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Nr. 4, November 2011

Das Magazin zur Energiewende in der Schweiz

Foto: Solar Agentur Schweiz / Schweizer Solarpreis 2011

Der Industriebau der Firma Peter Schibli, Heizplan AG in Gams, ist auch ein Kraftwerk. Es produziert viereinhalbmal so viel Energie, wie zum Betrieb benötigt wird.

Bauen für das 21. Jahrhundert von Hildegard Fässler, Nationalrätin und Präsidentin Hausverein Schweiz

Beim Umbau unserer Energieversorgung, die ohne Atomkraft auskommt, sind Energieeffizienz und Energiesparen tragende Pfeiler. Ein grosses Potenzial liegt bei den Wohn-, Büro und Industriebauten, denn über 40 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz werden noch immer für den Betrieb von Gebäuden aufgewendet, nämlich rund 125 Terawattstunden (TWh) pro Jahr. Mit intelligenten Sanierungen und vor allem mit Neubauten, die nach dem neuesten Stand der Technik erstellt werden, könnten wir mehrere Dutzend TWh im Jahr einsparen. Zum Vergleich: Das AKW Gösgen produzierte 2010 insgesamt 8 TWh.

len (via thermische Sonnenkollektoren, solarbetriebene Wärmepumpen, Abwasser-Wärmepumpen, Fotovoltaik usw.) genutzt werden.

Gebäude als Kraftwerke

In rheintalischen Gams steht seit Kurzem ein Plusenergie-Industriebau. Das Spezielle an diesem Gebäude sind die Fassaden: An der Südfassade sind monokristalline Solarzellen, an der Ostfassade amorphe Dünnschichtzellen angebracht, die zusammen rund 13 100 Kilowattstunden Strom im Jahr (kWh/a) liefern. Auf dem Flachdach ist zusätzlich eine FotovoltaikAnlage mit leicht schräg gestellten

Wohn- und Industriegebäude können heute sogar mehr Energie liefern, als sie verbrauchen. Diese sogenannten Plusenergie-Häuser sind eigentliche kleine Kraftwerke. Der Plusenergie-Standard wird durch drei Faktoren erreicht:

1. Energie ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen Für Heizwärme, Warmwasser und Strom dürfen nur erneuerbare Quel-

2. Energieeffiziente Bauweise Die Gebäudehülle ist optimal gedämmt (inkl. Dreifachverglasung). Fassaden und Balkonbrüstungen können mit Fotovoltaik-Modulen verkleidet werden.

3. Energieeffiziente Gebäudetechnik Einsatz von Haushaltgeräten möglichst der Energieeffizienzklasse A, stromsparende Beleuchtung (z.B. mit neuester LED-Technik), energieeffiziente Sanitäranlagen.

monokristallinen Modulen installiert. Sie liefert rund 37 000 kWh/a. Dazu kommen zwei Fotovoltaik-Tracker, die ähnlich wie Sonnenblumen dem Sonnenstand folgen. Die Produktions- und Montagewerkstatt ist zudem mit einer thermischen Solaranlage und mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Der ganze Bau benötigt rund 13 000 kWh/a, produziert aber das Viereinhalbfache (über 58 000 kWh/a) an Strom.

Plusenergie sogar für Altbauten Der Schweizer Solarpreis zeigt eindrücklich, dass nicht nur neue Wohnhäuser und Industriebauten als Plusenergie-Bauten funktionieren, sondern sogar sanierte Altbauten. So wurde 2010 ein rund 55-jähriges Wohnhaus in Vaduz ausgezeichnet, das nach der Erneuerung den Plusenergie-Standard erreicht. Vor der Sanierung verbrauchte es mit 139 Quadratmetern Wohnfläche 50 200 kWh/a Strom, nach der Sanierung bei einer Wohnfläche von 220 Quadratmetern lediglich noch knapp 7000 kWh/a. Die Fotovoltaik-Anlage liefert sogar noch 5700kWh/a Solarstrom ins Netz. Die Möglichkeiten der Plusenergie-Technik sind gross. Wir sollten sie nutzen. Wir telefonieren ja auch nicht mehr mit dem Wandtelefon und rechnen auch nicht mehr mit dem Rechenschieber.

Monteure installieren Fotovoltaik-Module. Lediglich 12 Quadratmeter Dach- und Fassadenfläche braucht es pro Person, um die Hälfte des Schweizer Atomstroms durch Solarstrom zu ersetzen. Bis 2025 wäre das möglich.

Der Atomausstieg gelingt mit Sonne & Co.

Meine Umwelt ist mir etwas wert Wenn Sie die umweltpolitischen Projekte der SP Schweiz unterstützen und «sonnenklar!» vierteljährlich erhalten wollen, senden Sie bitte Ihre Adresse an sonnenklar@spschweiz.ch

Impressum sonnenklar! Herausgeberin: SP Schweiz, Postfach, 3011 Bern, sonnenklar@spschweiz.ch. Redaktion: Pierre Bonhôte, alt Ständerat; Thomas Christen, Generalsekretär; Chantal Gahlinger, politische Fachsekretärin; Reto Gamma, Projektleiter Fundraising; Beat Jans, Nationalrat; Barbara Marty Kälin, alt Nationalrätin; Roger Nordmann, Nationalrat; Eric Nussbaumer, Nationalrat; Gisèle Ory, Regierungsrätin; Rudolf Rechsteiner, alt Nationalrat; Doris Stump, Nationalrätin; Ursula Wyss, Nationalrätin. Redaktionelle Bearbeitung und Produktion: Gallati Kommunikation, Zürich. Gestaltung: Purpur AG für Publishing und Communication, Zürich. Druck: Abächerli Druck AG, Sarnen. sonnenklar! erscheint viermal im Jahr in Deutsch und Französisch. Postkonto: 30-665681-6, sonnenklar!, 3001 Bern.

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Foto: Keystone

Über 40 Prozent der Energie wird in der Schweiz für den Betrieb von Gebäuden verbraucht. Soll die Energieversorgung in Zukunft ohne Atomenergie auskommen, ist das grosse Potenzial bei den Gebäuden zu nutzen. Plusenergie-Häuser liefern sogar mehr Energie, als sie selber benötigen.

von Roger Nordmann, Nationalrat und Präsident Swissolar

von David Stickelberger, Geschäftsführer Swissolar Gedruckt auf FSCzertifiziertem Papier, SQS-COC-2086 «FSC Trademark 1996, Forest Stewardship Council A. C.»

Die Herbstsession gab Anlass zur Freude. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat dem Atomausstieg deutlich zugestimmt. Die CVPRatsvertreterInnen liessen ihre Bundesrätin nicht im Stich. Bei den Massnahmen zur Umsetzung der Energiewende war das Stöckli leider einiges zurückhaltender als der Erstrat. Das Verbot von Elektroheizungen etwa wurde nicht angenommen. Mit 21:20 Stimmen wurde jedoch die Aufhebung des Deckels bei der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) beschlossen. Nun müssen wir dafür sorgen, dass nach den Wahlen dieser Elan nicht verloren geht. Die Gefahr

droht, dass die knappe Zeit bis zur Stilllegung der AKW nicht sinnvoll genutzt wird und so Sachzwänge für Gaskraftwerke geschaffen werden. Nötig ist dies keinesfalls, wenn jetzt die Weichen entschieden in Richtung Effizienz und erneuerbare Energien gestellt werden.

Solarenergie ist entscheidend Die Solarenergie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Gemäss den Berechnungen von Swissolar könnten Fotovoltaik-Anlagen auf Gebäuden bereits 2025 die Hälfte unseres Atomstroms ersetzen, was 20 Prozent unseres Strombedarfs

entspricht. Dazu braucht es eine Modulfläche von nur 12 Quadratmetern pro EinwohnerIn (siehe Grafik auf Seite 2) oder insgesamt 90 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es rund 200 Quadratkilometer für Solarenergie besonders geeignete Dach- und Fassadenflächen in der Schweiz. Damit wird auch klar, dass längerfristig noch sehr viel mehr Solarstrom in der Schweiz produziert werden könnte, ohne Grünflächen zu belegen – neben Gebäuden stehen auch noch Lärmschutzwände, Lawinenverbauungen und weitere Anlagen als potenzielle Träger von Fotovoltaik-Modulen zur Verfügung.

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Doch zurück zum Zwischenziel für 2025: Zu dessen Erreichung müssten jährlich durchschnittlich sechs Quadratkilometer neue Modulflächen geschaffen werden. Die Hälfte davon könnte besonders kosteneffizient auf Neubauten installiert werden – so gross ist nämlich die jährlich erstellte Gebäudefläche. Für die Finanzierung gilt es, das bewährte Instrument der KEV weiter auszubauen. Die Belastung für die StromkonsumentInnen würde vorübergehend auf maximal 2,85 Rappen pro konsumierte Kilowattstunde ansteigen und nach 2025 wieder sinken – die Anlagen sind dann erstellt und produzieren während mindestens 30 Jahren Strom zum Nulltarif. Für einen Durchschnittshaushalt entspricht dieser Aufschlag weniger als 10 Franken pro Monat.

Neue Fachleute sind gefragt Mit Geld allein ist es jedoch nicht getan. Es braucht zusätzliche Fachleute – bis zu 5000 gemäss unseren Schätzungen, die ausgebildet werden müssen. Angewandte Forschung und Entwicklung müssen weiter vorangetrieben werden, um Fotovoltaik-Anlagen noch günstiger und noch einfacher in Gebäude integrierbar zu machen. Und es braucht Information und Beratung für Bauherrschaften, die ihr Haus in ein Kraftwerk umbauen möchten. Ebenso wichtig ist es, unser Stromnetz an die neuen Gegebenheiten anzupassen: Grosse Kraftwerke fallen weg, viele kleine ProduzentInnen kommen hinzu, die sinnvoll aufeinander sowie auf die VerbraucherInnen abgestimmt werden müssen. Mit Kollektoren erzeugte Solarwärme könnte ausserdem einen grossen Teil unseres Wärmebedarfs abdecken. Auch das hat etwas mit AKW-Ersatz zu tun, denn Elektroboiler und Elektroheizungen sind für über 10 Prozent unseres Strombedarfs verantwortlich. Mindestens die Hälfte des Warmwasserbedarfs kann bei Neubauten und nach Sanierungen mit der Sonne produziert werden. Auch diese Technologie gilt es vermehrt zu fördern, denn nach mehreren Wachstumsjahren stagniert der Kollektormarkt zurzeit. Die Solarenergie kann ein zentraler Bestandteil unserer zukünftigen sicheren, sauberen und erneuerbaren Energieversorgung sein. Aber nur dann, wenn wir jetzt die richtigen Massnahmen ergreifen. Damit das geschieht, hat Swissolar eine Petition lanciert, die vor der Wintersession dem neuen Parlament überreicht wird. Ein erster Schritt kann und muss rasch erfolgen: Die Freigabe von KEV-Mitteln für die über 11 000 Fotovoltaik-Anlagen auf der KEV-Warteliste, die zusammen jährlich über 350 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren könnten – etwa so viel wie Mühleberg in 5 Wochen!

Frisst die Sonnenenergie Land? Anteil pro EinwohnerInnen der Schweiz an der Landesfläche: 4712 m2. Eine PV-Modulfläche von 12 m2 pro Kopf könnte 20 Prozent unseres Stromverbrauchs decken.

Rest 1386 m 2

davon 380 m 2 Siedlungsfläche 12 m 2 PV Modulfläche pro Kopf Landwirtschaft 1902 m 2

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Wald 1424 m 2

Millionen Franken jährlich): Damit werden rund 30 000 Arbeitsplätze in der Sanierungsbranche und 10 000 in der Entwicklung sauberer Gebäudetechnik geschaffen. Auch im Dienstleistungssektor entstehen neue Arbeitsplätze. ■ Beschleunigte Entwicklung der nachhaltigen Mobilität durch die Stärkung des öffentlichen und des Langsamverkehrs: Damit werden rund 20 000 Arbeitsplätze im öffentlichen Verkehr, bei der Herstellung von Bahnmaterial sowie bei der Elektrifizierung geschaffen.

Liebe Doris – herzlichen Dank für dein grosses Engagement! Mit Doris Stump tritt eine engagierte und kompetente Politikerin aus der Bundespolitik zurück. Doris war seit 1995 Nationalrätin aus dem Kanton Aargau und hatte Einsitz in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, wo sie sich beharrlich für die Umwelt, für erneuerbare Energien und für eine nachhaltige Raumplanungspolitik einsetzte. Sie hat früh die Gefährlichkeit des Feinstaubs erkannt und eine konsequente Lärmschutzpolitik gefordert. Mit viel Fachkenntnis hat sie die komplexen Fragen der Raumplanung über lange Zeit verfolgt. Sie war zudem Mitglied der schweizerischen Delegation in der Interparlamentarischen Union und der schweizerischen Delegation im Europarat, wo sie sich für Gleichstellungspolitik einsetzte. Seit 2001 engagiert sich Doris im eFeF-Verlag (www.efefverlag.ch) für die Publikation von Schweizer Autorinnen und Texten aus dem Bereich Gender Studies. Von den frei werdenden zeitlichen Ressourcen werden die Verlagsarbeiten sicher profitieren. Wir freuen uns darauf!

Die Cleantech-Initiative der SP Schweiz ist zustande gekommen. Für die Arbeitnehmerorganisation Travail.Suisse kommt sie zum richtigen Zeitpunkt. Neben dem Ersatz von fossiler Energie schafft sie über 100 000 neue Arbeitsplätze.

Cleantech-Initiative: Saubere Energieversorgung und neue Arbeitsplätze

Herzlich, Chantal Gahlinger

Arbeitskreis «sonnenklar!» Der Arbeitskreis «sonnenklar!» will die Energie- und Umweltpolitik der SP Schweiz bekannt machen und umsetzen. Er setzt sich aus Energie- und Umweltfachleuten der SP-Fraktion der Bundesversammlung sowie weiteren interessierten Fachleuten zusammen. Die Spendeneinnahmen von «sonnenklar!» werden zweckgebunden für politische Kampagnen und Projekte in der Energieund Umweltpolitik eingesetzt. Bisher wurden folgende Vorhaben und Organisationen mit finanziellen Beiträgen unterstützt: R Einsprache gegen das Gesuch um eine unbefristete Betriebsbewilligung des AKW Mühleberg 2009 R Klima-Initiative, die von der SP mitlanciert wurde (www.klimainitiativeja.ch) R Allianz «Nein zu neuen AKW» und Verein Klima-Initiative R SP-Energiegipfel «erneuerbar statt atomar» vom 22.9.2007 R Erarbeitung des Perspektivpapiers der SP Schweiz «Sicher und effizient umsteigen: Unterwegs zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien» R «KLAR! Schweiz» für die Unterstützung der Expertise von John Large zum so genannten Entsorgungsnachweis der Nagra R Finanzierung des juristischen Gutachtens «Mitsprache beim Bau neuer AKW»

von Josiane Aubert, Nationalrätin und Vizepräsidentin von Travail.Suisse

In den letzten Jahren hat die Schweiz den Kurswechsel bei den erneuerbaren Energien verpasst und ihre Vorreiterrolle eingebüsst. Der Cleantech-Masterplan des Bundesrates zeigt dieses Versäumnis klar und deutlich auf: Rückgang der Cleantech-Patente und unter der durchschnittlichen Exportquote der Schweiz liegende Cleantech-Ausfuhren – während der weltweite Cleantech-Markt einen kometenhaften Aufstieg erlebt.

Saubere Technologien sind im Kommen Die Atomkatastrophe in Japan verstärkt die steigende Nachfrage nach sauberer Energie weltweit. Der Atomausstieg ist in mehreren Ländern absehbar – daraus entstehen massive zusätzliche Investitionen in die Energieeffizienz und die Entwicklung erneuerbarer Energien. Am stärksten davon profitieren werden diejenigen Länder, die

im Bereich Cleantech an vorderster Front dabei sind. Die Schweiz muss hier ihre Anstrengungen verdoppeln, um erneut eine führende Rolle einzunehmen. So ist die Cleantech-Initiative ein ideales Mittel, die Energiepolitik noch viel stärker als heute auf die Entwicklung erneuerbarer Energien und auf Energieeffizienz auszurichten. Für Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170 000 Arbeitnehmenden in der Schweiz, ist dies äusserst bedeutsam, da es sich um ein grundlegendes Erneuerungsprogramm sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht handelt. Es fördert die energieorientierte Innovation und schafft Zehntausende zusätzliche, hauptsächlich hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Schweiz. Damit kann der Arbeitsplatzverlust in anderen Sektoren kompensiert werden.

Initiative belebt den Arbeitsmarkt Die Cleantech-Initiative stimuliert die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bau, in der Industrie und im Dienstleistungssektor, da ihre Umsetzung verschiedene Massnahmen erfordert. Zum Beispiel:

■ Aufhebung der Plafonierung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV): Damit werden rund 5000 zusätzliche Arbeitsplätze, hauptsächlich in der Fotovoltaik, geschaffen. ■ Erhöhung der Mittel um 100 Millionen Franken pro Jahr zur Förderung sauberer Energien (Demo-Anlagen, Pilotprojekte, Unterstützung von Start-ups usw.). ■ Verlängerung des Gebäudesanierungsprogramms des Bundes bis 2030 und Erhöhung der verfügbaren Mittel (geschätzt 300 bis 600

■ Mit den für Cleantech zusätzlich zur Verfügung gestellten Mitteln könnte die schweizerische Exportindustrie Marktanteile zurückgewinnen. Die Anzahl zusätzlicher Arbeitsplätze dürfte sich auf rund 25 000 belaufen, wovon die Maschinenindustrie am stärksten profitieren sollte. ■ Weiter entstehen Arbeitsplätze in der Forschung und im Innovationstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Cleantech ist damit eine der wichtigsten Quellen für künftige Arbeitsplätze und sie garantiert eine gesellschaftliche Entwicklung, in der Lebensqualität in einer gesunden Umwelt höchste Priorität geniesst. Die Arbeitnehmenden sind daher sehr an dieser Technologiewende interessiert, die ein Muss ist für das Wohl der kommenden Generationen. Mit der Cleantech-Initiative verfügen wir über ein Werkzeug, mit dem wir politische Weichenstellungen beeinflussen können, die zügiger und noch fundamentaler als zuvor angegangen werden müssen – die Katastrophe in Japan hat dies nur zu gut gezeigt. Die Zeit drängt, handeln wir jetzt!

Cleantech-Initiative schafft über 100 000 Arbeitsplätze Die SP Schweiz hat ihre Cleantech-Initiative am 6. September 2011 mit 106 000 gültigen Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Zeitgleich erschien eine Studie der Universität Lausanne, welche die SP in Auftrag gegeben hat. Diese belegt die positiven Auswirkungen der Initiative auf den Schweizer Arbeitsmarkt: Die in der Initiative festgelegten Massnahmen generieren bis 2030 einen Mehrwert von 21 bis 26 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Steigerung des geschätzten schweizerischen BIP von 2030 um 2 bis 2,4 Prozent. Die Studie geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren zwischen 136 000 und 167 000 neue Arbeitsplätze im Cleantech-Bereich geschaffen werden können. Die SP-Initiative wird die Energiewende in den kommenden politischen Debatten voranbringen, erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen fördern und das Ende der Atomkraft beschleunigen.

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Doch zurück zum Zwischenziel für 2025: Zu dessen Erreichung müssten jährlich durchschnittlich sechs Quadratkilometer neue Modulflächen geschaffen werden. Die Hälfte davon könnte besonders kosteneffizient auf Neubauten installiert werden – so gross ist nämlich die jährlich erstellte Gebäudefläche. Für die Finanzierung gilt es, das bewährte Instrument der KEV weiter auszubauen. Die Belastung für die StromkonsumentInnen würde vorübergehend auf maximal 2,85 Rappen pro konsumierte Kilowattstunde ansteigen und nach 2025 wieder sinken – die Anlagen sind dann erstellt und produzieren während mindestens 30 Jahren Strom zum Nulltarif. Für einen Durchschnittshaushalt entspricht dieser Aufschlag weniger als 10 Franken pro Monat.

Neue Fachleute sind gefragt Mit Geld allein ist es jedoch nicht getan. Es braucht zusätzliche Fachleute – bis zu 5000 gemäss unseren Schätzungen, die ausgebildet werden müssen. Angewandte Forschung und Entwicklung müssen weiter vorangetrieben werden, um Fotovoltaik-Anlagen noch günstiger und noch einfacher in Gebäude integrierbar zu machen. Und es braucht Information und Beratung für Bauherrschaften, die ihr Haus in ein Kraftwerk umbauen möchten. Ebenso wichtig ist es, unser Stromnetz an die neuen Gegebenheiten anzupassen: Grosse Kraftwerke fallen weg, viele kleine ProduzentInnen kommen hinzu, die sinnvoll aufeinander sowie auf die VerbraucherInnen abgestimmt werden müssen. Mit Kollektoren erzeugte Solarwärme könnte ausserdem einen grossen Teil unseres Wärmebedarfs abdecken. Auch das hat etwas mit AKW-Ersatz zu tun, denn Elektroboiler und Elektroheizungen sind für über 10 Prozent unseres Strombedarfs verantwortlich. Mindestens die Hälfte des Warmwasserbedarfs kann bei Neubauten und nach Sanierungen mit der Sonne produziert werden. Auch diese Technologie gilt es vermehrt zu fördern, denn nach mehreren Wachstumsjahren stagniert der Kollektormarkt zurzeit. Die Solarenergie kann ein zentraler Bestandteil unserer zukünftigen sicheren, sauberen und erneuerbaren Energieversorgung sein. Aber nur dann, wenn wir jetzt die richtigen Massnahmen ergreifen. Damit das geschieht, hat Swissolar eine Petition lanciert, die vor der Wintersession dem neuen Parlament überreicht wird. Ein erster Schritt kann und muss rasch erfolgen: Die Freigabe von KEV-Mitteln für die über 11 000 Fotovoltaik-Anlagen auf der KEV-Warteliste, die zusammen jährlich über 350 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren könnten – etwa so viel wie Mühleberg in 5 Wochen!

Frisst die Sonnenenergie Land? Anteil pro EinwohnerInnen der Schweiz an der Landesfläche: 4712 m2. Eine PV-Modulfläche von 12 m2 pro Kopf könnte 20 Prozent unseres Stromverbrauchs decken.

Rest 1386 m 2

davon 380 m 2 Siedlungsfläche 12 m 2 PV Modulfläche pro Kopf Landwirtschaft 1902 m 2

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Millionen Franken jährlich): Damit werden rund 30 000 Arbeitsplätze in der Sanierungsbranche und 10 000 in der Entwicklung sauberer Gebäudetechnik geschaffen. Auch im Dienstleistungssektor entstehen neue Arbeitsplätze. ■ Beschleunigte Entwicklung der nachhaltigen Mobilität durch die Stärkung des öffentlichen und des Langsamverkehrs: Damit werden rund 20 000 Arbeitsplätze im öffentlichen Verkehr, bei der Herstellung von Bahnmaterial sowie bei der Elektrifizierung geschaffen.

Liebe Doris – herzlichen Dank für dein grosses Engagement! Mit Doris Stump tritt eine engagierte und kompetente Politikerin aus der Bundespolitik zurück. Doris war seit 1995 Nationalrätin aus dem Kanton Aargau und hatte Einsitz in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, wo sie sich beharrlich für die Umwelt, für erneuerbare Energien und für eine nachhaltige Raumplanungspolitik einsetzte. Sie hat früh die Gefährlichkeit des Feinstaubs erkannt und eine konsequente Lärmschutzpolitik gefordert. Mit viel Fachkenntnis hat sie die komplexen Fragen der Raumplanung über lange Zeit verfolgt. Sie war zudem Mitglied der schweizerischen Delegation in der Interparlamentarischen Union und der schweizerischen Delegation im Europarat, wo sie sich für Gleichstellungspolitik einsetzte. Seit 2001 engagiert sich Doris im eFeF-Verlag (www.efefverlag.ch) für die Publikation von Schweizer Autorinnen und Texten aus dem Bereich Gender Studies. Von den frei werdenden zeitlichen Ressourcen werden die Verlagsarbeiten sicher profitieren. Wir freuen uns darauf!

Die Cleantech-Initiative der SP Schweiz ist zustande gekommen. Für die Arbeitnehmerorganisation Travail.Suisse kommt sie zum richtigen Zeitpunkt. Neben dem Ersatz von fossiler Energie schafft sie über 100 000 neue Arbeitsplätze.

Cleantech-Initiative: Saubere Energieversorgung und neue Arbeitsplätze

Herzlich, Chantal Gahlinger

Arbeitskreis «sonnenklar!» Der Arbeitskreis «sonnenklar!» will die Energie- und Umweltpolitik der SP Schweiz bekannt machen und umsetzen. Er setzt sich aus Energie- und Umweltfachleuten der SP-Fraktion der Bundesversammlung sowie weiteren interessierten Fachleuten zusammen. Die Spendeneinnahmen von «sonnenklar!» werden zweckgebunden für politische Kampagnen und Projekte in der Energieund Umweltpolitik eingesetzt. Bisher wurden folgende Vorhaben und Organisationen mit finanziellen Beiträgen unterstützt: R Einsprache gegen das Gesuch um eine unbefristete Betriebsbewilligung des AKW Mühleberg 2009 R Klima-Initiative, die von der SP mitlanciert wurde (www.klimainitiativeja.ch) R Allianz «Nein zu neuen AKW» und Verein Klima-Initiative R SP-Energiegipfel «erneuerbar statt atomar» vom 22.9.2007 R Erarbeitung des Perspektivpapiers der SP Schweiz «Sicher und effizient umsteigen: Unterwegs zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien» R «KLAR! Schweiz» für die Unterstützung der Expertise von John Large zum so genannten Entsorgungsnachweis der Nagra R Finanzierung des juristischen Gutachtens «Mitsprache beim Bau neuer AKW»

von Josiane Aubert, Nationalrätin und Vizepräsidentin von Travail.Suisse

In den letzten Jahren hat die Schweiz den Kurswechsel bei den erneuerbaren Energien verpasst und ihre Vorreiterrolle eingebüsst. Der Cleantech-Masterplan des Bundesrates zeigt dieses Versäumnis klar und deutlich auf: Rückgang der Cleantech-Patente und unter der durchschnittlichen Exportquote der Schweiz liegende Cleantech-Ausfuhren – während der weltweite Cleantech-Markt einen kometenhaften Aufstieg erlebt.

Saubere Technologien sind im Kommen Die Atomkatastrophe in Japan verstärkt die steigende Nachfrage nach sauberer Energie weltweit. Der Atomausstieg ist in mehreren Ländern absehbar – daraus entstehen massive zusätzliche Investitionen in die Energieeffizienz und die Entwicklung erneuerbarer Energien. Am stärksten davon profitieren werden diejenigen Länder, die

im Bereich Cleantech an vorderster Front dabei sind. Die Schweiz muss hier ihre Anstrengungen verdoppeln, um erneut eine führende Rolle einzunehmen. So ist die Cleantech-Initiative ein ideales Mittel, die Energiepolitik noch viel stärker als heute auf die Entwicklung erneuerbarer Energien und auf Energieeffizienz auszurichten. Für Travail.Suisse, die unabhängige Dachorganisation von 170 000 Arbeitnehmenden in der Schweiz, ist dies äusserst bedeutsam, da es sich um ein grundlegendes Erneuerungsprogramm sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht handelt. Es fördert die energieorientierte Innovation und schafft Zehntausende zusätzliche, hauptsächlich hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Schweiz. Damit kann der Arbeitsplatzverlust in anderen Sektoren kompensiert werden.

Initiative belebt den Arbeitsmarkt Die Cleantech-Initiative stimuliert die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bau, in der Industrie und im Dienstleistungssektor, da ihre Umsetzung verschiedene Massnahmen erfordert. Zum Beispiel:

■ Aufhebung der Plafonierung der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV): Damit werden rund 5000 zusätzliche Arbeitsplätze, hauptsächlich in der Fotovoltaik, geschaffen. ■ Erhöhung der Mittel um 100 Millionen Franken pro Jahr zur Förderung sauberer Energien (Demo-Anlagen, Pilotprojekte, Unterstützung von Start-ups usw.). ■ Verlängerung des Gebäudesanierungsprogramms des Bundes bis 2030 und Erhöhung der verfügbaren Mittel (geschätzt 300 bis 600

■ Mit den für Cleantech zusätzlich zur Verfügung gestellten Mitteln könnte die schweizerische Exportindustrie Marktanteile zurückgewinnen. Die Anzahl zusätzlicher Arbeitsplätze dürfte sich auf rund 25 000 belaufen, wovon die Maschinenindustrie am stärksten profitieren sollte. ■ Weiter entstehen Arbeitsplätze in der Forschung und im Innovationstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Cleantech ist damit eine der wichtigsten Quellen für künftige Arbeitsplätze und sie garantiert eine gesellschaftliche Entwicklung, in der Lebensqualität in einer gesunden Umwelt höchste Priorität geniesst. Die Arbeitnehmenden sind daher sehr an dieser Technologiewende interessiert, die ein Muss ist für das Wohl der kommenden Generationen. Mit der Cleantech-Initiative verfügen wir über ein Werkzeug, mit dem wir politische Weichenstellungen beeinflussen können, die zügiger und noch fundamentaler als zuvor angegangen werden müssen – die Katastrophe in Japan hat dies nur zu gut gezeigt. Die Zeit drängt, handeln wir jetzt!

Cleantech-Initiative schafft über 100 000 Arbeitsplätze Die SP Schweiz hat ihre Cleantech-Initiative am 6. September 2011 mit 106 000 gültigen Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht. Zeitgleich erschien eine Studie der Universität Lausanne, welche die SP in Auftrag gegeben hat. Diese belegt die positiven Auswirkungen der Initiative auf den Schweizer Arbeitsmarkt: Die in der Initiative festgelegten Massnahmen generieren bis 2030 einen Mehrwert von 21 bis 26 Milliarden Franken. Dies entspricht einer Steigerung des geschätzten schweizerischen BIP von 2030 um 2 bis 2,4 Prozent. Die Studie geht davon aus, dass in den nächsten 20 Jahren zwischen 136 000 und 167 000 neue Arbeitsplätze im Cleantech-Bereich geschaffen werden können. Die SP-Initiative wird die Energiewende in den kommenden politischen Debatten voranbringen, erneuerbare Energien und Effizienzmassnahmen fördern und das Ende der Atomkraft beschleunigen.

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Nr. 4, November 2011

Das Magazin zur Energiewende in der Schweiz

Foto: Solar Agentur Schweiz / Schweizer Solarpreis 2011

Der Industriebau der Firma Peter Schibli, Heizplan AG in Gams, ist auch ein Kraftwerk. Es produziert viereinhalbmal so viel Energie, wie zum Betrieb benötigt wird.

Bauen für das 21. Jahrhundert von Hildegard Fässler, Nationalrätin und Präsidentin Hausverein Schweiz

Beim Umbau unserer Energieversorgung, die ohne Atomkraft auskommt, sind Energieeffizienz und Energiesparen tragende Pfeiler. Ein grosses Potenzial liegt bei den Wohn-, Büro und Industriebauten, denn über 40 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz werden noch immer für den Betrieb von Gebäuden aufgewendet, nämlich rund 125 Terawattstunden (TWh) pro Jahr. Mit intelligenten Sanierungen und vor allem mit Neubauten, die nach dem neuesten Stand der Technik erstellt werden, könnten wir mehrere Dutzend TWh im Jahr einsparen. Zum Vergleich: Das AKW Gösgen produzierte 2010 insgesamt 8 TWh.

len (via thermische Sonnenkollektoren, solarbetriebene Wärmepumpen, Abwasser-Wärmepumpen, Fotovoltaik usw.) genutzt werden.

Gebäude als Kraftwerke

In rheintalischen Gams steht seit Kurzem ein Plusenergie-Industriebau. Das Spezielle an diesem Gebäude sind die Fassaden: An der Südfassade sind monokristalline Solarzellen, an der Ostfassade amorphe Dünnschichtzellen angebracht, die zusammen rund 13 100 Kilowattstunden Strom im Jahr (kWh/a) liefern. Auf dem Flachdach ist zusätzlich eine FotovoltaikAnlage mit leicht schräg gestellten

Wohn- und Industriegebäude können heute sogar mehr Energie liefern, als sie verbrauchen. Diese sogenannten Plusenergie-Häuser sind eigentliche kleine Kraftwerke. Der Plusenergie-Standard wird durch drei Faktoren erreicht:

1. Energie ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen Für Heizwärme, Warmwasser und Strom dürfen nur erneuerbare Quel-

2. Energieeffiziente Bauweise Die Gebäudehülle ist optimal gedämmt (inkl. Dreifachverglasung). Fassaden und Balkonbrüstungen können mit Fotovoltaik-Modulen verkleidet werden.

3. Energieeffiziente Gebäudetechnik Einsatz von Haushaltgeräten möglichst der Energieeffizienzklasse A, stromsparende Beleuchtung (z.B. mit neuester LED-Technik), energieeffiziente Sanitäranlagen.

monokristallinen Modulen installiert. Sie liefert rund 37 000 kWh/a. Dazu kommen zwei Fotovoltaik-Tracker, die ähnlich wie Sonnenblumen dem Sonnenstand folgen. Die Produktions- und Montagewerkstatt ist zudem mit einer thermischen Solaranlage und mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Der ganze Bau benötigt rund 13 000 kWh/a, produziert aber das Viereinhalbfache (über 58 000 kWh/a) an Strom.

Plusenergie sogar für Altbauten Der Schweizer Solarpreis zeigt eindrücklich, dass nicht nur neue Wohnhäuser und Industriebauten als Plusenergie-Bauten funktionieren, sondern sogar sanierte Altbauten. So wurde 2010 ein rund 55-jähriges Wohnhaus in Vaduz ausgezeichnet, das nach der Erneuerung den Plusenergie-Standard erreicht. Vor der Sanierung verbrauchte es mit 139 Quadratmetern Wohnfläche 50 200 kWh/a Strom, nach der Sanierung bei einer Wohnfläche von 220 Quadratmetern lediglich noch knapp 7000 kWh/a. Die Fotovoltaik-Anlage liefert sogar noch 5700kWh/a Solarstrom ins Netz. Die Möglichkeiten der Plusenergie-Technik sind gross. Wir sollten sie nutzen. Wir telefonieren ja auch nicht mehr mit dem Wandtelefon und rechnen auch nicht mehr mit dem Rechenschieber.

Monteure installieren Fotovoltaik-Module. Lediglich 12 Quadratmeter Dach- und Fassadenfläche braucht es pro Person, um die Hälfte des Schweizer Atomstroms durch Solarstrom zu ersetzen. Bis 2025 wäre das möglich.

Der Atomausstieg gelingt mit Sonne & Co.

Meine Umwelt ist mir etwas wert Wenn Sie die umweltpolitischen Projekte der SP Schweiz unterstützen und «sonnenklar!» vierteljährlich erhalten wollen, senden Sie bitte Ihre Adresse an sonnenklar@spschweiz.ch

Impressum sonnenklar! Herausgeberin: SP Schweiz, Postfach, 3011 Bern, sonnenklar@spschweiz.ch. Redaktion: Pierre Bonhôte, alt Ständerat; Thomas Christen, Generalsekretär; Chantal Gahlinger, politische Fachsekretärin; Reto Gamma, Projektleiter Fundraising; Beat Jans, Nationalrat; Barbara Marty Kälin, alt Nationalrätin; Roger Nordmann, Nationalrat; Eric Nussbaumer, Nationalrat; Gisèle Ory, Regierungsrätin; Rudolf Rechsteiner, alt Nationalrat; Doris Stump, Nationalrätin; Ursula Wyss, Nationalrätin. Redaktionelle Bearbeitung und Produktion: Gallati Kommunikation, Zürich. Gestaltung: Purpur AG für Publishing und Communication, Zürich. Druck: Abächerli Druck AG, Sarnen. sonnenklar! erscheint viermal im Jahr in Deutsch und Französisch. Postkonto: 30-665681-6, sonnenklar!, 3001 Bern.

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Foto: Keystone

Über 40 Prozent der Energie wird in der Schweiz für den Betrieb von Gebäuden verbraucht. Soll die Energieversorgung in Zukunft ohne Atomenergie auskommen, ist das grosse Potenzial bei den Gebäuden zu nutzen. Plusenergie-Häuser liefern sogar mehr Energie, als sie selber benötigen.

von Roger Nordmann, Nationalrat und Präsident Swissolar

von David Stickelberger, Geschäftsführer Swissolar Gedruckt auf FSCzertifiziertem Papier, SQS-COC-2086 «FSC Trademark 1996, Forest Stewardship Council A. C.»

Die Herbstsession gab Anlass zur Freude. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat dem Atomausstieg deutlich zugestimmt. Die CVPRatsvertreterInnen liessen ihre Bundesrätin nicht im Stich. Bei den Massnahmen zur Umsetzung der Energiewende war das Stöckli leider einiges zurückhaltender als der Erstrat. Das Verbot von Elektroheizungen etwa wurde nicht angenommen. Mit 21:20 Stimmen wurde jedoch die Aufhebung des Deckels bei der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) beschlossen. Nun müssen wir dafür sorgen, dass nach den Wahlen dieser Elan nicht verloren geht. Die Gefahr

droht, dass die knappe Zeit bis zur Stilllegung der AKW nicht sinnvoll genutzt wird und so Sachzwänge für Gaskraftwerke geschaffen werden. Nötig ist dies keinesfalls, wenn jetzt die Weichen entschieden in Richtung Effizienz und erneuerbare Energien gestellt werden.

Solarenergie ist entscheidend Die Solarenergie spielt dabei eine entscheidende Rolle. Gemäss den Berechnungen von Swissolar könnten Fotovoltaik-Anlagen auf Gebäuden bereits 2025 die Hälfte unseres Atomstroms ersetzen, was 20 Prozent unseres Strombedarfs

entspricht. Dazu braucht es eine Modulfläche von nur 12 Quadratmetern pro EinwohnerIn (siehe Grafik auf Seite 2) oder insgesamt 90 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es rund 200 Quadratkilometer für Solarenergie besonders geeignete Dach- und Fassadenflächen in der Schweiz. Damit wird auch klar, dass längerfristig noch sehr viel mehr Solarstrom in der Schweiz produziert werden könnte, ohne Grünflächen zu belegen – neben Gebäuden stehen auch noch Lärmschutzwände, Lawinenverbauungen und weitere Anlagen als potenzielle Träger von Fotovoltaik-Modulen zur Verfügung.

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