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Ma hā r ā j a l īl ā Ma ñj u śr ī Bod h is a tt va d e r t ra ns z end en te n W e is h e it

Indien Pāla-Zeit, 8. – 12. Jahrhundert Höhe: 8,5cm; Breite: 5cm; Tiefe: 4cm Patinierte Bronze in komplexem Aufbau Minimal berieben, sehr guter Zustand.

Dieser symbolisiert den „Körper des Genusses“ und stellt neben dem Dharmakāya und Nirmānakāya eine der drei Körperformen des Mahāyāna- und VajrayānaBuddhismus dar, die jedoch lediglich den Bodhisattvas

Reg.-Nr.: S521

vorbehalten ist. Obwohl es keine bekannten Darstellungen des

Mañjuśrī – hochachtungsvoll verehrt, doch erst spät dargestellt

Mañjuśrī aus der frühen buddhistischen Kunst in Indien gibt, wird der Bodhisattva in Texten bereits vor dem dritten Jahrhundert beschrieben. Aus der Kunst der Gupta-Zeit (4. - 6. Jahrhundert) gibt es keine einzige

Mañjuśrī ist bekannt als der Bodhisattva der

erhaltene Darstellung des Mañjuśrī. Doch in der Pāla-

transzendenten Weisheit. Sein Name wird übersetzt mit

Zeit wurde er insbesondere während der Regierungszeit

„Der von lieblicher Schönheit“. Er hat darüber hinaus

der ersten drei Pāla-Könige Gopāla I, Dharmapāla und

weitere Namen, die seine Stimme und Fähigkeit der

Devapāla zwischen 750 und 850 nach Christi in

Rede beschreiben, wie etwa Mañjughosha (derjenige

Nālandā verehrt und figürlich dargestellt. Aus dieser

mit einer bezaubernden Stimme), Vāgīśvara (Herr der

Zeit sind zahlreiche Mañjuśrī-Figuren aus Stuck, Stein

Rede) oder Kumārabhūta (der ewig junge, der Prinz).

und Metall erhalten.

Mañjuśrī gilt als Emanation des

Dhyānī Buddha

Akshobhya und wird daher als Dhyānī Bodhisattva mit

Die vorliegende Bronzeskulptur des Mañjuśrī stellt eine

reichhaltigem

frühe Variante dar, in welcher er noch nicht mit dem

Sambhogakāya-Schmuck

dargestellt.

aus heutiger Sicht typischen Schwert in der rechten


Hand charakterisiert ist. Das Schwert als Attribut von

ausgearbeiteten Blüten ruht. Der darunter befindliche,

Mañjuśrī taucht in Indien erst ab dem 10./11.

flache Podest ist mit einem umlaufenden Band aus

Jahrhundert auf. Die früheste bekannte Darstellung mit

Perlen verziert. Obwohl bei dieser Skulptur die

Schwert ist eine Illustration aus einem nepalesischen

Verwendung von stützenden Gusskanälen notwendig

Prajñāpāramitā-Manuskript aus dem Jahre 1071. Wohl

war, die rückseitig von den Schulterblättern her zu

aber war das Schwert als Attribut anderer Bodhisattvas

beiden Blüten verlaufen, wurden die Rückseite von

bereits zu einem früheren Zeitpunkt bekannt.

Figur und Sockel in gleicher Weise detailliert

Mañjuśrī

sitzt

hier

in

mahārājalīlāsana,

der

ausgestaltet wie die Vorderseite.

Köperhaltung königlicher Gelassenheit. Der anmutig

Aufgrund der muslimischen Invasion in Nordindien

nach links geneigte Körper stützt sich auf den linken

im 12. Jahrhundert, in deren Verlauf ganz Bengalen

Arm auf dem Blatt einer Wasserlilie. Der Blütenstängel

eingenommen wurde und die damit dem Reich der

ragt zwischen Daumen und Zeigefinger der linken

Pāla ein Ende bereitete, kam die letzte große Epoche

Hand empor. Die Utpala-Blüte spiegelt sich zur rechten

der Stilentwicklung der buddhistischen Kunst in

Seite des Bodhisattva, wobei der Stängel der

Indien zum Erliegen. In den vorangegangenen

rechtsseitigen

rechten

Jahrhunderten wurde jedoch der Grundstein für die

Oberschenkels der Gottheit nach vorne verläuft und

Verbreitung des Buddhismus und seiner figürlichen

vor ihrem linken Fuß hervorscheint. Die rechte Hand

Kunst gelegt, die vom Pāla-Reich aus nach Tibet und

ruht gelassen auf dem aufgestellten Knie des rechten

Nepal, aber auch in den südostasiatischen Raum

Beines. Der Bodhisattva zeigt ein deutliches, breites

hinein bis nach Java reichte. In der zweiten Hälfte des

Lächeln mit schmalen Lippen in einer rundlichen

zwölften

Gesichtsform

Diese

Buddhisten, Mönche und Pilger von Bengalen und

Gesichtsform ist typisch für die Pāla-Skulptur des 11.

Bihar aus nach Tibet, um dort ihre buddhistische

und 12. Jahrhunderts. Sein Haar ist glatt gekämmt und

Praxis fortzusetzen. Bei zahlreichen größeren und

fällt zu beiden Seiten über die rechte und linke Schulter

kleinen Skulpturen aus diesem Zeitraum ist die

herab. Zum Sambhogakāya-Schmuck der Gottheit

regionale Zuordnung heutzutage umstritten. Bei der

zählen neben der kleinen, einfachen Krone auch die

vorliegenden Skulptur kann von einer Zuordnung in

schweifenden Bänder, die zu beiden Seiten des Kopfes

den nordostindischen Raum ausgegangen werden.

abstehen und mit denen die hoch aufgetürmte Usnīsa

Eine ähnliche Darstellung des Mañjuśrī, die sich im

gebunden ist.

Jokhang in Lhasa befindet, wird mit Nordostindien,

Mañjuśrī ist

Blume

mit

unterhalb

einem

mythologisch

spitzen

des

Kinn.

verbunden mit der

transzendenten Weisheit, der Prajñāpāramitā, die oftmals als eigenständige Skulptur dargestellt wird. Ein wesentliches Attribut des Mañjuśrī ist daher ein Prajñāpāramitā-Buch, welches sich in der Regel auf der Blüte des Utpala-Lotus befindet. Dieses ist bei der vorliegenden Skulptur jedoch nicht klar identifizierbar.

Jahrhunderts

wanderten

zahlreiche

Pāla-Stil, 12. Jahrhundert beschreiben (Publiziert in Jokhang: Tibet’s most sacred Buddhist Temple; von Gyurme Dorje und weiteren, London 2010, Seite 252). Es handelt sich bei diesem Exponat um eine eigenwillige und seltene Darstellung des Bodhisattva der transzendentalen Weisheit, die wohl in die Zeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert datiert.

Bemerkenswert an dieser Skulptur ist der Thronaufbau.

Vergleiche: Sudhakar Sharma; The heritage of Buddhist Pala art;

Mañjuśrī sitzt hoch erhoben auf einer Mondscheibe auf

New Delhi 2004. / David Weldon and Jane Casey Singer;

einem doppelten Lotos-Podest, der wiederum auf

Buddhist art in the Nyingjei Lam Collection – the sculptural heritage

einem Reif aus Ranken und zwei nach vorne hin

of Tibet; Oxford – London 1999.


Mahārājalīlā Mañjuśr ī