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6 Spirit of the West 01/2018

Teilnehmen können Sie ganz einfach per E-Mail oder Postkarte: E-Mail mit Betreff „10 Jahre Spirit of the West“ an Traumurlaub@Spiritofthewestmagazine.com oder Postkarte mit dem Stichwort „10 Jahre Spirit of the West“ an Spirit of the West Magazine, 29455 N. Cave Creek Rd. #118-102 - Cave Creek, AZ 85331 * USA Einsendeschluss ist der 22. März 2017 Die Gewinner werden benachrichtigt. Eine Barauszahlung der Gewinne ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Liebe Leserinnen, liebe Leser, WOW! 10 Jahre Spirit of the West Magazine. Viel ist passiert in diesen zehn Jahren. Das Magazin hat sich verändert aber der Fokus auf den amerikanischen Westen ist geblieben. Ich kann mich noch gut an die Anfangszeit erinnern. Ein Magazin zu produzieren war Neuland für mich. Erst war es eine Idee, dann kam der Plan, dem folgte der Sprung ins kalte Wasser. Viele dachten Spirit of the West Magazine wäre nur eine „Eintagsfliege“ und wir würden bald wieder von der Bildfläche verschwinden. Aber den Gefallen haben wir ihnen nicht getan. Auch die USA ist in dieser Zeit durch einige, nicht immer positive, Veränderungen gegangen. Und gerade momentan scheint es, dass dieses Land so gespalten ist wie nie zuvor. Viele Urlauber haben sich abgewandt und ziehen andere Reiseziele vor. Amerika ist nicht mehr „das“ Fernreiseziel schlechthin. Die Einreisebürokratie und Sicherheitskontrollen der Amerikaner schrecken viele Europäer ab. Andererseits ist gerade der amerikanische Westen eine Faszination in sich und die eingefleischten Anhänger lassen sich von nichts abhalten. Das ist gut so. Ich habe lange überlegt, wie man eine 10-jährige Ausgabe gebührend feiert. Herausgekommen ist ein „Best Of the West“ mit einigen der besten Artikel der letzten 10 Jahre. Erleben Sie die Faszination des amerikanischen Westens mit Spirit of the West Magazine. Bei unserem Gewinnspiel haben Sie die Möglichkeit einen Reisegutschein für Ihre Traumreise zu gewinnen. Ein herzliches Dankeschön geht an unsere Leser, Abonnenten, Mitarbeiter und Anzeigenpartner. Ihre

Sonja Stimmer

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Antelope Canyon

18 Moab

32 8 Spirit of the West 01/2018

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White Sands

24 Lake Powell


Wedeln in Colorado

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Monument Valley

Yellowstone

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Buffalo Roundup

Sunrise Ceremony 7 Editorial

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82 Impressum 01/2018 Spirit of the West 9


Text: Walter Kreuzer 10 Spirit of the West 01/2018


S

ein Name steht stellvertretend für seine Art im, an Naturschönheiten wahrlich nicht armen, Südwesten der Vereinigten Staaten: Der Antelope Canyon, bei Page im Nordosten von Arizona auf dem Gebiet des LeChee Chapters der Navajo Nation gelegen, besticht durch sein Feuerwerk von Pastellfarben. Der einstige Geheimtipp ist längst zum Synonym für die in der Region zahlreichen Slot Canyons geworden. Das Wasser reichen kann ihm kaum einer von ihnen – ganz abgesehen davon, dass sie alle die meiste Zeit im wahrsten Sinne des Wortes staubtrocken sind. 01/2018 Spirit of the West 11


Besonders beliebt ist der Antelope Canyon in den Sommermonaten, wenn um die Mittagszeit der „beam”, also der Sonnenstrahl, den sandigen Boden des Canyons erreicht und einen fast weißen Lichtfleck bildet. Dann steht oft Stativ an Stativ, wobei es kaum einem der Besucher in dem dichten Gedränge möglich ist, in Ruhe sein Motiv auszuwählen. Aufgrund seiner Nord-Süd-Ausrichtung wird der Besucher aber auch in den nicht ganz so überlaufenen Wintermonaten mit einem beeindruckenden Farbenspiel belohnt. Die diffusen Lichtkegel und Strahlen, in denen sich der ständig von den Wänden rieselnde Sand bricht, entschädigt für die durch den starken Andrang verursachten Unannehmlichkeiten. Schließlich gilt dieser enge Einschnitt im Berg inzwischen als meistbesuchter und meistfotografierter Slot Canyon im US-amerikanischen Südwesten.

Bei unserem Besuch im Norden Arizonas herrscht Hochsommer. Vom wolkenlosen Himmel knallt die Sonne erbarmungslos und das Thermometer zeigt 40 Grad an – im Schatten, so man denn welchen findet. Page ist allerdings von einer Steinwüste umgeben, in der kaum ein Strauch wächst. Einen Ausweg, der neben einer Abkühlung auch noch etwas für das Auge verspricht, gibt es allerdings. Gemeint ist die Flucht in die Schlucht – Antelope Canyon. Der zieht seit Jahren zigtausende Besucher in den Bann. Auch steigende Preise haben den Ansturm bislang kaum gebremst. Kein Wunder, die atemberaubende Schönheit, die wegen ihrer spiralförmig ausgewaschenen Sandsteinwände auch Korkenziehercanyon genannte Schlucht, steht für sich selbst. Der Fels schimmert ja nach Einfall des Sonnenlichtes in Rot, Gelb, Braun oder Violett. Der Canyon braucht den Anreiz einer erhofften Linderung – sprich: Kühlung – nicht. Wind und Wasser haben seine Wände, die eigentlich nur einen engen Schlitz im Fels bilden, in Jahrmillionen modelliert. Bei sich ständig verändernden Lichtverhältnissen kommt es praktisch im Minutentakt zu neuen Fotomotiven: Mal ist die eine Seite durch einen Sonnenstrahl, der durch kleine Öffnungen im oberen Bereich der 40 Meter hoch aufragenden Wände einfällt, erhellt. Mal liegt ein anderer Bereich im Schatten. 12 Spirit of the West 01/2018

Wir lassen uns von solchen Aussichten nicht abschrecken. Vorgesehen ist ein gemütlicher Familienausflug mit Spaziergang durch den etwa 400 Meter langen Antelope Canyon. Den Upper Antelope Canyon, um genau zu sein. Stattdessen läuft der Spaß zunächst auf einen Abenteuerritt auf vier Rädern hinaus. Nun, gefährlich ist die Tour mit Antelope Canyon Tours wahrlich nicht. Doch Gemütlichkeit sieht auch anders aus. Davon ahnen wir allenfalls etwas, als wir vor dem an der Durchgangsstraße gelegenen Stadtbüro auf einen der im Dutzend hier stehenden umgebauten Pickup-Trucks klettern. Zwei Sitzbänke sind in Längsrichtung mit den Lehnen gegeneinander auf der Ladefläche montiert. Gut ein Dutzend Gäste – Rücken an Rücken sitzend – finden so auf dem Gefährt Platz. Die Gurte teilen sich immer zwei oder drei Personen. Etwa zehn bis fünfzehn Minuten dauert die durch den frischen Fahrtwind angenehme Fahrt aus der Stadt hinaus und einige Kilometer über den Highway 98, ehe das ausgetrocknete Bett des Antelope Creeks erreicht ist. Hier beginnt das Stammesgebiet der Navajo Nation. Mit anderen Worten: Der Zutritt ist nur mit einem Guide möglich.


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Für uns stellt das kein Problem dar, da wir mit Antelope Canyon Tours – dem erfahrensten unter den fünf Anbietern – unterwegs sind. „Mein Mann Roger arbeitete im oberhalb der Stadt, nicht weit vom Antelope Canyon entfernt, gelegenen Kohlekraftwerk. Er sah regelmäßig Leute in den Canyon laufen, weil jemand Touren anbot. Vor 28 Jahren entschloss er sich mit einem Partner zur Gründung der Firma, um ebenfalls Touren anzubieten. Während der Pionier nicht lange durchhielt, baute Roger die Firma aus und betrieb sie ab 1992 alleine. Inzwischen beschäftigen wir 28 Mitarbeiter einschließlich der zwölf Saisonkräfte”, erzählt Carolene Ekis, die das Unternehmen seit dem Tod ihres Mannes leitet. In der breiten Öffentlichkeit – und vor allem international bekannt geworden sei der Antelope Canyon erst Mitte des vergangenen Jahrzehnts. Die 2005 initiierte internationale Werbung und der Besuch von Messen wie der ITB in Berlin haben offenkundig ihre Wirkung nicht verfehlt. „Früher kamen die Leute wegen des Lake Powells nach Page und nicht wegen des Antelope Canyons – jetzt ist es umgekehrt”, bringt Ekis die Entwicklung auf den Punkt. Inzwischen ist allerdings ein Niveau erreicht, das kaum noch zu steigern ist. „Die 11.30 Uhr-Tour ist besonders beliebt, und man sollte drei bis vier Monate im Voraus buchen”, rät sie zur langfristigen Planung. 14 Spirit of the West 01/2018


Da der Antelope Canyon hält, was die Werbung verspricht, zahlt sich diese aus. Das ganze Jahr über werden inzwischen bis zu mehr als einem halben Dutzend Touren täglich angeboten, wobei die Hauptsaison inzwischen von März – der Zeit des sogenannten Spring Breaks, der Frühjahrsferien – bis in die Weihnachtszeit hineinreicht. Lediglich der Januar ist hier auf 1200 Meter über dem Meeresspiegel relativ kühl und die von Trip Advisor als „Nr. 1 der einzigarten natürlichen Formationen der Welt” (No. 1 unique natural formation in the world) gekürte Schlucht nicht ganz so überlaufen. Die Navajo haben dem Upper Antelope Canyon den Namen Tsé bighánilini gegeben. Dieser wohlklingende Zungenbrecher bedeutet auf Deutsch etwa „der Platz, wo das Wasser durch den Fels läuft”. Damit wird dieser an einigen Stellen lediglich ein Meter schmale Durchgang treffend beschrieben und gleichzeitig auf einen Teil seiner Entstehung wie auf die mit einem Besuch verbundenen Gefahren hingewiesen. Im Norden Arizonas und Süden des nur wenige Kilometer entfernten Utah gibt es zahlreiche solcher Slot Canyons. Unter der Bezeichnung versteht man jene Schluchten, die deutlich höher als breit sind. Im Laufe der Zeit wurden sie von Erosion und vor allem von den während der Sommermonsuns auftretenden Sturzfluten ausgewaschen. Meistens ist der Antelope Creek, der seinen Namen wegen der einst hier in großer Zahl grasenden Pronghorn Antilopen hat, ausgetrocknet. Das kann sich allerdings schnell ändern, wenn irgendwo im weiten Umkreis ein Wolkenbruch niedergeht. Manchmal sind die Folgen tragisch. Im Sommer 1997 sind bei einer solchen Flut elf Touristen im von hier aus nicht zu sehenden, näher am Lake Powell gelegenen unteren Teil der Schlucht, ums Leben gekommen. Wir haben den richtigen Zeitpunkt für unsere Tour gewählt, nachdem die Mittagstour bereits ausgebucht war. 13.30 Uhr ist auch noch okay. Für die fünf Kilometer lange Fahrt in dem glücklicherweise allradgetriebenen Truck durch das zwanzig Zentimeter tief mit Sand bedeckte Flussbett zu der Öffnung im Felsen spielt dies keine Rolle. Und die im Juli und August in der Gegend häufigen Gewitter

setzen meistens erst nachmittags ein – heute ist es nicht anders. Wir lassen uns also durchschütteln, dass die Bandscheiben ächzen. Als wir ankommen wird eines schnell klar: Wir sind längst nicht die einzigen, die das Geschaukel in Kauf genommen haben. Etwa ein Dutzend Trucks der verschiedenen Tour Anbieter stehen, in Reih und Glied abgestellt, vor dem Upper Antelope Canyon. Unser Guide erklärt uns noch, dass dieser Slot Canyon Anfang der 1930er Jahre von einem Navajo-Mädchen beim Schafe hüten entdeckt worden sei. Und schon nimmt uns die Schönheit des majestätischen Upper Antelope Canyons in Beschlag. Die fast pausenlose Aufforderung, weiter zu gehen, ignorieren wir mehr oder weniger. Das Geschiebe ist so stark, dass an eine durchdachte Motivauswahl für die Fotos kaum zu denken, geschweige denn umzusetzen ist. Nach und nach ergibt sich aber doch die eine oder andere Gelegenheit, die fast übernatürliche Schönheit der Hallen und Gänge festzuhalten und den Upper Antelope Canyon zu genießen – auch mit Hilfe eines anderen Tourguides, der uns nebenbei manchen Tipp für den Standort des Stativs gibt. Am anderen Ende der Schlucht angekommen, heißt es kurz durchschnaufen. Dann geht es zurück auf dem Weg, den wir gekommen sind. Nun sind wir es, die den Neuankömmlingen vor der Kamera herumlaufen. Nach dem Motto „geteiltes Leid ist halbes Leid” lassen wir uns aber nichts anmerken und halten auch noch die erst jetzt im veränderten Licht und aus anderem Blickwinkel entdeckten Motive fest. Schließlich sind wir durch und stehen wieder vor dem Truck. Auch hier gibt es kein Entweichen: Wir müssen drauf, uns anschnallen und während der flotten Fahrt zusehen, dass wir uns gut festhalten – und dabei möglichst wenig Staub schlucken. Was bleibt sind unvergessliche Eindrücke von einem Naturwunder, das seinesgleichen sucht, und einige Minuten Linderung von der unbarmherzigen Sommersonne Arizonas. Und die Sehnsucht danach, beim nächsten Besuch den Upper Antelope Canyon einmal für einige Stunden ganz allein für uns zu haben – ein Traum, der kaum in Erfüllung gehen dürfte.

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16 Spirit of the West 01/2018


So kommen Sie zum Antelope Canyon: Von Deutschland aus fliegen Sie am besten nach Phoenix, Arizona. Vom Phoenix Sky Harbour Flughafen aus geht

es weiter mit einem Leihwagen, den Sie sich bereits in Deutschland reservieren sollten. Folgen Sie den Wegweisern Richtung Downtown/I-10 West/AZ-51 und fahren auf der I-10 W (West) bis Ausfahrt 143-A. Dort geht es weiter auf dem I-17 N (North) Richtung Flagstaff. Ausfahrt 340 A bringt Sie zum I-40 E (East) Richtung Albuquerque. Fahren Sie bei der Ausfahrt 201 raus und folgen der Beschilderung zum US-89 N (North) Richtung Page. Page-Lake Powell Tourism 6 North Lake Powell Blvd. Page, AZ 86040 Tel: 928-645-9496 * www.visitpagelakepowell.com Antelope Canyon Tours 22 S. Lake Powell Blvd. Page, AZ 86040 Tel: 928-645-9102 * www.antelopecanyon.com Antelope Canyon Navajo Tours Tel: 928-698-3384 * www.navajotours.com Arizona Office of Tourism 1-866-275-5816 * www.arizonaguide.com

Photos: Page/Lake Powell Tourism; Todd Brenneman/Arizona Office of Tourism; Sonja Stimmer; Beate Kreuzer. D € 4,50

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Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 02/2014.

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Text: Dorsy Baumgartner

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m Grenzgebiet zwischen USA und Mexiko befindet sich die Chihuahua-Wüste. Sie erstreckt sich im Süden des US-Bundesstaates New Mexico über den westlichen Teil von Texas und im Norden des mexikanischen Bundesstaates Chihuahua bis hin zum mexikanischen Staat Coahuila. Der ungewöhnlichste und bekannteste Teil der Wüste befindet sich im Tularosa-Becken in New Mexico. Über eine Fläche von 770 km² dehnt sich dort das Dünenfeld von White Sands aus. Weißer Sand soweit das Auge reicht auf einer Gesamtfläche von knapp 20 km Länge und 50 km Breite. Die Dünen sind schneeweiß, ihr Sand besteht aus Gips und ist so fein wie Puderzucker. Obwohl das Mineral Gips in jeder Wüste vorkommt, existiert nirgendwo auf der Welt ein so bedeutungsvolles Gipsdünenfeld. Das White Sands National Monument ist eines der größten Naturwunder. Die Berge schimmern am Horizont und ein klarer stahlblauer Himmel spannt sich über die kalkweiße Wüste. Astronaut John Glenn, der als erster US-Amerikaner die Erde umkreiste, beschreibt das Naturdenkmal als einen der sagenhaftesten Anblicke, denen er je begegnet sei.

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Nach der Absenkung des Tularosa-Beckens entstand vor etwa 10.000 Jahren ein großer See, in den sich die Flüsse aus den umliegenden Bergen ergossen. Ihr Wasser brachte gelöste Mineralien mit, vor allem Gips. Nach dem Ende der letzten Eiszeit trocknete der See aufgrund der ansteigenden Temperaturen aus. Bei der Verdunstung bildeten sich Gipskristalle, die der Wind bis zum heutigen Tag zu Dünen auftürmt. Der Regen sorgt dafür, dass das Gebiet weiterwächst. Das Regenwasser schwemmt Gipspartikel von den umliegenden San Andres- und Sacramento Mountains in den Lake Lucero im tiefer gelegenen Tal, der nach der Regenzeit wieder austrocknet und Gipsablagerungen hinterlässt. Die Kräfte der Natur, Feuchtigkeit und Trockenheit, Kälte und Wärme zerbrechen die Kristalle zu kleinen Sandteilchen, die leicht genug sind, um vom Wind davongetragen zu werden. Starke Stürme häufen die Sandkörnchen zu Dünen auf. Sanddünen, die immer in Bewegung bleiben. Es gibt vier Arten von Dünen: Kugelförmige Dünen, sind niedrige Sandhügel, die sich windwärts am Lake Lucero bilden, auf deren Oberfläche kleine Wellen produziert werden. Am Kamm der Düne baut sich der Sand solange auf, bis ihn die Schwerkraft abrutschen lässt, dadurch bewegt sie sich bis zu zehn Meter pro Jahr vorwärts. Barchan Dünen oder auch Sicheldünen sind halbmondförmige Dünen, die sich in Gebieten mit starkem Wind bilden, der nur begrenzt neuen Sand mit sich bringt. Sie können eine Höhe bis zu 30 Metern erreichen. Diagonale Dünen entstehen in Gegenden, die ausreichend mit Sand versorgt werden. Sie verbinden sich mit halbmondförmigen Sicheldünen und kreieren so lange Bergketten. Parabelförmige Dünen entstehen entlang eines gesamten Dünenfeldes. Sie haben eine gebogene Form, deren Öffnung zum Wind hinzeigt. Vegetation ist in Dünenlandschaften kaum möglich, denn den meisten Pflanzen gelingt es nicht Fuß zu fassen, bevor sich der Sand unter ihnen wieder in Bewegung setzt. Eine kleine Anzahl von Pflanzen hat sich angepasst und kann so verhindern, ständig unter Sand begraben zu werden. Die 20 Spirit of the West 01/2018

„Soap Tree Yucca” hat ihren Stamm verlängert, damit sich ihre Blätter immer über dem Sand befinden und kann so pro Jahr bis zu 30 cm wachsen. Wie in den meisten Wüsten halten sich Tiere während der Hitze des Tages unter der Erde auf. Nachts werden sie dann aktiv. Wer White Sands am frühen Morgen besucht, wird mit Spuren von Nagetieren, Kaninchen, Füchsen und Kojoten belohnt. Einige Tierarten wie Eidechsen, Vögel und Käfer sieht man auch tagsüber, manche davon haben sich eine helle Tarnfarbe zugelegt und schützen sich so vor Feinden. Wer sich vor der Erkundung des White Sands National Monument Einblicke in die Entstehung des Parks verschaffen möchte, sollte unbedingt beim Besucherzentrum anhalten. Das historische Adobe-Gebäude verfügt über interessante geologische Ausstellungen, die die Entstehung des Natur-Phänomens dokumentieren. Außerdem finden Sie dort Informationen zu allen Aktivitäten, die die Parkaufseher organisieren. Vollmond-Wanderungen mit Erläuterungen des Nachthimmels werden monatlich angeboten. Im Frühling und Herbst ist die Panoramastraße jeweils in einer Nacht für Radfahrer freigegeben. Ein einmaliges Abenteuer ist eine Heißluft-Ballonfahrt. Nur wer dieses himmlische Vergnügen selbst erlebt, erkennt die Faszination des ruhigen Dahingleitens über eine Märchenlandschaft und entdeckt atemberaubende Weitblicke auf das Areal von White Sands.


Morgen oder der späte Nachmittag. Düne für Düne tauchen die Fotografen tiefer in die Faszination weiße Wüste. Jeder nimmt sich hier die Zeit für neue Blickwinkel, ist beeindruckt von Einfachheit und stiller Schönheit, wartet auf das passende Licht und schleicht sich langsam an das Motiv heran. Ob im Stehen oder aus der Hocke, manchmal sogar flach auf dem Boden liegend: Es zählt nur eins - das perfekte Motiv. Die Mühe lohnt sich, denn entschädigt wird man mit einzigartigen Bildern. Je mehr sich der Tag dem Abend neigt, desto stimmungsvoller wird die Landschaft in Szene gesetzt.

Eine 13 km lange Panoramastraße führt durch den Park. Entlang der Route erklären Schaukästen die Naturgeschichte. Vom Parkeingang schlängelt sich die Straße immer tiefer in die surrealistische und bizarre Welt der Dünen. Es gibt genügend Parkplätze um das Auto zu verlassen und die spektakuläre Landschaft zu Fuß zu erkunden. Der Alkali Flat Trail ist besonders beliebt und zählt zu den abwechslungsreichsten und interessantesten Wanderwegen. Er verläuft auf fast 8 km durch das Herz des Dünenareals. Auf dieser dreistündigen Wanderung erlebt man die Stille und endlose Weite besonders intensiv. Der Trailhead ist etwa 12 km vom Haupteingang entfernt, beginnt auf einem ausgeschilderten Parkplatz und endet am Lake Lucero. Nehmen Sie unbedingt genügend Wasser mit, Kopfbedeckung, Sonnenschutz und Sonnenbrille gehören ebenfalls zur Ausrüstung, denn der helle Sand reflektiert mehr als 90 Prozent der Sonnenstrahlung. Die Temperaturen liegen im Sommer bei 38 Grad Celsius. Auf der Strecke durch den Park sind mehrere Wanderwege ausgeschildert, der Backcountry Camping Loop Trail, der Dunes Life Nature Trail, der Playa Trail und der Interdune Boardwalk, der aus einem etwa 600 m langen Steg besteht und somit auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Fotografieren ist in White Sands wegen der Helligkeit eine Herausforderung, weil der Autofocus nicht wirklich weiß, welches „Weiß“ er scharf stellen soll. Versucht man sein Glück manuell, kommt jeder voll auf seine Kosten. Die schönsten Tageszeiten für Fotosessions sind der frühe

Aber nicht nur Naturwunder spielen im Park eine wichtige Rolle. Zahlreiche Forschungsprojekte in Luft-, Raketenund Raumfahrttechnik haben großes Aufsehen erregt. In der Wüste befindet sich unter anderem das White Sands Missile Range, ein Testgelände für experimentelle Waffen- und Weltraumtechnologie der US-Armee. Aus Sicherheitsgründen werden der Park und der hinführende Highway einmal wöchentlich wegen Raketentests für mehrere Stunden gesperrt. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage als Testgebiet für die in Los Alamos, New Mexico, betriebenen Atomforschungs-Laboratorien genutzt. In diesem Zusammenhang taucht ein deutscher Name auf, der in der Geschichte des Raketenbaus eine bedeutende Rolle spielte. Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun. Die von ihm entwickelte A4 Rakete erreicht 1943 als erste Langstreckenrakete der Welt die vierfache Schallgeschwindigkeit. 1945 siedelte er mit seinen 120 besten Fachleuten nach Los Alamos und hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Möglichkeit den Planeten Erde zu verlassen, Wirklichkeit wurde. Von 1955 bis 1959 leitete er das amerikanische Raketenprogramm der NASA. Heute wird auf dem Areal des White Sands Missile Range weiter an neuen Raketentypen geforscht. Etwa 70 km von hier befindet sich die Holloman Airforce Base, die aufgrund schlechter Wetterbedingungen in Kalifornien am 20.3.1982 Ausweichlandeplatz der Raumfähre Colombia war. Im Ausbildungszentrum der Base sind noch immer deutsche Soldaten der Luftwaffe stationiert. Die scheinbar unberührte Landschaft mit silbrig-weiß glänzendem Sand, hat auch ihre Schattenseiten. Der Testort, der am 16. Juli 1945 gezündeten ersten Atombombe liegt innerhalb des White Sands Militärgeländes und wurde 1975 zum offiziellen historischen Ort erklärt. Ein schwarzer Obelisk markiert den Punkt der Kernwaffenzündung, an dem heute immer noch eine geringe Reststrahlung gemessen wird. Am jeweils ersten Samstag im April und Oktober ist dieses Erbe der Vergangenheit auch für Besucher zugänglich.

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Unterkünfte gibt es im Park außer einem einfachen Zeltplatz, der abseits in den Dünen liegt, keine. Die Erlaubnis bekommt man von den Parkrangern im Besucherzentrum. Die nächsten Campgrounds und Hotels liegen im Osten bei der Stadt Alamogordo. Die Stadt erwirtschaftet einen Großteil ihrer Einnahmen durch den Tourismus. Sehenswert ist vor allem die Altstadt, deren Gebäude aus dem 20. Jahrhundert stammen und sorgfältig renoviert wurden. Hier findet man immer einen Weg zum Ziel, egal ob man etwas essen, trinken oder einkaufen möchte. Im „Toy Train Depot” können Modelleisenbahnliebhaber ihre Zeit damit verbringen, Miniaturzüge zu begutachten. In einem 100 Jahre alten Depot sind hunderte Modell- und Spielzeugeisenbahnen ausgestellt. Ein Miniatur-Abbild Alamogordos aus dem Jahre 1940 ist das Prachtstück der Ausstellung. Das „New Mexico Museum of Space and History” - auch bekannt unter dem Namen „Space Center and International Space Hall of Fame” - wurde im Jahre 1976 eröffnet und befindet sich im Nordosten der Stadt. Der mehrstöckige Glas- und Betonpalast beherbergt zum Beispiel ein 360° Panorama-Kino, eine Raumstation und eine große Sammlung von Raumfahrt-Exponaten, wie Raketenteile, Raumanzüge und Satelliten. Im Außenbereich gibt es neben Trägerraketen und Drohnen auch eine Apollo Raumkapsel. Deutsche Spuren findet man in Alamogordo überall. Die Stadt beheimatet deutsche Soldaten und deren Familien. Es gibt nicht nur eine deutsche Schule, sondern auch deutsche Kirchen, damit sich die Angehörigen der

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deutschen Truppen wie zu Hause fühlen können. Jeans trifft Lederhose beim jährlichen Oktoberfest, welches zu den kulturellen und kulinarischen Höhepunkten zählt. Ob Wüste oder Weltraum, Alamogordo und das White Sands National Monument bietet Besuchern eine interessante Mischung von beidem. Wer sich eine Weltraumattraktion bei White Sands gönnen möchte, kann, wo früher mal Ufos gelandet sind, heute den Weltraumbahnhof Spaceport America besuchen. Abfertigungshalle, Terminal, Besucherzentrum, Start- und Landebahn sind bereits fertiggestellt. Das Gebäude mit einem sandfarbenen gewölbten Dach fügt sich makellos in die Landschaft ein. Betrieben wird das Projekt von dem britischen Milliardär Sir Richard Branson, der mit seiner Firma Virgin Galatic Nicht-Astronauten für rund 200.000 Euro ins Weltall schießen will. Ein Raketenantrieb befördert das Raumschiff mit einer Geschwindigkeit bis zu 4800 km/Std ins Weltall. Die Insassen erleben dann für etwa fünf Minuten Schwerelosigkeit, bevor sie zur Erde zurückkehren und irgendwo im Nirgendwo in New Mexico landen. Wer ein Zehntel des Flugpreises aufbringt, kann sich auf einer Warteliste gleich hinter Lady Gaga eintragen lassen. Fürs erste hat man allerdings nur die Möglichkeit sein Fernweh ins All mit einer Bustour auf dem SpaceportGelände zu kompensieren. Echte Weltraummissionen gab es noch nicht, doch die Investoren sind positiv und hoffen auf ein Debüt in 2018. Bis dahin sorgen andere Einnahmequellen wie Werbeaufnahmen und LandebahnGeschwindigkeitstests für Motorräder dafür, dass die Kasse gefüllt wird.


So kommen Sie zum White Sands National Monument: Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge. Am besten eignet sich ein Flug nach Chicago, Seattle oder Denver mit

Anschlussflug nach Albuquerque, Alamogordo oder Las Cruces. Einen Leihwagen reservieren Sie sich am besten schon in Deutschland. New Mexico Touristenbüro 491 Old Santa Fe Trail, Santa Fe, NM 87501 * Tel: 505-827-7400 * www.newmexico.org White Sands National Monument PO Box 1086, Holloman A.F.B., NM 88330-1086 * Tel: 505-479-6124 * www.nps.gov/whsa Das White Sands National Monument liegt 15 Meilen (ca. 24 km) südwestlich von Alamogordo am US Highway 70/82. Es ist verboten, archäologische oder natürliche Objekte wie Sand, Gipskristalle oder Pflanzen mitzunehmen. Glasbehälter dürfen nicht in die Wüste mitgenommen werden. Das Besucherzentrum ist außer an Weihnachten täglich ab 9:00 Uhr geöffnet, hat jedoch unterschiedliche Schliessungszeiten. Eintritt: $5; Kinder unter 15 Jahren kostenlos. Alle Besucher müssen White Sands National Monument eine Stunde nach Sonnenuntergang verlassen haben. Es kann hin und wieder vorkommen, dass aus unvorhergesehenen Gründen, der Park geschlossen wird. Detaillierte Auskünfte und Info finden Sie auf der o.g. Webseite Alamogordo Touristenbüro 1301 N. White Sands Blvd., Alamogordo, NM 88310 * Tel: 575-437-6120 * www.alamogordo.com Toy Train Depot 1991 N. White Sands Blvd, Alamogordo, NM 88310 * Tel: 575-437-2855 * www.toytraindepot.homestead.com Öffnungszeiten: Freitag bis Montag 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr * Eintritt: $5 New Mexico Museum of Space and History 3198 State Route 2001, Alamogordo, NM 88310 * Tel: 575-437-2840 * www.nmspacemuseum.org Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Sonntag 12.00 Uhr-17.00 Uhr, Dienstag geschlossen. * Eintritt: Erwachsene $7, Senioren $6, Kinder von 4-12 Jahren $4 Spaceport America Sierra County, NM 87901, * Tel: 575-267-8500 * www.spaceportamerica.com Bustouren auf Anfrage, meistens am Wochenende. Dauer ca. 3,5 Std. Preis $50. Spaceport Besucherzentrum 301 S. Foch Street, Truth or Consequences, NM 87901, * 575-894-1968 Das Besucherzentrum ist täglich von 8.30 Uhr bis 16:30 Uhr geöffnet.

Photos: New Mexico Office of Tourism; Las Cruces CVB; White Sands NPS; Spaceport America; D € 4,50

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Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 02/2014.

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24 Spirit of the West 01/2018


W

Text: Sonja Stimmer

ann war das letzte Mal, dass Sie Verstecken gespielt haben? Schon eine Zeit her, oder? In den roten Felsen in und um Moab, eine der aufregendsten Gegenden, nicht nur im Südwesten, sondern der gesamten USA, können Sie sich so gut verstecken, dass Sie evtl. gar nicht mehr aus den Canyons herausfinden. Egal, ob Sie sich für „Normal“ (was man auch immer darunter verstehen mag) oder Extrem Sport interessieren, die gewaltigen Naturschönheiten genießen möchten oder Abgeschiedenheit suchen – hier vereinen sich Abenteuer und Einsamkeit mit einer atemberaubenden Kulisse.

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Moab, das kleine, quirlige Städtchen am Colorado River, eingebettet zwischen den roten Felsformationen der Arches und Canyonlands Nationalparks und den gewaltigen La Sal Mountains, ist ein unvergleichlicher Spielplatz für Abenteurer jeden Alters, ein Freizeitparadies vollgepackt mit Naturschönheiten, und gleichzeitig eine Oase der Abgeschiedenheit. Es gibt viel zu tun in Moab, planen Sie genügend Zeit dafür ein! Moab ist nicht groß, hat aber eine charmante Innenstadt mit ausgezeichneten Restaurants, interessanten SouvenirLäden, Galerien, Kunst und Schmuck im typischen Southwest Stil sowie eine große Auswahl an Touranbietern und Reiseführern, die über außergewöhnliche Kenntnisse der Gegend verfügen. Das ganze Jahr über finden ständig kleinere Festivals und Veranstaltungen statt, wie der Moab Art Walk, das Moab Musik Festival oder die Künstler Studio Tour im September. Moab hat eins der besten Informationszentren in Utah.

Moab’s Geschichte lässt sich 10,000 Jahre zurückverfolgen, ganz besonders an den vielen, alten Felszeichnungen, die man überall findet. 1855 kamen die ersten Pioniere und Siedler, die Mormonen, die allerdings bald aus Furcht vor den Indianern wieder abzogen. Erst 1880 wurde Moab wieder besiedelt, dieses Mal von Viehzüchtern und Bauern. Es ging ziemlich ruhig und beständig zu, bis 1920 die Öl-Hysterie auch Moab erreichte. Zu der Zeit hielt sich angeblich auch Butch Cassidy und seine raue Bande hin und wieder hier auf und der Schriftsteller Zane Grey machte Moab in einigen seiner Bücher zum Ort des Geschehens. Ca. 1952 hat der Uran-Boom die Anwohnerzahl Moab’s verdreifacht und Schürfer aus dem ganzen Land belagerten die Canyons. In den 50er Jahren hatte auch Hollywood den Ort für diverse Western

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entdeckt; auch heute noch bietet Moab die aufregende Kulisse für Filme wie u.a. „Thelma & Louise“, „Con Air“ und „Geronimo – Eine amerikanische Legende“. Moab ist nicht nur Ausgangspunkt zu den faszinierenden und spektakulären Nationalparks Arches und Canyonlands, sondern auch Anziehungspunkt für Touristen, Fotografen, Künstler, Filmemacher und Extremsportler. Die besten Reisezeiten sind Frühling, Herbst und, wer etwas mehr Einsamkeit und Natur sucht, auch Winter. Die Sommer sind heiß und vielleicht nicht ganz ideal fürs Wandern und Mountain Biking, aber hervorragend geeignet für Rafting Touren auf dem Colorado. Umgeben von aufregenden roten, schroffen Felsen und atemberaubenden Ausblicken hat sich Moab mit seinen anspruchsvollen Pfaden zu einem Mekka für passionierte Mountainbiker entwickelt. Der legendäre Slickrock Trail hat Moab zum Zentrum der Mountainbiker gemacht – der 16 km lange Weg aus Sandstein und fantastischen Formationen ist Anziehungspunkt von ca. 100,000 Mountainbikern jährlich. Die Beschaffenheit des Pfades ähnelt einem grobkörnigen Sandpapier und bietet eine ideale Griffigkeit, um extrem vertikale Steigungen zu überwinden. Unter den Könnern der absolute Höhepunkt.


Man muss jedoch kein Extrem-Mountainbiker sein; Anfänger können den 3 km langen Übungspfad ausprobieren. Außerdem bietet die Gegend um Moab ca. 30 unterschiedliche Strecken mit sämtlichen Schwierigkeitsgraden. Zahlreiche Anbieter im Ort verleihen und reparieren nicht nur Räder, sie geben Tipps und beantworten Fragen.

hier auch sanftere Flüsse. Weit und ruhig reflektieren sie an klaren Tagen die sagenhaften Farben der Felsen, vermischt mit dem immensen Blau des Himmels und laden ein zu beschaulichen Kajak-, Floss- oder Kanufahrten. Erkundigen Sie sich vorher im Informationszentrum, ob Sie eine Erlaubnis benötigen, falls Sie die Flüsse auf eigene Faust erkunden wollen.

Für welchen Weg man sich auch entscheidet, man sollte immer bedenken, dass man sich in einer empfindlichen Gegend befindet, in der Blumen, Pflanzen und Tiere oft um’s Überleben kämpfen. Respektieren Sie die Wüste und die wunderschöne Gegend, indem Sie auf den vorgeschriebenen Wegen bleiben und keine neuen „erfinden” oder „erforschen”. Das gleiche gilt natürlich auch für diejenigen, die die grandiosen Felsformationen erklimmen wollen. Wandern in und um Moab ist eine weitere Art, die Schönheit und Aussicht der Gegend zu genießen. Tagesausflüge in die Nationalparks reichen von einfachen 30-minütigen Spaziergängen bis hin zu anspruchsvollen GanztagesWanderungen, die Sie durch schmale Felsen und Canyons führt. Arches Nationalpark belohnt Sie für Ihre Anstrengungen mit atemberaubenden Ausblicken auf Delicate Arch, der wohl bekannteste und meistfotografierteste Felsbogen der Welt. Der Colorado liegt direkt vor Moab’s Haustüre und schlängelt sich dort durch eine rote Felsschlucht. Die Farben wechseln, je nach Saison; der Fluss windet sich an manchen Stellen und rauscht verwegen an anderen. Obwohl der Colorado oftmals die Vorstellung von wilden, reißenden Stromschnellen heraufbeschwört, und die Gegend bekannt ist für seine Wildwasserfahrten, gibt es

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Es gibt jede Menge Off Road-Möglichkeiten, die Sie tief in die magische Welt der Canyons transportieren. Besucher können Jeeps mieten oder eine der geführten Touren, die so zahlreich angeboten werden, buchen. Im Informationszentrum können Sie sich mit Karten ausstatten sowie eine Ihren Fahreigenschaften angepasste Route ausarbeiten lassen.

Moab verfügt über drei offiziell erklärter scenic byways – landschaftlich reizvolle Landstraßen. Der Colorado River Scenic Byway 128 beginnt zwei Meilen nördlich vom Ort und folgt dem Flusslauf des Colorado’s, vorbei am Negro Bill Canyon sowie verschiedenen Orten, bekannt aus alten Western. Die Route ist ca. 70 km lang. Verbinden kann man die Tour mit der La Sal Mountain Road, die 28 Spirit of the West 01/2018

unterschiedliche Landschaften verschiedener Canyons bietet. Die Fahrt führt durch den Manti-La Sal National Forest und bietet einen tollen Blick auf die verschiedenen 3000er sowie den darunter liegenden roten Felscanyons. Für die gesamte Tour sollten Sie ca. 4 Std. einplanen. Utah Scenic Byway 279 folgt ebenfalls dem Flusslauf des Colorado’s, entlang an indianischen Felszeichnungen, Dinosaurier Spuren und natürlichen Felsbögen. Die interessantesten Punkte sind entlang der Route markiert und es gibt überall Ausbuchtungen und Fotomöglichkeiten. Hinter dem Jug Handle Arch wird der Canyon breiter und ermöglicht eine ungehinderte Aussicht auf die Klippen von Dead Horse Point State Park. Die asphaltierte Straße endet bei der Moab Salt Plant. Die Route ist ca. 54 km lang und man sollte ca. 2 Std. einplanen. Dead Horse Point Scenic Byway beim Utah Highway 313 bringt Sie auf 22 km vorbei an außergewöhnlichen roten Felsformationen, bevor es in den Dead Horse Point State Park geht. Der Seven Mile Canyon, die massiven Monitor und Merrimac Buttes, das San Rafael Reef und die Henry Mountains sind alle von der Landstraße aus zu sehen. Der Blick vom Dead Horse Point, eine lange Mesa (Tafelberg), verbunden mit einem schmalen Landzug, ist eine der meistfotografiertesten Landschaften der Welt.


Delicate Arch – wer kennt ihn nicht, den berühmtesten Felsbogen im Arches Nationalpark? Dabei ist dies nur einer von ca. 2500 natürlichen Bögen und Spiralen aus rotem Sandstein, die dem Park seinen Namen gaben. Ein ca. 30 km langer, müheloser Wanderweg schlängelt sich quer durch die farbenprächtige Landschaft, vorbei an geologischen Formationen, kolossalen Sandsteinflossen, massiven, balancierenden Felsen und emporschnellenden Zinnen. Zum Double Arch und Windows Trail sind es nur lockere 1-1,5 km; Park Avenue Trail und Devils Garden Trail sind ebenfalls kurze und einfache Wanderungen, die Sie mit fantastischen Ausblicken belohnen. Einer der längsten natürlichen Bögen ist der atemberaubende Landscape Arch (ca. 3 km), ca. 100m weit und an einer Stelle nur ca. 3m dick.

Ein besonderer Höhepunkt ist Arches Nationalpark im Winter. Wenig Besucher, angenehme Temperaturen und ein spektakulärer Kontrast zu dem strahlend blauen Himmel und den roten Felsen. Dazu vielleicht noch ein paar Schneeflocken und das Foto ist perfekt. Eine Liste mit Wanderungen finden Sie auf der Webseite des Moab Travel Council. Arches hat ein fantastisches neues Besucherzentrum, dass Sie auf jeden Fall aufsuchen sollten. Ausgestattet mit einem Auditorium, Informationsständen, interaktive Ausstellungen, Buchladen und einem Kino, in dem der Film „Secrets of the Red Rock“ (Geheimnisse der roten Felsen) gezeigt wird. Decken Sie sich ein mit Karten, Infomaterial und der kostenlosen Parkzeitschrift, bevor Sie sich auf den Weg machen.

Sie möchten den Delicate Arch so eindrucksvoll fotografieren, wie er immer in den Bildbänden erscheint? Dann wandern Sie die ca. 5 km lange, teilweise anstrengende und steile Strecke, am späten Nachmittag. Sie werden nicht nur mit einem herrlichen Blick auf den Felsbogen und die La Sal Mountains belohnt, sondern haben die besten Fotomöglichkeiten bei Dämmerung und Sonnenuntergang, ganz besonders bei Vollmond. Vergessen Sie nicht, eine Taschenlampe und evtl. einen Snack einzupacken für den Weg zurück. Auf jeden Fall immer dabeihaben – genügend Wasser!

Canyonlands Nationalpark ist Utah’s größter Nationalpark mit ca. 1300 qkm. Man könnte den Rest seines Lebens hier verbringen und doch nie alles erkunden. Der Colorado und Green River haben im Laufe der Jahrtausende tiefe Schluchten durch die Colorado Hochebene geschnitten und den Park in drei Sektionen aufgeteilt – Island in the Sky, Needles und Maze. Benannt nach deren geologischen Merkmalen, sind alle drei ziemlich unterschiedlich. Zwischen den einzelnen Sektionen gibt es innerhalb des Parks keine Straßenverbindungen. Aus diesem Grund schafft man auch nur einen oder zwei an einem Tag. Kurze Wanderungen von ca. 1-1.5 km im Island in the Sky Bezirk sowie längere Wanderungen im Needles Bezirk bringen Sie zu Ruinen, Aussichtsplätzen, Steinbögen und geologischen Formationen. Eine Erlaubnis benötigen Sie zum Wandern ins Hinterland, Camping, Mountain Bike fahren, für Flussfahrten und Geländewagentouren. Evtl. Gebühren können zusätzlich zum Eintritt anfallen. Das Klima im Canyonlands ist extrem trocken; die Sommertemperaturen sind oftmals über 40C, können jedoch auch bei 20C liegen. Frühjahr und Herbst sind mild und angenehm bei ca. 25C. Im Winter liegen die Temperaturen meistens bei 0C bis unter den Gefrierpunkt; Schnee ist selten. 01/2018 Spirit of the West 29


Von Moab aus erreichen Sie am einfachsten den Needles Bezirk. The Needles – eine 16 km landschaftlich reizvolle Straße gibt dem Besucher eine Kostprobe warum diese Sektion Needles heißt. Hochragende Sandsteingebilde prägen diese Gegend, nur unterbrochen von einer Vielzahl weiterer Kompositionen wie Spalten, Steinbögen und Schluchten, bieten ein unvergessliches Schauspiel. Diese Tour kann man in ein oder zwei Stunden absolvieren. Viele dieser fantastischen Gebilde sowie prähistorische Indianerruinen, Felszeichnungen und Piktogramme sind jedoch im Hinterland und nur mit Geländewagen oder durch lange Wanderungen erreichbar. The Needles bietet an die 100 km verbundene Wanderwege, die alle ziemlich herausfordernd sind. Island in the Sky ist die höchste und nördlichste Sektion und sitzt auf einer massiven Hochebene, eben wie eine „Insel im Himmel“. Eine 36 km lange Straße führt zu einigen der spektakulärsten Aussichten in das Canyonland. Vom Grand View Point Overlook kann man an die 150 km in alle Richtungen Canyon über Canyon sehen. An mehreren Aussichtspunkten sieht man ca. 300m runter auf den White Rim, eine Sandsteinbank, die den Konturen des Plateaus folgt. Der Mesa Arch ist ebenfalls einer der fantastischsten und meist fotografiertesten Steinbögen; besonders bei Sonnenaufgang ein absolut begehrtes Fotomotiv. Erreichbar über eine kurze und einfache Wanderung

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von ca. ½ Std. Alle Wanderwege, die sich unterhalb der Mesa befinden sind ziemlich primitiv und man sollte auf jeden Fall eine topografische Karte mitführen und damit umgehen können. Trinkwasser gibt es auf den Wanderwegen nicht, da müssen Sie ausreichend vorsorgen. The Maze gilt als die wildeste Sektion im Canyonlands und auch als die abgelegenste. Dort finden Sie ein verwirrendes Durcheinander von Schluchten, die als „80 qkm großes Sandsteinpuzzle“ beschrieben werden. Falls Sie Einsamkeit suchen und für die Herausforderung gerüstet sind, ist die Maze genau das Richtige. Aufgrund der Abgelegenheit und der Schwierigkeitsgrade der Wege, benötigt man für die Maze mehr Zeit sowie eine gehörige Portion an Unabhängigkeit. Die meisten Besucher verbringen mindestens drei Tage in der Maze und das Erkunden der Gegend kann sich locker auf einen Wochentrip ausdehnen. Am besten zu Fuß oder per Mountainbike zu erwandern bzw. mit solidem Geländewagen zu erreichen. Etwas nordwestlich vom Maze Distrikt gibt es noch den Horseshoe Canyon, der durch geisterhaft wirkende überlebensgroße Figuren besticht, die an den Felswänden der Great Gallery zu besichtigen sind. Diese Figuren wurden vor 2000 Jahren von prähistorischen Einwohnern gemalt, die damals in Canyonlands lebten.


Zum Canyonlands National Park kommen Sie über zwei Anfahrtswege: Vom Highway 313 gibt es eine Ausfahrt, die Sie zum Dead Horse Point im Island in the Sky Distrikt bringt. Der Eingang zum Needles Distrikt liegt südlich von Moab am Highway 211. Die Zufahrt zum Maze Distrikt ist eine Kombination aus unbefestigter und Schotterstraße und, wie oben schon beschrieben, nur mit Geländewagen möglich. Besucherzentren gibt es sowohl im „Island in the Sky” wie auch im „Needles” Distrikt. Wichtig: Wandern Sie niemals alleine und wenn doch, hinterlassen Sie eine Nachricht beim Hotel/ Besucherzentrum/Ranger, wo Sie planen zu wandern!

Partnerin Dian, auf sog. Endurance Seminare spezialisiert. Eine sicherlich nicht alltägliche Sportart; fortgeschrittene Reiter sollten aber bei einem Besuch in Moab mal bei seinem Global Endurance Training Center vorbeischauen. Mit seinen Araber und Halb-Araber Pferden bietet er anspruchsvolle Tages- und Halbtages Ritte durch die fantastische Landschaft an. Es handelt sich hier nicht um einfache Ausritte, bei denen Ihr Pferd schön langsam dahin trottet, sondern um schnelle Ausritte, bei denen Sie gut im Sattel sitzen sollten. Wer die aufregenden Canyons in Abenteuermanier kennenlernen will, der sollte vom Auto aufs Pferd umsteigen. Ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Die meisten Besucher kommen nach Moab aufgrund der ausgezeichneten Wander- und Mountainbike-Möglichkeiten und Naturschönheiten. So kam auch der Deutsche Christoph Schork vor langer Zeit hierher und ist gleich geblieben. Christoph hat sich, zusammen mit seiner

Moab verfügt über eine große Auswahl an Hotels, Motels und Bed & Breakfasts sowie einigen Gästeranches - vom einfachen Motel bis hin zum luxuriösen Resort mit Spa. Trotz dem vielfältigen Angebot empfiehlt es sich, in der Hauptsaison rechtzeitig zu buchen.

So kommen Sie nach Moab

Von Deutschland aus fliegen Sie am besten nach Salt Lake City, Utah oder Denver, Colorado, mit Anschlussflug bzw. Leihwagen weiter nach Moab. Leihwagen bzw. Geländewagen oder Wohnmobil sollten Sie schon in Deutschland buchen. Geländewagen können auch vorort gebucht werden; in diesem Fall oftmals besser als die von den gängigen Autovermietern. Moab Information Center - www.discovermoab.com * Ecke Main und Center Street, Moab, UT 84532 Tel: 435-259-8825 oder 1-800-635-6622 Arches Nationalpark – www.nps.gov/arch * Eintritt: $25 pro Fahrzeug (gültig 7 Tage) Canyonlands Nationalpark - www.nps.gov/cany * Eintritt: $25 pro Fahrzeug (gültig 7 Tage) Global Endurance Training Center - 4381 E. Heather Lane, Moab, Utah 84532, Tel: 435-719-4033 www.globalendurance.com Falls Sie mehrere Nationalparks besichtigen, kommen Sie günstiger weg mit dem Jahrespass „America the Beautiful – National Parks and Federal Recreational Lands Pass“ für $80. Sie haben Lust auf so eine Reise? Machen Sie mit bei unserem Gewinnspiel mit America Unlimited und mit etwas Glück gewinnen Sie einen der drei Reisegutscheine im Wert von €400. Den können Sie dann gleich einlösen – z.B. für die „14 Tage Best of Utah“ oder „17 Tage Versteckte Schönheiten Utahs“ – beide beinhalten Moab und Monument Valley sowie weitere Sehenswürdigkeiten in Utah. Mehr Info auf www.america-unlimited.de

Photos mit freundlicher Erlaubnis von Moab Travel Council & Utah CVB

Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 02/2009.

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Text: Walter Kreuzer & Sonja Stimmer

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S

aphirblau schimmerndes Wasser, in dem sich die Sandsteinfelsen der zerklüfteten Ufer mal weisslich bis hellgelb, dann wieder blassrosa bis leuchtend rot widerspiegeln - so präsentiert sich der Lake Powell bei Page, im Grenzgebiet von Arizona und Utah. Mit mehr als 300 km Länge, unzähligen, teilweise bis zu 30 km langen Canyons, und mehr als 3.000 km Küstenlinie sind die Ufer des Lake Powell länger als die gesamte Westküste der USA. Nicht nur der See, sondern die ganze Umgebung ist eines der schönsten, interessantesten und beliebtesten Reise- und Ausflugsziele. Lake Powell und Page sind ein Abenteuerspielplatz für Groß und Klein.

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Unsere Füße drücken sich tief in den weichen Sand ein. Es geht leicht bergauf. Eigentlich ist es nur ein Hügel, den wir überwinden müssen. Und doch macht sich die kleine Anstrengung bemerkbar, wenngleich jetzt kurz vor Sonnenuntergang die größte Hitze längst gewichen ist. Eine knappe Viertelstunde brauchen wir vom Parkplatz am Highway 89 aus, ehe wir für die Mühe belohnt werden. Nur noch einige Meter über den rotbraunen Fels und wir stehen am Abgrund. 300 Meter unter uns fließt der Colorado River, der sich hier in der Form eines Hufeisens durch seine fast senkrecht in den Stein gegrabene Schlucht mäandert. Hier am Horseshoe Bend befinden wir uns etwa sechs Kilometer außerhalb des Städtchens Page im Norden des US-Bundesstaates Arizona unmittelbar an der Grenze zu Utah. Die rotbraune Schlucht mit dem grünschimmernden Wasser des Colorado in der Tiefe zählt vollkommen zurecht zu den Sehenswürdigkeiten dieser an Naturschönheiten wahrlich nicht armen Region. Besonders in der Stunde vor Sonnenuntergang kommen Fotografen hier voll auf ihre Kosten – und wenn sie ein starkes Weitwinkelobjektiv dabeihaben, können sie den Flusslauf samt der von ihm umflossenen Halbinsel komplett auf die Speicherkarte bannen. Oder man setzt sich einfach auf die Felsen, um den Ausblick bei himmlischer Ruhe zu genießen. Zumindest, wenn man Glück hat. Es kann nämlich durchaus passieren, dass zum Beispiel eine Horde französisch sprechender kanadischer Jugendlicher auf Schulausflug sich den Aussichtspunkt abseits des Highways 89 für einen Abstecher ausgewählt hat – und fröhlich drauflos plaudert. 34 Spirit of the West 01/2018

An die Anwesenheit anderer Touristen haben wir uns inzwischen gewöhnt. Gezwungenermaßen, wenn es um Plätze wie den ob seiner überwältigenden Schönheit berühmten Antelope Canyon auf der anderen Seite von Page geht (über diesen berichteten wir in unserer vorherigen Ausgabe) geht. Dort stehen sich die Besucher während der Hauptsaison im Gedränge häufig auf den Füssen. Andererseits sind die Sehenswürdigkeiten im Grand Circle, wie das Grenzgebiet der Staaten Colorado, Utah, New Mexico und Arizona auch genannt wird, so vielfältig, auf ein großes Gebiet verteilt und häufig so weitläufig, dass die Masse an Reisenden nur an wenigen Punkten wirklich negativ ins Gewicht fällt.


Page liegt im Zentrum dieser Region und hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten nicht nur deshalb zu einem Treffpunkt für Outdoor-Enthusiasten und Naturliebhaber entwickelt. Gründe dafür gibt es eine ganze Reihe. Ein wesentlicher ist der Colorado River. Dieser wird seit den 1960er Jahren unmittelbar an der Stadtgrenze durch den Glen Canyon Damm zum Lake Powell aufgestaut. Der Horseshoe Bend, wo wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genossen haben, liegt etwa zehn Kilometer flussabwärts. Hier ist der Colorado gebändigt und fließt relativ träge durch den Glen Canyon und weiter dem Marble Canyon und Grand Canyon entgegen. Die Staumauer wurde zwischen 1956 und 1964 gebaut und der Fluss zum, nach Lake Mead, zweitgrößten künstlichen See der USA aufgestaut. Dieser dient als Teil des Colorado River Storage Project den wasserarmen Staaten des Südwestens als Wasserspeicher. Weitere Zwecke sind die Erzeugung von Elektrizität und der Hochwasserschutz für die flussabwärts gelegenen Regionen – und ganz nebenbei gilt der Lake Powell als einer der schönsten Seen der USA mit einem großen Freizeitangebot, längst nicht nur für Wassersportler.

Mit 216 Metern Höhe über dem gewachsenen Fels – und immerhin 178 Meter über dem Flussbett des Colorado - ist die für 187 Millionen US-Dollar gebaute Staumauer die fünfthöchste Talsperre der Vereinigten Staaten. Sie ist 475 Meter lang und an der Krone knapp acht Meter

breit, während die Breite am rechten Widerlager stolze 106 Meter beträgt. 3,75 Millionen Kubikmeter Beton sind hier verbaut und 4,2 Millionen Kubikmeter Sand und Gestein bewegt worden. Pro Sekunde werden durch acht Rohre mit Durchmessern zwischen 4,3 und 4,6 Metern 940 Kubikmeter Wasser auf acht Turbinen geleitet. Deren je 155.550 PS treiben je einen Generator an. Das Kraftwerk liefert 1.296 Megawatt Strom für die Bundesstaaten Wyoming, Colorado, Utah, New Mexico und Arizona. Im Carl T. Hayden Visitor Center gibt es Informationen über die unterschiedlichsten Aspekte des Projektes. Namenspatron Hayden spielte in den politischen Auseinandersetzungen um die Wasserversorgung im Südwesten eine bedeutende Rolle und vertrat Arizona ein halbes Jahrhundert lang in Washington. Noch als 90-jähriger gehörte er dem US-Senat an. Das nach ihm benannte Besucherzentrum überragt als Rundbau das westliche Ende der Staumauer und wurde schon kurz nach deren Fertigstellung eingeweiht. Durch großflächige Panoramafenster eröffnet sich von hier ein einmaliger Blick über den Lake Powell, die Mauer und die benachbarte Brücke über den Glen Canyon. Diese kürzte während der Bauarbeiten den Weg auf die andere Seite der Schlucht um satte 300 Kilometer ab – auch wir benutzen sie während unserer Tage in Page und am Lake Powell regelmäßig. Während Bilder, Texte und Filme im HeydenCenter den Bau von Damm und Brücke dokumentieren, widmen sich andere Bereiche der Ausstellung der Kunst und dem Handwerk der Navajo. Mauer und See liegen inmitten des Stammesgebietes. Trotz der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 enorm verschärften Sicherheitsvorkehrungen – die Kontrollen stehen jenen in Flughäfen nicht nach und die Mitnahme von Taschen ist verboten – zählt das Hayden Visitor Center jährlich eine Million Besucher. Viele von ihnen schließen sich einer der lohnenden Touren der gemeinnützigen Glen Canyon Natural History Association an. Diese führen zunächst auf die 35 Meter unter dem Besucherzentrum gelegene Krone der Staumauer. Von dort kann man seinen Blick die Mauer entlang zum Colorado schweifen lassen. Dorthin geht es mit einem zweiten Fahrstuhl, der die 175 Höhenmeter zum Fluss in kaum mehr als einer Minute zurücklegt. An den acht Generatoren vorbei geht es nach draußen. Mehr noch als die fast senkrechten Felswände der Schlucht werden wir hier überrascht von einer Rasenfläche. Sie liegt zwischen Mauer und Kraftwerk und dient als natürliche Kühlung des Gebäudes, wie wir von unserem Guide erfahren.

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Der Bau des Glen-Canyon-Dammes hatte natürlich auch enorme Auswirkungen auf die Umwelt. Nachdem 1963 die Turbinen und Generatoren eingebaut worden waren, dauerte es 17 Jahre, bis der Stausee komplett gefüllt war. Dessen Ausmaße sind ebenso riesig wie das ganze Projekt umstritten war und noch immer ist. Das Einzugsgebiet des Lake Powell umfasst 280.000 Quadratkilometer, also eine Fläche grösser als die Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung. Wird die maximale Stauhöhe erreicht, hat das Gewässer eine Länge von etwa 300 Kilometer, ist 40 Kilometer breit und bis zu 170 Meter tief. Seine Küstenlinie ist mit 3153 Kilometer länger als die Westküste der USA von San Diego an der mexikanischen Grenze bis hinauf zur kanadischen Grenze bei Seattle. Das Speichervolumen soll mehr als 33 Millionen Kubikmeter betragen. Natürlich nur, wenn der See komplett gefüllt ist. Zuletzt war das kurz nach der Jahrtausendwende der Fall. Brian Hammond, der seit 45 Jahren in Page lebt und einen großen Teil seiner Zeit am und auf dem Lake Powell verbringt, beschreibt uns die Situation im Frühjahr 2014 so: „Der Wasserspiegel steigt im Mai und Juni wegen der Schneeschmelze in den Bergen deutlich an. Dieses Jahr dürften es etwa 15 Meter sein. Nach zwölf Jahren Dürre in unserer Region der Staaten ist der See aber selbst dann noch immer weniger als zur Hälfte gefüllt.”

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Für den Reisenden bedeutet dies, dass die für die Gegend rot-weiß gestreiften Felsen besonders hoch aus dem Wasser ragen, sich breite Strände bilden und der eine oder andere der mehr als 100 überfluteten Canyons trocken gefallen ist – oder aber auf einer Boots- oder Kajaktour ausgiebig erforscht werden kann. Die Beispiele verdeutlichen, dass die Ebbe im Lake Powell dessen touristischer Nutzung keinesfalls abträglich ist. Der See trägt den Namen des Bürgerkriegsveteranen und Forschers John Wesley Powell. Dieser hat auf seinen Expeditionen sowohl den Glen Canyon als auch den mächtigen Grand Canyon erkundet und Letzteren seinen heutigen Namen gegeben. Die Stadt Page, die als Arbeitersiedlung während des Dammbaus gegründet wurde, hat Powell ein interessantes Museum gewidmet, das zugleich auch als Touristen-Information des etwa 7000 Einwohner zählenden Ortes dient. Rentner Brian Hammond, der als Elektriker arbeitete und seit 15 Jahren als Bootsführer Touristen die Sehenswürdigkeiten der Umgebung näherbringt, hat alle Veränderungen in dem Städtchen miterlebt: „In Page leben heute nicht viel mehr Menschen als früher. Aber der Tourismus hat im Laufe der Jahre stark zugenommen. In diesem Sektor gibt es die meisten Arbeitsplätze, aber auch der Damm und das Kohlekraftwerk der Navajo-Nation beschäftigt viele Leute.”


An dem Gelände kommen wir vorbei, als wir außerhalb der Stadt nach Osten auf den Highway 98 abgebogen sind, um zur Antelope Point Marina zu fahren. Hier sind wir mit Brian Hammond für eine Bootstour verabredet, die uns zum tiefer gelegenen Bereich des Antelope Canyons bringen soll. Kaum haben wir den geschützten Bereich des Hafens verlassen, beschleunigt Brian das zehn Meter lange Boot. Auch wenn der Fahrtwind etwas für Kühlung sorgt, wird uns schnell klar, weshalb Brian die Monate September und Oktober für die schönsten in Page hält: „Da die Schule wieder begonnen hat, sind nicht mehr so viele Besucher hier. Zudem bieten der See und das Wetter die besten Bedingungen. Mai und Juni sind aber auch nicht schlecht, weil es dann noch nicht so heiß ist.” Wir haben uns allerdings einen Termin Mitte Juli ausgesucht und müssen daher mit der brütenden Hitze von an die 40 Grad umgehen. Die von Wind und Wasser geformten roten und von weißen Streifen durchzogenen Felsen aus NavajoSandstein, lenken uns von der Hitze ab. Wir folgen dem ursprünglichen Lauf des Colorado, wenngleich dieser im See natürlich nicht mehr zu erkennen ist. An bizarren Formationen, Klippen, Wasserfällen und Schluchten hat Lake Powell genug für eine mehrtägige Fahrt zu bieten – die man mit einem gemieteten Hausboot nach eigenen Vorlieben gestalten kann. Die von den Navajos als heiliger Platz angesehene Rainbow Bridge gilt als größte Felsbrücke der Welt. Sie ist nur über eine stundenlange Wanderung oder aber über den Wasserweg auf einer Tagestour zu erreichen. Leider hatten wir auf dieser Reise keine Zeit, dorthin zu fahren. Man sollte sie aber nicht verpassen und deshalb, auf jeden Fall einen Tag dafür einplanen.

Brian zeigt seit 15 Jahren Touristen aus aller Welt die Besonderheiten der Gegend. „Die meisten Gäste reagieren ähnlich, egal aus welchem Teil der Welt sie kommen: Sie sind begeistert von der Schönheit des Lake Powell. Von den hunderten Schluchten, die es hier gibt, gefällt mir der West Canyon am besten.” Den bekommen wir aber nicht zu sehen, weil unser Ziel Lower Antelope Canyon relativ nahe am Ausgangspunkt liegt. Nach einer halben Stunde haben wir ihn erreicht. Langsam schiebt sich das Boot zwischen 60 Meter senkrecht in die Höhe ragenden Felswänden vorwärts. Diese treten hinter jeder der zahlreichen Windungen etwas näher zusammen. Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Brian legt in der Nähe eines Sandstrandes an. Wir steigen aus und erkunden barfuß den weiteren Verlauf der Schlucht, nachdem wir einige Meter durch knietiefes Wasser gewatet sind. Wer seine Schuhe mitgenommen hat, ist im Vorteil. Der Grund: Nur im Schatten ist der sandige Boden kühl genug, um darauf zu laufen. Nach zwei Kurven erreicht die Sonne jedoch die gesamte Breite der Schlucht. Eine halbe Stunde haben wir Zeit, genug um einen Eindruck zu bekommen. Wer möchte, kann der Schlucht einige Kilometer zu Fuß folgen. Wir verzichten heute jedoch darauf und kehren mit Brian zurück zur Marina.

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Vom See haben wir aber noch lange nicht genug. Im Gegenteil: Wir verlassen jetzt zwar die Glen Canyon National Recreation Area. Dieses 1972 eingerichtete nationale Erholungsgebiet erstreckt sich über mehr als eine halbe Million Hektar über Arizona und Utah und wird vom Nationalparkservice verwaltet. Für uns bedeutet das, dass wir an den Zufahrten zu den verschiedenen Freizeiteinrichtungen am Lake Powell wie Marinas oder Stränden unseren ein Jahr gültigen Nationalparkpass vorlegen müssen. Mit diesem sind die sonst fälligen 25 Dollar pro Fahrzeug (für sieben Tage gültig) abgegolten.

Der Stausee umfasst lediglich 13 Prozent des Erholungsgebietes, in das wir später wieder hineinwollen. Zunächst geht es aber zurück nach Page, wo wir uns im Büro von Hidden Canyon Kayak mit unseren Guides treffen. Schließlich wollen wir uns auch den Rest des Tages auf – und im – kühlenden Wasser aufhalten. Die Formalitäten sind schnell erledigt. Dann fahren wir hinter dem Wagen mit den Kajaks her in Richtung Norden, queren die Brücke am Glen Canyon Damm und biegen vom Highway 89 ab. Bald sind wir wieder in der National Recreation Area und passieren die Wahweap Marina. Sieben Kilometer weiter verlassen wir die Straße und fahren auf den breiten Sandstrand des Lone Rock Beach. Hier stellen wir unseren Wagen ab, um nicht im tiefer werdenden Sand stecken zu bleiben. Die Leute von Hidden Canyon haben zum Glück Allradantrieb und können so bis zum Ufer vorfahren. Die Boote sind schnell abgeladen, Schwimmwesten angezogen und schon kann es losgehen. Das heißt: Als Anfänger lassen wir uns erst einmal die Grundregeln des Paddelns erläutern. Später muss uns Amy noch einmal Nachhilfeunterricht erteilen. Während der Rest der Gruppe uns fast schon enteilt ist oder sich die Zeit durch den einen oder anderen Abstecher abseits der direkten Route zu unserem Ziel vertreibt, fahren wir immer wieder im Kreis. Amy hat den Grund aber schnell durchschaut: Ich bin Linkshänder und setze deshalb meine Kraft nicht gleichmäßig ein. Wenn ich aber hin und 40 Spirit of the West 01/2018

wieder einen Schlag aussetze geht es in flottem Tempo in die gewünschte Richtung vorwärts. Diese führt uns zum gegenüberliegenden Ufer, wo wir eine Pause einlegen. Statt uns in die Sonne zu legen, springen wir ins Wasser und nehmen ein kühlendes Bad, ehe es weiter zu einem der zahlreichen Canyons geht. Auf dem Rückweg kommen uns einige der Schnellboote, die ständig auf dem Lake Powell unterwegs sind, einigermassen nahe. Das ist zwar nicht gefährlich, unser Kajak gerät aber doch ziemlich ins Schwanken. Nach einigen Stunden sind wir zurück beim Auto und haben einen Bärenhunger. Um diesen zu stillen, gibt es in Page zahlreiche Möglichkeiten – ganz abgesehen von den üblichen Fast-Foot-Ketten. „Ich kann Euch drei gute Restaurants empfehlen, in die ich gerne gehe: Dam Bar and Grill, Blue Buddha und Fiesta Mexicana, je nachdem, auf was Ihr Appetit habt”, gab uns Brian Hammond einen – wie sich herausstellen sollte – guten Tipp mit auf den Weg. Er erzählt auch, was ihm an Page so gut gefällt: Die Lage nahe am See und den Bergen. Zu letzteren brechen wir am nächsten Morgen auf, um einen seiner Lieblingsplätze zu besuchen, der auch zu den bekanntesten der Region gehört: Lee’s Ferry. Hier wurde im 19. Jahrhundert bereits eine Fähre über den Colorado betrieben. Heute wird er von vielen Bootstouren durch den Glen Canyon als Anlegestelle benutzt – und Brian wirft hier zudem gerne seine Angelleine aus oder wandert im Glen Canyon bzw. dem malerischen Marble Canyon. Dort vertreten wir uns auch etwas die Beine und setzen dann unseren Weg zum nächsten Höhepunkt unserer Reise fort: dem Grand Canyon, zu dem es von Page aus nur gut zwei Autostunden sind. Mit dem Monument Valley sowie den Nationalparks Bryce und Zion in Utah gibt es in der Region weitere Sehenswürdigkeiten, die sich nicht nur nach Ansicht von Brian Hammond sehr gut mit einem Abstecher zum Lake Powell und nach Page verbinden lassen.


So kommen Sie zum Lake Powell: Von Deutschland aus gibt es Nonstop-Flüge nach Las Vegas bzw. mit Zwischenstopp nach Phoenix. Vom Flughafen geht es weiter mit einem Leihwagen, den Sie am besten bereits in Deutschland reservieren sollten. Page-Lake Powell Touristeninformation Powell Museum & Visitor Center 6 North Lake Powell Blvd., Page, AZ 86040 * www.visitpagelakepowell.com Hidden Canyon Kayak 908 North Navajo Drive, Page, AZ 86040 Tel: 928-660-1836 * www.hiddencanyonkayak.com Antelope Point Adventure Tours 533 Marina Parkway, Page, AZ 86040 * Tel: 928-645-5900 * www.antelopepointlakepowell.com

Photos: Beate Kreuzer; Sonja Stimmer; Page-Lake Powell Tourism; Utah Office of Tourism; D € 4,50

A € 5,20

CHF 6,50

L € 5,20

I € 6,10

E € 6,10

USA $6.50

3/2014 Juli, August,

Reise

Gourmetreis Schienen e auf

Napa Valley

Lifestyle

September

Abenteuer

Wine Train

ewestmagazin

ten ohne End

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Canyons und Küs

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Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 03/2014.

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Wedeln in

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Colorado C

Text: Sonja Stimmer

hampagne Powder, fantastische Abfahrten soweit das Auge reicht, atemberaubende Buckelpisten, freundliches Personal am wenig besuchten Lift, beheizte Gehwege – worauf warten Sie noch? Ab in die Rocky Mountains! Ich habe mich durch ein paar ganz tolle Skigebiete in Colorado „gewedelt“ Es war bitterkalt aber einfach traumhaft!

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Vail Das Tirol Amerika’s wird ständig zu den Top 10 Skiresorts in den USA gewählt. Mit durchschnittlich 300 Sonnentagen und ca. 9m feinsten Champagne Powder pro Jahr bietet das größte Skigebiet Nordamerikas unendliche Möglichkeiten. Die Experten unter den Skifahrern lieben die kilometerlangen, schwarzen Abfahrten der Back Bowls mit Pulverschnee und Buckelpisten auf der Rückseite des Berges sowie das Blue Sky Basin – ca. 260 Hektar unpräpariertes Gelände. Ein Drittel der Pisten sind leichte/ mittlere Abfahrten; von Gedränge auf den Pisten keine Spur. Die langen Warteschlangen, wie man sie von unseren Skigebieten in Europa kennt, gibt es hier einfach nicht. Somit können Sie Ihren Skitag und Pass richtig ausnutzen. Vail ist aufgeteilt in Vail Village und Lions Head – beide Orte liegen auf ca. 2500m Höhe. Die ungewohnte Höhenlage und besonders niedrige Luftfeuchtigkeit machen sich sehr schnell bemerkbar und es kann anfangs zu Schwindelgefühlen, Atemlosigkeit und sogar Nasenbluten kommen. Ausreichend Wasser trinken, gut eincremen und lieber öfter mal eine kurze Pause einlegen. Bevor es losgeht, besorgen Sie sich eine Karte - das Gebiet ist viel zu groß, um sich ohne zurecht zu finden bzw. sich alle Abfahrten merken zu können. In Vail Village geht es mit dem Vista Bahn Express auf den Vail Mountain. Der Wildwood Express bringt Sie zur „Hunky Dory“ Abfahrt; die einfache Piste ist gerade richtig für die noch müden Beine. Unten angekommen hat man mehrere Möglichkeiten, Vail Mountain zu erkunden. Es bieten sich genügend leichte und mittelschwere Pisten an, um sich im oberen Teil aufzuhalten. Erkunden Sie das Gebiet und kehren dann ins Two Elk Restaurant ein, das auf 3420m Native American Spezialitäten anbietet und einen fantastischen Ausblick auf Gore Range und dem unterhalb gelegenen Tal gewährt. Buffalo’s ist ideal für einen kurzen Snack wie Sandwiches, Salate, Chili oder einen Cappuccino bzw. Espresso. Falls Ihr Skitag in Lion’s Head beginnt, geht es mit der Eagle Bahn Gondola rauf, zu Eagle’s Nest. Dort gibt es eine Menge kürzerer Abfahrten und Lifte sowie einige schwarze Pisten. Von Eagle’s Nest haben Sie Zugang zum Adventure Ridge - ein Freizeitpark – ideal für Kinder. Das vielfältige Angebot besteht aus Eislaufen, tubing, Snowmobil Touren, Tanzaktivitäten und natürlich jede Menge für einen knurrenden Magen, wie z.B. Gondoly’s Pizza. Ein beliebter Treffpunkt, auch für die Nicht-Skifahrer, ist das Eagle’s Nest Restaurant, das auch am Abend geöffnet ist. 44 Spirit of the West 01/2018

Für die Freestyler und Snowboarder gibt es drei perfekt und kreativ durchdachte Terrain Parks (Golden Peak, Bwana, Pride) – von Anfänger bis Experten, mit u.a. einer ca. 135m langen und 5 Meter hohen Superpipe. www.ridevail.com

Westernambiente mit österreichischem Flair machen Vail zu einem ausgesprochen romantischen Städtchen. Ausgezeichnete Restaurants und Bars, gepflegte Boutiquen und Einkaufsmöglichkeiten, Aprés Ski und Nachtleben, Konzerte und Galerien sowie eine Vielzahl an Veranstaltungen - ein idealer Urlaubsort. Der kostenlose Bus fährt regelmäßig zwischen Vail Village und Lion’s Head sowie East und West Vail. Info unter 970-479-2358 ECO Transit pendelt von 6.00 Uhr – 2.00 Uhr alle halbe Stunde für $3-$5 ins nahe gelegene Beaver Creek und zurück. Info unter 970-328-3533

Vail

Längste Abfahrt: Riva Ridge 6.4 km Abfahrten: 195 Lifte: 2 Gondelbahnen 2 Sechser Sessellifte 17 Expresslifte 10 Sessel/Schlepplifte Info: www.vailresort.com


Hotels Ein Großteil der Hotels und Restaurants in Vail unterliegen dem Management von Vail Resorts bzw. Rock Resorts. Es gibt jedoch ein paar privat geführte, sehr schöne und luxuriöse Unterkünfte. Schauen Sie auf die Webseite, auf der sämtliche Unterkünfte aufgeführt sind www.vailresort.com. Dort finden Sie sicherlich das für Sie am besten geeignete Hotel. Hotel Gasthof Gramshammer – Österreichische Gemütlichkeit gepaart mit amerikanischem Komfort. Das Hotel liegt im Herzen von Vail Village und nur wenige Minuten von Vail Mountain, Restaurants und Shopping entfernt. Die liebevoll eingerichteten Zimmer und Suiten haben teilweise Balkon und Küche. In dem privat geführten Haus des österr. Skifahrers Pepi Gramshammer gibt es u.a. auch ein Restaurant, Bar sowie ein Sportgeschäft mit Skiverleih. Info: 970-476-5626 * www.pepis.com Das Arrabelle at Vail Square vermischt zeitlose Eleganz eines europäischen Grand Hotels mit dem romantischen und reizvollen Stil Vail’s alpiner Herkunft. Vail kann seine österreichischen und deutschen Mitbegründer nicht verleugnen. Das Arrabelle ist ein ultra-luxuriöses Hotel mit 81 Zimmern und Suiten, die alle an den Biedermeierstil des frühen 19. Jahrhunderts erinnern – einfach, elegant und funktionell mit offenem Kamin, Flachbildschirm-TV, DVD-Spieler und großzügig eingerichteten Badezimmern. Das Resort bietet u.a. ein Spa, Restaurant, Skiverleih und Kinder-Skischule. Info: 970-429-5045 * http://arrabelle.rockresorts.com

Restaurants

Ein besonderes Dinner Erlebnis ist das Game Creek Restaurant am Vail Mountain, das einen ausgezeichneten Ausblick bietet. Amerikanisch-Französische Küche und ein beträchtliches Weinangebot, gepaart mit exzellentem Service machen das Game Creek zu einem kulinarischen Höhepunkt. Lassen Sie sich mit der beheizten Snowcat hinauf befördern um dem Abend eine besondere Note zu verleihen. Reservierung erforderlich. Tel: 970-479-4275 Das Larkspur Restaurant am Fuße des Vail Mountain ist ein ausgesprochen schönes und elegantes Restaurant mit offener Küche, offenem Kamin und verglasten Weinraum. Besitzer und Chefkoch Thomas Salamunovich kreiert Gourmet vom Feinsten, der Service ist erstklassig und das Ambiente sehr sexy. Tel: 970-479-8050

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Beaver Creek In der Partnerstadt von Lech/Zürs sind dem Luxus keine Grenzen gesetzt – beheizte Gehwege, überdachte Rolltreppen, die Sie zur Piste bringen, anspruchsvolle Abfahrten und kaum Wartezeiten. Die bergige Anfahrt führt an Villen und Anwesen vorbei, die bekannten Stars aus Film, Fernsehen und Politik gehören. Beaver Creek hat sich bei der High Society fest etabliert und ist doch ein familienfreundliches Skigebiet geblieben. Erstklassige Hotels, feine Juweliere, exklusive Boutiquen, hochwertige Kunstgalerien und mitten drin ein Eislaufplatz vermitteln auch hier den europäischen Stil, den die Amerikaner so sehr lieben. Beaver Creek ist ein Muster an Umweltschutz; 100% Windenergie und 1.2 Millionen Pfund jährlich Recyclingmaterial. Sogar die Pistenkarten sind aus Recyclingpapier. Ziemlich beeindruckend für amerikanische Verhältnisse. Beaver Creek ist aufgeteilt in drei kleine „Dörfer“, die alle am Fuße des Beaver Creek Mountain liegen und mit dem kostenlosen Shuttle jederzeit erreichbar sind: Beaver Creek Village ist Mittelpunkt des Treibens – alles verbunden mit beheizten Gehsteigen und Rolltreppen. Sämtliche Hotels und Wohnungen sind so angelegt, dass man über Brücken und Wege gleich auf die Piste kommt. In Bachelor Gulch hat sich das traumhaft platzierte Ritz-Carlton Bachelor Gulch angesiedelt sowie einige Ferienhäuser, die man mieten kann. Bachelor Gulch bietet direkten Pistenzugang und eine wunderbare Bergstille. Die Nähe zu Restaurants, Skiverleih und Skischule versteht sich als selbstverständlich. In Arrowhead befinden sich viele private Häuser und Eigentumswohnungen, die man anmieten kann. Der kleine Ort bietet Abgeschiedenheit und einen ausgezeichneten Pistenzugang.

Weltcup-Skirennläufer Daron Rahlves ist ganz begeistert von Beaver Creek. Testen Sie Ihr Können auf der „Bird of Prey“, auf der jedes Jahr die Super-G und Abfahrtsläufe der Herren stattfinden. „Grouse Mountain“ ist eine hervorragende Buckelpiste. Für diejenigen, die gepflegte, platt gewalzte Pisten suchen, gibt es z.B. „Larkspur“ und „Rose Bowl“. „Talon’s Challenge“ ist eine Herausforderung in sich – 13 der schwierigsten Abfahrten befinden sich hier - alles schwarze Pisten! An die 52 Arbeiter sorgen 20 Std. pro Tag, sieben Tage die Woche dafür, dass sämtliche Pisten und Abfahrten in einem ausgezeichneten Zustand sind. Und das bis rauf auf 3,450m. Für den Hunger auf der Piste gibt es das Brocken Arrow Restaurant, beliebt für Burgers und Pizza; gleich beim Arrowhead Express Lift Nr. 17. Bei der Bergstation des Centennial Express Lifts Nr. 6, befindet sich die Spruce Saddle Lodge, die Barbeque, Chili Burgers und frische Salate serviert. Tipp: Bei -20C Einkehrschwung ins RitzCarlton auf eine heiße Schokolade am offenen Kamin! Nicht verpassen: Täglich um 15 Uhr gibt es traditionell ofenfrische Kekse an der Talstation.

Beaver Creek

Längste Abfahrt: Abfahrten: Lifte:

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Centennial 4.5 km 150 2 Gondelbahnen 10 Expresslifte 13 Sessel/Schlepplifte Info: www.beavercreek.com


Hotels Ein absolutes Top-Hotel ist das Ritz-Carlton Bachelor Gulch. Versteckt liegt es in den Bergen zwischen Beaver Creek und Arrowhead mit direktem Zugang zu den Pisten. Hier können Sie wahrhaftig mit den Skiern bis zum Eingang fahren. Mit seiner einmaligen Lage, den 140 Zimmern und 40 Suiten bietet das Ritz-Carlton unvergleichlichen Luxus. Fast alle ca. 45qm großen und gemütlich eingerichteten Zimmer haben Aussicht auf die Berge oder ins Tal. Im Spa und Fitnesscenter sowie Swimmingpool und Whirlpool können Sie sich verwöhnen lassen. Zum Aprés Ski geht es in die rustikale Buffalo Bar, die auch Kleinigkeiten zum Essen serviert sowie jeden Abend Live-Unterhaltung und geröstete Marshmallows am Kaminfeuer bietet. Nicht zu vergessen, die tolle heiße Schokolade am Kamin! Info: 970-748-6200 * http://www.ritzcarlton.com/en/Properties/BachelorGulch/Destination/Default.htm

Restaurants Das SaddleRidge Restaurant strahlt mit seinen gewölbten Deckenwänden und authentischen Gegenständen aus dem alten Westen eine warme Gastfreundschaft aus. Die Speisekarte wird beherrscht von Gerichten aus der Bergwelt – Büffelsteak mit Yukon Kartoffeln, Lamm mit Pistazienkruste aber auch Forelle mit Shrimp- und Tomatenragout. Als Dessert gibt es Haselnuss Creme Brûlée oder karamellisierte Birnentorte. Zum Abschluss noch einen feinen Portwein am offenen Kaminfeuer. Das Restaurant ist nur am Abend geöffnet und mit dem kostenlosen Shuttle vom St. James Platz aus zu erreichen. Unbedingt reservieren! Tel: 970-754-5456

The Dusty Boot Steakhouse & Saloon am St. James Platz ist ein etwas legereres Restaurant mit Südwestern Flair. Hier gibt es, überraschenderweise, außer den typischen Westerngerichten auch Vegetarische und Glutenfreie Angebote. Hinzu kommt eine beeindruckende Auswahl an Margaritas. Tel: 970-748-1146

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Breckenridge Das ehemalige Goldgräberstädtchen mit seinen viktorianischen Bauten verfügt über einen historischen Charme und jede Menge Flair. Die Atmosphäre ist entspannt locker und bietet den perfekten Hintergrund für diejenigen, die nach dem Skifahren noch das Nachtleben genießen wollen. Nicht so mondän wie Beaver Creek oder Vail, trotzdem ein Weltklasse Skigebiet in dem man sich wohl fühlt. Entlang der Main Street finden Sie ein Geschäft und Restaurant nach dem anderen. Nein, die Gehsteige sind hier nicht beheizt und zum Lift gibt es keine Rolltreppen; obwohl dieser Luxus fehlt, gefällt mir persönlich Breckenridge am besten. Es ist ein quirliges nettes Städtchen mit jungem Publikum, einer gesunden Mischung an Hotels und Luxus Resorts, und alles nur ein paar Meter von der Gondel entfernt.

Die Talstation von Breckenridge befindet sich auf 2926m. Mit dem Imperial Express verfügt Breckenridge über den höchsten Sessellift Nordamerikas, der Sie auf ca. 3500m bringt. Von dort haben Sie die Möglichkeit, noch 400m auf 3914m hinauf zu steigen. Sieht nicht nur steil aus, sondern ist auch steil und Sie glauben gar nicht, wie dünn die Luft wird. Selbst für einen Nichtraucher vollbringen die Lungen hier Schwerstarbeit. Aber, es lohnt sich. Sie werden mit einem 360° Ausblick belohnt und sehen meilenweit über die Rocky Mountains. Von dort oben gibt es allerdings nur schwarze Abfahrten, also nicht geeignet für Anfänger. Breckenridge ist bekannt für Anfänger-freundliches Terrain und bietet jede Menge Skivergnügen, verteilt auf vier Berge. Für diejenigen, die sich noch nicht auf den schwarzen Pisten wohl fühlen, gibt es die besten Abfahrten beim Sessellift Nr. 7 auf Peak 8 sowie ein Teil der „Four O’ Clock”, die mit 5.6 km die längste Abfahrt in Breckenridge ist. Selbst die mittelschweren Pisten sind hier zu bewältigen, wie z.B. Peak 7 mit seinen kleinen Hügeln. „Claimjumper” bei 48 Spirit of the West 01/2018

Breckenridge

Längste Abfahrt: Abfahrten: Lifte:

Four O’Clock 5.6 km 187 1 Gondelbahn 10 Expresslifte 23 Sessel/Schlepplifte

Peak 8 ist ein Favorit unter den Einheimischen. Zwei Expresslifte bringen Sie bei Peak 9 zu über 10 Abfahrten um wahrhaftig nonstop Skifahren oder Snowboarding zu genießen. Die „Peerless” Abfahrt bei Peak 9 ist ideal um ein Gefühl für Buckelpisten zu bekommen. Wenn Sie ein Fan von Buckelpisten sind, dann auf zu „The Burn” – die legendärste Abfahrt, die, wie der Name schon sagt, Ihre Oberschenkel schier brennen lässt. Peak 7 bietet ein riesiges, baumloses 45-Grad-Gelände. In Breckenridge gibt es eine große Anzahl von Skigeschäften, Boutiquen, kleinen Geschäften und Galerien. Schauen Sie sich den historischen Distrikt an, der einer der ältesten ist in Colorado. Auch heute noch finden Sie dort eine Vielzahl an Blockhütten und viktorianischen Häusern. Der nette Ort bietet mehr als 30 Bars, Pubs und Restaurants sowie Live Musik und Nachtclubs – die Auswahl fällt einem nicht leicht. Auch hier befinden Sie sich bereits auf ca. 3000m, d.h. man benötigt etwas Zeit, um sich dem Klima anzupassen. Bevor Sie sich ins Nachtleben stürzen, schauen Sie doch bei der 02 Lounge in der Main Street vorbei. Die Oxygen Bar und Internet Café versorgt Sie mit „Herbal Martinis“ und sauerstoff-angereicherter Luft. Nebenbei können Sie noch im Internet surfen, bis Sie fit sind um auf stärkere Sachen umzusteigen.


Hotels Beaver Run Resort, ein Top Hotel, direkt am Beaver Run Sessellift. Mit zwei Pools, Sauna, Whirlpools, Fitnessraum sowie Massage und Spa Service lässt dieses Hotel nichts zu wünschen übrig. Die Unterkünfte reichen vom Standard Hotelzimmer bis hin zur 4-Zimmer Suite, teilweise mit kompletter Küche und Kamin. Info: 970-453-6000 * www.beaverrun.com BlueSky ist eine Anlage mit 52 großzügig angelegten 2- bis 5-Zimmer-Wohnungen, ausgestattet mit Designer-Küchen, riesigen Badezimmern, Kamin und Balkon. Ein eigener Skilift, Fitnesscenter, Pool und Spa versprechen einen angenehmen Aufenthalt. Der kostenlose Shuttle bringt Sie ins nahe gelegene Zentrum und wieder zurück. Info: 970-453-4000 www.blueskybreckenridge.com

Restaurants

Das Hearthstone Restaurant befindet sich in einem 120 Jahre alten Viktorianischem Haus in Downtown Breckenridge. Ein Favorit unter den Einheimischen seit 1989, bietet das leger-elegante Restaurant kreativ aufbereitete kulinarische Köstlichkeiten und ausgefallene Desserts. Hervorragende Weine aus heimischen Anbaugebieten sowie Importe aus Übersee runden das Angebot ab. Reservierung wird empfohlen unter 970-453-1148 * http://www.hearthstonerestaurant.biz Relish ist ein lebhaftes Restaurant mit Bar im 2. Stock eines Gebäudes mit ausgezeichnetem Ausblick. Die bunten Wände, verziert mit Fotografien und Gemälden von lokalen Künstlern vermitteln einen gemütlichen Eindruck. Chefkoch und Besitzer Matt Fackler serviert Ihnen kreative Köstlichkeiten wie Colorado Lamm, gegrilltes Lachsfilet oder Wildsteak. Happy Hour mit Snacks gibt es täglich von 16.00-18.00 Uhr. Reservierung unter 970-453-0989 * www.relishbreckenridge.com

So kommen Sie hin:

Von Deutschland gibt es Non-Stopp Flüge mit Lufthansa ab München und Frankfurt nach Denver. Von dort bringt Sie der Colorado Express Shuttle (www.ridecme.com) in die Skiorte. Ein Leihwagen ist nicht unbedingt nötig. Der kostenlose bzw. günstige Bus Service sorgt dafür, dass man in den jeweiligen Orten auch ohne Auto gut zurechtkommt. NEU: Ab 4. Juni 2018 gibt es mit Edelweiß einen Non-Stopp Flug Zürich-Denver; vorerst leider nur für die Sommersaison. Der Skipass ist gültig in allen drei Ski-Resorts und kann auch online reserviert werden. Oftmals gibt es bei der Vorabreservierung bzw. Buchung über ein Reisebüro Vergünstigung. Mehr Info finden Sie unter: Vail: www.vail.com * www.vailresorts.com Beaver Creek: www.beavercreek.com Breckenridge: www.gobreck.com Colorado Tourism: www.colorado.com

Photos: Vail Resorts (Jack Affleck/Chris McLennan/Jeff Scroggins/Steven Wilkes);

Sie haben Lust auf so eine Reise? Machen Sie mit bei unserem Gewinnspiel mit America Unlimited und mit etwas Glück gewinnen Sie einen der drei Reisegutscheine im Wert von €400. Den können Sie gleich einlösen für eine der tollen Skireisen. Mehr Info auf www.america-unlimited.de SPIRIT 01/2009

ISSN 1940-5898

D 4.50

A 5.00

of the W EST

CHF 8.80

USA $5.50

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Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 01/2009.

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Text: Walter Kreuzer 50 Spirit of the West 01/2018


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enn es eine Landschaft gibt, die als Sinnbild des Wilden Westens gesehen wird, dann ist es das Monument Valley. Zahllose Kino- und Werbefilme haben dessen bizarre Felsformationen, wuchtigen Mesas und Buttes an der Grenze von Arizona und Utah seit Jahrzehnten immer wieder als malerischen Hintergrund genutzt.

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„Haltet Euch fest”, ruft der Teenager neben mir. Das ist leichter gesagt als getan. Zu fünft sitzen wir zusammengedrängt, und kaum zu einer Bewegung fähig, im Führerhaus eines Pick-up-Trucks. Dieser ruckelt und schaukelt über eine von Löchern und Pfützen übersäte Piste durchs Monument Valley. Um uns herum tobt ein Unwetter. Der Regen prasselt so heftig an die von einem Riss durchzogene Windschutzscheibe unseres Autos, dass die Scheibenwischer den Wassermassen kaum Herr werden. Blitze zucken aus tief hängenden schwarzen Wolken, während wir kräftig durchgeschüttelt werden. Leslie, unser Fahrer und NavajoGuide, gibt mächtig Gas, um den holprigen Anstieg hinauf zum Parkplatz am Besucherzentrum zu schaffen. Dennoch genießen wir die Fahrt, die wir uns noch vor Stunden bei Sommerhitze und leicht bewölktem Himmel ganz anders vorgestellt hatten. Was wir nicht bedacht haben, ist die Regenzeit. Monatelang ist hier in der Nordostecke von Arizona und im südöstlichen Utah kaum ein Tropfen Wasser gefallen. Von Mitte Juli bis tief in den August hinein sind Gewitterstürme am Nachmittag aber an der Tagesordnung. Bei diesem Geschaukel drängt sich der Gedanke an frühere Zeiten auf. Im 19. Jahrhundert sind zigtausende Siedler durch ähnlich unwirtliche Gegenden des damals noch wirklich wilden Westens gezogen. Mit Planwagen sind die Menschen unterwegs gewesen. Oder mit Postkutschen. Jenem Gefährt also, das dem Film seinen Namen geliehen hat, der seit seiner Premiere am 2. März 1939 die Geschichte des Monument Valley maßgeblich verändert hat. Die Rede ist vom Western „Stagecoach” – die deutsche Fassung läuft Anfang der 50er Jahre unter dem Namen „Ringo” in den Kinos - von Regisseur John Ford. Der Streifen verhilft dem jungen Hauptdarsteller John Wayne zum Durchbruch und legt den Grundstein zur Film- und Fernsehkarriere des Monument Valleys, das schließlich durch die Zigarettenwerbung Rauchern ein Gefühl von Freiheit vermitteln soll.

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„Schuld” an dieser Entwicklung zum weltweiten Symbol für den Western und einem der meistfotografierten Touristenmagneten sind Harry Goulding und seine Frau Leone. Die beiden haben sich 1921 etwa 250 Hektar Land in direkter Nachbarschaft zum Monument Valley gekauft. Sie treiben Viehzucht und Handel mit den Navajos, zu deren Reservat das Gebiet gehört. Die Rezession der 30er Jahre setzt der Familie ziemlich zu. Als Harry davon erfährt, dass Regisseur John Ford einen Drehort für seinen nächsten Western sucht, reist er kurzerhand nach Hollywood. Im Gepäck hat er Fotos des Naturfotografen Josef Muench, die ihm schließlich alle Türen öffnen. Ford ist begeistert von den, im Licht der untergehenden Sonne rot wie ein Saphir, glänzenden Sandsteinformationen. Einige davon sind schlank, andere gigantisch und ragen bis zu 300 Meter aus der Ebene heraus. Sie wurden in Millionen Jahren von der Erosion aus Wind und Wasser geformt.


Als 1937 die Filmleute anrücken, wohnen sie bei Harry – so wie auch bei den Filmprojekten, die im Laufe der Jahre folgen sollten. Sie genießen dabei jenen Ausblick, der sich auch heute den Gästen von den Hotelzimmern der Gouldings Lodge bietet. Der für seine Wildwestromane berühmte US-Schriftsteller Zane Grey hat sie einst als „eine seltsame Welt der kolossalen Wellen und Kuppen aus Fels” beschrieben. Die Nadeln, Zinnen, Mesas und Buttes seien „prächtig geformt, freistehend, unnahbar, dunkel, sonderbar und einsam”. Ringsherum erstreckt sich das pure Nichts, nur rot-brauner Staub und etwas Gestrüpp bis zum Horizont. Nun, ganz so verlassen wie es scheint ist die Region nun auch wieder nicht: Die Natur hier auf knapp 1700 Meter Meereshöhe ist lebensfeindlich. Sie ist bedrohlich und doch wunderschön. Das hat Menschen seit mehr als tausend Jahren dazu gebracht, hier zu siedeln. An einigen Felswänden im hinteren Teil des Monument Valley, dort wo Touristen nur in Begleitung eines Navajo-Guides hinkommen, haben die Anasazi Bilder hinterlassen. Die Abbildungen zeigen Antilopen, Hirsche und Vögel. Im 13. Jahrhundert verschwindet der Stamm, später siedeln hier Navajo Indianer. Sie züchten Schafe und Ziegen und schaffen es sogar, dass auf dem trockenen Boden Getreide und Mais wachsen. Mitte des 19. Jahrhunderts werden die Indianer von der US-Regierung vertrieben und erhalten schließlich 1868 einen Teil ihrer alten Heimat als Reservat zugeteilt. Dieses erstreckt sich heute über 69.000 Quadratkilometer im Grenzgebiet der Bundesstaaten New Mexico, Arizona und Utah. Das Monument Valley ist seit 1958 als Navajo Tribal Park unter Schutz gestellt. Mit 121 Quadratkilometern umfasst dieses Gebiet aber nur einen winzigen Bruchteil der Gesamtfläche. Von den 332.000 Angehörigen dieses Stammes – er ist damit der bevölkerungsreichste in den

USA - lebt gut die Hälfte innerhalb des Reservates. Der Boden hier enthält zwar Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas, Kohle, Holz und Uran in Hülle und Fülle, die Geld einbringen. Auf der anderen Seite stehen aber die zunehmende Zerstörung der Umwelt und auch die Gefährdung der Gesundheit. Obwohl die Navajos über das höchste Einkommen aller Indianerstämme verfügen, ist die Arbeitslosenquote mit 40 Prozent ähnlich hoch wie in anderen Reservaten. Viele Menschen leben in drückender Armut, andere ziehen in die Großstadt, um dort ihr Glück zu suchen. Im Monument Valley lassen sich die Lebensumstände der Navajos nur erahnen, etwa an den Ständen, wo vom Traumfänger über Schmuck bis hin zu Wandteppichen indianisches Kunsthandwerk angeboten wird. Wir nähern uns der Gegend von Norden her auf dem Highway 163. Unterwegs bietet sich ein erster spektakulärer Blick, lange bevor wir nach Osten auf eine sieben Kilometer lange Stichstraße einbiegen, die uns zum Besucherzentrum des Navajo Tribal Parks führt. Von der Aussichtsterrasse aus bietet sich ein schöner Blick auf die drei wohl meistfotografierten Formationen: West Mitten Butte, East Mitten Butte und Merrick Butte. Wir sind so überwältigt, dass wir die von Westen heranziehenden dunklen Wolken nicht beachten und uns für den offenen Pick-up-Truck anstelle des angebotenen Jeeps entscheiden, als wir unsere Tour mit Monument Valley Tours antreten.

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Das Leben der Navajo spielt sich traditionell in und um ihre Hogans ab. Zwei dieser fensterlosen aus Holz, Reisig und Lehm gebauten Häuser stehen gleich neben dem Parkplatz. Der Eingang wird nach dem „ersten hellen Stern am Morgen” ausgerichtet. Gleich daneben spendet ein Dach aus Wacholderstämmen Schatten. „Das Holz wird mehr als 100 Kilometer weit aus Utah geholt und entastet. Am besten ist es, wenn sie im April oder Mai gefällt werden, dann sind sie noch weich und man bekommt die Rinde leicht ohne Axt ab”, erfahren wir. „Im Sommer kocht und schläft man ab und zu hier draußen. Das ist angenehmer als im Hogan.” Für deren Bau verwendet man Kiefernstämme, die ohne Nägel zusammengesetzt werden. Die Navajos betreten einen Hogan immer im Uhrzeigersinn, „sonst zieht man böse Dinge an”. In einer Bodenvertiefung ist die Feuerstelle, durch ein Loch im Dach kann der Rauch abziehen. „In den alten Tagen wurde am offenen Feuer viel gekocht und dann geteilt. Später brachte die Regierung Fässer mit Wasser und Öl. Sie wurden halbiert und zum Kochen benutzt”, erzählt Leslie und zeigt uns ein kleineres Gebäude nebenan. Es handelt sich um eine Sweatlodge, ein Schwitzhaus. In dieser indianischen Sauna wird mit Liedern um Heilung oder Schutz gebeten, hier werden die Geschichte und Traditionen des Stammes an die jungen Leute weitergegeben. 54 Spirit of the West 01/2018


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Nach diesem ersten Einblick in die Kultur der Navajos, heißt es aufsteigen. Auf der Ladefläche des Autos sind Sitzbänke angebracht, eine Plane schützt vor der Sonne. 27 Kilometer lang ist die kaum befestigte Sandpiste, die sich zwischen Totem Poles, Artist’s Point, North Window und Three Sisters und zahlreichen anderen Formationen hindurchwindet. Nachdem wir den ersten besonders unebenen Teil hinter uns gebracht haben, stoppen wir. In der Ferne – jenseits der Staatsgrenze zu Utah, die hier im Navajo Land keine Rolle spielt – sehen wir die Buttes mit den Namen Castle und Stagecoach. Auch zum John Ford Point, einem der Lieblingsplätze des legendären Regisseurs, hätten wir mit dem eigenen Wagen fahren können. Während wir erfahren, dass Mitchell und Merrick Butte nach zwei Prospektoren benannt sind, die auf der Suche nach Gold und Silber hier ermordet wurden, nimmt der Wind deutlich zu.

Rückweg im engen Führerhaus anzutreten. Darin ist es zwar eng, aber wenigstens trocken – und wir werden belohnt für die Unbequemlichkeit: In der Nähe des John Ford Point treffen wir auf Dutzende freilaufende Pferde. Tagsüber tragen sie Touristen durch die Gegend, doch für heute haben sie ihr Pensum erfüllt. Die Tiere werden jeden Abend frei gelassen und können sich nach Belieben bewegen und etwas zu fressen suchen. Am nächsten Morgen stehen sie wieder in den Gattern.

15 Familien leben im Monument Valley. Straßen, Strom oder fließendes Wasser gibt es hier nicht. „Das Trinkwasser lagert in Fässern, Strom wird mit Generatoren oder Sonnenkollektoren erzeugt, Gaslampen spenden Licht und die Verbindung nach draußen wird über Satellitentelefone aufrechterhalten”, erzählt uns Leslie. „Um Holz, Werkzeuge oder Kleidung zu kaufen, fahren sie 200 Kilometer nach Shiprock in New Mexico, weil man in Kayenta nicht alles bekommt.” Kaum sind wir von dem öffentlichen Pfad abgebogen, um uns in einem Hogan traditionelle Handwerke wie das Weben von Teppichen zeigen zu lassen, fängt es an zu regnen. Es gießt wie aus Kübeln, als wir ankommen. In dem geräumigen Haus sind wir nicht die erste Gruppe. Es werden immer mehr, ehe wir uns entschließen, den 56 Spirit of the West 01/2018

Letztlich sind wir froh, dass es Sommer ist. Im Winter kann im Monument Valley durchaus bis zu einem halben Meter Schnee liegen. Im Frühling sind die Felsen manchmal in den Morgenstunden noch weiß gepudert. Wenn dann noch Nebel zwischen den Buttes und Mesas hängt, macht sich eine besonders mystische Stimmung breit.


Ähnlich ist es am nächsten Morgen, als wir in aller Frühe zurück am Visitor Center sind – es fehlt nur der Schnee. Diesmal wollen wir die Gegend zu Pferde erkunden. Mit Dustin Sullivan, dem Guide von Sacred Monument Tours, reiten wir zwei Stunden entlang der Sentinel Mesa und durch trockene Flussbetten und genießen das von der langsam aufsteigenden Sonne inszenierte Farbenspiel auf den Felsen. Fast kommen wir uns vor wie John Wayne in einem seiner vor der Traumkulisse des Monument Valley gedrehten Leinwandhits. Statt im gestreckten Galopp durch die Gegend zu preschen, belassen wir es bei etwas gemäßigterem Tempo. Nur zwei Damen geht es nicht flott genug. Sie reiten voran und prompt landet eine von ihnen vor ihrem Ross im Staub – und kann zum Glück über den Vorfall lachen. Und auch unser Guide hat einen Trost parat: „Johnny Depp ist bei den Dreharbeiten zu seinem jüngsten Film zweimal vom Pferd gefallen.”

Die Sonnenauf- und untergänge im Monument Valley sind spektakulär. Planen Sie auf jeden Fall mind. 2 Tage dafür ein. Es empfiehlt sich vor Ort zu übernachten, um diesen einzigartigen Ort zu besichtigen. Möglichkeiten bieten sich in direkter Nähe des Eingangs zum Monument Valley. Stilgerecht kann man wie John Wayne in der Goulding’s Lodge übernachten, die nicht nur Hotelzimmer anbietet, sondern auch Apartments, in denen die ganze Familie unterkommen kann sowie einen Campingplatz mit Supermarkt; Apartments und Camping befinden sich ca. 1 Meile entfernt. Alle Gäste haben Zugang zum Restaurant, Pool, Theater und Souvenirladen. Von der Lodge sind es nur ein paar Meilen zum Eingang des Monument Valley. Weitere Übernachtungsmöglichkeiten gibt es z.B. im Kayenta Monument Valley Inn, in Kayenta, Arizona sowie im Desert Rose Inn & Cabins, in Bluff, Utah.

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Nützliche Informationen: Monument Valley Navajo Tribal Park: Tel: 435-727-5874 * www.navajonationparks.org/htm/monumentvalley.htm Eintritt pro Fahrzeug mit bis zu 4 Personen $20, jede weitere Person $6 Monument Valley Tours (Jeep Tour): Tel: 435-727-3313 * www.monumentvalleytours.net Sacred Monument Tours (Pferdeausritt): 435-727-3218 * www.monumentvalley.net San Juan County/Utah’s Canyon Country: Tel: 435-587-3235 * www.utahscanyoncountry.com Goulding’s Lodge & Tours: Tel: 435-727-3231 * www.gouldings.com Kayenta Monument Valley Inn: Tel: 928-697-3221 * www.kayentamonumentvalleyinn.com Desert Rose Inn & Cabins: Tel: 435-672-2303 * www.desertroseinn.com

Photos: San Juan County; Stuart Smith; Tom Till/Utah Tourism; AZ Tourism Office; Walter Kreuzer; Sonja Stimmer D € 4,50

A € 5,20

CHF 6,50

L € 5,20

I € 6,30

E € 6,80

USA $6.50

1/2014 Januar, Februar,

Reise

Lifestyle

März

Abenteuer

Big Sky Count Montana ry Wildpferde in North Dakot a Das wahre Te Amarillo xas

Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 01/2014.

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Mystische Fe lsen

Monument Valley

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Theodore Roose velt NP

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Text: Walter Kreuzer

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in Wunder der Natur! Yellowstone ist nicht nur der erste Nationalpark der USA sondern, besonders für Natur- und Tierfreunde, auch einer der schönsten und interessantesten. Der im Jahre 1872 gegründete Park ist die Heimat von Grizzlybären, Wölfen, Adler, Elche und Hirsche sowie einer eindrucksvollen Bisonherde. Old Faithful und ein Großteil der weltweit bestehenden Geysire befinden sich hier. Yellowstone ist eines der letzten, fast intakten, natürlichen Ökosysteme der Erde.

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Gibt es schwule Bisons im Park? Zu welcher Jahreszeit verwandeln sich die Hirsche in Elche? Wer dreht nachts den Geysir ab? Amy, unsere Touristenführerin von Parkkonzessionär Xanterra, nennt lächelnd eine Reihe von verrückten Fragen, mit denen sie sich und ihre Kollegen im Yellowstone Nationalpark auseinandersetzen muss – und erntet bei ihren Zuhörern nur ungläubiges Kopfschütteln. Auch was sich an diesem Nachmittag vor unseren Augen abspielt, mag mancher kaum glauben. Wir sitzen mit etwa zweitausend anderen Schaulustigen in sicherer Entfernung zwischen dem neuen, modernen Besucherzentrum und dem Old Faithful. Den nächsten Ausbruch des wohl berühmtesten Geysirs der Welt haben die Ranger für 17.23 Uhr angekündigt. Mit einem Spielraum von wenigen Minuten hält sich der „Zuverlässige“ an die Vorgabe und macht damit seinem Namen alle Ehre. Diesmal lässt er sich aber etwas Zeit. Will er seine Fans auf die Probe stellen? Mehrmals nimmt er Anlauf, spritzt ächzend Wasser in die Luft, lässt zischend Dampf ab – und verkriecht sich wieder. Aber dann: Mit lautem Grollen gibt sich Old Faithful die Ehre. An die 60 Meter hoch bläst der Geysir kochend heißes Wasser und Dampf in den Himmel über dem Yellowstone Nationalpark. Das Schauspiel ist immer das Gleiche: Es beginnt mit einer hüfthohen Säule aus Wasser und Dampf. Begleitet von lautem Brausen steigt die Fontäne mit jedem weiteren Stoß höher. Wenn es dann so scheint, als könnte der Rauch nicht noch näher an die Wolken heranreichen, setzt Old Faithful zum großen Finale an. Seine letzte große Anstrengung stellt alles zuvor gesehene in den Schatten.

Mit einem lauten Seufzer verabschiedet er sich. In knapp fünf Minuten hat der Geysir etwa 30.000 Liter Wasser in die Luft geschleudert und nebenbei einen halben Zentner aufgelöste Kieselerde in der Gegend verteilt. Das schaffen einige seiner 300 Kollegen in der nordwestlichen Ecke des US-Bundesstaates Wyoming – kleine Teile des Nationalparks liegen in Idaho und Montana - ebenfalls ganz locker. Aber keiner von ihnen zieht so viele Bewunderer in seinen Bann und bricht in solch schöner Regelmäßigkeit aus wie der Old Faithful – im Durchschnitt alle 92 Minuten. 1807 kam der Trapper John Colter als erster Weißer in das Gebiet des Yellowstone. Er erzählte von „turmhohen Wasserfontänen und kochenden Seen“ inmitten der Rocky Mountains. Seine Eindrücke wurden als Hirngespinste abgetan. Erst 1870 lüftete Henry Washborn mit einer von ihm geführten Expedition das Geheimnis und berichtete von „riesigen Geysiren, brodelnden Schlammlöchern und schwefelgelben Fumarolen“. Bei einer Rast in einem idyllischen Tal nahe dem heutigen Madison Junction Visitor Center soll der Legende nach den Expeditionsteilnehmern die Idee gekommen sein, diese Naturschönheiten dem Privatbesitz zu entziehen und der gesamten Bevölkerung zugänglich zu machen. Wie dem auch sei, 1872 stellte USPräsident Ulysses Grant das Gebiet unter den Schutz des Bundes. Der Nationalpark, der Erste von inzwischen 2000 in 90 Ländern, umfasst heute etwa 9000 Quadratkilometer. Zum Vergleich: Die Bundesländer Saarland, Berlin und Hamburg haben zusammen etwa die halbe Fläche. Im interessanten Museum der Nationalpark-Ranger wird diese Entscheidung mit berechtigtem Stolz als „das wichtigste Geschenk der USA an den Rest der Welt“ bezeichnet.

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Auf 10.000 wird die Zahl der Geysire, heißen Quellen, Fumarolen und Schlammlöcher im größten Thermalgebiet der Erde geschätzt. Fast vier Millionen Menschen besuchen nicht zuletzt deshalb jedes Jahr den Yellowstone Nationalpark. Vor allem in den Sommermonaten schieben sich schier endlose Karawanen von Touristenfahrzeugen über den engen, kurvenreichen Highway. Dieser führt in Form einer Acht mehrfach über die kontinentale Wasserscheide und durch Täler und macht dabei die interessantesten Stellen des Parks zugänglich. Viele Staus werden aber von Tieren verursacht: Entweder, weil sie am Straßenrand grasen und dabei die Aufmerksamkeit der Fahrer auf sich lenken, oder weil sich Büffel oder Hirsche einen Spaß daraus machen, den Highway zu blockieren. Zu den wildreichsten Gegenden innerhalb des Yellowstone Nationalparks zählt das Lamar Valley. Das kilometerlange flache Tal wird gerne auch als Serengeti Nordamerikas bezeichnet. Stundenlang sind wir mit Amy unterwegs. Parkende Autos und Menschenaufläufe zeugen nicht nur hier davon, dass Tiere in der Nähe sind. Für uns ist heute Morgen ein Elch-Bulle der Höhepunkt. Er frühstückt seelenruhig an einem See und lässt sich ebenso wenig stören wie die zahllosen Büffel, Pronghorn, Rehe, Kraniche oder Enten, die wir zu sehen bekommen. Den ersehnten Bären sehen wir erst später: In einem Geländeeinschnitt tut er sich an Sträuchern gütlich, stellt sich dann mit dem Rücken an einen Baum und kratzt sich genüsslich das Fell – sehr zur Freude der in sicherer Entfernung wartenden Fotografen. Von den gut 100 Grauwölfen, die seit Mitte der 1990er Jahre wieder den Park bevölkern, ist dagegen keine Spur zu sehen. „Durch sie ist der Yellowstone wilder geworden“, erläutert Ranger Greg Reed beim traditionellen CampfireProgramm in Mammoth Hot Springs. Und er nennt Beispiele: „Hirsche sind das Lieblingsbeutetier der Wölfe. Als diese weg waren, blieben die Hirsche in den Flusstälern und fraßen die Willowbüsche ab. Nun sind sie wieder in Bewegung und müssen ständig über die Schulter schauen, ob ein Wolf kommt. Aspen und Willows wachsen nun

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wieder höher.“ Ohne die Wölfe musste der Hirschbestand durch den Menschen reguliert werden. Der Kojote war 70 Jahre lang die top Hundeart – und verdrängte den Fuchs. Inzwischen seien hier und da wieder Füchse zu sehen, während der Bestand an Kojoten sich halbiert habe, sagt Reed. Dies wiederum komme den Pronghorn zugute. „Wölfe sind eine Schlüsselspezies. Sie sind nur in geringer Zahl da, haben aber einen großen Einfluss auf eine wilde Landschaft“, betont der Ranger, der das Heulen der Wölfe vor dem Jagen als „Dinner-Bell“ (Essens-Glocke) für die Raben bezeichnet. „Wenn ein Wolf ein Tier reißt, sind die Raben in zwei Minuten zur Stelle. Der Rekord liegt bei 200 Raben auf einem Hirschkalb.“ Solch beeindruckende Szenen sind auch im Yellowstone Nationalpark am ehesten in jenen Gegenden zu beobachten, wo die meisten Touristen nicht hinkommen. „98 Prozent unserer Besucher bewegen sich nicht weiter als eine Meile von ihrem Fahrzeug weg“, nennt Amy eine Zahl.


Wer sich von dem Touristentrott entfernen will, etwas abenteuerlustig ist, und ein bisschen mehr im Yellowstone Nationalpark erkunden möchte, für den bietet sich eine ebenso ungewöhnliche wie gute Möglichkeit, das Glück des Tierbeobachtens herauszufordern - eine Tour mit dem Kajak ins Hinterland. Geyser Kayak bietet seit gut 20 Jahren schon zahlreiche Ausflüge auf dem Wasser an – von der Sonnenuntergangs-Tour auf dem Yellowstone Lake bis zu mehrtägigen Safaris, etwa auf dem Lewis Lake oder dem Shoshone Lake. Hier folgen Sie keinen Spuren, es geht überall dorthin, wo Wasser ist und Sie erforschen Gegenden, wo Sie die herrliche Landschaft, die Einsamkeit des Hochgebirges, endlose Wälder und Blumenwiesen genießen und die reiche Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung erleben können. Abenteuer pur - das man nicht vom Autofenster aus sehen und erleben kann!

Rockefeller, Jr. Memorial Parkway in den südlichen Teil des ältesten Nationalparks. Hier werden Erinnerungen an die verheerenden Waldbrände von 1988 wach, die riesige Flächen mit verkohlten Baumstämmen zurückgelassen haben. Inzwischen hat sich die Natur erholt. Brände gehören hier in den Sommermonaten zum Alltag. Die meisten werden nicht bekämpft, wie Al Nash vom National Forest Service, sagt. Er steht an einem Aussichtspunkt am Dunraven Pass und steht Rede und Antwort zu dem Thema. Hinter ihm ist in der Ferne der Rauch eines Feuers zu sehen. „Heute Morgen umfasste es 200 Acre (ca. 800.000 qm). Keiner weiß, wie groß es jetzt ist. Es brennt seit einem Monat. Durch den starken Wind ist es seit gestern wieder aufgeflammt“, erfahren wir. „Die Natur erneuert den Yellowstone ständig. Wir lassen es brennen, da keine Menschen, Tiere und Gebäude in Gefahr sind.“

Angezogen werden die Besucher aber auch von den zahllosen Wasserfällen oder der 300 Meter tiefen Schlucht des Grand Canyon of the Yellowstone. Der besticht mit kräftigen Gelb- und Rottönen, die dem Park zu seinem Namen „gelber Stein“ verholfen haben. Vom Artist Point kann man den Blick auf die Schlucht und die Lower Falls genießen, oder man nimmt den beschwerlichen – aber lohnenden - Abstieg des Uncle Tom’s Trails über mehr als 300 Stufen zu den Fällen in Kauf.

Das war vor 25 Jahren ganz anders. Neun Brände legten zwischen Juni und September 1988 in manchen Regionen mehr als die Hälfte der Waldfläche in Schutt und Asche. 10.000 Feuerwehrleute versuchten, die durch starke Winde immer wieder angefachten Feuer zu löschen. Doch erst nachdem am 11. September der erste Schnee gefallen war, bekamen sie die Situation unter Kontrolle. Die Kraft der Naturgewalten wird am Lewis Canyon deutlich - diese 160 Meter breite Schlucht des Snake Rivers war für die Flammen kein Hindernis. Umso erstaunlicher mutet die Rettung des Old Faithful Inn an, eine der wenigen von Menschen geschaffenen Sehenswürdigkeiten. Das Hotel von 1903 besticht vor allem durch seine sechs Etagen hohe Lobby. Nur wenige Schritte sind es von hier zum gleichnamigen Geysir, dem unbestrittenen Star im Upper Geysir Basin.

Der erste Eindruck vom Park ist aber oft ein anderer. Von Süden etwa führt der Highway 89 vom Cowboystädtchen Jackson Hole zum Yellowstone. Der Weg führt durch den Grand Teton Nationalpark mit den majestätisch aus der Hochebene emporsteigenden Spitzen der Tetons und an malerischen Seen vorbei über den John D.

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Mit heißem Wasser gefüllte Pools, die dank darin lebender Algen und Bakterien in allen Regenbogenfarben schillern, ziehen aber auch andere den Blick auf sich. Sie laden ebenso zum Verweilen ein wie die Geysire, die oft nur den Anschein erwecken, als stehe ein Ausbruch bevor. So etwa der Beehive. Er stößt ständig Dampf aus und verspritzt auch mal etwas Gischt. Wer ihn aber in voller Aktion erleben will, braucht entweder Glück oder Geduld. Die Zeit zwischen seinen Eruptionen schwankt zwischen zehn Stunden und einigen Tagen. Der Castle Geysir mit seinen 40 Metern Umfang oder der bizarre Grotto-Geysir sind da schon tüchtiger. Dabei qualmt, brodelt und grollt es überall im Tal. Ein Grund für die vielfältigen thermalen Aktivitäten ist im vulkanischen Ursprung dieses Teils der Rocky Mountains zu sehen. Der Yellowstone sitzt auf einem aktiven Vulkan, der letztmals vor 600.000 Jahren mit einer der gewaltigsten Explosionen der Erdgeschichte ausgebrochen ist. Nur fünf Kilometer unter der Oberfläche befindet sich ein gewaltiger Magmaherd. Seine Hitze, vereint mit dem durch das poröse Gestein ins Erdinnere sickernden Regenwasser, bildet die Grundlage für die Geysire und heißen Quellen. Dabei kommt es immer wieder vor, dass ein Geysir „einschläft“, irgendwo ein neuer auftaucht oder die Häufigkeit der Eruptionen ändert. Ein Beispiel ist der Excelsior-Geysir. Er war einst einer der kräftigsten Geysire mit bis zu 30 Metern hohe Fontänen. Doch seit 1985 ist er nicht mehr ausgebrochen. Geblieben ist eine heiße Quelle als Mittelpunkt eines Pools, der täglich an die 20 Millionen Liter kochenden Wassers in den benachbarten Firehole River ergießt. Doch niemand sollte überrascht sein, wenn er plötzlich wieder ausbricht. Der Steamboat-Geysir hat Ähnliches fertiggebracht. Während er mehrmals täglich kleinere Fontänen produziert, zeigt sich der einst höchste Geysir der Welt nach 50 Jahren Pause seit Ende April 2002 hin und wieder in seiner vollen Pracht. 68 Spirit of the West 01/2018

In solcher präsentiert sich auch Mammoth Hot Springs, wenn auch in einem anderen Sinn. Die bunt glitzernden Sinterterrassen im Norden des Parks ändern durch die tägliche Ablagerung von zwei Tonnen Kalkgestein ständig ihr Gesicht. „Wir befinden uns hier an einem der wenigen Plätze auf der Welt, wo man den Felsen beim Wachsen zusehen kann“, schwärmt Mary Wilson. Die Rangerin führt eine Gruppe über einen Holzbohlenweg, der sich um die Terrassen schlängelt. Diese präsentieren sich zum Teil kalkweiß, während andere mit Bakterienteppichen in Blau, Braun, Grün, Gelb oder Rot bedeckt sind. Wenn sich das Wasser einen anderen Weg sucht, kann sich das schnell ändern – und die Terrassen haben wieder ein anderes Gesicht. „Der Fels ist sehr weich, sodass er selbst bei leichter seismischer Aktivität bricht. Und die unterirdischen Kanäle können durch Ablagerungen verstopfen.“

Die Worte der Rangerin führen uns einmal mehr vor Augen, dass wir uns in einem der aktivsten Thermalgebiete der Welt befinden – auch wenn wir keines der täglich acht bis zehn Erdbeben gespürt haben, die im Yellowstone Nationalpark registriert werden.


So kommen Sie in den Yellowstone Nationalpark:

Von Deutschland aus fliegen Sie am besten nach Denver, mit Weiterflug nach Jackson Hole, Wyoming. Mit einem Leihfahrzeug, das Sie sich am besten schon in Deutschland reservieren, fahren Sie auf dem Highway 89 durch den Grand Teton Nationalpark, zum südlichen Eingang des Yellowstone Nationalparks. Wichtig: Das Wetter im Yellowstone und der umliegenden Gegend ist unberechenbar. Bevor Sie eine Reise dorthin planen, erkundigen Sie sich auf jeden Fall nach den Öffnungszeiten, Wetterbedingungen und Straßenverhältnissen. Der Südeingang (Jackson, Wyoming) und Osteingang (Cody, Wyoming) zum Yellowstone ist von Mitte Mai bis Anfang November für Fahrzeuge zugänglich. Der Westeingang (West Yellowstone auf der Montana Seite) ist von Ende April bis Anfang November geöffnet. Der Nordeingang (Gardiner, Montana) ist der einzige, der ganzjährig geöffnet ist, jedoch mit Einschränkungen befahrbar innerhalb des Parks. Eintritt: $50 pro Fahrzeug, gilt an 7 aufeinander folgenden Tagen sowohl für Yellowstone NP wie auch Grand Teton NP. Ein Jahrespass für $80 ermöglicht Zugang zu allen Nationalparks in den USA. Den kann man bereits vorher kaufen bei http://store.usgs.gov/pass/index.html oder an jedem Nationalpark-Eingang vor Ort erwerben. Yellowstone Nationalpark PO Box 168, Yellowstone National Park, WY 82190-0168 * www.nps.gov/yell Sie haben Lust auf so eine Reise? Machen Sie mit bei unserem Gewinnspiel mit America Unlimited und mit etwas Glück gewinnen Sie einen der drei Reisegutscheine im Wert von €400. Den können Sie dann gleich einlösen – z.B. für die tolle „16 Tage Geführte Motorradtour Yellowstone & Westkanada“ oder „17 Tage Yellowstone Circle“, bei der Sie auch noch den Glacier Park in Montana besichtigen: Mehr Info auf www.america-unliimited.de

Photos: Yellowstone NPS

Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 01/2013.

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Text: Sonja Stimmer & Walter Kreuzer

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rärie, nichts als Prärie, dachte ich mir bei meinem ersten Besuch in South Dakota. Weites, flaches Land, stundenlanges Dahinfahren auf dem Highway, hin und wieder ein paar Hütten und Häuser, die einen dann doch erahnen lassen, dass es hier Leben gibt. Gott sei Dank ist dies nur ein kleiner Teil von South Dakota. Die aufregende und schöne Seite dieses Bundesstaates habe ich bei meinem letzten Besuch kennen gelernt. Dieses Mal war ich so fasziniert, dass ich mir sogar vorstellen könnte, dort zu leben – wenn’s nicht diese -25C Grad kalten Winter gäbe... Der Höhepunkt meiner South Dakota Reise war mit Abstand das Buffalo Roundup im Custer State Park. Spätestens seit Kevin Costner’s Film „Der mit dem Wolf tanzt“ träumt jeder Freizeitcowboy davon, Tausende von Büffel über die Prärie donnern zu hören und zu sehen, die nur noch eine Staubwolke hinter sich lassen. Im wirklichen Leben gibt’s das leider kaum noch. Dazu muss man nach South Dakota kommen...

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Es ist früh morgens, viel zu früh für meine Verhältnisse. Und es ist kalt. Ende September kann hier nachts das Thermometer schon unter den Gefrierpunkt fallen. Aber das spielt jetzt alles keine Rolle. Die Aufregung des kommenden Tages überwiegt die Müdigkeit und das bisschen Kälte. Heute ist es soweit... hoffentlich habe ich Glück und werde vom Gouverneur von South Dakota ausgewählt, auf einem der Trucks mitzufahren und beim Buffalo Roundup nicht nur live, sondern hautnah, mittendrin, Auge in Auge mit den Büffeln, dabei zu sein. Die Prärie ist ruhig und still an diesem taufrischen Morgen, nur die Vögel zwitschern. Es gibt Kaffee und langsam kommt Leben in das abgesperrte Gebiet rund um den Korral wo später die Büffel eingetrieben werden. Die Sonne späht über die Hügel und ihre ersten Strahlen lassen erahnen, dass es ein angenehm warmer Tag werden wird. Alle warten nun auf den Gouverneur, der entscheidet, wer wo mitfährt bzw. von den Hügeln aus das Roundup beobachten wird. Die meisten Teilnehmer sind Gäste des Gouverneurs sowie eine Gruppe internationaler Journalisten. Die Fahrzeuge teilen sich auf in geschlossene Vans und offene Trucks. Dann ist es soweit, Truck für Truck werden die Namen und Personen zugewiesen. Und endlich, bei Truck Nr. 26 wird mein Name aufgerufen. WOW! Ich bin dabei!

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Nach einigen letzten organisatorischen Vorbereitungen geht’s los und die Karawane setzt sich in Bewegung. Bis auf ein paar einzelne Bullen – meistens ältere, die nicht eingetrieben werden, sind noch keine Bisons zu sehen. „Was die wenigsten wissen ist, dass die Hauptarbeit schon zwei, drei Wochen vor dem Roundup geleistet wird, wenn die Büffel nach und nach in einen 8 km langen und 1.6 km breiten Korridor getrieben werden”, erklären Chad Kremer, der für die Herde verantwortlich ist und Craig Pugsley, der sich um den Besucherdienst im Park kümmert. Chad verwaltet die Büffelherde im Custer State Park seit 2001. Nebenbei hat er seine eigene Herde mit 60 Tieren. Am Tag des Roundups gibt’s den letzten Schub und das abenteuerliche Wildwest-Spektakel für die Besucher und Zuschauer.


Auch wenn sich das Roundup längst zu einem Geheimtipp für Touristen entwickelt hat, ist dieser Aspekt nur Nebensache. „Wir treiben die Herde zusammen, ob jemand zuschaut oder nicht. Als ich vor 33 Jahren hierher kam, waren vielleicht 200 Leute auf dem Hügel”, betont Craig. Mittlerweile zieht das Roundup an die 14.000 Besucher jährlich an.

Plötzlich wirbelt Staub auf, die Erde vibriert wie bei einem Erdbeben und die Luft ist vom Donnern der Hufe erfüllt. „Sie kommen“ ruft einer der Mitfahrer. Erst tauchen ein paar zottelige Fellrücken auf, die durch das herbstliche Gelb der Bäume schimmern, dann jagen einige Hundert Büffel über die Prärie. Auf den Hügeln ringsum warten die Reiter ungeduldig auf das Kommando von Chad Kremer, der sie über Funk koordiniert. Erst müssen kleinere Gruppen Büffel zur friedlich grasenden Hauptherde getrieben werden. Dann geht es richtig los: Unter Yipee-Yey-Rufen und Peitschenknallen setzen sich Pferde, Bisons und Fahrzeuge in Bewegung. In rasender Fahrt geht es über Stock und Stein; wir müssen uns gleichzeitig festhalten und unsere Fotos schießen. Um die blauen Flecken kümmern wir uns später, was soll’s. „Als Fahrer ist das Roundup viel, viel stressiger. Deine größte Angst ist, dass du einen Stein erwischst, den du nicht gesehen hast“, vergleicht Bob Schneider seinen ersten Einsatz hinter dem Lenkrad eines Pickups mit seinen Erfahrungen als Roundup-Reiter – und rumpelt mit seinem Gefährt prompt mit großer Mühe über einen Felsbrocken. In den vergangenen Jahren war Schneider einer von 20 Gast-Cowboys, die unter etwa 100 Bewerbern ausgelost werden.

„Wir haben hier viele Steine, Erdlöcher, Senken und Hügel. Deshalb ist es uns am liebsten, wenn die Pferde an solches Gelände gewöhnt sind. Und die Leute sollten für diesen Ritt ihr Pferd kennen“, erklärt Chad Kremer die Bedingungen. Pferd und Reiter müssen nicht nur das unwegsame Gelände im schnellen Galopp beherrschen, sondern auch die eigene Angst. Die größte Herausforderung bei einem Roundup besteht darin, sich die ganze Zeit auf seinem Pferd zu halten. Und dazu musst du ein verdammt guter Cowboy sein. Chad reitet Colonel, ein siebenjähriges Quarterhorse, das er langsam an diese Aufgabe herangeführt hat: „Wir haben ihn beim Korral gelassen, als die Büffel kamen. Dann haben wir immer intensiver mit ihm gearbeitet. Mit fünf Jahren war er bereit.“

Vom höchsten Hügel der Umgebung beobachten derweil Tausende von Zuschauer aus aller Welt das Geschehen. Auch der Gouverneur hat sich dorthin verschlagen um das Spektakel zu beobachten. Bob versucht schnell auf die schmale Talstraße zu kommen, um die anderen einzuholen. Das gelingt schneller als befürchtet. Der Grund: Es bildet sich ein Stau, weil weiter vorne die Büffelherde den Weg kreuzt. Die Tiere haben es offenbar nicht besonders eilig, auch wenn sie durchaus eine längere Strecke mit 50 Stundenkilometern zurücklegen können. „Dann hängt ihnen die Zunge aus dem Hals. Nach nur fünf Minuten Pause können sie wieder rennen. Sie erholen sich schnell“, erläutert Chad, der seine Reiter in drei Gruppen eingeteilt hat. „Wir haben verschiedene Stopps eingelegt. Etwa an der Talstraße, als der Reiter von seinem Pferd fiel. Wir warteten bis alle für den nächsten Push aufgestellt waren.“ Ein wichtiger Grund für die häufigen Pausen und das relativ geringe Tempo ist die Wärme. Gegen 10 Uhr morgens strahlen Sonne und der fast volle Mond vom blauen Himmel um die Wette, und es ist fast 25 Grad warm. 01/2018 Spirit of the West 73


Dann kommt es aber doch noch zu dem Anblick, auf den alle gewartet haben: Angetrieben vom Geschrei und den knallenden Peitschen der Cowboys setzen sich die knapp 1.100 Büffel in Bewegung und jagen mit donnernden Hufen über die Prärie und kommen erst im Korral zur – vorläufigen – Ruhe. „Es war affengeil. Wenn ich dürfte, würde ich jetzt noch reiten. So etwas habe ich vorher noch nicht erlebt. Es lief ziemlich reibungslos, auch wenn einige Bullen durchgegangen sind“, erzählt Cody Fastnacht, dessen Bart an ein Hufeisen erinnert. Der Cowboy, dessen Familie eine Büffelherde mit bis zu 200 Tieren besitzt, ist 1.300 Kilometer gefahren, um beim Roundup mitzureiten. Zusammen mit 56 anderen Cowboys – unterstützt von Kollegen in geländegängigen Fahrzeugen – hat Fastnacht 1050 der in diesem Sommer 1187 in dem 28.000 Hektar großen Schutzgebiet grasenden Büffel zusammengetrieben.

Der Buffalo Roundup ist nicht nur eine unterhaltsame Veranstaltung für die Zuschauer, sondern auch für die Gesundheit der Büffel und das Grasland im Custer State Park wichtig. „Testen, Branding und die Impfung der Herde jedes Jahr ist wichtig für die Wahrung einer starken und gesunden Herde für die Zukunft“, sagt Craig Pugsley. Der Roundup ist der erste Schritt für die Büffelauktion im November. Custer State Park hat Platz für ca. 1.500 Büffel. Überschüssige Tiere werden bei einer Auktion später im Jahr verkauft. Von den zusammengetriebenen Büffeln werden diesmal ca. 250 versteigert, meist nur Jungtiere. Alte Bullen sind nicht sehr beliebt, die werden erst gar nicht in den Korral getrieben. Sie sorgen oft für Unruhe und können andere Tiere verletzen. Custer State Park ist die Heimat einer der größten Herden in öffentlichem Besitz. „Der Buffalo Roundup gibt Besuchern die Gelegenheit, eine der letzten großen Veranstaltungen des alten Westens zu sehen“, fährt Craig fort. „Es gibt keine bessere HerbstVeranstaltung, die die großartige Landschaft mit der familienfreundlichen Umgebung so mit in Einklang bringt, wie der Buffalo Roundup im Custer State Park.“ Ca. 1.80m groß, ein Gewicht von ca. 2.200 Pfund und bis zu 65 kmh schnell ist das Bison ein imposantes, wildes Tier, das einmal die weiten Ebenen von South Dakota ausgefüllt hat. An die 60 Millionen Bisons gab es um 1800 in Nordamerika, aber nur eine Handvoll überlebte das Ende des Jahrhunderts. Tatanka, wie die Lakota Sioux Indianer die Bisons nennen, wurde gnadenlos gejagt und abgeschlachtet. Heute gelten Bisons als ökologisch ausgestorben, bis auf einige Ausnahmen von ein paar Nationalparks. Yellowstone Nationalpark hat die

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größte Bevölkerung der freilaufenden Flachlandbisons (ca. 4.000) und Wood Buffalo National Park hat die größte Bevölkerung der freilaufenden Waldbisons (ca. 10.000). Jedoch auch den Bisons im Yellowstone droht Unheil, wenn sie sich außerhalb des Parks in Montana ihr Futter suchen. Obwohl es keine bekannten Fälle der Brucellose Krankheitsübertragung gibt, haben die Farmer Angst um ihre Rinder und schlachteten die Bisons ab. Dank einiger ruheloser Aktivisten wurde daraufhin eine Vereinbarung mit dem Yellowstone Nationalpark getroffen und ein sog. Winterkorridor für die Bisons errichtet, der ihnen ermöglicht, auch außerhalb des Parks, ganz besonders in den strengen Wintern, nach Futter zu suchen und ihnen so die Möglichkeit des Überlebens bietet.

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Zwei South Dakota Viehzüchtern ist es zu verdanken, dass es heute wieder so viele Bisons im Custer State Park gibt. Fredrick Dupree verschonte fünf Büffel von einer Jagd im Jahre 1881, und über das nächste Jahrzehnt, baute er eine kleine Herde auf. Dupree verkaufte die Tiere an den Rancher “Scotty” Philip in Fort Pierre und die Herde wuchs auf mehr als 1.000 Tiere. Philip verkaufte einige Büffel und somit entstand die Custer State Park Herde. Custer State Park * Tel: 605-255-4515 www.custerstatepark.com South Dakota Office of Tourism * Tel: 605-773-3301 www.travelsd.com

Photos: Sonja Stimmer; Heike Kreuzer; Chad Coppess/ South Dakota Office of Tourism

SPIRIT of the WES T ISSN 1940-58 98

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Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 01/2011. South Dakota Wyoming Nevada Donnernde

Hufe und beben de Prärie

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Text: Teresa Bitler

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ie Sunrise Ceremony ist immer noch ein wichtiges Ritual bei den Apachen. Sie dient vielen Zwecken - persönlichen, geistigen, gemeinschaftlichen - und ist nicht nur eine unvergessliche, sondern auch eine der wichtigsten Erfahrungen im Leben eines Apachen Mädchens. Bei der Sunrise Ceremony wird das Mädchen zur Frau. Diese wichtige Tradition hat den Test der Zeit überstanden und wird auch heute noch auf den Reservaten zelebriert. Spirit of the West Magazine hatte die Ehre, bei so einer Zeremonie, bei der normalerweise nur wenige Außenstehende eingeladen sind, dabei sein zu dürfen. Als ich kurz nach neun an einem Samstagmorgen ankomme, sind die Frauen im Camp Tyra bereits seit mehr als sechs Stunden wach. Zwei Jugendliche würfeln Gemüse auf einem Holztisch. Ganz in der Nähe ist eine gemischte Gruppe von Frauen mittleren Alters und jungen Müttern, die Eintöpfe anrühren und über offenem Feuer Brot backen. Eine weißhaarige Frau mit Zahnlücken lächelt mich freundlich an. Sie nimmt eine Kugel aus Teig vom großen Backblech, drückt es mit den Handflächen platt und fängt an, es in eine riesige, schlaffe Scheibe zu formen. Wenn es fertig ist, übergibt sie es an die Frau neben mir, die es in die großen, gusseisernen und mit Öl gefüllten Pfannen legt. „Es ist eine Menge Arbeit,” sagt sie, während der Teig in der Pfanne brutzelt. „Wir müssen genügend Essen vorbereiten, um unser Camp und auch das andere Camp zu versorgen. Und alles soll fertig sein, bevor die Ankleidung beginnt.”

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Die beiden Camps – eins für Tyra Gloshay und eins für ihre Paten – kommen zusammen, um gemeinsam die Sunrise Ceremony, ein Ritual des Erwachsenwerdens für Apachen Mädchen, der 13-jährigen zu feiern. Um die Sunrise Ceremony verstehen zu können, muss man bis zur Entstehungsgeschichte der Apachen zurückgehen, erklärt Vernelda Grant, die Stammesarchäologin der San Carlos Apachen. Als der Schöpfer die Erde überflutete, legte er Changing Woman, auch bekannt als White-Painted Woman, in eine Abalone Muschel, um sie zu retten. Sie wurde die Mutter aller Menschen und verkörperte den Frauentyp, den sich die Apachen für ihre Töchter wünschen. Die Vorbereitungen für die Sunrise Ceremony beginnen gewöhnlich bis zu einem Jahr im voraus. An einem Tag, kurz nachdem sie ihre erste Menstruation hat, bringt das Mädchen einen Stein (oftmals ein Türkis) und eine Feder in das Haus der Frau, die ihre Familie als Patentante gewählt hat. Die Frau hat die Chance, das Angebot abzulehnen oder anzunehmen. Vernelda Grant, die bereits viermal Patentante war und somit die maximale Anzahl erreicht hat, erklärt, dass, wenn man zustimmt Patentante zu werden, das Mädchen dann während der Zeremonie ein Teil Deiner Familie wird und gleichzeitig einen Teil von Dir erhält. Familien wählen oft eine Patentante aufgrund von gewissen Eigenschaften und Charakteristiken, die sie gerne in ihren Mädchen sehen würden. Wenn die Zeremonie naht, dann beginnt die wirkliche Arbeit. Die Familie kauft das Essen und Materialien für das Lager. Baustoffe werden geliefert und Mentoren helfen, das Wickiup (kuppelförmige Unterkunft aus verschiedenen Materialien) des Mädchens, die Küche und andere Bereiche zu konstruieren. Obwohl sie einige Hilfe bekommt, ist es weitgehend die Verantwortung des Mädchens, das Lager aufzubauen. Auch wenn mit der Sunrise Ceremony aus dem Mädchen eine Frau wird, ist die Zeremonie ebenfalls dazu da, ihr zu lehren, wie man ein Lager einrichtet, es pflegt und Verantwortung innerhalb des Stammes übernimmt. Wie groß und aufwendig die Angelegenheit ist, hängt von der Familie ab. Einige wählen eine kleine Zeremonie, bei der nur die Paten und die weiblichen Mitglieder der Familie des Mädchens dabei sind; andere Familien, wie die Gloshays, laden den ganzen Stamm dazu ein (Jerry Gloshay Jr. ist ein Vorstandsmitglied des White Mountain Apache Stammes). Das Ereignis kann sich an die vorgeschriebenen 4 Tage halten, oder auch länger dauern. 78 Spirit of the West 01/2018


In Tyra’s Fall begannen die Feierlichkeiten am Montag mit einem Gesellschaftstanz. Tyra zog am Dienstag in ihr Lager und besuchte einen weiteren Tanz am Mittwoch, im Haus ihrer Paten. Auch am Donnerstag und Freitag gab es Gesellschaftstänze. Gegen Mittag an diesem Samstag, führen Tyra’s Paten ihre Freunde und Familien über das offene Feld, das die zwei Lager trennt. Ich werde angewiesen, zu Tyra’s Wickiup zu gehen, das sie Tage zuvor aus Eichenzweigen gestaltet hat. Ich fühle mich ein wenig unwohl; nur wenigen Nicht-Apachen ist es gestattet, bei einer Sunrise Ceremony Dressing (Ankleidung) dabei zu sein, und so beschließe ich, mich zurückzuhalten und bei den Kindern und entfernten Verwandten zu verweilen, bis mir jemand sagt: „Du kannst in der Eingangshalle stehen.” Drinnen ist Tyra von ihren Paten umgeben, die sich entlang der Rückwand des Wickiup aufstellten. Ihre unmittelbare Familie und Freunde stehen im Inneren der Struktur, als der Medizinmann spricht. „Das Leben ist schön, aber es soll nicht einfach sein”, sagt er ihr. Dem folgt eine Litanei von Beratung, Ratschlägen, ihre eigene Person zu sein, das Leben nicht für selbstverständlich zu nehmen und darauf zu hören, was andere zu sagen haben. „Du bist eine Apache,” schließt er ab. „Wir müssen unsere Tradition bewahren. Alles, was unsere Vorfahren getan haben, war schwierig, aber sie haben es ertragen.” Während das meiste der Zeremonie in englischer Sprache durchgeführt wurde, wird das folgende Gebet in der Apachen-Sprache vorgetragen. Danach kündigt er wieder auf Englisch an, „es ist Zeit für die Ankleidung. Wenn sie nicht angezogen ist, dann ist dies nur ein Picknick.” Leider versperrt mir der Medizin Mann jetzt die Sicht auf Tyra. Sein Assistent hat einige Utensilien gebracht, wie ein Glas mit gelber Farbe, eine braune Schärpe, ein Perlen Collier mit Tyra’s Namen und ein Wildleder Top mit Fransen. Als der Medizin Mann zur Seite tritt, und Tyra erscheint, sehe ich, dass ihre einfache weiße Bluse mit dem Wildleder Top bedeckt ist. Sie trägt das Collier und eine lange Kette mit Türkisen. Auf ihrem Gesicht befinden sich gelbe Farbklekse – einer auf ihren Lippen, einer auf der rechten Wange und einer oberhalb ihres rechten Auges. Ihre Patentante, die ebenfalls gelbe Farbtupfer auf ihrem Gesicht hat, tritt vor. Sie bindet einen Abalone-Muschelanhänger auf die Stirn von Tyra und befestigt eine Adlerfeder in ihrem Haar; ein Symbol dafür, dass Tyra nun die Rolle von Changing Woman angenommen hat. Stoisch tritt Tyra, mit einem gelben Stock in der Hand, aus dem Wickiup. Für den Rest der Zeremonie wird sie weder lächeln, Wasser noch sich selbst berühren. Wenn sie einen Juckreiz hat, benutzt sie einen Kratzstock; wenn sie Durst hat, muss sie durch ein gelbes Rohrblatt oder Schilf trinken. „Sie steht an der Schwelle zwischen Unschuld und Reife,” erklärt Vernelda Grant. „Dies ist ein Versuch, ihre Unschuld zu bewahren.” Nach der Ankleide-Zeremonie bereitet sich das Lager fürs Mittagessen vor und ich begebe mich in Richtung Schwitzhütte, wo sich die Männer, die am Abend als Crown Dancer fungieren, einer Reinigung unterziehen. Die Apachen haben klar definierte Rollen für Männer und Frauen. Deshalb bin ich vorsichtig, um nicht zu nahe zu kommen und suche mir einen Platz entlang dem Feldweg, auf dem Tyra und ihr Gefolge bald vorbeikommen werden, um Lebensmittel in die Schwitzhütte zu liefern. 01/2018 Spirit of the West 79


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Lange bevor ich die Prozession sehe, höre ich schon die Trommeln. Tyra ist einfach zu erkennen, mit der Feder in ihrem Haar und dem gelben Stock. Neben ihr geht eine Freundin in einem hellblauen Kleid. Diese Freundin hat die Sunrise Ceremony bereits hinter sich und hat in Tyra’s Zeremonie eine Rolle, die vergleichbar ist mit einer Trauzeugin. Sie folgen einem Mann mit weißem Cowboyhut, der eine Trommel schlägt, singt und ca. alle 20 Meter stoppt, bis sie an der Schwitzhütte ankommen. Als sich die Gruppe zurück zum Camp Tyra begibt, schließe ich mit hinten an. Als wir ins Lager kommen, sehe ich, dass die Frauen, die zurückblieben, bereits begonnen haben den Pick-up Truck zu beladen. Tyra kommt zur Hilfe; bald wird sie eine zweite Prozession anführen, die sie zu dem Gemeinschaftsplatz zwischen den zwei Lagern bringt, wo sie dann mit der Familie ihrer Patentante Essen austauschen wird. Am Abend bieten die Crown Dancers einen Gesellschaftstanz. Am nächsten Morgen muss Tyra vor Sonnenaufgang aufstehen, um den Sunrise Dance fertig zu tanzen. Dazu wird sie in einem schnellen Tempo zu bis zu 16 Liedern tanzen. Wenn sie müde wird, darf sie sich hinknien, bis sie wieder die Kraft hat, weiter zu tanzen. Mit diesem Tanz wird nicht nur die Ausdauer eines Mädchens getestet; es ist auch eine Zeit der spirituellen Verbundenheit. Tyra’s Patenonkel kommt am Sonntag, um sie mit einem Gemisch aus weißer Tonerde und Maismehl bemalen, um sie zu segnen. Tradition besagt, so wie das Gesicht des Mädchens mit der weißen Farbe aussieht, so wird sie auch aussehen, wenn sie älter wird, erklärt Vernelda Grant. Montag morgen ist die Sunrise Ceremony vorbei und das Mädchen kehrt zu ihrem normalen Leben zurück. Nur, jetzt ist sie kein Mädchen mehr. In den Augen des Stammes, ist sie jetzt eine Frau. *Teresa Bitler ist freiberufliche Journalistin in Arizona und die Autorin von „Backroads & Byways of Indian Country”. Fotografieren war nur bedingt erlaubt und beim Sunrise Dance gar nicht zugelassen.

Dieser Artikel erschien in Spirit of the West Magazine 02/2013.

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