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Magazin des Publikumsrats und der Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Ausgabe 3/2006

Grenzenloser Service public 4 SRG.D

7 SRG.D

10 Publikumsrat

14 Ostschweiz

Rechenschaft durch Programm- und Leistungsbilanzen von SR DRS und SF.

Einladung zur Vernissage der Ausstellung «Fenster zur Welt».

Olympia-Topleistungen.

Glarus – Vorschau auf die Mitgliederversammlung.

Themenschwerpunkt China – der Service public kennt keine Grenzen.

8 SRG SSR

«Schöni Uussichte» mit Potenzial.

12 Ombudsstelle

SRG-Geschichte Teil II: Jahresbericht 2005. Die schöne Idee von einer Schweiz im 13 Carte blanche Kleinen. Urs Meier.

Nachrichtenwerte als Taktgeber. Neu: PK-Teamwork.


EDITORIAL RUBRIK

Bild: Oscar Alessio

China lässt grüssen

Immer wieder richtet sich derzeit das Augenmerk auf China, ein Land, das sich in einem ständigen Wandel befindet. Dieser Wandel macht auch bei uns nicht Halt. Die Welt ist im Umbruch, wird schneller, komplexer, globaler, vernetzter. Die SRG-SSR-Medien machen es vor und bleiben am Ball, nehmen Themen auf, die einerseits aktuell sind, anderseits aber einfach zur Kenntnis genommen werden. China ist so ein Fall. Wie gesagt, in aller Munde und trotzdem: Wenn das Schweizer Fernsehen dem fernöstlichen Land einen thematischen Schwerpunkt widmet – einen hintergründigen, vielfältigen, lehrreichen –, führt sich diesen nur ein kleiner Teil der Bevölkerung zu Gemüte. Doch das ist der Auftrag, das ist Service public. Fernsehen für alle, und schade für all diejenigen, die es verpassen.

Andrea Haase

IN KÜRZE

Neues RTVG bestätigt Rolle der SRG SSR idée suisse Das neue Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) ist am 24. März von National- und Ständerat verabschiedet worden. Es wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2007 in Kraft treten.

1.Hälfte 2007) und der neuen Konzession (voraussichtlich 2008) ab. Die Behörden sind nun gefordert. Es gilt, Ausführungsbestimmungen zu erlassen, die es der SRG SSR erlauben, ihren anspruchsvollen Auftrag in einem technologisch und gesellschaftlich veränderten Umfeld weiterhin zu erfüllen und im verschärften internationalen Konkurrenzkampf zu bestehen.

In einer ersten Stellungnahme wertet es die SRG SSR idée suisse positiv, dass der Gesetzgeber den medien-, staats- und gesellschaftspolitischen Service-publicAuftrag und damit die zentrale Rolle der SRG SSR klar bestätigt hat. Auch unter dem neuen RTVG wird das Publikum auf schweizerisch geprägte, vielfältige und qualitativ ansprechende audiovisuelle Angebote der SRG SSR zählen können. Die Grundvoraussetzungen für gleichwertige Programme in den Sprachregionen im Sinne der «idée suisse» bleiben gesichert.

Nachhaltige Investitionen in Programme

Das neue Gesetz, so die SRG SSR, ist von Realismus geprägt, geht vom Machbaren aus. Es gibt den Beteiligten nicht Anlass zu Jubel, aber alle können damit leben. Der staatliche Einfluss wird allerdings grösser. Wie viel Spielraum die SRG SSR für neue Entwicklungen haben wird, hängt von der Konkretisierung und Umsetzung des Gesetzes in der Verordnung (voraussichtlich

Verwaltungsrat und Geschäftsleitungen von Schweizer Radio DRS und dem Schweizer Fernsehen sehen sich auf dem richtigen Weg: Die permanente und konsequente Weiterentwicklung ihrer Service-publicAngebote wird vom Publikum honoriert. Die Marktanteile liegen trotz grosser Konkurrenz weiterhin bei hohen 33,4% (SF) bzw. sehr hohen 62,8% (SR DRS), und das

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Ausgabe 3/2006

Der Regionalrat der SRG idée suisse Deutschschweiz hat sich am 29. März mit dem neuen Radio- und Fernsehgesetz befasst. Er teilt die Einschätzung der SRG SSR.

repräsentativ erforschte Qualitätsimage in der Bevölkerung ist anhaltend sehr gut. Auch finanziell standen beide Medien im vergangenen Jahr gut da. Mit einem Plus von zwei Millionen Franken (SR DRS) bzw. einem Minus von einer Million Franken (SF) erzielten sie praktisch ausgeglichene Rechnungsergebnisse. Diese und zahlreich weitere Informationen finden sich im neu konzipierten Geschäftsbericht 2005 der SRG idée suisse Deutschschweiz, der am 29. März vom Regionalrat genehmigt wurde. Der neue Geschäftsbericht enthält den Jahresbericht der Gesellschaft, die Rechnungen der beiden Unternehmenseinheiten SR DRS und SF sowie Ausführungen zur Corporate Governance. Zusätzlich zum Geschäftsbericht unterbreiten SR DRS und SF je eine Programm- und Leistungsbilanz. Diese informieren ausführlich darüber, wie die beiden Medien ihren Service-public-Auftrag im vergangenen Jahr erfüllt haben. Erfahren Sie dazu mehr auf den Seiten 4 bis 6 in dieser Link-Ausgabe, wo Sie auch die Bestellmöglichkeiten für den Geschäftsbericht und die Programmbilanzen finden.


IN KÜRZE

WETTBEWERB

Konkurrenz für www.mitreden.ch?

Fernsehen im Bild

Konkurrenz? Nein, sondern ein weiteres Angebot in der elektronischen Informations-Palette der SRG SSR idée suisse. DRS 2 wartet mit einer neuen interaktiven Wissensplattform «wissen@drs2.ch» auf und will damit neben klassischer Musik, Jazz, Worthintergrund und Hörspiel auch einen interaktiven Austausch zum Thema Wissen und Bildung bieten. Das Internet-basierte Instrument, ein so genannter Blog, ist unter http:blog.drs2.ch abrufbar und hat zum Ziel, die im Internet bzw. am Radio vorherr schende Asymmetrie (unwissende Hörer fragen, kluge Expertinnen antworten) zu verlassen. Wissen@drs2.ch stellt Wissens-Symmetrie her: Hörende fragen, Hörende antworten. Die Plattform wissen@

Gala-Karten zu gewinnen!

drs2.ch steht unter dem Motto «Was Sie schon immer wissen wollten» und soll Antworten auf Fragen ermöglichen, die eine grosse Spannweite oder inhaltliche Tiefe haben, sich mit herkömmlichen Mitteln wie Lexika, Online-Enzyklopädien oder Ähnlichem nicht beantworten lassen und/oder disziplinübergreifend sind.

Finden Sie heraus, welche Sendung vom Schweizer Fernsehen in der Illustration dargestellt wird, und gewinnen Sie exklusive zwei Karten für die Jubiläumsgala 75 Jahre SRG am 7. Dezember 2006 im Berner Kursaal.

Im Gegensatz dazu bietet die SRG idée suisse Deutschschweiz mit www.mitreden.ch eine reine Meinungsplattform an, wo SRG-SSRMitglieder spezifische Meinungen zum Programmangebot von Schweizer Radio DRS und dem Schweizer Fernsehen sowie medienpolitische Themen deponieren, austauschen und zur Diskussion stellen können.

Fürchterliches Konstrukt Jedes Mal, wenn ich die Firmenbezeichnung SRG SSR idée suisse lese, frage ich mich, wie es zu diesem fürchterlichen Konstrukt kommen konnte. Schlimm ist, dass jemand dieses Gebilde formuliert hat, noch schlimmer ist aber, dass sämtliche für die Namensgebung verantwortlichen Organe dieser Schnapsidee zugestimmt haben. Was wollte man mit dieser Bezeichnung «idée suisse» aussagen? Dass die SRG ein urschweizerisches Unternehmen ist? Dass die SRG nur echt schweizerische Produktionen sendet? Dass wir vom Ausland absolut unabhängig sind und nur unsere eigenen Ideen verwirklichen? Dass alles, was über den Äther oder über den Draht fliesst, echt schweizerische und nur hier geborene Ideen sind? Kurz gesagt, das Wortgebilde ist absolut unverständlich und unaussprechbar, der hochgeschwollene Appendix gehört endlich entfernt. Warum wagen Verwaltungsrat und übrige Verantwortliche nicht mal eine Meinungsumfrage über Sinn und Unsinn dieses Anhängsels beim zahlenden Publikum? Hans Gfeller, Dietlikon

Illustration: Badoux

FORUM

Unterhaltung auf Kurs Ich denke, dass die Sparte Unterhaltung beim Schweizer Fernsehen gute Arbeit leistet. Frau Amgarten ist auf dem richtigen Kurs. Die neuen Unterhaltungssendungen «Black’n’Blond» und «Genial daneben» müssen beim Schweizer Publikum erst noch Fuss fassen. Ich finde, dass sie Entwicklungsmöglichkeiten haben. Ein Absetzen von «Black’n’Blond» fände ich unverzeihlich, denn ich liebe die Art der beiden Moderatoren Roman Kilchsperger und Chris von Rohr. Die Gags sind lustig, und es ist die perfekte Sendung für einen richtig guten Schlaf, denn vom Lachen wird man so müde, dass man mit einer guten Laune einschläft. Ich hoffe, dass die Qualität von «Black’n’Blond» beibehalten bleibt, und ich freue mich auf weitere spassigwitzige Sendungen. Thomas Pirovano, Bern

Auflösung und Gewinner aus Link 2/06 Wieder einmal war sich die Link-BildrätselGemeinde nicht ganz einig; die Lösungsvorschläge reichten von «Desperate Housewives» bis hin zu «Joja rennt». Doch die Mehrheit setzte sich einmal mehr durch. Die Sendung «Das Wort zum Sonntag» herausgefunden hatte und ausgelost wurde Gino Di Grazia aus Aarau. Zusammen mit einer Begleitperson wird er an der Jubiläumsgala 75 Jahre SRG SSR im Berner Kursaal dabei sein.

Talon bis 21. April 2006 einsenden an: Redaktion Link, Postfach, 8052 Zürich Die gesuchte Fernsehsendung heisst:

Ihre Meinung interessiert uns! Vorname/Name:

Schreiben Sie uns! Zuschriften bitte an: Redaktion Link, Leserbriefe, Postfach, 8052 Zürich, Fax: 044 305 67 10 oder E-Mail: info@srgdeutschschweiz.ch Ausgabe 3/2006

Strasse: PLZ/Ort:

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SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Programm- und Leistungsbilanzen von SR DRS und SF

Leistung ist das Programm Erstmals legen Schweizer Radio DRS und das Schweizer Fernsehen neben dem Geschäftsbericht Rechenschaft in Form einer Programm- und Leistungsbilanz ab. erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche. Wer hinter den einzelnen Programmen steht, wie sie gestaltet und verbreitet werden, thematisiert die Bilanz ebenso wie die Finanzierung von SR DRS, die Publikumsforschung und die Qualitätsvorgaben. Das Hauptaugenmerk indes gilt den Programmleistungen. Diese sind in direkten Bezug gesetzt zu den Forderungen des Leistungsauftrags:

Als Service-public-Unternehmen sind Schweizer Radio DRS und das Schweizer Fernsehen der Schweizer Bevölkerung verpflichtet. Sie tragen Verantwortung für die Programmgestaltung im Rahmen des gesetzlichen Leistungsauftrags, der unter anderem Sachgerechtigkeit,Vielfalt in der Berichterstattung und journalistische Qualität verlangt. Wie sie ihrem Leistungsauftrag gerecht werden, legen beide Unternehmen nun zum ersten Mal in Programm- und Leistungsbilanzen dar. In je einer Publikation liefern sie umfangreiche Informationen und Hintergründe zu Programminhalten und Strukturen. Auswertungen von kürzlich durchgeführten Publikumsumfragen sowie Grafiken, Tabellen und grosszügig eingesetztes Bildmaterial ergänzen die einzelnen Kapitel.

Einen zentralen Beitrag zur freien Meinungsbildung leisten die Abteilungen Information und Regionalredaktionen. Sie produzieren täglich und aktuell sachgerechte Informationssendungen für alle Programme. Information über das Geschehen in der Wirtschaft gehört zum Grundauftrag von SR DRS. Ebenfalls Teil des Informationsauftrags ist die Sportberichterstattung. SR DRS hat die Welt im Auge, im Zentrum stehen die Schweiz und ihre Regionen. Die Programme zeigen die Vielfalt des Landes und der Bevölkerung. Bildende Inhalte sind fester Bestandteil aller Programme. SR DRS vermittelt allgemeines und spezialisiertes Wissen aus

SR DRS: von «Regionaljournal» bis Podcasting Die fünf Programme von SR DRS (DRS 1, DRS 2, DRS 3, DRS Musigwälle,VIRUS)

Bestellen Sie den Geschäftsbericht 2005 sowie die Programmbilanzen von SR DRS und SF Geschäftsbericht 2005 SRG idée suisse Deutschschweiz

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SRG idée suisse Deutschschweiz Geschäftsbericht 2005

27.3.2006 11:22:43 Uhr

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27.3.2006 11:17:53 Uhr

«SF 1, SF zwei, SF info und die Website www.sf.tv bieten Inhalte für Mehrheiten und Minderheiten aus den Bereichen Information, Unterhaltung und Sport,

Der Geschäftsbericht 2005 der SRG idée suisse Deutschschweiz und die Programmbilanzen von SR DRS und SF erscheinen nach einem neuen, einheitlichen grafischen Konzept. Online sind die Publikationen als pdf-Dateien verfügbar.

Die Publikationen können auch in gedruckter Form bestellt werden: Geschäftsstelle SRG idée suisse Deutschschweiz, Postfach, 8052 Zürich,Telefon 044 305 67 03, Fax 044 305 67 10, E-Mail info@srgdeutschschweiz.ch

Leistung ist unser Programm. Eine Bilanz.

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SF: von «Tagesschau» bis Web-TV

Geschäftsbericht SRG Deutschschweiz: www.srgdeutschschweiz.ch Programm- und Leistungsbilanz SR DRS: www.drs.ch Programm- und Leistungsbilanz SF: www.sf.tv/unternehmen

Leistung ist unser Programm. Eine Bilanz.

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Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Sport, Geschichte, Technik und Natur. Die kleinräumige Schweiz ist ein reichhaltiges Biotop verschiedenster Kulturen. SR DRS bildet diese Vielfalt ab und wird so zum grössten Kulturanbieter der deutschen Schweiz. Die Förderung einheimischer Künstler spielt in den fünf Programmen von SR DRS eine Hauptrolle. Sie berichten als «gesamtschweizerische Bühne» über Highlights aus der ganzen Schweiz. SR DRS nimmt seinen Unterhaltungsauftrag mit einer reichen Palette verschiedener Sende- und Programmformen wahr. Meinungsbildung findet zunehmend auch im Internet statt. Im Web können verpasste Sendungen nachgehört (Radioon-demand) oder heruntergeladen (Podcasting) werden.

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27.3.2006 11:12:07 Uhr

Ausgabe 3/2006


China als die aufstrebende Wirtschaftsmacht stand im Mittelpunkt am diesjährigen World Economic Forum (WEF) in Davos. Zum chinesischen Neujahr konzertierte das China Traditional Orchestra Zhejiang in Luzern. Immer mehr Chinesinnen und Chinesen besuchen die Schweiz. Und das Schweizer Fernsehen widmete China im Januar 2006 einen hintergründigen Themenschwerpunkt, was durchaus einem breiten Verständnis des Service Public gleichkommt.

Bild: Keystone

Lesen Sie dazu das Interview mit Adrian Marthaler, Abteilungsleiter Kultur von SF, auf der folgenden Seite 6.

Kultur und Bildung», fasst Ingrid Deltenre, Direktorin des Schweizer Fernsehens, im Vorwort zu dessen Bilanz zusammen. Diese bietet Einblicke in das Unternehmen SF, die wirtschaftliche Unternehmensführung und die Kontrollstellen. Im Fokus stehen Programme und Inhalte, gegliedert und vorgestellt – wie auch in der Bilanz von SR DRS – anhand konkreter Forderungen des Leistungsauftrags: Täglich verfolgen insgesamt rund 2,5 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer die Informationssendungen von SF. Sie tragen zusammen mit aktuellen Berichterstattungen, Hintergrundmagazinen und Diskussionsplattformen zur freien Meinungsbildung des Publikums bei. Die Wirtschaftsberichterstattung ist in die verschiedenen News-Sendungen integriert.

Ebenfalls Teil des Informationsauftrags ist die Sportberichterstattung. Sämtliche Programmabteilungen tragen zur Berücksichtigung der Vielfalt des Landes und der Bevölkerung bei. Die Programme berichten täglich aus den verschiedensten Regionen und beteiligen sich aktiv an der Pflege der Volkskultur. SF bietet ein breites Unterhaltungsangebot für verschiedene Mehrheiten und Minderheiten, für Grosse und Kleine. Das Angebot besteht aus einem Mix von Eigenproduktionen, eingekauften Sendungen und Co-Produktionen. SF erfüllt den Kulturauftrag mit Dokumentarfilmen, Sondersendungen zu Kulturevents und Musiksendungen (Beispiel: Themenschwerpunkt China), fiktionalen Programmen und dem programmlichen Engagement für 3sat. Ausgabe 3/2006

Einen Beitrag in Sachen Bildung bietet SF mit Dokumentarfilmen und diversen Wissenschaftsmagazinen. Das Schulfernsehen – inklusive Fachmagazin und Website – rundet das Bildungsangebot ab. SF unterstützt das Schweizer Filmschaffen und die schweizerische audiovisuelle Produktion. SF arbeitet mit zahlreichen freien Produzenten und Produktionsfirmen zusammen und leistet namhafte Beiträge an Schweizer Kinofilme. Komplementär zu den Sendungen bietet SF internetgerechten Mehrwert mit verschiedenen Websites. Diese ermöglichen einen orts- und zeitunabhängigen Zugang zu den Programmen von SF, vertiefen die Fernsehinhalte und verstärken die Interaktivität mit dem Publikum. Sibylle Scheiwiller

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SCHWEIZER FERNSEHEN Weit reichender Service public

In eine fremde Kultur eintauchen

In China gelandet

Das Schweizer Fernsehen hat sich lang und ausgiebig dem fernöstlichen Land gewidmet. Grund genug für einige Mitglieder des Publikumsrates, eigens eine Arbeitsgruppe zu bilden und zu untersuchen, welches China-Bild vermittelt wurde und wie dieses die individuelle Wahrnehmung beeinflusst

Adrian Marthaler über das Besondere und den Auftrag, thematisch auf Schwerpunkte eingehen zu können.

Die Herausforderung der Chinesinnen und Chinesen, Kapitalismus und Kommunismus zu verbinden, fasziniert und erschreckt den Westen in demselben Masse. Darf die Tatsache, dass SF einen Chinatag eingelegt hat, vor diesem Hintergrund verstanden werden? Adrian Marthaler: Im Gegensatz zu früheren Thementagen ist dieser Schwerpunkt anders zustande gekommen. Die Übertragung des chinesischen Neujahrskonzerts 2006 durch das Traditional Orchestra Zheijan wurde von aussen an uns herangetragen. In der Folge kam bei uns die Idee auf, dieses Konzert als Ausgangslage zu nehmen, um ein Ereignis auszubreiten. Wir haben das Ganze unter ein Thema, in diesem Fall China, gesetzt. Es entstand also ein Thementag, der weniger von einer sich aufdrängenden Programmrelevanz denn von einem Ereignis gesteuert wurde. Beispielsweise konnten in den «Sternstunden» zwei Beiträge zu China gezeigt werden. Das «Klanghotel» und die zur Abteilung Information gehörenden «Horizonte» haben ebenfalls Beiträge zum Thema China geliefert. Man hatte also keine fixen Ideen schon im Kopf, die man umsetzen wollte? Es war eigentlich keine freie Wahl. Wir haben lediglich die Chance einer Auswei-

tung genutzt. Wichtig ist natürlich immer, dass die Themen telegen sind und in möglichst verschiedenen Sendeformaten gezeigt werden können. Ich denke da z. B. an Spielfilme, Gespräche oder Dokumentarfilme. China wurde also innerhalb der bestehenden Sendegefässe abgedeckt, in dessen Mittelpunkt das Konzert stand. Worin liegt nun genau der Unterschied zu früheren Schwerpunkten wie z. B. dem Tell-Tag im Jahr 2005? Dort wurde zuerst das Thema beschlossen, also «Tell». Die Aktualität war letztes Jahr, dem Schillerjahr, durchaus gegeben. Beim Chinatag wurde die Aktualität eher gesetzt. China ist zwar momentan ein latentes Interessenthema, aber es besteht beispielsweise kein aktueller Jahrestag. Welches ist für SF das Fazit dieses ChinaSchwerpunkts? Unser Handicap war natürlich, dass sich dieser Tag relativ spontan ergab und dass es innerhalb kurzer Zeit – der Chinatag ist erst vor Weihnachten entstanden! – nicht gelang, ihn als Themenschwerpunkt von SF gebührend zu propagieren. Die Lehre, die wir daraus gezogen haben, ist: In Zukunft müssen wir von einer Themensetzung ausgehen und eine andere thematische Gewichtung setzen. Auch wenn die Konkurrenz auf SF zwei durch den Sport gross war, auch wenn der Marktanteil klein war: Sind weitere Thementage geplant? Ja, der nächste Schwerpunkt ist schon festgesetzt und wird sich dem 40-jährigen Jazzfestival Montreux widmen. Interview: ah

Bild: André Springer

Entweder sich den fremden Klängen fernöslicher Musik zuwenden, einen Einblick in die chinesische Gegenwartskunst zu bekommen oder eine raue Natur in Westchina zu bewundern: Das Schweizer Fernsehen machts möglich und stand einen Sonntag lang im Zeichen von China, einem Land, das derzeit in aller Munde ist.

Adrian Marthaler, Abteilungsleiter Kultur beim Schweizer Fernsehen.

hat. Mittels unterschiedlicher Sichtweisen und Zugängen sei es gelungen, ein vielfältiges Bild zu zeichnen. Das Bild eines Chinas, in dem das Spannungsfeld einer Kultur zwischen Tradition und Moderne, zwischen Parteiherrschaft und Marktwirtschaft in mehreren Beiträgen deutlich aufgezeigt werden konnte. So ein Beitrag des «Kulturplatzes», der die Entwicklung der chinesischen Orchestermusik von der Peking-Oper über die Militäroper bis zum kulturellen Austausch mit dem Westen erzählt. Bei der Übertragung des Neujahrskonzertes aus dem KKL Luzern liess sich feststellen, dass China stark im Aufnehmen von fremdem Kulturgut ist, wobei es dieses dann zu etwas Eigenem macht. Zum besseren Verständnis wurde ein für Westler hilfreicher wenn nicht nötiger Film über die Geschichte des besagten Orchesters, seine Herkunftsstadt und ihre Kulturschaffenden gezeigt. Das Fazit des Publikumsrats ist einhellig und überzeugt: Das Verständnis für ein uns fremdes Land muss auch über seine immateriellen Werte vermittelt werden – die Aufgabe eines umfassenden Service public! ah

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Ausgabe 3/2006


Bild: Frank P.Wartenberg

SRG idée Suisse DEUTSCHSCHWEIZ

Exklusive Vernissage im Seedamm-Kulturzentrum

Einladung an SRG-SSR-Mitglieder Die SRG idée suisse Deutschschweiz lädt die SRG-SSR-Mitglieder zur exklusiven Vernissage der Sonderausstellung «Das Fenster zur Welt» am 23. Mai 2006 nach Pfäffikon/SZ ein. Die Sonderausstellung aus Anlass des 75-Jahr-Jubiläums der SRG SSR idée suisse im Seedam-Kulturzentrum in Pfäffikon/SZ vom 24. Mai bis 23. Juli 2006 dokumentiert die wechselvolle Geschichte des Radios und Fernsehens. Sie zeigt, was in der Schweiz und ihrer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt möglich und konsensfähig war und wo allenfalls Tabus gebrochen wurden. Individuelle Fernseherinnerungen werden so wieder lebendig und in einer kulturgeschichtlichen Rückschau aufgearbeitet und neu beurteilt. Sie als SRG-SSR-Basismitglied sind herzlich eingeladen, im Beisein von Generaldirektor Armin Walpen, Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre und Radiodirektor Walter Rüegg sowie des Präsidenten der SRG idée suisse

Deutschschweiz, Hans Fünfschilling, die Sonderausstellung als grosse VernissageVeranstaltung mit Apéro und der Band von Bill von Arx und Robert Weber zu erleben: Dienstag, 23. Mai 2006, 19.00 Uhr, Seedamm-Kulturzentrum Pfäffikon/SZ Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung. Den ausgefüllten Talon bitte bis spätestens 30. April 2006 senden an: SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ, DEUTSCHSCHWEIZ MG Services, Postfach, 8052 Zürich

Anmeldetalon Ja, ich möchte an der exklusiven Vernissage der Sonderausstellung «Das Fenster zur Welt» teilnehmen und komme mit einer Begleitperson. komme allein. Vorname: Name: Adresse:

Die Teilnehmerzahl ist beschränkt. Die Teilnehmenden werden schriftlich informiert. Falls Sie an der Vernissage vom 23. Mai nicht teilnehmen können, finden Sie in dieser Link-Ausgabe einen Prospekt für weitere Informationen zur Ausstellung. Ausgabe 3/2006

PLZ/Ort: E-Mail: Mitgliedgesellschaft:

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SRG SSR idée suisse SRG-Geschichte, Teil 2: 1958 bis 1983

Die nach wie vor schöne Idee von einer Schweiz im Kleinen Ein gut bebilderter Zwei-Kilo-Band dokumentiert die zweite Etappe der hiesigen Radiogeschichte und den Start des Fernsehens. Beides nach wie vor unter dem weiten Dach der SRG – einer «Schweiz im Kleinen». Doch sie kam politisch vermehrt unter Druck.

Rechts? Links? Nicht erforscht!

Schürmann kontert Schawinski

Offen bleibt auch die zwar nicht wichtigste, aber vor allem im Umfeld von 1968 und 1980 lärmig gestellte Frage, wie «linkslastig» die SRG-Programme waren. François Vallotton: «Obwohl aus dieser Zeit einige Untersuchungen über die Objektivität der Berichterstattung in Radio und Fernsehen existieren, ist ihr wissenschaftlicher Wert zweifelhaft.» An systematisierenden Forschungen hierüber mangle es. Eindeutig habe jedoch die «effektvolle Propagandaarbeit des Hofer-Clubs» in der

In der praktischen Wirkung zweifellos bedeutender waren die spektakulären Taten von Roger Schawinski. Einst als «Kassensturz»-Leiter beim SRG-Fernsehen eine beliebte Zielscheibe der Wirtschaft, kam er ihr als «Pirat» mit seinem Radio 24 nicht ungelegen. Der kommerzielle Popsender lag voll im internationalen Trend und wirkte «als grosse Herausforderung». Nicht nur die Herzen seines jugendlichen Publikums eroberte «der begabte Selbstdarsteller». In der Rolle als «selbstloser

Ansagerinnen aus allen vier Sprachregionen am 1. Oktober 1968 beim Start des Farbfernsehens in der Schweiz. Diskret am Rand: Bundesrat Roger Bonvin, Wilma Gilardi, Ida Columberg-May, Madeleine Demartines und Dorothea Furrer (v. l. n. r.).

Wie für den ersten Band, der allein Radiogeschichte erzählte, standen den mit der Geschichtsschreibung betrauten Forscherinnen und Forschern alle SRG-Archive offen; «völlige wissenschaftliche Freiheit war garantiert.» Ihre kritischen Anmerkungen – etwa zu einzelnen Zensurfällen oder zur schleichenden «Ökonomisierung» – halten sich jedoch in Grenzen. Die vor nunmehr 75 Jahren als «Schweizerische Rundspruchgesellschaft» gegründete SRG blieb von 1958 bis 1983 die dominierende Medieninstitution im Land, ja sie wurde es mit dem beim Start stark zentralisierten Fernsehen erst richtig. Gab es ein Monopol? Die ausländische Konkurrenz machte den zunehmend unternehmerisch denkenden Strategen durchaus Sorgen und brachte die Programmleute in Zugzwang.

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Ausgabe 3/2006

Bild: SF

Was der 1983 zugelassene, nie wirklich provisorisch gemeinte «Versuch» mit privaten Veranstaltern brachte und bringt, müsste ein Fortsetzungswerk beleuchten.

Öffentlichkeit mehr Nachhall gefunden als die Klage von links, dass die Medien der SRG «bewusst oder unbewusst Selbstzensur» übten. Müsterchen des politischen Geplänkels finden sich auch bei Thomas Schneider, der den typisch eidgenössischen, sich zwischen Konsens und Konflikt sowie wechselnden Interessen schlängelnden Weg «zum marktorientierten Rundfunk» beschreibt. «Trotz – oder gerade wegen – dieses massiven Beschusses der SRG vor allem aus rechtsbürgerlichen und Wirtschaftskreisen wurde in den Jahren 1974 bis 1976 eine Abkehr von der bestehenden monopolitischen Rundfunkordnung kaum thematisiert.» Grundsatzdiskussionen wurden verdrängt. Auch die von Hans W. Kopp geleitete Expertenkommission für eine Mediengesamtkonzeption trug wenig dazu bei. Einer der zuweilen erfrischend salopp gesetzten Zwischentitel bezeichnet deren Bericht als «Medien-Onkel Kopps Versandhauskatalog».


Illustration: Hans Moser

Schon im Nebelspalter von 1972 blieb offen, wie weit der gegen die SRG erhobene Vorwurf der Linkslastigkeit bloss eine Frage der politischen Optik war …

Märtyrer für die Medienfreiheit, der als David gegen den Goliath aus SRG, PTT, Bundesrat und Zeitungsverlegern antrat», diente er Ende der 70er-Jahre auch ideal zur «Vorbereitung auf die Deregulierung und Kommerzialisierung». Sein starker Gegenpart bei der SRG wurde Leo Schürmann, 1980 als CVP-Politiker mit Wirtschaftserfahrung zum Generaldirektor gewählt. In einer Zeit interner Verunsicherung setzte er auf Expansion und auf die Anpassung des Angebots an Publikums-

wünsche. In der Folge wurde der einstige Preisüberwacher, wie ein Interviewer notierte, so «hart attackiert, wie ich das in meiner Karriere noch nie erlebt habe». Er spürte die Absicht von Privaten, «in naher Zukunft ein ideologisch ausgerichtetes Radio» im grossen Stil zu machen. Doch für ihn kam, wie er 1982 dem Zentralvorstand darlegte, ein defensiver Rückzug der SRG allein «auf jene Programme, die im Dienst der Allgemeinheit, des Kulturauftrags und der Berücksichtigung von Minderheiten stehen», nicht in Frage. Mit mehr Werbung plus Gebührenerhöhung war seine «Flexible-response-Strategie» zu finanzieren.

Modellfall für den Service public Auch politisch setzte sich «die SRG als eine Schweiz im Kleinen» noch einmal durch. Das nach wie vor schöne Bild skizzieren die Herausgeber im Schlussteil in allen vier Landessprachen. Seit den 30er-Jahren, damals durch die Geistige Landesverteidigung bestimmt, wirkte die Organisation unserer elektronischen Medien von der Trägerschaft aufwärts modellhaft: «Der handfeste Beweis für die starke föderalistische und somit staatserhaltende Ausprägung des Service public

in der Schweiz lag darin, wie allen drei grossen Sprachregionen die Verwirklichung eines gleichwertigen Radio- und Fernsehangebots ermöglicht und auch das Rätoromanische institutionalisiert wurde.» Mit der Konzession nahm sie der Staat als Teil der Integrations- und Kulturpolitik an mehr oder minder lockeren Zügeln in Dienst.Vorsichtig formuliert die Studie an einer Stelle, dass sich die SRG in den 60er-Jahren bei der politischen Information «ein Stück weit in der Beziehung zu Politik und Staat emanzipieren konnte». 1976 liess sich aus dem Volksnein zur ersten Verfassungsvorlage, die eine strengere Aufsicht vorsah, ein weiterer «Etappensieg der SRG im Kampf um ihre Programmautonomie» herauslesen. Und zumindest für seine Berichtsperiode belegt der Band vielfältig, dass ihr «eine relevante Bedeutung in der Geschichte der Schweiz» zukam. Hans Steiger

Radio und Fernsehen in der Schweiz. Geschichte der Schweizerischen Radiound Fernsehgesellschaft SRG 1958 –1983. Herausgegeben von Theo Mäusli und Andreas Steigmeier. Bitte beachten Sie den dieser Link-Ausgabe beigelegten Prospekt.

Bild: SF

Historisches im Bild: Noch bis 1988 wurde die «Tagesschau» für die italienischsprachige Schweiz in Zürich produziert. Bei der Aufnahme aus dem Jahr 1983 bitte nebst dem jugendlich wirkenden «Telegiornale»-Team auch die Schreibmaschinen und den Telefonapparat beachten! Zu Recht wird der «Technik zwischen Programm, Kultur und Politik» ein eigenes Kapitel gewidmet.

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Bild: Reuters

PUBLIKUMSRAT

Schweizer Fernsehen konnte bei den Olympischen Winterspielen in Tempo und Begeisterung mithalten…

Ambivalent: Simon Enzler

Torino 2006

Einsatz bewährt Ausdauer haben SF bei den olympischen Spielen in Turin und der Publikumsrat während dieser Zeit vor dem Fernseher bewiesen. Bei sportlichen Höchstleistungen und ausgezeichneten Übertragungen dürfte dies niemandem schwer gefallen sein.

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fügt hinzu: «Die Kommentare waren sehr oft ausgesprochen lebendig und mit Emotionen durchsetzt. Das Mitfiebern – in einem zumeist vernünftigen Mass – war unbestritten eine Qualität der Sendungen.» Mitunter wünschten sich die Gremienmitglieder allerdings ein wenig mehr Insiderwissen zu einzelnen Athleten und ihren Disziplinen: Gerne hätte man bei der Eröffnungszeremonie von Ländern wie beispielsweise Senegal, wo man keinen Wintersport vermutet, erfahren, welche Sportart die Teilnehmenden ausüben.

Auch die Beiträge des Appenzeller Kabarettisten Simon Enzler, in «Pronto Torino» die Olympischen Spiele aus einem humoristischen Blickwinkel zu betrachten, sind nicht bei allen PR-Mitgliedern auf offene Ohren gestossen: Werden von den einen seine Sprüche als gesucht und langweilig empfunden, kommt bei anderen sein Humor gut an. Humor sei eben immer ein Risiko, meint Mario Denzler, Programmentwickler SF, wichtig sei, dass damit ein Echo ausgelöst werde. Und dies ist ja beim Publikumsrat geschehen. Andrea Haase

Moderation ist Geschmackssache Was dem Einen gefällt, behagt dem Anderen noch lange nicht: Dies hat sich vor Ausgabe 3/2006

… und hat den Heisshunger gestillt.

Bild: Reuters

Sportbegeisterte sind auf ihre Kosten gekommen. Dies nicht nur, weil die Schweizer Athletinnen und Athleten in diesem Winter mit etlichen Medaillen aufwarteten, sondern weil auch das Schweizer Fernsehen dank hoher Präsenz vor Ort und ausgezeichneten Bildern die Übertragungen der Olympischen Spiele zu einem Genuss gemacht haben. Einerseits boten die Liveübertragungen «Torino in diretta» einen guten Überblick über die einzelnen Wettbewerbe, andererseits konnte man sich, so z.B. in «Pronto Torino», in kurzer Zeit über das olympische Tagesgesehen informieren. Das Bemühen von SF, die einzelnen Wettkämpfe nicht einfach zu kommentieren, sondern zu einem Erlebnis zu machen, sei erkennbar gewesen, folgert ein Beobachter. Und

allem bei der Moderation gezeigt. Für einen Teil der Ratsmitglieder hat sich Bernard Thurnheers nüchterne und sachliche Art bewährt, andere fanden mit Hinblick auf die Eröffnungsfeier seine Äusserungen fade und spannungslos. Eine Co-Kommentar wurde vor allem dann geschätzt, wenn sich die Kommentatoren als wirkliche Experten der gezeigten Disziplin herausstellten. So hätte Luzia Ebnöther beim Curling durch Fachwissen geglänzt. Allerdings sei es ein bisschen irritierend gewesen, wenn die Co-Kommentatoren Schweizerdeutsch, die Moderatoren Hochdeutsch, die beiden miteinander wieder Mundart geredet hätten. Kommt hinzu, gibt die Walliser Publikumsrätin Odile Schuler zu bedenken, dass im Falle von Co-Moderatorin Karin Roten deren Walliser Dialekt wohl nicht von allen Zuschauerinnen und Zuschauern verstanden worden sei.


Die Sitcom «Schöni Uussichte»

DESIGNsuisse

Technisch brillant, inhaltlich relevant

Wolkenverhangen und trübe

Bild: Oscar Alessio / SF

Auch bei den Sitcoms haben sich die Zeiten geändert: Der Publikumsrat bevorzugt aber das Altbewährte.

Bereitet Kopfschmerzen: die doch nicht so schönen Aussichten.

Figuren mit Entwicklungspotenzial Eine anregende Diskussion entstand zu den Figuren der Sitcom: Ist nun die schauspielerische Leistung unbefriedigend, oder sind nicht eher die Figuren einfach

zu statisch, die Charaktere zu trennscharf voneinander abgegrenzt? Dem muss Stephan Inderbitzin, Redaktionsleiter Sitcom, widersprechen: Man sei von den vorhersehbaren Figuren abgekommen und wünsche sich nun komplexere Charaktere mit mehr Konfliktpotenzial. Das Format als Ganzes sei nun näher an der Realität.

Bild: Peter Klaunze

Es kann nicht gerade behauptet werden, dass sich der Publikumsrat von der ersten Staffel der Sitcom «Schöni Uussichte» begeistert gezeigt hat: Zu bemühend und zu konstruiert seien die Geschichten, um komisch zu wirken, zu wenig logisch die Entwicklung der Story. Zwar findet er die Mallorca-Klischees sympathisch, auch die Art und Weise, wie Schweizerisches und Deutsches aufs Korn genommen werden, gefällt ihm, aber: Mit den Vorgänger-Sitcoms könne «Schöni Uussichte» denn nun doch nicht mithalten, so die Ansicht des Rats. Obwohl: Das Genre sollte schon weiterhin gepflegt werden, aber bitte einfallsreicher, mit mehr Pep und Überraschungen!

Repräsentativ und kreativ: Dies nur zwei der netten Worte, mit denen der Publikumsrat die Sendereihe «DESIGNsuisse» umschreibt; Produktionsleiter Christian Eggenberger darf sich freuen! In 25 Porträtfilmen wird darin ein umfassendes Panorama des Designs aus der Schweiz vorgestellt. Ein zusätzliches Plus ist die zur Porträtreihe parallel entstandene Publikation mit zwei DVDs, sodass sich die Porträts auch unabhängig von der Sendezeit bewundern lassen. Und es ist lediglich die Sendezeit, die der Rat kritisiert, eine Kritik, die eigentlich als ein Kompliment aufgefasst werden darf: Er wünscht für die Ausstrahlung nämlich eine bessere Uhrzeit, denn eine so hervorragende Sendereihe sollte doch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Und, so kommt die Anregung, vielleicht die Porträts auch im Schulfernsehen unterbringen. Ein Kunstprodukt seien die Porträts, so Rita Leuenberger, und zwar sowohl inhaltlich als auch was die Breite der Auswahl anbe-

Witze sind Geschmackssache Der Künstler wird hinter dem Werk fassbar.

Der Publikumsrat ist davon nicht wirklich überzeugt: Seiner Meinung nach sind die Dialoge selten aus dem Leben gegriffen. Auch die Pointen dürften geistreicher sein. Da bereitet auch die Lachspur Mühe, die nicht zum Lachen animiert, wenn man den Witz nicht lustig findet. Marlène Wirthner bringt es schliesslich auf den Punkt: Wie statisch eine Figur ist oder wie vorhersehbar der Gag, als Konsumentin möchte sie einfach eine interessante Geschichte schauen!

langt. Doch nicht nur das: Jeder Kurzfilm, meint das Gremium, sei ein kleines Kunstwerk für sich, sei individuell und von einer persönlichen Handschrift gezeichnet. In der Tat haben verschiedene Filmemacherinnen und Filmemacher die Porträts realisiert, allen zugrunde liegt aber ein einheitliches Konzept. Ausserdem gelingt es, nicht nur der Entstehung eines Werks beizuwohnen, sondern auch die Persönlichkeit der Künstlerin bzw. des Künstlers näher zu bringen.

Andrea Haase

ah

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OMBUDSSTELLE Jahresbericht 2005

Im Zeichen der Kontinuität Im letzten Jahr hat Achille Casanova das Amt des Ombudsmannes von Otto Schoch übernommen. – Eine erste Bilanz.

Als ich am 1. August 2005 meine neue Aufgabe als Ombudsmann DRS antreten durfte, war ich gespannt und neugierig. Nach den zahlreichen intensiven und offenen Gesprächen mit meinem Vorgänger wusste ich natürlich, was ich zu tun hatte. Doch viele Unsicherheiten mussten überwunden werden. Nun ist es Zeit für eine erste Bilanz.

Von 13 Jahren Erfahrung profitieren Es ist das Verdienst des ersten Ombudsmanns Arthur Hänsenberger und seines Nachfolgers Otto Schoch, die Arbeit in den letzten 13 Jahren so organisiert zu haben, dass die Vermittlerfunktion zwischen Publikum und Medienschaffenden funktioniert. Ich konnte somit von 13 Jahren Erfahrung profitieren und sah auch keinen Grund dafür, das bewährte Verfahren zu ändern. Es galt somit die eingereichten Beanstandungen zu bestätigen, die Stellungnahmen der zuständigen Redaktionen zu studieren, die kritisierten Sendungen aufmerksam anzuhören oder anzuschauen und den Schlussbericht zu erstellen.

Praktisch konstante Anzahl der Beanstandungen Im Jahr 2005 wurden 150 Beanstandungen eingereicht (Vorjahr 170). Berücksichtigt man aber das Phänomen der «Serienbeanstandungen», dass heisst der organisierten Reklamationen, kann man von einer bemerkenswerten und an sich schwer erklärbaren Kontinuität bei der Anzahl der Beanstandungen sprechen. Einen Fünftel betrafen Radiosendungen, den Rest das Fernsehen: Auch in dieser Hinsicht gab es eine «Kontinuität».

famierung einer Person,Vereinigung oder Firma» (21% – Vorjahr 16%) und «Verletzung religiöser Gefühle» (16% – Vorjahr 13 %). Dabei fällt auf, dass öfters Sendungen mehr auf Grund persönlicher Betroffenheit und Sensibilität als auf Grund journalistischer Kriterien beanstandet werden.

Entlastung für die UBI Die Ombudsstelle ist stets bemüht, eine gütliche Beilegung der Beanstandungen zu erreichen. Dass nur 7% der behandelten Beanstandungen weitergezogen wurden, ist erfreulich und bestätigt die Bedeutung dieses Selbstkontrollorgans als Entlastung der Unabhängigen Beschwerdeinstanz UBI. Auch konnten die Reklamationen durchschnittlich innerhalb von 22 Tagen behandelt werden, also innerhalb einer Zeitspanne, in der eine Sendung nicht oder kaum an Aktualität verloren hat.

Konstruktive Zusammenarbeit mit den Redaktionen

Die Kriterien für die Beurteilung einer Sendung sind an sich gegeben. Es geht um die Bestimmungen des Gesetzes, der Konzession und der internen journalistischen Grundsätze sowie auch um die Praxis der Unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI) und des Bundesgerichts. Aber innerhalb dieses Rahmens gibt es einen nicht geringen Spielraum. Diesen mit Offenheit und Toleranz zu benützen, macht die Aufgabe besonders interessant.

Ich kann mit Befriedigung feststellen, dass 43% davon (Vorjahr 35%) wurden als mehr die zuständigen Redaktionen das Verfahoder weniger berechtigt beurteilt. Diese ren bei der Ombudsstelle sehr ernst nehleichte Verschiebung ist eher zufällig zu men. Die eingegangenen Stellungnahmen werten und kann nicht als Zeichen für eine sind meistens umfassend und präzis forVerschlechterung der Programme angesemuliert und, was besonders wichtig ist, sie hen werden. gehen offen auf die Gründe der Beanstandung ein. Auch ist die «Fehlerkultur» als Es ist nicht immer einfach, die einzelnen gesund zu beurteilen, indem gemachte Reklamationen nach Motiven aufzugliedern, Fehlleistungen meistens offen zugegeben denn oft spielen verschiedene Überlegunwerden. In dieser Hinsicht ist die erste Bigen eine Rolle. Am häufigsten wurde gellanz ebenfalls erfreulich. Achille Casanova tend gemacht, eine Sendung sei «unsachgerecht oder politisch tendenziös» (42,4% – Vorjahr 56,5%); es folgen die Kriterien «Dif- Ombudsstelle DRS, Kramgasse 16, 3011 Bern

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CARTE BLANCHE

Das neue RTVG National- und Ständerat haben sich am 6. und am 9. März 2006

kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Interessen der

auf den definitiven Wortlaut des neuen Radio- und Fernsehge-

Service-public-Anbieterin SRG SSR idée suisse und jenen der

setzes (RTVG) geeinigt. Der Erlass soll in der ersten Hälfte des

privaten E-Medien. Am Ende der Bereinigungsrunden konzen-

Jahres 2007 in Kraft treten und das geltende Gesetz von 1994

trierte sich das Interesse zwar massgeblich auf die Frage, welche

ersetzen. Damit wird ein Gesetzgebungsprozess abgeschlossen,

Gebührenanteile die privaten Radio- und Fernsehveranstalter

der mit dem Vernehmlassungsentwurf am 20. Dezember 2000

für ihre Programme beanspruchen können: es sollen mit rund

gestartet worden ist.

44 Mio. Franken rund dreieinhalbmal mehr sein als heute. Dabei stehen die Details, also die Bedingungen, unter denen die Gel-

«Meister, die Arbeit ist getan; soll ich sie gleich flicken?» – In den

der ausgeschüttet werden, gar noch nicht fest. Die Regelung im

vergangenen fünf Jahren ist bei den elektronischen Medien viel

Einzelnen wird der Bundesrat mit der Verordnung zum RTVG

geschehen: EPG, Mobile-TV, Internetfernsehen, DAB und Podcas-

erlassen. Ob diese Subventionen zu besseren Programmen füh-

ting sind nur einige Entwicklungen, die zur Jahrtausendwende

ren werden oder ob es lediglich darum geht, laufende Defizite

nicht oder erst in Ansätzen erkennbar waren. Die Grenzen zwi-

der Veranstalter auszugleichen, steht allerdings in den Sternen.

schen Print-, Audio- und Videomedien verschwimmen. Klare Zuordnungen und Unterscheidungen werden immer schwieriger,

Unbestritten ist, dass das neue Gesetz der SRG SSR als Hauptan-

wenn erste Zeitungen auf E-Papier erscheinen und sich aus dem

bieterin von Radio- und Fernsehprogrammen in der Schweiz

Internet aktualisieren lassen, wenn via DAB das Radio mit Schrift-

und als Service-public-Veranstalterin einen definierten Rahmen

und Bildinformationen gekoppelt sowie Sendeinhalte jederzeit,

und damit Sicherheit verschafft. Ihre Basisorganisationen haben

d. h. auch zeitverschoben, abgerufen werden können, und wenn

sich in den letzten Jahren im Vernehmlassungsverfahren mit der

grosse Telekommunikationsunternehmen in Aussicht stel-

Vorlage befasst.Vor den parlamentarischen Beratungen

len, das Fernsehen durch massgeschneiderte Sendungen

und in Einzelansprachen gegenüber Mitgliedern der

und unter Ausblendung von Werbung zu revolutionie-

Bundesversammlung haben wir uns für die Interes-

ren. Noch vor der Rechtsgültigkeit des RTVG wird von

sen der SRG SSR eingesetzt. Mit dem Ergebnis bin

dessen Revision gesprochen.

ich als Mitglied der Trägerschaft insgesamt zufrieden, dies in einer realistischen Einschätzung des Erreich-

Niemand wird behaupten, das RTVG stelle eine

ten (und Verfehlten). Die Zukunft wird zeigen, ob das RTVG 2006 den vielfältigen

kühne, zukunftsweisende Rechtsgrund-

Erwartungen gerecht werden kann.

lage für die E-Medien in der Schweiz dar, die für die nächsten 20 Jahre

»

Bestand habe. Hingegen erscheint die Aussage ebenso überspitzt, das neue Gesetz bilde den

Urs Meier, Regionalrat der SRG idée suisse Deutschschweiz und Vizepräsident der SRG idée suisse Aargau Solothurn.

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Bild: Miriam Künzli

«


Meer?» Die Überraschung ist gross. Denn mit 470 Metern über dem Meer liegt Glarus keine 50 Meter höher als Zürich. Dies erklärt, warum die nur wenig über 2 000 Meter hohen Berge rundherum höher in den Himmel zu ragen scheinen als andernorts. Wer nun den Glärnisch in Glarus sucht, wird enttäuscht. Das Wahrzeichen mit dem Vrenelisgärtli betrachtet man am besten an einem sichtigen Tag von Zürich oder Hombrechtikon aus. In Glarus gibt es dafür den Vorderglärnisch, Schilt und Wiggis.

Bild: zVg.

Städtebau in den Alpen

Glarus aus der Vogelperspektive.

76. Mitgliederversammlung

Willkommen zu einer Führung durch Glarus Die Mitgliederversammlung der SRG idée suisse Ostschweiz ist am 20. Mai 2006 im Hauptort des Kantons Glarus zu Gast. Der Stadtführer erwartet die mit dem Glarner Sprinter angereisten Gäste beim Bahnhof. Schon geht es am so genannten Volksgarten mit dem imposanten Springbrunnen vorbei Richtung Rathaus. Die Gruppe wandelt der Hauptstrasse mit ihren Geschäften entlang, in denen die «Glaruscard» das Sagen hat. Der Stadtführer macht auf die schachbrettartige Anlage der Strassen aufmerksam und führt die Gäste in den ehrwürdigen, vor wenigen Jahren originalgetreu restaurierten Gerichtssaal des Gerichtshauses. Die Eigenheiten eines Landsgemeindekantons, der Filz, der noch warm gibt, das Gerichtswesen mit seinen Laienrichtern, aber auch der Prozess gegen die letzte

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Hexe Anna Göldin 1782, den es als Justizirrtum zu verdauen galt, kommen zur Sprache.

«Kleinste Hauptstadt» «Wie viele Einwohner, schätzen Sie, zählt die Stadt Glarus heute? 10 000, 12 000 oder 15 000?» Zum Erstaunen der meisten erfahren die Besucherinnen und Besucher, dass Glarus, vermarktet als «die kleinste Hauptstadt», lediglich 5 700 Einwohner zählt und auch der Kanton mit rund 38 000 Einwohnern nicht grösser als Höngg oder Schwammendingen ist. Eine zweite Quizfrage folgt sogleich. «Wie hoch liegt Glarus? 800, 900, 1000 Meter über dem Ausgabe 3/2006

Glarus mit seinem städtischen Gepräge lässt sich nur über den Brand von 1861 verstehen. Dem bei einem Föhnsturm ausgebrochenen Feuer fiel die Hälfte des Orts zum Opfer. 600 Häuser und auch die von Protestanten und Katholiken gemeinsam genutzte Kirche mussten damals neu aufgebaut werden.Vor genau 500 Jahren, zwischen 1506 und 1516, hatte in eben dieser Kirche der spätere Reformator Huldrych Zwingli noch als papsttreuer Altgläubiger gepredigt. Die Architekten Bernhard Simon und Johann Caspar Wolff fügten die neue Stadt auf der 1861 untergegangenen in ausgeklügelter Geometrie ein. Um ihren Plan verwirklichen zu können, wurde sogar ein ganzer Bergsturzhügel abgetragen ... Am Modell von Alt-Glarus, das in der neuen (reformierten) Stadtkirche aufgestellt ist, lassen sich lebhafte Vergleiche zu Glarus vor dem Brand ziehen. Der Heimatschützer Hans Leuzinger hat das Modell der Nachwelt hinterlassen. Mehr noch: Als Architekt der pragmatischen Moderne baute er zugleich 1952 das Kunsthaus Glarus, in dem heuer die Mitgliederversammlung der SRG Ostschweiz tagen wird. Für viele ist es das modernste und schönste Kunsthaus der Schweiz! Claudia Kock Marti

Die Traktandenliste und weitere Angaben zum Programm unserer Mitgliederversammlung in Glarus finden Sie in der nächsten Link-Ausgabe.


Programmkommission

ORK trifft SRG-Spitze

Balance zwischen Pflichtstoff und eigenen Geschichten Was ist Pflichtstoff für das Regionaljournal? Wo liegt Spielraum? Worin liegt die Qualität von Informationen für die Hörerinnen und Hörer?

Eigenleistung ist zentral In der Diskussion zeigte sich, dass die Eigenleistung der Redaktion ein zentraler Qualitätsfaktor ist. Nur Eigenleistung hilft Hörerinnen und Hörern, die gegenwärtige

wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklung zu verstehen und einzuordnen. Doch sie beschränkt sich nicht auf so genannte Primeurs. Die kompetente Auswahl der wirklich wichtigen Themen, die wichtigen Fragen für die richtigen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner usw. sind genauso Elemente von Eigenleistung wie die Fähigkeit, einzelne Themen in einen grösseren Zusammenhang zu stellen oder von einer anderen Perspektive zu beleuchten. In diesem Bereich wurde festgestellt, dass das Regionaljournal auf einem guten Weg ist und viele Beiträge eine hohe Kompetenz der Redaktion zeigen.

Einmal mehr wurde jedoch deutlich, dass Ressourcen fehlen, um diese Eigenleistungen noch weiter zu fördern. Die Redaktion des Ostschweizer Regionaljournals kann kaum auf Synergien mit den grossen Redaktionen in Zürich, Bern und Basel aufbauen, muss allen Ostschweizer Kantonen gerecht werden und betreut flächenmässig ein grosses Gebiet, das in vielen Bereichen keine Einheit bildet. Hier würde sich die Programmkommission durchaus wünschen, dass dafür mehr Ressourcen zur Verfügung stehen würden, nicht zuletzt, um auch die Kultur mehr zu gewichten. Thomas Merz, Programmkommission

Das RegiTeam bei der Vorbereitung der Beiträge.

Bild: Ursel Kälin

Ressourcen sind knapp

Mitglieder bei der TV-Studio-Führung.

Live im «Quer» dabei Am 3. März stand für unsere Mitglieder eine Studioführung auf dem Programm. Besichtigt wurde das tpc in Leutschenbach, wobei der Blick hinter die Kulissen insbesondere dem neu gestalteten NewsStudio galt. Anschliessend an den Rundgang wohnten unsere Mitglieder der LiveSendung «Quer», moderiert von Patrick Rohr, bei. Speiseröhrenmissbildungen bei Neugeborenen, deren medizinische Behandlung und Finanzierung sowie eine hochkarätige Diskussionsrunde zum Thema Vogelgrippe und ein Karaokesingen (Oh mein Papa) für die anwesende Lys Assia zum 82. Geburtstag machten diese Sendung zum unvergesslichen Erlebnis. UK

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Bild: zVg.

Mit solchen Fragen befasste sich die Programmkommission der SRG idée suisse Ostschweiz an ihrer letzten Sitzung. Das wichtigste Fazit: Mit mehr Ressourcen wäre noch mehr Eigenleistung möglich. Unbestritten war an der Februarsitzung der Programmkommission, dass sich das Regionaljournal nach der Aktualität richten muss. Was aber ist Aktualität? – Beschränkt sie sich auf Berichte über die zufällig an diesem Tag stattfindenden Ereignisse? Oder heisst Aktualität, dass die Redaktion aus eigener Initiative aktuelle Themen, «eigene Geschichten» aufgreift oder verfolgt? Pflichtstoff im engeren Sinne, so legte Thomas Schifferle als Leiter des Regionalstudios dar, gebe es im Regionaljournal jedenfalls nicht. Entscheidend seien Kriterien wie die politische oder wirtschaftliche Bedeutung von Veranstaltungen und Ereignissen, deren Auswirkungen, Status der Beteiligten, Einzigartigkeit, Bezug zur Ostschweiz, Überraschungswert usw. Je mehr dieser Kriterien zutreffen, umso eher würde ein Ereignis als Pflicht eingeschätzt.

Eine stattliche Delegation der Ostschweizer Regierungskonferenz (ORK) unter dem Vorsitz von Regierungsrat Hans-Peter Lenherr, Schaffhausen, traf sich mit SRGSSR-Verwaltungsratspräsident Jean-Bernard Münch, Generaldirektor Armin Walpen, Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre und Radiodirektor Walter Rüegg zu einer Aussprache. Dabei wurden die besonderen Anliegen der Ostschweiz thematisiert und praktische Lösungen erörtert. Zur Überprüfung der in der Zwischenzeit getroffenen Massnahmen wurde ein nächstes Treffen innert Jahresfrist vereinbart. Im Rahmen der traditionell engen Zusammenarbeit wurden SRG-Ostschweiz-Präsident Dieter Niedermann, Vizepräsident Gerhard Frey und PK-Präsident Arthur Oehler von der ORK zur Aussprache beigezogen.

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Auftrag contra Produktionsstandorte und Quoten Die Programmkommissionen der Ost- und Zentralschweiz zu Gast bei «Schweiz Aktuell». Als Novum in der regionsübergreifenden Zusammenarbeit beobachteten die Programmkommissionen der Ost- und der Zentralschweiz während zwei Wochen im Oktober die Fernseh-Berichterstattung in der Sendung «Schweiz Aktuell» aus der jeweils anderen Region und tauschten im Anschluss daran die Ergebnisse aus.

Offene Fragen nach erstem Treffen Beide Regionen würden sich eine vermehrte Präsenz wünschen, haben aber auch nicht das Gefühl, völlig vernachlässigt zu werden. Mit der Qualität der Berichterstattung waren beide Programmkommissionen zufrieden.Verschiedene Fragen zum Auftrag der Sendung, zum Konzept, zur Strategie, zum Leitbild, zur Zusammenarbeit des Redaktionsteams in Zürich mit den Regionalkorrespondenten und blieben teilweise unbeantwort.

Sachlich und respektvoll begegnet Dies veranlasste die beiden Programmkommissionen, sich am 21. Februar in Leutschenbach im tpc von Redaktionsleiter Thomas Schäppi und seiner Stellvertreterin Barbara Flückiger die Informationen zu holen. Die Gespräche wurden mit grosser Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt geführt.

Eher in Zürich als im Bündnerland Auf eine entsprechende Frage verneinte Thomas Schäppi nicht, dass der Produktionsstandort Leutschenbach in Zürich einen gewissen Einfluss darauf habe, wo einzelne Beiträge entstünden. Zeit- und Kostenfaktoren spielten eine Rolle. Auch

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inhaltlich wolle «Schweiz Aktuell» bewusst breit fahren. Eine gewisse Beliebigkeit, aus welcher Region ein Beitrag gesendet werde, könne nicht verneint werden. Der Auftrag sei klar, aus möglichst allen Regionen Sendebeiträge zu produzieren. «Dabei sehen wir aber die Wichtigkeit von Zürich mit etwa einer Million Menschen ein», meinte Thomas Schäppi. Worauf Dieter Niedermann konterte: «Es gibt aber auch andere Regionen, in denen insgesamt eine Million Menschen wohnt.»

Regionalkorrespondenten sehr wichtig Die Zusammenarbeit mit den Regionalkorrespondenten klappe im Normalfall gut. Zum Teil bieten die Regionalkorrespondenten Themen an, zum Teil würden sie von Zürich aus beauftragt, Beiträge zu produzieren. «Vor allem die politischen Geschichten vor Ort werden von den Regionalkorrespondenten produziert, die kennen sich in den Kantonen besser aus als wir», sagte Thomas Schäppi. Es sei nicht so, dass zu einzelnen Sendungen ein grosser Überhang von Beiträgen vorhanden sei. Im Normalfall werde ein produzierter Beitrag der Regionalkorrespondenten auch gesendet. Wenn es hart auf hart gehe, entscheide schliesslich die Prozentin oder der Produzent, was gesendet werde. Jeden Donnerstag würden die Regionalkorrespondenten eine Liste mit ihren Vorschlägen für die nächste Woche einreichen. Konrad Schuler, SRG Zentralschweiz

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«Schweiz Aktuell» in Zahlen Die Sendung wird 255 Mal pro Jahr ausgestrahlt. Der Marktanteil betrug 2005 44,3%, durchschnittlich verfolgten gut 540 000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Sendungen.

Bild: Walter Hofstetter

Spitzmarke

Redaktionsleiter Thomas Schäppi (Mitte) im Gespräch mit den Präsidenten der Programmkommissionen: Arthur Oehler (l.) und Konrad Schuler (r.).

Neuer Internetauftritt Unser Internetauftritt ist überarbeitet und aktualisiert worden. Anfang März erfolgte die Aufschaltung. Überzeugen Sie sich selbst von unserer neuen Homepage: www.srgideesuisseostschweiz.ch oder www.srgostschweiz.ch.

IMPRESSUM Ausgabe 3/2006, erscheint neun Mal jährlich Herausgeberschaft: Publikumsrat der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ – die institutionalisierte Publikumsvertretung von Schweizer Radio DRS und des Schweizer Fernsehens – und Mitgliedgesellschaften der SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ Redaktion (Seiten 1–13): Kurt Nüssli (kn), Andrea Haase (ah), Christoph Vogel (cv), SRG idée suisse DEUTSCHSCHWEIZ, Geschäftsstelle, Postfach, 8052 Zürich, Tel.: 044 305 67 02, Fax: 044 305 67 10, E-Mail: christoph.vogel@sf.tv, Internet: www.srgdeutschschweiz.ch Redaktion SRG idée suisse OSTSCHWEIZ (Seiten 14–16): Patricia Fisch (pfi), Geschäftsstelle, Rorschacher Strasse 150, 9006 St. Gallen, Tel.: 071 243 22 14, Fax: 071 243 22 20 E-Mail: sekretariat@srgideesuisseostschweiz.ch Gestaltung und Produktion: Medianovis AG, Kilchberg/ZH Druckvorstufe: Küenzi & Partner mediacheck, Adliswil Druck: rdv Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck Auflage: 18 528 Expl. (WEMF-beglaubigt) Nachdruck: mit Quellenangabe, Belegexemplar erbeten


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