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AGRANA – MEHRWERT AUS PFLANZEN DIE ERNÄHRUNG SPRACH MIT GENERALDIREKTOR DI JOHANN MARIHART, CEO DER AGRANA BETEILIGUNGS-AG, ÜBER KLIMAWANDEL UND „KLIMASTEUERN“, SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG, E10-BEIMISCHUNG, PLASTIK UND MERCOSUR. OSKAR WAWSCHINEK

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ie Ernährung: Das Thema Klimawandel hat verschiedene Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Es gibt den Vorwurf der Verursachung – Stichwort Fleisch –, andererseits verlangen Hitze und Schädlinge z. B. nach neuen Sorten. Wie reagiert die AGRANA auf diese Thematik? Johann Marihart: AGRANA unterliegt dem Emissionshandel. Daher ist Energie-Einsparung eine ständige Herausforderung, die mit dem CO2-Preis steigt. Hinsichtlich des Einflusses des Klimawandels auf unseren Rüben-, Kartoffel-, Weizen- und Maisbedarf müssen wir uns auf höhere Ertragsschwankungen durch Trockenheit, aber auch Schädlinge einstellen. Wir tun dies durch Bevorratung, Sorten- und Kontrakt-Politik. Wie wird die Rohstoffsituation (Rüben, Kartoffel etc.) in Österreich in Zukunft aussehen? Wie hoch schätzen Sie den Importbedarf, um die Anlagen auslasten zu können? Wird aus wirt-

schaftlicher Sicht Stärke den Zucker ablösen? Marihart: Wir benötigen für die volle Auslastung unserer österreichischen Stärke- und Zuckerfabriken rund 3 Mio. Tonnen Rüben, 300.000 Tonnen Kartoffeln, 700.000 Tonnen Weizen und 800.000 Tonnen Mais. Während die Zuckerrüben alle aus heimischer Produktion stammen, importieren wir 20 % der Stärkekartoffeln aus Tschechien und decken rd. 50 % des Getreidebedarfs aus dem angrenzenden Ausland (Mähren, Westslowakei, West­ ungarn). Diese Situation wird sich bei Getreide nicht verändern. Wenn es auf Dauer zu wenig heimische Zuckerrüben gibt, müssen wir aus Transportkostengründen die Kapazität anpassen. Eine Ablöse von Zucker durch Stärkeverzuckerungsprodukte sehe ich nicht. Zucker hat außer in Getränken keine wesentliche Stärke-Konkurrenz zu fürchten. Was halten Sie von einer medial diskutierten „Klimasteuer“ oder „CO2-Abgabe“? Wäre z. B. eine höhere Ethanol-Beimischung (E10) eine Möglichkeit

ERNÄHRUNG | NUTRITION  volume 43 | 05. 2019

zur Reduktion des Verbrauchs von fossilen Treibstoffen und somit klimafreundlich? Marihart: E10 ist eine mögliche Sofortmaßnahme, die auch keinerlei Umrüstung bedarf und über die gesamte Fahrzeugflotte aller Jahrgänge fossilen Treibstoff und damit CO2 spart. 400.000 Tonnen CO2 weniger sparen zusätzlich 8–10 Mio. Euro an Verschmutzungsrechtszukäufen für Österreich (derzeit). Eine CO2-Steuer halte ich für gut, wenn sie europaweit gilt, auch für Importe eingehoben wird bzw. für Exporte erstattet wird, eine Zweckbindung der CO2-Steuern für die Umsetzung der Klimaziele gegeben ist, sie zu keiner Doppelbelastung für die dem europäischen Emissionshandel unterliegenden Unternehmen führt und sie für alle gilt, auch den Luftverkehr. Das Thema „Plastik und Müllvermeidung“ ist ebenfalls allgegenwärtig. Wie schätzen Sie die Chancen für die von der AGRANA-Forschung entwickelten Kunststoffe auf pflanzlicher Basis ein?

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DIE ERNÄHRUNG VOLUME 43 | 05 2019  

Österreichische Zeitschrift für Wissenschaft, Recht, Technik und Wirtschaft

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