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Mitgliederzeitung der SP Schweiz 122 • CH  Oktober 2011  AZB 3001 Bern

ZEHN PROJEKTE FÜR ALLE Mit ihrer Wahlplattform und zehn Projekten ist die SP in den Wahlkampf gestiegen. Einige davon nehmen wir nochmals ein bisschen genauer unter die Lupe. Seiten 6, 15, 16 und 17

© 123RF

Mach jetzt Wahlwer und de bung Nachb inen a SP-Wä rn zum mit «l hler – inks»! S eite 6

Jetzt bloss nicht verpennen! Noch etwas mehr als eine Woche, dann ist er da, der Wahltag. Höchste Zeit, um deine Freunde und Verwandten für die SP und für eine Politik für alle, statt für wenige, zu mobilisieren.  Seiten 2 und 3 aktiv

gespräch Die Delegiertenver­ sammlung in Biel stand ganz im Zei­ chen von Micheline Calmy-Reys Rücktritt – und bot noch ein­ mal die Möglichkeit, Motivation zu tanken. Seiten 4 und 5

carte blanche Unsere Kampagnen­ leiterinnen Min Li Marti und Andrea Sprecher über feh­ lende KampagnenMillionen, Strassen­ wahlkampf und die Nervosität vor dem Tag X. Seite 18

In den USA geht die «Tea Party» allmäh­ lich zu Ende und die Welt steht im Moment da, wo die SP ist. Das verheisst Gutes für den 23. Ok­ tober, meint Nicolas Galladé. Seite 19


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WAHLKAMPF  SCHLUSSMOBILISIERUNG

Standpunkt

Thomas Christen Generalsekretär

Die Wette Die Anfrage einer grossen Zeitung kam etwas überraschend. Sie wolle mit den Parteipräsi­ denten zum Jahresbeginn eine Wette einge­ hen, privater oder politischer Natur. Mit dem Präsidenten der SP würde die Zeitung gerne wetten, dass die SP bei den Parlamentswahlen verliere. Ob der Präsident der SP bereit wäre, dagegen zu wetten. Man rieb sich verwundert die Augen. Eine Zeitung, die objektiv über den Wahlkampf berichten sollte, wettet auf die Nie­ derlage der SP? So seltsam die Anfrage, so klar brachte sie wohl eine Anfang Jahr unter den Medien verbreitete Stimmung zum Ausdruck. Wir hätten damals bereits dagegen gewet­ tet. Und wir wären nicht alleine gewesen. Von Anfang Jahr an haben sich Kantonalparteien, Sektionen und Mitglieder für unsere Politik eingesetzt. Und Unterschriften gesammelt. Mit Überzeugung und Zuversicht. Und mit Erfolg. Diesen Sommer konnten wir die Cleantech-Initi­ ative einreichen. Und mit den Initiativen für eine öffentliche Krankenkasse und einen Mindest­ lohn haben wir nicht nur konkrete Antworten auf aktuelle Probleme, sondern auch beliebte: Beide Initiativen können wohl noch dieses Jahr eingereicht werden. Die SP konnte in den letzten Monaten The­ men setzen. Wir haben die Cleantech-Initiative nicht erst lanciert, als die ganze Schweiz die Folgen von Fukushima diskutierte. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir sie einreichen. Und die SP hat nicht erst auf die Frankenstärke re­ agiert, als diese für alle offensichtlich war, son­ dern bereits Monate vorher. Und die SP hat die Abhängigkeit von den Grossbanken und vom Investmentbanking nicht erst kritisiert, als die UBS mehrere Milliarden verlor. Dieses Engagement und diese konsequente Politik haben uns in den letzten Monaten wei­ ter gestärkt. Und wir alle sind nicht mehr nur persönlich überzeugt, dass ein Erfolg am 23. Oktober möglich ist. Wir spüren auch, dass die­ se Überzeugung heute weiter verbreitet ist als noch Anfang Jahr. Weil die Leute unser konse­ quentes Engagement spüren. Und weil sie mer­ ken, dass eine verlässliche Politik im Interesse aller immer wichtiger wird. Nutzen wir die letzten Tage, um all diese Leute auch wirklich an die Wahlurnen zu bewe­ gen. Und machen wir das, was wir seit Anfang Jahr machen. Auf die Leute zugehen. Reden. Überzeugen. Motivieren.

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kand ues de idierlinks 122/Oktober Halle 2011 t «Ich r, Be gebe im Kanto rn n Be noch abe u rn e nd se inma l alles ckle… – Gri » ng

«In der Beiz, im Boxtraining und am Bahnhof» Was unternimmst du in den letzten zehn Julia Gerber Rüegg, W Tagen, damit die SP die Wahlen gewinnt? ädenswil Wie bringst du deine Leute an die Urne und kandidiert im Kanton Zürich «Mein Trumpf? Mein welchen Trumpf hast du noch im ­Ärmel? kreativer Webmaster Stefan­Weber-Aich und meine Präsenz auf der «links» hat bei unseren K ­ andidierenden Strasse. Wo ich bin, nachgefragt. Umfrage: Stefan Krattiger überreiche ich in kur­ zen schnellen Kon­ takten meine Visiten­ kar te mit der Adresse www.juliagerber.ch.»

Jon Pult, Churon Graubünden nt kandidiert im Ka Box­ im iz, Be r de in «Ob or­ hm frü training oder fs­ ho hn Ba gens an der e di h ic e aktion forder ­ so lt äh W f: au Menschen – ! Und zialdemokratisch gemeint t ns er nz nicht ga f, dass die – ich passe au Saich ma­ Jusos keinen chen :-)»

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Tanja Soland, Baset

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Patrick Angele, Dübendorf kandidiert im Kanton Zürich «Ich werde in den letzten zehn Tagen jeden Mor­ gen an Bahnhöfen stehen, eine gross angelegte Te­ lefonaktion star ten und in den letzten zwei Tagen der Bevölkerung anbieten sie direkt zur Urne zu fahren.»

tad kandidier t in Basel-S hluss am Ball Sc m zu bis rde «Ich we f der Strasse au bleiben und wenn ich n kann, ge eu erz zu wenig Leute üb inem me s au ft: gehe ich in die Lu ich rote rfe we on all elb roten SP- Fess er Basel ab – bis Rosen und Flyer üb ssene die letzte unentschlo auch der letzte und te einwir ft!» WählerIn unsere Lis

Beat Jans, Basel kandidiert im Kanton Basel-Stadt «Strasse, Strasse, Strasse. Ich werde zu ei­ ner Art Clochard und verbringe möglichst viel Zeit vor Einkaufszentren, verteile dort Flyer und führe Gesprä­ che. Die letzten NochNichtwähler sollen bewegt werden. Die eine oder der andere lässt sich sicher überzeugen.»

Tanja Walliser, Bern

kandidier t im Kanton Bern «Nahe bei den Leuten sein heisst für mich: Ab uf d‘Gass! Ich werde ab ends in Berner Beizen anzutreffen sein, deba ttieren, diskutieren und degustieren. Wahl­ kampf, wie er sein soll!»


Margret Kiener Nellen, Bolligen

links 122/Oktober 2011 n Bern kand idiert im Kanto gger, Rümlang «Mein Trumpf ist mein Wahl-Velo voll in SP-­ Thomas Harde Zürich  roter Farbe, das ich soeben erstanden habe. kandidiert im Kanton Auf die Plätze! Dorthin, wo ! ssen Stra die f «Au Jetzt kommen noch SP-Werbekleber drauf. und Wähler sich die potenziellen Wählerinnen Damit möchte ich viele WählerInnen an die Abbau­ hen erlic bürg der aufhalten, die von Urne – und zum Umstei­ n offe betr ten politik am meis gen zur SP und auf das sind – und leider oft Velo – bringen!» schon resignier t ha­ ben: Vor die Spitäler, vor die Hochschulen, Karin Sch vor die Bahnhöfe.» witer, Lache kandidiert n im Kanton Schwyz «Familie, Nac hbarn, Arbei Nadine Masshardt, Bern tskolleginnen book-Freun , Face­ de und auch kandidiert im Kanton Bern n u r entfernt bek Leute, die d annte as Pech hab «Nein zu AKW, ja zu mehr Transparenz. Dafür en , se über den mir auf der Stras­ Weg zu lau engagiere ich mich und damit mobilisiere ich fen – nieman bleibt vor m d einer bohre nden im persönlichen Gespräch auf Frage vers chont: Has der Strasse. Und: t du dein Wahlc ouvert scho n ein­ Die unter 30-Jähri­ geworfen?» gen sollen in Zukunft nicht alleine von JS­ VPler Reimann vertre­ ten werden.»

d Mar ti, Bernharthal Langen im Kanton Bern

r­ rt enen Ka kandidie er mit off m e im in e le rmel k «Ich spie t‘s im Ä ib i e g rt r a e P h innerten, da zur Gew r n e te W k . in z fe e Trümp keine g braucht gehört, Karten!»

Flavia Wasserfallen, rn

Bern

n Be kandidier t im Kanto Jus! Zusam­ n rhi ite we «Ich gebe hlteam bin ich men mit meinem Wa unter wegs und im ganzen Kanton und frischen mache grünen Strom t erstram­ Or r O-Saft: Direkt vo enerator log Ve peln wir mit einem t Oran­ mi da en ss Strom und pre Saft verteilen wir gen. Den früschen .» tinnen und Passanten an neugierige Passan

Ursula Wyss, Bern

kandidiert im Kanton Bern «Meine Möglichkeiten für die Schlussmobilisie ­ rung sind wegen der Geburt von Lyonel einge ­ schränkt. Doch wenn ich mit dem Kinderwa­ gen durch Bern spaziere, stehe ich alle paar Meter Passantinnen und Passanten Red und Antwort – nicht nur zu Po­ litischem.»

Max Chopard-Acklin, Nussbaumen

kandidiert im Kanton Aargau «Ich setze auf persönliche Kontakte und Ge­ spräche mit den Menschen. Zeige auf, wie ich mich mit der SP für eine soziale und ökologi­ sche Schweiz einsetze. An Podien und auf der Strasse. Und ich bin im Aargau zwischendurch mit Klebeband und Tacker un­ terwegs, um an Nischenplät­ zen Plakate anzubringen.»

Du machst den Unterschied! Ob wir bei den Wahlen zulegen, hängt ganz entscheidend von dir ab. Zulegen wird, wer am meisten Leute an die Urnen bringt. Diese wichtige Arbeit dauert bis zur Schliessung der Wahlurnen. 2007 gingen 55 Prozent – eine Mehrheit – der Stimmbevölkerung gar nicht wählen. Jede Stimme, die wir in den letzten Tagen noch gewinnen, zählt also umso mehr. Dabei spielst du eine entscheidende Rolle: Wir alle haben in unserem Umfeld Leute, die unsere Werte und Ideen teilen. Aber sie verschlafen vielleicht den Wahltag, halten das Wählen für nicht so wichtig oder haben das Vertrauen in die Politik verloren. Ein Plakat, ein Inserat oder ein Flyer allein kann sie nicht um-

stimmen. Aber du kannst es! Geh jetzt (nochmals) auf deine Leute zu: ➜  Sprich sie im Verein, in der Beiz oder auf der Strasse auf die Wahlen an und diskutiere mit ihnen. Bitte sie, wählen zu gehen. Lade sie zu einem Kafi, einem Znacht, einem Wahltagsbrunch ein oder geht zusammen an die Urne. ➜  Schick deinen Bekannten ein personalisiertes Gratis-SMS mit einer Wahlaufforderung. Wir haben dafür unter www.spschweiz.ch/sms einen Dienst eingerichtet. ➜ Schreibe E-Mails mit einer Wahlaufforderung. Eine Kurzanleitung und einen Beispieltext findest du auf www.spschweiz.ch/wahlaufforderung.

WAHLKAMPF

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Wahlfest der SP im «Progr» BERN Wir hoffen fest, dass wir am Wahlsonn­ tag etwas zu feiern haben. Am 23. Oktober fin­ det das gemeinsame Wahl-Fest der SP Schweiz und der SP Kanton Bern in der Aula des «Progr» in Bern (Waisenhausplatz 30) statt. Um 14 Uhr geht’s los. Wir verfolgen die Wahlen live am Bild­ schirm, ausserdem werden Computer-Stationen zur Verfügung gestellt und es gibt Verpflegungs­ möglichkeiten. Die Veranstaltung ist öffentlich, alle Interessierten sind herzlich eingeladen, mit­ zufiebern.

Rossini und Berset kandidieren BERN Der Walliser Nationalrat Stéphane Ros­ sini und der Freiburger Ständerat Alain Berset wollen die Nachfolge von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey antreten. Beide haben ihre Kandida­ tur offiziell bestätigt. Die Kantonalparteien kön­ nen noch bis Ende Oktober Kandidatinnen und Kandidaten für die Gesamterneuerungswahl vom 14. Dezember vorschlagen. Die Fraktion wird sich Anfang Dezember abschliessend auf ein Wahlticket festlegen.

Matthias Aebischer, Be

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kandidier t im Kanton Bern «Wählen Sie mich nicht, wenn Sie 22 Kampf­ jets kaufen wollen. Wä hlen Sie mich nicht, wenn Sie glauben, die Grossbanken könnten sich selbst kontrollieren – mit solchen und ähn­ lichen Slogans werbe ich in den Zeitungen. Ich kämpfe täglich auf de r Strasse, bin im Interne t, auf Facebook und Tw it­ ter.»

Corrado Pardini, Lyss

kandidiert im Kanton Bern «In den letzten zehn Tagen werde ich mit mei­ nem Komitee die Schlussoffensive ‚Jede Stim­ me zählt!‘ starten. Wir werden gezielt Schlüs­ selpersonen persönlich kontaktieren und auf­ fordern, in ihrem Umkreis für unsere Partei zu werben. So wollen wir möglichst viele Menschen motivieren an den Wahlen teilzunehmen und SP zu wählen.»

Mattea Meyer, Züric

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kandidier t im Kanto n Zürich «Schlussmobilisierun g und SP für alle statt für wenige – so me in Motto im Schluss sp urt. Jeden Tag werde ich Flyer verteilen, SMS schreiben, mit den Wählerinnen und Wählern reden. An der SP soll kein Weg vo r­ beiführen – ein We g in Richtung soziale Ge­ rechtigkeit, Freiheit und Demokratie.»


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aktiv  Delegiertenversammlung in Biel

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Ici, c’est Bienne! Bilder:  Edouard Rieben

Die letzte Delegiertenversammlung vor den Wahlen fand im «roten Biel» statt. 250 Genossinnen und Genossen stimmten sich auf den Endspurt ein – und verabschiedeten Micheline Calmy-Rey mit einem Ständchen. Stefan Krattiger und Andrea Bauer

Im Kongresshaus wurden die ins Seeland ge­ reisten Delegierten von den Berner Guerilla-Trou­ badouren Tomazobi musikalisch in Empfang ge­ nommen und mit frechen Sprüchen unterhalten.­

Sich unterhalten lassen und den Wahlkampfstress mal hurtig vergessen – auch dafür muss schliess­ lich mal Zeit sein. Das wird sich auch der Luzer­ ner SP-Sekretär Pascal Ludin gesagt haben.

Parteipräsident Christian Levrat machte sich in seiner kämpferischen Rede dafür stark, dass «die Entscheide in Bern und nicht in den eleganten Lounges der Zürcher Hotels gefällt werden».

Ob so viel Kampfgeist staunt sogar der JUSOPräsident. Wir staunen ebenfalls und fragen uns: Haben David Roth und der Berner Ständerats­ kandidat Hans (ins) Stöckli denselben Coiffeur?

Interkantonales Fachsimpeln unter Nationalrats­ kandidaten – auch dafür war der Anlass natürlich ideal. Der Berner Corrado Pardini und der Zür­ cher Andrew Katumba diskutierten angeregt.

Die Verabschiedung der Bundespräsidentin war der Höhepunkt des Tages. Ex-SP-Präsidentin Christiane Brunner würdigte ihre Verdienste und sorgte mit Anekdoten für Schmunzeln.

Für ihre Rede und ihre Arbeit als Bundesrätin, Bundespräsidentin und Aussenministerin dank­ ten die Genossinnen und Genossen Micheline Calmy-Rey mit minutenlangem Applaus.

Risotto für alle, statt für wenige – serviert vom frischgebackenen Papi, Generalsekretär Thomas Christen. Ihm und Ursula Wyss gratulieren wir herzlich zur Geburt von Lyonel Gaël Alexander!

Das zufriedene «OK»: Diesmal waren Miriam Dürr und Ruth Straubhaar gemeinsam für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. Ende Jahr übernimmt Miriam – «Strubi» wird pensioniert.


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© Edouard Rieben

Letztes Luftholen vor den Wahlen Nebst dem Abschied von Micheline Calmy-Rey und der Rede von Simonetta Sommaruga standen an der Delegiertenversammlung vor allem zwei Themen im Mittelpunkt. Stefan Krattiger

«Umsichtig, integrativ und ziemlich schlau» In ihrer Rede dankte ­Simonetta ­Sommaruga ihrer abtretenden Kollegin Micheline Calmy-Rey. Ein Auszug.

darisch und mit allen Kräften zu unterstützen. Darin sind wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten uns alle einig, das ist ein wesentlicher Teil unserer politischen Identität – und genau dafür werden uns auch in drei Wochen sehr viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Stimme geben. Liebe Micheline, wenn wir von Solidarität reden, ganz besonders von internationaler, dann

Wenn wir in drei Wochen wählen dürfen, geniessen wir ein grosses Privileg. Die Umwälzungen in Nordafrika haben uns allen wieder einmal vor Augen geführt: Meinungsfreiheit, Demokratie, Zivilgesellschaft und Menschenrechte sind keine SelbstverständlichWenn wir von Solidarität reden, dann keiten. denken wir ganz schnell an Micheline. Wenn Menschen während Jahrzehnten unterdrückt und ihrer demokradenken wir ganz schnell an dich. Ich habe die tischen Mitsprache beraubt werden, entlädt Zusammenarbeit mit dir sehr geschätzt. Wir sich dies früher oder später in Massenprotesalle kennen dich als aktive Aussenministerin, ten und Unruhen. Dennoch: Was sich in Nordals kantige, schillernde und manchmal provoafrika abspielt, hat niemand vorhergesehen. kative Person. Im Bundesrat habe ich eine anNiemand hätte es noch vor kurzem für möglich dere Seite an dir kennen gelernt: Du hast die gehalten, was nun immerhin möglich scheint, Bundesratssitzungen nicht nur sehr souverän, auch wenn der Weg noch weit und steinig ist: ruhig und umsichtig geleitet, sondern auch die Demokratisierung einer Region, die sehr sehr integrativ – und manchmal auch ziemlich lange von autoritären und totalitären Regimes schlau. geprägt war und teilweise immer noch ist. Der Zusammenhalt des Gremiums im letzWir alle haben uns gefreut, als die Menschen ten Jahr ist ganz wesentlich auch dir zu verfür Freiheit und Demokratie kämpften. Viele danken. Die SP verliert mit dir eine profilierte – zu viele – sind dabei gestorben. Wie schnell Bundesrätin, und ich eine Kollegin, von deren wurde dann aber auch hierzulande von vielen Erfahrung ich in meinem ersten Jahr immer die Frage gestellt, ob die Umwälzungen für uns wieder profitieren konnte. Dafür möchte ich Probleme brächten, etwa mehr Asylgesuche. mich ganz herzlich bei dir bedanken. Und ich Ich möchte, dass wir die Relationen nicht vermöchte dich ebenfalls ganz herzlich beglücklieren. Es geht hier um die Freiheit und Würde wünschen für die grossen Verdienste, die du von Millionen von Menschen. Es ist die Aufdir mit deiner Arbeit für unser Land erworben gabe Europas – und hier zählt die Schweiz behast. Ich wünsche dir für die Zukunft von Herdingungslos zu Europa – solche Demokratisiezen alles Gute.» rungsprozesse zu fördern und zu unterstützen. Wenn unterdrückte Menschen ihre Stimme erheben, haben wir nur eine Aufgabe: sie soli➜ www.spschweiz.ch/rede

Kampf gegen neue Kampfjets angekündigt Das Parlament will milliardenteure Kampfjets beschaffen, ohne das Volk zu fragen. Ganz offensichtlich haben die Bürgerlichen Angst vor dem Stimmvolk – nicht gerade ein Vertrauensbeweis, drei Wochen vor den Wahlen. Die Delegierten haben deshalb beschlossen, in einem breiten Bündnis die Lancierung ­einer Volksinitiative gegen den Kauf der Flugzeuge vorzubereiten. Eine Petition, die die SP unmittelbar nach dem Entscheid des Nationalrats gestartet hatte, war zuvor innerhalb kurzer Zeit von 12 700 Personen unterzeichnet worden.

Sozial- und Wirtschaftspakt verabschiedet Die Delegierten haben ausserdem einen Pakt für eine neue Sozial- und Wirtschaftspolitik geschlossen. Der «contrat social et économique» fordert eine Politik zugunsten aller, statt im Interesse einiger weniger. Im Zentrum stehen die Sicherung des Werkplatzes, Massnahmen gegen Spekulation und gegen die Eskapaden des Finanzmarkts sowie eine Stärkung der Kaufkraft und der Sozialwerke. Der Tenor der Genossinnen und Genossen war deutlich: Die Finanzbranche kehrte nach der Krise 2008 umgehend wieder zu ihrem Courant normal zurück. Die Schweiz befindet sich nach wie vor in einer fatalen Abhängigkeit von einzelnen Banken.


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Wahlplattform  Unsere zehn Projekte für alle

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Kennst du jemanden, der ebenfalls SP wählen würde, könnte oder soll­ te? Dann ist es nun aber höchs­ te Zeit, sie oder ihn daran zu erin­ nern. Mach mit und schenk deinem «links» ein zweites Leben. Dieses «links» ist auch eine Wahlzeitung.

Nimm das folgende Zeitungsblatt heraus, falte es und wirf es einfach deinem Nachbarn, deiner Schwiegermutter, deiner Zahnärztin, deinem Fussballkollegen oder deiner besten Freundin in den Briefkasten. Sei für einmal «Pösteler». Oder

lege es im Büro deinem Arbeitskol­ legen oder deiner Chefin zusammen mit einem Gipfeli auf den Schreib­ tisch. Oder wie wär’s, wenn du das Papier einfach frühmorgens unauf­ fällig in der S-Bahn liegen lässt? Dei­ ne Phantasie ist gefragt.

Mehrkassensystem vor dem Aus Die Akzeptanz für die öffentliche ­Krankenkasse wächst, die Leute geben ihre Unterschriften mit grosser Sympathie für unsere Idee. Erika Ziltener

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Eine öffentliche Krankenkasse

© Ex-Press

Zur positiven Grundstimmung tragen auch die Umfragen bei. Gemäss diesen stimmen bis zu zwei Drittel der befragten Personen einer öffentlichen Krankenkasse zu. Ein Hauptgrund ist einerseits der jährliche Prämienanstieg, der immer mehr Personen und Familien – bis in den Mittelstand hinein – stark belastet. Andererseits sind die Kosten für das Mehrkassensystem ein grosses Ärgernis: Dank dem Pseudowettbewerb unter den über 80 Kranken­kassen

fliessen Millionen in Managerlöhne, Trittbrett- unabdingbar. Liegen diese nicht vor, werden fahrer sowie Verwaltungs- und Werbekosten. Streitigkeiten zwischen Vertragspartnern viel Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht länger zu oft auf ihre Kosten ausgetragen. Die Panik bereit, dieses Ärgernis hin­zunehmen, das heu- zeigt: Es fehlt den Gegnerinnen und Gegnern tige Mehrkassensystem steht vor dem Ende. der öffentlichen Krankenkasse an Argumenten. Kein Wunder, verfällt Santésuisse, der DachDie öffentliche Krankenkasse führe in eine verband der Krankenversicherungen, in Hek- Zwei-Klassen-Medizin – die muss bei den Gegtik. Oberste Kaderleute verlassen den Verband, nerinnen und Gegnern neuerdings mangels einzelne Kassen haben längst den Austritt gegeben, andere Die Panik zeigt: Den Gegnerinnen und wiederum haben nur ihren eigenen Vorteil im Auge. Das Gegnern fehlt es an Argumenten. in einer Zeit, in der wichtige Tarifverhandlungen anstehen. Wie soll ein dermassen verwirrter und zer- wirklicher Gründe als Argument herhalten. strittener Verband die schwierigen Verhand- Tatsächlich aber bestimmen weder Santésuisse lungen für die Einführung der Fallpauschalen noch einzelne Kassen, ob eine Leistung aus der in den Spitälern oder mit den Fachverbänden Grundversicherung bezahlt wird. Eine Leistung effizient und für alle gültig führen? Gute Tarif- muss wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich verträge sind für Patientinnen und Patienten sein. Dies wird in der ausserparlamentarischen Leistungs- und Grundsatzkommission überprüft und der Bundesrat entscheidet, ob die geprüfte Leistung von der Grundversicherung übernommen werden soll. Exemplarisch lässt sich das an der Komplementärmedizin aufzeigen: Während die Kommission zum Schluss kam, dass nicht alle Sparten der Komplementärmedizin die geforderten Kriterien erfüllen würden, fällte Bundesrat Burkhalter den politischen Entscheid, die Kosten dafür trotzdem zu übernehmen. Auf der Ebene einzelner Leistungen gibt es trotzdem Ungerechtigkeiten. Dann nämlich, wenn der sogenannte «Krankheitswert» einer Behandlung den Kassen noch Interpretationsspielraum lässt. Eine Krankenkasse darf weder Prämiengelder verschwenden noch Ungerechtigkeiten schaffen. Davon werden wir auch noch die wenigen überzeugen, die letzte Zweifel haben.

Der Pseudowettbewerb unter den über 80 Kassen kostet Millionen. Auch die grosszügigen Geschäfts­ räumlichkeiten (im Bild: die Generalagentur Bern der Helsana in Ittigen) wollen bezahlt sein.

erika.ziltener@bluewin.ch ist Zürcher Kantonsrätin, Präsidentin des Trägervereins der Volksinitiative «Öffentliche Krankenkasse» und kandidiert im Kanton Zürich für den Nationalrat

© Reuters

Mach Werbung für die SP – mit «links»!


© Keystone

Nationalund Ständerat swahlen

2011

für alle statt für wenige Wahlzeitung der SP

Liebe Wählerin, lieber Wähler Am 23. Oktober sind eidgenössische Wahlen. Wir haben tatsächlich die Wahl: Wollen wir ­weiterhin eine Politik im Interesse von ein paar wenigen, die sich immer und schamlos noch mehr nehmen, oder wollen wir eine Politik­für die ganze Bevölkerung? Wir sind dann stark, wenn wir miteinander Verantwortung ­übernehmen und wenn nicht jeder nur für sich selber schaut. Dafür kämpft die SP zusammen mit Ihnen. Im Alltag, in der Wirtschaft und in der P ­ olitik. Die Atomwirtschaft, die Banken, die Kranken­versicherer und Economiesuisse – Lobbyisten­gibt es in Bern mehr als genug. Kein Wunder,­dass die Stimme derjenigen, die sich für das ­Gemeinwohl stark machen, oft nicht mehr gehört wird. Einzig die

SP kämpft für die ­Interessen der grossen ­Mehrheit und des ­Mittelstandes. Einzig SPPolitik bietet­­unseren Kindern Perspektiven und gibt ­jeder und jedem eine faire Chance. Die SP hat eine Vision, die auf zehn Projekten ­basiert. Es sind zehn ganz konkrete ­Projekte, die das Leben in der Schweiz ­besser machen. Für alle, statt für wenige. Helfen Sie mit und schenken Sie uns im Herbst Ihre Stimme.

Christian Levrat SP-Präsident


WIR BRINGEN DIE SCHWEIZ VORAN Die Schweiz ist ein reiches Land. Sie hat ein solides soziales Netz und gute öffentliche Infrastrukturen. Die SP hat viel dazu beigetragen. Wir haben die Schweiz, wie sie heute ist, entscheidend mitgeprägt und vorangebracht. Doch wir wollen uns mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Ohne SP gäbe es keine AHV, keine Mutterschaftsversicherung, keine träge, kein FrauenGesamtarbeitsver­ stimmrecht und keine Verkehrsverlagerung. Die Schweiz ist wirtschaftlich gut aufgestellt. Aber der wirtschaftliche Erfolg kommt nicht allen zugute. Es gibt viele Familien, denen Ende Monat kaum Geld im Portemonnaie bleibt. Weil die Krankenkassenprämien und die Mieten steigen, während der Lohn nicht Schritt hält. Einige wenige hingegen wissen kaum mehr, wohin mit ihrem vielen Geld. Ausgerech-

net ihnen wird immer noch mehr gegeer­ geschenke oder ben – seien es Steu­ hohe Boni. Die Schweiz hat eine grosse demokratische Tradition. Mit einem gewaltigen Haken: In Bern dominieren die Interessenvertreter der Banken, Krankenkassen, Versicherungen und anderer Unternehmen. Doch wer kümmert sich um die Anliegen der «normalen» Leute? Es ist die SP, die sich einsetzt für die Mieterinnen und Mieter, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die Konsumentinnen und Konsumenten. Die Mehrheit der Bevölkerung hat im Bundeshaus nur eine Lobby: die SP. Die Schweiz kann gerechter, innovativer und fortschrittlicher werden. Wir

wollen die Probleme von heute nicht mit den Rezepten von vorgestern lösen. Wir wollen eine freie, gerechte und solidarische Schweiz. Wir stehen ein für eine ­Gesellschaft, in der sich jede und jeder frei entfalten kann. Wo aber auch ein

Die grosse Mehrheit der Bevölkerung hat in bundesBern nur eine Lobby: Die SP. s­oziales Netz da ist, das trägt, wenn jemand einmal nicht für sich selber schauen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Das kann uns nämlich allen passieren. «Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen», das steht nicht umsonst in unserer Bundesverfassung.

MÖCHTEn sie MEHR ERFAHREN? Sie Schickendem Text it ein SMS m 39 a 0 SP 1 n 3Franken 10 um der SP n. zu spendee Franken viel ibt an, wie Die Zahl g enden wollen. Sie sp kt e wird dire Die Spend echnung yr Ihrer Hand t. belaste

Mehr Informationen über unsere Wahlplattform, über die SP allgemein sowie über unsere Kandidatinnen und Kandidaten finden Sie auf unserer Wahl-Website www.spschweiz.ch/wahlen


Kanton baselland

links 122/Oktober 2011

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Helmut Hubacher über Claude Janiak und Anita Fetz: «Ich schreibe keinen Schmus. Das habe ich in meinem Alter nicht mehr nötig. Ich meine es so, wie Sie es lesen: Unsere beiden Ständeräte machen ihren Job besser als nur gut.»

Was tun Politiker eigentlich den ganzen Tag? «Manchmal frage ich mich, ob wir Politiker noch normal sind.» Das meinte Carl Miville, damals Basler Ständerat, ernst-ironisch. Wir hatten von unseren Frauen den Auftrag, ein Datum für den nächsten Familienjass zu finden. Und fanden kaum noch einen freien Abend. Warum haben Politiker stets randvolle Kalender? Was tun die den ganzen Tag lang im Ständerat? Da sind mal die vier Sessionen. Sie dauern drei Wochen. Macht drei Monate. Dazu kommen Kommissionssitzungen zwischen den Sessionen. Zusammengezählt gibt das nochmals zwölf Wochen. Damit wäre das erste Halbjahr abgesessen. Ist’s das schon? Natürlich nicht. Sessionen und Sitzungen kann man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Sie müssen vorbereitet werden. Der Briefträger bringt fast

täglich Post aus dem Bundeshaus. Jeden Monat ein paar Kilo Papier. Das ist nicht übertrieben. Alles verarbeiten zu wollen, geht gar nicht. Die Arbeit wird aufgeteilt. Auf alle SP-Ständeräte. Anita Fetz hat ihre Themen, Claude Janiak hat seine Schwerpunkte. Dem sagt man Team­ arbeit. Gute Politiker sind kritisch. Und schlucken nicht alles, was ihnen der Bundesrat serviert. Von Anita Fetz weiss ich, wie gründlich sie sich informiert. Konsultiert werden Fachleute, Regierungsräte, Wissenschafter, Spezialisten, Gewerkschaften, Wirtschaftsführer und und und. Claude Janiak ist ein politischer Sherlock Holmes. In der Geschäftsprüfungskommission gilt er als harter «Spürhund». Bundesräte und Verwaltung machen ihm kein X für ein U mehr vor. Ein Sprichwort sagt: «Die einzige Gewähr für das Wissen ist das Können.» Das kommt

nicht von alleine. Dahinter steckt viel Arbeit. Dazu gehören Medienauftritte, Interviews, Partei-Anlässe, Bürgerkontakte, Internet, Facebook, jede Menge Lesestoff. Politik braucht Zeit. Viel Zeit. Ich mag Politiker nicht, die reden und reden und nichts sagen. Für die schreibe ich kein gutes Wort. Noch etwas. Anita Fetz und Claude Janiak nehmen sich genügend Freizeit. Ist das wichtig? Aber sicher. So macht Politik Freude. Nur wer etwas gern macht, macht es auch gut. Ein Letztes. Ich schreibe keinen Schmus. Das habe ich in meinem Alter nicht mehr ­nötig. Ich meine es so, wie Sie es lesen. Unsere beiden Ständeräte machen ihren Job besser als nur gut. Das wiederum betone ich nicht von jedem Politiker. Helmut Hubacher


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Kanton bern

spitze feder

Nun lächeln sie wieder ... … von allen Plakatwänden, vielver­ sprechend, vertrauenerweckend, sympathisch, bieder, verführe­ risch. Manchmal suche ich nach der Marke des Modehauses statt nach der Partei. Ein Gruppenbild hebt sich etwas ab: Das Lächeln wirkt echter, le­ bendiger, weni­ ger schematisch – das SP-Plakat. Abheben tun sich auch die schwarzen Stiefel, die sich da über uns hermachen wollen. Nur dass sich bei mir ein UmkehrEffekt einstellt: Die Stiefel kom­ men mir sehr einheimisch und keineswegs fremd vor. Und ich schmunzle über die Kreativität, die sich bei der Verwandlung des darunter stehenden Slogans beim Überkleben durch Dritte entfaltet. Wahlkampf auch auf dem Bun­ desplatz, wo die Medien dauer­ präsent sind. Viele Programm-­ Erklärungen betreffend Finanz­ krise, Energiewende und Ein­ wanderung. Nicht ein Wort zu Kunst, Kultur und Wissenschaft. Die politischen Programme sind «realitätsbezogen» auf die wirtschaftlich brennenden Fra­ gen ausgerichtet. Abwesend sind Themen, die doch «nur» unser geistiges Leben beein­ flussen: Kunst und Kultur. Kri­ senmanagement ist angesagt, nicht visionäres Denken!­ Angenehm, dass es Kunst und Kultur – als Konsumgut – im Über­ fluss gibt, sympathisch, dass frei­ schaffende Künstler ihr Leben­ unter dem Existenzminimum und ohne jede soziale Sicherheit ­fristen. Und so warten wir auf den Tag, an welchem sich die Er­ kenntnis einstellen wird, dass die lebendige, unkommerzielle Kunst sich vor lauter Kulturmanagement verabschiedet hat. Gehören Kul­ turschaffende auch zu ALLEN? Brigitte Schildknecht, Tänzerin/Sängerin

links 122/Oktober 2011

Wie gesund ist das Berner Gesundheitswesen? Am 13. September führte der Grosse Rat eine Sondersession zur Gesundheitspolitik durch. Wir fragten unseren Regierungsrat Philippe Perrenoud, wie sich die gefällten Entscheide auswirken. Welches ist Dein persönliches Fazit der Sondersession? Die Sondersession hat ihr Ziel erreicht, da alle sehen, welche grossen Herausforderungen unser Kanton meistern muss. Die rotgrüne Mehrheit der Regierung hat aber ein weiteres Mal erlebt, wie schwierig der Dialog mit der bürgerlichen Mehrheit des Grossen Rates ist. Die Suche nach breit abgestützten Lösungen wird leider immer schwieriger. Ein bürgerlicher Grossrat meinte, es wäre besser die Finger von der Spitalplanung zu lassen, weil es nur Probleme gäbe. Wie reagierst Du darauf? Es ist die Aufgabe der Politiker, sich einzumischen, insbesondere dort, wo Probleme gelöst werden müssen. Man sieht am Beispiel der ungenügenden Regulierung der Bankengeschäfte, wie teuer die Passivität des Gesetzgebers zu stehen kommen kann. Was bedeutet denn die Ablehnung der von der Regierung vorgeschlagenen Mengensteuerung konkret? Ich bedaure, dass der Grosse Rat dabei die Regierung nicht unterstützen will. Der Kanton, das heisst im Endeffekt die Steuerzahlenden, wird ab 2012 55 Prozent der Spitalkosten übernehmen müssen. Ohne zielgerichtetes Instrument für die Steuerung kann er die drohende Erhöhung der Kosten kaum eindämmen. Gibt es Auswirkungen auf die Spitalliste? Wie siehst Du die Zukunft der Spitallandschaft im Kanton? Eine neue Spitalliste ist ein hochkomplexes Unterfangen. Wir gehen nun in eine Konsultation

Unser Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud zieht Bilanz zur grossrät­ lichen Sondersession.

mit den Leistungserbringern. Erst dann wird die politische Beschlussfassung kommen. Unsere Spitallandschaft wird sich weiterhin ändern, aber keine Angst: Ich habe immer betont, dass ich nicht mit der Axt handle und nur konzertierte Umstrukturierungen umsetzen will. Die Bevölkerung interessiert vor allem, wie die Kosten reduziert werden können. Wo setzt Du hier Prioritäten? Es ist illusorisch zu erwarten, man könne die Gesundheitskosten reduzieren. Die Erhöhung lässt sich aber eindämmen, ohne die Qualität der Versorgung zu gefährden. Meine Prioritäten heissen: Bessere Vernetzung der Angebote, A ­ npassung der nicht mehr bedarfsgerechten Spitalstrukturen und Förderung der Hausarzt­ medizin.

Wie beurteilst Du die Entscheidung des Nationalrats, die ManagedCare-Modelle mittels eines tieferen Selbstbehalts zu fördern? Die Vorlage des Parlaments entspricht bei weitem nicht meinen Erwartungen, insbesondere hinsichtlich der Risikoselektion. Und ich habe meine Zweifel über die Absichten der Krankenversicherer bei der Umsetzung. Meiner Ansicht nach darf man aber von den Patienten, die unbedingt über die uneingeschränkte Arztwahl fügen wollen, eine moderate ver­ finanzielle Mehrbelastung verlangen. Vielen Dank und weiterhin viel Energie für Deine Arbeit in diesem nicht ganz gesunden Umfeld.

Die Fragen stellte Michael Sutter.


Kanton bern

links 122/Oktober 2011

Mehr Frauen als Männer in Bern? Was sich aus den Zahlen zur Gleichstellung von Frauen und Männern im Kanton Bern alles herauslesen lässt.  Barbara Nyffeler Friedli Haben Sie gewusst, dass im Kanton Bern mehr Frauen als Männer leben? Und dass Frauen in den vergangenen zehn Jahren eine deutlich bessere Ausbildung genossen haben? Mädchen bilden in der Sekundarschule, am Gymnasium und an der Universität die Mehrheit. Junge Frauen machen eine Lehre zur Kauffrau, Detailhandelsfachfrau oder Fach­ angestellte Gesundheit. An der Universität bevorzugen die Studentinnen die philosophischhumanwissenschaftliche Fakultät. Dank der guten Ausbildung sind die Frauen heute häufiger erwerbstätig als ihre Mütter. Im Kanton Bern sind 72 Prozent der Frauen berufstätig, ein rekordhoher Wert für die Schweiz. 10 Prozent Lohndifferenz sind ungeklärt Dies und viel mehr ist der kürzlich publizierten Broschüre «gleich & anders» der kantonalen Fachstelle für Gleichstellung zu entnehmen (siehe unten). Diese Broschüre stellt ebenfalls fest: Frauen arbeiten öfter Teilzeit als Männer. Fast die Hälfte der erwerbstätigen Frauen hat ein Pensum von unter 50 Prozent. Zwar ermöglichen es Kleinpensen, Familienarbeit und Berufstätigkeit gut zu vereinbaren. Sie bieten aber in der Regel wenig Aufstiegsperspektiven. Deshalb haben hauptsächlich Männer Führungspositionen inne. Frauen verdienen nach wie vor spürbar weniger – nämlich über 20 Prozent. Ein Teil der Lohndifferenz lässt sich objektiv mit Unterschieden in der Ausbildung, Berufser-

gleich & anders Zahlen zur Gleichstellung Kantonale Fach­stelle­für Gleich­ stellung von Frauen und Män­ nern www.be.ch/gleichstellung

MARGRET KIENER NELLEN

EVI ALLEMANN

URSULA WYSS

AM BER 23. OKTO EN SP FRAU LISTE 2 ! WÄHLEN

FRAUEN WÄHLEN! LISTE 2 Die einzige Frauenliste Sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften | www.spbe.ch

Mehr Frauen auch im Bundeshaus: Die SP ist die einzige Partei mit einer Frauenliste! sp_frauen_f4.indd 1

fahrung und den Anforderungen an die jeweilige Stelle erklären. Zehn Prozent der Differenz bleiben nicht nachvollziehbar. Korrekturen erfolgen nicht von heute auf morgen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Bezug auf Arbeit und Lohn haben vielfältige Ursachen. Korrekturen erfolgen nicht von heute auf morgen und Massnahmen müssen auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Genügend Kita-Plätze und Tagesschulen ermöglichen die Berufsarbeit von Müttern. Initiativen, die junge Mädchen für technische Ausbildungen und naturwissenschaftliche Studiengänge motivieren, führen – vielleicht – dazu, dass in fünfzehn Jahren mehr Frauen

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Führungspositionen in der Industrie haben. Schliesslich sind auch Quoten ein Thema. Die Politik, besonders die nationale Politik, kann hier viel leisten. Schliesslich ist es das eidgenössische Parlament, das Gesetze erarbeitet und Fördergelder bereitstellt. Damit sich etwas bewegt, damit in zehn Jahren Frauen mehr Einfluss und bessere Löhne haben, braucht es eine starke Frauenvertretung im Nationalrat. Deshalb: Frauen wählen und besonders SP-Frauen wählen (Liste 2). Barbara Nyffeler Friedli Volkswirtschafterin, Mitglied des Leitungs­ gremiums SP-Frauen Kanton Bern

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SP-Frauen

Wahlolympiade? In diesem Jahr habe ich den Ein­ druck, die National- und Stän­ deratswahlen werden mit einer Fussball-Europameisterschaft oder einer Olympiade gleichge­ setzt – sie sind ein mediales Grossereignis. Mir – einer poli­ tisch interessier­ ten und aktiven Frau – wird es manchmal zuviel. Auf allen schweizerischen Fern­ sehkanälen, im Radio, der Ta­ ges- und Wochenpresse, den Gratisblättern sind die Wahlen allgegenwärtig. Schon kurz vor sechs weckt mich mein Radio­ wecker mit einem Interview der Parteipräsidenten. Christian geht ja, doch die anderen auf leeren Magen, nein danke. Genervt stel­ le ich ab und verschlafe fast. Wer sich nicht für Fussball interes­ siert, muss während der EM Feri­ en in Kanada machen, wer Sport­ reportagen generell langweilig findet, macht wohl während der Olympiade eine Rundreise in der Wüste Gobi oder einen Segelturn über den Pazifik. Im Moment sind viele im Ausland in den Ferien, einige werden das geniessen ... In der Presse finden wir Be­ richte über Personen, die nie, jetzt sicher­oder immer wäh­ len. Analysen­zu Werbematerial, Kochrezepte von Kandidieren­ den und noch sehr viel mehr. Ich hoffe, das führt nicht zu ei­ ner generellen Übersättigung. In diesem Umfeld ist es nicht ein­ fach, unsere Wählerinnen und Wähler anzusprechen, sie von unseren Inhalten zu überzeugen. Viele segeln wohl innerlich be­ reits über den Pazifik. Wie kön­ nen wir sie zurückholen, ohne dass sie ins Wasser fallen? Trotz Übersätti­gung­sollen sie doch am 23.Oktober Liste 2 einlegen (ja, ja, Liste 3 und 4 gehen auch.) Ich wünsche uns allen viel Erfolg! Barbara Stalder Präsidentin SP-Frauen Kanton Bern


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kanton Aargau

interview

Neu in der Geschäftsleitung links.ag: Elisabeth Burgener, seit dem Parteitag vom 27. September 2011 bist Du Mitglied der Geschäftsleitung der SP Aargau. Welche beruflichen und politischen Erfahrungen kannst Du in der GL einsetzen? Ich bin ein Teammensch, was heisst, dass ich gerne zusammen mit anderen Ideen plane, Strategien entwickle und Projekte umsetze. Als Werklehrerin in einem Schulteam, als Ausbildungsleiterin zusammen mit Ausbildnerinnen und StudentInnen und als Mentorin an der FHNW Soziale Arbeit in Basel bin ich da täglich herausgefordert. Politische Erfahrungen, die ich in den Nationalratswahlkampf integrieren konnte und jetzt gerne in die GL-Arbeit einbringe, habe ich auf Bezirks- und Kantonsebene. Was sind Deine politischen Anliegen? Eine Partei, die sich unermüdlich einsetzt für sozialen Ausgleich, Chancengleichheit und Ökologie ist die einzige und richtige «Heimat» für mich und meine Schwerpunktthemen Energie-, Bildungsund Sozialpolitik. Ich bin in den letzten Monaten noch zu einer überzeugteren Sozialdemokratin geworden. Wie erlebst Du die SP Aargau heute? Was müssen wir besser machen? Kreativ, engagiert, motiviert, frech, überzeugend und kämpferisch – so erlebe ich die SP Aargau im diesjährigen Wahlkampf. Ich wünsche mir eine Partei, die sich immer wieder bemüht, in diesen Schwung zu kommen, und solidarisch ist, wenn Wahlen und Abstimmungen mal nicht zum erhofften Erfolg führen. Das ist nicht unsere Stärke. In einem bürgerlichen Kanton links zu politisieren ist Knochenarbeit. Das geht nur gemeinsam. Elisabeth Burgener Brogli von Gipf-Oberfrick ist Werklehrerin, Ausbildungsleiterin an der HPS Windisch und Mentorin an der FHNW Soziale Arbeit Basel. Sie ist SP-Grossrätin, Co-Präsidentin der SP-Bezirkspartei Laufenburg und des Vereins KAIB (Kein Atommüll im Bözberg) und seit September 2011 Mitglied der Geschäftsleitung der SP Aargau. Sie kandidiert 2011 für den Nationalrat. Die Fragen stellte Katharina Kerr.

links 122/Oktober 2011

Menschenwürde Artikel 7 der Bundesverfassung sagt: «Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen». Mit der GoogleSuchmaschine erscheinen unter dem Begriff «Menschenwürde» auf die Schweiz begrenzt 77 900 Treffer. Diese reichen von Wikipedia, theologische ­Erklärungen, Asylgesetz, Demenzkranke, Stammzellenforschung bis zu Arbeitswelt, Bücher und anderem mehr.  Yvonne Feri Als Mitglied des Führungsgremiums einer Pflegeinstitution interessiert mich besonders die Menschenwürde von kranken menschen. Die Pflege wird durch viele Faktoren beeinflusst. Zunächst einmal die äusseren Faktoren, so die institutionellen Rahmenbedingungen wie Pflegegesetze oder hausinterne Vorschriften, sodann die Nachfrage nach Pflegeplätzen. Nicht nur Fachwissen für die Pflege von Patientinnen und Patienten ist nötig, sondern den haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, auch die menschliche Fähigkeit zu liebevoller sei dies in Spitälern, Pflegeinstitutionen und Zuwendung – auch und gerade im Umgang insbesondere auch in der Spitex. Während mit dementen Menschen. Eine weitere wichtider Ausbildung zu den Pflegeberufen muss ge Rolle spielen auch die der Pflege zugrunde auch diesem Thema ein besonderes Augenliegenden Menschenbilder. Davon betroffen merk gewidmet werden. Jüngste Vorfälle wie sind die Kranken wie auch das Pflegepersonal. in ­Zürich, wo Patientinnen und Patienten mit Es gibt leider immer wieder Übergriffe auf die dem Handy­gefilmt wurden, dürfen sich nicht Würde von kranken und älteren Menschen. wieder­ holen. Aber auch, wenn eine Person Zu einer Kultur der Menschlichkeit in der in einer­Institution Hilfe braucht, muss diese Pflege gehört ein Verständnis, das daran festhält, dass jedem Menschen, unabhängig von seinen Handlungen, seinem Das Empfinden dafür, dass auch schwer Verhalten, seinen Fähigdemenzkranke Menschen ein menschen­ keiten oder Defiziten, eine unverlierbare menschliche würdiges Leben führen sollen, verliert in Würde zukommt. Einfach, unserer Gesellschaft laufend an Boden. weil er ein Mensch ist. Das Empfinden dafür, dass auch schwer demenzkranrasch gegeben werden. Auch wenn die Achke Menschen ein menschenwürdiges Leben tung der Menschenwürde etwas kostet – wir führen sollen, verliert in unserer Gesellschaft müssen das in Kauf nehmen. Die Ausbildunlaufend an Boden. Es wird heute die Meinung gen aller Berufe, die mit der Pflege von Menvertreten, dass Menschenwürde einer Person schen zu tun haben, müssen einen ethischen nur dann zusteht, wenn sie über die geistige Teil beinhalten. Unsere heutige Gesellschaft Fähigkeit verfügt, sich selbst zu achten. Daerlaubt sich in Einzelfällen zu starke Übergrifher mache es keinen Sinn, in Bezug auf hoch fe. Mit Sensibilisierung und Aufklärung kann demente Menschen von Würde zu sprechen. dies verhindert oder ­ reduziert werden. Alle Das an Selbstachtung gebundene Prinzip der Menschen haben es verdient, dass wir ihnen Menschenwürde lässt sich nicht auf hoch demit Achtung begegnen. mente Menschen anwenden. Damit wird leider aber fraglich, ob man überhaupt von der Yvonne Feri von Wettingen ist Geschäftsführerin des Lehre­ Menschenwürde schwer dementer Menschen rinnen- und Lehrerverbands Zürich und seit 2006 Gemein­ sprechen kann. derätin. Von 1998 bis 2008 war sie Grossrätin, von 2001 bis Ich bin davon überzeugt, dass alle Men2005 Einwohnerrätin und von 2005 bis 2009 Mitglied der schen, insbesondere während der KrankheitsGeschäftsleitung der SP Aargau. Sie kandidiert 2011 für den zeit, das Recht auf Würde haben. Die PflegenNationalrat.


© 23RF

UNSERE 10 projekte FÜR ALLE

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100 000 neue Arbeitsplätze

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Eine öffentliche Krankenkasse

Bis 2030 soll die Hälfte der Energie erneuerbar sein. Dank unserer Cleantech-Initiative entstehen 100 000 neue Jobs. Wir schaffen eine nachhaltige Branche und übergeben den Generationen nach uns eine intakte Umwelt. AKW sind unwirtschaftlich und hinterlassen ein Sicherheits- und Abfallproblem.

Wir wollen eine gute Gesundheitsversorgung für alle. Die Prämien steigen jedes Jahr und immer mehr Menschen – besonders Familien – haben Mühe, sie zu bezahlen. Der Pseudo­wettbewerb nützt nur den Kassen. Darum wollen wir eine öffentliche Krankenkasse nach dem Vorbild der Suva.

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Existenzsichernde Mindestlöhne

bezahlbarer Wohnraum für alle

Wer voll arbeitet, muss auch von seinem Lohn leben können. Es darf nicht sein, dass die Sozialhilfe «aushelfen» muss. Die Mindestlohninitiative schafft mehr Lohngerechtigkeit für alle: Sie sorgt dafür, dass die Löhne aller Arbeitnehmenden mit dem Wachstum Schritt halten.

Die Mieten steigen. Wer Boden und Häuser besitzt, erzielt satte Gewinne. Mittlerweile kann in Städten sogar der Mittelstand kaum mehr eine Wohnung bezahlen. Das darf nicht sein. Gemeinnütziger Wohnungsbau, finanziert durch Mehrwert­abschöpfungen, schafft bezahlbare Wohnungen.

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Chancengleichheit dank Tagesschulen

Weiterbildung für alle

Die Bildungschancen eines Kindes sind abhängig von den Verhältnissen der Eltern. Die heutige Schule kann dies nicht ausgleichen. Die Volksschule muss zur Tagesschule mit Betreuung werden. Diese unterstützt alle Kinder, führt zu besseren Startchancen und erleichtert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Lebensstelle ist zur Ausnahme geworden, lebenslanges Lernen ist wichtig. Diese Chance sollen alle erhalten: mit einem­ Weiterbildungsfonds, der die Kosten und den Lohn­ausfall übernimmt. Auch Löhne über 126 000 Franken sollen ihren Beitrag an die ALV leisten und die nötigen 450–600 Millionen beisteuern.

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Eine Erbschaftssteuer für die AHV

Lebensarbeitszeitmodell für die AHV

In der Schweiz werden jährlich 45 Milliarden Franken vererbt. Steuerfrei. Wenige Grosserben profitieren, ohne jede Leistung. Eine Erbschaftssteuer mit einem Freibetrag von zwei Millionen garantiert mehr soziale Gerechtigkeit. Die zusätzlichen Einnahmen kommen direkt der AHV und somit allen zugute.

Der Zeitpunkt der Rente darf nicht nur vom Alter abhängen,­ auch die Beschwerlichkeit der Arbeit und die geleistete Lebens­ arbeitszeit müssen ­berücksichtigt werden. Die Pensionierung soll in der Regel nach 42 AHV-Beitragsjahren erfolgen – frühestens mit 62, spätestens mit 65 Jahren.

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starker 10 Ein Werkplatz

flächendeckender Service Public

Ein starker Service public nützt allen. Wenn wir heute bei den Infrastrukturen sparen, sparen wir auf Kosten der Zukunft. ­Gerade für die Bahn braucht es Investitionen: Finanziert zum Beispiel mit der Erhöhung der Gewinnsteuer der Unternehmen statt mit einer einseitigen Belastung aller ÖV-Nutzenden.

Die Finanzkrise hat gezeigt: Spekulanten haben die Wirtschaft als Geisel genommen. Regeln und Kontrollen wurden in den vergangenen Jahren abgebaut. Dieses System hat versagt, Korrekturen sind unbedingt nötig: Boni müssen beschränkt und das Problem der zu grossen Banken muss endlich gelöst werden.


Unsere Erfolge für alle Die SP hat in den letzten vier Jahren bewiesen, dass es ihr mit ihrer Politik für alle statt für wenige ernst ist. Trotz bürgerlicher Übermacht und Gegenwehr haben wir vieles erreicht.

Referendum gegen den Rentenklau mit 72,7 Prozent der Stimmen gewonnen. Und dank den SP-Stimmen im Parlament konnte auch bei der AHV eine Rentenkürzung verhindert werden.

Wir haben wirksam Familien entlastet Dank der SP ist das Bundesgesetz über die Familienzulagen 2009 in Kraft getreten. Damit erhalten alle Arbeitnehmenden schweizweit Kinder- beziehungsweise Ausbildungszulagen. Die SP hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass ab 2012 neu auch Selbständigerwerbende eine Kinderzulage erhalten. Zudem hat sich die SP mit Erfolg für die Lancierung und anschliessend für die Verlängerung des Impulsprogramms für familienergänzende Kinderbetreuung stark gemacht. Und dank der SP konnte die steuerliche Belastung der Haushalte mit Kindern gesenkt werden.

Wir haben uns für Arbeitsplätze eingesetzt 2009 lancierte der Bundesrat, auch aufgrund der Forderungen der SP, vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ein Stabilisierungspaket, wobei insbesondere die vorzeitige Rückerstattung der CO2-Abgabe sowie die Ausweitung der Kurzarbeit einen entscheidenden Beitrag zur Konjunkturstabilisierung leisteten. Langfristig gestärkt wurde die Realwirtschaft mit der durch die SP unterstützten Fortsetzung und Erweiterung der Personenfreizügigkeit. Dabei konnte die SP eine weitere deutliche Stärkung der flankierenden Massnahmen zum Schutz vor Lohn- und Sozialdumping durch­setzen.

Wir haben für eine sichere Altersvorsorge gekämpft Im Bereich der beruflichen Vorsorge hat sich die SP der Reduktion des Umwandlungssatzes der Renten der zweiten Säule erfolgreich widersetzt und das

Wir haben die erneuerbaren Energien gefördert Für Investitionen in die erneuerbare Stromproduktion haben wir die kostendeckende Einspeisevergütung geschaf-

fen. Sie ermöglicht den Marktdurchbruch für erneuerbare Energien. Um Gebäude energetisch fit zu machen, haben wir ein nationales Gebäudesanierungsprogramm auf den Weg gebracht. Damit werden pro Jahr rund 10 000 Gebäudesanierungen ausgelöst. Wir haben der Finanzwirtschaft Regeln auferlegt Dank der SP wurde im Gegenvorschlag zur Abzocker-Initiative eine Bonus-Steuer verankert. Doch leider unternehmen die Bürgerlichen alles, um diese zu torpedieren – das Tauziehen im Parlament geht weiter. In den letzten Monaten wurde durch den Druck der SP die Regulierung der Banken schrittweise verschärft und eine Lösung für die faktische Staatsgarantie bei den Grossbanken ist in Arbeit. Zudem gab die Schweiz ab 2008 die von der SP stets kritisierte Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug auf und gewährt einer wachsenden Gruppe von Staaten auf Anfrage Amtshilfe, damit diese ihre Steuergesetze vollziehen können.

Ja, Ich will etwas bewegen  Ich werde sofort SP-Mitglied  Ich möchte mehr Informationen über die SP  Ich möchte Kontakt mit jemandem aus der Sektion in meiner Nähe  Ich werde SymphatisantIn und erhalte regelmässig Infos  Ich möchte die SP mit einer Spende unterstützen (Postkonto 30-28039-3)  Ich bestelle den Mail-Newsletter der SP Schweiz Name Vorname Adresse PLZ/Ort Jahrgang Telefon E-Mail Einsenden an: SP Schweiz, Spitalgasse 34, Postfach 7876, 3001 Bern | beitreten@spschweiz.ch | www.spschweiz.ch/beitreten


links 122/Oktober 2011

Unsere zehn Projekte für alle

wahlplattform

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Sichere AHV nach 42 Jahren 8

© Ex-Press

Wie alt jemand wird und wie lange er/sie gesund leben kann, variiert je nach ­Beruf stark. Ein starres Rentenalter wird dem immer weniger gerecht. Jacqueline Fehr

Lebensarbeitszeitmodell für die ahv

Arme sterben früher. Wer während des Erwerbslebens in schwierigen finanziellen und sozialen Bedingungen gelebt hat, kann das Rentenalter im Schnitt nicht so lange geniessen wie Menschen auf der Sonnenseite des Lebens. Und: Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen können oft nicht bis zum Rentenalter arbeiten, während viele Akademikerinnen und Akademiker nach dem 60. Altersjahr noch fit sind. Die SP fordert deshalb einen Systemwechsel: Künftig sollen Frauen nicht mehr mit 64 und Männer mit 65 Jahren pensioniert werden, sondern nach 42 Erwerbs- oder Betreuungsund Erziehungsjahren. Das entspricht 168 Quartalen, wobei ein Quartal einer Arbeitszeit von zwei Monaten und einem Tag entspricht. Eine Altersrente wird frühestens nach dem vollendeten 62. und spätestens nach dem 65. Lebensjahr ausgerichtet. Wer über das 65. Al-

tersjahr hinaus arbeitet, höchstens aber bis 67, bekommt eine Rente, deren Höhe proportional zur Reduktion des Beschäftigungsgrads ist. Heute werden vor allem Leute mit guten Ausbildungen frühpensioniert. Mit einem vollen BVG-Konto und Angespartem in der dritten Säule ziehen sich die einen auf die Golfplätze zurück, andere lassen sich ihre Frühpensionierung als Berater bei ihren ehemaligen Unternehmen vergolden. Meist haben diese Leute schon lange Jahre in der Ausbildung verbracht und sind erst Mitte 20 voll ins Erwerbsleben eingestiegen. Von einer frühzeitigen Pensionierung profitieren heute also jene, die es nicht nötig haben. Mit einem Wechsel zur Lebensarbeitzeit kann diese paradoxe Situation korrigiert werden. Wer früh mit Arbeiten beginnt, soll künftig auch früher pensioniert werden. Schliesslich handelt es sich dabei meist um Menschen, die körperlich anstrengende Arbeit verrichten und damit ein erhöhtes Krankheits- und Invaliditätsrisiko haben.

jacqueline.fehr@parl.ch ist SP-Vizepräsidentin und kandidiert als bisherige Nationalrätin im Kanton Zürich

Schuften bis 65: Von einer Frühpensionierung profitieren heute jene, die es nicht nötig haben.

Unten mehr, oben weniger Mit Luxusboni und Spekulationsgewin­ nen leistet sich eine Minderheit ein Leben in Saus und Braus. Sie berauben die Angestellten der Teilhabe am erwirt­ schafteten Erfolg – von den fehlenden Investitionen in die Sicherung der Beschäftigung ganz zu schweigen.  Bea Heim

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existenzsichernde mindestlöhne

Darum ist mir ein Mindestlohn von wenigstens 4000 Franken wichtig. Aber auch eine Herabsetzung der Höchstlöhne: Das Verhältnis von 1:12 vom kleinsten zum höchsten Lohn, wie das die JUSO-Initiative fordert, ist ein kluger Vorschlag. Und grosszügig dazu – gemessen am Beispiel der Ernst Schweizer Metallbau AG in Hedingen, wo die Relation zwischen tiefstem und höchstem Lohn nur 1:4,5 beträgt. Bei einem Mindestlohn von 4000 Franken im ­Monat dürfte der Chef sich demnach höchs-

tens 18 000 Franken auszahlen. Das ist bei«Meine Freunde und ich sind lange genug von spielhaft! einem freundlichen Parlament verhätschelt Wenigstens jeder Zehnte lebt bei uns auf worden. Es ist Zeit, dass die US-Regierung sehr kleinem Fuss, verdient zu wenig, um ohne Ernst damit macht, allen gemeinsame Opfer Sorgen leben zu können. Dazu zählen Reinigungspersonal, Ein Mindestlohn von 4000 Franken Taxifahrer, Floristinnen, Magaziner, Schneiderinnen, Meist wichtig. Aber auch eine Herab­ chaniker – um nur einige zu setzung der Höchstlöhne. nennen. Als «Working Poor» bezeichnet man jene, deren Lohn nicht zur Existenzsicherung ausreicht. abzuverlangen.» Machen wir uns keine IlluIn den 170 000 betroffenen Haushalten der sionen. Solche «Einsichten» sind selten uneiSchweiz leben 230 000 Kinder. gennützig. Dennoch ist klar: Die Zukunft muss Wenn ein Bankangestellter zwei Jahre nach sozialer und ökologischer werden. Wir wollen abgeschlossener Lehre 3900 Franken verdient, eine Schweiz für alle, statt nur für ein paar dürfte die Gage von CS-CEO Brady Dougan ­wenige. jährlich «nur» 5,6 und nicht 12,8 Millionen Franken (wie 2010) sein. Er könnte also satte bea.heim@parl.ch 7,2 Millionen von seinem «Raubritter-Lohn» kandidiert als Bisherige im Kanton Solothurn in die Erhöhung der Mindestlöhne investieren für den Nationalrat und so dem sozialen Frieden dienen. Eine Feststellung von Warren Buffet, dem drittreichsten Mann der Welt, mag erstaunen:


wahlplattform  Unsere zehn Projekte für alle

knallrot Maria Roth-Bernasconi Nationalrätin und Co-Präsidentin der SP-Frauen Schweiz maria.roth-bernasconi@parl.ch

Gleichstellung hat sich durchgesetzt Ich freue mich über die Erfolge der SP Frauen in der Session, darunter die Einführung des neuen Namensrechts. Dieses verankert die Gleichstellung der Geschlechter – mit dem Prinzip, dass jede Person ab Geburt einen Na­ men trägt und diesen auch behält. Auch wenn er oder sie heiratet oder sich in eine Partner­ schaft eintragen lässt. Trotzdem trägt das neue Recht auch der Tradition Rechnung, indem ein gemeinsamer Familienname gewählt werden kann. Die neue Regelung ist liberal und geht von mündigen Erwachsenen aus. Dass gerade neoliberale Marktverfechter durch diese Vor­ lage die Familie gefährdet sehen, ist mehr als eine lustige Randnotiz. Denn der gemeinsame Familienname und übrigens auch das Verbot des Ehebruchs haben ihren Ursprung im Pri­ vatbesitz. Die eidgenössischen Räte haben auch das explizite Verbot der weiblichen Genitalverstüm­ melung beschlossen. Auch hier sei als Neben­ bemerkung erwähnt, dass der Privatbesitz (an einer Frau) Pate der grausamen Praxis ist. Auch wenn die sexuelle Verstümmelung be­ reits vor der expliziten Nennung strafbar war, haben die SP-Frauen die eigene Strafnorm aus drei Gründen verlangt: Erstens muss der Straftatbestand der Verstümmelung allen be­ kannt sein und darf nicht kulturell relativiert werden können. Zweitens führten bis anhin die verschiedenen Formen einer Verstümmelung zu unterschiedlichen Verfahren: Während die schwerste Form als Offizialdelikt definiert war und damit von Staates wegen verfolgt werden musste, musste die leichteste Form der Ver­ stümmelung eingeklagt werden. Mit der von den Räten verabschiedeten neuen Strafnorm werden diese Verfahrensunterschiede endlich hinfällig. Drittens sollen sexuelle Verstümme­ lungen an in der Schweiz niedergelassenen Frauen geahndet werden, auch wenn die Tat im Ausland begangen wurde. Die beiden Vorlagen sind Meilensteine für die Gleichstellung der Geschlechter. Und auch wenn die Debatte zum Namensrecht von patri­ archalen Verlustängsten geprägt war, hat doch die Abstimmung gezeigt, dass auch in hoch­ emotionalen Fragen Lösungen für alle gefun­ den werden können.

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Auch wegen Mila und Dervil Sie wohnen in der Nachbarschaft. Dervil geht in den Kindergarten, Mila besucht die zweite Klasse. Wenn ihr Vater abends müde nach Hause kommt, beginnt für die Mutter gerade die Schicht als Reinigungsangestellte.  Yvonne Beutler

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Chancengleichheit dank tagesschulen

zudem eine Mahlzeit, welche nicht in erster Linie billig sein muss, sondern ausgewogen und gesund – auch wenn Dervil den Salat nach wie vor nur mit viel Widerwille hinunterwürgt. Mila und Dervil sind der Grund, weshalb ich mich für flächendeckende, freiwillige Tagesschulen einsetze, denn diese Unterstützung sorgt dafür, dass auch Kinder ohne ideale Startbedingungen in der Schule erfolgreich sein können. In Winterthur haben wir unser Ziel erreicht: für jedes Kind, welches schulergänzende Betreuung in Anspruch nehmen möchte, muss ein Platz bereitgestellt werden. Ob an einem anderen Ort ein solches Angebot zur Verfügung steht, ist bei der gültigen Rechtslage je-

Zusammen bringen sie die Familie gerade mal so über die Runden. Weder Mutter noch Vater haben in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld gross Kontakt zu Deutschsprachigen. Ihre Sprachkenntnisse sind entsprechend dürftig. Mila und Dervil besuchen Alle Kinder sollen profitieren können, nun dreimal pro Woche in unabhängig vom Wohnort. der schulfreien Zeit den Hort. Mila bekommt dort Hilfe bei den Hausaufgaben; ihre Mutdoch nach wie vor stark vom Engagement von ter hat neben den sprachlichen SchwierigkeiPrivatpersonen oder der Gemeinde abhängig. ten selber Mühe mit Lesen und Schreiben. Sie Das muss sich ändern, denn von den Vorteilen kann Mila deshalb nicht unterstützen. Dervil der Tagesschulen sollen alle Kinder profitieren geniesst den Kontakt mit den anderen Kindern können, unabhängig vom Wohnort. und spielt mit ihnen am liebsten stundenlang «Loti Karotti» – eine gute Alternative zum TV, der zuhause in der Regel für Unterhaltung ybeutler@yahoo.de sorgt. Kandidiert im Kanton Zürich Dank dem Austausch mit den anderen für den Nationalrat Kindern hat Dervil in kurzer Zeit schon überraschend grosse Fortschritte in seinem deutschen Wortschatz erzielt. Über Mittag gibt es

© Ex-Press

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Freiwillige Tagesschulen: Damit auch Kinder ohne ideale Startbedingungen erfolgreich sein können.


wahlplattform

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Kein goldener Löffel für wenige «Millionen-Erbschaften besteuern für unsere AHV», das ist der Titel unserer Initiative. Damit ist auch schon vieles gesagt.  Jacqueline Badran

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eine erbschaftssteuer für die ahv

erpflichtigen natürlichen Personen betroffen. Der Titel verrät auch den Verwendungszweck. Zwei Drittel der jährlichen Einnahmen von rund drei Milliarden fliessen in die AHV. Damit stärken wir das Sozialwerk und können es auch in Zukunft ohne Erhöhung der Lohnnebenkosten finanzieren. Ein Drittel fliesst an die Kantone und kompensiert die Steuerausfälle, die durch die Abschaffung der kantonalen Erbschaftssteuern an Nichtverwandte entstehen. Die Erbschaftssteuer ist keine neue Steuer, sondern eine Steuerreform.

Die Initiative will grosse Erbschaften besteuern, die ersten zwei Millionen eines Nachlasses bleiben steuerfrei. Damit sind Einfamilienhäuser und Wohnungen, ja sogar MehrfaWir haben die höchste Vermögensmilienhäuser an bester Lage konzentration in der OECD. Eine Erbgeschützt. Relevant ist nämlich der Eigenmietwert, nicht der schaftssteuer wirkt dem entgegen. – höhere – Marktwert. Zudem können Hypothekarschulden in Abzug gebracht werden. Mehr als zwei MilDie Schweiz hat die höchste Vermögenskonlionen können selbst Gutverdienende mit sehr zentration aller OECD-Länder. Das reichste harter Arbeit und Sparsamkeit im Laufe eines Prozent der Steuerzahlenden besitzt gleich viel Erwerbslebens kaum zur Seite legen. Vermögen wie die restlichen 99 Prozent. Das Ab zwei Millionen greift ein einheitlicher ist inakzeptabel und verstösst gegen jegliche Steuersatz von 20 Prozent, was im internatioForm von Chancengleichheit und Leistungsnalen Vergleich moderat ist. Alle umliegenden gerechtigkeit. Eine Erbschaftssteuer wirkt dem Länder sowie England und die USA kennen höentgegen – indem ein kleiner Teil der grossen here Sätze. Bei einem Erbe von drei Millionen Vermögen «rückverteilt» wird. werden also 200 000 Franken oder 6,6 Prozent fällig. Zuwendungen an Ehepartner, registrier➜ www.erbschaftssteuer-reform.ch te gleichgeschlechtliche Partner sowie steuerbefreite juristische Personen – zum Beispiel gejacqueline.badran@zeix.ch meinnützige Stiftungen – sind ausgenommen. ist Mitglied des Initiativkomitees, Ebenso Bauernbetriebe und KMU, sofern sie Zürcher Gemeinderätin und kandidiert im mindestens zehn Jahre weitergeführt werden. Kanton Zürich für den Nationalrat Nach unseren Berechnungen sind von der Erbschaftssteuer nur rund sechs Prozent der steu-

Im Zentralsekretariat der SP Schweiz haben wir per 1. August 2012 eine interessante Lehrstelle als

Kauffrau/Kaufmann E-Profil zu vergeben. Bist du – eine verantwortungsbewusste und kontaktfreudige Persönlichkeit, welche über gute Deutsch- und Französischkenntnisse verfügt? – kommunikativ, teamfähig und am politischen Geschehen interessiert und hast die Sekundarschule oder ein 10. Schuljahr erfolgreich besucht? Wenn du motiviert bist, deine Ausbildung in einem politischen Sekretariat zu absolvieren, schicke deine vollständigen Bewerbungsunterlagen mit Foto und Multicheck bis am 23. Okto­ ber an: SP Schweiz, Gaby Zimmermann, Spitalgasse 34, 3001 Bern, lehrstelle@spschweiz.ch

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SMS-TALK Andrea Bauer Chefredaktorin (neu) Stefan Krattiger Chefredaktor (bisher)

Du bist jetzt also die Neue, hä? Yep. Zuspitzung ist wichtig in diesem Job. Aber ein bisschen geschwätziger musst du dann schon sein. Keine Sorge, ich kann schon. Aber eigentlich soll ja nicht ich schwätzen im links, oder? Ein Punkt für dich... Kommen wir zur Sache: Du bist die neue links-Chefredaktorin. Wolltest du diesen Job eigentlich schon lange? Ich hab auf deinen Job geschielt, seit ich hier arbeite :-) Im Ernst: Ich freue mich extrem! Und du, bereust du’s schon, dass du uns Richtung Berner Volkswirtschaftsdirektion verlässt? He, das ist noch MEINE Ausgabe, da stelle ich die Fragen! Gestatte mir diese eine Frage: Du wirst ja jetzt Beamter – mit einem fetten Gehalt und einem Büro mit Blick auf die Aare. Hast du Angst, jetzt wieder zuzunehmen? Hahaha. Ja, ich habe meinen grauen Anzug vorsichtshalber zwei Nummern grösser gekauft. Zurück zum Thema: Was dürfen deine zukünftigen LeserInnen sonst noch über dich wissen? Also gut: Aufgewachsen in der Agglo von Bern, LehrerInnenseminar, GermanistikStudium, Arbeit als Lektorin, Korrektorin, Redaktorin und Kampagnenmitarbeiterin … Weil du schon 33 bist, hast du was zu erzählen. Du bekommst noch ein SMS, ausnahmsweise. Merci! Zuletzt war ich verantwortlich für die Dachkampagne der SP Schweiz. Und: Meine Sektion ist seit bald 10 Jahren die SP Bern Altstadt Kirchenfeld. Noch Fragen? Gibst du mir deine Handy-Nummer? Moment – sind diese SMS-Interviews etwa Bschiss?! :-o Ubs :-/ Investigativer Journalismus liegt dir offenbar. Viel Erfolg, pass mir gut aufs links auf!


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gespräch

min li marti und andrea sprecher

links 122/Oktober 2011

© SP Schweiz

«Das Schüümli auf dem Kafi»

In zehn Tagen wissen wir, ob sich die Mühen des Wahlkampfs gelohnt haben. «links» hat bei unseren Kampagnenleiterinnen den Puls gefühlt und ist sich nun sicher: Alles wird gut.  Interview: Stefan Krattiger Ich falle gleich mit der Tür ins Haus: Gewinnen wir? Andrea: Ich bin davon überzeugt! Die Zeichen stehen gut. Wir merken das in den Sektionen. Die Stimmung ist viel besser als vor vier Jahren.

läuft nicht jemand im Bahnhof an einem Plakat vorbei und kommt dann spontan auf die Idee, SP zu wählen. So läuft das nicht – sondern über unsere Leute, die mit ihren Freunden und Bekannten diskutieren. Da sind wir auf einem sehr guten Weg!

Damit ist’s aber noch nicht getan… Andrea: Wir sind auch viel aktiver. Und ich habe das Gefühl, dass wir im Moment als Partei Der Slogan kommt an? gut dastehen. Wir haben etwas zu sagen, sind Min Li: Ja, der Slogan und das Plakat kommen die Vernünftigen. Das merken die Leute! sehr gut an! Ich habe sogar schon Grüne dabei Min Li: Ja, das sind zwei wichtige Faktoren. Vor vier Jahren, Wir sagen oft, dass das unser Traumnach dem Wahl-Schocker im Kanton Zürich, war die Parjob sei und das meinen wir auch so. tei regelrecht gelähmt. Jetzt herrscht keine Weltuntergangsstimmung, ganz im Gegenteil. Es muss ertappt, irgendetwas für alle, statt für wenige uns aber gelingen, in der aktuellen Wirtschaftszu fordern. Da mussten dann alle lachen, weil und Frankenkrise unsere Positionen klarzu­ jede und jeder weiss, dass das unser Slogan ist. machen. Andrea: Wir können mit fünf Wörtern sagen, wofür wir stehen. Das gab’s wohl noch nie, ich Und das gelingt? bin wahnsinnig stolz auf diese Partei! Das gibt Min Li: Zuerst wurden wir ausgelacht. Mittlerein Dach und einen Zusammenhalt. Auch das weile setzt man viele unserer Forderungen um. Team im Sekretariat hat tolle Arbeit geleistet. Machen Kampagnen einen Unterschied? Andrea: Das ist natürlich die Gretchenfrage. Natürlich spielt die politische Grosswetterlage eine entscheidende Rolle. Die können wir auch nicht direkt beeinflussen. Aber mit einer guten Kampagne, Präsenz und Sichtbarkeit kann man sicher noch zwei oder drei Prozent rausholen. Und das ist genau die Differenz, die über Wahlerfolg oder -niederlage entscheidet. Min Li: Eine gute Kampagne mobilisiert und motiviert vor allem auch die eigene Basis. Es

Was sagst du Leuten, die sich beklagen, dass sie noch kein Plakat von uns gesehen haben? Andrea: Ich gebe unsere Konto-Nummer an… Min Li: Eine nationale Plakatkampagne, die wirklich sichtbar ist – so wie sie SVP und auch die FDP haben – kostet mindestens eine Million. So viel Geld haben wir einfach nicht. Wir müssen unsere Mittel gezielt und konzentriert einsetzen. Das heisst, dass wir unsere Plakate während einer kurzen Zeitspanne grossflächig aufhängen lassen.

Andrea: Die SP Schweiz und die Kantonalparteien haben für die Plakatkampagne zusammengespannt und so das Maximum rausgeholt. Das ist ebenfalls neu. Das siehst du auf der Strasse deutlich! Natürlich hat die SVP immer noch viel mehr Plakate, aber mehr liegt nun mal nicht drin. Aber wir haben andere Stärken. Was haben wir dann? Andrea: Wir haben die Fähigkeit, Strassenwahlkampf zu machen. Vor der Migros sehe ich die SP, die SP und nochmals die SP. Ab und zu begegnen mir mal noch die SVP und ein paar versprengte Grüne. Aber von der FDP sehe ich nichts. Nur weil Pelli mal durch die Schweiz radelt, ist das noch kein Strassenwahlkampf. Mein Vater geht auch jeden Tag aufs Velo. Min Li: Ich würde es so ausdrücken: Wir sind weniger schlecht als die anderen. Auch wir haben nicht mehr die Strukturen, die wir mal hatten. Die funktionierenden Sektionen und unsere Milieus haben wir zum Teil verloren. Aber ich bin zuversichtlich. Die JUSO ist heute viel aktiver als früher. Wir kommen mit dem «Wiederaufbau» voran! Macht euer Job eigentlich Spass? Min Li: Er macht müde… (lacht) Andrea: Auf dieser Titanic sind wir die Musik (lacht). Ich fühle mich gut, schliesslich wollte ich schon immer einmal eine nationale Kampagne machen. Min Li: Andrea hat eben noch eine Rechnung offen! Ich hingegen habe nur einen guten Ruf zu verlieren (schmunzelt). Wir sagen oft, dass das unser Traumjob sei und das meinen wir auch so. Wir spüren wirklich die moralische Verpflichtung mitzuhelfen, die SP wieder nach oben zu bringen. Jetzt kommt dann langsam der Zeitpunkt, ab dem man nichts mehr machen kann. Dann werde ich dann nervös. Jetzt bin ich es noch nicht. Andrea: Jetzt machen wir noch Schlussmobilisierung. Ich freue mich wahnsinnig auf das, was noch kommt. Das ist das «Schüümli» auf dem Kafi. Jetzt kommt dieses Toyota-Feeling auf: Nichts ist unmöglich!

Andrea über Min Li Min Li ist eine der besten politischen Spürnasen, die wir im Moment haben! Ihre spontanen Ein­ schätzungen von politischen Situationen sind zu 99 Prozent richtig. Min Li über Andrea Andrea kann einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen. Sie kann sogar meine bescheidenen Prognose-Fähigkeiten anpreisen. Wir arbeiten einfach sehr gerne zusammen.


links 122/Oktober 2011

23. Oktober Eidgenössische Wahlen Gemeinsames Wahlfest der SP Schweiz und der SP Kanton Bern ab 14 Uhr in der Aula des «Progr» am Waisenhausplatz 30 in Bern 2. Dezember Koordinationskonferenz in Luzern 3. Dezember Delegiertenversammlung in Luzern 14. Dezember Bundesratswahlen

Wählen, aber richtig! Majorz, Proporz, Kumulieren, Panaschieren – gar nicht so ein­ fach, beim Wählen alles richtig zu machen. Weil’s aber schade wäre, wenn deine Stimme für die SP plötzlich gar nicht zählt, greifen wir dir mit unserer Wahl­ anleitung unter die Arme: Schritt für Schritt wird erklärt, wie’s funk­ tioniert – in neun Sprachen. www.spschweiz.ch/waehlen

IMPRESSUM Herausgeber SP Schweiz und Verein SP-Info, Spitalgasse 34, 3001 Bern, Telefon 031 329 69 69 Fax 031 329 69 70 Erscheint 9 Mal pro Jahr Auflage 43 310 (Wemf) Abonnementspreise Für Mitglieder der SP Schweiz gratis Adressänderungen/Abos: linksabo@spschweiz.ch Redaktion Stefan Krattiger (Chefredaktion), Barbara Berger (SP-Frauen), Niklaus Wepfer (SP Kanton Solo­ thurn), Simon Saner (SP Basel-Stadt), Ruedi Brassel (SP Baselland), Daniel Furter (SP Kan­ ton Bern), Katharina Kerr (SP Kanton Aargau), Pascal Ludin (SP Kanton Luzern), Susanne Oberholzer (SP Kanton ­Thurgau), Leyla Gül (SP Stadt Bern), Urs Geiser (Korrektor) E-Mail Redaktion stefan.krattiger@spschweiz.ch Gestaltungskonzept muellerluetolf.ch Produktion Atelier Kurt Bläuer, Bern Druck Ringier Print Adligenswil AG Postfach 3739, 6002 Luzern Anzeigen Kilian Gasser, Medienvermarktung GmbH Hellgasse 12, 6460 Altdorf Telefon 041 871 24 46, Fax 041 871 24 47 kg@kiliangasser.ch Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 3.10. Redaktionsschluss nächste Ausgabe: 31.10.

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agenda

Kaffeesatz und Tea Parties

­ Das Bildungsinstitut der Gewerkschaften

D2.5.1101 Wann ist es Mobbing? Inhalt: Ursachen und Verlauf von Mobbing, rechtliche Aspekte, Mass­ nahmen gegen Mobbing, Früh­ erkennung. Mi, 19.10. in Luzern. ­Referentin: Rosmarie Siegenthaler­ (Erwachsenenbildnerin). D2.2.1104 Einführung ins Arbeitsrecht Inhalt: Einzelarbeitsvertragsrecht, Gesamtarbeitsvertragsrecht, Arbeits­ zeit, Kündigung, Gleichstellung. Do/ Fr, 27./28.10. in Olten. Referent: Thomas­Gabathuler (Rechtsanwalt). D2.1.1108 Der Service public und die ­Herausforderungen der Zukunft Inhalt: Bedeutung des Service public, Ursachen des Abbaus, Standortbestimmung, Arbeitneh­ merschutz versus Konsumen­ tenschutz, die Zukunftsvisionen­ der Gewerkschaften. Do/Fr, 10./11.11. in Vitznau. Referenten: Stefan­­Giger (vpod), Jérôme ­Hayoz (SEV), Franz Schori (Syndicom). D2.5.1103 Bewerbungsdossier und ­Bewerbung optimieren Inhalt: Ablauf einer Bewerbung, Inhalt des Bewerbungsdossiers, Stelleninserate interpretieren, Bewerbungsbriefe, Lebensläu­ fe, Vorstellungsgespräch. Do/Fr, 24./25.11. in Winterthur. Referent: Christoph Dengler (S&B Institut). Die Kosten werden für Gewerk­ schaftsmitglieder meistens von der Gewerkschaft getragen. Mit deiner Anmeldung klären wir die Kostenfra­ ge ab. SP-Mitglieder, die nicht Ge­ werkschaftsmitglied sind, profitieren vom reduzier­ten Tarif. Zudem kann bei Monika Bolliger (monika.bolliger @spschweiz.ch, 031 329 69 91) finan­ zielle Unterstützung beantragt wer­ den. Anmeldung: Online: www.movendo.ch Mail: info@movendo.ch Telefon: 031 370 00 70 Fax: 031 370 00 71

Nicolas Galladé Winterthurer Stadtrat und ehemaliger Leiter der «campa07» bei der SP Schweiz

«Hast du ein gutes Gefühl für den 23. Oktober?», werde ich dieser Tage oft gefragt. Obwohl ich keine Kristallkugel besitze und auch nicht kaffeesatzlesen kann, kann ich klar sagen: «ja». Zwar waren die vergangenen vier Jahre für die SP schwieriger als jene in der Legislatur zuvor. Das spielt aber keine Rolle. Denn bei den eidgenössischen Wahlen geht es ähnlich wie bei einem sportlichen Wettkampf darum, am Tag X in Form zu sein. Was nützt es, wenn eine Leichtathletin Meeting für Meeting starke Leistungen erbringt und am Tag der Entscheidung bei den olympischen Spielen nicht in Form ist? In meiner Kindheit waren die Deutschen im Fussball die klassische Turniermannschaft: Nach harzigem Start wurstelten sie sich durchs Turnier, steigerten sich von Match zu Match und landeten praktisch immer auf den Top-Rängen. Und bei der letzten WM siegte am Schluss mit Spanien ein Team, das sein Startspiel verloren hatte. Gegen die Schweiz, notabene. Im Gegensatz zur vorangegangenen Legislatur sind wir dieses Mal schlecht gestartet – bei den kantonalen Wahlen und in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Wahljahr hat der Wind aber gekehrt. Das Momentum spricht für die SP. Eine Momentaufnahme zeigt: Der Atomausstieg ist beschlossene Sache. Der Cleantech-Bereich die Zukunftsbranche unserer Wirtschaft. Steuervorlagen fallen neuerdings an der Urne in verblüffender Regelmässigkeit zu unseren Gunsten aus. Mit der Kampfjet-Zwängerei politisieren die bürgerlichen Bruchpiloten am Volk vorbei. Im arabischen Raum, in Israel und in halb Europa protestiert die Bevölkerung gegen die Günstlingswirtschaft für ein paar wenige und für eine Politik für alle. In Amerika fordern Milliardäre höhere Steuern für Ihresgleichen und die Einführung einer Erbschaftssteuer. Und während die Tea Party allmählich zu Ende geht, empört sich der amerikanische Wutbürger, indem er die Wallstreet besetzt und den Kapitalismus ins Visier nimmt. Kurz: Im Herbst 2011 steht die Welt da, wo die SP ist. Nutzen wir diese Ausgangslage. Sorgen wir dafür, dass die Wahlcouverts den Weg in die Wahlurne finden. Mobilisieren wir unser Umfeld. Damit wir eine gute Ausgangslage für die kommenden vier Jahre schaffen – und wir am 23. Oktober eine Party feiern können. Ohne Tea.


SPINAS CIVIL VOICES

WO ES WASSER GIBT, WERDEN DIE KINDER SATT. In Entwicklungsl채ndern ist jedes vierte Kind unterern채hrt. Dagegen hilft Wasser. Denn wo es Wasser gibt, wachsen Getreide, Obst und Gem체se. Mit Ihrer Spende bew채ssern wir Felder. Und der Hunger verschwindet.

Jetzt per SMS 10 Franken spenden: Wasser 10 an 488.

links, 122, Oktober 2011  

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