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RISIKOBAROMETER LEBENSMITTEL DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT DI DR. THOMAS KICKINGER, GESCHÄFTSFÜHRER DER AGES, AGENTUR FÜR GESUNDHEIT UND ERNÄHRUNGSSICHERHEIT, ÜBER DIE ERGEBNISSE DES RISIKOBAROMETERS 2018, DIE VERÄNDERUNGEN IN DER RISIKOWAHRNEHMUNG, DEN UMGANG DER MENSCHEN MIT RISIKEN BEI LEBENSMITTELN SOWIE TOOLS UND PLÄNE DER AGES DAZU. OSKAR WAWSCHINEK

Welche Veränderungen gab es im Vergleich zur Erhebung 2017? Kickinger: Wie auch schon im Risikobarometer 2017 beunruhigen besonders die Themen soziale Ungleichheit, Klimawandel und Umweltverschmutzung. Zugenommen hat die Besorgnis

© AGES/NEMENZ

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i e E r n ä h r u n g : Die AGES hat kürzlich den Risikobarometer Umwelt & Gesundheit 2018 veröffentlicht. Was hat sich als Kernaussage ergeben? Thomas Kickinger: Schwerpunkt des Risikobarometers 2018, der wieder gemeinsam von der AGES mit dem Umweltbundesamt durchgeführt wurde, waren die Themen Lebensmittel und Lebensmittelsicherheit. Dabei hat sich gezeigt, dass Qualität und Frische für die Befragten die wichtigsten Kriterien bei Lebensmitteln sind. Gefolgt von der Sicherheit bei Lebensmitteln und der Gentechnikfreiheit. Die Herkunft von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit, Regionalität und Saisonalität liegen in der Wichtigkeit vor biologischen Lebensmitteln. Über den hohen Salz- und Zuckergehalt ihres Essens macht sich die heimische Bevölkerung kaum Sorgen.

Thomas Kickinger Geschäftsführer AGES, Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, Wien

bei der sozialen Ungleichheit, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Energieversorgung und Digitalisierung. Abgenommen hat die Besorgnis im Bereich Gentechnik, Datenschutz, Ernährungsqualität, Ernährungsversorgung und Lebensmittelsicherheit. Die Unterschiede in der Risikowahrnehmung zwischen Frauen und Männern wurden wieder bestätigt: Frauen sind bei allen Themen beunruhigter. Beson-

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 43 | 05. 2019

ders groß ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei der Lebensmittelsicherheit sowie bei Ernährungsqualität und Ernährungsversorgung. Im Bereich Lebensmittel kam es zu einer Zunahme der Besorgnis hinsichtlich Rückständen und Kontaminanten, hormonähnlichen Stoffen, gentechnisch veränderten Lebensmitteln, Schimmelpilzgiften, aber auch hinsichtlich Täuschung durch unrichtige Informationen auf Lebensmittel-Verpackungen. Wie werten Sie diese Entwicklungen? Kickinger: Die Beunruhigung im Bereich Lebensmittel zeigt einen erfreulichen Trend, da das Risikobewusstsein beim Thema Schimmelpilzgifte gestiegen ist und die dauerhafte Verhaltensänderung durch das Lesen von Risikoberichten stetig steigt. Erstaunlich ist hingegen, dass sich die Österreicher auch vor Risiken fürchten, die sie selbst in der Hand haben, wie beispielsweise Substanzen, die bei der Zubereitung entstehen. Für uns ist deshalb auch wichtig, zielgruppenspezifische Konsumententipps anzubieten. Wie hat sich Ihrer Einschätzung nach die Arbeit der AGES darauf ausgewirkt und wie werden Sie auf die Ergebnisse

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 43 | 05 2019  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

DIE ERNÄHRUNG VOLUME 43 | 05 2019  

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