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02/2010

ISSN 1940-5898

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CHF 5.95

USA $5.50

SPIRIT of the WEST Travel

Colorado Utah Wyoming

Lifestyle

Business

Utah’s Dixie - Freizeitparadies St. George

Wilder Westen live in Laramie

www.spiritofthewestmagazine.com

Wilde Jungs, Wilde Mustangs


Liebe Leserinnen, liebe Leser, Spirit of the West steckt zwar noch in den Kinderschuhen, wir bekommen aber mittlerweile jede Menge Leserzuschriften und darüber möchte ich mich bedanken. Auch über die vielen Anfragen in Bezug auf Abonnement freuen wir uns ganz besonders. Wir arbeiten daran und hoffen, dass wir bald soweit sind, Abos anbieten zu können. Die Leser von Spirit of the West sind, mit unseren Anzeigenkunden, das wichtigste. Deshalb haben wir für diese Ausgabe wieder mal keine Mühe gescheut und uns für Sie sogar ins Gefägnis begeben. Ein Bericht über das Mustang-Training von Häftlingen führte uns nach Cañon City. Diese Kleinstadt in Colorado hat einiges zu bieten, wie sich herausstellte. Zugfahren im Südwesten der USA ist meistens ein entspannendes Erlebnis und oft mit gutem Essen und ausgezeichneten Weinen verbunden. Wir haben uns bei der Royal Gorge Route Railroad umgesehen, eine weitere Attraktion in Cañon City. Und dann ist da natürlich auch noch die Royal Gorge Brücke – bis vor kurzem die höchste Hängebrücke, und der Royal Gorge Park, ein kleiner Wildpark, der einige einheimische Tiere beherbergt. Las Vegas ist immer wieder eine Reise wert. Wir haben das Bellagio Resort & Casino für Sie getestet sowie die Osteria del Circo – eins der besten italienischen Restaurants, in dem ich bisher gegessen habe. Fantastischer Service, traumhaftes Essen und ein Blick auf die Wasserspiele des Bellagio’s. Ein kurzer Trip nach Laramie zeigte uns, dass in der kleinen Westernstadt im Südosten von Wyoming Cowboytum nicht nur Lebensart sondern immer noch Broterwerb ist. Und, der Süden Utahs strotzt vor tollen Plätzen und Attraktionen. Kommen Sie mit nach St. George, das vom National Geographic Magazin zu einem der besten Wohnorte gewählt wurde. Lohnt sich auch nur für ein paar Tage. Viel Spaß beim Lesen Herzlichst, Ihre

Sonja Stimmer Spirit of the West 3


Features

10 Wilde Jungs, wilde Mustangs

Mustangs haben im Leben des amerikanischen Westens schon immer eine grosse Rolle gespielt. Ein Besuch im Gefängnis von Canõn City in Colorado gibt Einblick in das Training von Wilden Mustangs bei wilden Jungs, die dort ihre Zeit sinnvoll ‘absitzen’.

20 Utah’s Dixie - St. George

Das Freizeitparadies ist einer der begehrtesten Orte, seinen Lebensabend zu verbringen - oder einfach um nur mal Urlaub zu machen.

26 Wasserspiele in Nevada

Das ‚Bellagio Resort und Casino’ in Las Vegas - Grandiose Springbrunnen im italienischen Stil und feinste italienische Küche - ein Fest für Auge und Magen

34 Zug fahren Gourmet Stil

Colorado’s Royal Gorge Route Railroad bietet kulinarische Köstlichkeiten und landschaftliche Leckerbissen.

Wyoming 40 Laramie,

Wild West Fieber und Cowboy-Gefühle. In Laramie ist Cowboytum nicht nur Lebensart, sondern immer noch Broterwerb.

Photo: Frank Jensen/Utah Office of Tourism Titelbild: CCi Rückseite: Donnie Sexton/Travel Montana

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Departments 3 6 18

Editorial Open Trail

Country Music News

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Impressum

Spirit of the West 5


Montage Deer Valley, Utah

News

Park City in Utah wird Aspen bald den Rang ablaufen. Ein weiterer Nobelpalast hat sich hier niedergelassen und wird im Dezember 2010, gerade zur neuen Skisaison, eröffnet werden. Das Montage Deer Valley® verspricht eines der besten Resorts zu sein. Das Hotel mit seinem eleganten, handwerklich einmaligem Design, vermischt sich perfekt mit den majestätischen Wasatch Mountains, eingebettet in einem riesigen Wald mit einer 360-Grad Aussicht. Direkt am Skilift gelegen, bietet das Montage Deer Valley® seinen Gästen einen 24-Stunden Service; 174 luxuriöse Gästezimmer, 45 davon Suiten; ein über 3000qm grosses Spa Montage , mehrere Restaurants, Pool und Whirlpool sowie ca. 1500qm für Konferenzen und Veranstaltungen. Ausserdem verfügt das Resort über eine beheizte Garage sowie verschiedene Shopping Möglichkeiten. Die Gästezimmer und Suiten sind alle ausgestattet mit offenem Kamin, hoch-qualitativen Möbeln und Bettwäsche, Flachbildschirm TV’s und Internetzugang. Die Badezimmer verfügen alle über eine Badewanne sowie separater Dusche. Einige der Zimmer und Suiten bieten privaten Balkon oder Terrasse. Wie schon in dem letzten Jahr eröffneten St. Regis Resort, bietet auch das Montage exklusive Wohnungen zum Kauf an. Die 81 privaten 2- bis 5- Zimmer grossen Luxuswohnungen befinden sich in den oberen sechs Stockwerken und sind zwischen 110qm und 640qm gross. Ausgestattet mit privatem Balkon, offenem Kamin, voll ausgestatteter Küche und luxuriösem Badezimmer mit Fussbodenheizung bieten die meisten der Wohnungen atemberaubende Ausblicke. 49 dieser Nobelherbergen sind möbliert und können gemietet werden. Die Après-Ski Terrasse mit offenen Feuerstellen bietet nicht nur einen tollen Ausblick auf die Berge und Skipiste sondern auch Drinks und Kleinigkeiten zum Essen. Montage Deer Valley®, 9100 Marsac Avenue, Park City, UT * Tel: 435-604-1300 * www.montagedeervalley.com

Celine Dion erneut im Caesars Palace, Las Vegas

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Der Franko-kanadische Megastar unterschrieb einen neuen 3-Jahresvertrag und wird ab März 2011 wieder im Colosseum des Caesars Palace in Las Vegas auftreten. Nach 5 Jahren konstant ausverkauften Shows im Colosseum, ging Celine Dion von 2008-2009 auf eine Welttournee, die sie durch 5 Kontinente und 25 Länder führte und in denen sie vor 3 Millionen Menschen auftrat. 2010 nutzte sie, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und aufzutanken. Und, wie es scheint, sich auf einen erneuten Las Vegas Einsatz vorzubereiten. Celine wird eine spektakuläre neue Show auf die Beine stellen. Ihre Konzertauftritte sind bekannt für ihre Kreativität und sie wird sicherlich auch dieses Mal nicht enttäuschen. Unterstützt von einem Orchester und einer Band mit 31 Musikern, wird Celine nicht nur ihre grössten und bekanntesten Hits zum Besten geben sondern auch die Romantik der alten Hollywood-Klassiker wieder aufleben lassen. Das Ganze natürlich unterstrichen mit einer aussergewöhnlichen visuellen Präsentation. Tickets ($55 - $250) für die ersten 50 Shows sind bereits im Vorverkauf. Info unter www.celineinvegas.com


Grand Canyon West eröffnete neues Besucherzentrum und Terminal Grand Canyon West, Arizona’s viert-verkehrsreichster Flughafen und Heimat des Sky Walks, eröffnete am 10. Juli mit grosser Zeremonie ein neues Besucherzentrum und Terminal. Die neuen und verbesserten Gebäude bieten nun doppelt soviel Fläche wie bisher und verfügen über einen Concierge, Ticketverkauf, Souvenierladen, Shuttle, Espresso Bar und Café. Die neue Start- und Landebahn wird ca. Ende 2010 in Photo: Grand Canyon West Betrieb genommen. Besucher erreichen Grand Canyon West mit über 30 verschiedenen Reiseanbietern von Nevada und Arizona, incl. Hubschrauber, Flugzeug und Bus oder Shuttle. ‚Die neuen Einrichtungen ermöglichen uns, den Besuchern das Beste zu bieten und die Schönheit des Grand Canyon West mit denen zu teilen, die sonst nicht die Möglichkeit dazu hätten’, sagte Robert Bravo Jr., der Geschäftsführer der Grand Canon Resort Corporation und wichtiges Mitglied des Hualapai Indianerstammes, dem u.a. Grand Canyon West gehört. ‚Wir sind ganz besonders daran interessiert, Fluggäste aus der Los Angeles Gegend in den Grand Canyon West zu bringen. Manchmal hat man 6-8 Stunden zwischen zwei Flügen – genügend Zeit, um Grand Canyon West zu besuchen’. Mehr Info unter Tel: 928-769-2230 www.grandcanyonwest.com

Virginia & Truckee Railroad, Nevada Die restaurierte und historische Virginia & Truckee Railroad startet dieses Jahr zum ersten Mal mit täglichen, 90-Minuten langen Fahrten zwischen Carson City und Virginia City. Der Sommer-Fahrplan geht bis Oktober. Die Zugfahrt führt Passagiere durch einige interessante Stationen, vorbei an einem Friedhof aus dem 19. Jahrhundert, alte Silberminen, durch endlose Weiten und Täler und die Chance Wilde Mustangs zu sehen. Der Zug bietet einen offenen Wagon, in dem man draussen sitzen kann und hautnah die Sehenswürdigkeiten und die wilden Mustangs erspäht, was man oft vom Auto aus nicht kann. Sie haben die Möglichkeit zwischen Dampf- und Diesellock zu wählen, die jeweils zu verschiedenen Zeiten fahren. In Virginia City angekommen, glaubt man sich in den wilden Westen zurück versetzt, wenn nicht Touristen in Shorts und T-Shirt das Strassenbild beeinträchtigen würden. Virginia City ist eine aussergewöhnlich lebhafte alte Westernstadt mit Saloons, Holzgehsteigen, witzigen Läden und Geschäften, interessanten Museen und Einwohnern, die in geschichtsträchtigen Kostümen herumlaufen, wie z.B. die Saloon Girls, der Sheriff oder die Rabauken, die sich zur täglichen Schiesserei zusammen finden. Carson City Tourismusbüro, 1900 S. Carson Street, Suite #100, Carson City, NV 89701 Tel: 775-687-7410 * http://carsoncity.activitytickets.com/relax/trainrides Virginia City Tourismusbüro, 86 S. “C” Street, Virginia City, NV 89440 * Tel: 775-847-4386 www.visitvirginiacitynv.com/german_home.aspx

New Mexico’s erstes Hard Rock Hotel & Casino Das Isleta Casino & Resort wurde mit einer Multi-Millionen Dollar Renovierung in das neue Hard Rock Hotel & Casino Albuquerque umfunktioniert. Grosse Eröffnung des ersten und einzigen Hard Rock Casinos in New Mexico fand im Juni statt. Das Hotel bietet 201 Gästezimmer, ein 2.500 Zuschauer fassendes Theater für Konzerte und Sportveranstaltungen, mehrere neue Restaurants, eine Cocktail Lounge mit Live-Unterhaltung, einen Swimmingpool sowie Tagungsräume und das ca. 9000 qm grosse Casino. Selbstverständlich gibt es auch hier einen Laden mit Souvenirs und den typischen Hard Rock Artikeln sowie eine Ausstellung von Erinnerungsstücken verschiedener Stars. Hard Rock Hotel & Casino, 11000 Broadway SE, Albuquerque, NM 87105 * Tel: 505-724-3800 oder gebührenfrei in den USA 1- 877-747-5382 * www.hardrockcasinoabq.com

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Events

Scottsdale Classic Futurity & Quarter Horse Show, Arizona An die 1000 Pferde werden für diese Veranstaltung in Scottsdale eingaloppieren. Die traditionelle Show ist besonders populär im ‚reining’, dem Westernreiten. In dieser ausschließlich im Galopp gerittenen Disziplin werden von Pferd und Reiter vorgeschriebene Manöver verlangt. Als Preise locken Sättel, Trophäen sowie ein grosszügiges Preisgeld. Ausserdem ist die Veranstaltung bekannt und beliebt für die Parties, an denen jeder teilnehmen kann, die verschiedenen Aktivitäten und eine BenefizAuktion. Eintritt kostenlos. Die Veranstaltung findet vom 30. September bis 6. Oktober 2010 statt. WestWorld of Scottsdale, 16601 N. Pima Road, Scottsdale, AZ 85260. Info unter www.thescottsdaleclassic.com * Tel: 602–919–2971 Photo: Kris Spinning

Run Wild – Run Free, Virginia City, Nevada Am 19. September 2010 findet in der Mackay Mansion in Virginia City, Nevada die erste Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten der Wild Horse Preservation League statt. Von 14.00 – 16.00 Uhr gibt es jede Menge Unterhaltung, Musik, Spass und Verlosungen. Die Red Rose Band aus Silver City bietet Live Musik und eine Wildpferde Ausstellung und Verkauf von örtlichen Künstlern unterstützt das Wildpferde Programm. Eintritt $15 pro Person oder $20 pro Paar. Mackay Mansion, 291 South D Street, Virginia City, NV 89440 Tel: 775-847-0373 * www.uniquitiesmackaymansion.com

Vince Gill im Las Vegas Hilton Der Superstar ist einer der populärsten Country Sänger der Welt. Er hat über 26 Mio. Alben verkauft und 18 Country Music Association (CMA) Auszeichnungen erhalten, darunter ‚Entertainer des Jahres’ in 1993 und 1994. Er hat, genauso wie George Strait, fünf Auszeichnungen vom CMA erhalten für ‚Bester Sänger’ und steht an zweiter Stelle, hinter Brooks & Dunn, mit den meisten CMA Auszeichnungen der Geschichte. Vince Gill ist ein Mitglied der Grand Ole Opry und hat bisher 19 Grammy Auszeichnungen gewonnen, die meisten, die je ein männlicher Country Sänger erhielt. Im August 2007 wurde er von der CMA in die Country Music Hall of Fame aufgenommen. Am 23. Oktober 2010 um 20.00 Uhr können Sie ihn live im Las Vegas Hilton Theater erleben. Tickets: $59 - $89. Las Vegas Hilton, 3000 Paradise Road, Las Vegas NV 89109 Tel: 702-732-5111 * 1-800-732-7117 * Info unter www.vincegill.com oder www.lvhilton.com/Play/Entertainment

18th Annual Southwest Indian Art Fair, Arizona Süd-Arizona’s beste Indianer-Kunstausstellung bietet Kunstwerke von ca. 200 verschiedenen Künstlern, viele von ihnen preisgekrönt. Die Künstler präsentieren nicht nur ihre qualitativ hochwertigen Werke wie handgefertigte Tonwaren, Photo: Jannelle Weakly Hopi Katsina Puppen, Gemälde, Schmuck, Körbe, Teppiche, Decken, etc., sondern stehen auch zur Verfügung um ihre Kunstwerke und deren kulturelle Bedeutung zu erklären. Die Ausstellung findet vom 19.-20. Februar 2011 statt. Öffnungszeiten: Samstag von 10.00 Uhr – 17.00 Uhr; Sonntag von 10.00 Uhr – 16.00 Uhr. Eintrittspreise standen bei Drucklegung noch nicht fest. Arizona State Museum, University of Arizona, 1013 E University Blvd., Tucson, AZ * Tel: 520-621-6302 * www.statemuseum.arizona.edu 8 Spirit of the West


Entdecken Sie Amerika mit exklusiven Schnäppchen von Macy’s ! Auf einer Reise in die USA darf ein Abstecher zu Macy’s nicht fehlen ! Macy’s ist ein einzigartiges ShoppingErlebnis, das Ihnen nur ‚das bekannteste Kaufhaus der Welt’ bieten kann. Sie finden dort die besten Marken, die neueste Mode, bekannte Designer sowie die heissesten Trends für Haus und Wohnung. Wer zu Macy’s kommt, erhält eine exklusive, internationale Macy’s Rabattkarte*, mit der Sie einen Preisnachlass von 10%* auf Tausende von Artikel bekommen. Die Rabattkarte (in Deutsch erhältlich) ist 30 Tage gültig und kann innerhalb dieser Zeit in jedem Macy’s Geschäft der USA so oft benutzt werden, wie man möchte. Sie finden Ihre Rabattkarte in den Ausgaben von Spirit of the West Magazine, die bei Condor auf dem Flug von Frankfurt nach Las Vegas ausliegen. Sie können die Rabattkarte auch per Telefon in den USA unter 1-877-797-7227 oder per email an visitor@macys.com anfordern bzw. in jedem Macy’s Geschäft bei der Information bekommen. Unter www.visitmacysusa.com erhalten Sie noch mehr Informationen. *Einschränkungen vorbehalten. Gültiger Ausweis erforderlich. Details im Geschäft

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ustangs haben im Leben des amerikanischen Westens schon immer eine grosse Rolle gespielt und auch heute noch verkörpern sie Freiheit und Unabhängigkeit, wie kein anderes Tier. Sie sind immer noch wild und frei. Jedoch hat die Vorstellung nichts romantisches an sich, es ist harter Überlebenskampf. Nachdem sie im letzten Jahrhundert fast ausgerottet und oftmals nur gejagt wurden, um im Schlachthaus abzuenden, sind die Mustangs nun seit 1971 gesetzlich geschützt. Das BLM, Bureau of Land Management (Staatl. Amt der Landverwaltung), hat festgelegt, dass öffentliches Land in den zehn westlichen Staaten der USA ca. 27.500 Mustangs tragen kann. Um die Population stabil zu halten und der Zerstörung des Lebensraums vorzubeugen, werden Tausende von Mustangs von ihren Herden getrennt und eingefangen. Und damit einige dieser Pferde zur Adoption freigegeben werden können, müssen sie trainiert werden.

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Photo: CCI

Text: Sonja Stimmer

Nicht Cowboys auf Pferden sondern Hubschrauber jagen die Mustangs und pferchen sie zusammen. Verschwitzt und verängstigt, getrennt von ihren Familien und ihrer Freiheit beraubt, werden sie dann verladen. Der Zwiespalt und stetige Kampf gegen das BLM von Tierschützern, Tierliebhabern und den eingefleischten Fans der wilden und freien Mustangs ist ein immer- und langwährender Kampf. Die Methode mit dem Hubschrauber ist abstossend, zumal immer wieder Berichte in den Zeitungen erscheinen, dass einige Pferde diese Art des Einfangens aus Angst, Durst oder Erschöpfung nicht überleben. Auch in mir persönlich lebt dieser Zwiespalt. Eine Herde wilder Mustangs in freier Wildbahn zu sehen ist ein emotionales und aussergewöhnliches Erlebnis. Die Unabhängigkeit und Freiheit dieser Pferde ist eindrucksvoll und wunderschön anzusehen. Andererseits, der Wunsch einen Mustang zu adoptieren und selbst zu besitzen ist verlockend. Die Idee, dass sie, trotz grösster Vorsicht und strengen Regeln der Adoption, immer noch durch skrupellose Geschäftemacher im Schlachthaus abenden können, ist erschreckend. Dann schon lieber selbst einen dieser schönen und wilden Mustangs adoptieren.

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In Cañon City, einer Kleinstadt im Süden Colorado’s, gibt es mehr Gefängnisse als im übrigen Rest des Staates. Mein Ziel ist der East Cañon Komplex, wo mich Steve Smith, der Direktor der Colorado Gefängnis Industrien, erwartet. Nachdem meine Daten schon vor meinem Besuch überprüft wurden und es anscheinend keinen schwarzen Fleck auf meinem Führungszeugnis gibt, bekam ich das OK und mein Einlass ins Gefängnis war gesichert. Bei der Fahrt durch das riesige Gelände, auf dem sich verschiedene Gefängnisse mit unterschiedlichen Sicherheitsvorrichtungen befinden, wird klar, dass das Mustangprogramm nur eins der vielen Geschäftszweige ist. Unfassbar und imponierend zugleich tut sich hier ein Unternehmen auf, von dem die Aussenwelt keine Ahnung hat. Steve leitet ‚sein’ Gefängnis, wie ein CEO einen Konzern und ich konnte gar nicht glauben, was ich hier alles erfuhr. Ich war aber gekommen, um die Mustangs und ihre Trainer zu sehen und konnte kaum erwarten, bis wir zur Ranch kamen. Die Inspiration zu diesem Artikel kam bei einem Dokumentarfilm des kanadischen Filmemachers John Zaritsky. The Wildhorse Redemption, die Geschichte von Mensch und Tier des ‚Wildpferde Insassenprogramms’ in einem Gefängnis in Colorado. Äusserst beeindruckend gefilmt, mit den wilden Mustangs, den Insassen und Trainern als Hauptdarsteller, erlebt man die Verwandlung, die nicht nur mit den Mustangs passiert sondern auch mit den wilden Jungs, die allerlei Delikten ihren Aufenthalt hier verdanken. John Zaritsky faszinierte die Idee von wilden Pferden und Häftlingen, die diese wilden Mustangs trainieren. Die emotionale Verwandlung bei den Insassen hatte eine grosse Auswirkung auf ihn. Ich habe John’s Film zufällig im Fernsehen gesehen und war sofort hingerissen. Der perfekte Bericht fürs Magazin. Hier in Cañon City stellen sich die Häftlinge freiwillig zur Verfügung, um die Methoden der Pferdeflüsterer zu erlernen und versuchen, wilde Mustangs zu trainieren, die dann zur Adoption freigegeben werden. Ein Job, bei dem sie sich einer Kreatur gegenüber stellen, die wilder, kraftvoller und gefährlicher ist, als sie selbst.

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Nach der Rundfahrt übergibt mich Steve Smith an den Trainer und Leiter des Pferdeprogramms, Cody West. Cody, ein ehemaliger Rodeoreiter, bringt mich runter zum Gelände, wo sich die Halle und die offenen Ställe befinden und ich dann auch einigen Gefängnisinsassen gegenüber stehen werde. Ich hab’s ja so gewollt ! Doch zuvor raubt mir der Anblick von ca. 2.500 wilden Mustangs erstmal die Sprache. So eine grosse Anzahl auf einmal, sieht man in freier Wildbahn nicht. Alle noch unberührt von Menschenhand, scheu und schreckhaft jedoch auch neugierig und aufmerksam, beobachten sie mich und meine Kamera. Die Pferde ‘gehören’ dem BLM und nur eine kleine Anzahl wird trainiert und zur Adoption frei gegeben. Manche der Mustangs werden von der Grenzpolizei adoptiert, andere vom nahe liegenden Fort Carson, die dann bei Paraden eingesetzt werden, und natürlich von Privatpersonen. Alle eingefangenen Mustangs werden untersucht, geimpft und entwurmt. Die, die nicht von den Insassen trainiert werden, kommen in eine Auffangstation und werden dort versorgt. In der Reithalle werde ich Jon Peterson vorgestellt. Was mir auffällt, ist die Freundlichkeit zwischen den Insassen und dem Direktor Steve sowie Cody, dem Trainer. Hier herrscht keine Autorität sondern ein kameradschaftlicher Umgang. Jon ist Senior-Trainer der Insassen und einer der Hauptdarsteller in dem Film The Wildhorse Redemption. Er hat den grössten Teil seines Lebens hinter Gittern verbacht. Bevor er an dem Programm teilnahm, sah er keine Hoffnung auf ein besseres Leben. Er sieht dieses Programm als eine letzte Chance, sein Leben zu ändern und endlich etwas daraus zu machen; gibt aber auch zu, dass er ein schwieriges Temperament hat und leicht ausrastet. Das Training mit den Mustangs, die ihn so sehr an sich selbst erinnern, gab ihm neue Hoffnung. Es lehrte ihm, genauso wie dem Pferd, sein Temperament zu zügeln, Geduld zu haben und Vertrauen zu gewinnen. Der emotionale Prozess der sich zwischen Trainer und Pferd in den 90 Tagen Training abspielt ist unglaublich - ein dramatischer und lebensverändernder Effekt den der eine am anderen hat. Die meisten der Häftlinge, die an dem Trainingsprogramm teilnehmen, sind nie auf einem Pferd gesessen und die erste Begegnung mit dem Mustang ist für viele beängstigend. ‚Du musst das Selbstvertrauen haben, um auf das Pferd zu steigen und gleichzeitig versuchen, das Vertrauen des Pferdes zu gewinnen,’ erklärt Jon. ‚Du musst ihm klar machen, dass Du ihm nichts böses willst und sein Freund bist’. Bis es soweit ist, dass man den Mustang satteln und aufsitzen kann, dauert es jedoch etwas.

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Die Insassen, die sich für das WHIP (Wild Horse Inmate Program – Wildpferde Insassen Programm) zur Verfügung stellen, werden für dieses einzigartige Ausbildungsprogramm sorgfältig ausgewählt. Jeder Teilnehmer muss ca. 200 Stunden theoretischen und praktischen Unterricht hinter sich bringen, bevor er überhaupt qualifiziert ist, Pferde zu trainieren. Mit harter Arbeit und grossem Einsatz entwickelt jeder der Häftlinge einen persönlichen Stolz, durch seine vollbrachten Leistungen. Aber, nicht jeder eignet sich zum Pferdetrainer; manche können ihre Angst nicht überwinden und scheitern.

Nach Qualifizierung, beginnen die Insassen mit dem Trainingsprozess, indem sie sich behutsam dem Mustang nähern und ihn so an Menschen gewöhnen. Den Trainern wird gelehrt, dass sie natürliche Instinkte und Verhaltensweisen anwenden, so dass jedes Pferd freiwillig und gerne den Trainingsprozess akzeptiert. Die Trainer gewinnen so neuen Einblick in das Verhalten eines Mustangs und mindern die Chancen einer Panikattacke beim Tier oder eine defensive Haltung gegenüber dem Trainer. Das Ergebnis dieser Methode ist ein ruhiges und zutrauliches Pferd. Nach der ersten Berührung muss das Pferd am ganzen Körper desensibilisiert werden, ein Prozess, mit dem man dem Pferd die natürliche Angst vor fremden und unbekannten Objekten nimmt.

Schritt für Schritt, wird der Mustang erst mit dem Halfter und dann mit dem Sattel vertraut gemacht. ,Geduld, Ausdauer und Toleranz vom Trainer vermitteln dem Pferd Vertrauen’, erklärt Jon, der schon einige Mustangs trainiert hat und sich von denen auch wieder trennen musste. ‚Von Samson, dem Pferd aus dem Film, konnte ich mich nur schwer trennen’, fährt er fort, ‚das war nicht einfach’. Hört, hört, emotionale Worte aus dem Munde eines harten Jungen. Das Training hat auch bei Jon Spuren hinterlassen.

Nachdem das Pferd mit dem Sattel vertraut ist, und auch nicht mehr versucht, den Reiter loszuwerden, werden Details im Trainingsprozess mit einbezogen, wie verbale Anordnungen und Hinweise durch Zügel und Beinarbeit. Wenn das Pferd für die nächste Trainigsphase bereit ist, geht’s raus ins Gelände. Die Lage des Gefängnisses ist einmalig. Traumhafte Aussicht auf die Rocky Mountains, hügeliges Gelände – perfekt für einen Ausritt, der auch den Häftlingen eine kleine, wenn auch überwachte, Abwechslung bietet. Bei diesen wöchentlichen Ausritten werden die Mustangs mit Verkehr, Flussüberquerungen, Zäunen sowie unterschiedlichem Gelände bekannt und vertraut gemacht. Ausserdem werden sie trainiert, dass sie problemlos in einen 4-Pferde Anhänger rein- und rausgehen.

Photo: CCI

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Jeder der Insassen hat 4-5 Pferde pro Tag zu trainieren. Je nach Temperament, dauert das Training ca. 1 Std. Genau wie der Mensch, so hat jedes Pferd seine eigene Persönlichkeit. Manche lernen schneller und sind in 45 Min. fertig, die anderen sträuben sich und benötigen mehr Zeit. ‚Zeit ist das, was sie am meisten hier haben’, sagt Cody über seine Insassen-Pferdetrainer. Der gesamte Trainingsprozess dauert 90 Tage. Nach dieser Zeit, kann man einen Mustang adoptieren. Der Adoptionsprozess selbst dauert etwas und hat genau vorgeschriebene Regeln, die man einhalten muss. Man kann sich auch ein Pferd aussuchen, und es trainieren lassen und sehen, ob man mit ihm zurecht kommt. Jon und Cody erzählten von einem Geschäftsmann, der für zwei Monate regelmässig am Wochenende einflog um das Training ‚seines’ Pferdes zu erleben. Trotz ihrer Wildheit, Freiheit und ihrem Stolz, wenn Sie einmal das Vertrauen eines Mustangs gewonnen haben, ist er ein äusserst loyals Pferd auf das man sich verlassen kann. Fühlt der Mustang sich wohl ? Vermisst er seine Freiheit ? Keiner kann das mit Gewissheit sagen, aber er wird Ihnen ein treues Pferd sein. Hier ist er wieder, dieser Zwiespalt... Jon hatte bei meinem Besuch noch ein gutes Jahr abzusitzen. Ich fragte ihn, was seine Pläne wären und ob er sie dieses Mal verwirklichen wird und nicht mehr zurück kommt. ‚Ja, dies ist meine letzte Chance’, meinte er. ‚Ich möchte gerne weiterhin mit Pferden arbeiten, evtl. auf die Schule gehen um Hufschmid zu lernen’. ‚Auf jeden Fall muss ich es dieses Mal auf die Reihe kriegen, ich bin immerhin schon 45 und wenn ich es jetzt nicht packe, dann nie mehr’. Falls Jon wieder rückfällig wird, heisst das für ihn ein Leben lang hinter Gittern. Er wird keine Chance mehr bekommen. Die Rückfälligkeitsrate in Colorado beträgt 50%; in Cañon City beträgt sie bei den Insassen, die an einem der Programme teilnehmen nur 25% - die Hälfte. Ein gutes Omen für Jon ? Wir wollen es hoffen. Er musste mir versprechen, dass er es dieses Mal schafft und sobald er im Juni 2011 entlassen wird, werden wir ein Auge auf ihn haben.

Photo: CCI Spirit of the West 15


Ich bin hierher gekommen, um die Mustangs zu sehen, das Training zu beobachten und den Prozess einer emotionalen Veränderung von zwei der Freiheit beraubten Kreaturen zu beobachten. Was ich zu sehen bekam, war weitaus mehr, als ich mir erhofft hatte. Ich war unheimlich fasziniert, nicht nur von dem Mustang-Programm, sondern ganz besonders auch von der Art und Weise, wie Steve Smith sein Gefägnis leitet. Ich verliess Cañon City mit Gefühlen, die mir sehr selten widerfahren, wenn ich einem Menschen begegne, den ich nicht kenne – Respekt, Bewunderung und Anerkennung. Das WHIP sowie die anderen Programme bieten den Insassen eine bessere Chance, im normalen Leben zurecht zu kommen und nicht unbedingt rückfällig zu werden. Sie operieren in einem geschäftsmässigen Umfeld, lernen neue Kenntnisse und Arbeitsmoral, was Ihnen die Möglichkeit bietet, nach Entlassung, eine langfristige Anstellung zu finden. In Cañon City gibt es 25.000 Insassen und 2.000 Jobs. Die Häftlinge müssen sich genauso bewerben und gehen durch den gleichen Auswertungsprozess wie im normalen Geschäftsleben. Die Gehälter sind unterschiedlich und wer hart arbeitet und sich benimmt, der bekommt auch regelmässig eine Gehaltserhöhung. Einen Job in einem der Programme zu bekommen, ist ein Privileg. Wer sich daneben benimmt, dem wird das Privileg entzogen. Die Gehälter der Insassen unterliegen dem Steuergesetz; ausserdem kommen weitere Abzüge hinzu, wie z.B. Kosten für die Inhaftierung, evtl. Entschädigung für ihre Opfer, Familienunterhalt und obligatorische Sparprogramme. Die Häftlinge bekommen einen Teil ausbezahlt und ein Teil geht auf ein Sparkonto, den sie bei Entlassung ausbezahlt bekommen. Manche der Insassen kommen auf einen Stundenlohn von $11, der weit über dem Mindestlohn einiger Staaten der USA liegt.

Photos: CCI

Insassen haben auch die Möglichkeit, ein neues Programm vorzuschlagen. Einer der Häftlinge z.B. hatte vor seiner Inhaftierung Angeln zum Fliegenfischen hergestellt. Er schlug die Idee dem Direktor Steve Smith vor, der, nach sorgfältiger Prüfung, das Projekt für gut befand und es aufnahm. Heute werden handgemachte Angeln im Wert von $800 bis $4000 hergestellt; teilweise Sonderanfertigungen, wunderschön, mit aussergewöhnlichem Design.

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Ein weiterer Geschäftszweig sind handgemachte Sättel, die man sowohl direkt bestellen kann wie auch in verschiedenen Geschäften findet. Die Sättel aus feinstem Leder, mit verschiedenen Mustern und Details kosten um die $2.500.

Das in Cañon City ansässige Weingut Holy Cross Abbey bezieht die Trauben für ihren ausgezeichneten Chardonnay aus dem Anbaugebiet im Gefängnis. Genauso, wie die Blumen, die dort u.a. an Grosshändler der näheren Umgebung verkauft werden. Die Milch der 2500 Ziegen wird zum Ziegenkäse verarbeitet; die Fischzucht bietet Bartsch, Forelle und Shrimps; die Fischtanks aus Glasfasern werden hausintern hergestellt; Obst und Gemüse wird im Gewächshaus angebaut; 850 Kühe müssen 3x täglich gemolken werden, 1/3 davon wird als Eigengebrauch verwendet, der Rest wird verkauft.

Ein K-9 Programm verhilft ausgesetzten Hunden nach entsprechendem Training zu einem neuen Heim; die hauseigene Möbelproduktion besitzt eigene Lieferfahrzeuge; der Honig von 150 Bienenstöcken wird ans Personal verkauft.

In jedem dieser Programme finden Insassen eine Beschäftigung, eine Aufgabe, die sie auf ein Leben draussen vorbereitet. Für Steve, den Direktor, ist es ein knallhartes Geschäft. Das Gefägnis ist finanziell absolut unabhängig und bekommt keinen Zuschuss von Steuergeldern.

Informationen über das WHIP - Wildpferde Insassen-Programm sowie über die weiteren Programme und Geschäftszweige des CCi (Colorado Correctional Industries) finden Sie auf der Webseite www.coloradoci.com

Infos zum Film gibts unter www.cbc.ca/documentaries/doczone/2009/wildhorseredemption/wildhorse_whip.html

Photos: CCI

Die DVD ‚The Wildhorse Redemption’ gibt es bei www.Amazon.com

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iranda Lambert hat sich in den letzten Jahren langsam

aber stetig einen Platz in den oberen Rängen der Country-Charts ergattert. Mit ihrem ersten Album Kerosene eroberte sie 2005 die Country Szene und wurde auch gleich 2006 von der Academy of Country Music mit der Auszeichnung als ‚Beste neue Sängerin’ geehrt. Von da an ging’s nach oben. Ihre Hits wie Kerosene aus dem gleichnamigen Album; Gunpowder & Lead’ und Crazy Ex-Girlfriend, eine Single-Auskoppelung aus ihrem Album in 2008, schlugen ein wie eine Bombe. In 2008 wurde sie dafür wieder von der Academy of Country Music ausgezeichnet, dieses Mal für ihr ‚Album des Jahres’. Ihr bestes Jahr bisher war 2009, in dem sie gleich drei Auszeichnungen von der Academy of Country Music gewann - ‚Video des Jahres’; ‚Album des Jahres’ und ‚Beste Sängerin’. Aus ihrem letzten Album, Revolution, gingen bisher zwei Hits hervor, die stündlich im Radio zu hören sind, White Liar und The House That Built Me. Nachdem Miranda als 10-jährige Garth Brooks in Dallas spielen sah, entschloss sich die kleine, quirlige Texanerin an einem Talent-Wettbewerb teilzunehmen. Von da an besuchte sie jedes Jahr die Nashville Fan Fair. Als Miranda mit 14 von ihrem Vater eine Gitarre geschenkt bekam, zeigte sie jedoch herzlich wenig Interesse daran. Das kam ein paar Jahre später, als sie mit 16 von einem Country-Talent-Wettbewerb erfuhr und daran teilnahm. Danach trat Miranda in der Jonny High Country Music Review in Forth Worth auf, die gleiche Show, die auch LeAnn Rimes zum Erfolg verhalf. Ein Musik-Seminar in Nashville brachte ihr eine Demoaufnahme ein. Allerdings hasste Miranda die vier Pop-Countrysongs, die man für sie aussuchte. Als sie zurück kam nach Texas, bat sie ihren Vater, ihr das Gitarre spielen beizubringen, damit sie eigene Songs schreiben kann. Inspiration holte sich Miranda von Stars wie Emmylou Harris, Jack Ingram und Allison Moore. Bei einem der TalentWettbewerbe gewann sie einen Agentur-Vertrag, der ihr einen Werbespot sicherte sowie eine Rolle in der Teenager-Komödie Slap Her She’s French. Mit 17 Jahren gründete Miranda ihre Band Texas Pride und bekam ihr erstes professionelles Engagement. Kurz darauf wurde Texas Pride als Hausband in einem Tanzlokal engagiert, während Miranda weiterhin auf die High School ging. Im Reo Palm Isle Ballroom, erbaut in 1930 und das älteste Tanzlokal in Texas, sind die bekanntesten Showgrössen der Musikbranche aufgetreten, von Elvis Presley bis Willie Nelson. In 2001, mit Hilfer ihrer Eltern, brachte Miranda ihre erste CD heraus; ihr Bruder Luke entwarf eine Webseite auf der sie die CD mit ihren eigenen Songs verkaufte. Miranda’s Mutter fuhr sie zu verschiedenen Radio-Stationen um ihre CD zu vermarkten und rief sämtliche Clubs an, um Auftritte zu buchen. Die Familie kaufte ein Wohnmobil, eine Musikanlage und einen Anhänger für die Geräte und Instrumente. Von da an tourte Miranda durch ganz Texas und in 2002 erschienen zwei Songs ihrer eigenen CD in den Musikcharts. In 2003 kam sie zwar nur auf den dritten Rang bei der Vorsprache zu der Serie Nashville Star, konnte sich aber einen Vertrag mit Sony sichern. Daraus entstand ihr erstes Album Kerosene, das in 2005 als No. 1 der Billboard Country Alben einschlug. Seitdem ist Miranda aus der Country Musikszene nicht mehr wegzudenken. Die resolute 27-jährige Texanerin hat sich mit ihren provokanten Songs stetig hochgearbeitet. In diesem Jahr bekam sie bereits eine weitere Auszeichnung, den CMT Music Award für ihr Video des Jahres. Auch privat läuft für Miranda alles bestens; sie hat sich vor kurzem mit ihrem Country-Musik Kollegen Blake Shelton verlobt. Mehr Info unter: www.mirandalambert.com 18 Spirit of the West

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immy Wayne, bekannt für seine Hits wie

Do You Believe Me Now und Sara Smile, hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Der Country Sänger hat seinen 1700-Meilen Meet Me Halfway Marsch von Nashville nach Phoenix erfolgreich Anfang August beendet. Selbst eine gebrochene Ferse konnte ihn nicht davon abhalten. Jimmy’s Marsch soll auf die Probleme von obdachlosen Jugendlichen aufmerksam machen bzw. auf die Probleme, die Jugendliche bekommen, wenn sie aufgrund ihres Alters, aus der Pflegefamilie entlassen werden und auf sich selbst gestellt sind. Viele von ihnen rutschen ab und geraten auf die schiefe Bahn. Er machte sich am 1. Januar 2010 auf den Weg und erreicht am 1. August 2010 sein Ziel beim HomeBase Youth Services Gebäude in Phoenix. Jimmy gab während seines Marsches immer wieder Konzerte und flog nach Nashville für Auftritte und Termine. Er feierte das Ende des Marsches mit seiner Band bei einem kostenlosen Konzert in Toby Keith’s ‚I Love This Bar und Grill’ in Mesa, Arizona. Jimmy Wayne selbst verbrachte eine turbulente Kindheit, nachdem sein Vater die Familie verliess als Jimmy erst drei Jahre alt war, und seine Mutter ein paarmal ins Gefängnis musste. Er wuchs bei verschiedenen Pflegefamilien auf und im Alter von 16 Jahren war er obdachlos und ohne Schulabschluss. Das änderte sich als er einen Job bei einem älteren Ehepaar bekam, um deren Gras zu mähen. Es dauerte nicht lange, bis sie Jimmy einluden, bei ihnen einzuziehen und er Teil der Familie wurde. Das stabile Familienleben ermöglichte ihm nicht nur die Rückkehr in die High School sondern er machte auch seinen Abschluss in Strafrechtspflege. Nachdem er eine Weile in einem Gefängnis in North Carolina arbeitete, zog er nach Nashville, lernte Gitarre spielen und wandte sich dem Musikgeschäft zu. Country Star Tracy Bird nahm 1998 Jimmy’s Song Put Your Hand in Mine auf. Jimmy’s Schwester Patricia, die damals in einer schlechten Ehe lebte, inspirierte ihn zu seiner ersten Single Stay Gone. Sein erstes Album Wayne wurde 2003 in Nashville veröffentlicht. Nach seinem Marsch gönnt er sich keine Pause, sondern ist auf Konzert Tournee. Jimmy hat sich seine Erfolge redlich verdient und die Fans lieben ihn. Mehr Info unter www.myspace.com/jimmywaynemusic

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oretta Lynn, Amerika’s Country Diva wird mit einem neuen Album geehrt.

Voraussichtlich am 9. November 2010 wird Coal Miner’s Daughter: A Tribute to Loretta Lynn erscheinen. Wer auf dem Album alles dabei sein wird, wurde noch nicht veröffentlicht; es ist jedoch sicher, dass eine Menge bekannter Country Stars

teilnehmen. 2010 ist das 50-jährige Jubiläum von Loretta Lynn’s erster Single I’m a Honky Tonk Girl. Im Oktober 2010 wird ihre Musik ausgezeichnet, bei einem Konzert mit Starbesetzung im Ryman Auditorium, Nashville. Loretta Lynn’s Memoiren, Coal Miner’s Daughter, aus dem Jahre 1976, werden im September als Taschenbuch neu verlegt. Mehr Info unter www.lorettalynn.com/50

ac Brown Band – Die neue Band im Country Lager

hat bereits einen Grammy als ‚Beste Neue Band’ gewonnen. Für ihr nächstes Album, You Get What You Give, holten sie sich Country Grössen wie Alan Jackson, der die SingleAuskoppelung As She’s Walking Away singt, und Jimmy Buffet, der bei Knee Deep sein bestes gibt. Ihr erstes Album, The Foundation, hat sich über 2 Mio. mal verkauft und wurde bereits mit Doppel-Platin ausgezeichnet. Mit Songs wie Chicken Fried, Highway 20 Ride, Whatever It Is und Toes jagen sich die Hits förmlich. Mehr Info unter www.zacbrownband.com 36 Spirit of the West

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Text: Sonja Stimmer

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benteuer im Süden Utah’s beginnen in St. George. Die quirlige Kleinstadt, aufgrund ihres Klimas mit dem Spitznamen ‚Utah’s Dixie’ versehen, liegt nur 90 Minuten nördlich von Las Vegas. Man fühlt sich jedoch Millionen Meilen davon entfernt. Die traumhafte Lage und das angenehme Klima, die Nähe zu einigen der schönsten Nationalparks, die das Land zu bieten hat, und die attraktiven Freizeitmöglichkeiten machen St. George zu einem idealen Urlaubsort, in dem man locker ein paar Tage oder auch Wochen verweilen kann. Langweilig wird einem in Utah sowieso nie. Eingebettet in eine farbenprächtige Landschaft, umgeben von majestätischen Bergen und roten Sandsteinfelsen der Wüste, Palmen, die sich im Wind wiegen – kein Wunder, dass National Geographic St. George als einen der 50 besten Wohnorte ernannte. Spirit of the West 21


Goldsucher, Trapper, Pelzjäger – alle waren sie hier, um ihr Glück zu finden. Richtig besiedelt wurde St. George jedoch erst in den frühen 1860er Jahren, als Brigham Young, Oberhaupt der Mormonen, ankam und wirtschaftliche Unabhängigkeit für die Mormonen anstrebte. Dem stand jedoch ein wertvoller Rohstoff entgegen – Baumwolle. Während des Bürgerkriegs wurde Baumwolle aus dem Süden des Landes immer spärlicher. Das bisschen, dass sich seinen Weg in den Westen bahnte, war extrem teuer. Mit einer Gruppe von ca. 300 Menschen, angeführt von George A. Smith, gründete Brigham Young die St. George Baumwoll Mission – ein Segen für die arme Gegend. Pioniere stauten das Wasser des Virgin River und bauten erst Baumwolle, dann Seide an. Baumwolle und Seide war sicher keine schlechte Idee, beides war jedoch ein totaler Flop. Der Virgin River ist wild und neigt zu katastrophalen Überschwemmungen; der Südwesten von Utah ist extrem heiss und trocken mit Temperaturen um die 40C im Juli und August. Regen ist selten in der Gegend, wenn, dann wolkenbruchartig was wiederum die ausgedörrten Flussbetten füllt und zu Überschwemmungen führt. Kein guter Platz um Baumwolle und Seide anzubauen. Dies erkannte Brigham Young und beschloss, vorübergehend die Siedlungen zu subventionieren – hauptsächlich mit Nahrung – um den St. George Tabernacle und das St. George Gerichtsgebäude zu bauen. Die Arbeiten an jedem der beiden Projekte dauerte Jahre und versorgte die Anwohner mit genügend Lebensmittel, um die rauhen Zeiten zu überleben. Heute gilt St. George als einer der begehrtesten Orte, dort seinen Lebensabend zu verbringen. Wenn man über den St. George Blvd. schlendert, ist es kaum vorstellbar, dass man hier je versuchte, Baumwolle anzubauen. ‚Snowbirds’, nicht nur aus dem Norden Utah’s, entfliehen dem Winter und kommen hierher. Wenn es in Salt Lake City schneit und windet, ist es in St. George sonnig und trocken, die Temperaturen angenehm. Jeder, der seine Zeit gerne draussen verbringt, wird die Lage von St. George besonders schätzen – sie können z.B. an einem Tag Skilaufen im nahe gelegenen Brian Head, nur 90 Minuten nördlich von St. George gelegen, und am nächsten Tag in Shorts und T-Shirt auf einem der fabelhaften Golf-oder Tennisplätze spielen. Wie bereits in Ausgabe 01/10 von Spirit of the West berichtet, verfügt St. George mit dem Red Rock Golf Trail über 12 Golfplätze, die alle innerhalb 20 Minuten zu erreichen sind. 22 Spirit of the West


Aber auch für diejenigen, die nicht an Golf interessiert sind, bietet St. George eine Menge Attraktionen und Abwechslung. Die kleine, historische Innenstadt lockt mit Gallerien, Cafes, Restaurants und shopping Möglichkeiten. Das St. George Art Museum bietet einen Einblick in die Geschichte und Kulturen der Gegend und Ausstellungen lokaler Künstler. Auf der Johnson Farm befindet sich die im Februar 2000 entdeckte Fundstelle einer der best erhaltensten und bisher bedeutendsten Dinosaurier-Spuren. Die St. George Dinosaur Discovery Site beherbergt hunderte von Fossilien, Pflanzen, seltene Dinosaurier-Überreste und Strukturen, die daraufhin deuten, dass diese Stelle vor 195-198 Millionen Jahren aus einem See namens Lake Dixie entstand. Das Daughters of the Utah Pioneers Museum verfügt über eine eindrucksvolle Sammlung von Gegenständen der ersten Siedler aus der Zeit um 1857.

Geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten sind ausserdem das Brigham Young Winter Home, das kostenlos geführte Touren bietet; der St. George Tabernacle sowie der 1870 von Pionieren erbaute St. George LDS Temple, den man allerdings nur von aussen bewundern kann. St. George hat sich in den letzten Jahren auch in Sachen shopping angestrengt. Die Red Cliffs Mall bietet mehr als 50 Geschäfte; die Zion Factory Stores ist eine Outlet Mall mit über 30 Geschäften und Restaurants. Dort finden Sie namhafte Markennamen, Sportartikelgeschäfte sowie gut sortierte Buchläden.

90 Minuten von St. George entfernt finden Sie nicht nur den Zion Nationalpark (siehe Ausgabe 01/10 von Spirit of the West), sondern auch andere Naturschönheiten wie Snow Canyon State Park und Kolob Canyon sowie Cedar Breaks National Monument. Bryce Canyon und sogar der Grand Canyon sind mit einem Tagesaufsflug zu erreichen. Verschiedene Wege und Pfade in the Parks laden nicht nur zum Wandern und Klettern ein, auch sogenannte trail rides, geführte Reittouren, werden angeboten. Gibt es etwas schöneres als die eindrucksvolle Landschaft auf dem Rücken eines Pferdes zu erkunden ? Snow Canyon State Park ist ein wunderschöner Park, der eine ganze Reihe an Aktivitäten bietet, wie z.B. Reiten, Mountain Biking, Wandern, Klettern und Fahrradtouren. Ausserdem bietet die gesamte Gegend hier aussergewöhnliche Fotomotive. Auf dem Weg nach Zion kommen Sie an Grafton vorbei, eine historische Geisterstadt; ausserdem gibt es rund um St. George viele historische Plätze mit reichhaltiger Mormonengeschichte. In Zion befindet sich auch ein IMAX Kino. Das Tuacahn Amphitheater, ca. 10 Minuten ausserhalb St. George, bietet eine Vielzahl an tollen Shows und Konzerten an. Wer bei diesen ganzen Aktivitäten noch immer vor Energie strotzt, der sollte im Oktober nach St. George kommen. Am ersten Samstag im Oktober findet der St. George Marathon statt, einer der grösste Marathonläufe mit über 4000 Teilnehmern. Der Lauf führt über bergiges Gelände, durch Wüstenlandschaften und vorbei an der spektakulären Schönheit dieser Gegend. Zum ersten Mal fand in diesem Jahr der St. George Ironman statt.

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So kommen Sie nach St. George nATIOnAL PARK

Mit Condor non-stop von Frankfurt nach Las Vegas. Von hier aus sind es nur 90 Minuten über den Highway 15 nach St. George. Leihwagen buchen Sie am besten schon in Deutschland. St. George Touristenbüro * Tel: 435-634-5747 * www.atozion.com St. George Art Museum, 47 East 200 North Street * Tel: 435-634-5942 www.sgcity.org/arts * museum@sgcity.org Geöffnet Dienstag bis Samstag von 10.00 Uhr - 17.00 Uhr Erwachsene $3, Kinder $1 St. George Dinosaur Discovery Site @ Johnson Farm, 2180 East Riverside * Tel: 435-574-3466 * www.dinotrax.com Geöffnet Montag bis Samstag von 10.00 Uhr - 18.00 Uhr Erwachsene $6, Kinder $3

Two hours north and a million miles away from Las Vegas, this National Park favorite will amaze and inspire you! Take advantage of hiking and biking trails, horseback riding, jeep tours, rappelling, atv excursions and more. Don’t forget your camera!

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Daughters of the Utah Pioneers, 145 North 100 East, St. George Tel: 435-628-7274 Geöffnet Montag bis Samstag von 10.00 Uhr - 17.00 Uhr Brigham Young Winter Home, 67 West 200 North Tel: 435- 673-5181 * Geöffnet täglich von 9.00 Uhr - 17.00 Uhr St. George Tabernacle, 18 South Main Street * Tel: 435-673-5181 Geöffnet täglich von 9.00 Uhr - 17.00 Uhr (Sommer 18.00 Uhr) St. George LDS Temple, 490 South 300 East * Tel: 435-673-5181 Besucherzentrum geöffnet täglich von 9.00 Uhr - 21.00 Uhr Red Cliffs Mall, 1770 East Red Cliffs Drive * Tel: 435-673-0099 www.redcliffsmall.com Geöffnet Montag - Samstag von 10:00 Uhr – 21.00 Uhr; Sonntag von 12.00 Uhr – 17.00 Uhr Zion Factory Stores, 250 North Red Cliffs Drive Tel: 435-674-9800 * www.theoutletsatzion.com Geöffnet Montag - Samstag von 10:00 Uhr – 21.00 Uhr; Sonntag von 11.00 Uhr – 18.00 Uhr Tuacahn Amphitheater, 1100 Tuacahn Drive, Ivins, UT 84738 Tel: 435-652-3300 Kartenverkauf Tel: 1-800-746-9882 * www.tuacahn.org St. George Marathon * Tel: 435-634-5850

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Ironman St. George * www.ironmanstgeorge.com Red Rock Golf Trail * Tel: 1-888-345-250 * www.redrockgolftrail.com Photos mit freundlicher Erlaubnis von St. George CVB


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Text: Sonja Stimmer

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uxushotels sind in Las Vegas schon lange keine Seltenheit mehr. Obwohl in der schnelllebigen Spielerstadt das Bellagio schon zur älteren Generation gehört, ist es immer noch eins der schönsten Hotels der Stadt. Spirit of the West 27


Die Atmosphäre in einem Luxushotel in Las Vegas ist keinesfalls mit der persönlichen Aufmerksamkeit zu vergleichen, die man in anderen Hotels und Resorts dieser Kategorie erlebt und erwarten kann. Hier ist alles Trubel, turbulent und mit dem ständigen bling, bling, bling des Kasinos im Hintergrund verbunden. Aber, kein Mensch kommt nach Las Vegas um sich in einem gediegenen Ruheraum zu erholen. Hier will man was erleben, ausgehen, spielen, Spass haben – und das alles mit den Annehmlichkeiten eines besonderen Hotels geniessen. Das Bellagio ist einer italienischen Landschaft am Comer See nachempfunden, architektonisch jedoch von der Toskana inspiriert. Die Amerikaner nehmen das nicht so genau, Hauptsache italienisch. Der posante halbrunde Bau beeindruckt vor allem mit seinem See im Vordergrund und den Fountains of Bellagio , den Springbrunnen, die mit einer computergesteuerten Wassershow sehr eindrucksvoll alle 15-30 Min. zu verschiedenen Musikstücken die Zuschauer ins Staunen versetzen. Zugegeben, es ist wirklich berauschend und man kann sich gar nicht satt sehen, wenn die Fontänen sich zu Andrea Boccelli’s ‚Con Te Partiró’ (Time to say Goodbye) wiegen. Wenn man dann noch eine Suite mit Blick zum See hat, dann ist das wie Kino – die Sessel ans Fenster, ein gutes Glas Wein, den Eiffelturm des gegenüber liegenden ‚Paris’ im Visier und alle 15 Minuten die Wasserspiele bewundern. Ein perfekter, ruhiger Abschluss eines turbulenten Tages. Die Springbrunnen des Bellagio sind eine meisterhaft ausgeklügelte Wassershow, computergesteuert von vier verschiedenen wassersprühenden Vorrichtungen. Diese vier verfügen wiederum über insgesamt 1214 wassersprühende Vorrichtungen, die das Wasser von 30 Meter bis auf 140 Meter hoch schiessen. Der sogenannte ‚oarsman’ (Ruderer) ist der einzige Apparat, der die Richtung des Wassers kontrollieren kann. Und das alles in perfekter Choreography zu einem bestimmten Musikstück. Hört sich für den Laien total kompliziert an und ist es wahrscheinlich auch. Aber das Endergebnis ist einfach fantastisch anzusehen und anzuhören. Mittlerweile gibt es ein Repertoire von 29 verschiedenen Liedern. Aus 183 Lautsprechern, um den See herum verteilt, ertönt in einwandfreier Klangqualität ‚New York, New York’ von Frank Sinatra, ‚Viva Las Vegas’ von Elvis und natürlich das bereits erwähnte und mein persönlicher Favorit, Andrea Bocelli’s ‚Con Te Partiró’ – das ist Gänsehaut pur ! 28 Spirit of the West


Die Anfahrt zum Bellagio führt über eine mit Bäumen gesäumte kurze Allee entlang dem See. In der Lobby angekommen, wird man gleich mit den beindruckenden Fiori di Como begrüsst. Die aussergewöhnliche Glasskulptur, ein Kronleuchter, der in der über fünf Meter hohen Decke hängt, wurde von dem berühmten Glaskünstler Dale Chihuly angefertigt. Die Blütenblätter der ‚Blumen von Como’ bestechen durch ihre satten Farben und hängen in der aufwendigen, drei-dimensionalen und von hinten angeleuchteten Glasskulptur.

Auch in dem pompösen Botanischen Garten, der sich gleich hinter der Lobby erstreckt, findet man die Werke von Chihuly. Der Wintergarten ist ein Publikumsmagnet. Die echten Raritäten aus aller Welt sind kunstvoll und oft zu Tiermotiven kreierte Blumen, Pflanzen und Bäume. Versehen mit Pavillon, kleinen Brücken und plätschernden Brunnen bietet der Botanische Garten ein perfektes Fotomotiv.

Zu den Zimmern muss man, wie fast in jedem Hotel in Las Vegas, erstmal durch das Casino. Das Bellagio verfügt über 3421 Zimmer und 512 Suiten, alle geschmackvoll und elegant in beruhigenden beige/braun-Tönen eingerichtet. Die Zimmer und Suiten sind nicht nur großzügig ausgestattet mit flauschiger Bettwäsche, Flachbildschirm-TV, Kaffeemaschine, Schreibtisch und Minibar sondern verfügen auch über individuelle Kunstwerke und Details, die einem den Aufenthalt angenehm gestalten. Die Badezimmer aus italienischem Marmor haben Doppel-Waschbecken, geräumige Duschen sowie sämtliche Utensilien, vom Shampoo bis hin zum Q-Tip.

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Meine Lakeview Suite hatte den zusätzlichen Komfort eines geräumigen Wohnzimmers, plus Gästetoilette sowie ein zweites, separates Badezimmer. Flachbildschirm-TV’s gibt es in jedem Zimmer inklusive Bad, plus DVDSpieler, Radio und Fax. Das Bad verfügte über eine Badewanne mit Jacuzzi und die Dusche konnte umfunktioniert werden zu einer Dampfdusche. Beides jeweils grosszügig ausgestattet mit flauschigen Badetüchern, Pantoffeln und natürlich sämtlichen Badutensilien. In so einer Suite, ebenfalls ausgestattet und umgeben mit individuellen und italienischem Design angepassten Kunstwerken, fühlt man sich wohl. Es ist gemütlich und vermittelt einem das Gefühl, dass man sich zurückziehen kann, den Trubel und Lärm von draussen hinter sich lassen und einfach ausspannen.

Ausspannen können Sie auch am Pool oder im Spa. Die grosszügige Poolanlage erinnert an die Landschaft einer mediterranen Villa. Italienische Zypressen, private Cabanas mit kleinen Zitronenbäumchen, riesige, strategisch plazierte Tonurnen sowie hand-gefertige, italienische Steinbrunnen bei den beiden Pools machen das Sonnenanbeten noch attraktiver. Man wäre allerdings nicht in Las Vegas, wenn nicht im Hintergrund Musik dudeln würde; aber daran gewöhnt man sich und es ist sogar oftmals eine angenehme Abwechslung. Das Garden Vista Cafe sorgt fürs leibliche Wohl mit ausgezeichnetem Angebot, sowohl zum Frühstück (bis 11.00 Uhr), wie auch zum Mittagessen (bis 16.00 Uhr) oder auch nur für einen kleinen Imbiss.

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Noch mehr Entspannung nötig ? Dann ab ins Spa, dass sich gleich neben dem Botanischen Garten befindet, und mit einer Unmenge von Behandlungen auf Sie wartet. Das Spa Bellagio ist eine angenehme Ruheoase. Klare Linien, kombiniert mit natürlichen Materialien unterstützen den Effekt von reflektierenden Pools, berieselnden Wasserwänden und beleuchteten blau-grünen Glaselementen. Der Warteraum ist grosszügig ausgestattet mit Couch und tiefen Sesseln, verschiedenen Magazinen sowie Tee, Wasser und Obst. In den Duschen und Toiletten stehen sämtliche Toilettenartikel zur Verfügung, um sich nach der Behandlung sofort wieder ‚ausgehfein’ herzurichten.

Das Spa bietet einige aussergewöhnliche Behandlungen an, wie die indianische Kopfmassage , eine Shiatsu Massage , bei der man mit Füssen getreten wird oder die Caviar Fusion , eine Gesichtsbehandlung bestehend aus einer Masse von exotischen Gemüseextrakten, zerkleinerten Perlen und Kaviar, was einen frischen, straffen und jugendhaften Glanz auf Ihr Gesicht zaubern soll. Wer über verspannte Muskeln klagt, sollte eine Watsu Massage ausprobieren, eine Streckmassage, die in einem speziellen Pool mit warmen Wasser, das der Körpertemperatur angepasst ist, ausgeführt wird. Die Behandlung dauert 50 Minuten und kostet $200. Ich habe mich mit der hauseigenen Bellagio Hot Stone Massage von Cassandra verwöhnen lassen - die heissen Steine erwärmen die Muskeln während diese massiert werden. Danach folgte eine kühlende Augenbehandlung. Diese 50-Minuten Massage gibt es für $175. Auch die männliche Kundschaft, die mittlerweile immer mehr Gefallen an einem Spa-Besuch findet, kommt nicht zu kurz. Das Bellagio entwarf Räume und Behandlungen speziell für Männer; mit einen EntspannungsBalkon, oberhalb des Pools, einem Behandlungsraum sowie einem privaten Rasierraum, der sich im Salon befindet. Das Bellagio verfügt über mehrere erstklassige Restaurants, wie das Le Cirque , französische Küche mit einem Michelin Stern ausgezeichnet; das Picasso , französisch-spanische Küche und mit zwei Michelin Sternen versehen; das Prime Steakhouse mit ausgezeichneten Steaks, Meeresfrüchte- und Lamm-Gerichten, und Jasmine , das nicht nur mit ausgezeichneter chinesischer Küche imponiert sondern in dem auch jeden Sonntag der Fountain Brunch statt findet. Mehr über die kulinarischen Köstlichkeiten gibt es auf den nächsten Seiten.

So kommen Sie nach Las Vegas: Von Deutschland aus fliegen Sie non-stop mit Condor von Frankfurt nach Las Vegas. Ein Shuttle bringt Sie zum Hotel. Falls Sie einen Leihwagen benötigen, buchen Sie den am besten schon in Deutschland. Mehr Info finden Sie unter: www.bellagio.com * Tel: 702-693-7111 Spirit of the West 31


Osteria del Circo Meine Vorliebe im Essen liegt in der italienischen Küche, deshalb habe mich für die Osteria del Circo entschieden. Wie sich herausstellte, eine Spitzenwahl. Ich habe selten so ein ausgezeichnetes, italienisches Essen – von Vorspeise bis hin zum Dessert – in den USA gefunden. Gepaart mit einem exzellenten Service war das Circo ein wahrhaft aussergewöhnliches Gourmet-Erlebnis. Küchenchef Massimiliano Campanari und sein Team verzaubern mit italienischen Köstlichkeiten, die mich an die ‚guten alten Zeiten’ in Italien erinnerten. Mein Tisch war perfekt plaziert, am Fenster mit Blick zu den Springbrunnen, die ab 20.00 Uhr alle 15 Minuten ihre Fontänen schwingen lassen. Marcello, mein äusserst aufmerksamer Kellner und, genauso wie Küchenchef Massimiliano aus Genua, machte mein Erlebnis noch angenehmer indem er sich in italienisch mit mir unterhielt und mir half, bei den vielen guten Sachen auf der Speisekarte, das richtige zu wählen. Als Vorspeise entschied ich mich für die Frutti di Mare – ein kunstvoll gestalteter Turm mit auf Eiswürfeln plazierten Austern, Garnelen und Lobster. Dazu Zitronen und die entsprechenden Saucen. In einem Lokal wie dem Circo isst auch das Auge mit. Die Zubereitung alleine lässt einem das Wasser im Munde zerlaufen. Zwischendurch gab es vom Küchenchef Massimiliano immer wieder kleine Häppchen wie das Burrata – eine fantasievoll, geschälte Feige mit Parmaschinken und Burrata Käse, mit Granatapfelglasur. Ein gute Empfehlung als ‚antipasto’ ist auch das Tartara di Tonno, ein Thunfischtartar mit Olivenöl, Prosecco-Gelee und Kaviar. Ein besonderer Leckerbissen war das Hauptgericht Risotto Frutti di Mare – Risotto mit Meeresfrüchten. Einfach ein Gedicht ! Schon ziemlich gesättigt von den tollen Vorspeisen konnte ich aber nicht aufgeben. Das Risotto mit Scampi und Muscheln, dazu einen Pinot Grigio St. Margherita, war einfach zu gut. Zum Abschluss gehört natürlich ein Dessert. Leider blieb es nicht bei einem, denn Chef Massimiliano brachte ausser der einzigartigen Tiramisu und den traumhaften Bomboloni (italienische Krapfen) noch ein Amarone mit pinkfarbener Zuckerwatte – man will ja nicht unhöflich sein, somit wurde alles probiert. Nach drei Stunden absolut traumhaften Köstlichkeiten - sozusagen in typisch italienischer Manier - gab’s nur noch eins: rauf in die Suite, den Sessel ans Fenster, ein Glas Wein und den Tag mit den ebenso traumhaften Wasserfontänen gemütlich ausklingen lassen.

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Risotto mit Scampi 300 gr Carnaroli Reis 300 gr Garnelen/Krabben 60 gr Butter 3 Esslöffel natives Olivenöl 1 Lorbeerblatt 1 Schalotte 1 Teeöffel geschnittenen Knoblauch 1 Tasse Vermentino Wein 1 Teeöffel frisch geschnittene Petersilie Salz und Pfeffer je nach Geschmack

Garnelen schälen; aus der Schale und den Köpfen einen Sud anrühren, den Sie später dem Risotto zugeben. Die Schalotte klein schneiden und in einem Topf mit dem Olivenöl anrösten. Den Reis dazu geben und anrösten, dann den Wein zufügen und das Ganze kurz dünsten. Den vorbereiteten Garnelensud dazu geben und ca. 15 Minuten kochen lassen. Anschliessend die Garnelen (wenn nötig klein schneiden) zufügen und für weitere 3 Minuten kochen. Nach Geschmack würzen. Tipp von Massimiliano – ein bisschen ‚peperoncino’, scharfen Paprika, mit hinein. Danach vom Herd nehmen, Butter dazu und das Risotto mit dem Schneebesen oder Kochlöffel richtig durchrühren, bis es cremig ist. Petersilie darüber streuen und servieren.

Buon appetito Photos u.a. mit freundlicher Erlaubnis von Bellagio Resort Spirit of the West 33


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aus aus dem Auto, rein in den Zug ! Colorado, die Schweiz Amerika’s, bietet einen aussergewöhnlichen Reichtum an Aktivitäten, und das nicht nur für Naturliebhaber. Ein besonderes Erlebnis ist eine der vielen, unterschiedlichen Zugfahrten, in denen man nicht nur Gourmet-Leckerbissen serviert bekommt, sondern auch die traumhafte Landschaft geniessen kann. Eisenbahnen spielen in Colorado noch immer eine grosse Rolle und vermitteln einen Hauch Nostalgie. Wir haben uns umgesehen und uns für die Royal Gorge Route Railroad entschieden.

Ausgangspunkt ist Cañon City, eine Kleinstadt ca. 2 Std. von Denver entfernt, die überaschenderweise einiges an Attraktionen zu bieten hat. Royal Gorge Route Railroad ist eine geschichtsträchtige Eisenbahn aus den 50er Jahren, die Passagiere entlang des Arkansas Flusses durch die Schluchten und oft engen Passagen der Royal Gorge auf eine 2-stündige, landschaftlich wunderschöne Tour entführt. Dieser Abschnitt war Teil der ehemaligen Denver und Rio Grande Western Railroad.

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Photo: Josh Berman


Im Santa Fe Depot, mitten im Zentrum von Cañon City, geht’s los. Sie können Ihre Tickets entweder vorbestellen oder direkt im Depot kaufen. Vorbestellung lohnt sich auf jeden Fall, wenn Sie bei einer der Sonderfahrten dabei sein möchten, wie z.B. dem Wein-Dinner, Krimi-Dinner, Oktoberfest-Lunch, oder im Winter beim Santa Express, der besonders bei Kindern sehr beliebt ist.

Ich war mit meinem Besuch noch etwas früh dran in der Saison. Somit entschied ich mich für die Mittagsfahrt mit Lunch. Da ich auf der Fahrt soviel wie möglich von der Aussicht geniessen wollte, buchte ich einen Platz im oberen Stock des VistaDome Wagens, der mit einem riesigen PanoramaGlasdach ausgestattet ist. Photo: Mark Greksa Die Tische waren bereits mit weissen Tischtüchern gedeckt, und je nach Belegung, für zwei oder vier Passagiere mit Gedeck ausgestattet. Sogar Blumen standen auf jedem Tisch. Kurz nach Abfahrt ging es vorbei an den beschaulichen Häusern und einem der vielen Gefängnisse, die Cañon City den Beinamen ‚Gefängnis Hauptstadt’ einbrachte. Sobald sich der Zug ausserhalb Cañon City befand, wurde von einer äusserst freundlichen Bedienung meine Bestellung aufgenommen – Tip des Tages waren ausgezeichnete Spareribs, die so zart waren, dass das Fleisch buchstäblich vom Knochen fiel. Während der Hauptsaison besteht das Mittagessen aus einem vom Küchenchef zubereiteten 3-Gänge Menü. Man glaubt gar nicht, welche Gourmet-Leckerbissen aus der kleinen Küche eines Zuges kommen können.

Photo: Mark Greksa

Die Aussicht auf den neben den Schienen entlang fliessenden Fluss ist beruhigend und entspannend zugleich. Bald wird die gigantische Royal Gorge Brücke zu sehen sein. Jeder Zug verfügt über einen offenen Flachbett-Wagen und sobald man sich der Brücke nähert, sollte man rausgehen. Zu dem Zeitpunkt befindet sich der Zug an einer der engsten Stellen der Schlucht und bietet fantastische Fotomotive. Spirit of the West 35


Und dann endlich, nach einer Kurve taucht sie auf, die Royal Gorge Brücke – 321 Meter hoch oben wirkt sie aus der Sicht der dunklen Schlucht wie ein dickes Seil, das über zwei Felsen gespannt ist. Bis vor kurzem war die Royal Gorge die höchste Hängebrücke der Welt. Der Zug hält und die Fotoapparate knipsen was das Zeug herhält. Manchmal kann man hier Dickhorn-Schafe, Weisskopf-Seeadler oder Reiher erspähen. 36 Spirit of the West

Photo: Ron Ruhoff


Auf der rechten Seite des Zuges sieht man die beeindruckende Schlucht, in der die Zahnradbahn runter zum Arkansas Fluss fährt. Diese Bahn fährt vom Royal Gorge Bridge & Park aus los, den Sie auf jeden Fall vor oder nach Ihrer Zugfahrt besuchen sollten. Die Sonderfahrten der Royal Gorge Route Railroad finden an bestimmten Terminen statt. Beim Wein-Dinner wird Ihnen das Beste vom Besten geboten – ein 5-Gänge Menü; jeder Gang gepaart mit einem ausgezeichneten Wein, der aus der lokalen Holy Cross Abbey Weinhandlung stammt. Ein toller Laden – planen Sie einen Besuch und eine Weinprobe in Ihren Terminkalender ein. Die Besitzerin, Sally Cookson, freut sich über Kunden aus Deutschland. Die Hobbydetektive können bei der Murder Mystery Tour ihr Glück versuchen und herausfinden, wer der Mörder war. Engagierte Schauspieler einer lokalen Theatergruppe verwickeln Sie in ein Abenteuer in der Schlucht, wie Sie es noch nie erlebt haben. Gepaart mit einem aussergewöhnlichen Mahl und der Aussicht auf die Klippen der Royal Gorge ist das ein Erlebnis, das man nicht aus jedem Urlaub mit nachhause nimmt. Wer an dieser Tour aktiv teilnehmen will, sollte der englischen Sprache mächtig sein. Wer weiss, der Täter könnte neben Ihnen sitzen ! Im Winter gibt’s den Santa Express mit einem besonderen Besuch vom Nikolaus. Klassische Weihnachtslieder, heisse Schokolade und Kekse sowie kleine Geschenke lassen Kinderaugen besonders leuchten. Tausende von Lichter beleuchten den ‚Nordpol’ in der dunklen Schlucht.

Photo: Jeff Shane

Nach einem kurzen Aufenthalt unterhalb der Brücke geht’s weiter nach Parkdale, wo ein weiterer kurzer Stopp eingehalten wird, bevor sich der Zug wieder zurück nach Cañon City aufmacht. Die gesamte Strecke geht über 38 km. Zurück im Depot, gibt es neben dem Ticketschalter einen Souvenirladen, mit den üblichen Artikeln wie T-Shirts, Postkarten, Magnete oder Schlüsselanhänger und natürlich Miniaturausgaben der Royal Gorge Route Railroad. Wenn Sie die Mittagstour genommen haben, bleibt genügend Zeit für den Besuch der Royal Gorge Bridge & Park. Die Royal Gorge Brücke wurde 1929 erbaut, ist 384 Meter lang und liegt 321 Meter hoch über dem Arkansas Fluss. Sie kann einem Gewicht von über 2 Mio. Pfund standhalten.

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Mit einer Seilbahn kann man sich 360 m über dem Fluss auf die andere Seite bringen lassen. Die Zahnradbahn bringt Sie im 45° Grad Winkel 473 m runter zum Fluss. Wer mutig genug ist, sollte mit dem Auto über die Brücke fahren – ein etwas mulmiges Unterfangen, aber sehr abenteuerlich. Parken Sie auf der anderen Seite der Brücke und erwandern den Wildpark, der nicht allzu gross ist und hauptsächlich einheimische Tiere beherbergt, wie eine amerikanische Bisonherde, der ein riesiger weisser Bulle angehört, Rocky Mountain Hirsche und das seltene Rocky Mountain Bighorn-Schaf, das man sonst nur oberhalb 2500 m erblickt. Wem die Fahrt über die Brücke noch nicht Adrenalinrausch genug war, der kann sich, den Wetterverhältnissen entsprechend, im Royal Skycoaster vergnügen. Bei dem hängt man im freien Fall mit 80 kmh für einen Moment 365 m über dem Fluss. Das bringt einen Gourmet-Tag, vollgepackt mit Erlebnissen und Abenteuer, zum erfolgreichen Abschluss.

So kommen Sie nach Cañon City Lufthansa/United Airlines fliegt non-stop von Frankfurt nach Denver. Von Denver geht’s mit dem Leihwagen, den Sie sich am besten schon in Deutschland reservieren, südlich auf der I-25, vorbei an Colorado Springs bis zur Ausfahrt 101 (Pueblo), dann westlich auf die US 50 bis Cañon City. Royal Gorge Route Railroad, Santa Fe Depot, 401 Water Street Tel: 719-276-4000 * Gebührenfrei: 1-888-724-5748 www.royalgourgeroute.com Zum Bahnhof der Royal Gorge Route Railroad geht es von der US 50 links ab an 3rd Street. Royal Gorge Bridge & Park, 4218 County Road 3A Tel: 719-275-7507 * Gebührenfrei: 1-888-333-5597 www.royalgorgebridge.com Fahren Sie auf der US 50 nördlich und biegen nach ca. 8 Meilen (13 km) links in die County Road 3a ein. Photos mit freundlicher Erlaubnis von Royal Gorge Route Railroad & Royal Gorge Bridge & Park 38 Spirit of the West


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Text: Heike Schmidt

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n Laramie, ein 27,000 Seelen Ort im Südosten von Wyoming, hat der Wilde Westen überlebt. Umgeben von Prairie und Ranchland und mit hübschen Westernfassaden ist Cowboytum nicht nur Lebensart, sondern immer noch Broterwerb. Allerdings geht es hier längst nicht mehr so hoch her, wie in den turbulenten Gründerzeiten, wo das bescheidene Städtchen berühmt-berüchtigten Weltruhm erlangte.

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So ein Cowboyhut sieht gar nicht übel aus. Und praktisch ist der natürlich auch, mit so einer breiten Krempe. Ein Wochenende in Laramie und ich bin angesteckt mit Wild West Fieber. Vielleicht dürften’s doch lieber Cowboystiefel sein ? Bei Martindale’s, einem ‚Ranchwear’-Laden auf der Grand Avenue, gibt es sogar welche aus Straußenleder, auch mit türkisfarbenem Schaft und rosa Stickerei. Hier kaufen allerdings nicht nur Touristen ein. Drüben am Gürtelkarussell beäugen gerade fünf waschechte Cowboys silberbeschlagene Schnallen, handtellergroß mit Stiergehörn und bockenden Mustangs.

Wahrscheinlich war es damals gar nicht so unähnlich wie in dem 1955er Westernstreifen ‚Der Mann von Laramie’ mit James Stewart. Intrigante Rinderbarone und durchtriebene Ganoven, verfeindete Rancher und gefährliche Indianer gab es sicher auch, als Laramie 1866 als Zeltstadt und Rastplatz enlang der ‚Overland Stage Line’, einer Postkutschenstrecke durch Amerikas Westen, entstand. Die Union Pacific Eisenbahnlinie erreichte die Siedlung zwei Jahre später. Nun standen hier schon 500 festere Bauten, wie Geschäfte, eine Schule und Kirchen. Benannt ist Laramie übrigens nach dem franko-kanadischen Trapper Jacques LaRamie, der während einer Expedition in den später ebenfalls auf seinen Namen getauften Laramie Bergen um 1810 spurlos verschwand.

Eine durchwachsene Mischung von Passagieren rollte in den ersten Zügen in die Stadt. Die respektierlichen Siedler von der Ostküste hatten bald die Nase voll, von dem Haufen gesetzloser Gangster und nahmen die Dinge in die eigene Hand. Der erste Marshall ‚Big’ Steve Long war selber ein Revolverheld und tyrannisierte die Einwohner mit seinen beiden Brüdern. 13 Männer hatte er schon auf dem Gewissen, als Sheriff N.K. Boswell aus Verzweiflung eine beherzte Bürgerwehr formierte, die die Brüderbande ausgerechnet im Saloon ‚Bucket of Blood’ (Eimer voll Blut) stellte und mit ihr kurzen Prozess machte. Das schlug nachfolgend viele Halunken in die Flucht. Ruhe und Ordnung waren endlich hergestellt.

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Am Stadtrand, im Wyoming Territorial Prison hängt übrigens ein schwarzweiß Foto von N.K. Boswell. Der schmächtige Mann mit dem Ziegenbärtchen war der erste Direktor des 1872 gegründeten Gefängnis. Heute ist es ein Museum, ein ‚Monument für die Geschichte des amerikanischen Westens.’ Im Giftshop dudelt ‚Spiel mir das Lied vom Tod’ im Hintergrund. Zwölf Frauen und mehr als tausend Männer haben hier bis 1903 gesessen, auch Butch Cassidy, das erste und einzige Mal. Beim Pferde klauen war er im Juni 1894 erwischt worden. Weil Cassidy aber einen guten Draht zum Gouverneur von Wyoming hatte, wurde er schon nach 18 Monaten frühzeitig entlassen. Postwendend startete er dann seine notorische Bankräuberkarriere. Glattrasiert und frisch gekämmt sah er dabei aus, als könne er kein Wässerchen trüben. Eine Galerie von überlebensgroßen Portraitbildern – schon damals wurden die Sträflinge offenbar bei der Einweisung fotografiert – hängt nämlich in den Gefängnisfluren und verleiht der Statistik ein Gesicht. Unter jedem Bild steht in wenigen Sätzen die Kriminalgeschichte der Häftlinge: Rinderdiebstahl, Urkundenfälschung, Geldraub. Zwei Hängematten hingen in den engen Gitterzellen übereinander. Darunter stand ein Nachttopf. Unterwäsche wurde nur Sonntags gewechselt und die Gefangenen mussten die dann selber waschen. Wie die Krankenstation und die Gefängnisküche kann man auch die alte Waschküche besichtigen, mit den großen Zinnzubern. Dort zu arbeiten war wahrscheinlich immer noch besser, als sich in den düsteren Zellen zu langweilen. Aus demselben Grund waren die Missetäter wahrscheinlich auch in der anstaltseigenen Besenwerkstatt so fleißig. Um 1900 wurden hier 720 Kehrwerkzeuge pro Tag gefertigt. Besucher können es heute gern selber ausprobieren. Gar nicht so einfach, den Draht um das stachelige Besenstroh festzuziehen. Aber dann darf losgefegt werden. Ob die Redensart ‚in Laramie die Sonne putzen’ wohl daher kommt? In der Ivinson Villa liegt jedenfalls auch kein Stäubchen. Dabei hat das alte Haus fast schon 120 Jahre auf dem Buckel. Es war das Zuhause von Bankier Edward Ivinson und seiner Familie. Heute ist es ein Museum, detailgenau im viktorianischen Queen Ann-Stil wieder hergerichtet. Beinah hat man den Eindruck, dass die Famile jeden Augenblick an dem mit feinstem Prozellan gedeckten Esstisch Platz nehmen wird. Etwas kurios ist die Dusche. Eine Art Käfig, in dem das Wasser aus drei Duschköpfen und perforierten Seitenröhren sprüht. Das dritte Stockwerk bietet einen Einblick in das Leben in der Prairie: Cowboymäntel aus Pferdefell, Stühle aus Hirschgeweih, Brandeisen und Federhauben.

Photo: Heike Schmidt Spirit of the West 43


Für seine 27 000 Einwohner hat Laramie eine beachtliche Menge von Museen und Architekturschätzen. Das Women’s History House ist Louisa Ann Gardner gewidmet, die sich am 6. September 1870 als erste Amerikanerin an einer öffentlichen Wahl beteiligte, nachdem Frauen endlich dazu berechtigt waren. Der erste Bahnof brannte zwar 1917 ab, aber der Ersatzbau ist noch erhalten und heute ebenfalls ein Museum. Die 1930 gebaute Fußgängerbrücke über die Bahnschienen ist eine der letzten im ganzen Land. Das Anthropologische und Geologie Museum (mit einem seltenen kompletten Brontosaurus-Skelett), die Insektengalerie und das Kunstmuseum sind der University of Wyoming angegliedert. Schon 1887 öffnete die Hochschule ihre Tore für 42 Studenten und fünf Professoren. Wenn man Luftbilder aus den ersten Tagen der Universität betrachtet, die inzwischen zu mehreren Quadratmeilen von klotzigen Sandsteingebäuden angewachsen ist und Tausende von Studenten zählt, so scheint der Kampus im Nirgendwo angesiedelt gewesen zu sein - nach zwei Seiten grenzte die Uni damals direkt an die Prärie. Zu den anderen beiden standen ein paar verlorene Häuser. Thomas Edison hatte die Idee für eine Glühwendel-Birne übrigens beim Fliegenfischen in der Laramie Gegend. Ein gutes Argument für jetzige Studenten auch die landschaftliche Schönheit der Umgebung zu studieren. Wer weiss, was dabei Schlaues herauskommt.

Vedauwoo, östlich von Laramie am Interstate 80, ist einer ihrer Lieblings-Spielplätze. In der Sprache der Arapaho heißt das ‚geborene Erde.’ Für die Indianer waren die ungewöhnlichen Felsformationen – manche erinnern an Pilze, Knollen oder Schildkröten, andere balancieren scheinbar wackelig aufeinander – ein Heiligtum. Inzwischen ist es ein Naherholungsgebiet für eine Picknickpause oder zum Mountainbiken, klettern, angeln und zelten. Manche flitzen sogar die gesamten 30 Km nach Laramie auf dem Rennrad hin und her. Radfahren ist überhaupt ‚hip’ in Laramie. Die Studenten bringen frischen Wind nach ‚Cowtown.’ Es gibt coole Kneipen wie die ‚Front Street Tavern’ und sogar vegetarische Cafés wie ‚Sweet Melissa’s’ wo ausnahmsweise kein Steak auf der Speisekarte steht. Bikeshops gibt es gleich mehrere. Und wo früher ein Pferd geparkt wurde, steht heute ein Drahtesel. Vielleicht ein moderner Ersatz ?

Die Cowboys von Martindale’s allerdings steigen jetzt in einen hochrädrigen Pickup-Truck, Schlamm bespritzt und Strohhalme klemmen in der Ladeluke. Die blitzenden Silbergürtel ließen sie letztlich doch am Haken und kauften stattdessen Wrangler Jeans. Na, das wäre doch auch noch eine Idee für mich.

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So kommen Sie nach Laramie: Lufthansa und United Airlines fliegen non-stop von Frankfurt nach Denver, Colorado. Von Denver aus kommen Sie mit Great Lakes Airlines weiter nach Laramie. Es bietet sich jedoch an, bereits in Deutschland einen Leihwagen zu mieten. Laramie ist nur ca. 230 Km von Denver entfernt und in gut 2 Std. zu erreichen. Fremdenverkehrsverein Laramie - 210 Custer Street, Laramie * 1-800-445-5303 www.visitlaramie.org * info@visitlaramie.org Martindale’s, 217 E Grand Ave, Laramie * 307-721 4100 Wyoming Territorial Prison - 975 Snowy Range Road, Laramie * 307-745-6161 www.wyomingterritorialprison.com Geöffnet täglich von 1. Mai bis 30. September von 9.00 Uhr - 18.00 Uhr Eintritt: Erwachsene $5, Kinder $2.50 Ivinson Villa, 603 East Ivinson Avenue, Laramie * 307-742-4448 * www.laramiemuseum.org Einstündige Führungen werden im Sommer von Dienstag bis Samstag von 9.00 Uhr - 16.00 Uhr sowie Sonntags von 13.00 Uhr - 16.00 Uhr angeboten. Der Eintritt beträgt $10 für Erwachsene, $7 für Senioren. Kinder unter 6 Jahren zahlen nichts. Eine Familienkarte kostet $25. Women’s History House, 307 2nd Street, Laramie * 307-721 5118 www.thelouisaswainfoundation.com Geöffnet Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 15.00 Uhr - 19.00 Uhr, Freitags von 11.00 Uhr - 15 Uhr. Eintritt ist kostenlos, Spenden sind jedoch erwünscht. Vedauwoo Recreation Area 15 Meilen westlich von Laramie am Interstate 80 zwischen Laramie und Cheyenne, Ausfahrt 329 www.wyomingtourism.org/overview/Vedauwoo-Recreation/32151 Front Street Tavern/Sweet Melissa’s, 213 S. 1st Street, Laramie * 307-742-9607 University of Wyoming, 1000 E. University Avenue, Laramie Geological Museum * 307-766-3386 Geöffnet Dienstag bis Freitag 13.00 Uhr – 16.00 Uhr, Samstag 10.00 Uhr – 14.00 Uhr Sonntag 12.00 Uhr – 16.00 Uhr. Eintritt kostenlos. Anthropolgy Museum * 307-766-5136 Geöffnet Montag – Freitag 9.00 Uhr – 16.30 Uhr (Winter), 8.30 Uhr – 16.00 Uhr (Sommer). Eintritt kostenlos * http://uwadmnweb.uwyo.edu/anthropology/info.asp?p=1273 Photos mit freundlicher Erlaubnis vom Laramie Touristenbüro und Wyoming Touristenbüro

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Spirit of the West 02/2010