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ENZYME FRESSEN PLASTIK Viele Bioplastiksackerln haben im Müll nichts zu suchen IN SAUERSTOFFARMEN UMGEBUNGEN WIE BIOGASANLAGEN LÖSEN SIE SICH ZU LANGSAM AUF UND BELASTEN BEIM VERBRENNEN DES MÜLLS DIE UMWELT. IM RAHMEN EINES FORSCHUNGSPROJEKTS AM AUSTRIAN CENTRE OF INDUSTRIAL BIOTECHNOLOGY (ACIB) SUCHT MAN NUN NACH ENZYMEN, DIE DAS PLASTIK SCHNELLER AUFLÖSEN UND EMISSIONEN VERMEIDEN. MIT DEM ZIEL, PLASTIKBERGE ZU VERRINGERN UND LANGFRISTIG HERKÖMMLICHE VERPACKUNGEN DURCH BIOBASIERTE POLYMERE ZU ERSETZEN. DORIS RIBITSCH

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aus, dass Mikroplastikkonzentrationen am Festland zwischen 4–23 Mal höher sind als im Meer.

©  FOTO FISCHER

b Flaschen, Essensverpackungen, Einkaufssackerl oder Strohhalme – ein Großteil der Einwegprodukte des Alltags besteht aus Kunststoffen, welche aus Erdöl hergestellt sind. Zwar ist Kunststoff wasserabweisend, leicht, luftundurchlässig und geruchsneutral, weshalb er sich als weitverbreitetes Material eignet, um Speisen frisch zu halten und vor Mikroorganismen zu schützen, die sie sonst verderben lassen. Dennoch wird Plastikabfall für den Menschen und die Natur zu einem immer größeren Problem: Durchschnittlich benötigt herkömmliches Plastik 450 Jahre, bis es zersetzt ist. Ganz löst sich Plastik aber nicht auf: Feine Partikel bleiben zurück, sogenanntes Mikroplastik, das die Weltmeere verschmutzt und von Fischen gefressen wird, die wir als Nahrung aufnehmen. Ersten Untersuchungen zufolge löst Plastik im menschlichen Körper Entzündungsherde aus, bringt Veränderungen der Membran-Durchläs-

Doris Ribitsch

sigkeit mit sich und erzeugt Stress durch Sauerstoffradikale. Bei Fischen können diese Plastik-Nanoteilchen sogar die natürliche Barriere zwischen Blutgefäßen und dem Gehirn überwinden und das Verhalten der Tiere beeinflussen. Plastikpartikel reichern sich aber nicht nur in Gewässern an, auch im Boden sind sie zu finden. Schätzungen gehen davon

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 43 | 05. 2019

Abbau unter anaeroben Bedingungen zu langsam Um diesen Entwicklungen vorzubeugen, entwickelt die Industrie bioabbaubare Kunststoffarten, die sich in wesentlich kürzerer Zeit abbauen lassen – sofern Sauerstoff mit von der Partie ist. Anders sieht es aus, wenn Bioplastiktüten zusammen mit den Essensresten im Biomüll landen und dieser sinnvollerweise unter Sauerstoffausschluss in Biogas verwandelt wird. Dort haben sie nämlich nichts zu suchen. Laut DIN EN 13432 Norm schließt Bioabbaubarkeit mit ein, dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff- und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Bakterien oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, CO2 und Biomasse abgebaut haben muss. Neuerdings landet ein Teil des Biomülls und mit

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 43 | 05 2019  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

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