DIE ERNÄHRUNG VOLUME 44 | 04 2020

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SO SCHMECKT ERFOLG Interview DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT DI STEPHAN MÖLLS, EINEM DER GESCHÄFTSFÜHRER DER ESAROM GMBH, ÜBER DIE AUSWIRKUNGEN UND DIE BEWÄLTIGUNG DER CORONA-KRISE, DIE ROLLE VON AROMEN FÜR DIE LEBENSMITTEINDUSTRIE IM INLAND UND IM EXPORT, ÜBER TRENDS UND ENTWICKLUNGEN, DIE KOSTEN UNTERSCHIEDLICHER KENNZEICHNUNG, DIE BEDEUTUNG VON INNOVATIONEN UND DEN STANDORT ÖSTERREICH. OSKAR WAWSCHINEK

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ie Ernährung: Wie haben Sie in einem Unternehmen, das in mehr als 50 Ländern tätig ist, die Corona-Krise erlebt? Stephan Mölls: Wir waren früh vorbereitet durch unsere Verbindungen zu China und zu Wuhan im Speziellen – ein Mitarbeiter unserer Purchasing Unit hat sein Büro in Wuhan. Zu Beginn dachten wir noch an eine Logistik-Herausforderung, auch aus den Erfahrungen von Sars1 und Mers. Es wurde aber schnell klar, dass eine echte Pandemie daraus wird. Natürlich gibt es in einer solchen Situation eine gewisse Unsicherheit: Wie stark ist die eigene Branche, sind unsere Kunden betroffen? Wie ändert sich das Konsumverhalten? Wie reagieren die Exportmärkte? Was passiert, wenn es Krankheitsfälle im eigenen Unternehmen gibt? Viele Fragen, auf die wir rasch eine Antwort haben mussten. Welche Maßnahmen haben Sie gesetzt – weltweit und speziell in Österreich? Mölls: Die ersten Maßnahmen des abteilungs- und prozessübergreifenden COVID19-Teams zielten in Richtung Logistik. Die Versorgungssicherheit für unsere Kunden sicherzustellen, war oberstes Gebot. Dafür wurden nach Auswertung der Daten neue Ziele für

Lagerhaltung und Reichweiten erarbeitet und eine Strategie für die Beschaffung nach Regionen eingeführt. Intern wurden strenge Hygieneregelungen in einem COVID19-Handbuch veröffentlicht und geschult. Dafür konnten alle Werkzeuge des integrierten Managementsystems genutzt werden, um rasch das Management und die Mitarbeiter zu erreichen. Dies ist insbesondere wichtig, da diese Regelungen schnellstens an die veränderte Situation angepasst werden müssen. Inhalte des COVID19-Handbuchs umfassen Reise- und Kommunikationsregeln, Regelungen über Home­ office, Hygieneregeln, Regelungen über Trennung von Bereichen und Abteilungen sowie den Umgang mit externen Personen. Als im März der Lockdown kam, waren die esarom-COVID19-Regeln bereits im gesamten esarom-Team implementiert, die Infrastruktur für Home­office war aufgebaut, die Systeme für Online-Meetings intern und mit Kunden eingerichtet und geschult. Die Geschäftsleitung trifft sich regelmäßig zu Strategiemeetings, um das Geschäftsmodell und die Auswirkungen der Krise auf dieses zu beleuchten. Wir achten stark darauf, neben dem notwendigen kurzfristigen Reagieren auch die langfristigen Auswirkungen nicht aus den Augen zu verlieren.

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 44 | 04. 2020

Welche Änderungen werden Sie voraussichtlich beibehalten? Mölls: Die Kommunikation face-to-face ist für unser Geschäftsmodell wesentlich. Aromen lassen sich nicht virtuell erklären und verkosten. Wir hoffen, sehr rasch wieder Projekte mit unseren Kunden gemeinsam live zu bearbeiten. Dennoch werden „Zoom“und „Teams“-Konferenzen in manchen Bereichen erhalten bleiben. So können wir hochspezialisierte Flavouristen und Produktentwickler zu Kundenbesuchen in fernen Ländern „dazuschalten“, um Fragen zu den Produkten zu beantworten oder die Kundenanforderungen besser zu verstehen. Auch im Bereich Sales wird das Digitale weiter eine größere Rolle spielen als früher – Online-Meetings werden die eine oder andere Dienstreise auch weiterhin ersetzen. Hybrid Selling – ein Mix aus digital und analog – sehen wir als Modell der Zukunft. Hat sich der Absatz durch die Krise verändert? Mölls: Wir merken Einbrüche bei Produkten, die stark in der Gastronomie und im Tourismus positioniert sind. Am Anfang der Krise waren die Panikkäufe spürbar. Nun hat sich der Absatz auf niedrigem Niveau erfangen. Die Um-


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