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Bild: SF / Oscar Alessio

Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Ausgabe 8/2009

Die neuen Direktoren im Interview 4 SRG.D

8 SRG.D

12 Ombudsstelle

14 Ostschweiz

«Das Publikum diktiert die Konvergenz»: Interview mit Ueli Haldimann und Iso Rechsteiner.

Lenzburger Tagung: Vom Witz. Und der Taschenlampe.

Der abgewiesene Bundesratskandidat.

Im Visier: Parlamentsberichterstattung.

10 Publikumsrat

13 Carte blanche

Neuigkeiten aus dem TV-Korrespondentenbüro.

7 SR DRS

Beobachtungen: DRS 3 «CH-Special». Bundestagswahlen.

Darko Cetojevic: Mein eigener Programmdirektor.

Verlosung: SR-DRSWeihnachtskonzerte.

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Rainer M. Schaper besucht den Vorstand.

28.10.09 15:29


Editorial

Bild: SF / Oscar Alessio

Bauleiter auf Zeit

Pernille Budtz.

Die zwei neuen Direktoren von Schweizer Fernsehen und Schweizer Radio DRS, Ueli Haldimann und Iso Rechsteiner, betreten die wohl grösste Baustelle aller Zeiten der SRG SSR idée suisse. Die beiden bisher getrennt geführten Unternehmensein­ heiten SF und SR DRS sollen mit Online zu einer einzigen trimedialen Unternehmens­ einheit zusammengeführt werden. Nicht als Sparprogramm, heisst es, sondern als publizistische Chance, um besser auf das sich verändernde Nutzungsverhalten des Publikums einzugehen. Unabhängig davon sind aufgrund der angespannten Lage des Unternehmens Sparmassnahmen umzusetzen, bei denen der Verzicht auf einzelne Programme zwar keineswegs beschlossen, als Ultima Ratio aber auch nicht ausge­ schlossen ist. Hinzu kommt der zeitweise beschwerliche Weg der Digitalisierung der jeweiligen Medien, HDTV und Digitalradio (DAB). Das ist das tägliche Programm der neuen Direktoren. Eine Herausforderung dabei ist: Für das Publikum muss die Baustelle unsichtbar bleiben. LINK sprach mit Ueli Haldimann und Iso Rechsteiner über ihr Amt auf Zeit (Seiten 4 – 6).

In Kürze

Für die neue, gemeinsame Kinderredaktion von Schweizer Radio DRS und des Schwei­ zer Fernsehens steht die Leitung nun fest: Thomas Grond, der bisherige Redak­tions­ leiter SF-Kinderprogramme, wird Projekt­ leiter und künftiger Leiter der trimedialen Kinderredaktion (Fernsehen, Radio und In­ ternet). Seine Stellvertreterin wird Susanne

Eberhart, derzeit Leiterin der Fachredakti­ on Kinder bei DRS 1 und Moderatorin der Kindersendung «DRS Pirando». Bei der neuen, gemeinsamen Kinderredaktion von Radio und Fernsehen handelt es sich um die erste trimediale Stelle, die im Rahmen des Konvergenzprojekts der SRG idée suisse Deutsch­schweiz besetzt worden ist.

Bilder: SF / Oscar Alessio

Leitung der trimedialen Kinderredaktion gewählt

«Kindertagesschau»-Moderatorin Ana Walter mit «Tagesschau»-Moderator Georg Halter.

Korrektur LINK 7/09 Susanne Eberhart: Stv. Leiterin der Kinderredak­ tion.

Thomas Grond: Leiter der neuen Kinderredak­ tion.

In der Bildlegende Seite 11 wurde der «Tagesschau»-Moderator fälschlicherweise als Thomas Schäppi identifiziert. Richtig wäre Georg Halter. Die LINK-Redaktion entschuldigt sich für diesen Fehler.

Rolf Hieringer wird Leiter Regionalredaktionen SR DRS Weil Iso Rechsteiner am 1. Oktober 2009 Walter Rüegg als Direktor von Schweizer Radio DRS abgelöst hat, war seine Nach­ folge als Leiter der Abteilung Regional­ redak­tionen und Mitglied der SR DRS-Ge­ schäftsleitung neu zu regeln. Auf Vorschlag des neuen Direktors wählte der Verwal­ tungsrat der SRG idée suisse Deutsch­ schweiz Rolf Hieringer, den Leiter der Nachrichtenredaktion, in diese Funktion.

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Rolf Hieringer: Neuer Leiter Regionalre­ daktionen SR DRS. Ausgabe 8/2009

Er wird seine neue Aufgabe am 1. Novem­ ber 2009 übernehmen und sie befristet bis zur Zusammenlegung von Schweizer Radio DRS und Schweizer Fernsehen aus­ üben. Hieringer arbeitet seit 1993 bei SR DRS, unter anderem als Redaktor beim Regionaljournal Ostschweiz, als Produzent von «Rendez-vous» in Bern und als Leiter der Sendung «Info 3». Seit 2005 ist er Leiter der SR DRS-Nachrichtenredaktion.


Forum

mitgliederaktion

«Schämt sich die SRG SSR für HD suisse?»

Filmpremiere «Hunkeler und der Fall Livius»

Crosspromotion von Schweizer Fernsehen und HD suisse gibt es nur in Ausnahmen, wie jüngst in «La Bohème im Hochhaus» (Bild).

Am 14. Oktober 2009 war das legendäre Fussballspiel gegen Israel. Ich habe zuerst die «Tagesschau» gesehen und dann zum Schluss vom Sprecher die Ankündigung gehört: «Auf SF zwei nun das Spiel gegen Israel.» Dieses Spiel und noch viele weite­ re Sportereignisse werden auch von HD suisse in exzellenter Qualität übertragen. Das wird aber nie erwähnt! Schämt sich die SRG SSR idée suisse für diesen Service? Bruno Hasler, Oberriet

LINK hat zu dieser Frage eine Antwort vom HD-suisse-Kommunikationsverant­ wortlichen, Peter Kaufmann, eingeholt: Nein, im Gegenteil: Die SRG SSR ist stolz auf das nationale Programm HD suisse. Es ist aber kein Vollprogramm, sondern ein Schaufenster für sprachregionale Premi­ umproduktionen sowie eine Möglichkeit, Live-Sportereignisse und Events, die in HDQualität angeboten werden, dem Schwei­ zer Publikum zu zeigen. Dies ist jedoch noch nicht das breite Pub­ likum, das erst später angesprochen und für HDTV begeistert werden soll: Die SRG SSR plant, ab Anfang 2012 sechs reguläre Programme in HDTV-Qualität anzubieten: SF 1, SF zwei, TSR 1, TSR 2, RSI LA 1 und RSI LA 2. Der Transponderplatz von HD suisse auf dem Satelliten Hotbird 8 wird

Das Schweizer Fernsehen verwendet daher die sogenannte Crosspromotion für HD suisse nur sehr sorgsam. Beispiels­ weise bei «La Bohème im Hochhaus»: Bei Trailern und Inseraten traten das Schwei­ zer Fernsehen und HD suisse gemeinsam auf. Ein anderes Beispiel: Im Sommerpro­ gramm 2010 ist wie bereits dieses Jahr geplant, die Reihe «SF Spezial Fernweh» auf SF 1 und HD suisse zu übertragen. HD suisse und die Homepage www.sf.tv begleiten die Reihe zusätzlich mit ver­ schiedenen Aktionen. Auch dies ist jeweils ein guter Anlass für Crosspromotion. Laut Sendekonzept wird gegenwärtig beim Schweizer Fernsehen nur auf Sendungen des jeweiligen Kanals hinge­ wiesen. In der Regel wird aber bei Fuss­ ballspielen und anderen Live-Events kurz nach Übertragungsbeginn auf SF zwei eine Laufschrift eingeschaltet, die kurz auf HD suisse verweist. Peter Kaufmann, Kommunikation HD suisse

Haben auch Sie eine Frage? Schreiben Sie uns an: Redaktion LINK, Leserbriefe, Postfach, 8052 Zürich, Fax: 044 305 67 10 oder E-Mail: info@srgdeutschschweiz.ch Diskutieren Sie auch im Online-Forum auf www.mitreden.ch mit. Den Zugang zum Forum finden Sie mit Username und persönlichem Passwort im Mitglieder­ bereich unter «Meinungsplattform».

Zum vierten Mal verfilmt das Schweizer Fernsehen mit der snakefilm GmbH einen Hunkeler-Roman von Hansjörg Schneider. Am 8. Dezember 2009 sind auch Mitglieder der SRG idée suisse Deutschschweiz eingela­ den, die exklusive Schweizer Film­premiere im Kino Pathé Küchlin in Basel mitzuerleben. Zur Einstimmung der Premierenvorführung liest Mathias Gnädinger aus dem Buch «Hunkeler und der Fall Livius».

Bild: SF / Marcus Gyger

Bild: SF

ab diesem Zeitpunkt aus Kapazitätsgrün­ den für eines der regulären Programme benötigt.

Stephanie Glaser als Sonja Flückiger erinnert sich an ihren ehemaligen Geliebten Livius. Rechts Mathias Gnädinger als Peter Hunkeler.

«Hunkeler und der Fall Livius» führt den Basler Kommissär über die Grenze ins Elsass. Bei der Spurensuche nach dem Mord in einem Schrebergarten muss Hunkeler mit seinem Elsässer Kollegen Bardet zusammen­ arbeiten. In der Hauptrolle ist erneut Charak­ terdarsteller Mathias Gnädinger zu sehen. Der Film wird am Sonntag, 13. Dezember 2009, um 20.05 Uhr, auf SF 1 ausgestrahlt. Ich nehme teil an der Verlosung zur Schweizer Filmpremiere «Hunkeler und der Fall Livius» in Basel, am 8. Dezember 2009, ab 17.45 bis ca. 22.00 Uhr. Name/Vorname:

Auflösung und Gewinner aus LINK 7/09 Werner Strüby aus Aesch hat die Sendung «Edel­ mais & Co.» richtig gera­ ten und gewinnt zwei Karten für die Livesen­ dung «Benissimo». Ausgabe 8/2009

Strasse: PLZ/Ort: Mitgliedgesellschaft: Ich komme allein. Ich komme zu zweit. (Zutreffendes bitte ankreuzen) Talon bis 22. November 2009 einsenden an: SRG idée suisse Deutschschweiz, Mitglieder­ 3 services, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich


Bilder: SF / Oscar Alessio

SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ

«Starke publizistische Köpfe»: Ueli Haldimann (links) und Iso Rechsteiner führen ihre Unternehmenseinheiten getrennt bis zur Zusammenlegung.

Direktorenwechsel

«Das Publikum diktiert die Konvergenz» Ueli Haldimann und Iso Rechsteiner leiten das Schweizer Fernsehen und Schweizer Radio DRS übergangsweise, bis die beiden Medien und Online zu einer trimedialen Unternehmenseinheit zusammengeführt sind und eine neue Gesamtleitung eingesetzt ist. Mit LINK sprachen sie über ihr Amt auf Zeit. LINK: Ohne breites Auswahlverfahren, dafür mit Zeitlimite wurden Sie vom Regionalrat zu den Direktoren von Radio und Fernsehen ernannt. Was hat Sie be­ wogen, das Amt auf Zeit anzunehmen? Ueli Haldimann: Jeder, der eine Aufgabe wahrnimmt, ist befristet im Amt. Wie lange dies bei uns der Fall sein wird, wird sich zeigen. Je nachdem, ob der Fahrplan ge­ streckt oder gestrafft wird. Ich habe zuge­ sagt, weil ich in diesem Unternehmen noch einmal eine andere Aufgabe wahrnehmen und den Horizont meiner Tätigkeit und Ver­ antwortung ausdehnen wollte. Iso Rechsteiner: Die Befristung war vor al­ lem extern ein Thema. Wie die Organisati­ onsstruktur im neuen Unternehmen aus­ sehen wird, wird sich zeigen. Die personelle Konstellation und der Druck, einen naht­

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losen und schnellen Übergang zu machen, damit man im Konvergenz-Projekt vorwärts kommt, motivierten mich zur Übernahme des Postens. Wohl auch, dass die Wegbereitung ins neue Unternehmen von einem journali­ stischen Ansatz her erfolgt? Rechsteiner: Es ist ein zentraler Punkt, dass starke publizistische Köpfe im Projekt an vorderster Front vorhanden sind und in der Unternehmensführung mitdenken. Haldimann: Wir beide kennen das Radio und Fernsehen in- und auswendig. Jemand von aussen könnte dies so nicht machen. Regelbetrieb, Programm- und BudgetVerantwortung gehören zum Pflichtstoff. Daneben gibt es die Grossprojekte der Ausgabe 8/2009

Konvergenz und Digitalisierung. Und dies alles in Zeiten des Spardrucks. Bleibt einem da noch der Überblick? Rechsteiner: Ich bilde mir zumindest ein, den Überblick zu haben. Die Zeiten sind nicht nur für uns intensiv, sondern für alle Kolleginnen und Kollegen, die am Konver­ genz-Projekt mitarbeiten. Zentral für mich ist, dass man weder im Radio hört, noch am Fernsehen sieht, dass wir eine riesige Bau­ stelle haben. Haldimann: Zudem haben wir in beiden Medien fähige Abteilungsleiter, die den Regelbetrieb sicherstellen. Von den Mitarbeitenden wird erwartet, dass sie sich mit der Konvergenz identifi­ zieren. Wie ist dies zu erreichen? Zumal das Projekt Ängste schürt, zum Beispiel


vor der Ver­änderung des Jobprofils oder vor Jobverlust. Haldimann: Die Konvergenz muss auf dem Papier, vor allem aber in den Köpfen entstehen. Wenn Angst die dominierende Reaktion ist auf das, was ansteht, ist etwas falsch gelaufen. Was auf uns zukommt, ist eine Chance, unsere Arbeit qualitativ zu verändern. Rechsteiner: Man muss einsehen, dass sich die Medien entwickeln und zwar ra­ sant. In den letzten Jahren hat man sich zu wenig überlegt, wie die Nutzung aussieht und wie das Publikum die Medien in Zu­ kunft konsumieren wird. Bei einer Fusion gibt es immer Opfer. Haldimann: Ein Ziel des Projekts ist, durch neue Synergien mehr Mittel frei zu bekom­ men, um ein vielfältiges und qualitativ hochstehendes Programm produzieren zu können. Es ist kein Stellenabbauprogramm. Aber es wird Leute geben, die sich verän­ dern müssen.Von ihnen erwarten wir die Bereitschaft, sich darauf einzulassen.

«Zentral für mich ist, dass man weder im Radio hört, noch am Fernsehen sieht, dass wir eine riesige Baustelle haben.»

Iso Rechsteiner

Wie muss sich die Radiohörerin, der TV-Zuschauer, die Internet-Surferin die Konvergenz vorstellen: Welche Verände­ rungen werden sie wahrnehmen? Der Furcht vor «Einheitsbrei» steht das Versprechen eines «publizistischen Mehr­ werts» gegenüber. Haldimann: In der Region Deutsch­ schweiz ist die Konvergenz mit vielen Rah­ menbedingungen versehen worden. Eine davon ist: Das Radio behält seine drei bis­ herigen Hauptstandorte, das Fernsehen bleibt im Leutschenbach und beide Medi­ en behalten eigenständige Chefredaktio­ nen. Dies beinhaltet bereits, dass es keinen «Einheitsbrei» geben wird. Rechsteiner: «Einheitsbrei», das ist ein wichtiger Punkt. Auch wenn wir in der Deutschschweiz ein fusioniertes Unterneh­ men sein werden, bleibt die Binnenkon­ kurrenz zwischen den Medien ein wesent­

liches Element. Es ist nicht wünschenswert, dass «10vor10» wie «Echo der Zeit» daher­ kommt, oder umgekehrt. Aber im Projekt gibt es genug Felder, wo es Sinn macht, dass wir enger zusammenrücken. Haldimann: Da und dort arbeiten wir ja bereits konvergent, zum Beispiel bei «Meteo». Da machen dieselben Leute die Wetterprognosen fürs Radio und fürs Fernsehen. Rechsteiner: Das Publikum stellt sich die Konvergenz nicht primär vor, es diktiert sie eigentlich. Dadurch, dass es nicht mehr gewillt ist, unsere Strukturpläne sklavisch zu befolgen. Es definiert den Konsum der Sendungen durch seine Gewohnheiten. Podcast ist nur ein Stichwort hierzu. Im Tessin wirft die Mediengewerkschaft SSM der RSI-Direktion vor, die Konver­ genz-Strategie schlecht umzusetzen. Es würden unnötig Sendungen gekippt, Re­ daktionen zusammengelegt, in Umbauten investiert. Sind solche Streitigkeiten auch in der Deutschschweiz zu erwarten? Haldimann: Die Argumente des SSM stim­ men so nicht. Die Tessiner bauen Sendun­ gen um, was ein ganz normaler Vorgang bei jedem Sender ist. Rechsteiner: Dadurch, dass bei uns die Standorte bestehen bleiben, haben wir keine Bauprojekte, an denen wir scheitern können. Ob eine Redaktionszusammenle­ gung nötig ist oder nicht, hängt von der Perspektive ab.

Neu im Amt: Die Direktoren von SF und SR DRS Seit dem 1. Oktober 2009 steht Ueli Haldimann an der Spitze des Schweizer Fern­ sehens, Iso Rechsteiner an der Spitze von Schweizer Radio DRS. Ueli Haldimann (55) war zuvor Vizedirektor und Chefredaktor beim Schweizer Fernsehen, Iso Rechsteiner (43) war Vi­ze­direktor und Leiter Regional­re­dak­ tionen bei Schweizer Radio DRS. Die beiden Direktoren werden die Medien voraussicht­ lich bis Anfang Jahr 2011 führen, bis die Fusion der beiden Medien und Online vollzo­ gen und eine neue Direktion eingesetzt ist.

Haldimann: Im Übrigen ist es so, dass die Gewerkschaft in den Konvergenzprozess miteinbezogen wird. Aber das SSM ent­ scheidet nicht über die Konvergenz. Es ist ein Gesprächspartner, wenn es darum geht, den Umbau der SRG SSR mitarbeiterfreund­ lich und GAV-konform durchzuführen. Mitte Oktober 2009 ist DAB+ aufgeschal­ tet worden. Diese Empfangsmöglichkeit ist beim Radiopublikum relativ unbekannt. Und bei den Privatradios unbeliebt. An­ ders beim Fernsehen: HDTV setzt sich durch, ab 2015 wird nur noch in HD-Qua­ lität gesendet. Bei DAB fehlt eine entspre­ chende Strategie, obwohl UKW langfristig keine Perspektive mehr hat.

Ueli Haldimann: «Das Konvergenz­ Projekt ist kein Stellenabbaupro­ gramm. Aber es wird Leute geben, die sich verändern müssen.»

Ausgabe 8/2009

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SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ

Iso Rechsteiner: «Die Trägerschaft hilft mit, die Legitimation des Service public in der Gesellschaft zu erreichen und in der Bevölkerung zu verankern.»

Rechsteiner: Ganz so drastisch ist DAB nicht dran, der Gerätekauf ist besser als erwartet. Die Medien digitalisieren sich, welches die richtige Technologie ist, ist ein Glaubensstreit. Uns schien, dass DAB im Moment der richtige und von den Kosten her der adäquate Verbreitungsvektor ist. Ob dies in zehn Jahren noch so ist, weiss niemand. Wenn sich die Privaten HD-Radio zuwenden, halte ich dies für eine Verzöge­ rungstaktik. DAB würde den Privatradios eine sprach­regionale Verbreitung ermögli­ chen, aber es braucht eine Anfangsfinan­ zierung, die für die Medienhäuser momen­ tan schwierig ist. Haldimann: Der Druck, DAB einzuführen, kommt von den Veranstaltern und von der Industrie her. Das Radiopublikum spürt kei­ nen Leidensdruck, denn es hört auf UKW eine gute Qualität. Bei HDTV ist es anders: Die HD-Qualität ist für jeden sichtbar. Und 2012, wenn wir SF 1 und SF zwei umstellen, wird fast die Hälfte der Haushalte ein HDtaugliches Fernsehgerät haben. Was halten Sie von der Absenz der Regio­ naljournale auf DAB? Dies wäre doch ein gutes Vermarktungsargument. Rechsteiner: Es ist technisch mittlerweile reduziert möglich, die Regis auf DAB zu verbreiten. Entsprechende Überlegungen sind im Gang. Es ist eine Frage der Zeit.

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Qualität gehört zum Kerngeschäft. Die Trägerschaftsinstanzen Publikumsrat und Ombudsstelle tragen zur Qualitätssiche­ rung bei. Wie beurteilen Sie diese Zusammen­arbeit? Haldimann: Der Publikumsrat ist für uns die einzige Instanz, die kontinuierlich und weitgehend professionell unser Programm beurteilt. Damit ist sie ein wichtiger Dialog­ partner. Der Ombudsmann behandelt die Beanstandungen mit einer Mischung aus juristischem Hintergrund und gesundem Menschenverstand. Ich bin fast immer mit seinen Beurteilungen einverstanden. Er kann Unzufriedenheit auffangen und den Leuten eine Stimme geben. Rechsteiner: Es ist gut, dass es die Om­ budsstelle als Zwischenstufe gibt, bevor Streitfälle vor Gericht enden. Der Publikums­ rat bringt eine gute Mischung aus Professio­ nalität und laienhafter Konsumentenpers­ pektive. Wir sind auf diese Reflexion von aussen angewiesen.

Bilder: SF

Eine regionale Splittung ist allerdings nicht möglich, auf DAB werden alle Regis zeit­ gleich empfangbar sein.

Ingrid Deltenre, Direk­ Walter Rüegg, Direktor torin Schweizer Fernse­ Schweizer Radio DRS hen 2004 – 2009. 1999 – 2009.

Adieu Ingrid Deltenre und Walter Rüegg

Durch die Strukturreform verliert die Trägerschaft Kompetenzen im unterneh­ merischen Geschäft, wodurch sie ihre Rol­ le und Legitimation neu definieren muss. Welche Unterstützung erwarten Sie künf­ tig von ihr? Rechsteiner: Ich persönlich begrüsse al­ les, was mithilft, den Service public zu legi­ timieren. Und er muss sich immer wieder legitimieren.Von dem her ist die Trägerschaft ein Element, das mithilft, diese Legitimation in der Gesellschaft zu erreichen und in der Bevölkerung zu verankern. Haldimann: Genau. Sie soll die Diskussion fördern, den Rückhalt des Service public absichern. Das ist ihre Aufgabe.

Beide brachten frischen Wind in die SRG SSR idée suisse, beide führten ihre Unternehmen mit grossem, anhal­ tendem Erfolg, und beide haben diese nun am gleichen Tag, Ende September 2009, verlassen. SR-DRS-Direktor Walter Rüegg geht in Pension und SFDirektorin Ingrid Deltenre nimmt eine neue berufliche Herausforderung an und wird Generaldirektorin der Euro­ pean Broadcasting Union, EBU, mit Sitz in Genf. Beiden verdankt die SRG SSR idée suisse viel. Walter Rüegg hat rasch bewiesen, dass Qualität auch Quote bringen kann, und er hat Schweizer Radio DRS über all die Jah­ re seit 1998 auf einem erstaunlich ho­ hen Niveau halten können – qualitativ und quantitativ. Ingrid Deltenre hat die erfolgreiche Marke «Schweizer Fernse­ hen» weiterentwickelt und darüber hin­ aus immer wieder neue und zum Teil überraschende Akzente in ihr Programm gesetzt. Sie hat die alten SF-Qualitäten gestärkt und neue geschaffen. Und sie hat dem Sender ein modernes, jünge­ res Image verschafft. Kompliment also an beide. Wir verabschieden uns un­ gern von ihnen und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute.

Interview: Christa Arnet

Kurt Nüssli

«Der Publikumsrat ist für uns die einzige Instanz, die kontinuierlich und weitgehend professionell unser Programm beurteilt.»

Ueli Haldimann

Ausgabe 8/2009


SRG idée suisse Deutschschweiz Mitgliederaktion

Mit SR DRS zum Weihnachtskonzert Traditionsgetreu «schenkt» Schweizer Radio DRS auch dieses Jahr seinen Hörerinnen und Hörern als Dankeschön zwei Weihnachtskonzerte. Die SRG Deutschschweiz verlost unter ihren Mitgliedern Tickets für die Aufführungen von DRS 1 und DRS Musikwelle. Die Weihnachtskonzerte sind bei Schweizer Radio DRS zur Tradition geworden, auf DRS 1 wie auch auf DRS Musikwelle. Ein exklusives Erlebnis für treue Hörerinnen und Hörer: Die Tickets sind nämlich nicht käuflich, sondern sie werden ausschliess­ lich verlost. Nehmen Sie an der Verlosung teil, mit etwas Glück können Sie bei einem der Konzerte mit vorangängigem Apéro im festlichen Rahmen dabei sein.

Am Freitag, 18. Dezember 2009, lädt DRS 1 zum siebten Mal zu seinem Weihnachts­ konzert ein. Wie in den vergangenen Jahren wird unter den Musikern ein «Special Guest» auftreten – dieses Jahr der in Zürich geborene Andreas Vollenweider. Ausserdem spielt ein speziell für diesen Anlass zusammengestelltes Ensemble, bestehend aus dem Saxophonis­ ten Harry White, der Violinistin Elisabeth Magnenat und dem Pianisten James Alexander. Die eigens für das Konzert ge­ schriebene Weihnachtsgeschichte von Hanspeter Gschwend (Redaktor DRS 1) erzählt die Geschichte von Maria und Josef und der Geburt des Heilands aus der Pers­ pektive von Josef – transportiert in die Ge­ genwart. Das Konzert wird auf DRS 1 ausge­ strahlt (24. Dezember 2009 22.00 – 24.00 Uhr und 25. Dezember 20.00 – 22.00 Uhr).

Bild: zVg.

DRS 1-Weihnachtskonzert mit Andreas Vollenweider

Am 20. Dezember 2009 stimmen die DRS-Singers mit dem Musikwelle-Publikum auf Weihnachten ein.

Weihnachtslieder. Erstmals werden sie begleitet vom Trio Claudia Muff (Claudia Muff, Akkordeon, Felix Brühweiler, Gitarre, und Peter Gosswiler, Bass). Dazwischen liest Elisabeth Zurbrügg ihre eigenen

«Adväntsfänschter»-Geschichten in bern­ deutscher Mundart. Das Konzert wird am Mittwoch, 23. Dezember 2009, 20.00 – 21.00 Uhr, auf DRS Musikwelle ausgestrahlt. pb

Weihnachtskonzerte Schweizer Radio DRS 2009 Ich nehme an der Verlosung teil: Weihnachtskonzert von DRS 1 mit Apéro am 18. Dezember 2009, 18.00 – ca. 21.30 Uhr (Konzertbeginn: 19.00 Uhr) Weihnachtskonzert von DRS Musikwelle mit Apéro am 20. Dezember 2009, 16.00 – 18.00 Uhr (Konzertbeginn: 17.00 Uhr) Name: Vorname: Strasse: PLZ/Ort:

DRS Musikwelle mit DRS-Singers Auch DRS Musikwelle lädt ihre Hörerin­ nen und Hörer zum Konzert ein. Am Sonn­ tag, 20. Dezember 2009, singen die DRSSingers unter der Leitung von Christoph Cajöri bekannte und weniger bekannte Ausgabe 8/2009

Mitgliedgesellschaft: Ich komme allein.

Ich komme zu zweit. (Zutreffendes bitte ankreuzen)

Talon bis spätestens 22. November 2009 einsenden an: SRG idée suisse Deutschschweiz, Mitgliederservices, Fernsehstrasse 1– 4, 8052 Zürich Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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SRG idée suisse Deutschschweiz

Bild: SF / Heinz Stucki

Aernschd Born: «Satire ist die schiefe Bahn, auf der die Wirklichkeit ausrutscht.» Im Bild Mike Müller (links) alias Bundesrat Hans-Rudolf Merz und Viktor Giacobbo alias Muammar al-Gaddafi.

Lenzburger Tagung der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse Deutschschweiz

Vom Witz. Und der Taschenlampe. «Satire darf alles!?», so das Thema der Lenzburger Tagung. Satire darf fast alles, so das Fazit. Denn besonders wenn religiöse Themen Gegenstand von Satire werden – dann wirds heikel. Satire ist Thema. Sonst hätten sich wohl kaum 150 Mitglieder der Trägerschaft der SRG SSR idée suisse morgens um neun Uhr auf Schloss Lenzburg zur Herbsttagung «Satire darf alles!?» eingefunden. Aber was macht ein «normaler» Satiriker eigentlich? Aernschd Born, Autor «Zweierleier» DRS 1, verriet in seinem Referat: «Er mischt zwei Zutaten zu einem bühnenoder ‹Radio›-aktiven Gift.» Die erste Zutat sei der Witz. Die zweite die Taschenlampe. Während der Journalist einen Sachverhalt mit einer Flutlichtanlage ausleuchte, rücke der Satiriker einen einzelnen Punkt aus

dem Zusammenhang ins Zentrum. «Polans­ki will unbedingt frei kommen. Und hofft, dass sich Merz nicht für ihn einsetzt», veranschaulichte Aernschd Born. «Satire ist die schiefe Bahn, auf der die Wirklichkeit ausrutscht.»

«Frisur statt Zensur»

Weitere Fotos der Lenzburger Tagung sind für Mitglieder in der Fotogalerie unter www.srgdeutschschweiz.ch im Mitgliederbereich verfügbar.

Satire sei das Tripolis der Schweiz: «Unerwartet libysch, unschweizerisch, gadaffig, doppelbödig.» Und somit das Gegenteil von Journalismus, obwohl beide die gleichen Quellen hätten. Born verglich die Situation der Satire in der Schweiz mit dem Umgang mit einem Dreitage- oder Damenbart. «Solange man nicht vor die Haustür geht – okay.Vor die Türe geht man aber nur geduscht und rasiert, damit man im Fall eines Unfalls sauber auf dem OP-Tisch liegt. Frisur statt Zensur.»

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Ausgabe 8/2009

Aernschd Born zum Unterschied zwischen Satirikern und Comedians: «Der Satiriker hat seine Taschenlampe im Griff, hat Haltung und ist froh darüber.» Ein Come­dian hingegen werfe seine Taschenlampe willkürlich durch den Raum, habe keine Haltung und sei froh darüber. Auf die Frage, warum er seinen Beruf ausübe, sage der Comedian: «Wegen dem Gelde.» Der Sati­ riker: «Des Geldes wegen.» Der Satiriker sei der Bergsteiger, der vom Freeclimber Comedian überholt wird. Das sei nicht weiter schlimm, «aber die Satire muss eines müssen: oben ankommen, bei der Pointe».

Der «Jesus aus Schokolade» Die Satirikerin Stefanie Grob verband mit ihren temporeichen, pointierten Auftritten die verschiedenen Programmteile aufs Beste. Was aber darf Satire? Was darf sie


«Ich staune, wie oft die Religion und Kirchenvertreter Gegenstand von Satiresendungen sind.»

«Was ist mit den menschlichen Gefühlen?» Auch in der von Sonja Hasler, Redaktorin der «Rundschau», temperamentvoll moderier­ ten Podiumsdiskussion zeigte sich, dass Satire und religiöse Gefühle ein heikles Thema sind. Ein paar Ausschnitte: werden vom Ombudsmann erledigt. Wir haben gar nicht so viele Satirefälle. Unser ‹Hauptkunde› ist ‹10vor10›. Was mich am meisten aufregt, sind Verletzungen der journalistischen Sorgfaltspflicht.»

Aernschd Born, Autor «Zweierleier» DRS 1: «Als Satiriker darf ich religiöse Gefühle nicht verletzen? Und was ist mit den menschlichen Gefühlen? Ich lasse mir doch nicht sagen, dass ich religiöse Ge­ fühle nicht verletzen darf. Das ist Zensur!»

Frank Worb

«Kassensturz»-Beitrag, in dem die Verantwort­ lichen des Swissair-Debakels zur Beichte gehen mussten. Hier sorgte vor allem der von Mike Müller gespielte Priester, der während der Beichte Pommes Chips in sich hineinstopfte und Wein aus einem Kelch schlürfte, für Unmut.

Von blöd bis lustig Die Kommentare der Zuschauer reichten von «einfach blöd» über «Biertisch-Humor» bis hin zu «alles lustig gefunden». Das Publikum als Ganzes zeigte sich äusserst to­lerant und lehnte alle Beschwerden ab. Einige Teilnehmer zeigten sich aber in ihren Gefühlen deutlich verletzt, dies vor allem in Bezug auf das Lächerlich-Machen der Heiligen Sakramente. Die Ombudsstelle hatte die Beschwerde über den «Kas­sen­ sturz»-Beitrag gutgeheissen. Dies weil mit der Darstellung von Beichte und Eucharistie (Pommes Chips) zentrale Glaubensinhalte verletzt worden seien. Was also darf Satire? Fast alles. Angelica Schorre

Frank Worbs, Leiter Kommunikation der Reformierten Landeskirche Aargau: «Ich staune, wie oft die Religion und Kirchen­ vertreter Gegenstand von Satiresendun­ gen sind. Die Kirche wird also als Instituti­ on wahrgenommen. Würde sie in den Sendungen nicht mehr vorkommen, dann hätte sie an Bedeutung verloren.»

Regula Bähler, Vizepräsidentin der Unab­ hängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen, UBI: «Die meisten Beschwerden Ausgabe 8/2009

Mike Müller, Schauspieler und Satiriker, zum Thema Comedy, die nur noch «ver­ arscht»: «Das ist vielleicht eine Frage des Alters. Ein privater Radiosender brachte einen dieser Beiträge, bei dem einem Paar unabhängig voneinander die gleiche Frage gestellt wurde. Eine Frage war: ‹Wenn Du mit deiner Mutter Sex hättest, wie würdest du sie nehmen?› Da musste ich mich schon fragen: Bin ich mit den Jahren ein so ver­ klemmter Typ geworden? So etwas ist primitiv. Ich hoffe auf die vielen geschei­ ten jungen Leute.»

Bilder: Sinus / Markus J. Hässig

nicht? Moderatorin Sonja Hasler zeigte Film- und Radioausschnitte, die Grund zu Beanstandungen gewesen waren. Das Publikum sollte diese Beschwerden ablehnen oder annehmen und raten, wie die Ombudsstelle entschieden hatte.Von den Beispielen sorgten vor allem drei für Diskussionsstoff. Ein Filmausschnitt zeigte, wie ein Mann eine Frau anmachte, bis diese ihn «ansprang». Der filmische Wechsel in die Totale zeigte, dass das während einer Beerdigung geschah. Ein Ausschnitt aus einer «Giacobbo/Müller»-Sendung hatte einen «Schoggi»-Jesus zum Thema (Jesus durch den Kakao ziehen, an einen Baum hängen, als Alternative zum Abendmahl …). Ein weiterer Ausschnitt stammte aus einem

Rolf Tschäppät, Redaktionsleiter SF Comedy: «Ich kann nicht begreifen, war­ um die meisten Beschwerdeführer katho­ lisch sind. Aus den Beschwerden hört man eine Art Polizeimentalität heraus. Ein Atheist oder Agnostiker sieht sich ja auch nicht das ‹Wort zum Sonntag› an. Wir sind ein Gemischtwarenladen.»

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Publikumsrat

ten sowie von neuen mit alten Songs gelungen.Vier Stunden Schweizer Musik wird von einer Ratsmehrheit nicht als zu viel erachtet, da die Sendung sehr abwechslungsreich sei. Die in der Sendung gelieferten Hinweise zu Songs und Interpreten gefallen dem Publikumsrat. Teilweise wünscht er sich jedoch noch mehr Informationen über die Gäste, um mehr über die Menschen hinter der Musik zu erfahren.

Sendeplatz am Samstagabend diskutabel

Bild: istockphoto.com

Vier Stunden Schweizer Musik jeden Samstagabend ab 20.00 Uhr sind laut Publikumsrat nicht zu viel.

«CH-Special» auf DRS 3

Erfrischend und vielfältig Der Publikumsrat findet das «CH-Special» auf DRS 3 erfrischend, vielfältig und abwechslungsreich. Die Moderation wird als angenehm und kompetent beurteilt. Ob der Samstagabend der richtige Sendeplatz sei, wird von einigen Ratsmitgliedern jedoch in Frage gestellt.

Der Samstagabend als Sendeplatz wird von einigen Publikumsrätinnen und -räten als problematisch empfunden, da ein Grossteil der DRS 3-Hörerschaft den Abend nicht mit Radiohören verbringe. Jedoch nur eine Minderheit im Rat empfiehlt den Sendungsverantwortlichen, sich einen anderen Ausstrahlungstag zu überlegen. Der Publikumsrat und Robert Ruckstuhl, Programmleiter von DRS 3, sind sich jedenfalls einig, dass man eine solche vierstündige Sendung am Abend und nicht während des Tages ansetzen müsse. Der Bereichsleiter für Musik bei DRS 3, Michael Schuler, findet den Sendetermin am Samstagabend praktisch für Live-Abende bei «CH-Special»: Denn Schweizer Bands treten oft am Samstagabend auf. Viel Anerkennung seitens des Publikumsrats erhielten die Moderatorinnen und Moderatoren von «CH-Special». Diese wurden als kompetent, frisch und humorvoll bezeichnet. Auch ihre angenehme, ein­ fache und verständliche Sprache wird geschätzt. Denise Looser Barbera

Im Zentrum der Musiksendung stehe Schweizer Pop- und Rockmusik, wobei auch andere Sparten nicht ausgeschlossen seien, meint der Publikumsrat. Er beurteilt die Sendung als hervorragende Plattform für national noch wenig bekannte Künstlerinnen und Künstler, die ihr Schaf-

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fen einem breiteren Publikum vorstellen könnten. Zudem begrüsst der Rat, dass die Musik gegenüber dem Wort deutlich überwiege. Die gespielte Musik sei vielfältig und der Mix von bekannten mit unbekannAusgabe 8/2009

Der Publikumsrat setzt sich aus 26 Mitgliedern zusammen. Durch Feststellun­gen und An­re­gun­ gen begleitet er im Austausch mit den Verant­ wortlichen die Programmarbeiten von Schweizer Radio DRS und des Schweizer Fernsehens.


Gelungener Blick über die Grenzen Das Schweizer Fernsehen hat gemäss Publikumsrat gut und schnell über die Bundestagswahlen in Deutschland berichtet. Als störend empfand der Rat hingegen die vielen Live-Schaltungen bei den Sondersendungen. Insgesamt attestiert der Publikumsrat dem Schweizer Fernsehen für seine Berichterstattung über die deutschen Wahlen eine sehr gute Leistung. Es seien die wichtigen Wahlkampfthemen erörtert und auch für Schweizer Zuschauerinnen und Zuschauer verständlich gemacht worden. Allerdings sei es nur halbwegs gelungen, das komplizierte deutsche Wahlsystem zu erklären. In den Sondersendungen habe das Schweizer Fernsehen Trends und Hochrechnungen zeitgleich mit den deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalten liefern können, freut sich der Publikumsrat. Allerdings störte sich eine Ratsmehrheit an den vielen Schaltungen zu den Live-Interviews. Dadurch sei Hektik entstanden, und die Gesprächsrunde hätte immer wieder

ruppig unterbrochen werden müssen. Einige im Rat regten an, künftig die Stellungnahmen der Politiker aufzuzeichnen und leicht zeitverschoben besser in den Gesprächsfluss zu integrieren. Die Diskussionsrunden seien interessant zusammengesetzt gewesen und die Diskussionen engagiert, pointiert und informativ verlaufen, so der Publikumsrat. Polarisiert hat hingegen Moderator Stephan Klapproth: Die einen im Rat störten sich an seiner Art, die Gäste nicht ausreden zu lassen. Die anderen hat Klapproth vor allem in der Sondersendung ab 21.40 Uhr als souveräner und kenntnisreicher Mo­ derator überzeugt.

ders die animierten Grafiken im Internet seien überzeugend gewesen. Die Website zu den Wahlen habe zudem hervorragende Informationen geboten. Insgesamt habe das Fernsehen mit der Wahl­berichterstattung einen vernünftigen Mitteleinsatz betrieben. Es hat gemäss Publikumsrat und Beobachtungsleiter Franz-Xaver Risi so gut informiert, dass – ausser speziell Interessierte – niemand auf deutsche Kanäle umschalten musste. Denise Looser Barbera

Walter Rüegg vom Publikumsrat verabschiedet

Bild: SF / Daniel Winkler

«Wahlen in Deutschland» auf SF 1

Die eingesetzten Grafiken fand der Publikumsrat verständlich und hilfreich. BesonWalter Rüegg (links) und Publikumsratspräsident Manfred Pfiffner.

Bild: SF

Am 27. September 2009 berichtete das Schweizer Fernsehen in zwei Sondersendungen und auch in der schweize­rischen Abstimmungssendung über die Bundestagswahlen in Deutschland. Ausgabe 8/2009

An seiner vergangenen Sitzung hat der Publikumsrat Radiodirektor Walter Rüegg verabschiedet, der nach zehn Jahren an der Spitze von Schweizer Radio DRS in Pension geht. Publikumsratspräsident Manfred Pfiffner dankte Walter Rüegg für die erfolgreiche Zusammenarbeit, die von gegenseitiger Anerkennung, Offenheit und Wohlwollen geprägt war. Die Ratsmitglieder schätzten Rüeggs stetes Bemühen, das Radio weiterzuentwickeln, sodass er es heute gut positioniert verlassen kann. Für Walter Rüegg war die Zusammenarbeit mit dem Publikumsrat sehr erfreulich. Der Publikumsrat sei auch im Zusammenhang mit der Qualitätsüberprüfung wichtig für das Radio. Rüegg wünscht dem Publikumsrat, angesichts der raschen Medien­entwicklung ständig innovativ bleiben zu können. dlb

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Ombudsstelle «Arena»-Gäste

Der abgewiesene Bundesratskandidat Für die Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin bewarben sich nicht nur die offiziell designierten Kandidaten Didier Burkhalter, Christian Lüscher und Urs Schwaller, sondern ebenfalls 29 andere Personen. Eine davon verlangte, ohne Erfolg, an der «Arena» vom 11. September 2009 teilzunehmen. schauer wollten sich am Freitag vor der Wahl ein Bild über die chancenreichsten Kandidaten machen und weniger über einen Deutschschweizer Aussenseiter. Die «Arena» bestimmt ihre Gäste selbst und wendet dabei journalistische Kriterien an. Es sei wenig sinnvoll, die sowieso chancenlosen Eigenkandidaten in einer solchen Sendung auftreten zu lassen.

Beanstandung abgewiesen Heftiger Protest Zusammen mit 28 anderen Einzelpersonen hat Herr P. L. von seinem verfassungsmässigen Recht Gebrauch gemacht und seine Kandidatur für die Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin gestellt. Als «Kandidat» hat er Anspruch erhoben, an der «Arena»-Sendung vom 11. September 2009 «Bundesrat: Kampf um den Sitz» teilzunehmen und protestierte heftig, als ihm der Zutritt zum Aufnahmestudio verweigert wurde. Die Gebührenzahler seien dadurch hintergangen worden und hätten keine Möglichkeit gehabt, die Kandidaten kennenzulernen. Die Sendung solle wiederholt und die Bundesratswahlen am Fernsehen thematisiert werden, damit die Bundesräte durch das Volk gewählt würden, so seine Argumentation.

Grundsätzlich habe ich für die Haltung des abgewiesenen Bundesratskandidaten ein gewisses Verständnis. Doch aus verschiedenen Gründen konnte ich seinen Protest nicht unterstützen. Zuerst einmal, weil die Auswahl der Gäste in der Verantwortung der Redaktion liegt. Da die Wahl der Mitglieder des Bundesrats durch die Bundesversammlung und nicht durch das Volk vorgenommen wird, gibt es auch keinen juristischen Zwang, sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten an einer Wahlsendung auftreten zu lassen. Von einem Hintergehen der Gebührenzahler kann somit keine Rede sein.

Die Redaktionsleiterin, Marianne Gilgen, der «Arena» zeigte für diese Haltung kein Verständnis. Die Zuschauerinnen und Zu-

Dann aber auch, weil Herr P. L. und seine Begleiterin nicht die einzigen Spontankandidaten waren. Wie erwähnt, haben insgesamt 29 Personen ihre Einzelkan­ didatur für die Nachfolge von Pascal Couchepin gemeldet. Es liegt auf der Hand, dass es journalistisch weder sinnvoll noch möglich gewesen wäre, eine

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Die Haltung der Redaktion

«Arena»: Keine Plattform für Spontan-Bundesratskandidaten.

«Arena» mit einer derart hohen Anzahl von sowieso chancenlosen Kandidatinnen und Kandidaten zu gestalten. Diese Kandidaturen wurden vom Fernsehen zu Recht nicht ernst genommen. Beweis dafür sei, dass die Kandidaturen von Personen mit Bundesratsambitionen sogar im Parlament selbst nicht nur keine Einzelerwähnung gefunden hätten, sondern vielmehr den Parlamentarierinnen und Parlamentariern nicht einmal aktiv zur Kenntnis gebracht worden seien. Die Präsidentin der Bundesversammlung, Chiara Simones­chi-Cortesi, hat sich lediglich beschränkt zu betonen, dass einige Bürger eine individuelle Kandidatur eingereicht hätten und die entsprechenden Dossiers beim General­sekretariat des Parlaments konsultiert werden könnten. Ein Beweis, dass diese Liste an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier nicht einmal verteilt wurde. Achille Casanova

Ombudsstelle DRS, Kramgasse 16, 3011 Bern www.ombudsstelledrs.ch

Bild: SF

An sich ist diese durch die Medien meistens nicht thematisierte Sachlage keine Seltenheit: Bei jeder Vakanz im Bundesrat gibt es zahlreiche Personen, die ihre eigene Kandidatur einreichen. Dies lässt die Bundesverfassung zu: Artikel 143 der Bundesverfassung sieht vor, dass «alle Stimmberechtigten», und somit nicht nur die National-, Stände- oder Regierungsräte, wählbar sind. Artikel 175 der Bundesverfassung präzisiert, dass die Mitglieder des Bundesrats «aus allen Schweizerbürgerinnen und Schweizerbürgern, welche als Mitglied des Nationalrates wählbar sind», gewählt werden können.


Carte Blanche

Mein eigener Programmdirektor

«

Mein Tag beginnt hektisch: Die Kinder brauchen Frühstück, müs-

gerät eingeschaltet. Die einzelnen Sendungen sind entweder

sen danach in die Krippe. Der Hund muss Gassi. Nachrichten zu

aus dem Internet heruntergeladen (Podcasts) oder auf einem

hören oder zu sehen, klappt beim besten Willen nicht. Die ersten

der Online-Videoportale wie Youtube angesehen worden.

Neuigkeiten des Tages liefert daher ‹HeuteMorgen› von DRS 1 im Auto. Den Rest der einstündigen Fahrt füllt die DRS 3-Musiksen-

Mein Flachbild-Fernseher und meine Dolby-Surround-Anlage

dung ‹Sounds›.

bleiben oft tagelang dunkel und stumm. Handy und Computer lösen sie zunehmend ab. Denn damit bin ich mein eigener

Im Büro angelangt, widme ich mich zuerst meinen E-Mails:

Programmdirektor, Regie-Chef und Zuschauer respektive Zuhö-

‹Hast du das gesehen?› lautet der Betreff einer Nachricht. Ein

rer zugleich. Ich stelle mir mein Programm zusammen, kippe

paar Sekunden später gucke ich mir den ‹Kassensturz›-Beitrag

Sendungen aus dem Programm, wiederhole oder kürze Beiträge.

über die explodierenden Kochtöpfe von Kuhn-Rikon an. Ein un-

Zudem kann ich damit schneller zappen als mit der Fernbedie-

schuldiger Junge erlitt Gesichtsverbrennungen, weil einer dieser

nung. Sehen und hören tue ich aber noch immer das Gleiche:

Töpfe plötzlich explodiert war. Der Firma tut es Leid, ihre Pfan-

interessante, verständliche und optisch gut umgesetzte Beiträge.

nen zurückziehen, will sie aber nicht.

Auf Neudeutsch heisst dieses Verhalten medienkonvergent. Mit ihrem Medienkonvergenz-Projekt arbeitet die SRG

Am Abend steht die ‹Rundschau›-Sendung auf dem

SSR idée suisse daran, sich diesem Verhalten anzupassen.

Programm. Der Beitrag über die Computerfirma HP in der Schweiz fesselt mein Interesse. Der HP-

Die schöne, neue medienkonvergente Welt hin oder

Chef Mark Hurd verdient über 40 Millionen Dollar

her, ganz ohne traditionelles Fernsehen gehts dann

jährlich. Auf der anderen Seite sollen seine Ange-

aber doch nicht: Zum Beispiel beim Fussballspiel

stellten in der Schweiz auf bis zu zehn Prozent ihres

Schweiz gegen Israel läuft mein Fernsehgerät ganze

Lohnes verzichten. Wer ist überhaupt Mark Hurd? Ich zappe weiter. Ein Porträt von CNN klärt mich auf.

zwei Stunden. Auf die Analyse nach dem Match verzichte ich und ziehe Youtube dem Duo Sutter/Hüppi vor. Doch die beiden tauchen auch dort auf meinem

Wer sich ein wenig im Programm

Bildschirm auf, allerdings als Parodie

von Schweizer Radio DRS und des

aus irgendeiner alten ‹Giacobbo/

Schweizer Fernsehens auskennt,

Müller›-Sendung. Das ist das Letzte,

merkt schnell: Mein Medienkon-

was ich vor dem Ins-Bett-Gehen

sum ist ein wildes Durcheinander,

sehe. Die Kinder schlafen schon

das nie so gesendet wird. Tatsäch-

längst. Mein Tag endet heiter.

lich: Um die Beiträge zu sehen

»

oder zu hören, habe ich kein Bild: K-Tipp / Dominique Schütz

einziges Mal ein TV- oder RadioKommentare zur Carte blanche können Sie an den Autor richten (cetojevic@gmx.ch) oder an die LINK-Redaktion (pernille.budtz@sf.tv).

Darko Cetojevic: Publikumsrat und K-Tipp-Redaktor. Ausgabe 8/2009

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Parlamentsberichterstattung im Fokus

Gewichtung, Verständlichkeit, journalistische Formen Die Programmkommission der SRG idée suisse Ostschweiz beschäftigte sich anhand dieser Leitfragen mit der Berichterstattung des Regionaljournals Ostschweiz aus den kantonalen Parlamenten.

Konzentriert bei der Sache (v. l. n. r.): Thomas Merz, Mathias Jenny, Michael Marugg und Dieter Niedermann.

Bild: Patricia Fisch

Vertiefungsgrad – Themenkarrieren

Wichtig für die Hörenden ist die Verständ­ lichkeit der Beiträge, eine besondere Herausforderung bei der meist abstrakten Gesetzgebungsarbeit. In der Regel meistert das Regionaljournal diese Herausforde­ rung gut. In einem Fall stellte die Pro­ grammkommission jedoch eine Anhäu­ fung unerklärter Fachausdrücke fest. Die

Frage der Gewichtung einzelner Ratsge­ schäfte ist diskutabel. Allerdings ist in diesem Punkt zu beachten, dass je nach Perspektive (Ratsmitglieder, vom Geschäft direkt oder indirekt betroffene Hörer, Journalisten) einem Geschäft ein sehr unterschiedliches Mass an Bedeutung zugemessen wird. Zu beachten ist in die­ sem Punkt auch, ob ein Geschäft über den betreffenden Kanton hinaus in der Ostschweiz von Interesse ist. Muss die Be­ richterstattung in dem Sinne ausgewogen sein, dass Pro und Contra in gleichem quantitativem Ausmass vertreten sind? Am Beispiel der Berichterstattung zur Par­ lamentsdebatte über die Wiedereinfüh­ rung der Landsgemeinde in Appenzell Ausserrhoden suchte die Programmkom­ mission Antworten auf diese Frage. Sie kam zum Schluss, entscheidend sei nicht die möglichst gleichmässige Berücksich­ tigung der Standpunkte, sondern dass die Berichte die Mehrheits- und Minder­ heitsverhältnisse in den Debatten wider­ spiegelten.

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Die Parlamentsberichterstattung ist für die Journalistinnen und Journalisten des Regionalstudios Ostschweiz eine sehr auf­ wendige Angelegenheit, gilt es doch, die Information über die Arbeit von nicht we­ niger als sechs kantonalen Legislativen sicherzustellen. Trotz dieser Erschwernis gelingt es den Mitarbeitenden des Regio­ naljournals, über sämtliche Sitzungen und Sessionen in den verschiedenen Kanto­ nen zu berichten – und dies zumeist in guter Qualität. Für das Regionalstudio Ostschweiz ist die Berichterstattung aus den Räten ein Muss.

Verständlichkeit – Gewichtung

Einen weiteren Diskussionspunkt bildete der Vertiefungsgrad der Informationen. Obwohl das Regionaljournal zu einzelnen Sachfragen immer wieder attraktive Hin­ tergrundberichte gestaltet, setzen hier die zeitlichen Möglichkeiten – acht Minuten scheint eine Deadline zu sein – recht enge Grenzen, und es bleibt eine gewisse Ober­ flächlichkeit. Hier kann das Radio nicht mit den Zeitungen konkurrieren. Nichts­ destotrotz begrüsst die Programmkommis­ sion, dass das Regionaljournal vertiefend Formate pflegt. Aber: Soll der Vertiefung eine summa­rische Kurzberichterstattung vorangehen oder dieser folgen? Damit ist die Problematik der sogenannten «The­ men­karrieren» angesprochen, also die Entwicklung eines Themas über mehrere Sendungen, beispielsweise von der Kurz­ meldung bis zum Hintergrundbericht. Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Hörerinnen und Hörer sämtliche Regi-Sendungen konsumieren, ist ein Wei­ terzug wichtiger Themen notwendig. Dies verfolgte die Programmkommission an­ hand der Sterbehilfedebatte im Thurgauer Parlament.

O-Töne – Kommentar Zu reden gab schliesslich die Auswahl der O-Töne: Wurden wirklich die relevan­ ten, für die Debatten repräsentativen Voten in die Berichte aufgenommen? Wurden die kompetentesten Personen interviewt? Und zu guter Letzt: Die Programmkommis­ sion findet den sparsamen Umgang mit dem Format des Kommentars richtig, stellt doch der Kommentar an den Kommentie­ renden sachlich höchste Anforderungen, die als Aussenstehende schwer zu erfüllen sind. Arthur Oehler


Neues aus dem TV-Korrespondentenbüro

Grundlegender, kostenintensiver Wandel Das Ostschweizer Fernsehkorrespondenten-Team, Henriette Engbersen und Jürg Aegerter, äussern sich zum technischen Wandel und zu Fachausdrücken wie «Überspiel-Konsole», «16:9-Bildschirm», «VJ-Kameras» und «HD-Qualität».

Auch technisch tut sich einiges. In eurem Büro steht z. B. eine neue ÜberspielKonsole. Henriette Engbersen: Ja, es wurde Zeit, dass wir endlich einen 16:9-Bildschirm erhalten haben ... Spass beiseite. Die neue Konsole wurde nötig, da neue Kameras im Einsatz sind, die nicht mehr mit den gewohnten Kassetten arbeiten. Zum einen sind dies die kleinen Kassetten der VJKameras. Diese Kameras bedienen wir Journalistinnen und Journalisten selbst. Zum anderen gibt es neue Profi-Kameras, die neu auf BlueRay-Discs aufzeichnen. Der Reihe nach. Heisst das: Die Korrespondenten sind neu gleichzeitig auch Kameraleute? Henriette Engbersen: Ich komme ja von Tele Ostschweiz. Dort sind alle Journalis­ ten auch gleichzeitig Kameraleute. Beim Schweizer Fernsehen ist das nicht so. Allerdings wird auch hier immer mehr gewünscht, dass Redaktoren einzelne

Die Ostschweizer Fernsehkorrespondenten: Henriette Engbersen und Jürg Aegerter vor der neuen Überspiel-Konsole.

Aufnahmen selbst machen. Dies ist aber die Ausnahme. Das ist auch in St. Gallen so. Jürg Aegerter und ich nutzen die VJ-Ka­ mera regelmässig, um einzelne Statements einzuholen. Manchmal ergibt sich auch ein ganzer VJ-Beitrag. Zum gros­sen Teil ar­ beiten wir aber nach wie vor mit professi­ onellen Kameraleuten zusammen. Und das ist gut so. So können wir Korrespon­ denten uns auf die journalistische Arbeit konzentrieren – und die Bilder der Kame­ raleute sind perfekt! Bleiben wir gleich bei den Kameras der Profis. Was genau ist dort neu? Jürg Aegerter: Ziel ist ja, dass das Schweizer Fernsehen in einigen Jahren in HD-Qualität sendet. Um diese hochauf­ lösende High-Definition-Qualität zu er­ reichen, braucht es eine ganz neue Infra­ struktur. Grob gesagt: Es findet ein Wechsel Ausgabe 8/2009

statt von der analogen Technik in die rein digitale Welt. Dazu braucht es neue Kame­ ras, und das Material wird statt auf Band neu auf sogenannte BlueRay-Discs aufge­ zeichnet. Um diese Discs lesen zu können, brauchen wir im Büro neue Abspielgeräte. Daher die neue Konsole. In den nächsten Jahren findet ein grundlegender, sehr kos­ tenintensiver Wandel statt. Ist die viel diskutierte Konvergenz bei euch auch ein Thema? Jürg Aegerter: Natürlich. Wir leben ja im Studio St. Gallen bereits ein gutes Stück Konvergenz. Mit den Kolleginnen und Kol­ legen des Regionaljournals sind wir be­ reits heute in engem Kontakt, was die The­ men betrifft. Wir freuen uns darauf, dass wir in Zukunft noch enger zusammenar­ beiten können. Interview: Patricia Fisch

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Bild: zVg.

LINK: Das Jahr 2009 brachte ja einiges Neues. Zum einen personelle Änderungen. Jürg Aegerter: Ja, Erich Gmünder, der lange Jahre in St. Gallen Korrespondent war und in der Region als «Mister Ost­ schweiz» bekannt ist, hat sich beruflich neu orientiert. Er arbeitet neu im Haupt­ studio in Zürich in einem spannenden Bereich: dem Online-Journalismus. Die Online-Redaktion ist Teil der grossen «Tagesschau»-Redaktion. Dort werden die Inhalte für den Internet-Auftritt auf­ bereitet. Erich Gmünder, der technisches Flair hat, gerne textet und offen ist für Neues, hat dort eine spannende Aufgabe. Henriette Engbersen und ich überneh­ men bis auf weiteres Erichs Pensum in St. Gallen.


Agenda Politsendung «Arena»

Rainer M. Schaper, Leiter SF Kultur, besucht die Ostschweiz

«Wir wollen mehr Leute für Kultur begeistern» Mit Grossproduktionen wie der kürzlich aufgeführten Oper «La Bohème im Hochhaus» schafft Rainer M. Schaper jedes Jahr ein Kulturhighlight zur besten Sendezeit. Anfang Oktober 2009 war er zu Gast in der Vorstandssitzung der SRG idée suisse Ostschweiz in St. Gallen.

Rainer M. Schaper stellt sich und seine Kultur­abteilung dem Vorstand vor.

Nur einige Tage nach dem grossen Kulturer­ eignis «La Bohème im Hochhaus» Ende September 2009, war Rainer M. Schaper zu Gast an der Vorstandssitzung in St.Gallen. Der Abteilungsleiter SF Kultur freut sich am Erfolg der drei bisherigen Opern­ereig­ nisse des Schweizer Fernsehens, die mit hohen Einschaltquoten in der Hauptsen­ dezeit und zahlreichen positiven Publi­ kumsreaktionen belohnt wurden. «Wenn wir mit diesen Grossprojekten mehr Leute für Kultursendungen begeistern können, haben wir unser Ziel erreicht.» Auch ein Auftrag seiner Abteilung sei es, den Blick für das Ganze zu schärfen und Sondersen­ dungen zu Kulturereignissen anzubieten. Für ihn sei Kultur im Fernsehen weit mehr, als im Kulturkalender abzulesen sei.

Schaper mit der Zusammenarbeit zwi­ schen Fernsehen und Radio Möglichkei­ ten, für das Publikum einen Mehrwert zu generieren und auf verschiedenen Ebe­ nen bessere Programme anzubieten. Mit der Sendung «nachtwach» arbeiten das Schweizer Fernsehen und DRS 3 bereits zusammen. An weiteren Projekten wird gearbeitet.

«Sportpanorama» Die Fernsehführung mit Besuch der Sendung «Sportpanorama» vom 6. Dezember 2009 war wenige Tage nach der Ausschreibung ausgebucht. Für diejenigen Mitglieder, die über die Klinge springen mussten, besteht im kommenden Jahr eine weitere Möglichkeit: am 6. Juni. Sichern Sie sich schon heute Ihren Platz. Anmeldung: patricia.fisch@srgideesuisseostschweiz.ch

Nicht-lineare Nutzung nimmt zu «Persönlich» im «fabriggli»

Da die Zukunft klar in Richtung nicht-line­ arer Nutzung zeige, müsse sich auch die Kultur mit den neuen multimedialen For­ maten auseinandersetzen. So findet bei­ spielsweise «Das Wort zum Sonntag» nicht nur am Fernsehen grossen Anklang, son­ dern es gehört auch zu den gefragtesten Podcast-Angeboten des Schweizer Fernse­ hens. Die Zusammenarbeit mit den übrigen Sprachregionen findet Schaper anspruchs­ voll. Man treffe sich regelmässig und habe dieses Jahr mit «La Bohème im Hochhaus» ein grosses Kulturereignis national pro­ grammiert.Auch die Radios der drei Sprach­ regionen haben intensiv mit dem Team von Rainer Schaper zusammengearbeitet und über das Opernereignis berichtet.

Das Kleintheater «fabriggli» in Buchs/SG ist Schauplatz der DRS 1-Talksendung «Persönlich» vom 6. Dezember 2009. Sie sind herzlich eingeladen, ab 10.00 Uhr vor Ort live dabei zu sein. Die aktuellen Gäste sind unter www.drs1.ch oder per Radiofon 0848 80 80 80 abfragbar.

Impressum

Ruth Bossert

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Eine angeregte Diskussion mit den Gremien­ mitgliedern – hier mit Präsident Dieter J. Niedermann – bildete den Abschluss des Besuchs.

Ausgabe 8/2009

Bilder: Patricia Fisch

Mehrwert durch Konvergenz «Mit einem möglichst breit gefächerten Angebot verfolge ich das Ziel, die Mehr­ heit der Minderheit für unsere Kultursen­ dungen zu begeistern», gibt sich Schaper bescheiden. Das heisst, er will versuchen, die relative Minderheit der Kulturkonsu­ menten zu 100 Prozent zu erschliessen. Dies findet nicht nur zu Randzeiten statt, sondern mit Sendungen wie dem SF Schweizer Film am Sonntagabend und dem jährlich programmierten Kulturevent auch zur besten Sendezeit. Zudem sieht

Am 13. November 2009 besuchen 20 Mitglieder die SF-Politsendung «Arena». Die SRG idée suisse Ostschweiz bietet regelmässig Führungen durch die Studios des Schweizer Fernsehens an. Falls Sie als Mitglied noch nie in den Genuss gekommen sind, melden Sie sich bei der Geschäftsstelle in St. Gallen, Telefon 071 243 22 14.

Ausgabe 8/2009 (November 2009), erscheint neun Mal jährlich Herausgeberschaft: Publikumsrat der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ und Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Redaktion (Seiten 1–13): Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb), Denise Looser Barbera (dlb) Christa Arnet (cha) Kontakt: Tel.: 044 305 67 03, E-Mail: pernille.budtz@sf.tv, SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Fernsehstrasse 1–4, 8052 Zürich, Internet: www.srgdeutschschweiz.ch Mitarbeitende dieser Ausgabe (Seiten 1–13): Pernille Budtz (pb), Christa Arnet (cha), Denise Looser Barbera (dlb), Angelica Schorre, Achille Casanova Redaktion SRG idée suisse OSTSCHWEIZ (Seiten 14–16): Patricia Fisch (pfi), Geschäftsstelle, Rorschacher Strasse 150, 9006 St. Gallen, Tel.: 071 243 22 14, Fax: 071 243 22 20, E-Mail: sekretariat@srgideesuisseostschweiz.ch Gestaltung und Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Korrektorat: KLARtext, Joachim G. Klar, Luzern Druckvorstufe: Küenzi & Partner mediacheck, Adliswil Druck: rdv Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck Auflage: 14 876 Expl. (WEMF-beglaubigt)

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