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Das Magazin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung I Sommer 2018

Sommer Geselligkeit ist Trumpf


Neu

Frontantrieb

Heckantrieb

Mittelradantrieb

Die Juvo Familie Für mehr Unabhängigkeit

Die Bedürfnisse eines Anwenders sind vielfältig. Die Umgebung, der Alltag und insgesamt die Mobilitätsansprüche beeinflussen die Wahl des elektrischen Rollstuhles. Das Baukastenprinzip der Juvo Familie bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, ein individuelles Hilfsmittel zusammenzustellen. Die notwendige Grundausstattung ist bereits im Basismodell enthalten. Um auch komplexeren Herausforderungen gerecht zu werden, können verschiedenste Komponenten individuell konfiguriert werden.

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Lassen Sie sich von Ihrem Fachhändler beraten. Otto Bock Suisse AG · Luzerner Kantonsspital 10 · 6000 Luzern 16 · T: 041 455 61 71 · F: 041 455 61 70 · suisse@ottobock.com · www.ottobock.ch


EDITORIAL

Geschätzte Leserinnen und Leser Nach einer intensiven und spannenden Vorbereitungszeit halten Sie das neue Paracontact in Händen. Wie bis anhin informativ, künftig noch bunter, viel­ fältiger und kreativer. Es soll Ihre Zeit­ schrift bleiben – einfach mit einem neuen Gesicht. Das neue Layout lässt bei der Gestaltung einen ungleich hö­­he­ren ­Spielraum und mehr Abwechslung zu.

«Neue Gesichter – in vielerlei Hinsicht» Das ganze Redaktionsteam freut sich ­ auf Ihre Rückmeldungen zum neuen Paracontact. An dieser Stelle möchte ich dem Redaktionsteam herzlich ­danken und insbesondere auch Evelyn Schmid und Tina Achermann. In vielen Sitzungen mit internen und externen Partnern haben sie dem neuen Blatt den Schliff und Glanz und den nötigen Pfiff verliehen. Dankeschön. Inhaltlich ist auch diese Nummer ­wie­derum von dem vielfältigen Angebot der SPV für das laufende Jahr geprägt. Sie ergänzt sich bestens mit unserer Webseite www.spv.ch.

Paracontact I Sommer 2018 

Sie finden auf ­diesen beiden Kanälen und auf unseren anderen Webseiten stets eine Fülle von wichtigen Informationen, Hinweisen, Veranstaltungsdaten und Dienstleistungs­angeboten und werden auch mit den aktuellsten Neuigkeiten versorgt. Wir freuen uns, Sie auf unseren diversen Medien und Kanälen anzu­ treffen, und auch über Rückmeldungen von Ihrer Seite. Ein neues Gesicht hat nicht nur das Paracontact, sondern wird auch die SPV erhalten. Sowohl mein Stellvertreter Ruedi Spitzli (nach über 15 Jahren) wie auch ich selber (nach über 20 Jahren) werden die SPV im Winter 2018/2019 verlassen. Die Stellen sind ausgeschrieben und Bewerberinnen und Bewerber bereits in Gesprächen. Wir werden Sie über die Neubesetzungen selbstver­ ständlich auf dem Laufenden halten. Bereits heute wünschen wir der SPV für die Zukunft nur das Beste. Herzlichst

Dr. Thomas Troger

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The Coloplast logo is a registered trademark of Coloplast A/S. © [2018-04.] All rights reserved Coloplast A/S, 3050 Humlebaek, Denmark.

Coloplast AG Blegistrasse 1 6343 Rotkreuz www.coloplast.ch


IMPRESSUM

INHALT

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Herausgeberin Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil Telefon 041 939 54 00 E-Mail spv@spv.ch Postkonto 60-12400-3 www.spv.ch Chefredaktor Dr. iur. Thomas Troger Redaktion Ruedi Spitzli, Urs Styger, Felix Schärer, Erwin Zemp, Evelyn Schmid, Gabi Bucher Koordination, Grafik, Inserate Tina Achermann Fotos SPV, fotolia.com, Joaõ Dias, Mike Pavel, Ferienhotel Bodensee, pxhere.com, BeyondPerfect, Daniel Streit/Swiss Paralympic, Martin Rhyner/Swiss Paralympic, Michael Fund, Marcus Hartmann, Stuart C. Wilson, Urs Sigg Fotografie, SPS Druck Brunner Medien AG, www.bag.ch Redaktionsschluss nächste Ausgabe 3. Juni 2018 Auflage 8 600 Exemplare deutsch 4 450 Exemplare französisch In dieser Publikation wird zur Ver­ einfachung die männliche Form stellvertretend für die weibliche und männliche Formulierung verwendet. Die in der Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Nachdruck nur mit Genehmigung der Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Fremdbeiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung der Redaktion wieder. Ein Abdruck von unverlangt eingesendeten Manuskripten ist nicht gewährleistet.

Paracontact I Sommer 2018 

WIR BEWEGEN KULTUR UND FREIZEIT AKTUELL   6 REGIONENREISE Faszinierender Süden Mexikos 24 ZENTRALFEST IN LUGANO Viva il Ticino! 8 IN KÜRZE   27 NACHGEFRAGT HOTEL-BARRIEREFREIHEIT Besucherzentrum 11 500 geprüfte Hotels schweizweit 28 ÖFFENTLICHER VERKEHR Kein personalloser Bahnhof 29 LEBENSBERATUNG SENSIBILISIERUNG Erlebnis Mobilitätsparcours 31 ASSISTENZBEITRAG Glücklich zuhause statt im Heim 12 LUZERNER THEATER Jeder Mensch ist ein Tänzer 32 NACHBARSCHAFTSHILFE Zeit schenken 15 IM BALGRIST SPV-Höck 15 ROLLSTUHLSPORT RUGBY WM ohne Schweiz 34 RECHTSBERATUNG IN KÜRZE   36 PARALYMPICS-TEILNEHMER SOZIALVERSICHERUNGSRECHT Höhere Renten für Teilzeiter 16 Tanz zwischen drei Welten 37 WASSERSKI Mit 30 km/h über den See 38 MEDIZIN UND WISSENSCHAFT LEISTUNGSSPORTZENTRUM Geballtes Wissen an einem Ort 39 ELEKTROSTIMULATION Effiziente Therapie für den Alltag  18 THROMBOSEPROPHYLAXE Mühsam, aber hilfreich 21 FOKUS VERMISCHTES   40 UNSERE HELFER HINDERNISFREIES BAUEN Pesche Rüfli, Zeitmesser 43 IM GESPRÄCH SOMMERFREUDEN Das barrierefreie Schwimmbad 22 Sara und Paolo Mussinelli 44 ROLLIVISION Die Messe für Rollstuhlfahrer 49 FÜR SIE DA Jeanne Rüsch 50

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AKTUELL

MOVE ON

PREMIERE

Mit neuen Highlights etwas dabei. In zwei Blöcken à je drei Tage können maximal acht Sportarten auf unkom­ plizierte Art und Weise ausprobiert werden. Dabei kommt zudem der gesellige Aspekt nicht zu kurz. Auch für wiederkehrende Teilnehmer bietet das Camp vieles, denn jedes Jahr wird mindestens ein neues sportliches Highlight angeboten. Zudem geht es darum, Kontakte mit anderen Betroffenen zu knüpfen und zu erfahren, wo regelmässig Sport getrieben wird. Reservieren Sie sich die Woche vom Bereits zum fünften Mal führt Rollstuhlsport 8. bis 1. Oktober 2018. Schweiz das beliebte Sportcamp «move on» durch. Zwölf Sportarten stehen zur Auswahl. Interessiert? Unsere erfahrenen Kursleiter führen die Teil­ Infos bei Martina Meyer nehmenden aufs Eis, in die Halle, aufs Wasser Tel. 041 939 54 30 oder martina.meyer@spv.ch oder auf die Bahn. Es ist garantiert für jeden

An der Tour de Suisse Challenge Auf verkehrsfreier und abgesperrter Strecke Rennen bestreiten wie Fabian Cancellara? Diese Möglichkeit bietet sich am 9. Juni 2018 beim internationalen Para-cycling-Rennen in Frauenfeld. Integriert in die Tour de Suisse Challenge starten ein paar Stunden vor dem Mannschaftszeitfahren unsere Para-cycler im Kampf gegen die Uhr auf dem Originalkurs der Radprofis. Aufgrund dieser tollen Möglichkeit wird das vom Veloclub Sursee jeweils organisierte Zeitfahren in Knutwil dieses Jahr ausgesetzt.

DIE NEUEN CLUBPRÄSIDENTEN

RC Chur

RC Oberwallis

RC Neuenburg

RC Zentralschweiz

Vroni Forrer Geburtsdatum: 14.2.1983 Beruf: Bürofachfrau Im Club seit: 2009 Hobbys: Sport allgemein, Familie, Freunde, Natur, Ausflüge, Diskutieren, Lesen, Organisieren, Reisen Aktuelle Projekte: Rollstuhlcurling seit 2016, Clubausflüge, Chlausabende, Wildessen Angebote des Clubs: Polysportive Angebote, einen Monatshöck, div. Anlässe wie Ausflüge, Grillieren, Billard

Marco Seematter Geburtsdatum: 10.1.1977 Beruf: Gebäudetechnikplaner Fachrichtung Heizung bei der Firma Lauber IWISA AG Im Club seit: 1997 Hobbys: Musik, Motorsport Aktuelle Projekte: Im Moment keine Angebote des Clubs: Auf rollstuhlclub-oberwallis.ch zu finden.

Fabien Bertschy Geburtsdatum: 22.4.1976 Beruf: Projektleiter bei Pro Infirmis Jura-Neuchâtel Im Club seit: 2002 Hobbys: Rollstuhlrugby, Fan des HC Fribourg-Gottéron, Politik, sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen Aktuelle Projekte: Bootstouren, Grillabend, Jassturnier, Sport, Rekrutierung neuer Mitglieder Angebote des Clubs: Tennis, Freizeitangebote, Selbsthilfe, Lebensberatung

Hugo Müller Geburtsdatum: 23.7.1963 Beruf: Kaufmännischer Angesteller bei der Nosag AG Im Club seit: 1991 Hobbys: Sport, Reisen Aktuelle Projekte: Neue Webseite www.rczentralschweiz.ch Angebote des Clubs: Leichtathletik, Schwimmen, Turnen Ü50, Basketball

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Paracontact I Sommer 2018


COMMUNIT Y

UMBENENNUNG

Paramama­Story interessiert

Active Motion Days Das bekannte Sommerprogramm heisst neu Active Motion Days. Der Name ist Programm: Wir animieren mit vielfältigen Angeboten zur Bewegung. Wichtig ist uns dabei, dass Sport auch Spass macht und gesellige Momente beinhaltet. Geeignet sind die verschiedenen Kurse in acht Sportarten für Anfänger und Fortgeschrittene. Neu im Programm sind Fahren mit Pferd und Wagen, Mountainbike, Boccia und Kyusho (Kampfkunst).

Julia Gartenbach war im 4. Monat schwanger, als sie einen Bandscheibenvorfall erlitt. Gleich zwei unglaublich schwierige Situationen für die junge Frau: Neben der Querschnittlähmung als Folge des Bandscheibenvorfalls musste sie auch mit der Situation als Mutter im Rollstuhl klarkommen.

1000 DIE ZAHL

Bauberatungen hat Architekt Marcel Strasser bis zum 20. März 2018 durchgeführt. Das Zentrum für hindernisfreies Bauen ZHB gratuliert herzlich und dankt dem Bauberater für seine bald 20-jährige Mitarbeit.

Das ZHB hat seit seiner Eröffnung mehr als 5000 Bauberatungen für Menschen mit Körperbehinderungen in der ganzen Schweiz durchgeführt. Dazu arbeitet das ZHB mit allen Rehakliniken zusammen. Paracontact I Sommer 2018

Ihre Geschichte, die wir im Februar 2018 auf «Paraplegie Community» veröffentlicht haben, ist auf grosses Interesse gestossen. Über 6100 Mal wurde Julias Story bisher gelesen. Julias Geschichte im Blog: www.community. paralegie.ch oder im Paracontact 1/2018.

AUSBILDUNG

Acht neue Kampfrichter In der Rollstuhl-Leichtathletik finden in der Schweiz jedes Jahr viele Anlässe statt. Dazu benötigt Rollstuhlsport Schweiz zahlreiche Kampfrichter. Im März 2018 absolvierten acht «Unparteiische» die behin­ dertensportspezifische Zusatzausbildung bei der SPV in Nottwil. Diese beinhaltet sowohl theoretische als auch prak­ tische Teile. Voraussetzung für den Kurs sind mindestens drei Jahre Kampfrichtertätigkeit in der Fussgänger­Leichtathletik. Im Einsatz sind die meisten Neulinge bereits in den kommen­ den Monaten. Dies an unseren Sportveranstaltungen, zum Beispiel bei den ParAthletics in Nottwil.

Aufgrund der Beliebtheit werden erneut Rollikiten, Segeln, Wasserski und Kajaken angeboten. Alle Kurse finden zwischen Juni und September 2018 statt. Wir haben uns bemüht, unterschiedliche Austragungsorte zu finden, damit alle Regionen abgedeckt werden. Nutzen Sie dieses spannende Breitensportangebot, das durch erfahrene und gut ausgebildete Leiter begleitet wird.

Infos/Anmeldung www.spv.ch/ Breitensport 7


WIR BEWEGEN

ZENTRALFEST IN LUGANO

Viva il Ticino !

PROGRAMM 11.00 Uhr Begrüssung und Aperitif Kinderprogramm

Das 36. Zentralfest der SPV findet in Lugano statt. Der Rollstuhlclub InSuperAbili lädt am 8. September zum Feiern an die Ufer des Luganersees. Von Walter Lisetto

11.30 Uhr Parade des «Corpo Volontari Luganesi» 12.00 Uhr Saalöffnung 12.30 Uhr Mittagessen

Der Rollstuhlclub InSuperAbili besteht seit 2012. Sport, insbesondere das Handbikefah­ ren, steht im Vordergrund. Der Club bie­ tet immer wieder innovative Aktivitäten wie Paragliding und – ganz neu – Aerogra­ vity, die Simulation eines Flugs im freien Fall. Weiterbildungen und Veranstaltungen zur Sensibilisierung stehen ebenfalls auf dem Programm. Beispiel für Inklusion Der Rollstuhlclub ist offiziell anerkannt von den lokalen Sportvereinen und beson­ ders stolz auf die enge Zusammenarbeit mit den städtischen Behörden. Als Beispiel für gelungene Inklusion kann sich InSuperAbili an verschiedenen Veranstaltungen der Stadt präsentieren. So sind wichtige Veranstaltun­ gen im Zeichen der Inklusion möglich, wie 8

das Schweizer Finale des «Circuito Europeo Handbike 2017 EHC», an welchem Athleten aus zwölf Nationen teilgenommen haben. Mitt­lerweile sind die Handbikerennen re­ gelmässig Teil der internationalen CyclingEvents im Tessin. Innovation und Tradition Das Tessin bildet eine wichtige Verbindung zwischen nördlicher und südlicher Tradi­ tion. Lugano ist Sinnbild einer innovativen Stadt, welche gleichzeitig ihre Traditionen lebendig hält. So wird auch das Zentralfest eine Mischung dieser beiden Qualitäten zei­ gen: Erleben Sie Darbietungen mit Lokal­ kolorit, aber zugleich mit moderner Aus­ rich­tung. Und geniessen Sie ein Angebot mit Klassikern der regionalen Ess- und Trinkkultur.

Nachmittag Show des berühmten Zauberers Federico Soldati 16.00 Uhr Ende des offiziellen Teils

Veranstaltungsort Das Fest findet im Padiglione Conza, Viale Castagnola 5, im Campo Marzio Nord, un­ weit der Universi­tät und des Kongresspalas­ tes statt. Unterkunft und Mobilität Dank renoviertem Bahnhof ist Lugano sehr gut erreichbar. Zudem bietet die Stadt ver­ schiedene Infrastrukturen und behinderten­ gerechte Transporte. Paracontact I Sommer 2018


Menü 1 Antipasto Kaninchen-Terrine auf Sommer-Saisonsalat *** Primo Rindsschmorbraten mit Gemüse und Polenta *** Secondo Tessiner Formagella (Alpkäse) mit Nusskernen und Feigensenf *** Dessert Erdbeermousse, Tiramisu, Millefoglie mit Creme und Waldbeeren

Menü 2

Hotels/Aufenthalt Lugano Region Piazza della Riforma – Palazzo Civico, Lugano Tel. 058 220 65 00 info@luganoregion.com www.luganoregion.com

Antipasto Saisongemüse-Terrine auf Sommer-Saisonsalat *** Primo Lasagnette mit Zucchini, Auberginen, Karotten auf Tomaten-Basilikum-Sauce *** Secondo Tessiner Formagella (Alpkäse) mit Nusskernen und Feigensenf *** Dessert Erdbeermousse, Tiramisu, Millefoglie mit Creme und Waldbeeren

Anmeldung zum 36. Zentralfest der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Name Vorname Strasse PLZ/Ort E-Mail Datum/Unterschrift Namen der Begleitpersonen Ich bestelle folgende Festkarten (bitte Anzahl angeben). Diese werden zirka zwei Wochen vor der Veranstaltung versendet. Festkarten Kinder-Festkarten machen am Kinderprogramm mit, Alter: Menüwahl (bitte Anzahl angeben) Menü 1 Kinderportion Menü 1

Menü 2

Kinderportion Menü 2

Bis 22. August 2018 einsenden an: Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, Kultur und Freizeit, Kantonsstrasse 40, 6207 Nottwil, Tel. 041 939 54 24, kf@spv.ch Paracontact I Sommer 2018 

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Paracontact I Sommer 2018


WIR BEWEGEN

NACHGEFRAGT

Mit Besucherzentrum Sensibilität erhöhen Die Ausstellungsgestalter von Steiner Sarnen Schweiz konzipieren ein neues Besucherzentrum für die SPS. Es zeigt vier Lebensgeschichten. Von Evelyn Schmid

entworfen wurde. Im Obergeschoss des Ge­ bäudes erwartet die Besucher eine multi­ medial und interaktiv gestaltete Lebenswelt. Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung will damit die Bevölkerung sensibilisieren und informieren – und Querschnittgelähm­ten damit letztlich die Integration erleichtern. So wie das die SPV mit ihren Sensibilisie­ rungskursen heute schon tut. Zudem sind wir überzeugt, dass wir ein jüngeres Pub­ likum mit einer Multimedia-Ausstellung besser abholen können als mit traditionel­ len Führungen. Neu werden auch Einzel­ personen zu Besuch kommen können. Bisher gab es in der Klinik nur Gruppen­ führungen. Agnes Jenowein, Leiterin Historisches Archiv und Besucherzentrum

Das Besucherzentrum: multimedial und berührend

Mehr als 20 000 stationäre Behandlungen sind im Schweizer Paraplegiker-Zentrum seit seiner Gründung erfolgt. An den Schick­ ­salen dieser Menschen haben nicht nur An­ ­gehörige Anteil genommen, sondern auch viele Besucher. Wir haben Agnes Jenowein, die Projektleiterin des neuen Besucherzent­ rums befragt, was Gäste ab 2019 erwarten können. Seit Jahren pflegen wir in Nottwil die Kultur des offenen Hauses, reicht das nicht mehr aus? Agnes Jenowein: Jedes Jahr führen wir rund 11 000 Gäste durch den Campus – Vereine, Paracontact I Sommer 2018 

Schulklassen, Unternehmen oder Berufs­ organisationen. Die Besucherzahlen werden sich in den nächsten 5 bis 10 Jahren ver­mut­ lich verdoppeln. Mehr als jetzt kön­nen wir aber nicht durch die Klinik führen, ohne die Patienten und den Klinikbetrieb zu stören. Daher haben wir nach neuen Ideen gesucht. Bislang hat die Paraplegiker-Stiftung klassische Führungen für Gruppen ­angeboten. Wie wird ein Besuch in Nottwil künftig ausschauen? Zwischen Aula und Patiententrakt ent­steht auf zwei Etagen ein Besucherzentrum, das von den Architekten Hemmi Fayet, Zürich,

Was wird ein Besucher konkret sehen und erleben können in der Ausstellung? Wir versuchen, den Alltag von Menschen mit einer Querschnittlähmung darzustel­ len. Die Besucher lernen vier unterschied­ lich schwer Betroffene auf Augenhöhe ken­ nen. Diese geben einen Einblick in ganz alltägliche Situationen und helfen so Hemm­ ­schwellen abbauen, die viele Leute gegen­ über Personen im Rollstuhl haben. Es han­ ­­delt sich um fiktive, aber realitätsnahe Lebensgeschichten. Natürlich vermitteln wir auch ganz konkretes Wissen über zahl­ ­reiche Aspekte einer Querschnittlähmung. Wer realisiert die Ausstellung? Wir haben eine Agentur gesucht, wel­che die nötige Sensibilität aufbringt, mit Tabuthe­ men umzugehen. Von vier präsen­tierenden Agenturen hat uns Steiner Sarnen Schweiz mit der Grundidee überzeugt, Lebensge­ schichten zu zeigen, die ganz persönlich be­ rühren.

Eröffnet wird das Besucherzentrum vom 5. bis 8. September 2019 während der Leistungs- und Erlebnisschau Dynamo 2019 rund um den Sempachersee. 11


LEBENSBERATUNG

ASSISTENZBEITRAG

Glücklich zu Hause statt im Heim

Ferdi Hiltbrunner hat das Locked-in-Syndrom. Trotzdem lebt er mit seiner Frau in einer eigenen Wohnung. Ohne Assistenzbeitrag wäre er heute im Pflegeheim. Von Manuela Burkart

Ferdi schafft es gerade noch, einen Kollegen zu alarmieren. Es ist am Abend des 14. Feb­ ruar 2007 gegen 21.30 Uhr als Ferdi reali­siert, dass etwas nicht stimmt mit ihm. Die bei­ den herangeeilten Kollegen bringen Ferdi aus der Wohnung ins nahe Spital in Huttwil. Von dort wird Ferdi mit der Rega ins Insel­ spital und nach drei Wochen nach Nottwil ins Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) verlegt. Ferdi hat das Locked-in-Syndrom, 12

ausgelöst durch einen Schlaganfall im Hirn­ men anzeigen kann. Heute kann Ferdi unter stamm. Er ist am ganzen Körper gelähmt, grosser Kraftanstrengung verlangsamt wie­ muss beatmet und künstlich ernährt wer­ der sprechen. den, ist jedoch bei vollem Bewusstsein. Im Pflegeheim Ferdi verbringt neun Monate im SPZ. Er Nach dieser guten Zeit im SPZ wie Ferdi lernt zu atmen, zu schlucken und zu kom­ sagt, kommt er auf eine Pflegeabteilung in munizieren, anfänglich durch Augenbewe­ Huttwil. Da lernt er Christine kennen, die gungen, später mit einem Laserpointer, mit dort als Pflegeassistentin arbeitet. Die bei­ welchem er Buchstaben, Zahlen und Na den werden ein Paar und für Christine ist Paracontact I Sommer 2018


schnell klar, dass sie mit Ferdi zusammen­ ziehen möchte. Ferdi zögert, möchte nicht, dass Christine 24 Stunden für ihn da sein muss und bittet Christine, noch zuzuwarten. Im 2011 erfahren sie vom Assistenzbeitrag. Sie informieren sich, haben Sitzun­gen mit Fachpersonen, bis es Ende 2011 plötz­lich heisst: «Ihr dürft eine Wohnung suchen.»

«Plötzlich heisst es, wir dürfen eine eigene Wohnung suchen.»

Aktuell haben die beiden fünf Assistentin­ nen und einen Assistenten angestellt, einige von ihnen von Beginn an. Die Einteilung der Assistenzpersonen erledigt Christine. Sie selbst arbeitet 60 % und plant die Assis­ tenz rund um ihren eigenen Arbeitsplan. Die Assistentinnen kochen, gehen einkau­ fen oder übernehmen die Aktivierung. Ein Highlight für Ferdi und die Assistenzperso­ nen ist jeweils das Schwimmen in Nottwil. Die Beziehung zu den Assistenzpersonen sei sehr gut, betonen beide. Die Assistenz­ personen seien mehr als nur Angestellte, vielmehr sind sie Freunde des Ehepaares. Die beiden sind sich bewusst, dass diese Nähe auch schwierig sein kann. Sie sind sich jedoch einig, dass sie eine super Lösung ha ben und ihre Dankbarkeit den Assistenz­ personen gegenüber ist spürbar.

Ferdi möchte in Huttwil, in seinem gewohn­ ten Umfeld, bleiben. Sie finden eine Woh­ nung und ziehen am 1. Mai 2012 in ihr ers­ tes gemeinsames Zuhause. Von Seiten der SPV unterstützen sowohl die Lebensbera­ tung wie das Zentrum für hindernisfreies Bauen beim Anpassen der Mietwohnung Mit Toleranz und Humor an die speziellen Bedürfnisse des Paares. Berührungsängste habe er nie gespürt, sagt Ferdi. Christine habe da schon mehr Mühe Arbeitgeber sein gehabt. Sie musste sich zuerst daran ge­wöh­ Ferdi und Christine finden schnell Assis­ ­nen, so viele Personen im eigenen Haus­ tenz­personen, es sind ehemalige Pflegerin­ halt zu haben. Auch habe sie lernen müssen, nen und Arbeitskolleginnen von Christine. to­le­rant zu sein, wenn beispielsweise der Dank ihres grossen Netzes finden sie auch Ge­schirrspüler nicht nach ihrem Schema eine kompetente Person, welche die Admi­ eingeräumt wird. Ferdi lacht bei den Er­ nistration rund um die Anstellung der As­ zäh­­lungen seiner Frau und meint dazu: sistenzpersonen erledigt. «Tüpflischiiser». Für Ferdi ist von Anfang an klar, dass die Morgenpflege die Spitex und nicht die Assis­ tenzpersonen übernehmen soll. Wenn im mer möglich versuchen Christine und Ferdi ein Wochenende im Monat nur für sich zu haben, ohne Spitex und Assistenz.

Für Ferdi und Christine ist klar, dass das Leben in einer eigenen Wohnung ohne den Assistenzbeitrag nicht möglich wäre. Auch Christine ist im Nachhinein froh, dass Ferdi sie damals in ihrem Eifer nach einer gemein­ samen Wohnung gebremst hatte.

ASSISTENZBEITRAG DER IV Der Assistenzbeitrag der Invalidenver­ sicherung soll Per­sonen, welche bei ­alltäglichen Lebensverrichtungen auf Hilfe angewiesen sind, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu Hause ermögli­chen. Mit dem Beitrag können Assistenten angestellt werden, welche die notwendige Unterstützung beispielsweise bei der Kör­per­pflege, im Haushalt oder auch bei Freizeitaktivitäten leisten. Anspruchsberechtigt ist, wer eine Hilflosen­entschädigung der IV bezieht und zu Hause wohnt oder beabsichtigt, in Zukunft in einer eigenen Wohnung zu leben.

Ferdi möchte nicht mehr tauschen. Im Heim habe er ein Zimmer gehabt, kaum persön­ liche Dinge und wenig Privatsphäre. Hier habe er «fast 100 % Freiheit». Und dennoch haben die beiden einen grossen Traum: Sie möchten irgendwann im eigenen Haus leben. Mit so viel gutem Willen, Toleranz und Engagement, das die beiden an den Tag legen, werden sie auch dieses Projekt irgendwann realisieren.

Fragen zum Assistenzbeitrag? Die Mitarbeitenden der Lebensberatung helfen Ihnen, optimale Lösungen zu finden. Tel. 041 939 54 04

Hilfsmittel unterstützen Ferdi in seinem Alltag

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Paracontact I Sommer 2018


LEBENSBERATUNG

NACHBARSCHAFTSHILFE

IM BALGRIST

Zeit schenken

SPV-Höck

Der Anteil der älteren Menschen wächst rasant – damit der Betreuungsbedarf und die Kosten. Zeitgutschriften können Abhilfe schaffen. Von Kurt Beck, Zeitgut

Die Rollstuhlfahrerin Petra M. (Name geändert) ist nicht mehr so mobil, wie sie gerne wäre. Zum Glück hat sie jemanden gefun­ den, der sie bei Ausflügen und beim Ein­ kaufen begleitet. Ihrerseits kocht sie einmal pro Woche bei sich zu Hause für jeman­ den, der oft alleine ist.

Handreichungen im Haushalt oder Gesprä­ che tragen dazu bei, den Alltag von Men­ schen zu erleichtern, die altershalber oder aufgrund anderer Umstände Hilfe benöti­ gen. Pflegeleistungen sind von diesem An­ gebot ausgeschlossen. Sozialkontakte für mehr Lebensqualität Neben der konkreten Unterstützung sind gerade auch die mit dem Austausch verbun­ denen sozialen Kontakte wichtig. Dies nicht nur für Gebende, sondern auch für die Nehmenden. Oft entstehen neue freund­ schaftliche Beziehungen.

NETZWERKE Zeitgut Luzern Die Genossenschaft Zeitgut Luzern wurde als erste Organisation des wachsenden Netzwerks vor 5 Jahren gegründet. Sie zählt über 280 Mitglieder. Unterstützung im Haushalt

Das Beispiel zeigt, wie Nachbarschaftshilfe à la Zeitgut funktioniert. Das Prinzip ist einfach: Ich unterstütze jemanden, der es gerade braucht. Die Stunden, die ich auf­ wende, werden mir auf meinem Zeitkonto gutgeschrieben. Auf dieses Zeitpolster kann ich zurückgreifen, wenn ich selber Unter­ stützung brauche. Freiwillig und kostenlos Die Leistungen der Zeitfreiwilligen sind kos­ tenlos. Bedingung ist allerdings, dass neh­ mende wie gebende Person einer Nachbar­ schaftsorganisation angehören. Kleinere Paracontact I Sommer 2018

Weitere Genossenschaften geplant Aktuell gibt es elf Genossenschaften, die in der Deutschschweiz aktiv sind. Zwanzig weitere sind in Planung. Ziel ist es, ein Netzwerk aufzubauen, das in der ganzen Schweiz präsent ist und in absehbarer Zeit als vierte, geldunabhängige Vorsorgesäule funktioniert.

Informationen, Fragen und Anregungen www.zeitgut.org, www.kisszeit.ch Kontakt: r.schaerli@zeitgut.org

Die SPV bietet in der Uniklinik Balgrist regelmässig Infoveranstaltungen an. Offene Runde: Stammtisch Lebensberatung SPV, Donnerstag, 28. Juni 2018, 16.00 –18.00 Uhr Die Gesprächsgruppe «Mit Querschnittlähmung leben» trifft sich monatlich und diskutiert und informiert jeweils zu verschiedenen Themen. Interessierte treffen sich im Restaurant der Uniklinik Balgrist. In lockerer und unkomplizierter Gesprächsrunde werden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht. ParaHelp stellt sich vor ParaHelp und SPV, Donnerstag, 30. August 2018, 16.00 –18.00 Uhr ParaHelp ist spezialisiert auf pflegerische Bedürfnisse von querschnittgelähmten Menschen und ihren Angehörigen. Sie sucht zusammen mit den Betroffenen nach individuellen und praktischen Lösungen, die helfen sollen, die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu verbessern und lähmungsbedingte Komplikationen zu vermeiden. Eine Mitarbeiterin der ParaHelp informiert Sie über die Dienstleistungen und beantwortet gerne Ihre Fragen. Offene Runde: Stammtisch Lebensberatung SPV, Donnerstag, 27. Sept. 2018, 16.00 –18.00 Uhr Diese Veranstaltung findet im gleichen Rahmen wie jene vom Juni statt. 15


RECHTSBERATUNG

SOZIALVERSICHERUNGSRECHT

Höhere Renten für Teilzeiterwerbstätige Personen, die auch ohne Invalidität lediglich Teilzeit arbeiten würden, waren bei der IV bisher benachteiligt. Dank eines neuen Berechnungsmodells werden viele Teilzeitarbeitende künftig eine höhere Invalidenrente erhalten.

Von Thomas Wehrlin Der Invaliditätsgrad von Personen, die ohne Invalidität Teilzeit arbeiten und da­ neben auch Aufgaben in Familie und Haus­ halt übernehmen würden, wird nach der «ge­mischten Methode» berechnet. Dabei wer­den die Auswirkungen der Invalidität sowohl auf die Erwerbstätigkeit als auch auf die Betätigung im sogenannten Aufga­ benbereich (Haushalt, Kinderbetreuung) geprüft. Diese Methode stand seit vielen Jah­ren in der Kritik, da sie oftmals zu tie­ feren Invaliditätsgraden führte als bei Voll­ zeit­er­werbstätigen. Bemängelt wurde auch, dass fast ausschliesslich (zu 98  %) Frauen von die­­ser Methode und damit von tieferen

Invaliditätsgraden betroffen waren. Die Kri­ tik gipfelte darin, dass der Europäische Ge­richts­hof für Menschenrechte (EGMR) im Jahr 2016 eine Beschwerde einer Schwei­ ze­rin guthiess und befand, dass die gemisch­ ­te Methode diskriminierend sei. Der Bundesrat war deshalb gefordert, die Rentenberechnung bei Personen, die so­ wohl im Beruf als auch im Haushalt tätig sind, zu überdenken. Als Ergebnis seiner Überlegungen hat er nun ein neues Berech­ nungsmodell für die gemischte Metho­de ein­geführt. Dieses gilt seit Anfang Jahr und führt dazu, dass Renten von Teilzeit­

erwerbstätigen grundsätzlich höher ausfal­ len. Personen, deren Inva­liditätsgrad nach der gemischten Methode berechnet wurde, haben Anrecht darauf, dass ihre Rente über­ prüft bzw. neu berech­net wird. Neue Berechnung der Einkommens­einbusse Die neuen Berechnungsregeln betreffen kon­kret die Ermittlung der invaliditäts­ bedingten Einschränkung im Teilbereich Erwerbstätigkeit. Bisher wurde die invali­ ditätsbedingte Erwerbseinbusse bei Teilzeit­ erwerbstätigen im Verhältnis zum vorher effektiv erzielten (Teilzeit-)Einkommen be­ rechnet. Neu wird die Einbusse im Vergleich zum vorher erzielten Lohn, der jedoch auf ein Vollzeitpensum hochgerechnet wird, er­ mittelt.

Zur Illustration ein Beispiel (vgl. auch Kas­ ten): Frau Müller arbeitete vor der Quer­ schnittlähmung 50 % und verdiente dabei CHF 40 000.– pro Jahr. Aus gesundheitli­ chen Gründen kann sie heute nur noch ein jährliches Einkommen von CHF 20 000.– erzielen. Bis anhin wurden zur Berech­ nung ihrer Einschränkung im Erwerbs­ leben diese zwei Einkommen einander ge­­­gen­übergestellt. Die Einschränkung betrug so­mit 50  %. Neu wird jedoch der ursprüng­ liche Lohn auf ein 100 %-Pensum hochge­ rechnet. Somit wird das jetzige Einkommen (CHF 20 000.–) dem auf ein Vollzeitpen­ sum hochgerechneten früheren Einkom­ men, somit CHF 80 000.–, gegenüberge­ stellt. Die Einschränkung im Bereich Er16

Paracontact I Sommer 2018


werbstätigkeit beträgt nach der neuen Be­ rechnungsmethode daher 75   %. Dies führt im Ergebnis zu einer höheren Invaliden­ rente, wie die nebenstehende Berechnung nach der «gemischten Methode» zeigt. Da bei nehmen wir an, dass Frau Müller im Aufgabenbereich, dem zwei­ten Teilbereich bei der «gemischten Metho­­de», um 50 % eingeschränkt ist. Dank des neuen Berech­ nungsmodelles erhöht sich ihre Ren­te um eine Viertelrente. Aufgabenbereich neu definiert Auch im zweiten Teilbereich, dem Aufga­ benbereich, gibt es Änderungen. Als Auf­ gabenbereich galten bisher die übliche ­Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder so­wie gemeinnützige und künstle­ rische Tätigkeiten. Neu ist unter Aufgaben­ bereich die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von Ange­ hörigen zu verstehen. Mit der neuen For­ mulierung wird zum einen klargestellt, dass nicht nur die Erziehung von Kindern, son­ dern auch die Pflege und Betreuung von weiteren An­gehörigen zum Aufgabenbe­ reich gehören kann. Zum anderen ergibt sich daraus, dass gemeinnützige und künst­ lerische Tätigkeiten nicht mehr zum Auf­ gabenbereich gezählt werden. Gesund­ heits­bedingte Ein­­schränkungen in diesen Be­reichen werden daher bei der Bemes­ sung des Invaliditätsgrads künftig nicht mehr berücksichtigt. Ein Teil der Betroffenen muss selber aktiv werden Aufgrund der Änderungen bei der «ge­ misch­­­ten Methode» haben Personen, deren Rente nach dieser Methode berechnet wur de, Anspruch auf eine Überprüfung ih­rer Invalidenrente. Laufende Viertelsrente, hal be Renten und Dreiviertelsrente, die in An­ wendung der gemischten Methode zuge­ sprochen wurden, werden im Laufe des Jahres 2018 von Amtes wegen überprüft. In diesen Fällen müssen die Betroffenen so mit nichts unternehmen. Eine allfällige Er­ ­höhung der Rente erfolgt rückwirkend auf den 1. Januar 2018. Falls die Prüfung ergibt, dass sich der Rentenanspruch nicht ändert, wird die betroffene Person von der IV infor­ miert, dass ihr Rentenanspruch nach dem neuen Berechnungsmodell geprüft wur­de und der Rentenanspruch gleich­bleibt. Paracontact I Sommer 2018 

BERECHNUNG NEU UND BISHER Berechnung neu: Frau Müller erhält eine Dreiviertelsrente.

Einschränkung Anteil der Tätigkeit

Teilinvaliditätsgrad

(Einschränkung × Anteil)

Erwerbstätigkeit 75 % 50 % Aufgabenbereich 50 % 50 % Invaliditätsgrad

37,5 % 25 % 62,5 %

Berechnung bisher: Sie hatte Anspruch auf eine halbe Rente.

Einschränkung Anteil der Tätigkeit

Teilinvaliditätsgrad

(Einschränkung × Anteil)

Erwerbstätigkeit 50 % 50 % Aufgabenbereich 50 % 50 % Invaliditätsgrad

25 % 25 % 50 %

Dank der Änderung des Berechnungsmodells erhöht sich die Invalidenrente von Frau Müller somit um eine Viertelsrente.

Selber aktiv werden müssen hingegen Per­ sonen, bei denen die Berechnung nach der gemischten Methode einen Invaliditätsgrad von weniger als 40  % ergab und deren Ren­ tenanspruch deshalb abgelehnt wurde. Zeigt sich, dass aufgrund des neuen Berechnungs­ modells neu ein Invaliditätsgrad von über 40  % resultiert, können sie sich erneut bei der IV anmelden und um eine Rente er­ suchen. Anpassung der IV-Rente nach Geburt wieder möglich Nach dem Urteil des EGMR, dass die ge­ mischte Methode zu einer Diskriminie­ rung von Frauen führt, hatte die IV vorü­ bergehend darauf verzichtet, bei Müttern, die nach der Geburt ihres Kindes von ei ner Vollzeit- auf eine Teilzeiterwerbstätig­ keit wechselten, ihre IV-Rente neu anhand der gemischten Methode zu berechnen. Weil nach Ansicht der IV mit dem neuen Berechnungsmodell Teilzeiterwerbstätige mit Aufgabenbereich nun grundsätzlich nicht mehr schlechter gestellt werden, kann die Geburt eines Kindes künftig wieder zu einem Wechsel der Berechnungsmethode (von der Methode für Vollzeiterwerbstätige zur gemischten Methode) und somit allen­ falls zu einer Anpassung der IV-Rente füh­ ren. Erfahrungsgemäss ändert die IV die Be­rechnungsmethode insbesondere dann, wenn die betreffende Person ihr gegenüber angibt, sie hätte auch ohne gesundheitliche

Beeinträchtigung bei der Geburt eines Kin­ des ihr Arbeitspensum reduziert. Wir ra ten werdenden Müttern, vor einer Äusse­ rung gegenüber der IV mit dem Institut für Rechtsberatung der SPV Kontakt auf­ zunehmen. Auch für Teilzeiterwerbstätige ohne Aufga­ benbereich dürfte das neue Berechnungs­ modell positive Auswirkungen haben. Bis­ her wurde ihr Invaliditätsgrad aus einem Vergleich des effektiv erzielten Teilzeitein­ kommens vor Invalidität mit dem Einkom­ men nach der Invalidität verglichen. Kon­ sequenterweise müsste neu auch bei ihnen das früher erzielte Teilzeiteinkommen auf ein Vollzeit­einkommen hochgerechnet wer­ den. Perso­nen, die vor der Invalidität Teil­ zeit ar­beiteten und keinen Aufgabenbereich hatten, dürften somit künftig auch einen höheren Invaliditätsgrad erlangen. Weitere Informationen – Art. 27 und 27bis der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) – IV-Rundschreiben Nr. 372 (www.bsvlive.admin.ch/vollzug, IV, Grundlagen IV, Individuelle Leistungen, Rundschreiben) – EGMR-Urteil Di Trizio gegen die Schweiz (www.bger.ch, Rechtsprechung, BGE und EGMR-­ Entscheide, Index, 2016 EGMR, 2016 [zuunterst]) 17


MEDIZIN UND WISSENSCHAFT

FUNKTIONELLE ELEKTROSTIMULATION

Effiziente Therapie für den Alltag Im SPZ werden jährlich 1700 Behandlungen zur Funktionellen Elektrostimulation durchgeführt.

Von Ines Bersch

Die Funktionelle Elektrostimulation (FES) ist eine Behandlungsmethode, die mit elek­ trischen Impulsen an Stelle von Nervenrei­ zen auf Muskeln einwirkt. Die Kontraktion eines oder mehrerer Muskeln ist die Folge. Bei der Anwendung wird mittels Elektro­ den, die auf die Haut gelegt werden, ein künstliches elektrisches Feld erzeugt. Je nach Art der Schädigung wird entweder der Muskel über den Nerv oder der Muskel di­ rekt stimuliert. Dies wird im Einzelfall ge­ testet und entschieden. Im Zentrum der Therapie steht stets die Funktionsverbesserung oder der Funk­ tionsersatz verschiedener Bewegungen. Das Angebot besteht für Patienten mit den un­ terschiedlichsten neurologischen Erkran­ kungen, das heisst nicht nur für Menschen mit Querschnittlähmung, ebenso nach or­ thopädischen Verletzungen.

Motorisches Lernen und Wiedererlernen von Bewegungen Es gibt keine Hinweise darauf, dass Lern­ prozesse bei Menschen mit neurologischen Defiziten anders erfolgen, als bei jenen ohne neurologische Defizite. Dabei spielt es keine Rolle, ob die neurologische Schädi­ gung durch eine Rückenmarksverletzung oder etwas anderes, wie einen Schlaganfall, zustande kam. Es kann nicht alles wieder­ erlernt werden, da zu stark geschädigte Bereiche von diesem Prozess ausgeschlos­ sen sind. Der Einsatz ist auch bei chroni­ scher Querschnittlähmung möglich. Herz-Kreislauf-Training Das FES­Cycling (Radfahren) wird als Herz­ Kreislauf­Training empfohlen. Hierbei wer­ den die Beinmuskeln während der Radfahr­ bewegung stimuliert. Dies bedeutet, dass man das Rad mit der Bewegung der stimu­

Motorisches Lernen Struktur

Wobei wird die Stimulation angewandt? Schematischer Überblick über den Einsatz der FES

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Tonus

FES

Kräftigung

HerzKreislauf

Atmung

Haut Funktionsersatz

lierten Beine antreibt. Effekte wie eine grös­ sere Sauerstoffaufnahme während des Trai­ nings und eine gesteigerte Fettverbrennung durch das Training sind untersucht und be­ legt worden. Atmung – Husten Patienten mit einer Tetraplegie und Para­ plegie (TH2 – TH5) fehlt lähmungsbedingt die willkürliche Aktivität der Bauchmus­ kulatur. Diese wiederum ist wesentlich an der forcierten Ausatmung beteiligt. Die for­ cierte Ausatmung ist notwendig für eine gute Belüftung der Lunge, das Husten und laute kraftvolle Sprechen. Normalerweise benötigt ein Tetraplegiker eine Hilfsperson, die beim Abhusten eine manuelle Unter­ stützung gibt. Eine Alternative stellt die FES der Bauchmuskulatur dar. Sie verstärkt die Ausatmung und den Hustenstoss. Dekubitusprophylaxe mit FES Mit dieser Anwendung der FES wird die Gesäss­ und hintere Beinmuskulatur ge­ kräftigt. Dadurch kommt es zur Zunahme der Muskelmasse in diesem Bereich, was wiederum zu einer besseren Druckvertei­ lung im Sitzen führt, Druckspitzen unter dem Sitzbein deutlich reduziert und somit letztlich der Entstehung eines Dekubitus vorbeugt. Des Weiteren werden Trophik und Durchblutung verbessert. Funktionsersatz Die FES kann Teilfunktionen von Muskel­ gruppen oder einzelne Muskeln in ihrer Funktion unterstützen oder sogar ersetzen. Paracontact I Sommer 2018


Stimulation zur Verbesserung der Handfunktion

Das am häufigste angewandte System un­ terstützt Muskeln in den unteren Extremi­ täten beim Gehen, wie z. B. die Fussheberund /oder die Gesässmuskulatur. Es kön­nen jedoch auch Muskeln im Rumpf in der Fortbewegung oder in den oberen Extre­ mitäten beim Greifen von Gegenständen unterstützt oder ersetzt werden. Es bedarf einer individuellen Abklärung, um einen effektiven und effizienten Funktionsersatz zu erstellen. Auch wenn eine Abklärung positiv verläuft, kann man in aller Regel nicht einfach ein solches System anlegen und loslaufen. Es bedarf einer vorbereitenden Trainingspha­ ­se, da die zu stimulierenden Muskeln in ihrer Kraft und vor allem Ausdauer vorbe­ reitet werden müssen, um einer dauerhaf­ ten Stimulation über mehrere Stunden im Alltag Stand zu halten. Kräftigung Es können einzelne Muskel oder Muskel­ gruppen in ihrer Funktion gekräftigt wer­ den. Diese erfolgt unter statischen Bedin­ gungen mit Gewichtbelastung und/oder dynamisch gegen Widerstand. Ein erfolg­ reiches Krafttraining mit FES muss 3-mal wöchentlich für 30 Minuten durchgeführt werden. Eine Kombination von FES und Training gegen Widerstand ist effektiver als eines der beiden Methoden allein (Harvey et al 2010). Das bedeutet, dass es nicht viel nützt, sich ohne die entsprechenden Übun­ gen «nur» zu stimulieren, wenn man Kraft aufbauen möchte. Paracontact I Sommer 2018 

Spastik Der Einsatz der FES hat eine Spastik- und Spasmen-regulierende Wirkung. Diese Wir­ ­kung setzt kurz anhaltend, bereits nach der ersten Behandlung ein. Eine länger an­ haltende Wirkung wird erst nach einigen Wochen bis Monaten erzielt. Die Stimula­ tion erfolgt mit Bewegung der entsprechen­ den Muskulatur. Die Behandlungshäufig­ keit liegt bei drei- bis fünfmal wöchentlich mit einer reinen Stimulationszeit von 30 Minuten. Behandlung der Rumpfmuskulatur mit FES Strukturelle Veränderungen im Bereich der Statik und Rumpfmuskulatur können bei einer skoliotischen Fehlhaltung, läh­ mungs­bedingten Skoliosen, Asymmetrien im Rumpf durch Spastik oder Willkürmo­ torik oder bei Kindern mit Querschnittläh­ mung während des Wachstums entstehen. Die FES in Kombination mit einer geziel­ ten physiotherapeutischen Behandlung der Haltung sowie einer gleichzeitigen Anpas­ sung des Rollstuhls stellt eine Behandlungs­ methode dar.

 WIE KOMME ICH ZU FES? Wird nach erfolgreicher Abklärung ­entschieden, dass die FES sinnvoll ist, kommt es zur Anfrage beim jeweiligen Kostenträger (Unfall- oder Kranken­ versicherung) für die Beteiligung oder Übernahme der Kosten für ein Sti­mu­lationsgerät. Ziel ist es, dass die ­Sti­mulation zu Hause, im Alltag oder der jeweiligen Funktion erfolgen kann. Bei dieser Therapiemethode verspricht nur die Regelmässigkeit und Konti­nuität den Erfolg. Die Anzahl der jährlichen Behandlungen steigen kontinuierlich. 1992 belief sich die Anzahl der jährlichen Behandlungen auf zirka 100, im Jahr 2000 waren es bereits 1000 Behandlungen und im Jahr 2016 bereits 1700. Die steigende Tendenz hält an, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass sich das SPZ entschlossen hat, im Januar 2018 das International FES Centre®, ein in­­ternationales Zentrum für Funk­ tionelle Elektrostimulation mit dem Schwerpunkt Behandlung und Schulung, zu eröffnen.

Ines Bersch ist Leiterin des International FES Centre® in Nottwil fes.spz@paraplegie.ch 19


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Paracontact I Sommer 2018


MEDIZIN UND WISSENSCHAFT

THROMBOSEPROPHYLAXE

Mühsam, aber hilfreich Kompressionsstrümpfe begleiten die Quer­schnittgelähmten das ganze Leben lang. Sie werden oft gehasst, sind aber kaum verzichtbar. Von Dr. med. Hans Georg Koch

Es beginnt in der Erstrehabilitation, setzt sich bei Reisen und auch bei Komplikations­ behandlungen fort und endet bei der Be­ handlung von geschwollenen Un­terschen­ keln und Füssen, wenn die venöse Stauung im Alter zu gross wird. Vielen Te­tra­ple­gi­ kern helfen sie, den Blutdruck zu sta­bilisie­ ren und eine Hypotonie (zu niedriger Blut­ ­druck) beim Aufstehen zu ver­mei­den.

Individuelle Anpassung

Kompressionsstrümpfe werden von den meisten nicht geliebt, sind aber effizient und beinahe nebenwirkungsfrei. Mit den Kompressionsstrümpfen können Venen­ thrombosen vermieden werden. Diese ent­ stehen durch zu langsamen Rückfluss des Blutes aus den Beinvenen zum Herzen. We gen der gelähmten Beinmuskulatur werden die Bein­­venen nicht mehr durch die Mus­ kelaktivität von aussen ausgepresst (Mus­ kelpumpe). Das Blut bleibt darum stehen und kann gerinnen. Durch Kompressions­ Paracontact I Sommer 2018 

strümpfe wird der Querschnitt der Bein­ ve­nen um zirka einen Drittel reduziert und das Blut fliesst dadurch schneller. Eben­ falls positiv wirkt sich genügend zu trin­ ken aus (mindestens drei Liter pro Tag). Dadurch wird das Blut verdünnt und ge­ rinnt weniger. Ein dritter Grund wäre eine Verletzung der Innenschicht der Venen. Dies passiert aber nur bei Prellungen, ­Zerrungen oder Entzündungen. Für eine wirk­­same Prophylaxe werden Kompres­ sionsstrümpfe der Klasse 2 empfohlen. Die Kom­­pression des Beines durch den Strumpf ist an den Knöcheln am stärksten und nimmt gegen die Hüfte ab. Dies wird durch ein spezielles Rundstrickverfahren erreicht. In vielen Fällen müssen die Kompressions­ strümpfe individuell angemessen und auf Mass gestrickt werden. Prophylaxe  Querschnittgelähmte Personen haben in­ folge ihrer Pathologie ein hohes Risiko, eine tiefe Venenthrombose (TVT) zu erleiden. In den ersten zwei Monaten nach Eintre­ ten der Lähmung ist das Risiko am gröss­ ten und man begegnet ihm mit einer ge­ zielten zweigleisigen Thromboseprophylaxe: einerseits das konsequente Tragen von hüft­hohen Kompressionsstrümpfen und andererseits einer medikamentösen Throm­ boseprophylaxe mit täglich gespritzten nie­ dermolekularen Heparinen oder neu auch mittels Tabletten. Diese Massnahmen ver­ hindern das Entstehen eines Venenthrom­ bus, eines Klumpens geronnenen Blutes in den Venen, der, wenn er davonschwimmt, die Lungenarterien verstopfen wird und so eine Lungenembolie, manchmal mit fatalem Ende, verursachen kann. Die Verwen­dung von Ovulationshemmern (Antibabypille) erhöht das Thromboserisiko zusätzlich.

Die Thromboseprophylaxe kann nach Er­ reichen der Vollmobilisation (= 4 Wochen mind. 6 Std. im Rollstuhl) stufenweise ab­ gesetzt werden. In Situationen, die mit ei­ner längeren Immobilisation zusammen­hän­ gen, oder nach einem chirurgischen Ein­­griff muss die Thromboseprophylaxe wieder auf­ genommen werden. Bei langen Flug- oder Busreisen empfiehlt es sich ebenfalls, die Kompressionsstrümpfe wieder anzuziehen. Bei einer Reisedauer von mehr als 4 Std. ist eine medikamen­ töse Thromboseprophylaxe einzuleiten und auf jeden Fall genügend zu trinken. WICHTIGE HINWEISE – Die Kompressionsstrümpfe müssen korrekt sitzen. Allfällige Falten (z. B. Kniekehle) oder Umstülpungen können Stau­ungen verursachen und begünstigen Thrombosen, statt sie zu verhindern. – Zum Anziehen Gummihandschuhe und einen Gleitstrumpf verwenden. Dieser kann durch die offene Strumpfspitze wieder herausgezogen werden. – Zerschlissene oder zu locker sitzende Stütz­strümpfe müssen ersetzt werden, sie haben die Wirkung verloren.

Literatur V. Geng, B. Schwaller: Die Schwester – Der Pfleger Nr. 7, 2005, p. 532 ff. 21


HINDERNISFREIES BAUEN

SOMMERFREUDEN

Das barrierefreie Schwimmbad

Endlich ist er da, der Sommer. Und damit auch die Badesaison. Viele Rollstuhlfahrer verzichten aber auf Strand- und Freibäder. Zu Recht? Von Roger Mottaz

Die meisten Schwimmbäder öffneten An­ fang Mai und ziehen schon bald wieder Scha­ren von Sonnenhungrigen an. Für Men­schen mit Behinderungen ist ein Be­ such in der «Badi» aber nicht immer ein­ fach. Manchmal fangen die Probleme be­ reits beim Parkplatz an. Oft warten weitere Hür­den beim Kassenbereich, beim Kiosk, den Umkleidekabinen oder Toiletten. Der Einstieg in den Schwimmbereich oder in 22

den See oder Fluss stellt dann das letzte Problem dar. Deswegen verzichten viele Rollstuhlfahrer von vorn­herein auf einen Besuch im Schwimm­bad. Knapp die Hälfte der bestehenden Anla­ gen in der Schweiz sind mehr oder weniger rollstuhlgerecht ausgestattet, zeigte eine Studie von Procap Schweiz im Jahr 2012. Überprüft wurde auf der Grundlage der

SIA-Norm 500 «Hindernisfreie Bauten». Die Studie zeigte, dass bei den Betreibern der meisten Orte viel Verständnis vorhan­ den ist und der Wille besteht, bei künftigen Sanierungen die notwendigen Anpassun­ gen vorzunehmen. Dennoch waren nicht alle Bäder mit den Bewertungen einverstan­ den. Die Sache ist zudem komplex, Aspekte wie Hygiene, Sicherheit und Finanzierbar­ keit sind stets auch zu beachten. Paracontact I Sommer 2018


Foto: Procap Schweiz/Flavia Trachsel

Wo kann ich geeignete Schwimm­anlagen finden? Interessierte finden geeignete Anlagen ge­ ordnet nach Kantonen und Gemeinden auf www.badi-info.ch (Freibäder anklicken). Bei vielen Anlagen kann man nachlesen, ob die Badi behindertenfreundlich ist. Zum Teil ist vermerkt, wie Procap sie im Hinblick auf Behindertenfreundlichkeit bewer­tet hat.

Hilfsbedürftigkeit als Hemmschwelle Oft sind es Feinheiten, die einem Men­ schen mit Handicap das Badevergnügen verderben. Wer nicht selber im Rollstuhl sitzt, ist sich der vorhandenen Hürden sel­ ten bewusst. Niemand ist gerne auf  frem­ ­de Hilfe angewiesen. Wenn sich ein Roll­ stuhlfahrer im Schwimmbad nicht ohne Un­terstüt­zung bewegen kann, bleibt er lie­ ber zu Hause.

Das muss aber nicht sein. In der Bundesver­ fassung steht geschrieben, dass niemand diskriminiert werden darf aufgrund einer Behinderung. Das Behindertengleichstel­ lungsgesetz (BehiG) schafft die Rahmenbe­ dingungen dazu und regelt weitgehend die Dienstleistungen des Gemeinwesens, die zwingend auch für Menschen mit Behin­ derung angeboten werden müssen. Dazu ge­hören die Freibäder, Gartenbäder, Fluss-, See-, Strand- und Hallenbäder sowie ge­ mein­deeigene Badeplätze. Schliesslich ist Schwim­men für viele körperlich beeinträch­ tigte Personen die optimale Art, sich un­ beschwert zu bewegen. Das ist Gesund­ heitsförderung im umfassenden Sinn und dient der Integration. Paracontact I Sommer 2018 

Der Schwimmbadführer Procap publiziert zudem einen Schwimm­ badführer. Dieser macht auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung aufmerk­ sam und verbessert gezielt die Möglichkeit von Gleichstellung, Integration und Begeg­ nung. Er beinhaltet eine Dokumentation mit den Bewertungskriterien, Informationen für Schwimmbadbetreiber und wichtigen Tipps für hindernisfrei zu gestaltende Bä der. Diese können online heruntergeladen werden auf www.goswim.ch.

Egal um welche Bauten oder Anlagen es sich handelt: Die SIA-Norm 500 ist beim Bau von öf­fent­li­chen Anlagen immer massge­ bend. Nütz­­li­che Richtlinien für Betreiber und Planer von Schwimmbädern sind auch in der Broschüre «Hindernisfreie Sport­ anlagen» zu finden, wel­che durch Roll­ stuhl­­sport Schweiz in Zusammenarbeit mit der IG Sport und Han­dicap, Procap Sport und PluSport erarbeitet wurde. Nachhaltigkeit – auch bei Schwimmbädern Beim Planen, Bauen, Sanieren oder Um­ bauen von Schwimmbädern ist sowohl auf die ökologische, die wirtschaftliche als auch die gesellschaftliche Nachhaltigkeit zu ach­ ten. Für letztere bilden hindernisfreie Bau­ ten und Anlagen einen wichtigen und un­ erlässlichen Bestandteil. Es braucht die Sen­sibilisierung für die Bedürfnisse und An­liegen von Menschen mit einem Han­ dicap. In einem politischen Umfeld, in dem Betroffene und ihre Bedürfnisse leider all zu oft zu reinen Kostenfaktoren reduziert werden, braucht es klare Richtlinien.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wun­ derschöne, sonnige Sommertage mit vie­ len wohltuenden Abkühlungen – und weni­ gen oder gar keinen Hindernissen in der bevorstehenden Badesaison.

WAS HEISST HINDERNISFREI?  ie wichtigsten Voraussetzungen D für hindernisfreie Bäder sind: – Behindertenparkplätze sowie ein stufenloser Zugang für Rollstuhlfahrer von der nächsten ÖV-Haltestelle in die Anlage und bis zu den Bade­ becken. – Eine oder mehrere angepasste Umkleidekabinen. – Behindertengerechte Dusche. Das Duschen in Frei- und Hallen­ bädern ist in der Regel vorgeschrieben und hat damit eine grössere Bedeutung. – Im Minimum sollte ein Bade-/­ Duschrollstuhl verfügbar sein. – Aussenduschen: mindestens eine zentral gelegene, rollstuhlgerecht zugängliche Dusche mit einem Duschsitz. – Behinderten-WC mit EurokeySchliess-System, unterfahrbare Waschbecken. – Keine vertieften Fuss- respektive Durchschreitebecken bei den Duschen ­vor dem Schwimmbecken oder eine schwellenlose, genügend breite ebene Überbrückung oder Umfahrungsmöglichkeit des Durch­ schreitebeckens. – Einstiegshilfen wie Pool-Lift, Rampen und andere, die fest ­installiert sind oder mobil ange­boten werden können. – Mindestens eine flache Treppe pro Wasserbecken. – Ausreichende Zahl von Haltegriffen und Handläufen. – Angepasste Beckenumrandung, breite Umlauffläche ums Becken. – Kontrastreiche Gestaltung des Schwimmbeckenbereichs. – Barrierefreier Zugang zur Liege­wiese, zum Kiosk oder ins Restaurant. – Angebot von Warmwasserzeiten mit erhöhten Temperaturen für motorisch stark eingeschränkte Menschen (auch für betagte Gäste und Kleinkinder wichtig!). Quelle: «barrierefrei bauen für die Zukunft» von Ulrike Rau (Hrsg.), erschienen beim Verlag Bauwerk

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KULTUR UND FREIZEIT

REGIONENREISE

Faszinierender Süden Mexikos

Die Magie Mexikos spürte ich vom ersten Moment an. Hier ein Versuch, meine eindrücklichen Begegnungen mit Land und Leuten in Worte zu fassen.

Von João Dias, Reiseleiter

Am 22. Februar bestieg ich, zusammen mit einer Rollstuhlfahrerin und einem Roll­ stuhlfahrer, die Maschine von Zürich nach Cancún. Es erwartete uns ein angenehmer Direktflug von der kalten Schweiz in die Sonne Mexikos. Das Land der Mayas hatte ich noch nie besucht und erhoffte mir ein­ zigartige Erlebnisse und Begegnungen mit Mensch und Natur. Und als Gruppenleiter freute ich mich auf das Zusammensein mit meinen beiden «Schützlingen». Von Plätzen und Tomaten Unsere ersten Eindrücke von Mexiko sam­ melten wir in Mérida und Umgebung. Be­ sonders auf den Plätzen der Dörfer und Städte – Zócalos genannt – spielt sich das Leben ab. Die Männer treffen sich, um Kar­ ten zu spielen, um über Politik zu diskutie­ ren. Die Frauen widmen sich beim ge­mein­ ­samen Häkeln dem Klatsch und Tratsch, und die Kinder rennen den Tauben und einander hinterher. In Mérida kamen wir auf einem dieser Plätze in den Genuss tradi­ tioneller Tänze. Die farbig bestickten Trach­ ­ten der Tänzerinnen waren eine Augenwei­de und stehen für mich stellvertretend für die Lebensfreude der Mexikaner. 24

In der kleinen Stadt Umán, nahe Mérida, besuchten wir den Wochenmarkt. Ein Teil­ nehmer wollte eine Tomate kosten, schliess­ lich ist Mexiko das Ursprungsland des be­ liebten Gemüses. Also fragte er nach dem Preis, bezahlte die verlangten 10 Mexikani­ schen Pesos, etwa 50 Rappen, und nahm sich eine Tomate. Die Marktfrau meinte da­ raufhin ganz erstaunt: «Nein, nein! Dafür gibt’s nicht nur eine, sondern eine ganze Tüte.» Wir waren nicht nur über den Preis verblüfft, sondern auch über den wunder­ baren Geschmack der Tomate. Von Ruinen und Swiss-Tracs Die Ruinenstätte Chichén Itzá und Uxmal, archäologisches Erbe der Maya-Hochkul­ tur, durften natürlich als Ausflugsziele nicht fehlen. Man liest viel über die Magie sol­ cher Orte und es ist wahr: Sie strahlen eine ganz besondere Atmosphäre aus. Umgeben vom tropischen Regenwald und mit den detaillierten Erzählungen unserer Füh­rerin fühlte ich mich in das mystische Le­ben der alten Mayas zurückversetzt. Die Reisegruppe vor dem «Tempel des Windgottes» in Tulum Paracontact I Sommer 2018


Paracontact I Sommer 2018 

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KULTUR UND FREIZEIT

Ohne es zu wissen, führten auch wir etwas Aufsehenerregendes mit. Die Swiss-Tracs sollten unseren Teilnehmenden die Besich­ tigung der Mayastätten erleichtern. Womit wir nicht rechneten, war die Faszination der Mexikaner für die Zughilfe aus der Schweiz. Wo wir auch auftauchten, versammelten sich Neugierige um uns und wollten wissen, wie das Gerät funktioniere, wie teuer es sei oder wie lange die Batterie laufe. Beson­ders praktisch war das, wenn ich in der weit­ läufigen Hotelanlage in Tulum einen der bei­den Rollstuhlfahrer suchte. Dann fragte ich die Angestellten einfach nach der Dame oder dem Herr mit «el tractor», wie ihn die Mexikaner nannten und wusste so jeder­ zeit, wo sie sich aufhielten. Crecencio erzählt Der Besuch im Mayadorf «Señor» und die Begegnung mit den Menschen war für mich ein noch lange nachwirkendes Erleb­ nis. Der 98-jährige Crecencio Pat Cahiuch beeindruckte mich besonders. In seinem

ho­hen Alter bearbeitet er noch immer von Hand die Agavenpflanze, um Sisalschnur her­­zustellen. Die Mayas flechten Hän­­­ge­mat­ ten, Taschen oder Spiele daraus. Crecencio zeigte uns postwendend wie sein Lieblings­ spiel, bestehend aus Schnur und einer klei­ nen Limette, funktioniert. Natürlich gab es das Kunsthandwerk auch zu kaufen. Es stellt eine wichtige Einnahmequelle für die Mayas dar. Ihre «Artesanía» hat eine lange Tradition und setzt ein grosses Wissen vo­ raus, welches von Generation zu Genera­ tion weitergegeben wird. Die Mayas sind überhaupt sehr naturverbunden. Sie wissen, wie sie Pflanzen als Heilmittel einsetzen können und bestellen ihr eigenes Land. Häufig sind sie Selbstversorger. Crecencio erzählte uns von den Bauern, welche die steinigen Böden ihrer teils weit entfernten Landstücke ohne Hilfe von Landmaschinen oder Arbeitstieren bearbeiten müssen. Mit einem typischen Gericht und der Darbie­ tung eines traditionellen Tanzes fand unser Besuch einen gelungenen Abschluss.

Zu Besuch beim 98-jährigen Crecencio im Mayadorf

Zu Tisch im Freien Sun, Fun, Baderollstuhl Nach einer Woche in der Region um Mérida erwartete uns in Tulum ein prächtiges Ho tel. Hier genossen wir die restlichen Tage. Zum Strand gelangten wir barrierefrei über eine Holzrampe. Leider gab es keinen Ba­ de­rollstuhl. Die Teilnehmer versuchten ih­ rer­seits Lösungen für dieses Problem zu finden. Man könnte sich doch auf einen Liegestuhl legen, der dann von vier star­ ken Männern ins Meer getragen würde. Jedem seine Idee, dachte ich, und habe meinerseits die lokale Reiseagentur ange­ rufen. Diese konnte tatsächlich einen Ba­ derollstuhl auftreiben. So konnten unsere beiden Teilnehmer doch noch im warmen Karibischen Meer baden. ¡No hay problema! Unvergesslich wird Mexiko nicht nur we gen seiner Schönheit sein, denn wir muss­ ten auch kleinere und grössere Probleme meis­tern. In Mérida suchten wir zum Bei­ spiel stundenlang und vergebens nach ei nem T-Shirt in Grösse XL. Erst in Tulum, wo sich nicht nur die Mode an nordame­ rikanischen Touristen orientiert, wurden wir sofort fündig. Eine etwas grössere He­ rausforderung stellte immer wieder die Toilettensuche dar. So auch auf dem längs­ ten Reiseabschnitt zwischen Mérida und Tulum. Kein Problem, sagten wir uns, und legten halt einen Zwischenstopp «hinter den Bäumen» ein.

Für mich steht eines fest: Mexiko, ich kom me wieder!

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KULTUR UND FREIZEIT

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Noch mehr Lust auf Ferien

Schreiblust

Was macht mehr Spass, als sich auf die nächste Reise vorzu­bereiten und dazu genüsslich im Ferienkatalog zu schmö­­kern? Im November erscheint das Angebot 2019 im attraktiven neuen Kleid. Das Reisebüro der SPV bietet drei Konstanten: Engage­ ment für beste Qualität, persönliche Beratung und ein breites Reiseangebot für Para- und Tetraplegiker. Doch im Ferienkatalog wird alles neu! Grosse Bilder laden zum Träumen ein, klar strukturierte Informationen bieten Orientierungshilfe und neue Themenseiten wie zum Bei­ spiel der «Fototreff» zeigen, dass bei den SPV-Reisen nach wie vor Sie als reisefreudiger Gast im Zentrum stehen.

Erscheinung Katalog im neuen Layout: 5.11.2018 Fototreff 2018: 4.11.2018

BADEFERIEN

Strandrollstuhl mieten Der SPV- Strandrollstuhl ist der Begleiter für Ihre Badeferien. Mit ihm kommen Sie problemlos durch den Sand bis ins Wasser. Er ist handlich, praktisch und zudem flugzeugtauglich verpackt. Zwei Strand­­rollstühle stehen zur Miete zur Verfügung. Der Mietpreis für eine Woche beträgt CHF 150.– und jede zusätzliche Woche kostet CHF 45.–. Paracontact I Sommer 2018 

Möchten Sie Ihren Schreibstil verbessern und erfahren, wie Sie sich mit einfachen Kniffs noch gekonnter ausdrücken können? Ja? Dann besuchen Sie unsere Schreibwerkstatt vom 17./18. November 2018. Preisgekrönter Profi Unter der Anleitung des preisgekrönten Vollblutjournalisten Peter Ackermann experimentieren Sie auf spielerische Weise mit der Sprache. Sie schärfen Ihre Beobachtungsgabe und probieren diverse Techniken des kreativen Schreibens aus. Profitieren Sie dabei vom Wissen eines Schreibprofis, der schon für die «Annabelle», die «SonntagsZeitung» oder das «NZZ Folio» geschrieben hat. Aus eigener Erfahrung kann das KF-Team Ihnen versichern: Peter Ackermanns Begeis­ terung fürs Schreiben ist un­­­ glaublich ansteckend. Infos und Anmeldung www.spv.ch/ schreibwerkstatt

200 DIE ZAHL

Von Januar bis Ende Mai 2018 haben rund 200 Personen an unseren Sensibilisierungskursen teil­ genommen. Das sind schätzungsweise 10% eines Jahres. Hochsaison haben wir mit unseren «Sensi­ kursen» in den Monaten August, September und Oktober. In dieser Zeit besuchen fast 1500 Perso­ nen unsere Kurse. Grösstenteils sind es Lehr­lin­ge, welche zu Strassen- und Verkehrswegebauern oder zu Fach­personen Gesundheit ausgebildet werden.

FOTOTIPPS

Bessere Handyfotos schiessen Unsere Smartphones sind immer und überall dabei. Wir telefonieren, chatten und surfen nicht nur, sondern fotografieren auch gerne und oft. Leider nicht immer allzu er­folg­ reich. 10 Tipps auf spv.ch Gute Bilder wecken Emotionen und lassen Reisefreudige in Erinnerung schwelgen. Unter diesem Motto zückt jede und jeder häufig mal sein Handy, um dies und jenes abzulichten. Schaut man sich die Bilder im Nachhinein genauer an, stellt man fest, dass viele Fotos unbrauchbar sind: verwackelt, unscharf, zu dunkel, unharmonisch. Wie also kann man das Optimum aus den Handy­ kameras herausholen? Damit Sie auch auf Reisen mit der SPV gute Fotos machen können und mal nur das Handy zur Verfügung steht, haben wir 10 Tipps für Sie parat. Lesen Sie nach, wie Sie eine Person optimal vom Hintergrund abheben können, auf welche Art Sie ein Foto verwacklungsfrei auslösen oder wie schöne Nachtporträts ohne Blitz geschossen werden können. Gute Reise, gute Fotos! Nachlesen auf www.spv.ch/fototipps 27


KULTUR UND FREIZEIT

HOTEL-BARRIEREFREIHEIT

500 geprüfte Hotels schweizweit Rollihotel war gestern. Heute profitieren Sie von topaktuellen Angaben zur Barrierefreiheit von über 500 Schweizer Hotels. Von Antonia Tanner

Gemeinsam geht’s leichter – das ist allseits bekannt. Darum bündelten Behindertenund Tourismusorganisationen ihre Kom­ petenzen und Ressourcen und lancierten 2017 ein gemeinsames Projekt. Ziel war und ist es, die Barrierefreiheit in der Schwei­ zer Hotellerie sichtbar zu machen und mit schweizweit einheitlichen Kriterien zu er­ fassen. Und ganz wichtig: diese Daten wer­ den regelmässig aktualisiert. Hotelprüfung über die App Die zahlreichen und strengen Kriterien zur Hotelbewertung wurde in langen Sitzungen und im regen Austausch unter den Organi­ sationen erarbeitet. Von allen Seiten wur­ den Experten miteinbezogen. So arbeiteten auch unsere Architekten vom Zentrum für hindernisfreies Bauen am Projekt mit. Die Pro Infirmis entwickelte daraus das Erfas­ sungstool «ZUERST». Die gemessenen Da ten können direkt bei der Bewertung vor Ort eingetragen werden. Aus den erfassten Zahlen, die sich nach der SIA-Norm 500 28

richten, erhalten die Hotels ein Label: bar­ rierefrei, bedingt barrierefrei oder nicht barrierefrei. Alle Hotels auf Paramap.ch Aktuelle Angaben zur Barrierefreiheit fin­ den Sie ab sofort auf unserer App für un­ ter­wegs: Paramap.ch. Suchen Sie eine bar­ rierefreie Unterkunft in einer bestimmten Region, wählen Sie die Kategorie Hotel und zoomen Sie in die Karte. Zu jedem Hotel öffnet sich ein Fenster mit einer ersten Übersicht. Von dort aus gelangen Sie via Link zu detaillierten Angaben zur Barrie­ refreiheit und zu den Bildern.

Auf www.hotels.swisshoteldata.ch gibt es ­weitere Suchfunktionen. Wählen Sie un­ter der Kategorie «Barrierefreiheit» die für Sie relevanten Unterkategorien aus. Das na­tio­ nale Tourismusportal myswitzerland.com zieht ebenfalls mit: Die Kriterien zur Barrie­ refreiheit werden auch auf dieser interna­ tional vernetzten Plattform abrufbar sein.

Sensibilisierung für Hotels Die Erfassung von barrierefreien Unter­ künften ist hiermit nicht abgeschlossen. Interessierte Hotels können weiterhin eine Prüfung beantragen. Wichtig ist, dass die Hotellerie auf die Thematik sensibilisiert ist und bleibt. Eine Fach­publikation sowie eine Sensibilisierungsbroschüre erscheinen im Herbst 2018.

SIA 500 Die SIA-Norm 500 regelt, wie hin­­der­nisfreie Bauten zu gestalten sind. Je nach Gebäudenutzung sind die Anforderungen unterschiedlich. Die Unterteilung in die Kategorien «Öffentlich zugängliche Bauten», «Bauten mit Wohnungen» und «Bauten mit Arbeitsplätzen» trägt dem ­Rechnung. Ziel der Norm ist es, allen Menschen die Nutzung von Bauten ohne Diskriminierung zu erleichtern. Quellen: SIA Zürich und hindernisfreie-architektur.ch

Paracontact I Sommer 2018


KULTUR UND FREIZEIT

ÖFFENTLICHER VERKEHR

Ein personalloser Bahnhof – nicht mit uns Die Schliessung des Bahnhofs Nottwil war beschlossene Sache, eigentlich. Dank der Intervention der IG Bahnhof Nottwil kommt es nun ganz anders. Von Angie Addo

Wie sagt man so schön? Wenn eine Tür sich schliesst, öffnet sich eine andere. Im Falle der Schliessung des bedienten Bahnhofs in Nottwil ist das wortwörtlich so. Im Herbst 2016 hat die SBB die Schliessung von di­ ver­sen Bahnhöfen bekannt gegeben. Die IG Bahnhof Nottwil hat sich mit der Entschei­ dung nicht zufriedengegeben und suchte Partner für eine befriedigende Alternative. So wurde das Projekt «Beratungscenter Han­­dicap Nottwil» ins Leben gerufen. Arbeitsgruppe für Pilotprojekt Für die IG Bahnhof Nottwil war rasch klar, dass nur mit den richtigen Partnern des SPZ und der SPV die SBB vom Beratungs­

center überzeugt werden kann. So entstand die Arbeitsgruppe bestehend aus René Künzli, SPZ, Angela Addo, SPV, Marius Christ, Gemeinde Nottwil, Eveline Kauf­ mann, SBB, und Daniel Anderhub, SBB. Nach diversen Gesprächen hat man sich da­ rauf geeinigt, das Pilotprojekt auf zwei Jahre zu begrenzen, um Erfahrungswerte zu sam­ meln. Um sich als Beratungscenter Handi­ cap behaupten zu können, müssen noch ei­ nige bauliche Anpassungen am Bahnhof vorgenommen werden. Mit einfachen Mass­ nahmen wird der Zugang barrierefrei, was eine persönliche Beratung ermöglicht. Im Sommer 2018 ist der Umbau abgeschlossen.

REISEN MIT DER BAHN Informationen zu ­Öffnungszeiten und Angebot am Bahnhof Nottwil sind auf der Webseite der Gemeinde Nottwil aufgeschaltet: www.nottwil.ch. Eine Broschüre der SBB zu barriere­ freiem Reisen finden Sie unter der Haupt­rubrik Bahnhof & Services auf www.sbb.ch.

Zukunft: Billette online kaufen Durch die enge Zusammenarbeit mit dem SBB Call Center Handicap in Brig fokussiert sich der Bahnhof Nottwil auf die Beratung und Hilfestellungen für Menschen mit ein­ geschränkter Mobilität und verschafft sich dadurch eine Vorreiterposition. Oberste Priorität ist der vereinfachte Zugang zu Informationen im Internet. Fakt ist, dass Billette immer öfters im Internet gekauft werden. Die Zeit kann nicht aufgehalten wer­den. Hier versucht der Bahnhof Nott­ wil als Beratungscenter die Kunden auf die digitale Umstellung vorzubereiten.

An der Rollivision vom Samstag, 23. Juni 2018 sind die in die Arbeitsgruppe invol­ vierten Personen des Projekts «Beratungs­ center Handicap Nottwil» im Nordtrakt an­ wesend. Gerne nehmen sie sich Zeit, Ihre Fragen rund ums Thema barrierefreie Nut­ zung des ÖV’s zu beantworten.

Paracontact I Sommer 2018 

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Gebrauchsfertiger, hydrophiler Einmalkatheter

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Infyna - ein sofort gebrauchsfertiger, hydrophiler Einmalkatheter, welcher einfach zu öffnen ist, wenig tropft und keine Flecken verursacht, sodass Sie die Verpackung voller Vertrauen öffnen können. Infyna Plus kommt mit einem praktischen, integrierten Auffangbeutel. Beide Einmalkatheter bieten die Balance zwischen Flexibilität und Festigkeit für ein sanftes und einfaches Einführen. Testen Sie die neuen Infyna Einmalkatheter für Frauen jetzt.

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KULTUR UND FREIZEIT

SENSIBILISIERUNG

Erlebnis Mobilitätsparcours Ein Fussgänger kann sich kaum vorstellen, welche Hürden ein Rollstuhlfahrer im Alltag bewältigen muss. Ein spezieller Parcours der Pro Infirmis macht es erlebbar. Von Déborah Knecht

Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich mit dem Rollstuhl durch den Alltag bewegen. Das heisst: schwere Türen öffnen, Absät­ ze oder Schwellen überwinden oder steile Rampen hinauffahren. Wie es sich wirklich anfühlt, können Sie im Mobilitätsparcours der Pro Infirmis erleben. Der Parcours be­ steht aus sechs bis acht unterschiedlichen Hindernissen aus Holz. Diese können je nach Bedürfnis beliebig aufgestellt werden. Ziel Sensibilisierung Tatsache ist: Diese Hindernisse werden von Menschen ohne Behinderung kaum wahr­ genommen. Beim Mobilitätsparcours kön­ nen sich Neugierige selber in einen Roll­ stuhl setzen. Auf diese Weise wird rasch klar, wie schwierig es ist, sich tagtäglich im Rollstuhl solchen Herausforderungen stel­

len zu müssen. Der Parcours eignet sich im Besonderen für Weiterbildungen oder Veranstaltungen und steht allen Interes­ sierten (Schulen, Architekten, Organisatio­ nen, Firmen, Vereinen) gegen eine Gebühr zur Verfügung. Miete und Lieferung Der Mobilitätsparcours wird mit einem Rollstuhl, einschliesslich Hilfsmitteln für Blinde und Sehbehinderte, am Standort Chur für eine Pauschale von CHF 500.– vermietet. Die Lieferung des Parcours mit Auf­ und Abbau vor Ort erhöht den Betrag um je CHF 130.– pro Stunde für Anfahrts­ wege. Der Mieter des Mobilitätsparcours ist verantwortlich für den sachgerechten Umgang mit dem zur Verfügung gestellten Material.

UNSER ANGEBOT

Die Sensikurse der SPV Die Öffentlichkeit zu sensibilisieren ist nicht nur Ziel der Pro Infirmis, sondern auch eine wichtige Aufgabe der Schweizer ParaplegikerVereinigung. Wir führen jährlich rund 110 Sensikurse mit etwa 2000 Teilnehmenden durch – Tendenz steigend. Weitere Informationen zu den Sensibilisierungskursen: www.spv.ch/ sensibilisierung

MOBILITÄTSPARCOURS Sind Sie interessiert? Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite www.proinfirmis.ch. Möchten Sie den Mobilitätsparcours mieten? Dann melden Sie sich bei der Pro Infirmis Graubünden, graubuenden@proinfirmis.ch oder Tel. 058 775 17 17

Paracontact I Sommer 2018

Sensikursteilnehmer erlebt das Rollstuhlfahren im Hindernisparcours 31


KULTUR UND FREIZEIT

LUZERNER THEATER

Jeder Mensch ist ein Tänzer

Das Tanzensemble des Luzerner Theaters stellte Ende Februar mit «Beyond perfect» ein ganz neuartiges Projekt auf die Bühne. Von Gabi Bucher

«Alle für einen, einer für alle». Das Zitat aus «Die drei Musketiere» von Alexandre Du mas war das Motto des Projektes «Beyond perfect», erklärte die Dramaturgin Tanz des Luzerner Theaters Selina Beghetto bei ih rer Einführung in den Abend. Es sei darum gegangen, Grenzen ver­schwinden zu lassen, Regeln zu brechen und eine neue Perspek­ tive zu erhalten. «Aber vor allem wollten

wir die gemeinsa­­me Lust an der Bewegung ausleben, das ist die Hauptmotivation hin­ ter dieser Produk­tion.» Inklusion ist Zukunft Das Ganze nahm seinen Anfang vor zwei Jahren. Die Künstlerische Leiterin des Lu­ zerner Tanzensembles Kathleen McNurney sah im Rahmen des Tanzfestivals «Steps»

eine Produktion der Tanzcompanie Can­ doco. In dieser Companie aus England b­ e­­gegnen sich nichtbehinderte und behin­ der­­te Tänzer und Tänzerinnen, das hat McNur­­­ney  fasziniert und berührt.  «Ich wuss­­te sofort, das will ich in Luzern.» Mit Flyern und Mailings hätten sie versucht, körperbehinderte Menschen zu finden, die mitma­chen wollten. «Wir haben uns das

Gänsehautmomente auf der Bühne des Luzerner Theaters

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Paracontact I Sommer 2018


ein bisschen einfacher vorgestellt», erzählt Selina Beghetto. Aber schlussendlich misch­ ten sich drei Rollstuhlfahrer und zehn Laien unter das Ensemble des Luzerner Theaters. Dieses hatte im Vorfeld einen Workshop be­sucht, um sich auf die Arbeit mit Roll­ stuhlfahrern vorzubereiten. So lernten sie zum Beispiel gewisse Ausdrücke zu vermei­ den, wel­che im Tanz immer wieder ge­ braucht würden. «Wir legen unser ganzes Gewicht auf die Beine» sei wohl für Roll­ stuhlfahrer nicht die richtige Formulie­ rung, lachte Beghetto. Dann starteten die Proben im Südpol in Luzern. Das Tanzen­ semble war sich schnell eins, wer die Cho­ reografien schreibt, wer die Assistenz über­ nimmt. Es sei ganz toll gewesen zu sehen, mit welchem Engagement dieses Projekt ent­wickelt worden sei. «Inklusion ist Zu­ kunft», meinte Selina Beghetto und for­ mu­­lierte so etwas professioneller, was zwei Be­­sucherinnen etwas unbeholfener mit «wir leben ja mit so Leuten zusammen» ausdrückten. Besseres Körpergefühl im Rollstuhl Heinz Meier aus Bottmingen, Bernadette Niedermann aus Lichtensteig und Timo Felder aus Schüpfheim waren die drei Roll­ stuhlfahrer, welche an diesem Abend zu­ sammen mit dem Tanzensemble und den Laien auf der Bühne tanzten. Heinz fasst sein Erlebnis kurz und knapp zusammen: «Wer nicht mit dabei war, ist selber schuld.» Er würde es jederzeit wieder tun, trotz der langen Anfahrt und der vielen Proben und auch trotz der zwei kleinen Stürze, welche er in Kauf nehmen musste. Obwohl die Tanzkollegen sich von ihm erklären liessen, was möglich sei und was nicht, sei das Ganze halt doch mal etwas aus dem Ruder gelaufen. Aber seine Begeisterung ist gross.

«Wer nicht dabei war, ist selber schuld.» Rudolf von Laban, der ungarische Tänzer und Choreograf habe gesagt, jeder sei ein Tänzer, das könne er nur unterstreichen. Heinz lässt auch keine Gelegenheit aus, sich mit Rollstuhltanz zu beschäftigen. Das ist nicht immer einfach, oft fehlen die Tanz­ partnerinnen, d. h. Fussgängerinnen, die be­ Paracontact I Sommer 2018 

reit sind, ihn zu begleiten. Aber er ist über­ zeugt, dass ihm das Tanzen gut tut. «Seit ich tanze, gehe ich ganz anders um mit mei­ nem Rollstuhl. Meine Drehungen sind en ger, wendiger, und ich bin allgemein siche­ rer geworden.» Ein neues Rollstuhlgefühl, einfach nur toll, meint er. Umso mehr hat er sich gefreut darüber, an diesem Projekt teilnehmen zu können. Dass die Tänzerin­ nen und Tänzer des Luzerner Ensembles noch nie mit Rollstuhlfahrern gearbeitet haben, kann er kaum glauben. «Sie waren so locker und haben das so gut gemacht.»

«Beyond perfect erfüllte uns Laien mit und ohne Behinderung, die Tänzer des Luzer­ ner Theaters und das Publikum mit tiefer Freude, weil wir alle diese Energie und das Bestreben im Raum spürten – nämlich, dass wir alle gemeinsam in Inklusion leben wollen!» Auch für die Besucher war das Projekt ein Erlebnis. Die Rollstuhlfahrer kurvten mit einer unglaublichen Leichtigkeit zwischen den Tänzerinnen und Tänzern hindurch. Erwartete Zusammenstösse, vor allem an­

Heinz Meier: «Seit ich tanze, bewege ich mich im Rollstuhl gewandter.» Synchron mit dem Elektrorollstuhl Auch für Timo als Lenker eines Elektroroll­ stuhls war es eine grossartige Erfahrung. «Wir begegneten uns stets topmotiviert auf Augenhöhe und lernten schnell, dass Im­ provisation und Kreativität gefragt waren, wenn sich Mensch und in meinem Fall auch Maschine vereinen wollen», erzählt er. «So geschah es zum Beispiel, dass die Fuss­ gänger versuchten, die Bewegungen mei­ nes Rollstuhls nachzuahmen oder dass ich im Takt im Kreis drehte, während die an­ deren Tänzer synchron ihre Schultern ro­ tierten.» Laientänzerinnen erzählten ihm, sie hätten sich vor dem gemeinsamen Pro­ jekt nicht getraut, auf der Strasse einen Menschen mit Handicap anzusprechen. Dies verdeutliche umso mehr, wie wichtig es sei, aktiv Inklusionsprojekte zu fördern.

gesichts des Tempos von Timos Elektro­ rollstuhl, finden nicht statt. Und gerade Timo überraschte. Er steuert seinen Elek­ trorollstuhl lediglich mit dem Mund, legte aber rasante Pirouetten hin, konnte die Lichter an den Rändern effektvoll einset­ zen und spielte rhythmisch mit dem Pfeif­ ton seiner Mundmaus. Die Bilder, die auf die Bühne gezaubert wurden, waren teil­ weise von berührender Schönheit und er­ zeugten Gänsehautmomente. CANDOCO DANCE COMPANY Zeitgenössisches Tanzensemble aus England mit behinderten und nicht­ behinderten Tänzerinnen und Tänzern. www.candoco.co.uk

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ROLLSTUHLSPORT

ROLLSTUHLRUGBY

WM ohne Schweiz

Es gibt nichts zu beschönigen. Die Schweiz beendet das Qualifikationsturnier in Nottwil für die WM 2018 in Australien auf dem letzten Platz. Sie sind konsterniert? Ich auch.

Von Evelyn Schmid

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Paracontact I Sommer 2018


Silvana Hegglin: eine Frau im Männersport

Es gibt viele Wenn und Aber an diesem Tur­nier. Wenn die Schweiz das Auftaktspiel ge­gen Kolumbien gewonnen statt knapp verloren hätte, wäre sie für Australien qua­ lifiziert gewesen. Wenn sie im zweiten Spiel gegen Polen klarer gewonnen hätte, wäre die erste Niederlage sogar dringelegen. So aber erinnert der Ausgang des Turniers an die EM 2011 in Nottwil, als die Schweiz die Paralym­pics-Qualifikation früh verpasste und am Schluss Letzte wurde. Fehlende Konstanz So war es auch dieses Mal. Bereits nach drei Wettkampftagen war klar, dass die Schweiz nicht nach Australien fährt. Danach gelang es dem Heimteam nicht mehr, Bestleis­ tungen abzurufen. Mit zwei Siegen in der Round Robin bewies die Schweiz, dass sie nicht weit von der erweiterten Weltspit­­ze entfernt ist. Denn in ihrer Gruppe wie­sen Kolumbien und Polen wie die Schweiz je zwei Siege und eine Niederlage auf. Die bei­ den qualifizierten sich also nur dank der besseren Tordifferenz für die WM.

Mit dem Ausscheiden aus der Qualifikation war die Luft beim Heimteam draussen. Als mit der Niederlage gegen Südkorea auch Platz 5 nicht mehr in Reichweite lag, lies­ sen die Leistungen der Schweizer noch­ mals sicht­bar nach. Im letzten Spiel gegen Deutschland um Platz 7 und 8 kam neben nachlassenden Kräften wohl auch fehlen­de Motivation hinzu. So verlor die Schweiz deutlich mit 41:46 gegen einen Gegner, den sie zwei Tage vorher noch geschlagen hatte. Was jetzt? Coach Christian Härdi ist nicht zufrieden mit der Leistung: «In den ersten drei Spie­ len haben wir sehr gutes Rollstuhlrugby ge­ ­zeigt. Bei den Spielen der letzten zwei Wett­ kampftage aber fehlte der Siegeswille. Und am Schluss machten sich die physischen Paracontact I Sommer 2018 

Verschleisserscheinungen zu stark bemerk­ bar. Nun müssen wir erst einmal eine voll­ ständige Analyse machen und dann wieder nach vorne blicken. Unser nächstes Ziel ist, an der B-EM im Herbst den Aufstieg in die A-Gruppe zu schaffen.» Das ist wichtig, denn nach dem schlechten Abschneiden muss das Team rasch wieder nach vorne blicken können. Internationale Turniere sind ein wichtiges Momentum, nicht nur um bestehende Spieler im Team zu halten, sondern auch den Nachwuchs zu motivieren. Und Motivation braucht es, denn der Aufwand als Nationalspieler ist beträchtlich. Neben wöchentlich mindes­ tens zwei Trainings mit dem Team, meh­ reren individuellen Kraft- und Konditions­ trainings steht monatlich mindestens ein dreitägiger Zusammenzug der National­ mannschaft auf dem Programm. Dazu kom­ men Turniere und Meisterschaftsspiele. Eine Verpflichtung also, die viel verlangt.

«Am Publikum kann es nicht gelegen haben.» Ohrstöpsel gegen laute Fans Am Publikum kann das schlechte Abschnei­ den nicht gelegen haben. Während der Round Robin war die Halle des SPZ jeweils zum Bersten voll. Unser Fotograf trug so gar Ohrstöpsel, weil er die Sprechchöre, Kuh­glocken und den lauten Applaus kaum

ertrug. Die Spiele waren drama­tisch und sehr emotional. Die Schweiz gewann oder verlor fast immer sehr knapp, was es bis zur letzten Minute spannend machte. Sogar das Schweizer Fernsehen liess sich für das Rollstuhlrugby begeistern. Es portrai­ tierte für «Sportaktuell» Silvana Hegglin, die einzige Frau in der Nationalmannschaft. Es erstaunte die Journalisten (und auch das Publikum), dass sich eine zierliche junge Frau in einem von Männern dominierten und sehr körperlichen Sport behaupten kann. Nicht umsonst hiess Rugby ursprüng­ lich Murderball. Und hart zur Sache geht es auch heute noch. Laut sind nämlich nicht nur die Fans, sondern auch die ineinander­ krachenden Rollstühle. Silvana Hegglin wird dabei nicht geschont. Als wendige und sehr schnelle Athletin wird sie oft brachial von gegnerischen Spielern ausgebremst. Wenn man sie aber über das Rugby spre­ chen hört, weiss man, dass das ihre grosse Leidenschaft ist. Hier kann sie sich auspo­ wern und Energie ablassen, aber auch Le­ bensfreude im Team tanken. Die Weltmeisterkandidaten Auf den Weg nach Australien machen sich Irland, Neuseeland, Polen und Kolumbien. Diese vier Mannschaften haben in Nottwil hervorragende Leistungen gezeigt. Ob das gegen die bereits qualifizierten Teams aus Australien, Dänemark, Frankreich, Gross­ britannien, Japan, Kana­­da, Schweden und den USA reicht, wird man sehen. 35


ROLLSTUHLSPORT

EM LEICHTATHLETIK

PARTNERSCHAFT

Berlin – wir kommen!

3 Fragen, 3 Antworten

Resultate und Formkurven ver­ sprechen grossartige Leistungen an der EM (20.–26.8.2018). Sowohl bei unserer Elite wie auch dem Nachwuchs.

Wir fragen Daniel Suter, Direktor des Campus Sursee.

Die Schweizer Delegation reist mit ambitionierten Erwartungen in die deutsche Bundeshauptstadt. Diese selbst­sichere Haltung kommt nicht von ungefähr. Mit sehr guten Leistungen an Titelwettkämpfen der letzten Jahre haben die Athleten die Messlatte verdientermassen hoch gelegt. Nachwuchs im Fokus Wer fährt sich neben den bekannten Stars ins europäische Rampenlicht und qualifiziert sich für die EM? Gespannt verfolgen wir die Entwicklung unserer Nachwuchsathleten. Wir drücken die Daumen. Weitere Infos www.para-euro2018.eu

WM PARA -CYCLING

Jagd nach dem Regenbogentrikot Maniago (I) wird vom 2. bis 5.8.2018 zum Mekka des Para-cycling. Anspruch auf das Regenbogentrikot erhe ben viele Athleten. Darunter auch Schweizer. Im Nordosten Italiens wurden bereits verschiedene Welt­ cup-Rennen organisiert. Die Gastgeber in Maniago haben Ansporn genug, die diesjährige WM im eigenen Land durch­ zuführen, sorgte doch das italienische Team an der WM 2017 für einen Medaillenregen. Titelverteidigung Als amtierender Weltmeister im Zeitfahren und Gewinner des Gesamtweltcups zählt Benjamin Früh auch in diesem Jahr zu den Anwärtern auf das begehrte Regenbogentrikot. Sein Ziel ist klar definiert: Titelverteidigung. Die intensiven Vorbereitungen der letzten Monate wecken beim Schweizer Team Hoffnungen auf eine erfolgreiche WM. Die Selektionskommission beobachtet mit Interesse, wer sich für den Saisonhöhepunkt aufdrängt. Neugierig? Mehr auf www.uci.ch/para-cycling

EM BOGENSCHIESSEN

In Etappen nach Tokio Für die europäischen Bogenschützen findet der Saison­­hö­­hepunkt vom 11. bis 19. August 2018 in Pilsen (CZ) statt. Diese EM ist für die Ath­le­ten ein ­tra­ditionelles Übergangsjahr, um vollzogene Veränderungen in der Praxis zu testen. 36

Wie sind Sie mit Nottwil verbunden? Neben der geographischen Nähe sind wir vom Campus Sursee auch persönlich mit Nottwil verbunden. Mit dem Bau der neuen Sportanlage und des Schwimmbades entstand eine enge Zusammenarbeit.

Carlo Casteletti, Trainer von Martin Imboden, definiert den Anlass denn auch als Zwi­schen­ ziel für die WM 2019 in den Nieder­landen und konsequenterweise für die Paralympics 2020 in Tokio. Realistisches Ziel von Martin Imboden ist es, bis min­destens in die Vier­tel­ ­finals vorzustossen. Die Selektion wird Mitte Juli vorgenom­men.

Wie behindertengerecht ist Ihr Haus? Als öffentlicher Bau ist der Campus Sursee weitestgehend behindertengerecht. Von unseren 860 Zimmern sind 600 voll rollstuhlgängig. Die neue Sportanlage und das Schwimmbad, welche ab März 2019 eröffnet werden, wurden exemplarisch gebaut. Beispielsweise eignet sich der Hallenboden der Dreifach­ turnhalle für alle Indoor-Rollstuhlsportarten.   Wie viele Rollstuhlfahrer übernachten durchschnittlich im Jahr bei Ihnen? Es sind etwa zwei Einzelpersonen pro Monat bei uns zu Gast. Aber mit den Anlässen von Rollstuhlsport Schweiz kommen jeweils bis zu 150 Rollstuhlfahrer gleichzeitig. Paracontact I Sommer 2018


ROLLSTUHLSPORT

PARALYMPICS-TEILNEHMER IM SOMMER

Tanz zwischen drei Welten Curler Marcel Bodenmann wird bis zur WM 2019 weiterhin ruhige Steine schieben. Und zwischen den Wintermonaten in Beruf und Freizeit ein Parallelleben führen. Von Urs Huwyler

Eigentlich passt alles nicht zusammen: Der Pfungener Rollstuhlsportler Marcel Boden­mann kurvt als begeisterter TrikeFahrer in der Motorrad-Saison quer durch die Schweiz und Österreich, rockt zu Deep Purple oder AC/DC – und schiebt beim Curling möglichst kontrolliert Granitstei­ ­ne ins Haus. Rollstuhlrugby würde eher zu ihm passen als Curling. Das habe er sich früher auch gedacht, erinnert sich der ehe­ malige Rollstuhlleichtathlet und Badmin­ tonspieler. Derzeit beschäftigt sich Marcel nur am Ran de mit dem Wintersport. Seit dem sechsten Rang an den Paralympics in Pyeongchang geniesst er die warmen Tage. Noch vor dem ersten Hitzeeinbruch ist eine Entscheidung gefallen: Skip Felix Wagner und Beatrix Paracontact I Sommer 2018 

Blauel beenden ihre Kar­­rie­­re. Claudia Hüt­tenmoser, Hans Burgener und Marcel Bodenmann machen weiter. «Ich bin bis zur WM 2019 da­bei. Dann schauen wir weiter. Wer ins Team nachrückt, weiss ich nicht», erzählt der 52-jährige jung gebliebene Alt-Rocker. Zwei Wochen Ferien Schon vor dem bisherigen Karrierehöhe­ punkt in Südkorea betonte der leidenschaft­ liche Curler, 2018 wolle er sich wieder ein­ mal zwei Wochen Ferien am Stück gön­nen. «Ich muss im Sommer auftanken, den Kopf frei bekommen, werde mit dem Trike un­ terwegs sein. Wohin es geht, weiss ich noch nicht. Einfach ohne jeglichen Alltagsstress abschalten, Zeit haben, geniessen.»

2011, also 17 Jahre nach seinem Militärun­ fall und 15 Jahre nach dem Einstieg in den Behindertensport, liess sich Marcel zu ei nem Trainingsbesuch beim Curling Club Wetzikon überreden. «Ich wurde sofort vom Curling-Virus befallen. Die strategi­ schen, taktischen Überlegungen im Spiel faszinierten mich. Zudem bin ich eher ein Mannschaftssportler.» Maurer, Forstwart, Hochbauzeichner Marcel Bodenmann verkörpert alle Kli­ schees: Ein seriöser Sachbearbeiter gehört in der Freizeit der Töff-Rockerszene an und verfolgt mit gesundem sport­li­ chem Ehrgeiz hohe Zie­le. Da rum mag er sich über den sechsten Rang in Süd­­ko­ rea nicht nur freuen. «Der Halbfinal war das Ziel. Ei­ne Medaille war mög­­ lich. Doch wir sind wohl dort klassiert, wo wir derzeit hingehören. Direkt hinter der absoluten Welt­spitze», bilanziert der ge­ lernte Maurer, spä­tere Forstwart und zum Hochbauzeichner umgeschulte Realist.

Der Tanz zwischen drei emotional unter­ schiedlichen Welten bleibt unabhängig von der Jahreszeit. Im Herbst freut Marcel sich auf die winterliche Curling-Saison, im Frühling auf Trike-Ausfahrten. Wobei er je nach Situation eine ruhige Ku­gel schiebt: Bei ihm stehen das Erlebnis, die guten Ge­ fühle im Zentrum. In diesem Punkt über­ schneiden sich die drei Parallelwelten. 37


ROLLSTUHLSPORT

WASSERSKI

Mit 30 km/h über den See Kompetent, herzlich, bestens gelaunt – und ausdauernd! So erlebe ich die Wasserski-Crew vom Walensee. Von Martina Meyer

Angefangen hat es vor 20 Jahren. Zwei da­ malige Clubmitglieder des Wasserskiclubs Walensee (WSCW) und selber aktive Roll­ stuhlsportler wollten Wasserskifahren für andere Rollstuhlfahrer zugänglich machen. So holten sie Rollstuhlsport Schweiz (RSS) für die Organisation ins Boot. Anfänglich reisten vor allem aktive Monoskibobfahrer FACTS & FIGURES Zum Club – 1981 gegründet – 45 Mitglieder inkl. 2 Rollstuhlfahrer – 3-mal wöchentlich Training (Mai bis September) – Gäste und «Neugierige» sind jederzeit willkommen Material Rollstuhlfahrer können das Material (Ski und Sitz) bei der Schweizer ­Paraplegiker-­ Vereinigung mieten ­ (siehe Mietformular unter www.spv.ch/breitensport).

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an den Walensee. Inzwischen nehmen auch «Anfänger» am Kurs teil. Das WasserskiWochenende im Juli ist inzwischen ein fes­ ter Bestandteil im Veranstaltungskalender des WSCW. Einer für alle – alle für einen Der Club kann auf einen treuen Helferpool zurückgreifen. Jahr für Jahr steht das auf­ gestellte Team ehrenamtlich und mit viel Herzblut für dieses Wochenende im Ein­ satz. Unterstützung kommt auch vom Schiff­ ­fahrtsamt des Kantons St. Gallen. Dieses stellt jeweils eine Bewilligung für den Ufer­ start aus, denn normalerweise ist das Was­ serskifahren nur ausserhalb der Uferzone von 300 Metern erlaubt. Die Bewilligung erleichtert den Start für alle Beteiligten.

Fragt man Albert Lendi, Präsident des WSCW, nach der Motivation für diesen Kurs, lautet die Antwort ganz klar: «Die Freude und Begeisterung für den Wasser­ skisport mit anderen teilen.» Zudem soll das Wasserskifahren auch Menschen mit Einschränkungen ermöglicht werden, ohne dass diese grosse Investitionen in Ausrüs­ tung und Ausbildung tätigen müssen.

Muskelkater und blaue Flecken Besonders eindrücklich sei jeweils, wenn Neulinge zu Beginn mit einer gewissen Skep­sis ins Wasser steigen, sich aber den­ noch voll und ganz der Helfercrew an­ vertrauen. Gemeinsam im flotten Tempo über das Wasser zu gleiten und dabei die strahlenden Gesichter der Teilnehmenden zu se­hen, findet Albert immer wieder be­ reichernd. Da­bei nimmt er auch Muskel­ kater und blaue Flecken in Kauf. Denn die Unterstützung auf dem Wasser verlangt ei­ ­niges ab. Aber solange seine Gesundheit mitmacht, wird Albert weiterhin für uns im Einsatz stehen. Er betont jedoch, dass das Weitermachen auch von sämtlichen Helfern des WSCW abhängig ist – dieser Anlass funktioniert nämlich nur im Team!

Wir danken dem Wasserskiclub Walensee ganz herzlich und hoffen auf viele weitere gemeinsame Anlässe!

Jetzt anmelden! Wasserski-Schnuppertage vom 7./8. Juli 2018. Weitere Infos unter www.spv.ch/breitensport Paracontact I Sommer 2018


ROLLSTUHLSPORT

NATIONALES LEISTUNGSSPORTZENTRUM (NLR)

Geballtes Wissen an einem Ort Haben Sie schon gehört? In Nottwil gibt es seit Januar ein Team, das Sportler zu Siegern machen soll. Von Linda Wiprächtiger

Valentin ist ein motivierter Handbiker. Er will aufs Podest, auch an diesem Weltcup­ rennen in Italien. Doch schon wieder, kurz vor dem Ziel, in der letzten Steigung, ver­ liert Valentin den Anschluss an die Spitzen­ gruppe und wird Vierter. Hat er zu wenig trainiert, oder falsch? Oder hat er am Schluss des Rennens zu wenig Energie, weil er et was Falsches gegessen hat? Vielleicht ver­ krampft sich Valentin auch nur im entschei­ denden Moment, weil er schon oft in der gleichen Situation gescheitert ist. Oder ist schlicht sein Handbike zu schwer? Für solche Fragen sollen Rollstuhlsportler zukünftig Unterstützung bei den Experten des Nationalen Leistungszentrums für Roll­ stuhlsport (NLR) erhalten. Die Athleten sol­ len nicht erst im Falle eines Problems mit den Experten in Kontakt treten, sondern diese lösen, bevor sie die Leistungen rele­ vant beeinflussen. An sogenannten «Testing Days» können Kaderathleten von Rollstuhl­ sport Schweiz (RSS) sich mit allen Exper­ ten zum Gespräch treffen. Sollten später trotz­dem Probleme auftauchen, kennt der Athlet die Experten bereits und weiss, wo er rasch und kompetent Support finden kann. Doch wer sind die Experten des NLR? Phil Jungen, Chefarzt Sportmedizin Nottwil Er ist Initiator des NLR und hat in der Vergangen­ heit Sportkliniken geleitet und weiterentwickelt. Mit der Erfahrung als Arzt von zahlreichen Teams und Delega­ Paracontact I Sommer 2018 

tionen war Phil 2016 erstmals an den Pa­ra­ lympics mit dabei. Spannend seine Kind­­heit: Als Sohn eines Missionarspaares verbrach­­­­te er die ersten 18 Lebensjahre im Urwald Papua-Neuguineas. Claudio Perret, Leistungsdiagnostiker und stv. Leiter Sportmedizin Nottwil Unzählige Studien hat der Apotheker und promovierte Sportphysio­ loge seit 2002 in Nottwil begleitet und bringt somit grosses Wissen im Bereich Forschung und Innovation mit. Für das NLR motiviert er die Kaderathleten bei den Leistungstests oder bei Trainings zu Höchst­ leistungen. Romana Feldmann, Sportpsychologin Romana unterstützt Ath­ leten rund ums Thema mentale Stärke. Als Vor­ standsmitglied der Swiss Association of Sport Psychology ist sie schweizweit mit Sportpsychologen gut vernetzt. Am NLR gefällt ihr der ganzheitliche Ansatz mit dem Athleten als Mensch im Zentrum. Robert Werder, Sportarzt Sportmedizin Nottwil Als Facharzt für All­gemei­ ­­­­­­­­­ne/Innere Medizin hat er sich nebst der Sportmedizin auf andere Bereiche wie die Manuelle Medizin spezia­

lisiert. Der Urner sorgt seit 2015 für die Ge­ sundheit unserer Rollstuhlsportler. Robert schätzt am NLR den wertvollen interdis­ ziplinären Austausch. Joëlle Flück, Expertin für Sports Nutrition und Leistungs­ diagnostikerin Als ehemalige Mittelstre­ c­kenläuferin weiss Joëlle genau, was es für den Erfolg braucht. Nach dem Master in Be­ wegungswissenschaften und Sport mit Ver­ tiefung Sportphysiologie hat Joëlle in der Sporternährung doktoriert. Zur Leistungs­ optimierung der Athleten stimmt sie die Ernährung auf das Training ab. Fabian Ammann, Experte für Kraft und Explosivität und Leistungsdiagnostiker Während seines Masters in Bewegungswissenschaften und Sport mit Vertiefung in Biomechanik hat Fabian auch den Diplomtrainer Swiss Olympic (DTA) erfolgreich absolviert. Als ehemaliger As­ sistenztrainer der Skispringer um Simon Ammann war er unter anderem für die Ath­letikeinheiten verantwortlich. Gregor Boog, Experte für Ausdauer und Diplomtrainer Swiss Olympic (DTA) Der Sport Mental Coach und Diplomtrainer trainiert seit Jahren 800-m- bis Marathonläufer. Er war zudem National­trai­ner Leichtathletik bei Rollstuhl­ sport Schweiz. Neben Speaker-Einsätzen ist der ehemalige Radio- und Fernsehmann auch «cool and clean»-Botschafter. Roger Getzmann, Leiter NLR und Sport Akademie RSS Von 2006 bis 2016 war er Leiter Leistungssport bei Rollstuhlsport Schweiz, er hat somit viel Erfahrung im Bereich der Optimierung des Leistungsumfeldes von Athleten. Seine Kon­ takte im Verbandswesen und im paralym­ pischen Sport sorgen für eine optimale Ver­ netzung.

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VERMISCHTES

POSITION

Sion 2026 Die Schweizer ParaplegikerVereinigung hat im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens Stellung genommen zu den Beiträgen des Bundes an Olympische und Paralympische Spiele. Sensibilisierung Als Dachverband von Rollstuhlsport Schweiz begrüsst die SPV Paralympische Spiele in der Schweiz, da sie einen gros­sen Einfluss auf die Sen­si­ bilisierung der Bevölkerung für die Anliegen des Behinderten- und des Sportverbandes haben. Generell hilft ein ­solcher Anlass der gleichheit­ lichen Einbindung von Menschen mit einer Behinderung in die Schweizer Gesellschaft.

PARTNER

FREIZEITTIPP

Lebensberatung baut auf EMR Dank der neuen Zusammenarbeit mit dem Erfahrungs-­ medizinischen Register EMR können die Mitarbeiten­ den der Lebensberatung der SPV künftig auf wertvolle Informationen zur Komplementärmedizin zugreifen. Verschiedene Methoden und deren Einsatzmöglichkeiten werden den Betroffenen künftig noch besser vorgestellt. Ein typisches Beispiel ist die Anwendung der Akupunktur bei wiederkehrenden Blaseninfekten.

SBB trägt Risiko

Suchen Sie einen Therapeuten? Informieren Sie sich auf www.emr.ch

Wissenswertes www.sion2026.ch 40

Die neue «MS 2018» auf dem Hallwilersee erfreut Rollstuhlfahrer. Das Schiff wurde dem Behindertengleichstellungs­ gesetz (BehiG) entsprechend gebaut. Es verfügt z. B. über ausreichend Platz und einen Lift zum Oberdeck. Niveau­ gleiche Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen des Schiffes sind ebenso gegeben wie ein WC, das für alle Pas­ sagiere mit Behinderungen hindernisfrei zugänglich ist.

DOSTO-BESCHWERDE

Auf Wunsch helfen die Lebensberater, geeignete Anbieter in der Nähe der betreffenden Person zu finden. EMR hilft ihnen bei der richtigen Wahl. Therapeutinnen und Thera­ peuten werden nämlich nur in das Register aufgenommen, wenn sie die Voraussetzungen dafür erfüllen, und sie müs­­sen das EMR-Qualitätslabel jedes Jahr erneuern.

Für das Volk Ruedi Spitzli, Bereichsleiter Rollstuhlsport Schweiz, meint dazu: «Wir sind zutiefst überzeugt, dass unser Land in der nächsten Dekade Generationenprojekte wie dieses benötigt. Nicht nur das Hinarbeiten darauf, sondern auch das Erbe einer solchen Veranstaltung prägt, stärkt und vereint unser Land.»

Auf den Hallwilersee

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass die ­fertiggestellten Züge befristet verkehren dürfen. Noch ist je­doch nicht geklärt, ob die neuen Züge dem Be­­ hindertengleichstellungsgesetz (BehiG) entsprechen. Das Risiko von späteren An­­pas­sungen der ­fertig ge­bauten Züge trägt die SBB.

POLITIK

Gründung einer IV-Allianz Organisationen von Menschen mit Behin­ derungen, Gewerkschaften, Parteien und Verbände aus dem Sozial- und Gesund­heits­ bereich haben sich zu einer IV-Allianz zu­­ sammengeschlossen. Ihr Ziel: Die anstehende Revision des Invali­ den­versicherungsgesetzes (IVG) soll zu einer echten Weiterentwicklung der IV führen und

nicht zu einem Leistungsabbau. Die IV-Al­lianz verfolgt die Diskussion in den Kommis­sio­ nen und im Parlament kritisch, aber lö­sungs­ ­orientiert. Menschen mit Behinderungen sol­len dasselbe Recht auf Arbeit und Selbstbe­ stimmung haben wie Menschen ohne Behin­ derungen. Mit dabei ist Inclusion Handicap, bei der die SPV Mitglied ist und mit Urs Styger auch im Vorstand vertreten wird. Paracontact I Sommer 2018


AUSZEICHNUNG

Die Oscars des Sports Sie gelten als die höchsten internationalen Auszeichnungen im Bereich des Sports: die Laureus World Sports Awards. Umso erfreulicher ist es, dass unser Schweizer Rollstuhlleichtathlet Marcel Hug einen der begehrten Awards entgegennehmen durfte.

SIEGESSERIE

Zwei mit Ausdauer Sie sind zwei der weltbesten Rollstuhlleichtathleten, insbesondere über lange Distanzen. Das bewiesen Manuela Schär und Marcel Hug einmal mehr eindrücklich an den grossen Marathons. In London, Berlin, Chicago, New York, Tokio und Boston belegten die beiden Spit­ zenplätze und sammelten dadurch wert­ volle Punkte im Gesamtranking der World Abbott Marathon Series. Beide Athleten gewinnen die prestigeträchtige Marathon­ serie 2017/18 und somit ein Preisgeld von USD 50 000.–. Bereits in Tokio war klar, dass die beiden Zentral­schweizer nicht

6 DIE ZAHL

Die Kantenhöhen von Bushal­ testellen im Kanton Zürich müssen neu 6 Zentimeter mehr betragen. Die Erhöhung von 16 auf 22 Zentimeter sichert Rollstuhlfahrern den rampenlosen Einstieg. Ab 2024 kann der Zugang zum ÖV sogar gerichtlich eingefordert werden. Paracontact I Sommer 2018 

mehr einzuholen sind. Aus diesem Anlass sagte Manuela Schär gegenüber der Luzer­ ner Zeitung: «Das ist der grösste Erfolg meiner Karriere.» Am 16. Sep­­­­tember 2018 startet die neue Marathonserie in Berlin. Schon jetzt ist klar, dass die beiden Schweizer zu den Topfavoriten gehören werden. Herzliche Gratulation!

Mehr zur Marathonserie www.worldmarathonmajors.com

Marcel wurde als «Welt-Behindertensportler des Jahres 2017» ausgezeichnet – und das verdientermassen! Wurde er doch 2017 dreifacher Weltmeister an der WM in London sowie Gesamtsieger der Abbott World Marathon Majors Series.

BARRIEREFREI

Google Maps In der Schweiz sind dank Paramap viele mo­bilitätsrelevante Informationen für Roll­ stuhlfahrer jederzeit verfügbar. Doch was tun im Ausland? Vor gut einem Jahr wurde von Google ange­ kündigt, dass der ver­breitete Dienst Google Maps und das Local-Guides-Programm grös­ seren Fokus auf das Thema Barriere­freiheit legen. Wie dies? Zum einen können Nutzer auf Google Maps aktiv fehlende Informatio­ nen zur Barrierefreiheit von Orten ergänzen;

zum anderen werden sie bei der neuen Ein­ gabe eines Ortes automatisch nach Informa­ tionen zur Barrierefreiheit befragt. Die Funk­ tion ist momentan nur auf Android-­Handys verfügbar, iOS und Desktop sollen folgen. Wer nach Barrierefreiheit filtert, findet eine Vielzahl von Geschäften, Ärzten, Restaurants, Ämtern usw., die noch offene Informationen bezüglich Ihrer Barrierefreiheit haben. Kennt man einen dieser Orte, kann man einfach er­ gänzen. 41


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DENTSPLY IH SA Rue Galilée 6, CEI3, Y-Parc, 1400 Yverdon-les-Bains. Tél. 0800 620 240. Fax 0800 620 241.www.wellspect.ch


FOKUS

UNSERE HELFER

An vorderster Front im Hintergrund Peter Rüfli, von Beruf Konstrukteur im Sondermaschinen­ bau, begleitet seit zehn Jahren als Zeitmesser alle Leichtathletik­Bahnrennen des Rollstuhlsports Schweiz.

Auch der Umgang untereinander sei an­ ders als bei Wettkämpfen mit Fussgängern. «Ich glaube, jeder Kampfrichter, der mal an einem solchen Wettkampf dabei war, bleibt auch dabei. Es herrscht einfach eine ganz spezielle Atmosphäre.» Er kennt mitt­ lerweile auch einige Athleten und die Ath­ leten kennen ihn. «Der eine oder andere hat auch schon mal ein Zielfoto seines Welt­ rekords erhalten», erzählt er. «Es gibt nicht viele Athleten, die so was haben.» Da er die Fotos fürs Protokoll exportieren müsse, sei’s ein Leichtes, auch eins für den Athleten

Von Gabi Bucher

«Zuverlässig, ist immer da, wenn man ihn braucht, macht seine Arbeit mit Herzblut», das sagen unsere RSS­Mitarbeitenden zu Peter «Pesche» Rüfli. Das bestätigt sich bei unserem Treffen: Überpünktlich und mit den gewünschten Fotos im Gepäck er­ scheint er im SPZ und erzählt bereitwillig und mit leisem Stolz von seinem grossen Hobby. Irgendwie reingerutscht ins Zeitmessen sei er, sagt Pesche. «Als Trainer musste ich stän­ dig Leute suchen für unsere Wettkämpfe.» Dann ergab sich die Gelegenheit, eine güns­ tige Zeitmessanlage zu kaufen. «Danach kam Anfrage um Anfrage, und innerhalb zweier Jahre musste ich mich entscheiden, entweder mehr Material anzuschaffen oder den Organisatoren vermehrt Absagen zu erteilen.» 40 bis 60 Mal pro Jahr ist er un­ terwegs, mittlerweile besitzt er eine Aus­

rüstung auf Top­Level. «Vom Kids Cup bis zu internationalen Wettkämpfen kann ich alles abdecken.» Wo Wettkämpfe noch Wettkämpfe sind Zum Rollstuhlsport kam er durch seine Tä­ tigkeit als Kampfrichter. Bei einer Weiter­ bildung in Nottwil habe er lernen wollen, worauf es ankomme bei Rollstuhlrennen. Seither ist er als Zeitmesser mit dabei und verpasst keine Leichtathletik­Bahnwett­ kämpfe des RSS. «Die RSS­Wettkämpfe ha ben erste Priorität. Alle anderen Rennen müssen sich drum herum einreihen. Es sind schon Meetings verschoben worden, weil gleichzeitig ein Rennen des RSS stattfand.»

«Das sy vo de schönere Wettkämpf, da wird nid gschtürmt», sagt Pesche. Die Athleten akzeptieren seine Entscheide. «Und es sind noch richtige Wettkämpfe, keine Shows.»

zu machen. Denn jeder Rekord muss pro­ tokolliert und von Peter unterschrieben werden. «Das kann ganz schön anstrengend werden, wenn wie in Arbon vor zwei Jah­ ren innerhalb von drei Tagen 48 Welt­ und Kontinentalrekorde fallen, die ich alle un­ terschreiben muss.» Einzigartiges «Zielhüsli» Sehr viel Kontakt zu den Athleten hat Peter aber nicht. «Ich sitze meist oben im Turm, bin sozusagen an der Front und doch im Hintergrund.» Nottwil habe aber eins der schönsten «Zielhüsli» der ganzen Schweiz, wie er den Zeitmessturm nennt. «Er ist funktional, die Kameraposition ist optimal, architektonisch passt er in die Landschaft und die Aussicht bei schönem Wetter auf den Pilatus und den See ist einzigartig!»

Pesche lebt für sein Hobby, und solange es seine Gesundheit noch erlaube, werde er weiter mit dabei sein. Dann gute Gesund­ heit, lieber Pesche, und ein grosses Danke­ schön! Jede Zeit wird mit kritischem Blick geprüft Paracontact I Sommer 2018

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FOKUS

IM GESPRÄCH

Sport als Lebensschule

Die 17-jährige Licia Mussinelli ist seit Sommer 2016 Teilnehmerin der Sport Akademie und lebt allein in Nottwil. Ihre Eltern erzählen, wie es ihnen beim Loslassen ergeht.

Von Gabi Bucher

Licia kam mit einem offenen Rücken zur Welt. Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen? Mutter Sara: Wir haben die Situation rasch akzeptiert und uns darauf eingestellt. Es bringt nichts, Energie für etwas aufzuwen­ den, was man nicht ändern kann. Für uns war wichtig, dass Licia glücklich, zufrieden und selbstständig wird. Vater Paolo: Es gab bereits im Spital wenig Hoffnung, dass Licia je gehen wird. Als sie gerade mal 1-jährig war, haben wir die Aus­ stellung «Rollivision» in Nottwil besucht. Dort konnten wir viele gute Kontakte knüp­ fen, das hat uns sehr geholfen. Und dort ha ben wir auch die ersten Kinderrollstühle angeschaut. Sara: Licia bekam ihren ersten Rollstuhl mit anderthalb jährig. So kleine Kinderrollstüh­ ­le waren damals noch recht ungewöhnlich. Das hat mal dazu geführt, dass Hotelgäs­ ­te in den Ferien beim Vorbeigehen sagten: «Un­glaublich, was es heutzutage für Kin­ der­spielzeug gibt.» Wir haben den Rollstuhl im­mer als Hilfsmittel angeschaut, der uns Türen öffnet. Und als ich realisierte, dass 44

ich meine Tochter nicht im Buggy stossen muss, sondern Hand in Hand mit ihr spa­ zieren kann, war das ein unglaublich be­ flügelnder Gedanke. Und wie kam Licia klar damit? Sara: Für sie war es nichts Spezielles und die Kinder im Quartier akzeptierten sie so, wie sie war. Kinder sind viel offener, unbe­ fangener und haben auch nicht immer Angst wie wir Eltern. Klar hatte Licia auch schwierige Momente. Sie hat zwei Schwes­ tern, eine ältere, die bereits laufen konnte, als Licia auf die Welt kam, und eine jünge­ ­re, die anfänglich ja nur herumkrabbelte. Als die jüngere dann aber auch zu laufen begann, hat Licia realisiert, dass sie wohl doch anders ist. Sie hatte gemeint, wenn sie grösser werde, würde sie auch laufen kön­ nen. Da ist vorübergehend eine Welt zusam­ mengebrochen für sie. Und was für Erfahrungen machte sie in der Schule? Sara: Sie besuchte immer die öffentliche Schule. Das Wichtigste dabei war, mit den Lehrpersonen die diversen Ängste anzu­ sprechen. Die Integration war noch nicht

wirklich angelaufen damals, aber es ging alles viel besser als erwartet, die Ängste waren unbegründet. Licia zeigte ja auch den Weg und wir blieben immer im Gespräch mit den Lehrpersonen, um Probleme aus dem Weg zu räumen. Haben Sie sich mit der Thematik Rollstuhl speziell auseinandergesetzt, um Licia besser unterstützen zu können? Paolo: Als Licia 3-jährig war, haben wir an­ gefangen, Familienlager in Magliaso zu be­ suchen. Von den anderen Familien und deren Kindern im Rollstuhl haben wir dort sehr viel gelernt. Zudem gab es Workshops für die Angehörigen. Dabei waren wir sel­ Paracontact I Sommer 2018


ber im Rollstuhl unterwegs und erfuhren eins zu eins, welche Barrieren es gibt und wo man an seine Grenzen kommt. Wir ha ben uns z. B. auch selber paarweise gescho­ ben und dabei gespürt, wie unangenehm es sein kann, wenn man ohne Vorwarnung von hinten sozusagen «gesteuert» wird. Das waren sehr wertvolle Erfahrungen. Sara: Die Lager waren auch für Licia wich­ tig. Zu Hause war sie umgeben von Fuss­ gängern. Wir wollten, dass sie sich auch mit Rollstuhlfahrern treffen kann, dass sie auch dort Vorbilder findet, sich austauschen kann. Dass sie sieht, wie andere Rollstuhlfahrer gewisse Dinge anpacken. Paracontact I Sommer 2018 

Für Eltern ist es immer schwierig, Kinder loszulassen. Im Fall eines Kindes im Rollstuhl ist das wohl noch schwieriger? Sara: Anfänglich war ich immer überall mit dabei an Ausflügen, Geburtstagen. Ich konn­te Licia nicht einfach abgeben, wie das andere Eltern taten. Aber ich wollte, dass sie möglichst viel mitmachen kann. Nur wussten ja die anderen nicht, wo sie Hilfe braucht, und sie war damals noch nicht wirklich selbstständig. Eine Gratwanderung zwischen ermöglichen und bemuttern also? Sara: Ja, genau, man darf nicht überbehü­ ten! Damit hilft man dem Kind nicht. Wir

haben gelernt, zu beobachten und sie rein­ laufen – oder reinfahren – zu lassen, um ihr dann aus der Patsche zu helfen. Dabei hat sie gelernt, um Hilfe zu fragen, wenn etwas nicht geht. Auch das ist sehr wichtig. Anfänglich geht man als Eltern voraus und zeigt, wie es läuft, dann muss man sie vor­ ausgehen lassen, sich langsam zurückzie­ hen und nur noch Stütze sein. Jetzt ist Licia eine bereits sehr erfolg­rei­ che junge Sportlerin. Wie kam es dazu? Paolo: Licia hatte immer Freude an Bewe­ gung und spielte viel und oft mit den Nach­ barskindern. Einmal waren wir zum Bei­ spiel schwim­men mit der ganzen Familie, 45


FOKUS

da hat sie richtig Purzelbäume geschlagen im Wasser. Die Erfahrung der Schwerelosig­ keit war grossartig und sie liebte schon als ganz kleines Kind Bewegung über alles. Sara: Wir haben das Kinderturnen der Roll­ stuhl-Clubs Olten und Bern besucht, da mit sie ihren Bewegungsdrang ausleben konnte. Mit der Zeit reichte ihr das nicht mehr. Sie wollte sich auspowern. Als sie 10-jährig war, sind wir nach Nottwil gefah­ ren. Paul Odermatt hatte einen Rennroll­ stuhl bereitgemacht für sie. Licia hat auf der Bahn ein paar Runden gedreht, war total begeistert und wollte nichts anderes mehr. Sie hatte zwar in Bern Basketball und Hockey gespielt, schwamm gerne, aber der Rennrollstuhl war ihr Ding, da gab es gar keine Fragen mehr. Wie hat sich das entwickelt? Sara: Wir sind alle zwei Wochen nach Nott­ wil gefahren, dann wollte sie jede Woche ge­hen, dann kamen Samstagstrainings da zu. Aber sie ist so aufgeblüht, dass wir das auf uns nahmen. Interessanterweise wurde sie auch schulisch plötzlich viel besser. Ihr ganzes Wesen veränderte sich, sie spürte den Erfolg, war motiviert, ihr Selbstbewusst­ sein wurde sehr viel grösser. Sie wusste, dass sie anders war als die anderen, aber jetzt hatte sie etwas gefunden, wo sie richtig gut war und vorwärtskam. Das hat ihrem Leben plötzlich einen ganz anderen Wert gegeben. Ich glaube, wenn wir ihr den Sport jetzt wegnehmen würden, würde eine Welt zusammenbrechen für sie.

Paolo: Im Sinn von «Was die Grossen kön­ nen, kann ich auch». Der Sport ist ein rie­ siger Teil dessen, was Licia heute ist. Sara: Wichtig ist, dass sie sich jedes Mal aufs Training freut. Wenn mal eins ausfällt, «planget» sie aufs nächste. Sie hat grosse Freude daran, das war für uns auch immer der ausschlaggebende Punkt, sie darin zu unterstützen.

«Was die Grossen können, kann ich auch.» Wie kriegten und kriegen Sie das zeitlich hin? Sara: Ich arbeite nicht. Hätte ich gearbeitet, hätte Licia sich nicht so dem Sport wid­ men können. Für uns ist es ein Glücksfall, dass sie den Sport gefunden hat. Wenn ein Kind etwas wirklich will, schafft es Dinge, die man kaum glauben kann. Das Training

wurde dann sehr intensiv, bis 10 Stunden pro Woche. Neben der Schule reichte die Zeit nicht mehr, dauernd nach Nottwil zu fahren, und bei uns gab es keine Trainings­ möglichkeiten. Also trainierte ich sie zu Hause auf der Rolle mit Stoppuhr und Trainingsplan von Paul Odermatt, ihrem Trainer. Das brauchte sehr viel Engagement, war aber nur eine Übergangslösung. Ich finde es nicht gut, wenn Eltern auch Trai­ ner ihrer Kinder sind. War es eine einfache Entscheidung, Licia an der Sport Akademie in Nottwil einzuschreiben? Sara: Die Frage kam auf, was sie nach der Schule machen würde. Eine Sportlehre wäre sehr schwierig zu finden gewesen. Hätte sie eine normale Lehre gemacht, hätte sie den Sport nur noch hobbymässig betreiben können. Ob sie nach der Lehre noch den Mut und Biss gehabt hätte, wieder einzu­ steigen, weiss man nicht. Darum haben wir uns für die Sport Akademie Nottwil ent­

Paolo: Die Tatsache, dass viele Eltern mit noch jüngeren Kindern von noch weiter weg nach Nottwil kommen, zeigt auf, dass diese Trainings eine gute Sache sind. Sara: Es gibt verschiedene positive Aspek­ ­te. Sie sitzt nicht nur rum, sondern tut etwas und regt gleichzeitig ihren Kreislauf an. Sie ist nicht mehr «einzig», da sind andere, die dasselbe machen wie sie. Sie kann sich austauschen, ist «normal» und muss sich nicht rechtfertigen. Die Trainingslager ha ben dann die Familienlager abgelöst. Da hat sie viel Selbstständigkeit gewonnen. Oft kam sie zurück und sagte: «Das mache ich jetzt allein.» Sie hatte bei anderen gese­ hen, dass diese es auch schaffen. 46

Licias Kinderrollstuhl, der auch schon mal mit einem Spielzeug verwechselt wurde Paracontact I Sommer 2018


schieden: Jetzt wohnt sie die ganze Woche im Studio in Nottwil und kann trainieren. Sie kann dort essen, kann Hilfe holen bei der Parawork (siehe Kasten), wenn sie wel­ che braucht, und sie hat die Spitex. Mittler­ weile organisiert sie diese selber, geht mit dem ÖV nach Luzern, beginnt sogar, für sich selber zu kochen. Sie gewinnt je län­ ger je mehr an Selbstständigkeit. Das ist eine einzigartige Erfahrung. Paolo: Wir wussten nicht, wie sie sich ent­ wickelt, ob wir ein Risiko eingehen. Aber heutzutage mit den Natels und Tablets kann man sich täglich anrufen – und an­ sehen – und fragen, wie es geht. Mittler­ weile bräuch­te es das nicht mehr täglich, wir tun das eher für uns. Sara: Wir sind jetzt noch Stütze. Gingen wir ihr immer voraus, würde sie nichts ler­ nen. Dabei hat es mir auch geholfen, dass wir noch zwei andere Kinder haben, bei de nen es genauso läuft. Licia lebt nun die ganze Woche allein im Studio in Nottwil. Das braucht viel Vertrauen? Sara: Das Loslassen hat bereits in der Ober­ stufe begonnen. Da besuchte sie eine Sport­ klasse und kam am Mittag nicht mehr nach Hause. So haben wir Schritt für Schritt losgelassen. Zudem kennen wir die Quali­ täten unserer Tochter und sie selber weiss, wofür sie arbeitet. Haben Sie mehr Freizeit, seit Licia in Nottwil wohnt? Sara: Noch nicht wirklich. Ich muss sie zwar nicht mehr zum Training fahren, aber wir holen und bringen sie am Wochenende, ich mache noch ihre Wäsche, erledige ad­ ministrative Sachen, es gibt medizinische Dinge zu erledigen, Gespräche zu führen. Es hat sich alles etwas verschoben, aber sie ist auf gutem Weg. Wir müssen zwar noch ein Auge auf sie halten, aber wir können abgeben, Stück für Stück. Es dauert alles ein bisschen länger bei ihr, aber wenn ich sie mit anderen 17-Jährigen vergleiche, ist sie schon extrem selbstständig. Sie hat ei nen dichten Stundenplan und die Trainings müssen eingehalten werden, das schafft sie problemlos. Paracontact I Sommer 2018 

Auf Siegeskurs: Licia gewinnt Gold an der Junioren-WM 2017 in Nottwil

Paolo: Sie macht riesige Erfahrungen im Mo­ment. Wie es weitergeht im Sport wis­ sen wir nicht, aber der Sport hat ihr in ihrem bisherigen Leben unglaublich viel gebracht. Sie hat Träume und arbeitet hart dafür, aber man weiss nie, wie das Leben läuft. Es kann sich von einem Tag zum nächsten ändern, darum leben wir im Mo­ ment. Sara: Für sie ist vor allem wichtig, dass sie nicht mehr immer ihre Eltern hinter sich hat. Das gibt ihr Bestätigung und zeigt ihr, wozu sie fähig ist. Rollstuhlsportler haben tendenziell eine längere Karriere als Fussgänger, aber denken Sie darüber nach, was Licia machen wird, wenn sie mit dem Sport aufhört? Sara: Wir haben aufgehört, Pläne zu ma­ chen, es kommt eh immer anders. Wir wer­ den Lösungen suchen, wenn es sie braucht. Jetzt sind Ausbildung und Sport wichtig, dafür haben wir eine Lösung gefunden. Wenn der Moment kommt, wo sie den Sport aufgeben muss, schauen wir, wo sie steht und suchen dann wieder nach einer Lösung. Paolo: Sie kann Erfolg haben im Sport oder nicht, wichtig ist, dass sie ihr Leben voll lebt, dass sie das Beste macht aus der Situation.

Und das scheint Licia ja mit Erfolg zu machen. Sara: Ja, wir hatten Glück. Gut, das tönt jetzt alles so schön und einfach. Das war es aber nicht. Es gab Momente, wo ich an meine Grenzen kam und meinte, es nicht zu schaffen. Es braucht ein unglaubliches Engagement beider Elternteile und ich ver­ stehe es auch, wenn nicht jede oder je­der diesen Weg nehmen will. Klar hätten wir Licia gewünscht, dass sie gehen kann, aber man muss realistisch sein. Man kann auch im Rollstuhl ein erfülltes Leben haben. Als wir sie das letzte Mal auf ihre Wünsche und Träume angesprochen haben, hat sie gesagt, sie möchte nicht mehr unbedingt gehen können, dann müsste sie ja all das, was sie jetzt habe, aufgeben, das möchte sie nicht. Wenn wir ihr dieses Lebensgefühl ermög­ licht haben, dann ist das genial und dann haben wir nicht alles falsch gemacht!

PARAWORK ParaWork ist eine Abteilung des Schweizer Paraplegiker-Zentrums. Sie unterstützt alle Klienten, die eine berufliche Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt wünschen und bietet ein individuell angepasstes Vorgehen an. www.paraplegie.ch

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19. Rollivision DIE Messe für Rollstuhlfahrer mobil | aktiv | unabhängig Samstag, 23. Juni 2018 Schweizer Paraplegiker-Zentrum, Nottwil

Rahmenm program

ampf ON-Wettk L H T A B Y C rollstuhl im Elektro kelett und Exos o: Live-Dem en U i be nfäll Erste Hilfe onzert Exklusiv-K t s Florian A

Nicole Rosset freut sich auf treue Aussteller und die Präsentation von Innovationen

Orthotec AG | Schweizer Paraplegiker-Zentrum | Guido A. Zäch Strasse 1 | CH-6207 Nottwil | T +41 41 939 56 06 | info@orthotec.ch | www.orthotec.ch Ein Unternehmen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung


FOKUS

ROLLIVISION

Die Messe für Rollstuhlfahrer Nach einjährigem Unterbruch zeigt sich die Rollivision am 23. Juni 2018 im neuen Kleid. Dieses Jahr bietet sie ihren Besuchern ein noch grösseres Rahmen­programm. Von Gabi Bucher

Nicole Rosset präsentiert eine Neuheit der Orthotec

Nicole Rosset, die Rollvision findet dieses Jahr im Sommer statt. Warum dieser Datumswechsel? Nach Absprache mit der Swiss Handicap Messe, welche im 2-Jahres-Rhythmus im Dezember in Luzern stattfindet, und an­ hand der Resultate einer Umfrage bei Aus­ stellern und Kunden haben wir entschieden, die Rollivision alternierend mit der Swiss Handicap Messe im 2-Jahres-Rhythmus zu organisieren. Gewisse Aussteller wollten an beiden Messen teilnehmen, dazu fehlten ih­­nen aber die Ressourcen. Zudem ist der Markt einfach zu klein für zwei ähnliche Messen, welche auch noch geografisch auf so engem Raum stattfinden. Um auch ei nen zeitlichen Abstand zwischen den bei­ den Mes­sen zu erreichen, wurde die Rolli­ vision auf den Frühsommer verlegt.

Paracontact I Sommer 2018 

Wie lässt sich die Organisation mit dem Umbau koordinieren? Das ist eine echte Herausforderung und eine Knacknuss, die mir schon ein paar schlaf­ lose Nächte beschert hat. Die Ausstellungs­ fläche der «Halle Galerie» fällt weg, dafür kommt neu die Halle beim Nordtrakt dazu, dort, wo im Moment noch die Handbikes stehen. An die zehn Aussteller mussten um­ platziert werden. Es brauchte teilweise ein bisschen Überzeugungsarbeit, aber ich bin sicher, nun für jeden Aussteller einen ge­ nauso attraktiven Standort gefunden zu haben wie bis anhin. Gibt es Neuheiten bei den Produkten? Neuheiten in diesem Sinn nicht wirklich. Die Entwicklung in der Hilfsmittelbranche ist nicht so schnell, dass man ständig Neues zeigen kann, eher angepasste oder verbes­ serte Produkte. Wir zeigen unseren selbst­ entwickelten Langlaufschlitten und den neuen Kinderrennrollstuhl.

Und was ist sonst neu an der diesjährigen Rollivision? Wir freuen uns sehr, dass wir an der Rolli­ vision zwei Disziplinen vom Cybathlon zei­ gen können. Im Oktober 2016 wurde die­ ser Wettkampf das erste Mal von der ETH Zürich durchgeführt und hat über 4000 Be­ sucher angezogen. Ein Rennen mit Elektro­ rollstühlen und mit den Eksoskeletten steht auf dem Programm. Für Spannung ist ge­ sorgt. Dieses Rennen ist Teil des Rahmen­ programmes, welches dieses Jahr viel um­ fangreicher ausfällt. Verteilt über den Tag werden 20-minütige Vorträge zu verschiede­ nen Themen angeboten, eine Art Pot­pour­ri rund um das Thema Querschnittlähmung: Für «Kinderwunsch bei querschnittge­ lähm­ten Männern» konnten wir Therese Kämp­fer ge­winnen, die Schmerzklinik für «Querschnitt­lähmung und Schmer­zen», Daniel Sigrist, Direktor des Cybathlons, wird über Technologie und Hilfsmittel spre­ chen und die Sirmed simuliert einen Velo­ unfall vor dem SPZ. Da geht es um das Thema Erste Hilfe am Unfallort. Und dank Air Handicap kom­men Rollstuhlfahrer in den Genuss eines Kurzrundfluges mit dem Helikopter. Ich freue mich sehr, dass wir ein so attraktives Rahmenprogramm bie­ ten können. Ist neu auch ein Abendprogramm geplant? Ja, die Ausstellung dauert wie gewohnt bis 17.00 Uhr, und um 17.30 Uhr startet das Pro­ gramm in der Sportarena. Drei Konzerte sind angesagt. Den Anfang macht «Rockò», das Highlight des Abends ist Florian Ast und den Abschluss macht die Coverband «Pink Willy». Sie sorgen für Stimmung bis zirka 22.00 Uhr. Das Gratis-Open-Air-Kon­ ­zert ist nur für Besucher der Messe und ihre Angehörigen, Aussteller und Mitarbei­tenden der Schweizer-Paraplegiker-Grup­­pe bestimmt. Natürlich ist auch für das leibli­che Wohl gesorgt. Wir freuen uns auf eine gelungene, interessante Messe und auf viele Besucher an der Rollivision und am Open-Air-Konzert.

Programm www.rollivison.ch Der Stand der SPV befindet sich in der Aula. 49


FOKUS

FÜR SIE DA

Nahe am Leben Jeanne Rüsch arbeitet als dipl. Sozialarbeiterin FH seit Januar 2017 bei der Lebensberatung der SPV. Von Gabi Bucher

Eigentlich arbeitet Jeanne eher für als bei der SPV. «Mein Büro ist bei mir zu Hause, in der Nähe von Bulle», erzählt sie. Als Ver­ antwortliche für alle Westschweizer Kan­ tone ist sie zudem permanent unterwegs. So gesehen könne ihr Büro auch das Auto sein oder der Zug, eine Garage, ein Bahn­ hof, ja sogar ein Hausgang, wenn sie mal warten müsse, bis ein Kunde die Türe öffne. Im Dienst des Kunden Jeanne schätzt es sehr, dass sie so nah an den Mitgliedern ist. «Die SPV erlaubt mir auch mal zwei Stunden Fahrweg, um je­ manden irgendwo im hintersten Jura zu besuchen, und ich darf auch einfach mal nur zuhören.» In vielen anderen Organi­ sationen sei das nicht möglich, meint sie, da sitze man im Büro und habe diese Nähe nicht. «Diese Nähe habe sie gesucht und bei der SPV gefunden. Ich bin wirklich im Dienst des Kunden.»

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Jeannes Aufgabe ist vor allem, Lösungen zu erarbeiten und Fragen zu beantworten. Und da das Konzept der SPV vorsehe, ihre Mitglieder ein Leben lang zu begleiten, sei das Spektrum dieser Fragen und Lösungs­ ansätze sehr gross. «Das können adminis­ trative Fragen sein, Fragen zu Sozialversi­ cherungen, Probleme mit Renten, Zulagen. Aber es geht auch um die Pflege zu Hause, wer organisiert diese, wer bezahlt. Oder um einen Hausumbau, um neue Hilfsmit­ tel. «Es kommt drauf an, in welcher Situa­ tion die Person sich gerade befindet.» Ein offenes Ohr ist gefragt Als Spezialistin für Sozialversicherungen ist Jeanne in der Romandie auf sich selber gestellt. Aber nicht nur Versicherungsfra­ gen gehören zu ihrem Arbeitsbereich, sie begleitet viele Mitglieder auf psychosozia­ ler Ebene. «Das Leben dieser Menschen ist komplett auf den Kopf gestellt worden. Da ist es wichtig, dass man zuhört und dass sie sich jemandem anvertrauen können».

Para­ und Tetraplegie waren für Jeanne anfänglich neue Gebiete. Aber mit jedem Kunden lernt sie mehr. «Es ist unmöglich, jemanden im Rollstuhl begleiten zu wollen ohne zu wissen, worum es geht. Es gibt eine Vielzahl an Problemen rund um den Roll­ stuhl. Wie gehe ich mit diesem neuen Kör­ per um, welches Bild habe ich von mir, mit welchen Problemen werden die Angehöri­ gen konfrontiert? Das ganze Leben verän­ dert sich total.» Jede Situation sei anders, und mit jeder Situation lerne sie dazu, das fasziniert sie. In der Zwischenzeit hat sie sich ihr eigenes Netz aufgebaut. Sie ist in engem Kontakt mit dem Zentrum für Hin­ dernisfreies Bauen, mit dem Institut für Rechtsberatung, mit ParaHelp, aber auch mit Organisationen wie der Pro Infirmis. Und sie tauscht sich aus mit Physio­ und Ergotherapeuten. «Mittlerweile weiss ich, wen ich anrufen muss, wenn ich selber Fragen habe, das erleichtert mir die Arbeit ungemein.» Und sie kann immer auch auf die Unterstützung ihres Kollegen Yann Avanthey zählen. Er bringt ihr viel bei über das Leben im Rollstuhl. Jeanne liebt es, den Tag mit Humor anzu­ gehen. Und eine Eigenheit? Nein, aber ein kleines Ritual gibt es zwischen ihr und Yann. Bei jedem Zusammentreffen fragt sie ihn: «Na, wie rollt’s?» Und Yann antwortet jedes Mal: «Es läuft!» Lebensberatung Romandie jeanne.ruesch@spv.ch Tel. 079 859 74 38 Paracontact I Sommer 2018


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