beitrag gemachten Aussagen seien


Einseitigkeit korrigiert In ihrem Schlussbericht hatte die Ombudsstelle für die kritische Reaktion von Nationalrat Mörgeli durchaus Verständnis. Denn sie kam zur Einsicht, dass das Hauptinteresse an einer derartigen ­Berichterstattung vorwiegend an die ­Person Christoph Mörgeli gebunden war. Wie dem auch sei. Die sogar durch die Bundesverfassung gewährleistete Freiheit von Radio und Fernsehen ist in unserer demokratischen Gesellschaft ein prioritäres Gebot, das der «Rundschau» durchaus gestattet, die Person Mörgeli in den Vordergrund zu stellen und seine Tätigkeit als «Doktorvater» kritisch zu untersuchen. ­Dabei erfordert die Gewährleistung der freien Meinungsbildung des Publikums die Einhaltung von zentralen journalistischen Sorgfaltspflichten. In dieser Hinsicht gelang die Ombudsstelle zu den nachstehenden Schlussfolgerungen: Die fraglichen Dissertationen wurden im Bericht sachlich, wahrheitsgetreu und ­verständlich genug dargestellt, sodass Zuschauerinnen und Zuschauer in der Lage waren, zu beurteilen, um was es geht. Die anonyme Befragung von zwei Doktoranden war unerlässlich, um die kritischen ­Ergebnisse der Recherche der «Rundschau» durch Direktbetroffene zu bestätigen. ­Bezüglich der wahren Identität von «Dr. Anonymus» steht Aussage gegen ­Aussage. Da auch gegenüber der Ombudsstelle der Quellenschutz zu gelten hat, ist es ihr nicht möglich, über diese gegensätzlichen Behauptungen zu befinden.

«Rundschau»-Bericht die Anforderungen an die journalistischen Sorgfaltspflichten ungenügend wahrgenommen. Wichtige Aspekte wurden ausgeklammert oder nicht vertieft, andere Vorwürfe zu wenig begründet. Auch der Titel – «Professor in der Kritik» – sowie die Suggestivfrage zu Beginn der Sendung – «Ist er tatsächlich der Wissenschaftler, den er vorgibt zu sein?» – suggerieren die Antwort. Der Bericht wurde deshalb als einseitig beurteilt. Die Art und Weise, wie Mörgeli zu den nötigen Vorinformationen vor seiner Teilnahme in der «Rundschau» auf dem «heissen Stuhl» gelangen konnte, ist als problematisch anzusehen. Er verfügte aber trotzdem rechtzeitig über die erforderlichen Informationen. Christoph Mörgeli hatte die ­Gelegenheit, sämtliche über seine wissenschaftliche Tätigkeit erhobenen Kritiken zu widerlegen und seine Sicht der Dinge ausführlich darzulegen. Dadurch konnte die Einseitigkeit des «Rundschau»-Berichtes weitgehend kompensiert werden. Die Ombudsstelle erachtet die Frage nach dem Rücktritt von Nationalrat Mörgeli als verfehlte Provokation. Sie vermischt wissenschaftliche und politische Tätigkeit in problematischer Weise. Doch auch diese Episode wurde transparent vermittelt, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden konnte. Trotz der erwähnten Kritiken an der Berichterstattung der «Rundschau» kam die Ombudsstelle zum Schluss, dass insgesamt das Sachgerechtigkeitsgebot nicht verletzt wurde. Sie konnte deshalb die Beanstandung nicht unterstützen. Die Ombudsstelle hatte eine an sich schwierige und aufwändige, aber durchaus sehr interessante Aufgabe zu bewältigen. Ich bin gespannt, ob die UBI ihre Schlussfolgerungen und Überlegungen teilen wird.

Im Fokus der drei beanstandeten SRF-Beiträge stehen die von Mörgeli angenommenen Dissertationen.

Mörgeli und die «Fertigmacher-Kampagne» Mit den zum Teil gleichen Argumenten hat Nationalrat Mörgeli auch die Beiträge in «10vor10» vom 28. März 2013 und in der «Rundschau» vom 3. April 2013 beanstandet. Beflügelt vom Hype der Sendung vom 27. März 2013 (siehe Haupttext), würde SRF «die Fertigmacher-Kampagne» gegen ihn fortsetzen. In beiden Sendungen ging es primär um die Vergabepraxis von Dissertationen an der Medizinische Fakultät der Universität Zürich. Dass es zulässig ist, einen solchen ­Aspekt zu vertiefen, liegt auf der Hand. Betreffend «10vor10» bemängelte die Ombudsstelle, dass die gestellte Frage gar nicht beantwortet wurde. Die Sendung sei mangelhaft, aber rechtlich nicht zu beanstanden. Anders dagegen die «Rundschau» vom 3. April. Ohne genügende Beweise wurde argumentiert, dass in anderen Universitäten die Annahme von derartigen Doktorarbeiten gar nicht möglich wäre. Auch wurde ­unterlassen, die Praxis an der Universität Zürich vertieft zu analysieren. Das Publikum war somit ungenügend in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden. Die ­Beanstandung wurde deshalb als teilweise berechtigt beurteilt. Achille Casanova

Achille Casanova

Ungenügende Sorgfalt In Anbetracht der schwerwiegenden Vorwürfe zur Tätigkeit von Professor Mörgeli als Hauptverantwortlichem für die An­ nahme der Dissertationen wurden im

Bild: SRF / Screenshot

korrekt und Mörgeli hätte im Hinblick auf seine Teilnahme auf dem «heissen Stuhl» über alle notwendigen Informationen rechtzeitig verfügt.

Ombudsstelle SRG.D, Kramgasse 16, 3011 Bern, ombudsstelle@srgd.ch Weitere Beanstandungen finden Sie unter www.ombudsstellesrgd.ch LINK 4/2013

Möchten Sie die Schlussberichte in voller Länge lesen? Sämtliche Berichte der Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz finden sich unter: www.ombudsstellesrgd.ch > Beanstandungen

17


SRG aargau solothurn

In den Vorstand gewählt

Politische Breite und Fachkompetenz im Vorstand

Zwei der drei neuen Vorstandsmitglieder der SRG Aargau Solothurn, Dominique Oppler (Mitte) und Rolf Schöner (rechts), im Gespräch mit SRF-Direktor Rudolf Matter.

In seinem ersten Jahr als Präsident der SRG Aargau Solothurn verfolgte Peter Moor-Trevisan unter anderem ein grosses Ziel: Der Vorstand sollte erweitert und breiter abgestützt werden. Die in dieses Ziel gesteckte Arbeit trug schnell Früchte. An der Generalversammlung vom vergangenen 14. Mai konnte er den gut 100 Anwesenden drei neue Vorstandsmitglieder zur Wahl vorschlagen. Ob es ein Zufall ist, dass nach der Wahl dieser Persönlichkeiten im Alten Spital Solothurn der Vorstand auf elf Vorstandsmitglieder angewachsen ist, und somit genau der heiligen Solothurnerzahl «11» entspricht, bleibt dahingestellt.

keiten, die den Aufgaben der SRG Aargau Solothurn zugutekommen. Und nicht zuletzt sind alle drei medienerfahren.

So oder so sind die drei Neuzugänge – Dominique Oppler, Rolf Schöner und Ernst Zingg – die Verstärkung, die der Vorstand gesucht hatte. Alle drei sind nicht unbekannt und verfügen über Wissen und Fähig-

Dominique Oppler wurde 1956 in Basel geboren und wohnt heute in Hochwald im nördlichen Kanton Solothurn. Oppler hat zwar anfänglich in einer Bank gearbeitet, kam aber sehr schnell mit den Medien in Kontakt. Und seither habe ihn der Virus Medien nicht wieder losgelassen, wie er sagt. Er war unter anderem Verlags- und Marketingleiter im In- und Ausland, so auch für die damalige Solothurner Vogt-SchildGruppe, und ist heute selbständig erwerbend mit einem eigenen, auf Archäologie spezialisierten Verlag. Auch jetzt lassen ihn die Medien nicht in Ruhe, bekennt Oppler. Er spüre dank all den Tätigkeiten sowie der breiten Erfahrung den Medienmarkt. Das wolle er in die SRG Aargau Solothurn ein-

18

LINK 4/2013

bringen. Und zudem wolle er dem nördlichen, Basel-orientierten Kanton Solothurn eine Stimme in der SRG Aargau Solothurn geben.

Ein Mann mit Radio-Erfahrung Nicht weniger medienerfahren ist das zweite frisch gewählte Vorstandsmitglied, was beim Blick auf seinen Geburtsort vielleicht weniger überrascht: Rolf Schöner wurde 1966 in Heidelberg, bekannt für die dort ansässige Druckereimaschinenfabrik, geboren. Mit einer Verlagsausbildung arbeitete er erst in Verlagen in Deutschland und kam dann in die Schweiz. Hier ist Schöner seit vier Jahren Programmleiter beim Aargauer Radiosender «Kanal K». Seit 1997 arbeitet er beim Sender, erst als freier Sendungsmacher, dann drei Jahre als Programmkoordinator. Für den Ni-

Bild: Daniel Desborough

Drei neue Mitglieder in diesem Jahr, zwei im vorigen: Der Vorstand der SRG Aargau Solothurn ist gerüstet für die Arbeiten, die in den nächsten Jahren auf ihn zukommen.


Regional kreuz und quer

Durch sein Amt zu einer erheblichen Medienkompetenz gelangte der Dritte im Bunde der Neugewählten: Ernst Zingg, noch bis Ende Juli Stadtpräsident von Olten. Aber auch ohne diese exponierte Funktion: Medien hätten eine gewisse Faszination, so Zingg. Und sie sind aus Sicht des 62-Jährigen unverzichtbar: Kommunikation sei nicht nur ein Modewort, sondern eine absolute Notwendigkeit, und «die Kommunikation geschieht zu einem ganz wesentlichen Teil über Medien». Auch nach seiner Politarbeit (wobei Zingg weiterhin für die FDP im Solothurner Kantonsrat sitzen wird) interessieren ihn die Ansprüche des Publikums.

Peter Moor, Präsident SRG Aargau Solothurn

ebenso die beiden Kantone. Auch über die Qualifikationen der Neuzugänge ist Moor erfreut: «Sie verfügen über einen professionellen Hintergrund aus der Branche und/oder über ein sehr gutes Netzwerk.» Wie wichtig ist es für den Vorstand, dass mit Dominique Oppler (BDP) und Ernst Zingg (FDP) zwei Bürgerliche den Vorstand verstärken? «Wir stellen einen Druck aus SRG-kritischen Kreisen fest, die versuchen, die SRG als politisch links orientiertes Gebilde darzustellen», antwortet Peter Moor. Für ihn ist jedoch selbstverständlich: «Im Vorstand muss die ganze politische Breite vertreten sein.» Und dies wird mit den Neuzugängen untermauert, nachdem zuvor innert kurzer Zeit drei Persönlichkeiten mit gewerkschaftlichem Hintergrund zum Vorstand gestossen waren.

Bild: zVg.

Nach seiner Zeit als Stadtpräsident von Olten wird sich Ernst Zingg im Vorstand der SRG AG SO engagieren.

«Im Vorstand muss die ganze politische Breite vertreten sein.»

Auch der Umstand, dass die drei Neuen eine gewisse Bekanntheit haben, stärkt die Arbeit des Vorstands. «Prominente können Türen öffnen», sagt dazu Peter Moor. Am Beispiel von Zinggs bevorstehender Leitung des Solothurner Parlaments in zwei Jahren: «Wenn der Präsident des Solothurner Kantonsrats auch Vorstandsmitglied der SRG Aargau Solothurn ist, verschafft uns das eine unglaubliche Breitenwirkung.» Fabian Gressly LINK 4/2013

Bild: SRF /Oscar Alessio

Beat Hayoz, Gymnasiallehrer aus Düdingen, wurde an der Generalversammlung vom 24. April 2013 zum neuen Präsidenten der Freiburger Radio- und Fernsehgesellschaft FRF geBeat Hayoz. wählt. Er löst damit Hans-Ulrich Marti aus Wünnewil ab, welcher der FRF während sieben Jahren vorstand. Als Regionalrat bleibt Marti im Vorstand der Regionalgenossenschaft Bern Freiburg Wallis. Bild: Imagopress / Patrick Lüthy

«Wir konnten mit diesen drei Personen geografisch, politisch und auch geschlechtlich Lücken füllen», bilanziert Präsident Peter Moor nach der Wahl. Noch vor gut einem Jahr, ehe er (Olten) und René Lappert (Strengelbach) in den Vorstand gewählt worden waren, überwogen nach einigen Rücktritten weibliche Vertreter aus dem Kanton Aargau. Nun sind Männer und Frauen ausgeglichen vertreten,

Zwei neue Frauen beim Regionaljournal Basel: Rahel Walser (links) hat Medienwissenschaften und Soziologie studiert und bereits während des Studiums Rahel Walser (links) und für SRF gearbeitet. Claudia Kenan. Seit 1. April 2013 gehört sie zum Kernteam. So auch Claudia Kenan (rechts): Die erfahrene Newsjournalistin hat nach einer Mutterschaftspause die Arbeit beim Regi Basel aufgenommen.

Auf Oktober 2013 wechselt Henriette Engbersen als Inlandkorrespondentin zur «Tagesschau». Die 33-Jährige ist aktuell Ostschweizkorrespondentin für Schweizer Radio und Henriette Engbersen. Fernsehen (SRF) und bringt seit viereinhalb Jahren die sechs Ostschweizer Kantone ins nationale Programm. Engbersen liess sich ursprünglich zur Lehrerin ausbilden, bevor sie an der ZHAW in Winterthur Journalismus und Organisationskommunikation ­studierte und danach als Videojournalistin für Tele Ostschweiz arbeitete. Bild: SRF / Oscar Alessio

Neue Leute füllen Lücken im Vorstand

schensender «Kanal K» verfolge auch er den Service-public-Gedanken, äusserte sich Schöner, und mache Programm für Minderheiten. Dabei hat er eine klare Vorstellung, was Service public ist: «Die ganze Bevölkerung kann Teil des Service public sein, indem man beispielsweise Mitglied der SRG Aargau Solothurn wird und so medien- und programmpolitisch mitreden und sich einbringen kann.»

19


SRG ostschweiz

PK der SRG Ostschweiz zu Besuch beim ORF

ORF Vorarlberg: Crossmedial und nahe bei den Leuten Die Begriffe «Konvergenz» und «Verankerung in der Zivilgesellschaft» sind für den ORF Vorarlberg intensiv gelebte Wirklichkeit. Kann der Sender deshalb für die aktuellen SRGProjekte als Vorbild dienen? Ja! – bilanziert die Programmkommission SRG Ostschweiz nach einem Besuch im ORF-Landesfunkhaus Dornbirn.

Tontechniker Christoph Maria Holzer erklärt den Gästen aus der Schweiz, wie in der Radioregie Dolby-Surround-Produktionen entsehen.

Das Arbeiten sowohl für Radio wie für Fernsehen kennen die Mitarbeitenden des ORF V seit Langem. Mit dem Amtsantritt von Landesdirektor Markus Klement vor Jahresfrist folgte am 1. Januar 2012 der Schritt zur «Vollkonvergenz», das heisst, Journalistinnen und Journalisten sind in den drei Vektoren, welche die elektronischen Medien abdecken – Radio, Fernsehen, Online –, tätig. «Crossmediales Arbeiten» nennt man das in Dornbirn. Eine Person recherchiert zu einem Thema und bearbeitet dieses in je geeigneter Form­ ­sowohl für Radio, Fernsehen und Online. Eine ziemliche Herausforderung, wie der zentrale Chefredakteur Gerd Endrich ein-

20

räumt. Aber der Prozess ist auf gutem Weg, der Umbau zum integrierten Landesfunkhaus nimmt Form an.

Schlank und effizient Crossmediales Arbeiten ist ein Erfordernis der Zeit, führen doch die technischen Entwicklungen die klassischen Medien immer enger zusammen. Die neue Arbeitsweise bringt Vorteile auf verschiedenen Ebenen. Sie vermeidet Doppelspurigkeiten, sie erleichtert die Koordination zwischen den Redaktionen, sie führt zu effizienterem Arbeiten. Ein weiteres Element des Umbaus stellt die Verschlankung der LINK 4/2013

Bilder: Maurice Shourot

Führungsstruktur dar. Nur vier Personen wirken noch auf der strategischen Ebene. Die frei gewordenen Kapazitäten wurden dem operativen Bereich zugeordnet, fliessen also direkt in die Arbeit am Programm ein, was sich wiederum positiv auf die Qualität der Produkte auswirkt. Wie für die redaktionelle Arbeit gilt Crossmedialität auch im Bereich der Technik: Dem gleichen Techniker begegnet man im Radiostudio wie in der Fernsehregie. Zu den Erfolgsbedingungen für die neue Arbeitsweise gehören verschiedene Massnahmen. So erfahren Mitarbeitende entsprechende Ausbildungen. Rein äusserlich manifestiert sich die Crossmedialität u. a. im trimedialen Sendezentrum, das alle Redaktionen zu koordinierenden Sitzungen vereint, in der räumlichen Nähe der Redaktionen sowie im Ersatz abgetrennter Büros durch Grossraumbüros. Die bisherigen Erfahrungen mit der Crossmedialität wertet Landesdirektor Klement als durchaus positiv. Innerhalb des ORF ist das Landesfunkhaus Vorarlberg Vorreiter – es kann auch für die SRG Vorbild sein.

Die Beziehung zur Zivilgesellschaft ist Sache des ORF Eine Trägerschaft wie bei der SRG gibt es beim ORF nicht. Es liegt also ausschliesslich am Unternehmen, sein Verhältnis zum Publikum zu definieren und die Beziehung zu gestalten. Dies erfolgt vornehmlich über die Landesstudios der neun Bundesländer, die alle ein Radiopro-


gramm im 24-Stunden-Betrieb sowie jeden Abend um 19 Uhr eine knapp halbstündige Aktualitätensendung auf ORF 2, dem zweiten bundesweiten Fernsehprogramm, realisieren. Landesweit werden drei Radioprogramme (Radio Österreich 1, Hitradio Ö3 und Radio FM4) sowie vier Fernsehprogramme (ORF eins, ORF 2, ORF III und ORF Sport+) produziert. Die neun Landesstudios sind gegenüber den bundesweiten Kanälen verpflichtet, regionale Informationen und Beiträge zu liefern.

Von Tuten und Blasen eine Ahnung Wie gestaltet der ORF Vorarlberg seine Beziehungen zum Publikum? Wie wird der ORF in der Zivilgesellschaft verankert? Wichtigstes Element, so Gerd Endrich, Zentraler Chefredakteur beim ORF Vorarlberg, ist die «nachhaltige Programmqualität»: Erst sie schafft «Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen». Und dann, beim Gang durch die fast leeren Redaktionsräume, kommt eine weitere, überraschende Erklärung von ORF-Landesdirektor Markus Klement hinzu: «Ich will meine Leute bei den Menschen im Lande sehen». Diese «Leute-vor-Ort-Strategie» zeigt sich beim ORF Vorarlberg nicht nur bei Aktualitäten aller Art, sondern insbesondere auch bei einer Vielzahl von Aktionen und Veranstaltungen: Da wird «bei den Menschen im Land» und gleichzeitig – vollständig oder ausschnittsweise – für das Programm produziert: vom «fahrenden Kochtopf» über die sonntäglichen Frühschoppen, den «Heimatherbst» – das sind Konzerte, bei denen sie «von Tuten und Blasen etwas verstehen» – bis zu Diskussionsrunden mit jungen Politikern.

Verankerung – und Junge ­ansprechen und fördern Im ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg in Dornbirn werden pro Jahr bis zu 100 Führungen durchgeführt und regelmässig in den öffentlichen Räumen Ausstellungen von jungen Künstlern gezeigt. Kultur wird im Publikumsstudio und in den Program-

men nicht nur wiedergegeben, sondern auch gefördert und produziert: 300 junge Musikerinnen und Musiker aus Vorarlberg haben dieses Jahr an einem Musikwettbewerb im klassischen Bereich («prima la musica») und 17 Gruppen aus ganz Vorarlberg und dem angrenzenden Ausland an dem MundARTpop/rock-Wettbewerb («Singa, wia dr Schnabl gwachsa isch») teilgenommen. Und junge Nachwuchskräfte können vor Publikum und für das Programm ihre literarischen Werke oder ihre Kurzhörspiele präsentieren. Ein wichtiges Kommunikationsmittel und Bindeglied zum Publikum ist die «ORF Nachlese», ein monatliches Magazin in einer Auflage von über 100 000 Exemplaren. Es ist ein «Printbegleiter von ORF-Programmschwerpunkten» mit zusätzlichen Informationen und vielseitigen Ratgeber­ inhalten. Ein Sechstel der Auflage ist abonniert, der grosse Rest wird am Kiosk direkt verkauft. Wichtig ist dem ORF Vorarlberg der Auftritt im Frühjahr und Herbst auf der Messe Dornbirn. In einer eigenen Halle wird, so Endrich, dargestellt, «weshalb das Publikum rund 20 Euro Gebühren pro Monat zahlt»: Es werden die eigenen Produkte, die technischen Utensilien, die Radiound Fernsehübertragungswagen gezeigt und persönliche Begegnungen zwischen dem Publikum und bekannten Moderatorinnen und Moderatoren ermöglicht. «So schaffen wir Verständnis für den ORF».

In der Fernsehregie.

Die PK SRG.O mit Gästen aus den PK AG SO, Zentralschweiz und Basel im «Vorarlberg heute»-Studio. Rechts aussen die Gastgeber Chefredakteur Gerd Endrich und Landes­ direktor Markus Klement.

Thomas Schmidle, Leiter Kommunikation & Kreation, Maria Schmid, Projektmanagerin.

«Wie wir» Für Publikumskontakte und -bindung sind beim ORF vor allem das Programm und die Programmschaffenden zuständig. Das Marketing besorgt die Abteilung «Kreation und Kommunikation» mit einem fantasievollen Event-, Projekt- und Veranstaltungsmanagement. Im Zentrum stehen die Nähe zum Publikum und die Vermittlung eines Heimatgefühls. Slogans des ORF heissen «Wie wir» und «Mein ORF». Beim ORF Vorarlberg steht überall: «Da bin ich daheim». Arthur Oehler, PK-Leiter, und Erich Niederer, Präsident der SRG Ostschweiz

LINK 4/2013

Diskussion mit den Verantwortlichen im ­­ Redaktionsraum von «Vorarlberg heute».

Markus Klement, Landesdirektor ORF Vorarlberg (l.), ­Arthur Oehler, Präsident PK SRG Ostschweiz

21


SRG Zentralschweiz

Drehort «Tatort»: Blick hinter die Kulissen

Luzern – das Hollywood der Schweiz Seit dem ersten «Tatort – Wunschdenken» von 2010 hat sich Luzern zu einer begehrten «Filmlocation» für internationales Schaffen entwickelt. Zurzeit finden die Dreharbeiten zum sechsten «Tatort» statt. gen kann, die die Schönheit der Schweiz ausmachen: der See, die Berge, dazu eine fast schon urbane und wunderschöne Stadt mit einem sehr ländlichen und ­visuell idyllischen Hinterland.»

Tatort Luzern: Seit rund drei Jahren darf Stefan Gubser alias Reto Flückiger zweimal jährlich am Reussufer ermitteln, hier in «Wunschdenken», 2010.

«Ich habe keinen Ort ausserhalb der USA gesehen, wo so viel Herzblut in das Filmschaffen gegeben wird wie in Luzern.» Daniel Levi, Regisseur des Tatorts «Schmutziger Donnerstag», ist begeistert von Luzern. Aber nicht nur er: Sämtliche Filmcrews, die bisher in der Stadt gedreht haben, würden jederzeit wieder kommen – sie ist das ­Hollywood der Schweiz. Der Grund: Luzern hat eine Anlaufstelle für Produktionsgesellschaften geschaffen. Das Büro «Filmlocation Lucerne», das von Stadt, Kanton und Luzern Tourismus sowie Privaten finanziell und ideell getragen wird, unterstützt die Filmcrews vor, während und nach den Produktionen – von der Hotelreservation bis zur kurzfristigen Absperrung von Fusswegen wie beispielsweise der Werftbrücke bei der Schlussszene zu «Skalpell». Auf jedem Set ist der «Drehbeauftragte» Franz Moser als Mädchen für alles persönlich anwesend. Er sorgt für Bewilligungen

22

und Abschrankungen, vermittelt IndoorProduktionsorte und klingelt sogar an fremden Haustüren, wenn ein Schauspieler dringend eine kühlende Dusche braucht. Oder er beruhigt verschreckte Spaziergänger, wenn ein Waldstück bei ­eitlem Sonnenschein vollkommen ein­ genebelt wird. «Diese persönliche Be­ treuung wird sehr geschätzt.»

Urbanes Setting mit ländlichem Hinterland Nebst dem Service ist es aber auch die Lage, die genau diese Stadt als Drehort beliebt macht. Für den Schweizer «Tatort» wurde ein Drehort gesucht, «der gleichermassen schweizerischen wie deutschen Ansprüchen gerecht wird», erinnert sich der damalige Leiter Fiktion des Schweizer Fernsehens Peter Studhalter, der die Krimiserie nach Luzern brachte. Die Stadt habe sich anerboten, «weil man sämtliche bilderbuchartigen Prädikate visuell einfanLINK 4/2013

Bild: SRF /Thomi Studhalter

Positiv für den Standort Natürlich stiess das Vorhaben von SRF in der Leuchtenstadt auf offene Ohren. Die Stadt hatte kurz zuvor ein «Konzept ver­ abschiedet, um den Ort für Film- und ­Fernsehschaffende zu etablieren», erklärt ­Niklaus Zeier, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Luzern und Präsident der SRG Zentralschweiz. Denn der Luzerner Stadtrat habe früh erkannt: Wenn auf Tausenden von Bildschirmen hinter Kommissar Reto Flückiger die Luzerner Landschaft oder Quai- und Altstadtansichten zu sehen sind, ist das «unbezahlbare Werbung» für den Tourismusstandort. Patricia Diermeier


Live am «Tatort»-Drehort! Möchten Sie einmal hinter Reto Flückigers Arbeitspult sitzen? Am 7. Juli 2013 haben Sie als SRG-Mitglied die Gelegenheit, exklusiv einige Drehorte des «Tatorts» zu besuchen. Im Luzerner Vorort Emmenbrücke ist eine kleine Indoor-Filmstadt entstanden, in der Polizeibüros und Privatwohnungen untergebracht sind. Nach dem Besuch der Filmstadt findet ein Apéro mit den Crewmitgliedern statt. Termin: Sonntag, 7. Juli, 15.30 bis 18.00 Uhr, mit Apéro. Die Teilnehmerzahl ist auf 50 Mitglieder beschränkt, Anmeldung erforderlich: hj.eicher@gmx.ch oder Telefon 041 360 85 72.


Carte blanche

«

«Jack, ich …» Es mag Monate her sein. Allerdings ist die Erinnerung nicht im-

Ich habe bis heute nicht verstanden, was der gute Ennis gesagt

mer die beste Freundin. Es mag also Jahre her sein, dass ich auf

hat. Das hat mich verfolgt, beschäftigt. Um ehrlich zu sein: trau-

dem damaligen SF zwei den Film ‹Brokeback Mountain› gese-

matisiert. Was um Himmels willen hat er gesagt?! Der viel zu

hen habe. In meiner Jugend haben wir die coolsten Filme immer

schnelle Ausstieg von SF aus dem Film hat mir alles vermasselt.

gleich im Kino angeschaut. Das ist nun schon eine Weile her.

Man gönnte mir kein Schwelgen in Erinnerung. Kein Nachden-

­Irgendwie wurden die Filme mehr und die Zeit fürs Kino weni-

ken über das gerade Gesehene. Schnitt, aus,Vorschau, Werbung.

ger. Den Film über die schwulen Cowboys, eben ‹Brokeback

Es war, als hätte die Achterbahn kurz vor dem Looping eine Voll-

Mountain›, habe ich damals, obwohl alle darüber sprachen, ver-

bremsung eingelegt. Für den Abspann muss man ins Kino gehen.

passt. Zwei Schafhirten kommen sich in ihrer Jugend im Gebirge

Manchmal offenbar auch für den letzten Filmsatz.

näher. Die ‹Romanze› von Ennis und Jack beginnt in den 1960er und endet in einem Wohnwagen Mitte der 1980er Jahre. Dazwi-

Wie so viel Gutes im Leben kam auch hier die Heilung aus dem

schen liegen gesellschaftliche Engstirnigkeit, Tabus, Hochzeiten

Internet. Zwecks Recherche für diese Kolumne habe ich den

und tatsächlich ein Todesfall. Die beiden jungen Männer lieben

Film gegoogelt. Ich fand nicht nur den letzten Satz, ich fand

sich heiss und innig. Sie können sich aber nicht öffentlich dazu

­sogar die Schlussfrequenz, ja den ganzen Film. Alles ist da, ohne

bekennen. Beide heiraten, beide werden Väter.

Kino, ohne TV. Dank Internet weiss ich jetzt, was Ennis in ­seiner Trauer genuschelt hat. Ennis also, nachdem ihn der Geruch von

Gegen Ende des Films stirbt Jack. Ennis lässt sich scheiden und

Jacks Hemd noch einmal in die Vergangenheit schauen liess,

zieht in diesen Wohnwagen. Wir haben also diesen tragischen

sagte, zugegeben etwas undeutlich und zornig: ‹Jack, ich …

Film, die schönen Bilder, die meditative Filmmusik. Alles bestens,

(Schnitt) … Auch im September lesen Sie an dieser Stelle eine

alles sehr emotional. Am Schluss sehen wir Ennis, wie er in sei-

Carte ­blanche als Free-Print-Premiere, präsentiert von LINK, ihrem

nem Wohnwagen sitzt. Als Zuschauer merke ich, hier leidet einer,

SRG-Magazin.›

weil er sein Leben lang die wirklich wahre Liebe verleugnet hat,

»

hier leidet einer, weil ihm die Gesellschaft ein glückliches Leben nicht gegönnt hat. Dieser Mann – bodenständig, bäuerlich, behäbig – sitzt also in seinem Wohnwagen und beginnt zu weinen. Jack, sein Geliebter, ist tot. Was von ihm bleibt, ist ein altes Hemd. Ich glaube, es war kariert. Flanell. Ennis geht zum Schrank, nimmt den Ärmel des Hemdes, riecht daran, schliesst die Augen,

SRF wird öfters wegen dem fehlenden Abspann angefragt. In ­einem früheren LINK-Beitrag erklärt die verantwortliche Redaktion, warum Filme häufig e­ twas schnell aufhören. Lesen Sie den Beitrag hier: www.linkmagazin.ch > Aktuelle Ausgabe. Ihr Kommentar zur Carte blanche: link@srgd.ch

blickt voller Trauer und Sehnsucht aus dem Fenster und murmelt … Schnitt, schwarzer Bildschirm, Logo SF zwei, ‹und nächsten

Bild: zVg.

Donnerstag sehen Sie …›

Andreas Krummenacher, Journalist, Historiker, R ­ edaktor «pfarrblatt» Bern, Programmkommission SRG Bern Freiburg Wallis. LINK 4/2013

23


Agenda

Kulinarisch-musikalischer Abend aus Stans Podiumsgespräch: «Unterhaltung am Radio oder Fernsehen»

Startevent von «Querfeldeins» in Bischofszell

Dienstag, 20. August 2013, 18.30 bis 20 Uhr, im Fernsehstudio Zürich, zum Thema «Unterhaltung am Radio oder Fernsehen – ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Scheitern», mit Kathrin Hönegger, Kurt Aeschbacher, René Rindlisbacher und Christoph Gebel. Anmeldung an: info@srgzhsh.ch

Sonntag, 30. Juni 2013, mit «Persönlich»Sendung (ab 10 Uhr), Auftritten der Radio SRF 1-Band und diversen Ständen.

Sektion 4: Besuch der Sendung «Literaturclub» Montag, 9. September 2013, 19.15 Uhr, im Papier­saal in Zürich. Anmeldung an: sektion4-srg-zh-sh@ewf.ch

«Zoogä-n-am Boogä» aus Saas-Fee und Burgdorf Freitag, 5. Juli 2013, 20 bis 22 Uhr, im Hotel Restaurant Tenne in Saas-Fee, und am Freitag, 30. August 2013, um 20 Uhr, auf dem Festgelände des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Burgdorf.

11. Jungfrau Music Festival in Interlaken Samstag, 6. Juli, bis Samstag, 13. Juli 2013, im Kursaal in Interlaken. Das genaue Ausstrahlungsdatum wird unter www.srfmusikwelle.ch publiziert.

«Potzmusig» live aus Burgdorf

Freitag, 23. August 2013, 18.30 Uhr, im Allmendhuisli in Stans. Mitglieder der SRG.Z haben eine Einladung erhalten.

SRG Zug: Ein Abend mit Nik Hartmann Donnerstag, 29. August 2013, 19.15 bis 21 Uhr, im Apart Hotel Rotkreuz. Mitglieder haben eine Einladung erhalten.

«SRF bi de Lüt» aus der Ostschweiz: Besuch der Generalproben Platzreservationen für die Generalproben von Freitag, 6. Juli 2013, in Glarus, und Freitag, 2. August 2013, in Herisau an: monika.gessler@srf.ch

SRG Luzern: Besuch des SRFRadiostudios in Zürich

Verleihung des Radio- und ­Fernsehpreises der Ostschweiz

SRG Luzern: Besuch der Sendung «sportpanorama»

Mittwoch, 18. September 2013, in Trogen (AR). Verleihung des Förderpreises an das «powerupradio» der Stiftung Kinderdorf. Anmeldung bis 31. August an: monika.gessler@srf.ch oder 071 243 22 14. SRG.O-Mitglieder erhalten eine Einladung.

Sonntag, 8. September 2013, 17.15 Uhr, im Fernsehstudio Zürich. Mitglieder der SRG.LU haben eine Einladung erhalten.

Freitag, 6. September 2013, 15 bis 17 Uhr. Anmeldung an: hj.eicher@gmx.ch

Radiowanderung ins Urnerland Sonntag, 15. September 2013, ab 9.30 Uhr. SRG.Z-Mitglieder erhalten eine Einladung.

«Zoogä-n-am Boogä» aus Sachseln Freitag, 20. September 2013, 20 Uhr.

SRG Schwyz: «Einsiedler Welttheater» Freitag, 5. Juli 2013, 18.30 bis 22.30 Uhr. Kosten: 30.– (statt 80.–). Mitglieder der SRG.Z haben eine Einladung erhalten.

«Donnschtig-Jass» aus dem Aargau SRG Uri: «Tyyfelsbrigg» – ­Freilichtspiele Andermatt

Donnerstag, 11. Juli 2013, ab 20 Uhr, aus Boswil oder Schöftland. Nähere Informationen sind ab Anfang Juli verfügbar unter: www.srf.ch/sendungen/donnschtig-jass

Mittwoch, 24. Juli 2013, 17 bis 22 Uhr, inkl. Führung mit Autorin Gisela Widmer. Mitglieder erhalten vergünstigten Eintritt. Anmeldung an: wyrschirene@bluewin.ch

«SRF bi de Lüt» aus Zofingen: Besuch der Generalprobe

Samstag, 31. August 2013, ab 18.10 Uhr, auf dem Festgelände des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Burgdorf.

Bild: zVg.

Platzreservationen für die Generalprobe von Freitag, 19. Juli 2013, ab 15 Uhr, bis 8. Juli an: info@srgagso.ch (Plätze werden ausgelost)

Flussgespräche: «Harter Wettkampf, schmaler Grat – Medien in Bewegung» Mittwoch, 28. August 2013, mit moderiertem Talk und geselliger Rheinrundfahrt. Ticketverlosung für Mitglieder der SRG ­Region Basel erfolgt Anfang August per Mail.

24

«Donnschtig-Jass» aus Obwalden Donnerstag, 8. August 2013, ab 20 Uhr, in Engelberg oder Sarnen. Nähere Infos unter: www.srf.ch/sendungen/donnschtig-jass LINK 4/2013

Einen Überblick über alle Veranstaltungen ­finden Sie unter: www.srgd.ch/agenda Die aktuellen Austragungsorte und -daten der SRF-Sendungen «Persönlich» und «SRF bi de Lüt – Live» finden Sie unter: www.srf.ch/sendungen/persoenlich und www.srf.ch/sendungen/srf-bi-de-luet-live

Profile for SRG Deutschschweiz

LINK 4 2013  

LINK 4 2013  

Advertisement