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TIERGESUNDHEIT 35

Risiken für Atemwegserkrankungen bei Kälbern In der kaltnassen Jahreszeit steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen (Pneumonien) für Kälber wieder sehr stark an. Welche Bedingungen verschärfen das Risiko für solche Erkrankungen? Was können wir tun, um vorzubeugen? Diese Punkte sollen im Folgenden diskutiert werden. Von Hans-Jürgen Kunz

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ie Anfälligkeit der Kälber­lunge für Atemwegserkrankungen wird häufig unterschätzt. Die Gründe dafür liegen in dem besonderen Aufbau der Lunge des Rindes. Beispielsweise beträgt die Alveolarfläche, das heißt, die Fläche in der Lunge, die für den Gasaustausch zur Verfügung steht, beim ausgewachsenen Rind pro kg Körpermasse nur etwa 0,6 m². Beim Menschen hingegen sind es 1,1 m² und bei Ziegen, Hunden und Katzen etwa das Fünffache. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Alveolen in der Rinderlunge vergleichsweise schlecht mit Blutgefäßen versorgt sind. Dadurch wird der Sauerstofftransport bzw. der Kohlendioxidabtransport begrenzt. Das bedeutet, die Lungenkapazität ist im Vergleich zu einer Lunge mit gleichgroßer alveolarer Oberflä-

che, aber einer besseren Versorgung mit Blutgefäßen, herabgesetzt. Aus diesen Gründen muss ein Rind beim Atmen bereits im Ruhezustand einen größeren Teil seiner Lunge nutzen, als das bei anderen Tieren der Fall ist, das heißt, es muss deutlich tiefer und schneller ein- und wieder ausatmen. Das wiederum hat zur Folge, dass auch Keime und Staubpartikel in größerem Maße über die Luft mit aufgenommen werden. Etwa 80% der Keime sind an Staubpartikel gebunden. Für das Rind als Steppentier ist das eigentlich kein Problem, da in der freien Natur die Keimbelastung minimal ist. In Ställen kann die Keimbelastung pro Kubikmeter Luft durchaus in die hunderttausende gehen.

bei Kälbern durchgeführt hat, belegen, dass die Lunge im Anschluss der Geburt noch zu über 40% mit Flüssigkeit gefüllt ist. Es dauert etwa 14 Tage, bis diese Flüssigkeit vollständig resorbiert

ist und die volle Lungenkapazität zur Verfügung steht. Aus diesem Grund ist es durchaus sinnvoll, Kälber zumindest innerhalb dieses Zeitraumes zum Beispiel in Einzeliglus zu halten. Dort

Für Kälber nach der Geburt gibt es noch einen zweiten Aspekt, der beachtet werden muss. Computertomographische Untersuchungen, die Bernd Linke (2009)

(ab dem 8. Lebenstag)

Bestandsimpfung Fotos: © Kunz

E i n E r Abb. 1: Starke Temperaturschwankungen können ebenso wie ­Zugluft oder schleusender Wind bei niedrigen Temperaturen ­Pneumonien auslösen (hier: Kalb mit massiver Pneumonie).

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03/15 Rinderprofi  

Das Magazin für moderne Rinderhaltung

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