DIE ERNÄHRUNG VOLUME 44 | 01 2020

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ZWISCHEN BIO-BOOM UND VERSCHÄRFUNG VON SPIELREGELN WÄHREND DIE BIO-ANBAUFLÄCHEN IN ÖSTERREICH ZULETZT WEITER STARK GESTIEGEN SIND, WUCHS DIE NACHFRAGE NACH BIO-PRODUKTEN NICHT IM SELBEN AUSMASS AN. DIES MACHT SICH Z. B. BEI DEN LAGERSTÄNDEN UND DEN PREISEN VON BIO- UND UMSTELLER-GETREIDE BEMERKBAR. EINE WEITERE HERAUSFORDERUNG STELLT DIE AB 1. 1. 2021 IN KRAFT TRETENDE NEUE EU-BIO-VERORDNUNG DAR. SIE ÄNDERT DIE SPIELREGELN FÜR DIE PRODUKTION VON BIO-LEBENSMITTELN. LISA JÖCHLINGER

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ie Entscheidung für eine Produktion von biolo­ gischen Lebensmitteln wird oftmals aus wirt­ schaftlichen Überlegun­ gen getroffen. Der Markt honoriert in vielen Fällen den höheren Aufwand für die Produktion nach Bio-Standards. Zudem spielt für viele Landwirte auch die ideologische Überzeugung von die­ ser Produktionsweise eine wichtige Rolle. Landwirte, die in der aktuellen Förderperiode der Gemeinsamen Ag­ rarpolitik auf biologische Wirtschafts­ weise umsteigen wollten, hatten dazu bis November 2018 die Möglichkeit, um auch noch alle entsprechenden Leistungen aus dem ÖPUL (Österrei­ chisches Programm für umweltgerechte Landwirtschaft) in Anspruch nehmen zu können. Dass so mancher Bauer dies

„am letzten Drücker“ umsetzte, zeigt sich in den Umstiegszahlen des Land­ wirtschaftsministeriums (BMNT): Von 2017 auf 2018 erhöhte sich der Anteil an biologisch bewirtschafteten Flä­ chen um rund 17.000 ha, davon rund 13.000 ha Ackerland. Im Jahr 2018 gab es in Österreich demnach 23.477 Bio-Betriebe, welche bereits rund 25 % (637.805 ha) der landwirtschaftlich ge­ nutzten Fläche bewirtschafteten. Starke Zuwächse waren insbesondere in den nordöstlichen Ackerbauregionen Ös­ terreichs zu verzeichnen. Positiv entwi­ ckelt sich auch der biologische Anbau von Soja mit fast 30 % der Fläche. Bei weiteren heimischen Eiweißpflanzen (im wesentlichen Pferdebohnen und Erbsen) liegt der Bio-Anteil sogar bei rund zwei Drittel. Die Bio-Anbauflä­ che von Feldgemüse liegt bei gut 20 %.

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 44 | 01. 2020

Rund 22 % der Rinder, 33 % der Scha­ fe und mehr als die Hälfte der Ziegen in Österreich werden auf Biobetrieben gehalten.

Angebot und Nachfrage Der jüngste Umsteller-Boom in die Bio-Landwirtschaft machte sich vor allem in den Produktionsmengen von Bio-Soja und Bio-Winterweichweizen bemerkbar.1 Doch bei letzterem über­ steigt das Angebot bereits die Nachfra­ ge, die Lager für Bio-Getreide sind zum Teil noch aus dem Jahr 2017 gefüllt. Probleme in der Vermarktung gebe es vor allem bei der sogenannten Umstel­ lerware, dem „Zwitterprodukt“ aus konventionell und biologisch produzier­