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Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Ausgabe 9/2010

SRF Startschuss Konvergenz: Monika Schärer und François Mürner im Gespräch. Seite 4 SRG.D SRG.D-Mitglieder an die Solothurner Filmtage. Seite 7

SRG.D Herbsttagung 2010: Generationen und ihre Medienbedürfnisse. Seite 8

Publikumsrat Beobachtungen: «Traders» auf SF 1. «Zambo» von SRF. Seite 10 Ombudsstelle Die Partei gehört zum Politiker. Seite 12 Carte blanche Matthias Wipf: SRF als «ehrlicher Informationsmakler». Seite 13

Kampf der Medien ums Wohnzimmer. Seite 14 Rücktritt der Präsidentin Evi Rigg. Seite 15

«Einstein» kritisch betrachtet. Seite 16

Radio trifft auf Fernsehen – Kollision oder Symbiose?

Bild: SF / Samuel Trümpy (Montage)

Zürich Schaffhausen


Kurzinterview mit Medientrend-Spezialist Bertram Gugel

Der Kampf ums Wohnzimmer

Internet-Boxen Roku, TV, GoogleTV, ...

Mobile Geräte iPod, Handy, Tablet-PC, ...

TV Sony, LG, Panasonic, ...

PC-Anbieter Apple, Microsoft, Asus, ...

Hardware-Hersteller WD, LaCie, ...

Startups Boxee, Plex, XMBC, ...

Digital Video Recorders TiVo, CE-Manufacturer, ...

Spielekonsolen 146 Mio. Geräte verkauft weltweit

Blu-Ray-Player Sony, LG, Panasonic, ...

Bild: stockxchng.com, Grafik: Bertram Gugel

Die Digitalisierung schreitet rasant voran und beeinflusst alle Bereiche unseres Lebens. Für das Medienpublikum schafft sie eine nie da gewesene Angebotsvielfalt – und zwar «on Demand» statt linear. Das wird auch den Fernsehabend in der guten Stube stark verändern. LINK befragte den Medientrend-Spezialisten Bertram Gugel zum neuen Mediennutzungsverhalten der Menschen.

Unser Wohnzimmer wird zum Mediencenter.

LINK: Wohin läuft der derzeitige (grosse) Trend in der Medienwelt? Bertram Gugel: Die Digitalisierung und die daraus folgende Fragmentierung sind mit Sicherheit der bestimmende Trend in der Medienwelt der letzten Jahre und sie werden uns auch noch einige Jahre begleiten. Was folgt danach, zeichnet sich schon etwas ab? Sind Medien einmal digitalisiert, lassen sie sich relativ einfach auf den jeweiligen Konsumenten personalisieren. Personalisierte Medien bedeuten auch, dass die Inhalte auf ihre kleinste Form reduziert werden. Eine Zeitung zum Beispiel wird auf die einzelnen Artikel, vielleicht sogar auf einzelne Zitate reduziert, die dann an interessierte Konsumenten vertrieben werden.

substanziell Bleibendes schafft. Trotzdem sehe ich kein grosses Risiko für Medienschaffende, zumindest mit begrenzten Ressourcen Trends einmal auszuprobieren. Sind die öffentlichen Radio- und TV-Anstalten mutig genug, um sich auf Trends einzulassen? Öffentliche Radio- und TV-Anstalten sind meiner Meinung nach in einer sehr komfortablen Situation, die es ihnen ermöglicht, neue Trends zu erforschen. Ich denke, gerade sie sollten die Speerspitze bilden, wenn es darum geht, neue Trends, Medien und Nutzungsverhalten zu erforschen und damit zu experimentieren. Hier können sie Pionierarbeit leisten und dem gesamten Markt helfen, indem sie Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie neue Formate, Inhalte und Vertriebswege funktionieren.

Sollen Medienschaffende jedem Trend mitmachen? Es ist manchmal schwer, früh zu erkennen, ob ein Trend nur eine Mode ist oder etwas

Wann stirbt das Fernsehen, wie wir es heute kennen? Das Fernsehen, wie wir es heute kennen,

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Ausgabe 9/2010

werden wir noch länger in dieser Form erleben können. Allerdings wird unser Fernseher schon bald nicht mehr derselbe sein. Schon in fünf Jahren wird uns unser Fernseher sehr viel mehr als das Fernsehprogramm bieten.Vom Internet über Spiele bis hin zu On-Demand-Angeboten werden sich alle möglichen Inhalte im Wohnzimmer abrufen lassen. Durch diese Entwicklung wird dem klassischen TV-Programm nicht mehr der Stellenwert beigemessen werden, den es heute noch hat. An dieser Stelle kann man schön die Analogie zum Mobiltelefon sehen. Ehemals

Kurzbiografie Bertram Gugel studierte Kommunikationsund Medienwissenschaft an der Universität Leipzig. Seit 2005 schreibt er in seinem Blog «Digitaler Film» (www.gugelproductions.de/blog/) über die Konvergenz des Fernsehens und des Internets, über verschiedene Videoangebote im Netz sowie Trends und Entwicklungen in diesem Bereich.

Networking-Anlass im Radiostudio «Die Welt kommuniziert neu – junge Medien für Junge». Referat von Bertram Gugel «Fernsehen und Radio im Wandel – Prosumer und neue Mediennutzung», Präsentation von «Zambo» durch Christoph Gebel, designierter Unterhaltungschef Schweizer Radio und Fernsehen. Anschliessend Apéro und Blick hinter die Kulisse von «Zambo». Donnerstag, 20. Januar 2011, 18.30 Uhr. Radiostudio, 8042 Zürich Anmeldung/Info: www.rfz.ch, Telefon: 044 366 15 44.


bieter, die ein Millionenpublikum erreichen, aber ihre Anzahl nimmt ab, und die Botschaften werden nicht mehr nur aufgenommen, sondern oftmals in Echtzeit hinterfragt und aktiv diskutiert. Der Konsument hat die Wahl und bestimmt, welche Medien er mit seiner Aufmerksamkeit belohnt. Somit verschiebt sich die Balance zunehmend hin zum Konsumenten.

Wer hat mehr Macht im Medienmarkt – der Konsument oder der Medienanbieter? Die Zeiten, in denen der Medienanbieter bestimmt, über was gesprochen wird, neigen sich dem Ende zu. Natürlich haben wir im Moment noch einige grossen Medienan-

Für alle, die mehr zum Thema erfahren möchten, organisiert die SRG Zürich Schaffhausen am 20. Januar 2011 einen Networking-Anlass mit Bertram Gugel (siehe Kasten). Oliver Schaffner

Weiterbildung mit der RFZ

«Echo der Zeit» oder «Giacobbo/Müller» auf dem Handy In den vergangenen Wochen fanden im «medien-lab» an der Pädagogischen Hochschule Zürich mehrere iPod-Kurse für die Mitglieder der SRG idée suisse Zürich Schaffhausen (RFZ) statt, die rege besucht wurden. Roland Egli und sein Team von jungen Studierenden zeigten den Teilnehmern Schritt für Schritt, wie man Sendungen von Radio und TV auf den Computer oder das Handy herunterladen und dann ansehen beziehungsweise hören kann, wenn es einem gerade passt.

en möchten. Das «medien-lab» der Pädagogischen Hochschule, dessen Einrichtung seinerzeit von der RFZ mitgesponsert wurde, erwies sich als idealer Kursort.

Und? Es hat allen Spass gemacht, die Tücken der Technik wurden uns kompetent erklärt, und vor allem die jungen Coaches erklärten älteren Semestern mit grosser Geduld, wie es genau funktioniert. Die Kursteilnehmer können jetzt alle im iTunesStore surfen und sich auf den Internetseiten von Radio- und TV- Sendungen suchen, die sie verpasst haben oder nochmals seh-

Bild: apple.com / Schaffner

Was uns der Kurs nicht beantworten konnte und was uns Konsumenten ja immer mehr zu schaffen macht, ist die Frage: Welche Geräte brauchen wir für was? Brauche ich ein iPhone, wenn ich mit dem Handy eigentlich nur telefonieren und SMS schreiben möchte? Brauche ich neben meinem Computer noch ein iPad? Wie und in welcher Qualität will ich Musik hören? SF auf dem iPod. Aber: Wir bleiben dran! Irgendwann gibt es dann vielleicht EIN Gerät, das alles kann. Und wir gehen dann neugierig wieder in einen Kurs und lassen uns alles genau erklären. Evi Rigg Ausgabe 9/2010

Bild: André Springer

waren Handys nur zum Telefonieren gedacht – auf heutigen Smartphones ist das Telefonieren nur noch ein untergeordneter Dienst; Das Internet hat ihm den Rang abgelaufen. Dem Fernsehen steht Ähnliches bevor. Die Fernseher werden zunehmend intelligenter und wir werden neue Nutzungsszenarien erleben, die in Konkurrenz zum Fernsehkonsum stehen.

Präsidentin Evi Rigg.

Präsidentin Evi Rigg gibt Rücktritt bekannt Evi Rigg wird an der nächsten Generalversammlung vom 12. Mai 2011 als Präsidentin der Radio- und Fernsehgenossenschaft Zürich Schaffhausen (RFZ) zurücktreten. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin hat damit die Möglichkeit, bei der bevorstehenden grossen Rochade des Vorstands mitzureden. Per 2012 werden gleich mehrere Vorstandspositionen neu zu besetzen sein. Evi Rigg wird nächstes Frühjahr im siebten Jahr ihrer Vorstandstätigkeit für die SRG idée suisse Zürich Schaffhausen stehen. Nach acht Jahren ist aus statutarischer Sicht keine Wiederwahl mehr möglich, somit wäre 2012 ohnehin der ordentliche Rücktritt fällig. Mit ihrem Entschluss zum vorzeitigen Ausscheiden möchte Evi Rigg dem neuen Präsidenten oder der neuen Präsidentin ermöglichen, schon bei der Zusammensetzung seines beziehungsweise ihres neuen Gremiums mitzuwirken. Für 2012 steht nämlich der Amtszeitbegrenzung wegen eine grosse Rochade im Vorstand an. Der Zeitpunkt ist gemäss Evi Rigg somit gut gewählt: Die Restrukturierung der SRG SSR und das Projekt Medienkonvergenz sind umgesetzt oder werden dies in den nächsten Monaten sein – die Mitgestaltung von Seiten des Vorstands ist abgeschlossen. Auch das Projekt «Blickwechsel» der Mitgliedgesellschaften der SRG.D befindet sich auf gutem Weg. Oliver Schaffner

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Agenda Von der Programmkommission beurteilt

Donnerstag, 20. Januar 2011

«Einstein» – bitte nicht verpassen

Nicole Ulrich und Mario Torriani geben in «Einstein» ein gutes Bild ab.

Seit dem 12. April 2007 strahlt SF 1 jeweils am Donnerstagabend um 21 Uhr das Wissensmagazin «Einstein» aus. Nachdem der Publikumsrat sich 2007 und 2008 mit der Sendung befasst hatte, beobachtete die Programmkommission der SRG idée suisse Zürich Schaffhausen die Sendungen im ganzen Monat September, insgesamt 24 Beiträge. Für einige Mitglieder war die Sendung eine Überraschung, stellten sie sich doch unter «Einstein» eine trockene Wissenschaftssendung vor. Aber «Einstein» erzählt Geschichten, die informieren, bilden und unterhalten. Das Fernsehpublikum soll die Geschichten miterleben und dabei etwas Neues erfahren können. In Barbara Frauchiger, Produzentin von «Einstein», fand die Programmkommission der RFZ eine aufgeschlossene, sehr kompetente Gesprächspartnerin, die unsere Beobachtungen, Fragen und Bemerkungen interessiert entgegennahm, angeregt diskutierte und weitestgehend zufrieden stellend beantwortete.

Bild: SF / Christian Lanz

Nach gut drei Jahren hat sich «Einstein» etabliert und zu einer wertvollen Sendung entwickelt. Rückmeldungen zeigen, dass das Wissensmagazin auch beim jungen Publikum gut ankommt. wertvolle Sendung sei, die viel zu bieten habe. Schon die Gestaltung von Sendebeginn, Dekor und Musik führten gekonnt zum Thema «Vernetzung». Gelobt wurden auch viele Beiträge, zum Beispiel über Mikrowelten (wenn auch nicht alle Zusammenhänge nachvollzogen werden konnten), fliegende Segelboote, lasergenaue Schallwellen, Rollroboter und Polarlichter auf dem Mars. Wie der Publikumsrat kamen auch die Mitglieder der Programmkommission zum Schluss, dass man sich mehr Beiträge aus Geistes- und Sozialwissenschaften wünschen könnte. Nicht anfreunden konnte sich die Mehrheit der Kommission mit der Rubrik «Einstein unterwegs», besonders mit den Moderatoren-Experimenten, die stellenweise gar als peinlich empfunden wurden. Kritik ernteten etwa die Beiträge «Klärwerk», «Shredder-Schrott» und «Stahlwerk». Gute Kritik erhielt einzig «Kunst der Sternfotografie». Gefallen gefunden haben die Kritiker an den Moderatoren Nicole Ulrich und Mario Torriani. Sie sind sehr verständlich und reissen die Beiträge prägnant an. Fazit: «Einstein» ist für SF und das Fernsehpublikum ein echter Gewinn. Oliver Schaffner

Sendung nachsehen

Die Programmkommission war einhellig der Meinung, dass «Einstein» eine gute,

Wer die im Beitrag erwähnten Sendungen verpasst hat oder nochmals sehen möchte, findet sie im Internet unter www.sendungen.sf.tv (unter «Sendungen» nach «Einstein» suchen).

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Ausgabe 9/2010

Lob und Kritik

«Junge Medien für Junge». Wenn sich Technologie und Mediennutzungsverhalten ändern, gilt es für ein Medienunternehmen, Schritt zu halten. So hat das Schweizer Radio und Fernsehen unter anderem «Zambo» lanciert, das erste Kinderprogramm, das Beiträge gleichzeitig in Radio, Fernsehen und Internet verbreitet. Dazu findet ein NetworkingAnlass statt, inkl. Referat von Bertram Gugel «Fernsehen und Radio im Wandel – Prosumer und neue Mediennutzung», Präsentation von «Zambo» durch Christoph Gebel, designierter Unterhaltungschef Schweizer Radio und Fernsehen, und anschliessendem Apéro. Ort: Radiostudio, Brunnenhofstrasse 22, 8042 Zürich, Türöffnung: 18.15 Uhr. Anmeldung bis spätestens 14.1.2011: SRG idée suisse Zürich Schaffhausen RFZ, Postfach, 8042 Zürich, info@rfz.ch, Telefon: 044 366 15 44

Samstag, 29. Januar 2011 09.30 – 15.30 Uhr «Die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland». Fachtagung für politisch interessierte Mitglieder aller Sektionen. Ort: Zentrum Karl der Grosse in Zürich. Anmeldung: SRG idée suisse Zürich Schaffhausen RFZ, Postfach, 8042 Zürich, info@rfz.ch, Telefon: 044 366 15 44

Impressum Ausgabe 9/2010 (Dezember 2010), erscheint neun Mal jährlich Herausgeberschaft: Publikumsrat und Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Redaktion (S. 1–13): Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb), Denise Looser Barbera (dlb), Christa Arnet (cha) Mitarbeitende dieser Ausgabe (S. 1–13): Darko Cetojevic, Emil Mahnig (mg), Achille Casanova Kontakt: SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ, Fernsehstrasse 1–4, 8052 Zürich, Tel.: 044 305 67 03, E-Mail: pernille.budtz@sf.tv, Internet: www.srgdeutschschweiz.ch Redaktion SRG idée suisse ZÜRICH SCHAFFHAUSEN (S. 14–16): Oliver Schaffner (os), Tel.: 044 994 16 61, E-Mail: schaffner@blaurot.ch Gestaltung und Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Druckvorstufe: Küenzi & Partner mediacheck, Adliswil Korrektorat: Ingrid Essig, Winterthur Druck: rdv Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck Auflage: 14 876 Expl. (WEMF-beglaubigt)

SC2010112902 (swissclimate.ch)

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