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NÖ RINDERZUCHTVERBAND

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Genomische Selektion beim Fleckvieh 2011 war das bestimmende Thema in der Rinderzucht die Einführung der genomischen Selektion. Seither haben alle Prüfstiere genomische Zuchtwerte und durchlaufen in Niederösterreich weiterhin den Prüfeinsatz. Von Ernst Grabner

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Fotos: © NÖGZ, Versetto

eit 2011 wird der Grundsatz, dass jeder Prüfstier den Prüfeinsatz durchlaufen muss, umgesetzt. Die Sicherheiten der genomselektierten Prüfstiere sind im Vergleich zum früher verwendeten Ahnenindex bedeutend gestiegen, liegen aber trotzdem noch unter dem Sicherheitsniveau von geprüften Vererbern. Auch zukünftig wird die Absicherung über Nachkommenprüfung und damit eine möglichst exakte Datenerhebung für Leistungs-, Exterieurmerkmale und in Zukunft zunehmend Gesundheitsmerkmale weiterhin von großem Wert sein. Zudem werden nur qualitativ gute Töchterinformationen eine exakte Schätzung zukünftiger genomischer Zuchtwerte ermöglichen. Erst wenn der Prüfeinsatz abgeschlossen ist, kommen eine Handvoll der absolut besten Prüfstiere in den weiteren Einsatz.

Zuchtwerte zu kombinieren und die richtige Mischung daraus zu finden. Sicherlich darf auch als Vorteil der genomischen Selektion bezeichnet werden, dass heute Kühe genutzt werden können, die früher keine Chance als Stiermutter hatten. Nicht selten erhalten Kandidaten aus Kühen, die bisher nicht Stiermütter waren, sehr gute genomische Zuchtwerte. Hier muss man die Einzelkuh, die Kombination und natürlich die Kuhfamilie genau betrachten. GENOSTAR bezieht die genomischen Zuchtwerte in den Entscheidungen stark mit ein. Die genomische Selektion ist das Selektionskriterium der Zukunft. Unsicherheiten bestehen Biobetrieb Bicker aus Bergland und werden bei jeder Überlegung miteinbezogen.

Viel mehr gezielte Paarungen Um mit den genomischen Zuchtwerten wesentlich stärker selektieren zu können, ist es entscheidend, die Anzahl an gezielten Paarungen stark zu erhöhen. Selektion mit genomischen Das Ziel ist, 10 bis 15 Kälber Zuchtwerten Die genomischen zu typisieren und eines davon Zuchtwerte sind sehr gut, jedoch anzukaufen. Weiterhin werden noch nicht die volle Wahrheit. die besten Kandidaten auf die Dieser Grundsatz wird bei jeder Eigenleistungsprüfstation in RoEntscheidung mitberücksichtigt. senau überstellt und müssen wie Die Selektion im Zeitalter der bisher hinsichtlich des Exterieurs genomischen Zuchtwerte ist eine höchsten Anforderungen gerecht große Herausforderung. Voll werden. Die Selektionsintenund ganz darauf zu vertrauen, sität wird also immer stärker. wäre zu riskant. Nicht darauf zu Um genügend mögliche Kälber Drei hervorragende GS Versetto Töchter aus dem bewährten achten, ist ebenfalls nicht richtig. überhaupt für die Typisierung NÖ-Genetik-Prüfeinsatz! Den goldenen Mittelweg zu zu erhalten, werden wesentlich finden, ist die große Herausformehr Zuteilungen erfolgen. äußerst verlockend. Trotzdem cen der genomischen Selektion derung an die Beschaffung der muss immer wieder darauf zu nutzen. Um das Risiko durch Prüfstiergenetik. Einsatz in der Herde Natürlich hingewiesen werden, dass die die niedrigeren Sicherheiten Weiterhin spielen die Abstamstellt sich für jeden Landwirt die Sicherheiten niedriger sind als zu begrenzen, sollten mehrere mung und vor allem die KuhFrage, wie er die „neuen“ geno- bei Stieren mit abgeschlossener genomische Jungstiere ausgefamilie eine große und wichtige mischen Jungvererber in seiner Nachkommenschaftsprüfung. wählt und gleichmäßig eingesetzt Rolle bei der Selektion. Es gilt, Herde einsetzen soll. Aufgrund Sinnvoll erscheint, die allerwerden. l das frühere Selektionsvorgeder höheren Zuchtwerte und besten nachkommengeprüften hen mit dem neuen unter der aktuelleren Abstammungen sind Vererber weiterhin einzusetzen, Ernst Grabner ist Zuchtleiter des Sichtweise der genomischen die genomischen Jungvererber gleichzeitig aber auch die Chan- nö. Genetik Rinderzuchtverbandes.

03/15 Rinderprofi  

Das Magazin für moderne Rinderhaltung

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