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II technik spezial technology special

Nachhaltig und forschungsorientiert VFI ist ein familiengeführtes Unternehmen und einer der bedeutendsten heimischen Anbieter pflanzlicher Öle. Matthias Lachner, Geschäftsführer F&E, Qualität und Finanzen, im Gespräch mit Alois Burgstaller.

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ie Ernährung: VFI ist Marktführer bei Speiseölen in Österreich. Seit kurzem nennt sich das Unternehmen „VFI Oils for Life“ und auch das Firmenlogo wurde geändert. Wie kam es dazu? Matthias Lachner: VFI Oils for Life hat sich in den letzten Jahren zu einem spezialisierten Hersteller mit Fokus auf Weiterverarbeiter in der Lebensmittelindustrie entwickelt. In diesem Kreis möchten wir national und international bekannter werden. Wir wachsen vor allem bei Industrie und Gewerbekunden mit Ölen in speziellen Qualitäten. Gleichzeitig bleiben wir für den Lebensmittelhandel mit unseren bekannten Marken Kronenöl, Bona, Osolio Frivissa und Ceres der bewährte Partner mit Ölen und Fetten für Haushalt und Gastronomie und stellen auch Eigenmarken des Handels her. Der Name „Oils for Life“ soll unsere Kompetenz in der Herstellung von Ölen für Lebensmittelanwendungen in allen Qualitäten zum Ausdruck bringen. Sie haben eine starke Ausrichtung auf Bio. Wenn ich Ihnen zwei Öle präsentiere, würden Sie das biologische herausfinden? Lachner: Bei Bio-Produkten geht es um Verantwortung für die Umwelt, um eine nachhaltige Produktion, die nach klar festgelegten Regeln abläuft.

Bei vielen Bio-Lebensmitteln lässt sich ein sensorischer Unterschied zu konventionell erzeugter Ware nicht oder kaum feststellen. Konsumenten kaufen Bio primär aus der Überzeugung, dass Bio-zertifizierte Lebensmittel nachhaltig erzeugt sind und dass sie keine synthetischen Pflanzenschutzmittel enthalten. VFI erzeugt vor allem Bio-Öle in raffinierter Qualität, die als Zutat in der Produktion von Bio-Lebensmitteln eingesetzt werden oder als Brat- und Frittieröl. Anders als bei kalt gepressten Ölen ist bei diesen Ölen ein neutraler Geschmack erwünscht. Gibt es auch keine Unterschiede in der chemischen Zusammensetzung? Lachner: Wenn das Öl von der gleichen Pflanzenart stammt, gibt es chemisch keine Unterschiede. Die Fettsäure­ struktur einer Bio-Sonnenblume ist exakt die gleiche wie die einer konventionellen Sonnenblume der gleichen Sorte. Da bei der Bio-Sonnenblume aber kein Kunstdünger und keine synthetischen Herbizide und Pestizide eingesetzt werden, ist der Ertrag des Bio-Landwirts deutlich geringer. Dafür wird der Boden geschont und die Biodiversität erhalten. Was ist im Augenblick das heißeste Thema in der Öl-FettForschung? Lachner: Es gibt großes Interesse bei den Kunden für

ERNÄHRUNG | Nutrition  volume 45 | 01. 2021

Ersatzlösungen für Palmöl. Wir forschen stark in diesem Bereich und haben gemeinsam mit Kunden palmfreie Varianten für verschiedene Einsätze entwickeln können. Das Charakteristikum von Palmöl ist, dass es vielseitig einsetzbar ist und dazu noch günstig. Das in europäischen Lebensmitteln verwendete Palmöl stammt zum allergrößten Teil aus nachhaltigem Anbau. Palmöl ist als Frittierfett, für die Herstellung von Füllcremen, von Haselnussaufstrichen und als Backfett nach wie vor beliebt. Allerdings macht der Palmölverbrauch für Lebensmittel in Europa nur 4 % der globalen Palmölproduktion aus. Ein wesentlicher größerer Teil geht in die Biodieselerzeugung weltweit, vor allem in den Erzeugerländern. VFI hat für viele Anwendungen Alternativen entwickelt. Lebensmittelhersteller können damit die Vorgaben von Private-Label-Kunden erfüllen, die in einigen Fällen auf Rezepturen ohne Palmöl in bestimmten Markenportfolios bestehen. Ein weiterer Forschungshot­ spot sind besonders schadstoffarme, raffinierte Öle und Mischungen für spezielle diätische Anwendungen wie Säuglingsnahrung. Wir forschen hier gemeinsam mit der FH Wels im Rahmen des österreichischen Lebensmittelkompetenzzentrums FFoQSI.

Wie haben sich die Ernährungsgewohnheiten verändert, und wie wirkt sich das auf die VFI aus? Lachner: Mit gesellschaftlichen Veränderungen kamen auch die Ernährungsgewohnheiten in Bewegung. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten wird heute wesentlich mehr außer Haus gegessen und es werden wesentlich mehr Convenience-Produkte verzehrt. Das führt zu einem rückläufigen Verbrauch an Grundnahrungsmitteln im Einzelhandel, aber zu einer Steigerung bei Gastronomieprodukten und bei verarbeiteten Lebensmitteln. Gleichzeitig gibt es einen Trend, weg von gesättigten Fettsäuren und Transfetten hin zu ungesättigten Fetten. Für vom Handel erwünschte Lebensmittel mit langer Haltbarkeit braucht es sehr stabile Öle, die traditionell viel gesättigte Fette oder gehärtete Fette enthielten. Heute liefern wir an Lebensmittelhersteller zunehmend sehr stabile ölsäurereiche Öle aus speziellen Sonnenblumen und auch Raps, die die gesättigten Fette vor allem aus Palmöl zunehmend ersetzen. Tierische Fette wie Rindertalg oder Schweine­ schmalz kommen heute nur noch für wenige Spezialsortimente zum Einsatz. VFI verarbeitet keine tierischen Fette. VFI hat direkt mit Bauern Verträge?

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 45 | 01.2021  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

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