DIE ERNÄHRUNG VOLUME 39 | 03/04 2015

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DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

VOLUME 39 | 03/04 2015

Regionalität ist die Basis für Erfolge im Export Seite 4

Wirtschafts­motor Export

14Z040109 M P.b.b., ERSCHEINUNGSORT WIEN, VERLAGSPOSTAMT 1030 WIEN, ISSN 0250-1554 © sdecoret

Seite 22

ABSTRACTED IN CHEMICAL ABSTRACTS ABSTRACTED IN SCOPUS


2 wirtschaft economy

NEWS

Österreich auf der EXPO  Der Österreich-­ Pavillon auf der EXPO in M ­ ailand ist Publikumsmagnet. Rund 600.000 Gäste besuchten schon den klimaneutralen Pavillon. Das Motto der Veranstaltung „Feeding the Planet, Energy for Life“ rückt Lebensmittel und Ernährung ins Zentrum. Gemeinsam mit Bundespräsident Heinz ­Fischer, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und Regierungskommissär Josef Pröll wurde im Rahmen des Österreich-Tages besonders auf die Chancen Österreichs für den Export hingewiesen. „Die EXPO eröffnet neue Marktchancen und auch unsere Exportbetriebe in der Lebens­mittelproduktion können profitieren – Nahrungsmittel sind bereits heute eines unserer wesentlichen Exportgüter nach Italien“, verweist Vizekanzler Mitterlehner auf die enge Vernetzung. Rund 145 Länder präsentieren bei der Welt­ausstellung bis 31. Oktober 2015 ihre ­Visionen für die Zukunft unseres Planeten.

©  FOTOLIA (3), CHRISTIAN HUSAR (1)

INHALT —

Fini’s Feinstes – Mühle erneuert  Good­ Mills Österreich hat in den letzten fünf Jahren in den Mühlenstandort in Schwechat (NÖ) 20 Millionen Euro investiert. Hier werden auch die Fini’s Feinstes Haushaltsmehle hergestellt. Mitte Juni konnte nun die in zwei Etappen realisierte Großinvestition mit der Eröffnung des neuen Logistikzentrums abgeschlossen werden. Im Mittelpunkt des neuen Logistikzentrums steht das halbautomatische Hochregallager mit 2.500 Regalplätzen auf 5 Ebenen. Im Rahmen des Lagerbaus wurde auch in den Produktionsbereich (Paketierung und Absackung) investiert. Als „klares Bekenntnis der inzwischen europäisch agierenden GoodMills Group zu seinem Heimatbundesland“ bezeichnete Josef Pröll, Generaldirektor des GoodMills-Eigentümers Leipnik-­ Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI), das nun abgeschlossene Investitions­programm.

04

WIRTSCHAFT economy

04 Regionalität ist die Basis für Erfolge im Export 22 Wirtschafts­motor Export: Wir geben Gas für Österreich 25 Globalisierung und ­Lebensmittelindustrie 28 Das Essen der Zukunft 32 Die Abschaffung des freien Bürgers 34 Steigendes Vertrauen in IFS-Standards 38 Zertifizierungswahn bei Lebensmitteln

07

EMPFANG reception

07 Weltweite Genussbotschafter 18 Die ganze Welt schätzt Lebensmittel aus Österreich

49

FIRMEN BERICHTEN company reports 49 Innovativ und beliebt


3 inhalt content

Liebe Leserin, lieber Leser, —

die jüngsten Nachrichten zum Wirtschaftsstandort alarmieren. Unser Land verliert in internationalen Rankings, die Wettbewerbsfähigkeit in Europa und global sinkt. Mit einem Wirtschaftswachstum von gerade einmal 0,5 % für 2015 liegt Österreich deutlich unter dem Euroraum (1,7 %).

40

TECHNIK technology

40 Industrie 4.0 43 Migrationsprüfungen schützen Lebensmittel 46 Energieeffizienz und Erneuerbare Energien

52

WISSENSCHAFT science

52 Acrylamid in ­Lebensmitteln 58 NU-AGE

59

RECHT law

59 Historie der ­„ursprünglichen Reinheit“ bei Mineralwasser 62 EFLA-Workshop zur Revision der VO (EG) Nr. 882/2004 über amtliche Kontrollen 63 „So wichtig wie das ­tägliche Glas Milch“ 65 „Combiotik®“ ist eine gesundheitsbezogene Angabe

Angesichts der Konjunktur m ­ üssen wir als Lebensmittelindustrie mehr denn je unsere Stärken forcieren. Dazu zählt der Export – er war auch das Thema beim heurigen Jahres­empfang des Fachverbands in Wien. Fast 300 Gäste sind unserer Einladung gefolgt. Zu den Highlights zählten die Keynote von Außenminister Kurz sowie der launige Beitrag von Bestsellerautor Georg Markus. Einen Rückblick finden Sie ab Seite 7. Damit wir auch in Zukunft im Export vorne mitspielen, gilt es, weiter­ hin alle Kräfte zu bündeln. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit den Partnern entlang der Wertschöpfungskette. Auch die Initiativen für den Export haben wesentlich zum Erfolg Österreichs in der Welt beigetragen. Nicht zuletzt brauchen wir noch dringend Entlastung in punkto Bürokratie und Nebenkosten. In diesem Sinne: Weg vom Regulierungs- und Auditwahn, hin zu fruchtbaren Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen!

Katharina Koßdorff


4 wirtschaft economy

REGIONALITÄT IST DIE BASIS FÜR ERFOLGE IM EXPORT Oskar Wawschinek im Gespräch mit Mag. Walter Scherb

D

ie Ernährung: Sehr ge­ ehrter Herr Mag. Scherb, welche Bedeutung hat der Export für Ihr Unter­ nehmen? Walter Scherb: Wir haben in unserer Unternehmensgruppe einen Exportanteil von 45–50%. Wir sehen den E ­ xport als zusätzliche Chance, Wachstum zu generieren. Daher hat der Export für uns höchste Priorität und große ­Bedeutung. Mit unseren Exportanstrengungen exportieren wir auch österreichische Rohstoffe und Wertschöpfung. Mit unseren Produkten sind wir in der EU, aber auch außerhalb der EU erfolgreich. Wir sind ein bodenständiges und vorsichtiges Unter­nehmen, haben uns aber Wachstumsziele gesetzt. Deshalb werden wir auch in Zukunft innerhalb Österreichs mehr tätig sein als jetzt. Welche Hürden und welche Chancen ­sehen Sie im Export in Zukunft? Scherb: In der EU haben wir mehr Chancen als Risiken. Allerdings sind die gesetzlichen Bestimmungen noch nicht überall vollständig angeglichen, aber es geht in die richtige Richtung. Mit der hohen Qualität unserer Produkte ­haben wir auch außerhalb der EU keine ­wesentlichen Hürden. Aber politische Risiken und

Währungs­risiken müssen wir außerhalb der ­Eurozone und der EU immer ­einkalkulieren. Was sind die wichtigsten Exportdestina­ tionen für Spitz? Scherb: Der wichtigste Markt für Spitz ist und wird Österreich sein. Von hier nehmen wir unsere Kraft und Kreativität. Als wichtigste Exportländer sehen wir die an Österreich angrenzenden Länder. Wir wollen unsere Kräfte konzentrieren und uns nicht verzetteln, daher sehen wir in diesen Märkten noch viel Potenzial. Was braucht der Industriestandort ­Österreich, um weiterhin erfolgreich zu sein? Scherb: Wir brauchen einen A ­ bbau von Bürokratie, mehr Effizienz in der Verwaltung, eine Steuerreduktion und schnellere Anpassung an g­ eänderte Rahmen­ b edingungen und flexible ­Arbeitszeitmodelle. Ist das Image österreichischer Lebens­ mittel im Ausland aus Ihrer Sicht ­generell hilfreich für die Exportanstren­ gungen? Scherb: Das Image der österreichischen Lebensmittel ist im In- und Ausland sehr hoch. Höchste Qualität und Genuss zeichnen österreichische Lebens-

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mittel aus. Wir freuen uns über diesen Rückenwind, stellen aber unsere eigenen Stärken in den Vordergrund. Wir kaufen Rohstoffe und Dienstleistungen, so gut es geht, regional ein. Da wir unser Werk in Oberösterreich in Attnang-­Puchheim haben, ist unser größter Beitrag zur ­R egionalität unsere regionale Wertschöpfung. Wie schätzen Sie die aktuellen Trends ein – wie z. B. Regionalität versus Bio, „moralisch korrekte Produkte“, vegan/ vegetarisch und generell die Tendenz, auf bestimmte Lebensmittel oder deren Bestandteile zu verzichten? Scherb: Wir setzen regionale Rohstoffe und Dienstleistungen ein. Wir leisten regional große Beiträge bei der Ausbildung und Schulung unserer Mitarbeiter sowie bei der Infrastruktur. Wir haben eine große Anzahl von Bioprodukten und haben Pläne, diese noch weiter auszubauen. Ganz wesentlich ist uns der Trend hin zur Natürlichkeit. Modernste Methoden, Verfahren und Anlagen haben es uns ermöglicht, bereits seit langem auf Hilfsmittel zur Haltbarmachung zu verzichten, die in der Öffentlichkeit kritisch gesehen ­werden. Ist ein stark diversifiziertes Unterneh­ men wie Spitz besser aufgestellt als spezialisierte Unternehmen? Wenn ja,


5 wirtschaft economy

person

Zur Person —

©  STARSANDPICTURES, CURT THEMESSEL

Mag. Walter Scherb wurde 1965 in Linz geboren. Nach der Schulausbildung studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Linz und Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Mag. Scherb ist Komplementär der S. SPITZ GesmbH & Co KG seit 1997 und Geschäftsführer der Scherb GesmbH seit 1992. Von 1997 bis 1999 war er Mitglied des Bundesrates. Mag. Scherb ist Mitglied der Jungen Industrie.

wo liegen die Vor- und Nachteile dieser Struktur aus Ihrer Sicht? Scherb: Wenn man von außen auf Spitz sieht, schaut es kompliziert aus. Wenn man aber in die Tiefe geht und genauer hinsieht, unterscheiden wir uns von anderen Unternehmen dadurch, dass wir verschiedene Produkte mit verschiedenen Technologien an einem Standort erzeugen, was andere an verschiedenen Standorten machen. Bei Spitz haben wir sehr einfache Strukturen mit vier Divisionen: Getränke, Süßwaren/Backwaren, Süß und Sauer sowie Markenvertrieb. Wir haben erstklassige Manager, die diese Divisionen wie eigene Firmen führen. Durch unseren wettbewerbsfähigen Standort haben wir zudem die Möglichkeit, diese Divisionen durch zentrale Funktionen zu unterstützen. Hervorzuheben ist dabei die Logistik. Da wir einen gemeinsamen Standort für alle Divisionen haben, haben wir innerhalb des Werkes, beim Einkauf, bei eingehenden und besonders bei ausgehenden Frachten Logistikvorteile. Und wir versenden unsere Produkte ausschließlich mit vollen LKWs. Das alles bringt Kostenvorteile, CO2-Reduktion, besseren Service für unsere Kunden und weitere Effekte. Und unser Biomassekraftwerk versorgt alle Divisionen mit umweltfreundlicher Energie. Wir sind einer der wenigen Lebensmittel-Stand­ volume 39 | 03/04 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


6 wirtschaft economy

orte, die einen eigenen Gleisanschluss haben. Dadurch können wir auch sehr viel mit Eisenbahn versenden, was wiederum Umwelt- und Nachhaltigkeitsvorteile bringt. Dabei können sowohl eingehende als auch ausgehende Frachten auf die Schiene verlagert werden. Wo sehen Sie die Zukunft der LMI ins­ gesamt in einem Umfeld, in dem Medien und NGOs eher negative Stimmung ma­ chen statt die Leistungen anzuerkennen? Scherb: Die Produktion und die Vermarktung von Lebensmitteln ist das ­Geschäft, das wir lieben. Das ist unser Geschäftsmodell, dem wir uns verschrieben

haben und deshalb können wir darüber nicht klagen. Dieses Geschäft wird auch immer im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen und wird daher öffentlich sehr intensiv diskutiert werden. Wir stellen uns diesen Diskussionen gerne. Wir wissen auch, dass dieser Prozess niemals abgeschlossen sein wird und daher müssen und werden wir uns immer wieder gerne den Diskussionen stellen. Wie sehen Sie die Ernährung der ­Zukunft? Werden wir nur mehr maßge­ schneiderte Cocktails zu uns nehmen, wie manche Zukunftsforscher vorhersagen? Scherb: Wir produzieren Getränke

und Lebensmittel für die große Mehrheit der Konsumenten und nicht für Raumfahrer. Daher bleiben für uns Natürlichkeit, Frische, Qualität, Genuss und Regionalität, aber auch Innovation die Hauptthemen. Bei Essen für As­tronauten ist das vielleicht ein anderes Thema. Was schmeckt Ihnen ganz persönlich? Was genießen Sie am liebsten? Scherb: Jederzeit gerne ein gutes Steak, oft Hausmannskost (z. B Eiernockerl), immer frische Früchte (Himbeeren, Heidelbeeren etc. – auch als Smoothie) und nach dem Dessert einen guten Obstschnaps von Spitz.

Spitz: Ein erfolgreicher Weg Hochwertige Rohstoffe, erlesene Früchte und größte Sorgfalt bei der Herstellung – das sind die Zutaten für unser Erfolgsrezept. Das Traditionsunternehmen Spitz ist seit mittlerweile 160 Jahren ein fixer Bestandteil der österreichischen Nahrungs- und Genussmittel­tradition. 1857 von Salomon Spitz in Linz gegründet, entwickelte sich das Unternehmen im Laufe der Zeit zu einem der größten und bekanntesten Produzenten von Nahrungsmitteln und Getränken in Österreich. Tag für Tag verlassen mittlerweile mehr als 1,2 Mio. Produkte das Werk in Attnang-Puchheim. Auch für den Export wird jedes einzelne Produkt der breiten Angebotspalette am oberösterreichischen Firmenstandort hergestellt. Ob Fruchtsäfte, Sirupe, Energy Drinks, Spirituosen, Backwaren, Konfitüren, Senf, Mayonnaise und Ketchup – alle Spitz-Produkte stehen für ausgesuchte Rohstoffe, sorgfältige Herstellung und hundertprozentige Qualität aus Österreich. Das Unternehmen beschäftigt rund 650 Mitarbeiter und erwirtschaftet rund 260 Mio. Euro Umsatz. Die wichtigsten Ereignisse und Meilensteine der Firmengeschichte: 1867: Gründung der Firma S. Spitz am Standort Linz durch Salomon Spitz. 1918: Erzeugung von Likören, Schnaps und Rum in Linz-Urfahr; Liköre,

Schnaps und Rum vertreibt diese regional. 1935: Spitz-Produkte werden nun im Betrieb Attnang-Puchheim erzeugt. Fruchtsaft-Produkte und Sirupe erweitern die Produktpalette. 1945: Nach dem 2. Weltkrieg übernimmt Kommerzialrat Walter Scherb die Leitung der Firma und Spitz erzeugt wieder Spirituosen und Fruchtsäfte aller Art. 1952/53: Kommerzialrat Walter Scherb kauft die Firma Spitz von Viktor Spitz und führt diese als KG weiter. 1955: Nachdem die Demarkationslinien in Österreich aufgehoben sind, wird das Vertriebsprogramm auf das ganze Bundesgebiet ausgedehnt. Spitz wird Marktführer in den Branchen Spirituosen (Obstler, Slibowitz, Liköre) und Fruchtsäfte (Sirupe). 1970–75: Das Produktions- und Vertriebs­programm wird um Konfitüren, Senf, Mayonnaise und Ketchup erweitert. 1975–80: Seit Errichtung einer Fabrik für Backwaren erzeugt S. Spitz auch Waffeln, Biskotten und Kuchen. 1989–90: Eine eigene Brotfabrik wird errichtet und eine umfangreiche Erweiterung der Süßwarenproduktion beginnt. 1995: Die Produkte werden nun in der eigenen PET-Flaschenanlage abgefüllt. 1996: Der Backwarenbereich wird erweitert und die gesamte Produktion nach ISO 9001 zertifiziert.

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2000: Eine neue Anlage zur Produktion von schokolierten Waffelröllchen wird aufgebaut und in Betrieb genommen. Die Produktions- und Abfüllanlage für Ketchup wird auf den neuesten Stand gebracht und damit ab sofort die Herstellung von unkonservierten Produkten ermöglicht. 2004: Die POWER HORSE Energy Drinks GmbH wird gegründet. Das Unternehmen erwirtschaftet 24,6 Mio. Euro Umsatz mit 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus 15 Nationen. 2005: Investition in eine neue Abfülltechnologie für alkoholfreie Getränke (Aseptic Filling). 2006: Gründung der Pet2Pet Recycling GmbH. Die aseptische Abfüllanlage für PET-Flaschen sowie eine neue Dosenabfüllanlage werden in Betrieb genommen. 2007: S. Spitz feiert das 150-jährige Bestandsjubiläum und beteiligt sich an der Gasteiner Mineralwasser GmbH mit 51%. Übernahme der Firma Gasteiner Mineralwasser GmbH (51% Spitz, 49% Brauunion) mit Sitz in Bad Gastein (Salzburg). 2008: Mit der Inbetriebnahme der BioWärme Spitz GmbH wird der interne Energiebedarf nachhaltig und umweltfreundlich gedeckt sowie Nahwärme für den Raum Attnang-Puchheim bereitgestellt. 2008: Übernahme der Fa. Auer GmbH mit Sitz in Spillern (NÖ).


7 empfang reception

WELTWEITE GENUSSBOTSCHAFTER DER TRADITIONELLE EMPFANG DER ÖSTERREICHISCHEN ­LEBENSMITTELINDUSTRIE STAND DIESES JAHR UNTER DEM THEMA ­„EXPORTSCHLAGER ÖSTERREICH“.

©  CHRISTIAN HUSAR

L

ebensmittel „Made in Austria“ werden in 180 Länder quer über den Globus verkauft. Das betonte auch Außenminister Sebastian Kurz in seiner Keynote: „Österreichische Lebensmittel sind im Ausland sehr präsent und prägen auch durch ihre hohe Qualität das Image Österreichs mit.“ Die internationale Orientierung der österreichischen Lebensmittelindustrie hat sich seit 1995, dem Jahr des EU-Beitritts Österreichs, stark erhöht: Der Exportanteil hat sich in diesem Zeitraum vervierfacht, von 16 % im Jahr 1995 auf aktuell über 60 %. „Das zeigt den herausragenden Einsatz der heimischen Hersteller“, so der Außenminister weiter. Auch der Obmann des Fachverbandes, GD KR DI Johann Marihart, wies auf die Bedeutung des Exportes für die Lebensmittelindustrie hin: „Gerade die Sanktionen Russlands haben gezeigt, wie rasch sich Märkte ändern können. Umso wichtiger ist das Export-Commitment des Wirtschaftsministeriums zu ‚go international‘ und des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich zur Exportinitiative!“ Auch die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO mit ihrem weltweiten Service-Netzwerk sowie die AMA Marketing GmbH unterstützen tatkräftig, dass heimische Lebensmittel im Export tonangebend sind. Die 200 Betriebe der Lebensmittelindustrie beschäftigen rund 26.000 Menschen und zählen mit einem Produktionsvolumen von 8 Mrd. Euro zu den größten Branchen Österreichs. Marihart: „Unsere Unternehmen sorgen mit Qualität, Sicherheit und Genuss der Lebensmittel aus heimischer Produktion dafür, dass diese als Genussbotschafter in aller Welt

BM Sebastian Kurz, Moderatorin Marie-Claire Zimmermann, Geschäftsführerin Mag. Katharina Koßdorff, Obmann GD KR DI Johann Marihart

Marihart:

Lebensmittel­ industrie schafft Wertschöpfung und sichert ­Arbeitsplätze

nachgefragt werden. Darauf sind wir mit Recht stolz!“ Von der Politik forderte Marihart, der für eine weitere Funktionsperiode zum Verbandspräsidenten gewählt wurde, ein klares Bekenntnis zum Industrie-Standort Österreich. Gerade der Export ist und bleibt Jobmotor und Wachstumsgarant, Freihandel ist daher essentiell: „Die öffentliche Debatte über TTIP auf das ‚Chlorhuhn‘ zu reduzieren, ist Unsinn. Es gilt, sachlich zu diskutieren und gut zu verhandeln. Wir sind für den Freihandel, aber unter gleichen Spielregeln und unter Wahrung unserer Qualitätsstandards.“ Für die Verbandsarbeit

setzt Marihart einen Schwerpunkt: „Bei Lebensmitteln gibt es mehr Ideologie als Wissen – hier müssen wir noch verstärkt ansetzen. Die Konsumenten mit Lebensmittel-Ampeln zu entmündigen, ist freilich der falsche Weg. Wer über Eiweiß, Fett, Kohlehydrate und Kalorien Bescheid weiß, braucht keine Ampel. Daher müssen wir den Ernährungs-Analphabetismus mit Wissen bekämpfen.“ Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes, erklärte: „Österreichische Lebensmittel sind sympathische Exportschlager. Denn Lebensmittel waren noch nie so sicher, qualitativ hochwertig und leistbar wie heute. Daher wollen wir als Verband unsere Mitglieder beim Export ihrer Produkte weiterhin mit Elan unterstützen. Ebenso werden wir noch mehr über moderne Lebensmittelherstellung informieren. Wir wollen zeigen, was wir als Branche leisten und mit welch hohen Qualitätsstandards unsere Mitglieder arbeiten.“

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8 empfang reception

Marie-Claire Zimmermann, BM Sebastian Kurz

Katharina Koßdorff, Siegfried Menz

Johann Marihart

Christoph Panuschka, Charlotte Panuschka, Inge Panuschka, Thomas Panuschka

Georg Markus, Marie-Claire Zimmermann, K ­ atharina Koßdorff, BM Sebastian Kurz, J­ ohann Marihart

Michael Kornberger, Josef Dietrich

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9 empfang reception

Marie-Claire Zimmermann, Claudia Riedmann

Ingrid Kiefer

Andreas Kadi, Adrian Perco

Helmut Eder

Elisabeth Körner

Michael Blass, Günter Griesmayr, Rudolf ­Kobatsch, Katharina Koßdorff, Hermann Schultes

Irene Wallner, Julian Drausinger

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

BM Sebastian Kurz, Katharina Koßdorff

Johann Költringer, Ulrich Herzog, Christoph Henöckl

Eva Hipfinger

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10 empfang reception

Erwin Kotanyi, Marcus Winkler

Johann Marihart, Josef Mayer, Oskar Wawschinek

Eva-Maria Kaltenbrunner, Ingrid Ranner

Wolfgang Berger, Thomas Panuschka, Karl Kern

Johann Marihart, ­BM Sebastian Kurz, Katharina Koßdorff

Hans Trünkel

Tina Kodritsch

Manfred Müller, Linda Toccafondi

Anton Jarmer, Claudia Jarmer

Andreas Hagen, Birgit Fitz

Johann Schlederer, Adolf Marksteiner

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11 empfang reception

Anton Reinl

Walter Neumayer

Helmut Gattringer, Hubert Stritzinger

Adrian Perco, Andreas Natterer

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

Manfred Vogel, Romana Vogel-Schubert

Konrad Brustbauer, Sylvia Frischenschlager, Carolin Krejci, Erwin Schübl

Elisabeth Noll, Franz Pfeifer

Thomas Spies, Christiane Schöner-Kenyeres, Haymo Schöner

Peter Loosen, Walter Neumayer, Linda Toccafondi, Leopold Wolfslehner

Josef Domschitz, Maria Panuschka, Bernhard Gartner

Florian Mückstein, Gerald Behan

Paul Unterweger, Birgit Wagner

Simone Hoepke, Dolly Blach

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12 empfang reception

F. Walter Gsell, Irene Braunsteiner

Josef Simon

Johann Marihart, Sylvia Palige-Barfuß, Walter Barfuß

Nicole Grob, Elisabeth Kasal

Wolfgang Gruber, Norbert Friedrich

Christian Hauer, Hans-Peter Andres

Walter Trybek, Maria Panuschka, Markus Liebl

Claudia Riedmann, Katharina Koßdorff

Matthias Kappel

Martin Kropfitsch, Bernhard Gitl, Andreas Wolfsberger

Nadja Gartner, Michael Gartner, Bettina ­Koller-Garber

Johann Brunner, Herbert Schlossnikl, Tina Kodritsch

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13 empfang reception

August Astl, Katharina Koßdorff, Markus Liebl

Harold Burstein, Ernst Polsterer-Kattus

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

Peter Reinecke, Gisela Reinecke, Rainer Herrmann

Sonja Kircher, BM Sebastian Kurz, Josef Mayer

Josef Mayer, Hans-Peter Andres

Jürgen König, Marlies Gruber, Andreas Kadi

Markus Liebl, Walter Scherb

Johann Waldherr, Franz Jägersberger

Peter Loosen, Walter Neumayer, Leopold Wolfslehner

Florian Mückstein, Martin Raaber, Gerald ­Behan

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14 empfang reception

Alfred Lehner

Christian Holzer

Alfred Hudler

BM Sebastian Kurz

Peter Loosen

Andreas Handschmann, Walter Trybek

Corinne Gabler, Katharina Koßdorff

Wilhelm Leitner

Harald Bogner

Roland Grossgut

Franz Floss

Hannes Mraz, Ernst Polsterer-Kattus

Andreas Handschmann

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15 empfang reception

Marie-Claire Zimmermann

BM Sebastian Kurz, Johann Marihart, Hermann Schultes

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

Robert Schausberger

Johann Marihart, Katharina Koßdorff, Martin Darbo

Michael Blass

Matthias Kappel, Erich Gruber

Franz Pfeifer

Klaus Hraby

Hans Staud, Florian Mückstein

Viktoria Friedrich, Regina Aigmüller, Rudolf Aigmüller, Harold Burstein

Theresa Janson, Christine Schober, Barbara Stadlmayr

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16 empfang reception

Silvana Staudinger, Gerhard Staudinger

Harald Hauke

Marie-Claire Zimmermann, Katharina Koßdorff

Bernd Berghofer

Alfred Schrott, Michael Blass

Günter Griesmayr, Katharina Koßdorff, Josef Dietrich, Peter Stallberger, August Astl

Peter Loosen, Daniela Muchna

Günter Griesmayr, Christian Gessl

Rochus Nepf, Katharina Koßdorff, Konrad Brustbauer

Alfred Hudler, Simone Hoepke, Michael ­Trünkel

Susanne Deixelberger, Andrea Weinzetl, Rita Konstantin

Hubert Stritzinger, Hans Staud, Katharina ­Koßdorff, Stefan Schauer

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17 empfang reception

Andreas Pfahnl

Johann Marihart

Roland Raffer

Daniela Muchna

Stefan Schauer, Hubert Stritzinger, Hans Staud

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

Georg Markus

Wolfgang Bärnthaler, Susanne Deixelberger, Nicole Grob, Josef Domschitz

Hannes Mraz, Konrad Brustbauer, Walter ­Barfuß

Otto Bloder, Christian Hauer, Ernst Klicka, Katharina Koßdorff, Rainer Herrmann, Alfred Schrott

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18 empfang reception

DIE GANZE WELT SCHÄTZT LEBENSMITTEL AUS ÖSTERREICH GEORG MARKUS

A

us aller Welt strömen Touristen nach Österreich, um den Stephansdom, Schönbrunn, die Hofburg, den Prater und viele andere Attraktionen zu bewundern. Für ganz andere Attraktionen aus unserem Land muss man nicht einmal herkommen – die kommen zu den Feinschmeckern in aller Welt. Ich spreche, wie unschwer zu erraten, über österreichische Nahrungsund Genussmittel. Spontan fallen mir das Wiener Schnitzel ein und die Sachertorte, Meinl Kaffee, Frankfurter Würstel, Wiener Zucker, Energy Drinks, das österreichische Bier, der Wein und der Schaumwein, die Almdudler Limonade oder die Manner Schnitten – um nur einige wenige Produkte zu nennen, die beinahe den Status österreichischer Wahrzeichen besitzen. Mit vielen der weltweit geschätzten Lebens­mittel aus unserem Land ist die eine oder andere Geschichte oder Anekdote verbunden, die ich Ihnen erzählen möchte. Etwas sehr Österreichisches ist es auch, Jubiläen zu feiern. Diesbezüglich werden wir heuer ganz besonders verwöhnt, wir haben schon gehört, was in diesem Jahr alles gefeiert wird. Ich schiebe alle anderen Jubiläen beiseite und komme vorerst auf die Spanische Hofreitschule zu sprechen. Nicht zuletzt deshalb, weil Kommerzialrat Johann Marihart heuer gleich zwei Jubiläen feiert. Als Präsident des Fachverbands der Lebensmittelindustrie und als Vorstandsmitglied der Spanischen Hofreitschule. Beide Institu-

tionen zählen zu Österreichs Aushängeschildern. Die Spanische Hofreitschule ist 450 Jahre alt und nicht, wie bis vor kurzem angenommen, erst 443 Jahre. Im Österreichischen Staatsarchiv hat man ein Dokument entdeckt – ich habe vor kurzem erst darüber in meiner „Kurier“-Kolumne geschrieben –, demzufolge Kaiser Maximilian II. am 20. September 1565 für einen Betrag von 100 Gulden auf dem Areal des heutigen Josefsplatzes eine Reitbahn errichten ließ. Dieses Datum gilt als erste Erwähnung der späteren Hofreitschule, sie ist also um sieben Jahre älter als bisher vermutet. Dass es die Lipizzaner heute noch als österreichische Institution gibt, grenzt an ein Wunder, wenn man einen Blick auf ihre dramatische Geschichte wirft. Sie wurden drei Mal von Napoleons Truppen von Lipizza nach Ungarn und wieder zurück transferiert. Die edlen Pferde haben einen Großbrand ihres Gestüts im 18. Jahrhundert ebenso überlebt wie die im Ersten Weltkrieg durchgeführte Übersiedlung von Lipizza nach Laxenburg bei Wien und die Neugründung des Gestüts in Piber. Sie wurden 1945 vom legendären Reitschulchef Oberst Podhajsky gemeinsam mit dem amerikanischen General Patton vor dem Bombenhagel, der auf die Wiener Innenstadt niederging, gerettet und nach Oberösterreich gebracht. 1983 wurden 32 Lipizzaner durch eine Seuche hinweggerafft. Auch damals bestand die reale Gefahr, dass alle Tiere verenden würden, was

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das sichere Aus für die Hofreitschule ­bedeutet hätte. Schließlich konnte in der Nacht zum 27. November 1992 beim Brand der Redoutensäle 69 Pferde aus der angrenzenden Stallburg gerettet werden. Man hat sie um drei Uhr früh – zum Teil mit Hilfe von Passanten – in den Volksgarten gebracht. Eine kleine Geschichte zum Ende der Monarchie. Kaiser Franz Joseph hatte die Lipizzaner bereits 1915 von Lipizza nach Laxenburg bringen lassen – damals schon aus Angst vor den Folgen eines möglicherweise verlorenen Krieges. Danach wurde im Friedensvertrag von Saint-Germain festgelegt, dass Italien – wo sich das Gestüt von Lipizza zu dieser Zeit befand – 70 Lipizzaner als Reparationszahlung erhalten sollte. Auch das hätte zum Ende der Spanischen Hofreitschule für Österreich geführt. Österreich übergab die geforderten weißen Hengste an Italien, es waren allerdings zum Teil keine Lipizzaner, sondern einfache Warmblutpferde, die man in Laxenburg weiß angestrichen hatte. Das Fell der Tiere war mit einer Spezialfarbe behandelt worden – auf ähnliche Weise wie Menschen ihre Haare färben. Die Italiener merkten nichts und transportierten ihre Pferde nach Lipizza. Als sie die „Rosstäuschung“ – das Wort ist hier im wahrsten Sinn angebracht – später bemerkten, war ihnen die Angelegenheit so peinlich, dass sie auf einen Tausch gegen echte Lipizzaner verzichteten. Die Aktion war sicher nicht sehr nobel, hat


19 empfang reception

Jetzt aber zum eigentlichen Thema dieses Abends. Zu unseren Nahrungs- und Genussmitteln. Ich habe eingangs die Frankfurter Würstel erwähnt, die etwas irreführend so heißen, weil sie ja aus Wien und nicht aus Frankfurt stammen. Und das kam so: Am 15. Mai des Jahres 1805 legte der bürgerliche Fleischhauermeister Johann Georg Lahner zum ersten Mal ein Paar Würstel, das er „Frankfurter“ nannte, in die Auslage seiner Selcherei in Wien-Altlerchenfeld. Natürlich konnte er nicht ahnen, dass sich die von ihm erfundene Fleischspeise mehr als 200 Jahre später immer noch großer Beliebtheit erfreuen würde. Nicht nur in Österreich, sondern auch in vielen anderen Ländern. Es stellt sich also die Frage, warum die Frankfurter „Frankfurter“ und nicht „Wiener“ heißen, da sie doch hier zum ersten Mal erzeugt wurden. Nun, Herr Lahner hatte seine Metzgerlehre in Frankfurt am Main absolviert und die von ihm kreierten Würste nach der Stadt benannt, in der er das Fleischerhandwerk erlernt hat. Als er im Alter von 26 Jahren, wie das damals üblich war, auf Wanderschaft ging, gelangte er nach Wien. Und hier begann, wie sollte es anders sein, eine Love Story, ohne die es möglicherweise bis heute keine Frankfurter Würstel geben würde: Johann Georg Lahner lernte eine Baronin kennen, deren Name nicht überliefert ist. Sie verliebte sich – was bei den damaligen Standesvorschriften sehr ungewöhnlich war – in den stämmigen Handwerksburschen und schaffte mit einem Darlehen von 300 Gulden die finanzielle Basis zur Gründung einer Fleischhauerei, die Lahner 1804 in der heutigen Neustiftgasse eröffnete. Ein Jahr später schreibt Herr Lahner Geschichte: Als er nämlich zum ersten Mal jene Würste herstellt, die den Gaumen von Generationen erfreuen sollten. Die raffinierte Mischung aus Rind- und Schweinefleisch schlug sofort ein und wurde zum beliebtesten Gabelfrühstück der Wiener. Kaiser Franz I. erklärte die Frankfurter zu seiner Leibspeise und ebenso taten es Schubert, Grillparzer,

©  WOLFGANG FÜRST

aber einmal mehr mitgeholfen, dass die Spanische Hofreitschule in österreichischer Hand verblieb.

Nestroy und Johann Strauß. Bald kursierte in der walzerseligen Stadt das geflügelte Wort: „Was der Lanner fürs Herz, ist der Lahner für’n Magen.“ Die auf Etikette bedachte Wiener Gesellschaft fragte sich bald, wie die Frankfurter stilecht zu genießen seien: Mit Messer und Gabel oder „einfach so“? Das Problem wurde von der in Fragen der Etikette als oberste Instanz geltenden Fürstin Pauline Metternich gelöst: Als man ihr ein Paar Frankfurter kredenzte, legte sie Messer und Gabel beiseite, steckte ein Würstel zwischen die Finger – und biss herzhaft zu. Womit die Frage ein für allemal beantwortet war: Man darf Frankfurt ohne Besteck essen! Bald wurden die Frankfurter auch in Paris, London und Rom serviert, doch weigerte man sich dort, das Fleischgericht nach der Stadt zu benennen, in der Herr Lahner sein Handwerk erlernt hatte. Der Name des tatsächlichen Ursprungs-Ortes schien attraktiver, und so heißen die Würstel bis heute nur in Wien „Frankfurter“, während sie überall sonst in der Welt als „Wiener“ bekannt sind. In den USA in eine Semmel gesteckt, wurden sie als „Hot Dogs“ zur Nationalspeise. Von der Baronin des Fleischermeisters Johann Georg Lahner hat man nie wieder gehört, er heiratete eine Retzerin namens Anna Resler, mit der er vier Söhne hatte, die alle Fleischhauer wurden. Lahners Fleischerladen in der Neustiftgasse wurde erst 1967, nach dem Tod seines Urenkels Leopold, geschlossen.

Dass der so genannte „kleine Mann“ von den Frankfurter Würsteln begeistert war, ist kein Wunder, denn die lukullischen Freuden waren in jenen Tagen sehr bescheiden. Das Mittagessen bestand im Allgemeinen, insbesondere in ländlichen Gebieten, aus einem eintönigen Gemisch aus Brot und Getreidebrei, der den ganzen Tag auf dem Herd köchelte und bei Bedarf von den Familienmitgliedern aus dem warmen Kessel gelöffelt wurde. Abends gab es Suppe und wieder Brot. Honig war ein begehrter, aber für viele unerschwinglicher Abschluss jedweder Mahlzeit. Wichtig zu jedem Essen waren ein Glas Wein oder Bier. Als das Krügel Bier zur Mitte des 19. Jahrhunderts um einen Kreuzer teurer und damit für viele unerschwinglich werden sollte, kam es in weiten Teilen der Monarchie zu „Bierkrawallen“, in Graz stürmten die Massen mehrere Brauereien und sogar die Wohnung ­eines Bierbrauers. Unsere heutige Ernährung lässt sich mit den Speisefolgen früherer Generationen nicht in einem Atemzug nennen. Wir haben das Glück, in einer Zeit und in einer Region zu leben, in der es für die meisten Menschen genug zu essen und zu trinken gibt und nicht nur das: Die Lebensmittel dürfen im Gegensatz zu früher auch schmecken. Was wäre Wien ohne sein Kaffeehaus. Das erste wurde nach der Zweiten Türken­belagerung im Jahr 1683 gegründet – wenn auch nicht von Georg Franz Kolschitzky, der sich selbst gerne als erster Cafetier dieser Stadt bezeichnete,

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aber das wäre schon wieder eine andere Geschichte. Seine Blütezeit feierte das Wiener Kaffeehaus im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert. Ich habe noch den großen Kabarettisten Karl Farkas kennengelernt – mancher von Ihnen wird sich an ihn erinnern – und der hat mir die folgende Geschichte erzählt. Er konnte es sich in den 1920er-Jahren als junger Schauspieler noch nicht leisten, ins Kaffeehaus zu gehen. Dennoch war er bereits Stammgast im Café Central in der Herrengasse. Und das spielte sich, seiner eigenen Erzählung zufolge, so ab: „Wir Jungen, die kein Geld hatten“, sagte Farkas, „kamen gleich nach dem Mittagessen hin, haben unzählige Gläser Wasser und Zeitungen konsumiert, bis vier Uhr nachmittags saßen wir dort und dann sagten wir zum Ober: ,Jean, reservieren Sie mir meinen Sessel, ich geh’ nur rasch nach Hause einen Kaffee trinken.“ Welchen Stellenwert ein gutes und nahrhaftes Essen für uns Österreicher hat, ist auch daran erkennbar, dass den Gaumenfreuden etliche Geschichten in einem Klassiker des Wiener Humors gewidmet sind. Ich spreche von Friedrich Torberg und seinem Buch „Die Tante Jolesch“. Torberg selbst hat den schönen

Satz geprägt „Essen ist meine Lieblingsspeise“. In seinem großen Anekdotenbuch hat er uns eine ganze Reihe von Sprüchen der legendären Tante Jolesch überliefert, die sich aufs Essen und auf ihre berühmten Rezepte beziehen. Zwei davon seien hier genannt. In ihren späten Jahren wurde die Tante Jolesch gefragt: „Also stell dir vor, Tante – Gott behüte, dass es passiert – aber nehmen wir an: Du sitzt im Gasthaus und weißt, dass du nur noch eine halbe Stunde zu leben hast. Was bestellst du dir?“ Darauf die Tante Jolesch: „Etwas Fertiges!“ Das zweite und vielleicht berühmteste Zitat der Tante Jolesch erwähne ich nur der Vollständigkeit halber, weil es, wie ich vermute, in diesem Rahmen ohnehin bekannt sein wird. Als es dann mit der Tante Jolesch wirklich zu Ende ging, sagte ihre Nichte am Sterbebett zu ihr: „Tante – ins Grab kannst du das Rezept für Deine einzigartigen Krautfleckerl nicht mitnehmen. Willst du es uns nicht hinterlassen? Willst du uns nicht endlich sagen, wieso deine Krautfleckerln immer so gut waren?“

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Da richtete sich die Tante Jolesch noch einmal mit letzter Kraft auf und antwortete: „Weil ich nie genug gemacht hab.“ Nicht nur die Entstehungsgeschichte der Frankfurter respektive Wiener Würstel ist erwähnenswert, sondern auch die für das Wiener Schnitzel: Der Feldmarschall Graf Radetzky war in den Jahren 1831 bis 1857 Generalkommandant der österreichischen Armeen in Italien. Bei einem Festbankett in Mailand soll ihm ein „Cotoletta Milanese“, ein Mailänder Kotelette, gereicht worden sein, und er war davon so angetan, dass er Kaiser Franz Joseph von der Speise samt Rezept in Kenntnis setzte. Und auch dem schmeckte es superb. Allerdings wurde in Wien die Panier verändert, und so soll aus dem Mailänder Schnitzel das Wiener Schnitzel geworden sein. Wir danken es dem Herrn Feldmarschall bis zum heutigen Tage. Franz Schubert, den ich vorhin erwähnt habe, ist nur 31 Jahre alt geworden. Dass unsere Lebenserwartung ein Vielfaches beträgt, liegt neben den Fortschritten in der Medizin auch daran, dass die heutigen Lebensmittel strengen Gesundheitskontrollen unterzogen werden. Das gilt natürlich auch für Getränke.


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S­ chubert starb 1828 an Bauchtyphus, ­einem infolge der Trinkwasserqualität damals weit verbreiteten Übel. Auch Beethoven dürfte dem Wiener Wasser und den hier verlegten Bleirohren zum Opfer gefallen sein.

wurde. Im Schloss Schönbrunn wurden die Spitzen des Staates und der Indus­ trie begrüßt. Der alte Mautner Markhof hielt sich, als sich die beiden mächtigsten Männer der Welt am Ende des Festes anschickten, das Schloss zu verlassen, im großen Spiegelsaal auf. Kennedy, der während des ganzen Abends einem Porträt Kaiser Franz Josephs gegenüber gesessen war, sah nun Mautner Markhof mit seinem mächtigen Backenbart leibhaftig vor sich stehen. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ging auf Mautner Markhof zu, reichte ihm die Hand und sagte: „Thank you very much!“

Heute entspricht das Wiener Wasser den höchsten Standards und wird ob seiner Qualität überaus geschätzt. Das musste sogar Queen Elizabeth zur Kenntnis nehmen, als sie 1969 auf Staatsbesuch in Österreich weilte. Ihre Kammerdiener hatten – wie immer, wenn Ihre Majestät auf Reisen geht – in Flaschen abgefülltes Wasser aus London mitgebracht. Doch die Köche im Hotel Imperial waren von der Qualität des Wiener Wassers so überzeugt, dass sie das Londoner Wasser Wasser sein ließen und den königlichen Tee aus dem guten Wiener Wasser zubereiteten. Die Queen, so wurde mir im Hotel Imperial zugetragen, hat nichts davon bemerkt. Auch die Entstehungsgeschichte einer beliebten österreichischen Süßspeise, in der Kaiser Franz Joseph einmal mehr die Hauptrolle spielt, habe ich Ihnen mitgebracht. In Bad Ischl kreierte des Kaisers Patissier eines Tages zum ersten Mal das, was wir heute als „Kaiser­ schmarrn“ bezeichnen. Der Kaiser war begeistert und fragte den nach der Verkostung untertänigst herbeigeeilten Leibkoch, wie denn das köstliche neue Gericht heißen würde. Und der Leibkoch antwortete korrekt: „KASER-­ Schmarrn!“

©  CHRISTIAN HUSAR, WOLFGANG FÜRST

Nun machten sich in dieser Zeit bei Seiner Majestät bereits erste Anzeichen von Schwerhörigkeit bemerkbar und so erwiderte Franz Joseph: „Das ist aber sehr nett, dass Sie diese Mehlspeise nach mir benannt haben.“ Der Koch wagte es nicht, seinem Herrn zu widersprechen. Denn der von ihm in der Küche der Kaiservilla erdachte Name hatte nicht KAISER-Schmarrn ­gelautet, sondern KASER-Schmarrn – wie ein in der Kaserei hergestelltes Molkerei­produkt eben. Aus Ehrfurcht vor dem Kaiser, der KAISER-Schmarrn verstanden hatte, konnte der Ausdruck auch nicht mehr

Er hatte wohl – so wurde an diesem Abend noch vielfach gemutmaßt – den alten Mautner Markhof für den alten Kaiser gehalten.

geändert werden. Und so heißt der ­K ASER-Schmarrn bis zum heutigen Tage KAISER-Schmarrn. Einen berühmten Backenbart, ähnlich wie Kaiser Franz Joseph, trug auch der legendäre Präsident Manfred Mautner Markhof, den ich als Seniorchef des gleichnamigen Bier- und Lebensmittelkonzerns noch kennenlernten durfte. Vielleicht erinnern Sie sich noch an ihn und seinen Backenbart. Ich habe ihn als ganz junger Journalist interviewt und den Fehler begangen, ihn als „Herr Generaldirektor“ anzusprechen, worauf er mich mit den Worten zurechtwies: „Ich bin kein Generaldirektor, ich halte mir welche.“ Mautner Markhof war nicht nur durch seine Bedeutung als Bier- und Feinkost­ industrieller, sondern auch durch seine charismatische Erscheinung eine feste Größe in der Wiener Gesellschaft. Und es war klar, dass er als Ehrengast dabei sein würde, als im Juni 1961 ein Empfang zu Ehren des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy und des Kremlchefs Nikita Chruschtschow gegeben

Zum Schluss noch eine Geschichte über Hans Moser, der nicht nur ein großer Volksschauspieler, sondern auch ein notorischer Sparmeister war. Es gibt viele Anekdoten, die das belegen. Eine davon sei hier erwähnt, weil sie sich aufs Essen bezieht. Man hatte während der Premierenfeier eines Moser-Films beobachtet, wie Hans Moser schon zum dritten Mal das gratis zur Verfügung stehende Buffet stürmte. Seine Kollegin Marte Harell sprach ihn offen darauf an: „Sag, Hans, ist es dir nicht peinlich, dreimal Essen zu holen?“ Darauf Moser: „Überhaupt nicht! Ich sag den Leuten jedes Mal, ich hol’s für die Frau Harell!“ Soweit ich weiß, ist auch für heute ein Buffet vorgesehen. Ich könnte mir keinen besseren Gastgeber als den Fachverband der Lebensmittelindustrie vorstellen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und guten Appetit – und ich bin überzeugt davon, dass niemand danach fragen wird, für wen Sie all die Köstlichkeiten an Ihren Tisch holen. Rede beim Empfang der Lebensmittel­ industrie am 9.6.2015. Georg Markus Schriftsteller und Kurier-Kolumnist www.georgmarkus.at

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WIRTSCHAFTS­MOTOR EXPORT: WIR GEBEN GAS FÜR ÖSTERREICH Josef Domschitz im Gespräch mit Dr. Walter Koren

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ie Ernährung: Welche Leistungen bietet die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA?   Walter Koren: Die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA wurde 1946 gegründet und ist die „Internationalisierungsagentur“ der österreichischen Wirtschaft. Mit unserem weltweiten Netzwerk von über 110 Stützpunkten in mehr als 70 Ländern – die Hälfte davon außerhalb Europas – unterstützen wir Österreichs Unternehmen bei ihren Internationalisierungsschritten. Wir bieten exportorientierten und -interessierten Unternehmen Informationen über alle Weltmärkte, führen sie dorthin, helfen bei der Geschäftspartnersuche, bei Niederlassungsgründungen, bei rechtlichen Problemen, liefern spezielle Markt- und Branchenstudien und bieten jährlich rund 1.200 exportrelevante Veranstaltungen – 800 davon im Ausland. Die heimischen Exportunternehmen können bei uns tagtäglich und vor Ort auf den jeweiligen Auslandsmärkten auf ein effektives und vollständiges Unterstützungssystem zurückgreifen. Die Internationalisierungsoffensive „go international“ des Wirtschaftsministeriums und der WKO ergänzt dabei unser breitgefächertes ­Angebot.

Welche Aktivitäten werden im Bereich der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft gesetzt? Koren: Die Lebensmittelindustrie ist mit rund 200 Unternehmen und 26.000 Beschäftigten eine der größten Branchen Österreichs – dementsprechend liegt auch ein Schwerpunkt unserer Arbeit in der Unterstützung dieser Branche auf ihrem Weg in andere Länder und Märkte. Dabei arbeiten wir eng mit der AMA und dem Fachverband der Lebensmittelindustrie zusammen. Unter anderem bieten wir den Unternehmen die Möglichkeit, auf internationalen Lebensmittelmessen auf Gemeinschaftsständen der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA ihre Produkte zu präsentieren. Gerade für kleinere Unternehmen, die sich einen eigenen Messestand nicht leisten können, ist das eine hervorragende Möglichkeit, sich ins internationale Rampenlicht zu rücken. Jährlich stellen wir rund 20 derartige Gruppenstände Betrieben der Lebensmittelbranche auf internationalen Fachmessen rund um den Globus zur Verfügung. Unsere Wirtschaftsdelegierten in aller Welt bieten vor Ort sowie auch bei ihren Sprechtagen in Österreich Beratung aus erster Hand – alleine im Jahr 2014 führten die österreichischen Wirtschaftsdelegierten 1.800 Beratungsgespräche mit Unternehmen des Nah-

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rungs- und Lebensmittelsektors. Zudem kommen im Ausland zahlreiche Promotion-Veranstaltungen für österreichische Lebensmittelexporteure und die Unterstützung diverser Kaufhauswochen in Schlüsselmärkten hinzu. In Österreich selbst bieten wir mit dem „Marktplatz Österreich“ die größte Lebensmittelveranstaltung des Landes, als Treffpunkt für heimische Produzenten und internationale Einkäufer, Importeure und Distributoren aus der ganzen Welt. Der nächste „Marktplatz Österreich“ findet übrigens am 7. Oktober 2015 im Haus der Wirtschaft in Wien statt. Die Ukraine-Russland-Krise hat zu Import­sanktionen Russlands geführt. Wie hat die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA darauf reagiert? Koren: Wir haben im Rahmen von „go international“ rasch auf diese Krise reagiert und zusätzlich Exportförderangebote im Ausmaß von 2,5 Millionen Euro zur Kompensation der Export­ausfälle zur Verfügung gestellt. Dieses „Exportförderzusatzpaket“ läuft bis Ende 2015. Bei den entsprechenden Maßnahmen helfen wir Unternehmen der Lebensmittelbranche, die von den Sanktionen betroffen sind, „Ersatzmärkte“ in Zentral- und Süd­ asien, Fernost oder Nordamerika für ihre ­Produkte zu ­finden.


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2015 steht ganz im Zeichen der 20-­jährigen EU-Mitgliedschaft Öster­ reichs. Seit 1995 legten die österreichi­ schen Exporte um über 350 % zu, jene aus dem Bereich Lebensmittelindustrie sogar um 480 %. Wie kam es zu diesem Exportboom? Koren: 20 Jahre in der EU haben Österreich ein „Mehr“ an Wachstum und ein „Mehr“ an Beschäftigung gebracht und der heimischen Exportwirtschaft

© KALAFOTO

Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion zu TTIP? Koren: Österreichs Wirtschafts­ leistung und der Wohlstand unseres Landes werden primär durch Öster­ reichs Erfolge im Export gesichert. Der Abbau von Zollhürden und der Abschluss von Freihandelsabkommen sind dabei wichtige Voraussetzungen für künftige Exporterfolge. Dementsprechend ist auch ein Abbau von Barrieren und Hemmnissen zwischen Europa und den USA grundsätzlich ein Vorteil für unsere Exportwirtschaft. Wenn man es richtig verhandelt, wird es zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten führen. Aber es gibt sehr wohl kritische Bereiche und es muss richtig verhandelt werden. Zu den kritischen Bereichen zähle ich unter anderem die Transparenz der Verhandlungen, die Beibehaltung der in vielen Bereichen höheren europäischen Standards sowie dass der Investitionsschutz mit Augenmaß und Transparenz abgehandelt werden muss. Durch den Wegfall von ungerechtfertigten nicht-tarifären Handelshemmnissen können auf beiden Seiten des Atlantiks positive Effekte auf den Außenhandel sowie das Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum erwartet werden. Mehr als 98 % aller österreichischen Betriebe sind KMU, deren Exporte ­bedingt durch den Wegfall von Zöllen und zahlreichen bürokratischen Hürden und Formalitäten dann einfacher und vor allem kostengünstiger zu verwirklichen sein werden. Genau aus diesen Gründen werden auch viele KMU, die bis dato noch nicht außerhalb Europas tätig waren, erstmals in die USA exportieren. Seit dem EU-Beitritt entwickelte sich die österreichische Lebensmittelpräsenz im Binnenmarkt zu einer Erfolgsstory, nun gilt es, diese in Nordamerika fort­ zusetzen. zu einem Höhenflug verholfen. Die EU-Mitgliedschaft wirkte in den letzten zwei Jahrzehnten als Innovations- und Wettbewerbsmotor, und Österreich hat sich vom einstigen „Inseldasein“ verabschiedet, verkrustete Strukturen wurden aufgebrochen und Liberalisierung und Privatisierung beschleunigt. Dadurch hat der Wirtschaftsstandort Österreich an Qualität, Wettbewerbsfähigkeit und auch an Renommee gewonnen und ist zu einem Anziehungspunkt für Top-­

Unternehmen aus aller Welt geworden. Ostöffnung, EU-Beitritt und die Einführung des Euro waren die großen Treiber für den heimischen Export und damit wichtige Entwicklungssprünge. Beginnend mit der Ostöffnung 1989 war die Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft nicht mehr auf ein paar wenige große Konzerne und auf traditionelle Handelsfirmen beschränkt, sondern ist in die Breite gegangen. Dadurch ist die Welt „kleiner“ geworden,

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person

Zur Person

©  FOTO WILKE

Dr. Walter Koren ist der Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT ­ÖSTERREICH (AWO). Die AWO ist, als Teil der WIRTSCHAFTSKAMMER ÖSTERREICH, das Gesicht und die Stimme der öster­ reichischen Exportwirtschaft sowie des Standorts Österreich im Ausland und hilft – mit ihrem weltweiten Netz von 112 Stützpunkten/Außenwirtschafts­Centern in mehr als 70 Ländern – allen heimischen Firmen eine Brücke in die Welt zu schlagen, egal ob Exportneuling oder Export­profi. Dabei wird Österreichs Exportwirtschaft mit einem umfangreichen Leistungsprogramm unterstützt. Die AWO berät und begleitet mit ihrem umfassenden Service die Firmen in allen Belangen des Exports im In- und Ausland – von der Planung und Beratung bis hin zur Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Exportgeschäfte. Die AWO ist auch für den Fachverband der Lebensmittelindustrie ein kompetenter, verlässlicher und regelmäßiger Exportpartner im Interesse der österreichischen ­Lebensmittelindustrie.

und das war der fruchtbare Boden dafür, dass Österreich die Zahl seiner Exporteure von damals rund 10.000 auf heute 50.000 steigern konnte. Zusätzlich können österreichische Unternehmen von den EU-Förderungen an die neuen Mitglieder in Mittel- und Osteuropa profitieren, indem sie dort Aufträge über von Brüssel geförderte Vorhaben erhalten. Mittlerweile vertreiben österreichische Exportunternehmen ihre Fertig- und Zulieferprodukte in rund 220 Ländern. Dank dieser internationalen Verflechtung stieg die Exportquote auf knapp 60 Prozent des BIP, also werden sechs von zehn Euro des österreichischen BIP durch den Export verdient. Hinzu kommt, dass durch die tolle Exportperformance die österreichische Leistungsbilanz seit dem Jahr 2002 positiv ist und auch in den nächsten Jahren so bleiben soll. Wo liegen die Stärken der österreichi­ schen Lebensmittelerzeuger im Ausland und wohin sollte verstärkt exportiert werden? Koren: Die österreichische Lebensmittelindustrie zählt mit einer Exportquote von über 60 Prozent zu den Top-Exportbranchen in Österreich. Die Lebensmittelbranche besticht mit höchster Qualität ihrer Produkte, mit Produktsicherheit und auch mit speziellen Nischenprodukten und Schman­ kerln, die weltweit geschätzt werden. Ein wichtiger Faktor für den Exporterfolg ist dabei der Tourismus. Denn die Gäste in unserem Land lernen hier ­österreichische Lebensmittel und Getränke kennen, die sie dann, wieder zu Hause, weiter genießen wollen. ­Österreichische Lebensmittel sind daher Imageträger unseres Landes und somit Wegbereiter für ein positives Bild Österreichs und fördern damit die Nachfrage nach österreichischen Produkten im Ausland. Grundsätzlich ist die Lebensmittelbranche, wie auch Österreichs Wirtschaft allgemein, sehr eng mit den Märkten der EU-Mitgliedsstaaten verflochten. Über 68 Prozent des Außenhandels werden mit den EU-Partnern abgewickelt. Betrachtet man den gesamten europäischen Raum, so gehen sogar 80 Prozent der heimischen Ausfuhren in diese Region. Die Globalisierung verlangt aber, gerade für ein Land

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mit einem überschaubaren Binnen­ markt, eine stärkere Fokussierung über die Landes­grenzen hinaus – aber nicht nur in die Nachbarländer, sondern vor allem aufgrund der Verschiebung der globalen Wirtschaftszentren in die Märkte in Übersee. In jene Regionen, die konjunkturell besser dastehen als der europäische Wirtschaftsraum. Dementsprechend liegt auch ein Schwerpunkt unseres Exportförderprogramms in Übersee. 50 % unserer Auslandsveranstaltungen beziehen sich schon jetzt auf Märkte außerhalb Europas. Das gilt es zu erkennen und dementsprechend müssen die Anstrengungen exportorientierter Unternehmen dorthin gehen. Wir helfen, wie eingangs erwähnt, dabei und bieten jedwede Unterstützung für den Schritt in prosperierende (Fern-)Märkte an. Sie sind als Leiter der AUSSENWIRT­ SCHAFT AUSTRIA viel im Ausland unterwegs. Wo sind Ihnen dabei öster­ reichische Lebensmittel untergekommen und welche österreichischen Lebensmit­ tel schätzen Sie persönlich am meisten? Koren: Es gibt eigentlich keinen Auslandsaufenthalt, bei dem ich nicht einem Produkt aus unserem Feinkostladen begegnet bin – sei es in einem Supermarkt, in einem Lebensmittelgeschäft oder in der Gastronomie und Hotellerie. Und dabei handelt es sich nicht nur um die weltweit omnipräsenten österreichischen Energydrinks, die ohne Zweifel zu den größten Exportschlagern der letzten Jahre gehören. Egal ob irgendwo in Europa, jenseits des Atlantiks in den USA oder auch im fernen Japan: Es gelingt fast überall, in ausgewählten Restaurants mit Geschäftspartnern mit einem Glas feinem Grünen Veltliner anzustoßen oder ich wurde von ausländischen Gastgebern mit österreichischen Mehlspeisen zum Nachtisch überrascht. Die Palette der österreichischen Lebensmittel ist so vielfältig, dass es mir schwerfällt, ein einzelnes Produkt als mein liebstes hervorzuheben. Aber als gebürtiger Steirer gehört für mich bei einem frischen Salat in jedem Fall ein Schuss Kernöl dazu! Josef Domschitz Fachverband der Lebensmittelindustrie j.domschitz@dielebensmittel.at


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GLOBALISIERUNG UND ­LEBENSMITTELINDUSTRIE WIE ÖSTERREICHISCHE HERSTELLER ES SCHAFFEN, TROTZ WIDRIGER ­BEDINGUNGEN INTERNATIONAL ERFOLGREICH ZU SEIN. WALTER SCHÖNTHALER

Sektor-Untersuchung Im September 2014 hat das deutsche Bundeskartellamt die Ergebnisse der „Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel“ veröffentlicht. Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass das Beschaffungsvolumen, die Gesamtverkaufsfläche, die Anzahl

©  WALTER SCHÖNTHALER

S

c h i c k s a l s j a h r   1 9 9 5   Vo r 20 Jahren, am Nachmittag des 12. Juni 1995, versammelten sich im Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz die Geschäftsführer der wichtigsten Lebensmittelhersteller und Gläubiger-Banken, um über die Ausgleichs-Quoten des bankrotten Handelsgiganten KONSUM zu verhandeln. Mit diesem Ereignis – nur wenige Wochen nach dem EU-Beitritt – wurde der Grundstein für die wachsende Handels-Konzentration in Österreich gelegt. Denn der Zusammenbruch des größten österreichischen Handelsunternehmens mit dem Unendlich-Zeichen im Firmenlogo und die anschließende Filetierung der rd. 690 Filialen an seine Konkurrenten war der Auslöser für eine Entwicklung, die im Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte ein Nachfrage-Oligopol im österreichischen Lebensmittelhandel entstehen ließ. Eine Handelskonzentration, welche weltweit einzigartig ist. Heute stehen etwa 200 österreichischen Produzenten der Lebensmittelindustrie nur drei große Handelskonzerne gegenüber, die sich 85,7 Prozent des österreichischen Umsatzes aufteilen.1 Diese ungleiche Machtverteilung hat sich seit 1995 in zwei Jahrzehnten dynamisch entwickelt und geht offensichtlich ungehindert weiter.2

der Standorte, die hohe Präsenz in allen Vertriebsschienen und ein breites Angebot von Hersteller- und Handelsmarken in allen Preissegmenten zu einer Dominanz der vier führenden Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland geführt habe. Die damit verbundenen Strukturvorteile können vom Handel bei Verhandlungen genutzt werden und sich zulasten der Hersteller auswirken.3 Obwohl die Handelskonzentration in Österreich weit höher ist als in Deutschland, ist keine vergleichbare Untersuchung der österreichischen Verhältnisse bekannt. Mission Impossible? Abgesehen von einigen Ausnahmen, wie Red Bull oder Agrana, sind die Betriebe der österrei-

chischen Lebensmittelindustrie kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die sich vorwiegend im Familienbesitz befinden.4 Diese Austria-KMU produzieren für milliardenschwere europäische Handelskonzerne, die auf Angebote von Lieferanten in ganz Europa zugreifen können. Der Wettbewerb in der D-A-CH-Region in der Produktion, aber auch im Lebensmittelhandel und Diskont ist beträchtlich; der Druck auf die regionalen Hersteller durch die Handelskonzentration steigt. In Deutschland dominieren sechs Handelskonzerne drei Viertel des Lebensmittelhandels. In der Schweiz sind drei Handelsketten für drei Viertel des Umsatzes verantwortlich. Am höchsten ist das Nachfrage-Oligo-

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pol (Oligopson) in Österreich, wo drei Handelskonzerne 85,7 % des Marktes dominieren.5 Das Gefälle im Machtgefüge zwischen den großen europäischen Handelskonzernen und den regionalen mittelständischen Herstellern in Verbindung mit dem enormen Wettbewerb im Lebensmittelhandel macht die Weitergabe von Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten in vielen Fällen zu einer Mission Impossible. Nicht ohne Grund hält der deutsche Ernährungsverband (DVE) es für notwendig, das Kartellamt zu ersuchen, dass eine Möglichkeit gefunden werden muss, „… wie Hersteller ihre Interessen kundtun können, ohne Nachteile zu befürchten“.6 Monopolisierungstendenzen auch auf der Rohstoffseite Der Preis für Haselnüsse hat sich nahezu verdoppelt und auch die Kakao-Preise sind gestiegen. Die Konsequenz aus dieser Entwicklung ist, dass viele Süßwarenhersteller die Verkaufspreise ihrer Süßwaren erhöhen müssen, berichteten österreichische Medien zu Beginn dieses Jahres. Tatsächlich sind die Rohstoffpreise für mittelständische Lebensmittelhersteller zu einer großen Herausforderung geworden, seit die Preise für wichtige Rohstoffe der Lebensmittelherstellung, wie Weizen, Kakao, Saftkonzentrate, Öle, Fette oder Milchprodukte, zunehmend in Bewegung geraten sind. Seit 2008, dem Ausbruch der Sub-Prime-Krise und der darauf folgenden Finanzkrise, beobachtet die Food- and Agricultural Organization der United Nations (FAO) eine zunehmende Volatilität der Rohstoffpreise. 7 Die Weltbank sieht schon seit 2010 einen signifikanten Anstieg des Volumens von Optionen und Termin­kontrakten auf dem Rohstoffsektor durch den Einstieg von Indexund Hedge­fonds in die Spekulation mit Rohstoffderivaten.8 Ob und in welchem Ausmaß zwischen der steigenden Aktivität der Rohstoff-Fonds und der zunehmenden Fluktuation der Rohstoffpreise ein Zusammenhang besteht, ist zum Gegenstand heftiger Diskussionen geworden. Der Bundesverband der Ernährungsindustrie erwähnt das Thema Rohstoffspekulation in seinem Jahresbericht nicht explizit, beklagt jedoch wachsende Monopolisierungstendenzen der Rohstoffanbieter.9

Hersteller in der Zwickmühle Die auf lange Sicht steigenden und kurzfristig immer stärker schwankenden Rohstoffpreise verstärken den Druck auf die Ertragssituation der kleinen und mittleren Lebensmittelhersteller, die sich in der Zwickmühle zwischen globalen Rohstoffkonzernen – auf der Einkaufsseite – und internationalen Handelsketten – auf der Verkaufsseite – befinden. Die Konsequenz sind steigende Kosten und sinkende Erlöse. Kurzfristige Engpässe und unkontrollierbare Preisschwankungen auf den Rohstoffmärkten empfinden viele Hersteller zu Recht als massive Bedrohung. Eine Umfrage belegt, dass 83 % der befragten Unternehmen in Deutschland die Rohstoffpreise als Haupteinflussfaktor für ihr Geschäftsergebnis sehen. Sie messen den Rohstoffpreisen daher eine größere Bedeutung bei als der konjunkturellen Entwicklung (62 Prozent), den Energiepreisen (44 Prozent) oder der Euro-Krise (20 Prozent).10 Effizientes und effektives Rohstoffmanagement genießt oberste Priorität im Management der Lebensmittelhersteller. Schließlich handelt es sich mit Abstand um die wichtigste Kostenposition, die außerdem am schwierigsten zu planen und zu kontrollieren ist. Die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Rohstoffkosten in ihrem Unternehmen über 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.11 Die regionalen Mittelständler sehen sich zunehmend eingeklemmt zwischen ihren Lieferanten – den internationalen Rohstoffkonzernen – und ihren Kunden, den internationalen Handelsketten. Agrarrohstoffe absichern Die stärker werdenden Preisschwankungen und die temporären Verknappungen einzelner Rohstoffe zwingen auch die mittelständischen Hersteller, ihren Bedarf an Rohstoffen durch Hedging zu sichern und sich mit Futures, Optionen und Termin­ geschäften auseinanderzusetzen. Der gravierende Unterschied zu Spekulation: die Hersteller brauchen Rohstoffe nicht nur auf dem Papier, als eine Art virtueller Digitalfotos, sondern sie kaufen Rohstoffe und verarbeiten sie zu hochwertigen Markenartikeln. Warentermingeschäfte sind für die Ernährungsindustrie ein wichtiges Instrument zur Preisfindung auf volatilen Agrarmärkten und zur Absicherung von Preisschwan-

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kungen bei Agrarrohstoffen. Damit Warenterminmärkte funktionieren können, sind Transparenz sowie eine ausreichende Anzahl an Marktteilnehmern und Liquidität erforderlich. Agrartermingeschäfte müssen in ihrer Funktionsweise gestärkt werden und als Absicherungsinstrument für die Ernährungsbranche erhalten bleiben; gleichzeitig gilt es, Marktmissbrauch, zum Beispiel durch sogenanntes Cornern, vorzubeugen.12 Denn das Volumen dieses virtuellen Glasperlenspiels ist in den letzten eineinhalb Jahrzehnten geradezu explodiert: Täglich werden Kredite, Swaps und Optionen von mehreren hundert Milliarden gehandelt. „Die Finanzwirtschaft hat sich durch Spekulationen und Wetten verselbstständigt. Es sind Größenordnungen entstanden, die zur realen Produktion oder zur Wertschöpfung in keiner Beziehung mehr standen“, sagte der ehemalige deutsche Finanzminister Theo Waigel in einem Presse-Interview.13 Private Labels vs. Markenartikel Für die mittelständischen Markenartikel-Hersteller wird es aber nicht nur auf der Beschaffungsseite, sondern auch auf der Absatzseite immer schwieriger. Denn Markenartikel benötigen regelmäßig hohe Investitionen in Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb. Eigen­kapital und Cash-Flow vieler KMU-Markenartikler reichen jedoch auf Dauer nicht aus, um ihre österreichischen Markenartikel gegen die starke Konkurrenz der internationalen Lebensmittelkonzerne wettbewerbsfähig zu halten. Hinzu kommen der harte Wettbewerb im Lebensmittel-Einzelhandel, die zunehmende Rabattschlacht und die kontinuierlich steigende Marktmacht der internationalen Handelsketten. Diese brisante Faktorkombination bewirkt, dass die europäischen Handelskonzerne von ihren regionalen, mittelständischen Lieferanten ständig höhere Rabatte fordern. Es ist kein Zufall, dass seit 1995, dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, mehr als 40 % der Betriebe der Nahrungsmittelindustrie vom Markt verschwunden sind.14 Hinzu kommt, dass viele regionale Hersteller gezwungen sind, zusätzlich zu ihren Markenartikeln auch Handelsmarken zu produzieren, um ihre Produktionslinien auszulasten. Für den Hersteller ist


Gegenteilige Businessmodelle Beim Thema Handelsmarken divergieren Standpunkte, Meinungen und Überzeugungen von Herstellern und Händlern in maximalem Ausmaß. Das ist nicht überraschend, wenn man berücksichtigt, dass die Geschäftsmodelle von Handel und Herstellern vollkommen gegensätzlich sind: Der Handel erwirtschaftet seine Erträge über das Umlaufvermögen, welches möglichst rasch gedreht werden muss, um einen Hebeleffekt auf die Rentabilität zu erreichen. Die Hersteller hingegen brauchen leistungsfähige Maschinen und Anlagen; die dafür erforderlichen Investitionen sind – bezogen auf den Umsatz – sehr hoch, und die Amortisationszeiten auf dem kleinen österreichischen Markt – im Vergleich zum deutschen Markt, der zehnmal größer ist – erstrecken sich oft über mehrere Jahrzehnte. Ein gleichmäßiger Cash-Flow und konstante Preise sind daher entscheidend für Finanzierung und Amortisation. Das Geschäftsmodell der Hersteller basiert also auf kontinuierlichen Produktionsmengen, einem straffen Sortiment und stabilen Preisen. Diese Strategie steht im Konflikt mit den Zielen des Handels, der Flächenproduktivität und raschen Lagerumschlag benötigt, um im immer härter werdenden Wettbewerb erfolgreich zu bleiben. Um seine Ziele zu erreichen, muss der Handel kurzfristiger und taktischer agieren als der Hersteller: Aktionsrabatte von 25 % und mehr sind für große Handelskonzerne kein Problem, sondern eine bewusst gewählte Taktik. Würde ein Hersteller diese Preispolitik des Handels anwenden, so würde er Selbstmord mit Anlauf begehen. Schau auf die Marke? Die Verbraucher – die wahren Chefs an den Regalen der Supermärkte und Diskonter – hat der akademische Disput der

© EMERITUS2010

die Produktion einer Handelsmarke – also eine Lebensmittelproduktion ohne eigene Marke – ein ähnliches Geschäftsmodell wie die Herstellung eines Computers ohne Software. Nur der Kostenführer, also jenes Unternehmen, welches die niedrigsten Kosten – auch im Personalbereich – hat, kann auf Dauer im globalen Wettbewerb der Private-­LabelProduzenten mithalten.

Markenartikelgurus über Handelsmarken versus Herstellermarken jedoch nie wirklich interessiert. Denn trotz millionenschwerer Werbekampagnen, mit denen die Konsumenten seit Jahren ermahnt werden, doch bitte beim Einkauf auf die Marke zu achten, ist es den Creative Directors nicht gelungen, den Verbrauchern zu erklären, welchen Nutzen ihnen eine Unterscheidung zwischen Marken und Handelsmarken bringen soll. Und daher ist es – ja, natürlich – Herrn und Frau Österreicher egal, ob ihre Lieblingsmarke eine Herstellermarke oder Handelsmarke ist. Solange das subjektive Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Die Austro-KMU – klein, fein, in­ ternational Unter diesen Bedingungen ist es gleichermaßen erstaunlich wie bewundernswert, mit welcher Professionalität und Geschwindigkeit die Austro-KMU seit dem EU-Beitritt ihre Exporte aufgebaut haben: War es 1995 nur rund ein Sechstel, so gehen heute bereits über 60 % der österreichischen Lebensmittelproduktion ins Ausland. Österreichische Markenartikler haben es geschafft, ihren Marken eine qualitative und funktionsmäßige Alleinstellung zu verschaffen, sich gegen die internationale Konkurrenz zu behaupten und in einem beeindruckenden Tempo ihre Exporte aufzubauen. Denn, um es mit einem der bedeutendsten Unternehmer der Lebensmittelindustrie, Dkfm. Klaus Darbo (1945–2014), auf den Punkt zu bringen: „Es gibt keine gesättigten Märkte – nur gesättigte Verkaufsleiter!“ Mag. Walter Schönthaler ist Marketingleiter der TÜV AUSTRIA Gruppe und Adjunct Professor der Webster University. Er war dreißig Jahre in führenden Positionen der Lebensmittelindustrie

tätig, unter anderem als Vorstand von Manner und PEZ sowie als Geschäftsführer von Felix-Austria und Spitz. Literatur

1 Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Österreichs, RollAMA 2 1994 hatten die Top-3-Handelsketten in Österreich lt. AC Nielsen Market Research einen Marktanteil von 47 % 3 Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie, Jahresbericht 2014– 2015, S. 17 4 Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Österreichs (FIAA) 5 Fachverband der Österreichischen Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Roll­ AMA 2014 6 Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie, Jahresbericht 2014– 2015, S. 17 7 Food and Agricultural Organization of the United Nations, “What happened to world food prices and why” 8 Weltbank (2010): “Placing the 2006/2008 Commodity Price Boom into Perspective”. 9 Bundesverband der Deutschen Ernährungsindustrie, Jahresbericht 2014– 2015, S. 35 10 INVERTO Rohstoffstudie 2012 in Kooperation mit dem Handelsblatt und AMI, S.6 11 Rohstoffmanagement in turbulenten Zeiten, INVERTO Rohstoffstudie 2012, S. 5 12 Bundesverband der deutschen Ernährungsindustrie BVE Jahresbericht 2014– 2015, S. 37 13 Dr. Theo Waigel, ehemaliger deutscher Finanzminister, in DIE PRESSE vom 11.7.2013 14 Im Zeitraum 1995 bis 2014 ist die Anzahl der Betriebe der österr. Lebensmittelindustrie laut FIAA-Statistik von 346 (1995) auf knapp 200 (2014) zurückgegangen.

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DAS ESSEN DER ZUKUNFT WARUM HAT DER TREND HINTER DEM „ESSEN DER ZUKUNFT“ EINE ZENTRALE BEDEUTUNG? ES GEHT UM NICHT WENIGER ALS UNSER SELBSTVERSTÄNDNIS VON UNSEREM KÖRPER. UNSERE VOR-GENERATIONEN WAREN NOCH ÜBERZEUGT, DIESER KÖRPER SEI GOTTGEGEBEN ODER NATURGEGEBEN. ­„GEGEBEN“ HEISST IN DIESEM FALL: „NICHT VERÄNDERBAR! NUR REPARIERBAR, WENN ER KAPUTT GEGANGEN IST.“ SVEN GABOR JANSZKY

A

uf diesem Grundprinzip basiert unser komplettes Gesundheitssystem. Doch die Mehrheit der Menschen rückt inzwischen von dieser Grundüberzeugung ab. Sie halten ihren Körper mehrheitlich für etwas Gestaltbares. Sie warten nicht mehr, bis sie krank werden, um sich dann kurieren zu lassen. Stattdessen glauben sie, dass sie selbst die Verantwortung dafür haben, ihre Körper gesund, schön und leistungsfähig zu erhalten. Und bei der Frage, wie unterschiedliche Menschen diese Verantwortung wahrnehmen, entstehen die kommenden Geschäftsmodelle: Von Bioläden über Brain-Drinks bis medical food. 1. Heuschrecken zum Frühstück, Schokolade aus dem Drucker, Kunst­ fleisch? Wie sieht das Essen der ­Zukunft in 5–10 Jahren aus? Unser Essen wird in zehn Jahren nicht anders aussehen und schmecken als heute. Aber es wird Veränderungen geben in der Art, wie es hergestellt wird, und bei dem was „drin ist“. Deshalb sind „Heu­schrecken zum Frühstück“ ein Hirn­gespinst von Ernährungstheoretikern. Aber „Schokolade aus dem Drucker“ und „Kunstfleisch“ werden wohl zur Normalität. Der Hintergrund ist sehr einfach: In unserer Welt werden durch das ­starke

Bevölkerungswachstum in Asien und Afrika in einigen Jahren mehr als 10 Milliarden Menschen leben. Zugleich entwickelt sich in diesen Gesellschaften eine kaufkräftige Mittelschicht, deren Bestreben es ist, die europäischen und amerikanischen Konsum- und Essgewohnheiten ebenfalls anzunehmen. Ob wir das gut finden oder nicht, die Welt wird in zehn Jahren wesentlich mehr Nahrungsmittel industriell produzieren müssen als heute. Der Versuch, 10 Milliarden Menschen auf biologische Ernährung zu agitieren, ist eine sehr kurze Sackgasse. 2. Was sind die Ernährungs­ trends der Zukunft? Was sind neue Forschungsansätze? Es gibt derzeit zwei wesentliche Trends, in die unsere Ernährung läuft. Der eine ist, dass knappe Nahrungsmittel auf eine neue industrielle Weise hergestellt werden können. Das beste Beispiel dafür sind „gedruckte Steaks“. Dazu werden tierische Gewebezellen massenhaft geklont und dann durch einen 3D-Drucker, den sogenannten Bioprinter, zu einem Steak ausgedruckt. Dieses Gewebeklonen ist heute noch sehr teuer, wird aber nach allen Prognosen eine rapide Kostensenkung erleben. Die Prognose der Firmen, die heute darein investieren ist, dass gedruckte Steaks in ein paar Jahren viel

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billiger sind als natürlich gewachsene Steaks und damit die neuen Fleischbedarfe in Asien und Afrika decken. Der zweite große Trend heißt „Functional Food.“ Wir werden in den kommenden Jahren erleben, dass wir Menschen unsere Nahrungsmittel nicht mehr wegen ihres Geschmacks, sondern ­wegen ihrer Zusatzfunktionen essen. Die meisten Investitionen gehen derzeit in Richtung „Medical Food“, also Nahrungsmittel, die bestimmte gesundmachende Wirkstoffe, egal ob natürlich oder künstlich, in sich tragen. Die Prognose ist sehr einfach: Wir Menschen wollen nicht erst krank werden, um uns danach mit Medikamenten wieder zu kurieren. Die medizinische Nahrung wird es möglich machen, dass wir Menschen aktiv versuchen, nicht krank zu werden. Hier wachsen zwei Branchen, Pharma und Food, teilweise zusammen. Es werden neue Claims abgesteckt. Und es wird Gewinner und Verlierer geben. Jeder große Nahrungsmittelkonzern investiert hinter den Kulissen gerade in diesen Trend. 3. Sie haben den Trend zur biolo­ gischen, nachhaltigen und regiona­ len Ernährung nicht erwähnt. Dieser Trend hat in den vergangenen Jahren die öffentliche Debatte um das Essen geprägt. Spielt er jetzt plötzlich keine


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© ART_ZZZ

Rolle mehr? Ich habe ihn nicht erwähnt, weil ich die beiden großen Trends beschrieben habe, die die Mehrheit der Menschen betreffen. Der Biotrend war schon immer ein Minder­heiten­trend. Als solchen wird es ihn auch weiterhin geben. Aber der in der Vergangenheit manchmal entstandene Eindruck, dass nahezu alle Menschen Biofood kaufen wollen, der war und ist falsch. Es sind je nach Definition zwischen 4–20 Prozent der Bevölkerung. Darin sind die Vegetarier mit 2 % schon inbegriffen, ebenso die Fisch-aber-kein-Fleisch-Esser mit 1,5 % und die neumodischen Veganer mit 0,4 %. Wenn Sie heute Menschen fragen, was sie wollen, dann bekommen sie zur Antwort: Bioprodukte. Aber im Massen­ segment ist das die falsche Frage. Sie führt zu falschen Studienergebnissen und falschen Zeitungsüberschriften. Denn die alltäglichen Kaufentscheidungen werden bei den meisten Menschen anhand der Frage getroffen, was sie bezahlen wollen. Dies ist das Massensegment. Und dann gibt es diejenigen, die bewusst nicht in der Masse sein wollen und sich das auch leisten können. Dies sind die Biokäufer im Premiumsegment. In Deutschland und ähnlich reichen und saturierten Gesellschaften ist das Premiumsegment deshalb bis zu 20 Prozent groß. In ärmeren Gegenden der Welt ist es noch kaum vorhanden. 4. Die meisten Eltern, die auf eine ordentliche Ernährung ihrer Kinder achten, würden sich vermutlich aber selbst nicht als Premiumsegment be­ schreiben. Wo beginnt es und wo hört es auf? Darauf gibt es deshalb keine klare Antwort, weil die meisten von uns zwischen den Segmenten wechseln. Wir kaufen den Standard-Einkaufszettel bei einem Discounter, aber einige wenige ausgesuchte Dinge im Bioladen. Man könnte auch sagen: Im Discounter decken wir unseren Bedarf an Eiweißen und Kohlehydraten. Im Bioladen managen wir unsere Identität. Dort zeigen wir uns und den anderen, dass wir besonders öko oder ernährungsbewusst sind. Aber in der Summe kaufen wir immer noch vor allem im Massensegment. Letztendlich ist das gar kein neuer Trend. Erinnern Sie sich an die Kampa-

gnen für fairen Kaffee um die Jahrtausendwende? Damals wurde zum großen Trend ausgerufen, dass es künftig überall fair gehandelten Kaffee geben würde. Aber was ist wirklich passiert? Es gibt heute natürlich fairen Kaffee. Er wird vorzugsweise aus 1000-EuroLuxuskaffee­maschinen getrunken. Ein klares Premiumsegment. Die Masse von uns trinkt aber immer noch den althergebrachten Billigkaffee. Und zwischen diesen beiden Bereichen ist ein drittes Segment von portioniertem Kapselkaffee entstanden. Teuer, unökologisch, aber individuell und adaptiv. Ganz ähnlich wird es auch bei den anderen Nahrungsmitteln geschehen.

6. Wollen das die Menschen denn wirklich? Ja. Wie gesagt: Nicht alle! Aber eine größer werdende Zielgruppe. Der Grund liegt in der technologischen Entwicklung. Derzeit gibt es einen sehr starken Trend in der Technik dahin, den menschlichen Körper im alltäglichen Leben zu „vermessen“. Das „quantify yourself“ beginnt beim Schritte-Zählen über Herzfrequenzmessungen und geht irgendwann tiefer in den Körper hinein. Wir werden in wenigen Jahren morgens aufstehen, und unser Smartphone oder der Badezimmerspiegel sagt uns: „Sven, Du bist heute zu 18 Prozent krank!“ Es wurde also eine 18-prozentige Abweichung von meinem Normalzustand

5. Wie sehen dann also in zehn Jahren unsere Supermärkte aus? Die Situation in zehn Jahren wird ungefähr diese sein: In unseren Supermärkten wird es eine Dreiteilung der Kunden­ segmente geben. Es wird ein kleines Premiumsegment für teure, natürlich gewachsene Bioprodukte geben. ­Jeder der echt regional, biologisch, nachhaltig essen will, der wird das können. Aber er muss etwas mehr bezahlen. Dies werden etwa 10–20 Prozent der Bevölkerung sein. Daneben wird es wie auch schon heute die industriell hergestellten Nahrungsmittel geben, die das Mainstream-Kundensegment zu kostengünstigeren Preisen abdecken. Aber preislich zwischen diesen beiden Segmenten ist ein dritter Bereich entstanden. In diesem Bereich werden Nahrungsmittel aus dem 3D-Drucker hergestellt, oder besser gesagt: Rohprodukte durch den 3D-Drucker individualisiert und adaptiv gemacht. Dies wird in 5–10 Jahren in Deutschland ein rasch wachsendes Segment sein. volume 39 | 03/04 2015  ERNÄHRUNG | NUTRITION


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7. Und wie funktioniert die Her­ stellung dieser individuellen und ad­ aptiven Produkte dann? Dies sieht man heute schon in den Laboren einerseits der Nahrungsmittelkonzerne und

­ ndererseits der Mediziner. In der Gea netik ist es ein offenes Geheimnis, dass noch vor dem Jahr 2020 die Kosten für die komplette Sequenzierung einer menschlichen, individuellen DNA unter 100 US-Dollar sinken. Es wird also Menschen geben, die eine Speichelprobe einschicken und eine Datei zurückbekommen. In dieser Datei steht unter anderem, welche Krankheiten in meinen Genen angelegt sind. Vor allem steht aber darin, wie der Bakterienmix in meinem Körper idealerweise aussehen muss, damit diese Krankheiten nicht ausbrechen. Mein Handy kann also täglich die Differenz zwischen dem Idealzustand und dem aktuellen Zustand in meinem Körper errechnen. Und diese Differenz wird als Bakterien- oder Wirkstoffcocktail in unser tägliches Essen hinein gedruckt, in die Butter, die Marmelade, den Käse, die Milch, den Kuchen, den Kaffee … Die spannende Frage ist, wer das druckt: Da wird es Unterschiede geben. Die einen haben einen solchen 3D-Essensdrucker in der eigenen Küche, die anderen machen es im Supermarkt. 8. Die Fleischfrage: Wie sieht es in Zukunft mit dem Fleischkonsum aus? Wird es mehr Fleisch geben, wird die Ernährung vegetarisch und vegan? Welche Rolle spielt im Labor gezüchte­ tes Kunstfleisch? Ich habe neulich in einer großen, deutschen Tageszeitung eine Überschrift gelesen: „Deutschland nimmt Abschied vom Fleisch“. Und im Text stand dann als Begründung, dass sich die Anzahl der Vegetarier von 1 auf 2 Prozent der Gesamtbevölkerung verdoppelt habe. In diesen zwei Sätzen spiegelt sich die Schi­ zophrenie der Fleischfrage sehr gut wider. Wir überinterpretieren permanent den angeblichen Anti-Fleischtrend, manchmal interes-

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sensgeleitetet, manchmal aus ideologischen Gründen Es gibt weltweit zwei wirkliche Fleisch­ trends, einen großen und einen kleinen. Der kleine Trend ist, dass wir in Europa in Zukunft etwas weniger Fleisch essen werden. Allerdings ist dies ein ganz langsamer und sanfter Rückgang, der in der Gesamtessensbilanz kaum ins Gewicht fällt. Ich warne davor, an dieser Stelle jeder Expertenmeinung oder jeder Studie zu glauben, die einen dramatischen Rückgang des Fleischkonsums prognostiziert. Diese Prognosen haben keine unabhängige, wissenschaftliche Grundlage. Der große Trend hingegen ist die weltweite Perspektive. Hier wird in den kommenden Jahren durch die wachsenden Mittelschichten in Asien und Afrika viel mehr Fleisch konsumiert. Es wird so viel Fleisch gebraucht werden, dass die natürliche Produktion durch nachwachsende Rinder und Schweine, den Bedarf bei Weitem nicht decken kann. Im Gegenteil: Es wäre hochgefährlich. Allein die Methan-Abgase dieser Masse an Kühen und die Emissionen der übrigen Landwirtschaft würden vermutlich die Ozonschicht endgültig killen. Also wird künstlich hergestelltes Fleisch, das genauso aussieht und schmeckt wie natürliches Fleisch, die billige und klimaneutrale ­Alternative sein. 9. Stimmt es, dass wir in Zukunft Insekten Essen werden. Was sind die Vorteile? Was hält uns davon ab? Aus meiner Sicht ist das großer Unsinn. Selbstverständlich sind die Inhaltsstoffe von Insekten nicht schädlich, oder wären der menschlichen Ernährung sogar nützlich. Aber Ernährungsgewohnheiten sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Sie sind über Jahrhunderte gewachsen und gefestigt. Deshalb wird sich in unserem Kulturkreis das Essen von Insekten weiterhin auf eine Mutprobe im Asienurlaub oder im Dschungelcamp beschränken. Zwar gibt es angebliche Trendforscher, die das Essen von Insekten prognostizieren. Aber deren Prophezeiungen gehen nicht vom Menschen aus, sondern von allein theoretischen Kalorienbilanzen der Inhaltsstoffe und oft auch von ihrer eigenen Wunschvorstellung. Diese Vorhersagen haben mit seriöser Zukunftsforschung nichts zu tun.

©  ROMAN WAKZYNA

festgestellt. Und das Smartphone sagt noch mehr: „Iss heute die Produkte X und Y oder den Wirkstoff Z, dann bist Du morgen nur noch zu 13 Prozent krank!“ Diese technische Entwicklung ist schon lange auf dem Weg, diese Services wird es geben. Die einzige Frage ist nur, wie groß ist der Anteil der Menschen, die ihrem Smartphone glauben und sich danach verhalten. Nach meiner Prognose wird dies in einer Nische beginnen, dann aber ganz schnell steigen. Ich bin mir deshalb so sicher, weil die Optimierung des menschlichen Körpers schon von jeher eines der großen Bedürfnisse der Menschheit ist. Wir streben nach wie vor nach der unendlichen Jugendlichkeit. Wenn uns die Nahrungsmittelindustrie verspricht, dass dies billig, schnell und ohne Nebenwirkungen mit dem täglichen Essen geht, dann ist dies für beide Seiten eines der größten Geschäfte der kommenden Jahre: Für die Konsumenten und die Industrie!


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© JPC-PROD

10. Wie viel Essen landet im Müll und wie könnte das in Zukunft vermie­ den werden? Wird sich das in Zukunft ändern? Tatsächlich landet heute viel zu viel Essen im Müll. Dies ist eine unendliche Verschwendung, die viel größer ist, als wir uns für eine künftige Welt mit 10 Milliarden Menschen leisten können. Das ist auch der Grund, warum in vielen anderen Branchen schon heute ein stark wachsender Re-Use-Sektor entsteht. Allerdings macht der Re-UseTrend derzeit noch einen großen Bogen um unser Essen und die Nahrungsmittelbranche. Hier gibt es die Erfindung des Mindesthaltbarkeitsdatums, das aus Re-Use-Gesichtspunkten in den meisten Fällen ernsthaft kontraproduktiv ist. Aber sowohl die Industrie- als auch die

Verbraucherschutzlobby ziehen hier an einem Strang und blockieren Alternativen. Kein Wunder: Für die einen bringt es viel Geld, für die anderen ist es eine ideologische „Errungenschaft“. Deshalb sehen wir Zukunftsforscher derzeit keinerlei Trendsignal in Richtung Müllvermeidung. 11. Wie sehen die Restaurants der Zukunft aus? Auch Restaurants vollziehen diese Dreiteilung der Segmente mit. Auf der einen Seite gibt es auch in zehn Jahren noch Fast-Food-Restaurants für das schnelle, billige Essen. Am anderen Ende der Skala auch hier ein Premium-Segment mit Restaurants, die hauptsächlich als Identitätsorte dienen. Hier spielen nicht Qualität und Preis die

Hauptrolle, sondern dass die ­Kunden durch den Besuch des Restaurants ihren Freunden, Kollegen, Angehörigen etc. zeigen können, dass sie besonders sind. Und zwischen diesen beiden Segmenten entsteht das dritte Segment, in dem die Speisen und das Erlebnis besonders individuell sind oder sich perfekt dem m ­ omentanen Alltagsbedürfnis des ­Kunden einpassen. Sven Gabor Janszky Zukunftsforscher und Executive ­Director des Trend­forschungsinstituts „2b AHEAD ThinkTank“ Gerichtsweg 28 D-04101 Leipzig sven.janszky@2bahead.com +49-341-12479610

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DIE ABSCHAFFUNG DES FREIEN BÜRGERS SIE WERDEN ES SCHON AN DER ÜBERSCHRIFT BEMERKT HABEN. DIESER ARTIKEL IST NICHT GEGENDERT. ICH LASSE MIR VON NIEMANDEM DIKTIEREN, WIE ICH ZU SPRECHEN UND ZU SCHREIBEN HABE, UND SCHON GAR NICHT WERDE ICH DIE ÄSTHETIK MEINES SPRACH- UND SCHRIFTBILDES DURCH DAS SOGENANNTE „BINNEN-I“ VERHUNZEN. MAG. BERNHARD HEINZLMAIER

D

ie bevormundende Oberlehrerei macht heute vor nichts und niemandem mehr halt. Selbst bei trivialen Popkonzerten tritt der eine oder andere Sänger an den Bühnen­rand, um den versammelten Fans Nachhilfestunden in Moral und Political Correctness zu geben. Waren solche Events noch in den 1960er und 1970er Jahren ein Hort der Freiheit und der Zwanglosigkeit, so erscheinen sie heute häufig als eine Form des Ethik­unterrichts, in dem erwachsene Menschen darüber belehrt werden, was man zu tun, zu denken und vor allem, was man zu lassen hat. Jeder durchschnittliche Punksänger, Pop­ i nterpret, Plattenaufleger oder Boulevard­schauspieler fühlt sich heute dazu berufen, öffentlich darüber herumzuvernünfteln, was wahr, gut und richtig ist. Kein Wunder, dass die Leute die Ohren zuklappen, wenn die meistens pri-

vilegierten Kulturschaffenden zu ihren Katheder-Reden anheben. Österreich wird immer mehr zu einer Kontrollgesellschaft, in der man bis in den Mikrobereich des sozialen Lebens hinein überwacht und gegängelt wird. Aber nun genügt es nicht einmal mehr, dass man das Richtige sagt, nun wird zudem auch noch verlangt, dass man das Richtige denkt. Ob das Richtige ­gedacht wird, wird danach beurteilt, wie glaubwürdig man seine Überzeugungen präsentiert. Sie müssen nun mit sicht­ barer Freude und untrüglicher Euphorie vorgebracht werden, mit einem Wort, die Zustimmung zu den sich epidemisch ausbreitenden Normen und Regeln muss echt, muss „authentisch“ rüberkommen. Wehe, es wird jemand dabei ertappt, dass er nur so tut als ob. Es droht ihm das Strafregime der Gedanken­ polizei, die häufig in Gestalt eines Psychologen daherkommt. Die zentrale politische Initiative zur Verstaatlichung der Zivilgesellschaft geht von der G ­ rünen

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Partei aus. Diese bastelt gerade an e­ inem „übergewichtigen Staat“, der mit tausend administrativen Tentakeln ausgestattet in jeden bislang geschützten Bereich des einzelnen Bürgers hineingreifen dürfen soll. Beispiel „Autofahren“. Der Bürger soll sich nicht mehr frei entscheiden dürfen, ob er mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt. Damit er verlässlich Bus und Bahn besteigt, streicht man ihm einfach die Pendlerpauschale. Obwohl jeder 16-Jährige in Österreich zur Wahl gehen darf, soll er bald nicht mehr da­rüber entscheiden dürfen, ob er rauchen will oder nicht. Und wenn die Zuwanderer in Österreich nicht gut genug Deutsch können, dann müssen alle Kinder in den Zwangskindergarten. Warum man nicht nur die einberuft, die tatsächlich einen Förderbedarf haben, weiß nur Gott, wahrscheinlich aber nicht einmal der. Manch einer aus dem Kreis der totalen Multikulturellen denkt heute tatsächlich


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© RODJULIAN

sehentlich im Geschäft liegen gelassen ­haben. Wir müssen wohl einfach zur Kenntnis nehmen, dass wir Bürger zu unfähig und zu blöd dafür sind, unser Leben in Freiheit und Selbstverantwortung zu führen. Und wir sollten unseren Politikern und Experten sogar dankbar dafür sein, dass sie uns an ihre starke und weise Hand nehmen, um uns vor der Tragödie unserer eigenen Unfähigkeit zu beschützen. Denn für alle Katastrophen der letzten Jahre – die Hypopleite, die steigende Arbeitslosigkeit, die misslungene Steuerreform, der mutlose Umgang mit dem Rentensystem, die Bildungsmisere und das Asylchaos, um nur einige zu nennen – sind nicht die Politiker verantwortlich, nein wir Bürger haben alle diese Übel verursacht. Und darum muss uns die Politik nun an die Kandare nehmen, damit wir daran gehindert werden, noch mehr Schaden anzurichten. Ende der Ironie.

darüber nach, in Österreich einen islamischen Feiertag einzuführen. Natürlich ein starkes Symbol, vor allem dafür, dass wir uns vor dem gar nicht so kleinen Anteil der integrationsunwilligen Muslime untertänigst auf den Bauch werfen. Auf den vernünftigen Gedanken, dass wir in unserem Land jetzt schon zu viele Feiertage haben und es wohl im Interesse der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs besser wäre, den einen oder anderen der vorhandenen abzuschaffen, denkt keiner. Aber nicht nur die Grünen stehen für einen unbändigen Neo-Etatismus, der vor allem die kleinen Bürger und Gewerbetreibenden drangsaliert, die großen Konzerne und Finanzmonopolisten aber ungeschoren lässt, die, während die Kleinen steuerlich unerbittlich zur Kasse gebeten werden, ihre Umsätze – wie Google und Apple – zum Minimaltarif in Steueroasen abrechnen dürfen. Auch die Parteien der regierenden großen Koalition, immer auf der Suche nach Geld für die Erhaltung ihres auf-

geblähten Förderungs- und Subventionsstaates, vermehren den Überwachungsund Kontrolldruck auf die Klein- und Mittelbetriebe. Die Grundüberzeugung dieser Politiker, die mehrheitlich noch niemals eine selbständige Tätigkeit ausgeübt haben, also im Grunde ahnungslos darüber sind, was es bedeutet, unter zunehmendem Konkurrenzdruck einen Wirtschaftsbetrieb zu führen, besteht offensichtlich darin, dass jeder Unternehmer ein potentieller Steuerhinterzieher ist. Nur so kann man es erklären, dass nun eine Registrierkassenpflicht kommen soll, gepaart mit der Verpflichtung für den Konsumenten, den Kassenbon des letzten Einkaufs für etwaige Kontrollen nach Verlassen eines Geschäftes vorzeigebereit bei sich zu behalten. Was wird das für eine schöne neue Welt sein, in der staatliche Finanzkontrolleure durch die Straßen ziehen, um nach dem ­Einkaufen von den Konsumenten den ­Kassa-Bon zu verlangen und diese streng verwarnen werden, wenn sie ihn ver-

Zum Abschluss eine wahre Geschichte. Vor kurzen musste ich wegen eines dringenden Termins überstürzt nach Graz aufbrechen, sodass ich nicht mehr zum Frühstücken kam. Am Bahnhof in Graz kaufte ich mir im Vorübergehen eine Butterbrezel und stieg, noch immer in Eile, diese im Gehen essend in eine Straßen­bahn. Plötzlich war ich unsicher. Ist das Essen in Grazer Straßenbahnen erlaubt? Sicherheitshalber steckte ich das Gebäck weg. Später fragte ich einen einheimischen Bekannten und bekam die Auskunft, dass der Verzehr von Lebensmitteln in Straßenbahnen in Graz zwar nicht verboten, aber nicht erwünscht sei. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis es zum rigorosen Verbot kommt? Denn der Kon­troll- und Überwachungsstaat ist nicht dafür bekannt, sich mit halben Sachen zufrieden zu geben. Wie sagte einst ein Freund aus Brasilien anlässlich eines Wienbesuches zu mir: „In Österreich ist grundsätzlich alles verboten und davon gibt es dann ein paar Ausnahmen.“ Ganz unrecht hatte der Mann nicht. Mag. Bernhard Heinzlmaier Vorsitzender Department Wien Institut für Jugendkulturforschung Alserbachstraße 18, 1090 Wien bheinzlmaier@jugendkultur.at www.jugendkultur.at

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STEIGENDES VERTRAUEN IN IFS-STANDARDS ERSTE ERGEBNISSE UNANGEKÜNDIGTER AUDITS BEI IFS-FOOD-ZERTIFIZIERTEN UNTERNEHMEN STEPHAN TROMP

Zusammenfassung 2007 startete IFS das IFS Integrity Programm zur Überwachung der Leistungserfüllung von IFS-zertifizierten Unternehmen, Zertifizierungsstellen und Auditoren. Sein Hauptzweck besteht in der Stärkung des IFS und allgemein der Auditierungsprozesse durch unabhängige dritte Stellen.

S

eit Beginn der Zertifizierung durch unabhängige dritte ­S tellen in der Lebensmittelbranche gibt es die Diskussion, ob angekündigte Audits durch Auditoren von Zertifizierungsstellen bei ­Lebensmittelproduzenten solide Ergebnisse zeigen und ob diese immer glaubwürdig sind. Die niederländische Lebensmittelüberwachung NVWA führte 2010/11 eine Analyse aller durch die GFSI anerkannten Standards durch, um festzustellen, ob das Ergebnis dieser durch unabhängige dritte Stellen durchgeführten Audits im Rahmen der amtlichen Überwachung in der täglichen Anwendung berücksichtigt werden kann. NVWA fand heraus, dass die meisten zertifizierten Unternehmen im täglichen Betriebsablauf ihre Prozesse so durchführen, wie sie es bei einem angekündigten Audit nachweisen. Es gibt jedoch auch Unternehmen, bei

Das zeigt, dass der Ansatz von Audits durch unabhängige dritte Stellen allgemein funktioniert, es aber notwendig ist, dass für einen Sicherheitsstandard für Lebensmittel ein eigenes Kontrollprogramm bestehen muss und eigene Audits und Kontrollen durchgeführt werden müssen, damit das Vertrauen in diesen Standard und die Akzeptanz des Zertifikats auf dem Markt sichergestellt sind.

©  DIE HOFFOTOGRAFEN, BERLIN

Mittels Kontrollaudits vor Ort und unangekündigten Überprüfungen in IFS-zertifizierten Unternehmen durch direkt vom IFS beauftragte Auditoren, Witness-Audits von IFS-Auditoren und Office-Audits von Zertifizierungsstellen wird kontrolliert, ob auf dem Markt korrekt gemäß IFS-Standard verfahren wird. Der neue IFS Food Check, eine eintägige, unangekündigte Kontrolle bei IFS-Food-Herstellern mit Hauptaugenmerk auf den allgemeinen Prozessen, Hygiene und Schädlingsbekämpfung hat ergeben, dass ungefähr 94 % aller IFS-zertifizierten Unternehmen die IFS-Vorgaben im täglichen Betriebsablauf erfüllen.

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denen NVWA eine Differenz zwischen dem Bericht des letzten Zertifizierungsaudits und der Situation feststellte, die die NVWA-Inspektoren bei ihrer Inspektion im Unternehmen vorfanden. Das Endergebnis dieser Analyse war allgemein, dass zertifizierte Unternehmen sich nicht immer „im grünen Bereich“, d.h. in dem alles in Ordnung ist, befinden. In jedem Fall ist eine individuelle Entscheidung erforderlich. Das IFS-Integrity-Programm 2007 wurde das IFS-Integrity-Programm erstmals eingeführt. Das Programm dient zum Integritätsschutz der IFS-Standards und zum objektiven Nachweis dafür, dass alle Anwender der IFS-Standards jedem einzelnen Bericht vertrauen können und dass, falls ein Problemfall auftritt, ein effektives System zur Problemlösung verfügbar ist. Von Beginn an hat der IFS kontinuierlich das IFS-Integrity-Programm mit eigenen Auditoren aufgebaut. Heute verfügt der IFS über zwei Eckpfeiler des des Programms (siehe Tabelle 1). Mithilfe von Qualitätssicherungsmaßnahmen wird das gesamte IFS-System kontrolliert. Es werden Überwachungsaudits bei Zertifizierungsstellen und Audits bei Lieferanten vor Ort durchgeführt, um das IFS-System regelmäßig zu bewerten, unabhängig davon, ob eine Beschwerde eingegangen ist oder nicht. Jede IFS-Zertifizierungsstelle (ZS) wird alle 3 Jahre durch einen IFSIntegrity-­Auditor oder ein IFS-Integrity-­ Auditorenteam geprüft. Die Über­


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wachungsaudits bei den Lieferanten vor Ort erfolgen nach dem Zufallsprinzip und aufgrund objektiver Kriterien. Das IFS-Büro erfasst Beschwerden hinsichtlich IFS-Audits, Berichten, Zertifikaten oder sonstiger Sachverhalte, bei denen die Integrität der Marke IFS in Frage gestellt wird. 2014 gingen beim IFS-Büro 87 administrative Beschwerden ein, wie beispielsweise verspätetes Hochladen von Auditberichten sowie 42 qualitative Beschwerden, z.B. mangel­ hafte Funktion des Fremdkörper­ managements in auditierten Betrieben. Außerdem analysiert der IFS die IFSDaten­bank mithilfe automatisch erfolgender interner Meldungen, um Verstöße auch ohne eingehende Beschwerden von externer Seite festzustellen. 2014 wurden mit der IFS-Datenbank ca. 150 Fälle bearbeitet, so zum Beispiel, ob ein Auditor ein Audit abweichend von seiner Zulassung für bestimmte Produktgruppen oder Technologien durchführt hatte oder ob ein Auditor mehr als dreimal in Folge in demselben Unternehmen ein Audit durchgeführt hatte. Das IFS-Food-Check-Programm IFS hat Anfang 2014 das zusätzliche IFS-Food-Check-Programm begonnen. Das Ziel des unangekündigten IFS Food Checks besteht darin zu prüfen, ob ein Lebensmittelproduzent im täglichen Betriebsablauf die beim IFS-Food-Audit auditierten Prozesse einhält und dabei kontinuierlich die Lebensmittelsicherheit und Qualität garantiert. Der IFS Food Check wird ohne vorherige Ankündigung und ohne Vorbereitungszeit für das Unternehmen durchgeführt. Die Grundlage für den unangekündigten IFS Food Check bildet eine Checkliste von 90 Kriterien, die aus dem IFS-FoodStandard, Version 6, ausgewählt wurden. Diese Checkliste dient dem Auditor als Richtlinie. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei in der Überprüfung der IFS-Food-Standardanforderungen, insbesondere bezüglich der Vorgaben zur Implementierung von HACCP und zur Gewährleistung der allgemeinen Hygiene und Schädlingsprophylaxe. Die Dokumentenprüfung wird auf das Notwendigste beschränkt. Der Auditor hat die Möglichkeit, in einem Verdachtsfall von der Checkliste abzuweichen und sich auf andere Kriterien des IFS-Food-Stan-

dards, Version 6 (z.B. Rückverfolgbar- Deutschland, den Niederlanden, Italien, keit), zu fokussieren. Die Durchführung Österreich, Polen usw. statt. des IFS Food Checks erfolgt unabhängig 94,4 % aller IFS Food Checks waren ervon der für das angekündigte IFS-Food- folgreich. Bei 39,3 % wurden nur kleiAudit verantwortlichen Zertifizierungs- ne Abweichungen festgestellt und bei stelle. Auditoren, die die unangekün- 55,1 % wurden Abweichungen erkannt, digten IFS Food Checks durchführen, die keinen Einfluss auf die Qualität der werden von der IFS Management Lebensmittel oder rechtliche KonseGmbH beauftragt. quenzen hatten, wobei jedoch KorrekDie Teilnahme am IFS-Programm „un- turmaßnahmen erforderlich waren. Bei angekündigter IFS Food Check“ erfolgt diesen Abweichungen ist es auch mögauf freiwilliger Basis, aber einige Han- lich, das durch Auditoren einer Zertifidelsunternehmen haben die Produzenten zierungsstelle durchgeführte IFS-Audit ihrer Eigenmarken gebeten, sich für das oder eine offizielle behördliche InspektiIFS-Programm „unangekündigter Food on zu bestehen. 40 Food Checks im Jahr Check“ anzumelden. Voraussetzung 2014 wurden nicht bestanden (5.6 %). ist, dass das Unternehmen entweder ein Diese Zahlen zeigen prinzipiell, dass die gültiges IFS-Food-Zertifikat vorweisen Unternehmen im täglichen Betriebsabkann oder zeitgleich mit der Beauftra- lauf die IFS-Anforderungen erfüllen gung des unangekündigten Food Checks und dass der Ansatz der Durchführung ebenfalls einen Auftrag zur Durchfüh- von Audits durch unabhängige dritte rung eines IFS-Food-Audits an eine Zer- Stellen erfolgreich ist (siehe Tabelle 2). tifizierungsstelle erteilt hat. Die hauptsächlichen Gründe dafür, dass Das Programm wurde vom IFS gemein- unangekündigte IFS Food Checks nicht sam mit dem Verband Deutscher Groß- ­bestanden werden, sind: bäckereien und Unternehmen, wie z.B. VION Food, Storck und Produzenten der Putzt Fettnebel und Feuerteufel weg! Milchindustrie sowie auch Handels­ - bessere Prozesshygiene unternehmen ölfreie Maschinen wie ALDI, Lidl, ­E D E K A  u n d - saubere Abluftkanäle REWE, erarbeitet. - geruchsfreie Fortluft Es wurden auch - selbstreinigende Fachleute der LeCYCLONE® -Abscheider bensmittelüberwa- hoher Brandschutz chungsbehörden - alles aus Edelstahl wie die Spezial­ einheit Lebens­ mittelsicherheit des Bayrischen Landesamtes für Gesundheit und L e b e n s­m i t t e l ­ sicherheit, miteinbezogen.

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36 wirtschaft economy IFS-Struktur

IntegrityProgramm Integrity Program Beschwerdemanagement

Überwachung

Investigation Audits

Überwachungs-Audits

IFS Quality Management Witness audit

On-site Supplier audit

CB Office audit

Witness audit

On-site Supplier audit

CB Office audit

Wenn ausreichende Anhaltspunkte vorhanden/ Verstoß wahrscheinlich

Sanktionskomitee Entscheidung über Verstöße 3 Arten von Verstößen (für Zertifizierungsstellen und/oder Auditoren)

• CCPs sind nicht unter Kontrolle und ihre Überwachung wird nicht aufgezeichnet. • Probleme mit Schädlingen (Fliegen und Fruchtfliegen, Schaben, Mäusen) in der Nähe von Anlagen mit offenen Produkten • Mängel im Fremdkörpermanagement und der entsprechenden Kontrolle • Schwerwiegende Reinigungsmängel (verschmutzte Anlagen, alte Verunreinigungen oder Reste vorhergehender Produktionen an/über Linien mit Beeinträchtigung offener Produkte) • Kondenswasser über offenen Pro­ dukten mit potentiellem Kontaminationsrisiko • Produkttemperaturen (z.B. Gefrierprodukte) werden nicht eingehalten. • Zonen mit niedrigem/hohem Risiko für die Produkte werden nicht beachtet. Das Nichtbestehen eines IFS Food Checks führt nicht automatisch zur Suspendierung des momentan gültigen Zertifikats. Die Zertifizierungsstelle ist stets für das Zertifikat verantwortlich. Daher wird die verantwortliche Zertifizierungsstelle immer durch das Integrity-­Programm über einen nicht bestandenen Food Check informiert und

Retailer

Teilnehmer aus der Industrie

muss danach entscheiden, ob das gültige Zertifikat noch weiterhin gewährt werden kann. Als Teil des IFS-Food-CheckProgramms muss die Zertifizierungsstelle den IFS über die nächsten Schritte und die endgültige Entscheidung, ob sie das Zertifikat weiter aufrechterhält, in Kenntnis setzen. Die Unternehmen wiederum informieren die zuständige Zertifizierungsstelle über ihre Korrekturmaßnahmen, diese werden beim nächsten regulären IFS-Audit überprüft. Dem Unternehmen wird empfohlen, seine Kunden pro-aktiv über den nicht bestandenen Food Check und die eingeleiteten Korrekturmaßnahmen zu informieren. Schlussfolgerungen Das IFS-FoodCheck-Programm ist erfolgreich. Es hat in erster Linie das allgemeine Vertrauen in die Zertifizierung durch unabhängige dritte Stellen und natürlich speziell in den IFS gestärkt. Die Erfolgsquote von 94,4 % zeigt eindeutig, dass die Unternehmen die IFS-Anforderungen im täglichen B ­ etriebsablauf erfüllen und dass die Einbeziehung unabhängiger dritter Stellen funktioniert. Im Vergleich zur NVWA-Analyse von 2010/11, in der ungefähr 10 % der Unternehmen die

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 03/04 2015

Teilnehmer von CBs ohne Stimmrecht

www.ifs-certification.com Überprüfung |nicht bestanden, bedeutet dies auch eine Verbesserung seitens der Hersteller. Die Hersteller begrüßen dieses Programm oftmals, weil es ihnen die Möglichkeit bietet, ihren Kunden zu zeigen, dass in ihrem täglichen Betriebsablauf alle Standardanforderungen prinzipiell erfüllt werden. Die Gründe für das Nichtbestehen eines IFS Food Checks waren oftmals Mängel bei der täglichen Umsetzung der Betriebsprozesse durch Unternehmensmitarbeiter. Das zeigt auch klar, dass die Zertifizierungsstellen und die Auditoren gute Arbeit leisten und man ihrer Arbeit vertrauen kann. In einigen Fällen konnten der IFS und die Zertifizierungsstellen Hersteller feststellen, die das Zertifikat nur als „Eintrittskarte für eine Handelsbeziehung“ benutzten, aber die Standardanforderungen in ihrem täglichen Betriebsablauf nicht einhielten. Solche „schwarzen Schafe“ müssen identifiziert werden, um alle zertifizierten Unternehmen zu schützen, die den IFS-Standard anwenden und umsetzen, und um das Verfahren der Auditierung durch unabhängige dritte Stellen prinzipiell beizubehalten. Die (Problem-)Fälle, bei denen die Zer-

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Vorsitzender Anwalt


37 wirtschaft economy

Status quo des Jahres 2014 Analyse nicht bestandener Food Checks nach Produktgruppen

Produktscope

Bisher durchgeführt

% der nicht bestandenen Audits im Nicht bestanden Verhältnis zu bisher durchgeführten Audits in der Branche

1 Fleisch, Geflügel und Fleischprodukte

132

8

6,0 %

2 Fisch und Fischprodukte

33

1

3,0 %

4 Milch und Milchprodukte

77

2

2,6 %

5 Obst und Gemüse

102

7

6,9 %

6 Getreideprodukte, Cerealien, Backwaren, Süßwaren, Snacks

227

14

6,2 %

7 Kombinierte Produkte

59

6

10,1 %

8 Getränke

82

2

2,4 %

Insgesamt im Jahr 2014 ca. 713 Food Checks durchgeführt, davon 94,4 % bestanden, 5, 6 % nicht bestanden. tifizierungsstelle oder der Auditor für festgestellte Mängel verantwortlich sind, werden durch das IFS-Integrity-­ Programm an das IFS-Sanktionskomitee weitergeleitet. Ein unabhängiger Anwalt, ein Vertreter der Hersteller, der Einzelhändler und (ohne Wahlrecht) der Zertifizierungsstelle beurteilen derartige Fälle aufgrund anonymisierter Unterlagen. Falls das Sanktionskomitee zu dem Ergebnis kommt, dass ein Fehler seitens einer Zertifizierungsstelle und/ oder eines Auditors vorliegt, können unterschiedliche Schweregrade von Verstößen definiert werden. 2013 wurde gegen zwei Zertifizierungsstellen eine dreimonatige Sperre verhängt, in denen sie keine IFS-Audits durchführen durften. Allgemein ist die Fehlerquote von der Art des Audits abhängig. Beim IFS haben wir festgestellt, dass im Jahr 2014 2 % der Hersteller ein offiziell angekündigtes, von einer IFS-Zertifizierungsstelle durchgeführtes IFS-Food-Audit nicht bestanden haben. 5,6 % bestanden einen unangekündigten IFS Food Check nicht und ungefähr 25 % der durch einen Integrity-Auditor nach Eingang einer Beschwerde überprüften Unternehmen ­bestanden dieses Integrity-Audit nicht.

Das IFS-Integrity-Programm ist einer der Gründe, weshalb IFS von allen großen Einzelhändlern weltweit akzeptiert wird. Eine Vielzahl deutscher, französischer, italienischer und spanischer Handelsunternehmen arbeitet nur mit dem IFS aufgrund seines aktiven Ansatzes bei der Qualitätskontrolle. Ein weiteres allgemeines Ergebnis des IFS-Integrity-Programms besteht darin, dass die IFS-Zertifizierungsstellen der Integritätsfrage große Aufmerksamkeit beimessen. Zukünftige Entwicklung Das IFSFood-Check-Programm wird im Jahr 2015 weitergeführt. Der IFS hat dadurch zahlreiche Hinweise bezüglich der weiteren Entwicklung des IFS-Integrity-Programms und für die Einführung unangekündigter Audits im Rahmen des IFS-Food Standards erhalten. Diese Ergebnisse der Food Checks zeigen, wo es möglicherweise notwendig ist, zertifizierte Unternehmen zwischen zwei offiziellen IFS-Zertifizierungsaudits zu kontrollieren. Weiterhin hat das Internationale Technische Komitee des IFS-offiziell den Beschluss gefasst, unangekündigte Audits im Rahmen des IFS-Food Standards

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einzuführen. In Zukunft werden im IFSFood Standard 2 Optionen zur Verfügung stehen: Option A: angekündigtes Audit und Option B: unangekündigtes Audit im IFS-Standardprotokoll. Dem Hersteller, der eine IFS-Zertifizierung anstrebt, steht die Wahlmöglichkeit offen. Das unangekündigte Audit wird durch die IFS-Zertifizierungsstellen auf Grundlage der ISO 17065 und auf Basis des kompletten Anforderungskatalogs des Standards durchgeführt werden. Das unangekündigte Audit ist ohne vorherige Mitteilung vorzunehmen. Die gewählte Auditoption wird auf dem IFS-Zertifikat vermerkt. Einzelheiten der unangekündigten Audits im Standardprotokoll des IFS-Food werden in den kommenden Monaten erarbeitet. Der offizielle Start der n ­ euen Option von unangekündigten Audits nach IFSFood wird voraussichtlich 2016 erfolgen. Stephan Tromp IFS Managing Director IFS Management GmbH Am Weidendamm 1 A, 10117 Berlin Tel: +49 (0)30 72 62 50-15 Fax: +49 (0)30 72 62 50-19 www.ifs-certification.com

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ZERTIFIZIERUNGSWAHN BEI LEBENSMITTELN Monopolstellung des IFS Food? OBERSTE MAXIME JEDES EINZELNEN UNTERNEHMENS IST ES, SICHERE, LEGALE UND QUALITATIV HOCHWERTIGE UND DEN KONSUMENTENERWARTUNGEN ENTSPRECHENDE LEBENSMITTEL ZU ERZEUGEN. KR DR. PETER SCHNEIDER, AIWS

D

ies gilt für Großunter­ nehmen ebenso wie für Klein- und Mittelbetriebe. Dazu werden Qualitätsmanagementsysteme installiert, angewandt und im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses weiterentwickelt. Solche Systeme müssen dokumentiert sein und auch gewissen messbaren Standards unterliegen. Diese Standards müssen ihrerseits jedoch auch den Anforderungen der Betriebe je nach Betriebsgröße und Produktionserfordernissen entsprechen. Mittels des Benchmarkverfahrens seitens der GFSI (Global Food Safety Initiative) wurden einige Standards als gleichwertig zugelassen und wären daher von den Erzeugern auch so anwendbar. FSSC22000 als internationaler Standard basierend auf ISO 22000, BRC als Privatstandard des British Retailer Consortium und IFS als privater Standard der IFS Management GmbH, im weitesten Sinne eines Tochterunternehmens des Handelsverbandes Deutschland e.V., seien stellvertretend genannt. Derzeit wird vom LEH und auch seitens der Diskonter der IFS-Standard als einziger Zertifizierungsstandard zugelassen,

wodurch eine Monopolstellung für diesen Standard entsteht. Hierbei ist auch zu hinterfragen, wie hoch das Vertrauen des Handels in diesen Standard und die zertifizierenden Stellen ist, wenn seitens des Handels keineswegs auf zusätzliche Kundenaudits verzichtet wird. Hier wird wohl nach dem Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ vorgegangen. Zusätzlich sei noch angemerkt, dass durch die Abhängigkeit des Normgebers vom LEH und durch die Monopolstellung des IFS gegenüber den Produzenten eine auch kartellrechtlich zu hinterfragende Situation besteht. Zertifizierungssysteme Die Produzenten müssen zukünftig wieder in der Lage sein, jenes Zertifizierungssystem auszuwählen, das ihren Betriebsstrukturen, Produktionsgrößen und Mitarbeiteranzahl entspricht. Dabei ist es klar, dass unabhängig von der Größe der Unternehmung alle erforderlichen legalen und auch für die Lebensmittelsicherheit relevanten Prozesse Berücksichtigung finden müssen. Dazu wurden neuerdings auch zertifizierbare Standards für Klein- und Mittelbetriebe definiert (GFSI Global Market), um diesen die Möglichkeit zu

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geben, mittelfristig einen von GFSI zugelassenen Standard zu implementieren. Dieser Standard wurde von IFS ohne Änderung in einem IFS-Standard abgebildet. Sollte dies auch in Absprache mit GFSI erfolgt sein, so ist diese Umwandlung eines öffentlichen Standards in einen Privatstandard jedenfalls abzulehnen, da dies die Monopolstellung erweitert, da das Ziel IFS Food ist. Dieser wurde bereits bei einem Handelsunternehmen im Anforderungskatalog für Kleinunternehmen aufgenommen. Mehrfachzertifizierungen und Miss­ brauch Es ist derzeit üblich, dass trotz der obligatorisch vorgeschriebenen IFS-Zertifizierung vom Handel weitere Zertifikate verlangt werden (z.B. AMA-Gütesiegel). Zusätzlich dazu werden vom Handel noch eigene Lieferantenaudits durchgeführt, deren Kosten ebenfalls vom Lieferanten zu tragen sind. Allein an der Vielzahl an verschiedenen Gütesiegeln, Umweltkennzeichen (z.B. Pro Planet, MSC, Fairtrade etc.) ist abzulesen, welches Überangebot an Zertifizierungen hier vorliegt. Die Eigenkosten durch Personalbindung für Vorbereitung, Auditzeit und Nacharbeit sind hierbei noch nicht eingerechnet. Dazu


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kommt, dass bei all diesen Audits bereits geprüfte Sachverhalte (beispielsweise: Organigramm, Dokumentenerfordernisse, HACCP-Konzept, System der Rückverfolgbarkeit etc.) neuerlich überprüft werden, was keineswegs zur Produktsicherheit oder Qualität des Produktes beiträgt. Hier werden nur Kosten verursacht (Auditdauer, Personalbindung im Produktionsbetrieb), ohne Mehrwert für den Konsumenten zu schaffen, aber zum Nachteil des Produzenten. Tragen zum Beispiel Produkte das AMA-Gütesiegel, so ist davon auszugehen, dass durch die AMA-Kontrollen das Produkt als qualitativ hochwertig, legal und sicher zu gelten hat. Dasselbe gilt für Wein mit der amtlichen Prüfnummer bzw. sogar für alle Weine aufgrund der strengen gesetzlichen Auflagen und Überprüfungen durch die Kellereiinspektion. Weitere Zertifizierungen sind in diesen Fällen daher absolut unnötig.

Produzenten und damit auch zu Konkurrenten der Lebensmittelhersteller geworden. Dies bedeutet letztendlich, dass deren Auditoren zu Know-how-Vermittlern für die eigenen Produktionsstätten werden können und daher das bei Kundenaudits erworbene Wissen missbräuchlich verwendet werden könnte. Differenzen bei Auditergebnissen Zertifizierungsunternehmen (z. B. TÜV Süd, SGS, LVA etc.) sind im weitesten Sinne Auftragnehmer und der Lebensmittelbetrieb deren Kunde. Deren Vorgangsweise wird daher mehr oder weniger dem Auftraggeber gegenüber korrekt ablaufen. Auch hier kann es zwischen einzelnen Auditoren Auffassungsunterschiede geben, diese werden jedoch nicht so ausfallen, dass ein Betrieb mit bester Bewertung plötzlich das Zertifikat verliert. Anders ist die Situation bei Überwachungsaudits durch Auditoren des IFS. Hier ist die Aufgabenstellung offensichtlich eine andere, da hierbei die Auditoren überwacht und dadurch auch festgestellt werden soll, ob die Zertifikate zu Recht bestehen. Hier festgestellte Beanstandungen müssen innerhalb kürzester Frist beeinsprucht werden, wobei die Beeinspruchung zumeist keinen Erfolg bringt. Hier ist darauf hinzuwirken, das alle Auditoren – auch die des IFS – mit gleichen Maßstäben messen, um Situationen zu vermeiden, bei denen Unternehmen das Zertifikat verlieren, obwohl kurz zuvor ein sehr gutes Auditresultat erreicht wurde.

Weiters ist es notwendig, Unternehmenswerte zu schützen, dass also Inhalt eines Audits nur Fragestellungen betreffend Lebensmittelsicherheit, Legalität und Qualität des Produktes bzw. Fragestellungen bezüglich des Hygienestandards des Produzenten sein können. Fragestellungen über betriebswirtschaftliche Daten (letzte Investitionen bzw. Investitionsplanung, Personalentwicklung u.Ä.), Überprüfung von Rezepturen (diese sind als Kapital des Unternehmens anzusehen und daher als Betriebsgeheimnis zu verstehen) können nicht Bestandteil eines Audits sein, handelt es sich dabei letztendlich auch um Daten, die auch für Konkurrenzunternehmen von Interesse sind, die in den Auditberichten mehr oder weniger öffentlich zugänglich sind. Auditoren sind im Allgemeinen Wissens­ träger, die während der Audits Zugang zu betriebsspezifischen Daten, auch Produktionsdaten, haben. Handelsunternehmen sind mittlerweile selbst zu

Zusammenfassung Jeder Unternehmer muss die Flexibilität haben, jenes Zertifizierungssystem auszuwählen, das seinen Anforderungen am besten entspricht. Mehrfachzertifizierungen mit wiederholter Überprüfung immer der gleichen Sachverhalte sind abzulehnen. Es muss wieder dahin kommen, dass die derzeitige Situation „der Handel überprüft die Qualifikation seiner Lieferanten mittels IFS“ aufgehoben wird und sich Handel und Lieferant wieder auf Augenhöhe begegnen. KR Dr. Peter Schneider, AIWS Dr. Peter Schneider Gesellschaft m. b. H. Senator im Senat der Wirtschaft A-8190 Birkfeld, Gschaid 173 ps.schneider@aon.at

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Sind jedoch weitergehende Anforderungen als gesetzlich oder im bereits zertifizierten Standard mit dem Kunden vereinbart, so sind sinnvollerweise nur diese bei einem weiteren Audit – zumeist dem Lieferantenaudit durch den Lebensmittelhandel – zu überprüfen.

Versionserstellung von neuen IFS-­ Versionen Bei der Neuerstellung von Standardversionen ist zukünftig Augenmerk darauf zu legen, ob im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses neue Anforderungen tatsächlich zu einer Verbesserung der Lebensmittelsicherheit oder Qualität des Produktes beitragen. Daher sollte bei jeder Neuversion verpflichtend eine Kosten/Nutzen-Analyse durchgeführt werden. Zudem müssen zukünftig Produzenten auch aus den Bereichen der Klein- und Mittel­betriebe innerhalb der Standard­kommissionen miteingebunden ­w erden, wobei sich derartige Kommissionen paritätisch aus Handel, I­ndustrie und gewerblichen Klein- und Mittelbetrieben oder deren Verbandsvertretern (Kammern) zusammensetzen sollten.

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INDUSTRIE 4.0 INDUSTRIE 4.0 UND LEBENSMITTELHERSTELLUNG – WIE PASST DAS ZUSAMMEN? DR. KNUT FRANKE UND BERNHARD HUKELMANN, MBA

I

m Augenblick ist das Schlagwort Industrie 4.0 in vielen Medien präsent und wird in diversen Gremien diskutiert. Man spricht hier bereits von der vierten Stufe der industriellen Revolution mit Schlagworten wie dem „Internet der Dinge“, noch intelligenteren technischen Systemen bis hin zur Integration von vertikalen und horizontalen Wertschöpfungsketten. Diese werden hochflexibel sein, so dass sich selbst Einzelstücke rentabel produzieren lassen werden [1][2]. Das Zauberwort für die allgemeine Industrie, z.B. Maschinen- und Anlagenbau, heißt dazu „Cyber-Physical Systems“, abgekürzt CPS. Das soll so weit gehen, dass in den sogenannten „Smart Factories“, basierend auf diesen CPS, die Produkte selber alle notwendigen Informationen für ihre Herstellung in sich tragen und selbständig mit den Verarbeitungsmaschinen kommunizieren können. Das heißt, die Produkte selber kennen ihre Historie in der Herstellung sowie alle weiteren Prozesse bis zur Fertigstellung und können sich in Echtzeit je nach Auslastung die geeignete Maschine o. Ä. auswählen [2]. Das setzt natürlich voraus, dass die Produktion bereits in einem hohen Grade automatisiert ist und diese Automatisierungseinheiten nach und nach horizontal und vertikal vernetzt werden, wobei zunehmend die Konstruktion, aber auch Wartung und Instandhaltung miteinbezogen werden. Das Ganze wird ergänzt durch eine adäquate „Big Data“-Auswertung für die konsequente Orientierung auf kosten- und ressourceneffiziente Herstellungsprozesse, wobei immer mehr auch modellbasierte Simulationen eingesetzt werden. Was man sich in dieser Hinsicht vielleicht für komplette Baugruppen von Automobilen noch vorstellen könnte, ist zunächst einmal mit den bisherigen Erfahrungen der Lebensmittelherstellung

nicht ohne Weiteres vereinbar. Die Frage ist also, was bedeutet eigentlich Industrie 4.0 für die Lebensmittelwirtschaft? Auch wenn manches davon für die Lebens­mittelindustrie noch nicht umsetzbar erscheint, ist z.B. die zunehmende Individualisierung der Produkte auch bei Lebensmitteln inzwischen schon fast ein sogenannter Mega-Trend geworden, der in Kombination mit Online-Bestellungen über das Internet bereits umgesetzt wird [1]. Erste Beispiele dafür sind individuelle Müsli-Mischungen oder Bierflaschenetiketten. Ein anderes Beispiel für Industrie 4.0, an dem am Deutschen Institut für ­Lebensmitteltechnik e.V. in Quakenbrück zurzeit gerade geforscht wird, ist das Konzept für einen sogenannten „Probobag“. Dahinter verbirgt sich ein automatisierbarer Probenbeutel, der z.B. bei der mikrobiologischen Analyse eingesetzt werden kann. Dieser intelligente Probenträger verfügt über alle Informationen, die für die Analyse des Inhalts und dessen eindeutige Zuordnung bezüglich Probennahme erforderlich sind. Damit wird zum einen die Verlinkung zum ERP-System sichergestellt und zum anderen „weiß“ der Probenbeutel, wie die darin befindliche Probe analysiert werden soll und kann daher auch die Analyse im Labor über eine vollautomatische Kommunikation mit den entsprechenden Geräten selbstständig organisieren [3]. Allerdings sind das bisher eher Ausnahmen und eigentlich steht in der Lebensmittelindustrie die Weiterentwicklung der Automatisierung von Prozessen auf der Tagesordnung, um auf dieser Basis zunächst einmal eine mehr oder weniger durchgängige digitale Vernetzung aller relevanten Prozesse zu realisieren. Dafür sind im Prinzip folgende Felder relevant [1]:

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• Sensortechnologie für die Prozessüberwachung • Verknüpfung der Automatisierungssysteme untereinander • Umsetzung einer modellbasierten übergeordneten Steuerung • Data-Mining Gerade eine an die Lebensmittelherstellung angepasste Sensortechnologie und insbesondere Bildverarbeitung ist ein Gebiet, wo noch ein großer Entwicklungsbedarf besteht. Hier sind individuelle Lösungen gefragt, die in der Lage sein sollen, speziell die für die Qualität der Lebensmittel bzw. Zwischenprodukte relevanten Parameter inline zu erfassen und den Prozess für ein optimales Produkt vollautomatisch fahren ­können. Für die Verknüpfung von Automatisierungssystemen untereinander kann hingegen in der Regel auf Lösungen, die bereits in anderen Industriezweigen erfolgreich eingesetzt werden, zurückgegriffen werden. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die entsprechenden Automatisierungssysteme für die einzelnen Prozesse bei der Herstellung der Lebensmittel vorhanden sind. Der dritte Punkt wiederum erfordert die Anpassung der Prozessmodelle zur mathematischen Beschreibung der Vorgänge in der Anlage an die spezifischen Anforderungen der Verfahren für die Lebensmittelproduktion. Eine ganz wesentliche Aufgabe dabei ist, die gewonnenen Daten intelligent miteinander zu verknüpfen und aus diesen Verknüpfungen dann die optimale Steuerungsstrategie für die Anlage abzuleiten. Betrachtet man für den zweiten Punkt den aktuellen Stand der Automatisierung von Prozessen und Verfahren der Lebensmittelproduktion unter diesem Aspekt genauer, dann fällt zunächst einmal auf, dass sich die einzelnen


41

©  FRANKE, HUKELMANN

Branchen der Lebensmittelwirtschaft erheblich unterscheiden. In den Unternehmen, in denen vorwiegend fließfähige bzw. pumpfähige Medien als Roh-, Zwischen- und Endprodukte zu handhaben sind, läuft die Produktion bereits jetzt schon kontinuierlich und weitgehend automatisiert ab. Sichtbare Beispiele dafür sind die Milchverarbeitung oder die Brauindustrie, mit einem hohen Anteil an vollständig geschlossenen Verarbeitungsschritten. Der Anteil an manuellen Eingriffen und Tätigkeiten nimmt erst nach der kontinuierlichen Produktion mit dem Übergang in die Abfüllung zu, in der z.B. die Endverpackungen für den Verbraucher hergestellt werden. Beispiele dafür sind sogenannte sekundäre Verpackungsvorgänge, wozu u.a. das Schichten der Einzelverpackungen in Kartons, das Kommissionieren oder auch das Palettieren für den Versand gehören. Hier sieht man auch heute Beispiele für Hygienegreifer aus der Serie HDHF schon sehr häufig automa(Hygienic Design, High Flux) tisierte Handhabungslösungen auf der Basis von Industrierobotern. Das liegt vor allem Die vergleichsweise hohe Durchdrindaran, dass derartige Vorgänge in den gung dieser Bereiche mit flexiblen, rounterschiedlichsten Industriezweigen so- botergestützten Automatisierungslöwohl innerhalb als auch außerhalb der sungen und deren Zuwachs gerade in Lebensmittelwirtschaft anzutreffen sind. den letzten Jahren hat vor allem zwei Dementsprechend haben viele Roboter- Gründe. Zum einen handelt es sich, unhersteller in Kooperation mit Systeman- geachtet der Vielfalt der Verpackungen, bietern einfach zu adaptierende Bau- immer noch um ein relativ definiertes kastensysteme für die Automatisierung Produkt mit sehr geringen Variationen dieser Prozesse entwickelt. Ein typisches in Größe und Form untereinander. DieAnwendungsfeld ist das Palettieren. ses soll im Prinzip von einem Punkt A Hierfür existieren sowohl eine spezielle zu einem Punkt B transportiert werden. Hardware (Palettierroboter) als auch Damit sind die Rahmenbedingungen, spezielle Programme, die in Abhängig- z.B. Produktzuführung und -abfühkeit von den Kartonabmessungen ein rung, fest vorgegeben und der Prozess optimiertes Stapelbild berechnen und insgesamt ist relativ einfach. Der zweite den Roboter entsprechend instruieren. Grund für die hohe Durchdringung ist, In analoger Weise existieren Lösungen dass die Produkte an dieser Stelle minfür die Sekundärverpackung, wenn z.B. destens einmal verpackt sind. Damit ist kleine Einzelpackungen in Displaykar- eine Rekontamination des Lebensmittels tons angeordnet werden sollen. mit Mikroorganismen oder Fremdkör-

pern ausgeschlossen. Unter diesen Voraussetzungen sind für derartige Aufgaben Standardroboter, wie sie auch in anderen Wirtschaftszweigen, z.B. bei der Automobilherstellung, in hoher Stückzahl verwendet werden, einsetzbar. Das macht derartige Lösungen vergleichsweise kostengünstig. Ähnliches gilt auch für die Greiftechnik. Auf der anderen Seite hat man durch die roboterbasierte Lösung auch die erforderliche Flexibilität, um Änderungen bezüglich der Abmessungen der Produkte, den gewünschten Packbildern oder Kartonabmaßen, schnell und einfach im Roboter umzuprogrammieren. Hier reichen häufig ein Umschalten der Robotersteuerung und evtl. noch ein Greiferwechsel. Bei Anlagen ohne Roboter ist der Aufwand in der Regel an dieser Stelle deutlich höher. Somit spricht alles für eine robotergestützte Automatisierung dieser Vorgänge, zumal sich mit derartigen Systemen auch eine prozess­ übergreifende Verknüpfung von Automatisierungs­ lösungen realisieren lässt, z.B. die Integration in ERP-­Systeme oder die automatisierte Kommunikation mit der Versandabteilung. So richtig interessant für die roboterbasierte Automatisierung der Lebensmittelherstellung wird es aber, wenn der Roboter in der Prozesskette weiter oben eingesetzt wird und damit naturgemäß direkt an das Produkt – Lebensmittel – rückt. Hier geht es nicht mehr um pumpfähige Lebensmittel, sondern um die Handhabung von stückigen Produkten, wie sie beispielsweise bei der Fleischherstellung in vielfältigster Form auftreten. Diese Produkte sind zum einen in ihren jeweiligen Abmessungen deutlich individueller, und auch in ihren mechanischen Eigenschaften – weich bis formstabil – variieren sie stärker als

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Packungen. Auch damit muss eine roboterbasierte Automatisierungslösung umgehen können. Daraus und aus der Tatsache, dass der Roboter hier unverpackte Lebensmittel handhaben muss, ergeben sich neue Anforderungen, die bei allen anderen industriegüterproduzierenden Roboteranwendungen deutlich weniger relevant sind [4]: • Bildverarbeitung nicht nur zur Lageerkennung, sondern auch als Qualitätssicherungsinstrument • Sicherstellung der Hygiene für Roboter und Werkzeuge (Greifer, Sensoren, Bildverarbeitung) Diese Anforderungen werden nachfolgend diskutiert. Betrachtet man z.B. einen typischen Handhabungsprozess, wie das Einlegen der Produkte in eine Verpackungsmaschine für Tiefziehverpackungen, geht. Da geht es zunächst darum, die Lage der Produkte, die entweder aus einer Kiste entnommen oder ungeordnet auf einem Band ankommen, zu detektieren und eine mögliche Greifposition für den Roboter auszuwählen. Das ist bei Produkten, deren äußere Form nicht so stark variiert, seit langem Stand der Technik. Die Herausforderung liegt in der Erkennung eines geeigneten Greifpunktes bei unregelmäßigen Stücken. Als Beispiel sei hier der ausgelöste Schweinelachs genannt, der darüber hinaus auch noch auf die richtige Seite (Silberseite nach oben) gewendet werden muss. Die nächste Stufe der Anforderungen an die Bildverarbeitung liegt in der Erkennung von Greifpunkten für unregelmäßige Stücke, die in einer Kiste ungeordnet vorliegen. Hier sind inzwischen neuere Verfahren unter Einbeziehung von Farbstereokameras mit entsprechender Software für die 3D-Rekonstruktion in der Entwicklung, um auch unter diesen Bedingungen unregelmäßig geformte Stücke einzeln identifizieren zu können. Damit allerdings hören die Anforderungen für ein „einfaches“ Einlegen nicht auf. Wenn die Mitarbeiter die Teile in die Hand nehmen, schauen sie sich jedes Stück noch einmal an und kontrollieren damit gleich die Qualität. Das betrifft z.B. die Vollständigkeit, die Oberflächenbeschaffenheit u. Ä. Die Umsetzung einer derartigen integrier-

ten Qualitätskontrolle mittels automatischer Bildverarbeitung erfordert einen erheblichen zusätzlichen Aufwand. Neben der Sicherstellung der Zugänglichkeit aller Teile für die optische Kontrolle müssen auch noch die relevanten Qualitätsparameter genau beschrieben sein und deren akzeptable Bereiche definiert werden. Gerade hier lassen Lösungen aus anderen Industriezweigen sich für die Lebensmittelherstellung nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht übernehmen. Das heißt, hier müssen in der Regel individuelle Lösungen erarbeitet werden. Der zweite Aspekt, der für die roboterbasierte Automatisierung der Handhabungsvorgänge am unverpackten Lebensmittel relevant ist, ist die Greiftechnik für den Roboter. Diese muss zum einen so gestaltet werden, dass sie komplett reinigbar ist. Das bedeutet, die Greifer müssen den Anforderungen des sogenannten „Hygienic Design“ im vollen Maße entsprechen. Somit müssen sie nicht nur gegen alle in der Lebensmittel­ industrie eingesetzten Reinigungsmittel beständig sein, sondern sie dürfen auch keine unzugänglichen Stellen enthalten, in denen sich Produktreste ansammeln können. Das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik e.V. in Quakenbrück beschäftigt sich schon seit mehreren Jahren mit dieser Problematik an der Schnittstelle zwischen Roboter und Lebensmittel [4], [5]. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden spezielle Unterdrucksauger (Vakuumgreifer) entwickelt, die erstmals die vollen Anforderungen bezüglich Hygienic Design erfüllen (siehe Abbildung). Darüber hinaus weisen sie natürlich alle Vorteile des Vakuumgreifers auf. So kann das Greifen weitgehend unabhängig von den Abmessungen des zu greifenden Objekts realisiert werden, sofern nur eine ausreichende Greiffläche zur Verfügung steht. Die Objekte müssen nicht, wie beim mechanischen Greifer, umfasst werden, so dass eine vorherige Vereinzelung nicht zwingend erforderlich ist. Neben diesen sozusagen systemimmanenten Vorteilen der Vakuumgreiftechnik wurde der Greifer so konstruiert, dass Verstopfungen durch abgesaugte Produktpartikel praktisch ausgeschlossen sind. Durch eine geeignete Luftführung bei der Erzeugung des Vakuums aus Druckluft wurde ein

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­ oher Luftverstärkungsfaktor integriert, h so dass auch bei teilweise luftdurchlässigen Objekten noch ein sicherer Transport möglich ist. Durch geeignete Sensortechnik ist es zudem möglich, definierte Kräfte zu applizieren und den erfolgreichen Transportvorgang zu dokumentieren bzw. die Anzahl der eingelegten Produkte mitzuzählen. Auch wenn die gerade diskutierten Anforderungen an die roboterbasierte Automatisierung der Lebensmittel­ herstellung sehr hoch erscheinen, ist doch davon auszugehen, dass sich diese Technologie auch in den produktnahen Bereichen etablieren wird. Das wiederum ist die Basis für die vertikale und horizontale Vernetzung von Automatisierungssystemen, um die Prozesse noch effizienter und ressourcenschonender durchführen zu können. Man darf in der Zwischenzeit aber gespannt sein, was es noch an Ansätzen geben wird, weitere Teilaspekte der „Industrie 4.0“ in die Lebensmittelproduktion zu integrieren. Dr. Knut Franke und Bernhard Hukelmann, MBA Deutsches Institut für Lebensmitteltechnik e.V., 49610 Quakenbrück k.franke@dil-ev.de Literatur [1] Mauermann, M. (2015) Food Industry 4.0 – Prospect and Challenges. Köln: DLG-Forum „Integrated Production“ auf der Anuga FoodTec, 26.03.2015. [2] N.N. (2013) Umsetzungsempfehlungen für das Zukunftsprojekt Industrie 4.0. Frankfurt/M.: Promotorengruppe Kommunikation der Forschungsunion Wirtschaft – Wissenschaft und acatech. [3] http://www.anugafoodtec.de/Redaktionell/aft/downloads/pdf/Quarterly-News/ Quarterly-Juni-2014/Probobag.pdf [4] Franke, K.; Hukelmann, B. (2012) Unbeeindruckt von Verschmutzung – Neues Konzept für Lebensmittelgreifer setzt auf sauberes Handling mit Vakuum. Lebensmitteltechnik 44 (1/2, EHEDG-Sonderausgabe ) 12–13. [5] Franke, K.; Hukelmann, B. (2014) Roboter in der Lebensmittelherstellung – Lösungsansätze der DIL-Robotik. Frankfurt: GDL-Kongress Lebensmitteltechnologie 2014, 16.–18.10.2014.


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MIGRATIONSPRÜFUNGEN SCHÜTZEN LEBENSMITTEL Kunststoffhalbzeuge kommen mit Konformitätserklärung KUNSTSTOFFHALBZEUGE, DIE ZU BAUTEILEN FÜR DIE LEBENSMITTELINDUSTRIE WEITERVERARBEITET WERDEN, MÜSSEN DIE ­STRENGEN ANFORDERUNGEN DER VERORDNUNG (EU) 10/2011 HINSICHTLICH DES ­MIGRATIONSVERHALTENS ERFÜLLEN. BJÖRN ÜHLKEN

D © ÜHLKEN

ie aus dieser Verordnung resultierenden Untersuchungen führen Kunststoffverarbeiter für eine Vielzahl von Halbzeugen durch. Erhält der Weiterverarbeiter zu diesen lebensmittelkonformen Werkstoffen einen Nachweis der Eignung mit der Bereitstellung der entsprechenden Daten, kann er einen beträchtlichen Aufwand an Zeit und Kosten sparen.

Björn Ühlken

Der Nachweis der Eignung für einen physiologisch unbedenklichen Kontakt mit Lebensmitteln muss auch für Kunststoffteile und -folien erbracht werden, die während der Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln mit diesen in Kontakt kommen. Ziel ist, geruchliche, geschmackliche, farbliche oder toxische Auswirkungen auf das Produkt und in letzter Konsequenz auf die Gesundheit des Konsumenten auszuschließen, die sich aus Wechselwirkungen zwischen den Lebensmitteln und diesen Kunststoffen ergeben könnten.

Um das Erreichen dieses Ziels auf eine gesetzliche Basis zu stellen und in der Praxis nachprüfbar zu machen, hat die Europäische Union die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 erlassen, die einer europaweiten Harmonisierung der Vorschriften für Kunststoffe in Kontakt mit Lebensmitteln dient. Die im Februar 2011 in Kraft getretene Verordnung ist allgemein als PIM (Plastics Implementation Measure) bekannt. Die Anforderungen gehen über die bisher bereits notwendigen Konformitätserklärungen hinaus und schreiben insbesondere auch eine umfassende Dokumentation des Migrationsverhaltens der verwendeten Kunststoffe vor. Damit konfrontiert die Europäische Union die Branche mit neuen, zeit- und kostenintensiven Aufgaben. Die Grundlage für den Konformitätsnachweis bildet die Verordnung (EG) 1935/2004 über Materialien und Gegenstände, die dazu bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen. Die Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 über gute

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©  ENSINGER GMBH

Nachfolger in der Prozesskette eine Konformitätserklärung für seine Leistung ausstellen. Dabei muss er die Konformitätsangaben seiner Vorlieferanten (Rohstofferzeuger, Halbzeug- und Fertigteilhersteller) weitergeben und mit den eigenen Angaben ergänzen. Dieses Vorgehen sichert zuverlässig die Rückverfolgbarkeit der gefertigten Maschinen und Anlagen bis hin zur Quelle der eingesetzten Stoffe und Monomere. Darüber hinaus dokumentiert es deren Konformität mit den gesetzlichen Anforderungen.

Konform zur Verordnung (EU) Nr. 10/2011: Bauteile aus Kunststoff Tecaform AH (POM-C), die der Maschinenbauer Marel in seinen Anlagen und Maschinen für die Verarbeitung von Fleisch, Fisch und Geflügel einsetzt.

Herstellungspraxis (GMP) definiert die Regeln zur Überwachung und Dokumentation der Produktion und Verwendung von Materialien im Lebensmittelkontakt. Die Basis ist ein Qualitätssicherungssystem nach ISO 9001. In Verbindung mit einem funktionsfähigen Qualitätskontrollsystem stellt es die in der (EG) 1935/2004 geforderte Rückverfolgbarkeit und die Konformitätsbestätigungen sicher. Übergangsfrist bis Dezember 2015 Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 ist die Umsetzung einer Forderung der (EG) 1935/2004 und hebt zugleich die Richtlinie 2002/72/EG auf. Sie präzisiert die wichtigsten stofflichen Grundlagen sowie Parameter der Migrationsprüfungen und enthält eine verbindliche Auflistung der zur Herstellung von Materialien und Gegenständen aus Kunststoff ausschließlich zugelassenen Stoffe.

Bis Ende Dezember 2015 erlauben Übergangsbestimmungen in Teilaspekten die Anwendung der aufgehobenen 2002/72/EG parallel zu (EU) Nr. 10/2011, die ab 2016 ausschließlich anzuwenden ist. Sie gilt dann auf allen Stufen der Wertschöpfungskette und einheitlich für alle Kunststoffmaterialien und Gegenstände im Lebensmittelkontakt, die in der EU in Verkehr gebracht werden. Das heißt, sie betrifft Kunststoffhalbzeuge, die spanend weiterverarbeitet werden, genauso wie Spritzguss- und Blasformteile, Folien und Folienverbunde. Bauteile aus technischen Kunststoffen finden in vielen Bereichen der Lebensmittelindustrie Einsatz, beispielsweise in Maschinen und Anlagen der Fleischerei-, Fischund Geflügelindustrie, wo sie hohe Anforderungen an Belastbarkeit, Sicherheit und Hygiene erfüllen. Daher gewinnt die neue EU-Verordnung auch für Anlagenbauer wachsende Bedeutung, denn jeder Lieferant muss seinem

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Sonderstellung für Halbzeuge Kunststoffhalbzeuge nehmen in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. Im Sinne der Verordnungen handelt es sich dabei nämlich nicht um zweckgebundene Teile mit vorab definierten Anforderungen. Die Vielfalt der Werkstoffe, der Lebensmittel und der Einsatzbedingungen (Zeit, Temperatur, Reinigungsbedingungen etc.) erlaubt keine realistische Prüfung aller Umstände im Voraus. Entsprechende detaillierte Kenntnisse liegen erst bei dem Teilnehmer in der Prozess- und Produktkette vor, der das aus diesen Halbzeugen zu erstellende Bauteil und dessen Anwendungen kennt. Und dies ist in der Regel der Anlagenhersteller oder Nutzer. Eine endgültige Konformitätsprüfung kann deshalb üblicherweise erst in dieser Stufe erfolgen und – ergänzt durch die vorangehenden Konformitätserklärungen – zur Endabnahme und Freigabe führen. Um die Komplexität der möglichen Einsatzbedingungen näherungsweise abzubilden, definiert die Verordnung Standardprüfungen mit Prüfsimulanzien, Zeiten und Temperaturen. Bei Prüfsimulanzien – auch Lebensmittelsimulanzien genannt – handelt es sich um Testmedien, die durch ihr Verhalten die Migration aus Lebensmittelkontaktmaterialien nachahmen. Hilfestellung für Anwender Um Anlagenhersteller und Vorlieferanten bei der Erfüllung der neuen Anforderungen zu entlasten, hat der Kunststoffverarbeiter Ensinger sein Portfolio für die Lebensmittelindustrie neu aufgestellt und für eine Vielzahl von lagerhaltigen Halb-


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zeugen Migrationsprüfungen gemäß den Vorgaben der 10/2011 durchführen lassen. Die Ergebnisse stellt das Unternehmen in einer Konformitätserklärung zur Verfügung. Der Vorteil für den Anlagenhersteller bzw. seine Vorlieferanten ist, dass er damit bereits über konkrete, auf Standardtests basierende Aussagen zu Migrationswerten eines Werkstoffs verfügt. Aus diesen Basiswerten kann der Entwickler dann tragfähige Rückschlüsse auf die Einhaltung der Migrationswerte unter Anwendungsbedingungen ziehen. So lassen sich bereits in einer frühen Konzeptphase konkrete Aussagen zur Eignung eines Werkstoffs für den Lebensmittelkontakt treffen. Ebenso kann der Entwickler konstruktive Geometriekorrekturen vornehmen, die dann eine Einhaltung der Grenzwerte ermöglichen. Das hilft Fehlplanungen zu vermeiden und kann beträchtliche Zeit- und Kosteneinsparungen ermöglichen. Zur Unterstützung dieser lückenlosen Rückverfolgbarkeit und eines optimalen Verbraucherschutzes erhält der Kunde zusammen mit seiner Halbzeuglieferung ein umfangreiches Datenpaket. Dessen Kernelement ist die auftragsbezogen erstellte Konformitätserklärung zur Erfüllung der oben genannten Verordnungen (EG) Nr. 1935/2004, (EG) Nr. 2023/2006 und (EU) Nr. 10/2011. Die Halbzeuge selbst sind in physiologisch unbedenklichen Farben beschriftet. Diese Codierung gibt Auskunft über die Artikel-Nr., die Werkstoffbezeichnung, die DIN-Bezeichnung, die Abmessungen und die Produktionscharge. DIE VERORDNUNG (EU) NR. 10/­2011 Die Grenzwerte Die in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 enthaltenen Grenzwerte sind teilweise in Versuchsreihen zu erfassen, teils rechnerisch darstellbar. • Der Gesamtmigrationsgrenzwert (OML) ist eine Angabe für die höchst-

zulässige Gesamtmenge nichtflüchtiger Stoffe, die aus einem Material oder Gegenstand in Lebensmittelsimulanzien abgegeben werden dürfen. Dabei liegt dieser Grenzwert für die gesamten abgegebenen Bestandteile bei 10 mg je dm² der mit Lebensmitteln in Berührung kommenden Fläche. Gesonderte Grenzwerte gelten für Materialien und Gegenstände aus Kunststoff, die mit Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder in Berührung kommen. • Der spezifische Migrationsgrenzwert (SML) ist die höchstzulässige Menge eines bestimmten Stoffes, die aus einem Material oder Gegenstand in Lebensmittel oder Lebensmittelsimulanzien abgegeben werden kann. • Der gesamte spezifische Migrationsgrenzwert (SML(T)) ist die höchstzulässige Summe bestimmter Stoffe, die in Lebensmittel oder Lebensmittelsimulanzien abgegeben werden können, berechnet als Gesamtgehalt der angegebenen Stoffe. • Die Angabe dieser spezifischen Migrationsgrenzwerte erfolgt dabei in mg des Stoffes je kg des Lebensmittels. Für Stoffe, für die in Anhang I der Verordnung kein spezifischer Migrationsgrenzwert und keine sonstigen Beschränkungen festgelegt sind, gilt ein allgemeiner spezifischer Migrationsgrenzwert von 60 mg/kg. KUNSTSTOFFHALBZEUGE Fast überall zu finden Lebensmittelkonforme, den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Kunststoffhalbzeuge finden Anwendungen in nahezu der gesamten Lebensmittelindustrie. Häufig sind sie z. B. in Form von Zahnrädern, Lagerbuchsen oder anderen Bauteilen in Füll-, Misch-, Portionier- oder Fördersystemen im Einsatz. Dort leisten sie einen Beitrag zur Erhöhung der Produktionsgeschwindigkeit und -sicherheit. Aufgrund ihres – im Vergleich zu Metallen – geringen spezifischen Gewichts können sie zudem den zum Betrieb der Anlagen erforderlichen Energieaufwand senken. Björn Ühlken, Industrie Segment Manager Ensinger GmbH

Impressum — DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft ∙ ­NUTRITION Austrian journal for science, law, ­technology and economy redaktion@ernaehrung-nutrition.at Offizielles Organ der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und ihrer Sektionen und Zweigvereine, des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Österreichs und des Schutzverbandes der österreichischen Lebensmittelindustrie ∙ Herausgeber: Fachverband der Lebensmittelindustrie; A-1030 Wien, Zaunergasse 1–3 ∙ Wissenschaftlicher Beirat: Generaldirektor Univ.-Prof. Dr. iur. et rer. pol. Walter Barfuß, em. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. nat. techn. Emmerich Berghofer, Dr. Michael Blass, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. nat. techn. Dr. h. c. Ernst Brandl, Hon.-Prof. Dr. Konrad Brustbauer, Univ.-Prof. Dr. med. Wilfred Druml, em. Univ.-Prof. Dr. agr. Ibrahim Elmadfa, Univ.-Prof. Dr. med. Johann Michael Hackl, Univ.-Prof. Dr. med. Karl Irsigler, OR Dr. Leopold Jirovetz, Ass.-Prof. Dr. Peter Paulsen, Hon.-Prof. Dr. iur. Klaus Smolka, Univ.-Prof. Dr. Gerhard Sontag, ao. Univ.-Prof. Dr. Ingrid Steiner ∙ Chefredakteur: DI Oskar Wawschinek, MAS MBA ∙ Redaktion „Wissenschaft“: DI Martin Kugler ∙ Redaktion „Recht“: Mag. Katharina Koßdorff ∙ Verleger: SPV Printmedien Gesellschaft m.b.H.; A-1080 Wien, Florianigasse 7/14; Tel.: 01/581 28 90; Fax: 01/581 28 9023; online-redaktion@blickinsland. at ∙ Lektorat: Mag. Nina Wildzeisz-Rez­ ner ∙ Satz: Eva-Christine M ­ ühlberger, Gerald Mollay ∙ Herstellung: pro­print. at ∙ Anzeigen­ l eitung: Prok. Doris Orthaber-­Dättel, Tel.: 01/581 28 9012, daettel@blick­ins­land.at, Projekt­ leitung: ­Alexander Smejkal, Tel.: 01/581 28 90-27, smejkal@blickinsland.at ∙ ­Ernährung/Nutrition – ISSN 02501554 – erscheint sechsmal. Nachdruck sämtlicher Artikel, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe, gegen Belegexemplar; Zitierung von wissenschaftlichen Beiträgen: Ernährung/Nutrition. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder, die nicht mit jener des Herausgebers übereinstimmen muss.

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ENERGIEEFFIZIENZ UND ERNEUERBARE ENERGIEN DI CHRISTOPH BRUNNER UND DI JÜRGEN FLUCH

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as Bundes-Energieeffizienzgesetz (EEffG) und daraus abgeleitete Verpflichtungen und gesetzliche Vorgaben für Betriebe der Lebensmittelindustrie sind in aller Munde. Verpflichtende Einsparungen und Maßnahmen haben zu einer Unsicherheit im Spannungsfeld zwischen den Energieversorgern (EVUs) und den Betrieben geführt. Dabei bieten sinnvolle Energieeffizienzmaßnahmen und die Integration Erneuerbarer Energieträger große Potentiale gerade für Betriebe der Lebensmittelbranche, die neben einer nachhaltigen Produktion auch zu Energie- und somit Kosteneinsparungen führen. In der Lebensmittelproduktion beachtet man sehr genau die Qualität der Nahrungsmittel: Verwendete Rohstoffe, Herkunft, Pestizide oder Tierhaltung. Die Energieversorgung in einem Betrieb wird oft stiefmütterlich behandelt, nicht als Kerngeschäft betrachtet. Sie spiegelt sich weder in der Produktqualität wider, noch erscheint es vielleicht dem Endkunden wichtig, mit wie viel Energie sein Lebensmittel erzeugt wurde. Doch gerade der bewusste Umgang mit der Ressource Energie sollte dem Konsumenten kommuniziert werden, um einer nachhaltigen Produktion voll und ganz zu entsprechen. Und noch wichtiger: Der Anteil der Energiekosten an den Gesamtproduktionskosten liegt je nach Branche bei 15 % oder darüber. Energieversorgung IST also ein Kerngeschäft der Lebensmittelbetriebe.

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Dabei muss es darum gehen, • möglichst wenig Energie zu verbrauchen, • die eingesetzte Energie effizient zu nutzen und • den Anteil Erneuerbarer Energieträger zu erhöhen.


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Das alles muss unter einem wirt­ schaftlichen Aspekt passieren. Effiziente Technologien zur Herstellung der Produkte und die effiziente Umwandlung von Energieträgern, wie zum Beispiel Hackschnitzel oder Erdgas, reduzieren Kosten. Der Einsatz Erneuerbarer Energien ist sinnvoll, wenn diese Infrastruktur-Investitionen neben der positiven Wirkung beim Kunden vor allem wirtschaftlich vertretbar sind. Was durch die Aufregung um das EEffG verdeckt wird, ist die damit einhergehende absolut positive Einführung von Qualitätsstandards für die Identifikation von kurz- bis langfristigen Energiekonzepten basierend auf der Norm EN 16274 für Energieaudits im industriellen Bereich. Darin ist geregelt, wie ein Energieaudit durchzuführen ist, wer dafür qualifiziert ist und was sich Betriebe (große und kleine) davon erwarten dürfen. Das EEffG spricht auf den ersten Blick nur Großunternehmen an. Durch die vorgegebenen Einsparziele sind EVUs aber auch auf Leistungen der KMUs angewiesen. Und gerade diese Betriebe haben vielfach keine verfügbaren Ressourcen (Personal und Budget), um sich um eine nachhaltige

Energieversorgung zu kümmern, und sind auf eben solche Beratungen angewiesen. Was aber versteht man unter Effizi­ enz? Salopp formuliert kann man sagen, dass überall dort, wo „etwas“ (Kessel, Rohrleitungen) heiß genug ist, um sich zu verbrennen, Energie nicht effizient eingesetzt wird – also Potential zu einer weiteren Nutzung bzw. Einsparung vorhanden ist. Und überall dort, wo ich eingesetzte Rohstoffe (Rohmaterial) in Abfallströmen wiederfinde, werden auch diese nicht effizient verarbeitet. Natürlich hat Effizienzsteigerung wirtschaftliche und technische Grenzen, wo eine weitere Verbesserung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Ein Betrieb, der ein Energieaudit (durch das EEffG verpflichtet oder nicht) durchführen lassen will, muss aktiv an diesem Prozess mitarbeiten. Einen Berater „arbeiten“ zu lassen und auf einen Bericht zu warten, wird selten zu den gewünschten Ergebnissen führen. Der Prozess über die Erhebung der Ist-Daten, deren Bewertung und die Entwicklung von Umsetzungskonzepten zur Steigerung der Energieeffizienz und der Integration

Erneuerbarer Engerien läuft im Idealfall in enger Zusammenarbeit und gemeinsamer Ideenentwicklung zwischen allen Entscheidungsträgern innerhalb des Betriebs und dem Auditor ab. Es gibt für beide Seiten nichts Enttäuschenderes als ein Konzept, das nicht den Erwartungen entspricht und schlussendlich nicht umgesetzt wird. Zu Beginn eines Energieaudits geht es immer darum, den Ist-Stand der Energieerzeugung und Energieverteilung zu erheben: • Welcher Prozess verbraucht wie viel Energie und bei welcher Temperatur? • Wie wird diese Energie zur Verfügung gestellt? • Wie effizient sind Prozess- und Versorgungstechnologien (Kessel, Kälteanlagen etc.)? • Welcher Energieträger deckt wie viel des Energiebedarfs ab und was kostet es den Betrieb? Genau diese Methodik wird beispielsweise im entwickelten Branchenkonzept des IEE-Projektes GREENFOODS verfolgt und der Nutzer in diesen Schritten unterstützt, um möglichst einfach und schnell Optimierungspotentiale zu identifizieren und zu bewerten.

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B a s i e r e n d   a u f  ­L a s t p r o f i l e n von Prozessen über relevante Pro­ duktionszeiträume (zeitlich aufge­löste Bedarfsprofile auf zumindest Stundenbasis) werden Optimierungspotentiale auf Prozess- und Systemebene identifiziert. Auf Prozessebene werden eingesetzte Technologien und Apparate evaluiert und mit Informationen über die besten verfügbaren Technologien (BATs), Referenzdokumente (BREFs), Konzepte und Beispiele (BEMPs) verglichen. Hierzu zählen auch Entwicklungen der Prozessintensivierung, deren Ansatz die Produktion „von möglichst viel mit möglichst geringem Einsatz“ ist (zum Beispiel Batch-Prozesse durch kontinuierliche Prozesse ersetzen). Danach werden auf Systemebene (Betrieb) verfügbare Abwärmeströme (excess heat) und ihr Potential zur inner­ betrieblichen energetischen Nutzung erfasst. Neben der Erfahrung eines Auditors unterstützen Methoden wie die Pinch-Analyse diesen Prozess, um ein hocheffizientes Netzwerk aus Wärmerückgewinnung über mehrere Wärmetauscher zu designen. In komplexen Produktionen geben diese Methoden einen sehr guten Richtwert über das vorhandene Potential nutzbarer Ströme. Welche Abwärme eines Prozesses eignet sich dazu, welchen Input-Strom eines anderen Prozesses zu erwärmen oder umgekehrt? Beispiele sind in der Lebens­ mittelproduktion die Nutzung von heißem Abwasser (bspw. Kondensate in der Fleischproduktion) zur Erwärmung von Frischwasser oder die Nutzung von Abluft aus Backöfen zur Vorwärmung von Reinigungswasser. Die Nutzung der Abwärme von Kälte- oder Druckluftanlagen zur Vorwärmung und die effiziente Nutzung von Abgasen aus Kesseln zählen ebenfalls dazu. Dadurch wird der Energiebedarf in der Produktion reduziert und die eingesetzte Energie effizient genutzt. Erst dann wird das Potential Erneuerbarer Energieträger, wie Solarthermie, Biogas, Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaik oder Wärmepumpen, identifiziert und techno-ökonomisch bewertet. Prozesse mit Betriebstemperaturen kleiner 150 °C (typisch im Lebensmittelbereich) eignen sich technisch ausgezeichnet, um mit Solarthermie versorgt

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zu werden. Beispiele sind Reinigungsprozesse, Maischprozesse in Brauereien, Käseherstellung (Bruchwaschwasser), Pasteurisation oder Bäder in der Fleischverarbeitung. Der hohe Strombedarf für Kälteanlagen bei gleichzeitig hohem Wärmebedarf zeigt das Potential für KWKs. Biogas aus Abfall- oder Abwasser­strömen kann in bestehenden Gaskesseln zugefeuert werden bzw. Wärmepumpen können anfallende Abwärmeströme auf ein höheres und somit nutzbares Temperaturniveau heben (Stichwort Wärmerückgewinnung). Konkrete Umsetzungen und Studien zeigen das große Einsparungspotential in Betrieben der Lebensmittelbranche durch Energieeffizienzmaßnahmen. Auf Prozessebene können die Einsparungen der eingesetzten fossilen Energieträger bis zu 25 % betragen, durch Wärmerückgewinnung bis zu 38 % (siehe www. green-foods.eu). Die Amortisationsdauer dieser Maßnahmen liegt in den meisten Fällen unter einem Jahr. Also bereits nach einem Jahr führt die Installation bspw. eines Wärmetauschers dazu, dass täglich Energiekosten eingespart werden. Je nach Integration verschiedener Erneuerbarer Energieträger können kurzfristig bis zu 60 % der fossilen Energieträger substituiert werden. Erneuerbare müssen als Infrastruktur­investitionen anders als Energieeffizienzmaßnahmen wirtschaftlich bewertet werden. Energiekosten (€/MWh) aus fossilen Energieträgern können jenen aus Erneuerbaren gegenübergestellt werden (Investitions- und Betriebskosten aufgeteilt auf die zu erwartende Nutzungsdauer). Durchgeführte Umsetzungen und Studien aus dem Projekt GREENFOODS zeigen in den meisten Fällen deutlich geringere Energiekosten der Erneuerbaren gegenüber fossilen Energieträgern. Warum werden Maßnahmen nicht umgesetzt? Das EEffG stellt für

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viele Betriebe eine Herausforderung dar. Aber die Chancen für sinnvolle Energieeffizienzmaßnahmen sind größer. EVUs sind an umgesetzten Maßnahmen in den Betrieben interessiert, um den Strafzahlungen zu entgehen. Betriebe können ihre Einsparungen an EVUs „verkaufen“ und so die wirtschaftliche (Förder-)Sicherheit erhöhen. Alle Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und der Integration Erneuerbarer Energieträger müssen unter der Prämisse umgesetzt werden, die Produktqualität nicht zu beeinflussen. Ansonsten haben diese Konzepte negative wirtschaftliche Auswirkungen auf den Betrieb – entsprechend groß sind die Vorbehalte. Deshalb braucht es Vorzeigeprojekte. Dazu gibt es eine Vielzahl an wachsenden Datenbanken über Best Practice Beispiele, die genau das zeigen (www.green-foods.eu, www.ship-plants. info). Die Qualität der so viel gescholtenen Beratungen wird steigen und identifizierte Maßnahmen hoffentlich rasch über Low-Hanging-Fruits wie das Tauschen von Glühbirnen hinausgehen. Energieeffizienz und die Integration von Erneuerbaren Energieträgern bedürfen genauer Kenntnisse der Produktionsprozesse. Erst dadurch werden Maßnahmen richtig identifiziert und umgesetzt. Man sollte diesen Aspekt des EEffG als Chance begreifen und die Aufbruchstimmung dazu nutzen, Maßnahmen umzusetzen. Dadurch wird die Produktion von Lebensmitteln auch energetisch auf jenes Niveau angehoben, das der weit über die Grenzen hochangesehenen Qualität österreichischer Lebensmittel entspricht. Links: www.aee-intec.at, www.greenfoods.eu, www.ship-plants.info DI Christoph Brunner (Leiter) und DI Jürgen Fluch arbeiten im Bereich „Industrielle Prozesse und Energiesysteme“ der AEE INTEC, Gleisdorf: c.brunner@aee.at, j.fluch@aee.at


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INNOVATIV UND BELIEBT

ie FachPack ist eine der bedeutendsten europäischen Fachmessen rund um das Thema Verpackung. Von 29. 9. bis 1. 10. geht die Leistungsschau in Nürnberg in die neue Runde. Veranstaltungsleiterin Heike Slotta: „Die FachPack ist vollends ausgebucht!“ Es werden rund 37.000 Fachbesucher ­erwartet, etwa 1.500 Aussteller präsentieren ihre Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Verpackung, Technik, Veredelung und Logistik. Im Fokus steht das Thema „Kennzeichnen & Etikettieren“, das wie ein roter Faden den Messebesuch begleitet: bei Ausstellern, in Sonderpräsentationen, in Forums­beiträgen etc. Das Fokusthema Kennzeichnung der FachPack 2015 gewährt einen umfassenden Überblick über Labels aller Art, die zur Information („smart labelling“) oder Dekoration („nice labelling“) dienen. Effektive Etikettiermaschinen, innovative Identifikations-, Codier- und Warensicherungssysteme, Track & ­Trace, unterschiedliche Trägermaterialien, neueste Drucker und Druckver­

fahren, wie Digitaldruck und 3D-Druck, Auto-ID-Systeme, präzise Kennzeichnungsverfahren durch Laser oder Tinte und vieles mehr gibt es auf der Messe zu entdecken. Die Variantenvielfalt der Produkte stellt die Verpackungsmaschinen-Hersteller vor große Herausforderungen. Flexibilität bedeutet heute: Eine Anlage muss nicht nur verschiedene Varianten zum Beispiel eines Joghurts in gleich große Becher füllen, sondern auch verschiedene Packungsgrößen und Packstile beherrschen. Das Maschinendesign ist entscheidend für die Effizienz, die Leistungsfähigkeit und die Flexibilität vollautomatischer Verpackungssysteme. Die einzelnen Komponenten müssen daher optimal aufeinander abgestimmt und schnell austauschbar sein. Traysealer werden beispielsweise so konstruiert, dass sie innerhalb der Baugröße alle Formate und Materialien von Schalen verarbeiten können. Auch die Deckfolien oder das Schutzglas sind flexibel. Einstellungen und Produktwechsel lassen sich immer schneller erledigen – alles ohne Einsatz von Werkzeug mit Schnellverschlüssen. Ein

modularer Aufbau ermöglicht die Nutzung verschiedener Funktionsbausteine im gleichen Maschinengehäuse und auf der gleichen Stellfläche. Die Maschinen sind so schneller einsatzfähig, lassen sich leichter erweitern oder umrüsten und bieten damit auch Spielraum für künftige Anforderungen. Keynote-Speaker der Eröffnung ist Karim Rashid, ein „Popstar der Designwelt“. Der Verpackungsdesigner, der eine Reihe von Awards – darunter 2013 den Red Dot Award: Communication Design – erhalten hat, wird die Kreativität und Innovationskraft der Branche ins rechte Licht rücken und einige Impulse für die folgenden Messetage setzen. Die Vielfalt der Sonderthemen lädt Besucher und Aussteller ein, über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich durch Kontakte, Gespräche, Vorträge und Präsentationen inspirieren zu lassen. So bietet das Forum PackBox wieder einen abwechslungsreichen Themenmix von Smart Labelling über innovative Ansätze bei Maschinen, Logistik, Druck und Design bis hin zu Nachwuchs und Karriere. INFORMATION: www.fachpack.de

ANALYTISCHE DIENSTLEISTUNG – MEHR, ALS NUR MESSEN!

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mmer wieder stehen Auftrag­geber von analytischen Laboren vor der Frage, ob ihre Ware unbelastet und damit verkehrsfähig ist. Wenn aber eine Belastung festzustellen ist, ist nicht nur zu bewerten, ob mögliche Grenz­ werte überschritten werden, sondern vor allem ist auch der Ursprung der Belastung zu ­finden. Handelt es sich hierbei um einen Rückstand aus z.B.

direkter Pestizidanwendung oder liegt hier eine Kontamination vor, die auf Umwelteinflüsse, Produktions- oder natürliche Abbauprozesse zurück zu führen ist? Dies lässt sich nicht immer analytisch beantworten, jedoch kann eine kompetente Beratung eine Hilfe­stellung zur Eingrenzung der Quelle darstellen. Hier liegen neben der analytischen Kompetenz und dem

hohen Anspruch an die eigene Qualität die Stärken der GBA Laborgruppe. Als Ihr Partner fühlen wir uns verpflichtet, Ihnen beratend und unterstützend bei allen Fragen zur Seite zu stehen, die die Untersuchung Ihrer Produkte betreffen. Auch wenn es darum geht, analytische Ergebnisse zu bewerten und Handlungsempfehlungen auszusprechen, sind Ihre Ansprechpartner bei der GBA La-

borgruppe an Ihrer Seite. Mit 10 Standorten in Deutschland ist das international tätige Unternehmen vertreten und beschäftigt über 400 Mitarbeiter auf 15.000 m² Laborfläche. INFORMATION: GBA Gesellschaft für ­Bioanalytik mbH Goldtschmidtstraße 5 21073 Hamburg service@gba-group.de

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50 firmeninformation company inforamtion

KLEINES WUNDERWERK DER ENERGIEEFFIZIENZ

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er nachhaltig handelt, hat bei Lebensmitteln und Ernährung auch Herkunft und Herstel­ lung im Blick. Unternehmen achten zuneh­ mend auf energieeffiziente Prozesse und setzen dabei auf Mikrogasturbinen von Wels Strom Energiesysteme. Die Mikrogasturbine von Wels Strom kann überall dort energiesparend eingesetzt werden, wo Strom und Wärme in Form von Heißwasser oder Dampf über sehr viele Betriebsstunden zur Verfügung stehen müssen. „Und wo absolute Hygiene gefragt ist“, ergänzt Christian Steininger, Leiter des Vertriebs bei Wels Strom Energiesysteme. „Die Maschine kommt ohne jeden Schmierstoff und jedes Öl aus, ist im Betrieb absolut sauber!“

Das macht ein solches Minikraftwerk für Lebensmittelverarbeiter, wie zum Beispiel Bierbrauer oder Fleischer, interessant. „Aber auch die Kunststoff­ industrie, Krankenhäuser oder Hotels mit Wellnessanlagen können dadurch Energie und Kosten sparen“, weiß Christian Steininger um das breite Einsatzspektrum. Auch in Kläranlagen wird die Technologie eingesetzt. Das Wunderwerk der Energieeffizienz beeindruckte auch die Jury des international renommierten „Energy globe“: Sie vergab 2006 den begehrten Siegerpreis in der Kategorie „Wasser“ für ein Gemeinschaftsprojekt von Wels Strom Energiesysteme und Reinhalteverband Hallstättersee. Dort wird eine österreichweit einzigartige Kläranlage energieautark mit einer Photovoltaik-Anlage und

e­ iner Biogas-Mikrogasturbine betrieben. 2014 baute Wels Strom Energiesysteme in Bayern Europas größte Mikrogasturbinenanlage. Jahr für Jahr werden nun 4000 Tonnen CO2 eingespart. Über einen Wartungsvertrag sichert Wels Strom den Betreibern einen reibungslosen Betrieb und lange Laufzeiten zu. Kunden wissen das perfekte Service von Wels Strom von der Erstanalyse bis zur Instandhaltung zu schätzen. Die umwelt- und ressourcenschonende Technologie spart Energiekosten, reduziert das schädliche Treibhausgas Kohlendioxid und macht zudem ein Stück weit unabhängiger in der Energieversorgung. Nicht nur das: Mikrogasturbinen erhöhen die Energieeffizienz und erreichen einen Wirkungsrad von bis zu unglaublichen 99 Prozent.

©  WELS STROM

„Durch sehr hohe Laufzeiten können Mikro­gasturbinen die Energiekosten nachhaltig senken.“ Christian Steininger, Leiter Vertrieb Wels Strom Energiesysteme

Durch das breite Leistungsspektrum von 30 KW bis zu 1 MW elektrischer Leistung können für fast alle Betriebsgrößen ideale Lösungskonzepte mit Mikrogasturbinen realisiert werden. Im Bild ein Turbinenblock mit einer Leistung von 1 MW!

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Das Minikraftwerk Mikrogasturbine erzeugt Strom, Wärme, Dampf und Kälte mit großer Zuverlässigkeit bei geringen Wartungskosten. Es • reduziert die Energiekosten, • erhöht die Unabhängigkeit durch ­Eigenstromerzeugung, • steigert die Energieeffizienz, • verbessert die Ökobilanz, • senkt Emissionen und • erzielt 99 Prozent Wirkungsgrad.


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67 recht law

TERMINE __

07.–09. 09. 2015 BARCELONA

NuGOweek 2015 – 12th Edition Veranstalter: Nutrigenomics Organisation (NuGO), Zentral­ institut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (Z I E L) Deutsche Gesellschaft für ­Ernährung (DGE) www.nugo.org

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18. 09. 2015 WIEN

2. Fachtag Sporternährung Aktuelle Aspekte zum Thema Sport, Ernährung und geistige Leistungsfähigkeit Raiffeisensaal der Raiffeisen Zentralbank Wien office@be-perfect-eagle.com

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23. 09. 2015 KLOSTERNEUBURG

IFS Foodv6 – Praxisseminar Wie hat sich die Version 6 in der Branche etabliert? Wie gehen Auditoren mit den Anforderungen und dem ­geänderten Bewertungsschema um? Was ist für ein ausreichendes Food Defense Konzept zu tun? LVA GmbH Magdeburggasse 10 seminare@lva.at

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WIEN

Aktuelle Entwicklungen im Lebensmittelrecht Das Seminar bietet einen Überblick über neue Anforderungen und Trends im ­österreichischen und europäischen Lebensmittelrecht. Imperial Riding School Renaissance Hotel Ungargasse 60 seminare@lva.at

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26.–27. 11. 2015

24. 09. 2015 WIEN

6. f.eh-Symposium: Über Mythen, Widersprüche und Skandalisierung beim Essen Albert Hall, Albertgasse 35 bs@forum-ernaehrung.at

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30. 09. 2015

WIEN

ÖGE-Jahrestagung 2015 „Ernährungstrends – Was ist sinnvoll, was ist bedenklich? Status Quo – was essen wir morgen?“ in Kooperation mit dem ­Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien und dem Bundes­ ministerium für Gesundheit AGES, Spargelfeldstraße 191, 1220 Wien www.oege.at

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