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ST. PÖLTEN

April | Mai | Juni 2015

www.spielorte.at

Landestheater Niederösterreich

ZEITLOSE ANALYSE

Russland am Vorabend der Revolution Festspielhaus St. Pölten

WACHSTUM IM REAGENZGLAS

Tanz erkundet menschliche Zivilisation Die Bühne im Hof

FAIR TRADE

Bühnenkunst aus den Slums von Nairobi


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T E R K N KO ONLINE

Frequency St. Pölten

www.gugler.at | Bilder: © fms, Tolga TEZCAN/istockphoto.com

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inhalt BÜHNE

4 Wider die Langeweile der Satten: Maxim Gorkij „Sommergäste“

Coverbild: Maxim Gorkij „Sommergäste“, 24.04.2015, Premiere im Landestheater.

editorial Leopold Figl hautnah, volksverbunden, geradlinig, integer, politisch geschickt in einer schwierigen Zeit. Zum Repertoire seiner diplomatischen Mittel zählte eine Portion Bauernschläue ebenso wie ein gutes Tröpfchen Wein im richtigen Moment – nicht selten führte es leichter zum Erfolg als verbissene Verhandlungen. Ganz aus der Nähe, als sein Ferien-Privatsekretär, hat Ivo Fischer um 1950 den Bundeskanzler kennengelernt. Der international renommierte Arzt, emeritierte Universitätsprofessor und Krankenhausvorstand hat für „spielorte“ anlässlich der Ausstellung „Figl von Österreich“ im Landesmuseum Niederösterreich seine Erinnerungen aufgezeichnet. Ein rares Stück Zeit­ geschichte aus der persönlichen Perspektive eines der letzten Augenzeugen aus dem unmittelbaren Umfeld des Nachkriegs-Bundekanzlers – und ein weiterer Höhepunkt in der Reihe unserer prominenten GastautorInnen! Mit Theater, Tanz, Kabarett und Musik aller Genres laden die Bühnen in St. Pölten gegen Ende der laufenden Spielzeit zu spannenden Theater­ abenden. Die Planungen für die Saison 2015/16 laufen bereits auf Hochtouren und wecken schon jetzt die Neugier. Noch werden die Überraschungen gut gehütet, aber ein kleines Geheimnis sei vorab verraten: Im Festspielhaus St. Pölten wird es ein Jahr der starken Frauen, Choreografinnen der inter­ nationalen Tanzszene bestimmen das Gastspielprogramm. Sie dürfen sich schon jetzt darauf freuen! Maria Rennhofer

6 Klassiker als ewig schmerzzerrissene Untote: Ballett am Rhein: „Sinfonien“

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Theater der Hoffnung: Hope Theatre Nairobi „The Fair Trade Play“ 8 Im Labor der Schöpfung: Sidi Larbi Cherkaoui: „生长 genesis“

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Goethe im Theaterlabor: Gastspiel „Iphigenie auf Tauris“; Freigeister: Orpheus Chamber Orchestra mit Fazıl Say 11 Wünsche müssen warten: Claudia Tondl „Wo verdammt ist Frau Wermes?“

12 Spielplan: April, Mai & Juni 2015 HINTERBÜHNE

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Weltstadt mit doppeltem Boden: Emil Bobi „Die Schattenstadt: Was 7.000 Agenten über Wien aussagen.“

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Die Tugend der Jugend: Groupe Grenade/ Tonkünstler-Orchester „Roméo et Juliette“

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Geschichte macht Station: Felix Mitterer „Glanzstoff“

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Ein Tag mit dem Empfangsteam; Shortcuts

GARDEROBE 18 Im Theater ist alles erlaubt: Theatervermittlung; Band fürs Leben: Stacey Kent: „The Changing Lights“

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Taktvoller Tribut: Al Di Meola plays the Beatles and more

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IMPRESSUM: Medieninhaber und Herausgeber: Förderverein Kulturbezirk St. Pölten. c/o NÖ Kulturszene Betriebs GmbH. Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten. Redaktionelle Gestaltung: CityLoftArt GmbH. Chefredakteurin: Dr. Maria Rennhofer. MitarbeiterInnen: Mag. Sandra Broeske, Mag. Corinna Kranjecz, Andreas Reichebner, Jakob Schweikhardt, Mag. Petra Weichhart. GastautorInnen: Mag. Christina Kaindl-Hönig, Nicole Strecker, Dr. Helmut Ploebst, Medizinalrat Univ.Prof. Dr. Ivo Frithjof Fischer. Design & Layout: gugler GmbH, St. Pölten. Bildnachweis: Cover, S. 3, 4–5: Landestheater Niederösterreich; S. 6: Gert Weigelt; S. 7: Christof Krackhardt; S. 8–9: AAP; S. 10: Bettina Stöß, Marco Borggreve; S. 11: Armin Bardel; S. 14: Andreas Hofer; S. 15: Didier Philispart; S. 16: Armin Bardel; S. 17: Armin Bardel, Peter Rigaud, Dorothee Falke, Robin Weigelt; S. 18: Armin Bardel, Benoit Peverelli; S. 19: Acyd Photographie; S. 20–21: Privatarchiv Ivo Fischer, Landestheater Niederösterreich, Peter Faschingleitner; S. 22: Landes­ theater Niederösterreich, WonABC, Annette Sonnewend, Förderverein Kulturbezirk; S. 23: Restaurant Salzmühle. Hersteller: Ueberreuter Print GmbH, Korneuburg. Gedruckt auf: Amber Graphic. Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten. Verlagspostamt: 3100 St. Pölten. Kontakt: redaktion@spielorte.at, www.spielorte.at

FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

GALERIE

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Erinnerungen an Leopold Figl: Ausstellung im Landesmuseum; Shortcuts

PARKETT

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Shortcuts; Kunst und Kultur anbieten: Förderverein Kulturbezirk

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Pressestimmen, Publikumsstimmen, Gewinnspiel, Fiedlers Lokaltipp

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WIDER DIE

LANGEWEILE DER SATTEN DER THEATER-, FILM- UND OPERNREGISSEUR MICHAEL STURMINGER INSZENIERT AM LANDESTHEATER NIEDERÖSTERREICH MAXIM GORKIJS „SOMMERGÄSTE“ MIT FRANZISKA HACKL ALS WIDERSTÄNDIGE PROTAGONISTIN WARWARA. ÜBER DIE AKTUALITÄT VON GORKIJS GESELLSCHAFTSKRITISCHEM PANORAMA DER RUSSISCHEN INTELLIGENZIJA AM VORABEND DER BÜRGERLICHEN REVOLUTION SPRACHEN DIE BEIDEN MIT CHRISTINA KAINDL-HÖNIG.

Worin liegt für Sie die Qualität von Gorkijs „Sommergäste“ von 1904?

Michael Sturminger: Es ist ein fantastisches Stück! Trotz dessen großer Personnage ist es ein Kammerspiel, getragen von ultragenauen Beobachtungen menschlicher Befindlichkeiten. Verfeinert naturalistisch erzählt wie ein Film, erscheint „Sommergäste“ als ein Geflecht von Stimmen, für die es einen gemeinsamen Ton zu finden gilt.

Frau Hackl, Sie sind seit 2011 Ensemblemitglied am Schauspielhaus Wien und spielen nun in der dritten Produktion am Landestheater Niederösterreich. Was reizt Sie an Gorkijs „Sommergäste“?

Franziska Hackl: Wie bei Tschechow, den ich sehr liebe, leben auch Gorkijs Figuren von vielen Zwischentönen und Unausgesprochenem. „Sommergäste“ ist zudem äußerst humorvoll-satirisch, fast beißend in seiner Gesellschaftsanalyse.

Was ist das für eine Gesellschaft, die in einem Sommerhaus in quälender Langeweile versinkt?

F. H.: „Wir sind Sommergäste in unserem Land“, sagt Warwara, „mit Energie betreiben wir nur die Suche nach einem bequemen Plätzchen im Leben.“ Als Frau eines Rechtsanwalts beschreibt sie eine sehr gegenwärtige Position: Wir sind in unserer Bequemlichkeit angekommen und bewegen uns nicht weiter, weil wir keine Verantwortung für uns und unsere Gesellschaft übernehmen. M. S.: Gorkij vermittelt jene Generation russischer Ärzte, Ingenieure und Schriftsteller, die so genannte Intelligenzija, die sich nach jahrhundertelanger

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Leibeigenschaft erstmals zum Bürgertum formiert hatte. Die Solidarität mit jenen, die den gesellschaftlichen Aufstieg noch nicht geschafft haben, ist bereits vergessen. Träge verharren sie in ihrem Spießbürgertum. Wir alle neigen dazu.

Ist an Warwara nicht auch eine Gegenposition ablesbar in Form eines Emanzipationsprozesses aus dieser individuellen und gesellschaftlichen Stagnation, indem sie im Gespräch mit ihren Gästen zunehmend um ihre Ausdrucksfähigkeit ringt?

F. H.: Ja, sie sucht nach Worten, ähnlich wie bei Kleist handelt es sich um ein allmähliches Verfestigen der Gedanken beim Reden. Warwara geht es nicht wie den anderen darum, sich selbst beim Sprechen zuzuhören, ihr geht es tatsächlich um Inhalte. M. S.: An Warwara zeigt Gorkij beispielhaft, was dieser Gesellschaft, weil sie zu verrottet oder zu schwach ist, fehlt: das Engagement, um die Welt zu verändern. Am Ende gelingt es Warwara, aufzubrechen, für damals ist das von Gorkij außergewöhnlich feministisch gedacht.

Vermittelt sich in der Figur der Warwara nicht auch eine zentrale Frage von „Sommergäste“: Wie kann der Schritt vom Gedanken zur sozialrevolutionären Tat gelingen?

Landestheater Niederösterreich, 24.04.2015, Premiere: Maxim Gorkij „Sommergäste“. Wiederaufnahme: ab 15.10.2015. Gastspiel: Stadttheater Bühne Baden, 20./21.10.2015. Regie: Michael Sturminger. Ausstattung: Andreas Donhauser, Renate Martin. Mit: Wojo van Brouwer, Beatrix Doderer, Andreas Gaida, Swintha Gersthofer, Pascal Groß, Franziska Hackl, Michael Masula, Marion Reiser, Michael Scherff, Walter Sprungala, Tobias Voigt, Jan Walter, Lisa Weidenmüller, Helmut Wiesinger, Johanna Wolff. Zur Autorin: Mag. Christina Kaindl-Hönig ist als freie Autorin für zahlreiche Printmedien tätig und Lehrbeauftragte am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

„1904 gab es noch eine Ideologie, von der man sich Freiheit erhoffte, die wir aber im Laufe des 20. Jahrhunderts verabschiedeten.“ Michael Sturminger

F. H.: Ja, auf dem Weg der Bewusstwerdung ihrer Bedürfnisse überwindet sie ihre Trägheit. In der Konfrontation mit den anderen Figuren entwickelt sie den Mut, mit ihrem Weggehen ihre erste Tat zu setzen.

Liegt nicht gerade in Gorkijs gesellschaftskritischem Impetus die ungebrochene Relevanz von „Sommergäste“?

M. S.: Dieses Stück erzählt unglaublich viel über unsere Gegenwart. Denn wir sind gerade dabei, die Errungenschaften des bürgerlichen Lebens wieder zu verlieren, indem wir weltweit erneut auf eine gesellschaftliche Struktur von sehr Reichen und sehr Armen zusteuern. Wenn die bürgerliche Mitte sich nicht mehr an sozialen Prozessen beteiligt, dann wird unsere errungene Sicherheit brüchig.

Vor dem Hintergrund der 1968er-Revolte ließ Peter Stein 1975 in seiner berühmten Inszenierung Gorkijs „Sommergäste“ durch einen silbrigen Birkenwald wandeln. Wie lässt sich dieses Stück 2015 inszenieren?

M. S.: Man kann dieses Stück auch heute geschehen lassen, weil der Text nichts an Gültigkeit verloren hat. Die zentrale Frage ist: Wohin sollen wir mit unserem Leben? Was wir auf dem Theater bieten können, ist Teilhabe am Zweifel. Ich halte nichts von einem theoretischen Regie-Überbau, denn alles ergibt sich wie selbstverständlich aus der inszenatorischen Zeichnung dieser ambivalenten und auch liebenswerten Figuren. F. H.: Ich finde in Warwara nichts, was nicht auch mit uns zu tun hätte!

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KLASSIKER ALS EWIG

SCHMERZZERRISSENE UNTOTE SINFONIEN SIND DIE SCHWIERIGSTEN MUSIKVORLAGEN FÜR CHOREOGRAFINNEN UND CHOREOGRAFEN. ER ZÄHLT DERZEIT ZU DEN RAREN MEISTERN DIESER FORM: MARTIN SCHLÄPFER. MIT SEINEN BALLETTEN ZU JOHANNES BRAHMS UND WILHELM KILLMAYER, INTERPRETIERT VOM TONKÜNSTLER-ORCHESTER NIEDERÖSTERREICH, GASTIERT ER JETZT IM FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN. Von Nicole Strecker

Festspielhaus St. Pölten, 18.04.2015, ÖsterreichPremiere: Ballett am Rhein: „Sinfonien“ Musik: Sinfonia I („Fogli“) und Sinfonia II („Ricordanze“) von Wilhelm Killmayer; Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73 von Johannes Brahms. Choreografie: Martin Schläpfer. Bühne: Thomas Ziegler, Keso Dekker. Kostüme: Catherine Voeffray, Keso Dekker. Licht: Franz-Xaver Schaffer. Orchester: Tonkünstler-Orchester Nieder­ österreich. Musikalische Leitung: Axel Kober. Tanz: Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg. Zur Autorin: Nicole Strecker lebt in Köln, ist Kultur­journalistin mit Schwerpunkt Tanz für Hör­funk- und Printmedien.

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Ein monströser Pinsel ist offenbar über die hintere Theaterwand gefegt, hat im Bühnenbild von Keso Dekker mit zornigem Strich eine schwarzweiß-graue Landschaft hinterlassen, schroff und wild, mit ineinander verlaufenden Farben. Schwarz und weiß – sie waren nie wirklich getrennt im heiligsten Heiligtum der Ballettklassik, dem Schwanensee. Nach dessen Essenz hat Ballettdirektor Martin Schläpfer in seiner Choreografie zu Brahms 2. Symphonie, der sogenannten „Pastorale“, gesucht. Tatsächlich aber ist es, als wolle er hier alle Zauberkreaturen der Ballettgeschichte, alle Giselles und Wilis, Feuervögel, Rotbarts, Schwanenmädchen und Odette-Odiles noch einmal aufleben und vor allem: sterben lassen. In der Ballett-Akademik – so Martin Schläpfer – verbergen sich „Archetypen-Gruben, angefüllt mit Edelsteinen“. Mit seiner Brahms-Choreografie ist Schläpfer eines seiner emotional kraftvollsten Ballette seit seinem Amtsantritt als Ballett­ direktor in Düsseldorf/Duisburg gelungen. Aufwühlender Tanz über Liebe, Tod und Trauer, exzellent getanzt vom Ballett am Rhein. Und als eine Art „Vorstudie“ zu diesem großen Wurf könnte man sein Ballett „Sinfonien“ begreifen, das 2009 mit dem Faust-Theaterpreis ausgezeichnet wurde. Die Bühne – ein tiefschwarzer Schlund, eine Gruppe Menschen steht und starrt. Breitbeinig-bäurisch, sie sind offenbar nicht ganz von dieser Welt – wie sie zu den zitternd sich empor räkelnden, ins Nichts verschwindenden Klängen von Komponist Wilhelm Killmayer bedrohlich die Beine heben, wie ein Schauern und Beben ihre Körper durchläuft. Schläpfers Dirndl-Zombies sind wie ewig untote Coppélias – Relikte einer längst ausgelöschten Kultur. Ein galliger Totentanz auf die Tradition ist diese Preziose – wie die „böse“ Kehrseite der gefühlvollen Hommage in seinem Brahms-Ballett. Ein Rückblick in die Klassik – überwältigend zeitgemäß.


MIT „THE FAIR TRADE PLAY“, EINER TEMPERAMENTVOLLEN SHOW ZUM THEMA FAIRNESS, GASTIERT DAS HOPE THEATRE NAIROBI IN DER BÜHNE IM HOF. KÜNSTLERISCHER LEITER DES KENIANISCHÖSTERREICHISCHEN ENSEMBLES IST DER ÖSTER­ REICHISCHE REGISSEUR STEPHAN BRUCKMEIER. Er antwortet auf Fragen von Maria Rennhofer

THEATER

Mit welcher Intention haben Sie 2009 das Ensemble gegründet?

Durch Peter Quendler von der Caritas Kärnten bin ich auf die Organisation „Hands of Care and Hope“ aufmerksam worden, die in Kenia Schulen für Kinder aus dem Umfeld der Müllhalde betreibt. Ich bin für sechs Wochen nach Nairobi geflogen, um mit den Schüler­In­ nen zu arbeiten. Das Hope Theatre Nairobi war also das Ergebnis meiner eigenen Theaterarbeit und entstand aus diesem Projekt.

Was hat Sie motiviert?

Es gibt viele Theaterleute, die für ein Projekt nach A­frika gehen – das ist ein bisschen schick geworden. Ich dachte, wenn ich da wirklich etwas beginne, dann muss ich es auch weiterführen – aber im End­ effekt w­aren es die Jugendlichen, die mich dazu bewegt h­aben, eine Theatergruppe und später auch ein Festival zu gründen.

Welche Stücke werden gespielt?

Die Texte entstehen teilweise im Kollektiv, teilweise schreibe ich sie, teilweise schreiben andere Szenen für uns. Erarbeitet werden die Produktionen in einer Collagetechnik – weil das sowohl den Themen und

Aufführungsanforderungen als auch dem Stil in Ost­ afrika entspricht. Und es ist immer eine ausgeglichene Mischung zwischen Theaterszenen, Text, Tanz und Musik – vor allem Rap.

Kann man den sozialen und künstlerischen Anspruch des Projekts auseinanderhalten?

Ja, ich bin Theatermacher und kein Sozialarbeiter. Ich möchte, dass die Gruppe erfolgreich ist, und das weiß sie auch. Die Jugendlichen kommen aus den Slums, aber sie sind auf dem Weg, eine professionelle Truppe zu werden.

Was gibt Ihnen persönlich die Arbeit mit dem Ensemble, und welche weiteren Pläne haben Sie mit dem Hope Theatre?

Ich lerne in Nairobi in der Zusammenarbeit mit der Truppe und durch die Lebensumstände in den Slums (ich lebe in Kibera) mindestens genauso viel wie die Truppe von mir. Wenn es gelingt, das Hope Theatre zu einem festen Bestandteil der deutsch-österreichischen Theaterszene zu machen, dann haben wir drei Dinge bewirkt: 1. bewiesen, dass Menschen aus den Slums genau dasselbe erreichen können wie andere, 2. dass die Menschen ihr Geld durch ihre Arbeit verdienen können, was natürlich ein anderes Selbstwertgefühl bewirkt als zu betteln oder zu klauen, und 3. dass Menschen aus Afrika über Afrika reden. Die Bühne im Hof, 09. & 10.06.2015: Hope Theatre Nairobi „The Fair Trade Play“ Im Rahmen des Dialoges zwischen den Kulturen. Künstlerische Projektleitung: Stephan Bruckmeier, David Nawirie. Musik: Jonathan Strauch, Gerd Schuller, Majuma Bahati. Choreografie: Monica Adhiambo, Madelaine Reiner. Video: Ephantus Kariuki, Thomas Pfisterer.

„Ich mache vieles anders, als das üblicher­weise im sozialen und Entwicklungs­­­hilfebereich getan wird.“ Stephan Bruckmeier

DER HOFFNUNG

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IM LABOR

DER SCHÖPFUNG DER BELGISCHE STAR-CHOREOGRAF SIDI LARBI CHERKAOUI ZEIGT SEIN STÜCK „生长 GENESIS“ IM FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN. Von Helmut Ploebst

Ihm scheinen alle Türen offen zu stehen, und er ist sicher einer der wenigen Choreografen seiner Generation, deren Laufbahn ohne Übertreibung als Traumkarriere bezeichnet werden kann. Sidi Larbi Cherkaoui, 38, kommt jetzt wieder ans Festspielhaus St. Pölten. Im Gepäck hat er diesmal „生长 genesis“, ein Stück, das in Zusammenarbeit mit der 41-jährigen chinesischen Star-Tänzerin Yabin Wang entstanden ist. Die Uraufführung fand 2013 am National Centre for the Performing Arts Peking statt. Zuletzt hat Cherkaoui sein St. Pöltener Publikum mit „m¡longa“, einer Hommage an den Tango, begeistert. Davor sorgte er mit „Sutra“, in dem eine Gruppe von Shaolin-Mönchen ihre akrobatische Körperbe-

Zum Autor: Dr. Helmut Ploebst ist Tanzkritiker der Tages­­ zeitung „Der Standard“ sowie Kollektivsprecher von CORPUS internet magazin für tanz, choreografie und performance (www.corpusweb.net).

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Festspielhaus St. Pölten, 08. & 09.05.2015, Österreich-Premiere: „Sidi Larbi Cherkaoui: 生长 genesis“ Choreografie: Sidi Larbi Cherkaoui. Musik: Olga Wojciechowska. Bühne: Liu Kedong. Lichtdesign: Willy Cessa. Kostüme: Li Quing. Musiker: Barbara Drazkowska, Manjunath B Chandramouli, Kaspy N’dia. Tanz: Qing Wang, Fang Yin, Chao Li, Elias Lazaridis, Johnny Lloyd, Kazutomi ’Tsuki’ Kozuki. Im Auftrag von Yabin Wang. Festspielhaus-Koproduktion. Einführungs­ gespräch mit Sidi Larbi Cherkaoui jeweils vor der Vorstellung.

herrschung unter Beweis stellte, für Staunen. Weiters zu sehen waren „Puz/zle“, „TeZukA“, „Play“ und „Babel (Words)“. In der Saison 2010/11 erhielt Cherkaoui überdies eine künstlerische Residenz am Festspielhaus.

WACHSTUM IM REAGENZGLAS

Wie in vielen seiner Arbeiten spielt auch in „生长 genesis“ die Verbindung zwischen verschiedenen Kulturen eine wichtige Rolle. Der Grund dafür liegt in Cherkaouis Biografie. Er wurde im flämischen Antwerpen als Sohn eines aus Marokko stammenden Arbeitsmigranten muslimischen Glaubens und einer belgischen, katholischen Mutter geboren. Mit 23 Jahren absolvierte er sein Debüt als Choreograf mit einem Musical („Anonymous Society“). Sein steiler Aufstieg begann unmittelbar danach mit Stücken wie „Foi“, „Tempus fugit“ oder – zusammen mit Akram Khan – „Zero Degrees“. Seine eigene Company Eastman gründete er erst 2010. Zu den Gehemnissen seines Erfolges gehören neben einer schier unstillbaren Neugierde und e­inem außergewöhnlichen Talent, eingängige, aber doch tiefgründige Stücke zu produzieren, auch sehr klare künstlerische Anhaltspunkte. „Geist und Körper sind miteinander verbunden“, davon ist Sidi Larbi Cherkaoui überzeugt. Seine Arbeit hat ihm darüber hinaus gezeigt: „Unsere Emotionen bringen ständig unsere Bewegungen hervor, und unsere Bewegungen produzieren unsere Gefühle.“ Bei „生长 genesis“ kommt eine Arbeitsweise zum Einsatz, die er bereits im Zusammenhang mit „Puz/zle“ erklärt hat: „Es ist wie beim Zoomen. Ich bin vom Film beeinflusst in dem Versuch, Dinge näher heranzuholen oder in die Ferne zu rücken.“ Näher herangeholt wird jetzt, was die mensch­ liche Zivilisation aus uns gemacht hat: „Wir leben unter

fortlaufender Begutachtung. Das gilt, kann man sagen, auch für unsere Alltags-Wirklichkeit. Sind wir gesund genug? Haben wir diese oder jene Krankheit? Sind wir attraktiv, jung, intelligent, effizient und schnell genug?“ Sieben Tänzerinnen und Tänzer aus China und Europa begeben sich in eine Laboratmosphäre. Einmal agieren sie wie wissenschaftliches Personal, dann wieder wie Untersuchungsmaterial, das sich in überdimensionalen Reagenzboxen windet. Ein klares Bild. Denn Geburt und Sterben finden in Trennung von der Natur statt. Für Cherkaoui aber ist die Natur die „Architektin von allem“. „Was immer wir machen“, meint er, „sogar die technologischsten Dinge, die es heute gibt, sind ausschließlich eine Reflexion dessen, was schon in der Natur zu finden ist.“ Als Kind, erzählt er, hat er viel Zeit in Krankenhäusern verbringen müssen. Blinddarm- und Magen-Durchbruch, Probleme mit dem Verdauen von Nahrung und, wie er sagt, der Wirklichkeit. Diese Kindheits- und Jugendgeschichte fließt nun auch in „生长 genesis“ mit ein. Es war Yabin Wang, die ihn vor vier Jahren nach Peking zu einer Zusammen­ arbeit eingeladen hat. Und mit der Wirklichkeit in China hat das Stück, das als Resultat dieser Einladung entstanden ist, einiges zu tun. Die chinesischen Schriftzeichen im Titel bedeuten „shengzhang“, das heißt Wachstum – heute das Zauberwort im einstigen Reich der Mitte und so gut wie überall im globalen Dorf unseres Planeten. Die Musik für „生长 genesis“ stammt hauptsächlich von der Polin Olga Wojciechowska, unter anderen aber auch von Cherkaoui selbst und einem der Tänzer, Kazutomi Kazuki. „Wir sprechen Japanisch in dem Stück, das in China entstanden ist“, erläutert Cherkaoui im Hinblick auf seine Leidenschaft für den Dialog der Kulturen. „Und am Ende singen wir ein tibetisches Lied.“

„Mittlerweile werden wir permanent getestet, als würden wir in einem Reagenzglas leben.“ Sidi Larbi Cherkaoui

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GOETHE

IM THEATERLABOR FRANZISKA WALSER, EDGAR SELGE UND EINE HANDVOLL CHARAKTERE AUS DER GRIECHISCHEN MYTHOLOGIE GASTIEREN IM LANDESTHEATER NIEDERÖSTERREICH. Von Maria Rennhofer „Iphigenie auf Tauris“ verspricht ein Bühnenerlebnis der Sonderklasse. Der Zugang ist radikal und außergewöhnlich: Franziska Walser und Edgar Selge, zwei Vollblutschauspieler, die durch ihre Film- und Fernsehrollen einem großen Publikum bekannt sind, spitzen Goethes Drama um die mykenische Königstochter auf den Dialog zu. Iphigenie, von ihrem Vater Agamemnon geopfert, von der Göttin Diana gerettet, in der Konfrontation mit dem jeweils Anderen. Dem männlichen Anderen wohlgemerkt: dem sie erfolglos umwerbenden Taurerkönig Thoas, dessen Boten Arkas, ihrem Bruder Orest oder dessen Freund Pylades. In dieser auf das Wesentliche konzentrierten Form wird Iphigenies Anspruch auf Selbstbestimmung einem patriarchalen Machtanspruch gegenüber schmerzhaft deutlich. Die Aufführung reflektiert den ungewöhnlichen Entstehungs- und Probenprozess dieser Kooperation zwischen dem Maxim Gorki Theater Berlin und den Ruhrfestspielen Recklinghausen, wo sie 2011 Premiere hatte. Als kollektive Gemeinschaftsarbeit der beiden Darsteller mit der Dramaturgin und den Bühnen- und Kostümbildnern wurde die Aufführung 2014 ins Repertoire des Schauspiels Stuttgart übernommen. Publikum und Kritiker waren beeindruckt, etwa Tim Schleider in der Stuttgarter Zeitung: „Es dauert keine zehn Minuten und die ollen Verse beginnen zu leuchten. Und man denkt: Bless you, Göhte.“ Landestheater Niederösterreich, 08. & 09.05.2015, Österreich-Premiere: „Iphigenie auf Tauris“ von Johann Wolfgang von Goethe Ein Abend von Peter Baur, Sibylle Dudek, Falko Herold, Edgar Selge und Franziska Walser. Gastspiel Schauspielhaus Stuttgart. Mit: Franziska Walser und Edgar Selge. Bühne, Kostüme und Video: Peter Baur, Falko Herold. Dramaturgie: Sibylle Dudek.

FREIGEISTER IN EINEM PUNKT SIND SICH PIANIST FAZIL SAY UND DAS ORPHEUS CHAMBER ORCHESTRA EINIG: MAN MUSS DEM INDIVIDUUM FREIHEIT GEBEN, UM GROSSARTIGE MUSIK ENTSTEHEN ZU LASSEN. FRUCHTBARER BODEN FÜR EINEN GEMEINSAMEN KONZERTABEND. Von Jakob Schweikhardt

1972 in New York gegründet, entsagt das Orpheus Chamber Orchestra seit jeher der Macht des Taktstocks und trägt seine Klänge stets ohne Dirigent in die Konzertsäle. Damit weckt man die Neugier vieler Künstler, was im Falle des türkischen Pianisten und Komponisten Fazıl Say zu einer besonderen Symbiose führte. Dieser wandelt seit neunzehn Alben auf dem Grat zwischen technischer Perfektion und Experimentierfreudigkeit und erarbeitete sich einen unverwechselbaren Stil aus europäischer Klassik und Motiven aus dem türkisch-folkloristischen Liedgut. Als unabhängiger Geist äußert er seine Meinung trotz politischen Gegenwinds stets frei, niemals jedoch zum Selbstzweck. Auch in der Musik sucht er zwischen verspielten Kompositionen und einer Instrumentierung à la John Cage immer nach dem Gefühl, das die Noten rechtfertigt. Sowohl als Komponist als auch als Pianist: „Wenn ich geschriebene Musik spiele, lässt das keinen Platz für Improvisation. Die Noten machen aber nur 20 Prozent aus. Der Rest ist Gefühl“, so Say. Dies ist beim Orpheus Chamber Orchestra auf offene Ohren gestoßen: Mit Wagners „Siegfried-Idyll“, Mozarts „Klavierkonzert Nr. 23“ und Haydns „Symphonie Nr. 80 in d-Moll“ stellt man bekannte Stücke neben eine Komposition Says. Dabei entstand ein Programm, in dem der Solist und das Orchester einander gegenseitig entfesseln und sich dennoch jeder für sich entfalten kann. Festspielhaus St. Pölten, 22.04.2015: Orpheus Chamber Orchestra mit Fazıl Say

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CLAUDIA TONDL SCHLÄGT MIT IHREM STÜCK „WO VERDAMMT IST FRAU WERMES?“ IN ZEITKRITISCHE KERBEN. MIT DEM BRISANTEN THEMA ARBEITSLOSIGKEIT VERANSCHAULICHT DIE INSZENIERUNG VON CAROLINE WELZL DIE BÜROKRATISCHEN UND GESELLSCHAFTLICHEN ABSURDITÄTEN ZWISCHEN DEN AKTENBERGEN EINES ARBEITSAMTS. Von Corinna Kranjecz

WÜNSCHE

MÜSSEN WARTEN Für seine nächste Reportage über Arbeits­ losigkeit begibt sich Journalist Hans Munk auf Spurensuche in den Gängen des Arbeitsmarktservice und scheitert zunächst an dem Reglement des Amtes. Dem zum Trotz will er Frau Wermes, eine leitende Büroangestellte, kennenlernen, um hinter die Fassade des undurchschaubaren Verwaltungsapparats zu blicken. Diese, schon längst angeschlagen von der Starre des Systems, wirkt als ein Schatten ihrer selbst. Diesem Schatten versucht Munk hinterherzujagen und scheint sich indes in unendlichen Warteschleifen und zermürbenden Irrgärten des Arbeitslosenalltags zu verlieren. Regisseurin Caroline Welzl, die bereits am Wiener Burgtheater das Publikum überzeugte, will in ihrer Inszenierung die unterschiedlichen Lebenssituationen der einzelnen ProtagonistInnen herausarbeiten und möglichst viele Aspekte des Themas Arbeitslosigkeit darlegen. „Natürlich stehen Frau Wermes und Hans Munk im Mittelpunkt – und im Gegensatz zueinander. Frau Wermes ist überarbeitet und tätigt einen Befreiungsschlag, Hans Munk hat Angst, seinen Job zu verlieren.“ Die Titelrolle übernimmt Claudia Kottal, bekannt aus ORF-Serien wie „Wir sind Kaiser“ oder „Copstories“. Die Wiener Schauspielerin war auch selbst schon mit der undurchsichtigen Bürokratie jener Institutionen konfrontiert. „Umso mehr scheint es mir persönlich wichtig, das zum Thema zu machen und, so es theatral möglich ist, von innen zu beleuchten.“ Autorin Claudia Tondl hat für ihren Stückentwurf 2012 das Peter Turrini-Drama­ tiker­Innenstipendium des Landes Niederösterreich erhalten und rund ein Jahr gemeinsam mit der Dramaturgie des Landestheaters Niederösterreich an einer bühnen­reifen Adaption gearbeitet. „Ihr Stückentwurf, der sich, auch im Sinne des Namensgebers des Stipendiums Peter Turrini, gesellschaftskritisch mit den individuellen menschlichen Bedürfnissen und Hoffnungen auseinandersetzt, hat die Jury überzeugt“, so Bettina Hering, Mitglied des Fachbeirats für das Stipendium und Künstlerische Leiterin des Landestheaters. Sie und alle Mitwirkenden freuen sich schon auf die Umsetzung in der Theaterwerkstatt des Landestheaters.

„Die unglaubliche Bürokratie, die in diesen Einrichtungen vorzuherrschen scheint, ist von einem System verschuldet, das keiner so recht durchblickt.“ Claudia Kottal

Landestheater Niederösterreich, 16.05.2015, Uraufführung: Claudia Tondl „Wo verdammt ist Frau Wermes?“ Regie: Caroline Welzl. Ausstattung: Stefanie Muther. Mit: Dora Balog, Simon Jaritz, Daniel Keberle, Claudia Kottal, Anna Kramer, Marcel Mohab.

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spielplan der st. pöltner bühnen APRIL, MAI & JUNI 2015 april

18 MARTIN SCHLÄPFER/

01 FERIENWORKSHOP in den Osterferien 09:30 Landestheater für Kinder ab 6 Jahren von 30.03. bis 02.04.

Österreich-Premiere

02 FERIENWORKSHOP in den Osterferien

19:30 Die Bühne im Hof Volksmusikkabarett

14:00 Landestheater für Kinder ab 9 Jahren von 30.03. bis 02.04.

09 GERNOT KULIS

20:00 Die Bühne im Hof Comedy

10 HEILBUTT & ROSEN 20:00 Die Bühne im Hof Kabarett

10 SCHNUPPERWORKSHOP:

14:00 DAS GESPENST VON CANTERVILLE Landestheater für Kinder ab 7 Jahren

11 NADJA MALEH

19:30 Die Bühne im Hof Kabarett

11 STACEY KENT:

19:30 THE CHANGING LIGHTS Festspielhaus, Großer Saal Musik/Jazz

13 TONKÜNSTLER-ORCHESTER:

19:30 SCHOSTAKOWITSCH/ENESCU/ NIELSEN/MARTINU˚ Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

15 DIE RADIKALISIERUNG 19:30 BRADLEY MANNINGS, Tim Price Landestheater, Theaterwerkstatt 16 FAMILIENSZENEN, Anna Jablonskaja 19:30 Landestheater, Großes Haus

16 TRICKY NIKI

20:00 Die Bühne im Hof Show/Comedy

17 FAMILIENSZENEN, Anna Jablonskaja 19:30 Landestheater, Großes Haus Publikumsgespräch mit dem Ensemble nach der Vorstellung

17 FRITZ KARL & TANGO DE SALÓN 20:00 Die Bühne im Hof Musik & Literatur

19:30 TONKÜNSTLER: SINFONIEN Festspielhaus, Großer Saal Tanz/Zeitgenössisches Ballett

18 WELLKÜREN

22 ORPHEUS CHAMBER

30 HEINZ MARECEK

20:00 Die Bühne im Hof Humoristische Lesung

mai

01 WEINZETTL & RUDLE

19:00 Die Bühne im Hof Kabarett 19:30 ORCHESTRA/FAZIL SAY Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik 02 DAS GESPENST VON CANTERVILLE 16:00 Oscar Wilde 23 ALEXANDER GOEBEL & BAND Landestheater, Großes Haus 20:00 Die Bühne im Hof Comedy & Konzert 02 BÜRGERTHEATER: 19:30 GLANZSTOFF, Felix Mitterer 24 SOMMERGÄSTE, Maxim Gorkij Glanzstoff-Fabrik 19:30 Landestheater, Großes Haus Premiere 04 TONKÜNSTLER-ORCHESTER: 19:30 MOZART/BRAHMS/ 24 BLÖZINGER – ROBERT BLÖCHL & SCHOSTAKOWITSCH 20:00 ROLAND PENZINGER Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik Die Bühne im Hof Kabarett 06 BÜRGERTHEATER: 25 SOMMERGÄSTE, Maxim Gorkij 19:30 GLANZSTOFF, Felix Mitterer 19:30 Landestheater, Großes Haus Glanzstoff-Fabrik

25 THOMAS MAURER

07 BÜRGERTHEATER:

26 ALEXANDER GOEBEL & BAND

07 EMIL BOBI

28 SOMMERGÄSTE, Maxim Gorkij

07 BÜRGERGESPRÄCH:

29 SOMMERGÄSTE, Maxim Gorkij 10:30 Landestheater, Großes Haus

New Design University

19:30 Die Bühne im Hof Kabarett 18:00 Die Bühne im Hof Comedy & Konzert

19:30 Landestheater, Großes Haus

30 DAS GESPENST VON CANTERVILLE 16:00 Oscar Wilde Landestheater, Großes Haus

Publikumsgespräch mit dem Ensemble nach der Vorstellung

30 DAS GESPENST VON CANTERVILLE

19:30 GLANZSTOFF, Felix Mitterer Glanzstoff-Fabrik 19:30 Die Bühne im Hof Vortrag 21:30 GLANZSTOFF mit Felix Mitterer, Renate Aichinger, Bettina Hering u. a.

08 IPHIGENIE AUF TAURIS 19:30 Johann Wolfgang von Goethe Landestheater, Großes Haus Gastspiel Schauspiel Stuttgart Österreich-Premiere

08 SIDI LARBI CHERKAOUI:

18:00 Oscar Wilde Landestheater, Großes Haus

19:30 生长 GENESIS Festspielhaus, Großer Saal Tanz/Live-Musik

30 BÜRGERPRODUKTION 3.0:

Österreich-Premiere Festspielhaus-Koproduktion

19:30 GLANZSTOFF, Felix Mitterer Glanzstoff-Fabrik Uraufführung

08 KOLLEGIUM KALKSBURG 20:00 Die Bühne im Hof Konzert

09 IPHIGENIE AUF TAURIS Einführungs- bzw. Künstlergespräch vor der Vorstellung Familienvorstellung Vormittagsvorstellung/Schulvorstellung – etwaige weitere Vormittagstermine erfahren Sie an der Tageskassa niederösterreich kultur karten unter +43 (0)2742/90 80 80 600

12 spielorte

19:30 Johann Wolfgang von Goethe Landestheater, Großes Haus Gastspiel Schauspiel Stuttgart


KARTENVORVERKAUF:

spielplan-doppelseite ZUM HERAUSNEHMEN! Das Kartenbüro ist zentral in der Fuß­gängerzone erreichbar, mit Parkmöglichkeit in der Parkgarage Rathausplatz.

09 SIDI LARBI CHERKAOUI:

23 ROBIN HOOD 19:30 生长 GENESIS 14:00 Clemens Handler/Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus Festspielhaus, Großer Saal Tanz/Live-Musik Gastspiel Theater mit Horizont

Festspielhaus-Koproduktion

MO–FR (werktags), 09:00–18:00 Uhr SA, 09:00–14:00 Uhr Rathausplatz 19, 3100 St. Pölten Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 80 600 Fax: +43 (0)2742 / 90 80 83

23 ROBIN HOOD

09 WOLFGANG „FIFI“ PISSECKER

16:30 Clemens Handler/Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus

19:30 Die Bühne im Hof Kabarett

12 ROBIN HOOD

23 WO VERDAMMT IST FRAU WERMES?

09:00 Clemens Handler / Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus

19:30 Claudia Tondl Landestheater, Theaterwerkstatt

Gastspiel Theater mit Horizont

KONTAKT

28 HEILBUTT & ROSEN

12 OPERETTENREVUE 2015

20:00 Die Bühne im Hof Kabarett

19:30 Die Bühne im Hof Operette

FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

29 KATHARINA STRASSER &

13 OPERETTENREVUE 2015 19:30 Die Bühne im Hof Operette

20:00 WOLF BACHOFNER & BELA KORENY Die Bühne im Hof Konzert

15 ROBIN HOOD

30 WIENER COMEDIAN HARMONISTS 16:00 Die Bühne im Hof A Cappella

16:00 Clemens Handler / Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus Gastspiel Theater mit Horizont

19:30 BEATLES AND MORE Festspielhaus, Großer Saal Musik/Jazz/Gitarre

14:00 Clemens Handler / Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus Gastspiel Theater mit Horizont

31 GERNOT KULIS

16 ROBIN HOOD

19:00 Die Bühne im Hof Comedy

16:30 Clemens Handler / Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus Gastspiel Theater mit Horizont

16 WO VERDAMMT IST FRAU WERMES?

juni

Uraufführung

01 TONKÜNSTLER-ORCHESTER/

19:30 Claudia Tondl Landestheater, Theaterwerkstatt

19:30 DEBUSSY/BEETHOVEN/PROKOFJEW Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

19 WO VERDAMMT IST FRAU WERMES?

19:30 WIENER SINGVEREIN: BRAHMS/STRAUSS/BRUCKNER Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik/Vokal

06 JOSETTE BAÏZ/TONKÜNSTLER:

Die Bühne im Hof Julius-Raab-Promenade 37, 3100 St. Pölten Tel.: +43 (0)2742 / 35 22 91 E-Mail: sekretariat@bih.at www.bih.at Abendkassa: 2 Stunden vor Vorstellungsbeginn

19:30 Claudia Tondl Landestheater, Theaterwerkstatt

19:30 ROMÉO ET JULIETTE Festspielhaus, Großer Saal Tanz/Klassik, Österreich-Premiere, Saisonfinale

21 KAMMERMUSIK PRIMA

09 HOPE THEATRE NAIROBI

19:30 LA MUSICA: JUNGE TALENTE Festspielhaus, Kleiner Saal Musik/Klassik

22 ROBIN HOOD

16:00 Clemens Handler / Gernot Kogler Landestheater, Großes Haus Gastspiel Theater mit Horizont

22 WO VERDAMMT IST FRAU WERMES? 19:30 Claudia Tondl Landestheater, Theaterwerkstatt

10:00 Die Bühne im Hof | Bildungsrevue

10 HOPE THEATRE NAIROBI

Festspielhaus St. Pölten Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 80 600 E-Mail: karten@festspielhaus.at www.festspielhaus.at Abendkassa: 90 min. vor Vorstellungsbeginn Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 80 222 Landestheater Niederösterreich Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 60-0 E-Mail: office@landestheater.net www.landestheater.net Abendkassa: 60 min. vor Vorstellungsbeginn Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 66

30 AL DI MEOLA PLAYS THE

16 ROBIN HOOD

18 TONKÜNSTLER-ORCHESTER:

karten@noeku.at karten@bih.at karten@festspielhaus.at karten@landestheater.net

Gastspiel Theater mit Horizont

Landesmuseum Niederösterreich Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten Tel.: +43 (0)2742 / 90 80 90 E-Mail: info@landesmuseum.net www.landesmuseum.net

jetzt ausgestellt

10:00 Die Bühne im Hof | Bildungsrevue

10 HOPE THEATRE NAIROBI

19:30 Die Bühne im Hof | Bildungsrevue

19 MOHAMED, FAWZI & 19:30 BECHIR (TUN) Die Bühne im Hof Konzert

BIS 07.02.2016 | LANDESMUSEUM Warzenkraut & Krötenstein. In Zeiten schlechter medizi­ nischer Versorgung hatte der Mensch bedrohlichen Situationen wenig Rationales entgegenzusetzen. Neben Ge­beten, religiösen Bräuchen und Ritualen nutzte man Pflanzen, Mineralien, Fossilien und tierische Produkte für Heilzwecke aber auch zur Beeinflussung des persönlichen Schicksals, als Schutz vor Gefahren für Leib und Seele, zur Abwehr von Dämonen und zur Abwendung von Naturkatastrophen. Machen Sie sich auf eine Reise zu traditionellem Wissen, abstrusen Heil­­methoden und in die Welt des Aberglaubens.

spielorte 13


WELTSTADT

MIT DOPPELTEM BODEN DER MEHRFACH AUSGEZEICHNETE AUFDECKERJOURNALIST EMIL BOBI KONKRETISIERT, WARUM WIEN DAS INTER­ NATIONALE ELDORADO FÜR 7.000 AGENTEN IST. IN SEINEM REAL-KRIMI „DIE SCHATTENSTADT“ DEMASKIERT ER DIE WIENER KAFFEEHAUSMENTALITÄT UND DIE (OFFENEN) GEHEIMNISSE DER SPIONAGENETZWERKE. Von Corinna Kranjecz

Die Bühne im Hof, 07.05.2015, Vortrag: Emil Bobi „Die Schattenstadt: Was 7.000 Agenten über Wien aussagen.“ Moderation: Nadja Bernhard (ORF) Im Rahmen des Dialoges zwischen den Kulturen. Weitere Informationen: www.bih.at Ecowin Verlag.

„Wer in Wien etwas zu flüstern weiß, genießt Ansehen.“ Emil Bobi

14 spielorte

In Wien – dem kulturell-ethnischen Schmelztiegel von „Zuag’rasten“ – hatte man schon immer ein gewisses Verständnis für Fremde, die etwas zu verbergen haben. Emil Bobi skizziert die historischen Hintergründe, zeigt auf, dass bereits in der Habsburger-Monarchie jene „Kultur des Halboffiziellen“ entstand, und fasst zusammen, wie Wien zur internationalen Spionage-Hochburg wurde: „Jeder weiß, dass die ausländischen Botschaften in Wien voller Geheimagenten sind, dass Spionage in Österreich de facto straffrei ist und so weiter. Man hat das immer sehr diffus mit dem ‚österreichischen Weg’ erklärt, mit dem Kalten Krieg und dem Eisernen Vorhang, der mitten durch Wien verlief, wo sich hüben wie drüben Tausende Spione tummelten.“ Österreich hat seit jeher stets die diplomatische Position als so genannter „Brückenbauer“ oder „Ort der Verhandlungen“ eingenommen, was zugleich mit politischer Bedeutsamkeit und ökonomischen Effekten korreliert. Mit Wiener Charme – vereint mit hochsensibler Menschenkenntnis und der doppelbödigen Kunst des „Wiener Schmähs“ – entlockt man seinem Gegenüber so manch wichtige Informationen, ohne dass sich dieser ausspioniert, sondern vielmehr wohl und zuhause fühlt. Demnach habe sich in Wien eine Art Volksspionage etabliert, so Bobi, da letztlich das Wiener Wesen an einer pathologischen Neugier leide. Die Chance, im Wiener Kaffeehaus neben einem Spion zu sitzen, ist zwar sehr hoch, allerdings entspricht dieser keineswegs den dunklen, stereotypen Gestalten eines Agentenfilms. Der Experte betont, dass die Spione Wiens für Frau und Herrn Österreicher ganz und gar harmlos sind: „Die tun nicht unauffällig, sondern sind es.“ Neben dem Café gilt der Flughafen Wien-Schwechat als Konvergenzpunkt internationaler Spionage-Aktivitäten – genauso verhält es sich mit privat angemieteten Villen, aber auch andernorts, „wo man reden und nebenbei angenehm leben kann“, verrät Bobi. Die Geschichten hinter den Geschichten zu verstehen sowie kritisch zu beobachten und zu recherchieren, das war Bobis Motivation, investigativen Journalismus zu betreiben, und stets Ausgangpunkt seiner Arbeit. „So habe ich mich in diese Aufdecker-Ecke manövriert, dass man bald nichts mehr anderes von mir erwartete“, beschreibt der gebürtige Steirer seinen Werdegang, von dem er 15 Jahre beim Nachrichtenmagazin „profil“ verbracht hat. Im Rahmen des „Dialoges zwischen den Kulturen“ referiert er in der Bühne im Hof über sein Buch „Die Schattenstadt“ und entlarvt facettenreich das Wiener Spionagetreiben.


JOSETTE BAÏZ GASTIERT MIT IHRER GROUPE GRENADE ZUM ZWEITEN MAL IM FESTSPIELHAUS ST. PÖLTEN – MIT EINEM TANZPROJEKT VOLL JUGENDLICHER LEIDENSCHAFT UND KRAFT: „ROMÉO ET JULIETTE“, MUSIKALISCH BEGLEITET VOM TONKÜNSTLER-ORCHESTER NIEDERÖSTERREICH. Von Petra Weichhart

DIE TUGEND

DER JUGEND

Festspielhaus St. Pölten, 06.06.2015, Österreich-Premiere: Groupe Grenade/ Tonkünstler-Orchester „Roméo et Juliette“ Choreografie: Josette Baïz. Musik: Sergej Prokofjew. Tanz: Groupe Grenade und junge TänzerInnen aus Niederösterreich. Bühne: Dominique Drillot. Orchester: Tonkünstler-Orchester Nieder­österreich. Musikalische Leitung: Niklas Willén.

„Es war die Nachtigall und nicht die Lerche.“ Wer kennt sie nicht, die wohl bekannteste Liebesgeschichte der Weltliteratur: „Romeo und Julia“. Doch was verbirgt sich dahinter? Im Grunde waren es zwei Jugendliche auf der Suche nach Freiheit, Liebe und sich selbst. Und genau hier knüpft Josette Baïz in ihrem Tanzprojekt an die Geschichte an. Denn auch die jungen Tänzerinnen und Tänzer ihrer Compagnie Groupe Grenade befin­den sich gerade auf der Suche nach ihrer eigenen Identi­tät. In der musikalisch-tänzerischen Neuauflage von „Roméo et Juliette“ im Festspielhaus St. Pölten dreht sich alles um das Thema Jugend. Doch wie geht man an die Sache heran, sich die größte Liebesge­ schichte der Welt zu ertanzen? Die Idee von Josette Baïz war es, die Mitwirkenden das Stück aus ihrer Sicht nachspielen zu lassen: „Die Tänzerinnen und Tänzer in meiner Choreografie haben das gleiche Alter wie die Protagonisten bei Shakespeare. Dies ermöglicht eine genaue Interpretation der Jugend, die auf die Gewalt der Gefühle auf eine sehr instinktive Art und Weise reagiert.“ Bei der Aufführung im Festspielhaus werden

die TänzerInnen der Groupe Grenade durch Kinder aus Niederösterreich unterstützt. Es war der Wunsch von Josette Baïz, hier partizipatorisch zu arbeiten. Mitmachen konnte jede/r zwischen sieben und zwölf Jahren, der/die Spaß an dem Projekt hat. Tanzerfahrung war keine Voraussetzung. Seit dem Valentinstag wird in Workshops fleißig trainiert, begleitet von Stéphanie Vial, Tänzerin der Groupe Grenade, Karin Steinbrugger, Choreografin aus Wien, und Diana Costa vom Festspielhaus St. Pölten. Wie kam es zu dem Einfall, Kinder in das Stück einzubeziehen? „Das ist eine Idee, die wir schon bei der Produktion für das Festival von Aix en Provence durchgeführt haben; die weiß gekleideten Kinder, die am Schluss den Tod von Romeo und Julia verkünden, unterstreichen die tragische Dimension des Stücks “, erklärt Josette Baïz. Ist die Arbeit mit Kindern anders? „Meine Arbeit basiert auf Technik, Komposi­ tion und Improvisation. Es ist das gleiche mit Kindern wie mit Erwachsenen. Nur die Art, mit Kindern zu sprechen, ist ein wenig anders.“

„Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Tänzerinnen und Tänzer Kinder und Jugend­ liche sind, die das gleiche Alter wie die Protagonisten bei Shakespeare haben.“ Josette Baïz spielorte 15


„Ich bin schon neugierig auf die Texte von Felix Mitterer, auf das, was passiert.“

GESCHICHTE

MACHT STATION DIE BÜRGERPRODUKTION 3.0 MACHT STATIONENTHEATER, SETZT SICH MIT DER VERGANGENHEIT DER GLANZSTOFF-FABRIK AUSEINANDER UND ERZÄHLT DABEI GLEICH DIE GESCHICHTE DES 20. JAHRHUNDERTS NACH. Von Andreas Reichebner Durch stillgelegte Fabrikhallen, vorbei an imposanten Wassertürmen, bröckelnden Mauern, rostenden Gabelstaplern und dem Verfall preisgegebenen Zeugen ehemals prosperierender Industrie macht sich eine illustre Gruppe von theaterbeseelten Laien daran, Plätze, die sie in wenigen Wochen bespielen wird, zu begut­ achten. „Zehn Spielorte, außen und innen, habe ich bislang ausgewählt“, erzählt Theaterregisseurin Renate Aichinger. Entwarf Aichinger voriges Jahr mit einer Gruppe Bürger­Innen Szenen aus dem Gedankenkosmos von Ödön von Horváth, so stammen die Texte für das heurige Stationentheater von Felix Mitterer. Schon seit Monaten beschäftigt sich der auf dokumentarische Stoffe fokussierte Erfolgsautor mit der Glanzstoff-Fabrik, die von 1904 bis 2008 untrennbar mit der Stadt St. Pölten

Erich Mondl, pensionierter Lehrer

und deren Geschichte verbunden war. Das langjährige gemeinsame Schicksal von Stadt und Fabrik spiegelt sich in den Erinnerungen der Bürgerinnen und Bürger wider. „Ich muss da mittun, ich wohnte in der Nähe und war im Kinderhort“, so der pensionierte Lehrer Erich Mondl, der auf die Texte von Mitterer gespannt ist und sich Hoffnungen macht, den Firmengründer Johann Urban zu spielen. Mit dabei auch seine Schwester Adelheid, die 39 Jahre lang in der Fabrik arbeitete. Auch die neunjährige Lori wird in einer bewegenden Szene zu sehen sein. 1973 ereignete sich in der Fabrik ein schwerer Unfall, wobei ihr Opa Kamer Arslan, einer der ersten türkischen Gastarbeiter in St. Pölten, lebensgefährlich verletzt wurde. „An der Stelle, wo das passierte, spielt in der Theaterstation nun die Enkelin mit“, zeigt sich Aichinger ob der Authentizität an der Nahtstelle von Historie und Gegenwart begeistert. „Der Februaraufstand oder die große Depression, historisch wichtige Ereignisse werden an Originalschauplätzen zu sehen sein“, so Aichinger. Dabei spielen legendäre Persönlichkeiten wie die sozialdemokratische Widerstandskämpferin Maria Emhart, die in der Glanzstoff beschäftigt war, eine zentrale Rolle. Eine, die vielleicht von Christina Poulisis, Lena Maria Heinle oder auch von Karin, Sigrid oder Andrea, die voriges Jahr schon mit dabei waren, gespielt werden könnte.

Landestheater Niederösterreich, 30.04.2015, Uraufführung: Felix Mitterer „Glanzstoff“ Bürgerproduktion 3.0 von und mit BürgerInnen aus St. Pölten und ganz Niederösterreich. Leitung: Renate Aichinger. Spielort: Glanzstoff-Fabrik St. Pölten, Herzogenburger Straße 69.

16 spielorte


shortcuts 13.04 & 18.05.2015 | Festspielhaus

DIE TÜR

„Wir sind Meisterinnen der Improvisation“, bringt es Marlies Eder auf den Punkt. Sei es ein Künstler, der eine Tischreservierung für ein Abendessen benötigt, oder VIER FRAUEN ein Anrufer, der sich mit den STELLEN DAS TEAM Worten meldet: „Ich stehe DER PORTIERINNEN hier im Wald vor einem Schwammerl und bräuchte IM FESTSPIELHAUS eine Artenbestimmung“. ST. PÖLTEN. SIE SIND Anekdoten gibt es viele. EINE EINGESPIELTE Marlies Eder, Gerlinde Högel, Ayben Karadag und Michaela GRUPPE, DIE VIELE Troll – das ist das Team der AUFGABEN ZU BEWÄLPortierinnen im Festspielhaus TIGEN UND VIELE St. Pölten. Sie sind erste Anlaufstelle für alle MitarbeiLUSTIGE UND INTERterInnen und BesucherInnen ESSANTE GESCHICHdes Festspielhauses, TelefonTEN ZU ERZÄHLEN zentrale unter anderem für das Landesmuseum und die HAT. Von Petra Weichhart Schallaburg, Vermittlung, Annahmestelle und vieles mehr. Gerlinde Högel ist für die Diensteinteilung zuständig und bereits seit 1997 im Haus tätig. In der Früh bekommen sie den Tagesablauf, wie eine Art Stundenplan. Wann ist wer im Haus, wo wird geprobt, und bei einer Vorstellung darf schon mal der Gong geläutet werden. Doch was ist das Tolle an dem Beruf? „Auf jeden Fall der Kontakt mit den Menschen“, meint Gerlinde Högel. Marlies Eder schätzt das positive Betriebsklima, „es ist wie in einer großen Familie. Das Schöne ist, dass alle Bereiche ineinandergreifen. Und die Künstlerinnen und Künstler: mit solch offenen Geistern Gespräche zu führen, ist faszinierend.“ „Backstage sein“, hakt Michaela Troll ein. „Auch die kleinen Notfälle machen die Arbeit sehr abwechslungsreich.“ Das Highlight ist für alle vier aber eines: „Wir können bei den Proben und Aufführungen auf einem Monitor oder auch live zusehen. Das ist schon ein wirkliches Zuckerl.“

IM BLICK

Marlies Eder war Chemie-Labortechnikerin, bevor sie im April letzten Jahres ans Festspielhaus kam. Gerlinde Högel ist gelernte Schneiderin und seit 1997 in verschiedenen Bereichen im Festspielhaus tätig. Ayben Karadag arbeitete vorher als Hotelfachfrau und übt seit 2011 den Beruf als Portierin aus. Michaela Troll ist ebenfalls seit April beschäftigt, hat Handelswissenschaften studiert und war unter anderem bei einer Bank tätig.

In einem seiner letzten Konzerte als Chefdirigent des TonkünstlerOrchesters präsentiert Andrés Orozco-Estrada am 13. April große Werke des 20. Jahrhunderts von Nielsen, Enescu, Martinu˚ sowie Schostakowitsch’ erstes V­ioloncello-Konzert – interpretiert von Solist Truls Mørk. Am 18. Mai hebt Yutaka Sado den Taktstock und kündigt mit Kompositionen von Debussy, Beethoven und Prokofjew das neue Chefdirigat ab der Saison 2015/16 an. Der blinde Klavier-­ Virtuose Nobuyuki Tsujii trägt dabei mit feinfühligem Gespür zum musikalischen Gesamterlebnis bei.

17.04.2015 | Die Bühne im Hof Fritz Karl ist auf der Theaterbühne genauso zu Hause wie im Film und gibt charmanten Verführern ebenso Gestalt wie fiesen Bösewichtern. In der Bühne im Hof rezitiert er unter dem Titel „Du hörst mir ja doch nie zu ...“ Texte von Luis Fernando Verissimo. Für beste Unterhaltung sorgen die satirischen Short Stories des brasilianischen Bestsellerautors und Karikaturisten im musikalischen Zusammenklang mit dem österreichisch-ukrainischen Ensemble „Tango de Salón“. Die einschlägigen Rhythmen stammen aus Argentinien, Uruguay, Mexico sowie – kaum zu glauben! – Finnland oder Russland.

30.04. & 02.05.2015 | Landestheater Das Gespenst von Canterville – ein Gespenst, das beim Spuken niemandem Angst einjagt? Das geht nun wirklich nicht. Was ist nur aus den Menschen geworden, die vor Furcht einflößenden Schlossgespenstern, wie Sir Simon eines ist, die Flucht ergreifen? Babett Arens liefert in einer modernisierten, humorvollen Fassung von Oscar Wildes Erzählung die Antwort. Vorsicht, gruseln erlaubt! „Eine liebevolle Wiederbelebung eines Klassikers, unterhaltsam auf die Bühne gebracht.“ (NÖN)

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DAS LANDESTHEATER IST IN SACHEN THEATERVERMITTLUNG SEHR GUT AUFGESTELLT. KINDER UND JUGENDLICHE KÖNNEN KREATIV NEUES KENNENLERNEN UND IN ERSTER LINIE NATÜRLICH THEATERLUFT SCHNUPPERN. Von Petra Weichhart

IM THEATER

IST ALLES ERLAUBT „Oh, gütiger Gott, mein Schatten ist lebendig geworden.“ Der sechsjährige Anton arbeitet gerade am Bühnenbild. Aus schwarzem Papier werden Schattenfiguren ausgeschnitten. Im Landestheater dreht sich im Ferienworkshop diesmal alles um das Thema Gruseln. Von den Kindern werden Gipsmasken angefertigt, die dann bemalt einen Teil des Kostüms ergeben. Die Geschichte – sozusagen das Stück – denken sie sich gemeinsam aus. Die Kinder sind mit Herzblut dabei und fiebern der Aufführung entgegen. Die Person, die hierbei alle Fäden zusammenhält, ist Nehle Dick. Sie ist für das Theatervermittlungsprogramm im Landestheater zuständig. Das Angebot reicht von Ferien-, Schnupper- oder Geburtstagsworkshops über Einführungs- und Publikumsgespräche bis hin zum Theaterclub 12+, wo Jugendliche einmal die Woche Theaterluft schnuppern können. „Das ist wichtig, denn sie sind gerade in einem Abschnitt, wo sie mit dem Spielen aufhören. Es ist schön, wenn sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden weiterspielen können, und zwar ohne Konsequenzen“, erklärt Nehle Dick. „Es geht darum, eine Kritikfähigkeit im Theater zu entwickeln. Man soll sie nicht entzaubern, aber die Dinge verständlich machen“, so Nehle Dick. „Zu Beginn wünschen sich die Kinder immer eine große Ausstattung mit vielen Requisiten. Zum Schluss brauchen sie aber eigentlich nichts, um im Spiel alles zu erzählen.“ Theatervermittlungsangebot Information und Anmeldung: Nehle Dick (nehle.dick@landestheater.net, Tel.: 02742/90 80 60 694) Sommerferien-Workshop für Kinder ab 6 Jahren: 07. –10.07.2015 und 01.– 04.09.2015 ab 9 Jahren: 07. –10.07.2015 und 01.– 04.09.2015 Sommerferien-Workshop Spezial für Jugendliche ab 12 Jahren: 25. –28.08.2015

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BAND

FÜRS LEBEN JAZZ-SÄNGERIN STACEY KENT VERSTEHT ES, DIE DYNAMIK ZWISCHEN LEBEN UND KUNST FÜR SICH ZU NÜTZEN. IHRE KARRIERE ABER BAUTE SIE AUF DEM FAKTOR, DER SICH NICHT BEEINFLUSSEN LÄSST: SCHICKSAL. Von Jakob Schweikhardt Festspielhaus St. Pölten, 11.04.2015, Stacey Kent: „The Changing Lights“

Wenn die 1968 in New Jersey geborene Stacey Kent über ihre Laufbahn als Musikerin spricht, machen sich Dankbarkeit und Faszination in Stacey Kent, Gesang. ihrem Gesicht breit. Der Jim Tomlinson, Saxofon. Stolz über eine GrammyGraham Harvey, Klavier. Nominierung und zehn Joshua Morrison, Schlagerfolgreiche Alben bleibt fast zeug. Jeremy Brown, Bass. unsichtbar. Als Jugendliche übersiedelte sie nach London, um eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Als sie dort dem Saxofonisten Jim Tomlinson begegnete, verschoben sich ihre Prioritäten: „Es war Liebe auf den ersten Blick, und parallel zu unserem Leben startete auch unsere gemeinsame Karriere“, so Kent, die fortan Seite an Seite mit ihrem Mann die Bühnen der Welt bespielt. Beginnend mit dem Album „Close Your Eyes“ aus dem Jahr 1997 wuchs ihr Stellenwert in der Jazz-Landschaft. Im neuesten Werk „The Changing Lights“ führte die Kollaboration mit diversen brasilianischen Musikern zu einer großartigen Mischung aus Eigenkompositionen und Klassikern, die sie mit ihrer Stimme eindrucksvoll zu transportieren vermag. Die Initialzündung für das Album, der Song „The Changing Lights“, stammt jedoch aus der Feder ihres Mannes Jim Tomlinson. So gut wie beim Songwriting harmonieren die beiden auch auf der Bühne. Man hat stets das Gefühl, hier stehen zwei Menschen am richtigen Ort zur richtigen Zeit.


TAKTVOLLER

TRIBUT

ALS GITARRIST DER GRUPPE „RETURN TO FOREVER“ WURDE AL DI MEOLA IN DEN 70ER-JAHREN ÜBER NACHT ZUM PIONIER DES FUSION JAZZ. IN SEINEM NEUESTEN WERK VEREINT ER KOMPLEXITÄT UND EMOTIONALE TIEFE UND ERKUNDET GENIALE BEATLES-KLASSIKER ABSEITS DES VORGEGEBENEN TAKTES. Von Jakob Schweikhardt

Festspielhaus St. Pölten, 30.05.2015: Al Di Meola plays the Beatles and more

Mit der Attitüde eines Rockstars die Möglichkeiten des Mehrklangs ausloten und dabei Präzision und spielerische Leichtigkeit des Jazz zelebrieren – die Welt des „Fusion“ befindet sich irgendwo zwischen Herausforderung und Holzhammer, Effekt und subtiler Coolness. Als Al Di Meola im Alter von 19 Jahren von Piano-Legende Chick Corea in dessen Band „Return to Forever“ geholt wurde, war diese Welt noch eine weitgehend u­nerforschte. Seite an Seite mit Genies wie Corea, Stanley Clarke und Lenny White wuchs der Gitarrist jedoch rasch in diese hinein und erfüllte bald die großen Erwartungen, die man in ihn gesetzt hatte. 1976 veröffentliche er mit „Land of the Midnight Sun“ ein reifes Solo-Werk, dass seine Bandbreite an rhythmischer Fi­ nesse erahnen ließ. Seine wachsende Liebe zu lateinamerikanischer Musiktradition gipfelte schließlich 1980 in dem Album „Friday Night in San Francisco“, das bis heute als e­ines der besten Live-Akustik-Gitarren-Alben aller Zeiten gilt. Obwohl Al Di Meola damals sogar mit dem großen Carlos Santana auf Tour ging, war es der argentinische Komponist und Bandoneon-(Knopfharmonika-)Virtuose Astor P­iazzolla, der seine kommenden Jahre prägen sollte. Mit seinem neuesten Werk widmet er sich dem Urknall des modernen Pop und nimmt sich die Klassiker der Beatles zu Brust. Dabei entstanden keine schlichten Instrumental-Versionen bekannter Melodien, sondern eine differenzierte Interpretation der „Fab Four“. Schon auf seinem Album „Pursuit of Radical Rhapsody“ machte der Musiker mit seiner Version von „Strawberry Fields“ deutlich, welche rhythmischen und klang­lichen Dimensionen er Songs der Beatles entlocken kann. Auch in simpleren Komposi­tionen der Band aus Liverpool vermag er nun ungeahnte Tiefen zu entdecken. Während er mit seinem Fuß einen gewissen Takt vorgibt, kann er die Saiten der Gitarre in völlig anderen Tempi und „gegen“ den Rhythmus spielen, was Welten an unverbrauchter Dramaturgie eröffnet. Die für Al Di Meola so charakteristische Mischung aus Komplexität und Emotionalität findet gerade in diesen PopKlassikern eine ideale musikalische Umgebung.

„Die Beatles sind der Grund, warum ich Gitarre spiele, und für die Musik noch genauso relevant wie damals.“ Al Di Meola spielorte 19


ERINNERUNGEN

AN LEOPOLD FIGL

VERFASST VOM ZEIT- UND AUGENZEUGEN IVO FISCHER

„Du bleibst bei mir als Privatsekretär!“, sagte laut und deutlich der Herr Bundeskanzler, Diplom-Ingenieur Leopold Figl, und hielt meinen linken Arm am Handgelenk fest. Im Jahr zuvor, 1949, hatte ich bereits die im CV verbandsweit ausgeschriebene Anstellung erhalten, dem Bundeskanzler und seiner Familie im Urlaub in Osttirol für ein kleines Taschengeld und bei freiem Logis fünf Wochen lang als Sekretär zu dienen. Ich antwortete dem Bundeskanzler, ich sei Medizinstudent und nicht Jurist und hätte daher keine Zeit für eine weitere, noch so ehrende Anstellung bei ihm. Figl ließ sich aber keinen Korb geben, also einigten wir uns darauf, dass ich wenigstens in den Semesterferien weiterhin bei ihm sein würde. Diese Zusage hielt ich dann auch drei Jahre lang bis 1951, als das Ende meines Medizinstudiums nahte. So fuhr ich also in den Semesterferien zuerst für eine Woche nach Wien zum Übernehmen der laufenden Agenden von Figls ständigem Privatsekretär Lukas v. Beroldingen, zum Eingewöhnen auf Figls FamilienBetreuung und auf die auch im Urlaub notwendigen Empfänge von Staatsmännern, Ministern und Bürgermeistern. Dabei konnte ich bei vielen politischen Ereignissen anwesend sein. Mehrmals wurde Figl zum Russischen Hochkommissar in das ehemalige Hotel Bellaria am Ring zitiert, wobei auch sein Chauffeur Leopold, der aber nur Poidl genannt wurde, und ich als Figls Ferien-Privatsekretär

Landesmuseum Niederösterreich, ab 19.04.2015: Ausstellung „Figl von Österreich“ Kuratoren: Ernst Bruckmüller, Elisabeth Vavra Zum Autor: Medizinalrat Univ.Prof. Dr. Ivo Frithjof Fischer ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Chefarzt i. R. des Gemeinnützigen Krankenhauses Mehrerau. Er war als Student Privatsekretär von Leopold Figl, forschte in Pittsburg, Yale und Harvard, war Mitbegründer des Europäischen Forum Alpbach und der Bregenzer Festspiele.

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in den 1. Stock zum Hochkommissar, einem General in Uniform, zugelassen waren. Der Hochkommissar b­egrüßte, hinter seinem Schreibtisch sitzend, den vor ihm stehenden Bundeskanzler Figl sowie Poidl und mich und beschimpfte Figl gleich zu Beginn als „Schwein“, das er gleich einsperren wolle und werde. Daraufhin sagte Figl ganz ruhig zu Poidl: „Geh’ schnell hinunter und hol’ an Wein aus’m Auto!“ Nach wenigen Minuten absoluter Stille mit finsteren Blicken von Mann zu Mann kam Poidl wieder herauf, mit zwei Flaschen Wein unter dem Arm und vier Gläsern zwischen den Fingern. Er entkorkte rasch die Flaschen, füllte die Gläser und kredenzte sie dem General und uns drei anderen. In weiterer Wortlosigkeit wurde je ein Viertel des besten Weins aus Figls eigenem Weingarten geschlürft. Alle Mienen entspannten sich bald, der General lächelte sogar, stand auf, kam hinter dem Schreibtisch hervor, klopfte Figl freundschaftlich auf die Schulter und forderte uns auf, uns um seinen großen Schreibtisch herum zu setzen, wonach wir über die geschäftlichen Dinge sprechen konnten. Meistens ging es um Lebensmittelzuteilungen an die verschiedenen Bezirke und um besondere Angelegenheiten. In Matrei in Osttirol im Hotel Rauter angekommen und einquartiert, gab es immer gleich eine Menge an Post und Nachrichten zu überbringen und zu erledigen. Jeden Sonntagvormittag musste Leopold Figl mit mir als seinem Sekretär auf einer vor dem Hotel aufgebauten Holztribüne die Vorbeimärsche der TrachtenMusikkapellen aus den vielen Gemeinden Osttirols abnehmen. Jede Musikkapelle hatte mindestens zwei vorneweg marschierende Marketenderinnen mit kleinen hölzernen Schnapsfässern und Zinnbechern. Figl kaufte jeder Marketenderin mindestens einen Schnaps ab und gab viel Trinkgeld als Spende für die immer dringenden Instrumentenbeschaffungen der DorfMusik­kapellen. Figl war gewohnt, einen typischen Bauernhut zu tragen, der leicht ins Genick geschoben war. Das war aber bei den offiziellen Gängen vom Bundeskanzleramt zur Hofburg über den Ballhausplatz kein geeignetes Kleidungsstück. Daher wurde ich beauftragt, dem Kanzler


Ivo Fischer (vorne links) in einer Aufnahme von 1949 mit Leopold Figl.

shortcuts Bis 15.04.2015 | Landestheater Die Radikalisierung Bradley Mannings. Er hat geheime US-Militärakten an die Enthüllungsplattform WikiLeaks übermittelt, wurde zu 35 Jahren verurteilt und möchte, sich als Frau fühlend, nun Chelsea genannt werden. Davor war Bradley Manning ein Mann mit Talent im EDV-Bereich. Tim Price, Shooting Star englischer Gegenwartsdramatik, nähert sich mittels Fakt und Fiktion dieser Person. Nicht seine Taten stehen im Fokus, sondern die Gründe seiner Radikalisierung.

08.05.2015 | Die Bühne im Hof

„Bei ̦Onkel Juliusʻ (Raab) war vieles anders als in Leopold Figls rustikalem Bauernhaus.“ Ivo Fischer

eine standesgemäße Kopfbedeckung schmackhaft zu machen, einen Homburg-Hut, wie ihn z. B. Raab besaß und ich ihn schon als 15-Jähriger gerne getragen hatte. Figl erlaubte mir, bei der Firma Habig einen Probier­ termin zu vereinbaren. Der Bundeskanzler wurde vom alten Herrn Habig persönlich bedient. Als endlich eine Größe und Farbe passte, fuhren wir in Figls Haus zurück, wo ich mit ihm das Aufsetzen, Tragen, Abnehmen und Schwingen eines Homburg einüben musste. Bei einem CV-Studentenball im Musikvereinssaal rief Figl aus der Loge zu mir, auf dem Parkett tanzend, herunter: „Ivo, komm herauf!“ Als ich dort eintraf, waren gerade die Rektoren der Wiener Universitäten bei Figl, um ihre Honneurs zu machen. Figl meinte, dass wir nun auf das Wohl des „Größten“ unter uns, des 196 cm langen Medizinstudenten Ivo Fischer, anstoßen sollen. Das geschah dann auch mit den süßsauren Mienen der hohen Gäste. Dieses Verhalten war bezeichnend für Leopold Figl, der gerne mit Menschen aller Schichten beisammen war.

Ein Konzert des Kollegium Kalksburg ist wie der Blick durch das leere Weinglas: Verzerrt grotesk erscheint die Welt, wenn Heinz Ditsch, Paul Skrepek und Wolfgang Wizlsperger ihr „Überleben“ zelebrieren. Mit Akkordeon, Singender Säge, Kamm und Euphonium raunzt man sich seit 18 Jahren durch Klassiker des „Wienerliedes“ und geniale Eigenkompositionen. Mit dem Programm „wossa.wunda.wein“ schenkt man dem Publikum großzügig nach und beweist, dass das „Wienerlied“ trotz der jahrzehntelangen Fixierung auf Tod und Verfall so lebendig ist wie nie zuvor.

30.05.2015 | Die Bühne im Hof In tiefer Verneigung vor dem Original lassen die Wiener Comedian Harmonists das Repertoire des legendären Vokalensembles in neuem Glanz erscheinen. Um zeitlose Melodieführung und einmalige Interpretation präzise in die Gegenwart retten zu können, hielten sich die sechs Mitglieder des Staatsopernchors an die OriginalPartituren. Ihre Bühnenshow „Ein Lied geht um die Welt“ gestaltet sich als beeindruckender Blick in die Vergangenheit und offenbart das Rezept für den bahnbrechenden Erfolg: sechs wundervolle Stimmen und ein Stück Musikgeschichte.

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shortcuts Landestheater | bis 17.04.2015 Familienszenen. Nach Jahren kehrt Nikolaj aus einem Krieg zurück, in dem er als Söldner gekämpft hat. Seine Frau setzt alles daran, ihre Ehe wieder zu beleben, Nikolaj bleibt auf Distanz. Leidet er an einem Kriegstrauma oder weiß er von ihrer Affäre? Die als große Hoffnung des russischen Theaters gehandelte und 2012 beim Attentat auf den Moskauer Flughafen Domodedowo verstorbene Anna Jablonskaja hält die Antwort in ihren poetisch-humorvollen „Familienszenen“ in Schwebe.

Die Bühne im Hof | 18.04.2015 „Herz sticht“. Kabarett gespickt mit t­raditioneller bayrischer Volksmusik – das ist das Erfolgsrezept der „Wellküren“. Seit über 25 Jahren sind Moni, Burgi und Bärbi, die Schwestern der Biermösl Blosn, im deutschsprachigen Raum unterwegs. Als einzig wahre Schwesternpartei machten sie sich für Freiheit, Gleichheit und Stuben­ musik stark. Doch mit Wissen, Intelligenz und Tatsachen allein erreicht man die Menschen nicht, das funktioniert nur mit dem Herzen. Ergo: „Herz sticht“!

Landestheater | ab Oktober 2015 Ernst ist das Leben (Bunbury), Oscar Wildes 1895 uraufge­ führtes Theaterstück, zeigt mit reichlich Charme und Witz, wie viel Verwirrung eine erfundene Identität auslösen kann. Ab Oktober 2015 ist die Gesellschaftskomödie in der Inszenierung von Maaike van Langen, Regisseurin der hoch gelobten Produktion von Sartres „Die schmutzigen Hände“, mit Cornelia Köndgen, Fabian Krüger, Pascal Lalo und Babett Arens als Gäste im Landestheater zu sehen. Für Ungeduldige: Die Koproduktion mit der Bühne Baden unterhält das Publikum bereits ab 24. Juli in der Sommerarena Baden.

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QUER DURCH DIE BANDBREITE GESELLSCHAFTLICHER ALTER­S­ STRUKTUREN SETZT DER FÖRDER­ VEREIN KULTURBEZIRK STARKE ZEICHEN, UM KUNST UND KULTUR IN DIE HERZEN DER MENSCHEN ZU TRAGEN. Von Andreas Reichebner

KUNST UND

KULTUR ANBIETEN Es ist beschlossene Sache, das neue Fördermodul des kulturaffinen Vereins: Mit einem stattlichen Betrag unterstützt man einer­seits die Produktion „Über’n Berg“. Für das Projekt der Tonspiele, der Kunstvermittlungsschiene der Tonkünstler, die dabei mit dem Festspielhaus St. Pölten kooperiert, wird ein Fahrt­kostenzuschuss für Jugendliche, die zu diesem Event anreisen, gewährt. Andererseits fördert man den Ankauf von Roboter­bausätzen für das Talenthaus der Landesakademie. „Es ist angedacht, mit Prof. Markus Hengstschläger, dem Mentor der Roboter-­Aktion, einen Besuch im Talenthaus zu gestalten“, so Vereinspräsident Dr. Lothar Fiedler über die aktuellsten Aktivitäten. War bereits dieses Unterstützungsprogramm ein Herzenswunsch von Fiedler, so reift im Geist des umtriebigen Präsidenten schon wieder ein neuer Plan. So will er etwa kulturell interessierten Menschen aus Pensionistenheimen die Möglichkeit bieten, gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins verschiedenste Kulturprogramme zu besuchen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir beispielsweise Menschen im Rollstuhl zu Kultur­ events begleiten.“ Als nächste spannende Aktionen auf dem interessanten „Spielplan“ des Fördervereins: am 25. März mit „Über’n Berg“ ein Besuch des Festspielhauses, am 10. April ein Theaterabend im Burgtheater mit Begrüßung und anschließendem Gespräch mit Direktorin Karin Bergmann sowie im Sommer eine Reise nach Mallorca, wo man sich auf die Spuren der Habsburger begeben wird.

Lothar Fiedler mit Sabine Haag (Direktorin Kunsthistorisches Museum Wien)

Werden auch Sie Mitglied des Förderverein Kulturbezirk, erleben Sie Kunst und Kultur hautnah und profitieren Sie von zahlreichen Vorteilen. Informationen: www.kulturbezirk.at, foerderverein@kulturbezirk.at


pressestimmen „… Zwei Tanzstars lieferten sich … ein atemberaubendes Duell. In „TOROBAKA“ … knistert es nicht nur vor Spannung, wenn die traditionellen Tanzformen des indischen Kathak und des spanischen Flamenco aufeinanderprallen … Auf einer Seite der animalische, geschmeidige und explosive Khan, auf der anderen der dynamische Galván, gefeierter Erneuerer des Flamenco. Was die beiden verbindet, ist die Erweiterung der Tradition durch die Öffnung zum zeitgenössischen Tanz. Dazu überzeugen sie neben vier LiveMusikern als Sänger und Instrumentalisten – auch das eine Rarität. Großartig!“ Silvia Kargl, Kurier, über „TOROBAKA“ im Festspielhaus. „… Das Setting (R. O. Voigt) gleicht mit grauen Schiebewänden einer Film-NoirKulisse, die man zuletzt oft gesehen hat. Hier passt sie ausnahmsweise auch zeitlich gut ... Juergen Maurer überzeugt

als desillusionierter Hoederer. Swintha Gersthofer ist eine souveräne Jessica, die Frau des jungen Fanatikers Hugo, gespielt von Pascal Groß. Leicht nervös, ist er die Idealbesetzung für diesen jungen Bourgeois, der Reden von Revolution schwingt und sich dabei ziemlich verirrt.“ Barbara Mader, Kurier, über Jean Paul Satre „Die schmutzigen Hände“ im Landestheater. „… Das altbewährte Programm fein durchsetzt mit neuen Pointen heizte das Publikum zu Lachsalven an. Mit gewohnt schwarzem Humor vergleicht er etwa den Gesichtsausdruck von Delfinen mit dem von Kabarettisten auf der Bühne oder bezeichnet die U-Bahn in Wien als größtes Nasolabialfalten-Trainingszentrum. Der vollbesetzte Saal dankte es mit tosendem Applaus …“ Nadja Straubinger, NÖN, über Josef Hader „Hader spielt Hader“ in der Bühne im Hof.

spielorte verlost Eintritts­ karten und Kataloge. Mit­ machen ist ganz einfach: E-Mail mit Wunschgewinn bis 20.04.2015 senden an redaktion@spielorte.at

Aufgrund eines technischen Problems war der Mailserver der spielorteRedaktion einige Tage nicht erreichbar. Die Verlosung des Gewinnspiels aus spielorte Februar/März 2015 konnte daher leider nur eingeschränkt stattfinden. Wir möchten uns bei allen TeilnehmerInnen dafür entschuldigen und bieten in der aktuellen Ausgabe dafür die mehrfache Gewinnchance.

publikumsstimmen „Ich möchte der Festspielhausleitung ganz herzlich zu den Plugged-In Konzerten gratulieren. Der gestrige Abend war ein absolutes Highlight dieser Reihe. Ich bin eine große Musikliebhaberin, nicht nur der klassischen Musik, sondern der Musik in vielen Stilrichtungen. In unserer Zeit, in der im Tagesgeschehen oft das Negative hervorge­ hoben wird, möchte ich danken – auch dafür, so viele glückliche Gesichter gesehen zu haben, denen es ähnlich ergangen ist, die Begeisterung war ja unüberhörbar! Danke an die Festspielhausleitung und weiter so!“ Gertrud Grössenbrunner über das Tonkünstler Plugged-In Konzert „Celtic Pilgrimage“ im Festspielhaus. „Wir (drei Frauen des Jahrganges 1947) haben am Samstagnachmittag Sartres Stück gesehen und waren von dem Dargebotenen überwältigt. Ein ganz großes Kompliment an die Regie, die es vermochte, die Handlung psychologisch so aufzubereiten und an die Darsteller, die dies perfekt wiedergegeben haben. Noch heute, einige Tage nach dem Theaterbesuch, erscheinen vor meinem geistigen Auge Szenen und Textteile. Darum auch ein ‚DANKE!‘ für dieses Theaterereignis! Wir freuen uns schon auf die nächste Vorstellung!“ Gerlinde Jessenitschnig über Jean-Paul Sartre „Die schmutzigen Hände“ im Landestheater. „Ce musée est un chef-d’oevre, très interessant, très instructif, éducatif et amusant. (Dieses Museum ist ein Meisterwerk, äußerst interessant, sehr lehrreich, bildend und unterhaltsam.)“ Boumahdi El Hadi (Marokko) nach einem Besuch im Landesmuseum. Die nächste Ausgabe von spielorte erscheint im Sommer 2015. Leserbriefe & Einsendungen an redaktion@spielorte.at

fiedlers lokaltipp

DIE BÜHNE IM HOF spielorte verlost 2 x 2 Karten für „Emil Bobi“ am 07.05. (19:30 Uhr) in der Bühne im Hof (Seite 14). FESTSPIELHAUS spielorte verlost 5 x 2 Karten für Sidi Larbi Cherkaoui: „生长 genesis“ am 08. oder 09.05. (19:30 Uhr) im Festspielhaus (Seiten 8+9). LANDESMUSEUM spielorte verlost 2 x 2 Eintrittskarten für das Landesmuseum sowie einen Katalog Ihrer Wahl (einzulösen bis 31.12.2015) (Seiten 20 +21). LANDESTHEATER spielorte verlost 2 x 2 Karten für „Iphigenie auf Tauris“ am 09.05. (19:30 Uhr) im Landestheater (Seite 10).

Von Dr. Lothar Fiedler, Präsident Förderverein Kulturbezirk St. Pölten

Genießen Sie in gemütlicher Atmosphäre regionale Schmankerl und g’schmackige Pfandlgerichte. Köstliche Nachspeisen versüßen zudem das kulinarische Erlebnis. Zum schönen Ambiente tragen der gemütliche Innenhof sowie der Biergarten bei, dies bietet für Gäste die Möglichkeit, je nach Witterung auch im Freien zu feiern. Restaurant Salzmühle, Purkersdorfer Straße 6, 3100 St. Pölten, Tel.: +43 (0)2742/25 20 39 bzw. 0676/311 96 48 spielorte 23


P.b.b. GZ: 10Z038720 S Nร– Kulturszene GmbH, Kulturbezirk 2, 3100 St. Pรถlten

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