Page 1

2/2017

MAGAZIN FÜR HOFÜBERNEHMER IM BÄUERLICHEN FAMILIENBETRIEB

„Ich will einmal Bauer werden“ Seite 6

Garnele à la alpine Seite 36

Jetzt

Foto: © Weber

T-Shir t gratis zum Abo! Seite 61


Innovativ seit 40 Jahren In Coex in Frankreich steht das Werk für selbstfahrende Trauben- und Olivenvollernter von New Holland. Im Februar lief dort die mittlerweile 15.000ste Maschine vom Band.

S

eit der Errichtung des Werkes vor mehr als 40 Jahren wurden die Braud-Traubenvollernter über die Jahrzehnte mehrfach und international ausgezeichnet. Ihre ausgefeilte Technologie steht für eine schonende Behandlung der Trauben und eine ausgezeichnete Lesequalität, die auch die hohen Ansprüche vieler österreichischer Winzer optimal erfüllt.

International anerkannt Die Maschinen werden seit 1975 in mehr als 30 Ländern vertrieben und geschätzt. Dadurch hält New Holland die Marktführerschaft in diesem Spezialsegment. Auch in ­Österreich sind Braud-Erntemaschinen gefragt: Im Jahr 2016 erreichte New Holland mit ihnen einen Marktanteil von 60 Prozent.

Absoluter Bestseller Der Name Braud steht für exzellente Technologie, die die Wünsche des Anwenders stets als Antrieb nimmt. Bereits 1979 erhielt das Modell Braud 1014 für das revolutionäre NoriaTM System eine Goldmedaille im Rahmen der Landtechnikmesse SIMA. Dank dieser Innovation wurde die

Maschine zum absoluten Beststeller: Insgesamt wurde das Modell Braud 1014 mehr als 2.000 Mal verkauft.

von Braud für möglichst viele zusätzliche Anbaugeräte rund um den Weingarten weiterentwickelt, etwa für Pflanzenschutzgeräte. 2002 reichten die Entwickler das Patent für eine neuartige Abbeer-Technologie ein, die auch noch heute in den Braud-Maschinen eingesetzt wird. Dieses System ermöglichte es, sämtliche Verunreinigungen der Ernte zur beseitigen und so ein perfekt gereinigtes Produkt zur Presse zu liefern.

Im Jahr 1984 wurde das Konzept der Multifunktionalität in den Mittelpunkt gerückt. So wurde die Traktorbasis

Internet: www.new holland.com

2

Die jüngsten Meilensteine in der Entwicklung markieren das revolutionäre OptiGrapeTM-System aus dem Jahr 2013, das dem Weinbauern die bestmögliche Lesequalität garantiert, sowie die BlueCabTM4-Kabine von 2015, die den Fahrer bei Pflanzenschutzeinsätzen optimal schützt. unserhof 2/2017

Firmenbericht

Fotos: © New Holland

Perfektion und Sicherheit


T7. EINFACH KOMPROMISSLOS Bereits ab

€ 79.999,– inkl. MwSt.

3 BAUREIHEN, 3 GETRIEBEVARIANTEN, 11 MODELLE, BIS ZU 313 PS (230 KW)

T7.165 S T7.175 T7.190 T7.210 T7.225

T7.230 T7.245 T7.260 T7.270

T7.290 T7.315

Radstand 2734 mm Max. Leistung PS (kW) 155 - 200 (114 - 147)

Radstand 2884 mm Max. Leistung PS (kW) 200 - 260 (147 - 191)

Radstand 2995 mm Max. Leistung PS (kW) 288 - 313 (212 - 230)

NEW HOLLAND TOP SERVICE 00800 64 111 111 www.newholland.com Service und Informationen rund um die Uhr. Der Anruf ist aus dem Festnetz und den meisten

Mobilfunknetzen gebührenfrei.

Besuche unsere Facebook-Seite! www.facebook.com/NewHollandOesterreich


INHALT | Juni 2017

36 | Garnele à la alpine

40 | Schritt für Schritt

Impressum HERAUSGEBER Klaus Orthaber EIGENTÜMER UND ­VERLEGER SPV Printmedien GmbH., ­Florianig. 7/14, 1080 Wien CHEFREDAKTEUR Stefan Nimmervoll (nimmer­ voll@­b lickinsland.at) REDAKTION Ing. Bernhard ­Weber (weber@blickinsland.at) ANZEIGEN­LEITUNG Prok. ­Doris Orthaber-Dättel (daettel@blickinsland. at) BÜRO­L EITUNG ­A lexander Smejkal ­( smejkal@ blickinsland.at) ­R EDAKTION & ANZEIGENANNAHME Florianig. 7/14, 1080 Wien. Tel.: 01/5812890, Fax 01/5812890-23, ­r edaktion@unserhof.at LAYOUT Ing.  Eva-Christine Mühlberger ­( muehlberger@ blickinsland.at), Gerald Mollay (mollay@blickinsland.at) Logoleiste Titel­seite: Grafic Design ­Pucher FIRMEN­B UCHNUMMER: FN 121 271 S. DVR 286  73 ­H ERSTELLUNG proprint.at GmbH., 8042 Graz, Tel.: 0316/890791, ­office@proprint.at, www.proprint.at VERLAGSORT Florianig. 7/14, 1080 Wien P.b.b., ZUL.NR. 14Z040154 M. Alle ­Zuschriften und Chiffre-Briefe an BLICK INS LAND; Floriani­gasse 7/14, 1080 Wien. Für unverlangt ­eingesandte Manuskripte und Unterlagen besteht keine Gewähr auf Veröffentlichung oder Rücksendung. Einzelpreis: € 5,– Jahresabo Inland: € 12,– Jahresabo Ausland: € 18,–

68 | Prüfe, wer sich ewig bindet

10 | „Politik gehört in jung Hände“

Familie und Betrieb 06 „Ich will einmal Bauer werden“ 10 „Politik gehört in junge Hände“ 26 Weiterversicherung nur auf Antrag

28 Sicher und gesund am Bauernhof 32 Nachbarhilfe bis 33.000 Euro 36 Garnele à la alpine Kommunikation 14 Unerwartete Schützenhilfe 16 „Kommunikation kann man ­lernen“

20 „So produzieren wir wirklich!“ 60 Upgrade für ­Ingenieure Betriebsführung 22 Mieten statt kaufen 25 Der Netzwerker

40 Schritt für Schritt 44 Ackern über die Erdumlaufbahn 62 „Auch das Alte war einmal neu“ 64 Hinfallen, aufstehen, ­weitergehen!

International 48 Pinzgauer, Avocados und ­Farmermorde

54 Historische Bomben­erträge 58 Ein Schärdinger in Ontario Agrarkultur 66 Holz hat mehrWert 68 Prüfe, wer sich ewig bindet 70 Schlüsselfragen um GVO und ­Glyphosat

72 Genmanipulation oder nicht?


Juni 2017 | INHALT

Professionell versus unprofessionell

Fotos: © Pistracher (2), Fotolia (4), DENKmalfilm (1)

48 | Pinzgauer, Avocados und Farmermorde

54 | Historische Bomben­erträge

70 | Schlüsselfragen um GVO und ­Glyphosat

-Partner

Eigentlich ist es eine unsägliche Unterscheidung. Und doch wird sie in gewissen Kreisen – vor allem in agrarisch intensiv genutzten Regionen, aber auch seitens der vor- und nachgelagerten Wirtschaft – gerne verwendet. Da spricht man von der „professionellen“ Landwirtschaft, wenn man intensiv geführte, produktionsstarke Betriebe meint. Professionell, das ist der Lohnunternehmer, der große Ackerbauer oder der nach streng betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgerichtete Nutztierhalter. Was das Gegenteil sein soll, wird meistens nicht dazu gesagt. Aber man darf es sich denken: Nebenerwerbsbauern, extensive Wirtschaftsweise, benachteiligtes Gebiet – all das wird in dieser Denkart vice versa als „unprofessionell“ abgestempelt. Bestenfalls ein liebenswertes „Hobby“, im schlechtesten Fall die Weiterentwicklung des Agrarbusiness störend. Nun sind nicht nur in Österreich die Mehrzahl der Bauern Nebenerwerbslandwirte. Und unprofessionell sind davon die allerwenigsten Betriebe. Gerade junge Hofübernehmer wissen, auch wenn sie im Nebenerwerb arbeiten, sehr genau, wie sie ihren Hof zu führen haben. Mehr noch: In wirtschaftlich engen Zeiten sind es eher die vermeintlichen „Profi“-Betriebe, denen finanziell rasch die Luft ausgeht, weil sie Kredite zu bedienen oder Mitarbeiter zu bezahlen haben. Viele interessante Nischenkonzepte entstehen dort, wo kreativ gedacht wird. Brauchen wird Österreich beides: Erzeuger, die Rohstoffe zur Basisversorgung der Bevölkerung liefern. Und solche, die das Ausgefallene, Außergewöhnliche anbieten. Da darf sich die Landwirtschaft nicht auseinander dividieren lassen. Professionell muss beides gemacht werden. Denn geschenkt wird beiden nichts. Stefan Nimmervoll

Eine Medienkooperation von:


FAMILIE UND BETRIEB

„Ich will einmal Bauer werden“ Vinzent Birglechner weiß genau, was er will. Nämlich Bauer werden. Und das am liebsten auf einem Milchviehbetrieb mit Wald. Ein solcher aber fehlt ihm vorerst. Die Landwirtschaftsschule besucht er trotzdem und half in seiner Freizeit immer wieder bei einem Landwirt aus. Von Bernhard Weber

S

amstagfrüh in St. Lorenz bei Mondsee. Auf einem Bauernhof, unweit entfernt vom Haus der Eltern, füttert Vinzent gerade zwei Dutzend Kühe und einige Kalbinnen und Kälber. Noch knapp eine Stunde, dann hat er auch ausgemistet. Noch liegt stellenweise Schnee auf den Wiesen unterhalb der Drachenwand. Erste Sonnenstrahlen dringen zwischen den Wolken hervor. Vielleicht geht’s am späten Vormittag noch in den Wald zur Holzernte. Fürs Ausbringen der Gülle ist die Vegetation noch nicht weit genug. Bis zum ersten Schnitt der Wiesen wird es überhaupt noch einige Wochen dauern. Dabei zählen Traktorfahren und Heuen zu den Lieblingsbeschäftigungen des 15-jährigen Oberösterreichers. Bis Freitagnachmittag hat Vinzent in Salzburg die Schulbank gedrückt. Und steht auch an diesem Wochenende wieder im Stall. Dort gibt es nämlich weder Kühe noch einen Traktor. Zwar stammen die Birglechners aus Mondsee und Vater Johann ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Den führt aber mittlerweile die Familie seiner Schwester Gertraud. Der weichende Bauernsohn hat nach der Lehre als technischer Zeichner die HTL-Matura nachgeholt, später an der TU Graz Bautechnik studiert und führt nach seiner Promotion zum „Dr. techn.“ als

6

Statiker heute sein eigenes Ziviltechniker-Büro in Mondsee. Dass sein jüngerer Sohn Vinzent seit gut einem Jahr auf einem Bauernhof aushilft, gefällt ihm nicht nur, „wir können das auch nur voll unterstützten.“ Schon als Dreijähriger habe Vinzent stets den Opa am Bauernhof besuchen wollen, „mit sieben oder acht Jahren habe ich bei ihm erstmals auch einen Traktor lenken und später auch fahren dürfen“, erinnert er sich. „Schon damals habe ich gewusst, dass ich einmal Bauer werden will. Und das gilt bis heute.“ Das Problem dabei: Den Hof des Großvaters, mittlerweile übernommen von der Tante, bekommt einmal sein Cousin und bester Freund Mathias. Dem Interesse von Vinzent an der Landwirtschaft tut das jedoch keinen Abbruch. Deshalb hat er sich auch nach dem Besuch der Sport-Mittelschule Mondsee dazu beschlossen, im Herbst vergangenen Jahres an die Landwirtschaftliche Fachschule Kleßheim in Salzburg zu wechseln. Gerade mal zwei weitere Mitschüler aus Mondsee haben sich ebenfalls für die weitere Ausbildung an einer LFS entschlossen. Wiewohl: In Kleßheim sitzt Vinzent auch mit vier anderen Nicht-Bauernkindern in der Klasse. Was sein Freundeskreis dazu sagt, dass er nun eine Bauernschule besucht? „Ein paar finden es voll super. Andere verstehen nicht wirklich, wa­ rum ich mich so für die Landwirtschaft

begeistern kann und halten mich für einen Freak. Es gibt aber auch einige, die auch gerne einmal mit einem Traktor fahren oder im Stall mithelfen würden.“ Aber bedeutet Landwirtschaft nicht harte Arbeit, frühes Aufstehen, wenig Freizeit, kleinen Verdienst und eine unsichere Zukunft? Für Vinzent zählen diese Argumente wenig: „Ich arbeite einfach gerne mit Tieren, beobachte, was sie tun oder fressen. Und bei der Arbeit dann und wann auch mal dreckig zu werden, macht mir nix aus.“ Und wer etwas wirklich gerne macht, könne wohl auch davon leben. Landmaschinen, vor allem Traktoren – sie interessieren ihn jedenfalls mehr als andere Burschen in seinem Alter Autos. „Mich fasziniert so viel Technik, so viel Power.“ Dass er an der Schule demnächst auch den F-Führerschein machen wird, um mit dem Traktor samt Ladewagen oder Güllefass auch offiziell nicht nur wie bisher auf Privatgrund, sondern auch auf den Straßen und Feldwegen um seinen Heimatort unterwegs sein darf, kann er kaum erwarten. Richtig gelernt hat er den Umgang etwa mit einem Steyr-Traktor am Hof, wo er bis ins heurige Frühjahr immer wieder ausgeholfen hat. Der alleinstehende Landwirt hatte das Angebot des beflissenen Schülers, ihm am Wochenende zu helfen, gerne angenommen. „Mir macht das große Freude. Ich helfe, wo unserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

Foto: © Weber

Traktoren interessieren ihn mehr als Autos: „Mich fasziniert so viel Technik, so viel Power.“ unserhof 2/2017 7


Rundgang durch eines der modernsten Traktoren-Werke Europas.

Vinzent bei der Arbeit im Stall.

ich kann, beim Melken, Füttern, beim Ausmisten und im Sommer bei der Heuernte oder anderem, einfach allen täglichen Arbeiten, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb so anfallen“, sagt Vinzent. Eine Zukunft als Nebenerwerbsbauer mit einem kleinen Hof strebt Vinzent eher nicht an. „Ich will Bauer im Hauptberuf werden.“ Ähnlich sieht man es in der Familie Birglechner. Vater Johann: „Wir sehen das völlig entspannt. Mir gefällt, wie er sich engagiert, und ich kann meinen Sohn mit seinem Berufsziel vor Augen nur dabei unterstützen, es auch zu erreichen. Er will das ja schon von klein auf so.“ Kurz habe er zwar einmal geglaubt, „dass sich das wieder einmal legen wird, aber dem war nicht so“, schmunzelt der Papa und meint: „Vinzent wird sicher seinen Weg gehen. Es gibt ja auch Hoferbinnen, die einen Bauern suchen. Vielleicht nicht unmittelbar in Mondsee, weil sich hier alles immer stärker um den Fremdenverkehr und nicht um die Landwirtschaft dreht.“ Außerdem sei der Agrarbereich so vielschichtig, national wie international, deshalb können sich Vater und Sohn allenthalben auch ein ferneres Arbeitsfeld vorstellen. Bei seiner Praxis an den Wochenenden und in den Ferien über den Sommer habe

8

Fotos: © Weber

FAMILIE UND BETRIEB

er „jedenfalls sehr viel gelernt, ich habe vorher ja nicht so viel gewusst. Mittlerweile traue ich mich auch schon bei einigen Themen mitzureden, wenn es etwa um das Besamen der Kühe geht oder um die Technik beim Traktor“, betont Vinzent selbstsicher. Mit dem gerade unter vielen Jugendlichen angekratzten Image junger Bauern hat Vinzent jedenfalls kein Problem. „Wenn jemand über die Bauern schimpft, dann geht das bei mir bei einem Ohr rein und beim anderen raus, und ich denke mir: Die sollen lieber schauen, wie sie selber mit sich klarkommen.“ Ohne Bauern gebe es keine Milch, kein Getreide, kein Fleisch und auch vieles andere nicht. „Das sage ich dann und die meisten verstehen das auch.“ Dabei sieht auch er manches in der Landwirtschaft nicht unkritisch. Etwa die Anbindehaltung. „Wenn man Kühe nie aus dem Stall hinaus lässt, ist das sicher nicht gut. Es macht die Tiere krank, wenn sie immer am gleichen Fleck stehen oder liegen müssen. Aber das ändert sich, weil es immer mehr moderne Laufställe gibt und auch die Weidehaltung wieder zunimmt.“ Und wie ist das mit Ressentiments „aus den eigenen Reihen“, gegenüber einem Nicht-Bauernsohn? „Ja, das kenne ich auch, wenn es heißt: Du kommst ja gar nicht von einem Bauernhof, was tust du da, du kannst gar nicht mitreden oder du checkst das nicht. Aber da stehe ich darüber.“ Denn davon ist Vinzent Birglechner überzeugt: „Man sieht in keinem Beruf so wie in der Landwirtschaft:

Was habe ich heute geschafft und was nicht. Einfach sein eigener Boss sein. Das ist sicher ein cooles Gefühl.“ Gesundes Selbstbewusstsein legt er einige Tage später auch bei einem Besuch im Steyr-Traktorenwerk in St. Valentin an den Tag, den sein Vater für ihn bei einem Freund der Familie eingefädelt hat. Andreas Klauser, Konzernchef von CNH Industrial und damit Herr über die weltweite Landmaschinenproduktion von Case IH und Steyr, hat den potentiellen Jungbauern eingeladen, sich einmal in einer der modernsten Traktorenschmieden Europas umzusehen. Nach dem Rundgang durch die „Fabrik des Jahres 2014“, ausgezeichnet für die effizienteste Produktion in Österreich, wo täglich bis zu 55 Traktoren, darunter das neue Steyr-Flaggschiff „Terrus“ mit 300 PS vom Montageband laufen (und davon angesichts von mehr als 6.000 Spezifikationen keine zwei völlig baugleichen Maschinen pro Jahr), sitzt Vinzent im Konferenzzimmer des Top-Managers und fachsimpelt mit diesem über möglicherweise zu geringen Hubraum, wenn es beim Frontladen manchmal „rumpelt“, um sich später Tipps gerade fürs Frontladerfahren von Steyr-Produktmanager Remo Müller zu holen – und zudem eine kleine Einschulung auf das neueste Steyr Multi-Modell zu erhalten. Klauser wiederum gefällt das Interesse und Engagement des jungen Kritikers: „So einen Nachwuchs brauchen wir in der Landwirtschaft, nicht nur in Österreich.“ unserhof 2/2017


Genauigkeit pur für Ackerbau-Profis

Mit der Entwicklung der neuen AEROSEM gelang Pöttinger die Integration von Einzelkorn­ sä­technik in eine pneumatische Standard-Sämaschine. Die Systeme PCS, „Precision ­Combi ­Seeding“, und IDS, „Intelligenter Verteilerkopf“, wurden international mehrfach ­ausgezeichnet.

Firmenbericht

D

ank vieler Vorteile ist die AEROSEM besonders hervorragend für die Aussaat von Mais geeignet. Bei Getreide- und Feinsaat sind sehr gute Querverteilungswerte messbar, speziell in den zur Fahrgasse benachbarten Reihen, wo immer die gleiche Saatstärke vorliegt. Das einzigartige Verteilerkopfsystem mit integriertem Doppelmantelsystem sorgt für die interne Kornrückführung bei geschalteten Fahrgassen. Bei der Vollausstattung des Verteilerkopfes (IDS) kann jeder Auslass einzeln angesteuert und so individuell auf

VITASEM

die betriebsüblichen Pflegespur-Parameter angepasst werden. So ist jede Fahrgassenvariante möglich. Die Maschine ist mit dreireihigem Schleppschar oder auch Einscheibenschar mit DUAL DISC-Doppelscheibenschar verfügbar.

kopfeinsatz Dünger neben den Einzelkorn-Saatreihen eingebracht werden. Viele Maschinen werden in Kombination mit Grasuntersaat eingesetzt. Die Ergebnisse sind äußerst positiv, da speziell in Hanglagen die Erosion minimiert wurde.

Die Maschine verfügt über bis zu zehn Einzelkornelemente für 37,5 beziehungsweise 75 Zentimeter Reihenabstand (nur mit der AEROSEM ADD bei 12,5 Zentimeter). Ebenfalls berücksichtigt wurde die Möglichkeit der bedarfsgerechten Düngung: Über das herkömmliche Dosiersystem kann mit einem entsprechenden Verteiler-

Die Dosierräder können je nach Aussaatmenge für Normal- oder Feinsaatgut werkzeuglos, rasch und einfach getauscht werden. Die Aussaatqualität von Mais in Einzelkorn erfüllt laut den Aussagen der Praktiker alle Erwartungen. Allgemeiner Tenor: Die neue AEROSEM bietet Komfort und Genauigkeit pur für jeden Ackerbau-Profi.

TERRASEM

Beste Saat. Beste Ernte. PÖTTINGER Sämaschinen überzeugen durch höchste Funktionalität, Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit. Einzigartige Dosiersysteme, gleichmäßige Saatgutablage und komfortable Bedienung gehören zu den Markenzeichen.

AEROSEM

unserhof 2/2017 9

Internet: www. poettinger.at


FAMILIE UND BETRIEB

„Politik gehört in junge Hände“ Bei seiner Wahl im Februar 2016 war der 30-jährige Osttiroler Österreichs jüngster ­Bürgermeister. Jungbauer BERNHARD WEBHOFER und Biobäuerin HERMINE BAUMGARTNER über Landflucht, Breitbandausbau, Strukturwandel im Berggebiet und warum sich gerade junge ­Menschen politisch mehr engagieren sollten. Interview: Stefan Nimmervoll

unserhof: Osttirol zählt schlechthin zu den Abwanderungsregionen in Österreich. Wieso gehen von hier so viele junge Leute weg? Baumgartner: Osttirol ist eine periphere Gegend, es gibt hier weder eine Uni noch Großbetriebe. Viele Jugendliche sind dadurch gezwungen, in die Ferne zu ziehen. Und viele kommen nach ihrer Ausbildung nicht wieder zurück, weil sie anderswo Freunde, Familie und Arbeit gefunden haben. Webhofer: Wir sind weit weg von großen Städten wie Innsbruck und Wien. Schon die Entfernung zu unserer Landeshauptstadt ist sicher ein Problem. Immerhin sind es rund 180 Kilometer oder zweieinhalb Fahrstunden bis nach Innsbruck. Wer dort auch nur kurz etwas zu tun hat, ist hin und retour einen ganzen Tag unterwegs.

Bernhard Webhofer

Hermine Baumgartner

ist Bürgermeister der 860-Einwohner-Gemeinde Gaimberg bei Lienz. Zudem bewirtschaftet er einen kleinen Bauernhof mit Jungviehaufzucht.

ist Obfrau der Landjugend Gaimberg und Biobäuerin am Wachtlechner-Hof. Einen Teil der Heumilch vermarktet sie ab Hof mit einem Milchautomaten.

10

Als größte Herausforderung der Landflucht gilt die Abwanderung der jungen Frauen … Baumgartner: Damit kämpfen auch wir sehr. Als Junger steht dir heute die Welt offen. Du kannst überall hingehen und das machen, was dir gefällt und dich glücklich macht. Wir sind daheim drei Mädels. Eine meiner Schwestern lebt in Stuttgart, die andere in London. Für beide ist Osttirol irgendwann zu eng geworden. Hier unserhof 2/2017


Fotos: © Pistracher

FAMILIE UND BETRIEB

unserhof 2/2017 11


FAMILIE UND BETRIEB

Aber gilt das nicht für junge Männer genauso? Webhofer: Im Prinzip schon. Allerdings haben am Land viele Burschen, die von Höfen kommen, als Hofnachfolger gewisse Verpflichtungen. Das „bummeln hinaus in die Welt“ ist für sie daher nicht ganz so einfach, und so bleiben sie eher hier. Baumgartner: Ich habe generell das Gefühl, dass bei den jungen Burschen der Drang, die weite Welt zu entdecken, nicht ganz so ausgeprägt ist wie bei Mädchen. Um Beruf und Familie besser zu vereinbaren, ist für immer mehr junge Frauen eine gute soziale Infrastruktur, wie Kinderbetreuung, ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung, wo sie in Zukunft leben möchten. Müssen da nicht auch kleine Gemeinden verstärkt darauf reagieren? Webhofer: Wir brauchen eine familienfreundliche Arbeitswelt. Auch die Wahlfreiheit der Eltern in der Kinderbetreuung muss gestärkt werden. Um diese zu ermöglichen, muss auch in kleinen Gemeinden ein entsprechendes Angebot zu Verfügung stehen. Vor allem im ländlichen Raum hinkt das Angebot an Betreuungsplätzen jenem in den Ballungszentren deutlich hinterher. Vor allem das Betreuungsangebot für unter 3-Jährige muss ausgebaut werden. Aber auch die besonders gut ausgebildeten Akademiker kehren ihren Heimaten sehr oft den Rücken zu. Was sollte man diesen Abwanderern anbieten, damit sie zurück aufs Land ziehen? Webhofer: Grundsätzlich ist es sehr lobenswert, dass sich Leute gut qualifizieren. In der Aus- und Weiter­bildung liegt die Zukunft. Ihnen auch geeignete Arbeitsplätze vor Ort anzubieten, ist sicherlich die Herausforderung. Für Uniabsolventen ist das bei uns in Osttirol wohl nur in einem sehr begrenzten Rahmen möglich. Baumgartner: Ich war selber fünf Jahre lang in Pitzelstätten bei Klagenfurt in

12

der Höheren Landwirtschaftsschule und zudem drei Jahre in Wien. Dann hatte ich das Glück, dass ich neben der Arbeit auf unserem Hof einen Job als Bio-Kontrolleurin bekommen habe. Viele Osttiroler Absolventen auch solcher Schulen finden hier aber keine einschlägige Beschäftigung, auch nicht in Teilzeit. Studierte Landwirte können nur den eigenen Hof so gestalten, dass dieser ein Akademikergehalt abwirft. Webhofer: Stimmt. Für einen Boku-­ Absolventen ist es bei uns sicher schwierig, neben der Hofübernahme Arbeit zu finden. Am ehesten noch in der Landwirtschaftskammer. Landwirtschaftsminister Rupprechter möchte nun gerade die Abwanderungsregionen stärken. So sollen Verwaltungsbehörden etwa aus Wien in die Bundesländer verlegt werden. Wie sieht man das hier im fernen Osttirol? Macht die Umsiedlung von Beamten Sinn? Webhofer: Das ist sicher ein guter Ansatz. Ich glaube aber nicht, dass es da um die große Masse an Arbeitsplätzen geht … Könnte nicht eher schnelleres Internet mehr und auch höher qualifizierte Jobs am Land schaffen? Webhofer: In jedem Fall. Unsere 15 Gemeinden rund um Lienz haben vor kurzem sogar den Tiroler Gemeindepreis für unsere Kooperation rund um ein ultraschnelles Glasfasernetz gewonnen. Damit ermöglichen wir in den nächsten Jahren, dass immer mehr Leute ihre Arbeit daheim erledigen können. Das ist ein kleiner Lichtblick, auch für Akademiker. Neben virtueller Erreichbarkeit braucht es aber auch moderne Straßen- und Eisenbahnverbindungen. Muss Osttirol diesbezüglich besser erschlossen werden? Baumgartner: Lienz hat gute Zugverbindungen. In Richtung Kärnten ist der öffentliche Verkehr gut ausgebaut. Innsbruck ist schwieriger zu erreichen. Aber das wird sich aufgrund der Geografie schwer ändern lassen. Webhofer: Vielmehr sollten wir uns überlegen, was wir den Leuten bieten,

Fotos: © Pistracher

kennt noch jeder jeden. Und das muss man auch wollen.

die wir über bessere Straßen zu uns bringen. Für sanften Tourismus etwa brauchen wir nicht in jedes Tal eine Schnellstraße. Welche Rolle spielt der Fremdenverkehr generell für die Zukunft der benachteiligten Gebiete? Baumgartner: Bei uns liegt im Tourismus sicher noch sehr viel Potential, wobei wir noch viel mehr auf Qualität statt Quantität setzen müssen und uns auf heimische Produkte spezialisieren. Das gilt auch für die Gewerbebetriebe, etwa die Fleischereien. Und auch unser Betrieb mit Bio-Heumilch ist davon abhängig, dass wir diese zu einem guten Preis an Hotels verkaufen können. Webhofer: Und wir Bauern sollten uns in Zukunft noch stärker als Landschaftserhalter sehen, wenn wir unserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

Touristen unsere Bergwelt zeigen und davon auch leben wollen. Stichwort Strukturwandel: Noch geht dieser im Berggebiet wesentlich langsamer vor sich als im Flachland. Ist das Umfeld dennoch attraktiv genug, einen Bergbauernhof zu führen? Baumgartner: Das hängt ganz von der jeweiligen Situation ab. In vielen Familien wird die pessimistische Einstellung, was die Wirtschaftlichkeit oder die schwere Arbeit angeht, von den Eltern auf die Kinder übertragen. Wer in einem solchen Umfeld aufwächst, der tut sich sicher schwer, die Leidenschaft für den Beruf Bergbauer zu entwickeln. Ich kenne mittlerweile viele junge potentielle Hofübernehmer, denen die Perspektiven fehlen. Sie sehen keine Ziele und Visionen. Dazu braucht es aber Vordenker und Macher.

Kann man Innovation denn verordnen? Wie machst Du das auf Deinem Betrieb? Baumgartner: Unser Hof hat Zukunft, weil wir hundertprozentig hinter dem stehen, was wir tun. Aber auch wir mussten umdenken, weil zum Zeitpunkt der Hofübernahme mein Partner in der konventionellen Milchwirtschaft keine P ­ erspektive ­gesehen hat. Mit dem Heumilch-­ Konzept können wir den Hof nun sogar im Vollerwerb führen.

Sind dafür überhaupt noch genügend junge Menschen bereit, sich politisch zu engagieren? Webhofer: Als junger Bürgermeister behaupte ich: Politik gehört in die Hände junger Leute. Und auch wenn die meisten Bürgermeister alle älter sind, müssen gerade junge Leute Führungspositionen übernehmen. Gerade sie stecken oft voller Ideen. Je älter man wird, desto ruhiger und manchmal auch ein bisschen müde werden viele.

Wie groß sind die politischen Gestaltungsmöglichkeiten für landwirtschaftliche Initiativen? Webhofer: Gesetzgebung und Förderrichtlinien sind entscheidende Faktoren bei der Umsetzung von kreativen Ideen. Daher müssen in den entscheidenden Gremien auch bäuerliche Vertreter sitzen.

Baumgartner: Die Bereitschaft der Jungen, sich einzubringen, ist sicher nicht mehr ganz so wie früher vorhanden. Für mich ist es wichtig, dabei zu sein. Wer sich engagiert, lernt Leute aus dem ganzen Bezirk kennen und baut sich einen großen Freundeskreis auf. Das bringt auch fürs spätere Leben viel.

unserhof 2/2017 13

Bernhard ­Webhofer: „Viele ­Burschen haben als Hofnach­ folger Verpflichtungen. Daher bleiben sie eher hier.“


KOMMUNIKATION

Unerwartete Schützenhilfe „Ziemlich beste Freunde“ – das werden die Vertreter von Umweltschutz-NGOs und jene der Landwirtschaft wohl nie. Dennoch nähern sich die oftmaligen Kontrahenten in manchen ­Positionen einander an.

D

ie Landwirtschaft hängt sich gern ein grünes Mäntelchen um und versucht, mit ihrer Wirtschaftsweise mehr und mehr auch auf Umweltanliegen einzugehen. Aber auch NGOs wie Greenpeace bringen mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte der Bauern auf. Dass sich gerade Greenpeace in einigen EU-Ländern nun auf die Vermittlung von Beratung und Fortbildung für Landwirte verlegt, ist ein sichtbares Zeichen dafür. Die 1971 im Umfeld der Friedensbewegung entstandene Umweltschutzorganisation hat laut eigenen Angaben im Jahr 2013 begonnen, ihren Fokus verstärkt auf Agrarthemen zu legen und seither einige lokale Projekte umgesetzt. So wurden etwa in Ungarn ganze Gemeinden auf biologische Landwirtschaft umgestellt. „Dabei wurde den Bauern die Öko-Landwirtschaft in Workshops nähergebracht“, erzählt Dagmar Urban, Agrarexpertin bei Greenpeace Österreich. Auch in Griechenland haben Landwirte dank Greenpeace-Unterstützung begonnen, den traditionellen Feta-Käse mit Milch aus GVO-freier Fütterung herzustellen.

Internet: ­www. farmers2 farmers.org

­ aben wir interessierte Bauern auf h andere Betriebe vermittelt, um deren Arbeitsweise kennenzulernen“, so Urban. In einem ersten Schritt wurde 16 Bauern die Reise von Greenpeace finanziert. Ihr neues Wissen sollen die Teilnehmer später zu Hause an andere weitergeben. Eine Fortsetzung sei bereits in Planung. Dabei sehe sich Greenpeace jedoch nicht als neue Beratungsplattform für die Landwirtschaft: „Aber wir wollen Kontakte herstellen.“ Anders als in einigen

scharfen bis schrillen Kampagnen, bei denen es Green­peace auch um eine Maximierung der medialen Aufmerksamkeit geht – sowie um die Ankurbelung der Spendenbereitschaft, wie Kritiker immer wieder anmerken –, hat es beim Projekt „Farm Erasmus“ im Vorfeld keine öffentliche Kommunikation durch die Organisation gegeben. Umgesetzt wurde das Projekt dafür vorerst in sehr unterschiedlichen Ländern, nämlich Belgien und Bulgarien sowie Frankreich und Griechenland.

Farm Erasmus Besonders spannend ist das Projekt „Farm Erasmus“, eine Art „Studentenaustausch am Bauernhof“. „Dabei

14

unserhof 2/2017


KOMMUNIKATION

Fotos: © Greenpeace

In Ungarn wurden ganze ­Gemeinden auf biologische Landwirtschaft umgestellt. In Workshops wurde den Bauern die Öko-Landwirtschaft näher­ gebracht. Die Alpenrepublik dagegen steht für die Umweltaktivisten derzeit nicht im Fokus, betont Dagmar Urban: „In Sachen Bioberatung ist Österreich mit Bio Austria und den Landwirtschaftskammern gut versorgt.“ Auch wenn Biohöfe eine besondere Bedeutung im Programm haben, will Greenpeace nicht allein solche ansprechen: „Wir meinen explizit ökologisch wirtschaftende und damit auch konventionelle Betriebe.“ Laut Greenpeace-Agrarsprecher Se-

bastian Theissing-Matei sollen interessierte Landwirte etwa auch bei der Reduzierung von bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln unterstützt werden. Die Umwelt-Aktivisten anerkennen dabei auch die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, denen Bauern zunehmend unterworfen sind. Ohne ein faires Einkommen, Lieferkreisläufe und Risikoaufteilung könne es nicht gehen. „Je größer der wirtschaftli-

che Druck, desto schwieriger ist es für Landwirte, sich umzustellen“, so Theissing-Matei. Dass Greenpeace damit zu einer bäuerlichen Interessensvertretung wird, ist indes nicht zu erwarten. Auch gebe es „von der Gegenseite“ zunehmend mehr Respekt, so Dagmar Urban: „Früher hat es geheißen, dass nur jene bei der Landwirtschaft mitreden sollen, die sie selber betreiben.“ Mittlerweile sei das Klima konstruktiver. Man sitze beisammen und diskutiere.

Beispiele für Farm Erasmus Gilles Guellier hält mitten in Frankreich 35 Milchkühe verschiedener Rassen. Er bewirtschaftet seit 1986 biologisch 73 Hektar, knapp die Hälfte sind Wiesen, und sieht sich als Experte im Grünlandmanagement. Die Milch wird am Hof von Anne Martin weiterverarbeitet und lokal vermarktet. Jährlich besuchen den Hof rund 1.700 Gäste. Mit der Anlage von Teichen, Hecken und kleinen Wäldern bemüht sich Guellier um die Biodiversität auf seinen Flächen. Alexandra Tsiadi führt in dritter Generation die 40 Hektar große „Trinity Farm“ in Griechenland biodynamisch. Produziert werden neben Schafen eine große Vielfalt an Getreide und Gemüse. Im Mittelpunkt der Produktion „gesunder Produkte von gesundem Land“ steht die Kreislaufwirtschaft. Sämtliches Futter stammt aus eigenem Anbau mit ausgeklügelter Fruchtfolge. Danny Billens aus Belgien stammt zwar aus einer Bauernfamilie, hat aber zunächst als Konditor gearbeitet. 1987 begann er mit der Produktion von Äpfeln, ab 1990 als Bioproduzent, um mit „so wenig Pflanzenschutz wie möglich“ auszukommen. Nach 25 Jahren kann er jede Menge Erfahrung weitergeben. Albena Simeonova kennt den Überlebenskampf kleiner Erzeuger von ­Getreide in einem von großen Unternehmen geprägten Markt. Die Bulgarin hat seit 1999 einen Musterbetrieb aufgebaut. Bei der Gründung der bulgarischen Biobauern-Vereinigung mit dabei, glaubt sie an die Kraft der Kooperation zwischen Betrieben. unserhof 2/2017 15


KOMMUNIKATION

„Kommunikation kann man ­lernen“ Hannes Royer aus Schladming will den Konsumenten erklären, wie Lebensmittel ­produziert ­werden. Ein Gespräch über seinen Verein „Land schafft Leben“, über Abhängigkeiten, ­Versäumnisse und Chancen der Landwirtschaft. Interview: Stefan Nimmervoll

unserhof: Was hat Sie motiviert, sich so intensiv mit dem Thema K ­ ommunikation zu befassen? Hannes Royer: Der Antrieb kommt von meinem eigenen Hof. Unser Bauernhaus ist 800 Jahre alt und seit über 250 Jahren in Familienbesitz. Ich bin als typischer Bergbauernbub aufgewachsen. Mittlerweile habe ich drei Töchter. Die älteste ist zwölf Jahre alt und will selber einmal Bäuerin werden will. Da stelle ich mir die Frage, wie es mit der Landwirtschaft in Österreich weitergehen soll. Und wie soll es weitergehen? Es gibt nur zwei Wege: Entweder du hast die Kostenführerschaft oder du hast die Qualitätsführerschaft. Wenn die Konsumenten nur mehr nach Preis einkaufen, brauchen wir die Kostenführerschaft. Die werden wir aber in Österreich nie haben. Dann müssten wir unseren Hof nach 800 Jahren aufgeben. Oder es gibt ein Umdenken in der Gesellschaft, dass Qualität einen Wert und einen dazu passenden Preis hat. Dann hat mein Hof sehr wohl eine Lebensberechtigung.

16

In Umfragen sagen viele, dass sie mehr Geld für bessere Lebensmittel ausgeben würden. Dieselben Leute kaufen dann aber im Supermarkt das billigste Produkt. Wie weit kann man ins Gewissen der Menschen eindringen, damit sie andere Kaufentscheidungen treffen? Die Zeiten, in denen wir produzieren wie Deutschland oder Tschechien, aber einen besseren Preis bekommen, sind vorbei. Und auch reine Marketingtricks werden schnell entlarvt. Ein Video, in dem der Bauer mit einem Ferkel in der Wiese steht und alle sind glücklich, wird einem nicht mehr abgekauft. Im Hintergrund muss eine andere Produktionsweise stehen. Bei der Milch ist die Differenzierung mit Bio- und Heumilch gelungen. Dafür sind viele Konsumenten bereit, mehr Geld zu bezahlen. Aber man muss ihnen den Unterschied erklären. Aber Bio- und Heumilch machen nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus … Mehrwert gibt es nur mit Differenzierung. In Österreich produzieren wir gerade mal zwei Prozent der Lebensmittel in Europa. Für diese müssen wir

uns unsere Kunden suchen und genau den „Feinkostladen Europas“ entwickeln, den vor dem EU-Beitritt schon Franz Fischler als Landwirtschaftsminister propagiert hat. Nur mit höchster Qualität und höchsten Standards werden wir jenen Erlös erzielen können, den wir für unsere Produktionssysteme brauchen. Die Kostenführerschaft werden wir aufgrund geografischer und klimatischer Bedingungen nie erreichen. Das Bild der Landwirtschaft wird immer stärker von Umwelt- und Tierschutzorganisationen geprägt. Was machen diese besser als die Sprecher der Bauernschaft? NGOs werden als unabhängig wahrgenommen und genießen Vertrauen. Für die Bauern melden sich immer nur die Interessensvertreter zu Wort. Die sind aber nicht unabhängig. Und dann heißt es sofort: Die müssen das ja so erzählen. Deswegen werden Landwirtschaftskammer und Bauernbund nie die Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft übernehmen können. Dazu kommt, dass alleine bei den Umweltschutzorganisationen unserhof 2/2017


Foto: © Land schafft Leben

KOMMUNIKATION

Hannes Royer bezeichnet sich selbst als „begeisteter Bauer“. in Wien einige hundert Mitarbeiter angestellt sind, die nichts anderes tun, als zu kommunizieren. Die Landwirtschaft leistet sich dagegen vielleicht 15 Presse­sprecher in diversen Organisationen. Und die sollen dann gegen eine geballte Macht von Kommunikationsprofis antreten?! Zuständig für die Produktkommunikation im Agrarbereich ist eigentlich die AMA-Marketing. Macht diese ihre Sache nicht gut genug, dass es eine private Initiative wie „Land schafft Leben“ braucht? Die AMA ist eine staatliche Organisation. Manche Konsumenten empfinden dies als glaubwürdig, andere sehen das eher kritisch. Das AMAGüte­siegel garantiert die Qualitätssicherung österreichischer Lebensmittel. Auch in Sachen Absatzförderung macht die AMA-Marketing sehr gute Arbeit. Wir von Land schafft Leben machen klassische Bewusstseinsbildung für die Konsumenten. Nur gemeinsam mit der AMA kann es uns gelingen, dass die Menschen wissen, wie unsere Lebensmittel überhaupt produziert werden.

Wie unabhängig ist „Land schafft Leben“? Der Verein wird doch von Handelsketten, Produzenten und Verarbeitern finanziert … Mir ist es extrem wichtig, unabhängig zu sein. Natürlich brauchen wir auch finanzielle Beiträge, um arbeiten zu können. Bis zum heutigen Tag hat nicht einer unserer Förderer auch nur ansatzweise versucht, auf uns Einfluss zu nehmen. Die Leute würden das sofort spüren. Und dann wäre die Glaubwürdigkeit sofort weg. Aber gerade die Preispolitik der Handelsketten mit Aktionen sorgen ja mit dafür, dass Lebensmittel so billig sind. Wie sinnvoll ist da eine Zusammen­ arbeit? Ich bin zu den Handelsketten gegangen und nicht die Handelsketten zu mir. Weil ich erkannt habe, dass der Handel das Bindeglied zu den Konsumenten ist. Wenn der Kunde ins Regal schaut, findet Kommunikation statt. Natürlich gab es am Anfang bei den Händlern eine heftige Diskussion darüber, dass „der Royer Geld will, aber keinen mitreden lässt“. Unsere Partner sind mir darauf aber eingestie-

gen, weil sie selber jemanden brauchen, der den Menschen Dinge neutral erklärt. Sollen das Billa, Spar und Co. das nicht trotzdem besser selber machen? Stattdessen wird immer noch auf Bauernhof-Idylle gesetzt. Der Handel will verkaufen. Man bietet daher Werbung und nicht Information, ohne den Anspruch, auch Bewusstseinsbildung zu machen. Letztendlich ist es auch nicht Aufgabe der Supermärkte, der Öffentlichkeit

Zur Person Hannes Royer, Bergbauer aus Schladming, gründete 2012 die Marke „Heimatgold – Kostbares aus der Region“, und errichtete Zug um Zug Geschäfte in Schladming, Kitzbühel und Zell am See. Vor kurzem wurde in St. Wolfgang am Wolfgangsee die erste Franchise- Filiale eröffnet. Ab 2014 befasste sich Royer intensiv mit dem Aufbau des Vereins „Land schafft Leben“, der im April 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

unserhof 2/2017 17


Foto: © Land schafft Leben

KOMMUNIKATION

Hannes ­Royer und sein „Land schafft Leben“-Team.

Land schafft Leben

Internet: www.land schafftleben. at

Unabhängig von Politik und Interessensvertretung will der Verein mit einem Jahres­budget von 800.000 Euro ein realistisches Bild der Landwirtschaft in Österreich entwerfen und vorrangig über das Internet „unabhängige Informationen“ über agrarische Produktionssparten vermitteln. Dazu hat sich Initiator Hannes Royer Partner aus der Wirtschaft an Bord geholt, von den großen Handels­ketten wie Rewe oder Hofer über Molkereien und Verarbeitungsbetriebe, aber auch Umwelt- und Tierschutzorganisationen. Aktuell beschäftigt der Verein acht Mitarbeiter. zu erklären, wie Landwirtschaft funktioniert. Auch ich habe wie viele Bauern lange geglaubt, der Handel müsse den Menschen endlich zeigen, wie Lebensmittel produziert werden. Das müssen wir aber selber tun und niemand anderem die Kommunikation überlassen.

Klima und philosophieren über ihr Produkt. Genauso könnte ein Milchbauer ein Glas Milch aus dem Kühltank holen und darüber reden, auf welcher Weide seine Kühe waren und welche Kräuter dort wachsen. Wir brauchen Geschichten. Wer das kann, ist nicht mehr nur Produzent, sondern Botschafter.

Also „Land schafft Leben“? Unser Verein kann nur die absolute Speerspitze sein. Wir brauchen zur Kommunikation alle Bauern. Jeder einzelne muss Botschafter für sein Produkt sein. Das Vorbild sind die Winzer: Sie sind Produzenten und gleichzeitig Vertriebs- und Marketingprofis. Sie reden über den Boden oder das

Nicht jedem Landwirt liegt aber das Gespräch mit Kunden. Allein darauf beschränkt sich Kommunikation ja nicht. Wenn die Bäuerin nur die billigsten Produkte ins Einkaufswagerl legt, wird sich ihre Nachbarin überlegen, warum sie teurere Produkte kaufen soll. Und der Jungbauer, der mit dem Traktor

18

samt Maschinen mit mehr als 50 km/h durchs Ortsgebiet donnert, kommuniziert, ohne dass er es weiß – und erzeugt ein negatives Bild. Mehr Sensibilität also kontra Bauernstolz? Wir Bauern müssen unsere „Mia-san-mia-Mentalität“ verlassen. Auch wenn mein Hof schon seit 800 Jahren da ist, muss ich akzeptieren, dass mein vor fünf Jahren zugezogener Nachbar mit seinem Häuschen eigene Interessen hat. So ist das Leben. Es ist nicht okay, am Samstagabend mit der Gülle auszufahren, wenn überall auf den Terrassen gegrillt wird. Kann man kommunizieren lernen? Ja. Schon in der bäuerlichen Ausbildung sollte man Kommunikation lehren. In der Schule wird den künftigen Bauern zwar gesagt, wie sie zu produzieren haben. Da sind sie super drauf. Was fehlt, ist die Kommunikation. Und wie freie Märkte funktionieren. Bauern glauben oft noch, dass die Konsumenten ihre Produkte kaufen müssen. Im freien Markt muss aber niemand mehr irgendwas. unserhof 2/2017


e? Gute Ideichen re Jetzt ein Region und Ihrewerter lebens n! mache

auf den Puls. HEIMAt. LAND. LEBENSWERt. Stefanie Essl macht die Steiermark lebenswert. Die Landärztin aus Passail betreut jährlich über 10.000 Patientinnen und Patienten und sichert so die medizinische Grundversorgung in ihrer Region – für mehr Gesundheit am Land, für eine lebenswerte Heimat, gegen Abwanderung. Machen auch Sie Ihre Region lebenswerter. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) einen Masterplan, um den ländlichen Raum zukunftsfit zu machen. Schon heute investiert das BMLFUW – im Rahmen des Programms LE 2020 – über 500 Mio. Euro in den Ausbau von Basisdienstleistungen in den Gemeinden und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Nähere Informationen zu diesen und weiteren über 250.000 bereits realisierten Projekten des BMLFUW finden Sie auf heimat-land-lebenswert.at

Gute Idee?

Jetzt einreichen und Ihre Region lebenswerter machen: heimat-land-lebenswert.at

Entgeltliche Einschaltung des BMLFUW

Stefanie fühlt


KOMMUNIKATION

„So produzieren wir wirklich!“ Foto: © Jungbauernschaft

Mit einem kreativen Online-Video hat sich Österreichs Jungbauernschaft eines heiß ­umstrittenen Themas angenommen: der vermeintlichen „Massentierhaltung“. Der informative Kurzfilm soll darüber aufklären, dass es eine solche in Österreich nicht gibt.

M

https://youtu.be/GRVBb-tx4us www.facebook.com/ jungbauernschaft

20

assentierhaltung in Österreich? So produzieren unsere Bauern wirklich. Österreichs Jungbauern sind in die Offensive gegangen: Wie werden unsere Nutztiere gehalten? Muss man sich fürchten, wenn im eigenen Dorf ein neuer Stall gebaut wird? Was passiert mit Mist und Gülle? All diese Fragen und noch andere mehr beantwortet ihr erstes Online-Infovideo. Einfache Erklärungen, anschauliche Skizzen und eine ungemein professionelle, vor allem flotte Umsetzung zeichnen es aus. Publiziert wurde der Jungbauern-Clip zu Jahresbeginn bewusst in den Sozialen Medien – und wurde seither auf Face­ book über 230.000 Mal aufgerufen und über 2.800 Mal geteilt. Auch auf

YouTube wurde das Video mittlerweile mehr als 2.200 Mal angeklickt und nur ein Dutzend Mal mit „Daumen runter“ negativ bewertet. Mit dieser Bilanz und zahlreichen direkten positiven Rückmeldungen auf ihren ersten Info-Film sind die Jungbauern mehr als zufrieden. Obmann Stefan Kast erklärte zum Start: „Bürgerinitiativen gegen Stallneubauten sind heute keine Seltenheit mehr. “ Das Wissen vieler Menschen etwa über moderne Tierhaltung sei heute gering und damit auch das Verständnis für die Arbeit der Bauern. Dabei würden sich diese schon allein aus eigenem wirtschaftlichem Interesse bewusst um das Wohl ihrer Tiere kümmern. „In modernen Ställen wird den Rindern, Schweinen oder Hühnern immer mehr Komfort geboten.“ unserhof 2/2017


Fotos: © Grünberger, agrarfoto.at

KOMMUNIKATION

Internet: www.jung bauern.at Nach einem Brainstorming und ausführlicher Daten-Recherche wurde der 24-jährige Burgenländer und Student Robert Grünberger mit der Umsetzung des Videos mit Hunderten Zeichnungen beauftragt. Auch der bekannte ORF-Sprecher Otto Clemens („Report“, „Universum“) wurde engagiert. Viele Arbeitsstunden waren nötig, um – erst auf Papier und vielen Farbstiften später – von oben herab mit einer gut auflösenden Kamera die Grafiken abzufilmen und mit flottem Schnitt und Tonspur alle Botschaften unterzubringen. „Aufklärung der Konsumenten ist das Gebot der Stunde“, betonen Kast und Jungbauern- Geschäftsführer David Süß, die für immerhin 45.000 junge Bäuerinnen und Bauern im Land sprechen. „Unser Video ist nur der Anfang.“ unserhof 2/2017 21


Fotos: © Pistracher

BETRIEBSFÜHRUNG

Seit rund einem Jahr bietet das Lagerhaus Technik-Center seine Traktoren verschiedenster PS-Klassen nicht nur zum Kauf, sondern auch zur zeitlich befristeten Miete an. Dieses Modell hat sich bewährt, die Nachfrage ist besonders unter streng kalkulierenden jungen Betriebsführern groß. Von Stefan Nimmervoll

Internet: www. rentflex.at www.etgmarchfeld.at

E

in Traktor – das ist für viele Landwirte nicht bloß ein Arbeitsgerät, sondern auch ein Statussymbol, mit dem man zeigt, was man sich leisten kann. Oder manchmal auch, was die Bank zu finanzieren bereit war. Längst wird aber nicht mehr auf jedem Hof so gedacht. Eine neue, junge Generation, an den Schulen oder gar Universitäten betriebswirtschaftlich bestens ausgebildet, kalkuliert zunehmend genauer,

22

welche Investitionen in neue, schlagkräftige Technik sinnvoll sind und was bestenfalls eine teure Spielerei ist. Die volatilen Preise für landwirtschaftliche Produkte tun ihr Übriges dazu. Das spiegelt sich zuletzt auch immer stärker im Landmaschinengeschäft wider. So sind etwa die Zahlen der Neuanmeldungen von Traktoren in den vergangenen drei Jahren teils massiv in den Keller gerasselt. Und galt früher immer größer, immer kräftiger als Devise für Neuanschaffungen, so stellen

sich mittlerweile immer mehr Landwirte auch die Frage nach der Zahl wirtschaftlich rentabler Einsatzstunden. Das Lagerhaus Technik-Center hat als Antwort darauf ein innovatives Konzept entwickelt: Rentflex. „Unser Miettraktoren-Modell hat sich bereits im ersten Jahr am Markt sehr gut bewährt“, erzählt Thomas Scheidl, Regionsleiter des LTC Korneuburg. 40 Traktoren stünden dafür bereit, um vor allem bei saisonalen Arbeitsspitzen zum Einsatz zu komunserhof 2/2017


BETRIEBSFÜHRUNG

Mieten statt kaufen men. „Das Thema Miete und Sharing wird auch in der Landwirtschaft immer wichtiger. Wer bei uns eine Maschine leiht, kann genau kalkulieren, was ihm dabei jede Einsatzstunde kostet“, so Scheidl. Ein Rentflex-Kunde ist die Erzeuger­ organisation Tiefkühlgemüse im Marchfeld. Sie organisiert für rund 500 Bauern den Anbau und die Ernte von verschiedenstem Ackergemüse an die Firma Ardo Austria Frost in Groß-Enzersdorf, die unter anderem für die

Marke „Iglo“ Gemüse produziert. Die wichtigste Frucht sind Grünerbsen mit rund 1.700 Hektar. Franz Husch ist für die Technik zuständig. Im heurigen Frühjahr wurde der Anbau mit vier vom LTC gemieteten John Deere 6215R Traktoren durchgeführt. Für einen einzelnen Gemüsebauern wäre die oft sündhaft teure, weil technisch aufwändige Spezialausstattung für den Anbau kaum finanzierbar. Deshalb, aber auch um besser mit dem Abnehmer verhandeln zu können, wurde

die Genossenschaft 2009 gegründet. „Wir organisieren die Kulturführung für alle unsere Mitglieder so, dass das Gesamtergebnis passt“, sagt Husch. Dabei geht es nicht zuletzt um die Kosten: „Je günstiger wir die Bewirtschaftung durchführen können, desto mehr können wir unseren Mitgliedern auszahlen.“ Der Einsatz stets modernster Technik sei ebenfalls ein gewichtiges Argument, so Husch. „In manchen Bereichen ist man heute bereits nach

unserhof 2/2017 23

Neueste Technik für anspruchsvolle ­Kultur: sorgt für ­gerade Spuren am Erbsenfeld.


BETRIEBSFÜHRUNG

zwei Jahren technologisch wieder hinten nach.“ Zwar hätte die ETG es sich leisten können, vier passende Traktoren mit mehr als 200 PS zu kaufen. „Allerdings hätte es zehn Jahre gedauert, bis sie sich gerechnet hätten. Vielleicht wird man Erbsen dann schon wieder mit völlig anderen Techniken kultivieren. Mit Rentflex bekommen wir jedes

Jahr für drei Monate die aktuellsten John Deere-Modelle.“ Und um das Service und allfällige Reparaturen müsse er sich auch nicht kümmern, meint der Technikmanager. Wesentlich für Franz Husch ist das Lenksystem der Traktoren. Immerhin sind die Zugmaschinen in der Anbausaison bis zu 16 Stunden am Tag am

Feld unterwegs und sollen präzise Arbeit verrichten. „Erst mit der Auswertung per Computer sind wir uns der Kosten bewusstgeworden, die wir reduzieren können. Bei kalkulierten 22.000 Wendemanövern jeweils eine Minute schneller zu sein, ergibt am Ende ein gewaltiges Sparpotential. Ein einzelner Bauer könnte das niemals realisieren“, ist Husch überzeugt. Neben der ETG und anderen größeren Kunden, die gleich mehrere Traktoren auf einmal mieten, greifen auch kleinere Betriebe auf Rentflex zurück, berichtet Thomas Scheidl. „Einer holte sich für zwei Wochen einen kräftigeren Traktor fürs Silieren.“ Rentflex-Kunde zu werden, ist übrigens sehr einfach: Über eine Internetplattform können rund um die Uhr Mietanfragen gestellt werden. „Der Eingabemodus ist selbsterklärend, ähnlich leicht wie bei der Buchung eines Hotelzimmers oder Flugtickets. Nach wenigen Klicks weiß der Kunde den Preis und ob die Maschine verfügbar ist. Und schon kann es losgehen.“

Fotos: © Pistracher

Thomas Scheidl, Franz Husch und ­Lukas Stelzl, Technikberater im Lagerhaus: Saisonale Mietmaschine für den Anbau von Tiefkühl­ erbsen.

24

unserhof 2/2017


BETRIEBSFÜHRUNG

Der Netzwerker Wenn Bauern gemeinsam einkaufen, können sie bares Geld sparen. Mit dieser Zielsetzung startete Franz Edlinger vor genau zehn Jahren das Projekt „bauernnetzwerk“, eines der ersten österreichischen Start-ups im Landwirtschaftssektor.

Fotos: © Bauernnetzwerk.at

D

er findige Landwirt aus Ried im Traunkreis erkannte frühzeitig den Bedarf für eine digitale Vernetzung von Landwirten, Konsumenten und Wirtschaft und betreibt nunmehr seit April 2007 seine Online-Plattform. „Als wir mit unserer Plattform im Internet gestartet sind, war der Begriff ‚Startup‘ noch kaum bekannt“, schmunzelt Franz Edlinger heute. „Und eigentlich wollte ich auch nie ein klassisches Start-up führen.“ Ihm sei, „vielleicht auch durch meinen Hauptberuf als Landwirt“ solides, gesundes und nachhaltiges Wachstum wichtig, betont der Oberösterreicher. Und mit diesem Zugang entwickelte sich das Bauernnetzwerk stetig weiter. Vom Start weg, mit der ersten Website, wurden die Kundenwünsche gesammelt und analysiert. Zwei Jahre später ging dann die neue, auf die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmte Website online. „Der Fokus unserer Strategie lag niemals auf rasanten Entwicklungen, sondern vielmehr auf der Umsetzung wirklich ausgereifter Features für unsere Nutzer: Landwirte, Konsumenten und Unternehmen aus dem landwirtschaftlichen Bereich“, erklärt Edlinger zu seine Strategie. Der Erfolg scheint ihm Recht zu geben. Mittlerweile sind über 3.500 registrierte User auf der Plattform aktiv, nutzen die Praktikums- und Direktvermarkterbörse oder profitieren von den angebotenen Partneraktionen und Sammelbestellungen. Dazu kommen viele tausend Zugriffe im Monat von nicht registrierten Nutzern.

Dank der Mischung aus wissenswerten Informationen, nützlichen Funktionen und einer engen Zusammenarbeit mit Unternehmen und Schulen konnte sich das bauernnetzwerk im vergangenen Jahrzehnt auch einen fixen Platz in der landwirtschaftlichen Online-Me-

dienlandschaft sichern. Und auch für die Zukunft zeigt sich Edlinger zuversichtlich: „Die Landwirte nutzen die Aktionen und so steigen die Zugriffszahlen stetig. Wir haben also schon viele neue Ideen für Innovationen auf unserer Website.“

unserhof 2/2017 25

Internet: www.bauern netzwerk.at


FAMILIE UND BETRIEB

Die Pflege von Angehörigen ist keine einfache Aufgabe und verlangt neben großem Engagement der Betreuenden oftmals auch deren gänzliche Beanspruchung als Arbeitskraft. Wie aber schaut es mit dem sozialen Schutz der betreuenden Personen im Hinblick auf deren Kranken- oder freiwillige Pensionsversicherung aus? Von Nicole Haas

S

peziell im bäuerlichen Bereich wird die Betreuung von pflegebedürftigen Familienangehörigen oft noch als selbstverständlich angesehen und am eigenen Hof durchgeführt. Für die pflegenden Personen bestehen derzeit sowohl in der Krankenversicherung als auch in der Pensionsversicherung unterschiedliche Möglichkeiten der Weiter- bzw. Selbstversicherung.

Krankenversicherung

Mag. ­Nicole Haas ist Sozialrechts­ expertin in der LK Tirol

Angehörige eines Pflegegeldbeziehers, die den pflegebedürftigen Versicherten mit Anspruch auf Pflegegeld mindestens der Pflegestufe 3 unter überwiegender Beanspruchung der Arbeitskraft (mindestens 30 Stunden/Woche) nicht erwerbsmäßig in häuslicher Umgebung pflegen, sind in der Krankenversicherung anspruchsberechtigt, und die Pflegeperson ist bei Pflege eines Bauernpensionisten in der Bauernkrankenversicherung beitragsfrei mitversichert. Kurzzeitunterbrechungen, wie durch Aufenthalt in stationärer Pflege oder Urlaub der pflegebedürftigen Person oder der Pflegeperson, unterbrechen den Krankenversicherungsschutz grundsätzlich nicht. Diesem Krankenversicherungs­ schutz nach dem Sozial­versicherungs­ recht der Bauern unterliegen unter den genannten Voraussetzungen folgende Personen: der Ehepartner

26

Weitervers nur auf

bzw. eingetragene Partner; Verwandte oder Verschwägerte in gerader Linie oder bis zum 4. Grad der Seitenlinie (z. B. Cousin/Cousine); Adoptiv-, Stief-, Pflegekinder/Eltern oder eine mit dem Versicherten nicht verwandte Person, die mit ihm in Hausgemeinschaft lebt und den Haushalt unentgeltlich führt.

Pensionsversicherung Für die freiwillige Weiterversicherung in der Pensionsversicherung für pflegende Angehörige sind folgende Voraussetzungen notwendig: Pflege eines/einer nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung; gänzliche Beanspruchung der Arbeitskraft

durch die Pflege; Anspruch auf Pflegegeld zumindest in Höhe der Stufe 3; Aufgabe der pflichtversicherten Erwerbstätigkeit wegen der Pflege; Vorversicherungszeit (wie bei der Weiterversicherung) und Antragstellung (wie bei der Weiterversicherung). Die Weiterversicherung kommt nur für einen Pflegefall je Person in Betracht, wird nur auf Antrag gewährt und beginnt spätestens mit dem Monatsersten nach Antragstellung. Kurzzeitunterbrechungen durch einen Aufenthalt in stationärer Pflege oder Urlaub der pflegebedürftigen Person oder der Pflegeperson unterbrechen diese Pensionsversicherung nicht. Die

unserhof 2/2017


sicherung Antrag Weiterversicherung endet erst mit dem Wegfall einer der obigen Voraussetzungen oder mit dem Ende des Kalendermonats, in dem die pflegende Person den Austritt aus dieser Versicherung erklärt. Eine begünstigte Weiterversicherung in der Pensionsversicherung ist sowohl nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz, ASVG, dem Bauern-Sozialversicherungsgesetz, BSVG, und dem Gewerblichen Sozialversicherungsgesetz, GSVG, möglich. Zuständige Sozialversicherungsträger können somit die Pensionsversicherungsanstalt, die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft, die Sozialversicherungsan-

stalt der Bauern bzw. Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbahn sein, je nachdem, wo Vorversicherungszeiten erworben wurden. Für die Weiterversicherungsmonate fallen für die Versicherten keine Beiträge an, diese werden zur Gänze aus Mitteln des Bundes getragen. Dem Antrag auf Weiterversicherung der gesetzlichen Pensionsversicherung sind Bescheide über den Pflegegeldanspruch der zuständigen Stelle sowie eine Bestätigung/Erklärung über die Ausscheidung aus der Pflichtversicherung, um den nahen Angehörigen unter gänzlicher Beanspruchung der Arbeitskraft in häuslicher Umgebung

Foto: © Fotolia – em_design

FAMILIE UND BETRIEB

zu pflegen, beizulegen. Ebenso ein Nachweis der Angehörigeneigenschaften zum Pflegebedürftigen und – soweit vorhanden – Vorlage diesbezüglicher Urkunden. Die Angehörigeneigenschaft für die Berechtigung einer Weiter- oder Selbstversicherung in der Pensionsversicherung erstreckt sich auf folgende Personen: Ehepartner bzw. eingetragene Partner; Lebensgefährte; Verwandte oder Verschwägerte in gerader Linie oder bis zum 4. Grad der Seitenlinie (wie Cousin/Cousine); Adoptiv-, Stief-, Pflegekinder/Eltern. Personen, die bislang noch nicht pensionsversichert waren, können ebenso für die Pflege eines Angehörigen Pensionsversicherungszeiten erwerben. Die Selbstversicherung ist jedoch nur nach dem ASVG möglich, und die hiefür zuständigen Versicherungsträger sind somit die Pensionsversicherungsanstalt bzw. die Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau. Für diese freiwillige Versicherung sind folgende Voraussetzungen notwendig: Pflege eines/einer nahen Angehörigen in häuslicher Umgebung; Anspruch auf Pflegegeld zumindest der Stufe 3 des Bundespflegegeldgesetzes; erhebliche Beanspruchung der Arbeitskraft; entsprechende Antragstellung und Wohnsitz im Inland. Auch bei der Selbstversicherung in der Pensionsversicherung werden die Beiträge zur Gänze vom Bund getragen und die Zeiten mit einer entsprechenden Beitragsgrundlage im Pensionskonto berücksichtigt. Darüber hinaus bietet das ASVG auch einen Krankenversicherungsschutz für Pflegepersonen mit sozialer Schutzbedürftigkeit, die aufgrund der intensiven Pflege eines nahen Angehörigen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können und auch sonst keine Möglichkeit, etwa über eine Mitversicherung als Angehöriger, besteht, einen Krankenversicherungschutz zu erlangen. Angesichts der unterschiedlichen Möglichkeiten empfiehlt es sich daher im Bedarfsfall, die angebotenen Beratungsmöglichkeiten der jeweiligen Landwirtschaftskammer bzw. der zuständigen Sozialversicherungsträger in Anspruch zu nehmen.

unserhof 2/2017 27


FAMILIE UND BETRIEB

Betriebliche Gesundheitsförderung war in der Landwirtschaft bis dato sehr rudimentär entwickelt. Eine Krankheit oder ein Unfall können aber einen bäuerlichen Betrieb in seiner Wirtschaftlichkeit gefährden. Ein Projekt soll nun das nötige Bewusstsein für eine Gesundheitsförderung schaffen. Von Annette Weber

Barbara Jennetten

Barbara Hauer

D

as Wirtschaftliche und die Gesundheit sind nicht zu trennen, die Gesundheit ist die Grundlage“, sagt die Lebens- und Sozialberaterin Barbara Jennetten, „je besser man gesundheitlich aufgestellt ist, umso besser wird auch das Wirtschaftliche laufen. Das gehört einfach zusammen.“ Barbara Jennetten hat das Projekt „Sicher und gesund am Bauernhof“ betreut, das vor kurzem vom Landesverband Urlaub am Bauernhof Steiermark und von der Sozialversicherungsanstalt der Bauern durchgeführt und vom Fonds Gesundes Österreich unterstützt wurde. Ausgangssituation war, dass es im Gegensatz zu Gewerbebetrieben für landwirtschaftliche Betriebe keine betriebliche Gesundheitsförderung gibt. „Dadurch, dass es sich in der Landwirtschaft fast ausschließlich um Familienbetriebe handelt, wurde dies immer vernachlässigt. Wir haben in ganz Europa kein einziges Bespiel für Gesundheitsförderung am Bauernhof gefunden“, hält Jennetten fest. Bereits seit 2012 beschäftigt sich die Sozialversicherungsanstalt der Bauern intensiv mit Gesundheit am Bauernhof. Andreas Strempfl von der SVB Steiermark wollte im Rahmen seiner Dissertation wissen, welche Ursachen und welche Bewältigung von Stress es

28

Sicher un am Bau gibt und befragte damals 1.000 Landwirte. Das Ergebnis war nicht gerade erfreulich: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten eine hohe Stressbelastung. Vor allem nach der Saison waren enorme Belastungen zu sehen – ähnlich wie bei Burnout-Betroffenen. Aufbauend auf diese Befragung entwickelte der Landesverband Urlaub am Bauernhof dieses Projekt und begleitete ein Jahr lang 13 Familien. Zu Beginn wurde bei allen Familienmitgliedern eine umfassende physiologische Stressmessung durchgeführt und weitere Indikatoren mittels Fragebogen erhoben. Was ist förderlich für die Gesundheit? Was ist hinderlich? Die wichtigsten Bereiche dabei waren der tatsächliche Arbeitsalltag, das Zusammenleben und die Kommunikation innerhalb der Familie sowie die eigene Gesundheit. Familiendynamiken, Generationenkonflikte, Ehestreitigkeiten und Abgrenzungsprobleme wurden gesondert berücksichtigt.

Im Anschluss wurden verschiedene Maßnahmen zur Sensibilisierung und gesundheitlichen Veränderung des Lebens- und Arbeitsstils durchgeführt. Diese Maßnahmen betrafen die persönliche Lebensgestaltung – wie etwa das Gewicht, die Bewegung oder bestimmte Laster wie zum Beispiel Rauchen – das soziale Netzwerk am Betrieb und die Arbeitsbedingungen inkl. der Pausenkultur. Begleitend dazu gab es seitens der SVB auch Angebote wie Nordic-­Walking-Kurse oder Vorträge über Stressmanagement. „Rückblickend“, so Barbara Jennetten, „kann man sagen, dass die umgesetzten Maßnahmen doch zu einer großen Erleichterung am Betrieb geführt haben. Und seien es auch nur so banale Dinge wie etwa einmal pro Woche gemeinsam zu frühstücken oder ein paar Stunden das Telefon auszuschalten.“ Alle teilnehmenden Betriebe gaben an, dass durch das Prounserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

nd gesund uernhof das Bewusstsein dafür schon sehr früh zu schärfen. Eines kommt der SVB dabei zugute: Die jungen und angehenden Land­wirte sind dem Thema Gesundheits­förderung gegenüber viel aufgeschlossener als ihre Groß­elternGeneration.

„Wir waren total zufrieden mit dem Projektverlauf“, zeigt sich Barbara Hauer von der Sozialversicherungsanstalt der Bauern Steiermark zuversichtlich, „die Ergebnisse waren sehr positiv und haben gezeigt, dass die Bäuerinnen und Bauern sehr aufgeschlossen sind, was das Thema Gesundheitsförderung betrifft. Aktuell versuchen wir, diesen Bereich langfristig zu implementieren.“ Zwei Masterarbeiten werden derzeit zu diesem Thema verfasst. Darüber hinaus gibt es auch auf einigen landwirtschaftlichen Fachschulen bereits konkrete Gesundheitsprojekte, um unserhof 2/2017 29

Junge Bauern sind beim Thema Gesundheitsförderung aufgeschlossener als ihre Groß­elternGeneration.

Fotos: © SVB Steiermark

jekt Denkanstöße gesetzt wurden, für sich und die Gesundheit vermehrt etwas zu unternehmen. Darüber hinaus haben sich auch aufgrund des intensiven Auseinandersetzens Haltungen, Einstellungen und Umgangsformen gegenüber anderen Familienmitgliedern zum Positiven verbessert.


Allrounder des Jahres

Die Modelle der Allrounder-Baureihe Massey Ferguson 5700 SL senken Betriebskosten und steigern Arbeitskomfort sowie Einsatzflexibilität und sind damit optimal für klassische ­Viehzucht- und Mischbetriebe, aber auch stark am Acker. 2016 wurde der MF 5713 SL als Allrounder auch „Tractor of the year“.

Internet: www.austro diesel.at

30

Modellübersicht MF 5700 SL Getriebe PS* Drehmoment** Motor Kabinen

MF 5710 SL

MF 5711 SL

MF 5712 SL

MF 5713 SL

Dyna 4/ 6

Dyna 4/ 6

Dyna 4/ 6

Dyna 4/ 6

100

110

120

130

420Nm

468Nm

502Nm

545Nm

AGCO Power 4.4 l, 4 Zyl., Tier 4 Final SCR Essential/Efficient/Panoramic

*ISO TR14396 max. bei 2000 U/min; ** max. bei 1500 U/min

Abgastechnologie von MF. Mit der Einführung von SCR hat MF 2008 Pionierarbeit geleistet. „Mittlerweile sind uns praktisch alle Traktorenhersteller gefolgt.“ Mit dem „All-in-one“ SCR-System mit Diesel-Oxidations-Katalysator DOC, praktisch unter der Kabine verbaut, werden die Abgase und Diesel-Rußpartikel bestmöglich mit AdBlue vermischt. Der effektivste Weg, um die schädlichen Stickoxide zu minimieren. Perfekt in das Fahrzeug integriert gibt es keinerlei Abstriche bei Leistung, Effizienz, Wartung,

Bodenfreiheit und – sehr wichtig – der unschlagbaren Rundumsicht. Alle MF 5700 SL Modelle gibt es mit Dyna-4- oder Dyna-6-Lastschaltgetriebe mit der beliebten Funktion: Bei Betätigung des Bremspedals wird der Gang automatisch ausgekuppelt und damit etwa die Arbeit mit dem Frontlader beschleunigt. Dank optionalem AutoDrive werden die 4 bzw. 6 Stufen bei der Feldarbeit automatisch je nach Last geschaltet und bei Transportarbeiten stets der optimale Gang eingelegt. Das bewährte Dyna-6-Getriebe sorgt für kupplungsfreie Schaltung von sechs Gängen in vier Gruppen (jeweils 24 Vor- und Rückwärtsgänge, beim Dyna-4-Getriebe sind es je 16 Vorund Rückwärtsgänge, bei vier Dyna­­ shift-Gängen in vier Gruppen). Auch die elektrohydraulische Bedienung ermöglicht kupplungsfreie Gruppenwechsel. Weitere Top-Merkmale des MF 5700 SL sind die komplett neue MFVorder­achsfederung; leistungsstarke Hydraulik-­Systeme (CCLS mit 110l/min oder Open Center High Flow 100 l/min) per Finger-Tipp-Bedienung oder Joy­ stick; ein größeres Farbdisplay; Speed­ Steer; Auto-Guide 3000 Lenksystem mit innovativer „Go-Modus“-Funktion sowie Frontladervorbereitung ab Werk. unserhof 2/2017

Firmenbericht

D

ie Vier-Zylindermotoren von 100 bis 130 PS wurden von AGCO Power eigens für den MF 5700 SL entwickelt. Ebenso überzeugt die Baureihe mit Top- Sichtverhältnissen dank bewährtem Freisicht-­Design, enormer Wendigkeit dank 2,55 m Radstand und nur 4,8 t Leergewicht sowie herausragender Gesamt­effizienz dank der spezifisch modifizierten Getriebe und nur geringerem Wartungsaufwand bei höchster Zuverlässigkeit. Damit sind sie die erste Wahl für jene, die eine leistungsstarke und zuverlässige Maschine für verschiedenste Arbeiten suchen. „Diese kompakten Kraftpakete stehen für höchste Agilität am Hof mit Frontlader oder Futtermisch­ wagen und überzeugen mit satter Leistung und dem Komfortniveau größerer Baureihen,“ betont Campbell Scott, MF-Marketingchef für Europa. Zudem verweist er auf die branchenführende Motor- und


Keinen Massey Ferguson?

Keinen kann ich mir nicht leisten!

Rudolf Dollinger Landwirt und Massey-Ferguson-Fahrer

MF 5700 SL | 100–130 PS TRAKTOR DES JAHRES 2016

Sparsame und leistungsstarke 4 Zylinder / 4.4 l AGCO POWER Motoren Komplett wartungsfreie Abgasreinigung Kupplungsfreie oder automatische Gangauswahl mit Dyna 4 / 6 Maximaler Komfort in der ergonomischen Kabine mit perfekter Rundumsicht

MF | MAXIMAL FUNKTIONAL Maximale Verfügbarkeit Branchenführendes Ersatzteilservice Mobilität und Produktivität für Ihren Traktor

Dafür sorgen wir – die Menschen hinter Massey Ferguson. +43 / 1 / 70 120-0 • verkauf@austrodiesel.at • www.austrodiesel.at

Jetzt anfragen!


FAMILIE UND BETRIEB

Egal ob im Wald, bei Fuhrwerksleistungen, im Winter­ dienst oder ­sonstiger Betriebs­­hilfe: Wer als Landwirt beim Nachbarn einspringt, sollte auch das Steuerrecht im Auge ­behalten. ­JOHANNES ­PIEGGER weiß warum.

B

äuerliche Nachbarschaftshilfe gilt als land- und forstwirtschaftliche Neben­tätigkeit, wenn d ­ iese nach ihrer wirtschaftlichen Zweckbestimmung zum land- und forstwirtschaftlichen Hauptbetrieb im Verhältnis der wirtschaftlichen Unterordnung steht.

Mag. ­Johannes Piegger ist Steuerrechtsexperte der LK Tirol.

33.000-Euro-Grenze Bei den grundsätzlich aufzeichnungspflichtigen land- und forstwirtschaftlichen Nebentätigkeiten wie Holzakkord, Fuhrwerksleistungen,

32

Kultur­pflege im ländlichen Raum, Winterdienst, bäuerliche Nachbarschaftshilfe über ÖKL-Selbstkosten oder Betriebshilfe wird die wirtschaftliche Unterordnung angenommen, wenn mehr als fünf Hektar land- und forstwirtschaftliche Grundfläche bzw. bei Garten- und Weinbaubetrieben mehr als ein Hektar bewirtschaftet werden und die Einnahmen 33.000 Euro inklusive Umsatzsteuer nicht übersteigen. Wird die Be- und/oder Verarbeitung alleine betrieben, ist die Unterordnung dann gegeben, wenn die genannte Einnahmengrenze nicht überstiegen wird.

ÖKL-Selbstkosten

Werden etwa bei der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit höchstens die Maschinenselbstkosten nach ÖKL-Sätzen ohne Arbeitsstunden verrechnet, so ist ab dem Veranlagungsjahr 2016 die wirtschaftliche Unterordnung jedenfalls nur mehr dann gegeben, wenn die Einnahmen aus der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit 33.000 Euro inklusive Umsatzsteuer nicht übersteigen. Bei über diesen Betrag hinausgehenden Einnahmen ist eine Unterordnung dann gegeben, wenn der Umsatz aus der zwischen­betrieblichen Zusammenarbeit 25 Prozent der Gesamtumsätze des unserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

land- und forstwirtschaftlichen Betriebes nicht übersteigt. Dieser neue Einnahmentopf für zwischenbetriebliche Zusammenarbeit ist unabhängig vom 33.000-Euro-Einnahmentopf für oben genannte aufzeichnungspflichtige Nebentätigkeiten wie auch für Be- und Verarbeitung von Urprodukten. Einnahmen aus der Nachbarschaftshilfe gegen Verrechnung max. der ÖKL-Selbstkosten sind seit 1. Jänner 2016 damit weiterhin unter folgenden Voraussetzungen pauschaliert: + Wirtschaftliche Unterordnung muss gegeben sein: 33.000 Euro bzw. 25 Prozent vom Umsatz.

+ Dienstleistungen und Vermietungen erfolgen zwischen Landwirten. + Die in der überbetrieblichen ­Tätigkeit verwendeten Maschinen müssen auch im eigenen Betrieb verwendet werden. + Der örtliche Nahbereich im Sinn der Gewerbeordnung muss eingehalten werden. + Es dürfen lediglich Maschinenselbstkosten (ÖKL-Werte) verrechnet werden. + Nur ein einziges Betriebsmittel einer bestimmten Art wie Mähdrescher oder Rundballenpresse darf im Betrieb vorhanden sein. Sind meh-

Foto: © Massey Ferguson

Nachbarhilfe bis 33.000 Euro rere Betriebsmittel derselben Art vorhanden, hat der Steuerpflichtige glaubhaft zu machen, dass deren Verwendung im eigenen Betrieb erforderlich ist.

Registrierkasse Bareinnahmen im Rahmen der bäuerlichen Nachbarschaftshilfe wiederum unter den ÖKL-Selbstkosten unterliegen der Belegerteilungs- und auch bei Überschreiten der Umsatzgrenzen von 7.500 Euro Bareinnahmen und 15.000 Euro Gesamtumsatz der Regis­ trierkassenpflicht.

unserhof 2/2017 33

Internet: www.oekl.at/ richtwerte


SMS vom AgrarCommander

Per SMS oder E-Mail Die neue Programmfunktion erlaubt es dem Anwender, direkt aus dem AgrarCommander eine SMS oder eine E-Mail mit einem Navigationslink an einen beliebigen Empfänger zu versenden. Der braucht dann nur auf den Link in der SMS oder der E-Mail zu klicken, startet so die mobile App und die im Navi-Link definierten Feldstücke werden als Grafik mit einem hinterlegten Luftbild angezeigt.

Der Anwender

Internet: www.money soft.at

des AgrarCommander kann einen oder mehrere ausgewählte Schläge, alle Schläge mit bestimmten Kulturen oder alle Schläge seines Betriebes für das Versenden festlegen. Außerdem kann eine Frist eingestellt werden, bis zu welchem Datum der Navi-Link gültig ist.

34

nen Schlaggrenzen können importiert werden. Diese werden über die AMA-Schlaggrenzen gelegt, womit eventuelle Flächenabweichungen erkennbar werden. Die selbst festgelegten GPS-Schlaggrenzen können exportiert und damit für andere Aufgaben verwendet werden.

Spurlinientransfer Der Empfänger sieht nicht nur die für ihn vorgesehenen Schläge, sondern er kann diese Schläge ausmessen und durch Antippen die integrierte Navigation starten. Der GPS-Punkt zeigt dem Benutzer seine aktuelle Position und die Route an, wie man zum Schlag kommt. Außerdem kann man dem Versender des Navi-Links eine Nachricht hinterlassen. Das Versenden von SMS mit dem AgrarCommander-Navi-Link ist übrigens kostenlos.

Schlaggrenzen Im AgrarCommander GIS-Modul werden die aus dem eAMA – Invekos – GIS importierten Feldstücke und Schläge grafisch angezeigt. Damit man die Schlaggrenzen der Feldstücke und Schläge für sein GPS-Spurführungssystem am Traktor verwenden kann, können die Polygone exportiert werden. Diese mit GPS aufgenomme-

Mit einem GPS-Spurführungssystem erfasste Spurlinien können in den AgrarCommander importiert, angesehen sowie wieder exportiert werden. So können GPS-Spurlinien zwischen Traktoren und Einsatzgebieten getauscht und auch Spurlinien von Lohnunternehmern verwendet oder bereits vorhandene Spurlinien zur Verfügung gestellt werden. So kann etwa die Spurlinie einer Lohnsaat importiert, aufbewahrt und später beim GPS-gesteuerten Reihenhacken wiederverwendet werden.

GPS-Bodenprobenpunkte Bei der maschinellen Entnahme von Bodenproben werden die GPS-Punkte der Einstiche aufgezeichnet. Diese sollen bei der nächsten Beprobung des Feldstückes dann wieder an derselben Stelle erfolgen. Bodenprobenpunkte-­ Karten können in den AgrarCommander importiert und für die Verwendung der nächsten Beprobung exportiert werden. unserhof 2/2017

Firmenbericht

Ä

cker und Wiesen werden heute oft von Personen bearbeitet, die nicht immer ortskundig sind. Zudem wollen auch immer mehr Beratungs- und Kontrollstellen die Flächen der Betriebe vor Ort sehen. Der AgrarCommander bietet für betriebsinterne Mitarbeiter mit der Funktion „Finde Dein Feld“ die Möglichkeit einer Feldstücksortung und Feldstücksnavigation. Damit diese auch externen Personen zur Verfügung stehen, wurde „NAVI-Link“ geschaffen.

Foto: © Money Soft

Landwirtschaftliche Betriebe senken ihre Kosten, indem sie überbetrieblich zusammenarbeiten oder Arbeiten an den Maschinenring oder Lohnunternehmer auslagern. Feldstücksortung und Feldstücksnavigation erleichtern dabei viele Abläufe.


Damit können Sie rechnen. K K K K K K K K K K K K K K K K K K K K K K

Erfüllung aller Aufzeichnungsverpflichtungen Liveprüfung der erfassten Maßnahmen Überbetriebliche Verwaltung der Betriebe Antragstellung und Prämienkalkulation eAMA-Datenübernahme Grundstücks- und Pachtverwaltung Erfassung der Arbeitsarten Maschinen und Geräte Mitarbeiter und Arbeitszeiten Mobile App zur Maßnahmenerfassung vor Ort Mobile App „Finde dein Feld“ Kostenrechnung mit Deckungsbeitrag und DFL Nährstoff- und Düngeplanung Automatische Übernahme der AGES- und CEWEBodenuntersuchungsergebnisse Grafische Feldstücksverwaltung Lagerverwaltung und Mengenfluss Navi-Link und Feldstücksgrafik per SMS an jeden beliebigen Empfänger versenden Import von GPS-Spurlinien, Schlaggrenzen und Bodenprobenpunkten Archivierung und Export von GPS-Spurlinien für andere Maßnahmen Export der GPS-Schlaggrenzen in AMA-Shape-Datei Mehr als 2.000 Betriebe mit über 167.000 ha Fachkundige Hotline und Schulungen

Informationen & Hotline: 0664 889 28 094 www.agrarcommander.at, info@agrarcommander.at


Fotos: © Pistracher

Garnele à la alpine Reinste Gebirgsbäche, eiskalte Bergseen: Tirol ist für die Fischzucht geradezu prädestiniert. Forellen und Saiblinge aus den Alpen passen als lokale Spezialität gut ins Bild. Aber Garnelen – zumal sogar in Salzwasser gezogen? In jedem Fall, meint Daniel Flock aus Rum bei Innsbruck. Von Stefan Nimmervoll

G Internet: www.face book.com/ alpen garnelen/

emeinsam mit seinem Cousin Markus Schreiner hat der 23-jährige Daniel Flock in der ehemaligen Kaserne in Hall eine Anlage aufgebaut, in der die in der Gastronomie besonders gefragten White Tiger-Garnelen völlig ohne Einsatz von Chemie oder gar Medikamenten heranwachsen. Aquarien haben den findigen Tiroler schon als Kind fasziniert. Schon früh hat er sich mit Hingabe in der elterlichen Wohnung der Pflege von Zierfischen & Co. gewidmet. Mit der Zeit sei dann ein zweites Hobby dazugekommen – die Liebe zum guten Essen. „Dass ich da einmal nachgefragt habe, woher die Garnelen am Teller stammen, ist logisch“, erzählt Daniel. Die Antwort des Koches: Fast alle Ware komme aus verschiedenen Ländern Asiens oder aus Ecuador in Südamerika. Daheim hat Flock dann recherchiert, wie die Tiere dort gehalten werden, und kam zu einem abstoßenden Ergebnis: „Das ist brutal und alles andere als ressourcenschonend. Den

36

Krebsen werden etwa die Augen abgezwickt. Mangrovenwälder werden gerodet, um Zuchtbecken errichten zu können. Und Antibiotika-Einsatz ist in der internationalen Massenproduktion Standard.“ Daher begab sich Daniel vor vier Jahren für die Produktion von Garnelen im Inntal auf die Suche nach alternativen Systemen. „Ich habe einfach nicht glauben können, dass das bei uns nicht geht.“ Ernüchternd waren die ersten wenig ermunternden Ratschläge von mittlerweile befreundeten Produzenten: Einfach sei die Zucht der empfindlichen Krustentiere in keinem Fall. Mit argloser Zuversicht machten sich Flock und sein Vetter, beide gelernte Konstrukteure, an die Konzeption einer großen Anlage, mit der sie voll in die Garnelenproduktion einsteigen wollten. Markus Schreiner: „Unsere Kalkulation ergab aber ein zu großes Risiko. Daher haben wir uns für ein kleineres Pilotprojekt entschieden.“ In einem kleinen Kellerraum am früheren Kasernengelände von Hall wurden zwei kleinere Zuchtbecken

errichtet für eine Produktion von 200 bis 300 Kilo frischen Garnelen. Das sei bei weitem nicht genug, um die gewaltige Nachfrage abdecken zu können – „aber unsere Entscheidung, kleiner zu beginnen, hat sich als goldrichtig erwiesen, auch um die Aufbereitung des Wassers und die Steuerung der Produktion kennenzulernen“, sagt Daniel. Garnelen brauchen eine konstante Wassertemperatur von 27 Grad Celsius und reagieren sehr heikel auf schwankenden Sauerstoffgehalt. Das Wasser samt den Ausscheidungsprodukten der Kleinkrebse wird in einem Kreislauf gefiltert und aufbereitet. Daniel Flock: „Das System ist komplett geschlossen, auch um keine Bakterien hineinzubringen. Entnommen werden muss nur etwas vom abgesetzten Schlamm, wobei bereits angedacht ist, diesen als Dünger auf nahen Gemüsefeldern zu verwenden.“ Das Um und Auf für das Funktionieren der Zucht sei die Qualität der Larven. Diese kommen zunächst in ein Quarantänebecken, wo sie sich unserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

akklimatisieren können. „Weil wir keine Medikamente verwenden wollen, dürfen wir keine Krankheiten einschleppen“. Auch bei den Futtermischungen wird daher nicht gespart. Von einer konstanten Versorgung ihrer Kunden sind die beiden Pioniere aber noch weit entfernt. Fünf Monate dauert ein Aufzucht-Zyklus, dann werden die Tierchen mit 20 bis 25 Gramm einen Monat lang geerntet. Es folgt eine Pause von zwei bis drei Monaten, bis die nächste Partie ihr Endgewicht erreicht hat. Mittels Eiswasser oder Strom – Flock und Schreiner experimentieren noch – schonend getötet, werden die Krebse anschließend mit Edelgas schutzverpackt. So sind sie fünf Tage haltbar, um frisch in der Tiroler Spitzengastronomie verarbeitet zu werden. Und der Preis? Nicht vergleichbar mit billiger Tiefkühl- Supermarktware, „aber auch nicht teurer als hochwertige Flug-Gar-

nelen“, sagt Flock. Noch üben sich die Alpengarnelen-Erzeuger mangels großer Mengen auch allzu oft im Vertrösten potentieller Kunden. „Wir werben

auch nicht aktiv. Wir können sowieso nicht mehr verkaufen, als wir haben.“ Das soll aber bald anders werden. Nachdem sie wissen, dass ihr System funktioniert, wollen Flock und Schreiner demnächst in eine größere Anlage investieren, für eine Jahresproduktion von zehn Tonnen – eine völlig neue Dimension für ihr Projekt. Noch wird kalkuliert: „Unser Problem sind die wahnsinnigen Grundstücks- und Mietpreise im Umland von Innsbruck“, meint Daniel Flock. Und größere Becken benötigen auch mehr Energie. Ein Produktionsstandort nahe eines Kraftwerkes oder Betriebes, um deren Abwärme günstig zu nutzen, wäre optimal. „Genau danach suchen wir momentan.“ Von den Österreichischen Jungbauern wurde das Projekt „Tiroler Alpengarnelen“ im vergangenen Herbst mit einem Innovationspreis (3. Platz) gewürdigt. „Seitdem rufen immer wieder Kollegen an und fragen, ob wir sie beim Einstieg in die Zucht unterstützen könnten“, so Daniel Flock. Dem sei man gar nicht abgeneigt, „weil auch uns von anderen Züchtern im Ausland geholfen wurde.“ Allerdings warnt der Aquaristiker mit Langzeit-Erfahrung vor dem Schielen nach dem raschen Geschäft: „Man braucht dazu Gespür, muss sich einlesen und viel probieren. Garnelen zu halten ist beileibe nicht so einfach, wie Fische zu züchten: Und das ist schon nicht einfach.“

unserhof 2/2017 37


Mit neuen Geotracs und Roadshow ins Frühjahr Lindner präsentierte kürzlich zwei neue Geotrac-Modelle. Bei eigenen Roadshows von Lindner können der Lintrac und natürlich der Unitrac, beide mit Stufenlos-Antrieb, auch ­getestet werden. Demnächst etwa auf der Messe Wieselburg.

D

er Geotrac 64ep und der Geotrac 104ep sind die beiden neuesten Traktorenmodelle im Programm des Tiroler Landmaschinenspezialisten Lindner. „Damit ist die Serie 4ep alpin komplett“, betont Geschäftsführer Hermann Lindner. „Beide Modelle sind noch effizienter und punkten mit Profiausstattung“. Das Leistungsspektrum der gesamten Geotrac-Serie 4 liegt zwischen 75 und 144 PS. Noch bis Mitte Juli läuft bei Lindner außerdem die attraktive Frühjahrs­ aktion: Dabei gibt es die Fronthydraulik für alle neuen Geotrac- und Lintrac-Modelle kostenlos. Mit Hilfe der Fronthydraulik und optionaler EFH können Anbaugeräte besonders feinfühlig gesteuert werden,

zum Beispiel das Mähwerk. Darüber hinaus gewährt Lindner zwei Jahre Garantie. Die Aktion läuft bis 15. Juli 2017, es gilt die Preisliste 02-2017.

ligenteste Fahrzeug seiner Klasse.“ Der Grund dafür ist das innovative „TracLink“-System, das Lindner auch für seinen Lintrac im Programm hat. Ein großer Pluspunkt: TracLink erkennt jedes Gerät, das an den Transporter oder den Traktor angebaut wird. Das System unterstützt den Fahrer, die richtige Einstellung zu finden. Außerdem können Fahrer etwa den Beladezustand oder die Achslasten überprüfen. Für besonders wirtschaftliches Arbeiten steht das digitale Fahrtenbuch.

Roadshow Ein weiterer Höhepunkt im heurigen Lindner-Frühjahr ist die laufende „LDrive“-Roadshow. Im Rahmen der LDrive-Roadshow kann sich jeder Interessierte von der einfachen Bedienung des stufenlosen Lintrac und des neuen Unitrac 112 LDrive überzeugen. Die nächste Möglichkeit gibt es auf der Wieselburger Landwirtschaftsmesse Inter Agrar mit Volksfest von 29. Juni bis 2. Juli.

Herzstück des Unitrac 112 LDrive ist jedoch das leistungsverzweigte CVT-Getriebe, das Lindner mit ZF-Komponenten selber baut. Der Unitrac 112 LDrive fährt stufenlos bis 50 km/h, alle Einstellungen erfolgen über die aus dem Lintrac bekannte LDrive-Armlehne.

Unitrac-Start Im Juni startet in Kundl auch die Serienproduktion des neuen Unitrac 112 LDrive. Hermann Lindner: „Der stufenlose Transporter ist das intel-

Internet: www.lindnertraktoren.at

38

Vom zweiten stufenlose Fahrzeug von Lindner, dem Lintrac, wurden mittlerweile schon mehr als 500 Modelle gefertigt. Hermann Lindner: „Der Lintrac ist der erste stufenlose Standardtraktor mit 4-Rad-Lenkung. Weitere technische Highlights sind die Hochleistungs-Arbeitshydraulik von Bosch und die besonders einfache LDrive-Bedienung.“ Für den Berg- und Grünlandbereich vereint der Lintrac die Merkmale von Traktor, Hangmäher und Hoflader in einem Fahrzeug. Das senkt den Investitionsbedarf für die Landwirte deutlich. Weitere Einsatzgebiete sind der Weinbau, der Forst und der Kommunalbereich. unserhof 2/2017

Firmenbericht

Foto: © Lindner

500 Lintracs


FRONTHYDRAULIK KOSTENLOS

Aktion gültig von 25.2. – 15.7.2017 für alle Geotrac und Lintrac Neufahrzeuge in Verbindung mit der Preisliste 02-2017.

TRAKTORENWERK LINDNER GMBH Ing.-Hermann-Lindner-Str. 4 6250 Kundl/Tirol lindner-traktoren.at

Der Beste am Berg


BETRIEBSFÜHRUNG

Schritt für

Seinen Milchviehbetrieb im oberen Mühlviertel hat ­Markus Gahleitner so gestaltet, dass er auch in Zeiten geringer Milchpreise ruhig schlafen kann. ­STEFAN NIMMERVOLL sprach mit ihm über Augenmaß und Weitblick bei Investitionen und Finanzplanung rund um die Hofübernahme.

40

S

eit nunmehr fünf Jahren führt der junge Milchbauer den von seinen Eltern übernommenen Hof im Hörbich, ein Nachbardorf von Lembach im Mühlkreis im Bezirk Rohrbach, mit 60 Milchkühen und Nachzucht im Stall. Mit dem stets solide geführten Betrieb hat er einen guten Grundstock als Rinderhalter bekommen. Beim Gespräch mit unserhof wirkt Gahleitner ruhig und überlegt. „Bei uns am Hof wurde nie gejammert. Wenn es Probleme unserhof 2/2017


BETRIEBSFÜHRUNG

Fotos: © Pistracher

Schritt

gab, wurden sie angepackt und rasch nach ­Lösungen gesucht.“ Dabei kalkuliere er genau und verfolge seine Ziele beharrlich und zielstrebig. Schulden sind dem Oberösterreicher zuwider, ebenso Investitionen, die mehr der Prahlerei als der Nützlichkeit am Hof dienen. So ist Gahleitner froh, sich in den Jahren vor dem Ende der Milchquote im April 2015 nicht maßlos von der damals mancherorts vorherrschenden Stallbau-Euphorie habe anstecken lassen. „Mit wenig Eigenfläche und einem Stall auf Kredit hätte ich

heute wohl auch Bauchweh“, meint er gelassen. Bei vielen Betrieben auch in seinem Umfeld entscheide oft nicht mehr die Familie, sondern die Hausbank, ob etwa ein neuer Traktor angeschafft werden könne. „Bei uns daheim wurde dagegen nur dann investiert, wenn wir das Geld dafür hatten“, sagt Gahrleitner. So wurden außer einem AIK-Kredit in der Höhe von 100.000 Euro auch bei der schrittweisen Stallerweiterung und anderen Umbauten keine weiteren Fremdmittel aufgenommen. „Bei den zuletzt niedrigen Milchpreisen

Zur Person DI Markus Gahleitner studierte an der Universität für Bodenkultur Agrarwissenschaften und absolvierte nebenbei die Lehrer- und Beraterausbildung an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Ober St. Veit. Schon neben dem Studium war er Bildungsreferent bei der Zentralen Arbeitsgemeinschaft für Rinderzucht, ZAR. 2012 Rückkehr auf den elterlichen Hof. Bis 2014 war Gahleitner drei Jahre lang Obmann der Österreichischen Jungzüchtervereinigung.

unserhof 2/2017 41


Fotos: © Pistracher

BETRIEBSFÜHRUNG

waren wir dann mehr als froh, dass wir uns nie zu weit hinausgelehnt haben“. Dafür mussten einige Neuerungen eben immer wieder auf die lange Bank geschoben werden. „Ich habe eine Prioritätenliste, was mir wichtig ist und was noch warten kann.“ Nach und nach wurde am Betrieb ein Laufstall errichtet, der Kälberbereich adaptiert, eine Maschinenhalle gebaut. „Andere Dinge müssen halt warten“, meint der Mühlviertler mit Blick durch das Küchenfenster auf den noch unbefestigten Innenhof. Für heuer geplant sind die Erneuerung der Abkalbeboxen und eine hofeigene Wasserversorgung, vo-

42

raussichtlich nächstes Jahr stehen die Renovierung des Wohnhauses und die Gestaltung der Außenflächen an. Weniger Bedeutung als andere messen die Gahleitners dagegen ihrem Maschinenpark bei. „Unser derzeit stärkster Traktor hat 94 PS.“ Irgendwann werde er aber noch einen Rotorladewagen anschaffen. Und dann brauche er wohl auch eine stärkere Zugmaschine. „Das wird dann eher ein gebrauchter Traktor werden.“ Wo am Acker oder bei der Ernte schon heute teure und auf seinem Hof zu wenig ausgelastete Maschinen nötig seien, komme ohnedies der

Maschinenring zum Einsatz. Nur den Melkroboter im Stall, könnte man als Luxusmaschine bezeichnen. Doch auch hier winkt Markus Gahleitner ab: „Auch bei dessen Anschaffung hatten wir neben dem höchsten Tierkomfort für unsere Kühe die genaue Kosten-Nutzen-Rechnung unserer eigenen Arbeitsersparnis durch das automatische Melken im Auge.“ Außerdem sei man im Bezirk Rohrbach längst nicht unter den ersten Betrieben gewesen, die im vergangenen Jahrzehnt einen Roboter angeschafft hätten. Besonnenheit spielt auch hierbei eine Rolle: „Ich will nie zu früh unserhof 2/2017


BETRIEBSFÜHRUNG

in neue Technologien einsteigen, sondern nur auf Geräte und Systeme setzen, die funktionieren und sich schon bewährt haben.“ Die Abstimmung mit seiner Familie, auf deren Hilfe er jederzeit vertrauen kann, zählt für Gahleitner indes zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren seiner Betriebsführung. Bei jeder größeren Investition erstellt letztlich „der Familienrat“, bestehend aus beiden Eltern sowie seiner Lebensgefährtin Tanja, einen Finanzplan. „Je nach Höhe des aktuellen Milchpreises sowie der voraussichtlichen Marktentwicklung rechnen wir dann mehrere Szenarien

durch. Wir rechnen zum Beispiel mit 30, 33 und 36 Cent pro Kilo und entscheiden dann, ob sich ein Ausbauplan oder Neukauf von Dingen ausgeht oder nicht. “ Den Taschenrechner habe er aber nicht jederzeit mit dabei, schmunzelt der Jungbauer. Die wichtigsten Parameter des eigenen Hofes im Kopf zu haben, sei allerdings wichtig. „Damit vergleiche ich mich etwa im Arbeitskreis Milchwirtschaft mit guten Betrieben.“ Aber nicht nur der Milchpreis steht bei seinen betriebswirtschaftlichen Überlegungen im Vordergrund. „Der ist natürlich wichtig, aber als Milcher-

zeuger kann ich diesen ohnehin nicht beeinflussen. Daher denke ich lieber über andere Parameter nach, die in meinem Bereich liegen und die ich steuern oder verbessern kann, etwa die Milchmenge und die Qualität.“ Anders als einige Milchbauern in der Region, die ihre Milch mittlerweile über die Grenze ins nahe Bayern liefern, steht er auch bewusst hinter seiner Genossenschaftsmolkerei, der Berglandmilch. „Der Preisunterschied war und ist marginal und ich müsste dafür die Sicherheit der Genossenschaft aufgeben.“ Beständigkeit sei es wohl, die seinen Hof stets ausgezeichnet habe, meint Gahleitner. „Wir wollen nicht dauernd hin- und herspringen. Das Ergebnis muss mittel- und langfristig passen.“ Daher habe auch er sich wie schon sein Vater bewusst für die konventionelle Milcherzeugung entschieden, während andere auf Biomilch umgestiegen sind. „Wir kommen damit gut aus. Jeder Wechsel der Produktionsausrichtung kostet schließlich Geld“, ist der junge Landwirt überzeugt. Mit einem Stalldurchschnitt von 9.500 Kilo Milch pro Kuh sei die Leistung solide. „Mit mehr Kraftfutter eine höhere Milchleistung zu erkaufen, würde das Management schwieriger machen. Ich will lieber Kühe, denen es gut geht und die eine hohe Lebensleistung erbringen.“

unserhof 2/2017 43

Markus Gahrleitner: „Bei uns daheim wurde dagegen nur dann investiert, wenn wir das Geld dafür hatten.“ Nur den Melk­roboter im Stall könnte man als Luxus­ maschine bezeichnen.


BETRIEBSFÜHRUNG

Ackern über die Erdumlaufbahn Die Österreichische Hagelversicherung setzt erstmals Satellitendaten im Dienste der ­Landwirtschaft ein. Die punktgenauen Informationen aus dem Weltraum über die Anbauflächen verbessern das Risikomanagement.

Z

ur Optimierung der Risikovorsorge bietet die Hagelversicherung den Landwirten nicht nur ein umfassendes Versicherungspaket für eine Reihe von Schadensfällen an, der Naturkatastrophenversicherer setzt dabei ab sofort auch auf Satellitendaten, die von der „European Space Agency“, der Europäischen Weltraumbehörde ESA, zur Verfügung gestellt werden. Diese stehen den versicherten Bauern in aufbereiteter Form gratis auf der Homepage der Hagelversicherung zur Verfügung und sollen bei Managementfragen wie dem Pflanzenschutzmitteleinsatz oder Bewässerung hilfreich sein. „Mit diesem Service bieten wir den Landwirten die Möglichkeit, den Pflanzenwuchs auf ihren Feldern über die gesamte Vegetationsperiode hinweg zu beobachten. Die Satellitendaten werden kostenlos über das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus geliefert und von uns aufbereitet. Damit stellen wir unseren Kunden ein in Österreich einzigartiges,

Internet: www.hagel.at

44

satellitengestütztes Monitoring für ihre Agrarflächen zur Verfügung“, betont Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Hagelversicherung. Konkret bilden aktuell zwei „Sentinel“-Satelliten alle fünf Tage die gesamte Erdoberfläche ab. Die Daten für die Landwirte nutzbar macht der Satellitenexperte der Abteilung für Meteorologie und Geoinformation der Hagelversicherung, Nikolaus Neugebauer: „Den Landwirten stehen in diesem Rhythmus wiederholt Satellitendaten ihrer Feldstücke zur Verfügung, die Unterschiede im Pflanzenwuchs aus der Vogelperspektive erkennbar und das Wachstum auf verschiedenen Feldstücken vergleichbar machen. Auch lässt sich damit der Pflanzenwuchs während der gesamten Vegetationsperiode beobachten, um gezielt Maßnahmen zu setzen.“ Basierend auf einem NDVI-Vegetationsindex („Normalized Differential Vegetation Index“), der aus den Satellitendaten berechnet wird, erkennt der Praktiker anhand der Einfärbung die Unterschiede im Pflanzenwuchs unserhof 2/2017


BETRIEBSFÜHRUNG

Fotos: © ESA, Hagelversicherung

Copernicus liefert die ­Daten, die von der Hagelver­ sicherung aufbereitet werden. der jeweiligen Region. „Je grüner, desto stärker ist der Pflanzenwuchs. Je mehr die Farbe ins Braune und Beige übergeht, desto weniger Wuchs ist vorhanden“, erläutert Neugebauer. Durch die zeitliche Wiederkehr der Daten kann der Verlauf des Pflanzenwuchses zusätzlich über Diagramme über einen längeren Zeitraum – hinuntergebrochen auf einzelne Feldstückteile – dargestellt werden. „So lässt sich erkennen, wo Unterschiede bestehen, ab wann sich Fehler entwickelt haben und wie stark diese sind.“

das Schadensausmaß abzugrenzen und eine Prognose zu berechnen. Unsere Sachverständigen erhalten die Daten auf ihr Tablet. Das macht die Stichprobenziehung genauer und die Schadens­erhebung effektiver.“ Generell stehe das Projekt aber erst am Beginn einer Vielzahl von nutzenbringenden Anwendungsmöglichkeiten, die in Zukunft aufkeimen werden, so Weinberger über weitere Perspekti-

ven des Satellitenservices. „Durch den offenen und kostenlosen Zugang zu diesen Daten für alle, Stichwort ‚Open Data Politik‘, werden in den nächsten Jahren neben Wissenschaft und Forschung viele weitere Bereiche wie die Wirtschaft oder eben auch die Landwirtschaft profitieren“, ist Weinberger überzeugt, damit den Betriebserfolg vieler Betriebe steigern zu helfen und das Risiko von Unwetterfolgen zu managen und zu vermindern.

Die kostenlose Handhabung dieses Services über hagel.at erfolgt für alle Versicherten über den Login-Bereich, auf den die Darstellung der jeweiligen Feldstücke des Nutzers folgt. Neben datierten Informationen aus der Erdumlaufbahn findet der User auch Nutzungshinweise und ein Rückmeldeformular für Anfragen an die Hagelversicherung. Weinberger sieht in alldem nicht nur einen großen Nutzen für die heimische Landwirtschaft, sondern ebenso für sein Unternehmen: „Diese Daten werden von uns nach Schadereignissen genutzt, um unserhof 2/2017 45

Dank ­NDVI-­Index erkennt man Unterschiede im Pflanzenwuchs.


Mit Lely gut gerüstet

Kundenservice ist bei Lely seit jeher das oberste Credo. Eine intensive Rund-um-dieUhr-­Betreuung der Milchbauern ist der oberste Anspruch des Unternehmens, das jetzt in ­Österreich einen weiteren Servicestützpunkt eröffnet.

E

Servicetechniker Servicestützpunkte Lely-Österreich

artikel am Standort verfügbar sein. Im zweiten Schritt wird neben unserem bestehenden Techniker-Team ein weiterer Servicetechniker aufgebaut, um auch im Norden Oberösterreichs eine einwandfreie Betreuung unserer Kunden zu gewährleisten“, betont Lely Österreich-Geschäftsführer Andreas Feichtlbauer. Zudem steht ab sofort allen Servicevertragsbauern von Lely die hausinterne Herdenberatung „Farm Management Support“, kurz FMS, kostenlos

zur Verfügung. Feichtlbauer: „Mit DI Rita Kapp konnten wir eine erfahrene Mitarbeiterin gewinnen, welche unseren Kunden für sämtliche Anfragen zur Verfügung steht.“ Mit dem neuen Servicestützpunkt hat Lely Österreich nun neben seiner Zentrale in Enns insgesamt drei weitere Stützpunkte sowie zudem elf Servicetechniker von Feldkirch in Vorarlberg bis Niederösterreich für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung seiner Kunden.

Internet: www.lely. com/at

Firmenbericht

Fotos: © Lely

ffizienz und Weiterentwicklung – um dies noch besser möglich zu machen und Servicetechniker österreichweit vor Ort zur Verfügung stellen zu können, freuen wir uns, einen weiteren Servicestützpunkt eröffnen zu können. Mit dem Lely-Servicestützpunkt OÖ-Nord, in Zusammenarbeit mit dem Agrarprofi-Center in Altenfelden im Bezirk Rohrbach, untermauert der Melktechnik- und Erntemaschinenanbieter auch in Österreich seine Firmenphilosophie in Richtung noch mehr Effizienz und Weiterentwicklung. „Der neue Standort im Mühlviertel wird im ersten Schritt die Ersatzteilversorgung beschleunigen und generell als Know-how-Anlaufstelle für unsere Technik fungieren. Zusätzlich werden Verbrauchsartikel wie Reinigungsmittel und Eutergesundheits-


“Erfahrung gibt Sicherheit”

Robotertechnik seit 25 Jahren von Lely Unsere Servicetechniker arbeiten täglich mit Freude an den Lely Melkrobotern. Diese Erfahrung geben wir gerne weiter, um ihren Betrieb nachhaltig und ihre Arbeit einträglich zu machen. Von 8 bis 93 Kühe pro Roboter in Österreich.

Inteligente Landwirtschaft beginnt mit Vertrauen.

www.lely.com


INTERNATIONAL

Foto: © Fotolia

Pinzgauer, Avocados und Farmermorde

ANNETTE WEBER war in ­Südafrika und hat sich die dortige Landwirtschaft angesehen. Ein ­Reisebericht über Wasserknappheit, XXL-Farmen und die langen Schatten der längst nicht ­überwundenen Rassentrennung.

F

ür 80 Tage reiche das Wasser noch. Eine Botschaft, die einen immer und immer wieder erreicht. Das schlechte Gewissen beim Duschen ist das Eine, die Frage „Wie machen das die hiesigen Bäuerinnen und Bauern?“ das Andere. Obwohl es bereits ein wenig herbstelt, sind die Temperaturen – zumindest am Tag – noch sehr hoch und der Wunsch nach Regen in der Bevölkerung ziemlich groß. Die Landwirtschaft in Südafrika ist ziemlich eindrucksvoll. Von den 121 Millionen Hektar Landfläche Südafrikas sind nur knapp 14 Prozent oder gut 16 Millionen Hektar fruchtbar. Um in Südafrika von der Land-

48

wirtschaft leben zu können, benötigt man etwa 1.000 Hektar. Die Flächen von 65 Prozent der Landwirte liegen darunter. Das Land ist der größte Agrarexporteur Afrikas. Produziert wird vor allem Getreide, Zuckerrohr, Gemüse, Wein und Fleisch. 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ist in weißer Hand, während die Mehrheit der Bevölkerung schwarz ist. Die schwarze Bevölkerung lebt zum großen Teil von der Subsistenzlandwirtschaft, das heißt, die Familien erzeugen auf kleinen Feldern genauso viel, wie sie brauchen.

Pinzgauer und Pinz²yls Zu Besuch bei Familie Van Zyl, eine Einwandererfamilie mit dänischen unserhof 2/2017


INTERNATIONAL

Wurzeln und seit dem 17. Jahrhundert in Südafrika ansässig. Die Van Zyls führen das Unternehmen „ZZ2“. Die ZZ2 Farm zählt mit 2.000 Hektar Tomaten, 300 Hektar Zwiebeln, 800 Hektar Avocados, 150 Hektar Mangos, 200 Hektar Äpfel und Birnen sowie 6.000 Rindern zu den größten Farmen Afrikas. Die Standorte der Farm sind über das ganze Land verteilt und reichen zum Teil über die Grenzen hinaus nach Namibia und Zimbabwe. Das Besondere an diesem Agrarbetrieb: ZZ2 züchtet schon seit 1964 Pinzgauer. Österreichische Immigranten haben die Rasse aus Salzburg Anfang des 20. Jahrhunderts nach Südafrika gebracht, erzählt einer der Geschäftsführer, Tomme van Zyl. Während aber in Österreich Pinzgauer hauptsächlich für die Milchprodukti-

on genutzt werden, sind sie hier vor allem für Fleisch bekannt. Vielleicht auch weil es Milchviehbetriebe noch schwerer haben, da diese auch hier einen massiven Strukturwandel durchlebt haben. Aktuell gibt es in Südafrika noch etwa 1.550 Milchviehbetriebe mit einer durchschnittlichen Herdengröße von 800 Kühen. Ende der 1990er Jahre waren es noch 20.000 Milchviehhalter. Ausschlaggebend war der Milchpreis, der aktuell bei 5 Rand, umgerechnet 36 Cent, liegt. 150 Mitarbeiter kümmern sich bei ZZ2 um die insgesamt 6.000 Rinder, davon sind 3.000 reinrassige Pinzgauer. Besonderer Stolz der Farm sind auch die „Pinz²yls“, eine mittlerweile anerkannte eigene Rasse. Sie zeich-

net sich durch die Angepasstheit und Robustheit der Ngunis, einer afrikanischen Hausrasse, und die Bemuskelung der Pinzgauer aus. Die Pinzgauer und Pinz²yl Herden werden zur Zucht verwendet. Jährlich verkauft die Farm einige hundert Stiere nach ganz Südafrika. Beide Rassen unterliegen strengen Zuchtkriterien. Außerdem sind die Pinzgauer und Pinz²yls der ZZ2 auf diversen Schauen vertreten.

„Goats are my ATM“ Schauplatzwechsel. In der Nähe von Pretoria, Südafrikas Hauptstadt, liegt die Farm „Elpasso“ von Bryline K. Chitsunge. Sie ist eine beeindruckende Frau und war eine enge Vertraute von Präsident Nelson Mandela. Auf ihrer Farm hat sie auch noch andere

unserhof 2/2017 49

Südafrikas schwarze Farmer leben von Subsistenzlandwirtschaft.


Bryline K. Chitsunge tritt engagiert für Frauen am Land ein.

Fotos: © Weber, Fotolia

INTERNATIONAL

Politikgrößen dieser Welt, wie die früheren US-Präsidenten George W. Busch, Bill Clinton oder Barack Obama, bereits willkommen geheißen. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern wird sie nicht müde zu betonen, wie wichtig Bildung ist, um auch Frauen zu fördern und ihnen eine gleichberechtigte Zukunft zu ermöglichen. Heute hat fast jede Bäuerin in Südafrika fünf Kinder unter acht Jahren und ist darüber hinaus schlecht ausgebildet, erzählt Bryline. Mehrmals hebt sie die Hände hoch und fordert: „More power to the women!“, also „Mehr macht den Frauen!“ Obwohl es Frauen im Allgemeinen und Bäuerinnen in Südafrika im Besonderen nicht leicht haben, kaufte sie ihr ei-

50

genes Land und züchtet heute neben roten Kalahari-Ziegen – ihrer großen Leidenschaft – auch Rinder, Geflügel, Schweine und Fische. „Die Ziegen sind mein Bankomat“, sagt sie stolz. Chitsunge hat jahrelang im Ausland gelebt und bezeichnet sich selbst als privilegiert. Sie sei „immer noch auf der Reise“, sagt sie zum Abschied und betont nochmals ihre Botschaft an die Gesellschaft, nicht nur in Afrika: „Jedes Kind auf dieser Welt soll wissen, woher das Essen kommt. Daher: Bildung. Bildung. Bildung.“

Landwirtschaft in (weißer) Männerhand Bryline ist eine Ausnahme, denn die weit überwiegende Zahl der Farmen unserhof 2/2017


INTERNATIONAL

in Südafrika werden von Männern geführt. Von weißen Männern. Und das, obwohl 80 Prozent der Bevölkerung schwarz und nur acht Prozent weiß sind. Genau das führt zu Missstimmung. Während man sich bei der Fahrt durchs Land immer wieder von der positiven Grundstimmung der südafrikanischen Bevölkerung überzeugen kann, wird man doch immer wieder mit einem dunklen Kapitel konfrontiert, das das Land zutiefst beschäftigt. Woche für Woche werden weiße Farmer von Schwarzen brutal überfallen. „Farmer sein in Südafrika ist der gefährlichste Beruf der Welt“, hört man oft. Und wenn man die Geschichten über die Vorkommnisse hört, glaubt man das sofort. Exakte Zahlen über die Morde gibt es nicht,

sie schwanken je nachdem, ob sie vom Interessensverband der (weißen) Farmer oder von der Polizei kommen. In den vergangenen Jahren sollen über 12.000 Überfälle passiert sein. 2016 wurde dem Vernehmen nach fast jeden Tag ein Farmer umgebracht – oft unter seltsamen Umständen und verbunden mit grausamer Folter. Immer mehr Landwirte halten die Bedrohung nicht mehr aus und geben auf. Besserung sollte eine Landreform bringen. Ziel war, dass bis 2014 dreißig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf die landlose schwarze Bevölkerung umverteilt werden sollte, um das Unrecht der Vergangenheit – die koloniale Landnahme und

das menschenverachtende, rassentrennende Apartheitregime bis in die 1990er Jahre – wieder gutzumachen. Ein Recht auf Bodenrückgabe haben alle Afrikaner, die nach 1910 enteignet und zwangsumgesiedelt wurden sowie deren Erben. Zehntausende Südafrikaner haben Ansprüche angemeldet, die Umsetzung aber läuft nur schleppend. Viele Farmen, die bereits zurückgegeben wurden, schreiben rote Zahlen. Mittlerweile nimmt im Land die Angst um die Versorgungssicherheit zu. Südafrika ist ein Land der großen Gegensätze. Die Landreform ist zwar im Gang, doch die Zeit der Apartheid wirft weiterhin ihre Schatten. Und das wohl noch lange.

unserhof 2/2017 51

Eine Land­ reform zugunsten der landlosen schwarzen Bevölkerung soll Grund und Boden umverteilen, läuft aber nur schleppend.


„Alpinfass“ für steiles Gelände

Mit dem neuen Güllefass Poly 80+ erweitert der Landtechnik-Spezialist Bauer die ­bewährte Polyesterfass-Serie und garantiert damit eine effiziente Gülleausbringung in jeder Hanglage.

52

eine geringe Belastung dar, das Fass kann somit im steilen Gelände ohne Probleme bewegt werden. Seriell ist das Fass mit einer robusten Exzenterschneckenpumpe ausgestattet, die in den Werken der Bauer Group produziert wird. Das Poly 80+ verfügt über

eine Pumpleistung von 4.000 l/min, das Poly 60+ fördert 3.000 l/min. Das Herzstück des Poly 80+ ist das Pendel-Aggregat, das speziell an diese Fassgröße angepasst wurde. Eine maximale Bodenschonung mit minimaler Bodenverdichtung wird über große Radial-Niederdruckräder erreicht. Der geringe Reifenluftdruck der 710 mm breiten und 26,5 Zoll großen Radial-Räder ermöglicht eine große Aufstandsfläche und somit geringe Bodenverdichtung bei Feldfahrt. Die Gülleausbringung über bodennahe bzw. injektierende Verteil-/Einbringtechnik ist heutzutage für eine umweltbewusste Düngung absolut erforderlich. Die Bauer Group hat in den vergangenen Jahren die Ausbringtechniken verfeinert und bietet eine breitgefächerte Produktauswahl an, darunter Schleppschuhverteiltechnik für optimale Nährstoffausnutzung. Der Schleppschuhverteiler mit einer Arbeitsbreite von 10,5 m legt die Gülle direkt an der Grasnabe ab. So können die wertvollen Düngewerte der Gülle wesentlich effektiver als mit konventioneller Prallverteilertechnik genutzt werden. unserhof 2/2017

Firmenbericht

Internet: www.bauerat.com

Fotos: © Bauer Group; Abdruck honorarfrei

A

ufgrund des geringen Einsatzgewichts übt das „Alpinfass“ minimalen Bodendruck aus und ist daher prädestiniert für den Einsatz im steilen Gelände. Zudem schont das speziell für diese Fassgröße entwickelte Pendel-Aggregat den Boden. In der neuen Plus-Serie sind die Größen 80+ mit 8.000 Litern Nutzinhalt und 60+ mit 6.000 Litern Nutzinhalt sowohl als Tandem als auch als Einachsfass erhältlich. Zudem ist der Polyesterbehälter Plus komplett neu designt und mit einem extrem niedrigen Schwerpunkt konzipiert worden. Für das Poly 80+ sind Steigungen sicher zu bewältigen: Das geringe Einsatzgewicht stellt für den Boden


BEREGNUNGS- & GÜLLESYSTEME

POLYESTERTANKWAGEN

mit Schleppschuhverteiler, von 8.000 bis 24.000 Liter

RAINSTAR

Trommelberegnungsmaschinen in vielen Größen und Ausstattungen

Ihr zuständiger Fachberater: Röhren- und Pumpenwerk BAUER Ges.m.b.H. 8570 Voitsberg, Austria +43 3142 200-0 sales@bauer-at.com www.bauer-at.com Günter Windisch 0664 - 80 210 330 g.windisch@bauer-at.com W, NÖ, Bgld.

Florian Noggler 0664 - 80 210 339 f.noggler@bauer-at.com Vlbg., T., Süd-T., Liechtenstein

Robert Terschan 0664 - 80 210 338 r.terschan@bauer-at.com Stmk., Ktn., südl. Bgld., Ost-T.

Fritz Englmair 0664 - 80 210 332 f.englmair@bauer-at.com Salzburg, OÖ


INTERNATIONAL

Historische

Während des 1. Weltkrieges war Westflandern einer der am meisten umkämpften ­Landstrichte Europas. Auf den Feldern von Stijn Butaye kommt das schwere Erbe der blutigen Schlachten bis heute beinahe täglich zum Vorschein. Zu den vielen wirtschaftlichen Risiken der Landwirtschaft zählen hier auch gefährliche Blindgänger unter der Scholle zum historischen Erbe. Von Stefan Nimmervoll

Internet: www.de pondfarm.be

E

s war die Hölle auf Erden. Die belgische Stadt Ypern und ihr Umland gilt als eines der blutigsten Schlachtfelder der Menschheitsgeschichte. Fast über die gesamte Dauer des

54

Ersten Weltkrieges tobte hier an der sogenannten „Westfront“ ein Stellungskrieg zwischen Franzosen und Deutschen sowie deren alliierten Verbündeten, der mindestens 500.000 Soldaten das Leben kostete. Die Städte und Dörfer der Region wurden verwüstet, zurück blieb eine Kraterlandschaft. Die Dörfer und Siedlungen wurden auf den Ruinen wieder aufgebaut. Auch Landwirtschaft wird auf den fruchtbaren Flächen wieder betrieben. Das schwere Erbe der vor einem Jahrhundert über vier Jahre hinweg geschlagenen Schlachten tritt aber beinahe täglich zum Vorschein: Granaten, Giftgas und auch die Überreste

gefallener Soldaten gehören für die Bauern zum Alltag. Es ist nur menschlich, dass sich viele Bewohner nicht über das Notwendigste hinaus mit der schwelenden Gefahr auseinandersetzen wollen. Den Bauernsohn Stijn Butaye interessiert aber gerade die dramatische Geschichte seines elterlichen Hofes. Er hat im ehemaligen Wohnhaus des Anwesens im Dorf Langemark ein Museum mit Fundstücken zusammengestellt, das die Tragik der Soldaten auch heute noch greifbar macht. „Allein auf den 40 Hektar unseres Betriebes sind vermutlich 1.000 Menschen und mehr gefallen“, erzählt Butaye beim Besuch von unserhof.

unserhof 2/2017


INTERNATIONAL

Bomben­erträge

Bei der Verbreiterung einer Straße musste eine Allee gefällt werden. Alleine dabei seien auf 150 Metern 100 Skelette gefunden worden. „Dass wir immer wieder auf die Überreste von Gefallenen stoßen, ist belastend. Richtig gefährlich ist aber, dass wir bei der Bodenbearbeitung ständig Bomben und Granaten ausackern“, berichtet Butaye. Immer wieder würden kleinere Sprengsätze auch zünden. Kaputte Maschinen und von Granatsplittern zerschlagene Traktorscheiben müsse jeder Landwirt alle paar Jahre mal in Kauf nehmen. „Mein Vater hat sogar einmal über eine Phosphorgranate geackert. Zum Glück ist der Wind in die richtige Richtung gegangen“, seufzt der Belgier. Da der blaue Lehm der Region aber optimal für den Kartoffelanbau sei, müsse man die Böden intensiv aufbereiten. „Im Alltag verdrängen wir das Risiko, um arbeiten zu können.“ Das Vorgehen bei einem Fund ist für die Generationen nach dem Krieg längst Routine: „Wir verständigen die Entschärfungseinheit und die Polizei. Da wir aber nicht jedes Mal war-

ten können, bringen wir die Relikte mit dem Frontlader zu einem Käfig, wo sie dann begutachtet werden.“ Von Gefallenen wird eine DNA-Probe genommen. Mit dieser wird versucht, den Namen des Soldaten zu bestimmen. Die Gebeine werden später auf einem der unzähligen Soldatenfriedhöfe der Region würdig bestattet. Die Herkunft der Frontkämpfer ist dabei sehr unterschiedlich, sie stammen aus der ganzen Welt. Der Hof der Familie Butaye liegt genau an der einstigen Frontlinie. Je nach Kriegserfolg rückten einmal Deutsche, dann wieder Engländer, Franzosen, Australier oder Neuseeländer ein paar hundert Meter vor. „Die wichtigsten Schlachten der Westfront haben direkt auf unseren Feldern stattgefunden“, weiß Stijn Butaye aus Erzählungen und Geschichtsbüchern. Die Gebäude als wichtige Orientierungspunkte erhielten dabei Tarnnamen – bei den Engländern „Pond Farm“ nach zwei Tümpeln am Gelände sowie „Borderhouse“, bei den Deutschen „Prinzenhof“.

unserhof 2/2017 55

Fotos: © Fotolia

Auf Feldern rund um Ypern findet man immer noch Kriegsrelikte aus dem 1. Weltkrieg.


INTERNATIONAL

Schweres Erbe: Allein auf den 40 Hektar des Betriebes sind vermutlich 1.000 Menschen und mehr gefallen.

Die Begeisterung des jungen Elek­ trikers wurde bereits als Kind geweckt, als er beim Unkrautjäten am Acker erste Patronenhülsen fand und ihm seine Mutter die Geschichte seiner Heimat erklärte. „Seit damals habe ich Relikte gesammelt. Bereits mit 18 habe ich dann das kleine Museum eröffnet“, so der heute 26-Jährige. Es gehe ihm aber keineswegs um eine Glorifizierung der Geschehnisse oder gar darum, ein Geschäft zu machen, weswegen er für den Besuch seiner Ausstellung auch keinen Eintritt verlange. „Ich will die Erinnerung wachhalten. Wenn ich etwa eine in wochenlanger Arbeit im Schützengraben verzierte Granatenhülse finde, kann ich sie nicht einfach wegschmeißen.“

56

Während sich die ältere Generation nicht mit den beiden Weltkriegen – Belgien war auch im zweiten Weltkrieg schwer umkämpft – befassen habe wollen, stoße er jetzt auch auf Interesse bei der lokalen Bevölkerung. Und letztlich profitieren auch die anderen Landwirte in der Nachbarschaft von der Recherchearbeit des Hobby-Heimatforschers. „Ich lege beispielsweise Luftaufnahmen vom Krieg mit Google Earth übereinander und lokalisiere so Bunker und Gräben. Die Bewirtschafter wissen so, wo sie besonders Acht geben müssen.“ Wegen der immer schwerer werdenden Arbeitsgeräte seien etwa alte Tunnel­ anlagen eine permanente Gefahr. Die Äcker aber völlig von Kriegsrelikten zu räumen, sei eine Illusion.

Butaye hat sich einen Metalldetektor gekauft. Dieser piepst aber im Dauerton, weil in jeder Schaufel Erde unzählige Bleikugeln aus den Granaten enthalten sind. Weil Rückkehrer nach dem Krieg die gefährlichsten Relikte unter Lebensgefahr geräumt haben, sei es heute bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern vergleichsweise gut möglich, zu ackern. Dauergrünland, wie etwa eine Wiese hinter dem Hof, die noch nie gewendet wurde, wage sich aber auch heute noch keiner anzutasten. Das historische Erbe erschwere das Arbeiten also ungemein. „Weil im Grundwasser nach wie vor Blei enthalten ist, dürfen wir die Kühe nicht damit tränken. Und Versicherungen für die Maschinen etwa gegen Detonationen sind so teuer, unserhof 2/2017


INTERNATIONAL

Fotos: © Fotolia

Stijn Butaye (li.) sagt: „Ich will die Erinnerung wachhalten.“ Auf Kriegsrelikte stößt auch die Familie Vandesteene-Samain auf ihrer „Betlehem Farm“ in Mesen, ein paar Minuten von Langemark entfernt. Der 90 Hektar große Gemüsebaubetrieb liegt zwar hinter der früheren Frontlinie, aber auch hier gehören ausgeackerte Waffen zum Alltag, wenn auch längst nicht so intensiv wie bei der „Pond Farm“. Im 1. Weltkrieg war hier der verwundete Frontsoldat Adolf Hitler untergebracht. Nur vier Kilometer Luftlinie entfernt war dessen späterer Kontrahent, Großbritanniens legendärer Premierminister Winston Churchill, stationiert. Als die Eltern von Piet Vandesteene-Samain den Hof 1996 gekauft haben, war ihnen das nicht bewusst. Mit dem wachsenden Interesse der Öffentlichkeit hundert Jahre nach dem Krieg müssen sich die Bauersleute damit aber nun auseinandersetzen. „Die Anzahl der Besucher, die sich den Hof anschauen wollen, steigt laufend“, so der Landwirt. „Viele Nachfahren suchen die Spuren ihrer Vorväter“, meint Katleen Vandesteene-Samain. Wenn es möglich sei, versuche man die Leute zu empfangen. „Mittlerweile müssen wir aber darüber nachdenken, wie wir das in geregelte Bahnen lenken.“ Gemeinsam mit Historikern habe man bereits Möglichkeiten zur adäquaten Aufbereitung des „Weltkriegs-Tourismus“ gesucht. Bald soll das Hof-Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden. Nicht wegen Hitler, sondern weil die Gebäude zu einem wertvollen Kloster, das im Krieg dem Erdboden gleich gemacht wurde, gehört haben.

dass wir sie uns nicht leisten können“, erläutert der Jungbauer seine Probleme. Doch auch das Land zu verkaufen, wäre schwierig: „Derart belastete Felder sind fast unverkäuflich.“ Immerhin haben die Böden rund um Langemark eine sehr gute Qualität. Das gleicht genannte Nachteile wieder einigermaßen aus. „Unsere Kartoffeln sind weithin bekannt“, so Buyate, „und auch Karotten und Zuckerrüben wachsen hier hervorragend.“ Letztlich sei er mit seinem exorbitanten Interesse an der Geschichte aber eine Ausnahme. Denn: „Wenn man ständig mit einer solchen Situation konfrontiert ist, hört man auf, darüber nachzudenken. Vieles, was andere nicht nachvollziehen können, wird dann zum Alltag.“ unserhof 2/2017 57

Vater und Sohn Vandesteene-­ Samain.


INTERNATIONAL

Ein Schärdinger in Ontario Den Boku-Absolventen MARTIN WEBER hat es in die Nähe der Niagara-Fälle verschlagen. Dort betreibt er Bio-Schafhaltung, wie sie in Kanada (noch) selten ist. Ein ­Gespräch über ­Quer­einsteiger, kulturelle Unterschiede oder das umstrittene Freihandelsabkommen CETA. Interview: Stefan Nimmervoll

unserhof: Wie kam es, dass Du nach Kanada gegangen bist? Weber: Beim Studieren auf der Boku habe ich meine Frau Juliet, eine gebürtige Kanadierin, kennengelernt. Nach dem Studium und einem halben Jahr Praktikum bei Ja!Natürlich find ich jedoch in Österreich keinen Job. Meine Schwiegermutter ist für die Weinproduktion bei Southbrook Vineyards zuständig, Kanadas erstem zertifiziertem biodynamischen Weingut. Sie hat uns dann die Übernahme der Farm des Unternehmens angeboten. Da Juliet und ich beide immer schon Landwirte sein wollten, haben wir die Chance ergriffen. Wie hart war die Entscheidung für Dich, in Österreich alles zurückzulassen? Wegen der fehlenden Jobaussichten und mit der Option, in Kanada selbst Landwirt sein zu können, ist es mir relativ leicht gefallen. Auch habe ich diesen Schritt nicht alleine gemacht. Und weil Juliet hier in Kanada aufgewachsen ist, haben wir auch sehr schnell Anschluss gefunden. Was geht Dir fern der Heimat am ­meisten ab? Die österreichische Küche. Vor allem der Leberkäse. Meine bisherigen

58

Versuche, ihn selbst zu machen, waren eher kläglich. Ist es schwer gewesen, sich in einer völlig anderen Kultur zurechtzufinden? Nicht wirklich. Kanadier sind sehr aufgeschlossen. Die meisten Familien sind erst vor zwei bis drei Generationen aus Europa nach Kanada eingewandert. Ich treffe hier auf sehr viele Leute, deren Großeltern oder sogar Eltern noch in Österreich oder Deutschland geboren sind. Was sind die größten Unterschiede in der Mentalität von Österreichern und Kanadiern? In Kanada ist alles ein bisschen lockerer. So sind etwa Familiennamen hier nicht wichtig, auch in Krankenhäusern oder bei Behördengängen wird man mit dem Vornamen aufgerufen. Alle sind immer extrem freundlich. Dafür dauert alles ein bisschen länger. Kunden, die bei uns Fleisch abholen, kommen im Schnitt zehn Minuten zu spät. Wir haben auch gebürtige Österreicher als Kunden. Die sind dagegen meist um zehn Minuten zu früh dran. Wie sehr seid ihr als Bio-Bauern in Nordamerika noch Exoten?

Bioschafhaltung ist in Kanada nicht unüblich, zumindest mit Mutterschafen. Unüblicher ist, dass wir unsere Tiere nur auf der Weide ohne Kraftfutter mästen. Die Gemeinschaft der Schafhalter ist aber sehr offen, weil es so viele erfolgreiche Wege gibt, Lämmer zu produzieren. Auch mit unserem Obmann der Züchtergemeinschaft verstehen wir uns sehr gut, obwohl er in seinem Feedlot jedes Jahr 20.000 Lämmer mästet. Aber die Nachfrage nach Lammfleisch ist in Ontario größer als die Produktion, weshalb wir uns gegenseitig nicht auf die Zehen steigen. Als Bioschweinemäster dagegen werden wir hier in Kanada von den großen Betrieben sicher belächelt. Gibt es in Nordamerika bereits ein Umdenken, gar einen Wandel von immer größeren Betrieben hin zu Nischenprojekten? Große Betriebe wird es in Nordamerika immer geben. Die Nischenproduktion wird aber immer wichtiger. Einige kanadische Konsumenten denken bereits um und zahlen auch für mehr Qualität. In der Entwicklung des Biomarktes ist man in Kanada etwa so weit wie in Österreich vor 20 Jahren. unserhof 2/2017


Foto: © BMLFUW/Robert Strasser

INTERNATIONAL

Die Agrarsysteme beider Länder sind kaum zu vergleichen. Was denkst Du funktioniert in Kanada besser, was in Österreich? Als Neueinsteiger hätte ich es in Österreich mit unserem Betriebskonzept wohl schwieriger, da die Konkurrenz zu groß wäre. In Kanada sind wir unter den Ersten vorne mit dabei. In Europa wie auch in Kanada ist das geplante Freihandelsabkommen CETA heftig umstritten. Wie beurteilst Du CETA? Das ist eine schwierige Frage. Ja, es gibt Chancen für österreichische Produkte wie Käse und Speck, jedoch nicht für Rohware in den Ballungsräumen um Toronto, Montreal oder Vancouver. Beide Länder könnten vom Export von Spezialitäten profitieren. Angst vor einer Überflutung mit billig produzierten Lebensmitteln aus Kanada müssen die Österreicher aber keine haben. Die Produktion von Milch, Geflügelfleisch und Eiern ist hier stark reglementiert. Die Schweineproduktion ist in Europa gleich intensiv wie in Kanada. Der Vorteil der geringeren Tierschutz-Auflagen Kanadas reicht aber nicht aus, um den EU-Markt zu überschwemmen. Harte Zeiten sehe ich aber für Stiermäster in Österreich.

In Kanada wird Rindfleisch billig und in einer sehr hohen Qualität produziert. Und bei Getreide herrschen ohnehin Weltmarktpreise, daran wird sich durch CETA wenig ändern Wie gut fühlst du dich als Boku-Absolvent eigentlich gerüstet, einen Betrieb in Übersee zu führen? Ich setze genau das um, was ich in Österreich gelernt habe. Bei meinem Studium habe ich mich auf Tierwohl mit alternativen Haltungssystemen spezialisiert. Für die Nischenproduktion in Kanada ist das optimal. Ist es in Nordamerika einfacher, sich als Quereinsteiger eine Existenz aufzubauen? Ja, sofern du was anderes machst als die meisten hier. Dann bist du mit deiner Produktion einer von wenigen. In Österreich hätten wir als Bio­ fleischerzeuger viel mehr Konkurrenz. Noch ist euer Betrieb eher klein. Wo wollt ihr in zehn Jahren stehen? Klein ja, aber fein. Wie mästen derzeit 100 Mastschweine und 150 Lämmer pro Jahr. Das klingt nach nicht viel. Als reiner Direktvermarkter sind wir damit aber ziemlich ausgelastet. Unser Plan ist es, noch mehr Lämmer

zu produzieren, um unser Grünland ausschließlich für den eigenen Betrieb zu nutzen. Noch verkaufen wir 40 Prozent des Heues an umliegende Pferde­ farmen. An eine Ausweitung der Freilandschweinehaltung als zweites Standbein ist nicht gedacht.

Martin Weber mit seiner Frau Juliet.

Was würdest Du jemandem raten, der auf einen anderen Kontinent gehen will? Bevor man eine Entscheidung trifft, soll man sich vor dem Auswandern eine längere Zeit im Land aufhalten. Man sollte sich auch mit einem Immigrationsanwalt in Verbindung setzen, um abzuklären, was man tun und was man vermeiden sollte. Uns hat man etwa gesagt, dass ich auf keinen Fall in Österreich heiraten soll, da ich dann wahrscheinlich nicht nach Kanada einreisen darf, weil häufige Ein- und Ausreisen in Kombination mit der Heirat zu auffällig gewesen wären.

Zur Person Martin Weber stammt aus Schärding und baut mit seiner Frau Juliet Orazietti in Niagara-on-the-lake eine Freilandhaltung von Schafen und Schweinen auf.

unserhof 2/2017 59

Internet: www.linc farm.com


KOMMUNIKATION

Foto: © Claas

Upgrade für ­Ingenieure Wer künftig als Absolvent einer Höheren Land- und Forstwirtschaftsschule nach drei Jahren ­Berufspraxis um den „Ing.“-Titel ansucht, muss sich neuerdings einem Fachgespräch mit ­Experten aus seinem jeweiligen Tätigkeitsbereich unterziehen. Von Bernhard Weber

G

emäß dem neuen „Ingenieurgesetz“ wird der Titel seit Mai 2017 als Qualifikationsbezeichnung vergeben. Mit der Prüfung wird der Ingenieur-Titel dem Bachelor-Abschluss gleichgestellt, international aufgewertet und vergleichbar gemacht. Denn bei EU-Ausschreibungen etwa wurde das österreichische Spezifikum „HTL-/ Agrar-Ingenieur“ bisher zum Teil nicht berücksichtigt. In Zukunft wird die Ingenieur-Qualifikation auf Stufe 6 des „Nationalen Qualifikationsrahmens“, kurz NQR, im Bereich der Hochschulabschlüsse eingereiht. Zum Vergleich: Bisher galt für den Ing.-Titel die Stufe 5. Absolventen von AHS sind auf der 8-stufigen Skala nach Kompetenzen und Arbeitsbereichen auf Stufe 4 eingeordnet, auf den Stufen 7 und 8 reihen sich akademische Abschlüsse wie Mag. oder Dipl.-Ing. bzw. ganz oben der Dr.-Titel.

Internet: www.bmlfuw. gv.at

Laut Angaben des Landwirtschaftsministeriums, das für die Durchführung

60

des Agrartitel-Vergabeverfahrens verantwortlich zeichnet, suchen jedes Jahr mehr als 400 Absolventinnen und Absolventen einer der 15 HLBLAs in Österreich um den Ing.-Titel an. Künftig müssen Bewerber in einem „kollegialen Gespräch“ mit zwei Experten aus dem jeweiligen Fachbereich „ihre fortgeschrittenen Kenntnisse und Fertigkeiten im eigenen Arbeitsbereich oder auch die Fähigkeit zur eigenverantwortlichen Handhabung komplexer fachlicher oder beruflicher Tätigkeiten nachweisen“, lautet die neue Vorgabe. Für die Abwicklung der Gespräche wurde die Hochschule für Agrar­ pädagogik Wien-Ober St. Veit als Zertifizierungsstelle betraut, auf Anregung der Absolventenverbände werden die Prüfungsgespräche dort oder an den einzelnen Agrarschulstandorten durchgeführt. Antragsteller müssen statt bisher rund 170 mit 370 Euro an Gebühren rechnen. Wem der Titel „Ingenieurin“ bzw. „Ingenieur“ verliehen wird, ist zu des-

sen Führung vor dem Namen in Kurzform oder in vollem Wortlaut berechtigt. Auch kann man die Eintragung des Titels in allen amtlichen Urkunden verlangen. Bereits anerkannte Ingenieure werden nicht automatisch hochgestuft, ihre bisherige Standesbezeichnung bleibt weiterhin mit Einstufung 5 erhalten. Ein automatisches „Upgrade“ aller Ingenieure wurde im Parlament übrigens mit großer Mehrheit auch der beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, darunter auch ranghohe (Agrar-) Ingenieure, abgelehnt. Der Ing.-Titel als Österreich-Spezifikum in Europa – insgesamt werden alljährlich etwa 4.500 Titel auch an Absolventen der Höheren technisch-gewerblichen Lehranstalten vergeben – feiert heuer übrigens seinen 100. Geburtstag. Weitere Fragen und Antworten zum Thema „Ingenieur-Titel neu“ ­findet man auch auf der Website des ­BMLFUW. unserhof 2/2017


FAMILIE UND BETRIEB

„Auch das Alte war einmal neu“ „Schnapp dir die Karotte – schnapp dir das Glück“, so heißt das Buch der Lebensberaterin Maria Auer. Darin zeigt sie auf, wie man sein Leben in die Hand nimmt. Und dabei gewinnt. Von Annette Weber

A

lles beginnt mit der Geschichte von dem kleinen Esel Eusebius. Ein kleiner grauer Esel, der etwas faul und gemütlich veranlagt war. Die schweren Säcke wollte er nicht tragen, er bockte und wollte keinen Schritt tun. Sein Bauer verzweifelte beinahe an ihm, schließlich musste dieser doch seine Ware auf den Markt bringen. Dann kam ihm eine Idee: Er band eine frische Karotte auf einen Stock und befestigte diesen auf dem Rücken des Esels – genau so, dass die köstliche Verlockung diesem vor der Nase baumelte, er sie aber nicht erreichen konnte. Und siehe da: Eusebius bewegte sich. Schritt für Schritt. Schließlich wollte er sich die Karotte schnappen.

Die Karotte in unserem Leben Die Karotte ist ein Sinnbild für die Träume und Visionen im Leben. „Wer keine Visionen hat, der wird nie dieses Glücksgefühl verspüren, wie es ist, etwas zu erreichen, was vorher unerreichbar schien. Ein Leben ohne Visionen ist wie eine Reise ohne Ziel“, sagt Maria Auer heute. Und das, obwohl diese Weisheit auch für sie nicht immer selbstverständlich war. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Waldviertel, arbeitete die heutige Autorin und Rednerin nach Absolvierung einer Banklehre viele Jahre für ein großes österreichisches Institut. Ihr Leben schien perfekt zu

62

laufen: ein gut bezahlter Job, eine glückliche Ehe, ein hoher Lebensstandard mit rotem Mercedes und einem Haus in Döbling. Doch dann kam es zu einem Wendepunkt: Ihr Mann Franz erlag plötzlich einem Herzinfarkt. „Wie in Watte gehüllt“, erlebte sie die nächsten Wochen und Monate. Sie konnte sogar verstehen, dass sich Menschen in einer solchen Situation selbst das Leben nehmen. Überlegungen wie „Wie geht es weiter?“ oder „Was möchte ich in Zukunft machen?“ bestimmten von einem Tag auf den anderen ihre Gedanken. Doch die Angst war zu groß. Neben grundsätzlichen Existenzängsten plagte sie vor allem die Angst vor etwas Neuem, die Angst vor Veränderung. Langsam fasste sie wieder Fuß. „Damals wurde mir bewusst: Auch das Alte war mal neu und ich habe es gut gemacht“, erzählt sie, wenn sie auf die Zeit damals zurückblickt. Maria Auer unternahm Reisen und machte sich auf die Suche. Sie wanderte am Jakobsweg, sie lebte für einige Zeit in einem klosterähnlichen Ashram in Indien, sie verbrachte Zeit in verschiedenen Klöstern in Österreich. Immer dabei war ihr Mann. Eines Tages wurde ihr klar: Er hat gehen dürfen. Sie akzeptiert, dass Tod etwas Unabänderliches ist und dass es keine Möglichkeit mehr gibt, ihn rückgängig zu machen.

„Eine Trennung oder Krankheit ist etwas anderes, hier besteht immer noch die Möglichkeit, dass alles wieder so wird wie vorher“, weiß sie heute. Maria Auer nahm ihr Leben wieder in die Hand. „Man muss nicht auf einen Schicksalsschlag warten“, denkt sie sich heute, es gibt immer eine Perspektive, auch wenn man sie nicht sieht. Im Zuge ihrer Suche findet sie etwas, das ihr Spaß macht: Reden. „Das ist meine Aufgabe, das berührt mich, das passt jetzt zu mir“, beschreibt sie ihre Passion. Mit der Zeit häufen sich die Vorträge, bei denen sie vor allem über den Jakobsweg als Metapher für den eigenen Lebensweg spricht. Bald gründet sie ihr eigenes Unternehmen, die Chancenmanufaktur, und bietet neben Vorträgen auch Coachings und Seminare an.

Für den Fall gewappnet Eine Frage drängt sich im Gespräch mit Maria Auer sofort auf. Es klingt alles so leicht in der Theorie, aber wie geht man tatsächlich am besten mit einem derartig schlimmen Schicksalsschlag um? Wie durchlebt man eine Krise, ohne totalen Schiffbruch zu erleiden? Und kann man sich etwa auch in gewissem Maße auf Momente, die einem den Boden unter den Füßen wegziehen, vorbereiten? Maria Auer sieht die Antwort auf diese Fragen im „5-Säulen-Modell“: Erstens ist es sehr wichtig, dass wir auf unserhof 2/2017


Foto: © Krist

FAMILIE UND BETRIEB

uns schauen und immer „gewappnet sind“. Nur wenn es uns gut geht, halten wir extrem schlimme Erlebnisse aus. Dazu gehören auch Ernährung, frische Luft und Sport. „In unser Auto würden wir nie etwas Falsches einfüllen, in unseren Körper aber schon. Das sollte zum Nachdenken anregen“, fasst Maria Auer die erste Säule zusammen. Weiters sind soziale Kontakte sehr wesentlich, dazu gehören die Familie und Freunde, aber auch Kollegen. Auer: „Man braucht einfach ein Netz, das einen auffängt und man das Gefühl hat, nicht allein zu sein.“ Ebenso ist das Materielle – sozusagen der wirtschaftliche Puffer – nicht außer Acht zu lassen. Darüber hinaus brauche auch jede und jeder eine Aufgabe und einen Sinn in seinem Leben. Dies kann der Job sein, eine ehrenamtliche Tätigkeit oder auch die Rolle als Oma oder Opa. Hautsache sinnstiftend. Schließlich sieht Maria Auer als 5. Säule noch die Werte: „Jeder sollte sich fragen: Was sind mir die fünf wichtigsten Werte? Lebe ich diese Werte? Kann ich sie leben oder hält mich in meinem Umfeld etwas davon ab?“ Falle eine

Säule weg, könnten das die anderen noch auffangen. Würden jedoch mehrere Säulen instabil sein, könne das System leicht zusammenbrechen.

Die Suche nach dem WOW In ihren Vorträgen und Beratungen will Maria Auer heute vor allem eins: „Ich möchte, dass die Menschen das sogenannte ‚Wow‘ suchen und Visionen und Träume wahrwerden lassen. Wir lassen uns so oft abhalten von unseren eigenen negativen Gedanken und reden uns ein, dass wir dieses und jenes nicht können. So werden wir erzogen. Wir sollen uns anpassen und nicht auffallen. Aber der Mensch ist ein Individuum. Dieser Begriff sagt ja bereits aus, dass jeder individuelle Talente und Fähigkeiten hat. Wir müssen uns nur trauen, sie zu leben.“ „Oft sagen dir andere, was du zu tun hast. Aber das musst du schon selber bestimmen“, so die Autorin weiter, die sich sicher ist: „Von Zeit zu Zeit treffen wir auf etwas, das unsere echte Aufgabe ist.“ Bei ihr war es eben das Reden. Die Suche nach dem „Wow“ beginnt im Idealfall schon in jungen Jahren. Aufgeschlossene Eltern würden ihre Kinder etwa zur Selbständigkeit ermuntern. Seine Eigenständigkeit könne man aber darüber hinaus in Form eines Auslandsjahres steigern, weiß die erfolgreiche Autorin. Und

das Nein sagen gehöre ebenso dazu. Auch wenn es schwer fällt und man dadurch Konflikte riskiert. Aus ihrer Arbeit im landwirtschaftlichen Umfeld weiß Maria Auer, dass vor allem jungen Bäuerinnen und Bauern, die mit ihren Eltern gemeinsam auf einem Hof leben, Schwierigkeiten haben, Nein zu sagen. Natürlich ist die Art und Weise, wie man etwas sagt, wichtig. Ein Pseudo-Gespräch zwischen Tür und Angel ist wahrscheinlich nicht so zielführend wie ein Gespräch auf Augenhöhe, für das man sich Zeit nimmt. Maria Auer trifft die Entscheidungen für ihr Leben heute jedenfalls wieder selbst. „Auch wenn man durch das tiefste Tal geht, irgendwann geht es wieder bergauf“, sagt sie überzeugt. „Man muss aber stets an sich glauben und darauf vertrauen, dass es gut geht. Die einzige und größte Aufgabe in unserem Leben ist schließlich, unser Leben glücklich zu gestalten. Wir müssen uns weiterentwickeln und weiterwachsen. Damit wir die oder der Beste werden, die oder der wir werden können.“ Und nun zurück zu Eusebius. Er ging den ganzen weiten Weg, mit seiner ganzen schweren Last und siehe da: Der Bauer war zufrieden und der Esel bekam seine Karotte. Aber selbst wenn man die Karotte nie bekommt, hat man zumindest Träume gehabt.

unserhof 2/2017 63

Maria Auer nahm nach Schicksalsschlägen ihr Leben wieder selbst in die Hand und hat einen Rat­geber geschrieben.


BETRIEBSFÜHRUNG

Hinfallen, aufstehen, weitergehen! Manche meinen: Ob etwas gelingt oder nicht, hängt zum Großteil von den handelnden Personen und ihren Gedanken und viel weniger von den äußeren Bedingungen ab. Haben sie Recht? Und welchen Einfluss haben unsere Gedanken tatsächlich? MARTINA EGGER gibt Antworten.

E  Bäuerliches Sorgentelefon 0810/676 810

s sind bestimmte Charakterzüge, die erfolgreiche Bäuerinnen und Bauern auszeichnen: Ohne groß nachzudenken, gehen sie den nächsten Schritt in ihrer Arbeit, nehmen wirtschaftliche, persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen an und machen das Beste daraus. Sie glauben an ihre Fähigkeiten und lassen sich nicht von Selbstzweifeln irritieren. Dadurch verändert sich das Umfeld in jene Richtung, die sie wollen. Menschen, die dazu fähig sind, haben das gute Gefühl: „Ich kann mein Leben, meinen Betrieb, und meine Welt gestalten.“ Intuitiv oder bewusst setzen sie Miniaturziele um, lassen sich von Misserfolgen und Scheitern nicht abbringen und gehen unverdrossen und zuversichtlich ihren Weg. Unterstützung von Partner, Familie und Kollegen oder Informationen

Zur Person Mag. Martina Egger aus Spittal ist Psychologin, Psychotherapeutin, Trainerin in der Erwachsenenbildung und LK-Beraterin.

64

von Experten zu holen, ist für sie eine Selbstverständlichkeit. Doch was lädt diesen Akku der inneren Energie immer wieder auf, was lässt uns unermüdlich vorangehen? Der kanadische Psychologe Albert Bandura hat dazu in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts geforscht und herausgefunden: Es ist ein natürliches Bedürfnis des Menschen, im tiefsten Inneren daran zu glauben und auch zu erfahren: „Ich schaffe, was ich will, egal wie die äußeren Bedingungen ausschauen.“ unserhof: Was kann diese positive innere Einstellung ins Wanken bringen? Egger: Schwierige persönliche oder betriebliche Krisensituationen können uns aus der Bahn werfen. Ein Beispiel: Wenn heuer die Obst- und Weinernte das zweite Mal ausfällt, was wird dann werden? Oder man steckt in einem unerträglichen Beziehungskonflikt. In beiden Fällen kommt ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht auf. Sorgen, Bedenken, quälende Gedanken werden zu einer großen dunklen Wolke, die über einem schwebt, und man weiß nicht, wie man die Herausforderungen angehen soll. Das bereitet Unbehagen und Angst, verbunden mit dem Gefühl, sich nicht mehr hinauszusehen.

Es gibt Menschen, die wachsen an Misserfolgen – aber auch solche, die resignieren. Während die einen nicht wissen, wie es weitergehen soll, sagen die anderen: Wenn das so ist, werde ich umdisponieren. Sie besinnen sich darauf, was sich in dieser Situation retten lässt: Wo reduzieren wir, was ist eine Alternative, was brauchen wir wirklich zum Leben? Diesen roten Faden, gemeinsam mit den Ratsuchenden zu finden, ist auch das Ziel der Beratung von „Lebensqualität Bauernhof“ am Bäuerlichen Sorgentelefon. Gemeinsam werden dort Wege aus der Misere gesucht. Eine Antwort lautet: Mach das, was für dich möglich ist. Der Weg zurück zu besseren Zeiten wird konsequent in kleine Teilstücke aufgeteilt. Es liegen zwar auf jedem Weg Stolpersteine. Man kann aber wieder aufstehen, wenn der Blick aufs Große und Ganze zeigt. Frei nach dem Motto: „Bleib zuversichtlich, die guten Zeiten kommen bestimmt wieder.“ Schwierigen Situationen können ­gemeistert werden … Viele Bauern sehen allerdings für sich keinen Weg und fragen sich: Wie gehe ich das nur an? Dabei gilt: Hole unserhof 2/2017


Foto: © Fotolia – freshidea

BETRIEBSFÜHRUNG

Dir Rat und Hilfe, innerhalb der Familie und im Freundeskreis, aber auch bei Experten. Der erste Schritt kann das Wählen der Sorgentelefonnummer sein. Dort wird Hoffnung vermittelt. Die Berater zeigen Wege auf, die die Betroffenen bis dahin nicht gesehen haben. Und merken: „Ich bin nicht allein, da hört mir jemand zu, nimmt meine Anliegen ernst und ist für mich da.“ Am Sorgentelefon wird darüber gesprochen, was es immer noch auf der Haben-Seite gibt und getröstet, wenn jemand oder etwas verloren­ gegangen ist. Das Sprechen darüber fällt sowohl Frauen als auch Männern oft schwer. Männer identifizieren sich hauptsächlich mit dem Haben und dem Besitz, der Leistung und Erfolg, und sind gefährdeter in Umbruchzeiten, ihre Selbstachtung zu verlieren. Frauen dagegen identifizieren sich stärker über Beziehungen und fühlen sich getragen durch den Austausch mit guten Freundinnen. Männer versuchen oft alleine, alles zu bewältigen. Und übersehen dabei, wie viel Rückhalt ihnen gute Freunde und die Familie geben können. Für Männer ist zudem ein Scheitern und der damit verbundene Status-

verlust, der Verlust von Besitz und Äußerem sehr bedrohlich. Das geht bis zum Gedanken, dass das Leben nicht mehr lebenswert ist. Die hohe Suizidrate unter Bauern der vergangenen Jahre in Frankreich ist ein trauriger Beleg dafür. Deshalb gibt es nun auch europaweite Anstrengungen, psycho­ soziale Beratung anzubieten. Österreich nimmt hier erfreulicherweise eine Vorreiterrolle ein. Das Angebot von Lebensqualität Bauernhof und dem Bäuerlichen Sorgentelefon bietet seit über zehn Jahren Lichtblicke für Bauern in Not. Alle, die dort anrufen, machen die positive Erfahrung: Was man gemeinsam trägt, wird erträglicher. Im ersten Schritt schafft man Abstand zur bedrängenden Situation und bekommt den Blick frei für gangbare Wege und realistische Lösungen. Das, was den Betrieb auf Vordermann bringt und Beziehungen reibungsloser macht, steht im Vordergrund. Die Beratung von Lebensqualität Bauernhof hilft bei der Suche nach praktischen Herangehensweisen, fördert neue Ideen zutage und öffnet den Zugang zu eigenen, inneren Fähigkeiten, von denen viele zuvor noch gar nichts gewusst haben.

Was werden die anderen sagen, wenn man Hilfe in Anspruch nimmt? Starke Männer und Frauen sind sich bewusst, dass Hilfe anzunehmen keine Schwäche, sondern eine Stärke ist. Der erste Schritt ist jedoch der schwierigste. Danach findet man wieder Selbstvertrauen und Selbstachtung. Die Dinge beginnen wieder zu laufen. Gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern können Betroffene ihre individuellen ersten Schritte besprechen, die in Summe dann zu positiven Veränderungen und Lösungen führen. Das bringt Erfolgserlebnisse und stärkt das Gefühl, selbst aktiv, selbstbewusst, also „wirksam“ zu sein. Man lernt aus den Erfahrungen, zieht Schlüsse daraus, sammelt Informationen, richtet sich neu aus. Zahlreiche Betriebsführer haben über das Scheitern erst zum Gedankenblitz, zur Innovation, zum individuellen Betriebserfolg gefunden. Die Wege dorthin sind nicht immer asphaltiert, eben und gerade. Die steinigen und steilen Abschnitte fordern uns, schärfen die Sinne, fokussieren den Blick: Ausdauer, Anpassungsfähigkeit, Fleiß, Durchhaltevermögen sind für den Betriebserfolg notwendig.

unserhof 2/2017 65

Internet: www. lebensqualitaet-bauernhof.at


AGRARKULTUR

Holz hat mehrWert „Baum fällt!“ ist auch ein gutes Signal für die heimische Wirtschaft. Von der Aufforstung und Waldpflege über die Baumernte, den Holztransport bis zur Verarbeitung und Produktion von Scheitholz über Papier bis hin zu Möbel finden entlang der gesamten Wertschöpfungskette ­Tausende Menschen Arbeit in der Holznutzung.

Ö

12 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Exportüberschuss liegt bei 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die Wertschöpfungskette Holz zählt damit zu den wichtigsten Devisenbringern der heimischen Leistungsbilanz. Alle 40 Sekunden wachsen in ­Österreichs Wäldern

40 Kubikmeter Holz nach. Das ist genau jene Menge, die für den Bau eines kompletten Einfamilienhauses in Holzbauweise benötigt wird. Im Zeitraum 1998 bis 2008 wuchs der Anteil der in Österreich errichteten Hochbau-Bauvorhaben in Holzbauweise bezogen auf das umbaute Volumen von 14 auf 20 Prozent. Großes Potenzial liegt noch in den öffentlichen Bauten sowie im Gewerbe- und Industriebau. Ein Kubikmeter verbautes Holz spart bis zu zwei Tonnen CO2-Emissionen à eine Tonne durch die Speicherung des Kohlenstoffs beim Wachstum der Bäume, eine zweite durch den Ersatz von in der Herstellung energie- und damit CO2-intensiven Baustoffen wie Stahl und Beton. Am Ende der Lebensdauer von Holzprodukten wird durch die thermische Verwertung CO2-neutral Energie gewonnen. Foto: © Anna Schreiner

Alle 40 Sekunden wachsen in ­Österreichs Wäldern 40 Kubikmeter Holz nach

sterreichs Forst- und Holzwirtschaft gehört zu den wichtigsten Wirtschaftssparten des Landes: Der jährliche Produktionswert der gesamten Wertschöpfungskette beträgt rund

66

Der Produktionswert der heimischen Forstwirtschaft liegt bei 1,7 Milliarden Euro. 80 Prozent davon sind in Privatbesitz, wobei die Hälfte der heimischen Waldfläche von rund unserhof 2/2017


Foto: © P. Mader

Foto: © Andreas Hauch

Foto: © Anna Schreiner

Foto: © Anna Schreiner

AGRARKULTUR

145.000 Kleinwaldbesitzern mit Waldflächen unter 200 Hektar bewirtschaftet. In Österreich gibt es 2.000 aktive gewerbliche Schlägerungsunternehmen. Diese beschäftigen entlang der Holzerntekette 7.000 Mitarbeiter. In den vergangenen 15 Jahren haben die gewerblichen Schlägerungsunternehmen mehr als 550 Millionen Euro in Geräte für die teil-, hoch- und vollmechanisierte Holz­ ernte investiert Das Produktionsvolumen der heimischen Holzindustrie liegt bei rund 7 Milliarden Euro bei einer Exportquote von rund 66 Prozent. Der Großteil der rund 1.500 Betriebe ist klein- und mittelbetrieblich strukturiert und befindet sich fast ausschließlich in privater Hand. Mit 25.000 Beschäftigten ist die B ­ ranche als bedeutender und sicherer ­Arbeitgeber bekannt. Die Holzindustrie ist ein äußerst vielfältiger Wirtschaftsbereich und umfasst die Säge-, Bau-, Platten-, Möbel- und Skiindustrie. In der Papierindustrie, Zellstoff- und Faserindustrie werden mehr als

8.000 Mitarbeiter, 5.800 Arbeiter und 2.300 Angestellte in 25 Betrieben beschäftigt. Jährlich werden 5 Millionen Tonnen Papier produziert, davon 40 Prozent Verpackungspapiere und Kartonagen sowie 15 Prozent Spezialpapiere. Die Papiere gehen zu 85 Prozent in den Export. Der Holzeinsatz beträgt jährlich über 8 Millionen Festmeter, außerdem werden 2,4 Millionen Tonnen Altpapier gebraucht, um daraus 2,1 Millionen Tonnen Sekundärfaserstoff zu machen. Der Umsatz liegt bei 4 Milliarden Euro. Neben 700 Millionen Euro im Inland werden mit Papier und Marktzellstoff

3,3 Milliarden im Export erlöst. Aktuell sind mit 2,6 Millionen Hektar Wald rund 66 Prozent der heimischen Waldfläche PEFC-zertifiziert. Durch die Zertifizierung und damit verbundene Kontrolle der gesamten Verarbeitungskette vom Wald bis zum Endprodukt garantiert das PEFC-Logo, dass der Holzfluss lückenlos zu verfolgen ist. Derzeit sind österreichweit 464 Betriebe aktive Teilnehmer an der PEFC-Zertifizierung – vom Sägewerk, über Platten- und Papierindustrie bis hin zur Möbelbranche und Druckereien.

Die Wert­ schöpfungs­ kette Holz zählt zu den wichtigsten Devisen­ bringern.

Holz im Internet www.austropapier.at www.biosa.at www.bfw.ac.at www.bmlfuw.gv.at www.holzindustrie.at www.klimafitter-wald.at www.landforstbetriebe.at

www.lko.at www.pefc.at www.proholz.at www.walddialog.at www.wald-in-oesterreich.at www.waldverband.at www.waldwissen.net

unserhof 2/2017 67

Internet: www.forst holzpapier.at


AGRARKULTUR

Prüfe, wer sich ewig bindet Sie bloggt als „Deichdeern“ über das Landleben, bezeichnet sich selbst als „Bauernbraut“ und rät – nicht ganz ernst gemeint – als eine, die es wissen muss: Bevor man sein Herz an einen Hofbuben vergibt, sollte frau sich über einiges im Klaren sein. Von Julia Nissen

heute Abend? Unmöglich! Ach, erst um 21 Uhr? Kein Problem!“ Sich dafür besonders aufzumascherln, muss nicht sein. Etwa in teure Strumpf­ hosen zu investieren. Im Regelfall hat er so dermaßen raue Hände, dass ein kleiner, streichelnder Finger über das Knie ausreicht, um die Gaststätte im „Gothic Look“ (gilt auch für Kino, Disco oder Bar) wieder zu verlassen. 2. Taktvoll am Parkett Spätestens mit 14 Jahren wurde jeder potentielle Hoferbe zur Tanzschule geschliffen, ob er wollte oder nicht. Daher gilt: Tanzen können Jungbauern im Gegensatz zu städtischen Stadt­ schnöseln auf jeden Fall. Und die meisten haben am Parkett auch Taktgefühl.

Zur Person Julia Nissen aus Bargum in Nordfriesland, Schleswig-Holstein, hat sich mit dem Thema „Bauer sucht Frau“ auseinandergesetzt, wenn auch einmal in umgekehrter Reihenfolge. Über das Leben am Land führt sie einen witzigen Blogg.

68

3. Echter Macher In Sachen Do-it-yourself kann man jungen Frauen nur dringend empfehlen, sich einen Bauern zu angeln. Er ist nämlich Architekt, Statiker, Maurer, Zimmermann, Tischler und Installateur in Personalunion. Ein Macher halt. Allerdings sollte man sich abendliche Fragen wie „Und wie war dein Tag?“ eher sparen, außer man hat ausreichend Zeit und gute Laune. Es folgt nämlich eine Aneinanderreihung von Geschehnissen aus Pleiten, Pech und Pannen. Denn auf einem Bauernhof geht fast immer irgendwas kaputt: der Traktor, das Werkzeug, ein Mischer, ein Zaun …

4. Positivdenker Großes Plus: Landwirte sind Positiv­ denker. Es gibt nichts, was sie nicht repariert kriegen. Und sollte das doch einmal nicht der Fall sein, dann kennen sie irgendjemanden, meist mit schrägem Spitznamen, den sie auch an einem Sonntagnachmittag anrufen können und der das Problem löst. Wichtige Währung auf dem Dorf: eine Kiste Bier. 5. Verliebt Traktor fahren Du hast zwischen Anfang März und Ende Oktober Geburtstag? „Häppi Börsdäi“ – dann darfst Du mit Deinem Schatz an Deinem Ehrentag eine Runde mit auf dem Traktor fahren und dabei die Zweisamkeit genießen. Aber wenn schon, dann bleibt auf der Straße und geh nicht mit auf den Acker: Pflügen ist als Sozius nicht die beste Wahl. Man sitzt die ganze Zeit in Schräglage und als Dank wendet er sich die meiste Zeit nach hinten gen Anbaugerät. 6. Spontane Planung Wer eher pedantisch ist und gerne penibel im Voraus plant, kann – wenn mit einem Landwirten liiert – diesen Zwang endlich ablegen und den Tag einfach mal passieren lassen. Denn irgendwas durchkreuzt immer die Pläne: Die Kuh kalbt, Ersatzteile müssen besorgt werden, Milchkontrolle steht an oder Oma muss in die Kirche chauffiert werden. unserhof 2/2017

Foto: © Fotolia – hreniuca

Internet: www. deichdeern. com

1. Kein Date vor 21 Uhr Während sich Otto Normalverbraucher so zwischen 19 und 20 Uhr zum Rendezvous verabredet, schlägt der agrarische Herzbube ein lockeres „mir passt es ab neun“ vor. Der Vorteil dabei: Man kommt nie in die Dinner-Rushhour und kriegt immer einen Tisch: „Was, Sie wollen einen Tisch für


AGRARKULTUR

unserhof 2/2017 69


AGRARKULTUR

Schlüsselfragen um GVO und ­Glyphosat Bertram Verhaag beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Gentechnik und Landwirtschaft. Auch sein jüngster Dokumentarfilm setzt sich kritisch mit dem Gensaaten-Anbau und dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat auseinander. Von Bernhard Weber

D

ie neue 90 Minuten-Doku trägt den provokanten Titel „Code of Survival – Zwischen Ohnmacht und Liebe: Die Geschichte vom Ende der Gentechnik“. Sicher ist, dieser Film wird die Gemüter einmal mehr erhitzen: Der Film startet Anfang Juni in Deutschland in den Kinos und soll laut der Filmfirma des Münchner Regisseurs und Produzenten möglichst bald auch in Österreich und der Schweiz zu sehen sein. Als Code of Survival – also als Schlüssel zum Überleben – wird von vielen großen Agrarkonzernen die Produktion von Gen-Pflanzen, allen voran Mais, gesehen. „Mit gentechnisch verändertem Saatgut wollen sie die Versorgung der Welt mit gewährleisten und dabei ganz nebenbei als Zulieferer selbst große Gewinne einfahren“, so der Filmemacher. Zudem

Internet: www.denk malfilm.tv

70

habe die Natur auf die GVO-Saaten samt einhergehender chemischer Behandlung des Bodens prompt reagiert: mit vergifteten Böden, resistenten Superunkräutern und verseuchtem Getreide. Daher dreht sich in Verhaags neuem Streifen alles um die Millionen Tonnen von Monsantos Roundup und dessen Hauptwirkstoff Glyphosat, die Jahr für Jahr weltweit auf Felder ausgebracht werden. „Diese Giftwaffe wird jedoch stumpf, denn die Natur bildet resistente Unkräuter, die sich in biblischen Ausmaßen vermehren und nun ein Superwachstum an den Tag legen, das Nutzpflanzen überwuchert und abtötet.“ Daher plädiert der Filmemacher für Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft und die ökologische Wende und argumentiert gegen den GVO-Anbau von Pflanzen und GVO- Lebensmittel. Und das auch diesmal wieder „durchaus parunserhof 2/2017


AGRARKULTUR

Der von Verhaag abgelehnten „Form der zerstörerischen Landwirtschaft“ setzt er drei nachhaltige Projekte entgegen: etwa eine vorbildliche Teeplantage in Indien und die Biofarm des alternativen Nobelpreisträgers Ibrahim Abouleish, der diese vor 40 Jahren in Ägypten gegründet und damit Wüste in fruchtbaren Boden verwandelt hat. Übrigens: Auch Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter konnte sich 2016 bei einer Afrika-Reise davon überzeugen – kommt aber im Film nicht vor. Dafür kommen prominente Naturforscher und Umweltschützer unserhof 2/2017

Bertram Verhaag, 73, ist Produzent, Regisseur, Drehbuch­ autor, Cutter und Kamera­ mann. Für seine Filme erhielt er Dutzende Auszeichnungen.

wie die Britin, bekannte Schimpansen-Forscherin und Öko-Aktivistin Jane Goodall ebenso zu Wort wie unbeugsame Bauern. Franz Aunkofer etwa war einer der ersten Biobauern Deutschlands und auf alle Fälle der erste biologische Schweinemäster in Bayern. Auch der US-Farmer Howard Vlieger erläutert, warum er bewusst von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft umgesattelt hat und beweist, dass es auch anders geht. Natürlich hat Verhaag auch Industriesprecher vor seine Kamera gebeten und stellt auch diesen die Frage: In welcher Art von Landwirtschaft liegt der Code of Survival auf unserem Planeten? Die Botschaft des Films ist letztlich jedoch eindeutig: Für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik und Glyphosat. Verhaag: „Nur der Bauer sollte an der Landwirtschaft verdienen und nicht die Chemiegiganten.“ Wer will dem schon widersprechen?

Fotos: © DENKmalfilm, GMFilms/Barnsteiner, Fotolia

teiisch“, wie etwa „Die Zeit“ einmal über den journalistischen Stil des Bayern befunden hat, der bis dato insgesamt neun Filme zum Themenkomplex Agrogentechnik und genau ein Dutzend über Nachhaltige bzw. Biologische Landwirtschaft gedreht hat.

71


AGRARKULTUR

Genmanipulation oder nicht? Neue, molekularbiologische Züchtungsmethoden zählen aktuell zu den besonders kontroversen Themen im Pflanzenbau. In den USA sind die ersten solcherart genomchirurgisch veränderten Pflanzen bereits am Markt. In der Europäischen Union herrscht demgegenüber noch regulatorische Unsicherheit. Von Sylvia Maria Schindecker

E

uropas und damit auch Österreichs Landwirtschaft steht vor vielfältigen He­ rausforderungen wegen der zunehmenden Veränderungen durch Klimawandel, Frost- und Trockenperioden, der Umweltverschmutzung generell oder der wachsenden Weltbevölkerung. Zudem ändern sich gerade am alten Kontinent die gesellschaftlichen Anforderungen an die Lebensmittelproduktion laufend. Gefordert werden immer stärker etwa Lebensmittel ohne Allergene. Gleichzeitig sind die Landwirte mit

Foto: © Tucker

Für ­Österreichs Landwirtschaft ist es notwendig, die Entscheidung über die Einstufung der neuen Züchtungstechniken auf EU-Ebene zu treffen.

steigenden Betriebsmittelpreisen, dem Druck der Handelsketten und letztlich sinkenden Einkommen konfrontiert. Und auch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen werden von vielen Bauern als unsicher und immer weniger vorhersehbar wahrgenommen. Verbesserungen und weitere Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion erachten viele als notwendigen Ausweg. Die Pflanzenzüchtung nimmt dabei eine wesentliche Rolle ein. Die Ziele der Forschung am Gebiet der Pflanzenzüchtung sind einerseits vor allem Qualitätssteigerungen, um den Anforderungen der Konsumenten, der verarbeitenden Wirtschaft und des Handels gerechtzuwerden. Andererseits spielen die Anpassung an den Klimawandel, der nachhaltige Wasser- und Nährstoffverbrauch und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen eine große Rolle. Und nicht zuletzt geht es auch um die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, um den Landwirten ein besseres finanzielles Auskommen mit Ertragssteigerungen und -stabilität zu ermöglichen.

72

Die Geschichte der modernen Pflanzenzüchtung reicht in das 18. Jahrhundert zurück. Zur Zeit der Aufklärung wurden erste Forschungsinstitute gegründet, die sich mit der Zucht und dem Anbau von Pflanzen beschäftigten. Ein großer Schritt gelang damals unserhof 2/2017


Foto: © Fotolia – vchalup

AGRARKULTUR

dem katholischen Ordenspriester Gregor Mendel, dem „Vater der Genetik“: er entdeckte in seinem Kloster in Brünn im heutigen Tschechien die „Mendel’schen Regeln“ der Vererbung von Merkmalen. Aufbauend darauf wurden nach und nach Verbesserungen in der Pflanzenzüchtung erzielt. Grundlegend revolutioniert wurde die Pflanzenzucht in den 1980er Jahren mit der Entwicklung der klassischen Gentechnik, aufbauend auf die neuesten Erkenntnisse der Biotechnologie. Und für diese neuen Methoden und Verfahren brauchte es auch neue gesetzliche Rahmenbedingungen, Richtlinien und Verordnungen auf nationaler wie auch auf EU-Ebene. Nun also „Genome Editing“. Die Genomchirurgie ist eine molekularbiologische Methode zur zielgerichteten Veränderung von DNA, einschließlich des Erbguts von Pflanzen, Tieren und Menschen. Die neuen Züchtungsmethoden sind sehr unterschiedliche, molekularbiologische Verfahren und längst nicht mehr nur eine Technologie, sondern bestehen aus einem ganzen Bündel von Technologien. Einige davon kommen den gentechnischen Verfahren sehr nahe. Andere hingegen unterscheiden sich von der Methode und den Auswirkungen wenig von den traditionellen Züchtungsmethoden. Die wichtigsten dieser „Genome Editing“-Verfahren ermöglichen es, gezielte Veränderungen an vorhandenen

Genen im Genom ohne permanenten Einbau von Fremd-DNA zu erreichen. Folgende Anwendungsbeispiele für die neuen Züchtungsmethoden gibt es derzeit: „Waxy Corn“ Mais von DuPont Pioneer ist hitzetolerant und wird seitens der US-amerikanischen Behörden als Nicht-GVO eingestuft, wie auch eine neue Rapssorte der Firma Cibus, die durch ODM verändert Herbizidtoleranz aufweist; Äpfel mit Schorfresistenz; Kartoffel mit reduziertem Amylase-Gehalt sind resistent gegen Kartoffelmehltau.

Warten auf EuGHEntscheidung Auf europäischer Ebene laufen mittlerweile seit mehreren Jahren Diskussionen über die Einstufung der neuen Züchtungsmethoden. Derzeit ist es unklar, ob sie unter das bestehende Gentechnik-Recht fallen oder nicht. Die EU-Kommission hat bereits im Jahre 2007 eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema eingerichtet. Deren „Final Report“ aus dem Jahr 2011 wurde jedoch bis heute nicht veröffentlicht. Zudem läuft gerade ein Vorabentscheidungsverfahren am Europäischen Gerichtshof zum Thema, was in der sogenannten „Freisetzungsrichtlinie“ unter „Mutagenese“ zu verstehen ist. Französische Verbände und Vereinigungen haben sich an den EuGH gerichtet, um die Frage zu klären, ob die unterschiedlichen Methoden der neuen Züchtungs-

techniken, die zu Mutationen führen, von der oben genannten Richtlinie erfasst werden. Da Entscheidungen des EuGH innerhalb von maximal 18 Monaten getroffen werden müssen, ist diese Entscheidung bis April 2018 zu erwarten. Aus der Sicht vieler Beobachter wird damit gerechnet, dass die EU-Kommission diese EuGH-Entscheidung abwarten wird. Generell ist die Thematik rund um die Einstufung der neuen Züchtungsmethoden also sehr komplex. Zur Bewertung der vielfältigen Methoden müssen verschiedene Aspekte – wissenschaftliche, juristische, landwirtschaftliche und gesellschaftliche – herangezogen werden. Aufgrund der hohen Diversität der Methoden ist es essentiell, bei jeder Methode einzeln zu beurteilen, ob sie unter das derzeit gültige Gentechnik-Recht fällt oder nicht. Aufgrund der Einbettung im EU-Binnenmarkt ist es für Österreichs Landwirtschaft notwendig, die Entscheidung über die Einstufung der neuen Züchtungstechniken auf EU-Ebene zu treffen. Andernfalls

Zur Person DDI Sylvia Maria Schindecker ist Referentin für Biolandwirtschaft, Gentechnik und agrarische Märkte in der Abteilung Marktpolitik der LK Österreich.

unserhof 2/2017 73

„Genome Editing“: Die Genom­ chirurgie ist eine molekularbiologische Methode zur zielgerichteten Veränderung von DNA.


AGRARKULTUR

­ rohen Nachteile im Außenhandel, d eine Störung des Binnenmarktes oder der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

Positive Aspekte Durch Genomchirurgie können die gewünschten Eigenschaften wie verbesserte Inhaltsstoffe, bessere Verarbeitbarkeit von Lebensmitteln und erhöhte Haltbarkeit von Lebensmitteln in viel kürzerer Zeit erreicht werden. Das spart Produktionskosten und kommt dem einzelnen Landwirt wie auch den Konsumenten entgegen. Die Präzision und Effizienz im Züchtungsprozess wird erheblich erhöht, vor allem wenn man bedenkt, dass der Züchtungsprozess bei einer Sorte mit den traditionellen Methoden zehn bis 15 Jahre dauern kann. Die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen kann erhöht und Resistenzen gegen Krankheiten können gezüchtet werden. Wenn etwa durch widerstandsfähigere Pflanzen der Pflanzenschutzmitteleinsatz am Feld verringert werden würde, wäre es da nicht sinnvoll, an die Diskussionen fachlich heranzugehen?

Kritische Aspekte

„Waxy Corn“: Der Mais ist hitze­tolerant und wird seitens der US-Behörden als Nicht-GVO eingestuft.

Tierischer Bereich Parallel zur Pflanzenproduktion beschäftigt man sich auch in der

Tierproduktion mit den neuen Züchtungsmethoden. Tierwohl und Tierschutz haben eine immer größere Bedeutung. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass es Tiere, die mit den neuen Züchtungsmethoden bearbeitet wurden, derzeit nur in Forschungsprojekten gibt. Daran wird sich auch in nächster Zeit aufgrund der unsicheren rechtlichen Situation auf europäischer Ebene nichts ändern. Schweine mit Resistenzen gegen die Afrikanische Schweinepest und dem PRRS-Virus – vor allem das Thema Tierseuchen ist sehr interessant für die Wissenschaft und Forschung, da hier mit der klassischen Züchtung nicht viele Erfolge zu verbuchen sind. Aber auch Wiederkäuer ohne Hörner, Schafe mit mehr Wolle, Entfernung bestimmter Allergene aus der Kuhmilch und Hühnereiern sind Themen für die Forscher. Die weitere Entwicklung der neuen Züchtungsmethoden in der EU hängt aber nicht nur von der Wissenschaft und Forschung ab, sondern auch von der rechtlichen Einschätzung der EU-Institutionen. Allerdings hemmt die regulatorische Unsicherheit innerhalb der Europäischen Union die Forschung und Entwicklung im Bereich der neuen Züchtungsmethoden, weshalb eine Klärung des Sachverhalts auf EU-Ebene dringend notwendig ist.

Foto: © Fotolia

Die neuen Methoden versprechen auf dem Papier sehr viel. Jedoch ist immer zu beachten, wie und zu welchem Zweck die einzelnen Methoden eingesetzt werden. Geht es – wie bei

der klassischen Gentechnik – um die Herbizid-Resistenz von Pflanzen oder um die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegenüber Krankheiten? Zudem gibt es auch bei den neuen Züchtungsmethoden Off-Target-Effekte, das heißt Effekte, die nicht erwünscht und auch oft nicht bekannt sind. Die Effizienz der einzelnen Methoden ist noch gering. Es ist noch viel Forschung und Entwicklung notwendig. Des Weiteren gibt es derzeit für etliche Methoden keine eindeutige Nachweisbarkeit und Kon­ trollierbarkeit am Endprodukt, Saatgut oder Zuchtmaterial. Wie soll man aber etwas kontrollieren, das nicht nachweisbar ist? Eine zusätzliche Herausforderung stellt die Patentierbarkeit der neuen Züchtungsmethoden dar. Die bereits etablierten, globalen Züchtungsunternehmen könnten ihre Marktmacht zuungunsten der kleinen Züchtungsunternehmen weiter ausbauen. Was bedeutet der Einsatz von den neuen Züchtungsmethoden für die Umwelt? Eine umfassende Risikobewertung und Folgeabschätzung ist für Landwirte und für die Konsumenten unbedingt notwendig, um offene Fragen zu dem Thema zu klären.

74

unserhof 2/2017


Unserhof Juni 2017; 180 x 258 mm

SAATBAU LINZ FELDTAG WEIKENDORF 2017

Spitzensorten 2017

Der Feldtag in Weikendorf findet heuer am 13. Juni 2017 statt. Mittlerweile hat sich der Feldtag zu einem internationalen Groß­ ereignis für die saatbau linz entwickelt. Auf ca. 600 Parzellen präsentiert die saatbau linz eine Vielfalt an Sorten aller wichtigen Kulturarten. Zahlreiche Mitarbeiter führen durch die umfangreiche Sortenschau und bieten für konventionell und biologisch wirt­ schaftende Betriebe wertvolle Informationen und individuelle Beratung. erntegut und preisgut berichten zu den neuen Entwick­ lungen am Markt und geben Auskünfte zu den laufenden Projekten.

LENTIA

Wintergerste zweizeilig

Schneller, höher, mehr • ertragsstärkste Wintergerste zz in allen Gebieten • beeindruckende Kornqualität • sehr blattgesund

Qualitätsweizen

AURELIUS

Goldwert

• ertragsstärkster Grannenweizen • hervorragende Standfestigkeit • stresstolerant

Der heurige Gastreferent Hubertus PAETOW, Vorsitzender und Vizepräsident DLG, wird mit dem Thema „LANDWIRTSCHAFT 2030: Mit alten Tugenden und innovativen Ideen die Zukunft gestalten“ einen Ausblick geben, wie sich Betriebe für die Zukunft positionie­ ren können, um weiter erfolgreich zu sein.

Flexiweizen

Im Mittelpunkt stehen die Spitzensorten bei jeder Kulturart sowie die neuen Züchtungen. „Gold wert“ ist AURELIUS (BQ 7), unser neuer Qualitätsweizen. AURELIUS ist der ertrags­ stärkste Grannenweizen und besticht durch sehr hohe Qualität und eine ausgezeichnete Pflanzengesundheit. Als der perfekte BIO­ Weizen präsentiert sich ARMINIUS (BQ 7). Der Qualitätsweizen ARMINIUS ist sehr hoch im Protein, äußerst blattgesund, bestockt enorm und unterdrückt Beikraut früh. Die neuen Wintergersten LENTIA (zz) und MICHAELA (mz) liefern Höchsterträge bei bester Standfestigkeit und Gesundheit.

Futterweizen

Neben unserer umfassenden Sortenschau präsentieren über 60 Aussteller modernste Landtechnik und Innovationen aus dem Pflanzenschutz. Schaut vorbei – wir freuen uns! Besuchen Sie uns auf www.saatbau.com und auf Facebook.

RGT

REFORM

Einer für alles

• sicher im Ertrag • sicher gesund • sicher auf jedem Feld

FRISKY

Der Vollgasweizen • höchster Kornertrag • überragende Standfestigkeit • idealer Gülleverwerter www.saatbau.com


Österreichische Post AG MZ14Z040154 M SPV Printmedien GmbH, Florianigasse 7/14, 1080 Wien Retouren an „Postfach 555, 1008 Wien“

WORAUF SICH ÖSTERREICH SEIT GENERATIONEN VERLASSEN KANN: UNSERE BAUERN.

WORAUF SICH UNSERE BAUERN SEIT 70 JAHREN VERLASSEN KÖNNEN:

Profile for SPV-Verlag

02/17 unserhof  

02/17 unserhof  

Advertisement