DIE ERNÄHRUNG VOLUME 46 | 05.202

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die ernährung Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

Volume 46 | 05. 2022

Fruchtsaft machen kann nicht jeder Für ein geeintes Europa! Seite 8

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3 inhalt content

inhalt —

Liebe Leserin, lieber Leser,

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Wirtschaft economy 4 Fruchtsaft machen kann nicht jeder 8 Jahresempfang der Lebensmittelindustrie: Für ein geeintes Europa 10 Klares Bekenntnis zu Europa 12 Unsere Zukunft heißt Europa! 31 FoodDrinkEurope as strong partner in challenging times 34 Veränderungen am Lebensmittelmarkt in Russland 37 „Erst der Mensch, Friedrich, dann die Menschenordnung“

Im CEO-Interview erzählt Mag. Peter Pfanner, wie ein international erfolgreiches Familienunternehmen mit der multiplen Krisensituation umgeht. Mag. Rudolf Lukavsky, Wirtschaftsdelegierter aus Moskau, berichtet über die Lage am russischen Lebensmittelmarkt sowie die Auswirkungen für heimische Exporteure. Rechtsexperte Prof. Dr. Moritz Hagenmeyer legt mit seinem pointierten Kommentar über die Kriegsfolgen den Finger in offene Wunden. Darüber hinaus spricht Dirk Jacobs über seine Prioritäten als neuer Geschäftsführer des EU-Lebensmittelverbands FoodDrinkEurope.

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Technik technology 38 Keimbelastungen schnell nachweisen 40 Norelem: Edelstahl für Zuverlässigkeit und Hygiene 41 Wasserqualität wird immer wichtiger 42 Aseptische Abfüllung bringt Sicherheit 45 Optimierte Verpackung nicht kaufentscheidend! 48 Lebensmittel retten durch gute Verpackungen 50 Vom Backen zum Verpacken

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Wissenschaft science 51 Die Regulierung neuartiger Lebensmittel 54 AGES: 20 Jahre im Dienst der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze

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recht law 56 Menschenrechtliche Sorgfalt: Deutsches Gesetz will Lieferketten nachhaltiger machen

von der Coronapandemie über den Krieg in der Ukraine bis zur Energie- und Klimakrise: Unser Kontinent ist alarmiert. Aus diesem Grund lassen wir in dieser Ausgabe von DIE ERNÄHRUNG verschiedene Stimmen zum Schwerpunkt „Europa“ zu Wort kommen.

Auch beim Empfang der Lebensmittelindustrie stand Europa im Fokus. Erstmals seit 2019 luden wir wieder in die Wiener Hofburg. Vor rund 250 Spitzvertretern der Branche gab Prof. Dr. Martin Selmayr, Leiter der EU-Kommissionsvertretung, spannende Einblicke in die europäische Perspektive. Obmann Kommerzialrat DI Johann Marihart brachte in seiner Festrede die Herausforderungen der Lebensmittelhersteller auf den Punkt – viel Freude bei der Nachlese in Wort und Bild!

58 Impressum

Katharina Koßdorff

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Fruchtsaft machen kann nicht jeder Die Ernährung sprach mit Mag. Peter Pfanner, Geschäftsführer und Miteigentümer der Hermann Pfanner Getränke GmbH, über die besonderen Herausforderungen der Fruchtsaft- und Getränke­ produktion in Zeiten unsicherer Ernten und brüchiger Lieferketten, über die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, die Gründe für den Erfolg des Unternehmens sowie die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Export. Oskar Wawschinek

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ie Ernährung: Vorarlberg war kürzlich von sehr starken Regenfällen betroffen. Hat sich das auf Ihr Unternehmen ausgewirkt? Peter Pfanner: Zum Glück sind wir verschont geblieben. Allerdings ist es ein Hinweis darauf, dass sich seit Jahren Wetterextreme häufen, was für den Bezug von Früchten schwierig ist. Im Frühjahr wird es früher warm, sodass Fröste die Blüte gefährden. Auch Hagel wird zunehmend zum Problem. Wir müssen durch entsprechende Lagerhaltung ca. zwei Jahre abfedern, was immer schwieriger wird. Ein Beispiel: Bei Pfirsichen und Aprikosen wurden die Früchte durch Wassermangel nur 70 % so groß wie normal. Da aber der Kern immer gleich groß ist, sinkt die Saftausbeute auf rund 60 % ab. Sind noch andere Rohstoffe von den Wetterkapriolen betroffen? Pfanner: Cranberries aus Kanada litten letztes Jahr stark unter der Trockenheit. Die Ernte ist praktisch ausgefallen. Da aber auch die Sträucher Schaden genommen hatten, gab es heuer wieder eine Missernte. Dadurch sind die Preise für Cranberries insgesamt so stark angestiegen, dass weder der Handel noch der Konsument eine entsprechende Preisanpassung akzeptieren würden. Ein weiteres Beispiel sind Himbeeren: Vor zwei Jahren gab es eine schlechte Ernte und sehr hohe Preise. Letztes Jahr

war aber noch schlechter und die Preise haben sich verdoppelt. Daher hat die Industrie kaum Himbeeren eingekauft und wenig Ware wurde verarbeitet. Durch die starke Nachfrage hat sich mittlerweile der Preis für Himbeeren verfünffacht. Damit ist sie derzeit die teuerste Frucht überhaupt. Es braucht wieder Zeit, damit sich die Situation einpendelt und wieder Lager aufgebaut werden können. Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um? Ihr Unternehmen ist immerhin seit 1856 und damit seit fünf Generationen in Familienbesitz. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Pfanner: Als Familienunternehmen entscheiden wir kurzfristig und ohne lange Entscheidungsfindungsprozesse. Wir müssen keine Gremien befragen und keine Quartalszahlen für Aktionäre liefern. Das ist im Geschäftsbereich Fruchtsaft sehr wichtig, weil es hier wie beschrieben starke Schwankungen und kaum Planbarkeit gibt. Konzerne sind damit tendenziell im Nachteil, weil sie auf zwei bis drei Jahre ausgelegte Forecasts einhalten und passende Zahlen liefern müssen. Wir sind schneller, flexibler und beweglicher. Und wir denken insgesamt nachhaltiger. Wie kann man sich das vorstellen? Pfanner: Ähnlich wie in der Forstwirtschaft, wo heute Erträge vom besonnenen Wirtschaften der Generationen vorher abhängig ist und die heutigen

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Entscheidungen die Grundlage für den Erfolg der nächsten Generation bilden. Bei uns ist schon die sechste Generation im Aufbau. Ich selbst bin seit 1992 im Unternehmen und seit 1998 im Vorstand. Welcher CEO eines internationalen Konzerns ist länger als drei bis vier Jahre in seinem Job tätig? Und in dieser Kontinuität über Generationen hinweg haben wir in Veränderungen immer Chancen gesehen und weniger Risiken: beim EU-Beitritt, bei der Osterweiterung, der Globalisierung und der fortschreitenden Handelskonzentration. Seit 1998 hat sich der Umsatz – auch durch Exportoffensiven – vervielfacht. Was waren die strategischen Überlegungen dahinter? Pfanner: 1992 haben wir rund 40 Mio. Umsatz gemacht. Heuer liegen wir bei rund 329 Mio. Umsatz. Das haben wir in rund 30 Jahren aus eigener Kraft geschafft. Wir wollen keine Kopie eines Konzerns oder eines anderen Unternehmens sein. Wir haben immer ein eigenes Profil mit Stärken und Schwächen gehabt und weiterentwickelt. Unsere Marke ist unser Familienname. Da hat man einen anderen Zugang und der Kunde kann entscheiden, ob er mit einer Konzernstruktur oder einem Familienbetrieb zusammenarbeiten möchte. Deshalb spielen wir heute in der Champions League mit – auch wenn wir diese nicht gewinnen werden.


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Braucht es Größe oder gilt „Small is beautiful“? Pfanner: Die Politik und viele Konsumenten wünschen sich oft kleine Betriebe, die quasi „rund um den Kirchturm“ produzieren. Der Lebensmittelhandel denkt da aber anders. Wer 1.000 Filialen hat, die er beliefern muss, braucht einen schlagkräftigen Partner, der da mitkann. Auch in Deutschland hören wir oft: „Ihr habt gute Lebensmittelqualität in Österreich, aber ihr könnt nicht genug liefern.“ Größe ist somit sicher Fluch und Segen zugleich – denn der Handelskunde diktiert Bedingungen, beeinflusst Margen, und so wird die Industrie immer mehr zum Sklaven der Handelsstruktur. Daher haben wir früh begonnen, den Export als Standbein auszubauen und liefern heute in 80 Länder der Welt rund 1.000 verschiedene Artikel. So verteilt sich auch das Risiko. Wie hoch ist der Exportanteil aktuell? Pfanner: Wir exportieren rund 80 % des Produktionsvolumens ins Ausland und schaffen ca. 70 % Wertschöpfung hier im Land. Wie sehen Sie als exportorientiertes Unternehmen die Bedeutung des Binnenmarkts? Pfanner: Wir haben den EU-Beitritt als Chance gesehen und genutzt. Der Binnenmarkt hat sicher hohe Bedeutung und ist ein wahres Erfolgsrezept gewesen. Aber wir denken noch größer und setzen auch auf Differenzierung über Märkte, weshalb wir weltweit in 80 Länder liefern. Das macht uns unabhängiger. Welche Auswirkungen haben die Verwerfungen bei Rohstoffen und Lieferketten – auch durch den Krieg in der Ukraine, wo Sie eine Produktionsstätte haben? Pfanner: Unser Standort in der Ukraine ist zum Glück bisher noch nicht direkt vom Krieg betroffen, aber viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es war immer schwierig, aber jetzt haben wir auch eine Verantwortung für diese Menschen, die direkt oder indirekt betroffen sind. Die Erträge sind derzeit noch weniger vorhersehbar und planbar als bisher. Das ist aber bei Eigentum in einem Familienbetrieb immer so. Wir

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werden das aussitzen und unsere Verantwortung wahrnehmen. Natürlich sind die weltweiten Probleme in Lieferketten auch für uns spürbar, wie ich am Beispiel des Früchteeinkaufs gezeigt habe. Auch Kostensteigerungen bei Verpackungen, Energie und Logistik treffen uns wie alle anderen Betriebe hart. Wir versuchen, durch kluge und besonnene Entscheidungen so weit wie möglich auszugleichen. Wirken sich die Sanktionen gegen Russland auf Sie aus? Pfanner: Russland ist eines unter vielen Exportländern. Es gab auch schon früher immer wieder Hürden und Einschränkungen, teilweise auch durch Russland. Durch unsere Differenzierung auf viele Märkte ist das kein Problem für uns. Wie sieht es beim Gas aus? Sind Sie betroffen? Pfanner: Wir sind von Gas abhängig wie viele andere Betriebe der Lebensmittelindustrie auch. Ein Standort wurde schon immer mit Öl betrieben und zwei Standorte haben wir jetzt vorsichtshalber umgerüstet.

Was halten Sie von den Sanktionen gegen Russland? Pfanner: Das Embargo ist nachvollziehbar. Im 21. Jahrhundert kann es nicht sein, dass eine solche Aggression einfach durchgehen kann. Da muss allen Anfängen gewehrt werden. Aber generell sollten sich der Staat und die EU aus Marktmechanismen heraushalten. Handel und Wirtschaft müssen gestärkt, nicht reguliert und verkompliziert werden. Wie der erfolgreiche Binnenmarkt zeigt, führt das zu Wohlstand für alle. Was würden Sie sich für die Zukunft von der EU-Politik wünschen? Pfanner: So erfolgreich der Binnenmarkt war, hat er doch zu einer Strukturveränderung geführt. So haben ca. die Hälfte der Lebensmittelbetriebe zugesperrt, während die anderen gewachsen sind. Wichtig wäre jetzt, Barrieren in andere Märkte abzubauen. Da sind jetzt nicht gleich die USA, Indien oder China gemeint – sehen Sie nur in die nächste Nähe: Wir leben hier an der Grenze zur Schweiz, und das ist eine Hürde. Auch Drittländer wie Serbien agieren oft einseitig – wir öffnen Möglichkeiten

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dass diese Form der Produktion die bislang fairste ist. Und natürlich gibt es auch Menschen, denen dieser Aspekt nicht wichtig ist.

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Pfanner-Zentrale

zum Import in die EU, stehen aber vor Schwierigkeiten, wenn wir dorthin exportieren wollen.

möglichst große Bandbreite von Wünschen abzudecken. Das bedeutet, laufend beweglich zu bleiben und Innovationen bei Produkten und Verpackungen voranzutreiben.

Ihr Produktsortiment spiegelt die Bandbreite der gesellschaftlichen Anforderungen wider – von Bio über Fairtrade bis zu laufenden Innovationen. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und Potentiale – speziell im Export? Pfanner: Für uns sind die Kundinnen und Kunden der wichtigste Taktgeber. Wir können nur erfolgreich jene Produkte verkaufen, die auch von den Konsumentinnen und Konsumenten nachgefragt werden. Daher beobachten wir alle Märkte genau und versuchen auch hier, mit entsprechender Differenzierung eine

Wie sehen Sie den österreichischen Markt? Gibt es hier im internationalen Vergleich spezielle Entwicklungen oder Tendenzen? Pfanner: In Österreich wird z. B. Fairtrade sehr gut angenommen – weltweit liegen wir unter den Top-Fünf-Ländern. Beim Orangensaft macht Fairtrade etwa 10–15 % aus. Allerdings bedeutet das auch einen um 20–25 % höheren Preis. Das können sich nicht alle Menschen leisten, selbst wenn sie wissen,

about

Zum Unternehmen —

• gegründet 1856 • 100% Familienunternehmen, in 5. Generation • Branche: Nahrungs- und Genussmittelindustrie • 2021: 329 Mio. EUR Umsatz

• 1.000 Mitarbeiter europaweit, 450 in Österreich • 5 Produktionsstätten: Verarbeitung v. 120.000 t Früchten / Jahr für die eigene Produktion • 12 Tochterunternehmen • 83% Exportquote, Export in über 80 Länder weltweit • weltweit größter FAIRTRADEPartner im Fruchtsaftbereich (Partner seit 2001) • Marktführer in DE im Eisteemarkt (seit 2001)

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Wird die steigende Inflation dabei eine Rolle spielen? Pfanner: Diese Situation dauert bei uns noch nicht lang genug, um das abzuschätzen. Wenn wir uns aber die Lage in den 80 Märkten weltweit ansehen, gibt es sehr unterschiedliche Situationen. Wenn z. B. am Balkan ein Arbeitnehmer 500 Euro netto verdient, kann der nicht viel sparen. In Westeuropa ist das hingegen noch besser. Sehr viele Preise sind aber vom Lebensmittelhandel über Aktionen gesteuert. Der Preis wirkt da als Instrument, als eine Art „Motivationsschleuder“. Als ich in der HAK war, haben die Menschen noch rund 30 % ihres Einkommens für Lebensmittel ausgegeben und alles hat funktioniert. Jetzt sind es nur mehr rund 10 %. Da hat sich die Wertigkeit von Lebensmitteln verschoben – für ein Handy werden bedenkenlos 1.000 Euro ausgegeben. Und als Treibstoffe über 2 Euro gekostet haben, haben die Menschen trotzdem getankt, weil sie keine Wahl haben – unsere Strukturen sind über die Jahre so gestaltet worden, dass Mobilität notwendig ist. Wie stehen Sie zur Diskussion um eine Herkunftskennzeichnung? Pfanner: Gesellschaft und Konsumenten werden heterogener. Da muss die Industrie mitziehen. Ob der Konsument nun Fairtrade, Bio aus Österreich oder von woanders bevorzugt – der Markt steuert die Produktion, nicht der Staat. Wir machen z. B. regionalen Apfelsaft aus Österreich, aber auch aus Bayern und Baden-Württemberg. Wenn der Konsument den notwendigen Preis dafür bezahlt, bekommt er die gewünschten Produkte. Ein staatlicher Eingriff ist weder sinnvoll noch hilfreich. Welche Entwicklungen sehen Sie bei Verpackungen – von Glas über PET und Dose bis zum Verbundkarton? Pfanner: Wir investieren jedes Jahr in Technik wie Verpackungslinien etc. Allerdings brauchen Investitionen ca.


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Wie sehen Sie die zunehmenden Ansätze zur Regulierung von Lebensbereichen, speziell im Hinblick auf Lebensmittel und Getränke (z. B. Stichwort Zucker)? Pfanner: Auch hier bin ich der Meinung, dass der Staat nicht alles „von der Wiege bis zur Bahre“ regeln soll. Das ist Unfug. Im Gegenteil, Eigenverantwortung der Menschen ist zunehmend gefragt, und da soll der Staat nicht dauernd eingreifen. Die Menschen müssen lernen, dass Fruchtzucker nicht dasselbe ist wie zugesetzter Zucker, und was Süßungsmittel sind. Fruchtsaft ist flüssiges Obst und das enthält von Natur aus eben Zucker. Aber sehen Sie sich die Mengen an: In Österreich trinken wir rund 30 Liter pro Kopf und Jahr. Das ist ein Achtel am Tag – wo soll bei dieser Menge das Problem sein? Ich selber trinke ein Viertel am Tag – ein Liter ist sicher zu viel. Aber diese Einschätzung soll jeder selbst treffen und mit Maß und Ziel genießen. Der Staat soll da nichts vorschreiben. Denn warum wird immer nur eine Zuckergrenze bei Getränken diskutiert? Das ist wohl nicht nachvollziehbar. Da braucht es mündige Konsumentinnen und Konsumenten. Denn an Süßstoffe als generell Alternative glaube ich nicht. Könnte eine verstärkte Ernährungsbildung helfen, dass die Menschen einen besseren Zugang zum Thema Ernährung entwickeln? Pfanner: Wenn der Staat in Ernährungsbildung investiert und in den Schulen Wissen vermittelt wird, macht das meiner Meinung nach mehr Sinn

person

Zur Person — Biographie Mag. Peter Pfanner ist Absolvent der Handelsakademie in Bregenz. 1992 schloss er sein Studium an der Universität Innsbruck mit dem Schwerpunkt Marketing & Unternehmensführung ab. Im selben Jahr stieg er ins Familienunternehmen ein und begann seine Tätigkeiten in der Export-Abteilung. Seit 1998 ist Peter Pfanner Unternehmensvorstand für Vertrieb, Einkauf und Marketing der Hermann Pfanner Getränke GmbH. Peter Pfanner ist verheiratet und hat drei Kinder. Zu seinen Hobbys zählt er Skifahren, Fußball und lesen.

als Verbote und Eingriffe in den Markt. Immer wenn der Staat umfassend in Marktmechanismen eingreift, geht das schief – denken Sie an die frühere Planwirtschaft in vielen Staaten Osteuropas, die als gescheitert gelten darf. Wie sehen Sie die Bedeutung von Werbung und die Diskussionen über mögliche Werbeverbote für Kinder für bestimmte Lebensmittel, besonders zuckerhaltige? Pfanner: Auch hier gilt aus meiner Sicht: Der Staat soll nicht im Detail in die Entscheidungen der Menschen eingreifen. Werbung darf kein Betrug sein, keine Frage. Aber solche Beschränkungen machen weniger Sinn als Ernährungsbildung und freie Entscheidungen mündiger Bürgerinnen und Bürger. Der Staat kann im Sinne von Rahmenbedingungen Informationen z. B. über Nachhaltigkeit und die Auswirkungen verschiedener Verpackungssysteme aufklären, aber nicht entscheiden, was die Bürgerinnen und Bürger kaufen dürfen. Wie zufrieden sind Sie generell mit dem Standort Österreich? Pfanner: Wir haben hier unser Stammhaus und sind hier verwurzelt. Wir haben in Österreich sichere Verhältnisse und geben dafür vielen Menschen Arbeit.

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10 bis Jahre, bis sie sich amortisiert haben. Daher ist für uns Planbarkeit wichtig, und politisch motivierte, kurzfristige Neupositionierungen bei Verpackungen sind alles andere als hilfreich. Wir zahlen für die ARA, die Ökobox etc. Aber der Staat soll Rahmenbedingungen schaffen und nicht in Marktmechanismen eingreifen. Denn es kann aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten gute Gründe geben, in verschiedenen Lebenssituationen zu verschiedenen Verpackungsformen zu greifen. Bei einer Wanderung z. B. ist eine Mehrweg-Glasflasche weniger attraktiv als eine rePET-Flasche mit kaum Gewicht.

Haben Sie Wünsche an die Bundesregierung – speziell in Hinblick auf Export und Wettbewerbsfähigkeit? Pfanner: Wichtig ist mir, dass der Staat den Menschen Selbständigkeit bei Entscheidungen ermöglicht und nicht dauernd regulierend in alle Lebensbereiche eingreift. Beim Export würde ich mir wünschen, dass von der Politik mehr Anstrengungen zum Abbau von weltweiten Handelshemmnissen unternommen werden. Der Erfolg österreichischer Lebensmittel auf der ganzen Welt beruht schließlich nicht auf dem niedrigsten Preis – im Gegenteil. Die hohe Qualität ist der Schlüssel zum Erfolg. Für unsere Qualität gibt es Exportmärkte. Um diese Chancen nutzen zu können, brauchen wir leistungsfähige Betriebe im eigenen Land. Gerade im Hinblick auf den Arbeitsmarkt brauchen wir Zuwanderung von gut qualifizierten und integrationswilligen Menschen. Da gibt es viel zu tun. Was ist Ihr Lieblingsessen? Pfanner: Das ist eindeutig ein steirisches Backhendl mit Kartoffelsalat und Kürbiskernöl. Dabei ist mir wichtig, dass es ein ganzes Huhn guter Qualität mit Knochen ist und nicht nur Fleischstücke. Und dazu genieße ich gerne ein Glaserl steirischen Wein.

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Jahresempfang der Lebensmittelindustrie: Für ein geeintes Europa Krisen belegen: Leistungsfähige Lebensmittelindustrie und starker EU-Binnenmarkt sind Basis für funktionierende Wirtschaft und sichere Versorgung. Oskar Wawschinek

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nsere Zukunft heißt Europa! – unter diesem Motto lud die österreichische Lebensmittelindustrie am 13. September 2022 zu ihrem 19. Jahresempfang. Im Zentrum des Abends standen die Bedeutung der Branche in Österreich und Europa, der Umgang mit Krisen und Herausforderungen wie Gasversorgung oder Teuerung sowie Chancen für die Zukunft. Im festlichen Ambiente der Hofburg Wien trafen rund 250 Spitzenvertreterinnen und -vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie Partner entlang der gesamten Lebensmittelkette zusammen.

Fachverbandsobmann Marihart: Brauchen ein klares Bekenntnis zu Europa und dem EU-Binnenmarkt Die Lebensmittelindustrie zählt zu den Top-Industriezweigen in Europa und in Österreich. Sie versorgt Millionen Menschen verlässlich mit guten, sicheren und genussreichen Lebensmitteln. „In den

vergangenen zwei Jahren hat die Branche eindrucksvoll gezeigt, dass sie mit Krisen umgehen kann. Die Versorgung der Bevölkerung war zu jedem Zeitpunkt gesichert“, betonte der Obmann des Fachverbands der Lebensmittel­ industrie, KR DI Johann Marihart. Doch die Herausforderungen bleiben immens. Sie reichen von den gestiegenen Kosten für Energie, Verpackung, Logistik und Rohstoffe über die unsichere Energieversorgung bis zu unterbrochenen Liefer-Logistikketten sowie dem Mangel an Arbeitskräften. Ein heißes Thema ist die medial präsente Verteuerung von Lebensmitteln. Maßgeblich dafür sind gestiegene Kosten: Der Ukraine-Krieg und die Inflation haben die Ausgaben für Energie, Rohstoffe, Verpackungen und Logistik massiv in die Höhe getrieben. „Wir stecken in einer Teuerungswelle von historischem Ausmaß. Diese trifft die Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch die Unternehmen. Für viele Betriebe geht es um das wirtschaftliche Überleben“, so Marihart. Auch die Risiken der Gasversorgung machen der Branche zu schaffen: Die Lebensmittelproduktion ist mit wenigen Ausnahmen zu 100 Prozent erdgasabhängig.„Angesichts

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der schwierigen Zeiten braucht es eine leistungsfähige Lebensmittelindustrie in einem starken EU-Binnenmarkt – und es braucht mehr denn je ein Bekenntnis zu Europa“, so der Appell des Fachverbandsobmanns.

Leiter der EU-Kommissionsvertretung Selmayr: Lebensmittelindustrie ist europäischer Wirtschaftsmotor Anschließend begrüßte die bekannte ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann den Keynote-Speaker Prof. Dr. Martin Selmayr. Der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich betonte in seiner viel beachteten Rede die Bedeutung der Lebensmittelindustrie als Wirtschaftsmotor in Europa. Mit rund 4,5 Millionen Beschäftigten und 1,1 Billionen Euro Jahresumsatz ist die Lebensmittelindustrie einer der wichtigsten Produktionssektoren und der größte Arbeitgeber in der Europäischen Union. Als weltgrößter Exporteur von Lebensmitteln schafft die


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© Husar/FV

Martin Selmayr, Katharina Koßdorff, Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart

europäische Lebensmittelindustrie einen positiven EU-Handelsüberschuss von jährlich 67 Milliarden Euro. 75 Prozent der Lebensmittel und Getränke sind für den Binnenmarkt bestimmt. „Ein funktionierender EU-Binnenmarkt ist essenziell für den Erfolg der Unternehmen und das Wohlergehen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich und in Europa. Nationale Alleingänge schaden dem EU-Binnenmarkt“, ist der EU-Botschafter überzeugt. Gerade die österreichische Lebensmittelindustrie stehe als Branche zum Binnenmarkt und nutze diesen erfolgreich für den Export von Lebensmitteln und Getränken. Das sei beachtlich. Weiters ging EU-Spitzenvertreter Selmayr auf die Herausforderungen der EU angesichts des Kriegs von Russland gegen die Ukraine ein und erläuterte die europäischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Energieversorgung und der steigenden Inflation.

Fachverbandsgeschäftsführerin Koßdorff: Nationale Alleingänge gefährden den EU-Binnenmarkt Auch für die Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Mag. Katharina Koßdorff, ist ein funktionierender EU-Binnenmarkt unerlässlich: „Wir brauchen einheitliche Spielregeln, einen wirksamen Rahmen für Export und Import sowie faire Handelsabkommen.“ Gerade jetzt gelte es, die Stärken der Branche zu stärken, etwa mit der Wiederaufnahme der Exportinitiativen des Landwirtschafts- und Wirtschaftsministeriums. Nationale Alleingänge – zum Beispiel bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln – bewirken das Gegenteil und schwächen die Hersteller. „Nur wenn wir in Europa gemeinsam vorgehen, werden wir in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein!“, appellierte Koßdorff.

Angesichts der anhaltenden Krisen bleibt die Lage für die Hersteller sehr angespannt. Die Teuerungen bringen viele Betriebe wirtschaftlich ans Limit, und ohne Gas stünde die Produktion still. „Die Lebensmittelindustrie gehört zur kritischen Infrastruktur. Daher können wir nur an die Politik appellieren, den Lebensmittelherstellern und ihren Partnern entlang der Lebensmittelkette im Energielenkungsfall die für die Produktion benötigten Mengen an Gas zur Verfügung zu stellen. Dazu zählen auch die Hersteller von Lebensmittelverpackungen oder Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Nur so lässt sich die Lebensmittelversorgung in Österreich weiterhin gewährleisten“, so Koßdorff. Angesichts der aktuellen Debatte über Strompreise müsse außerdem das Strommarktdesign auf EU-Ebene überdacht werden. Darüber hinaus betonte Koßdorff den Einsatz der Branche für eine nachhaltige Lebensmittelherstellung im Rahmen des European Green Deals und der europäischen „Farm to Fork“-Strategie.

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© Adobe stock – Nikolay Popov

Klares Bekenntnis zu Europa Rede zur Eröffnung des Empfangs der Lebensmittelindustrie am 13. September 2022 im Zeremoniensaal der Hofburg in Wien Johann Marihart

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ls wir uns das letzte Mal hier im Juni 2019, also vor über drei Jahren, trafen, haben wir uns die seither gemachten Erfahrungen nicht im Albtraum vorstellen können: Damals – nach einer langen Phase durch Globalisierung und Nullzinsen getriebener Prosperität – beschäftigte uns der „New Green Deal“ als ambitioniertes EU-Programm gegen den Klimawandel. Und dann stellte ein Virus die Welt buchstäblich auf den Kopf und führte zu rigiden Einschränkungen des öffentlichen Lebens, der Reisefreiheit und zur Unterbrechung globaler Lieferketten. Weltweit schossen Energie- und Rohstoffpreise in die Höhe, verschärft durch

physische Verknappung infolge des Ukraine-Kriegs mit Russland. Die Sanktionspolitik der westlichen Welt bekam ihre Antwort von der russischen Energieseite, in deren extremer Abhängigkeit Europa steht. Und heute stecken wir in einer kaum bewältigten Coronapandemie, nicht wissend, was die nächste Mutante bringt. Wir ängstigen uns mehr und mehr vor der sich offensichtlich exponentiell verstärkenden Klimakrise mit Extremwetterphänomenen rund um den Globus, die sich nunmehr auch in Europa besonders bemerkbar macht. Die schier ausweg­lose politische Konfliktsituation vor unserer EU-Haustür trägt das Ihrige zur Kostenexplosion und Teuerungswelle bei,

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wofür gerade Schuldige auch in unseren Reihen gesucht werden und wogegen wir uns – selber Opfer – zur Wehr setzen! Angesichts dieser Dichte an krisenhaften Ereignissen und Problemen hat unsere Lebensmittelbranche Einsatz und Stärke bewiesen: Die Versorgung mit Lebensmitteln war zu jedem Zeitpunkt gesichert – doch die Lage ist unübersichtlich und ernst. Nicht zuletzt sind auch unsere Lebensmittelbetriebe mehrfach unmittelbar von den Folgen betroffen: Sie reichen von den Kosten für Energie und Rohstoffe über die unsichere Energieversorgung bis hin zu unterbrochenen Liefer-Logistikketten und Arbeitskräftemangel.


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Johann Marihart

Ich glaube, für alle sagen zu können, in diesen mehrfach fordernden Zeiten hat unsere Branche – haben Sie, sehr geehrte Fachverbandsmitgliedsbetriebe – eindrücklich unter Beweis gestellt, dass Sie mit Krisen nicht nur umgehen, sondern sie bewältigen können. Allerdings: Der Dauer-Krisenmodus ist zum Alltag geworden und die Herausforderungen sind immens – von der allgemeinen Teuerung bis zur Zukunft der Gasversorgung, weil Ukraine-Krieg und Inflation die Kosten in die Höhe treiben: Energie- und Rohstoffsowie Verpackungs- und Logistikkosten, die bei vielen von uns für 80 % der Kosten stehen, treiben die Lebensmittelpreise. Die Lebensmittelproduktion ist mit wenigen Ausnahmen zu 100 % erdgasabhängig. Natürlich treffen alle von uns Vorkehrungen, diese Abhängigkeit zu mindern – sei es durch Einsparung, andere fossile Energieträger oder Umstieg auf erneuerbare Quellen. Allerdings kann das alles den Bedarf an Erdgas nicht so schnell kompensieren, sodass ohne Gas unsere Produktion stillsteht. Daher unsere Appelle an die Politik, der Versorgung mit Lebensmitteln jede Priorität einzuräumen. Bei all den schwierigen Zeiten braucht es mehr denn je eine leistungsstarke Lebens-

mittelindustrie in einem stabilen EU-Binnenmarkt, braucht es mehr denn je ein Bekenntnis zu einem einigen Europa! Die Einführung des EU-Binnenmarkts vor fast 30 Jahren war für unser Land und unsere Industrie ein Meilenstein. Dieser Binnenmarkt steuert heute zwei Drittel zu unseren Umsätzen bei und bringt damit die für Innovation und Wachstum notwendige Größe. Wir als österreichische Lebensmittel­ industrie stehen heute für 9 Mrd. Euro Produktionsvolumen und sind geografisch in vielen Märkten der Welt sowie in vielen Branchen breit aufgestellt. Wir stehen mit unseren verbundenen Wirtschaftszweigen für 16 Mrd. Euro an Wertschöpfung! Das entspricht immerhin rund 10% der gesamten lndustrieleistung. Wir waren und sind verlässliche Partner mit garantierten Abnahmemengen und bieten garantierte Versorgung. Unsere 200 Unternehmen sichern damit 27.000 direkte und 150.000 verbundene Arbeitsplätze in unserem Land! Wir sind Teil der Agrarund Lebensmittelwirtschaft, in der jede und jeder Sechste in Österreich beschäftigt ist. Jeder Wertschöpfungs-Euro bei uns löst 1,23 weitere Euros in den vorund nachgelagerten Bereichen aus.

Ich möchte mit einem Bekenntnis zu Europa schließen: Die Krisen unserer Zeit zeigen, dass Isolation erpressbar macht, dass auch Gewohntes, Selbstverständliches rasch zum knappen Gut werden kann – so ist auch die Versorgung und Leistbarkeit von Lebensmitteln nicht selbstverständlich, obwohl diese in den vergangenen Jahrzehnten einen immer kleiner werdenden Anteil unseres Einkommens beansprucht haben. Was geopolitisch vorgeht, können wir als Branche nicht wirksam beeinflussen, aber wir können uns bestmöglich vorbereiten. In Mangelsituationen gedeiht der Egoismus besonders gut. Daher braucht es gerade da einheitliche Regeln für alle in der EU. Nationale Alleingänge gefährden den Binnenmarkt mit seinen Segnungen. Abschottung und Renationalisierung sind Gift für Innovation, Wachstum und Vielfalt. Deshalb haben wir nur eine gemeinsame Zukunft – und diese ist europäisch! KR DI Johann Marihart, Obmann des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, Wien

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Unsere Zukunft heiSSt Europa! Festrede von Prof. Dr. Martin Selmayr, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, beim 19. Empfang der Lebensmittelindustrie in der Wiener Hofburg Oskar Wawschinek

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s ist mir eine Ehre und Freude, in diesem festlichen Rahmen sprechen zu können und Sie alle wieder persönlich zu sehen. Das ist das Wichtigste an diesem Tag nach den drei Jahren, in denen wir von der Covidpandemie an diesen persönlichen Begegnungen gehindert wurden. Es sind wirklich furchtbare Zeiten – für die Menschen in der Ukraine. Dort fallen Bomben auf Häuser. Dort sterben jeden Tag Hunderte, ja Tausende von Menschen. Nicht nur Soldaten, sondern auch Menschen aus der Zivilbevölkerung. Häuser werden vernichtet, Raketen fallen auf Elektrizitätswerke. Ein Atomkraftwerk wird beschossen. Was in der Ukraine stattfindet – und das sollten wir nie vergessen, wenn wir in Wien an einem so schönen Abend zusammensitzen – ist ein beispielsloser Zivilisationsbruch, den der Angriffskrieg Wladimir Putins ausgelöst hat. Wenn wir uns beklagen, wenn wir Sorgen haben, haben wir einen guten Grund dazu. Aber ich bitte Sie, nie zu vergessen, was in der Ukraine los ist. Dagegen relativiert sich einiges, was wir zu erleiden haben. Auch für Europa und für Österreich sind das keine einfachen Zeiten. Und gerade Sie in der Lebensmittelbranche wissen, wovon ich spreche. Obmann Marihart hat es bereits angesprochen: Wir haben eine historisch hohe Inflation in Europa. Im August waren es 9,1 % in der Eurozone. Und das wird in diesem Jahr nicht viel besser werden, sagen die Experten. Das wirkt sich natürlich auch auf und über die Lebensmittelpreise aus. Im August stiegen diese mit 10,6 % sogar höher als die allgemeine Inflationsrate.

Noch schlimmer sind aber der Anstieg der Energiepreise, die Energiepreis­ inflation, die steigenden Gaspreise. Im August stiegen die Energiepreise in der Eurozone um 38,3 %. Nur damit man einmal eine Vorstellung hat, was das bedeutet: So etwas haben wir noch nie erlebt. Die Gaspreise sind heute 10 Mal so hoch wie vor der Krise. Wir wissen in den Regierungszentren der Europäischen Union und natürlich auch in der Europäischen Kommission, dass gerade die Lebensmittelproduktion sehr stark von Erdgas abhängig ist. Viele Unternehmen bereiten sich auf die jetzige Lage vor. Viele versuchen Alternativen zu suchen – ob es der kurzfristige Umstieg auf Erdöl ist oder dieses zumindest als Back-up verfügbar ist. Viele Betriebe der Lebensmittelbranche – und ich habe viele Betriebe in Österreich in den letzten Monaten und Wochen besucht – investieren seit Jahren in Erneuerbare Energien, und nicht erst, seit der Krieg ausgebrochen ist. Sie waren vorausschauend und innovativ. Dabei werden Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft sowie Biomasse genutzt. Aber viele von Ihnen machen sich trotzdem Sorgen, ob das alles reicht und wir durch den Winter kommen. Ich möchte Ihnen heute vier Punkte sagen, warum ich glaube, dass wir nicht in eine katastrophale Untergangsstimmung einstimmen sollten, sondern dass wir ein paar Aspekte haben, die uns auch etwas zuversichtlich stimmen sollten. Der erste Punkt ist, dass diese Krise, die wir gerade erleben, also die Folgen des Kriegs Russland mit der Ukraine, auf eine relativ gute Wirtschaftslage in Europa trifft. Da haben wir eigentlich ein bisschen Glück gehabt. Stellen Sie sich

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einmal vor, wir wären in einer Rezession gewesen! Derzeit haben wir im Euro-Raum ein Wirtschaftswachstum von 3,1 %. Wenn man sich die Tagesnachrichten anhört, hat man nicht diesen Eindruck. Aber das ist natürlich die Folge des Herauswachsens aus den Lockdowns und der Pandemie. Das ist doch positiv! Wir haben eine starke Volkswirtschaft in der EU, in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Sehen wir uns die Arbeitslosigkeit an: Wenn ich auf der Straße die Menschen höre, denke ich, wir sind in einer Massenarbeitslosigkeit. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben zurzeit den höchsten Stand bei der Beschäftigung, seit wir diese messen. 6 % Arbeitslosigkeit sind natürlich immer noch eine gewisse Menge – aber die meisten von Ihnen haben derzeit eher das Problem, Arbeitnehmer zu finden. Es sind allein im zweiten Quartal dieses Jahres in Europa um die 600.000 Menschen mehr in Beschäftigung gekommen. Ich sage das nicht, um etwas zu beschönigen – aber wir müssen uns schon klar darüber sein, wo wir stehen. Kommen wir zum zweiten Punkt. Es ist gar nicht so einfach, das im deutschsprachigen Raum zu sagen: Die gemeinsam von den 27 Staaten gegen Russland beschlossenen Sanktionen wirken. Man sieht es jeden Tag, wenn man sich die Berichte von der Front in der Ukraine ansieht. Diese Sanktionen sind nicht populär. Sie sind aber die gemeinsame europäische Antwort auf einen beispiellosen Zivilisationsbruch. Wir versuchen alles zu tun, damit Putin mit diesem Krieg aufhört. Denn wir sind erst aus dieser Situation heraußen, wenn dieser Krieg endet. Und dieser Krieg muss doch aufhören. Das ist unsere gemeinsame


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© Husar/Fachverband

Martin Selmayr

Überzeugung. Das Töten muss aufhören, Putin muss aufhören. Und dazu muss der Druck auf ihn erhöht werden. Und genau das tun die Sanktionen. Die russische Wirtschaft bricht zurzeit jeden Tag ein Stück weit ein. Glauben Sie nicht den Propagandazahlen. Wir können das genau sehen: Panzer bleiben an der Front liegen, weil in ihnen nicht mehr die Halbleiter drin sind, die man braucht, um Panzer zu betreiben, sondern Chips aus Spülmaschinen. Die Wende der letzten Tage zeigt das: Sehr lange wird Putin diesen Krieg nicht durchhalten. Dieser Krieg wird irgendwann zu Ende gehen. Nicht morgen, nicht übermorgen – weil es ein diktatorisches Regime ist, kann es die Bevölkerung länger unterdrücken. In sechs bis acht Monaten geht Putin die wirtschaftliche Puste aus. Darauf müssen wir hinarbeiten. Das dritte Faktum: Wir müssen uns als Europäische Union aus der fatalen Abhängigkeit von russischem Gas lösen – und zwar gemeinsam. Wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht – alle zusammen. Dass wir als EU insgesamt zu 40 % abhängig von russischen Gaslieferungen sind, ist ein historischer Fehler gewesen. Da haben viele mitgewirkt, in vielen Ländern und über Parteigrenzen hinweg. Wir haben nicht zugehört, als uns die baltischen Staaten und viele in Mittel- und Ost-

europa gesagt haben: „Traut Putin nicht!“ Von 40 % Abhängigkeit am Beginn des Konflikts im Februar sind wir mittlerweile auf neun Prozent heruntergekommen. Den Rest haben wir durch Lieferungen aus dem Rest der Welt substituiert. Der größte Lieferant von Gas nach Europa ist mittlerweile Norwegen. Auch andere Staaten leisten einen Beitrag: USA, Algerien, Aserbaidschan und Israel. Das lässt mich viel ruhiger schlafen. Diese Reduktion der Abhängigkeit von insgesamt 40 auf neun Prozent war jedenfalls eine gute Leistung. In Österreich gab es eine besondere Situation: Es ist zu 80 % von russischem Gas abhängig, was aber mittlerweile auf 50 % reduziert werden konnte. Das ist im Durchschnitt immer noch sehr hoch, aber man ist immerhin 30 Prozentpunkte heruntergekommen. Wir haben gemeinsam in Europa Vorsorge für diesen Winter getroffen. Wenn geheizt werden muss und zusätzlich zum Verbrauch in Industrie und Produktion die Haushalte viel Gas brauchen, weil diese Heizform – auch in Österreich – noch häufig vorkommt, brauchen wir genug Gas. Deshalb haben wir die Gasspeicher in Europa durch gemeinsamen Beschluss befüllt. Als die ersten Planungen im März begannen, gab es Skepsis, ob es zu schaffen sei, bis November 80 oder 85 %

Füllstand zu erreichen. Wir haben es gemeinsam geschafft – heute sind die Gasspeicher in Europa im Durchschnitt zu 85 % gefüllt. In Österreich, wo die Speicher besonders groß sind, liegen wir heute bei 71,17 %. Das sind große Reserven, die zur Verfügung stehen. Selbst wenn alle Stricke reißen, werden wir, wenn wir solidarisch sind und etwas Energie einsparen, ohne größere Einschnitte durch diesen Winter kommen. Niemand sollte fürchten, dass der Ofen kalt bleibt und er sieben Pullis in der Wohnung braucht. Lassen Sie sich nicht von Geschichten in Sozialen Medien in die Irre führen. Wir haben es gemeinsam geschafft, das fehlende Gas zu ersetzen. Aber wir dürfen uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen, denn es wird ein weiterer Winter kommen. Der letzte Punkt, der mich zuversichtlich stimmt, ist die Erfahrung mit der Coronapandemie. Seit der Spanischen Grippe wurde zum ersten Mal wieder in dieser Dimension alles auf den Kopf gestellt. Nach dem ersten Schock haben wir in Europa dann gemeinsam diese Krise bewältigt. Wir sitzen heute wieder hier zusammen und können gemeinsam feiern. Das Wirtschaftswachstum hat wieder angezogen und wir haben keine Massenarbeitslosigkeit. Das ist doch ein schöner Erfolg.

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Europa ist ein reicher Kontinent und kann es sich leisten, Kurzarbeitsprogramme aufzulegen und mit den Mitteln des Staates zwei Jahre lang aufrechtzuerhalten. Wir schaffen es, den Bürgerinnen und Bürgern auch in dieser Krise Ausgleiche für Inflation und Energiekostensteigerungen direkt in ihre Haushalte zu schicken. Wir sind ein reicher Kontinent. Daran sollten wir denken – andere haben mehr Grund zu klagen als wir. Warum ich glaube, dass wir als Kontinent Europa gut durch diese Krise kommen werden, liegt natürlich auch an Ihnen. Die Lebensmittelindustrie in Europa ist ein ganz wichtiger Motor der Wirtschaft. Und die Branche ist sehr resilient, wie wir in der Coronapandemie gesehen haben. 290.000 Betriebe gibt es in der europäischen Lebensmittelindustrie. 99 % davon sind sogenannte kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Diese treiben Innovation voran. Diese Betriebe sind Schlüsselarbeitsgeber, ja in der Hälfte der Mitgliedstaaten ist die Lebensmittelindustrie sogar der größte Arbeitgeber im produzierenden Bereich. Über die österreichische Lebensmittel­ industrie muss ich hier und heute nichts sagen – ich sitze immerhin zwischen der Chefin von Milka in Österreich und dem CEO von Manner. Hier in Österreich habe ich in der Covidkrise erlebt, wie die Lebensmittelindustrie verlässlich die Versorgung sichergestellt hat. Dafür verdienen Sie alle, mit allen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unseren Respekt und unsere Anerkennung und hoffentlich auch gute Gehälter in der nächsten Lohnrunde. Ich freue mich, dass Sie auch in dieser schwierigen Situation weiterhin starke Unterstützer des „Green Deals“ sind. Dafür möchte ich mich bedanken. Denn man hört ja oft: „Zuerst gab es Covid, dann Krieg – wir haben wirklich keine Zeit fürs Klima.“ Sie gehören aber nicht zu dieser Gruppe. Sogar die Strategie „Vom Hof auf den Tisch“, die nicht überall positiv gesehen wird, findet Ihre Unterstützung. Sie sind eine der wenigen Branchen, die den Begriff Binnenmarkt positiv verwendet. Viele haben ihn schon vergessen. Es gab einmal einen Kommissionspräsidenten, der sagte: „In einen Binnenmarkt verliebt man sich nicht.“ Ich habe aber

das Gefühl, Sie sind immer noch in diesen Binnenmarkt verliebt. Dafür bin ich Ihnen dankbar, denn wir brauchen diesen Binnenmarkt. Als junger Jurist habe ich Binnenmarktrecht an der Lebensmittelbranche gelernt. Es gab da einmal einen Johannisbeerlikör in Frankreich, der den für Deutschland vorgeschriebenen Mindest-Alkoholgehalt nicht hatte, aber dank des Binnenmarkts trotzdem nach Deutschland exportiert werden durfte. Und auch das französische Bier durfte exportiert werden – das konnte sich aber dann am Markt nicht durchsetzen … Die ersten Testfälle des Binnenmarkts kamen aus der Lebensmittelbranche. Heute ist Lebensmittelrecht das in Europa am weitesten harmonisierte Recht und Sie sind diejenigen, die sich am wenigsten darüber beklagen. Sie haben sich auch in der Coronakrise zum Binnenmarkt bekannt und für offene Grenzen plädiert. Man konnte fast den Eindruck gewinnen, Sie arbeiten in der Europäischen Kommission – auch dafür meinen Dank an Sie! Denn es sind nationale Grenzen zugegangen, nicht europäische. Die Kommission hat dafür gekämpft, dass die Grenzen offen bleiben. Aber wenn die Grenze nach Bayern offen sein soll, kann man nicht selber die Grenze nach Slowenien zumachen. Helfen Sie uns bitte, alle Grenzen in unserem Binnenmarkt offen zu halten, vor allem, wenn der Europäische Gerichtshof das schon so entschieden hat. Dank ihrer Vorschläge haben wir „Grüne Korridore“ eingerichtet, und jetzt gibt es in die Ukraine sogenannte „Solidaritäts-Lanes“. Das sind Korridore, über die – auch viele österreichische Unternehmen und die ÖBB – Weizen aus der Ukraine herausbringen, um trotz der russischen Störungen die Lebensmittelversorgung auf unserem Planeten aufrechtzuerhalten. Jetzt wird man schon fast misstrauisch, wenn man hört, dass sich Ihre Branche auch für fairen Handel einsetzt. Die EU ist weltweit der größte Exporteur von Lebensmitteln und Getränken. Unsere Ausfuhren von 145 Mrd. Euro bringen rund 67 Mrd. Handelsüberschuss. Das gibt es nicht in vielen Branchen. Österreich exportiert zwei von drei hier produzierten Lebensmitteln. Wenn wir mit

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Partnern in verschiedenen Ländern der Welt Verträge schließen, die Grenzen sich öffnen und wir Produkte dort verkaufen können, ist das eine gute Sache. Trotzdem sind wir da widersprüchlich. Im deutschsprachigen Raum wird gegen ein Handelsabkommen mit Kanada demonstriert. Dabei ist Kanada eines jener Länder, das uns vermutlich am ähnlichsten ist. Das gilt für viele Standards und auch bei Lebensmitteln. Aber niemand geht auf die Straße, wenn wir mit einem Diktator Verträge über Lieferungen von russischem Erdgas bis 2040 abschließen. Wir müssen da unseren Kompass ein wenig neu justieren. Gerade werden Handelsabkommen mit Neuseeland, Mexiko, Chile und vielen anderen Ländern der Welt verhandelt, weil wir glauben, dass wir in Zeiten, in denen Diktatoren die Friedensordnung in Frage stellen, Freunde auf der Welt brauchen, mit denen wir auch wirtschaftlich zusammenarbeiten. Ihr Motto heute lautet: „Unsere Zukunft heißt Europa.“ Sie plädieren für Solidarität statt nationaler Alleingänge. In der Tat muss man für Solidarität jeden Tag kämpfen. Das kennen wir aus unserem Leben. Ein Beispiel dazu: Was habe ich in der Covidzeit gemacht? Ich habe mich in den ersten zwei Wochen mit meiner Frau in der Wohnung aufgehalten und bin nur mit Maske und Gummi-Handschuhen hi­nausgegangen. Und selbst heute bin ich noch ein überzeugter Maskenträger. Man hatte damals Angst vor den Mitmenschen. Aber dann kam doch die Erkenntnis, dass es in den Wohnungen nebenan auch andere Menschen gibt, die vielleicht Hilfe brauchen beim Einkaufen oder anderen Dingen. Und dann wurde klar: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen Hilfe, auch die Unternehmen. Dazu müssen wir Programme aufstellen und über die Grenzen hinaus zusammenarbeiten. Schrittweise hat sich so nach den ersten Anfällen von Egoismus dann Solidarität entwickelt. Das ging viel schneller als in vergangenen Krisen, weil wir alle gleichmäßig betroffen waren. In Europa haben wir gemeinsam Impfstoffe eingekauft. Ich hatte in der Kommission noch gelernt: „Die EU ist nicht für Gesundheit zuständig, das ist Sache der Mitgliedstaaten.“ In den Jahren davor war


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daher jeder Versuch, in der Gesundheitspolitik EU-weite Maßnahmen zu setzen, nahezu denkunmöglich. Ich hatte einmal an einer unverbindlichen Empfehlung zu Impfungen mitgearbeitet. Da hatte man gewarnt, dass die nationalen Gesundheitsminister das ablehnen würden. Und bei Corona kam dann plötzlich von den Mitgliedstaaten die Frage: „Warum macht Europa nichts?“ Wir haben dann gemeinsam Impfstoffe eingekauft, was zwar am Anfang mit Schwierigkeiten verbunden war, aber am Ende schneller und breitflächiger funktioniert hat als bei anderen Staaten und Kontinenten der Welt. Ein Grund war sicher auch, dass wir ein reicher Kontinent sind und uns das noch leisten konnten. Ich bin sicher, dass wir das auch beim Gas schaffen werden. Denn wir kaufen jetzt schon koordiniert Gas ein und beschaffen uns Energie auf den Weltmärkten. Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird morgen (Anm.: 14. 9. 2022) vor dem Parlament ihre jährliche Rede zur Lage der Europäischen Union halten. Schon heute hat die Kommission erste Gesetzeswerke beschlossen, die dafür sorgen sollen, dass die Energiepreise in Europa deutlich gebremst werden. Das kann in Europa nur gemeinsam gehen. Wir haben einen gemeinsamen Energiemarkt, auch wenn immer jeder Mitgliedstaat seinen Energiemix selbst bestimmt hat – ich erwähne nur die Diskussion um Atomkraft. Das kann jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden. In dieser Krise brauchen wir aber gemeinsame Regeln. Natürlich dauert das eine Weile, wenn ein Mitgliedstaat zu 80 % vom russischen Gas abhängig ist und andere sich schon vollkommen freigespielt haben. Da muss man sich zusammensetzen und Kompromisse diskutieren. Es ist mir daher ein Anliegen, nicht nur für Europa zu werben – das muss ich bei Ihnen nicht –, sondern auch für die Demokratie. Es dauert eben im Normalfall in Europa und in den Mitgliedstaaten eine Weile, bis man eine gemeinsame, vernünftige Lösung gefunden hat. Manchmal ist es auch nur der erste Teil der Lösung. Da muss man dann nacharbeiten und noch einen zweiten Teil entwickeln. Das ist Teil der Abläufe in unserer Gesellschaft, in unserer Demokratie, wo es

eben viele unterschiedliche Interessen gibt. Missverstehen wir aber nicht, was für eine Krise wir augenblicklich haben: Putin hat am 24. 2. die Ukraine angegriffen, was viele nicht für möglich gehalten haben. Putin kennt uns sehr gut. Er war KGB-Agent in Deutschland. Ich habe ihn mehrfach mit dem Kommissionspräsidenten im Kreml getroffen. Auf seinem Schreibtisch lagen immer ausländische Zeitungen, auch deutschsprachige: die „Frankfurter Allgemeine“ und aus Österreich „Der Standard“. Wenn nun Putin zum Jahreswechsel diese Zeitungen gelesen hat, zu welchem Eindruck ist er dann wohl gekommen? Wenn man sich seine Sicht vorstellt, hatte er vermutlich folgendes Bild: „Die Europäer sind am Ende. Sie sind von Corona müde, sie sind zerstritten, die Leute gehen auf die Straße gegen das Impfen, die Regierungen sind schwach und uneinig. In Deutschland regieren drei Parteien, in Österreich zwei, die gar nicht wissen, ob sie sich mögen oder hassen. Das ist doch der Moment, in dem sich keiner wehren würde. Und außerdem sind gerade alle Gasspeicher geleert, die ich als Russland in Europa kontrolliere. Also der perfekte Moment, in dem die behäbigen Europäer, die sich untereinander streiten, mir nichts entgegensetzen werden.“ Da hat sich Putin aber getäuscht. Und nun denkt Putin: „Jetzt kommt der Winter, da haben alle Angst.“ Ein kürzlich veröffentlichtes YouTube-Video der russischen Propaganda verdeutlicht diese Einschätzung gut: Über den europäischen Kontinent bricht der Winter herein. In Brüssel frieren die Fahnen ein, im Prater ist das Riesenrad zum Stillstand gekommen und langsam wird der Gashahn zugedreht. Im Hintergrund singt eine Kinderstimme auf Russisch: „Winter is coming“. Am Ende sieht man nur mehr die Spitze eines Turms aus dem eisigen Nebel über Europa ragen: Das ist der Gazprom-Tower in Moskau. Lassen wir uns von solchen Darstellungen nicht ins Bockhorn jagen! Nein, die Demokratie ist keine perfekte Staatsform. Aber wir müssen ja nicht jedes Mal jede Maßnahme einer Regierung kritisieren und schlecht machen. Ich sehe, dass sich alle Regierungen anstrengen und versuchen, das Beste zu machen: in Österreich, in Deutschland,

in ganz Europa werden Maßnahmen gesetzt und Entlastungspakete geschnürt, die ihresgleichen suchen. Österreich gehört zu jenen Ländern, die die großzügigsten Entlastungspakete ausschütten. Wenn man aber hier in Wien auf die Post geht, wo sich die Leute diese Gutscheine abholen und dabei zehn Minuten warten müssen, kann man hören, wie sie sich aufregen. Man sagt mir, das sei das typische Wiener Granteln, aber das geht für mich schon darüber hinaus. Machen wir unsere Demokratie nicht kaputt! Akzeptieren wir, dass es momentan eine schwierige Zeit ist, die wir aber nur schaffen, wenn wir zusammenhalten. Geben wir nicht Putin recht, dass unser System am Ende ist. Denn unser System ist sicher nicht perfekt, aber doch sehr stark und widerstandsfähig. Bei uns hört man einander zu. Deshalb dauert es auch länger. Bei uns gibt es keinen Diktator, der einfach entscheidet, egal, ob es richtig oder falsch ist. Bei uns treffen die verschiedenen Meinungen und Positionen aufeinander: die Wirtschaftskammer, die Landwirtschaftskammer und die Arbeiterkammer und weitere Player sowie schließlich die Medien. Und dann wird diskutiert und nachgebessert und schließlich trifft man sich irgendwo in der Mitte. Dann sind es eben nicht 2.000 oder 3.500 Kilowattstunden, sondern 2.900 – man trifft sich ungefähr in der Mitte. Das ist die Stärke der Demokratie. Der Kompromiss ist keine schlechte Form. Er ist das Gegenteil der diktatorischen Alleinentscheidung. Und ich denke, wir können froh sein – wenn wir auch nicht jeden Tag mit allem einverstanden sind - dass wir nach wie vor in einer Demokratie leben, in der das möglich ist. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, wenn das auch vielleicht ein wenig zu nachdenklich für diesen festlichen Anlass war. Wir müssen aber daran denken, wie die Situation um uns herum ist und und dass wir es insgesamt sehr gut haben. Es kommt auf uns alle an. Es kommt darauf an, wie wir uns in diesen Zeiten zu unserem Staat, zur Demokratie und zu Europa bekennen. Dann werden wir auch diese Krise durchstehen und hoffentlich nächstes Jahr noch fröhlicher hier zusammensitzen. Vielen Dank!

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Josef Moosbrugger, Katharina Koßdorff, Martin Selmayr, Josef Domschitz

Walter Scherb, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz

Johann Marihart

Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart

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© Husar/FV

Martin Selmayr, Katharina Koßdorff, Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart

Marie-Claire Zimmermann

Martin Selmayr

Katharina Koßdorff

Nikolaus Berlakovich, Elisabeth Hülsmann, Katharina Koßdorff, Andreas Kutil

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Marie-Claire Zimmermann, Johann Marihart, Katharina Koßdorff

Angelika Mrohs, Josef Domschitz

Andreas Mörk

Christoph Henöckl, Michael Blass, Katharina Koßdorff, Ulrich Herzog, Günter Griesmayr

Hendrik de Jong, Josef Domschitz

Johannes Ruisz, Alexandra Ballaun, Tina Schrettner, Walter Karger

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Hermann Pfanner, Astrid Zeller, Josef Domschitz

Thomas Kuhn, Thomas Kickinger, Friedrich Sövegjarto, Josef Domschitz

Franz Windisch, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz

Josef Schabel, Christian Geßl, Michael Meixner, Josef Domschitz, Michael Blass

© Husar/FV

Cédric Boehm, Katharina Keimelmayr

Ernst und Maria Polsterer-Kattus

Hans Peter Andres, Veronika Neussl, Marcus Kucera, Josef Domschitz

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Wolfgang Hermann, Josef Domschitz

Jürgen Brettschneider, Josef Domschitz, Elmar Ritzinger, Martin Wagner

Karlheinz Niederreiter, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz

Anton Reinl, Katharina Koßdorff, Emmerich Berghofer, Josef Domschitz

Josef Domschitz, Christian Geßl

Beatrix Grünberger, Walter Mittendorfer

Gerald Sivec, Christina Mayr, Christoph und Inge Panuschka

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Michael Freudenthaler, Stefan Kotynek

Ulrich Herzog, Katharina Koßdorff, Christian Mandl, Josef Domschitz

Silvia Polan

Claudia Sedlmeier, Rudolf Scherzer, Josef Domschitz

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Daniela Nowotny, Christoph Henöckl

Thomas Spies, Daniela Bogner, Josef Domschitz

Klaus Schörghofer, Harald Hauke

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Johann Brunner, Martina Winkelhofer-Thyri, Peter Thyri

Roland Spitzhirn, Bernhard Fritsch, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz

Michael Gartner, Carolin Krejci, Josef Domschitz

Stephan Savic, Katharina Koßdorff

Werner Brugner

Philipp Gmeiner, Katharina Maierhofer

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Gerald Baldasty, Melitta Sturm-Hobisch


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© Husar/FV

Lambert Racher, Katharina Koßdorff, Josef Domschitz, Mario Kofler

Josef Domschitz, Christian Weinberger

Gabriela Straka, Josef Domschitz

Gerhard und Gloria Staudinger

Fabian Pointl, Claudia Ammer

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Adolf Marksteiner, Jürgen König

Philipp Griebl, Lisa Call, Felix Schottroff

Norbert und Viktoria Friedrich

Karl Reingruber, Josef Domschitz

Klaus Schörghofer, Florian Berger

Andreas und Eva Pfahnl

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Gerhard Schilling, Wolfgang Graski

Josef Manner, Josef Domschitz

Peter Hamedinger, Johann Költringer

Franz Ernstbrunner, Josef Domschitz

Simone Hoepke, Oskar Wawschinek, Karin Steinhart

Julian Drausinger, Irene Wallner

Otto Prieler

Manuela Gili, Tamara Rudavsky

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Lilu Steinbach, Evelyn Matousch, Elisabeth Sperr, Christina Mutenthaler, Josef Domschitz, Marlies Gruber, Michael Blass

Harold Burstein, Nicole Grob

Anna Meneweger, Dorothea Roubicek, Karl Paflik

Wilhelm Herok, Ursula Huber, Thomas Gratzer, Josef Domschitz

Thomas Redl

Patrick Sagmeister, Katharina Koßdorff

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Andreas Reichenbach, Michael Bollin


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Birgit Wagner, Paul Unterweger

Wolfgang Bärnthaler, Astrid Sibitz, Paul Schwarzenbacher, Josefine Sinkovits

Bettina Koller-Garber, Oskar Wawschinek

Elisabeth Kasal, Florian Schönberger

Marie-Christine Mantler

Elmar Ritzinger, Franz Sinabell

Birgit Howorka, Josef Domschitz

Raphaela Fremuth, Ingrid Neuner, Agnes Muthsam

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Florian Tschandl, Josef Domschitz

Daniela Nowotny, Christina Lippitsch, Ingrid Neuner, Amire Mahmood, Katharina Koßdorff, Carolin Krejci

Christine Schober, Markus Eigner, Christina Huemer, Josef Domschitz

Christina Lippitsch, Stefan Paireder

Rochus und Katharina Nepf

Johanna und Monika Wiesböck

Johann Brunner, Gabriela Straka, Florian Berger

Rita Konstantin, Andrea Weinzetl, Stephanie Bartolich, Claudia Pohl

Bernd Berghofer, Martin Spanseiler, Christian Jochum

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Peter Stallberger, Philip Siegel, Michael Gartner

Kerstin Gojer, Andreas Rauch

Katharina Koßdorff, Christina Huemer, Michael Blass, Katharina Keimelmayr, Sonja Lemberber

Thomas Krahofer, Jürgen Brettschneider, Katharina Koßdorff, Paul Unterweger, Paul Hysek-Unterweger

Manfred Müller, Petra Burger, Jürgen König, Raphaela Fremuth, Oskar Wawschinek, Emmerich Berghofer, Thomas Spies

Stefan Obersteiner, Pia Eichwalder, Roland Raffer, Michaela Schellner

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FoodDrinkEurope as strong partner in challenging times „DIE ERNÄHRUNG“ talked to Director General of FoodDrinkEurope, Dirk Jacobs, about his priorities for FoodDrinkEurope, his personal expectations for the food sector in these challenging times, the FoodDrinkEurope Action Plan and the necessary changes for companies caused by the EU Green Deal and the "Farm to Fork"-strategy. Oskar Wawschinek

N

utrition: You have been working for FoodDrinkEurope in different functions and are now Director General. What are your priorities for FoodDrinkEurope? Dirk Jacobs: First and foremost, it is an enormous honour and privilege to serve the European food and drink industry, such an important sector for society. Everyone needs to eat and drink to live, food is part of Europe’s socio-cultural DNA, and as one of the largest manufacturing sectors in the EU, we are a major economic player in the world. Despite these obvious and impressive facts, we don’t always see this translated into the recognition we deserve. Until very recently, food barely made it onto the EU’s political agenda and food security has been taken for granted for many years. So, my key priority is to elevate the importance of the European food and drink industry and get more recognition and a better reputation for the products and progress we are making as a sector. This also requires a different type of organisation that can deliver in a rapidly evolving environment. I would like to demonstrate to EU and national policymakers that we are a transformational partner, helping food companies of all sizes to shift to food production in a way that is sustainable from an environmental, social and economic point of view. Equally, we need to be supported by governments with workable tools and solutions to be able to produce high

quality food and drinks, now and in the future. Given the ‘avalanche’ of legislation that will come out of the European Green Deal in the coming years, it will be necessary to improve the organisational agility and resilience. We will have to work in a leaner and faster way if we want to stay relevant in the debate, be more focused and smarter in the way we operate. Equally, I am committed to deliver even better service and value to members as it is only by working together that we can deliver good results for the industry. What about the development of FoodDrinkEurope till now? What has changed from your point of view? Jacobs: FoodDrinkEurope has evolved a lot since I joined the organisation in 2010. Whereas the focus has been very much on the traditional ‘interest representation’ in the past, we now see a clear shift in the organisation becoming more of a thought-leader within the food value chain and an ‘interlocutor’ between policymakers and business. I think this is a good development as it opens the door to different kind of partnerships with government, other value chain actors and civil society. What are the main challenges for FoodDrinkEurope in these times? Jacobs: When I started in my new role in January, little did I know about the challenges that were going to appear on our desk shortly thereafter. Already

confronted with the effects of the covid pandemic, the war in Ukraine has put further pressure on cost inflation, energy prices, availability of raw materials, and labour shortages in our sector. On top of that, this summer’s droughts are putting harvests at risk, which may have a knock-on effect in the years to come. At the moment, we are nervously looking at the gas and electricity situation across Europe, which may bring severe problems for our industry in the winter if not handled properly. We are working hard to get sustained recognition for the food and drink industry as an essential sector which should have priority access to energy. I am pleased to see that this is starting to be acknowledged in several EU documents so far. What are the expectations from your members? Jacobs: We have a wide variety of members, including 26 National Federations, 26 European Sector Associations and 23 Large Companies, and they have varying expectations which we are trying to meet the best way we can. As a common denominator, I think the expectation is that we deliver the necessary intelligence and insights on what is happening in Brussels and make an impact in shaping the best possible policy environment for Europe’s food and drink companies to work in. Over the years, we have established a solid reputation as a leading organisation and my commitment is to build that out further over the next years.

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Jacobs: We are preparing with our members for the upcoming debates on various pieces of legislation, such as the proposals on front-of-pack nutrition labelling, the setting of nutrient profiles, packaging and packaging waste, green claims and more. In the legislative procedure, it will be important to ensure that the industry is ‘singing from the same hymn sheet’ as much as possible; FoodDrinkEurope aims to find consensus amongst its members on the type of messages to be conveyed to policymakers at EU but also at national level. Collaboration will be ever more important in the coming years to get things right for the industry and society. Once the legislation has been adopted, we will also prepare guidance/interpretation documents that can help companies with understanding the rules in a uniform manner across the EU. An example of this is the FIC Regulation guidance, which was produced after the adoption of the FIC Regulation in 2011. © Adobe stock – Sergey Nivens

Could you please explain the FoodDrinkEurope Action Plan? Jacobs: Part of the ‘transformational agent’ role of FoodDrinkEurope, we have launched an Action Plan on Sustainable Food Systems in June this year. The Plan is FoodDrinkEurope’s ‘commitment’ to help the food and drink sector deliver in its contribution to the objectives set out in the EU Code of Conduct for Responsible Food Business and Marketing Practices, which in turn are broadly aligned to the European Green Deal and the Farm to Fork Strategy. The Action Plan focuses on three areas where the food and drink industry can particularly make an impact: climate change (working with suppliers in primary production to make agriculture more sustainable); sustainable packaging; and nutrition and balanced lifestyles. For each of the areas, we are developing toolkits, guidances, webinars and more. Importantly, the Action Plan is underpinned by three key drivers: investment (public and private); innovation; and partnership. Without these, we won’t be able to deliver; policymakers and

other actors will have to play their part too. The EU Green Deal and the EU„Farm to Fork“-strategy will lead to an enormous pressure put on companies in the food sector. Will they all be able to master the necessary changes in time? Jacobs: Particularly in the current trying times, it will be important that the implementation of the European Green Deal and Farm to Fork Strategy takes into account the challenges that are faced by food companies, especially Small- and Medium-sized Enterprises (SMEs), which make up 99% of our sector. This means that legislative proposals should include adequate transition periods and, where needed/appropriate, exemptions may be made for certain companies. This said, FoodDrinkEurope supports the objectives of the EU Green Deal and Farm to Fork Strategy as we can only build resilience by making food production more sustainable. How can and will FoodDrinkEurope support them?

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What are your personal expectations for the near future? Which challenges will come up for the food sector? Jacobs: Besides the multiple crises coming together today (war, energy, food security, pandemic, etc.), we need to make sure that our food and drink products continue having their recognised place in a sustainable world. The aversion of some in the public against “processed” or “industrialised” food is a threat for food security and sustainability, but emotions can take over from facts in a glimpse. If this sentiment escalates, it is difficult to reverse. We can’t sit still ourselves either and have to continue working hard to make our food production even better and more sustainable by reducing our dependency on fossil fuels, by diversifying sourcing, working with farmers on regenerative approaches and looking at sustainable ways of packaging food to ensure food safety. Innovation has an important role to play in finding some of the solutions for a better environmental and nutritional footprint. Looking at your personal knowledge and experiences: What helps you most for your job as Director of an international association? Jacobs: The European Union brings together a fascinating set of countries


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If you had a free wish for your job: What would it be? Jacobs: If members are more than satisfied with the service they get from us, if the team is motivated and colleagues go to work with a big smile, and if policymakers value FoodDrinkEurope highly as a serious interlocutor, I am a ‘happy camper’! What´s your favourite food? Jacobs: Very difficult question as I like anything from Italian to Nordic cuisine, but if I had to choose I’d go for a Belgian ‘steak frites’ – why not followed by an Austrian Apfelstrudel with a scoop of Italian ice cream! Dirk Jacobs, Director General of FoodDrinkEurope, Brussels, Belgium

About Dirk Jacobs, FoodDrinkEurope —

© FoodDrinkEurope

that each have their own history, culture and traditions. Throughout the centuries, countries have been influenced by others and this ‘cross-fertilisation’ has led to an intriguing mix of food and dietary preferences and production systems. As I have lived in different countries across the EU and engaged with people from different geographies, understanding the multi-cultural environment helps to appreciate diversity, which is one of the key strengths of our sector, and engage with policymakers with different perspectives.

Dirk Jacobs is Director General of FoodDrinkEurope, the organisation of the European food and drink industry, one of Europe’s largest manufacturing sectors in terms of turnover, employment and value added. Mr Jacobs is a member of various EU platforms and regularly engages in global multilateral bodies such as the United Nations, WTO, FAO/ WHO Codex Alimentarius, OECD and FAO. He is Chair of a multi-stakeholder Task Force which led the development of an EU Code of Conduct for Responsible Food Business and Marketing Practices, the first deliverable of the EU’s Farm to Fork Strategy.

Mr Jacobs has long-standing professional experience covering various roles in international and EU public/ political affairs and strategic communications. Previously, he served as FoodDrinkEurope’s Deputy Director General and headed its department for consumer information, nutrition and health. Mr Jacobs, a Dutch national, holds a Master of Science (MSc) in International Business Administration at Maastricht University in the Netherlands, studied international economics in Milan, Italy, and has obtained a post-graduate MBA degree in European Business studies in Brussels, Belgium.

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Veränderungen am Lebensmittelmarkt in Russland Die Ernährung sprach mit Wirtschaftsdelegiertem Mag. Rudolf Lukavsky, AuSSenwirtschaftsCenter Moskau der Wirtschaftskammer Österreich (WKO), über die aktuellen Veränderungen am russischen Lebensmittelmarkt generell und in einigen Produktgruppen, mögliche weitere Entwicklungen und Auswirkungen sowie die Regelungen, die für heimische Exporteure zu beachten sind. oskar wawschinek

© WKO

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ie Ernährung: Die Preise für Lebensmittel steigen, ausländische Waren verschwinden aus den Supermarktregalen. Es tut sich einiges in Russland. Was passiert da gerade am russischen Lebensmittelmarkt? Rudolf Lukavsky: Fast täglich liest man in den Medien, dass ausländische Firmen den russischen Markt verlassen – sei es sanktionsbedingt, aus wirtschaftlichen Gründen oder als Protest gegen den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine ab Februar dieses Jahres. Die Yale Universität ermittelte über 1.000 ausländische Firmen verschiedener Branchen, die angekündigt haben, ihr lokales Geschäft herunterzufahren oder Russland zu verlassen. Auch international tätige Firmen aus der Lebensmittelbranche sind darunter. Die Produktion von Markengetränken wie Coca-Cola und Pepsi-Cola wurde in Russland gestoppt. Die Brauereikonzerne Carlsberg und Heineken haben

Wirtschaftsdelegierter Mag. Rudolf Lukavsky, AußenwirtschaftsCenter Moskau der WKO

ihren Rückzug angekündigt. Valio verkauft seine Aktiva an einen russischen Wurstproduzenten. Aber kann man sich so einfach vom russischen Markt verabschieden? Viele der ausländischen Lebensmittelkonzerne produzieren schon seit Jahren im Land oder haben als Lie-

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feranten umfangreiche Distributionskanäle aufgebaut. Eine Exitstrategie muss gut überlegt sein. Die Unternehmen tragen nicht nur zur Lebensmittelsicherheit des Landes bei, sondern haben auch vertragliche Verpflichtungen in Russland, die sie nicht so einfach brechen können. Firmen minimieren ihre operative Tätigkeit, tätigen keine Neuinvestitionen mehr, stoppen Einfuhren für bestimmte Warengruppen, verkaufen ihr Business an lokale Partner in Russland mit Rückkaufsrecht oder verlassen den russischen Markt komplett. Betroffen sind alle, denn Logistikkosten und Lieferzeiten sind dramatisch gestiegen. Auch ausländische Fast-Food-Ketten agieren. McDonald’s hat sich als einer der Ersten vom russischen Markt verabschiedet und unter großer medialer Aufmerksamkeit seine Restaurants an einen lokalen Investor verkauft. Es hat ein Rebranding stattgefunden. Die Kette heißt jetzt „Vkusno i Totschka“, was man frei mit „Einfach Lecker“ übersetzen kann.


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Die Kaffeehauskette Starbucks hat den Markt verlassen. Dies nutzten der russische Rapper Timati und sein Geschäftspartner. Sie übernehmen die Outlets und nennen sie „Stars Coffee“. Ein erstes Kaffeehaus wurde in Moskau bereits eröffnet. Das neue Logo ist der alten Starbucks-Meerjungfrau ziemlich ähnlich. Was wird heute in den Supermärkten verkauft? Lukavsky: Angesichts der täglichen Meldungen, dass westliche Firmen den russischen Markt verlassen, lohnt es sich, einen Blick in die Supermarktregale zu werfen. Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hat dazu im Juli eine Analyse veröffentlicht und Konstantin Loktev wird auf retail.ru zitiert: In den letzten Monaten hat sich der FMCG-Markt (Fast Moving Consumer Goods) stark verändert. Erstens hat sich das Warensortiment in den Regalen verringert: Lebensmittel um 10 % und NonFood-Waren um mehr als 20 %. Ein Teil der Waren litt unter Hamsterkäufen, ein anderer Teil unter Lieferunterbrechungen (die Waren selber oder Rohstoffe werden nicht mehr geliefert.) In dieser schwierigen Zeit begann sich ein zweiter Trend zu entwickeln: Waren, die aus den Regalen verschwanden, wurden aktiv durch in Russland hergestellte Marken ersetzt, was große Möglichkeiten eröffnete. Bis Juli wurde schon fast die Hälfte des gekauften Alkohols in Russland produziert, bei Bier macht es fast 90 % aus, bei Tiefkühlprodukten fast 100 %. Gleichzeitig passiert eine Transformation bei konkreten Warengruppen. Zum Beispiel hat sich der Anteil von lokal produzierten Softdrinks fast nicht verändert, weil große Player schon längst ihre Produkte im Land produzieren. Es haben sich jedoch die Einkaufspräferenzen geändert: Getränke mit Aromen wie Tarkhun, Baikal, Dyushes (lokale Kräuter- und Frucht­ aromen) sind zweistellig gewachsen. Und fünf neue Marken russischer Produzenten – CoolCola, Street, Fancy, Fantola, Chernogolovka Kola –, die erst seit kurzem produziert werden, gelang es innerhalb von 2 Monaten, 5 % Marktanteil in ihrer Kategorie zu erreichen. Mit welchen Problemen ist die russische Agrar- und Lebensmittelindustrie in der aktuellen Situation konfrontiert?

Quelle: Nielseniq – www.retail.ru

Russische Lebensmittel in den Supermärkten

Quelle: Nielseniq – www.retail.ru

Anteil der in Russland produzierten Waren ist gestiegen

Lukavsky: Blicken wir auf das Jahr 2014 zurück. Nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim und dem Beginn der westlichen Sanktionen startete Russland mit einer protektionistischen Wirtschaftspolitik. Im Lebensmittelund Agrarbereich zeigten sich Erfolge, die Produktivität stieg. Die Nachfrage an Zusatzstoffen, Futtermitteln sowie Maschinen für die Agrar- und Lebensmittelindustrie stieg ebenso. Russland greift dabei zu einem guten Teil auf westliche Produktionstechnologie zu-

rück. Seit März 2022 sind Lieferungen aus dem Ausland deutlich schwieriger geworden. Die Sanktionen und auch damit verbundene Beschränkungen im Zahlungsverkehr, fehlende Export­ kreditversicherungen, Lieferkettenprobleme erschweren den Zugang zu westlichen Produkten. Auch ziehen sich Anbieter zurück. Es kam zu Lieferverzögerungen oder Totalausfällen. Lokale Produzenten beklagen, dass es zum Beispiel schwieriger geworden ist, Ersatzteile und Komponenten für ihren Ma-

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sind und veröffentlichte im Juli untenstehende Statistik. Was kann österreichischen Firmen empfohlen werden, die am russischen Markt tätig sind? Lukavsky: Besonders wichtig ist es, sich an die geltenden Sanktionen zu halten. Diese sind zwar per se nicht auf die russische Agrar- und Lebensmittelindustrie ausgerichtet, jedoch muss vor einer Lieferung auf alle Fälle überprüft werden, ob die für Russland bestimmte Ware, der Kunde oder die Empfängerbank nicht auf der EU-Sanktionsliste stehen. Betroffen können z.B. Produkte der Verpackungsindustrie, aber auch Waren aus der Elektronik, Hydrauliksysteme,

© AC Moskau

schinenpark zu bekommen. Die Suche nach alternativen Lieferquellen hat prioritäres Ziel. Man versucht, in anderen Ländern oder bestenfalls bei russischen Produzenten fündig zu werden. Neue Logistikwege müssen ausgearbeitet werden. Besonders augenfällig ist die Situation am Verpackungsmarkt. Materialien für die Druckindustrie wurden sanktioniert. Die russischen Hersteller mussten darauf reagieren und verkaufen nun, zumindest teilweise, ihre Produkte in minimalistischer Ausführung – vorübergehend, so steht es auf der Verpackung eines lokal produzierten Kirschsafts. Die Russische Zentralbank befragte ausgewählte Unternehmen aus verschiedenen Branchen, wie erfolgreich diese bei der Suche nach neuen Lieferquellen

Schneidklingen, Anhänger etc. sein. Das AußenwirtschaftsCenter Moskau hat eine Sanktions-Gesamtübersicht erstellt. Anhand der Zolltarifnummern können österreichische Firmen feststellen, inwieweit ihre Produkte von den Sanktionen betroffen sind. Auch muss vor einer Lieferung sichergestellt werden, dass der russische Geschäftspartner nicht sanktioniert wurde. Jeder Geschäftsfall muss einzeln und genauestens geprüft werden. Wir unterstützen österreichische Unternehmen und überprüfen die Sanktionsbetroffenheit des russischen Kunden. Natürlich stehen wir auch für sonstige Fragen wie Zahlungsverkehr, Reisebeschränkungen, Visafragen und alles, was für die Bearbeitung des russischen Markts sonst noch relevant ist, mit Rat und Tat zur Seite.

Gesamtübersicht der Sanktionen — Service des AußenwirtschaftsCenter Moskau der WKO

Quelle: Russische Zentralbak, Juli 2022

Importsituation für Rohstoffe, Materialien, Zubehör und Ausrüstung

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h t t p s : / / w w w. w k o . a t / s e r v i c e / aussenwirtschaft/gesamtuebersicht-russland-sanktionen.pdf


37 kommentar comment

„Erst der Mensch, Friedrich, dann die Menschenordnung“ Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen für die Lebensmittelwirtschaft

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s ist Krieg in der Ukraine. Menschen sterben dort. Außerdem hat der Krieg zahllose weitere Folgen, auch hierzulande. Eine davon ist eine Verknappung von Lebensmitteln, z. B. Weizen, Sonnenblumenöl oder Geflügel. Doch während die Ukrainer mit ihrem Leben bezahlen und mehr Menschen in Entwicklungsländern hungern müssen, geht es uns nur an die Geldbörse. Die Preise steigen, nicht nur für Lebensmittel. Die Bundesregierung fordert uns auf, Energie zu sparen und denkt über „Entlastungen“ nach, die wir mit Steuern selbst bezahlen dürfen. Die Finanzierung militärischer Unterstützung der Ukraine wird natürlich auch auf uns umgelegt. Angesichts dieser Katastrophe fragen sich viele, was sie selber tun, wie sie helfen können. Millionen haben schon gespendet. Tausende haben Flüchtlinge betreut oder untergebracht. Einige sind sogar selbst in den Krieg gezogen. Die meisten sind vom Krieg bedrückt und machen sich Sorgen um die Zukunft. Keiner weiß genau, wie es weitergehen wird. Doch die Frage bleibt: Was kann ich tun, um die Folgen des Kriegs zu lindern? Der Bundeskanzler empfiehlt Unterhaken. Die Lebensmittelwirtschaft versucht, die Kostensteigerungen zu begrenzen. Herstellungsverfahren werden vereinfacht, Rezepturen überarbeitet, Lieferanten ersetzt. Und im Notfall wird auf alternative Zutaten ausgewichen. Das schafft regelmäßig Kennzeichnungsprobleme. Denn auf jeder Packung muss ja draufstehen, was drin ist. Umpacken ist oft teuer, manchmal teurer als vernichten. Wegwerfen aber ist nicht nachhaltig. Kann man auf die vielen praktischen Probleme vielleicht flexibel reagieren? Entsprechende Vorschläge gibt es. Die Schweiz hat ihr Lebensmittelrecht kurzfristig angepasst. Dort darf man jetzt mit einem roten Punkt auf der Verpa-

Moritz Hagenmeyer

ckung auf bestimmte Alternativzutaten hinweisen, sogar per Internet. Außerdem wird den Herstellern erlaubt, unterschiedliche Pflanzenöle zu deklarieren mit der zusätzlichen Angabe „abhängig von der Versorgungslage“. Das ist pragmatisch, hilft, reduziert Kosten und ist auch verständlich für Verbraucher. Geht das in Deutschland auch? Nein. Das wäre nach Einschätzung des zuständigen Bundesministeriums nämlich „eine deutliche Einschränkung der Rechte der Verbraucher“! Das Ministerium will den Verbrauchern hierzulande nicht zumuten, sich Informationen selbst zu beschaffen. Das bedeutete ja „eine Holschuld für Pflichtinformatio­ nen“. Die darf es nach dem Wunsch des Ministeriums nicht geben. Aber ist die Lektüre von Pflichtangaben nicht immer eine Obliegenheit der Verbraucher, die sich für solche Informationen interessieren? Wurde je ein Verbraucher gezwungen, die Kennzeichnung zur Kenntnis zu nehmen? „Auch leiden unter Umständen Wahrheit und Klarheit der Kennzeichnung“, meint das Ministerium. Welche Umstände das sein sollen, wird nicht weiter erläutert. Dass sonst das Portemonnaie der Verbraucher leidet oder ihre Versorgung beeinträchtigt werden könnte, spielt offenbar keine Rolle. Es geht aber noch weiter: Das Ministerium befürchtet tatsächlich „Mitnahme­ effekte eines allein kosteninduzierten und nicht kriegsbedingten Austauschs von Zutaten“. Der Verdacht, ein Hersteller könnte Kosten sparen, verbietet also Kennzeichnungserleichterungen. Ob die Verbraucher, die am Ende die Kosten tragen müssen, das auch so sehen? Doch wir Verbraucher werden vom BMEL nicht befragt, wir werden nur davor geschützt, uns etwas holen zu müssen, was uns womöglich extra kostet.

Wenn das die Ukrainer wüssten! Ihr Weizen steht tage-, ja wochenlang an den Grenzen der EU, weil den Behörden Papiere fehlen. Der Rest verrottet oder wird gestohlen. Und wir kämpfen uns mit Verdächtigungen ab wie „Unklar bleibt dabei, wie diese Regelung deswegen im Einzelfall durch die Lebensmittelüberwachungs­ behörden kontrolliert werden soll“. Was soll man dazu sagen? Mit maximalem Misstrauen lassen sich Folgen eines Kriegs gewiss nicht bewältigen. Unterhaken sieht anders aus. Gebraucht werden schnelle, flexible und unbürokratische Lösungen für kleine und große Probleme. Selbstverständlich nicht auf Kosten der Lebensmittelsicherheit, aber zur Sicherstellung der Versorgung und als Maßnahmen gegen unsoziale Preissteigerungen. Gefragt sind deshalb Politiker und Beamte mit Orientierung, die Werte erkennen, Verantwortung übernehmen und die Folgen ihres Handelns einschätzen können, Pragmatiker, keine Dogmatiker. Jeder kann nämlich etwas tun, um die Folgen des Kriegs zu lindern. Verbraucher stellen sich ihrer Verantwortung übrigens schon, nicht nur an der Kasse im Lebensmitteleinzelhandel. Zudem gibt es im Lebensmittelrecht den einen oder anderen Spielraum, den Hersteller und Überwachung nutzen können. Viele Menschen wissen schließlich auch sich zu orientieren, nicht zuletzt in der Krise. Beispielgebend für uns alle die Idealvorstellung aus Carl Zuckmayers Hauptmann von Köpenick: „Erst (kommt) der Mensch, … dann die Menschenordnung“. Prof. Dr. Moritz Hagenmeyer (Verbraucher, Wähler und Steuerzahler), KROHN Rechtsanwälte Partnerschafts­ gesellschaft mbB, Hamburg Dieser Artikel wurde erstmals in der ZLR 4/2022 veröffentlicht.

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Keimbelastungen schnell nachweisen Nachweisverfahren müssen in der Lebensmittelwirtschaft robust, schnell und günstig sein sowie einfach in der Handhabung und stark in der Aussagekraft.

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ie Wissenschafter Dr. Johannes Peham (JP) und Dr. Ivan Barišić vom Austrian Institute of Technology (AIT, Abteilung: Competence Unit Molecular Diagnostics) informieren zu derzeit angewandten Schnellmethoden aus dem Humandiagnostikbereich und deren Potential für den Gebrauch in der Lebensmittelindustrie.

„Schnell“ kann sich auf drei Aspekte beziehen: Probenvorbereitung und Materialien, Untersuchungsmethoden und Geräte sowie Auswertung und Software. Wichtig anzumerken ist, dass mit Schnellsystemen keine unmittelbare Korrelation zu

mikrobiologischen Testergebnissen gezogen werden kann. Schnellsysteme dienen der zusätzlichen betriebsinternen Datensammlung und nicht dem Ersatz der mikrobiologischen Methoden. Ein Methodenabgleich ist notwendig, aber zeit­ intensiv und wird deshalb in den seltensten Fällen realisiert. Die Entwicklung von mikrobiologischen Real-Time-Methoden in der Lebensmittelindustrie ist wichtig, um das Vorkommen von unerwünschten Trends frühzeitig zu erkennen. Doch obwohl es diese Techniken gibt, ist es derzeit nicht praxisüblich, Luftkeime in Echtzeit zu monitoren und sie auf SpeziesLevel zu klassifizieren (Yao, 2018).

Welche Schnellmethoden sind in der Diagnostik im Humanbereich bereits etabliert? DNA/RNA-basierte Methoden benutzen genetisches Material. Die Vorteile sind die genauere Spezifität und durch die mögliche Vervielfältigung (z.B. PCR) auch die höhere Sensitivität. Antigenbasierte Methoden sind im Gegensatz dazu kostengünstiger und weniger aufwendig in der Vorbereitung der zu analysierenden Probe. Unter den meistverbreiteten Schnellmethoden in der Diagnostik zählen in der Sparte DNA/RNA-basierte Methoden Technologien wie PCR und deren Weiterentwicklungen wie LAMP

(loop-mediated amplification) und isothermale PCR zu den am weitest verbreiteten. Ebenso finden Technologien wie Microarrays und FISH (fluorescence in-situ hybridisation) Anwendung. Auf Grund sinkender Kosten finden aber auch Sequenzierungstechnologien immer mehr Anwendung in der medizinisch relevanten DNA-basierten Diagnostik. Methoden, die aufgrund von Oberflächeneigenschaften Analyten detektieren, können in der Gruppe der Antigen-basierten Methoden zusammengefasst werden. Diese sind meist durch die Verwendung von spezifischen Antikörpern in Verbindung

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mit fluoreszierenden Markierungen oder Enzymen gekennzeichnet. Die meistverbreiteten Methoden sind ELISA (enzyme-linked Immunosorbent assay) und LFDs (lateral flow devices). Neuere Entwicklungen verwenden spezielle, kostengünstigere Antikörperalternativen (Aptamere) oder neue Detektionsmethoden wie elektrochemische Detektion oder surface plasmon resonance. Immer mehr der in der medizinischen Diagnostik verwendeten Nachweise kombinieren die oben beschriebenen Methoden in sogenannten Point-of-care-Systemen. Hier werden die meisten oder auch alle Schritte von der Probe zum Ergebnis automatisch durchgeführt. Meist wird hierzu eine Probe in eine mikrofluidische Cartridge transferiert und in einem Reader bearbeitet und analysiert. Die entscheidenden Kriterien sind Preis, Spezifität, Sensitivität, Dauer der Analyse, Instrumenteneinsatz, Automatisierungsgrad und Anzahl pro Panel an Analy-

© Adobe stock – ryanking999

ten, Pathogenen bzw. Resistenzen, die parallel detektiert werden können. Basierend auf der klinischen Fragestellung wird ein optimaler Test gewählt. Haupttreiber der Schnelltests in der Infektionsdiagnostik ist der Zeitdruck bei der Behandlung. Da in Lebensmitteln viele Pathogene auftreten können, die auch im medizinisch diagnostischen Bereich relevant sind, können viele etablierte Methoden und Assays auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Beson-

ders relevant sind Methoden mit hoher Sensitivität und niedrigem Preis pro Analyse. Durch eine schnellere Diagnostik können die Freigaben für Produktionschargen schneller erfolgen und eine Lagerung bis zum Testergebnis entfällt. Das verlängert die Haltbarkeit, was besonders bei schnell verderblichen Waren relevant sein kann. Die Lagerkosten können gesenkt werden und Kontaminationen im Produktionsablauf können schnell identifiziert werden.

Mit freundlicher Genehmigung aus Zand, E., Stollewerk, K., Schottroff, F., Drausinger, J., Jäger, H. (2021). Handlungsempfehlungen für die Produktionshygiene in der Lebensmittelindustrie. Entstanden aus dem Projekt „Neue Aseptik- und Dekon­ taminationsstrategien in der Produktions- und Gebäude­ technik“ (2018–2021). BOKU, Wien. ISBN 978-3-200-07736-2

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Norelem: Edelstahl für Zuverlässigkeit und Hygiene

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delstahl ist jedoch nicht gleich Edelstahl, es gibt große Unterschiede zwischen den einzelnen Werkstoffgüten. Edelstahl gibt es in etwa 150 Güten, von denen 15 regelmäßig im Alltag zu finden sind. Der Werkstoff ist in einer Vielzahl von Formen und Größen erhältlich und wird häufig im industriellen Bereich, aber auch im privaten Umfeld verwendet, zum Beispiel zur Fertigung von Platten, Stangen, Blechen und Rohren. Die verschiedenen Edelstahlarten kommen in einer Vielzahl von Branchen zum Einsatz, darunter das Bauwesen, die Automobilindustrie und viele mehr. Für viele Anwender ist Edelstahl einfach die effektivste und effizienteste Wahl.

Marcus Schneck, CEO von norelem, erläutert die Vorteile von Edelstahl und geht auf verschiedene Applikationen ein, bei denen Edelstahlkomponenten zum Einsatz kommen: „Stärke, Korrosionsbeständigkeit und hygienische Eigenschaften sind oft wichtige Merkmale, wenn es um den Einsatz von Standardkomponenten geht. Wenn Ingenieure es mit den direkten Auswirkungen von Korrosion zu tun bekommen, können Verzögerungen im Betrieb, unsichere Arbeitsumgebungen und hohe

Wartungskosten die Folge sein.“

Edelstahlmarkt auf Wachstumskurs Die Nachfrage nach Edelstahl soll weiter steigen. Die Scherfestigkeit von Edelstahl ist einer der Hauptgründe für seine Beliebtheit. „Edelstahl wird jedoch oft auch aus optischen Gründen ausgewählt, da er mit einer Vielzahl von Oberflächenbehandlungen erhältlich ist. Die Tatsache, dass er auch poliert werden kann, trägt ebenfalls zu seinem ästhetischen Wert bei“, so Marcus Schneck. „Außerdem hat Edelstahl eine lange Lebensdauer und ist zu 100 Prozent recycelbar. Es wird sogar für die Herstellung von Besteck verwendet.“

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Im Vergleich zu Kohlenstoffstählen und Aluminium ist Edelstahl zwar schwieriger zu verarbeiten und teurer in der Anschaffung, jedoch überwiegen die zahlreichen Vorteile in den meisten Anwendungsfällen die Mehrkosten. „Wer mit Edelstahl nicht vertraut ist, lässt sich von den verschiedenen Arten und Werkstoffgüten schnell verwirren“, erklärt Marcus Schneck. Die richtige Wahl ist wichtig: Nur mit dem passenden Werkstoff lässt sich ein Design erzielen, das zu fairen und rentablen Kosten hergestellt werden kann.

tung sind, hat sich Edelstahl als gute Wahl erwiesen. Da sich das Material leicht reinigen lässt, eignet es sich bevorzugt für hygienische Umgebungen z. B. in Krankenhäusern, Restaurants und professionellen Küchen. Standard-Edelstahlkomponenten stehen für Sicherheit – dank des passenden Materials. Einige Branchen, die Edelstahl in großem Umfang einsetzen, sind: die Lebensmittelindustrie und Gastronomie, Chemie und Pharmazie, die Herstellung medizinischer Geräte, Architektur und Bauwesen sowie der Automobilbau.

Edelstahl – steril, stark und sicher

Edelstahl­ komponenten im Einsatz

An Orten, an denen Hygiene und Reinigungsfreundlichkeit von entscheidender Bedeu-

„Unter allen Materialien weltweit ist Edelstahl mit am nachhaltigsten und umweltfreundlichsten“, erklärt Marcus Schneck. „Angesichts der zahlreichen Vorteile wie Korrosionsbeständigkeit, Haltbarkeit, geringer Wartungsaufwand und guter hygienischer Eigenschaften ist es kein Wunder, dass so viele Ingenieure Edelstahlkomponenten bevorzugen.“

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Edelstahl zeichnet sich durch seinen wartungsarmen Charakter und ein attraktives Erscheinungsbild aus. Dank seiner einzigartigen Eigenschaften bietet er viele Vorteile für den Einsatz in verschiedenen technischen Anwendungen.


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Wasserqualität wird immer wichtiger Vor allem durch ihre zentrale Ressource Wasser zählt die Getränke- und Lebensmittelindustrie zu den Branchen, in denen grüne Technologien einen hohen Stellenwert genieSSen.

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asser, das direkt oder indirekt mit Lebensmitteln bei deren Zubereitung oder Inverkehrbringung in Berührung kommt, muss an der Stelle der Verwendung Trinkqualität aufweisen. Es ist verboten, Wasser zu verwenden, das nicht gesundheitlich unbedenklich und sauber ist. Der direkte Kontakt besteht aus Wasser, das direkt zur Zubereitung des Lebensmittels verwendet wird und im Endprodukt verbleibt oder nicht. Als direkter Kontakt gilt auch Wasser, das in Form von Dampf, Eis, zerstäubtem oder mikronisiertem Wasser mit Lebensmitteln in Kontakt kommt. Der indirekte Kontakt besteht aus Wasser, das zur Reinigung von Oberflächen von Arbeitsplatten, Utensilien, Geschirr, Maschinen, Behältern, Förderbändern, Filtersystemen usw. verwendet wird, die direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommen können.

Viele der Getränke- und Lebensmittelbetriebe fördern ihr Wasser aus eigenen Brunnen. Hier, wie auch bei zahlreichen weiteren Produktionsund Reinigungsprozessen, ist ein zuverlässiger, leistungsfähiger, hygienischer, umweltfreundlicher und energieeffizienter Transport des Mediums essentiell. Vorschriften, wie die Trinkwasser- oder die Mineral- und Tafelwasserverordnung, definieren, wie Wasser beschaffen sein muss, damit es für die Produktion von Getränken und Nahrungsmitteln eingesetzt werden darf. Dazu sind störende oder schädliche Stoffe aus dem geförderten Wasserstrom sicher zu entfernen. Beim Brauwasser sind dies hauptsächlich Hydrogencarbonate, Nitrate und unter Umständen auch Pestizide. Zu deren Eliminierung kann die Umkehrosmose eingesetzt werden. Auch andere der variantenreichen Membranverfahren

bewähren sich in der Lebensmittel- und Getränkebranche. Beispielsweise lässt sich durch Membranentgasung gelöster Sauerstoff aus Brauwasser oder dem bei der Saftherstellung benötigten Ausmischwasser effizient entfernen. Dadurch werden Oxidationsprozesse in den Produkten vermieden. Ein riesiger Bereich ist die Behandlung der Prozesswässer und Produktionsabwässer. Diese sind in der Getränke­ industrie typischerweise stark mit Feststoffen, zum Beispiel mit bei der Flaschenwäsche abgelösten Etiketten, sowie organischen Stoffen belastet. Individuelle Lösungen können die Abwasserfrachten vor Ort so weit vermindern, dass das behandelte Wasser ohne Gebührenzuschläge in die öffentliche Kanalisation oder sogar direkt in ein Gewässer eingeleitet werden kann. Außerdem lässt sich Energie in Form von Biogas oder Wärme gewinnen. Entsprechend aufbereitetes Prozesswasser kann zudem

zur Bewässerung oder zur Anlagenreinigung eingesetzt werden. Auch eine Rückgewinnung von Wertstoffen aus dem Abwasserstrom ist machbar. Beispielsweise kann aus Klärschlämmen Phosphor-Dünger gewonnen werden. Gerade Abwässer aus Molkereien zeichnen sich durch einen interessant hohen Phosphor-Gehalt aus. Wie in anderen Industrien auch, nimmt die Getränke- und Lebensmittelindustrie mehr und mehr die Lebenszykluskosten ihrer Anlagen ins Visier. Schließlich entstehen bis zu 80 Prozent der Gesamtkosten während des Betriebs, die Anschaffung schlägt hingegen nur mit einem Fünftel zu Buche. Optimierungen im Umgang mit Prozess- und Abwasser sind da lohnende Ansatzpunkte zur Kosteneinsparung. Quelle: IFAT, Messe für Wasser-, Abwasser-, Abfallund Rohstoffwirtschaft München

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Aseptische Abfüllung bringt Sicherheit Ob Frischmilch, Joghurt oder Fruchtsäfte – der Markt für aseptisch abgefüllte Getränke wächst. Jedoch müssen Lebensmittelhersteller noch konsequenter für hygienisch einwandfreie Produktions­ bedingungen sorgen. Zu Hilfe kommen ihnen dabei physikalische Verfahren zur Haltbarmachung und aseptisch abfüllende Anlagen.

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ebensmittel sollen heute so frisch und unbehandelt sein wie möglich – so die Verbraucherforderung am Point of Sale. Der Trend zu naturbelassenen Lebensmitteln führt dazu, dass die Hersteller bei der Produktion besonders hohe hygienische Standards einhalten müssen, wenn sie auf den Einsatz von Konservierungsmitteln und hohen Temperaturen bei der Haltbarmachung verzichten wollen. Minimal Processing ist der Schlüsselbegriff, unter dem die Anuga FoodTec im kommenden März die dafür erforderlichen Verfahren und Anlagen auf dem Messegelände bündelt.

Aseptik durch ein lebensmittelsteriles Umfeld Weltweit als Königsdisziplin auf diesem Gebiet gilt

a septische Abfüldie kalt­ lung in Kunststoff-Flaschen oder Getränkekartons – ein Verfahren, das ein kommerziell steriles Getränk oder Lebensmittel in einer lebensmitteltechnisch sterilen Anlage abfüllt. Die gesamte Produktion erfolgt im keim­ armen Umfeld, bei dem das Lebensmittel und die Packmittel separat sterilisiert und unter aseptischen Bedingungen zusammengeführt werden. Gerade für die Abfüllung sensitiver Produkte, die einen geringen Selbstschutz gegenüber dem Wachstum von Mikroorganismen haben, ist eine solche lebensmittelsterile Umgebung für die aseptische Abfüllung unabdingbar. Diese zu gewährleisten, ist für Produzenten kein leichtes Unterfangen – schließlich spielen neben technologischen Aspekten auch die damit verbundenen Kosten eine wichtige Rolle

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

bei der Investitionsentscheidung.

Minimierung des kritischen Bereichs Bei produktberührten Anlagenbereichen muss um die Anlage herum ein Bereich geschaffen werden, in dem die Sterilbedingungen aufrechterhalten werden. Um sowohl die Sicherheit der kaltaseptischen Abfüllung als auch deren Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, verfolgen die Maschinenhersteller deshalb vor allem ein Ziel: Die kritischen produktberührenden Bereiche sollten so klein und so einfach wie möglich gestaltet sein. Je komplexer ein Füllsystem ist, umso aufwändiger ist der Erhalt der dauerhaften aseptischen Verfügbarkeit. Allerdings werden nicht bei allen aseptischen Syste-

men Reinräume eingesetzt. In einigen Fällen wird eine aseptische Zone verwendet, welche durch eine positive Verdrängerströmung mit steriler Luft unter aseptischen Bedingungen gehalten wird.

Wege in der Entkeimung Die Voraussetzung für aseptische Verhältnisse ist die leicht reinigbare Gestaltung und die zuverlässige Reinigung von Anlagen, Apparaten, Geräten und Komponenten sowie ggf. das Prozessumfeld, wenn es als produktberührt eingestuft ist. Auch muss die Sterilisation während der gesamten Produktionszeit aufrecht­ erhalten bleiben. Die gleichen Voraussetzungen müssen die Packmittel und Packhilfsmittel erfüllen. Das heißt, sie


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müssen reinigbar und sterilisierbar gestaltet und steril befüllbar sein. Je nach Packmittel können für aseptische Anlagen unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden: die Sterilisation mit Wasserstoffperoxid (Trockenaseptik) oder mit Peressigsäure (Nass­a septik). Manchmal werden die Verfahren auch kombiniert. Die Sterilisation der Packmittel kann auch bereits bei den Preforms erfolgen. Ein weiteres Verfahren ist Pulsed-light. Das Prinzip: Ein hochintensiver Blitz wirkt rund 0,3 Sekunden auf die Oberflächen der Becher und Deckel und entkeimt diese wirkungsvoll. Von Seiten der Lebensmittelund Getränkehersteller besteht eine große Nachfrage nach kalt­aseptischen Verfahren.

SAUBER, MODERN UND EFFIZIENT: DIE VERPACKUNG VON LEBENSMITTELN UNTER SCHUTZGAS

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a äußere Einflüsse wie Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit, Lichteinwirkung, Temperatur oder Mikroorganismen die Hauptfaktoren für unerwünschte Produktveränderungen von Lebensmitteln darstellen, ist die Atmosphäre, in der das jeweilige Gut verpackt werden soll, entscheidend für dessen Haltbarkeit. Das Schutzgasverpacken verlängert aber nicht nur die Haltbarkeit von Produkten um ein Vielfaches, diese Methode kommt auch ohne Pressung aus, wie etwa bei der Vakuumverpackung, und beugt so unter anderem dem Aussaften der

Produkte vor. Nur so können Qualität, Aussehen und Geschmack der Lebensmittel langfristig optimal erhalten werden.

www.messer.at

Quelle: ANUGA FOODTEC

Lebensmittelgase Mit unseren Gases for Life erhalten Ihre Lebensmittel die beste Qualität. Unter dem Namen Gourmet liefert Messer reine Gase und Gasgemische für die Lebensmittelindustrie. Diese genügen höchsten Qualitätsanforderungen und erfüllen alle europäischen lebensmittelrechtlichen Vorschriften und HACCP-Anforderungen.

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KRÜSS hat die Lösung

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nter dem Stichwort Generation íí war KRÜSS gleich mit zwei neuen Messinstrumenten auf der analytica 2022 präsent. Das Tensiometer Tensíío des Hamburger Lösungsanbieters für Grenzflächenanalytik verbindet technische Innovationen mit großer Flexibilität bei der individuellen Ausstattung. Ayríís ist das weltweit erste Instrument zur Messung des Force Tensiometer 3D Contact Tensíío Angle, leistet als mobile Stand­alone-Lösung zuverlässige und eindeutige

Testungen für die Qualitätskontrolle (QC) und ist frei von Benutzereingriffen oder Ergebnisinterpretationen. KRÜSS setzt bei Tensíío besonders auf individualisierte Ausstattungsmöglichkeiten für den jeweiligen Bedarf des Anwenders. So ist ein Kraftsensor mit sehr hoher Auflösung verfügbar, der auch für die Messung geringer Grenzflächenspannungen oder der Benetzung einzelner Fasern ausgelegt ist. Flexibel und platzsparend sind integrierte Temperierlösungen, die einen Bereich zwischen 15 und 300° C abdecken. Das Positionierungssystem für die Probenbühne besitzt den bislang größten Dynamikbereich im Segment der auf Kraftmessung beruhenden Tensiometer. Die besonders hohe Maximalgeschwindigkeit spart Vorbereitungszeit bei jeder Messung.

Kohlhoff: Eingangskontrolle in Flucht- und Rettungswegen

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esonders in älteren Betriebsbereichen sind es die teils recht engen Durchgänge, die aufgrund ihrer baulichen Einschränkungen die Installation notwendiger hygienetechnischer Einrichtungen erschweren oder gar verhindern. Eine Lösung für solche Bereiche bietet das von Kohlhoff

Hygienetechnik, Unna, speziell für den Einsatz in engen Durchgängen sowie Flucht- und Rettungswegen entwickelte neue Eingangskontrollgerät EK 600 E. Es kann dort installiert werden, wo der Einsatz einer herkömmlichen Drehsperre den freien Durchgang in Notsituationen bisher nicht zuließ. www.kohlhoff-hygiene.de

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

Zudem sorgen extrem langsame Bewegungen bei exzellentem Gleichlauf für präzise Ergebnisse bei Analysen hochviskoser Flüssigkeiten oder bei Kontaktwinkelmessungen mit der WilhelmyMethode. Ein weiteres Novum ist die elektronische Libelle zur Ausrichtung des Instruments, die bei nicht waagerechter Aufstellung Rückmeldung gibt, um hohe Genauigkeit sicherzustellen. Ebenfalls neuartig ist die mehrfarbige Beleuchtung, die beispielsweise erfolgreiche Messungen mit grünem Licht und außerhalb vordefinierter Werte liegende Ergebnisse mit rotem Licht anzeigen kann. Mit Ayríís hat KRÜSS die Kontaktwinkelmethode für die Qualitätssicherung optimiert und die erste Lösung zur Messung des 3D Contact Angle entwickelt. Das Instrument erstellt eine 3D-Projektion des im Zuge der Messung dosierten Wassertropfens und bestimmt den

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3D Contact Angle Ayríís

Kontaktwinkel auf Basis dieses räumlichen Bildes sehr zuverlässig und immer automatisch. www.krussscientific.com

DS Smith: Innovation aus Tradition

S Smith ist als einer der weltweit führenden Anbieter faserbasierter Verpackungen in über 30 Ländern tätig. Dank der Fähigkeiten der rund 30.000 Mitarbeiter sind wir in der Lage, unsere Kunden über ihren gesamten Lieferzyklus hinweg strategisch zu unterstützen. Wir sind weltweit für unsere Innovationen und Qualität unserer Verpackungen anerkannt. Unsere Produkte aus nachhalti-

ger Wellpappe können die Transport- und Lagereffizienz sowie die Präsentation im Einzelhandel verbessern und den Produktabsatz für unsere Kunden steigern. Lebensmittel z. B. bleiben länger frisch und können in hoher Qualität am Verkaufsort angeboten werden. Zudem sind alle unsere Verpackungslösungen kreislauffähig. www.dssmith-packaging.at


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Optimierte Verpackung nicht kaufentscheidend!

Die Software für Prozessund Qualitätsmanagement

Obwohl viele Konsumenten auf Nachfrage die verschiedenen Funktionen von optimierten Verpackungen kennen, spielen diese bei der Kaufentscheidung keine wichtige Rolle.

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evorzugt werden Verpackungen, die von Konsumenten als umweltfreundlich angesehen werden. Der wichtigste Nutzen von Verpackungen ist jedoch der Produktschutz. Nur etwa ein Drittel der Konsumenten nimmt diese haltbarkeitsverlängernde Funktion wahr und sieht die Verpackung als wichtigen Informationsträger. Kaufentscheidend sind die Produkteigenschaften.

Verpackungsabfälle gegenüber Lebensmittelabfällen für das größere ökologische Problem, obwohl Fakten das Gegenteil belegen. Aus der Sicht der Konsumenten sollte die ideale Verpackung umweltfreundlich sein. Bevorzugte Materialien sind dabei Karton, Glas und biologisch abbaubare bzw. kompostierbare Kunststoffe. Aber auch bzgl. optimaler Materialien liegen Vermutungen und Fakten oft weit auseinander.

Analysen zeigen eine eher negative Einstellung zu Lebensmittelverpackungen bei Konsumenten. Lebensmittel werden als „überverpackt“ wahrgenommen. Eine aus der Sicht der Konsumenten umweltfreundliche Verpackung wird der Funktionalität von optimierten Verpackungen vorgezogen. Vor allem Kunststoffe sind negativ behaftet. Viele Konsumenten geben an, unverpackte Ware zu bevorzugen. Für die Kaufentscheidung sind aber hauptsächlich Produkteigenschaften ausschlaggebend. Verpackungen sind Informationsträger in der Kommunikation zwischen Produzenten und Kunden. Obwohl sich Konsumenten in Befragungen mehr Informationen und Hinweise auf der Verpackung wünschen, werden die bereits vorhandenen Informationen nur mangelhaft wahrgenommen und großteils nicht umgesetzt. Die gewohnte Lagerungsart wird aufgrund der Hinweise kaum verändert (Angabe von 90 % der Befragten). Aktuell halten rund 70 % der Befragten

Im Zusammenhang mit optimierter Verpackung sind nicht nur Lagerungs- bzw. Aufbewahrungsgewohnheiten von Konsumenten von großer Bedeutung, auch die Aufenthaltsdauer bzw. die durchschnittliche Verzehrzeit von Lebensmitteln im Haushalt ist ein wichtiger Faktor. Diese liegt bei vielen Produkten weit unter den zu erwartenden Werten, womit die haltbarkeitsverlängernde Funktion selten zum Tragen kommt. Auch die Kühlschranktemperatur spielt eine wesentliche Rolle im Bezug auf einen möglichen frühzeitigen Verderb. Die meisten Lebensmittel werden nur wenige Tage aufbewahrt, bevor sie verzehrt oder im ungünstigsten Fall weggeworfen werden. Die haltbarkeitsverlängernde Funktion der Verpackung kommt also nur zum Tragen, wenn die Konsumenten das Lebensmittel erst bewusst vor dem unmittelbaren Verzehr öffnen und nicht schon vorweg das Produkt umpacken oder lose lagern.

Prozesse

Prüfmittel

Gefahrstoffmanagement

Maßnahmen

Datenschutz

QM IFS

WIKI

Berichte HACCP

GMP

Kennzahlen

Auditmanagement

ISO 9001

Workflows Qualifikationen LDAP

Mehrsprachigkeit

IMS

Schulungen

SOP

FSSC 22000

Revisionssicherheit BPMN

KVP

Validierung

Risikomanagement

Compliance

GxP

Dokumente

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46 technik technology

Die Kühlschränke sind in vielen Haushalten nicht ideal eingestellt. Die optimale Temperatur wird zumeist überschritten. Gemessen wurde in der Fleischlade (= unteres Fach über Gemüselade und kälteste Zone), meist liegen Temperaturen deutlich über den empfohlenen Graden im unteren Fach von 3° C. Manche Messwerte überschreiten sogar die ideale Durchschnitts­ temperatur (über sämtliche Temperaturzonen im Kühlschrank) von 7 Grad.

Die Funktionalität der Verpackung hört zu Hause auf! Spätestens nach dem erstmaligen Öffnen der Verpackung werden Lebensmittel zumeist aus- bzw. umverpackt. Vor allem Obst und Gemüse werden

im eigenen Haushalt nur selten oder gar nicht. Zumeist wird die haltbarkeitsverlängernde Funktion der Lebensmittelverpackung nicht als solche wahrgenommen. Bestehende Lagergewohnheiten bestimmen den Umgang mit dem Produkt unabhängig von der spezifischen Verpackung. Wenn der Vorteil einer Verpackung jedoch erkannt wird, wird dieser bewusst von Konsumenten angenommen (z. B.: Vakuumverpackung beim Fleisch). © Fachpack–

direkt nach dem Kauf aus der Verpackung entnommen. Am ehesten nutzen Konsumenten die Originalverpackung für Käse, Fleisch und Wurstwaren. Weniger als 30 % bewahren

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

Tomaten in der ungeöffneten Originalverpackung auf. Befragungen zeigen: Konsumenten nutzen die optimierten Verpackungen

Diese Erkenntnisse sind der Broschüre Lebensmittel – Verpackungen – Nachhal­ tigkeit: Ein Leitfaden für Ver­ packungshersteller, Lebens­ mittelverarbeiter, Handel, Politik & NGOs entnom­ men. ecoplus, BOKU, denkstatt, OFI (2020)


Marken und Unternehmen stehen zunehmend werteorientierten Käufern gegenüber. Die Konsumenten bevorzugen Produkte, die möglichst keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt haben und zugleich die Waren optimal schützen. Verpackungen aus Wellpappe sind hierfür bestens geeignet, kosteneffektiv und nachhaltig. Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen maßgeschneiderte, kreislauffähige Lösungen, die alle Ihre Anforderungen und jene Ihrer Kunden erfüllen. Erfahren Sie mehr und buchen Sie Ihren persönlichen Workshop in unserem PackRight Centre. DS Smith Packaging Austria GmbH www.dssmith-packaging.at Heidestraße 15 Forster Straße 54-62 Friedrichstraße 10/4.OG Pfongau-Mitte 9/2.OG 5202 Neumarkt am Wallersee 2433 Margarethen am Moos 8401 Kalsdorf bei Graz 1010 Wien +43 (0) 2230 71 111-0 +43 (0) 3135 52 111-0 +43 (0) 1 86300 256 +43 (0) 6216 7756

Verpackungen für eine sich wandelnde Welt neu definieren


48 technik technology

ConSense: Qualitätsmanagement bei Recheis

F

ür die Lebensmittelproduktion ist ein funktionierendes QM-System unerlässlich. Die Recheis Gruppe, österreichische Manufaktur von Eierteigwaren, nutzt ConSense Software für ihr Integriertes Managementsystem. „Vor allem die ineinandergreifenden Funktionen – vom Prozess oder Dokument zur Schulung samt eLearning bis hin zum Audit- und Maßnahmenmanagement – sind jene, die ConSense für uns zum zentralen Tool machen und echten Mehrwert bieten“, sagt Klemens Gratzel, CTO/COO der Recheis Gruppe.

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Lebensmittel retten durch gute Verpackungen

D

ie richtige Verpackung ist ein großer Teil der Lösung des Problems der Lebensmittelverschwendung entlang der gesamten Versorgungskette von der Produktion über die Verarbeitung und Verpackung bis hin zum Konsumenten. Rund 500 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr weltweit bereits während der Produktion verschwendet. Hinzu kommen rund 160 Millionen Tonnen während der Verarbeitung und der Verpackung. Am Schluss der Kette verschwenden die Konsumenten rund 222 Millionen Tonnen Lebensmittel. Davon entfallen etwa 2,8 Millionen Tonnen pro Jahr auf die Schweiz. Leider

liegen Schweizer Konsumenten damit weltweit mithin an der Spitze der Pro-Kopf-Lebensmittelverschwendung. Das wurde auch seitens des Schweizer Bundesamtes für Umwelt (Bafu) erkannt. Gemäß einer Studie der ETH Zürich sind 25 Prozent der Umweltbelastung aus der Ernährung auf Food Waste zurückzuführen. Dabei blickt die Studie auf alle Ebenen: Rund 100.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr erreicht der Verlust im Detailhandel und bei Großverteilern. Die Haus­ halte entsorgen rund 1 Million Tonnen Lebensmittelabfälle. Neben mangelndem Bewusstsein für den Wert von Nahrungsmitteln wird dies auch auf unzureichendes

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

Wissen über die Haltbarkeit, Lagerung und Verpackung zurückgeführt.

gen Verderb, sind aber für den Direktkontakt nicht immer geeignet.

Zum Erhalt von Qualität und Frische der Produkte braucht es angemessene Verpackungslösungen während des Transports und der Lagerung. Dicht verschließende Verpackungsmaterialien aus Kunststoffen, Glas und Metallen sind am besten dazu geeignet, Lebensmittelverluste zu reduzieren. Sie bieten eine unerreichte Haltbarkeitsdauer bei verderblichen Lebensmitteln und schützen vor Verschmutzung und Beschädigung. Faserbasierte Verpackungsmaterialien aus Karton und Wellkarton schützen ebenfalls zahlreiche Lebensmittel vor dem vorzeiti-

Tatsache ist: Der Einsatz einer Verpackung zahlt sich schon aus, wenn durch die Schutzfunktion im Durchschnitt nur rund 3,5 Prozent der Lebensmittelabfälle vermieden werden. Dann ist der Umweltvorteil durch die Abfallreduktion bereits höher als der Aufwand für die Verpackung. Im Schnitt senkt eine Verdoppelung der Mindesthaltbarkeit des Lebensmittels durch eine geeignete Verpackung die Abfallrate im Handel um 40 Prozent und beim Konsumenten um 80 Prozent. Quelle: ETHA Zürich


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Wie verpackt man Süß- und Backwaren flexibel in unterschiedlichste Packungsformate? Dank Pick-and-Place-Robotern, die jedes Produkt exakt platzieren, und Anlagen, die mühelos zwischen unterschiedlichen Verpackungsmaterialien wechseln. Mit so gut wie keinem Ausschuss, um teure Ressourcen zu sparen. Das ist unsere Mission Blue. Ein echter Vorteil für das Klima, die vielen FMCG-Hersteller, die seit 1966 auf uns setzen und für Sie. www.schubert.group/de/suesswaren-snacks.html


50 technik technology

Vom Backen zum Verpacken

W

enn der Ofen einmal läuft, müssen Backwaren zügig und sicher verpackt werden, ohne den Ablauf der Produktionslinie auszubremsen. Pick-and-Place-Roboter von Schubert erfüllen diese Aufgabe effizient und flexibel. Die für jedes Kundenprodukt individuell gefertigten Roboterwerkzeuge gewährleisten dabei, dass weiche Croissants oder zerbrechliche Kuchenstücke beim Verpacken schonend behandelt und nicht beschädigt werden. Doch nicht nur das: In Kombination mit der Schubert-Bildverarbeitung

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Auflichtscanner prüfen während der Zuführung jedes Gebäckstück. Nur die Produkte, die allen definierten Qualitätskriterien in Form und Farbe entsprechen, werden verpackt.

ist zusätzlich sichergestellt, dass in einer Schubert Pickerline nur einwandfreie

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

Produkte in der Verpackung landen. Flexible Erweiterungen sind durch das modula-

re System bei Schubert kein Problem. Wer etwa das Verpacken in Schlauchbeutel in derselben Verpackungslinie integrieren will, ist mit dem Schubert Flowpacker bestens aufgestellt. Als ganzheitlicher Partner berät Schubert zudem bei der Auswahl der Ve r pac kung smat eri al i en und -designs und stellt damit schon frühzeitig die Weichen für ein optimales Ergebnis. www.schubert.group


termine __ 12.10.2022

15.10.2022

21.–22.10.2022

Wien

Paris

Online

Marktplatz Österreich für Nahrungsmittel & Getränke 2022

SIAL 2022: Internationale Lebensmittelfachmesse www.wko.at

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www.wko.at

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27.10.–28.10.2022 Brüssel

16th European Food and Feed Law Conference www.lexxion.eu/en/events

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Update Ernährungsmedizin www.ekfz.tum.de

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3.11.2022 Wien

16.11.2022 SALZBURG

15-Jahre-JubiläumsSeminar und Workshop: Krisenmanagement in der Praxis

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www.dielebensmittel.at

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Der Fachverband der Lebensmittelindustrie veranstaltet – heuer bereits zum 15. Mal – sein Seminar „Krisenmanagement“ mit Top-Fachleuten aus den Bereichen Krisenmanagement und Krisenkommunikation. Im Rahmen des Seminars gibt u. a. Coach und Rhetoriktrainer Mag. Gregor Fauma Einblicke in Kommunikationsmuster und Tipps für erfolgreiche Botschaften. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Gelegenheit, in einem Workshop selbst am Umgang mit einem Krisenszenario zu arbeiten und mittels Medientraining mit einem ORF-Journalisten Gelerntes vor laufender Kamera umzusetzen. Wer sollte teilnehmen? Verantwortliche / Führungskräfte bzw. Mitarbeiter aus den Bereichen Geschäftsführung, Qualitätsmanagement, Krisenmanagement, Marketing / Kommunikation, Produktion / Technik, Einkauf & Vertrieb Haben wir Ihr Interesse geweckt? Mit einer kurzen Rückmail an Mag. (FH) Birgit Wagner b.wagner@dielebensmittel.at können Sie – vorerst unverbindlich – bereits jetzt Ihr Teilnahmeinteresse bekunden. Sie erhalten umgehend nach Fertigstellung des Programms die Details unserer Veranstaltung mit der Möglichkeit zur verbindlichen Anmeldung zugeschickt.

Impressum — DIE ERNÄHRUNG Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft ∙ ­N UTRITION Austrian journal for science, law, t­echnology and economy ∙ ­redaktion@ernaehrung-nutrition.at ∙ Offizielles Organ des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Österreichs und des Vereins zur Förderung der österreichischen Lebensmittelwirtschaft (foodalliance) ∙ ­Herausgeber: Fachverband der Lebensmittel­industrie; A-1030 Wien, Zaunergasse 1–3 ∙ Wissenschaftlicher Beirat: General­direktor Univ.-Prof. Dr. iur. et rer. pol. Walter Barfuß, Ao. Univ.-Prof. i. R. DI Dr. nat. techn. Emmerich Berg­h ofer, Dr. ­Michael Blass, Hon.-Prof. Dr. Konrad

Brustbauer, Ass.-Prof. DI Dr. nat. techn. Klaus Dürrschmid, Prof. Dr. Christian Hauer, Univ.-Prof. Dr. Ing. Henry Jäger, OR Dr. Leopold Jirovetz, Univ.-Prof. i.R. DI Dr. nat. techn. Wolfgang Kneifel, Univ.-Prof. Dr. Jürgen König, Dr. Andreas Natterer, Ass.Prof. Dr. Peter Paulsen, Univ.-Prof. Dr. Werner Schroeder, LL.M, Univ.-Prof. Dr. Veronika Somoza, Univ.-Doz. Mag. Dr. Manfred Tacker, Univ.-Prof. Dr. med. vet. Martin Wagner Dipl. ECVPH ∙ Chefredakteur: DI Oskar Wawschinek, MAS, MBA ∙ Redaktion Wissenschaft: Ass.-Prof. DI Dr. nat. techn. Klaus Dürrschmid ∙ Redaktion Recht: Mag. Ka­tharina Koßdorff ∙ Verleger: SPV Printmedien Gesellschaft m.b.H.; A-1080 Wien, Florianigasse 7/14;

ERNÄHRUNG | Nutrition volume 46 | 05. 2022

Tel.: 01/581 28 90; Fax: 01/581 28 90-23; online-redaktion@­blickinsland.at ∙ Lektorat: Mag. Nina Wildzeisz-­Rezner, MAS ∙ Satz: Gerald ­Mollay ∙ Herstellung: ­proprint.at ∙ Anzeigen­leitung: Prok. Doris Orthaber-­ Dättel, Tel.: 01/581 28 90-12, daettel@ blick­ins­land.at, Tel.: 01/581 28 90-27, smejkal@­blickinsland.at ∙ ­Ernährung/Nutrition – ISSN 0250-1554 – erscheint sechsmal jährlich. Nachdruck sämtlicher Artikel, auch auszugsweise, nur mit Quellen­angabe, gegen Belegexemplar; Zitierung von wissenschaftlichen Beiträgen: Ernährung/Nutrition. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Autors wieder, die nicht mit jener des He­rausgebers überein­stimmen muss.



oder academy.gli-austria.at

Als österreichisches Kompetenzzentrum für Lebensmittelsicherheit und Betriebshygiene agieren wir seit 1998 erfolgreich auf dem europäischen Markt. Unsere Erfahrung auf betrieblicher Ebene und Know-how in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, modernster Labordienstleistungen, Consulting und die Vernetzung mit externen Partnern schafft unsere breite Kompetenz. Als Teil der GBA Group, einer der führenden deutschen Analyselaboratorien und Servicedienstleister in den Bereichen Lebensmittel,

Umwelt und Pharma, erweitern wir laufend unser Dienstleistungsportfolio, unsere Expertise und den Zugriff auf modernste Laborkapazitäten. Unsere Kunden sind für uns Partner, die wir begleiten. Der Nutzen ergibt sich aus der individuellen Erarbeitung von Lösungswegen zur Sicherung Ihrer Produkte. Kompetenz, Praxiserfahrung und unternehmerisches Denken für alles, was Lebensmittel ausmacht.