DIE ERNÄHRUNG VOLUME 44 | 02 2020

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Bei Verpackungen braucht es den Blick aufs Ganze Was macht eine Lebensmittelverpackung nachhaltig? Wo macht es Sinn, überhaupt auf Verpackung zu verzichten? Und welche technologischen Innovationen bringt die Zukunft? Von der Recyclingfähigkeit bis zur Ökobilanz: Für eine nachhaltige Lebensmittelverpackung müssen viele Faktoren mitgedacht werden. Experte Manfred Tacker von der Fachhochschule FH Campus Wien im Interview. Oskar Wawschinek

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ie Ernährung: Herr Dr. Tacker, Lebensmittelverpackungen sollen einfach anwendbar sein, das Produkt schützen und so geringe Umweltauswirkungen wie möglich verursachen. Welche Aspekte sollten in die Gestaltung einer Verpackung einfließen? Manfred Tacker: Bei Lebensmittelverpackungen steht der Produktschutz an oberster Stelle. Das ist auch aus ökologischer Sicht wichtig – denn verdirbt ein Lebensmittel vorzeitig, hat das unter Umständen mehr negative Auswirkungen auf die Umwelt als die Verpackung selbst. Eine Verpackung muss so gestaltet sein, dass sie die gesamten Logistikprozesse gut übersteht: vom Abfüller bis hin zu den Endverbrauchern. Von der mechanischen Stabilität über die gege-

benenfalls notwendige thermische Isolierung bis hin zur Modularität muss da vieles mitgedacht werden. Die Verpackung übernimmt darüber hinaus noch weitere Funktionen – etwa die Information der Konsumenten. Tacker: Das stimmt, die Verpackung ist auch Informationsträger für die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung des Inhalts. Und nicht zuletzt muss die Hülle so gestaltet sein, dass sich die Verbraucher angesprochen fühlen. Die Verpackung ist ja eigentlich das wichtigste Marketinginstrument für den Lebensmittelhersteller. In letzter Zeit spielt außerdem das Thema Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle: Die Verpackung sollte ihre Funktionen mit möglichst wenig negativen Umweltaspekten erfüllen und kreislauffähig sein.

Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Zusammenhang? Tacker: Beim Thema Lebensmittelverpackung ist es entscheidend, den Blick aufs Ganze zu haben. Es macht keinen Sinn, nur die Recyclingfähigkeit zu verbessern, ohne dabei auf andere Faktoren zu achten. Manchmal wird an einem Schräubchen gedreht und dabei ein anderer Wert verschlechtert. Letztlich geht es immer darum, eine möglichst optimale Gesamtlösung zu erzielen. Wie lässt sich die Ökobilanz einer Verpackung berechnen? Tacker: Die Ökobilanz ist eine standardisierte Vorgangsweise mit festgelegten Parametern zur Berechnung aller Umweltauswirkungen eines Produkts. Sie untersucht den gesamten Lebenszyklus der Verpackung, alle relevanten

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