Issuu on Google+

Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG Deutschschweiz Ausgabe 3/2011

SRG.D Geschäftsbericht 2010: Neustart für die Trägerschaft. Seite 7

SRG SSR Gebühren: Die SRG ist ein mageres Monster. Seite 8

Publikumsrat Beobachtung: 3sat – wertvoller Gemeinschaftssender. Seite 10

Ombudsstelle Tessiner Kraftwerke gegen «ECO» auf SF 1: Stolperstein zurückgezogene Interviews. Seite 12

Carte blanche Niklaus Zeier: Gemeinsam auftreten.

Aargau Solothurn Interview mit Esther Gassler. Seite 14 Hanspeter Bäni – ­preisgekrönt und ­provozierend. Seite 15 Mitglieder im Gespräch: Hansjörg Boll. Seite 16

Die neue Kulturleiterin ­Nathalie Wappler im ­Interview. Seite 4

Bild: SRF / Oscar Alessio, Keystone (Montage)

Seite 13


SRG Aargau Solothurn Medien und Politik

Regierungsrätin Esther Gassler im Gespräch Wie gefällt der Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons Solothurn die regionale Radio- und Fernsehberichterstattung?

Regierungsrätin Esther Gassler.

LINK: Frau Regierungsrätin, die SRG SSR ist ein Zankapfel der Politik. Was könnte Ihres Erachtens zur Versachlichung des Mediendiskurses beitragen? Regierungsrätin Gassler: Eine Versachlichung des Diskurses kann nur durch Transparenz, Offenheit und eine breit geführte Diskussion erreicht werden. Dabei ist der Einbezug aller politischen Kräfte massgebend. Gerade der Trägerschaft der SRG kommt hier eine wichtige Rolle zu, wenn es ihr gelingt, sich mit den unterschiedlichen Standpunkten – gerade auch der SRG-kritischen Stimmen – sachlich fundiert und gleichzeitig politisch möglichst breit abgestützt auseinanderzusetzen und sich entsprechend überzeugend in die Diskussion einzubringen. Hingegen muss die SRG auch für aufbauende Kritik und Anregungen jederzeit offen sein.

14

Bild: zVg.

Wie gefällt Ihnen die regionale Radiound Fernsehberichterstattung der SRG im Kanton Solothurn? Ich muss vorausschicken, dass ich keine konsequente Beobachtung der regionalen Berichterstattung betreibe. Ich höre gerne die Berichterstattung des Regionaljournals Aargau Solothurn und empfinde diese im Allgemeinen als sehr informativ, vielseitig und ausgewogen. Die regionale Fernsehberichterstattung über den Kanton Solothurn richtet sich naturgemäss mehr nach jenen aktuellen Ereignissen und ­Themen im Kanton, die auch ausserhalb der Kantonsgrenze auf Interesse stossen könnten.Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Berichterstattung gelegentlich ­etwas klischeehaft überzeichnet. Wo liegen die Stärken und Schwächen der Solothurner Medienlandschaft? Sie blieb vor dem allgemeinen Trend zur Konzentration in den letzten Jahren nicht verschont. Insbesondere die Printmedien mussten einen teils schmerzlichen Konzentrationsprozess durchlaufen. Neben den negativen Begleiterscheinungen birgt ein solcher Konzentrationsprozess auch Chancen in sich. Er zwingt zu einer Besinnung auf die Stärken. So bin ich überzeugt, dass sich auch die Solothurner Medienlandschaft letztlich gerade durch diesen Konzentrationsprozess wieder stärken und für die Zukunft rüsten kann. Dieser Prozess hat unter anderem auch dazu geführt, dass sowohl die Solothurner Zeitung wie auch die Basellandschaftliche Zeitung aus dem gleichen Haus kommen und dass damit das Schwarzbubenland neu zu einem medialen Sprachrohr gekommen ist. Welche Erwartungen haben Sie an die neuen Führungsverantwortlichen der SRG Ausgabe 3/2011

und was bedeutet für Sie Service public? Der Service public ist eine Haltung. Sie manifestiert sich in der Dienstleistung gegenüber der Allgemeinheit. Sie bedeutet in erster Linie die Sicherstellung der Grundversorgung des Bürgers mit einem breiten Informationsangebot, das auch den Anliegen von Minderheiten Rechnung trägt.Viele wertvolle Angebote würden sich kommerziell nie rechnen, ebenso Angebote in allen vier Landessprachen. Gerade diese sind aber für den Zusammenhalt der Schweiz wichtig. Die SRG mit ihrer Trägerschaft ist Garant für diesen Service public. Die vereinsrechtlich und demokratisch ausgestaltete Trägerschaft macht die SRG zudem unabhängig und verpflichtet sie dem Volk gegenüber. Der verantwortungsbewusste Umgang mit diesem Service public, dem Unternehmen SRG und dessen Trägerschaften ist es denn auch, den ich von den Führungsverantwortlichen der SRG erwarte. Interview: Urs Becker

Geboren 1951, verheiratet, drei Kinder, wohnhaft in Schönenwerd. Ausbildung zur Primarlehrerin in Olten und Solothurn. Schuldienst in Grindel und Schönenwerd. 1986 –2005 Mitinhaberin und Mitglied GL in der familieneigenen Unternehmung Hans Gassler AG Gretzenbach. 2003–2005 Präsidentin der Solothurner Handelskammer. Seit 1. August 2005 ­Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements des Kantons Solothurn.


Porträt

Hanspeter Bäni – preisgekrönt und provozierend Der Mann geht seinen Weg. Konsequent, sorgfältig und ohne Berührungsängste. Seine Dokumentarfilme gehen in die Tiefe und regen zum Nachdenken an.

Bereits viermal ist der Mann mit dem Medienpreis der SRG Aargau Solothurn ausgezeichnet worden. Führt kein Weg an Bäni vorbei? Wo steckt die Konkurrenz? Oder hat sich die Jury auf Bäni eingeschworen? Ist Bäni tatsächlich eine Klasse für sich? Wer holt den Preis 2011?

Hanspeter Bäni ist ein vielseitiger Mann. Er ist nicht nur Fernsehjournalist und Dokumentarfilmer, sondern auch Künstler. Wer sich die Werke des Malers Bäni auf seiner Website www.hanspeterbaeni.ch anschaut, entdeckt einen fantasievollen, subtilen und handwerklich erfahrenen Künstler. Seine farbenfrohen Werke, in Mischtechnik ausgeführt, sind poetisch und mystisch und führen in die Welt hinter unserer sinnlichen Alltagswelt, in die Welt des Surrealen.

Sterben und Tod Vielleicht sind die Bilder Bänis ein Schlüssel zum Verständnis des Dokumentarfilmers Bäni, der sich nicht scheut, das Tabuthema Sterben und Tod anzupacken. Bereits mit seinem 2010 ausgezeichneten Dokumentarfilm «Pflegen bis zum Tod» («Reporter») hat er sich dem Thema zugewandt und nun mit seinem polarisierenden Dokumentarfilm «Tod nach Plan» («DOK» vom 17.2.2011) das Thema weitergeführt. Allerdings hat er sich damit weit aus dem Fenster gelehnt. Und vielleicht hat auch das Schweizer Fernsehen mit der Ausstrahlung des Films um 20 Uhr ein Tabu gebrochen. Wie ist es dem Filmer bei der filmischen Begleitung dieses psychisch kranken Menschen ergangen? ­

Bild: zVg.

Fernsehjournalist, Dokumentar­ filmer und Künstler

Hanspeter Bäni.

«Die Dreharbeiten mit André Rieder gingen mir an die Nieren», sagt Bäni. Die Absicht Rieders, sich selbt zu töten, war für Bäni schwer zu ertragen. In mehreren Gesprächen hat er versucht, ihn davon abzuhalten. Dann wäre es ein Film geworden über einen Menschen, der sich trotz des Leids für das Leben entschieden hätte. Nun ist es ein Film über einen radikalen Weg geworden. Dabei war die grösste Herausforderung am Schnittplatz. Bäni sagt: «Ich wollte eine reisserische Aufmachung vermeiden und kontroverse Stimmen zu Wort kommen lassen, ohne jedoch selber Stellung zu nehmen in Bezug auf den Suizid mithilfe einer Sterbehilfeorganisation. So entstand, glaube ich, ein ruhiger, trauriger Film mit einem sehr persönlichen Kommentar.» Und was denkt Bäni heute, nach dem medialen Gewitter, über den Film? Er habe, so Bäni, nach der Ausstrahlung sehr viele positive Reaktionen erhalten, achtzig Prozent der Statements seien wohlwollend gewesen. Seines Erachtens sei die Zeit reif gewesen für einen solchen Film, zumal sich auch politisch etwas beAusgabe 3/2011

wege. So werde der Bundesrat demnächst neue Richtlinien für Suizidhilfeorganisationen erlassen. Der Filmer steht voll und ganz zu seinem Werk. Es sei zwar eine erschütternde und prägende Erfahrung gewesen, sagt Bäni, doch sei damit ein wichtiges Ziel erreicht worden, nämlich die öffentliche Diskussion einer heiklen gesellschaftlichen Realität. Urs Becker

Kommentar Gerade diese öffentliche Diskussion jedoch hat meines Erachtens nicht die notwendige Tiefe erreicht. Es wäre achtsam und verantwortungsvoll gewesen, den Film nicht nur zu einem späteren Zeitpunkt am Abend auszustrahlen, sondern ihn auch einzubetten, in eine sorgfältige Einleitung ins Thema und einen ebenso sorgfältigen Ausklang, zum Beispiel in Form einer Gesprächsrunde unmittelbar anschliessend an die Ausstrahlung. Urs Becker

15


SRG Aargau Solothurn

Agenda

Mitglieder im Gespräch

DRS 1-Sendung «Persönlich» live aus der Region Aargau Solothurn

Hansjörg Boll, Stadtschreiber ­Solothurn Der Solothurner Stadtschreiber möchte, dass auch p ­ ositive Mitteilungen in der Berichterstattung der M ­ edienschaffenden Platz haben.

LINK: Warum und bei welcher Gelegenheit sind Sie Mitglied bei der SRG Aargau Solothurn geworden? Hansjörg Boll: Bei den Aufnahmen zur Sendung «SF bi de Lüt» wurde ich auf die Möglichkeit einer Mitgliedschaft angesprochen und fand dies spontan eine gute Idee. Da ich einerseits beruflich auf Informationen angewiesen bin und Informationen produziere, anderseits privat von der Wichtigkeit möglichst objektiver Medien überzeugt bin, betrachte ich öffentliche Medien als wichtigen Bestandteil der Medienlandschaft.

Wie erleben Sie als Stadtschreiber die politische Berichterstattung im Regionaljournal über die Stadt Solothurn? ­Stimmen Quantität und Qualität? Die Qualität bewegt sich meines Erachtens auf einem guten Niveau, das den ­politischen Inhalten und der Hörerschaft angemessen ist. Als Vertreter der Stadt ­Solothurn stellt sich bei mir manchmal das Gefühl ein, dass das Regionaljournal etwas zu stark auf Aarau ausgerichtet ist. Und natürlich hat man als Vertreter einer Region ­immer das Gefühl, die Sendezeit dürfte ­etwas länger sein.

Hansjörg Boll.

16

Bild: zVg.

Welche Wünsche haben Sie an die ­Medienschaffenden? Grundsätzlich sollen Berichterstattungen möglichst objektiv, kritisch und ausgewogen sein. Zusätzlich wäre mein Wunsch, dass positive Mitteilungen ebenso ihren Platz in der Berichterstattung haben wie kritische Artikel über Missstände oder Fehlleistungen. Wofür sollen sich die Mitgliedgesellschaften einsetzen? Welche Rolle sollen sie im Mediengefüge spielen? Mitgliedervereinigungen sollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Berichterstattung ausgeglichen bleibt. Wer in einem Unternehmen – auch in einem Medienunternehmen – arbeitet, unterliegt immer der Gefahr, sich mit der Zeit in vorgespurten Bahnen zu bewegen. Dem kann ein ex­ ternes Gremium entgegenwirken, indem es die Produktionen aus seiner Sicht ­be­urteilt. Interview: Urs Becker Ausgabe 3/2011

Die nächste Sendung findet in Oberbuchsiten SO statt, und zwar am: Sonntag, 17. April 2011, im Gäuer Forum, Schälismühlestr. 1.

Medienpreis Aargau Solothurn Die Preisverleihung findet am 2. Mai 2011 im Stadttheater Olten statt.

Generalversammlung der SRG Aargau Solothurn Die diesjährige Generalversammlung findet am Dienstag, 24. Mai 2011 (Türöffnung 17.30 Uhr; Beginn 18 Uhr), im Hotel Arte in Olten statt. Es referiert der neue Direktor SRF, Rudolf Matter.

Neue Mitglieder – mehr Gewicht Liebe Mitglieder, überzeugen Sie Ihre Freunde und Bekannten, Mitglied bei der SRG Aargau Solothurn zu werden. Vielen Dank!

Rasche Mitgliederinformation Möchten Sie rasch informiert werden, dann geben Sie uns Ihre Mailadresse bekannt. Besten Dank.

Impressum Ausgabe 3/2011 (April 2011), erscheint neun Mal jährlich Herausgeberschaft: Publikumsrat und Mitgliedgesellschaften der SRG Deutschschweiz Redaktion (S. 1–13): Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb), Jasmin Rippstein (jr), Christa Arnet (cha) Mitarbeitende dieser Ausgabe (S. 1–13): Cornelia Diethelm, Florian Blumer, Sylvia Egli von Matt Kontakt: SRG Deutschschweiz, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich, Tel.: 044 305 67 03, E-Mail: pernille.budtz@srf.ch, Internet: www.srgd.ch Redaktion SRG Aargau Solothurn (S. 14–16): Urs Becker (ub), E-Mail: urs.becker@beckerkom.ch, Geschäftsstelle SRG Aargau Solothurn, Postfach 3608, 5001 Aarau, Tel.: 062 832 50 90, E-Mail: srgagso@srf.ch, Internet: www.srg-ag-so.ch Adressänderung an: SRG Aargau Solothurn, Postfach 3608, 5001 Aarau Gestaltung und Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Korrektorat: Susanne Lötscher, transkorrekt, Zollikofen Druckvorstufe: Küenzi & Partner mediacheck, Adliswil Druck: rdv Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck Auflage: 15 186 Expl. (WEMF-beglaubigt)

SC2011033001 (swissclimate.ch)


LINK 3/11 - SRG Aargau Solothurn