Page 1

Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Ausgabe 4/2010

SF Formatentwicklung: «Wer nichts wagt, erfindet nichts Neues.» Seite 4

SRG SSR Petition will dem Publikum eine Stimme geben. Seite 7 SRG SSR Inkasso-Modelle hinterfragt. Seite 8 Publikumsrat Beobachtungen SF 1: «Rundschau», SR DRS: «Echo der Zeit». Seite 10 Ombudsstelle Hat SF Propaganda für Israel betrieben? Seite 12

Aargau Solothurn Urs Becker – neuer Redaktor für die Regionalausgabe. Seite 14 Medienpreis AG SO. Seite 15 Was ist Glück? «Persönlich» in Boswil. Seite 16

Mehr Mut zu Eigenproduktionen

Bild: istockphoto.com / DR2, Peter Wath / zVg. (Montage)

Carte blanche Lisa Humbert-Droz: Das Rätsel. Seite 13


Editorial

Ein Blick über den Gartenzaun

Bild: SF / Oscar Alessio

Für einmal blicken wir in dieser Ausgabe über die Landesgrenze hinaus: zu den übrigen europäischen öffentlichen Sendern. Vertreten werden sie vom weltgrössten Interessenverband öffentlicher Fernseh- und Radiosender, der Europäischen Rund­ funkunion (European Broadcasting Union, EBU). Das Publikum kennt die Union vor allem wegen ihrer Rolle in der Distribution von Formel 1 oder von Fussballmeisterschaften sowie beim Eurovision Song Contest, der aus dem Hause EBU stammt. Der heuer 60-jährige Verband setzt sich aber auch dafür ein, dass die öffentlichen Sender in Europa sich zunehmend bei der Entwicklung von eigenen Produktionen – sogenannten Formaten – engagieren. Im Gespräch mit LINK erklärt Bettina Brinkmann, Formatleiterin der EBU und ehemalige stellvertretende ZDF-Unterhaltungschefin, unter anderem, warum dies so wichtig ist und wie die Länder sich im Vergleich unterscheiden – oder sich auch ähnlich sind. Zudem besuchte LINK die neue Generaldirektorin der EBU: Ingrid Deltenre, ehemalige Direktorin des Schweizer Fernsehens.

Pernille Budtz.

aktuell

Vereinheitlichung der SRG-Marken

SF inszeniert «Aida am Rhein»

Im Zuge der Fusion der ursprünglich eigenständigen Radio- und Fernseheinheiten der SRG SSR idée suisse vollziehen die neuen Unternehmenseinheiten zurzeit ein ReBranding. Auch auf nationaler Ebene wird die Markenführung neu konzipiert, um den Markenauftritt der ganzen SRG SSR zu vereinheitlichen. Die Unternehmenseinheiten in den Regionen erhalten einen neuen Namen: aus RTSI wurde RSI (Radiotelevisione svizzera di lingua italiana). In der Suisse romande wurden RSR und TSR unter dem neuen Dach RTS vereint (Radio Télévision Suisse). In der deutschen Schweiz erfolgt

Nach den preisgekrönten Produktionen «La Traviata im Hauptbahnhof» und «La Bohème im Hochhaus» inszeniert die Kulturabteilung des Schweizer Fernsehens zum dritten Mal eine Oper vor ungewöhnlicher Szenerie: Schauplatz für die tragische Geschichte um Aida und Radames sowie ihre Widersacherin Amneris ist der Rhein rund um die Mittlere Brücke in Basel. Das Fernsehen inszeniert «Aida am Rhein» in Zusammenarbeit mit dem Theater Basel und dem Sinfonieorchester Basel. Die Livesendung wird am Freitag, 1. Oktober 2010, um 20.00 Uhr, auf SF 1 ausgestrahlt.

Das neue Dachlogo der SRG SSR.

der Zusammenschluss per 1. Januar 2011; der Name der neuen multimedialen Unternehmenseinheit wird in der zweiten Jahreshälfte bekannt gegeben. Das Gesamt­ unternehmen wird den Namen SRG SSR beibehalten. Der Zusatz idée suisse wird jedoch nicht mehr als Bestandteil der Marke, sondern als Claim weitergeführt.

SRG SSR erneut mit Verlust

2

schuldung. Der Entscheid des Bundesrats zum Bericht «Finanzbedarf 2011–2014» wird für die Sanierung der SRG-SSR-Finanzen ausschlaggebend sein. Der Geschäftsbericht 2009 der SRG SSR (Jahres­bericht und Rechnung) wird der Delegiertenversammlung vom 18. Mai 2010 zur Genehmigung unter­breitet. Er ist ab dem 20. Mai 2010 online (www.srgssridee­suisse.ch) und ab Mitte Juni gedruckt verfügbar. Ausgabe 4/2010

Bild: Basel Tourismus

Die SRG SSR idée suisse hat das Geschäftsjahr 2009 mit einem Verlust abgeschlossen. Das Defizit 2009 liegt mit 46,7 Mio. Franken unter demjenigen von 2008 (79,1 Mio.). Im laufenden Jahr ist aber wegen der grossen Sportanlässe (Olympische Winterspiele und Fussballweltmeisterschaft) wiederum mit einem höheren Defizit (rund 75 Mio.) zu rechnen. In den vier Jahren von 2007 bis 2010 summieren sich die Defizite auf rund 220 Mio. Franken, mit negativen Auswirkungen auf Eigenkapital und Ver-

Schauplatz der Inszenierung: der Rhein rund um die Mittlere Brücke in Basel.


Wettbewerb

Wieso ist bei DRS 1 die Musik lauter als das Wort?

Fernsehen im Bild

Songs, die für ein Radiopublikum produziert werden, sind so laut wie möglich gestaltet.

«Ich möchte den Ausstrahlpegel resp. die Differenz in der Lautstärke zwischen Information und Musik zur Diskussion stellen. Verschiedentlich wurde sowohl im Fernsehen wie auch im Radio über das Thema gesprochen. Meines Erachtens – und da ist mein ganzer Bekanntenkreis gleicher Meinung – ist der Pegel bei der Musik zu laut. Stelle ich die Lautstärke so ein, dass ich die Infos verstehen kann, werde ich bei der folgenden Musik zugedröhnt.» Fritz Winkler, Hellikon/Aargau

Auf Anfrage von LINK erklärte Christoph Ulmann, SR DRS-Bereichsleiter Infrastruktur IT & Mediasupport Zürich, die Problematik wie folgt: «Die Tatsache, dass von einigen Hörern die Lautstärke von Musik und Sprache als unterschiedlich laut wahrgenommen wird, hängt unter anderem mit dem Wettbewerb um Lautheit und Pegel der Musikindustrie zusammen. Bereits in der Vinylära der 1950er-Jahre fand man heraus, dass eine Schallplatte, die im Radio lauter klang als andere, vom Zuhörer oftmals als besser klingend empfunden wurde, sodass sie daraufhin zu einem Hit aufstieg. Seit dieser Zeit werden Songs, die für ein Radiopublikum produziert werden, so laut wie möglich gestaltet, und zwar auf jede nur er-

denkliche Art. Die meisten Künstler, Produzenten und Platten-Labels wollen nicht, dass eine ihrer Veröffentlichungen leiser klingt als Songs der Konkurrenz. So ist zum Beispiel auch die TV-Werbung extra laut, damit sie im Vergleich zum Pegel eines Films, der für Werbezwecke unterbrochen wird, entsprechend heraussticht. Mit der Verbreitung der digitalen Technologie ist es zudem im Laufe der Jahre immer leichter geworden, eine Platte so zu bearbeiten, dass sie als laut empfunden wird. Doch dieser Vorteil geht in der Regel einher mit stark verminderter Audioqualität. Im Vergleich zur heute aktuellen Musik hat die menschliche Stimme einen sehr hohen Dynamikumfang. Um in der Lautheit mit Musik entsprechend mithalten zu können, müsste ein Sprachsignal sehr stark komprimiert werden, was nicht ohne Verlust an Audioqualität möglich ist. Weiter gibt es zum Leid der Radiostationen und vor allem derer Zuhörer für die Lautheit von Musik keinen entsprechenden Standard. Zum Beispiel klingen CDs, die vor zwanzig Jahren produziert wurden, bei gleicher Einstellung des Lautstärkenreglers tendenziell leiser, als Tonträger, die erst kürzlich neu erschienen sind. Abhängig von der Stilrichtung, dem Produzenten, der Plattenfirma und dem Land, indem ein Tonträger veröffentlicht wurde, klingen deren Musiktitel unterschiedlich laut. Deshalb kommt es leider vor, dass die Lautstärke von Musik und Sprache nicht immer optimal aufeinander abgestimmt werden kann.» Christoph Ulmann, Schweizer Radio DRS

Haben auch Sie eine brennende Frage oder Anregung? Schreiben Sie uns! Zuschriften bitte an: Redaktion LINK, Leserbriefe, Fernsehstr. 1–4, 8052 Zürich, Fax: 044 305 67 10 oder E-Mail: info@srgdeutschschweiz.ch Ausgabe 4/2010

Karten für «Benissimo» zu gewinnen! Finden Sie heraus, welche Sendung vom Schweizer Fernsehen in der Illustration dargestellt wird und gewinnen Sie mit etwas Glück exklusiv zwei Karten für eine LiveSendung von

Illustration: Badoux

Bild: istockphoto.com

Forum

Auflösung und Gewinner aus LINK 3/10 Es gibt nichts, was hier nicht unter die Lupe genommen wird: von Kühlboxen über Bahnschikanen und Verkehrsschilder bis hin zu Partnervermittlungen, Feuerlöscher und Bouillon – der Konsument ist König! Auch Albert Wullimann aus Grenchen ist König: Er hat die Sendung «Kassensturz» richtig geraten und gewinnt zwei Karten für die Live-Sendung «Benissimo».

Talon bis 31. Mai 2010 einsenden an: SRG idée suisse Deutschschweiz, Redaktion LINK, Fernsehstrasse 1–4, 8052 Zürich Die gesuchte Fernsehsendung heisst: Name/Vorname: Strasse: PLZ/Ort:

3


Bild: istockphoto.som / SF (Montage)

schweizer fernsehen

Unverkennbare und bewährte «SF bi de Lüt»-Formate des Schweizer Fernsehens: «Ein Ort nimmt ab» (links) und «Über Stock und Stein».

TV-Formatentwicklung

«Wer nichts wagt, erfindet nichts Neues» Über seine unverwechselbaren Programme erhält ein Fernsehsender seine Identität. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) unterstützt deshalb die gebührenfinanzierten Sender bei der Entwicklung von Eigenproduktionen. «Ich werde die Sendung des Schweizer Fernsehens mit dem Mann und dem Hund nie vergessen! Sie vermittelt ein Stück Schweizer Lebensgefühl, und zwar in einer sehr innovativen und unverwechselbaren Art und Weise», schwärmt die 42-jährige deutsche Filmwissenschaftlerin Bettina Brinkmann, die sich seit fünf Jahren bei der Europäischen Rundfunkunion (European Broadcasting Union, EBU) mit Formatentwicklungen der europäischen öffentlichen Sender beschäftigt. Die ehemalige stellvertretende ZDF-Unterhaltungschefin meint natürlich die «SF bi de Lüt»Sendung «Über Stock und Stein» mit Nik

4

Hartmann und seiner Hündin Jabba. Dass die Sendung – wie auch eine Reihe weiterer Unterhaltungs-Eigenproduktionen des Schweizer Fernsehens – über die Landesgrenze hinweg bekannt ist, ist der EBU zu verdanken. Eine Kernaufgabe der Rundfunkunion ist es, öffent­liche Fernsehpro-

gramme – im Fachjargon auch «Formate» genannt – europaweit zu fördern. Bettina Brinkmann ist die Drahtzieherin des vor fünf Jahren ins Leben gerufene «Eurovision Creative Forum» der EBU. Hier kommen jeden Frühling die öffentlichen Sender Europas zusammen, um ihre im Laufe des

Was ist ein «TV-Format»? «Ein TV-Format ist die Gesamtheit aller Merkmale einer TV-Show oder TV-Serie, die in jeder Folge wiederkehren. Das Format beschreibt alle charakteristischen inhaltlichen, formalen und dramaturgischen Elemente eines Programms und kombiniert diese auf eine einzigartige Weise. Ein bekanntes Beispiel für ein Fernsehformat ist die Spielshow ‹Who Wants to be a Millionaire?›.» (Urs Fitze, SF-Programmentwickler) Ausgabe 4/2010


Jahres entwickelten Eigenproduktionen gleichgesinnten europäischen Kollegen vorzustellen. Und umgekehrt auch, um mit neuen Ideen zurück in die eigene Redaktionsstube zu kommen. Das Förderkonzept der EBU bewähre sich, da die Existenzgrundlage und die Sachzwänge für alle Sender mit öffentlichem Auftrag gleich seien, stellt Brinkmann fest.

Öffentliche Programme für öffentliche Sender

vor drei Jahren am Forum. Zugeschnitten auf das jeweilige Land strahlen heute öffentlich-rechtliche Sender in Dänemark,

Europäische Unterhaltungsformate mit Lerneffekt Doku-Serien, Reality- und Quizshows dominieren die Programme der europäischen Sender. Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Unterhaltungsformate der öffent­ lichen Sender meist einen Lerneffekt ohne «erhobenen Zeigefinger» aufweisen. Dies veranschaulichen Beispiele aus dem Eurovision Creative Forum 2010.

Finnland: «The Promise» / «Das Versprechen»

Bild: zVg.

Jeder Fernsehsender muss sein finanzielles Risiko minimieren. Deshalb floriert weltweit ein Markt, der vor allem von den grossen unabhängigen Produzenten wie Endemol, All3media, FreemantleMedia und Group de Agostini beherrscht wird. Auch öffentliche Sender bedienen sich vom grossen Unterhaltungsangebot der kommerziellen Formatentwickler. Denn gekaufte Formate sind bereits getestet – sie sind erfolgreich in einem oder in mehreren Ländern gelaufen –, sie haben ein «Proof of Concept» (zu Deutsch: Konzeptbeweis), wie es in der Fachsprache heisst. Eigenentwicklungen sind stets mit hohen Kosten und grossem Aufwand verbunden – und ohne Erfolgsgarantie. Durch den Formateinkauf versuchen Sender ihr Risiko zu minimieren. Der Einkauf bei unabhängigen Produzenten ist jedoch teuer, unter anderem weil der Preis eines kommerziellen Formats vom Höchstbietenden festgelegt wird.

In der Reality-Doku des staatlichen Senders TV1, gehen vier Finnen auf den Versuch ein, fünf Wochen ohne Alkohol zu leben. Ein grosses gesellschaftliches Problem soll zum Dialog führen, ohne moralisierend zu wirken.

Bild: zVg.

Schweden: «Big Words» / «Grosse Worte» So lernen die Schweden Englisch: spielerisch durch eine unterhaltende Quizshow des staatlichen Senders SVT. Zwei Prominenten-Teams kämpfen um Buchstaben, und am Ende der Sendung sollten sie ein «grosses Wort» bilden.

Bild: zVg.

Holland: «Knoop in je zakdoek» / «Ein Knoten im Taschentuch» Im staatlichen Sender Nederland 1 werden geistig Behinderte in acht «Masterlektionen» von ihren Musik­ idolen geschult und für einen grossen gemeinsamen Gala-Auftritt vorbe­ reitet.

Dänemark: «Bonderøven» / «Das Landei» Bild: DR2 / Peter Wath

Diesem Trend will die EBU entgegenwirken. Am jährlichen EBU-Austauschforum werden ebenfalls Formate präsentiert, die im Produktionsland getestet beziehungsweise ausgestrahlt worden sind. Und sie tragen den Produktions- und Qualitätsvorstellungen öffentlicher Medien besser Rechnung. Die Formate würden bis heute nicht direkt vor Ort gehandelt, erklärt Brinkmann.Viele der am Forum präsentierten Formate würden aber von den Sendern bilateral verhandelt. So präsentierten beispielsweise die SF-Programmentwickler Urs Fitze und Martin Bloch die Eigenproduktion «SF bi de Lüt – ein Ort nimmt ab»

Kanada und Spanien das Schweizer For­­mat als «En by på skrump», «Village on a Diet» beziehungsweise «Gran Cambio» aus.

In der beliebten Doku-Serie realisiert das junge Landei Frank seinen Traum, selbstversorgend zu sein. Voller Selbstironie und Humor zieht er die Zuschauer in den Bann seiner kreativen Tier-, Garten- und Bauprojekte.

Trailers und Diskussion: Sehen Sie sich auf www.mitreden.ch die Produktionen an (Mitgliederbereich -> Magazin LINK) und nehmen Sie an der Diskussion auf der Meinungsplattform teil.

Ausgabe 4/2010

5


Auch «SF bi de Lüt – die Landfrauen­ küche» wurde von anderen Sendern übernommen: Nach der Präsentation des Formats am Eurovision Creative Forum 2008 wurde es von TSR adaptiert und in Deutschland von drei Sendern (BR, MDR, NDR) produziert.

Kein Mut zu Neuem «Alle öffentliche Sender versuchen das Risiko zu minimieren, dabei sind einige wagemutiger als andere» meint Brinkmann. Die Briten, Holländer, Belgier und Skandinavier haben tendenziell viele innovative Formate. Warum dies so ist, kann sie nicht genau erklären. Bei den erwähnten Ländern stellt sie viel Mut fest, Neues und Überraschendes zu wagen. «Wer nichts wagt, erfindet nichts Neues. Das ist halt schon so», betont sie. Ein entscheidender Erfolgsfaktor sei aber nicht nur der Mut, sondern auch wie das Programm umgesetzt werde. Als Beispiel erwähnt sie ein holländisches Format, das ebenfalls am Eurovision Creative Forum präsentiert wurde: «Over My Dead Body» (zu Deutsch: Nur über meine Leiche) begleitete vier krebskranke Jugendliche in den letzten Monaten ihres Lebens. «Mit

Zur Person

Bild: zVg.

Bettina Brinkmann hat Film, Fernsehen und Psychologie studiert. Nach ihrer Promotion 1998 arbeitete sie in der Film-Redaktion von RTL und VOX und als Projekt-Managerin für ZDF Enterprises. Später war sie als Producerin für mehrere unabhängige Produzenten im In- und Ausland tätig, bevor sie beim ZDF Bereichsleiterin Entwicklung (Unterhaltung) wurde. Seit 2005 arbeitet sie bei der European Broadcasting Union in Genf als Head of Formats & Special Events.

6

solchen Themen ist es immer eine Gratwanderung zwischen Ernsthaftigkeit und einer Art Leichtigkeit, die es braucht, um eine grosse Zuschauerzahl anzusprechen.» Öffentliche Sender setzten Formate mit ethisch heiklen Themen – beispielweise mit dem Tod oder mit Behinderungen – ganz anders um als die Privaten, meint die Deutsche: «Der Kodex ist: Man zeigt nicht mit Fingern auf etwas. Man nimmt Sachen ernst und stellt niemanden bloss. Man behält immer die Achtung vor den Menschen.» Private Sender benutzen oftmals dieses Stilelement, um Quote zu erzielen. Wieso aber überhaupt bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Behinderte in Unterhaltungsformaten in den Vordergrund stellen? «Gebührenfinanzierte Sender sind laut ihrem Integrationsauftrag verpflichtet, Minder­heiten wie etwa Behinderte oder Ausländer anzusprechen und zu integrieren», erklärt sie. «Entscheidend für den Integrationserfolg ist die Umsetzung. Hier kommen Kreativität und TV-Macherkunst ins Spiel.»

Steigendes Selbstbewusstsein Das Zögern, Neues auszuprobieren, hänge damit zusammen, dass öffentliche Sender mit Argusaugen von der Presse beobachtet würden, glaubt Brinkmann. «Die Service-public-Sender sind oft zurückhaltender, wenn es um die Entwicklung neuer Unterhaltungsformate geht, weil ihnen rasch einmal Gebührengeldverschwendung vorgeworfen wird. In diesem Prozess gehen viele innovative Projekte unter», bedauert sie. Seit einigen Jahren beobachtet sie aber einen positiven Trend: «Viele der Sender, deren Formate im Ausland gut ankommen, sind selbstbewusster geworden und produzieren heute mehr eigene Formate – und genau das macht die Identität eines Senders aus.» Pernille Budtz

Bild: Bild:pb pb

schweizer fernsehen

«Risiko gehört zum Geschäft» An der Spitze der EBU steht seit Januar 2010 die ehemalige Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre. LINK besuchte sie an ihrem neuen Arbeitsplatz in Genf.

LINK: Das internationale Umfeld ist für Sie neu. Wie unterscheidet sich die schweizerische Medienpolitik im Vergleich mit der europäischen? Deltenre: Hier bekomme ich viel mehr mit, was international geschieht. Es fällt mir auf, dass die öffentlichen Sender heute stärker denn je unter Druck stehen. Die Unterstützung seitens Politik und Publikum nimmt überall ab, nicht nur in der Schweiz. Die politische Einflussnahme nimmt ständig zu, und gleichzeitig stecken die Sender in finanziellen Schwierigkeiten. LINK: Wie reagieren denn die europäischen Service-public-Sender auf finanzielle Engpässe? Deltenre: Wenn man weniger Geld hat, setzt man auf Bewährtes, wie beim Erwerb von bekannten Formaten. Man scheut das Risiko, kritisiert zu werden, wenn etwas schief geht. Es ist aber enorm wichtig, dass die Sender in Kreativität und Innovation investieren. Sie müssen selbst entwickeln, um sich zu unterscheiden. Risiko gehört zum Geschäft. Es ist wichtig, den Erfolg zu suchen und nicht den Misserfolg zu vermeiden. LINK: Ist das auch Ihr Motto als General­ direktorin der EBU? Deltenre: Es war immer mein Motto. Es hat mich schon angetrieben, als ich beim Schweizer Fernsehen war. LINK: Wollen Sie auch bei der EBU Veränderungen einführen? Deltenre: Wir sind dabei, die EBU zu reorganisieren. Das habe ich beim Schweizer Fernsehen gelernt, und das kann ich hier gut anwenden. pb

Ausgabe 4/2010


SRG SSR idée suisse «Pro SRG – das volle Programm»

Petition will dem Publikum eine Stimme geben Der Bundesrat entscheidet im Sommer über die Finanzierung der SRG SSR idée suisse. Mittels Petition will der Verein «Pro SRG – das volle Programm» der Bevölkerung ermöglichen, sich für den Erhalt der bisherigen Programme stark zu machen.

Zusätzliche Einnahmen ermöglichen Die SRG SSR schlägt dem Bundesrat in ihrem Bericht zum Finanzbedarf verschiedene Möglichkeiten vor, wie sie mehr Einnahmen generieren könnte: im kommerziellen Bereich zum Beispiel mit Werbung und Sponsoring im Internet, wozu aber die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden müssten. Bei der Festlegung der Gebühren könnten die Ausfälle kompensiert werden, die aus der sozialpolitisch motivierten Gebührenbefreiung resultieren. Auch könnten die Bundesbeiträge an die Leistungen für das Ausland erhöht werden (Online-Plattform «swissinfo», 3sat, TV5).

Stimmungsmache für und gegen die SRG SSR Politische Kreise wie die «Aktion Medienfreiheit» kämpfen dagegen an, dass der Bundesrat die Gebühren erhöht oder zu-

Bild: istockphoto.com

Der Bundesrat wird in diesem Sommer über den Finanzbedarf der SRG SSR idée suisse für die Periode 2011–2014 entscheiden und festlegen, mit welchen Massnahmen die SRG-Finanzen saniert werden können oder müssen. Die Defizite addieren sich in den vergangenen vier Jahren auf rund 220 Millionen Franken. Die SRG SSR bedient mit ihren 18 Radio- und 9 Fernsehprogrammen Mehrheiten und (sprachre­ gionale) Minderheiten. Zur Erfüllung ihres Leistungsauftrags mit dem bestehenden Angebot und einem angemessenen Anteil an Eigenproduktionen fehlen – trotz der schon getroffenen Sparbeschlüsse – jährlich 54 Millionen Franken. Können die Einnahmen nicht erhöht werden, müssen Abstriche beim Programm in Kauf genommen werden. Mit der Petition «Pro SRG – das volle Programm» spricht sich das Publikum für ein vielfältiges Programm der SRG-Medien aus.

sätzliche Werbekanäle für die SRG SSR öffnet. Dadurch würden die privaten Anbieter benachteiligt. Mit Kanälen wie DRS 3, DRS Virus, weiteren Spartenprogrammen und dem Internet-Angebot operiere die SRG SSR über ihren Service-public-Auftrag hinaus, konkurrenziere die Privaten und verursache höhere Aufwendungen, wird moniert.

die sich für den Erhalt des bisherigen Programm­angebots der SRG SSR aussprechen und für eine adäquate Finanzierung des «vollen Programms» einstehen wollen. Die «Pro SRG» arbeitet mit anderen Institutionen wie den Trägerschaften der SRG SSR zusammen.

Der jüngst gegründete Verein «Pro SRG – das volle Programm» will dem SRG-kritischen Ansinnen Gegensteuer geben und auf die gute Nutzung der SRG-Programme sowie deren Verankerung in der Bevölkerung aufmerksam machen. Hinter dem Verein stehen politisch ungebundene, der SRG SSR nahestehende Personen. Die Idee dazu kam auch aus Kreisen des Schweizerische Syndikat für Medienschaffende (SSM). Mit der Aktion «Das volle Programm» sammelt der Verein Stimmen aus dem Publikum,

Aktion «Das volle Programm»

Ausgabe 4/2010

Christa Arnet

Die Aktion besteht aus zwei Plattformen: einer Petition in Papierform (wie in diesem LINK beigelegt) oder online und der Website (www.das-volle-programm.ch) mit Online-Petition und Informationen zum Thema. Auf der Website kann man sich zudem spielerisch für seine Lieblingssendung stark machen. Unterstützt wird diese Kampagne auch über die neuen Web-2.0-Medien Facebook, Twitter, MySpace, YouTube und so weiter.

7


srg ssr idée suisse Inkasso-Modelle hinterfragt

Billig, günstiger, Billag? Seit Monaten steht die Billag im Gegenwind. Die ungeliebte Firma, die für die SRG SSR idée suisse Gebührengelder einzieht, wird oft als teuer und ineffizient dargestellt. Dabei stellt ihr der Bundesrat nun ein gutes Zeugnis aus. Derzeit ist jedenfalls keine günstigere Alternative in Sicht.

Bild: Billag

Offenbar die beste Sparvariante: Statt vier künftig nur noch eine BillagRechnung pro Jahr.

Die SRG SSR idée suisse hat Ende April einen Gesamtverlust 2007–2011 von 220 Mil­ lionen Franken präsentiert und als Gegen­ massnahme auch höhere Gebühren vor­ geschlagen. Sie macht geltend, dass sie jährlich zusätzlich 54 Millionen Franken benötigt, wenn sie ihre bisherigen Aufga­ ben weiterhin erfüllen soll. 54 Millionen Franken sind aber genau so viel, wie die Billag jeweils aufwendet, um die 1,3 Milliarden Franken an Radio- und TV-Gebüh­ ren einzutreiben (siehe Kasten). Würde man die Billag abschaffen, so eine oft ge­ hörte Meinung, wäre das Defizitproblem der SRG SSR schon weitgehend gelöst – ohne Gebühren­erhöhung. Selbst der Preis­ überwacher hat sich schon dahingehend geäus­sert. Der Billag, übrigens eine

8

hundert­prozentige Swisscom-Tochter, wird also Ineffizienz vorgeworfen.

Kritik an Billag – bloss eine «Stellvertreterdebatte»? Schaut man jedoch genauer hin, dann stellt man fest: Häufig richtet sich die Kritik an der Billag weniger gegen deren Arbeit, son­ dern gegen die Gebühren und ihre Höhe, oder gegen die Stellung der SRG SSR – alles Faktoren, die die Billag nicht beeinflussen kann. Man haut den Sack und meint den Esel. Das war auch so, als Medienminister Moritz Leuenberger im letzten Herbst eine Gebührenpflicht für alle Haushalte und Be­ triebe (Universalgebühr) vorschlug. «Die Debatte um die Billag war von Anfang an Ausgabe 4/2010

von popu­listischen Motiven getrieben. Es handelt sich um eine Stellvertreterdebatte», stellte denn auch die NZZ am 13. November 2009 fest. Dennoch ist es natürlich erlaubt zu fragen, wie effizient die Billag arbeitet. Liessen sich etwa die 462 Franken, die heute ein Haushalt mit Radio- und TVEmpfang zu bezahlen hat, nicht günstiger über bereits bestehende Inkassostellen der kantonalen Steuerverwaltungen, der Krankenkassen oder der Elektrizitätswerke eintreiben?

Ernüchternde Berechnungen des Bundesrats Der Bundesrat hat Anfang Jahr zu diesen Fra­ gen in einem Bericht Stellung genommen.


Das zweite Modell untersucht eine Finan­ zierung der SRG SSR aus der Bundeskasse. Dafür wäre aber eine Erhöhung der Direk­ ten Bundessteuer um mindestens acht Prozent nötig. Zuständig für das Inkasso wären auch hier die Kantone, die aber schon heute für ihren Aufwand pauschal 17 Prozent des Ertrags der Direkten Bun­ dessteuer erhalten. Das zeigt: Auch diese Variante kommt teurer, der Bundesrat ver­ anschlagt die Kosten auf 245 Millionen Franken. Kommt dazu, dass auch die Un­ abhängigkeit der SRG SSR in Frage gestellt wäre. Denn würde die SRG SSR fortan aus der Bundeskasse bezahlt, wäre dieser Posten jährlich Teil der Budgetdebatte im Bundesparlament.

Universalgebühr birgt ebenfalls Kontroll­aufwand Und wie würde sich eine Universalgebühr auf das Inkasso auswirken? Auf den ersten Blick kostensenkend, denn wenn alle Haus­ halte und eine grössere Anzahl Betriebe gebührenpflichtig wären, würde ja die Kontrolle entfallen. Doch Jonny Kopp, Kom­ munikationschef von Billag, mahnt zur Vor­ sicht: «Erst ist zu definieren, was mit ‹alle Haushalte und Betriebe› gemeint ist.» Falls Personen, die Ergänzungsleistungen bezö­ gen, weiterhin ausgenommen würden, müs­ se dies genau so überprüft werden wie heute. «Und jede weitere Ausnahme zieht einen zusätzlichen Kontrollaufwand nach sich», warnt Kopp. Weil dies aber noch nicht feststehe, liessen sich die Inkasso-Kosten derzeit nicht näher beziffern. Der Bundes­ rat seinerseits schätzt die Kosten auf etwa

45 bis 50 Millionen Franken. Weiter kommt er zum Schluss, dass ein zentrales Inkasso in jedem Fall effizienter sei als ein dezen­ trales. Ein Kompetenzzentrum wie die Billag zieht er deshalb den 26 Kantonen, x Elektri­ zitätswerken und Dutzenden von Krankenoder Ausgleichskassen vor.

Jahresrechnung spart Millionen Im Februar brachte die Billag übrigens auch selbst einen Sparvorschlag ein: «Statt den Gebührenpflichtigen quartalsweise eine Rechnung zu schicken, wäre dies auch ein­ mal jährlich möglich», sagt Kopp. Dadurch würden Kosten für Druck,Versand und vor allem für den Zahlungsverkehr nur einmal statt viermal anfallen. «Voraussetzung wäre allerdings ein entsprechender politischer Entscheid und eine Änderung unseres Ver­ trags mit dem UVEK, denn aktuell sind wir zu einer vierteljährlichen Rechnungsstel­ lung verpflichtet», sagt der Kommunikations­ chef. Das Einsparpotenzial belaufe sich mit­ telfristig auf zehn Millionen Franken. Für welchen Inkassoansatz man sich auch immer entscheidet, ein Problem bleibt: die säumigen Gebührenpflichtigen. Im TagesAnzeiger vom 28. April sagte es SRG-Ver­ waltungsratspräsident Jean-Bernard Münch so: «Teuer sind diejenigen Kunden, die zahlen müssten, es aber nicht tun. Ob sich eine Billag damit herumschlagen muss oder eine kantonale Steuerverwaltung,

Wofür die Billag 54 Millionen Franken benötigt Das Inkassovolumen der Billag beträgt 1,3 Milliarden Franken. Viermal im Jahr schickt sie deshalb jedem der rund drei Millionen Schweizer Haushalte und Betriebe eine Quartalsrechnung, insgesamt also zwölf Millionen Couverts. Weiter mahnt die Swisscom-Tochter eine Million säumige Zahler und leitet 60000 Betreibungen ein. Auch nimmt sie jährlich 165000 neue Gebührenpflichtige und 500000 Adressänderungen auf und beantwortet 700 000 telefonische und 700 000 schriftliche Anfragen. Der Aus­ sendienst generiert zudem 200 000 Kontakte vor Ort. Gemäss Bundesrat verwendet die Billag von den 54 Millionen Franken, die sie erhält, je etwa 17 Millionen Franken für die rund 300 Mitarbeitenden, für die Rechnungsstellung und für allgemeine Kosten (Miete, Steuern, Versicherungen). Die restlichen drei Millionen Franken sind ihr Gewinn. (mk)

macht beim Aufwand wohl keinen Unter­ schied.» Klar ist ferner, dass ein neues System für Finanzierung und Inkasso des Service public frühestens nach Ablauf des bestehen­ den Vertrags mit der Billag eingeführt wer­ den kann. Dieser dauert bis Ende 2014. Markus Knöpfli

Inkasso-Kosten: Zwischen 44 und 245 Millionen Franken pro Jahr ca. 245 ca. 200

54–55

ca. 45–50

ca. 44

Geschätzte Kosten für Erhebung und Inkasso (in Mio. CHF)

Modell

Ausgabe 4/2010

Heutiges System Empfangsgebühren Inkasso: Billag

Abgabe mit Dir­ek­­ ter Bundessteuer Inkasso: Kantone

Ertrag aus Direkter Bundessteuer Inkasso: Kantone

Universalgebühr Inkasso: verschie­ dene möglich

Vorschlag Billag: heutiges System, aber Rechnungsstellung nur einmal jährlich

Bild: pb

Darin stellt er der Billag, die vier Prozent des gesamten Inkassovolumens von 1,3 Mil­ liarden Franken beansprucht, mehrere an­ dere Inkassosysteme und deren Kosten gegenüber. Zwei Modelle standen im Vor­ dergrund: Beim ersten Modell würden die Kantone die SRG-Gebühren zusammen mit der Direkten Bundessteuer einziehen. Der Bundesrat kommt jedoch zum Schluss, dass dieses Modell rund 200 Millionen Fran­ ken kosten würde – ein Mehrfaches von dem, was die Billag heute erhält.

9


Publikumsrat «Rundschau» auf SF 1

Ein wichtiger Wert im SF-Informationsangebot Am Nachrichtenmagazin «Rundschau» schätzt der Publikumsrat die hohe journalistische Qualität sowie die überraschenden Perspektiven und Zugänge. Allerdings wünschen sich einige im Rat ein noch eigenständigeres Setzen von Themen.

Die beiden Moderatoren Urs Leuthard und Sonja Hasler kommen beim Publikumsrat mit ihrer Sachkompetenz und Hartnäckigkeit bei Interviews gut an.

Die «Rundschau» ist für den Publikumsrat ein unverzichtbarer Bestandteil im Infor­ mationsangebot des Schweizer Fernse­ hens. Das Magazin biete einen aktuellen und abwechslungsreichen Themenmix. Eine Ratsmehrheit begrüsst, dass nebst Ak­ tuellem auch Themen zu gesellschaftlichen Strömungen aufgegriffen werden. Beson­ deren Anklang finden Themen, die nicht bereits die ganze Woche hindurch in an­ deren Medien präsent waren. Der Publi­ kumsrat empfiehlt denn auch, noch ver­ mehrt eigene Themen zu setzen.

Etliche Ratsmitglieder wünschen sich grundsätzlich eine stärkere Berücksichti­ gung von Auslandthemen in der «Rund­ schau».

Seriosität statt Boulevard

Diskussionsforum braucht konsequente Begleitung

Besonders gut gefällt den Ratsmitgliedern der ungewohnte Blickwinkel der «Rund­ schau» auf aktuelle Themen. Er ermögliche auch überraschende Erkenntnisse. Dass jede Sendung mindestens ein Ausland­thema bringt, stösst im Rat auf breite Zustimmung.

10

Als glaubwürdig, fair, seriös recherchiert und interessant beurteilt der Publikumsrat die Beiträge der Sendung. Kontroversen würden aufgezeigt und die verschiedenen Meinungen der Beteiligten gleichberech­ tigt dargestellt. Die Ratsmitglieder begrüs­ sen auch den weitgehenden Verzicht auf boulevardeske Elemente.

Eine gute Leistung wird ebenfalls der Mo­ deration attestiert. Die beiden Moderatoren wiesen eine hohe Sachkompetenz auf und seien gut vorbereitet. Ausserdem sei die Verständlichkeit bei beiden hoch. Ausgabe 4/2010

Bild: SF / Oscar Alessio

Den «heissen Stuhl» erlebt eine Ratsmehr­ heit als bereicherndes Element, das Ab­ wechslung in die Sendestruktur bringt. Er sei das Markenzeichen der «Rundschau». Allerdings verspüren einige im Publikums­ rat ein Unbehagen, wenn ausnahmsweise ein Experte und nicht ein Akteur (z. B. ein Politik- oder Wirtschaftsvertreter) auf dem Stuhl in die Mangel genommen wird. Pub­ likumsrat Robert Spichiger schlägt vor, bei einem Expertengespräch die Sitzanord­ nung zu ändern. Eine Mehrheit im Rat schätzt, dass die In­ terviews hartnäckig, aber mit sichtbarem Respekt vor dem Gegenüber geführt wer­ den. Allerdings würden die Gesprächspart­ ner bisweilen zu stark unterbrochen. Hansruedi Schoch, Chefredaktor und Ab­ teilungsleiter Information, erklärt, dass die «Rundschau» die Leute dazu bewegen möchte, zu konkreten Fragen Stellung zu nehmen. Diese Form der Gesprächsfüh­ rung breche mit der gesellschaftlichen Konvention der Höflichkeit. Der Internetauftritt der «Rundschau» ge­ fällt dem Publikumsrat. Er schätzt die Pod­ cast-Möglichkeiten, die Suchfunktion so­ wie die Verlinkung zu «SF Wissen». Beim Diskussionsforum wünscht sich der Rat eine stetige redaktionelle Begleitung. Er erwartet, dass auch hier die SF-Qualitäts­ kriterien konsequent zur Anwendung kommen. Denise Looser Barbera

«Rundschau» Mittwoch, 20.50 Uhr, SF 1


«Echo der Zeit» von Schweizer Radio DRS

Eine Sendung, die man nur ungern verpasst Die Informationssendung «Echo der Zeit» von Schweizer Radio DRS findet der Publikumsrat journalistisch hervorragend. Es werde sachlich, kompetent und vertieft über die relevanten Themen des Tages informiert. Allerdings wünscht sich der Rat vermehrt Beiträge ausserhalb von Politik und Wirtschaft. Die Moderation beurteilt der Publikumsrat als konzentriert, sprachlich gewandt und engagiert. Es gelinge ihr ausserdem, die Vor­ geschichte eines Ereignisses verständlich und in Kürze zu vermitteln. Die Gespräche der Moderatoren mit Korrespondenten, ei­ genen Fachleuten und Experten zählen für die Ratsmitglieder zu den Stärken der Sendung.

Bild: istockphoto.com

Zum Teil hohe Eintrittsschwelle

Wenn das «Echo der Zeit» gesendet wird, sind viele Leute beim Essen oder Kochen. Übersichten und die Wiederholung von Schlagzeilen ermöglichen, immer wieder in die Sendung einzusteigen.

Seit 65 Jahren gibt es das «Echo der Zeit». Die älteste politische Hintergrundsendung von Schweizer Radio DRS ist für viele Pub­ likumsrätinnen und -räte eine Sendung, die sie nicht verpassen möchten. Das «Echo der Zeit» geniesst in den Augen der Ratsmitglieder eine hohe Glaubwürdig­ keit, weil sie die aktuellen und relevanten Themen des Tages aufgreift und sachlich und kompetent aufarbeitet. Ausserdem kämen verschiedene Meinungen differen­ ziert zum Ausdruck, und es werde aus un­ terschiedlicher Perspektive berichtet. Als Stärke wertet der Publikumsrat die Vertiefung der Informationen in den einzel­ nen Beiträgen. Nachhaltigkeit werde auch dadurch erzielt, dass einzelne Themen mit mehreren Beiträgen abgehandelt würden. Eine besonders eindrückliche Redaktions­ leistung sind für den Publikumsrat jene

Beiträge, die auch Themen ausserhalb der Tagesaktualität aufgreifen und vertiefen.

Expertengespräche sind beliebt Die Schwerpunkte der Sendung liegen in den Bereichen Politik und Wirtschaft. Eine Ratsmehrheit wünscht sich allerdings eine grössere Themenvielfalt. So dürften ver­ mehrt Themen aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft, Bildung, Wissenschaft und fallweise Sport behandelt werden. Die Übersichten und Wiederholungen der Schlagzeilen sind für Publikumsrätin Cornelia Diethelm und einige ihrer Rats­ kolleginnen und -kollegen hilfreich, wenn sie die Sendung beim Kochen oder Essen hören. Wenn man die Sendung ohne das Ausüben einer Tätigkeit verfolgt, könnten die Wiederholungen aber stören. Ausgabe 4/2010

Vor allem für routinierte Hörerinnen und Hörer beurteilt der Publikumsrat die Sen­ dung als gut verständlich. Bisweilen setzten einige Beiträge jedoch ein beträchtliches Vorwissen voraus, was für gelegentliche Hörerinnen und Hörer eine Eintritts­ schwelle bedeute. Die Ratsmitglieder schätzen, dass die Sen­ dung im Internet nachgehört oder als Pod­ cast heruntergeladen werden kann. Sie wünschen sich zusätzlich weiterführende Informationen sowie Links und Literatur­ hinweise. Denise Looser Barbera

«Echo der Zeit» Täglich, 18.00 Uhr, auf DRS 1 und DRS 4 News. Täglich, 19.00 Uhr, auf DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle Der Publikumsrat setzt sich aus 26 Mitgliedern zusammen. Durch Feststellun­gen und An­re­gun­gen begleitet er im Austausch mit den Verantwortlichen die Programmarbeiten von Schweizer Radio DRS und des Schweizer Fernsehens (vgl. auch www.srgdeutschschweiz.ch).

11


Ombudsstelle Beanstandung gegen «Sternstunde Philosophie»

Hat das SF Propaganda für Israel betrieben? Diese nicht einfache Frage hatte die Ombudsstelle kürzlich zu beantworten. Es ging um das Gespräch von Norbert Bischofberger mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres in der Sendung «Sternstunde Philosophie» vom 21. März 2010.

Das Gespräch mit Shimon Peres war zulässig – und höchstaktuell.

Das Schweizer Fernsehen wurde zum Sprachrohr der israelischen Sicht! So laute­ te der Hauptvorwurf in einer Beanstan­ dung. Shimon Peres habe die Gelegenheit zur Propaganda der israelischen Sicht des Nahostkonflikts benutzen können. Ohne Einspruch habe er die westliche Propa­ ganda zum Iran darlegen dürfen, wonach der Iran Israel vernichten wolle. Dies sei nachweislich falsch, denn Präsident Ahmadinejad habe sich nie so geäussert. Der israelische Präsident habe weiter den Friedenswunsch Israels darlegen dürfen. Dabei seien die Unteilbarkeit von Jerusa­ lem wie auch die Oslo-Verträge, Camp David 2000, der unilaterale Rückzug aus Gaza unwidersprochen geblieben. Alle diese Aussagen seien ohne Zwischenfrage durch Norbert Bischofberger geblieben.

Kritiken klar abgewiesen

Bild: SF / Screenshot

Selbstverständlich impliziere ein einstün­ diges Gespräch mit dem israelischen Prä­ sidenten, dass dieser seine persönliche Sicht des Nahostkonflikts und diejenige der israelischen Regierung wiedergebe. Der Nahostkonflikt sei nur eines von vie­ len Themen gewesen. Shimon Peres sei nicht nur als Politiker, sondern auch als Friedensnobelpreisträger und in dieser Funktion als «moralische Instanz» befragt worden. Norbert Bischofberger habe immer wieder kritisch nachgefragt; dann auch, als sein Gesprächspartner geschickt ausgewichen habe. Er habe sich auch nicht gescheut, teilweise dieselben Fragen nochmals in ei­ ner anderen Formulierung zu stellen. Die Redaktion verweist zudem auf bereits aus­ gestrahlte Sendungen zum Nahostkonflikt, in denen auch die palästinensische Sicht ausführlich dargelegt wurde. Das Schweizer Fernsehen bemüht sich, dem Gebot der ausgewogenen Berichterstattung über den Nahostkonflikt im Rahmen aller Sendun­ gen gerecht zu werden.

Ist eine parteiische Betrachtung zulässig? Die Kritik in der Beanstandung konnte die Ombudsstelle durchaus nachvollziehen. Denn tatsächlich hat der israelische Staatspräsident die Haltung seines Landes einseitig vertreten und begründet, die israe­ lischen Friedensbemühungen hervorgeho­ ben und die Schuld für die heutige Blo­ ckade von seiner Regierung abgewiesen.

zu betrachten ist. Zuerst einmal, weil die Bundesverfassung und das Gesetz über Radio und Fernsehen die Programmauto­ nomie, namentlich auch die Freiheit in der Wahl eines Themas einer Sendung oder eines Beitrags und in der inhaltli­ chen Bearbeitung, gewährleisten. Dabei gilt es jedoch, insbesondere das Sachge­ rechtigkeits- und das Vielfaltsgebot einzu­ halten. Dies ist erfolgt. Für das Publikum war klar, dass es nicht um ein kontroverses Gespräch, sondern einzig und allein um die Haltung des israelischen Präsidenten ging. Trotz kritischer Fragen kam aber die Haltung der «Gegenseite» und insbeson­ dere der Palästinenser kaum zur Sprache. Die geforderte Ausgewogenheit und die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten müs­ sen aber nicht notwendigerweise in ein und demselben Beitrag, sondern im Ge­ samtprogramm gewährleistet werden. SF berichtet laufend und vollständig über die Lage im Nahen Osten und legt ausführlich auch die palästinensische Sicht dar. In Kenntnis der verschiedenen Positionen war das Publikum somit in der Lage, sich über die Aussagen von Shimon Peres eine eige­ ne Meinung zu bilden und zwischen Fak­ ten und Meinung zu unterscheiden. Zudem war dieses Gespräch mit dem israelischen Präsidenten aus journalistischer Sicht rele­ vant. Shimon Peres sprach auch über die gegenwärtigen Spannungen zwischen der Schweiz und Israel und distanzierte sich klar von den angekündigten neuen Sied­ lungen in Ostjerusalem. In dieser Hinsicht war der Beitrag höchstaktuell. Achille Casanova

In ihrer Stellungnahme hat die Redakti­ onsleiterin der «Sternstunde», Nathalie Wappler, sämtliche Vorwürfe abgewiesen.

Aus verschiedenen Überlegungen bin ich aber zu der Auffassung gelangt, dass ein derartiges Gespräch durchaus als statthaft

12

Ausgabe 4/2010

Ombudsstelle DRS, Kramgasse 16, 3011 Bern, www.ombudsstelledrs.ch


Carte Blanche

Das Rätsel: «Lieben heisst loslassen können» oder «Früher war schon die Zukunft viel schöner»

«

Am Anfang stehen Namen: Ulrich Kündig, Andreas Blum, Otto

Bürokraten und Ökonomen, schrecklich. Quotenhörig und kul­

Stich, Aloïs Sidler. Und Zahlen: 1935, 1938, 1927. Wikipedia klärt.

turlos sei die SF-Direktorin a. D. Nur den Bereich ‹Land und Leu­

Kündig: 1935, Blum: 1938, Stich 1927. Kein Eintrag zu Sidler. Sein

te› habe die Schweizerin ohne Schweizerpass in ‹grosser und

Zitat: ‹In der Regel benötige ich drei Tage, um mir einen Über­

glücklicher Tradition› weitergeführt! ‹Dürr› sei der Deltenre’sche

blick über die Kommunikationsstruktur einer Unternehmung zu

Leistungsausweis. Der Nachfolger müsse nun ‹umfundamentie­

machen.› Tough, der Mann – und sicher > 65. Er hat zu des Rät­

ren›.Visualisieren Sie dieses schöne Bild! Die gfmks orakelt wei­

sels Lösung nichts Konkretes beizutragen.Vergessen wir ihn.

se zum neuen Generaldirektor, der die SRG retten soll: Eine aka­ demische Ausbildung in Betriebswirtschaft müsse er haben. Was

Kündig, Blum, Stich: sehr alte Semester. Auf dem Altenteil mit

der Auserwählte alles erlebt, erfahren, getan, erkämpft, ausgestan­

monatlichen monetären Zuwendungen aus den Händen derer,

den, erworben, durchgesetzt haben muss, das müssen Sie selber

die sie nun beissen (wollen). Die härtesten Zähne hat der Älteste

lesen.* Das ist des Rätsels Lösung: Einen besseren als die, die wir

wohl nicht mehr, er hat ja auch Pfeife geraucht, wie nicht gescheit.

früher schon hatten, wird es NIE geben (und hier, bitte, denken

Was er zu des Rätsels Lösung beitragen kann, hat er schon

Sie an Valentin).

(denken Sie an Schnurre!). Wenn Sie mögen, gründen wir die Gesellschaft zum Was könnten Karl Valentin, Wolf-Dietrich Schnurre, Ulrich Kündig und Andreas Blum gemeinsam haben? Gar nichts,

Erhalt von Selbstverständnis und Selbstbewusst­ sein > 65 (gzevsus > 65), damit nicht nur Valentin

das ist ja der Clou! Valentin verfällt keiner Illusion und

und Schnurre zufrieden sind. Sondern die al­

Schnurre lässt los. Das können weder Kündig noch

ten Herren auch.

Blum. Deshalb orakeln sie.

»

Köstliches PS: Sidler’s Firma sitzt am Schellen­ Kennen Sie die Gesellschaft für Medienkritik Schweiz (gfmks)? Ist hochinteressant. Präsident ist Kündig.

berg 4 ...

Blum ist Schreibender. In ihrem Visier: die SRG bzw. die Kritik an ihr. Die SRG werde geführt von Verwaltungsjuristen,

* www.gfmks.ch, Rubrik «Fernsehen»: «Zur Bilanz der Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre» «Die SRG sucht einen neuen Generaldirektor» «SRG: Rückbesinnung statt Vorwärtsstrategie» (Andreas Blum) www.dualis.ch, Website von Aloïs Sidler

Bild: Pierre W. Henry, Neuchâtel

Kommentare zur Carte blanche: pernille.budtz@sf.tv

Lisa Humbert-Droz: Vorstandsmitglied SRG idée suisse Bern Freiburg Wallis, Präsidentin der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit Ausgabe 4/2010

13


Neuer Redaktor für die LINK-Regionalausgabe Aargau Solothurn

«Es geht darum, authentisch und aufrichtig zu sein» Kommunikationsspezialist und Mediator Urs Becker, Lenzburg, ist der neue Redaktor für die LINK-Regionalausgabe Aargau Solothurn. Was für ihn nachhaltige Kommunikation bedeutet, lesen Sie in diesem Interview.

und das Führungsverständnis haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Heute sind Partizipation und Transparenz wichtig. Das verlangt nach proaktiver Kommunikation, nach innen und nach aussen. Stichwort Firmenkommunikation und Ehrlichkeit. Unternehmenskommunikation ist nicht mit PR gleichzusetzen. Zwar geht es auch darum, nach dem alten Grundsatz «Tue Gutes und rede darüber» zu leben, doch geht es grundsätzlich darum, authentisch und aufrichtig zu sein. Das ist nachhaltige Kommunikation.

14

Ausgabe 4/2010

Urs Becker.

LINK: Sie sind Kommunikationsfachmann. Wie wichtig sind die drei regionalen Seiten im LINK AG SO für die Abonnenten bzw. Mitglieder der Trägerschaft? Und umgekehrt für das Unternehmen SRG SSR idée suisse? Urs Becker: Sie sind wichtig, weil sie die Verbindung zu den Mitgliedern aus der Region herstellen. Ein öffentliches Medienunternehmen muss in Tuchfühlung mit seinem Publikum sein.

Bild: zVg.

Kommunikationsfachleute gehören mittlerweile zu jedem grösseren Unternehmen. Warum eigentlich? Sind sie ein «Luxus»? Nein, es braucht Profis. Kommunikation ist eine Führungsaufgabe. Die Unternehmen

Sie sind auch ausgebildeter Mediator. Woran liegt es meistens, dass zwei Parteien nicht allein einen Weg zur Einigung finden? Ist es oft ein Kommunikationsproblem? Kommunikation spielt immer eine Rolle. Wenn aber schwierige Situationen eskalieren, dann tun sie es gesetzmässig, nicht zufällig. In der Anfangsphase der Eskalation können die Parteien in der Regel die Sache selber bereinigen. Ist eine gewisse Eskalationsstufe erreicht, dann ist es hilfreich, eine unabhängige Drittperson beizuziehen. Mediatorinnen und Mediatoren sind methodisch und kommunikativ ausgebildete Prozessverantwortliche, das heisst, sie führen die Parteien in einem strukturierten Prozess. Sie arbeiten lösungs- und ressourcenorientiert. Sie machen keine eigenen Lösungsvorschläge, sondern reaktivieren die Fähigkeiten der Parteien. Das ist nötig, denn im Konflikt

sind wir manchmal nur noch ein Schatten unserer Selbst. Zunahme von Gewalt. Liegt diese auch in einem Kommunikationsproblem begründet? Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Denken und Fühlen, dem Reden und Handeln. Worte können konstruktiv oder destruktiv sein. Mit unserer Sprache beeinflussen wir das soziale Klima. Deshalb sollten wir bewusster und friedvoller kommunizieren. Hilfreich dazu ist die Methode von Marshall Rosenberg. Er hat die sogenannte «Gewaltfreie Kommunikation» entwickelt, die generell, besonders aber in schwierigen Situationen ein hilfreicher Kompass ist. Rosenberg geht von der einfachen Annahme aus, dass wir alle im Kern das Gleiche möchten, nämlich Akzeptanz und Wertschätzung. Davon leitet er dann seine Kommunikationsmethode ab, die natürlich mehr ist als eine Methode, sondern eine Haltung. Diese basiert auf einer positiven und empathischen Einstellung dem Leben gegenüber. sch

Zur Person Urs Becker ist selbständiger Jurist, Kommunikationsfachmann und Mediator SDM in Lenzburg. Zuvor war er in Wirtschaft, Advokatur und Verwaltung tätig. Urs Becker ist Mitglied des Vorstands SRG idée suisse Aargau Solothurn.


Zur Verleihung des Medienpreises AG SO

Alle Jahre wieder

Lotty Fehlmann Stark, zum letzten Mal als Vorstandspräsidentin an der Preisverleihung.

Und wieder war es Zeit für den Medienpreis, und dies bereits zum zwölften Mal. Am Montag, 26. April 2010, konnten die Ausgezeichneten im Stadttheater Olten ihren Preis entgegennehmen.Wofür denn? Für gute journalistische Leistungen. Doch was ist das? Was macht die Qualität aus und wie entsteht sie? Dieser Frage ist Peter Schellenberg, der Jury-Präsident, in der Begrüssung aus der Sicht des erfahrenen Praktikers nachgegangen. Fest steht, dass Qualität im Journalismus ein schillernder Begriff und das Messen der Qualität eine schwierige Sache ist. Die Jury hat diskutiert, selektioniert und meist einstimmig entschieden. Gewonnen haben: Sabine Altdorfer, Kulturredaktorin der Aargauer Zeitung, für ihre Beiträge zur Aargauer Kultur. Ihr Plädoyer für Leuchttürme statt Taschenlampen in der Aargauer Kultur ist gut angekommen. Das differenzierte Nachzeichnen von Debatten

Bilder: Urs Becker

Leuchttürme, «Sesseli», Pflege im Alter und Breakdance – zum zwölften Mal wurde der Medienpreis Aargau Solothurn verliehen.

Die Breakdancers aus dem preis­gekrönten Beitrag, diesmal live.

und der Positionsbezug der Journalistin haben überzeugt. Marco Jaggi von Radio 32 überzeugte die Jury mit seinem Beitrag über die letzte Weissenstein-Sessellift-Fahrt. Die Jury attestierte dem Radiomann ein feines Gespür und eine gute radiofone Umsetzung des lokalhistorischen Ereignisses. Beim Fernsehen beschloss die Jury, zwei Preise zu vergeben, nämlich für einen längeren Beitrag von etwa dreissig Minuten und einen Kurzbeitrag von maximal fünf Minuten. Sie zeichnete Hanspeter Bäni für seinen Beitrag «Pflege bis zum Tod» aus, eine Reportage aus dem Altersund Pflegeheim Dankensberg in Beinwil am See. Bäni, bereits zum vierten Mal ausgezeichnet, ist offensichtlich eine Klasse für sich. Die Auszeichnung für den Kurzbeitrag ging an Nicole Vögele von «10vor10» für ihren Beitrag einer multikulturell zusammengesetzten Breakdance-Gruppe aus dem Solothurnischen. Für die Jury war Ausgabe 4/2010

dieser Beitrag «ungewöhnlich originell», leicht und sub­stanziell zugleich. Zur Überraschung des Publikums gaben die Jungs dann gleich live auf der Bühne im Stadttheater eine Kostprobe ihres Könnens. Überhaupt war es ein rundum gelungener Abend, wozu auch Mike Müller mit seinem «publizistischen Fachvortrag» beitrug.War es das oder habe ich etwas vergessen? Oh, da war noch das Grusswort des Aargauer Regierungsrats Alex Hürzeler und ja, ganz wichtig, da war noch die Sache mit dem Fotopreis. Dieser sollte erstmals für ein aussagekräftiges und originelles Pressebild vergeben werden. Doch die Jury fand keinen überzeugenden Beitrag, und so gibt es in dieser neuen Sparte weder eine Preisträgerin noch einen Preisträger. Dann warten wir also auf das nächste Jahr und das ultimative Pressefoto, das für die Jury sofort alles klar macht. Urs Becker

15


Agenda Live-Sendung «Persönlich» in Boswil

Generalversammlung der SRG idée suisse Aargau Solothurn in Zofingen

Die Sinne für das Glück schärfen

Die Generalversammlung 2010 der SRG idée suisse Aargau Solothurn findet am 1. Juni 2010 im Hotel Zofingen in Zofingen ab 17.30 Uhr statt. Nach dem statutarischen Teil wird Fernseh­direktor Ueli Haldimann ein Referat halten zum Thema «Medien im Umbruch: Warum es nie mehr sein wird, wie es einmal war». Beim anschliessenden Imbiss hat man Gelegenheit zum Gespräch mit den Gästen von Schweizer Radio DRS, des Schweizer Fernsehens und der Generaldirektion sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Trägerschaft der SRG idée suisse Deutschschweiz. Bild: Sabrina Lüscher-Pascut

Was ist Glück? Soll in der Oberstufe das Wahlfach «Glück» eingeführt werden? In der Live-Sendung «Persönlich» in Boswil ging Moderator Daniel Hitzig mit seinen Gästen Miranda Bammert und Martin Köchli diesen Fragen nach.

Was ist Glück? Martin Köchli, Miranda Bammert und Daniel Hitzig im Gespräch.

Miranda Bammert-Zahn führt das Medienbeobachtungsunternehmen ZMS in Aettenschwil. Das heisst konkret: Ab vier Uhr morgens durchforsten sie und ihre Mitarbeiter alle erdenklichen Printprodukte und Online-Dienste nach Nachrichten über ihre Kunden, wie zum Beispiel Nestlé oder die Parlamentsdienste des Bundeshauses; um 8 Uhr werden die Ergebnisse pünktlich zu deren ersten Sitzung geliefert. Martin Köchli aus Boswil ist Biobauer, Hobby­dichter und seit April 2009 der erste Aargauer Grossrat der Grünen aus dem Freiamt. Der «grüne Katholik» hatte in einem Postulat der Aargauer Regierung vorgeschlagen, das Wahlfach «Glück» in der Oberstufe einzuführen. Mit dem Wahlfach «Glück» wollte er die Sinne der Jugendlichen schärfen: «Eine stumpfe Sense schneidet nicht, eine scharfe Sense schneidet.»

Glück lernen? Auf die Idee kam er durch die Schlagzeile «In der Schule lernen, wie man glücklich wird» einer Zeitung. Zudem sei das Wirrwarr an Glücksangeboten sehr gross – wie sollten sich da Jugendliche zurechtfinden? Betroffen gemacht hatte ihn auch die Ant-

16

wort eines Schülers auf die Frage eines Reporters nach dem Glück. Der Kantischüler sagte: «Es wäre gut, wenn wir wüssten, was Glück ist.» Und mit Glück meint Martin Köchli «Glück mit Wurzeln», etwas, was den Alltag positiv belebt. «Wir müssen neu lernen, was Glück ist», so Köchli. Die Regierung lehnte das Postulat mit der Begründung ab, dass man bereits über ein sehr gutes pädagogisches Schulsystem verfüge.

Freude am Kleinen Für Miranda Bammert ist Glück eine «vielfältige Angelegenheit». Glück komme von innen heraus, sei nicht materiell begründet, habe auch mit dem Glauben zu tun, beantwortete sie die Frage von Moderator Daniel Hitzig nach dem Glück. Glück zu empfinden bedeute so, Freude am Kleinen, am Unspektakulären zu haben: «Man kann das Glück nicht zwingen. Aber vielleicht fällt es einem zu, wenn man die richtige Sichtweise hat.» Miranda Bammert zweifelte aber daran, dass Glück im Unterricht lernbar ist. «Ist es nicht Aufgabe der Familie, der Gesellschaft, zu zeigen, was echtes Glück ist?», fragte sie. sch Ausgabe 4/2010

«Persönlich» in Biberist SO Am 20. Juni 2010 sind Sie zur Live-Übertra­­ gung der Radio-Talksendung «Persönlich» im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist SO eingeladen. Zwei Gäste erzählen von sich, ihren Erinnerungen, Wünschen und Träumen. DRS 1 überträgt von 10.00 –11.00 Uhr live (Zweitausstrahlung 22.00 –23.00 Uhr auf DRS 1). Der Gastgeber und seine Gäste sind noch nicht bekannt. Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt frei. Sie sind herzlich willkommen.

Impressum Ausgabe 4/2010 (Mai 2010), erscheint neun Mal jährlich Herausgeberschaft: Publikumsrat und Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Redaktion (S. 1–13): Kurt Nüssli (kn), Pernille Budtz (pb), Denise Looser Barbera (dlb), Christa Arnet (cha) Mitarbeitende dieser Ausgabe (S. 1–13): Markus Knöpfli, Achille Casanova Kontakt: SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ, Fernsehstrasse 1–4, 8052 Zürich, Tel.: 044 305 67 03, E-Mail: pernille.budtz@sf.tv, Internet: www.srgdeutschschweiz.ch Redaktion SRG idée suisse AARGAU SOLOTHURN (S. 14–16): Angelica Schorre (sch), E-Mail: a.schorre@solnet.ch Geschäftsstelle SRG idée suisse AARGAU SOLOTHURN, Postfach 3608, 5001 Aarau, Tel.: 062 832 50 90, E-Mail: srgagso@srdrs.ch, Internet: www.srg-ag-so.ch Gestaltung und Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Korrektorat: KLARtext, Joachim G. Klar, Kilchberg/ZH Druckvorstufe: Küenzi & Partner mediacheck, Adliswil Druck: rdv Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck Auflage: 14 876 Expl. (WEMF-beglaubigt)

SC2010051003

Link410  
Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you