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Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

spielorte

Februar | März 2012

www.spielorte.at

Landestheater

TRIEB-Opfer

Feydeaus Entlarvung der Verhüllungslogistik Festspielhaus

Tanz-versprechen

Die „vielen Länder“ des Akram Khan Bühne im Hof

Händler natürtrüb

Schrulligkeit, Steuer und der Tod


inhalt Bühne Coverbild: Georges Feydeau: „Einer ist der Dumme“, Premiere 13. März im Landestheater Niederösterreich.

editorial Manche erinnern sich vielleicht noch an ihre Schulzeit, als man in – aus damaliger Sicht – öde Theateraufführungen und mühsame Konzerte „zwangsverschleppt“ wurde. Dann saß man als 11-jähriger Knirps in „Warten auf Godot“, lauschte „Tristan und Isolde“ oder „Le Sacre du Printemps“. Keiner fragte nach Altersadäquatheit oder pädagogischer Vermittlung. Man war auch nicht Gast einer expliziten Schulveranstaltung, sondern saß inmitten honoriger Damen und Herren, die einen mit bösen Blicken und „Pst!“ bedachten. Wahrscheinlich lag dem Ganzen schon damals der Ansatz „Die jungen Gäste von heute sind die treuen Besucher von morgen“ zugrunde, allein mit dieser Art von „Kultuvermittlung“ erreichte man das glatte Gegenteil davon: Vielen wurde damit der Kulturgenuss auf ewig verleidet. Wie wohltuend stellt sich die Situation dahingegen heute dar. Die Häuser haben für Kulturvermittlung mittlerweile eigene Abteilungen geschaffen, in denen Profis grandiose, altersadäquate Angebote für das junge (und zunehmend auch ältere) Publikum kreieren. Man denke etwa nur an die Ferienwerkstatt im Landestheater, wo die Kinder selbst zu Schauspielern werden, an die spannenden Rätselrallyes im Landesmuseum oder an den Jugendklub/300 im Festspielhaus, im Zuge dessen Jugendliche an diversen Workshops teilnehmen. Es geht um Aktivität, Spaß, Partizipation! Damit schafft man Erlebnisse, die hängen bleiben und positive Bindung aufbauen. Nachhaltig! Johannes Reichl

spielorte per post!

Gerne senden wir Ihnen spielorte auch gratis per Post zu. Schicken Sie Ihre Kontaktdaten bitte per Mail an office@spielorte.at oder geben Sie diese telefonisch durch unter Tel. 02742/90 80 80-222.

Impressum: Medienin­haber und Heraus­geber: Förder­verein Kulturbezirk St. Pölten. c/o NÖ Kulturszene Betriebs GmbH. Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten. Redaktionsleitung: Johannes Reichl. Redaktion: Thomas Fröhlich, Althea Müller, Marion Pfeffer, Andreas Reichebner. Gast­autoren: Michaela Knapp, Karthika Naïr, Ronald Pohl, Helmut ­Schödel, Mella Waldstein. Foto­redaktion: Hermann Rauschmayr. Design & Layout: Living Office* St. Pölten. ­Bildnachweis: Cover, S. 3: Lukas Beck; S. 4–5: Lukas Beck, Peter Mayr; S. 6–7: Richard Haughton (2); S. 8: zVg; S. 9: Gabi Hauser, zVg; S. 10–11: Lukas Beck (2), Nadine Elfenbein; S. 14: Hermann Rauschmayr (2); S. 15: zVg, Gerald Lechner (2), Rita Newman, zVg; S. 16: Berenice Hebenstreit, Andrea Salzmann; S. 17: zVg; S. 18: Lesley Leslie-Spinks; S. 19: Leo Ballani, Manuel Lemos; S. 20: Hermann Rauschmayr (2); S. 21: Höllerschmid, Lukas Beck; S. 22: Manfred Halwax, Ellen Schmauss, Inge Prader, Karin Steinbrugger, Laurent Ziegler, Marco Borggreve; S. 23: zVg. Hersteller: Niederöster­reichisches Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. ­Gedruckt auf: Amber Graphic. Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten. ­Verlagspostamt: 3100 St. Pölten. ­Kontakt: redaktion@spielorte.at, www.spielorte.at

FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

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Zwischen Moral und Etikette

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Virtuelle Auflösung Le Sacre du Printemps

Desh – „Viele Länder“ Moizi & Schwab Kleine, mächtige Baustellen

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Gekommen um zu bleiben

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Spielplan Februar & März 2012

Hauptmann Eiskalt

Hinterbühne

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Ein Tag mit Erika Köchl

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Uhlich & Muthspiel – In Residence

Theaterluft schnuppern; Shortcuts

Garderobe

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Andrea Händler – Nicht ganz dicht Große Expression – Kleine Gesten Lebensmittel Tanz; Künstlerfragebogen – Maura Morales

galerie

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Die Geologie – „Kochshow“ Da waren es schon 11 – Kulturverein; Wahrhaftigkeit der Worte

parkett

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Shortcuts Besucherstimmen, Pressestimmen, Gewinnspiele, Fiedlers Lokaltipp

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zwischen

Moral und Etikette

Mein Hund Tommy ist ganz anders. Er versucht mit jeder Hündin anzubandeln, die „bis drei“ die Hundewiese nicht verlassen hat. Er folgt einer konträren Bestimmung. Sind Schwäne besser als Hunde? Es würde niemandem ein­ fallen, das Verhalten unserer Mitgeschöpfe moralisch zu beurteilen. Denn Moral ist keine Kategorie der Evolution. Aber warum schreibe ich hier von Schwänen und Hunden, wo doch über Georges Feydeau gehandelt werden sollte, einen französischen Unterhaltungsdramatiker des aus­ gehenden 19. Jahrhunderts. Der auch in „Einer ist der ­Dumme“ Seitensprünge und Ehebruchsituationen vorführt, Länge mal Breite, im Hintergrund die Salons der gehobenen Pariser Gesellschaft samt Bildung und Etikette. Diese Stücke werden gerne schnell und in schrillem Ton gespielt, um alles als Farce darzustellen. Sie werden traditionell rein gesellschaftlich betrachtet, als Konflikte mit dem vorgegebenen Kodex der Moral. Aber wenn diesen feinen Damen und Herren die Natur kommt, geht es um die conditio humana. Lächerliche Opfer ihrer Triebe brechen ängstlich ihre Plüschübereinkünfte und handeln nach dem Umstand unserer evolutionären Verfassung, mehr Tommy als Schwan. Sie folgen ihrer Triebstruktur, einem schier unlösbaren Widerspruch zu den sittlichen Vorstellungen. Letztlich entscheiden sie sich für die Natur. Und verpacken ihre Begierden in ein Doppelleben. Diese verkrampften Bemühungen fallen heute besonders komisch auf, irgendwo zwischen Seitensprunghotels, Swingerclubs und den üblichen Etablissements für alles, inklusive devianter Begierden. Sex quick oder schon ausführlicher als One-night-stand. Aus dem Internet schwappen die Angebote nur so heraus, und es schwant einem, dass die offenbar nicht ganz artgerechten Ansprüche ­moralischen Handelns an den Menschen im Bereich der Begierden nach hinten losgehen. In der Pillen- und Cybersexzeit. Das Komische bei Feydeau ist, wie viel Verhüllungslogistik damals noch nötig war, wie viele Tricks, in denen sich

Im Flusstal nahe meinem ­Elternhaus lebte in fried­ licher Zweisamkeit ein Schwanenpaar. Bis jugend­ liche Rowdies just for fun die Schwänin schlugen und so sehr verletzten, dass sie starb. Der einsame Schwanen­ mann rührte die Dorfbevöl­ kerung, und man versuchte, ihm eine neue Partnerin bei­ zustellen. Was aber nicht ­besonders ankam, weil die Evolution Schwäne monogam geschaffen hat. Von Helmut Schödel

selbst ihre Erfinder verstricken. Feydeau verarbeitet seine eigenen Erfahrungen und Betrachtungen im Pariser „Boule­ vardviertel“. Zur Zeit der Jahrhundertwende gab es dort zahlreiche Theater, Cafés, Restaurants und Zeitungsredaktionen. Dort trafen sich Adelige, Bankiers, reiche Bürger, Schauspieler, Journalisten, Literaten und Kokotten, um sich zu amüsieren. Feydeau selbst war Stammgast im ­„Maxim“.

Typen Statt Charaktere

Der Mann ist bei Feydeau gefühllos, berechnend, egoistisch und verlogen. Er lebt für sein Vergnügen. Die Frau dagegen sollte Anstand und Moral beweisen und zuhause wirken. Das Bürgerleben der belle epoque verläuft offiziell in geordneten Bahnen. Ehen werden nach klaren Voraussetzungen geschlossen: Reichtum, gesellschaftlicher Einfluss, gutes Aussehen. Rücksicht, Respekt und Verständnis sind selten und Scheidungen häufig.

Zum Autor: Helmut Schödel ist als Feuilletonist tätig, schreibt für die Süddeutsche Zeitung und die Wochenzeitung „Der Freitag“ und ist Autor mehrerer Bücher. Er lebt in München und Wien.

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„Ein Gramm Verwicklung, ein Gramm Pikanterie, ein Gramm Beobachtung.“ Georges Feydeau über die „Zutaten“ seiner Komödien

Im Grunde handelt es sich bei diesen Stücken um temporeiche Boulevardkomödien mit Typen statt Charakteren und einer von den Liebesverwicklungen ausgelösten Situationskomik. Zwischen 1886 und 1908 war Feydeau der mit Abstand populärste Boulevardautor, der sein Geld an der Börse verspekulierte und nach einer gescheiterten Ehe und jahrelangem Leben im Hotel 1921 starb. Auch in „Einer ist der Dumme“ gibt es diese von ihren Trieben gehetzten Männer, die gleichzeitig die Konvention aufrecht erhalten wollen und einer Frau, die es ihnen heimzahlt. Das verspricht ein herrliches Theatervergnügen, das einen vielleicht auch ein bisschen melancholisch stimmt, denn man hatte damals offensichtlich die bürgerlichen Werte noch nicht restlos ad acta gelegt, sonst hätte man sich ja nicht so kompliziert verstellen müssen. Man bewertete das eigene Handeln noch als Verstoß. Da sind wir heute ein ganzes Stück weiter. Ach, mein lieber Schwan!

Landestheater Nieder­österreich, 03.03.2012, Premiere Georges Feydeau: „Einer ist der Dumme“. Mit Philipp Brammer, Rainer Doppler, Katharina von Harsdorf, Christine Jirku, Karin Yoko Jochum, Chris Pichler, Caroline Richards, Ulrike Sophie Rindermann, Valentin Schreyer, Jürgen ­Weisert, Helmut ­Wiesinger, Stefan Wilde u. a. Regie: Isabella Suppanz. Bühne und Kostüme: Daniela Juckel.

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desh

„Viele länder“ Das Wort „Desh“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Land, ebenso Aber Auch Nation, Terri­ torium, Heimat. Am 18. Februar präsentiert Akram Khan im Zuge von „Sadler’s Wells presents“ seine Interpretation davon – und löst damit ein Versprechen ein. Von Karthika Naïr

Festspielhaus, 18.02.2012 „Sadler’s Wells presents Akram Khan: Desh“ Regie, Choreografie und Tanz: Akram Khan. Visual Design: Tim Yip. Musik: Jocelyn Pook. Licht­ design: Michael Hulls. Geschichten/ Idee: Karthika Nair und Akram Khan. Geschichten/Texterstellung: Karthika Nair, PolarBear und Akram Khan. Animation: Yeast Culture. Lange Nacht des Tanzes: Im Anschluss an die Veranstaltung präsentiert Sadler’s Wells zudem die „Company of Elders“ in der Box! Außerdem finden am 17./18. Februar Workshops statt. Informationen: kulturvermittlung@festspielhaus.at

Denn der Choreograf gab vor Jahren, damals noch ganz am Anfang seiner Karriere stehend, seiner Mutter das Versprechen, eimal ein Stück über sein Geburtsland Bangladesch zu machen. Anwara Khan war schon früh das außergewöhnliche Bewegungstalent ihres Sohnes aufgefallen, insbesondere auch sein Gefühl für Kathak, einen der klassischen Tänze Nordindiens. Mit Stolz verfolgte sie daher, wie sich in Folge Akrams Talent unter der Führung berühmter Persönlichkeiten wie des Sitar Vertreters Pandit Ravi Shankar, des ­Kathak Meisters Pratap Pawar oder des Theaterregisseurs Peter Brooks zusehends entfaltete und ihren Sohn zu einem der gefragtesten Protagonisten der interna­ tionalen zeitgenössischen Tanzszene heranreifen ließ. Heute erntet Khan dank seiner einzigartigen, atemberaubenden tänzerischen Ausdrucksweise stehende Ovationen und Lobeshymnen in so fernen Städten wie Sidney, Ottawa, Taipeh oder São Paulo. Ungeachtet all dieser Meriten gab Khans Mutter dennoch nie die Hoffnung auf, dass ihr Sohn sein gegebenes Versprechen dereinst einlösen und die Geschichten ihres Landes und ihres Volkes erzählen würde, und dies allein mittels der Wucht und Ausdruckskraft seines Körpers, seiner unvergleichlichen Gabe, Geschichten zu erzählen, sowie der Magie der visuellen und musikalischen Umrahmung seiner Performances. Dabei war es gar nicht so, dass Akram Khan bewusst von seinem Versprechen Abstand genommen hätte – allein, das Leben kam dazwischen: Er arbeitete mit Sidi Larbi Cherkaoui („Zero Degrees“), Sylvie Guillem („Sacred Monsters“) und Juliette Binoche („In-I“) ebenso zusammen wie mit diversen Ensembles („Kaash“, „Ma“, „Bahok“), zudem befasste sich Khan dazwischen immer wieder mit Kathak („Polaroid Feet“, „Third Catalogue“). Jahre vergingen ... ... bis es der Zufall wollte, dass Khan den von ihm verehrten Visual Artist Tim Yip, seines Zeichens für den Film „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ oscarprämiert, kennenlernte und zur Zusammenarbeit einlud. Yip war sofort Feuer und ­Flamme, und er hatte auch ein Thema für die Kooperation parat: Khans Wurzeln bzw. jene seiner Eltern, Bangladesch! Damit war die Zeit reif, das gegebene Versprechen einzulösen!

Zwischen den Welten

Mit „Desh“, im Übrigen Khans erstes abendfüllendes zeitgenössisches Solostück, legt der Künstler allerdings keine Reisebeschreibung à la National Geographic vor, sondern entführt den Besucher, der quasi zum Begleiter wird, auf eine Reise in viele Länder, viele „Bangladesch“ – reale, erinnerte oder auch nur imaginäre. Er konfrontiert die Zuschauer mit einer Reihe von Charakteren – allesamt von ihm verkörpert – deren Geschichten zum einen neu und exotisch erscheinen, deren Gefühle, Freuden, Wünsche und Leiden andererseits aber auch sehr vertraut wirken, weil sie sehr nah an unseren eigenen liegen.

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Akram Khan besucht etwa das erinnerte Land eines emigrierten Vaters, der ein Leben lang unter dem Zwiespalt leidet, sich einerseits durch harte Arbeit an ein fremdes Land anzupassen und eine Zukunft für seine Kinder aufzubauen, sich andererseits aber zugleich nach dem „himmelhohen Gras“ seiner alten Heimat verzehrt. Er verharrt einen Moment lang in der frechen, spröden Stadt rebellischer Teenagerträume, wo sich der Sohn des immigrierten Vaters von dessen Plänen und Hoffnungen abwendet, um seine eigene Vision von Zukunft zu entwickeln. Ebenso lehnt er des Vaters Vorstellung von Heimat ab, um sich eine eigene, wenn vielleicht auch verwirrte Identität „seines“ Großbritanniens zu konstruieren. Khan beschwört das verlorene, idealisierte Land der Kindheitsvorstellungen herauf. Er reicht dem Zuschauer dabei sanft die Hand und lässt ihn nicht eher los, bis er selbst den Weg zu diesem geliebten, beinahe vergessenen Ort gefunden hat. Dorthin, wo alles möglich scheint, wo zauberhafte Bienen den Himmel in der Nacht erglühen ­lassen, und Teufelstiger sowie Erdgöttinen gemeinsam gegen die menschliche Habgier kämpfen, um den Wald, das Land zu retten. Khan entdeckt damit die junge Nation, Bangladesch, von Neuem, zeichnet nach, wie sie zwischen Hoffnung und Verzweiflung kämpft. Er selbst changiert zwischen grimmigem Stolz auf ihre Unverwüstlichkeit einerseits, sowie Verzweiflung über ihre Zerbrechlichkeit und Verwirrung über ihre Komplexität andererseits. Und er zeichnet die fundamentalen Kämpfe ihres Volkes nach: jenen gegen die übermächtig erscheinenden Kräfte der Natur, vor denen es sich zu schützen gilt, ebenso wie jenen um die junge Demokratie sowie jene Ideale, die einst die Grundlage für die Unabhängigkeit des Staates bildeten.

Zur Autorin: Karthika Naïr ist Autorin der Gedichtesammlung „Bearings”, die in Indien, USA, Großbritannien etc. erschienen ist. Sie ist Mitautorin des Skripts zu Akram Khans „Desh“.

Schließlich begreifen wir, wie der Tanzkritiker Sanjoy Roy aufgezeigt hat, dass Khans wahre Heimat in seinem Tanz liegt, in seiner Suche nach perfekter Bewegung und totaler Stille, die seiner Arbeit zugrundeliegt; und dass Körper sich selbst gehören und keiner ­Fahne oder Sprache bedürfen – sie sind frei.

„Wissen bedeutet rein gar nichts ... Vorstellungskraft hingegen ist alles!“ Akram Khan

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moizi & schwab

kleine, mächtige Baustellen

Die Macht ist wie Heidi Klum. Jeder träumt von ihr, aber wer sie hat, weiSS kaum mit ihr etwas anzufangen. Peter Moizi und Christian Schwab sind in ihrem neuen Programm „über­ Mächtig“ auf der Suche nach dem Mythos Macht. Von Marion Pfeffer

„Ein Kabarett-Programm zu schreiben, ist ein bisschen, wie sich zu verlieben. Alle Gedanken sind auf das ­Objekt der Begierde fokussiert. Man steigt immer ­tiefer ein und irgendwann heiratet man und kriegt ein Baby!“, beschreibt Christian Schwab die Geburt seines neuen Programmes „überMächtig“, mit dem er gemeinsam mit Comedy-Hirten-Kollege Peter Moizi auf der Bühne steht. Der eine schreibt seit 17 Jahren für die Kronen Zeitung, der andere unterhält seit acht Jahren beim Ö3 Wecker die Frühstücksnation. Da lag das ­Thema Macht nahe, bescheinigt man doch den beiden Medien die vierte Macht im Staat zu sein: „Natürlich ist das ein Thema, mit dem man regelmäßig konfrontiert wird. Mich faszinieren allerdings viel mehr die kleinen Baustellen im Leben, mit denen jeder zu ­kämpfen hat und die Macht über uns ausüben“, so Schwab. Das Leben sei sowieso mehr wie ein Jennifer Aniston Film – es könnte mehr Sex geben, und ab der Hälfte weiß man schon, wie es ausgeht. Auch wenn Moizi und Schwab ohne ihre Hirten-­ Kollegen unterwegs sind, darf trotzdem ihr Marken­ zeichen nicht fehlen – die Stimmen. Auch in „überMächtig“ werden natürlich Grasser, Faymann, ­Schneckerl Prohaska & Co. zu Wort kommen. Kritik hat Schwab von seinen Stimmvorbildern noch nie erhalten. „Ich spreche Grasser und Faymann, da lege ich auch nicht so großen Wert auf deren Kritik“, schmunzelt er, „mir ist auch noch nichts zu Ohren gekommen, dass einer beleidigt wäre.“ Prohaska und Moizi sind schon länger gut befreundet und „der Herbert“ habe schließlich Humor. Problematisch sei vielmehr die Grenze zwischen dem offensichtlichen Lacher und der political correctness. „Österreichisches Kabarett hat ­Seele und Herz und basiert nicht auf Meinungsforschung. Da wird auch schon mal ein Witz

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zulasten einer Gruppe gemacht. Persönlich finde ich, dass die political correctness heute schon zu weit getrieben wird. Gott sei Dank gibt es Leute wie Stermann & Grissemann, die genau das in Frage stellen und zum Denken provozieren, indem sie bewusst drauf pfeifen.“ Wobei die Menschen am lautesten über Dinge lachten, vor denen sie am meisten Angst haben. Nächste Station also Fernsehen? „Es ist schon ganz gut, wenn man nicht an allen Fronten kämpft. Die Bühne bleibt fürs Erste unser Forum. So bleibt man interessant“, gibt Schwab augenzwinkernd einen Ausblick auf 2012.

„Die Menschen lachen am lautesten über Dinge, vor denen sie am meisten Angst haben.“ Christian Schwab

Bühne im Hof, 02.02.2012: Moizi & Schwab „überMächtig“

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virtuelle auflösung

le Sacre du printemps Medienkünstler Klaus Obermaier lässt ein digitales System zum gleichwertigen interaktiven ­Partner einer Tänzerin werden und transformiert nicht nur den menschlichen Körper, sondern auch Strawinskis „Le Sacre du Printemps“ ins Jetzt. Von Andreas Reichebner Eine Tänzerin generiert mit ihren Bewegungen virtuelle Räume, transformiert dorthin Bestandteile ­ihres Körpers. Hände schwingen wellengleich und lösen sich im Raum auf. Arme vereinigen sich zu surrealen Handfüßlern und bevölkern imaginäre Plätze. Schlüsselinstrumente des Orchesters wirken unmittelbar auf diese digitale Welt ein, verändern durch ihr Spiel den Boden, auf dem sich Avatare der realen Tänzerin bewegen. Schließlich lässt der Computer in den Code blicken – zeigt seine Matrix. Willkommen in der Welt von Klaus Obermaier! Der Medienkünstler, Komponist und Regisseur ist mit „Le Sacre du Printemps“ einmal mehr am Pulsschlag digitaler Technologien, setzt sich mit der zunehmenden Virtualisierung unserer Welt auseinander. In „Le Sacre du Printemps“ treffen zwei reale Welten – Tanz und Orchester – auf­ einander, um eine virtuelle Welt in 3D (stereoskopische Festspielhaus, 15.03.2012 „Le Sacre du Printemps“ Programm: Maurice Ravel: Alborada del gracioso. Igor Strawinski: Le Sacre du Printemps. TonkünstlerOrchester Niederösterreich. Dirigent: Andrés OrozcoEstrada. Konzept, Künstlerische Leitung und Choreo­ grafie: Klaus Obermaier. Tanz: Julia Mach. Interak­ tives Design und Technische Entwicklung: Ars Electronica Futurelab

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Brillen aufgesetzt!) zu erzeugen, in der sie miteinander kommunizieren. Dabei passiert alles in Echtzeit. „Das digitale System folgt der Tänzerin, reagiert auf sie“, erklärt Obermaier. Das heißt, es gibt keine vorbereiteten Videos, es wird live kreiert, „das inter­ aktive System fungiert als Partner des Performers.“ Über dem Orchester befindet sich der virtuelle Raum. Auf der kleinen Bühne daneben bewegt sich eine Tänzerin. Auf die Massenszene im Ballett „Le Sacre“ hat Obermaier übrigens bewusst verzichtet. „Die Masse ist das Publikum!“, so der Künstler, der das Stück mit seinen Dissonanzen und Polytonali­ täten als Strawinskis bestes bezeichnet. „Komposi­ tionstechnisch hat es die Formen damaliger Musik gesprengt und gibt Beispiel für den Zerfall und den Umbruch der Gesellschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts.“ Während in Strawinskis Original ein Mädchen, um den todbringenden Winter zu beenden, geopfert wird, transferiert Obermaier die Geschichte ins ­Heute. Ihn interessiert die Authentizität der Wahrnehmung. „Man sieht auf der Bühne eine reale Person und gleichzeitig kann man ihre digitale Dekonstruktion mitverfolgen.“ Immer mehr integriert sich die Tänzerin in die virtuelle Situation, bis sie sich ganz im Pixelspace auflöst. Obermaier beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit technischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Menschen. „Als Künstler hinterfragt man diese, aber es macht mir Spaß, mit ­neuen Technologien zu spielen.“

„In meinen Arbeiten gibt es keine Hierarchie der Systeme. Ob Raum, Musik, digitales System, Scheinwerfer oder Tänzerin, alles ist gleich wichtig.“ Klaus Obermaier

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gekommen

um zu bleiben

Zum Autor: Ronald Pohl, geb. 1965, Kulturredakteur des „Standard“ und Autor. Letzte Einzelver­ öffentlichung: „Die Spindelstürmer“. Drei Kurzromane. Droschl: Graz 2010.

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Der dreißigjährige Stückeschreiber Nis-Momme Stockmann hat als praktizierender Menschenfreund sofort auf sich aufmerksam gemacht. In „Der Mann der die Welt aß“ (ohne Beistrich) fällt ein namen­ loser Fünfunddreißigjähriger aus seiner „teuer eingerichteten“ Wohnküchenwelt heraus. Wie Zwiebelhäute bricht er die sozialen Schalen von seiner gehobenen Durchschnittsexistenz herunter: Er verlässt seine Frau und die Kinder. Er lädt sich seinen pflegebedürftigen Vater auf, nur um unter der Last von dessen fortschreitender Demenz zusammenzubrechen. Er kündigt seinen Job auf, weil ihn das Gespenst der Freiheit heimsucht. Dieser „Sohn“, dem nicht umsonst der eigene Name vorenthalten bleibt, wird nicht etwa von der Welt im Stich gelassen – er jagt durch Stockmanns Stück wie ein freigesetztes Partikel, das sich an den Wänden unserer Wohlstandsgesellschaft wund stößt. Stockmann, geboren 1981 in Wyk auf Föhr, ein gelernter Koch und Tibetforscher, hat in Berlin „szenisches Schreiben“ studiert. Heute handeln ihn die deutschen Stadttheater wie eine besonders gut verzinsliche Aktie: Stockmann-Stücke, diese eigensinnigen Verlustanzeigen aus den Niederungen des Alltagslebens, sind Produkte eines Genauigkeitskalküls. Oder, wie Stockmann sagt: „Ich verstehe meinen Beruf als einen in erster Linie technischen, in zweiter künstlerischen.“ Bedeutungsvoller Zusatz. „Es ist ja ein postmodernes Missverständnis, diese beiden Begriffe so massiv auseinanderzudividieren.“ Dramatiker wie Stockmann, dessen zweites Stück „Das blaue blaue Meer“ (wieder ohne Beistrich) von

Mit Dem Stück „Der Mann der die Welt aSS“ präsen­ tiert das Landestheater Niederösterreich einen Dramatiker der Stunde: Nis-Momme Stockmann enthüllt den Unterboden einer morschen Gesell­ schaft, ohne anzuklagen oder klüger sein zu ­wollen als seine Figuren. Das Porträt eines Aus­ nahmetalents. Von Ronald Pohl Wohnsiedlungsprostituierten und Beinprothesenträgern handelte, fachen in den Gefrierzonen des menschlichen Zusammenlebens kleine, herzerwärmende Feuer an. Dabei nimmt dieser Autor die Schadensberichte aus der postindustriellen Einöde unserer Städte auch nicht zu schwer: Man kann schallend lachen mit Stockmann, den Kopf schütteln über die verzweifelten Hamsterradtouren seiner Figuren. Kaputtmachen lassen will sich Stockmann vom gefräßigen Stückemarkt nicht. Er pocht auf die Integrität des Theaters ohne die betriebszynische Allüre vieler seiner Kollegen. Er sagt: „Wenn das Theater es schafft, sich nicht in den gigantischen medialen Mainstream einzuordnen, sondern sich selbst als Maßstab nimmt für ein neues Selbst – dann ist es ein lupenreines Zukunftsmedium.“ Aus seinem Mund klingt ein solcher Satz keinen Augenblick lang prätentiös. Denn Stockmann weiß auch Folgendes anzumerken: „Theaterliteratur wird zum Einweghandschuh. Die Genuität der Dramatik geht

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Landestheater Niederösterreich, 10.03.2012, ­Premiere. Nis-Momme Stockmann: „Der Mann der die Welt aß“. Mit Klaus Haberl, Oliver Rosskopf, Othmar Schratt, Hendrik Winkler, Katharina von Harsdorf, Elisabeth Luger. Regie: Antje Hochholdinger. Bühne und Kostüme: Dorothea Wimmer.

im Versuch, die Funktionsweisen der kanonischen Medien zu kopieren, unter. Eine Reformation steht noch aus.“ Nis-Momme Stockmann selbst schlägt die Dramatik „der Beschreibung, nicht der Behauptung“ zu: ­„Theater hat keine Input-Output-Dialektik, sondern funktioniert eher wie eine Meditation. Wir richten den Blick nach innen.“ Es scheint dennoch schwierig zu bestimmen, woraus die Stockmann-Figuren ihre mysteriösen Energiereserven schöpfen. „Meinen Stücken liegt kein Anspruch auf empirische Richtigkeit zugrunde“, sagt Stockmann. Aber fällt die Verfügung über die Empirie nicht sowieso längst in die Portfolios jener Dienstleistungsanbieter, die mit Leichter-Leben-Angeboten in den Shoppingmalls unseres Misstrauens hausieren gehen? Mit Nis-Momme Stockmanns Theaterstücken lässt sich kein Staat machen, mit ihnen kann man auch keine Gesellschaftsordnung umstülpen. Aber man kann in ihnen die „Wirkungszusammenhänge“ ­einer unbemerkt kollabierenden Ordnung erkennen: Leerläufe, den Genuss toter Zeit, die Einforderung von Solidarität in bindungslosen Gesellschaftsformationen. Stockmann wird bleiben. Seine Zeit hat vielleicht gerade erst begonnen.

hauptmann eiskalt

Von Althea Müller

„Gewisse Ehen halten nur in der Weise zu­ sammen wie ineinander verbissene Tiere.“

Gerhart Hauptmann schrieb sein Drama „Einsame Menschen“ zwar schon 1891, seitdem hat die bewegende Dreiecksbeziehung zwischen Hausfrau und Mutter Käthe, ihrem nicht nur von seiner neuen Vaterrolle überforderten Ehemann Johannes Vockerat sowie der intellektuellen Studentin Anna aber an Aktualität nicht verloren: Wo wollen wir hin, wo wollen uns die anderen? Welche Rolle passt zu uns, welches Schicksal aber ist uns zugedacht? Gerhart Hauptmann Und – wie viel sind wir bereit, um der Liebe und Familie sowie des gesellschaftlichen Anspruchs willen zu ertragen? „‚Einsame Menschen‘ ist für mich ein äußerst rätselhaftes Stück über junge Menschen auf der Suche nach sich selbst, über familiäre und ideologische Zwänge sowie über die Ängste, die sowohl Bindungen als auch Trennungen verur­ sachen“, umreißt Regisseur Janusz Kica seinen Zugang, und führt weiter aus. „Im Zentrum des Geschehens steht ein Quartett von Einzelgängern, die ihre Lebensentwürfe an den anderen prüfen und, ohne sich darüber im Klaren zu sein, im Stande sind, deren Leben zu zerstören.“ Landestheater Nieder­österreich, bis 25.02.2012. Gerhart Hauptmann: „Ein­same Menschen“. Mit Brigitta Furgler, Klaus Haberl, Antje Hochholdinger, Christine Jirku, Pauline Knof, Christian Nickel, Ulrike Sophie Rindermann, Oliver Rosskopf, Helmut ­Wiesinger. Regie: Janusz Kica. Bühne: Karin Fritz. Kostüme: Aleksandra Kica.

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spielplan der st. pöltner bühnen Februar & März 2012 februar 2012

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02

Stradivahid auf der Flucht 18:00 vor den Falschspielern Festspielhaus, Bühne Musik/Klassik/Erzählung

16

02

Sadler’s Wells presents: 11:00 Company of Elders (Matinee Klub/60) Festspielhaus, Box Tanz

Einsame Menschen

19:30 Gerhart Hauptmann Landestheater, Großes Haus

02

Peter Moizi & Christian Schwab 20:00 Bühne im Hof

Kabarett

03

Ronja Räubertochter

16:00 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus

03

gernot kulis 20:00 Bühne im Hof Comedy

04

Detektivgeschichten vom Franz

16:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

07

Ferienwerkstatt 07.–10.02. Landestheater Vormittags für Kinder ab 6 Jahren

Nachmittags für Kinder ab 9 Jahren

15

Grenade: Les 20 Ans 18:00 Festspielhaus, Großer Saal Tanz Österreich-Premiere

Wiener Comedian Harmonists 20:00 Bühne im Hof A Cappella

16

Einsame Menschen,

10:30 Gerhart Hauptmann

Landestheater, Großes Haus

23

Bernhard Ludwig 20:00 Bühne im Hof Seminarkabarett

24

Volkskultur Österreich 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Volksmusik

17

17

Pluhar liest Aichinger

19:30 Landestheater, Großes Haus

Weinzettl & Rudle 20:00 Bühne im Hof Kabarett

24

Bernhard Ludwig 20:00 Bühne im Hof Seminarkabarett

Einsame Menschen, Gerhart Hauptmann 19:30 Landestheater, Großes Haus

25

17

Landestheater, Großes Haus

Weinzettl & Rudle 20:00 Bühne im Hof Kabarett

Einsame Menschen

16:00 Gerhart Hauptmann

25

Tamburi Mundi: 19:30 Dialogue of Rhythms 18 Einsame Menschen, Gerhart Hauptmann Festspielhaus, Großer Saal 19:30 Landestheater, Großes Haus Musik/Welt Danach Gespräch mit dem Ensemble 25 Orientnacht 18 Sadler’s Wells presents 21:30 Festspielhaus, Café Publik 19:30 Akram Khan: Desh Jam Special Festspielhaus, Großer Saal Tanz Österreich-Premiere

18

Sadler’s Wells presents: 21:30 Company of Elders Festspielhaus, Box Tanz Anschließend DJ-Act im Café Publik

20

Lyrischer Zauber 19:30 Festspielhaus, Großer Saal 15 Einsame Menschen, Gerhart Hauptmann Musik/Klassik 19:30 Landestheater, Großes Haus

15

23

Doris Uhlich: mehr als genug 19:30 Festspielhaus, Box Tanz/Performance

21

Pasadena Roof Orchestra (GB) 20:00 (London since 1969) Bühne im Hof Konzert

22

Ronja Räubertochter

10:30 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus

23

für und mit ernst 19:30 Festspielhaus, Box Musik/Literatur Anschl. Künstlergespräch im Café Publik

märz 2012 01

Andrea Händler 20:00 Bühne im Hof Kabarett

02

Heilbutt & Rosen 20:00 Bühne im Hof Kabarett/Musik

03

Einer ist der Dumme, Georges Feydeau 19:30 Landestheater, Großes Haus Premiere

05

Russische Impressionen 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

08

Der Zauberer von Oz 09:00 nach Lyman Frank Baum Landestheater, Großes Haus Gastspiel Theater mit Horizont

Einführungsgespräch vor der Vorstellung Familienvorstellung Vormittagsvorstellung/Schulvorstellung – etwaige weitere Vormittagstermine erfahren Sie direkt in den Häusern. FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

12 bühne

Festspielhaus St. Pölten

Landestheater Niederösterreich

Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 90 80 80-222 E-Mail: karten@festspielhaus.at, www.festspielhaus.at Kartenbüro: Bühne im Hof und Festspielhaus, Linzer Straße 18, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 211 30

Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten Theaterkassa Ecke Roßmarkt/Heitzlergasse, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 60-600 E-Mail: karten@landestheater.net, www.landestheater.net

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Einer ist der Dumme, Georges Feydeau 19:30 Landestheater, Großes Haus

08

„Heiteres Bezirksgericht“ 20:00 Bühne im Hof Kabarett/Theater

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Der Zauberer von Oz 16:00 nach Lyman Frank Baum Landestheater, Großes Haus

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georg ringsgwandl 20:00 Bühne im Hof Musikkabarett

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Der Zauberer von Oz 16:00 nach Lyman Frank Baum Landestheater, Großes Haus

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Der mann der die Welt ass 19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt Österreichische Erstaufführung, Premiere

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Wiener Philharmoniker 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

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Der mann der die Welt ass

19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt Danach Gespräch mit dem Ensemble

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Einer ist der Dumme 19:30 Georges Feydeau Landestheater, Großes Haus

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maschek. 20:00 Bühne im Hof Comedy/Parodie

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Einer ist der Dumme, Georges Feydeau 19:30 Landestheater, Großes Haus Danach Gespräch mit dem Ensemble

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Le Sacre du Printemps 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik/3D-Animation Anschl. KünstlerInnengespräch im Café Publik

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Der Zauberer von Oz 16:00 nach Lyman Frank Baum Landestheater, Großes Haus

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Der mann der die Welt ass 19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt

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Wolfgang „Fifi“ Pissecker 20:00 Bühne im Hof Kabarett/Comedy

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Chris Lohner 16:00 Bühne im Hof Heitere szenische Lesung

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Der Zauberer von Oz 16:00 nach Lyman Frank Baum Landestheater, Großes Haus

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Der mann der die Welt ass 19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt

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Maura Morales: Ella 19:30 Festspielhaus, Box Tanz/Live-Musik

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Freiburger Barockorchester: 19:30 Die blaue Blume Festspielhaus, Großer Saal Musik/Originalklang

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Es gibt so Tage … 18:00 Festspielhaus, Box Tanz/Literatur

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Beethoven! 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

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Der mann der die Welt ass 19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt

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Sobieski Consort 20:00 Bühne im Hof Musik/Tanz

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Österreich-Premiere

Der mann der die Welt ass 19:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt

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Alfred dorfer 20:00 Bühne im Hof Kabarett

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Der mann der die Welt ass

Herbert Steinböck 20:00 & Thomas M. Strobl Bühne im Hof Kabarett

10:30 Nis-Momme Stockmann Landestheater, Theaterwerkstatt

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30

Willi Resetarits & Sabina Hank 20:00 Bühne im Hof Konzert

Einer ist der Dumme, Georges Feydeau 19:30 Landestheater, Großes Haus Cristina Branco: Fado Tango 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Fado/Tango

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Krapp’s Last Tape 30 Tango X Party 19:30 Samuel Beckett 21:00 Festspielhaus, Café Publik Landestheater, Großes Haus DJ Line/Tango Regie/Mit: Robert Wilson Österreich-Premiere. Gastspiel einer Koproduktion 31 Einer ist der Dumme, Georges Feydeau 19:30 Landestheater, Großes Haus von Change Performing Arts/Milan, Grand Théâtre de Luxembourg, Spoleto52 Festival dei 2 Mondi und CRT Artificio, Milano

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Chris Kaye 20:00 Bühne im Hof

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Tango X 19:30 Festspielhaus, Box Tanz

Konzert

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Krapp’s Last Tape 19:30 Samuel Beckett Landestheater, Großes Haus

jetzt ausgestellt 18.03.2012 – 17.03. 2013 | Landesmuseum Niederösterreich

Die Bühne im Hof

Landesmuseum Niederösterreich

Julius-Raab-Promenade 37, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 35 22 91 Kartenbüro: Tel. +43 (0)2742 / 211 30 E-Mail: karten@bih.at, www.bih.at

Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 90-999 E-Mail: info@landesmuseum.net www.landesmuseum.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

„Kiesel & Klunker – Vielfalt aus Nieder­ österreichs Boden“. Nach dem Erfolg der Ausstellung „Kraut & Rüben“ (noch bis 12.02.2012) bleibt das Landesmuseum auch nächstes Jahr am Boden. Die neue Ausstellung zeigt nicht nur die Formenfülle unserer Bodenschätze, sondern bietet in anschaulicher Form Antworten auf die Fragen: Was ist ein Mineral, ein Gestein, ein Fossil?

bühne 13

spielplan-doppelseite zum herausnehmen!

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ein tag mit

Erika Köchl Man spürt die Nervosität, zugleich die überschwappende Energie in der Box des Festspielhauses, Wenn die Teilnehmer des Jugendklub/300 sich zum „Showdown“, zur Präsentation ihrer Workshop-Ergebnisse, zusammenfinden. Von Johannes Reichl

Noch ist es ein vermeintliches Durcheinander, Stimmengewirr, letzte Stellproben – und doch ist eine ordnende Hand im Hintergrund spürbar, die schließlich in der Rolle der Moderatorin auch in Erscheinung tritt: Erika Köchl, ihres Zeichens Kulturvermittlerin im Festspielhaus und – gemeinsam mit Ulla Steyrleuthner – die gute Seele des Jugendklub/300 sowie ­diverser Kulturvermittlungsangebote. Mit fast mütterlicher Liebe kündigt sie die einzelnen Protagonisten an und lobt sie im Anschluss euphorisch. Man merkt: Sie ist stolz auf „ihre“ Kinder. Und das ist keine Attitüde, sondern Charakter! Und so formuliert Köchl im Anschluss, als wir uns in einer Garderobe zusammensetzen, ihren Zugang zur Kulturvermittlung wenig überraschend umfassender. „Ich verfolge dabei immer auch einen sozialen Ansatz!“ Beim Jugendklub/300 geht es ihr v. a. um eine „Durchmischung“ der verschiedenen Schichten und Lebenswelten. Deshalb war sie nicht nur im für seine Kunstaffinität bekannten BORG auf „Promotour“, sondern ­ebenso z. B. im Polytechnikum. Und sie sucht sich Verbündete in diversen Einrichtungen, wie z. B. im Jugendzentrum Steppenwolf „wo viele Jugendliche Migrationshintergrund haben.“ Das Ergebnis lässt sich sehen, macht Hoffnung für die Gesellschaft an sich – die Jugendlichen haben sich prächtig verstanden und gemeinsam, unter der Obhut der Workshopleiter, etwas Beeindruckendes auf die Beine gestellt. „Aber wenn Jugendliche miteinander arbeiten, ist nichts anderes zu erwarten“, bricht die ausgebildete Pädagogin für den Nachwuchs eine ­Lanze. Ihre Aufgabe sieht sie letztlich darin, Menschen unterschiedlichen Alters zusammenzubringen, ihnen Möglichkeiten zur Artikulation zu schaffen. „Darum geht es bei Kulturvermittlung, dass Leute aktiv etwas tun!“ Dass sie dabei, wie im Fall des Jugendklub/300, fast 200 Jugendliche wie ein Dompteur koordinieren musste (von den administrativen Arbeiten im Vorfeld ganz abgesehen), steckt sie dank des sichtbaren Ergebnisses mit einem Lächeln weg. „Ich freu mich einfach, dass die Jugendlichen etwas Schönes zusammengebracht haben. Das ist beglückend!“ Ebenso sehen es die Teilnehmer, die Köchl und Steyrleuthner zum Abschluss der Veranstaltung mit tosendem Applaus bedachten. Wie meinte ein neugebackener DJ: „Das ist ein Superteam. Ich komme nächstes Jahr sicher wieder!“ Ein größeres Kompliment kann man als Kulturvermittlerin wohl nicht bekommen!

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Erika Köchl, ausgebildete Pädagogin und Mutter von vier Kindern, ist seit Mai 2011 Kulturvermittlerin im Festspielhaus St. Pölten. Davor wirkte sie als Pädagogin sowie als Kultur­ vermittlerin und -managerin in Indien, USA und Wien, zuletzt mit Hauptfokus auf EU-Projekten. Stets war Köchl auch selbst aktiv kreativ, z. B. als Straßenmusikerin, Musik­ lehrerin, Modedesignerin oder ­bildende Künstlerin. Information (auch zum aktuellen partizipatorischen Großprojekt im Festspielhaus, wofür noch Teilnehmer jeden Alters gesucht werden): erika.koechl@festspielhaus.at

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theaterluft

schnuppern

Endlich Einmal Zeit zum Aus­ toben, ohne Beschränkungen und ohne Schulnoten: Auf zur Ferien­ werkstatt für Kinder im Landes­ theater! Von Marion Pfeffer Die Ferienwerkstatt in den Schulferien ist mittlerweile zum Liebling der jüngsten Theaterfans avanciert. Unter der Leitung der Theaterpädagogin Ina Theißen erfinden die Kinder in den Semesterferien auf der Bühne Familienszenen. Gemeinsam erforschen sie, warum Blutsbrüder und Schwestern im Geiste genauso wichtig sind wie die richtige Familie. Wie entstehen Banden und Freundschaftsbünde, und welche Szenen funktionieren besonders gut in der Gruppe? „In diesem Workshop geht es nicht um richtig oder falsch, sondern darum, sich auf der Bühne kreativ auszuleben“, so Kulturvermittlerin Simone Uhrmeister. Vier Tage lang ­haben die Kinder Zeit, eigene Szenen zu entwickeln. Besonders beliebt im Rahmen der Workshops sind die „Plünderung“ sowie die Erkundung des Fundus‘, denn auch das richtige Bühnenoutfit und Bühnenbild dürfen in einem Theaterstück nicht fehlen. Die selbst erarbeiteten fantasievollen Geschichten werden auf die Bühne gebracht und vor Publikum aufgeführt. Achtung: Die Werkstatt ist mittlerweile ein bekannter ­Geheimtipp! Die Anzahl der Ferienwerkstätten wurde ­wegen der großen Nachfrage in dieser Spielzeit verdoppelt: Jetzt haben Kinder in allen Schulferien die Chance die Workshops zu besuchen. Eine Mutter meldete ihre Tochter gleich für alle Workshops der gesamten Spielzeit an: „Meine Tochter ist nach ihrer ersten Ferienwerkstatt so begeistert gewesen, dass sie am liebsten wöchentlich dafür ins ­Theater kommen würde. Außerdem hat sie hier eine neue Freundin gefunden!“ Ferienwerkstatt für Kinder von 6–8 sowie 9–14 Jahren: In den SEMESTERFERIEN: DI 07.02. bis FR 10.02.2012. THEMA: „Von Brüdern und Schwestern“. In den OSTERFERIEN: DI 03.04. bis FR 06.04.2012. THEMA: „Träume, Träume, Träume“. Anmeldung: Simone Uhrmeister, Tel. 02742 / 90 80 60-694, simone.uhrmeister@landestheater.net Eine frühzeitige Anmeldung wird dringend empfohlen!

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short cuts 04.02.2012 | Landestheater Detektivgeschichten vom Franz. Was Holmes und Watson für Erwachsene darstellen, sind Gabi und Franz für Kinder. Eine unerschrockene Detektivin und ein nicht ganz so unerschrockener Helfer stehen im Mittelpunkt dieses Theater­stücks, das nicht zuletzt anlässlich des 75. Geburtstags der genialen Kinderbuch­ autorin Christine Nöstlinger aufgeführt wird.

04. bis 12.02. | Landesmuseum Fade Ferien? Dagegen hilft das Aktiv- und Kreativprogramm des Landesmuseums! In den Semesterferien bietet das Landesmuseum von 13 bis 17 Uhr spannende Kreativ- und Experimentierstationen für Groß und Klein an. Zusätzlich kann mit Hilfe einer Rätselrallye die Sonderaus­ stellung „Kraut und Rüben – ­Menschen und ihre Kulturpflanzen“ erkundet werden! Das jeweilige Tagesprogramm findet sich unter www.landesmuseum.net!

21.02.2012 | Bühne im Hof Pasadena Roof Orchestra. Wir schreiben das Jahr 1969: Mondlandung, letztes Konzert der Beatles, Woodstock – und das Pasadena Roof Orchestra bekommt für Tanzmusik der 20er und 30er Jahre seine Lizenz zum Swingen. Der Rest ist Geschichte. Mehr als 40 Jahre danach hat das britische Orchester sein Repertoire wieder durchgeschüttelt – nicht gerührt! Die Zutaten: Die besten Melodien der 20er und 30er Jahre.

25.03.2012 | Festspielhaus Es gibt so Tage … da ist alles anders. Da tanzen die Instrumente, die Schatten tragen Farben und die Welt steht Kopf. Nach einem Buch von Heinz Janisch und Helga Bansch zeigen – im Rahmen von KIJUBU (www.kijubu.at) – drei Tänzerinnen und zwei Musiker in diesem Tanztheaterstück für Menschen ab fünf Jahren, dass Fantasie keine Grenzen kennt. Nicht nur an „so Tagen“.

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Sie gehen ihren ­eigenen unverwech­ selbaren Weg. Sie tun das, womit man nicht rechnet. Und sie ­haben im Festspiel­ haus St. Pölten schon öfter ihr Können ­unter Beweis ge­ stellt. Nun also: same station, next level – Artists in Residence 2011/12. Von Thomas Fröhlich

Was das eigentlich bedeutet, „Artist in Residence“? „Ich bin ein Jahr hindurch in einem Haus präsent, meine Arbeiten werden gezeigt, und in Verbindung mit Workshops können Menschen hinter die Kulissen eines Projekts schauen, Einblick in meine Arbeits­ weise bekommen“, so die Tänzerin und Choreografin Doris Uhlich. Und der Musiker und Komponist Christian Muthspiel ergänzt: „Als Artist in Residence habe ich v. a. die Möglichkeit, vor einem teilweise gleichen Publikum Arbeiten aus verschiedenen Genres zu zeigen. Das entspricht sehr stark meiner Intention des Anti-Spezialistentums.“ „Eigentlich steckt in jedem von uns ein zeitgenössischer Tänzer“, ist Uhlich überzeugt. Und das bringt sie dazu, bisweilen recht ungewöhnliche Pfade einzuschlagen. Im Festspielhaus organisierte sie beispielsweise im Rahmen des Klub/60 Tanz-Workshops für die Generation 50 plus. Nun hat sie „mehr als genug“, so der Titel ihres neuen Stücks: „Ausgehend von meinem ‚korpulenten’ Körper frage ich mich und Menschen in live geführten Telefonaten, wie wichtig das äußere Erscheinungsbild in der Rezeption eines Stücks ist, was das Wort ‚schön‘ bedeutet. Die Barockzeit, in der mein Körper ‚en vogue’ war, ist mit ihrem Drang zur Fülle und Opulenz Mittel, mein Fleisch tanzen zu lassen.“ Muthspiel ist Posaunist, Pianist, Komponist, Dirigent und im Jazz genauso zu Hause wie in der Neuen Musik. „Die verschiedenen Tätigkeiten befruchten einander: So lernt der Komponist vom Dirigenten, der Improvisator vom Komponisten oder der Dirigent vom Instrumentalisten. Eine Selbstbeschreibung könnte etwa lauten: Keinem Stil, sondern sich selbst in unterschiedlichen Gefilden treu zu sein.“ In „für und mit ernst“ tritt er als Soloperformer, der ein ganzes Orchester an Instrumenten, Stimmen und Geräuschen steuert, in Dialog mit dem verstorbenen Sprachkünstler Ernst Jandl. „Ich hatte das ­große Glück, mit Ernst Jandl auf der Bühne gestanden zu sein. Er hat die Sprache auf das ­Essenzielle reduziert und oft mit oberflächlich lustig erscheinenden Gedichten Ab­ gründe der österreichischen Seele geschildert.“ In „Mozart im Morgenland“ wiederum vermittelt Muthspiel als Dirigent zwischen den musikalischen Welten des Oriental Jazz-Ensembles FisFüz und des Tonkünstler-Orchesters. Zwei Artists in Residence, bei denen nur eins gewiss ist: Ungewissheit. Die allerdings von höchster Qualität.

uhlich & muthspiel in Residence Festspielhaus

16.02.2012: Doris Uhlich „mehr als genug“ 23.02.2012: Christian Muthspiel „für und mit ernst“ 11.05.2012: Christian Muthspiel „Mozart im Morgenland“

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nicht

ganz dicht

Wenn Backpulver die gefährlichste Substanz in den trauten vier ­Wänden ist, sich das Liebesleben auf die fürsorgliche Frage „Hast eh ­deine Pulverln g’nommen?“ ­beschränkt und frau sich durch konsequente Raucherentwöhnung zur besten verzweifelten House­ wife der Welt hocharbeiten will – tja, was dann? Von Althea Müller Dann muss der trockene Schmäh der Händler her, um neue Einblicke in den ganz normalen Alltagswahnsinn zwischen Gesundheitscheck, Existenzangst und Sinn­ fragen zur altbewährten „Bärli“-Beziehung zu gewinnen. Mit ihrem neuen Programm „Händler naturtrüb“ bringt die Kabarettistin das Publikum wieder einmal erfolgreich zum Schmunzeln, Lachen und Ums-Eck-Denken. Damit setzt die Wienerin ihren nicht nur erfolg­reichen, sondern – wie sie selbst sagt – vor allem glücklichen ­Lebensweg fort.

Wenn Sie sich für drei zentrale Themen von „Händler naturtrüb“ entscheiden müssten, welche wären das? Die Schrulligkeit, die Steuer und der Tod.

Was meinen Sie mit „naturtrüb“?

In Wien versteht man unter naturtrüb jemanden, der nicht „ganz dicht“ ist. Ich habe einfach bemerkt, dass ich mit zunehmendem Alter schrulliger werde, eigenwilliger. Manchmal höre ich mir beim Reden selber zu und denke mir: „Genau dasselbe haben meine Eltern gesagt, als sie in meinem Alter waren, und ich hatte doch beschlossen, GANZ ANDERS zu werden.“ Nix da! Auch mein Umfeld, das ja eher in meiner Altersklasse ist, wird seltsamer. Solange man es mit Humor nimmt und über sich selber lachen kann, ist das aber nicht bedenklich.

Und an wen richten Sie sich mit Ihrem neuen Programm? Im Prinzip natürlich an alle Menschen, die gerne einen Abend voller Humor erleben wollen. Ich denke aber, dass mein Zielpublikum zwischen 35 und 80 Jahre alt ist.

Warum diese Altersgruppe? Ich bin noch drunter und lache genauso über Ihre Schmähs.

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01.03.2012, Bühne im Hof, Andrea Händler: „Händler naturtrüb“ Solo-Kabarett. Buch: Angelika Hager & Andrea Händler. Dramaturgie: Gabriel Castaneda. Regie: Eva Billisich Natürlich freut es mich sehr, wenn auch jüngere Leute mein Programm besuchen. Die können in „naturtrüb“ sehen, was vermutlich auch auf sie zukommt – und womit sie sicher nicht rechnen. Aber man muss alles mit Humor nehmen. Und eines soll auch noch gesagt werden: Es ist für ­Männer genau so lustig wie für Frauen. Also, keine Angst, ich bin nicht männerfeindlich!

Was möchten Sie den Zuschauern von „Händler naturtrüb“ gerne mitgeben?

Leider noch keine DVD, die gibt’s noch nicht – aber ganz sicher die Erinnerung an einen humorvollen Abend und hoffentlich die Lust auf noch mehr Händler!

Es scheint, Sie wären bereits als Schauspielerin und Kabarettistin zur Welt gekommen. Was gibt Ihnen Ihr Beruf?

Jede Menge Abwechslung und immer wieder neue Herausforderungen. Das Schöne am Schauspiel ist ja, dass man in die verschiedensten Rollen schlüpfen muss und somit sehr interessante Charaktere annehmen kann. Ich finde, es ist ein Beruf, in dem es nie langweilig wird. Auch wenn man das gleiche Stück zum 200. Mal spielt, wird es nie fad. Es sind ja jeden Tag andere Menschen in der Vorstellung. Und die zum Lachen zu bringen, ist eine sehr schöne Aufgabe. Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die wirklich Spaß am Job haben.

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große expression kleine Gesten

12 Jahre nach seinem letzten Bühnenauftritt ist der SiebzigJährige US-Regieexzentriker, Designer und Schau­ spieler Robert Der Mann weiß, wie man ästhetische und geistige Räume gestaltet. Ob in Wilson wieder seinen Fotoporträts von Hollywoodgrößen oder in seinen Bühneninszenierungen, ob als Designer oder Schauspieler: Robert Wilson hat das, was man selbst auf der eine künstlerische Signatur nennt. Bühne zu erleben: Der Sohn eines texanischen Rechtsanwaltes hat dafür höchst persönliche Als Titelheld in Kindheitserfahrungen in seine Kunst einfließen lassen: Im Alter von 17 Jahren befreite ihn eine Therapeutin von seinen motorischen Störungen durch ­Becketts „Krapp’s äußerste Verlangsamung von Bewegungen. Nach seiner Heilung entwickelte Last Tape“! Von Michaela Knapp er eine Obsession für die Langsamkeit, die neben Licht und Form zum ­ esentlichen Bestandteil seiner Arbeit wurde. In den 1970er Jahre hätte er, so w Wilson, einen Morgen lang einer Kuh auf der Wiese zugeschaut. „Sie hat nicht mehr getan, als den Kopf ein wenig zu bewegen – so will ich es auch machen“, lautete fortan sein Credo. Seine Inszenierungen ließen die Theaterwelt aufhorchen, die Kritik feierte Wilsons „Theater der Trance“. Wilsons Kosmos, einst Avantgarde und Revolution in der Theatersprache der 80er Jahre, bezaubert immer noch als eine Art Paralleluniversum: Manierismen voll surrealer Schönheit, bizarre, in Einzelbilder zerlegte Gesten, burlesk geschminkte Androgynität in perfektem Licht und Kostüm. In seinem Bildertheater gibt es keine Handlung und keinen Höhepunkt: „Wenn es um Kunst geht, die ja künstlich ist, und man versucht vorzugeben, sie sei natürlich, dann ist das eine Lüge,“ analysiert er sich selbst als Magier der Verfremdung. Große Expression in kleinen Gesten zeigt Robert Wilson nun auch als Titelheld in Becketts Einakter „Krapp‘s Last Tape“. Zwölf Jahre nach seinem Hamlet-­Monolog steht er damit wieder als Schauspieler auf der Bühne: Der 70jährige Wilson ist Krapp, jener alte Mann, der sich dazu bereit macht, wie jedes Jahr zu seinem Geburtstag, ein Tonband zu besprechen, um das vergangene Lebensjahr zu dokumentieren. Für den Zuschauer heißt das: Intensive Bildsprache, geheimnisvolle Lichteffekte, meditative Bewegungsabläufe und Wilsons aus dem Dunkel herausleuchtendes Gesicht. Ein Meister der Reduktion eine Stunde am Werk: jedes Wort, jede Bewegung wohlüberlegt. Wilsons Kunst pur.

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Landestheater Niederösterreich, 23.03. / 24.03.2012, Österreich-Premiere Samuel Beckett: Krapp’s Last Tape. Mit Robert Wilson. Regie, Bühnenbild und Lichtkonzept: Robert Wilson. Kostüme und Maske: Yashi Tabassomi. Lichtdesign: A. J. Weissbard. Sounddesign: Peter Cerone. In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Gastspiel einer Koproduktion von Change Performing Arts/Milan, Grand Théâtre de Luxembourg, Spoleto52 Festival dei 2 Mondi und CRT Artificio, Milano Zur Autorin: Michaela Knapp ist Theaterwissenschaftlerin und leitet derzeit das Kulturressort des Wirtschaftsmagazins FORMAT.

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lebensmittel Tanz

Festspielhaus, 15.02.2012, 18 Uhr Groupe und Compagnie Grenade: Les 20 Ans. Künstl. Leitung: Josette Baïz.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

künstler

fragebogen

„Tanz ist eine Geschichte von Energie und Austausch.“ Josette Baïz

Nein, martialisch geht es hier ganz Dass Tanz eine bestimmt nicht zu, trotz des eigenwilligen Namens der Compagnie ­Lebensaufgabe Grenade [dt. Granatapfel], die sein kann, wusste ihrer­seits aus der Groupe Grenade nicht nur Fred hervorgegangen ist. Obwohl: Heftig kann’s schon werden, wenn Astaire. Dass Tanz die Tanztruppe über die Bühne als Lebensbeglei­ fegt. „Der Name Grenade stammt tung und -inhalt von einem arabischen Sprichwort”, weiß Tänzerin, Choreo­ über alle stilis­ grafin und Grenade-Mastermind tischen Grenzen Josette Baïz: „Einem Granatapfel hinaus Aber entspringen tausend Kinder.“ Doch sie räumt ein: „Natürlich gleichsam zum Ex­ deutet der Name auch auf etwas plosiven „Lebens­ Explosives hin – er charakterisiert mittel“ heran­ unseren Tanz, unsere Dynamik, unsere Energie.“ Ein rasanter Mix reift – wie im Fall aus sämtlichen denkbaren (und der Compagnie undenkbaren) Tanz-Universen ­Grenade – ist bricht da über ein – üblicherweise ­allerdings selten. begeistertes – Publikum herein. Grenade feiert dieser Tage ihr Von Thomas Fröhlich 20-Jahr-Jubiläum, die Groupe als Kreativpool begeisterter Nachwuchstänzer, die Compagnie als Ensemble höchst vollendeter Profis, die ihre ersten Tanzschritte wiederum in der Groupe vollzogen haben. Und dieses Jubiläum nimmt Baïz zum Anlass, Kinder, Jugendliche und erwachsene Tänzerinnen und Tänzer aus Groupe und Compagnie mit sieben international gefeierten Choreografen zusammen zu führen und so eine Gesamtschau unbändiger Tanz- und Spielfreude zu bieten, die ihresgleichen sucht. Klassisch anmutendes Ballett, HipHop, Flamenco, Comedy-Elemente und das komplette Spektrum zeitgenössischer Tanztechnik sorgen für eine überbordende Vielfalt, deren Thrill sich in Nullkommanichts auf die Zuschauerinnen und Zuschauer überträgt. „Tanz ist eine Ausdrucksform, eine Möglichkeit der Verständigung und des In-Kontakt-Tretens mit den Elementen: Luft, Wasser …“ Baïz setzt noch hinzu: „Tanz gibt mir die Energie, mit anderen zu kommunizieren – und dafür bekomme ich auch wieder etwas zurück. Es ist eine ‚Geschichte’ von Energie und Austausch.“ Und nun wird ein neues Kapitel dieser Geschichte geschrieben. Im Festspielhaus.

am 17. März schlüpft Die kubanische Tänzerin Maura Morales in „Ella“ in die Schuhe des Festspiel­ haus-Publikums. DIE SCHUHE IN „ELLA“ STEHEN FÜR …

Begegnungen.

SCHUHE SIND … Masken und Schutz der Füße. Sie sind unsere Verbündeten, die uns überall dort hinbringen, wo wir hin wollen und auch dorthin, wo wir nicht hin wollen. MANCHE SCHUHE ERZÄHLEN …

und manche nicht!

WAS LÖST DAS HINEINSCHLÜPFEN IN FREMDES SCHUHWERK AUS …

das Erfühlen von Geschichten der Besitzer.

HINEINVERSETZEN IN FREMDE PER­ SÖNLICHKEITEN IST … die Wichtigkeit,

die wir uns selbst beimessen, abzustreifen!

INSPIRIERT WERDE ICH DURCH …

Bilder, die der Alltag für mich malt.

DIE INTERAKTION MIT DEM PUBLI­ KUM KANN … zum Drahtseilakt werden. JEDER ABEND IST EINZIGARTIG …

weil die Protagonisten sich ändern.

TANZ IST FÜR MICH … Verwundbarkeit. SCHUHE IN VERSCHIEDENEN STÄDTEN, LÄNDERN ERZÄHLEN VON …

Kultur, Idiosynkrasie und vom Wetter.

garderobe 19


die geologie

„Kochshow“ Man nehme eine Portion Witz und gut gewürztes Wissen. Das ist das Rezept der Ausstellungsmacher Baschnegger & Golub, die sich naturwissenschaft­ lichen Themen unkon­ ventionell nähern. Ihre ­kommende Ausstellung „Kiesel & Klunker“ im ­Landesmuseum Nieder­ österreich befasst sich mit Geologie. Von Mella Waldstein

„Geologie ist eine schwierige Materie“, sagt Hanno Baschnegger und schaut dabei ganz vergnügt aus. ­Diese gilt es im kommenden Jahr in der Ausstellung „Kiesel & Klunker“ darzustellen. Stressfrei und lustvoll. Dass ihnen derlei gelingt, haben ­Victoria Golub und Hanno Baschn­ egger bereits mit „Kraut & Rüben“ bewiesen. Komplizierte Materie spannend, verständlich und korrekt darzustellen ist sozusagen ihre Spezialität. Ein Thema der kommenden Ausstellung wird z. B. die Gesteinsbildung sein. „Wir haben überlegt, was der gemeinsame Nenner ist“, so Baschnegger. „Das ist die Hitze. Und so sind wir auf die Kochshow gekommen.“ Die Gesteinsbildung wird mit Hilfe von Rezepten erläutert. Granit oder Marmor werden in den Topf gesteckt, und die Rezepte beginnen auch ganz klassisch mit „Man nehme ...“ Das schmeckt dem Laien besser als trockene Erläuterungen á la „ein dritter Modus der Bildung von Granitmagma ist als Fraktionierung eines basaltischen Magmas zu kennzeichnen. Bei der Kristalli­sation größerer Mengen basaltischer Schmelze ...“ „Gute gemachte Wissensvermittlung ist Info ...“, sagt Victoria ­Golub, „... aber auch -tainment“, ergänzt Hanno Baschnegger. Stars bei „Kiesel & Klunker“ sind im Übrigen die Mineralien und Fossilien niederösterreichischer Sammler. „Sie haben ja viel schönere Exemplare als die Museen“, weiß der Ausstellungsgestalter. Alle zwei Monate wird in der „Schatzkammer“ ein anderer Sammler seine Prachtstücke ausstellen. Aber Geologie besteht aus mehr als nur dem Herzeigen interessanter Mineralien. Weitere Stationen sind Kohle, Erdgas und Erdöl. Und Niederösterreich hat von allem etwas: die alten Kohlereviere von Grünberg am Schneeberg etwa, das Erdöl aus Prottes im Weinviertel und Erdgas kommt aus der Pipeline, oder? Weitere Themenkomplexe betreffen die Bildung des Bodens sowie sein unsichtbares und reichhaltiges Leben, es werden „Außerirdische“ – Meteoriten – gezeigt, und Berichte von Erdrutschen, Tsunamis, Erdbeben oder Vulkanausbrüchen zeigen, dass Geologie jetzt passiert und nicht nur vor 10.000 Millionen Jahren.

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Landesmuseum Nieder­österreich, 18.03.2012 –17.03.2013 „Kiesel & Klunker – Vielfalt aus Niederösterreichs Boden“ Die Ausstellung präsentiert die bedeutendsten und schönsten Fundstücke von Fossilien, Gesteinen und Mineralen aus Niederösterreich, heimische Rohstoffe sowie die Verflechtung zwischen Geologie und Biologie.

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da waren es schon 11

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Kulturbezirk konnte Präsident Lothar Fiedler eine mehr als bemerkenswerte Bilanz über das Jahr 2011 ziehen, das u. a. vom Erreichen der 500. Mitgliedschaft geprägt war! Im Zuge der Versammlung wurden zudem weitere Weichen für die Zukunft gestellt. Nachdem bereits im Vorjahr eine „Expanison“ des Vereins über die räumlichen Grenzen des Kulturbezirks hinaus mit der Auf­ Der Förderverein Kulturnahme des Landestheaters sowie bezirk umfasst folgende der Bühne im Hof eingeleitet Institutionen: Bühne im worden war – um eine VertieHof, Festspielhaus fung innerhalb der Stadt zu St. Pölten, Klangturm, erreichen – wurden heuer zudem Landesakademie Nieder­ die Niederösterreichischen österreich, Landesarchiv Nachrichten als ordentliches Niederösterreich, Landes­ Mitglied aufgenommen! bibliothek NiederösterDas kommende Jahr bringt reich, Landesmuseum wieder eine Reihe großartiger Niederösterreich, LandesVeranstaltungen, im Zuge derer theater Niederösterreich, die Mitglieder des Fördervereins Niederösterreichische Kulturbezirk exklusive Vorteile Nachrichten, ORF Niedergenießen sowie mit dem einen österreich, TonkünstlerOrchester Niederösterreich. oder anderen Star in „Tuchfühlung“ kommen. Zudem wird der Verein im Für das erste Halbjahr Rahmen eines Sommerfestes ist bereits ein attraktives sein 10 jähriges Jubiläum begeProgramm fixiert: hen, es wartet wieder eine Aus31.01.2012 „Budapester landsreise sowie die eine oder Festival Orchestra“, andere Inlandsexkursion. AußerFestspielhaus; 02.02.2012 dem wird die mit dem Besuch „StradiVahid“ Familien­ Dominique Meyers angebahnte vorstellung, Festspielhaus; neue Schiene „Zur Person – 15.02.2012 „Einsame Menschen“, Landestheater; Stars zum Anfassen“ fortgesetzt. Kurzum: Genügend gute Gründe 16.03.2012 „Fifi Pissecker – Ich kenn Sie, wer sind Sie“, (von den zahlreichen Vergünstigungen ganz abgesehen!), Bühne im Hof; 13.05.2012 ­Mitglied des Fördervereins „Javier de Frutos/Pet Shop Kulturbezirk zu werden! Boys“, Festspielhaus; Infos: www.kulturbezirk.at, 09.05.2012 „Ein Land im Tel. 02742 / 90 80 80-812. Zeitraffer – NÖ seit 1948“, Landesmuseum. Zu Besuch im Förder­verein Kulturbezirk: StaatsopernDirektor ­Dominique Meyer gemeinsam mit FV-Präs. Stv. Caroline Salzer, Michaela Schlögl und FV-Präs. Lothar Fiedler (v.l.n.r.).

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Es gibt kaum eine Lite­ ratin, die das moderne Ich rückhaltloser und Nachhaltiger ent­ blöSSt hat als Ilse Aichinger. Erika Pluhar gestaltet mit der von Isabella Suppanz zusammenge­ stellten Textcollage einen mitreiSSenden Leseabend. Von Thomas Fröhlich

wahrhaftigkeit der worte

Ilse Aichinger feierte am 1. November 2011 ihren 90. Geburtstag. Doch ist dies nicht der einzige Grund, weshalb Isabella Suppanz diesen Leseabend konzipiert hat: „Aichinger ist die wohl bedeutendste österreichische Schriftstellerin der Nachkriegszeit.“ Mit sprachlicher Präzision und Subtilität protokollierte die Literatin die Entwurzelung einer ganzen Generation und machte sie so für die Nachwelt erfahrbar. „Und da ist kein Wort zuviel“, schwärmt Suppanz. Was den genauen Gegenpol zur derzeit vorherrschenden nichtssagenden Geschwätzigkeit ausmache. In Aichingers Textsammlung „Kleist, Moos, Fasane“ sind ­Erinnerungen, Notate und Reden zusammengefasst – ein großartiger „Steinbruch“ für Suppanz, um aus dem Vollen zu schöpfen. Aichinger ging es nicht nur ums Überleben, sondern ums „richtige Leben“, nicht ums Beschreiben, sondern um das Sprechen aus dem Schweigen heraus. Man darf ruhig Wahrhaftigkeit dazu sagen, auch wenn derlei im Zeitalter permanenter Selbst(?)darstellungen – im Dschungelcamp oder in den ach so sozialen Netzwerken – zu­ sehends in Vergessenheit gerät. Erika Pluhar liest zum ersten Mal aus der autobiografischen, analytischen und sinnlichen Anthologie der Dichterin, die nicht nur seltene Einblicke in Aichingers Poetologie ermöglicht, sondern auch ein hervorragendes Gegengift zu den grassierenden AnIlse Aichinger alphabetisierungs-Kampagnen unserer Tage darstellt.

„Schreiben ist sterben lassen.“

Landestheater Niederösterreich, 23.02.2012 Pluhar liest Aichinger „Kleist, Moos, Fasane“

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short cuts Bühne im Hof | 16./17.02.2012 Weinzettl/Rudle. Das Traumpaar der österreichischen ­Kabarettszene macht sich auf den Jakobsweg und führt vor Augen, warum es sich ausgeträumt hat: Du träumst vom Traumhaus, der Traumfrau oder dem Traummann … Erst wenn bei der Lebensplanung alles schief gegangen ist, merkst du, wie wenig Zeit noch übrig ist und beginnst zu über­ legen, was du alles versäumt hast. Die Wiener Zeitung resümiert: „Es ist eine solide Leistung von zwei erfahrenen Kabarettisten, die wissen, wann sie welche Pointe setzen müssen und wie die richtige Balance zwischen ernsthafter Gesellschaftskritik und Durch-denKakao-ziehen aussieht.“

Festspielhaus | 25.02.2012 Tamburi Mundi. Dialog der Rhythmen. „Zusammen Musik machen und uns gegenseitig zuhören.“ So beschreibtMurat Co kun sein Festival, bei dem die Rahmentrommel die Hauptrolle innehat. Wenn er ruft, versammeln sich die größten Meister aus aller Welt, auf dass die Trommeln nur so durch die Musikkulturen und Stilrichtungen ziehen. Ausgelassene Rhythmen, heuer auch in Form von Sprache, begegnen bewegten Klängen – eine mitreißende Mischung aus Tradition und innovativen Ideen, lebhaft und aufrichtig. (Workshops am 25. und 26. Februar)

03.02.2012 | Landestheater Ronja Räubertochter. „Sich nicht verkriechen, das Leben entdecken, es als Abenteuer zu sehen“, so definiert Regisseurin Dora Schneider die Essenz des Astrid Lindgren Stückes. Ihre Ronja ist bemüht, einen Platz in der Erwachsenenwelt zu erlangen. Dabei muss sie gegen Hierarchien und festzementierte Geschlechterrollen ankämpfen. Wird sie zwischen ihren Eltern und der Freundschaft zum Sohn der feind­ lichen Sippe bestehen können?

30.03.2012 | Festspielhaus Cristina Branco/Tangotage. Der März steht im Festspielhaus ganz unter dem Motto „Alles Tango!“. Während der Tango-Tage von 26. – 30. März können Neulinge schnuppern und Aficionados ihr Können beweisen. Rahmen­ programm ist die von Joachim Schloemer choreografierte und inszenierte Show „Tango X“. Internationales Flair holt sich das Haus zudem am 30. März mit Cristina Branco ins Boot. Sie interpretiert den sinnlichen Fado (portugiesisch für „Schicksal“) in vier Sprachen und verbindet ihn mit der musikalischen Welt des Tango.

24.03.2012 | Festspielhaus Bühne im Hof | 17.03.2012 Chris Lohner: Nein, ich will keinen Seniorenteller! „Ich war schon immer ein Mensch mit Humor“, sagt Österreichs beliebtester roter Pagenkopf über sich – und brillierte so in TV-Komödien, als Sprecherin beim ORF und der ÖBB sowie als Autorin. In ihrer aktuellen heiteren Lesung setzt Lohner sich charmant lächelnd mit dem Älterwerden auseinander und schießt als lebensfrohe Heldin der Buchvorlage von Virginia Ironside Seniorenreisen, Östrogenbehandlungen und abgesenkte Badewannen ins Aus.

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Freiburger Barockorchester: Die blaue Blume. „Intelligent, sanft, tiefsinnig, aufregend“ – so jubelt die internationale Presse über den in Südafrika geborenen Ausnahmepianisten Kristian Bezuidenhout. Am Hammerklavier wird er sich gemeinsam mit dem bereits zum Publikumsliebling avancierten grandiosen Frei­ burger Barockorchester auf die Suche nach der Blauen Blume begeben und der Romantik nachspüren. Am Programm stehen Stücke von Schubert, Schumann sowie ­Mendelssohn Bartholdy.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


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Sehr geehrter Herr Schloemer! Eben vom Festspielhaus zurückgekehrt möchte ich mich bei Ihnen und Ihrem Team für diesen großartigen Abend bedanken. [...] Das gesamte Ensemble hat eine beein­ druckende Leistung geboten! Die selten schöne Musik und Ihre Inszenierung haben mich sehr bewegt – im besonderen Ihre Rezeption des guten Texts von des Menschen bestem Freund. Herzliche Gratulation – eine ganz ­besondere Arbeit! Hubert M. über „Abendempfindung“ Wir waren heute mit zwei Klassen ­unserer Schule in der Vorstellung der „Detektivgeschichten vom Franz“ im Landestheater und haben uns wunderbar unterhalten. Ein riesengroßes Lob an alle Beteiligten! Bitte bringt öfter solche Stücke, es bleibt eine wunderbare Er­innerung der Kinder an einen Theater­besuch zurück! Nochmals vielen Dank und alles Gute!! Maria G., VS Hofstetten-Grünau Wonderful museum. I loved the idea of starting from the earth and moving up into the sky as you move through the museum. Wendy, Australia über das Landesmuseum

Von Dr. Lothar Fiedler, Präsident Förderverein Kulturbezirk St. Pölten

„Abenteuerlust und Eigensinn der beiden Kinder durchziehen leitmotivisch die spannende Handlung. Du gibst mir sicher Recht, wenn ich meine, dass Ulrike Sophie Rindermann die Ronja ganz hinreißend und voller Vitalität gespielt hat. Überzeugend in Sachen „harte Schale, weicher Kern“ war auch Rainer Doppler als Räuberhauptmann Mattis. Eine gewisse Väterlichkeit liegt schon im Naturell von Helmut Wiesinger. In der Rolle des Räuberhauptmanns Borka gibt er der Neigung zur Versöhnlichkeit die volle Wirkung.“ Robert Voglhuber, mostviertel magazin, über Ronja Räubertochter im Landestheater Niederösterreich „Desh is a quest. Brought up with tales of Bangladesh – monsoon floods, rising tides, crocodiles nosing through the mangrove swamps – Khan looked around him and saw Wimbledon Park. His father‘s tales of unremitting labour and contested land fell on ears better attuned to the music of Michael Jackson.” Luke Jennings, The Guardian, über Akram Khans „Desh“, am 18.02. im Festspielhaus „Knackig die Übersetzung (Elfriede ­Jelinek), schräg die Regie (Barbara ­Nowotny), cool die Musik (Bernhard Höchtel). Köstlich: Hendrik Winkler als Justin, Oliver Rosskopf als Mistingue und Antje Hochholdinger als Norine. Fazit: Slapstick wie aus einem Schwarz-WeißKrimi – schrill, schräg, schwarz.“ Michaela Fleck, NÖN, über „Die Affäre Rue de Lourcine“ im Landestheater Niederösterreich

gewinn! spielorte verlost Eintrittskarten und Kataloge. Mitmachen ist ganz einfach: E-Mail senden an redaktion@spielorte.at

Bühne im Hof spielorte verlost 1 × 2 Karten für das Pasadena Roof Orchestra am 21.02. in der Bühne im Hof. Festspielhaus spielorte verlost 1 × 2 Karten für Tamburi Mundi am 25.02. im Festspielhaus. Landesmuseum spielorte verlost 1 × 2 Eintrittskarten für das Landesmuseum sowie einen Katalog Ihrer Wahl. Landestheater spielorte verlost 1 × 2 Karten für „Einsame Menschen“ am 15.02. im Landestheater.

Die nächste Ausgabe von spielorte erscheint im März 2012. Leserbriefe & Einsendungen an redaktion@spielorte.at

fiedlers lokaltipp

Seit Jahrzehnten ist das Restaurant Galerie in der Fuhrmannsgasse ein Garant für gutes Essen, schönes Ambiente und ausgezeichnete Weine. Man wird bestens durch ein besonders ambitioniertes Team betreut! Hochwertige Zutaten und deren sorgfältige Zubereitung sind selbstverständlich, gekocht wird nach den Regeln der guten Küche, die ausgerichtet sind auf die Nachhaltigkeit des Wohlgeschmacks, nicht auf den flüchtigen Akzent. Ein Besuch vor oder nach einem Kulturgenuss lohnt sich jedenfalls immer. Restaurant Galerie, Fuhrmannsgasse 1, Tel. 02742 / 35 13 05.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

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Anna Schweidler „prima la musica“ Landespreisträgerin (Querflöte)

Philipp Trojan „prima la musica“ Landespreisträger (Gitarre)

Living Office* | St. Pölten

Selina Ott „prima la musica“ Bundessiegerin

www.st-poelten.gv.at

Für uns gehört es zum guten Ton, kleine und große Talente von Beginn an zu fördern. Denn Kunst und Kultur sind wichtige Impulsgeber für die Zukunft. So erspielt beispielsweise St. Pöltens Musikschule mit ihren über 1.400 jungen KünstlerInnen ein kreatives Umfeld, in dem sich individuelle Begabungen entfalten können. Damit das für viele Menschen erlebbar wird, unterstützen wir zahlreiche Vereine und Veranstaltungen. Das schafft eine lebendige Kulturszene – der beste Garant für eine vielseitige, offene Gesellschaft. Und diese wirkt weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus.


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