DIE ERNÄHRUNG VOLUME 39 | 06. 2015

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SCHRECKENS­ KABINETT FCM? OSKAR WAWSCHINEK

wie entscheidend die als „soft skills“ unterschätzte Kunst der Menschenführung auf Unternehmensleistung und Unternehmenskultur einwirkt. Selbstreflexion war schon bei Marc Aurel nützlich. Unterschätzt wird auch die Notwendigkeit eines professionellen Krisenmanagements, das nicht immer gelebt wird.

Meine sehr verehrten Herrschaften! Mein Name ist Dr. Österreicher. Die Wissenschaft schreitet unaufhaltsam fort – auch wenn Sie es nicht g­ lauben –, sogar in ­Österreich …

Also auch Exponenten der Führungsebene scheinen nicht immun gegen die „Mir san mir“-Mentalität? Österreicher: Tüchtige Unternehmen sind ohne Teamgeist und ohne Sorgfalt nicht vorstellbar. Fachliche Qualifikation vorausgesetzt, ist Vertrauen aber die Basis für jede erfolgreiche Zusammenarbeit. Auch unser Fußball-Nationalteam hat dafür ein Konzept und Zeit gebraucht. Wir gelten international als solide, Reformbereitschaft, Innovationsfreude und geschäftliche Wendigkeit sind weniger bekannt. Wir sind fleißig, aber ein ge-

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o beginnen Carl Merz und Helmut Qualtinger ihren skurrilen Sketch „Im Schreckenskabinett des Dr. Österreicher“. Das ist inzwischen schon viele Jahrzehnte her. In diesem „Kabinettstück“ wird experimentiert, ob sich nicht doch da und dort in Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit etwas verändern ließe in Richtung mehr Vernunft und Weltoffenheit, und gegen eine latente Haltung der Ignoranz.

Die Ernährung: Herr Dr. Österreicher, gilt dieses Bild der dezenten Fortschrittsverweigerung und Ignoranz in unserem Land auch heute noch – bezogen auf Lebensmittelverpackungen? Dietmar Österreicher: Also, die Frage gefällt mir, auch wenn sie gleich mehrere Fallen enthält. Das setzt ja eigentlich schon ganz oben in der Hierarchie an, egal, ob FCM- oder Lebensmittel-Betrieb: Wie sieht es aus mit Kompetenz und charakterlicher Qualität auch im Management, das wissen sollte,

© ARCHIV

Die Ernährung fragte den zuständigen Referenten im Bundesministerium für Gesundheit (BMG), was von dieser Einschätzung heutzutage im Zusammenhang mit Lebensmittelkontaktmaterialien (FCM) zu halten ist.

MR Dr. H. Dietmar Österreicher

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 39 | 06. 2015

wisses statisches Sicherheitsdenken lässt Veränderungen ungern zu: Dabei ist es gerade die Veränderung, durch die jeder von uns – durch die auch ein Unternehmen – überlebensfähig und vital bleibt. Da gibt es ja genug Vorschriften und Gesetze. Allein schon um deren wachsende Zahl und Umfang zu bewältigen, muss man ziemlich flexibel sein. Österreicher: Ja, das trifft alle, auch das bedarf ständiger Anstrengung. Aber ich meine das Interesse im Sinne eines ständigen Verbesserungsprozesses, der nicht aufgezwungen sein kann. Das muss von innen kommen und ist ein Lebens­ elixier neben der notwendigen Suche nach neuen Wegen, der Forschung. Die Konkurrenz schläft ganz sicher nicht. Bildung fördert Wissen und gibt wichtige Impulse. Hier ist auch der Staat dringend gefordert. Bleiben wir bei den FCM. Sehen Sie dort die eingangs karikierten Rückständigkeiten? Heute, kurz vor dem Jahr 2016? Österreicher: Kabarett überzeichnet; aber meistens werden Zustände freigelegt und es ist eine tiefere Wahrheit enthalten, die zum Nachdenken anregt. Aber so zwingend österreichisch scheint mir der Befund gar nicht; ähnliche Verhaltensmuster entstehen wohl aus Bequemlichkeit. Nur einige wenige erkennen immer den Zug der Zeit. Ich höre doch den verpackten Tadel; worin besteht Ihre Kritik hinsichtlich FCM genau? Österreicher: Wir brauchen zu lange, um notwendige Forderungen (Gesetzgeber, Neuerungen am Markt, u.a.) professionell umzusetzen oder mit Schwung und Servicebereitschaft zu agieren. Da sind uns oft andere, wie zum Beispiel die


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