Issuu on Google+

Nr. 4

Dezember 2016

Para contact spv.ch


Sie entscheiden!

Der neue Voyager Evo – in jeder Hinsicht einzigartig Aus welchem Materialmix Ihr Voyager Evo besteht, bestimmen allein Sie! Ihr Rollstuhl soll leicht sein? Sie wollen mehr Stabilität? Modernste Materialien halten das Gewicht so gering wie möglich, ohne die Stabilität zu beeinträchtigen. Genau nach Ihrem Geschmack, exakt nach Ihren Bedürfnissen, einzigartig wie Sie. Weil Sie am besten wissen, was Sie wollen!

Wünschen Sie Unterlagen oder die Adresse eines Fachhändlers in Ihrer Nähe? Kontaktieren Sie uns: Tel. 041 455 61 71 Otto Bock Suisse AG · Luzerner Kantonsspital 10 · 6000 Luzern 16 · suisse@ottobock.com · www.ottobock.ch


Im­pres­sum Her­aus­ge­be­rin Schwei­zer Pa­ra­ple­gi­ker-Ver­ei­ni­gung Kan­tons­stras­se 40, CH-6207 Nott­wil Tel. 041 939 54 00, Fax 041 939 54 09 E-Mail spv@spv.ch Post­konto 60-12400-3 Chefredaktor: Dr. iur. Tho­mas Tro­ger Redaktion: Ruedi Spitzli, Urs Styger, Felix Schärer, Erwin Zemp, Evelyn Schmid, Gabi Bucher Lay­out und An­zei­gen­ver­wal­tung: Tina Achermann Fo­tos: SPV, SPS, fotolia.com, Swiss Arbeitgeber Award, ParaHelp AG, Roland Lötscher, Peter Ackermann, Chantal Hediger, Guido und Vreni Egloff, Mike Pavel, Jodlerklub Heimelig Wolhusen, Joao Dias, Vittoria La Roccha, Stefan Dürger, Andreas Pröve, Urs Huwyler, Swiss Paralympic/Martin Rhyner, Keystone/Alexandra Wey Druck: Brun­ner Medien AG, CH-6011 Kriens, www.bag.ch Re­dak­ti­ons­schluss näch­ste Aus­ga­be: 27. November 2016 Auflage: 8400 Ex­em­pla­re deutsch 4450 Ex­em­pla­re fran­zö­sisch 34. Jahr­gang, er­scheint je­den drit­ten Mo­nat Präsident Christian Betl Direktor Dr. iur. Tho­mas Tro­ger Telefon 041 939 54 00 Roll­stuhl­sport Schweiz Ruedi Spitzli, Bereichsleiter Telefon 041 939 54 11 Kul­tur und Frei­zeit Urs Styger, Bereichsleiter Telefon 041 939 54 15 In­sti­tut für Rechts­be­ra­tung Dr. iur. Michael Weissberg, Bereichsleiter Telefon 032 322 12 33 Zen­trum für Hin­der­nis­frei­es Bau­en Felix Schärer, Bereichsleiter Telefon 062 737 40 00 Lebensberatung Er­win Zemp, Bereichsleiter Telefon 041 939 54 04

In­halts­ver­zeich­nis Editorial Besinnliche Zeit – eine Zeit der Grossherzigkeit

Aus der Vereinigung Interview mit Dr. Xavier Jordan SPV gewinnt Swiss Arbeitgeber Award

Ein Ab­druck von un­ver­langt ein­ge­sen­de­ten Ma­nu­skrip­ten und Bü­chern ist nicht ge­währ­lei­stet. Für die mit Na­men oder Si­gna­tur des Ver­fas­sers ge­kenn­zeich­ne­ten Bei­trä­ge über­nimmt die ­Re­dak­ti­on le­dig­lich die pres­se­recht­li­che Ver­ant­wor­tung. ­Die in der Zeit­schrift ver­öf­fent­lich­ten Bei­trä­ge sind ur­he­ber­recht­lich ge­schützt. Nach­druck nur mit Ge­neh­mi­gung der ­Re­dak­ti­on. Na­ment­lich ge­­­­kenn­zeich­-­ ne­te Fremd­bei­trä­ge ge­ben nicht in je­dem Fall die Mei­nung der Re­dak­ti­on wie­der.

3 · Paracontact 4/2016

6 16

Rechts­be­ra­tung «Das kann doch nicht sein …»

20

Me­di­zin und Wis­sen­schaft SwiSCI – ein Vorbild weltweit?

22

Lebensberatung Tierische Helfer und Therapeuten

26

Kul­tur und Frei­zeit Veranstaltungen, Anlässe und Kurse 2017

38

Abgefahren in Myanmar

40

Roll­stuhl­sport Schnell, schneller, Silver Bullet! 46 Titelwettkämpfe auf Schnee und Eis

48

Hin­der­nis­frei­es Bau­en Wenn Engel vorbeifliegen und Träume wahr werden

In dieser Publikation wird zur Vereinfachung die männliche Form stellvertretend für die weibliche und männliche Formulierung verwendet.

5

50

Hin­wei­se und In­for­ma­tio­nen Wussten Sie schon …

Wir wünschen Ihnen sonnige Wintertage und das Allerbeste für das kommende Jahr. (Foto: Richard Studer und Aaron Brönnimann haben viel Spass am MonoskiBob-Kurs in Sörenberg)

54


041 360 25 44 info@orthomedica.ch

Wir erleichtern Ihnen das Leben. Mit Sicherheit. Kontinenzversorgung ist Vertrauenssache. Wir bieten Ihnen dazu seit über 19 Jahren Kompetenz, erstklassige Produkte und persönlichen Service. Damit Sie sicher und mit Leichtigkeit das Leben geniessen können. Wir sind für Sie da.

Ortho Medica AG Grabenhofstrasse 1 Postfach 2242 6010 Kriens 2 Tel Fax

041 360 25 44 041 360 25 54

www.orthomedica.ch

«Ihre Mobilität liegt uns am Herzen» Ihr kompetenter Ansprechpartner mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der Rollstuhlversorgung, insbesondere bei Querschnittlähmung. Unsere Dienstleistungen: Verkauf und Unterhalt von Rollstühlen und Sportgeräten Sitzversorgungen Mietrollstühle Reha-Hilfsmittel Anträge an IV / SUVA / private Versicherungen Rufen Sie uns an, wir beraten Sie gerne. Kurt Galliker Leiter Rollstuhl- und Rehatechnik

16_216_INS_Rollstuhl_und_Rehatechnik_182x128_de.indd 1

4 · Paracontact 4/2016

Orthotec AG | Guido A. Zäch Strasse 1 | CH-6207 Nottwil T +41 41 939 56 10 | info@orthotec.ch | www.orthotec.ch Ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung

03.06.16 12:32


eine Zeit der Grossherzigkeit 1998 begannen wir mit dem Lehrmittel Paradidact gezielt Lehrpersonen und damit Primar- und Sekundarschüler an das Thema Querschnittlähmung heranzuführen. Vor 8 Jahren haben wir mit den Sensibilisierungskursen für Unternehmungen, Verbände und Organisationen unser Angebot ausgeweitet. Mittlerweile führen wir zusammen mit als Kursleitern eingesetzten Mitgliedern bis zu 60 bis 80 Sensibi­ li­sierungskurse im Jahr durch. Das unüberhörbare Echo und die ausgezeichneten Rück­meldungen sind gewaltig. Diese Öffentlichkeitsarbeit half Barrieren und Ängste gegenüber unseren Mitgliedern abzubauen. Gleichzeitig stieg das Interesse für das Thema Querschnittlähmung an.

Immer mehr Schüler und Studenten verfassen darüber ihre Semester-, Matura-, Bachelor- oder Masterarbeiten. Diese jungen Leute müssen mit einem der Studienreife entsprechenden wissenschaftlichen Grad an diese Arbeiten heran­ gehen. Das heisst für Sie und uns unter anderem Interviews geben, an Online-Umfragen teilnehmen oder Besucher an Clubtrainings oder Verbandsveranstaltungen begrüssen. Oft scheinen diese Anfragen fast zu überborden und manch ei­ ner stellt sich die berechtigte Frage: Sind alle diese An- und Umfragen nötig? Betrachten wir es doch mal von einer gesamtheitlichen statt einer rein individuellen Seite. Diese jungen Menschen beschäftigen sich mit einer Thematik, die sie in ihren Kreisen, in der Schule, an Berufsschulen, an Fachhochschulen oder Universitäten bekannt machen und weitergeben. Sie wirken so zugleich als wichtige Multiplikatoren für die Anlie­gen der Querschnittgelähmten. Und das bei den Jüngeren in unserer Gesellschaft! Damit bewirken wir genau was wir wollten. Eine breite und nachhaltige Sensibilisierung der Bevölkerung. Diese jungen Menschen werden bald in Führungspositionen sein und dort möglicherweise sensibler auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Behinderung reagieren als jene, die sich nie mit diesen Aspekten beschäftigt haben. Eine stete gesellschaftliche Veränderung setzt ein – aber diese ist nur in einer langfristigen Perspektive zu haben. Blicken wir zurück: Hat sich nicht in den letzten 20 Jahren bereits vie­les verändert und verbessert? Haben Frischverletzte heu­te nicht einen ganz anderen Zugang zur Gesellschaft als noch vor 40 oder vor 20 Jahren? Ich denke, doch! Und diese Einbindung in die Gesellschaft wollen wir weiter gezielt verbessern. Wir werden junge Men­ schen bei solchen Arbeiten und Umfragen weiterhin unter­ stützen. Wie hätten sie es denn gerne, wenn ihre eigenen Kinder ein Thema und ein Unternehmen für ihre Arbeit su­ chen müssen? Sie wären doch auch dankbar, wenn Firmen 5 · Paracontact 4/2016

diese bei einer Semester- oder Bachelorarbeit unterstützen. Zeigen wir uns daher grossherzig und grosszügig. Legen wir die gesamtheitliche Betrachtungsbrille an! Welche Zeit eignet sich hier besser als die Weihnachtszeit – die Zeit der Besinnung und der Ruhe. Ich danke allen im Voraus für das Verständnis und die Offenheit. Anfangs 2017 führt die Schweizer Paraplegiker-Forschung in Zusammenarbeit mit der SPV und allen Paraplegikerzentren der Schweiz und Parahelp nach 2012 zum 2. Mal die grosse SwiSCI-Umfrage durch, die diese gesellschaftliche Einbindung messen will. Mit der alle 5 Jahre durchgeführten Studie soll über eine längeren Zeitraum die Lebenssitua­ tion der Querschnittgelähmten in der Schweiz verfolgt und verglichen werden, um so Ergebnisse für eine daraus resul­ tierende Verbesserung der Lebenssituation abzuleiten. Die Ergebnisse braucht auch die SPS, damit sie das Leistungsnetz für die Zukunft planen, anpassen und finanzieren kann. Diese Aussagen zeigen auch uns den Bedarf an potentiellen Dienstleistungen auf. Auch aus diesem Grunde ist für uns die enge Zusammenarbeit mit allen Paraplegikerzentren und strategischen Part­ nern wie der Universität Lausanne oder Luzern zentral. Diese haben wir intensiviert und bauen sie laufend aus. Davon jedoch mehr im Innern dieses Blattes. Und nun wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, neben einer guten und entspannten Lektüre vor allem eine wunderschöne und besinnliche Weihnachtszeit, einen optimalen Start ins Neue Jahr sowie Glück, Gesundheit und Frieden.

Herzlichst

Dr. Thomas Troger, Direktor

Editorial

Besinnliche Zeit –


Aus der Vereinigung

Hier herrscht

Berglermentalität

Name Xavier Jordan Geburtsdatum 7. Februar 1972 Familie verheiratet, zwei Töchter (8 und 10 Jahre alt) Beruf  Paraplegiologe, Chefarzt Abteilung Paraplegiologie der SUVA-Klinik Sion Hobbys  Lesen, Musik und die Ruhe geniessen

«Die Klinik liegt in einem Aussenquartier von Sitten in unmittelbarer Nähe des Spitals und des Zentralins­ ti­tuts des Spitals Wallis. Die gesamte Klinikanlage er­streckt sich über eine Fläche von 34 000 m². Das son­ ­ni­ge Walliser Klima, die umliegende Bergwelt, die Nä he zur Stadt und die liebevoll eingerichtete Parkanlage rund um die Klinik erlauben es den Patienten, je nach Mobilität ausgiebige Spaziergänge zu unternehmen.» So wirbt die SUVA-Klinik Sion auf ihrer Internetseite für sich, und genau so präsentiert sie sich mir an diesem herrlichen Septembertag. Xavier Jordan, Chefarzt Paraplegiologie, empfängt mich herzlich und führt mich durch die ganze Anlage, welche in vielen Bereichen Ähnlichkei­ten mit dem SPZ Nottwil aufweist. Herr Jordan, warum haben Sie das Spezialgebiet Para­ plegiologie gewählt? Da bin ich eher per Zufall darauf gekommen. Als Arzt wird man im Verlauf der Aus- und Weiterbildung nicht wirklich mit diesem Thema konfrontiert, und die Betreuung von Quer­schnittgelähmten bleibt einem fremd. Ich habe mein letztes Ausbildungsjahr zum Facharzt im REHAB Basel verbracht. Danach stellte sich mir die Frage, was ich eigentlich will, welches meine beruflichen Ziele sind und ich bin dann schliesslich zwölf Jahre in Basel geblieben als Oberarzt von Dr. Mark Mäder. Ich konnte Sonderaufträge übernehmen wie die Dekubitus-Behandlung und wurde konfrontiert mit Themen wie Spastik und Schmerzen. All diese Themen sind nicht alltäglich für einen Standardarzt. Es war eine sehr schöne Zeit. Als dann im 2014 die Meldung kam, dass der Chef Paraplegiologie in Sion frühpensioniert wird und die Frage auftauchte, ob ich als gebürtiger Unterwalliser nach 25 Jahren Deutschschweiz zurückkommen wolle, musste ich lange abwägen. Aber der Reiz der Aufgabe und die Idee, etwas aufbauen zu können und für die Patienten da zu sein, war stärker. So habe ich alles zurückgelassen und bin ins Wallis zurückgekehrt. Jetzt, zwei Jahre später, kann ich sagen, es war eine gute Entscheidung. 6 · Paracontact 4/2016

Und was fasziniert Sie an diesem Gebiet? Die Paraplegiologie, obwohl nicht als Fach anerkannt, ist sowohl hochspezialisiert als auch sehr breit. Es ist eine direkte Medizin, man erfährt sofort, ob das, was man gemacht hat, funktioniert. Wenn man dieses Gebiet wählt, muss man es aus Überzeugung und Freude tun. Wir begleiten die Patienten vom Moment des Traumas nach der Diagnose über die Erstrehabilitation bis zum Austritt, und darüber hinaus ihr ganzes Leben. Es ist keine heilende Medizin, es ist mehr ein Handwerk als eine Kunst. Wir stellen dem Patien­ ten unser Wissen und unsere Fertigkeiten zur Verfügung und wir setzen alles daran, damit sein Leben möglichst selbst­ständig und wieder wertvoll wird. Und wir sehen die Pa­tien­ten immer wieder, im Ambulatorium oder wenn sie sta­­tio­när da sind. Unser Ziel ist es, sie so lang es nur geht, zu begleiten. Das bringt Ruhe und Kontinuität ins Behand­ lungskonzept und ist zudem die beste Qualitätskontrolle. Wir sind hier in Sion nur zwei Fachärzte in dieser Abteilung, das heisst, wir sehen alle unsere 500 Patienten, das ist fantastisch, da kann man etwas aufbauen. Braucht es aber neben Nottwil ein Zentrum wie Sion? Nottwil hat eine Sonderstellung, ganz klar. Es braucht in jedem Universum eine Sonne, aber ohne Planeten ist das nicht witzig. Und solange es der Sonne gut geht, geht es auch den Planeten gut – wenn Nottwil hustet, läuft uns die Nase. Wir sind sehr froh, dass es das grosse Zentrum gibt mit all den verschiedenen Möglichkeiten für die Querschnitt­ gelähmten. Aber ein Zentrum hier im Wallis rechtfertigt sich rein nur von der Sprache her. Diese ist sehr wichtig in der Begleitung in diesen schmerzhaften Momenten. Der Patient muss einen grossen Verlust ertragen, seinen Alltag neu einrichten und sich viel Neues aneignen. Da sind Feinheiten gefragt. Oft ist die emotionale Bedeutung eines Be­ griffes in einer Fremdsprache schwierig zu verstehen, wie gut man diese auch beherrscht. Zudem sollte der Begleitende sich anpassen können an je nachdem ein literarisches Französisch oder an jenes eines Bauarbeiters, wenn er me-


Aus der Vereinigung dizinische Fakten erklären muss. Das ist in meinen Augen in einer Fremdsprache kaum möglich. Darum bin ich überzeugt, dass jede Region ein Zentrum braucht für die Basis­ arbeit. Und darum setzen wir uns dafür ein, dass Französisch sprechende Patienten nach Sion kommen. Dann ist da noch die Frage der Mentalität: Wenn man mit Menschen zusam­ menarbeitet, für welche das nächste Dorf bereits die Fremde ist und der Talwechsel einer Reise gleichkommt, schickt man sie nicht 200 km weit weg zum Arzt. In Bern meint man vielleicht, das sei durchaus zumutbar, dem ist aber nicht so. Wenn es einem schlecht geht, will man nicht so lange und so weit fahren müssen. Wenn es um sehr spezielle Dienstleistungen geht wie z. B. die Handchirurgie, ist ganz klar Nottwil das Referenzzentrum. Es macht keinen Sinn, dass alle Zentren sich alles aneignen müssen. Aber die Basisarbeit sollte wohnortsnah gemacht werden können. Sie waren über zehn Jahre in Basel tätig – spüren Sie einen Unterschied zwischen der Führung der beiden Zentren? Es gibt schon Unterschiede. Das Einzelkämpfer-System, wel­ ches in der Deutschschweiz früher geherrscht hatte, ist hier noch präsent. Man ist zwar daran, Netzwerke aufzubauen, aber das braucht noch etwas Zeit. Es gibt aber auch deutliche Abstufungen zwischen Genf, Lausanne und Sion und das hat nichts mit der Sprachgrenze zu tun, sondern eher mit Stadt und Land. Und wir sind hier vielleicht auch etwas entspannter, haben etwas mehr Zeit. Hier herrscht die

Berg­lermentalität, es sind Unterschiede zwischen einem Walliser und einem Genfer. Einem Bergler fällt das Annehmen eines Schicksalsschlages einfacher als einem Städter, der anders lebt, alles nah und einfach erreichbar findet. Er fragt sich zwar auch, warum das passieren musste, aber dann fügt er sich im Allgemeinen eher und das macht uns die Arbeit einfacher. Als Basis, um sich neu zu erfinden, muss zuerst der Verlust angenommen werden. Der Patient muss ver­stehen, dass er durch die Querschnittlähmung nicht min­ derwertig geworden ist, sondern nur anders. Und dann muss er sich bewusst werden, wer er ist und was ihm wichtig ist, 7 · Paracontact 4/2016

welche Ressourcen er zur Verfügung hat und was er daraus macht. Das fällt jemandem, der immer an seiner Leistung gemessen wurde, schwerer. Als letzten Unterschied gibt es hier die Distanz zu allem. Wir sind weit weg von allen Ent­ scheidungen und Diskussionen, wenn wir mit dabei sein wol­ len, müssen wir hingehen und die Informationen abholen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der SPV für Sie? Die SPV und ihre Angebote sind sehr wichtig für uns. Die Informationen sollen nicht an der Sprachgrenze aufhören und der Austausch ist sehr wertvoll. Unsere Patienten sollen wissen, was die SPV anbietet und von den Möglichkei­ ten profitieren können. Wir empfehlen jedem Patienten, der SPV beizutreten. Er soll sich mit dem Vertreter Yann Avanthey austauschen können und dann entscheiden, ob er durch eine Clubmitgliedschaft beitreten will oder nicht. Mit dem Beitritt kommt er ja auch in den Genuss vieler Informationen, er erfährt, was wo läuft, was neu ist, welche Forschungsprojekte es gibt, welche Aktivitäten angeboten werden. Gehen die sogenannten «Démo-cafés», welche Sie zu­ sammen mit der SPV organisieren, in diese Richtung? Ja, wir versuchen, ein Bindeglied zu sein zwischen der Klinik und der Aussenwelt für die Patienten. Wir bieten eine Plattform zum gegenseitigen Austausch. Irgendwann wird der Patient wieder zu Hause sein, wir zeigen ihm, was es «draussen» für Möglichkeiten gibt. Welche sportlichen Aktivitäten kann er nutzen, welche Freizeitaktivitäten werden angeboten. Die Anbieter kommen in die Klinik und zeigen auf, was alles existiert, dies oft auch gemeinsam mit ande­ ren, langjährigen Querschnittgelähmten. Bei diesen Démo-­ cafés machen die SPV, PluSport und die lokalen Anbieter wie Sportvereine mit. Ein ganz anderes Thema: Wie stehen Sie als Arzt zu den Bestrebungen, Querschnittgelähmte wieder zum normalen Gehen zu bringen? Wissen Sie, das ist halt ein sexy Thema, das funktioniert gut in den Medien. Der heutige Stand des Wissens ist nach wie vor, dass ein zerstörtes Rückenmark nicht geheilt werden kann. Während die einen das mit der Zeit akzeptieren und sich darauf einstellen, ist es für andere ein Albtraum. Seit 15 Jahren wird geforscht mit der Hoffnung, zu heilen, etwas zu erreichen in Sachen Gehen. Es gibt Hilfsmittel auf dem Markt, welche beim Laufen – oder beim aufrechten Gehen – unterstützend helfen, aber das Ganze ist nach wie vor sehr aufwändig und es ist in meinen Augen bestimmt nicht etwas, was in den nächsten 10 bis 15 Jahren routine­


«Publicare – der leistungsstarke Katheter-Lieferant. Die Nr. 1 in der Schweiz.»

ie an, Rufen S Sie gerne – n erstütze wir unt 6 484 15 00. 05

Cornel Villiger, Leistungssportler

Ihre Vorteile Die Lieferung erfolgt direkt zu Ihnen nach Hause: portofrei und diskret verpackt. Alles aus einer Hand: Sie beziehen bei uns einfach und bequem die gewünschten Hilfsmittel. Die Abwicklung mit Ihrer Versicherung übernehmen wir. Einfach. Diskret. Bewährt.

Publicare AG | Vorderi Böde 9 | 5452 Oberrohrdorf Telefon 056 484 15 00 | www.publicare.ch

LEVO Summit EL

LEVO AG Switzerland

Anglikerstrasse 20 CH-5610 Wohlen

8 · Paracontact 4/2016

Tel. +41 (0)56 618 44 11 Fax +41 (0)56 618 44 10

MountainsOfTravelPhotos.com

Natürliches Schweizer Design Innovatives Stehsystem Der erste wahre Aktivstehrollstuhl

office@levo.ch www.levo.ch

A Dane Technologies Company


Aus der Vereinigung mässig eingesetzt werden kann. Was uns viel mehr beschäf­ ­­tigt, ist die Blasen- und Darmproblematik, die sexuellen Funk­­tionsstörungen, die Schmerzen, die Spastik, alles Dinge, welche die Lebensqualität viel mehr beeinträchtigen, als nicht mehr gehen zu können. Wenn aber die Forschung zum Laufen irgendwann die Türen öffnet zur Verbesserung der Organfunktionen, dann wird es interessant für uns und dann können wir auch die Lebensqualität der Querschnittgelähmten massiv steigern. Mobilität ist sicher wichtig, aber sie ist nicht alles. Welches sind die medizinischen Verbesserungen der letzten Jahre aus Ihrer Sicht? Die Betreuung von Querschnittgelähmten in der Schweiz ist hervorragend und die durchgeführten SwiSCI-Studie bildet deren Alltag nun besser ab. Man weiss, was sie stört, woran sie leiden. Es ist nicht die Lähmung an sich, sondern deren «Unterkapitel». Dreiviertel der Querschnittgelähmten haben Schmerzen, ungefähr ein Viertel starke Schmerzen. Auch die sexuellen Funktionsstörungen sind ein grosses Problem. Wir können zwar die Erektionsstörungen beheben, aber wenn keine Sensibilität und Freude da ist, nützt diese Behandlung auch nicht viel und vielen Patienten reicht das nicht, zu Recht!

Also erkennt man dank der Studie die Probleme der Querschnittgelähmten besser? Es gibt sichtbare und unsichtbare Probleme. Die Studie hat nun gewisse Probleme sichtbar gemacht. Einen Dekubitus sieht und riecht man, Schmerzen hingegen nicht. Und je nach kultureller oder religiöser Prägung werden diese auch nicht kommuniziert. Sie werden teilweise als gegeben angeschaut, man erträgt sie und wenn sie nach der fünften ärztlichen Konsultation nicht besser geworden sind, nimmt man sie als gegeben und sagt nichts mehr. Die heutige Generation ist da zwar vielleicht etwas anders, sie schreit eher nach Lösungen. Aber wie gesagt kommen durch die 9 · Paracontact 4/2016

Studie gewisse Probleme an die Oberfläche. Wir wissen noch sehr wenig über Schmerzen und deren Ursache, oder über einen allfälligen Zusammenhang mit der Art der Querschnitt­ lähmung. Da gibt es noch viel zu tun. Wie sehen Sie die Entwicklung der QuerschnittZentren der Schweiz? In den diversen Zentren sind nun Chefärzte der zweiten und dritten Generation tätig. Wir sind uns bewusst, was die Pio­ niere der 60er-Jahre – und ihre Teams natürlich – geleistet haben. Wir übernehmen eine Medizin und eine Struktur, welche funktioniert. Aber in einer Zeit, wo die Rentabilität Vorrang hat vor der Dienstleistung, müssen wir aufpassen, dass diese hervorragenden Gebilde nicht abgebaut werden. Vor 20 Jahren hatte man ein Jahr Zeit für die Rehabilitation, heute geht das in Tranchen von vier Wochen, es wird dis­kutiert über Medikamente, Leistungen, da müssen wir aufpassen, dass der strukturelle, logistische und finanzielle Bau nicht kaputtgeht. Wir sind alle gefragt, Patienten, Ärzte, Fachleute, Vereinigungen, wir müssen uns wehren gegen diesen steten Abbau. Der hohe Prozentsatz an Quer­ schnittgelähmten, welche wieder arbeiten, geht zurück auf die hervorragende Rehabilitierung, Grund genug, gegen den Leistungsabbau zu kämpfen. Wenn wir uns nicht wehren und engagieren, werden wir unsere Standards nicht beibe­ halten können. Ein letztes Wort Ihrerseits – ein Anliegen an den «grossen Bruder»? Ich möchte dem Redaktionsteam meinen Dank aussprechen, dass wir uns hier vorstellen dürfen. Wir sind sehr froh, dass Nottwil so stark ist, aber wir sind überzeugt, dass wir – und die anderen Zentren – eine Daseinsberechtigung haben mit unserer zentrumsnahen Basisarbeit, mit der Nähe zum Wohn­ort und dem Verständnis für die Kultur mit all ihren Besonderheiten. Die Paraplegiologie nimmt sich ihrer Pa­ tien­ten ganzheitlich an, ist äusserst modern und allumfassend. Aber jeder Patient braucht etwas anderes, da ist kein sturer Standard möglich. Die Patienten wollen ernst genommen werden. Und wenn ich dem gerecht werden will, geht das nur, wenn ich die lokalen Netzwerke kenne. In einem grossen Zentrum mag zwar die Technik breiter und besser sein, aber in Sachen Nähe kommt es nicht an die lokalen Zentren hin. Danke, dass das grosse Nottwil stark ist und bleibt – und wenn du stark und sicher bist, hast du keine Angst vor dem Kleinen neben dir. Wir danken Xavier Jordan herzlich für dieses spannende Gespräch. Gabi Bucher


Aus der Vereinigung

Neue

Mitarbeitende

Jill Hofstetter Egolzwil LU 19. April 2000

Carole Buchmann Ruswil LU 18. März 1998

n Zentrale Dienste

n Zentrale Dienste

Lernende Kauffrau BM (100%)

Lernende Kauffrau (100%)

Zusammen mit meinem älteren Bruder Tim und meinen Eltern wohne ich in einem Zwei-­ familienhaus in Egolzwil. Dort ging ich auch in die Primarschule. Die Sekundarschule ab­ solvierte ich im Nachbarsdorf Wauwil. Nach der Sekundarschule startete ich zuerst mit dem Kurz­zeitgymnasium an der Kantons­ schu­le Sursee. Ich merkte jedoch schon bald, dass dies nicht der richtige Weg für mich ist und fing an, mich für eine Lehrstelle als Kauffrau zu bewerben. Über die Zusage der Schweizer Paraplegiker–Vereinigung freute ich mich riesig.

Als mittleres von drei Geschwistern bin ich in Ruswil aufgewachsen. Dort besuchte ich die Primarschule sowie die Sekundarschule.

Zurzeit besuche ich zwei Tage pro Woche die Berufsschule in Sursee. An den übrigen Tagen arbeite ich in den Zentralen Diensten der SPV in Nottwil. Ich spiele gerne Kornett und habe pro Woche eine bis zwei Proben mit der Mu­sikgesell­ schaft und am Wochenende kommt je­weils noch eine Guggenmusikprobe hinzu. Den sportlichen Ausgleich zur Musik mache ich mit Reiten und Volleyball spielen beim VBC Sursee. Meine Samstagnachmittage verbringe ich am liebsten im Blauring Egolzwil-Wauwil, mit meinen Freunden oder mit einem spannenden Buch. Ich freue mich auf drei tolle und interessante Lehrjahre bei der SPV und bin gespannt, was ich alles erleben werde.

10 · Paracontact 4/2016

In meiner Freizeit bin ich im Blauring Ruswil aktiv. Mit vier anderen Leiterinnen leite ich eine Gruppe von 15 Mädchen. Unsere Schar besteht aus etwa 130 Mädchen und 60 Leiterinnen. Zum Ausgleich spiele ich Handball bei der SG Ruswil/Wolhusen und im Winter fahre ich Snowboard oder betreibe ab und zu Langlauf. Nach der obligatorischen Schulzeit entschied ich mich für eine Ausbildung als Detailhandelsfachfrau bei der Post. Das erste Lehrjahr war ich auf der Hauptpost stationiert. Ich habe meine ersten Schaltererfahrungen gesammelt und konnte so mein Wissen stetig erweitern. Im zweiten sowie im dritten Lehrjahr durfte ich auf die Lehrlingspoststelle in Luzern wechseln. Mit elf anderen Ler­nenden konnte ich die Poststelle führen und viele Arbeiten selbstständig erledigen. Diesen Sommer habe ich meine Lehre erfolg­ reich abgeschlossen. Für mich war jedoch schon länger klar, dass ich nicht bei der Post bleiben möchte. Durch viele Tipps und Ratschläge entschied ich mich für eine Zweitlehre als Kauffrau. Bei der SPV habe ich eine Lehrstelle gefunden und darf nun meine zwei Lehrjahre antreten. Ich bin super gestartet und freue mich sehr auf diese neue Herausforderung.


Aus der Vereinigung Agnès von Beust Biel BE 19. Januar 1986

Giuseppina Napolitano Kriens LU 4. Dezember 1970

n Institut für Rechtsberatung

n Kultur und Freizeit

Rechtskonsulentin (50%)

Sachbearbeiterin (50%)

Ich komme aus Biel und besuchte dort die Schule. Nach der obligatorischen Schulzeit fiel es mir leicht, über meine weitere Laufbahn zu entscheiden: Ich wollte Anwältin werden, um gegen alle Ungerechtigkeiten zu kämpfen. So studierte ich Rechtswissen­ schaften an den Universitäten Neuenburg und Bern. Ich bekam die Chance, ein Austauschsemester in Belgien zu absolvieren. Eine Auslanderfahrung, welche ich in bester Erinnerung behalte.

Meine Eltern sind beide aus Sizilien. Ich bin in Martigny im Wallis geboren. Ich habe das Glück gehabt, zweisprachig aufzuwachsen (Französisch-Italienisch). Eine meiner zwei Schwestern wohnt im Tessin und die andere im Wallis, so wie meine Eltern.

2012 erhielt ich die Zulassung als Anwältin in Bern. Nach dem Abschluss arbeitete ich beim Eidgenössischen Institut für Geisti­ges Eigen­tum in Bern. Mein wichtigstes Dos­­sier war die Weiterverfolgung des legislativen Projekts «Swissness»: Eine sehr inte­res­sante Auf­­gabe zwischen Recht und Poli­tik, die ich zu­sam­men mit einem herausragenden juris­ ­tischen Team wahrgenommen habe. Zudem war ich Mitglied der Schweizer Delegation bei den multilateralen Ver­hand­lungen der Welt­organisation für geistiges Eigentum. Der Sport, die Literatur, Begegnungen, das Lernen fremder Sprachen und das Reisen be­ schäftigen mich in meiner Freizeit. Übrigens war ich dieses Jahr in Santiago de Compos­ tela, welches ich nach 30 Tagen und 750 km erreicht hatte. Ich freue mich, seit Oktober Teil der SPV zu sein und von nun an dessen Mitglieder bei ihren Rechtsfragen zu unterstützen.

11 · Paracontact 4/2016

Nach meiner KV-Lehre bin ich nach Luzern umgezogen, um mein Deutsch zu verbessern. Dann habe ich mehrere Sprachaufent­ halte in England, Amerika und Australien gemacht, um Englisch zu lernen. Seit mehr als 20 Jahren wohne ich im Kanton Luzern. Mein Ehemann ist Italiener. Mei­ ­ne zwei Söhne von 14 und 17 Jahren haben die Möglichkeit, dreisprachig aufzuwachsen (Deutsch-Italienisch-Französisch). Ich liebe es zu reisen und neue Länder zu ent­ decken. Seit fast drei Jahren tanze ich regel­ mässig die Lateinamerikanischen Tänze (Ba­ chata, Merengue und Salsa). Meine weiteren Freizeitbeschäf­tigungen sind das Wandern, Velofahren und Lesen. Mein Lieblingslebensmotto ist «Lebe dein Leben wie du es leben willst und lasse die anderen das Leben leben, wie sie es leben möchten». Diese neue Stelle bei der SPV freut mich, und ich bin sehr zufrieden, seit August die verschiedenen Kurse und Veranstaltungen organisieren zu können.


Aus der Vereinigung

Dankeschön Wir danken unserem Main Supporter, unseren Partnern, Sponsoren und Supportern herzlich für die partnerschaftliche Zusammenarbeit und die Unterstützung unserer Zielsetzungen, Anlässe, Events sowie unserer Sportarten.

Main Supporter

Sponsoren

Schweizer Paraplegiker-Stiftung 6207 Nottwil

Coloplast AG 6343 Rotkreuz

Partner

Orthotec AG 6207 Nottwil

SuvaCare 6002 Luzern

Hollister Liberty Medical (Switzerland) AG 8953 Dietikon Valiant Bank AG 6003 Luzern

Meyra/Gelbart AG D-32689 Kalletal/Kalldorf und 6005 Luzern

B. Braun Medical AG 6204 Sempach

Supporter – Stiftung Denk an mich, Basel – Tennisclub Rosental, Basel – Josef Zemp, Schüpfheim – Jungfrau-Marathon, Pararace, Interlaken – Schindler Management AG, Ebikon – LogTIS GmbH, Dintikon – NCR Security Fund, Glattzentrum – Insel Gruppe AG, Bern – F. Wiederkehr AG, Basel – Swisscurling Association, Ittigen – B. Braun Melsungen AG, D-Melsungen – CareLink, Kloten – Auto Bardill AG, Landquart – Ernst Oberli, Hochradfahrer, Brugg – Stiftung Folsäure Offensive Schweiz, Zug – Glencore International AG, Baar – Forces Terrestres FOAP de l’Infanterie, Yverdon-les-Bains

12 · Paracontact 4/2016

– Tertianum AG, Zürich – Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM, Zürich – Breitling SA, Grenchen – Schweizerische Vereinigung zugunsten von Personen mit Spina bifida und Hydrocephalus – Curlingclub Silvaplana, Coppa Romana – Fredy Vögeli GmbH, Sanitär Heizung, Pfungen – René Metzler Immobilien-Treuhand AG, Rorschach – Verena Graser Stieger, Davos Dorf – Amag Services AG, Kloten – Mövenpick Hotel, Egerkingen – Eugen Gehrer, St. Gallen – Brunner Medien AG, Kriens – Salomon – Amer Sports SA Switzerland, Hagendorn – perü timing, Lengnau – Stefan Würgler, Langenthal


Berufliche Vielfalt Dominik Widmer arbeitet seit elf Jahren als Architekt im Zentrum für Hindernisfreies Bauen in Muhen. Er betreut die Westschweiz. Oft arbeitet er von seinem Zuhause in Freiburg aus, in Muhen ist er darum nur ein bis zwei Tage pro Woche. Dominik ist viel unterwegs, auch heute. Da trifft er sich mit drei anderen Architekten des ZHB mit den Ergotherapeuten des SPZ. Diese Treffen finden monatlich statt, dabei werden alle Patienten «besprochen», für welche zu diesem Zeitpunkt ein Umbau geplant ist. Die zeitlichen Abläufe werden geprüft, man schaut, was noch offen ist und ob alle Entscheide klar sind. Die Ergotherapie ist die wichtigste Anlaufstelle für die Architekten, wenn es um Umbauten für Patienten der Kliniken geht, und die machen zirka 50% ihrer Kundschaft aus.

nicht ausgesprochen, aber man spüre die Zurückhaltung. Der Gang durchs Haus sei ein erster wichtiger Meilenstein auf dem Weg zurück in den Alltag. «Auch für uns ist das speziell», meint Dominik, «wir wissen praktisch nichts über den Patienten, verbringen diesen einen ganz wichtigen Moment seines Lebens mit ihm oder ihr, meistens sehen oder hören wir danach nichts mehr.» Das könne sehr fordernd sein, aber es mache die Arbeit auch so interessant. Dabei reichen architektonische Kenntnisse allein nicht, da ist auch viel Fingerspitzengefühl gefragt.

n Höhere Lebensqualität –

höhere Kosten

Dies alles ist umso schwieriger, als dass es meist bereits 1 bis 2 Monate nach dem Unfall passiert. «Das ist sehr früh, aber nötig wegen den vielen Vorbereitungen und Abklärungen. Kosten müssen ermittelt werden, man muss klären, wer was übernimmt. Wenn z. B. die IV für den Zugang auf den Balkon nur für Rampen aufkommt, eine Balkonschiebetür aber viel mehr Lebensqualität darstellt, weil der Rollifahrer mit einer Tasse Kaffee allein auf den Balkon fahren kann, dann muss dieser die Zusatzkosten meist selber übernehmen. Dasselbe gilt beim Lift, die IV übernimmt nur einen Treppenlift, möchte der Kunde aber einen vertikalen Lift, geht das auf seine Rechnung. Das muss vor­ gehend alles geklärt werden.»

n Unterschiedliche Bedürfnisse

n Emotionale Momente Wenn es darum geht, Abklärungen zu treffen am früheren Wohnort des Rollstuhlfahrers, bietet die Ergo einen Architekten des ZHB auf. Gemeinsam mit dem Patienten und allenfalls Familienangehörigen wird die Wohnsituation geprüft, Schritt für Schritt. Dabei ist es wichtig, den Rollstuhlfahrer mit dabei zu haben, um seine Wünsche und Meinungen so weit wie möglich einfliessen zu lassen. Das kann aber ziemlich emotional werden. «Der Rollstuhlfahrer ist zum ersten Mal zu Hause und muss sich der Situation stellen», erzählt Dominik. Oft gehe das gut, aber es gebe auch Momente, wo man spüre, dass sich entweder die Familienangehörigen oder der Patient selber noch gar nicht richtig mit dem Ganzen auseinandergesetzt haben. «Sie merken erst jetzt, was auf sie zukommt und man spürt förmlich all die Fragen, die sie sich stellen.» Die Familienangehörigen seien sich manchmal nicht sicher, ob sie der Situation gewachsen seien, ob sie sich der Herausforderung stellen wollen und können. Das werde zwar 13 · Paracontact 4/2016

Die Ansprüche an einen Umbau sind sehr unterschiedlich. «Es ist nicht dasselbe, ob der Betroffene zwischen 17 und 20 Jahre alt ist oder z. B. Familienvater.» Bei den Jungen stelle sich die Frage, wie lange sie allenfalls noch zu Hause bleiben, das aber direkt anzusprechen in diesem Moment sei sehr heikel. «Bei einem Familienvater ist es meist ziemlich klar, er will wenn möglich nicht umziehen, um nicht noch mehr Veränderungen zu verursachen.» Daneben gibt es Aufträge von Kunden, welche schon lange im Rollstuhl sitzen und zum Zeitpunkt ihres Unfalls kaum Umbauten vor­genommen hatten. «Das ZHB gibts ja erst seit 1996. Jetzt, wo sie langsam ins Alter kommen und die Kräfte nachlassen, brauchen auch sie gewisse Anpassungen. Das ist aber sehr viel einfacher, sie wissen, was sie wollen.» Ja, Dominik ist viel unterwegs, darum hat er wohl auch keine wirklich bekannten Eigenheiten, wie das bei den ­vorangehend vorgestellten Mitarbeitenden der Fall war. Höchstens, dass wenn er mal in Muhen sei, die Kollegen sagen: «Ach, du bist auch wieder mal da.» Er sei halt ein bisschen ein Exot. Gabi Bucher

Aus der Vereinigung

Was wir alles machen


Aus der Vereinigung

Vereinbarung

mit der Universität Lausanne Im August 2016 hat Rollstuhlsport Schweiz eine erste Vereinbarung mit dem Institut für Sportwissenschaften der Universität Lausanne unterzeichnet. Diese Part­ nerschaft bietet neue positive Perspektiven für beide Seiten. Die Universität Lausanne (UNIL) bietet den Studenten der Sportwissenschaften einen Master in «Activité Physique Adap­tée et Santé» (APAS) an. Dieser Lehrgang richtet sich an alle, die Personen ausbilden, die momentan oder chronisch eine körperliche Behinderung haben, oder die in der Rehabilitation, der Prävention oder der Trainingsvorberei­ tung arbeiten. Die Vorstellung der verschiedenen Strukturen des Schweizer Sportwesens ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung, damit die Studenten verstehen, was heute effektiv angeboten wird. Der SPV-Bereich Rollstuhlsport Schweiz (RSS) vertritt eine grosse Anzahl von Sportarten, sowohl auf dem Niveau Leistungs- wie auch Breitensport. Aus diesem Grund ist es der SPV wichtig, dass die künftigen Fachleute des APAS-Fachbereiches den Dachverband und seine Angebote kennen.

Die Anerkennungsanforderungen sind folgende: – Die Studierenden müssen an zwei praktischen Kursen (in der Sporthalle) im Bereich Rollstuhlsport teilnehmen und die Rollstuhlhandhabung verstehen. – Sie müssen die Prüfung des Kurses «Activités physiques adaptées: déficits moteurs, mentaux, sensoriels» bestehen. Beim letzten Kurs werden auch die Fähigkeiten und die körperlichen, mentalen und sensorischen Einschränkungen bei Querschnittgelähmten, bei Menschen mit Spina bifida und Multiple Sklerose oder einer traumati­ schen oder nicht traumatischen Rückenmarksverletzung behandelt. Die Studenten erhalten zudem Basiskenntnisse darüber, wie körperliche Aktivitäten für Personen geplant werden können, die durch die verschiedenen Läh­ mungen betroffen sind. – Sie müssen an zwei obligatorischen Kursteilen teilnehmen, in denen sich die SPV und insbesondere der Bereich Rollstuhlsport Schweiz vorstellt. Dieser letzte Punkt erlaubt es der SPV, die Bekanntheit bei den zukünftigen Fachleuten zu erhöhen und diese zu motivieren, neue Angebote im Bereich Rollstuhlsport in der französischen Schweiz zu entwickeln. In der Tat wird die Vorstellung der regionalen Clubs ein wichtiger Punkt dieses Unterrichts sein. Die SPV ist bestrebt, die Präsenz in der Westschweiz zum Wohl der Querschnittgelähmten auszubauen. Diese Partnerschaft ist dabei ein wichtiger Meilenstein.

n Austausch mit Fachleuten

n Für Körper, Seele und Geist Ruedi Spitzli, Bereichsleiter Rollstuhlsport Schweiz, hat klare Visionen: «Sport ist gerade für Menschen mit Einschrän­ kungen eine Bereicherung für Körper, Geist und Seele. Zudem wird hier oft eine unkomplizierte Integration vollzogen, was unserer Mission entspricht. Wir erhoffen uns von der Partnerschaft zudem Kontakte zu zukünftigen Kursleitern und neue Impulse für unsere Sportangebote.» Durch diese Vereinbarung erteilt die SPV den Studenten, die aktiv an bestimmten Kursen der Universität teilgenom­ men haben, die Anerkennung für das Basismodul ge­mäss der Struktur der RSS-Ausbildungen. 14 · Paracontact 4/2016

Auf der anderen Seite profitiert die Universität Lausanne, indem sie auf die langjährige Erfahrung der SPV im Bereich der Ausbildung von Kursleitern zurückgreifen kann. Diese externen Kompetenzen garantieren, dass die Universität ih­ ren Lehrgang rasch auf einem hohen Niveau ausbauen kann. Die Anwesenheit von Vertretern mehrerer Schweizer Behindertensportverbände erlaubt es den Studenten, sich ein Netzwerk in der Berufswelt aufzubauen. Anne Marcellini, Koordinatorin des APAS-Masters der UNIL, ist überzeugt: «Dank der Partnerschaft erhalten unsere Studierenden ­einen Einblick in den Rollstuhlsport und die spezifischen Bedürfnisse von Menschen im Rollstuhl. Die Austausch­ möglichkeit mit Schweizer Fachleuten dieses Gebiets ist für uns ein wichtiges Thema während der Ausbildung.» Die Zusammenarbeit erlaubt es der Universität wie auch Rollstuhlsport Schweiz, ihre Angebote weiterzuentwickeln und stellt damit eine Win-win-Situation für beide Seiten dar. Tamara Strasser


aus Sicherheitsgründen Menschen im Rollstuhl wird manchmal der Zugang zu Restaurants oder Kinos verweigert, was oft mit Sicherheitsrisiken begründet wird. So werden sie vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Was sagt das Behindertengleichstellungsrecht dazu? Es folgen Erklärungen anhand eines Fallbeispiels. Martin hat Feierabend und freut sich auf den gemeinsamen Abend mit seiner Freundin. Nach dem geplanten Apéro in einer Bar steht ein Kinobesuch auf dem Programm. Doch die Freude währt nur kurz: In der Bar wird Martin gar nicht erst zugelassen, obwohl sie rollstuhlgängig ist. Der Inhaber begründet das Verbot mit Sicherheitsrisiken, die wegen Martins Rollstuhl vorhanden sind. Ähnliches widerfährt ihm im Kino: Die Kassiererin weigert sich, Martin ein Billett zu verkaufen. Sie weist auf die wenigen Treppen hin, die er bis zum Kinosaal überbrücken müsste. In einem Brandfall würde Martin voraussichtlich stecken bleiben, und das könne der Kinosaalbetreiber nicht verantworten.

n Die Schweiz erfüllt Anforderungen

der UNO-Konvention nicht

Haben die Kino- und Barbetreiber gesetzeskonform gehandelt? In der Schweiz ist seit 2014 die UNO-Behindertenrechtskonvention (UNO-BRK) in Kraft. Sie verlangt, dass alle Menschen mit Behinderungen selbstständig und gleichberechtigt an der Gesellschaft teilnehmen können. Dazu gehört auch der Zugang zu öffentlich zugänglichen Dienstleistungen von Privaten, eben beispielsweise eine Bar oder ein Kino. Martin wurde zweimal der Zugang aufgrund seiner Behinderung verweigert. Würde er vor Gericht gehen, wären seine Erfolgsaussichten dennoch gering, da die Barund Kinobetreiber auf Sicherheitsbedenken verweisen können. Die Rechtsprechung sagt also, dass die Unternehmer gesetzeskonform gehandelt haben. Dies zeigt auf, dass das Behindertengleichstellungsrecht Menschen mit Behinderungen nur ungenügend schützt. Die internationalen Anforderungen der UNO-BRK erfüllt die Schweiz in diesem Bereich somit keineswegs. Die Schweizer Gesetze schützen Menschen mit Behinderungen im Fall von Dienstleistungsverweigerungen durch Private nur dann gegen Diskriminierung, wenn sie beson-

ders krass benachteiligt, herabwürdigend behandelt oder ausgegrenzt werden. Dies ist nicht der Fall, wenn Sicherheitsbedenken geltend gemacht werden. Eine gesetzliche Diskriminierung läge vor, wenn die Bar- oder Kinobetreiber gesagt hätten, sie wollen keine Rollstühle in den Gebäuden, z. B. weil sie stören oder nicht ins Bild passen. Aber selbst bei einer derartigen Diskriminierung hat die betroffene Person höchstens das Recht, eine Entschädigung von maximal 5000 Franken zu verlangen. Und die Betreiber wären nicht verpflichtet, etwas an ihrem Verhalten zu ändern. Das Bundesgericht hat seit 2004, als das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) in Kraft getreten ist, erst in einem Fall geurteilt: Es hat die Klage eines Rollstuhlfahrers, welchem – wie Martin – aus Sicherheitsgründen der Zugang zum Kino verweigert worden war, abgewiesen. Die Sorge um die Sicherheit sei nachvollziehbar und nicht diskriminierend. Dem Betreiber ginge es um die berechtigte Angst vor den Vorwürfen der Familienangehörigen, falls etwas passieren würde. Das Bundesgericht hat die Sicherheitsbedenken über die persönliche Freiheit des Rollstuhlfahrers gestellt.

n Inclusion Handicap hofft auf

Besserung durch Behindertenpolitik

Die aktuelle Situation ist höchst unbefriedigend. Dies hat auch der Bund realisiert, er bezeichnet die Rechtslage als ungenügend. Dies geht zum einen aus der Evaluation des BehiG von Ende 2015, zum anderen aus dem Initialstaatenbericht der Schweiz hervor, in dem die Schweiz im Juni 2016 bei der UNO Rechenschaft über die Umsetzung der UNO-BRK ablegen musste. Inclusion Handicap, der Dachverband der Behindertenorganisationen, bei dem auch die SPV Mitglied ist, setzt sich für die allgemeine Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen ein. In einer umfangreichen Bestandesaufnahme, die auch auf www.inclusion-handicap.ch einsehbar ist, fordert der Dachverband unter anderem einen verstärkten Schutz. Auf politischer Ebene setzt er sich im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Behindertenpolitik für die Interessen der Menschen mit Behinderungen ein – denn diese werden nicht genügend berücksichtigt. Das Recht auf den Besuch einer Bar oder eines Kinos muss jedem Menschen gewährleistet sein. Dr. Caroline Hess-Klein, Inclusion Handicap

15 · Paracontact 4/2016

Aus der Vereinigung

Zutrittsverbot


Aus der Vereinigung

SPV gewinnt

Swiss Arbeitgeber Award Die SPV hat sich 2016 dem Swiss Arbeitgeber Award, der grössten Schweizer Mitarbeiterbefragung, gestellt. Alle Mitarbeitenden wurden zu zentralen Aspekten ihrer Arbeitssituation, ihrer Arbeitszufriedenheit und ihres Commitments befragt. Das hervorragende Ergeb­ nis zeigt, dass sich das Konzept der wertschätzenden Führung und die Umsetzung von modernen Managementphilosophien bewährt. Zum 16. Mal wurde der Swiss Arbeitgeber Award verliehen. Die SPV holte sich in der Kategorie «Kleine Unternehmen» den ersten Rang. Die wahren Experten – sprich die Mitarbeitenden – haben entschieden, wer in der Schweiz gute Arbeitsbedingungen bietet, wer seine Mitarbeitenden auf dem Weg zur Exzellenz unterstützt und wer es schafft, sein Team für Veränderungen zu begeistern. Wie engagiert die SPV ist, zeigt schon die Rücklaufquote für diese Umfrage von 91%.

tur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und auf Offenheit basiert. Sie attestierten zudem der Geschäftsleitung, dass sie rasch und transparent informiert und die Unternehmenswerte im Geschäftsalltag vorlebt.

n Bestnoten Es überrascht daher nicht, dass 91 % der Befragten die SPV als sehr attraktiven Arbeitgeber bezeichnen. 97 % empfeh­ len die SPV in ihrem Umfeld als Arbeitgeber weiter und 96 % gelten als «echte Zufriedene», die sich gerne und oft konstruktiv einbringen. Sehr hoch ist auch die allgemeine Zufriedenheit und diejenige mit der Geschäftsleitung. Das führt zu einem Commitment von mehr als 90 %. Gemäss icommit, das die Umfrage durchführte, ist das ein wichtiges Indiz, dass das Team gut mit Veränderungen umgehen kann und weiss, wie auf die Kundenbedürfnisse effizient und umfassend eingegangen wird. Ein Spitzenergebnis, auf das nicht nur die Geschäftsleitung, sondern die gesamte Belegschaft stolz ist. Die Schweizer Paraplegiker-Gruppe, die separat an der Umfrage teilgenommen hat, durfte sich über den guten 4. Platz in der Kategorie der grossen Unternehmen freuen.

n Ein weiterer Meilenstein

Da bei dieser Auszeichnung allein das Urteil der Mitar­ beitenden zählt, freut sich SPV-Direktor Thomas Troger beson­ders über die Anerkennung: «Wir haben in den letzten beiden Jahrzehnten ein umfassendes und pragmatisches Füh­rungsmodell und Qualitätsmanagement aufgebaut und verankert. Dieses gibt uns verlässliche Leitplanken nicht nur für Unternehmensführung, Strategie und Prozesse vor, son­ dern hilft uns, die Menschen in unserer Organisation zu Bestleistungen zu motivieren. Wir bauen dabei auf das Konzept der wertschätzenden Führung, das Führungskräf­te anleitet, ein Umfeld zu schaffen, in dem nicht nur sie, sondern das gesamte Team hervorragende Leistungen erbringen kann. Anders ausgedrückt heisst das Effizienz durch Wertschätzung.» Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass die Mitarbeitenden die vorhandenen klaren Strukturen und Vorgaben sowie die grosse Eigenverantwortung und den Freiraum schätzen. Sie anerkennen die Unternehmenskul16 · Paracontact 4/2016

Anfang dieses Jahres hatte sich die SPV bereits dem he­ rausfordernden Assessment der EFQM (European Foun­­­da­tion for Quality Management) gestellt. Auch das mit grossem Erfolg. Die SPV hat die 500er-Grenze klar überschrit­ ten und darf die Bezeichnung «Recognised for Excellence 5 star – R4E 5 star» führen. Mit dem Ergebnis findet sich die SPV auch hier unter den besten 8% der in der Schweiz ausgezeichneten Unternehmen wieder. Die Geschäftsleitung sieht einen Zusammenhang zwischen den beiden Topergeb­ nissen. Mitarbeitende erbringen tagtäglich hohe Qualität und engagieren sich überdurchschnittlich, wenn die Aner­ kennung stimmt und die Rahmenbedingungen die richtigen sind. Vertrauen und gute Prozesse sind dazu gleichermassen nötig. Die beiden Benchmarks zeigen, dass die SPV auf gutem Weg ist, zu den besten Unternehmen zu gehören. Evelyn Schmid

Recognised for excellence 5 star - 2016


Wer kann da widerstehen? Das Rezept der bekannten Original-Luxemburgerli ist streng geheim. Unser diesjähriges Weihnachtsrezept, feine Schoko-Macarons, kommen dem Original aber erstaunlich nah. Vielleicht ist die Zubereitung für dieses Mal ein bisschen zeitaufwändiger, aber doch viel einfacher als man denkt. Die Ah’s und Oh’s sind Ihnen sicher und es wird kein Stück dieser feinen Köstlichkeit übrig bleiben …

Macarons Die Eiweisse mit ganz wenig Salz sehr steif schlagen. Mandeln, Puderzucker und Kakaopulver gut vermischen und ganz sorgfältig unter den Eischnee ziehen. Die Masse in einen Einweg-Spritzsack geben, eine Spitze wegschneiden und ca. 70 kleine Macarons auf zwei Bleche geben. Backtrennpapier nicht vergessen oder eine spezielle MacaronBackmatte verwenden (im Fachgeschäft erhältlich).

n Zutaten

Mindestens 30 Minuten bei Raumtemperatur antrocknen lassen. Dann bei 140 °C mit Umluft etwa 15 bis 17 Minuten in der Mitte des Ofens backen.

Macarons 3 Eiweisse 100 g gemahlene Mandeln 160 g Puderzucker 13 g Kakaopulver (ungezuckert)

Die Macarons auskühlen lassen. Da sie leicht brechen, sorgfältig mit einem Messer vom Backpapier lösen.

Füllung 100 g dunkle Tafelschokolade 1 dl Vollrahm Etwas Cognac (nach Belieben)

Die vorbereitete Füllung nach Belieben mit etwas Cognac verfeinern und nochmals geschmeidigrühren, dann die Masse mit einem Buttermesser auf die Hälfte der Macarons verteilen. Ein zweites Stück daraufsetzen und leicht zusammendrücken.

n Zubereitung Füllung vorbereiten Vollrahm kurz aufkochen, die Schokolade klein hacken und beigeben, nicht mehr kochen, sondern unter Rühren schmelzen lassen (nicht schaumig schlagen). Die Masse mit Küchenfolie abdecken und möglichst über Nacht bei Raumtemperatur ruhen lassen.

17 · Paracontact 4/2016

Die fertigen Macarons in einer Blechdose aufbewahren und kühl stellen. Ganz frisch genossen (innert ein bis zwei Tagen) sind sie am allerbesten! Tina Achermann

Das Team der Schweizer ParaplegikerVereinigung wünscht Ihnen, Ihren Familien, Freunden und Bekannten schöne Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr.

Aus der Vereinigung

Schoko-Luxemburgerli


Leichtrollstühle · Senioren-Rollstühle Rollstuhl-Schiebehilfen · Elektrorollstühle · Gehhilfen/Rollatoren Bewegungstrainer · Elektroscooter Dusch- und Badehilfen · Pflegebett

Informieren Sie sich über unsere neuen Ferienangebote auf www.spv.ch

Professionelle Hilfsmittelberatung bei uns, in der Klinik oder bei Ihnen zu Hause.

Zofingen · Tel 062 751 43 33 Baden-Dättwil · Tel 056 493 04 70 www.reha-hilfen.ch

Ankuppeln und losfahren...

Probefahrt: www.swisstrac.ch

Blasenentzündung ade! FEMANNOSE® – zur Akutbehandlung & Vorbeugung

Ohne Resistenzbildung mit sehr guter Verträglichkeit Fruchtiger Geschmack ohne Zusatz von Zucker Natürlich, vegan frei von Gluten, Laktose & Konservierungsmittel

Erhältlich in Apotheken & Drogerien Medizinprodukt CE 0426 | Bitte lesen Sie die Packungsbeilage. Melisana AG, 8004 Zürich, www.femannose.ch Förderkreis-Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Blasenschwäche

18 · Paracontact 4/2016


dort, wo alles begann Kriens ist zwar nicht der Nabel der Welt, aber wenn es um diesen Vorort von Luzern und den Rollstuhlsport geht, darf man grosse Worte in den Mund nehmen. Als Mekka der Rollstuhlfahrer wurde Kriens in den 70er- und 80er-Jahren immer wieder bezeichnet. Und das nicht zu unrecht.

Gestalt der Zentralschweizer Paralympics-Medaillenan­wär­ ter – sprich Manuela Schär, Marcel Hug und Beat Bösch – anwesend war. Was 1966 begann, wird morgen weitergeführt. Der RCZS ist nach wie vor eine «Talentschmiede» in zahlreichen Sportdisziplinen.

n Zentralfest Aber immer der Reihe nach. 1966 gründeten fünf dem Roll­ ­stuhlsport verbundene Zentralschweizer den ersten Rollstuhlclub der Schweiz. Es waren Ernst Michel, Werner Wal­dispühl, Hanne Müller, André Deville und Toni Lustenberger, die den damals noch Rollstuhlclub Kriens genannten RC Zentralschweiz (RCZS) prägten. In der kleinen Turnhalle Gabeldingen organisierten sie die ersten Trainings­ stunden, bis 1971 die Gemeinde dem Club einen eige­nen Trainingsraum im Krauerschulhaus zur Verfügung stellte. 1973 führten die Krienser die erste Rollstuhl-SchweizerMeisterschaft durch und von 1967 bis 1995 gab es die legen­ ­dären Sporttreffen. Darüber und über viele andere berührende Begegnungen sprachen die Gäste am Jubiläumsfest und am Zentralfest.

Ehre, wem Ehre gebührt! Mehr als 400 Gäste, so viele wie schon seit Langem nicht mehr, folgten der Einladung des RCZS und der SPV ans Zentralfest. Bei schönstem Sonnenschein genossen die Gäste einen von «Geislechlöpfern» laut­stark begleiteten Aperitif vor der Krauerhalle. Beim vielgelobten Mittagessen (Catering SPZ) intrigierten dann maskierte Wöschwiiber, Bärnerwiiber, Krienser Deckel und andere «schaurige» Gestalten einer Maskengruppierung aus Kriens. Wem es noch nicht feucht-fröhlich genug war, erhielt einen zünftigen Schnaps oder – wenn er Glück hatte – einen Blick unter einen der mit Spitzen versehenen Röcke. Weitere Höhepunkte waren die musikalischen Einlagen der BOUR­BON STREET Jazz Band. Auch der ehemalige Präsident des RCZS, Urs Bucher, brachte dem Club ein Ständchen. Der begnadete Klarinettist spielte nicht nur beim «Happy Birthday» mit, sondern gleich bei einer Reihe von Musikstücken.

Am Freitag, 19. August, ging es familiär und unkompliziert zu und her, am Samstag festlich und gediegen. So war es auch geplant. Der Einladung zum Jubiläumsanlass folgten nicht nur die Mitglieder des RCZS, sondern auch viele bekannte Gesichter aus Politik, Sport und Wirtschaft. Der Gemeinderat von Kriens war beinahe vollständig anwesend und auch der Präsident des Einwohnerrates liess sich diesen Abend nicht entgehen. Eingeladen waren aber auch all die Personen, die seit Jahrzehnten den Club mit Freiwil­ ligenarbeit unterstützen. Anekdoten und Erinnerungen wur­ den ausgetauscht. Es wurde gelacht, gegessen, geplaudert und debattiert. Unkompliziert verpflegte man sich mit Risotto und Würsten vom Grill, trank ein Glas Wein auf die guten alten Zeiten und freute sich auf die «Zukunft», die in 19 · Paracontact 4/2016

Wer seine Jungmannschaft mitgebracht hatte, konnte sich zurücklehnen, denn die Kinder waren beschäftigt mit Roll­ stuhlparcours, Tischtennis und Basketball-Werfen. Schmun­ zeln mussten viele beim Betrachten von Manuela Schärs erstem Rennrollstuhl, der eines der Highlights der Sportgeräteausstellung darstellte. Man sah, dass dieser von ei­nem begnadeten Tüftler als Einzelanfertigung gebaut worden war. Ein kleiner Wehmutstropfen waren die vielen leeren Tische beim Mittagessen. Obs am (zu) guten Wetter lag? Oder ob viele Leute nach dem Apéro satt waren? Schade, dass so viele Mittagessen ungegessen in die Küche zurückgingen. Zum Glück waren die, die blieben, guter Stimmung und viel zu schnell war der Nachmittag vorbei. Ein herzliches Dankeschön bleibt noch auszusprechen den beiden OKPräsidenten Heinz Steger und Sepp Odermatt für die tolle Organisation eines Festwochenendes, das noch lange in Erinnerung bleibt. Evelyn Schmid

Aus der Vereinigung

Festwochenende –


Rechtsberatung

«Das kann doch nicht sein»…

… meinte eine mal verärgert, mal verzweifelt klingen­de Stimme am anderen Ende der Telefonleitung. «Nein», erwiderte ich, dass kann wirklich nicht sein und schob aber umgehend nach, dass das Gesetz dieses Vorgehen bisweilen so vorsehe. Der vorliegende Artikel erzählt die Geschichte von Frau X. Eine Geschichte, wel­ che schon einige SPV-Mitglieder erlebt haben dürften. Der vorliegende Artikel handelt aber auch davon, dass diese Geschichte in Bälde wohl umgeschrieben werden muss. Frau X erzählt mir, dass sie vor Jahren einen schweren Unfall erlitten habe. Seither sei sie komplette Paraplegikerin. Trotz dieses schweren Schicksalsschlages habe sie den Mut aber nie verloren. Sie habe immer gearbeitet und sich dabei sogar noch weitergebildet. Weil sie aufgrund ihrer Behinderung kein volles Arbeitspensum mehr habe bekleiden können, habe ihr die Invalidenversicherung zuletzt eine hal­be IV-Rente zugesprochen. Auch privat habe sie nach dem Unfall wieder Tritt im Leben gefunden und geheiratet. Vor zwei Jahren seien sie und ihr Ehemann zum ersten Mal

bis rund einen Monat nach dem Gespräch das Unvorstellbare eingetroffen sei. Die Invalidenversicherung habe ihr mitgeteilt, dass ihr Invaliditätsgrad von 56 % auf 22 % herabgesetzt und ihre Rente ab sofort aufgehoben werde.

n Was ist passiert? Diese Frage darf man sich getrost stellen. Auf den ersten Blick besteht kein nachvollziehbarer Anlass dafür, die IVRente von Frau X per sofort aufzuheben. Ihre Behinderung ist nach wie vor die gleiche. Ihr Gesundheitszustand hat sich ebenso wenig verändert, geschweige denn verbessert. Auch ihre Arbeitsfähigkeit ist unverändert. Das einzige, was sich im Leben von Frau X verändert hat, ist die Tatsache, dass sie Mutter geworden ist. Genau hierin sieht die Invalidenversicherung ihre Berechtigung, von Amtes wegen eine Revi­ sion der Invalidenrente durchzuführen und sogar aufzuhe­ ben. Die Mechanismen, die hinter diesem Vorgehen wirken, sind komplex und erfordern juristische Kenntnisse. Diese Kenntnisse sollen nachfolgend in der gebotenen Kürze dargelegt werden.

n Der juristische Hintergrund Die Höhe der Invalidenrente wird bekanntlich nach dem Grad der Invalidität (sog. Invaliditätsgrad) abgestuft. Für die Be­ stimmung des IV-Grades wird das Einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der ren­ ten­begründende Invaliditätsgrad bemisst sich demnach an­ hand eines Einkommensvergleichs. Beispiel: Ohne Behinderung verdient eine versicherte Person CHF 100 000.– pro Jahr. Mit der Behinderung kann sie nur noch CHF 40 000.– pro Jahr verdienen. Die behinderungs­ bedingte Erwerbseinbusse beträgt CHF 60 000.–, womit die Person einen Invaliditätsgrad von 60 % aufweist.

Eltern geworden. Nach der Geburt des Kindes habe es nicht lange gedauert, bis sich die Invalidenversicherung bei ihr gemeldet habe. Man müsse ihren Rentenanspruch überprüfen, habe es geheissen. Kurze Zeit später sei auch schon eine Abklärungsfachperson unter der Tür gestanden. Im anschlies­ senden Gespräch mit der Abklärungsfachperson habe ihr diese zahlreiche Fragen gestellt. Die Abklärungsfachperson sei zwar nett gewesen, ihre Fragen hätten aber schon etwas irritiert. Sie habe sich dabei nichts Weiteres gedacht, 20 · Paracontact 4/2016

Ist jemand im Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität nicht er­werbstätig, kann dessen IV-Grad mangels eines Einkommens nicht anhand des Einkommensvergleichs bemessen werden. In einem solchen Fall wird für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass die betroffene Person eingeschränkt ist, sich im sog. Aufgabenbereich (Haushalt) zu betätigen (Betätigungsvergleich). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind und sich zum anderen Teil im Aufgabenbereich betätigen, ist deren IV-Grad in beiden Bereichen zu bemessen. Dabei wird der IV-Grad für den Erwerbsbereich anhand eines Einkom­ mens­vergleichs und jener für den Aufgabenbereich mit-


Rechtsberatung tels des Betätigungsvergleichs bemessen. Die beiden so berechneten IV-Grade werden im Verhältnis ihrer Gewichtung zusammengezählt, woraus der effektive IV-Grad resultiert. Beispiel: Vor dem Eintritt der Invalidität arbeitete eine ver­ sicherte Person 50 % und betätigte sich im Umfang der übrigen 50 % im Aufgabenbereich. Einkommensbereich und Aufgabenbereich werden damit zu je 50 % gewichtet. Ohne Invalidität erzielte die versicherte Person ein Einkommen von CHF 50 000.– pro Jahr. Nach dem Eintritt der Invalidität kann sie nur noch CHF 20 000.– pro Jahr verdienen. Im Aufgabenbereich kann sie sich noch zu 30 % betätigen. Im Erwerbsbereich resultiert somit ein IV-Grad von 60 % (Lohneinbusse von CHF 30 000.–), während im Aufgabenbereich ein IV-Grad von 20 % resultiert. Bei einer Gewichtung der beiden Bereiche bzw. der beiden IV-Grade zu je 50 % beläuft sich der effektive IV-Grad auf 40 % (½ von 60 % aus dem Erwerbs- plus ½ von 20 % aus dem Aufgabenbe­ reich). Ändert sich der IV-Grad einer Rentenbezügerin/eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet sind, den IV-Grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen wie z. B. eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands oder eine Verbes­ se­rung der Arbeitsfähigkeit. Ein Revisionsgrund liegt u. U. auch dann vor, wenn eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt.

n Wenn Hypothesen

zur Rentenaufhebung führen

Zurück zu Frau X, der nach wie vor die Aufhebung ihrer IV-­ Rente droht. Um zu verstehen, wie es dazu kommen kann, müssen wir die Sichtweise der IV einnehmen. Diese ging bis zur Geburt des Kindes davon aus, dass Frau X ohne Behin­ derung stets zu 100 % gearbeitet hätte. Ergo berechnete sie den IV-Grad von Frau X jeweils anhand eines reinen Ein­ kommensvergleichs. Die Krux liegt nun darin, dass die IV mit der Geburt des Kindes ihre Sichtweise ändert, was sie Frau X jedoch nicht offenlegt. Stattdessen unterbreitet sie Frau X anlässlich des Gesprächs mit der Abklärungsfachperson folgende Frage: «Wenn Sie heute nicht behindert wären und Mutter geworden wären, würden sie weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen bzw. diese allenfalls reduzieren?» Ohne dass es Frau X bemerkt, beantwortet sie in diesem Moment eine Frage von grösster Tragweite. 21 · Paracontact 4/2016

Kann die IV die Antwort von Frau X auch nur ansatzweise dahingehend deuten, dass Frau X nach der Geburt des Kindes und ohne behindert zu sein ihre Erwerbstätigkeit redu­ ziert hätte, wird es ernst. Ab sofort ändert die IV ihre bisherige Sichtweise und geht nunmehr davon aus, dass Frau X ohne Behinderung zum einen gearbeitet und sich zum anderen im Aufgabenbereich betätigt hätte. Hierin erblickt die IV einen zulässigen Grund zur Rentenrevision, weil der IV-Grad von Frau X ab sofort mittels der gemischten Methode zu berechnen ist und damit eine andere Art der Bemessung der Invalidität zur Anwendung gelangt. Der IV-Grad von Frau X bemisst sich inskünftig nicht mehr nur anhand eines Einkommensvergleichs, sondern auch an­ hand eines Betätigungsvergleichs. Problematisch erweist sich dabei die Tatsache, dass die IVGrade im Aufgabenbereich in aller Regel eher tief ausfallen. Dies insbesondere deshalb, weil die IV den Rollstuhlfahrerin­ nen und -fahrern im Aufgabenbereich entweder mehr zumuten, als sie zu leisten in der Lage sind oder über die Scha­ denminderungspflicht den Ehegatten bzw. Wohnpartner in die Pflicht nehmen. Kommt dazu, dass bedingt durch die gemischte Methode auch der IV-Grad im Erwerbsbereich schrumpft, was insgesamt zu einem massiv tieferen Invaliditätsgrad bis hin zur Rentenaufhebung führen kann.

n Kritik aus Biel – und Strassburg Störend an dieser Praxis ist in erster Linie der Umstand, dass die Rentenaufhebung im Grunde genommen auf reinen Hypothesen fusst. Am Anfang steht nämlich die Frage an Frau X, was sie getan hätte, wenn sie ohne Behinderung Mutter geworden wäre. Wie soll Frau X diese Frage beantworten können? Wer weiss schon, wie sein Leben heute aus­ ­sähe, wenn er oder sie damals nicht verunfallt wäre? Doch der wirklich stossende Aspekt ist letzt­­lich der, dass Frau X’ IV-Grad vor der Geburt des Kindes 56 % beträgt und sich nachher, ohne dass sich ihr Ge­sund­heits­­zustand oder ihre Arbeitsfähigkeit verbessert hätte, auf 22 % reduzieren soll. An diesem Ergebnis stösst sich auch der Euro­ pä­ische Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg. In einem kürzlich ergangenen Urteil hält der Gerichtshof fest, dass die Anwendung der gemischten Methode jene in­validen Frauen diskriminiere, welche nach der Geburt eines Kindes ihr Arbeitspensum auf ein Teilzeitpensum r­ edu­zieren. Die Folgen dieses höchstrichterlichen Urteils blei­ben abzuwar­ ten. Frau X kann dies egal sein, denn die Beschwerde des Instituts für Rechtsberatung gegen die Ren­tenauf­he­bung wurde unlängst gutgeheissen. Michael Bütikofer, Rechtsanwalt und Notar


Medizin und Wissenschaft

SwiSCI –

ein Vorbild weltweit? SwiSCI – die Schweizer Studie für Personen mit Rü­ cken­marksverletzungen – dient seit einigen Jahren als Forschungsplattform in der Schweiz. Seit 2010 arbeiten die Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF), die SPV, die vier Schweizer Paraplegiezentren, Arbeitsgrup­ pen an Schweizer Universitäten und eine Reihe von europäischen und internationalen Arbeitsgruppen eng zusammen. 2017 erfolgt in der Schweiz und in 26 wei­ teren Ländern die weltweit grösste Befragung von querschnittgelähmten Personen.

n Ausgangslage und Ziele Bis 2010 gab es keine exakten Angaben zur Anzahl quer­ schnitt­gelähmter Menschen in der Schweiz. Deshalb wurde die grösste umfassende Studie für Personen mit Rückenmarks­ verletzungen (SwiSCI-Studie) gestartet. Die erste SwiSCI-­ Umfrage wurde 2012 mit 1922 Betroffenen durchgeführt. Dank dieser Teilnahme konnte erstmals ein umfassendes Bild der aktuellen Lebenssituation, der Probleme und der offenen Bedürfnisse gezeichnet werden. Ein weiterer entscheidender Aspekt der ganzheitlichen SCI-Forschung ist die Evaluation von neuen Behandlungsansätzen im Sinne der sogenannten «Outcomes»-Forschung. Die Forschung be­ ­urteilt die Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit aus der Perspektive der Betroffenen während der klini­schen Rehabilitation (SwiSCI-Datenerhebung im statio­nären und ambulanten Setting mit Einschluss aller neuen Erstrehabi­ litationsfälle in den vier Schweizer Paraplegiezentren). Ziel ist die Etablierung eines klinischen Qualitätsmanagements mit einem kontinuierlichen Feedbacksystem zu medizini­ schen und psychosozialen Ergebnissen für Ärzte, Therapeu­ ten und Pflege. Im Langzeitverlauf über Jahre wird dies wei­ ­ter­verfolgt in der SwiSCI-Bevölkerungsbefragung. Damit wird die Grundlage für die lebenslange Begleitung und Unterstützung der Betroffenen unter klinischen und bevöl­ kerungs­bezogenen Gesichtspunkten gewährleistet.

n Zweite Umfrage in 2017 2017 wird in der Schweiz die zweite SwiSCI-Umfrage durch­ geführt. Warum ist das notwendig? Die Forschung muss in den Bereichen vertieft werden, wo die Teilnehmer vor fünf Jahren Probleme aufgezeigt haben. Das sind z. B. Begleit­ erkrankungen und ihre Behandlung, die Hilfsmittelver­ sorgung oder die langfristige Arbeitsreintegration. Diese ­Themen müssen im Langzeitverlauf betrachtet werden, um Zusammenhänge zu zeigen und um wirksame Massnamen zu entwickeln. Für die klinische Versorgung und Rehabili­ tation, aber auch für die SPV, ParaHelp sowie Spitex und andere Leistungserbringer ist es damit möglich, Leistungen kontinuierlich zu verbessern und anzupassen. Ebenso sind 22 · Paracontact 4/2016

die Erkenntnisse eine entscheidende Grundlage für Verhand­ lun­gen mit Kostenträgern und für Initiativen in Politik und Gesetzgebung.

n Trends aus der SwiSCI-Studie Es zeigen sich wichtige Trends aus den Datenerhebungen von 1967–2012. Diese Entwicklungen werden in der SwiSCIStudie aus der Erstrehabilitation seit 2013 weiter bestätigt. Exemplarische Resultate sind im Folgenden genannt.

• Das Alter bei Eintritt einer traumatisch bedingten Querschnittlähmung (QL) stieg von im Durch­ schnitt 37 Jahren auf 48 Jahre im Zeitraum von 1967 bis 2012. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei der nicht traumatisch bedingten QL. Hier stieg das Alter von durchschnittlich 48 Jahren im Jahr 1967 auf 62,5 Jahre im Jahr 2012. • Die Ursachen der traumatisch bedingten QL haben sich von 1967 bis 2012 wie folgt ent­wickelt: – Transportbedingte QL: Abnahme von 40 % im Jahr 1967 auf 23 % im Jahr 2012 – Sportbedingte QL: Zunahme von 11% im Jahr 1967 auf 22 % im Jahr 2012 – Sturzbedingte QL: leichte Zunahme von 35 % im Jahr 1967 auf 40 % im Jahr 2012. Diese Entwicklung ist im Wesentlichen auf die älter werdende Bevölkerung zurückzuführen – Andere Ursachen für QL sind ungefähr gleich geblieben bei 13–14 % • Die Anzahl von Tetraplegikern bei einer traumatisch bedingten QL ist von im Durchschnitt 39 % im Jahr 1967 auf 45 % im Jahr 2012 gestiegen. Dies trifft insbesondere auf die Sturzbedingte QL zu. • Die Anzahl von Tetraplegikern bei einer nichttrau­ matisch bedingten QL liegt im Durchschnitt stabil bei 25 %. • Die komplette Läsion nimmt bei einer traumatisch bedingten QL von im Durchschnitt 50 % im Jahr 1967 auf 28 % im Jahr 2012 ab. Dies ist insbeson­ dere auf Stürze bei älteren Menschen zurückzuführen, die oft weniger gravierend sind. • Bei einer nichttraumatisch bedingten QL nimmt die komplette QL im Durchschnitt von 21% im Jahr 1967 auf 12,5 % im Jahr 2012 ab. • 53 % der Querschnittgelähmten sind erwerbstätig. Die Schweiz hat damit eine der höchsten Erwerbstätigenquoten bei QL in Europa.


n Die Welt nutzt die Schweiz als

Re­ferenz: «SwiSCI goes international»

Aufgrund der umfassenden und erfolgreichen Umfrage zur Lebenssituation von Querschnittgelähmten in der Schweiz im Jahr 2012, steht die neue SwiSCI-Befragung im Jahr 2017 nun auch in einem internationalen Rahmen. Nicht nur zum zweiten Mal in der Schweiz, sondern erstmals in mehr als 20 weiteren Ländern werden Daten zur Querschnittläh­ mung gesammelt. Über 10 000 querschnittgelähmte Men­ schen wer­den weltweit zu dieser Umfrage eingeladen. Doch was ist eigentlich das Ziel dieser weltweit durchgeführten Studie (InSCI) und welchen Nutzen hat sie für die Betroffenen? Unter der Schirmherrschaft der WHO wird die SwiSCI-Um­ frage 2017 weltweit gleichzeitig als International Spinal Cord Injury Survey (InSCI) durchgeführt. Da die Schweiz ein inter­ national viel beachtetes Gesundheitssystem hat, soll InSCI

n Weltkarte mit teilnehmenden

Ländern InSCI

zur Verbesserung der Lebenssituation und Lebensqualität von Querschnittgelähmten in sich entwickelnden Ländern beitragen. Für die Schweiz ist es aber auch interessant, sich zu vergleichen und von anderen Gesundheitssystemen zu lernen. Wichtige Ver­­gleichsländer sind zum Beispiel unsere unmittelbaren Nach­barländer sowie Norwegen, die Nieder­ ­lande und Australien.

n Was genau ist InSCI? InSCI ist eine internationale Befragung von Menschen mit einer Rückenmarksverletzung. Sie wird nach dem Vorbild der schweizweiten SwiSCI-Studie durchgeführt. Genau wie in der Schweiz werden Informationen zu Themen wie Gesundheitsversorgung, Lebensbedingungen und Umwelt­fak­ ­toren gesammelt. Die teilnehmenden Länder koordinie­ren die Studie im eigenen Land selbstständig. Die Ges­amtkoor­ di­nation dieser weltweiten Studie und die spätere übergrei­ fende Datenauswertung sowie das Erstellen der Verglei­che auch zwischen den Ländern obliegt der Schweizer Paraple­ giker-Forschung.

n SwiSCI und InSCI unterstützen

eine weltweite Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Global gibt es etwa eine Milliarde Menschen mit Behinde­ rungen. 80 % von ihnen leben in Entwicklungsländern – dort wo Armut und Behinderung einen verhängnisvollen Kreislauf bilden (WHO: World Report on Disability, 2011). Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Sie verabschiedete 2014 einen Aktionsplan zur Ver­ besserung der Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen. So zeigt der «WHO Disability Action Plan 2014 –2021», dass der Zugang zu Gesundheitsdiensten ver­ bessert und die Rehabilitation gestärkt werden müssen. Dazu gehört insbesondere die gemeindenahe Rehabilitation und die Versorgung mit Hilfsmitteln, aber auch die berufli­ che Rehabilitation. Nur über international vergleichbare Daten können Wissen­ schaftler Aussagen darüber treffen, wo und über welche konkreten Mechanismen die Gesundheitsversorgung verbessert werden kann. SwiSCI und InSCI sind Instrumente dieser weltweiten «Bestandsaufnahme». Gemeinsames Ziel ist es, praxistaugliche und nachhaltige Lösungen zu entwi­ ckeln, die auf die spezifischen Bedürfnisse in den Ländern abgestimmt sind.

Mirjam Brach und SwiSCI-Studienzentrum Schweizer Paraplegiker-Forschung, Nottwil 23 · Paracontact 4/2016

Medizin und Wissenschaft

Abschliessende Schätzungen zur Lebenserwartung sind noch nicht verfügbar. Zuverlässige und detaillierte Schätzungen werden bis Ende 2017 vorliegen. Zudem werden die Daten aus der SwiSCI-Studie im Vergleich mit der allgemeinen Be­ völkerung (allgemeinen Schweizer National Kohorte) bezüg­ lich der wichtigsten Todesursachen und mögliche Trends über die letzten 25 Jahre (1990+) untersucht werden können. Daten zu Todesursachen liegen heute in den seltensten Fällen vor.


Auch als Curan Lady erhältlich.

ISK-Katheter mit Einführhilfe – diskret – einfach – zuverlässig

Bestellen Sie unverbindlich Muster: Hühnerhubelstrasse 59 ∙ CH-3123 Belp ∙ Tel. +41 31 818 40 80 ∙ Fax +41 31 818 40 85 www.gribi.ch ∙ info@gribi.ch

GEOR 2015-VELOCE-A5q2.qxp_GEOR 2015-VELOCE-A5q 02.03.15 10:12 Seite 1

DER LEICHTESTE CARBON FALTROLLSTUHL DER WELT.

C A R B O N - T E C H NOL O GI E O H NE M E HR P R EIS Fordern Sie unverbindlich Unterlagen an:

www.gelbart.ch LUZERN ZÜRICH BERN ST.GALLEN SOLOTHURN - BASEL Tel 041 410 57 67 Tel 044 771 29 92 Tel 031 388 89 89 Tel 071 222 63 44 Tel 032 624 11 55 info@gelbart.ch zuerich@gelbart.ch info@ortho-team.ch stgallen@ortho-team.ch solothurn@ortho-team.ch

24 · Paracontact 4/2016


Lebensberatung

Lebensqualität im Alter

Immer mehr Menschen mit einer Querschnittlähmung werden älter. Dies kann dazu führen, dass das Wohnen im angestammten Umfeld schwieriger wird: Einkaufen, Putzen, Kochen, Wäsche beanspruchen Zeit und Energie, die man sich eigentlich für anderes wünscht. Angehörige altern mit und können nicht mehr im glei­ chen Umfang Unterstützung bieten. Seit Anfang 2015 bietet die Schweizer Paraplegiker-Stiftung mit der Koordinationsstelle Alter und Wohnen der ParaHelp AG Lösungen an (siehe Kasten). Ein schweizweites Netzwerk mit Wohnmöglichkeiten für querschnittgelähmte Personen ab ca. 60 Jahren ist im Aufbau. Das Netzwerk Ageing besteht aus Partnerorganisationen, welche hinder­ nisfreie Wohnungen mit oder ohne Services, integrierte oder externe Spitex sowie ein Pflegeheim angegliedert oder in der Nähe anbieten.

n Grundlagenschulung für

Netzwerkpartner Ageing

Mit dem Alter bekommt die passende Pflege eine zunehmende Bedeutung. Eine der Aufgaben der Koordinationsstelle Alter und Wohnen ist es deshalb, den Mitarbeitenden von Partnerorganisationen des Netzwerks Ageing das Wissen in der Pflege querschnittgelähmter Menschen zu vermitteln. Spitex-Organisationen oder Pflegeteams werden vor Ort auf die speziellen pflegerischen Kenntnisse geschult. Dabei geht es um Themen wie Transfer, Lagerung, Blasen-Darm-Mana­gement, Dekubitusvorsorge  … Das Spitex-Team des Zentrums Impuls in Wetzikon kam im Januar und im Mai als erste Partnerorganisation in den Ge­ nuss unserer Ageing-Schulung. Zwei Tage lang haben sich zehn Teilnehmende mit der Querschnittlähmung auseinandergesetzt. Im Aufenthaltsraum der Spitex entstand zwischen dem Team und den Referenten rasch eine vertrauens­ volle Atmosphäre. Nebst den theoretischen Inhalten wurde viel diskutiert, reflektiert, ausgetauscht und Fragen beant­ wortet. Der Patient/Klient lud das Schu­lungsteam sogar ein, Transfer und Lagern direkt bei und mit ihm zu üben. Das Team hat die Schulung sehr geschätzt – die Informationen des Patienten sowie die Praxiseinweisung konnten mit der Theorie verbunden werden und wurden dadurch erklärbar(er). Auch jetzt, ein paar Monate später, wirkt die Schulung nach. «Die Ageing-Schulung durch die Experten hilft uns, Pflegetätigkeiten zu verstehen und im Alltag anzuwenden. Die vermittelten Inhalte können wir täglich ein­ setzen», so Werner Kleinhans, Leiter Gesundheitsdienst im Zentrum Impuls. 25 · Paracontact 4/2016

Die Rückfrage beim Klienten ergab ähnliche Antworten. «Die Pflegenden sind sicherer geworden und geben ihr Wissen einander gegenseitig weiter», meint die Ehefrau des Patienten.

n Wie geht es weiter? Die Koordinationsstelle Alter und Wohnen der ParaHelp AG vermittelt Interessenten ins Netzwerk Ageing. Jede Partnerorganisation, die vermittelte Personen aufnimmt, bekommt eine Grundlagenschulung auf die speziellen pflegerischen Anforderungen. So sollen mit der Zeit in der ganzen Schweiz Kompetenzzentren entstehen. Als Partner der Schweizer Paraplegiker-­ Stiftung übernehmen diese eine Vorreiterrolle zum Thema Alter und Querschnittlähmung.

n Die Koordinationsstelle Alter

und Wohnen der ParaHelp AG

Wir klären mit Ihnen Ihre individuellen Bedürfnis­se und Vorstellungen und suchen mit Ihnen nach Lösung in Ihrer Nähe. Wir verfügen über ein Netzwerk an Partnerinstitutionen in der ganzen Schweiz. Jeder dieser Partner bietet Wohnen mit Dienstleistungen, eine integrierte oder eine externe Spitex und ein Pflegeheim angegliedert oder in der Nähe. Bei Bedarf sind wir bei der Besichtigung dabei und klären mit Ihnen vor Ort notwendige bauliche Anpassungen, Dienstleistungen wie Wohnungsreinigung oder Wäscheservice sowie die finanziellen Aspekte. Auch nach dem Eintritt stehen wir Ihnen für alle Fragen zu Alter und Querschnittlähmung zur Verfügung. Freie Wohnmöglichkeiten publizieren wir auf unserer Plattform Alter und Wohnen: www.parahelp.ch (unter Dienstleistungen/Wohnmöglichkeiten). Koordinationsstelle Alter und Wohnen ParaHelp AG Guido A. Zächstrasse 1, 6207 Nottwil Telefon 041 939 60 60, www.parahelp.ch

Regula Kraft, Koordinatorin Alter und Wohnen


Lebensberatung

Gletti, Akiro, Western …

Tierische Helfer und Therapeuten Tiere wurden über Jahrtausende als niedere Lebensform angesehen und entsprechend behandelt. Dabei vergass die Menschheit, dass wir ohne tierische Helfer vermutlich nie zu dem geworden wären, was wir heute sind. Tiere wurden von Nutz- zu Haustieren, heute wirken sie sogar als «Therapeuten und Assistenten». Der Nutzen von tiergestützten Therapien ist heute unumstritten. Wir müssen nicht nach Florida zu einer Delphintherapie reisen, welche aus Tierschutzgründen sowieso sehr fragwürdig und umstritten ist. Wir müssen auch keine exotischen Tiere anschaffen, denn wir haben in unserem Lebensraum genug Tiere, die als Co-Therapeuten geeignet sind. Pferde, Hunde, Katzen, sogar Ziegen und Schafe können eine positive Wirkung auf uns haben und Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere psychische wie auch physische Gesundheit nehmen. Nebst der bereits wohlbekannten Hippotherapie stellen wir Ihnen hier die pferdegestützte Therapie, die hundegestützte Therapie sowie das Konzept des Assistenzhundes vor.

n Hippotherapie Die Hippotherapie ist eine Art der Physiotherapie mit Hilfe eines Pferdes. Der Betroffene sitzt entweder mit oder ohne Sattel auf dem Rücken des Pferdes. Die Bewegungen des Pferdes werden auf den Betroffenen übertragen. Die Bewegungen des Pferderückens haben lockernde, aber auch kräftigende und anregende Wirkung. Durch den Wechsel zwischen Spannung und Entspannung kann beispielsweise Spastik gelöst, das Gleichgewicht und die Koordination geschult oder schwache Rumpf- und Oberkörpermuskulatur gekräftigt werden. Das Pferd wird dabei von einem Pferdeführer geführt und die Physiotherapeutin stützt den Betroffenen. In der Rehabilitation von Querschnittgelähmten, aber auch bei anderen Behinderungsarten, ist dies eine anerkannte medizinische Behandlungsmethode.

n Weitere Informationen Hippotherapie und tiergestützte Therapie paraplegie.ch/Physiotherapie/Hippotherapie gtta.ch Assistenzhunde lecopain.ch blindenhundeschule.ch/Assistenzhunde

26 · Paracontact 4/2016

n Gletti – der «Heilpädagoge

mit vier Hufen»

In der pferdegestützten Therapie (heilpädagogisches Reiten) steht die Mensch-Tier-Beziehung im Mittelpunkt. Sie kann bei folgenden Behinderungsarten oder Erkrankungen angezeigt sein: – Angststörungen, Verkrampfungen und Verspannungen – Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen – ADS und ADHS/Verhaltensstörungen und Verhaltensauffälligkeiten – Emotionale Entwicklungsstörungen – Psychische oder psychosomatische Störungen – Cerebrale Bewegungsstörungen – Lern- und geistige Behinderung – usw. Durch die individuelle, ganzheitliche Therapieunterstützung mit und auf dem Pferd sollen das Verhalten und das Befinden des Betroffenen positiv beeinflusst werden. Dabei geht es nicht in erster Linie ums Reiten. Es muss eine Beziehung zum Pferd aufgebaut werden. Dies beginnt damit, dass der Betroffene das Pferd aus der Box holt. Bereits hier spiegelt sich das Verhalten der Person in der Reaktion des Pferdes. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Mensch und Tier wird mittels Berühren, Beobachten und Spüren langsam und Schritt für Schritt zusammen mit dem Therapeuten aufgebaut. Dabei merkt der Betroffene – oder der Therapeut zeigt ihm dies auf – dass sich jede Aktion oder jede Kommunikation von Seiten des Betroffenen im Verhalten des Tieres widerspiegelt. Da dies auch in der Mensch/Mensch-Beziehung genau dasselbe ist (beziehungsweise noch komplizierter und schwieriger), lernt der Betroffene im Umgang mit dem Pferd, welche Wirkung er mit welchem Verhalten auslöst. Spricht er laut oder leise, rennt er auf das Pferd zu oder geht er langsam, macht er langsame, weiche Bewegungen oder schnelle und hastige.


Lebensberatung Dabei wird die Selbst­wahrnehmung gestärkt. Bei meinem Besuch in der pferdegestützten Therapie des Schweizer Pa­ raplegiker-Zent­rums Nottwil, auf dem Gutsbetrieb Eyhof, erklärt mir Robert Portmann (Pfer­defachmann und Reitthe­ rapeut) das therapeutische Vorgehen. An einer gut sichtbaren Tafel hat er Symbole ange­bracht, die bildlich und spielerisch dar­stel­len, welche Schritte der Betroffene nach­ einander ausführen soll. Die Therapie beginnt mit der Be­

deln. Die Nähe zum Hund gibt vielen Patienten eine ange­ nehme Ruhe und Entspannung. Mit dem Tier können sie ganz einfach sich selber sein. Anders, ungezwungener als zusammen mit anderen Menschen. Durch den Einsatz von Therapiehunden können unterschied­ liche Defizite verbessert werden. Bei hyperaktiven Personen zum Beispiel kann der Umgang mit dem Hund zu mehr Ruhe führen. Bei motorischen Defiziten kann durch geziel­te Übun­gen und das ungezwungene Spiel mit dem Hund die Motorik verbessert werden. Oder bei sprachlichen Einschränkungen kann das Geben von exakten Befehlen an den Hund helfen, sich gezielter und genauer auszudrücken. Der Hund gibt den Betroffenen Ruhe und Zuneigung, die Möglichkeit für Berührungen und Streicheleinheiten.

n Western, der Assistent

grüssung und Kon­taktaufnahme von «Gletti», so heisst der vierhufige Co-The­rapeut, den er mir vorstellt. Danach folgt die Fellpflege mit der Bürste, dann vielleicht Schweif- und Hufpflege, den Sattel holen, das Pferd satteln und das Zaum­ zeug anlegen, danach das Pferd führen und reiten. Je nach Ausgangssituation und Grunderkrankung werden einzelne Aspekte des Umganges mit dem Pferd besonders betont und gezielt in einem therapeu­tischen Rahmen eingebettet. Das Pferd hilft dabei in jeder Situation, den Kontakt mit «der Welt» wieder aufzubauen. Durch Stärkung von Kör­per­gefühl, Selbstvertrauen, Wahrnehmungsvermögen, Ver­bes­serung von Kontaktfähigkeit, Beweglichkeit, Ko­or­ di­­na­tion und Orientierung finden die Betroffenen neue Mög­ ­lichkei­ten in der Bewältigung ihres Handicaps in einem zwanglosen Umfeld heraus und inte­grieren das Erlebte schrittweise im Alltag. Oftmals ist die tiergestützte Thera­ pie nur ein Teil eines ganzheitlichen Therapie-Settings.

n Akiro, der Therapiehund Goldenretriver «Akiro» ist mit seiner Besitzerin regelmässig zu Besuch im Atelier für Gestaltung im SPZ Nottwil. Der achtjährige Rüde ist ruhig, angstfrei und nervenstark. Kein Wunder, denn schliesslich ist er ja ein ausgebildeter Thera­ piehund. Seine Ankunft zaubert den Anwesenden jeweils sofort ein Lächeln ins Gesicht. Akiro begrüsst freudig alle, die ihn zu sich rufen, und lässt sich dabei kraulen und knud­ 27 · Paracontact 4/2016

Simone ist seit einem Unfall im Jugendalter Tetraplegikerin und vom Halsansatz abwärts gelähmt. Sie war bereits als Kind von Hunden fasziniert und liebte das Herumtollen mit ihnen. Um alleine und so selbstständig wie möglich woh­ ­nen zu können, entschloss sie sich, die Hilfe eines Assistenz­ hundes in Anspruch zu nehmen. Als Begünstigte mit einer körperlichen Behinderung erhielt sie nach intensiver Schulung ihren persönlichen Assistenzhund vom Verein le Copain, welcher Assistenzhunde ausbildet. Durch die Anwesenheit und die Hilfe ihres vierbeinigen Assistenten «Western» ist es ihr heute möglich, alleine in einer angepassten Wohnung zu leben. «Western gibt mir Sicherheit, und wenn mir etwas auf den Boden fällt, ist er sehr aufmerksam, liest es auf und gibt mir dies auf den Schoss. Da meine Arm- und Handfunk­ tionen eingeschränkt sind, wäre es mir sonst nicht möglich, etwas vom Boden aufzuheben und ich wäre immer auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen», ergänzt Simone. Der Assistenzhund ist auch ausgebildet, um Türen aufzumachen und so weiter. Er ist aber grundsätzlich einfach ein treuer Begleiter und Kamerad, der immer dabei ist, sogar bei der Arbeit.

n Fazit Der Nutzen von tiergestützten Therapien und Tieren als CoThe­rapeuten ist heute unumstritten. Leider werden solche alternativen Therapien oftmals von den Sozialversicherun­ gen nicht oder nur teilweise finanziert, so dass sich viele Be­ troffene solche Angebote nicht leisten können. Auch Quer­ ­­schnittgelähmte sollten mehr Möglichkeiten haben – gerade während oder direkt nach der Rehabilitation – solche An­ ge­bote zu nutzen, damit Körper und Geist im Einklang gebracht oder gehalten werden können. Harald Suter


Psssst liebe Männer…

… etwas geniales passiert. Seien Sie der Erste, der entdeckt was entsteht und dem Geheimnis auf die Spur kommt.

Melden Sie sich für einen exklusiven ersten Einblick mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse per E-Mail an consumercare@coloplast.com oder unter der Telefonnummer 0800 777 070.

Coloplast AG, Euro 1, Blegistrasse 1, 6343 Rotkreuz, Tel. 041 799 79 79, Fax 041 799 79 40, swissinfo@coloplast.com, www.coloplast.ch The Coloplast logo is a registered trademark of Coloplast A/S. © [2014-07.] All rights reserved Coloplast A/S, 3050 Humlebæk, Denmark.


SPV-Höck

Seit dem Herbst 2010 bietet das Behindertenforum in Basel einen zweistündigen Stadtrundgang «Stolpersteine – Streifzug Behinderung» an. Interessierte Firmen, Gruppen und Schulen können diesen Stadtrundgang zum Thema Behinderung bzw. deren Stolpersteine im Alltag und in der Stadt buchen und erleben.

Die SPV bietet in der Uniklinik Balgrist, Forchstrasse 340 in Zürich, regelmässig eine Informationsveranstaltung, den sogenannten SPV-Höck, an.

Stolpersteine

Die Führungen werden immer von einer erfahrenen Person, d. h. einer Person mit einer Beeinträchtigung und einer jungen Moderatorin oder einem jungen Moderator geleitet. Während des Rundgangs besteht die Möglichkeit, sich in einen Rollstuhl zu setzen und selber die Erfahrung zu machen, im Rollstuhl einen Kiesweg oder eine steile Rampe zu fahren. Warum sind manche Pflastersteinplätze einfacher zu befahren als andere? Wie erlebe ich das, wenn ich meine Umgebung nur durch einen Tunnelblick, verschwommen oder gar nicht erkennen kann? Das Gefühl erleben, einer anderen Person zu vertrauen, wenn sie einen beim Überqueren einer grossen Kreuzung begleitet, weil man nichts sieht oder mit dem Rollstuhl über die Tramschienen nicht alleine weiterkommt. Es werden auch andere Themen auf diesem Rundgang «gestreift», da es nicht möglich ist, alle Beeinträchtigungen zu thematisieren.

n Offene Runde: Stammtisch Mitarbeiter Lebensberatung SPV Donnerstag, 26. Januar 2017, 16.00 –18.00 Uhr Die Gesprächsgruppe «mit Querschnittlähmung leben» trifft sich monatlich in Balgrist und diskutiert und informiert jeweils zu verschiedenen Themen. Die Gruppe und Interessierte treffen sich im Restaurant der Uniklinik Balgrist. In einer lockeren und unkomplizierten Gesprächsrunde können Erfahrungen und Ideen ausgetauscht werden. Ein Mitarbeiter der Lebensberatung ist anwesend.

n Mobilität – Fahrzeugumbau Mitarbeiter Lebensberatung SPV Montag, 27. Februar 2017, 18.00 –20.00 Uhr Die Planung und Ausführung von Fahrzeugumbauten trägt dazu bei, die Mobilität von Menschen mit einer körperlichen Einschränkung zu verbessern und gibt den Betroffenen ein Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit. Wir geben Ihnen gerne Informationen rund ums Auto und Autofahren sowie hilfreiche Tipps für die Benützung des öffentlichen Verkehrs usw.

n Offene Runde: Stammtisch Mitarbeiter Lebensberatung SPV Donnerstag, 30. März 2017, 16.00 –18.00 Uhr Die Veranstaltung findet im gleichen Rahmen wie jene vom Januar statt! Während des Rundgangs entstehen immer wieder spannende Fragen und Dialoge – die Antworten fallen je nach Beeinträchtigung unterschiedlich aus. Eine Person mit einer Sehbehinderung hat andere Bedürfnisse als eine Person im Rollstuhl, einer Hörbehinderung oder einer psychischen Beeinträchtigung. Wo sind die Stolpersteine wirklich – auf der Strasse, bei den nicht zugänglichen Gebäuden oder sind diese «nur» in den Köpfen vorhanden? Die Führungen werden bei jedem Wetter und ab fünf Personen durchgeführt. Wer sich dafür interessiert und die Stadt Basel einmal anders kennenlernen möchte, findet weitere Informationen auf www.behindertenforum.ch (unter Dienstleistungen, Stolpersteine). Chikha Benallal 29 · Paracontact 4/2016

n Reisen – öffentlicher Verkehr,

Freizeitangebote im Sommer

Mitarbeiter Lebensberatung SPV Montag, 24. April 2017, 18.00 – 20.00 Uhr Reisen für Menschen im Rollstuhl bleibt vielfach eine Herausforderung. Deshalb führen wir ein spezialisiertes Reisebüro und informieren Sie gerne über unsere Dienstleistungen. Sie erhalten wertvolle Informationen, hilfreiche Möglichkeiten zur sinnvollen Freizeitgestaltung und wir beantworten Ihre Fragen, welche zum Thema «Reisen, Mobilität und Behinderung» entstehen. Über die weiteren Themen können Sie sich im nächsten Paracontact oder auf www.spv.ch informieren.

Lebensberatung

Basler


Lebensberatung

Befreiung von der

Wehrpflichtersatzabgabe Das Bundesgesetz über die Wehrpflichtersatzabgabe (WPEG) hält fest, dass Schweizer Bürger mit Wohnsitz in der Schweiz, die ihre Wehrpflicht nicht oder nur teilweise durch persönliche Dienstleistung erfüllen (Militär- oder Zivildienst), eine Ersatzabgabe zu leis­ten haben. Die Bundessteuergesetzgebung legt die Höhe der Ersatzabgabe fest. Diese beträgt zurzeit drei Pro­zent des Reineinkommens. Versicherungsleistungen wie Renten und Taggelder der Unfallund Inva­li­denversicherung, der beruflichen Vorsorge oder der Krankenversicherung wer­den von diesem Reineinkom­men abge­ zogen. Menschen mit einer erheblichen Behinderung können unter gewissen Voraussetzungen von dieser Wehrpflichtersatz­abgabe befreit werden. Jedoch erfüllen nicht alle Betroffe­nen mit einer Behinderung die Voraussetzungen für eine Befreiung der Abgabepflicht. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte stufte dies als diskriminierend ein, wo­rauf der Bundesrat entschied, solchen Personen unter gewissen Um­ ständen zu erlauben, Militärdienst zu leisten, da­mit diese keine Ersatzabgabe bezahlen müssen.

n Befreiung vom Wehrpflichtersatz

wegen einer erheblichen Behinderung

Von der Ersatzpflicht befreit ist, wer im Ersatzjahr – wegen einer erheblichen körperlichen, geistigen oder psy­­chischen Behinderung ein taxpflichtiges Einkommen erzielt, das nach Abzug von Versicherungsleistungen (Tag­ gelder, Renten) sowie behinderungsbedingten Lebenshal­ tungskosten, das betreibungsrechtliche Existenzminimum um nicht mehr als 100 Prozent übersteigt; – wegen einer erheblichen Behinderung als dienstuntauglich gilt sowie eine Rente oder eine Hilflosenentschädigung (HE) der Eidgenössischen Invalidenversicherung oder der Unfallversicherung bezieht; – wegen einer erheblichen Behinderung als dienstuntauglich gilt und keine HE bezieht, aber dennoch eine der zwei mindestens erforderlichen Voraussetzungen für eine HE erfüllt; – dienstuntauglich erklärt oder vom Dienst dispensiert wor­ den ist, weil seine Gesundheit durch den Militär- oder Zivildienst geschädigt wurde. Bezüger einer Rente der Unfallversicherung werden den Be­zügern einer Rente der Invalidenversicherung gleichge­ stellt. Das heisst, eine erhebliche Behinderung liegt dann 30 · Paracontact 4/2016

vor, wenn ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent vorliegt oder eine HE der Unfall- oder Invalidenversicherung verfügt wurde. Erhält eine Person keine Hilflosenentschädigung, wie dies oft bei inkomplett gelähmten Personen, welche nicht dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen sind, vorkommt, gilt es zu klären, ob mindestens eine der zwei Voraussetzungen für eine HE erfüllt ist. Dies bedeutet, eine Person muss in mindestens einer der sechs Lebensverrichtungen (Aufstehen, Absitzen, Abliegen / An- und Auskleiden / Körperpflege / Verrichten der Notdurft / Essen / Fortbewegung im und ausser Haus sowie Kontaktpflege) regelmässig und dauer­haft auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen sein, damit sie von der Ersatzabgabe befreit wird. Bei Bezügern einer IV-Rente oder einer Hilflosenentschädigung der IV sollte die Ersatzbefreiung automatisch erfol­ gen, da die Behörden der Wehrpflichtersatzverwaltung sämtliche Rentner oder Bezüger einer HE melden sollten. Bezüger einer Rente oder HE der Unfallversicherung müssen dies selber melden und die Befreiung der Ersatzabga­be beantragen.

n Militärdienst trotz gesundheitlicher

Beeinträchtigung

Für Personen, die aus medizinischen Gründen dienstuntaug­ lich sind, jedoch der IV-Grad tiefer als 40 Prozent liegt und keinen der zwei Punkte, die für eine Hilflosenentschädigung nötig sind, geltend machen können, gibt es seit dem 1.1.2013 die Möglichkeit, ihren Dienstwillen ausdrücklich schriftlich zu erklären. Sie können dann, nach der Beurtei­ lung durch eine medizinische Untersuchungskommission, als «militärdiensttauglich nur für besondere Funktionen, mit Auflagen» eingestuft und in die Formation «Ausbildung und Support» eingeteilt werden. Rechtlich betrachtet besteht darauf jedoch kein Anspruch. Harald Suter

Quellenangaben – Bundesgesetz über die Wehrpflichtabgabe www.admin.ch (Bundesrecht/systematische Sammlung/WPEG) – Verordnung über den Wehrpflichtersatz www.admin.ch (Bundesrecht/systematische Sammlung/WPEV) – Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer www.admin.ch (Bundesrecht/systematische Sammlung/DBG) – Behindert – was tun? www.proinfirmis.ch (Sie möchten/Behindert – was tun?)


Lebensberatung

Ihre Unterstützung ist unser Auftrag

Sie befinden sich in einer Sackgasse? Sie wissen nicht, an wen Sie sich wenden können? Wir Sozialarbeiter des Bereichs Lebensberatung der SPV haben ein offe­ nes Ohr für Ihre Anliegen und begleiten Sie gerne. Vor etwas mehr als zwei Jahren hatte Grégory (Name geändert) den Eindruck, dass alles um ihn zusammenbrach. Er wusste nicht, wer Verständnis für seine Situation haben könnte und er suchte eine Anlaufstelle und Unterstützung. Er zweifelte an sich selber und das Leben erschien ihm unerträglich. Alles entglitt seiner Kontrolle. Es folgte die Entlassung. Der Weg aus der Arbeitslosigkeit gelang nicht und er verlor den Anspruch auf Arbeitslosen­ entschädigung. In der Folge musste er sich beim Sozialamt seiner Wohngemeinde anmelden. Dieser Gang war für ihn nicht einfach; sein Selbstbewusstsein litt darunter.

n Unsere Intervention Was nun? Wer kann helfen? Grégory war ratlos, weil die Zu­sammenarbeit mit dem Sozialdienst des Dorfes nicht funktionierte. Die Gespräche fanden vor dem Gebäude statt, weil die Zugänglichkeit für einen Rollstuhlfahrer nicht gegeben ist. Ohne Zugang zu den Büros war er auch von wich­ tigen Auskünften ausgeschlossen. Er erhielt zwar Infor­mationen von der Person, die sein Dos­sier betreute, aber er sah nichts Konkretes. Obwohl er sich sehr bemüh­te, kooperativ mitzuarbeiten, vermehrten sich die Rechnungen und die Probleme. Kurz vor Weihnachten wandte er sich an den Bereich Lebensbe­ ratung und wir trafen uns. Dank der Schweizer Paraplegiker-Stif­ tung erhielt er sehr schnell die dringend be­nötigte Finanzhilfe, die er später zurückzahlte, als sich seine Situation wieder stabilisierte. Das war ein Geschenk so kurz vor Weihnachten; und ein gutes Gefühl, um das neue Jahr auf eine etwas leichtere Art in Angriff zu nehmen! In enger Zusammenarbeit mit Grégory vertrat ich seine In­ teressen, um seine Situation mit dem Sozialdienst zu regeln. Ich stellte leider sehr schnell fest, dass die spezifische Betreuung von Personen mit einer Para- oder Tetraplegie nicht von allen Fachleuten der sozialen Arbeit beherrscht wird. Ich musste die Person, die sein Dossier betreut, über die Rechte von Grégory auf die verschiedenen Leistungen 31 · Paracontact 4/2016

«aufklären». Ich arbeitete mit ihr zusammen und die Kompetenzteilung ermöglichte es Grégory, dem Gängelband der Sozialhilfe zu entfliehen. Die auch intern bei der SPV gemachten Abklärungen hatten es Grégory ermöglicht, wieder eine Stelle zu finden. Das Bild, das er heute von sich abgibt, ist dasjenige eines verantwortungsbewussten Menschen, der sich auskennt und der seine Einschränkungen akzeptieren kann. Zudem gab es eine Neubeurteilung seiner Rente, der Hilfslosenentschädigung und der Ergänzungsleistungen (EL). Dazu muss man wissen, dass der Erhalt der EL unter anderem das Recht beinhaltet, Behinderungs- und Krankheitskosten zu­ rückzufordern, die von keiner anderen Versicherung übernommen werden. Ausserdem ermöglicht die EL die Übernahme von Zahnbehandlungen, Pflegekosten, Betreuung und Hilfe zu Hause, zudem des Selbstbehalts und der Franchise bis zu einem Betrag CHF 1000.– jährlich. Wir versuch­ ten ihn bei allen Anfragen zu unterstützen, zu begleiten und ihn zu bestärken. Die verschiedenen Interventionen haben Schlimmeres vermieden und es ihm ermöglicht, sein Selbstbewusstsein wiederzufinden, was natürlich auch sei­ ner neuen Stelle sowie seiner Finanzstabilität zuzuschreiben ist.

n Neue eigene Kompetenzen Nach der mehrere Monate dauernden Begleitung gelang es uns, seine Situation zu stabilisieren. Heute sehen wir uns meist einmal pro Monat für die administrative Unterstützung. Da wir eng zusammengearbeitet haben, entwickelte Grégory eigene Kompetenzen und kann seine administra­ tiven Aufgaben nun mehrheitlich selber wahrnehmen. Zwi­ schen uns gibt es eine echte, auf Vertrauen und Transparenz bauende Zusammenarbeit. Ich ziehe mich bald völlig zurück und überlasse ihm die Verantwortung.

n Der Bereich Lebensberatung Wir Mitarbeitenden der Lebensberatung helfen Ihnen bei Schwierigkeiten zu Hause. Unsere umfassenden Kenntnisse zusammen mit einem spezifischen Leistungsangebot für die verschiedenen Situationen, die ein Mensch mit Querschnittlähmung betreffen können, sind meist eine nicht zu vernachlässigende, wichtige und willkommene Unterstützung. Warten Sie nicht, bis es zu spät ist. Wir sind da für Sie, in Ihrer Nähe, um Sie zu unterstützen und zu beraten, wenn Sie es wünschen. Nadine Willa


TEMPO DUAL/UNISKI

SCARVER

TEMPO DUO GEFÜHRT

Ein ‘’Klick’’ und los…

BLAU SCHWARZ ROT WEISS

SWISS OFFICIAL RETAILER Rottes 8 - 1964 Conthey Tél. +4127 455 06 67 info@defisport.ch


Lebensberatung

Erneuerung

der Begleiterkarte SBB Bahnfahren wird einfacher. Seit Anfang Oktober 2016 kann die neue Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung bei den zuständigen kantonalen Stellen bestellt werden. Sie ist für die Periode 2017 bis 2020 unverändert vier Jahre gültig und wird wie bisher auf Papier herausgegeben. Wer günstig den ÖV benutzen will, kann die neue Begleiterkarten ab 11.12.2016 einsetzen, muss aber ein paar Bedingungen erfüllen: Nur wer in der Schweiz wohnt und auf Begleitung angewiesen ist, kann eine Begleitperson oder einen Blindenführhund oder beides in der gleichen Klasse kostenlos mitnehmen.

Reisende mit einer Behinderung» herunter. Lassen Sie dieses von Ihrem Arzt ausfüllen und unterschreiben. Vergessen Sie bitte nicht, das Attest selber zu unterschreiben und legen Sie ein Passfoto bei. Schicken Sie das Foto und das ausgefüllte ärztliche Attest an die kantonale Stelle gemäss SBB-Webseite.

n Informationen

zum öffentlichen Verkehr

Um von dieser Fahrvergünstigung profitieren zu können, müssen Sie bei der Billettkontrolle die Begleiterkarte zusammen mit einem gültigen Fahrschein (für sich oder die Begleitperson) vorweisen. Für beide Personen und gegebenenfalls den Blindenführhund genügt ein einziger gültiger Fahrschein. Die Begleitperson verpflichtet sich allerdings, der behinderten Person beim Ein- und Aussteigen sowie während der gesamten Reise behilflich zu sein. Die Begleiterkarte ist auf den «Strecken der am direkten Personenverkehr beteiligten schweizerischen Transportunternehmen» gültig.

n Neu auch für Auslandreisen Früher konnte von einer Vergünstigung im Ausland nur profitieren, wenn der Ausweis mit dem Tarifkleber «TCV 710» versehen war. Diese Vergünstigung wird ab dem 11.12.2016 neu auf alle Kunden ausgedehnt, die in der Schweiz Anrecht auf die Begleiterkarte haben, mit dem Zug ins Ausland reisen wollen und ihre Fahrscheine in der Schweiz kaufen. Mit dieser neuen Regelung wird der Tarifkleber «Berechtigt gemäss Tarif TCV 710» hinfällig. Die Liste der Länder, die sich dieser neuen Regelung anschliessen, wird ab dem Fahrplanwechsel auf sbb.ch/handicap verfügbar sein. Auskunft über den detaillierten Gültigkeitsbereich erhalten Sie auch beim SBB Call Center Handicap oder an den Verkaufsstellen.

n Einfache Erneuerung Auf der Webseite der SBB (siehe Adresse in der Box) finden Sie unter «Downloads» alle Informationen für den Bezug der Ausweiskarte. Laden Sie das «ärztliche Attest für 33 · Paracontact 4/2016

Reservation der Ein- und Ausstiegshilfe im Ausland Kaufen Sie die Fahrkarte und die Sitzplatzreservation für Ihre Reise ins Ausland im Bahnhof oder über ein Rail Service Center unter der Nummer 0900 300 300 (CHF 1.19/ Min. vom Schweizer Festnetz). Für Auslandsreisen ist die Platzreservation in der Regel obligatorisch. Für internationale Reisen ist es notwendig, dass Sie Ihre Ein- und Ausstiegshilfe mindestens 48 Stunden im Voraus reservieren. In der Schweiz genügt eine Stunde Vorlaufzeit. Rufen Sie dazu das SBB Call Center Handicap unter der Gratisnummer 0800 007 102 (+41 51 225 78 44 aus dem Ausland) an. Sagen Sie dem Call Center auch die Platzund Wagennummer Ihrer Reservation. Reisende im Rollstuhl, Blinde und deren Begleitperson bezahlen übrigens beim Kauf von internationalen Billetts keine Auftragspauschale.

n Ermässigtes Generalabonnement Reisende mit Handicap erhalten das Generalabonnement (GA) für die 1. oder 2. Klasse zu einem ermässigten Preis. Voraussetzung ist, dass Sie eine IV-Rente oder eine Hilfslosenrente beziehen oder Leistungen für einen Blindenhund beziehen oder ständig auf den Rollstuhl angewiesen sind (mit entsprechendem Arztzeugnis). CHF 2370.– statt CHF 3655.– für die 2. Klasse CHF 3870.– statt CHF 5970.– für die 1. Klasse

n Weitere Informationen SBB Call Center Handicap Telefon 0800 007 102, gratis in der Schweiz (von 6 –22 Uhr) oder www.sbb.ch/handicap

Erwin Zemp


Kultur und Freizeit

Für Ihre Agenda

Bewährtes und Neues n «Flower Power» in Egerkingen Auch im 21. Jahr laden wir Sie nach Egerkingen zum beliebten Wintertreff mit der üblichen Formel Lotto/ Abendunterhaltung/Sonntagsbrunch mit Dixie-­Klän­ gen. Tolle Preise, gute Musik und gemütliches Beisam­ mensein sind die Zutaten für den gelungenen Mix dieser Veranstaltung, welche dieses Mal unter dem Motto «Flower Power» steht. Wir hoffen, Sie zahlreich zu diesem Anlass begrüssen zu dürfen.

Samstag, 21. Januar 2017 13.30 Uhr Ankunft/Begrüssung/Zimmerbezug 14.00 Uhr Verkauf Karten Lotto 14.30 Uhr Grosses Lotto 19.00 Uhr Apéro 19.30 Uhr Grosses Schlemmerbuffet mit musikalischer Unterhaltung durch «Jürg und Rolfs Partycombo» 02.00 Uhr Ende der Veranstaltung Sonntag, 22. Januar 2017 10.00 Uhr Musikbrunch mit den «The Bad Players Dixieland Quartett» 15.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Kosten CHF 190.–/Person inkl. Übernachtung im DZ, Apéro, Buffet und Musikbrunch, Einzelzimmerzuschlag CHF 35.–, nur Nacht­essen und Apéro CHF 80.–.

n Reisekurs Reisen im Rollstuhl – keine einfache Angelegenheit – aber sehr viel einfacher, wenn man weiss, worauf man achten sollte. Darum bieten wir wieder unseren Ganztageskurs «Reisen im Rollstuhl» an mit diversen Themen wie Reisen mit der Bahn oder dem Flugzeug, Buchungen und Reserva­ tionen sowie medizinische Aspekte. Datum Ort Zeit Kosten

Dienstag, 24. Januar 2017 SPZ Nottwil 10.00 –16.00 Uhr CHF 60.– inkl. Mittagessen

34 · Paracontact 4/2016

n Mit Spass kreativ schreiben In einer zweitägigen Schreibwerkstatt spielen Sie mit der Sprache und erfahren, wie Sie sich mit ein­ fachen Kniffs noch gekonnter ausdrücken können. Der Kurs richtet sich an alle, die gerne schreiben. Ohne Leistungs­druck schärfen Sie unter der Anlei­ tung eines Schreibprofis Ihre Beobachtungsgabe und experimentieren mit den spielerischen Techniken des kreativen Schreibens. Sie erfahren, wie aus Ihren Notizen spannende Texte werden und verbessern Ihren persönlichen Schreibstil.

Der Kursleiter Peter Ackermann, preisgekrönter Voll­blut­ ­journalist, war unter anderem bei Axel Springer als Re­­dak­tionsleiter des Magazins «Beobachter Natur» tätig, zehn Jahre bei der «Annabelle», er schrieb für die «SonntagsZeitung» und verfasste als freier Autor für diverse Maga­zine wie dem «NZZ Folio» Reportagen, Interviews und Porträts. Seit November 2015 ist er Kom­ munikations­be­auf­tragter der Krebs­liga. Seine Begeisterung fürs Wort und Schreiben ist beinahe greifbar und unglaublich an­­steckend.

Datum Samstag/Sonntag, 4./5. März 2017 Zeiten 9.30 –12.30 Uhr, 14.00 –17.00 Uhr Ort SPZ Nottwil Kosten CHF 250.– Aktivmitglied CHF 285.– übrige Teilnehmende exkl. Mahlzeiten und Getränke Teilnehmende mind. 6, max. 12 Personen Anmelden bis 13. Februar 2017

n Infos und Anmeldungen Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, Kultur und Freizeit, Tel. 041 939 54 24, E-Mail kf@spv.ch


Kultur und Freizeit

Neues Reisejahr – Wünsche werden wahr Der neue Ferienkatalog ist da! Am alljährlichen Fototreff vom 6. November haben die Reisefachfrauen die Destinationen 2017 vorgestellt. Unsere Kunden dürfen sich auf einen Mix aus Bewährtem und Neuem freuen: Bewährt sind unter anderem das Piemont, Grado und Hamburg, neu im Angebot ist Valencia, die Algarve sowie als Highlight die Kalifornien-Rundreise. Nach Rückmeldungen aus unserer Umfrage haben wir vor allem bei den Tetraentlastungswochen diverse Neuerungen umgesetzt. Unsere Kunden wünschen, dass sich die Angehörigen ebenfalls eine ganze Woche Ferien gönnen können. Dies war bisher nicht möglich, da Tetraentlastungswochen von Samstag bis Samstag dauern und die Familienangehörigen zum Hinbringen und Abholen zur Verfügung stehen müssen. Es stellten sich uns einige Herausforderungen: Zum einen musste der verlängerte Einsatz für die Pflegenden in Betracht gezogen und zum anderen ein geeignetes Hotel

n Relax- und Kreativ-Woche Ein anderer Wunsch, der sich aus unserer Umfrage herauskristallisiert hat, war eine Relax-Woche mit wenig Programm. Auch darauf gehen wir gerne ein und bieten denen, die es ruhig angehen möchten, eine Tetraentlastungswoche in der Manfred-Sauer-Stiftung in Lobbach. Die Woche wird sehr wenig Programm beinhalten und trotzdem die Möglichkeit bieten, einen Kurs zu besuchen oder den einen oder anderen Ausflug zu machen – vorzugsweise nur am Nachmittag. Daneben sollen die Teilnehmenden aber wirklich abschalten, geniessen und sich ausruhen können. Ganz speziell hinweisen möchten wir auf die Kreativ-Woche im Tessin. Die beiden Workshops Malen und Töpfern können von Anfängern sowie Fortgeschrittenen besucht werden. Der Keramiker Peter Brunner wird Sie in die Kunst des Töpferns einführen. Am ersten Tag wird getöpfert, über Nacht werden die Werke getrocknet, am zweiten Tag bemalt und dann in den Brennofen gestellt. Die Kunstmalerin Chantal Hediger wird gemeinsam mit Ihnen verschiedene Einstiegsübungen machen, die dann in einfache Skizzen münden. Eine davon wird anschliessend auf Leinwand gebracht. Mit Farben und Pinsel leben Sie gemeinsam Ihre Experimentierfreude und Spontaneität aus.

n Woche mit Hilfestellungen gefunden werden. Ein eventueller Pflegeaustausch sollte möglich und ohne allzu grossen Aufwand machbar sein, was eine Destination mit guter Anbindung an den öffentlichen Verkehr bedingt. Beim Hotel stellte sich das Problem, dass während der Reise-Saison Reservationen von Samstag bis Samstag üblich sind. In Berlingen am Bodensee haben wir die Möglichkeit erhalten, eine verlängerte Reservation zu machen. Zudem ist das Hotel «konsequent barrierefrei», wie es sich selber auf seiner Internetseite anpreist. Die Bodensee-Region ist berühmt dafür, eine wunderbare Feriendestination zum Ausspannen und Geniessen zu sein und so hoffen wir, eine noch optimalere Entlastungswoche für Tetraplegiker und deren Angehörige anbieten zu können. 35 · Paracontact 4/2016

zum Zweiten

Zudem bieten wir noch einmal die 2016 neu konzipierte Woche mit Hilfestellungen an. Teilnehmen dürfen behinderte Aktivmitglieder, welche nicht mehr ganz so mobil sind und kleinere bis mittlere Unterstützungen benötigen. Anhand eines Fragebogens, welche die Interessierten ausfüllen, klären wir ab, ob eine Teilnahme möglich ist. Eine Pflegeleitung geht mit auf die Reise, wobei es sich aber nicht um eine Eins-zu-Eins-Betreuung handelt. Die Reise führt uns mit dem Bus nach Mainz. So erhalten auch Teilnehmende, welche nicht fliegen möchten, die Möglichkeit, dieses Angebot zu nutzen. Gabi Bucher, Antonia Tanner


Ihr Team für alle Fragen zur Kontinenz!

Dentsply IH SA, Rue Galilée 6, CEI3, Y-Parc, 1400 Yverdon-les-Bains Tel.: 0800 620 240, Fax: 0800 620 241, Email: info-ch@wellspect.com


eine schwierige Entscheidung Die ganze (Sport-)Welt blickte im August und September nach Rio, wo die Olympischen und Paralympischen Spiele stattfanden. Für mich gab es eine Alternative in einer «Parallelwelt». Als Zuschauer an der allerwichtigsten Sportveranstaltung dabei zu sein – das war meine ursprüngliche Ferienplanung für dieses Jahr. Auch einen freiwilligen Einsatz an der Grossveranstaltung beim Zuckerhut zog ich in Betracht. Als es schliesslich zu Beginn des Jahres darum ging, Nägel mit Köpfen zu machen, entschied ich mich relativ spontan, einen Flug ins Land der aufgehenden Sonne zu buchen.

stuhlfahrer ausgerichtet. So habe ich in den vier besuchten Städten Tokio, Nagoya, Kyoto und Osaka keine einzige U-Bahn-Station ohne Lift angetroffen. Entgegen den Erfahrungen aus der westlichen Welt funktionierten auch alle tadellos und waren sauber. Die gleiche Aussage gilt im Übrigen für die zahlreich vorhandenen rollstuhlgängigen Toiletten. Der einzige Wermutstropfen waren die bei den Touristen beliebten Tempel: Nur die allerwenigsten können von Rollstuhlfahrern besucht werden.

n Rückfall in tiefe Vergangenheit «Im August ist es in Japan viel zu heiss» und «Du verpasst die Blütezeit der Kirschbäume» – das waren die häufigsten Reaktionen auf meine Ankündigung, endlich konkrete Ferienziele zu haben. Die Crew am Check-in-Schalter in Zürich äusserte grosse Zweifel, ob ein allein reisender Rollstuhlfahrer von der Fluggesellschaft überhaupt zugelassen wird. Meine Argumente konnten schliesslich überzeugen und so starteten wir in Richtung Doha, wo ein mehrstündiger Zwischenstopp auf dem Programm stand. Besonders positive Erinnerungen an das Emirat konnte ich nicht mitnehmen, da das Flughafenpersonal meinen Rollstuhl erst auf heftigste Proteste herausrückte.

n Kurioses Viele Restaurants bieten ihren Gästen einen ungewöhnlichen Service. Beim Eingang sind Schaukasten mit den angebotenen Speisen in Kunststoff-Nachbildungen aufgestellt. Dies erwies sich für mich als sehr praktisch, gibt es doch kaum übersetzte Speisekarten.

n Unbekannte Eindrücke Der erste Tag in Tokio kam mir vor, als wäre ich in eine neue Welt hineingeboren. Unbekannte Eindrücke ohne Ende! Nichts lesen zu können war dabei die kleinste Herausforderung. Ich befürchtete, mich in dieser mir fremden Kultur wie ein Elefant im Porzellanladen zu verhalten, ist doch in jedem Reiseführer eine schier endlose Liste von Punkten aufgeführt, welche tunlichst zu vermeiden sind. Dass nicht alles stimmt, was geschrieben steht, zeigte sich rasch: Die Japaner machten es mir einfach, mich in ihrem Land äusserst wohl zu fühlen und mich nicht wie das berühmte «schwarze Schaf» vorzukommen. Ich bin überzeugt, dass der Rollstuhl positiv zu diesem unerwarteten Eindruck beitrug, denn von Fussgängern hört man auch Gegenteiliges zu ihren Reiseerfahrungen in Japan.

n Selbstverständlichkeit Aus den USA kenne ich die Selbstverständlichkeit, am gesamten gesellschaftlichen Leben ohne fremde Unterstützung teilhaben zu können. In Japan haben diese Werte ebenfalls einen hohen Stellenwert. Die gesamte Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs ist beispielsweise für Roll37 · Paracontact 4/2016

Die gigantische Knopfauswahl in den Toiletten macht es jeweils zu einer Überraschung, ob nach dem Betätigen eines mit unerklärlichen Piktogrammen versehenen Knopfes die Musik spielt, die Heizung (der WC-Brille) auf höchster Stufe angeht oder der Sicherheitsdienst an der Türe klopft, weil man aus Versehen den Notfallknopf erwischt hat. Abfalljunkies sollten sich darauf vorbereiten, im öffentlichen Raum keine Entsorgungsmöglichkeiten zu finden. An manchen Abenden trug ich einen ganzen Rucksack mit Abfall ins Hotel.

n Gerne wieder Für mich steht der Entschluss fest: Von diesem Land möchte ich mehr erfahren. Nippon bietet deutlich mehr als der städtische Gürtel in Zentraljapan, von dem ich einen Eindruck gewinnen durfte. Eine nächste Reise – die noch geplant werden muss – wird mich in den ländlicheren Süden oder Norden führen. Dafür reichen meine Höflichkeitsfloskeln in Japanisch aber noch nicht aus. Ein Sprachkurs muss dies möglichst rasch beheben. Martin Wenger

Kultur und Freizeit

Rio oder Japan:


Kultur und Freizeit

Veranstaltungen, Anlässe und Kurse 2017

Informationen Schweizer ParaplegikerVereinigung Kultur und Freizeit Kantonsstrasse 40 6207 Nottwil Tel. 041 939 54 15 Fax 041 939 54 09 E-Mail kf@spv.ch www.spv.ch

Wintertreff

Reisekurs für Betroffene

21./22. Januar 2017 Unterhaltungswochenende in Egerkingen mit Lotto, Tanz und gutem Essen

24. Januar 2017 in Nottwil Vorbereitung, medizinische Aspekte usw.

Schreibwerkstatt

Jodelgottesdienst

4./5. März 2017 in Nottwil Kreativ Schreiben mit dem Journalisten Peter Ackermann

11. Juni 2017 in Nottwil Musikalische Umrahmung mit dem Jodlerklub Heimelig Wolhusen

Swiss-Trac-Tag

Zentralfest

24. Juni 2017 Deutschschweiz im Solothurner Jura

16. September 2017 in Genf Gemütliches Beisammensein

38 · Paracontact 4/2016


Kultur und Freizeit

Mobilitätskurs für Rollifahrer

Fliegen im Ultralight-Flugzeug

18./19. August 2017 in Nottwil Mobilität im Rollstuhl verbessern

22. August 2017 (Verschiebedatum 24. August 2017) in Fournet-Blancheroche FR

Fototreff/Lancierung Ferienkatalog

Weihnachtsmarkt

5. November 2017 in Nottwil Rückschau auf die vergangenen Reisen und Lancierung des Ferienkatalogs 2018

25./26. November 2017 in Nottwil Rollstuhlfahrer zeigen und verkaufen ihre Kunsthandwerke

n Weitere Kurse Einführungskurs in die Tetrabegleitung 17. Februar 2017 in Nottwil Gruppenleiterkurs 17. November 2017 in Nottwil Sensibilisierungskurse Sensibilisierung zum Thema Behinderung Daten auf Anfrage

Offenes Singen im SPZ Daten siehe Veranstaltungskalender der SPV Gemeinsames Singen von Liedern von Pop über Folk bis zu Weltmusik

39 · Paracontact 4/2016

n Kurse in Planung – Reisekurs im Tessin – Umgang mit Apps/Facebook/Twitter usw.


Kultur und Freizeit

Abgefahren in Myanmar

Andreas Pröve, Buchautor und Globetrotter aus Leidenschaft mit einem Hang zum Minimalismus, ist mit einem neuen Abenteuer on tour. Vier Mal reiste er durch das ehemalige Burma und entdeckte ein erstaunlich rollstuhlfreundliches Land. Es war 1985. Michail Gorbatschow, gerade an die Spitze der KPDSU getreten, begann mit Perestroika die Welt zu verändern und Tschernobyl sollte bald traurige Berühmtheit erlangen, als ich zum ersten Mal das geheimnisvolle Land Burma sah. Kaum vier Jahre nach meinem Unfall machte ich mich im Rollstuhl mit viel Neugier und wenig Geld auf nach Asien. Von Indien über Nepal, Burma, Südostasien und China sollte die Tour spektakulär mit der Rückreise in der Transsibirischen Eisenbahn durch die Mongolei, die UDSSR, durch Polen und die DDR enden. Dabei ist mir keines der Länder, die ich sah, so sehr ans Herz gewachsen wie Burma. Nicht einmal Indien, das ich bis heute 14 Mal bereist habe. Meine Zuneigung ging so weit, dass ich sogar absichtlich den Flug Rangoon-Bangkok verpasste, um die restriktive 7-Tage-Aufenthaltsgenehmigung der Militärregierung auszuhebeln – für zwei Tage Zuschlag. Danach wollte ich nie wieder nach Burma reisen. Kein zweiter Besuch sollte meine Erinnerungen an diese «Perle in einem Haufen Kies» (Zitat aus meinem Tagebuch) trüben. Immerhin, fast 30 Jahre bin ich der selbstauferlegten Entsagung treu geblieben. Vorletztes Jahr gab es kein Halten mehr, und so reise ich jetzt regelmässig nach Burma.

vernetzen. Nur die Menschen mit ihrem liebenswerten Naturell sind die gleichen geblieben. Sie verbreiten dieses positive Grundrauschen in der Gesellschaft, das uns Europäern häufig abhanden gekommen ist. Das burmesische Lächeln, das jeden Griesgram von seinem Leiden befreit, jedem Trauerkloss die Sonne ins Gesicht zaubert, dem nie kommerzielle Motive zugrunde liegen und den Burmesen wohl nur in den Genen stecken kann – dieses Lächeln haben sie sich von ihrer Militärregierung nicht nehmen lassen. Dass aber mit einem freundlichen Gesicht oft bitterste Not weggelächelt wird, ist ebenso offensichtlich. Für die Burmesen war das Leben unter der Knute der Junta nie einfach. Sie kontrolliert alles, was im Land geschieht. An Checkpoints müssen Individualreisende wie ich dokumentieren, wo sie zuletzt übernachtet haben, denn Burmesen ist es nicht erlaubt, Fremden Obdach zu gewähren. Hotels benötigen eine Ausländerlizenz und viele Gegenden sind aufgrund ethnischer Konflikte touristisches Sperrgebiet. Diese Bedingungen erschwerten meine Reiseplanung erheblich, weil die Distanz zwischen zwei legalen Unterkünften oft weit über 100 Kilometer betrug. Mehr, als ich mit Handbike, Kameraausrüstung und Gepäck in Handarbeit an einem Tag hätte schaffen können. Was also lag näher, als dem Rolli mehr Speed zu geben, und ihn mit einer zusätzlichen Kraft zu versehen.

n Der Triebling Da Strom in Myanmar Mangelware ist, musste ein Verbrennungsmotor her, einer der schob, der Schotter und Sandwege schaffte, mit dem ich über den Strand pflügen konnte, der aber nicht gleich einen Panzer aus meinem Rolli machte. Ein Antrieb, der mindestens 35 km/h auf die Strasse brachte, 200 Kilometer ohne Tanken garantierte und sich blitzschnell abnehmen, zusammenfalten und als Gepäck aufgeben liess. Weil der Markt so etwas nicht hergab, musste ich selbst Hand anlegen und mein Wissen als Maschinenbaukonstrukteur hervorkramen.

Vieles hat sich in Burma geändert. Selbst der Name und die Hauptstadt sind nicht mehr dieselben. Das Land nennt sich nun Myanmar mit einer künstlichen Metropole namens Naypyidaw, auf dessen Strassen japanische Automobile die typischen Rikschas mit Seitenwagen verdrängt haben. In nahezu jedem Hotel bekommt man mit dem Zimmerschlüssel einen WLAN-Code, um sich mit dem Rest der Welt zu 40 · Paracontact 4/2016

Das Ergebnis war ein berauschendes Gefühl von Freiheit, das ich seit meiner letzten Motorradfahrt vor 35 Jahren so nie wieder erlebt hatte. Kein Verkehrsstau hinderte mich am Fortkommen, keine Distanzen waren zu gross, keine körperlichen Unzulänglichkeiten machten mir einen Strich durch die Rechnung. Ich wurde zum Highway-Junkie. Und doch diente alles nur einem Zweck: Myanmar auf höchst individuelle Weise zu bereisen. Wenn ich aufbreche, will ich kein vorgekautes Menü vom Tourveranstalter, will mich nicht bereisen lassen, nichts planen, nichts buchen,


Kultur und Freizeit sondern Schicksal spielen. Losfahren, ohne zu wissen, wo und wie der Tag endet, mich dem Land aussetzen und ihm mein Herz öffnen, verletzlich, wie ich bin, mit allen Konsequenzen, das ist für mich Reisen. Dieses Reisen fesselt, ist spannend wie ein Hitchcock-Film, überrascht hinter jeder Strassenbiegung, garantiert einen unverfälschten Blick, nah am Volk und ist unerhört billig.

n Ein Land im Goldrausch Nicht alles, was in Myanmar glänzt, ist Gold. Handelt es sich allerdings um Orte besonderer Spiritualität, wird tief in die Tasche gegriffen. Die wichtigsten Heiligtümer des Landes mit dem wertvollen Metall zu bekleben ist ein wirkungsvoller Beitrag, das eigene Karma zu polieren, vor den alltäglichen Unbilden zu schützen und allerlei Krankheiten fernzuhalten. Dem fünf Meter hohen Buddha im Mahamuni Tempel von Mandalay wird diesbezüglich derart viel Macht zugesprochen, dass seine Konturen unter der Goldschicht schwinden. Als 1884 ein verheerendes Feuer den Tempel um ihn herum zerstörte, schwitzte Buddha kiloweise Gold, das ihm vom Leib rann. Am Ende sass er da, wie er erschaffen wurde, nackt als Bronzefigur. Umgehend begannen die Gläubigen ihr Werk von Neuem. Ganze Felsen werden damit beklebt, und selbst das Wahrzeichen Myanmars, die Shwedagon-Pagode in Yangon, 100 Meter hoch, versteckt sich unter einer 60 Tonnen schweren Goldschicht. Sie zu besuchen ist für Rollifahrer die wahre Freude. Wie an der 130 m hohen Buddhastatue in Monywa und vielen Pagoden im Land, führt auch hier ein Aufzug auf die marmorne Plattform. Als gäbe es in einem der ärmsten Länder der Welt nichts selbstverständlicheres, als auch Behinderten die Religionsausübung zu ermöglichen. Gleichzeitig klaffen riesige Löcher zwischen den Gehwegplatten der Stadt. Nicht von der Kanalisation verschluckt zu werden, kostet in Yangon viel Aufmerksamkeit. 41 · Paracontact 4/2016

Für Sehbehinderte ein Horror. Rampen und hochmoderne Aufzüge an heiligen Stätten, denen andernorts unüberwindliche Barrieren gegenüberstehen, sind in Myanmar kein Widerspruch. Das Land ist im Aufbruch. Hindernisse kompensiert die Bevölkerung mit Hilfsbereitschaft. Die beherrschen sie meisterlich, ohne Berührungsängste. Rätselhaft, wo die Burmesen das gelernt haben, denn Rollifahrern begegnet man kaum. Noch etwas ist in Burma anders: Während in allen Nachbarländern unvermittelt nach dem Grund meiner Behinderung gefragt wurde, wird das in Burma kommentarlos akzeptiert. Nicht einmal musste ich von meinem Motorradunfall erzählen, es gab kein Mitleid und keine teilnahmsvollen Blicke. Stattdessen Jubel aus den Kneipen bei meinem Anblick, wenn ich vorbei fuhr. Wenn Burma auch nicht ganz barrierefrei ist, behindertenfreundlich ist das Volk mit Sicherheit. Nur die australischen Betreiber der Heissluftballons in der Pagodenstadt Bagan, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sahen das anders. Nein, Rollstuhlfahrer dürfen nicht Ballon fahren. Aber ich hatte noch einen Joker im Ärmel. Mit meinem Quadrokopter und einer Videoübertragung war ich mein eigener Pilot. Andreas Pröve

n Neugierig geworden? Spektakuläre Aufnahmen, professionell präsentiert und live kommentiert gibt es jeweils um 19.30 Uhr hier: Bern Basel Luzern Cham Chur Thun Zürich Winterthur Aarau Jona Rorschach

16.1.2017 17.1.2017 18.1.2017 19.1.2017 20.1.2017 21.1.2017 23.1.2017 24.1.2017 25.1.2017 26.1.2017 27.1.2017

National Bern Volkshaus IMAX Filmtheater Lorenzsaal Titthof Burgsaal Volkshaus, Theatersaal gate27 KUK, Saal 1 Kreuz Carmen Würth Saal

Tickets: www.explora.ch/programm/myanmar


Rollstuhlsport Schweiz

Franz Nietlispach in der «Hall of Fame» Erstmals wird ein Schweizer in die «Hall of Fame» des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) aufgenommen. Diese Ehre wurde Franz Nietlispach in Rio zuteil. Er ist nicht nur einer der erfolgreichsten Schwei­ zer Rollstuhlsportler, sondern hat auch als Konstrukteur von Handbikes Bekanntheit erlangt.

GoAhead

Seit 2006 werden jährlich drei bis fünf erfolgreiche Persön­ lichkeiten in die IPC «Hall of Fame» aufgenommen als Ehre für ihre Verdienste um den Behindertensport. «Was die Ehrung effektiv bedeutet, wurde mir erst während der Feier in Rio richtig bewusst. Es ist eine Wertschätzung für die Leis­ tungen der letzten 30 Jahre», freute sich Franz Nietlispach nach der Award-Übergabe durch IPC-Präsident Sir Philipp Craven.

Immer eine Rollstuhllänge voraus: Mit dem neuen elektronischen GoAhead Newsletter sind unsere Rollstuhlsportfans immer top informiert und vernetzt.

n Wegbereiter

für den Sport

1988 begannen in Seoul die Paralympics der Neuzeit. Erstmals fanden die Olympischen Spiele und jene der Sportlerinnen und Sport­ler mit einem Handicap um zwei Wochen zeit­versetzt in der gleichen Stadt statt. Franz Nietlispach gewann in Südkorea sechsmal Gold. Selbst die grössten Zeitungen lobten den gelernten Kaufmän­ nischen Angestellten. Er trug durch seine Auftritte im und ne­ben dem Stadion entscheidend zur Akzeptanz des Behindertensports bei. «Wir werden wenig von der steigenden medialen Präsenz profi­tieren können, aber die nächste Generation soll es einfacher haben», sagte der 14-fache Para­lympicssieger, Weltrekordhalter und 20-fache Weltmeister einmal. Stillstand kam für ihn immer einem Rückschritt gleich. So versuchte er auch den Materialbereich auszureizen, neue Ideen einzubringen. Sei es im Rennrollstuhl oder später als erfolgreicher Handbiker (u. a. Paralympics-Dritter, Weltmeis­ ter Zeitfahren). Einen Namen machte er sich zudem als Erfinder, Konstrukteur und Entwickler von Carbon-Bikes. «Der Sport und die Weiterentwicklung des Materials verlie­ fen stets parallel, beide Bereiche haben dadurch profitiert.» In Rio wurde auch die kanadische Ausnahme-Rollstuhl­ sport­lerin Chantal Petitclerc, das weibliche Pendant zu Franz Nietlispach, geehrt. Sie gewann ebenfalls 14-mal Gold. Heute ist sie Chefin de Mission des kanadischen Paralympicteams. Die SPV gratuliert Franz Nietlispach herzlich zu dieser Ehre. Swiss Paralympic und Evelyn Schmid 42 · Paracontact 4/2016

Newsletter

Als Magazin brachte das GoAhead über 20 Jahre lang News rund um den Rollstuhlsport ins Haus. Die Anforderung an eine aktuelle Sportberichterstattung hatten sich allerdings drastisch gewandelt. Verlinkungen zu Bildgalerien, Video-Trailer von Events und Live-Streams gehören heute auch im Rollstuhlsport zum Standard. Die Entscheidung, auf einen elektronischen Newsletter umzustellen, lag daher auf der Hand. Unsere Leser können sich so bequem über Hyperlinks zu Live-Streams, Ergebnissen oder Bildern weiterklicken. Die Integration von sozialen Medien wie Facebook erleichtert die Weiterverbreitung von Berichten an Freunde und Bekannte.

Zudem ist das GoAhead näher dran am Geschehen und erscheint neu monatlich statt wie bisher vierteljährlich. Vor oder nach grossen Sportevents – wie den Paralym­ pics oder Weltmeisterschaften – sind Extraausgaben mit flexiblem Erscheinungsdatum möglich. Unsere Mit­­glie­ der in den Technischen Kommissionen haben so noch mehr Möglichkeiten, sich einzubringen, ohne an das strenge Korsett der Printausgaben gebunden zu sein. Diese Qualitätssteigerung gepaart mit packenden, emo­ tionalen Stories und den Möglichkeiten der elektroni­ schen Medien bietet unseren Lesern ein einzigartiges Erlebnis – schlicht die beste Art, Rollstuhlsport-News zu entdecken. Nicolas Hausammann


Rollstuhlsport Schweiz

«move on» rocks

In sechs Tagen acht Sportarten entdecken oder im «Schnellwaschgang» vier Sportarten in drei Tagen. Das gibt es nur im Sportcamp «move on» von Rollstuhlsport Schweiz! 28 Teilnehmende testeten Handbikes, ruderten um die Wette, fuhren im Rennrollstuhl schnelle Zeiten, erzielten Körbe, trafen mit Pfeil oder Kugel ins Schwarze, kämpften beim «Murderball» und schlugen Bälle oder Shuttles. Geboxt wurde auch – aber gezielt und unter Anleitung. Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen, fanden sich

für dieses polysportive Lager. Acht der angebotenen Sportarten konnten in Nottwil selber durchgeführt werden. Mit dem Golfpark in Oberkirch, dem Tenniscenter in Schenkon, dem Seeclub in Sempach sowie dem Eiszentrum in Luzern fanden die übrigen Trainings in unmittelbarer Nähe statt.

n Laufen die Dinge nicht so, wie du

denkst? Dann denke anders!

Trainiert wurde fleissig und Schweisstropfen gehörten zum Tagesprogramm. Mal klappte es besser und mal weniger. Doch genau dafür ist dieses Camp da: Herausfinden, was einem Spass macht und wo die eigenen Stärken liegen. Auch das Umdisponieren bei weniger guten Wetterverhältnissen erlebten die Sportler in dieser Woche. So schwitzten die Leichtathleten beispielsweise drinnen auf der Rolle anstatt draussen an der kalten Luft oder die Ruderer absolvierten eine Trainingseinheit im Kraftraum anstatt auf dem Wasser. Flexibilität gehört eben zum Sport! Unsere Teilnehmenden zeigten vollen Einsatz und waren motiviert, die einzelnen Sportarten kennenzulernen und/oder sich in den verschiedenen Disziplinen zu verbessern.

n Super Teamwork doch im Teilnehmerfeld durchwegs überglückliche, aber müde Gesichter. Ob diese von den zwei täglichen Trainingseinheiten oder doch vom gemeinsamen Abendprogramm herrührten, konnte nicht definitiv eruiert werden. Hauptsache, die «move on»-Absolventen kamen eine Radlänge weiter auf der Suche nach der eigenen Wunschsportart und hatten eine gute Zeit unter Sportlerinnen und Sportlern.

n Idealer Trainingsort Das «move on»-Konzept hat sich erneut bewährt. Insgesamt zwölf Sportarten standen zum Kennenlernen und Ausprobieren im Angebot: Badminton, Basketball, Bogenschiessen, Curling, Golf, Handbike, Leichtathletik, Rudern, Rugby, Sportschiessen, Tennis und Tischtennis. Der Sportcampus des SPZ Nottwil bietet eine perfekte Infrastruktur

Einmal mehr durften wir auf erfahrene und kompetente Trainer zurückgreifen, welche die Trainings abwechslungsreich leiteten und «ihre» Sportart mit Leidenschaft vorstellten. Auch das ganze Team von Rollstuhlsport Schweiz stand während der «move on»-Woche im Einsatz – sei es zur Unterstützung in den Trainings oder beim Leiten des jeweiligen Abendprogramms. Der persönliche Kontakt zu den Teilnehmenden ist uns wichtig und wird umgekehrt wohl auch geschätzt. Es ist einfach grossartig, auf eine so aufgestellte und engagierte Crew zählen zu dürfen – herzlichen Dank an alle Beteiligten!

n Save the Date Das nächste «move on» findet vom 9.–14. Oktober 2017 statt. Bis dahin wünschen wir allen Sportlern viel Bewegung und Freude beim Ausüben ihrer Sportart! Martina Meyer

Lust auf mehr? Auf unserer Bild- und Videogalerie sind Impressionen von unserer «move on»-Woche zu finden: www.spv.ch (unter Bild- und Videogalerie).

43 · Paracontact 4/2016


VaPro Plus Pocket

Berührungsfreier, hydrophiler Einmalkatheter

Sicherheit. Einfachheit. Lebensqualität. Der Champion Christoph Kunz empfiehlt: VaPro Plus Pocket, der berührungsfreie, hydrophile Einmalkatheter mit Auffangbeutel im Pocket Format. Sicherheit, Einfachheit und Lebensqualität in einer diskreten Verpackung - ideal für unterwegs.

Der erste Einmalkatheter mit Folienumhüllung und Schutzhülse in einer diskreten Verpackung. Probieren Sie es aus!

Hollister, Bernstrasse 388, 8953 Dietikon Tel. 0800 55 38 39 - info@hollister.ch - www.hollister.ch


Rollstuhlsport Schweiz

RSS-Ausbildung ohne Grenzen

n Gelungenes Praxismodul in Tenero Am 15. Oktober absolvierten 15 motivierte Teilnehmende aus den beiden Tessiner Rollstuhlclubs Gruppo Paraplegici Ticino (GPT) und inSuperAbili ein RSS-Praxismodul. Nach dem im letzten Jahr bereits absolvierten Basismodul, wo medizinische Aspekte von querschnittgelähmten Menschen im Vordergrund standen, ging es bei diesem Ausbildungstag darum, verschiedene Spielformen einzuführen, die dann mit den Sportgruppen im Club angewendet werden können.

n Basismodul Westschweiz –

Rolando Wetter, der Präsident vom GPT, hatte im Vorfeld bereits alles Logistische organisiert. Martin Wenger und ich, Karin Suter, leiteten den Kurs in Französisch und bei Bedarf wurde für einige Teilnehmer ins Italienische übersetzt.

«Handhabung eines Alltagsrollstuhls ohne Kippvorrichtung» lautete das erste Thema. Unter den fachkundigen Blicken von Arlène de Gaspari, der Physiotherapeutin der Klinik, versuchten die Teilnehmer Hindernisse zu überwinden. Dazu gehörte auch eine steile Rampe, und sie muteten sich sogar zu, mit Steighilfe eine Treppe zu erklimmen. Für die vier teilnehmenden Rollstuhlfahrer war dieses erste Modul freiwillig. Zwei von ihnen kamen dennoch, um über ihren Alltag zu berichten und den «Fussgängern» Informationen aus erster Hand zu geben.

Als erstes standen verschiedene Fangisformen und andere spannende Spielformen auf dem Programm. Flink bewegten sich die Kursteilnehmer in den Sportrollstühlen und mit vollem Einsatz wurde um die Wäscheklammern, die es beim ersten Spiel zu erobern galt, gekämpft. Im zweiten Block wurde Kin-Ball, ein Spiel mit einem riesigen luftgefüllten Ball gespielt. Beim Kin-Ball spielen drei Teams gleichzeitig gegeneinander. Die Kooperation innerhalb der Teams steht dabei im Vordergrund. Das Spiel funktionierte je länger desto besser und die Teilnehmer hatten grossen Spass daran. Nachdem das Nordic Rolling wegen Regen nicht durchgeführt werden konnte, stand am Nachmittag eine Aufbaureihe mit verschiedenen Teamspielen und Smolball – ein Spiel mit Rackets – auf dem Programm. Am Ende des Tages konnte auf einen gelungenen Tag zurückgeblickt werden, bei dem die Teilnehmer viele Spielideen bekommen haben und auch ordentlich geschwitzt und gelacht worden war. Karin Suter

grosse Themenvielfalt

Die Vorfreude war spürbar, als sich am Samstagmorgen, 8. Oktober 2016, die zehn Teilnehmenden des Basismoduls in der Clinique romande de réadaptation (CRR) der Suva in Sitten trafen. Jurassier, Freiburger, Genfer und Walliser bildeten eine gebührende Vertretung der Westschweiz.

Geduldig lächelnd führte Claude Siegenthaler vor, wie man auf unterschiedliche Arten transferieren kann. Die folgenden Fragen – und viele mehr – wurden geklärt: Wie soll man einen Sportler, der während des Trainings runterfällt, wieder in seinen Rollstuhl helfen? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, um in den Rollstuhl zu gelangen? Darauf gab es nicht eine, sondern viele Antworten. Aus diesem Grund betonte die Referentin, dass «es so viele unterschiedliche Formen des Transferierens gibt, wie es Paraplegiker gibt. Aus diesem Grund muss man die betroffene Person nach ihrer Präferenz fragen, bevor man Hand anlegt». Dr. Xavier Jordan, dem Chefarzt der Abteilung Paraplegie, oblag die schwierige Aufgabe, sein medizinisches Wissen allgemeinverständlich zu vermitteln, damit die Teilnehmer möglichst viel davon profitieren. Er präsentierte erfolgreich zwei Informationsblöcke. Im ersten ging es um medizinische Grundkenntnisse über unsere verschiedenen neurologischen Systeme sowie über die wahrscheinlichen Folgen einer Rückenmarkbeeinträchtigung. Im zweiten Modul zeigte er die physiologischen Auswirkungen einer Paraplegie und die richtigen Handgriffe, die ein Sportleiter beherrschen sollte. Tamara Strasser

45 · Paracontact 4/2016


Silver Bullet

Die Schweiz gewann an den Paralympics in Rio durch die Rollstuhlsportler Marcel Hug (Leichtathletik) und Tobias Fankhauser (Handbike) fünf Medaillen.

wars nun. Kein Stein, sondern der Mount Everest donnerte ihm vom Herzen, als niemand von hinten auch nur annähernd an ihn herankam.

Klassierten sich die 10 Schweizer Sportlerinnen und 14 Sport­ler mit Handicap an den Paralympics von Rio in der Natio­nenwertung vor oder hinter den 132 Athleten aus Japan? Hinter den Asiaten. Logisch. Diese gewannen 24-mal Edelmetall, das Swiss Team fünf. Stimmt – und doch nicht. Die Schweiz scheint auf Position 41 auf, Japan nimmt Rang 64 ein. Für den Unterschied sorgte in der Qualitäts- statt Quan­titätswertung Doppelsieger Marcel Hug: Das Land, das 2020 die Paralympics organisiert, blieb ohne Gold und wird tiefer eingestuft als der mehrfache Weltmeister und Weltre­kord­halter.

Trainer Paul Odermatt zweifelte nie daran, dass es irgendwann soweit sein musste. Für ihn war es schlicht unmöglich, dass sich die Gegner auf sämtlichen Distanzen in besserer Verfassung befanden als sein Schützling, den er seit dem 10. Lebensjahr fordert und fördert. «Ausnahmeathlet», eine Bezeichnung, die nicht erst in Rio im Zusammenhang mit Marcel Hug auftauchte. Diesmal passten auch die Erfolge (2/2/0) dazu. Nun sind es bereits acht paralympische Podestplätze.

Damit ist gesagt, wer zusammen mit der Amerikanerin ­Tatyana McFadden (4/2/0) die Leichtathletik-Bewerbe do­ minierte: Marcel Hug. Nicht allein sein Start-Ziel-Triumph über 800 m oder der Spurt-Sieg im Marathon, sondern die Art und Weise seiner Auftritte begeisterte. Bewundert wegen seines muskulösen V-Oberkörpers und der Athletik, ge­ feiert vom Publikum, geschätzt von der Konkurrenz, der Mann mit dem Silberhelm strahlte das aus, was er ist: die Nummer eins der Welt.

n Ausnahmeathlet Faszinierend, wie sich der «Silver Bullet» selbst krönte. Wie­ der musste er sich in den ersten Rennen (1500 m, 5000 m) ärgernd über zweimal Silber freuen. Im Wissen, stärker und schneller zu sein als je zuvor, forderte und überforderte der Thurgauer Wahl-Luzerner den Rest der Welt durch seine offensive Fahrweise. Acht Jahre kämpfte er um Gold, das

Zu seinen Trainingspartnern gehört der ebenfalls von Paul Odermatt aufgebaute Handbiker Tobias Fankhauser. Bronze im Strassenrennen bestätigte, was viele hofften: «Tobi» ist ein Taktiker mit Renninstinkt, der am Tag X bei Duellen Mann gegen Mann seine Bestleistung abrufen kann. In London Silber, nun Platz drei, die Bestätigung ist gelungen. Ansonsten kurbelte die Para-Cycling-Equipe deutlich hinter den Erwartungen dem Meer entlang. Rang vier unter fünf Mannschaften in der Staffel, da kam keine Freude auf. Flache Strecke, kaum im Renntempo zu befahrende, falsch angelegte Kurven, alles mag mitgespielt und zum Ärger der enttäuschten Fahrer beigetragen haben. Die Niederlagen blieben Niederlagen.

Foto: KEYSTONE/Alexandra Wey

Rollstuhlsport Schweiz

Schnell, schneller,

46 · Paracontact 4/2016


Rollstuhlsport Schweiz Tobias Fankhauser zog bei seiner Analyse gleich ein Fazit der Spiele aus Schweizer Sicht: «Bei mir war die Freude etwas gedämpft, weil viele andere enttäuscht waren. Ich hätte gerne gemeinsam Erfolge gefeiert.» Dazu gab es trotz der 19 Diplome, dem Senkrechtstart der unterschenkelamputierten Abassia Rahmani (4.), den fünf Top-8-Resultaten von Manuela Schär, den zwei Zehnteln Rückstand von Heinz Frei im Zeitfahren(4.) wenig Anlass. Für Schär/Frei sind Diplo­me nur bedingt Erfolge, bei Bojan Mitic oder Catherine Debrun­ ner sieht es etwas anders aus. Dem Zuckerhut fehlte sportlich ge­ s­ehen aus Schweizer Sicht der ­Zucker auf dem Hut. Den meisten Sportlern und Sport­lerinnen gelang durch persönliche Rekorde oder Sai­ sonbestleistungen die als primäres Ziel gesetzte Bestätigung der Selek­ tion, «aber», stellte Ruedi Spitzli als Chef de Mission fest, «das reicht international kaum mehr für Spit­ zen­plätze.» Wenn Tischtennisspieler Silvio Keller in der Dreier­gruppe auf die Num­mern eins und acht trifft, kann er auch ausscheiden. Oder er muss künftig noch bessere Bedingun­gen vorfinden. Marcel Hug, der auch persönliche Risiken einging, wird vielen auf dem Weg (ganz) nach oben als Vorbild dienen. Der Ruf nach mehr Sport-Profis mit Handicap dürfte laut(er) werden. Ob die Mittel ausreichen, genügend Sponsoren be­ reitstehen, um die Finanzierung von zehn oder mehr Kandidaten (nicht nur in der Leichtathletik) zu sichern, wird sich weisen. Eine Disziplinen-Erweiterung auf hohem Niveau – auch in Mannschaftssportarten – wäre für den Schweizer Behindertensport wünschenswert. Ansätze gab es am Rande der Copacabana und des Corcovado. Leider blieben die Erfolgsmeldungen aus unterschied­ lichen Gründen aus. Zum fehlenden Glück kam auch Pech (gesundheitliche Probleme, Ausfall des Pferdes, Klasseneinteilung) dazu. Minimale Rückstände haben dagegen wie technische und taktische Fehler nichts mit Pech zu tun.

n Rio nicht London 159 Nationen mit 4333 Athleten (2663 Männer/1670 Frauen) nahmen in Rio teil. 220 Welt- und 432 Paralympics-Rekorde wurden verbessert, 528 Medaillensätze vergeben. China triumphierte mit 107-mal Gold, 81-mal Silber und ­51-mal Bron­­ze. Das zweitklassierte Grossbritannien schaffte 47 · Paracontact 4/2016

64/39/44. Eine Bilanz, die nicht nur Bewunderung, sondern auch Fra­gen aufkommen liess. 239 oder 15 Prozent aller Medaillen? Im 800-m-Rennen der Frauen fuhren drei Chinesinnen (2./3./6.) persönliche Bestzeit. «Unglaublich, was da abgeht», fand Manuela Schär (5.). 2,15 Mio. Zuschauer besuchten nach offiziellen Angaben die Wettkämpfe. Dank der sinnvollerweise kurzfristig nach unten angepassten Ticketpreise erhielt die breite Bevöl­ ke­rung die Möglichkeit, ihre eigenen Stadien von innen zu sehen und dabei den Behindertensport mit all seinen Facet­ten live zu erleben. Diese Chance wurde «locker vom Hocker» genutzt. In Peking 2008 mussten die Chinesen vom Staat verordnet für Stimmung sorgen, 2012 in London – bei den besten Paralympics aller Zeiten – wollten die begeisterten Briten unbedingt in die Stadien. In der südamerikanischen Fussballstadt tasteten sich die lebensfreudigen Brasilianer an die Spiele he­ran, schufen trotz der gros­sen Distan­ zen zwischen den Stadionparks die bekannte Samba-Atmosphäre.

Fotos: KEYSTONE/Alexandra Wey

n Gedämpfte Freude

An den Olympischen Spielen wurde dem Publikum vorgeworfen, unfair zu sein, an den Paralympics gab es in den Stadien keine Besucher mit diesem Handicap. Sie schauten sich interessiert und fasziniert die 22 Sportarten an, staunten, wie mit dem Schläger im Mund Tischtennis gespielt, mit welchen körperlichen Defiziten geschwommen, beim Bogenschiessen der Fuss eingesetzt werden, ein blinder Fussballer dribblen kann. Wer im Olympiastadium sass, bewunderte Marcel «Silver Bullet» Hug, der sein Markenzeichen nicht wie 2004 in Athen ursprünglich gedacht, beim ersten Paralympics-­Titel gegen einen Goldhelm tauschen wird. Auch sonst dürfte sich in seinem Leben wenig ändern. Ziel sind nicht Home- und andere Storys, sondern die Paralympics 2020 in Tokio. Urs Huwyler


Rollstuhlsport Schweiz

Titelwettkämpfe auf Schnee und Eis n ParaSliding-Weltmeisterschaften

n Weltmeisterschaften Ski Alpin 2017

Im Winter 2017 werden zum zweiten Mal in der Geschichte Weltmeisterschaften im Skeleton- und Monobobsport für Rollstuhl- und Behindertensportler ausgetragen. Der Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina organisiert diesen Event, bei dem 40 Athleten aus 16 Nationen erwartet werden.

Die Weltmeisterschaften, die vom 22.–31. Januar 2017 stattfinden, werden der letzte grosse Ski Alpin-Event sein vor den Paralympics in PyeongChang/KOR 2018. Es werden rund 150 Athleten aus 30 Nationen in der italienischen Region von Friaul-Julisch Venetien erwartet. Die Schweizer Delegation wird angeführt von Christoph Kunz und Thomas Pfyl.

erstmals auf europäischem Boden

Bei der ersten Weltmeisterschaft in Park City USA waren noch keine Schweizer Athleten am Start, aber das wird sich bis zur nächsten Weltmeisterschaft bestimmt ändern. «Der Olympia Bob Run ist sozusagen Vorreiter im Monobobsport. Heinz Frei fuhr 2012 am Olympia Bob Run die erste ParaMonobobfahrt in der Geschichte. Nicht zu vergessen: Das IPC nahm im September 2016 Para-Monobob provisorisch für die Paralympischen Winterspiele in Peking 2022 auf», erklärt Damian Gianola, der Geschäftsführer der einzigen Natureisbobbahn der Welt.

in Tarvisio/ITA

Das Swiss Paralympic Ski Team (SPST) wird mit Christoph Kunz (sitting) und Thomas Pfyl (standing) zwei hochkarätige Medaillenanwärter am Start haben. Daneben streben die A-Kader-Athleten Robin Cuche (standing) und Bigna Schmidt (standing) eine Selektion für die Teilnahme an den Weltmeisterschaftsrennen an. Auch verschiedene B-Kader-Athleten können sich durch gute Resultate an den Vorbereitungswettkämpfen Hoffnungen auf eine Selektion machen. Road to PyeongChang In allen fünf Disziplinen (Abfahrt, Super-G, Super-Kombi, Riesenslalom und Slalom) werden sämtliche Spitzenfahrer am Start sein und eine Visitenkarte für die Paralympics 2018 abliefern. Die extrem hohe Leistungsdichte in den Männer-Kategorien sitting und standing wird sich an der Weltmeisterschaft bestimmt weiter manifestieren, was die Rennen zusätzlich attraktiv macht.

Der Engadiner freut sich auf viele Zuschauer, welche die Athleten anfeuern werden. Man kann die Rennen nicht nur entlang der Bobbahn verfolgen, sondern man hat auch die Möglichkeit, in der Horse Shoe Lodge das Rennen live anzusehen und sich nebenbei verköstigen zu lassen. Die Rennen finden am Samstag, 4. und Sonntag, 5. Februar 2017 jeweils ab 9 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos. Mehr Infos finden Sie unter www.olympia-bobrun.ch

Vorbereitung läuft gut Die Vorbereitungen des Schweizer Teams für die Weltmeisterschaft und in dieser Fortsetzung für die Paralympischen Spiele 2018 sind auf Kurs. Christoph Kunz hat sein neues Equipment optimal eingestellt und bereits gute Trainingsresultate erzielt. Man darf gespannt den ersten Europaund Weltcuprennen entgegenfiebern und jetzt schon die Daumen für das Daumendrücken an der WM aufwärmen.

Damian Gianola

Thomas Hurni

48 · Paracontact 4/2016


Rollstuhlsport Schweiz

Wie Dario Cologna über die Loipe gleiten Frische Luft atmen? Den Herz-Kreislauf aktivieren? Der Gesundheit etwas Gutes tun? Dann ist Langlaufen genau das Richtige. Für Langlaufbegeisterte und solche, die es noch werden möchten, organisieren wir am 25. und 26. März ein Schnupperwochenende im Goms VS. Geniessen Sie ein weltmeisterliches Langlauferlebnis in einmaliger Umgebung. Über die schneesicheren Loipen gleiten Sie in den Spuren von Dario Cologna und Co. auf einfachen oder anspruchsvollen Strecken. Zwölf malerische Dörfer verbindet die über 20 Kilometer lange Loipe von Oberwald bis Niederwald. Jedes Dorf verfügt über eine Haltestelle der Matterhorn-Gotthard-Bahn. So können Sie nach Lust und Laune mit dem (Niederflur-)Zug an den Ausgangspunkt zurückkehren.

n Ideal für Anfänger und

Fortgeschrittene

Mit Claude-Alain Hofer (unser Partner von Handiconcept) sowie Franco Belletti (mehrfacher Medaillengewinner an Paralympics im Langlaufen) werden zwei erfahrene Lehrer vor Ort sein. Unser Kurs richtet sich an Anfänger wie auch Fortgeschrittene.

n Warum Langlaufen? Skilanglauf ist eine gesunde Sportart, die ein hervorragendes Koordinations- und Ausdauertraining bietet. Auch das Ambiente kommt nicht zu kurz; bewegt man sich doch eingebettet in einer wundervollen Schneelandschaft fort.

n Jetzt anmelden Nebst dem Langlaufkurs haben wir selbstverständlich wieder zahlreiche Angebote zum Monoskibobfahren im Programm. Für Adrenalinschub sorgt der ParaSliding-Schnuppertag auf dem Eiskanal des Olympia Bob Run in St. Moritz. Dort finden vom 30. Januar bis 5. Februar 2017 übrigens auch die ParaSliding-Weltmeisterschaften statt. Noch nie Curling gespielt? Bei zahlreichen Rollstuhlclubs können Sie sich gerne für ein Schnuppertraining melden. Das detaillierte Winterprogramm sowie das Online-Anmeldeformular sind wie immer unter www.spv.ch/breitensport aufgeschaltet. Noch Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter: rss@spv.ch oder Tel. 041 939 54 11. Martina Meyer

Talente gesucht

Die Sport Akademie Rollstuhlsport Schweiz ist erfolgreich gestartet, nun soll das Pilotprojekt mit weiteren Rollstuhlsport-Talenten ergänzt werden. Sie steht allen Rollstuhl-Sportarten offen.

n Optimale Kombination von

Ausbildung und Sport

Die Sport Akademie von Rollstuhlsport Schweiz bietet ambitionierten Nachwuchssportlern die Möglichkeit, weder die Ausbildung, noch die Sportkarriere zu vernachlässigen. Wir verfügen über Kontakte zu sportfreundlichen Ausbildungen (gymnasial, kaufmännisch und gewerblich), beraten die Sportler und ihre Eltern beim Organisieren der Unterkunft und koordinieren und betreuen das Training. Für medizinische Anliegen, die Unterstützung beim Lernen und ergänzende Trainings verfügen wir in Nottwil über die ideale Infrastruktur. Die gleichgesinnten jungen Athleten der Sport Akademie oder weiter in Nottwil trainierende Sportler ermöglichen einen spannenden Freundeskreis. Auch für alle Fragen aus dem Bereich Sport oder Leben allgemein stehen wir den Sportlern beratend zur Seite. Wir wollen das Umfeld bieten, das es unseren Rollstuhlsport-Talenten erlaubt, als Wochenaufenthalter in Nottwil Ausbildung und Sport optimal zu kombinieren. Zudem werden auch die Eltern entlastet.

n Interessenten können

sich melden

Nachwuchssportler, die sich für eine Aufnahme in die Sport Akademie interessieren, oder ihre Eltern, dürfen sich gerne mit Roger Getzmann, Leiter Sport Akademie (Tel. 041 939 54 12 oder roger.getzmann@spv.ch) in Verbindung setzen. Falls per Sommer 2017 ein Wechsel der Schule oder Lehre ansteht, ist die Situation besonders interessant, da dies der einfachste Moment für einen Wechsel zur Sport Akademie ist. Aber es kann durchaus auch Sinn machen, die Situation bereits jetzt für den Sommer 2018 oder später zu besprechen. Roger Getzmann

49 · Paracontact 4/2016


Hindernisfreies Bauen

Wenn Engel vorbeifliegen und Träume wahr werden Für Denise und Hanspeter Maurer sowie ihre zwei Söh­ne Alain und den körperlich stark behinderten Darcy ging mit dem Kauf und Umbau ihres Bauernhauses samt Stöckli in Rüti bei Riggisberg, nördlich angrenzend ans Gantrischgebiet, ein grosser Traum in Erfüllung. Nicht selbstverständlich, galt es doch grosse Hürden zu überwinden. Ende 2014 kontaktierte Denise Maurer das Zentrum für hin­ dernisfreies Bauen. Sie teilt mit, dass das Wohnen mit ihrem schwerstbehinderten Sohn Darcy in Uetendorf nicht mehr möglich sei. Sie sagt, dass in Rüti bei Riggisberg ein altes Bauernhaus zu verkaufen sei und sie grosses Interesse habe, dieses käuflich zu erwerben und zusammen mit ihrem Mann Hanspeter und den beiden Söhnen Alain und Darcy einzuziehen. Hier würden sie dann weiterhin ihren stark pfle­gebedürftigen Sohn betreuen können. Darcy leidet seit Geburt an einer körperlichen und geistigen Behinderung und benötigt eine 24-Stunden-Betreuung. Um zu überprüfen, ob sich das Haus überhaupt eignet und sinnvoll rollstuhlgängig angepasst wer­ den kann, fand am 14. November 2014 zusammen mit Gerald Pappe, Architekt vom Zentrum für hindernisfreies Bauen, und Kaspar Aeber­hard der SAHB Ittigen eine Hausbegehung statt.

n Einfachste Verhältnisse

mit viel Charme

Das sieht man nicht mehr alle Tage, denkt Gerald Pappe, als er sich dem Haus nähert und die Begehung durch die inneren Räume stattfindet. Ein über hundertjähriges Bau­ern­haus mit Wohnund Ökonomieteil, wo bis vor kurzem noch Menschen in einfachsten Ver­hält­ ­nissen gelebt haben. Im Erd­geschoss des Wohn­teils finden wir eine alte Küche mit Holz­ofen vor, der für das Kochen und zum Heizen des Hauses diente. Im Badezimmer befinden sich eine Badewanne und eine Toilette. Hände waschen muss man in der Küche oder draussen beim Brunnen. Weiter sind im Erdgeschoss drei Zimmer und im Obergeschoss ein unbeheizter Dachraum mit angrenzenden weiteren vier Zimmern vorhanden. Will man die Zimmer im Obergeschoss benutzen, gilt es zuerst eine leiterartige steile Treppe zu überwinden, um dann durch den kalten Dachraum zu den Zimmern zu gelangen. 50 · Paracontact 4/2016

Es gibt einiges zu tun, um besser bewohnbare Räume zu schaf­fen. Zum Glück sind die Räume gross, da genügend Platzbedarf für Darcy eminent wichtig ist. Und der gesamte Wohnteil, wenn auch nicht alles ausgebaut, bietet über 200 m² Fläche. Das alte Haus hat viel Charme und lässt sich mit entsprechenden Massnahmen und finanziellen Mitteln durchaus rollstuhlgängig anpassen, teilt Gerald Pappe mit. Eine schöne Herausforderung, der wir uns gerne annehmen würden.

n Umbaukonzept – viele Ideen und

leuchtende Augen

Die Augen von Denise und Hanspeter Maurer beginnen zu leuchten ab den zuversichtlich stimmenden Worten von Gerald Pappe. Denn sie haben schon viele Ideen, wie sie mit Materialien und vielen Farben die Räume und ganz speziell das Zimmer für ihren Darcy gestalten wollen. Das Umbau- und Sanierungskonzept sieht vor, dass das ganze Erdgeschoss rollstuhlgängig angepasst wird. Auf eine rollstuhlgängige Erschliessung des Obergeschosses wird aus Kostengründen verzichtet. Nebst weitgehender Eliminierung von Schwellen soll der Sanitärbereich vergrössert, nach heutigem technischen Stand rollstuhlgängig ausgebaut und mit einer bodenbündigen Dusche versehen werden. Weiter soll eine neue Küche eingebaut und das Gebäude elektro-, heizungs- und sanitärtechnisch komplett erneuert werden. Eine neue Treppe soll eingebaut werden, damit das Obergeschoss gefahrenfrei erreicht werden kann. Dies ist umso wichtiger, da bei einem Notfallalarm bei Darcy die Eltern von ihrem Schlafzimmer im Obergeschoss möglichst rasch ins Erdgeschoss gelangen müssen. Weiter soll der grosse Dachraum gedämmt und beheizt werden. Das Stöckli wäre dann für den älteren Sohn Alain bestimmt, der dieses renovieren wolle, um dann mit seiner Freundin einziehen zu können. Der Bauernhaus- und Stöckli-Umbau sollte sich also zu einem richtigen «Familienprojekt» entwickeln. Alle Familienmitglieder haben viele kreative Ideen und gestalterisches Flair und sind bereit, viel handwerkliche Eigenleistung einzubringen.

n Finanzierung kein Problem –

oder doch?

Auf die Frage, wie das Projekt denn zu finanzieren sei, teilen Denise und Hanspeter Maurer dem ZHB mit, dass eine Mitarbeiterin der AEK Bank Uetendorf ihnen gesagt habe, das sei kein Problem. Es seien lediglich Offerten für die Re­ novationsarbeiten einzuholen und die Summe der Offerten samt Kaufpreis als Finanzierungsgesuch einzureichen. Um


Hindernisfreies Bauen Risiken vorzubeugen empfiehlt sie, einen Architekten beizuziehen, der die Liegenschaft vor dem Kauf begutachtet. Einige Offerten konnten Maurers bereits am Tag der Hausabklärung mit dem ZHB im November 2014 vorlegen. Aller­ ­dings basierten diese noch auf einer Grundlage ohne ganzheitliches Sanierungskonzept. Hin­zu kam, dass die Ver­käufer der Liegenschaft ungeduldig wurden und den Ver­ kauf möglichst rasch über die Bühne bringen wollten. Es seien noch andere Kaufwillige vorhanden, und diese könn­ ten nicht ewig vertröstet werden. Es wurde eine weitere kurze Frist eingeräumt, bis die Familie Maurer sich dann definitiv zu entscheiden hätte und viel wichtiger, eine Finanzierungszusicherung einer Bank vorliegen würde. Nun war das ZHB gefordert. Zeitgerecht wurde eine Liegen­schaftsanalyse samt Anlagekostenschätzung erstellt und der Bank in Uetendorf eingereicht. Eine Woche später die Ernüchterung – die Bank finanziert dieses Projekt nicht!

n Einsatz und Vorwärts-

strategie lohnen sich

Sollte das Projekt wirklich scheitern? Das darf nicht sein, denkt sich Gerald Pappe vom Zentrum für hindernisfreies Bauen in Muhen. Er ist in Riggisberg zur Schule gegangen, kennt die Spar- und Leihkasse und den Bauverwalter und hat Denise und Hanspeter Maurer wie auch ihre Söhne als Menschen kennen­ gelernt, die es verdienen, dass sich Lebensträume verwirklichen lassen. Leisten sie doch im Rahmen ihrer 24-Stunden-Betreuung und Pflege von Darcy schier Unvorstellbares. Diese Kraft, Ausdauer und Lebensfreude beeindrucken und es galt, hier Möglichkeiten aufzuzeigen, um diesen Traum zu ermöglichen. Rasch wurde der Kontakt zu weiteren Banken gesucht. Die Spar- und Leihkasse Riggisberg war bereit, uns zu empfan­ gen. So sind die Bauherrschaft gemeinsam mit dem Archi­ tekten vom ZHB und den erarbeiteten Unterlagen dort vor­ stellig geworden. «Wir wollen wissen, ob und mit welchen zu erbringenden Grundlagen eine Finanzierung möglich ist», beginnt Architekt Gerald Pappe das Gespräch. Nach 51 · Paracontact 4/2016

dem etwa einstündigen Treffen und gegenseitigem Kennen­ lernen konnte nicht zuletzt auch dank dem persönlichen Engagement des Bankmitarbeiters eine Lösung gefunden werden, die unter anderem mit Hilfe der Verkäuferschaft und viel Eigenleistung seitens Maurers eine Finanzierung möglich machte. Wenn sich Menschen vertrauen, sich unterstützen und nach Lösungen suchen, ist sehr vieles möglich!

n Liegenschaft gekauft –

die Bauarbeiten können beginnen

Als die Finanzierung geklärt und die Liegenschaft gekauft war, konnte im Juli 2015 endlich mit den Umbauarbeiten begonnen werden. Dies erfolgte einerseits mit ortsansässigen Unternehmern und andererseits aus Kostengründen durch viel Eigenleistung. Was hier an baulichen Arbeiten vor allem im Ausbaubereich durch die Familie Maurer s­ o­wie vielen Freunden der Familie geleistet wurde, war grandios. Alle berufstätig, und nicht zu vergessen die 24-Stun­den­ betreuung von Darcy. Deshalb musste jede freie Minute genutzt werden, damit Ende September 2015 das Gebäude soweit fertiggestellt und die Familie einziehen konnte. Dieser Termin war wichtig, denn die Wohnung in Uetendorf musste bis Ende September 2015 geräumt sein. Das dies mit so viel Eigenleistung geschafft werden konnte, hätten sich auch die Architekten vom ZHB vorher kaum vorstellen können. Aber es scheint: wenn Träume verwirklicht werden können, werden unsagbare Kräfte frei! In der ersten Hälfte 2016 konnten dann in bewohntem Zustand noch weitere kleinere Ausbau- und Sanierungsar­ beiten vorgenommen werden, die dann etwas gemächlicher angegangen werden konnten. Entstanden ist charmant verträumtes, farbenfrohes Wohn­ haus mit schönen, romantischen Aussenräumen und viel zusätzlichem Raum im Ökonomieteil. Familie Maurer und vor allem auch Darcy fühlen sich sehr wohl in der neuen Umgebung. Der immer wieder von Asthmaanfällen geplagte Darcy ist seit dem Umzug davon viel weniger betroffen. Zudem hat sich der geistige Zustand verbessert. Immer wenn ich ihn sehe, erfreue ich mich an seinem Strahlen und an der Freude der ganzen Familie, und wir wissen, dass wir hier etwas Gutes getan haben. Gerald Pappe, Architekt ZHB Muhen


n Auf Umfrage folgen Taten Unsere Umfrage zum Thema Hilfsmittelversorgung in den Regionen sowie zur Ausstellungssituation in der Romandie hat ein grosses Echo gefunden. Der hohe Rücklauf zeigt, dass ein Bedürfnis vorhanden ist aber auch, dass wir bei Umfragen auf unsere Mitglieder zählen können. Der Umfrage folgen nun Taten. Auch wenn die meisten Deutschschweizer (86%) und Romands (79%) zufrieden sind mit der Hilfsmittelversorgung in ihrer Region, gibt es doch einige verbesserungswürdige Aspekte. So wurde z. B. das fehlende Know-how und die nicht vorhandenen Fachgeschäfte (in unmittelbarer Nähe zum Wohnort) erwähnt, die langen Wartezeiten, wenn man online oder telefonisch bestellen muss, oder die hohen Preise bzw. die Nichtabdeckung durch die Versicherung bei diversen Hilfsmitteln.

Neu! «ParaRomandie» in Sion Die Frage nach der Häufigkeit der Durchführung der Rollivision ergab in der Deutschschweiz, dass diese nur alle zwei Jahre stattfinden soll – dies im Wechsel mit der Swiss Handicap in Luzern. Hingegen finden 64,3% der Romands, dass die Rollivision jährlich stattfinden soll. Gleichzeitig wird bemängelt, dass diese Fachmesse zu weit entfernt sei und sie deswegen nicht besucht werde. Es wird daher eine Fachmesse im Raum Lausanne gewünscht. Bereits am 20. Mai 2017 findet zum ersten Mal das Paraplegie-Treffen «ParaRomandie» in der SUVA-Klinik in Sion statt. Als Ziel hat diese, eine familiäre Begegnungsplattform in der Westschweiz zu werden, an der u. a. neue Technologien und Hilfsmittel präsentiert werden. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung unterstützt als Partner der SUVA-Klinik Sion diese Innovation in der Westschweiz und wird zudem mit einem Stand vor Ort sein. Antonia Tanner

GMBH

Fachgeschäft für Mobilität und Hilfsmittel Interessiert? Probefahrt? Rufen Sie uns an! REHAB GmbH Zürichstrasse 79 8600 Dübendorf Tel. 044 821 67 57 www.rehabgmbh.ch info@rehabgmbh.ch

Preis ab 6728.52 · Paracontact 4/2016

inkl. MwSt.

Preis ab 9936.-

inkl. MwSt.

Preis ab 8380.-

inkl. MwSt.


für 2000 Zeichen Wenn Sie in dieser Ausgabe die bereits traditionelle Glosse suchen, suchen Sie vergebens. An ihrer Stelle möchten wir heute den Mann vorstellen, der da­hin­ ter­steht: Fritz Vischer aus Basel, aber wohnhaft in Therwil BL, Tetraplegiker seit seinem Unfall 1977, der Schreiber mit der spitzen Feder und Zunge, der so die­ ses und jenes aufs Korn nimmt, gerne philosophiert und ab und zu auch polarisiert.

lichen Tätigkeit nachzugehen. Ganz gegen sein Gelübde nahm er die Stelle als Redaktor in der publizistisch tätigen Abteilung Finanzanalyse des Schweizerischen Bankvereins an. Dort redigierte er Berichte und machte Übersetzungen, bis er 2006 selbstständig wurde und Fachtexte für Banken und Reden als Ghostwriter schrieb. Durch das Buch «Warum das Leben weitergeht» kam er mit dem Schwabe Verlag in Kontakt, meldete sich dort als Lektor und arbeitete bei zwei Buchproduktionen mit.

Fritz Vischer ist ein Schöngeist, man spürt, dass er die Spra­ che liebt, und sein ausgeprägter Basler Dialekt unterstreicht dies noch. Er habe sich schon immer viel mehr für Sprache interessiert als für Zahlen, erzählt er. Die Banklehre, welche er mit 1974 im Alter von 20 Jahren abgeschlossen hat, war dann auch das Resultat einer, wie er sagt, verkorksten Schulkarriere. Nach Abschluss habe er geschworen, nie mehr etwas mit einer Bank zu tun haben zu wollen – keine intel­ ligente Aussage, wenn der eigene Vater Bankier sei, meint er heute. Er reiste nach England, Spanien und Venezuela, um die Sprachen zu lernen, arbeitete in England als Broker im Aktien- und in Venezuela im Chemikalienhandel. Ideal sei Letzteres nicht gewesen, sagt er. So gesehen war sein Verkehrsunfall dort zwar ein Unglück, aber eines, welches irgendwie zum richtigen Zeitpunkt geschah und etliche Probleme löste. Es sei wie eine Befreiung gewesen, eine neue Chance. «Das Unglück reisst dich aus allem raus», meint er, «aus dem Positiven, aber eben auch aus dem Negativen!»

n Fritz Vischers Schöngeistereien Auf Umwegen ist er im Paraplegiker-Zentrum Basel gelan­ det. «Dort war für mich schnell klar, dass ich nun Übersetzer werde.» Das war sein Ziel, aber nicht jenes seines Berufs­ beraters. Ohne Matura konnte er keine der renommierten Schulen besuchen, also sollte er die Matura nachholen. Das wiederum war nicht Fritzes Ziel. «Ich wollte nur noch Dinge tun, die mich interessieren.» Nach längerer Suche stiess er auf die Schule für Angewandte Linguistik (SAL) in Zürich. Die befand sich zwar in einer Jugendstilvilla an Hanglange mit einem Aufgang mit 35 Treppenstufen, das hielt aber Fritz nicht davon ab, sich einzutragen. Das 10- bis 15-Stun­ den-Pensum pro Woche mit entweder einer beruflichen Tätigkeit nebenbei oder Selbststudium zu Hause war genau das, was er sich wünschte. «Ich wählte das Selbststudium und habe mich Schöngeistereien hingegeben. Das war eine sehr glückliche Zeit.» Es folgte ein Praktikum bei der Basler Zeitung, sogar bei der Coopzeitung habe er eine Weile gearbeitet und er unterstützte eine PR-Agentur, dies alles als Freelancer. Ohne spezifisches Fachwissen kam er aber nicht weiter und beschloss 1983, wieder einer beruf53 · Paracontact 4/2016

n Nächtliche Hirngespinste Das Verfassen der fachspezifischen Texte hat aber wenig mit Kreativität zu tun. Ganz anders bei den Glossen. «Die Ideen dazu kommen mir nachts», erklärt er. Diese nächtlichen Hirngespinste, wie er sie nennt, nimmt er anschliessend auseinander, bearbeitet und strukturiert sie. Oft wolle man zu viel in einen Text packen. Da könne es passieren, dass man den Leser überfordere und dieser den Gedanken­ gängen nicht folgen könne. Am idealsten sei der «Flow», meint er, wenn ein Text im Flow entstehe, müsse man meist gar nicht mehr viel dran machen, «aber das passiert leider viel zu wenig oft.» Sein Standardmass für Texte seien 3000 Zeichen, die Glossen erlauben nur deren 2000, da habe er oft zwischen 50 und 100 % zu viel. «Das Kürzen braucht meist genau so viel Zeit wie das ursprüngliche Schreiben.» Da kann ich nur zustimmen, und bevor ich mein Standardmass von 4000 Zeichen überschreite, möchte ich mich bei Fritz für dieses Gespräch bedanken. Mögen ihn noch viele schöngeistliche, nächtliche Hirngespinste und der eine oder andere «Flow» heimsuchen. Gabi Bucher

Hinweise und Informationen

Der Mann


Hinweise und Informationen

Wussten Sie schon, dass …

n die Büros der SPV ab dem 23. Dezember 2016 bis

n Leichtathletik-Nationaltrainer Beat Fäh den «Swiss

und mit 2. Januar 2017 geschlossen sind? Wir sind ab Dienstag, 3. Januar 2017 wieder für Sie da, wün­schen Ihnen frohe und besinnliche Weihnachtstage und einen guten Start ins 2017.

Olym­pic Coach Award» erhalten hat? Er wurde damit für sein grosses Engagement für den Rollstuhlsport geehrt, denn seit 2013 trainiert er die Schweizer RollstuhlLeichtathleten. Als diplomierter Trainer Spitzensport von Swiss Olympic und langjähriger Trainerausbildner bei Swiss Athletics bringt er die besten Voraussetzungen mit und hat in den vergangenen Jahren viele Triumphe feiern können.

n unser Angebot «Gruppenferien mit Hilfestellungen» neu allen Aktivmitgliedern offen steht? Weitere Informationen finden Sie in unserem Ferienkatalog oder auf www.spv.ch.

n Rollstuhlsport Schweiz zahlreiche Kurse des Wintern Sie für unsere Reisen von einem Frühbucherrabatt pro­ fitieren und pro Teilnehmer und Reise CHF 50.– sparen können? Diese Reduktion gilt für alle Ferienangebote ab dem 1. April 2017, wenn wir bis Ende 2016 Ihr Anmeldeformular erhalten. Die Reisen sind im Katalog mit dem %-Symbol gekennzeichnet.

n die SPV neu einen Sportkoordinator für die Deutschschweiz und das Tessin hat? Ein gezieltes Engagement in allen Sprachbereichen soll den Nachwuchs fördern und neue Mitglieder in die Clubs bringen, die Sport trei­ ben. Seit 1. November 2016 ist der Sportlehrer, Ski-In­ s­truktor und Sportjournalist Davide Bogiani in dieser Funktion tätig.

programms in der deutschen und französischen Schweiz anbietet? Informationen und Anmeldungen finden Sie auf www.spv.ch (unter Rollstuhlsport/Breitensport). Be­eilen Sie sich, einzelne Kurse sind schon ausgebucht.

n vom 19. bis 22. Dezember 2016 der IPC Alpine Skiing World Cup in St. Moritz stattfindet? Als Einstimmung auf die Weltcuprennen können Sie sich als Gast mit Ath­ leten aus dem Swiss Paralympic Ski Team messen. Daneben gibt es ein unterhaltsames Rahmenprogramm.

n für Basketball-Interessierte ein X-Mas Camp stattfindet? Vom 27. bis 29. Dezember 2016 wird in Nottwil ein Einblick in die Sportart gewährt und intensiv trainiert. Anmelden können Sie sich unter www.basketball.spv.ch.

n Rollstuhlsport Schweiz seit November 2016 ein neues Fahrzeug für Team- und Materialtransporte hat? Da­ mit können wir Spitzen- und Breitensportler bei Kursen, Trainings und Wettkämpfen noch besser unterstützen.

n es ab dem 1. Januar 2017 die neue Technische Kommis­ sion (TK) Badminton gibt? Tommy Mösch hat als TKChef bereits mit dem Aufbau begonnen. Dazu war er un­ter anderem an den Para-Badminton-Europameisterschaften in Beek, Niederlande, wo Karin Suter-Erath ihre Titel, welche sie 2014 in Spanien erspielt hat, in allen drei Disziplinen erfolgreich verteidigte.

n die SPV 2017 aufgrund der grossen Nachfrage erneut ein Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer anbietet? Am 18. und 19. August 2017 können Querschnittgelähm­te ihre Mobilität im Rollstuhl verbessern. Der Kurs besteht aus einem interessanten Mix aus Theorie und Praxis.

n 2017 nach längerer Zeit wieder einmal eine Kreativwoche angeboten wird? Bei dieser Woche im Tessin ste­ hen Malen und Töpfern unter fachkundiger Leitung im Vordergrund. Weitere Informationen im Ferienkatalog oder auf www.spv.ch.

n auch die TK Curling einen neuen TK-Chef hat? Daniel

n der Basler Rollstuhlfahrer Walter Beutler während drei

Andenmatten hat auf Mitte 2016 Harry Burger abgelöst und setzt sich national für die Belange der Curling­ spieler ein.

Monaten durch Indien gereist ist und über seine Erlebnisse ein Buch geschrieben hat? Es soll den Leser dazu ermutigen, das scheinbar Unmögliche zu wagen. Das Buch trägt den Titel «Mit dem Rollstuhl ans Ende der Welt. Meine Reise durch Indien».

n am 7. bis 9. Januar 2017 in Veysonnaz ein Europacup Ski Alpin ausgetragen wird? Am gleichen Ort findet vom 29. bis 31. März 2017 auch der Europacupfinal statt. Anschliessend folgt die Schweizer Meisterschaft Ski Alpin am 1. und 2. April 2017. Schauen auch Sie vorbei und feuern die Schweizer Athleten an. 54 · Paracontact 4/2016

n das REHAB Basel 2017 das 50-Jahr-Jubiläum feiert? Am Patienten-Jubiläumstag vom 8. Juni 2017 ist die SPV mit einem Stand in Basel. Und am Wochenende vom 10./11. Juni 2017 finden Tage der offenen Tür statt.


Care at home

AKTIV LEBEN: NEHMEN SIE SICH DIE FREIHEIT Liquick® Pure und SafetyCat® Active

SAFETYCAT ACTIVE Der SafetyCat Active ist ein innovatives Kathetersystem und bietet besonders aktiven Menschen Freiheit, Mobilität und Sicherheit.

LIQUICK PURE

AKTIV LEBEN Der SafetyCat Active ist

Der Liquick Pure ist ein neuartiges

ein innovatives Katheter-

Katheterkonzept – speziell für

system, bei dem der

Frauen, die wissen, was sie wollen

SafetyCat bereits mit

und aktiv im Leben stehen.

Gel vorbeschichtet und somit sofort gebrauchsfertig ist.

MINI IST MAXI Das Liquick Pure System enthält den SafetyCat Sicherheitskatheter mit hydrophiler Beschichtung und einer verkürzten Katheterlänge, extra für Frauen.

Weitere Produktinfos und kostenlose Muster erhalten Sie bei: Vertrieb durch : Grabenhofstrasse · 6010 Kriens · Telefon 041 3602764 Fax 041 3602718 · info@expirion.ch · www.expirion.ch


Herausragende Performance - Sopur Helium Generation 2016

Die Helium Generation 2016 überzeugt mit neuen Optionen und innovativen Technologien; und natürlich mit einem beeindruckenden Fahrverhalten... Leichtlauf, schnelle und direkte Reaktion auf minimale Impulse in einem stabilen und robusten Rollstuhl. Einfache Handhabung und dazu vielfältige Anpassungsmöglichkeiten. Damit wird der Sopur Helium zum perfekten Begleiter Ihrer täglichen Aktivitäten.

besuchen Sie uns auf Facebook www.sopur.me

Sunrise Medical AG Lückhalde 14 CH-3074 Muri/Bern Fon +41 (0) 31 958 3838 Fax +41 (0) 31 958 3848 www.SunriseMedical.ch info@sunrisemedical.ch


Paracontact 4 2016 d