Issuu on Google+

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

spielorte

Dezember 2011 | Jänner 2012

www.spielorte.at

Landestheater

Im Dreieck gefangen

Hauptmanns „Einsame Menschen“ Festspielhaus

„DopplerEffekt“

Tanzmagier Frédéric Flamand und Crystal Pite

Bühne im Hof

Goebels Gute Gefühle

Ein Mann geht seinen Weg


inhalt Bühne Coverbild: Ballet National de Marseille: Moving Target am 9. Dezember im Festspielhaus St. Pölten.

editorial In letzter Zeit hat ein neuer Begriff zusehends Eingang in die Kultur(politische)-Debatte gefunden: kulturelle Nahversorgung. Darunter versteht man schlicht die Ausstattung der Bevölkerung mit Kulturangeboten (insbesondere auch als Aufgabe der öffentlichen Hand), und zwar – was wesentlich ist – in all ihren Facetten. Widersinnig ist daher die von Teilen des Feuilletons propagierte Verquickung dieser Aufgabe mit der Auslastung. Um mich nicht falsch zu verstehen: Kultur und Quote schließen einander natürlich nicht aus. Aber die Auslastung als prinzipiell oberstes Primat zu postulieren, leistet einer kulturellen Erosion Vorschub, die unweigerlich in „Monokultur“ münden würde. Dies hieße nämlich, dass die Kulturbetriebe – um quasi auf Nummer sicher zu gehen – ausschließlich auf berühmte Namen, Werke und Erfolgsproduktionen setzen, während alternative kulturelle, mitunter auch experimentelle ­Nischen und „Minderheitenprogramme“ (die sich durchaus als „Quotenbringer“ erweisen können) eingespart werden. Das wäre ein Substanzverlust! Beide „Schienen“ müssen in oben verstandenem Versorgungssinne von öffentlich getragenen Kulturinstitutionen erfüllt werden, wie dies die St. Pöltner Bühnen auf vorbildliche Weise tun. Sie bieten ihren Besuchern, deren Geschmäcker unterschiedlich sind, vielfältiges Programm dies- und jenseits der Quote und haben sich deshalb völlig zurecht einen hervorragenden Ruf als echte kulturelle Nahversorger erarbeitet! Johannes Reichl

spielorte per post!

Gerne senden wir Ihnen spielorte auch gratis per Post zu. Schicken Sie Ihre Kontaktdaten bitte per Mail an office@spielorte.at oder geben Sie diese telefonisch durch unter Tel. 02742/90 80 80-222.

Impressum: Medienin­haber und Heraus­geber: Förder­verein Kulturbezirk St. Pölten. c/o NÖ Kulturszene Betriebs GmbH. Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten. Redaktionsleitung: Johannes Reichl. Redaktion: Thomas Fröhlich, Althea Müller, Marion Pfeffer, ­Andreas ­Reichebner. Gast­autoren: Stefan Grund, Thomas Hahn, Barbara Petsch, Petra Rathmanner, Mella Waldstein. Foto­redaktion: Hermann Rauschmayr. Design & Layout: Living Office* St. Pölten. Bildnachweis: Cover, S. 3: Pipitone; S. 4–5: Pipitone, Barak; S. 6: Joris-Jan Bos, Chris Randle; S. 7: zVg; S. 8–9: Nicola Perscheid, Lukas Beck und Binh Truong (Foto Knof); S. 10: Mediva:Plugged, Peter Rauchecker; S. 11: Christian ­Weißenberger, Verlag Friedrich Oetinger GmbH, Hamburg; S. 14: Hermann Rauschmayr (2); S. 15: Armin Smailovic, Klaus Fritsch; S. 16–17: Burgtheater Anna Stöcher, Gerald ­Lechner, Rita Newman, Laurie Anderson; S. 18: Inge Prader; S. 19: Jim Rakete, zVg; S. 20–21: Hermann Rauschmayr (3), ­Walkolbinger; S. 22: fotodiaz, Lukas Beck (2), Bühne im Hof, Marco Borggreve, Ingo Pertramer, Christian Husar; S. 23: Höllerschmid, Helge Wöll. Hersteller: Niederöster­ reichisches Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. ­Gedruckt auf: ­Amber Graphic. Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten. ­Verlagspostamt: 3100 St. Pölten. K ­ ontakt: redaktion@spielorte.at, www.spielorte.at

FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

4

Frédéric Flamand Sprung ins Chaos

6

Crystal Pite Zwischen Extremen

7 8 10

Six Sells – a cappella

11

Das Leben, ein Abenteuer Ronja Räubertochter

12

Spielplan Dezember 2011 & Jänner 2012

Hauptmann – Kampfzone Familie Nox Illuminata Engel & E-Gitarren

Hinterbühne

14

Ein Tag mit Christine Zauchinger

15

Borcherts Requiem; Künstlerfragebogen Dorothea Wimmer

16

Das ehrlichste Publikum Auf Augenhöhe

17

Laurie Anderson Hinter dem Vorhang

Garderobe

18 19

Alexander Goebel – My Way Familiensumpf – Blick in die Seele; Hollmann liest Kraus

galerie

20

Was der Besucher braucht Ein Aha-Erlebnis

parkett

22 23

Shortcuts Special Tipp, Pressestimmen, Gewinnspiele, Fiedlers Lokaltipp

3


frédéric flamand Sprung ins Chaos

Seit 1996 arbeitet Frédéric Flamand mit Stars der Archi­ tektur wie Zaha Hadid, Thom Mayne oder Jean Nouvel. Seit 2004 leitet er das Ballet National de Marseille, mit dem er nun sein Kultstück „Moving Target“ wieder auf­ nimmt. Thomas Hahn im Gespräch mit Frédéric Flamand

Frédéric Flamand, Sie kehren zurück zu Ihrer ersten Zusammenarbeit mit Architekten. Schließt sich damit ein Kreis?

Vielleicht, aber ich hatte eigentlich nie geplant, jedes Mal Architekten mit meinen Bühnenbildern zu beauftragen. Was mir gefällt, ist, dass sie bereit sind, das Verhältnis zwischen Körper und Raum experimentell anzugehen und die aus der Renaissance stammende perspektivische Sichtweise zu unterwandern. Als ich anfing, für Theaterbühnen zu choreografieren, fand ich den leeren Raum langweilig und einengend. In „Moving Target” gelingt es Diller + Scofidio, Perspektive und Raum zu sprengen. Sie wollen „den passiven Blick des Zuschauers destabilisieren”. 1996 waren sie noch Randfiguren der ArchitektenSzene, aber sie regten als erste an, die Tanzbilder zu stören. Später kamen dann Stars der Architektur wie Jean Nouvel von sich aus auf mich zu. Denn Tanzstücke erlauben es, ihre Arbeit einem anderen Publikum vorzustellen.

Der Zuschauer muss sich in „Moving Target“ ständig entscheiden, ob er die Tänzer auf der Bühne anschaut oder in dem Spiegel, der im Winkel von 45° über ihnen hängt.

So sieht jeder ein anderes Stück. Die Architektur ist hier fast virtuell. Wenn man hinter dem Spiegel das Licht anknipst, wird er transparent. Und man sagt sich, da ist doch eigentlich gar nichts. Diller + Scofidio waren schon immer bildende Künstler, die fast immateriell arbeiten, so wie 2002 in der Schweiz mit ihrem „Blur Building”, einem imaginären Gebäude aus Wassernebel.

Ballet National de Marseille: Moving Target. Festspielhaus, 09.12.2011 Ballet National de Marseille. Konzept und Choreografie: Frédéric Flamand. Bühne, Spots, TextDance und Video: Diller + Scofidio. Zum Autor: Thomas Hahn ist Frankreich-Korrespondent der Zeitschrift tanz und Redaktionsmitglied der französischen Zeitschriften Danser, Cassandre und Stradda sowie künstlerischer Beirat deutscher und französischer Festivals.

4

bühne

Diller + Scofidio waren also die idealen Partner für ein Stück über den Schein allen Seins und über Schizophrenie. Sie zitieren die ungekürzten Tage­bücher Vaslav Nijinskis.

Wenn der Körper des Tänzers ungewollt durch den riesigen Spiegel wandert, wird er zu einer Art Mosaik. Schizophrene nehmen die Welt nicht als ein Ganzes wahr, sondern wie ein Mosaik, und sie verirren sich darin. Der Schizophrene versteht sich nicht mehr als Zentrum der Welt und der Natur, sondern als haltloser Teil von ihr. In diesem Sinn sind wir hier mitten im Wesen der künstlerischen Kreativität.

Das heißt, man kann die Bilder in „Moving Target” wie ein Eintauchen in Nijinskis innere Welten lesen?

Wie einen Sprung in das Chaos seines Herzens und in das Delirium seiner Psychose. So gibt es auch mal ganz unvermittelt eine Art Barocktanz. Aus Nijinskis Tage­ büchern übernehme ich seine Gedichte und einen wunderschönen Text über die Schizophrenie. Die wird hier zur Metapher der zeitgenössischen Welt. Normalität ist ein sehr komplexer und fragiler Begriff. Wenn man vergleicht, was als normal und was als krank definiert wird, stellt man manchmal fest, dass so einiges, was als ­Normalität definiert wird, eigentlich kranker ist als die Beispiele aus der Pathologie.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


„In ‚Moving Target‘ tanzt das Körperbild gleichzeitig mit seinem eigenen Bild und dem Bild eines anderen Körpers. Es geht um die Kontrolle des rebellierenden Körpers.“ Wie lässt sich Schizophrenie tänzerisch darstellen? Die Qualität einer Ballettcompagnie misst man ja an körperlicher und ästhetischer Harmonie.

In „Moving Target“ tanzt das Körperbild gleichzeitig mit seinem eigenen Bild und dem Bild eines anderen Körpers. Es geht um die Kontrolle des rebellierenden Körpers. Die Grundidee von Diller + Scofidio war, von einem Ballettkurs auszugehen. Deshalb sind die Tänzer im ersten Bild wie an Stangen gefesselt. Sie schaffen es zwar, über diese Geräte Macht auszuüben, aber sie wirken dabei wie Maschinen. Es geht um ironisches Hinterfragen der Tanztechnik. Ein Körper ist auf der Bühne nie natürlich, und wenn ein Tänzer natürlich wirken will, dann muss er viele Stunden nehmen, um das zu lernen.

Die Welt hat sich seit 1996 stark verändert. Wie fühlt sich „Moving Target” heute an?

Kritiker, die beide Versionen gesehen haben, sagen, dass es heute noch weit mehr den Nerv der Zeit trifft. Die soziale Kontrolle über den Körper hat sich verschärft. Hinzu kommen all die Skandale um medikamentenbedingte Gesundheitsschäden. Tänzerisch ist das Stück heute dort stärker, wo es auf klassische Technik zurückgreift. In der sind die Tänzer in Marseille einfach besser ausgebildet als jene, die das Stück kreierten. Aber wirklich neu ist deshalb nichts. Die alten Utopien, Kunst neu zu erfinden, florieren wohl zu Beginn jedes Jahrhunderts wieder.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

bühne

5


crystal pite

Zwischen Extremen

Einen Monat nach Frédéric Flamands Gastspiel folgt am 21. Jänner die nächste auSSergewöhnliche Tanz­ theaterproduktion im Festspielhaus. Crystal Pite Präsentiert mit ihrer Compagnie Kidd Pivot Frankfurt RM ihr neuestes Stück. Von Thomas Hahn/Johannes Reichl

Bemerkenswert ist Pites Gastspiel dabei alleine schon aus der Dramaturgie des Festspielhausprogrammes heraus: Sorgte im März „Impressing the Czar“ von William Forsythe für Furore, ist nunmehr eine seiner bedeutendsten Schülerinnen am Start, die es selbst mittlerweile zur absoluten Meisterschaft und eigenen Formensprache gebracht hat. Jüngster Beweis hierfür ist die diesjährige Auszeichnung mit dem renommierten Jacob’s Pillow Dance Award. Ella Baff, Leiterin von Jacob’s Pillow, über die ausschlaggebenden Gründe zugunsten ­Pites: „Crystal ist eine der talentiertesten, intelligentesten und originärsten Tanzschaffenden der letzten Jahre. […] Sie wird im Bereich des Tanzes in der ganzen Welt respektiert und bewundert. Jede ihrer Tanzschöpfungen birgt etwas Unerwartetes und zutiefst Fantasievolles!“ Was auch mit ihrer Arbeitsweise zu tun hat. So erarbeitet die Kanadierin ihre Stücke meist plastisch und visuell, als wäre sie Malerin und Filmemacherin zugleich. In der „Offenbachpost“ erläutert sie diesbezüglich: „Ich mag Kontraste und bin von vielen verschiedenen Dingen beeinflusst. Manche Szenen haben bei mir einen bestimmten Flow, andere sind sehr scharf und präzise konturiert und haben viel Ruhe. Es ist schön, zwischen den Extremen wechseln zu können.“

STÜRMISCH Dies trifft selbstverständlich auch auf ihr neues Werk zu, das sie quasi taufrisch aus Frankfurt mitbringt. Ausgehend von Motiven aus Shakespeares „Der Sturm“ setzt sich Pite darin mit Archetypen auseinander und entwirft ein faszinierendes Bild über Rache und Vergebung, über Fiktion und Wirklichkeit. Wie Flamand in „Moving Target“ verdoppelt Pite auf ihre Weise ihre Figuren, jeder Person steht eine Kopie gegenüber, zudem legt sie ihre Protagonisten allegorisch an, wenn etwa ­Prospero und Caliban als Pole positiver und negativer Leidenschaften auftreten. Mehr lässt sich die Choreografin aber noch nicht entlocken: „Nur so viel: Es soll ein Stück in der zweiten Person sein. Der Zuschauer wird ­direkt angesprochen und soll fühlen können, dass es sich um sein eigenes Stück handelt.“ Das heißt direkte Betroffenheit beim Betrachter sowie eine Magie, der man sich kaum entziehen kann, wie auch „Le Devoir“ treffend konstatierte: „Crystal Pite braucht keine fünf ­Minuten, um das ­Publikum für sich zu erobern.“

Crystal Pite/Kidd Pivot Frankfurt RM. Festspielhaus, 21.01.2012 Kidd Pivot Frankfurt RM. Choreografie: Crystal Pite. Komposition: Owen Belton. Bühne: Jay Gower Taylor

6

bühne

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


six sells

a cappella „Im Gegensatz zu einem Chor ist bei a cappella die Einzelstimme wichtig. Es geht nicht ums Volumen, sondern um die Harmonie und die Soundeffekte“, beschreibt Gründer und Band-­ Papa Michael Haustein seine persönliche Interpretation von a cappella. Das bedeutet aber nicht, dass nur die Ohren bei einer Show der Gruppe verwöhnt werden: „Wir sind eine High-EnergyGroup. Die Musik verbindet sich mit einer ausgetüftelten Choreographie und Lichtshow.“ Aus Haustein spricht die langjährige Erfahrung. Gegründet wurde Safer Six bereits 1998 und hat nach einigen Umbesetzungen nun seine aktuellen stimmkräftigen – no na – sechs Mitglieder gefunden: Michael, Markus, Philipp, Martin, Manfred und Nicho. Was so spannend am Gesang ohne Instrumente ist? „Die Arrangements und die Umsetzung der Lieder bedürfen einer immensen Präzision. Instrumente verstimmen sich im Laufe eines Sets nicht, man kann sich daran orientieren. Die Stimme kann jedoch schwanken, deshalb braucht man eine große Sicherheit, um derartige Musik zu machen. Daher rührt auch der Name ‚Safer Six‘ – die sicheren Sechs.“ Dass der Bandname nicht ganz unzweideutig ist, sei kein Zufall. Mit Worten darf gespielt werden, und der Humor kommt nicht zu kurz. So hat sich mit der Zeit ein ganz eigener Stil in „Safer SixManier“ entwickelt. „Am Anfang haben wir hauptsächlich Covers aus den 70er und 80er Jahren stimmlich neu arrangiert. Heute komponieren wir mehr und mehr eigene Sachen, die Einflüsse aus Pop, Rock, Jazz und Klassik haben. Das Publikum erwartet bei Safer Six ein Gesamtkonzept. Jedes Programm hat einen thematischen Schwerpunkt, der musikalisch, szenisch und lichttechnisch zu einem energetischen Ganzen zusammengefügt wird“, fasst Haustein die Ziele der Band zusammen.

Was haben ein Chirurg, ein Zoologe, ein Schauspieler, ein Sänger und zwei Musiklehrer gemeinsam? Ganz einfach: Eine Stimme, die zugleich als Sprachrohr und Instrument dient. Die Gruppe Safer Six benötigt lediglich Mikrofone auf der Bühne, um zu beeindrucken. Von Marion Pfeffer

Im neuen Programm „Six sells“ wird die Werbeindustrie auf die Schaufel genommen. „Wir zäumen das Pferd gerne von hinten auf. Wir über­ legen uns ein Thema, und die Lieder kommen dann ganz von alleine“, plaudert der sechsfache Familienvater aus dem Nähkästchen. Von anderen heben sie sich durch ihre Konstanz ab: „Als Vorbilder dienen uns die Flying Pickets.“ Konkurrenz von den St. Pöltner Local Heros Bauchklang spürt Haustein nicht: „Die sind mehr auf die FM4-Schiene aufgesprungen. Wir sind unserem eklektischen Sound treu geblieben.“ Und so ist auch das Publikum von Safer Six so unterschiedlich wie der Background der sechs Sänger. Besonders im Gedächtnis geblieben ist Haustein ein Konzert für die österreichischen Truppen in Damaskus auf den Golan-Höhen: „Wir haben während eines Wintergewitters ‚Walking on sunshine‘ gesungen und so den Hagel vertrieben. Das war ein ganz außergewöhnliches Erlebnis!“ Für die Zukunft wünscht er sich, weiterhin in größeren Häusern spielen zu können, „um den Fans die bestmögliche Show bieten!“

„Six sells“ am 12.01.2012 in der Bühne im Hof

„Wir sind eine High-Energy-Group!“ Michael Haustein Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

bühne

7


kampfzone Familie

Käthe hat soeben ihr erstes Baby geboren – und befindet sich im Niemandsland des Wochenbetts. Zugleich verliebt sich ihr Mann Johannes, ein Philosoph, der mit seinem ersten Buch nicht vorankommt, in eine andere Frau. Die Neue heißt Anna, ist eine emanzipierte Intellektuelle, weit gereist und allein lebend. Anna verkörpert so ziemlich das genaue Gegenteil von Johannes’ Ehefrau. Eine uralte Geschichte, zugleich allgegenwärtig: Die Dreiecksbeziehung reißt die Protagonisten aus ihrer gewohnten Umlaufbahn. Gerhart Hautpmann ersann das Liebesdrama unter dem Titel „Einsame Menschen“. Das Stück findet sich seit seiner Uraufführung 1891 konstant auf den Spielplänen.

Wo findet geglücktes Leben statt? In der Familie oder Doch eher auf der Flucht vor ihr? Pauline Knof, Antje Hochholdinger sowie Christian Nickel im Ge­ spräch über Hauptmanns „Einsame Menschen“, Die im Landestheater Nieder­ österreich Von Janusz Kica InsZeniert werden. Von Petra Rathmanner

gefährliches Dreieck „Es geht um nichts weniger als um die Frage nach dem geglückten Leben“, sagt die Schauspielerin Pauline Knof im Gespräch mit „spielorte“. „Findet man sein Lebensglück innerhalb der Familie, als Hausfrau und Mutter, oder vielmehr in der Ungebundenheit, in einem intellektuell erfüllten Berufsleben?“ Die gebürtige Berlinerin stammt aus einer Schauspielerfamilie und war während der Direktion von Klaus Bachler am Burgtheater engagiert; mit „Einsame Menschen“ gibt sie ihren Einstand am Landestheater Niederösterreich. Ihre Figur, die in das trügerische Familienidyll eindringt und alles auf den Kopf stellt, beschreibt die 31-Jährige so: „Anna Mahr ist schwer zu ergründen, sie wirkt ambivalent: Sie sehnt sich nach Gemeinschaft – und will zugleich frei sein. In die Liebesgeschichte schlittert sie ohne Argwohn.“ Anna sei, urteilt Christian Nickel über den Part seiner Bühnenpartnerin, eine ideale Projektionsfläche. „Sie ist im Stück die geheimnisvolle Fremde“, sagt Nickel, der die Landestheater Niederösterreich, Rolle des Johannes Vockerat übernimmt, 28.01.2012, Premiere jenes Mannes zwischen zwei Frauen, die unterschiedliche Lebensentwürfe repräGerhart Hauptmann: sentieren. „Einsame Menschen“. Mit Brigitta „Die Figur des Johannes ist von innerer Furgler, Klaus Haberl, Antje Unruhe erfasst“, so Nickel weiter. „Er Hochholdinger, Christine Jirku, glaubt, die Erwartungshaltung seiner Pauline Knof, Christian Nickel, ­Eltern intellektuell überwinden zu könUlrike Sophie Rindermann, Oliver nen. Er kann sich jedoch emotional von Rosskopf, Helmut Wiesinger. den Konventionen nicht lösen.“ Nickel, Regie: Janusz Kica. Bühne: Karin 1969 in Heilbronn geboren und aufgeFritz. Kostüme: Aleksandra Kica. wachsen in Hamburg, studierte Medizin, bevor er sich ganz dem Theater widmete. Als Faust an der Seite von Bruno Ganz macht er sich in Peter Steins „Faust“-­

8

bühne

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


Marathon (2000) einen Namen. Daneben weist ­seine Werkliste Engagements im gesamten deutschsprachigen Raum auf, er war auch Ensemble-Mitglied am Burgtheater. Nickel, selbst Vater dreier Kinder, macht besonders die Art, wie sich die Bühnenfigur im Stück der Vaterschaft zu entziehen versucht, nachdenklich: „Die innige Zweisamkeit zwischen einer Mutter und ihrem Neugeborenen ist für Männer alles andere als einfach zu verarbeiten. Man empfindet Riesenstolz und ist zugleich von Zweifel geplagt. Man muss erst in die Vater­ rolle hineinwachsen.“ Johannes fehle es in dieser Hinsicht an Reife, um die Ambivalenzen und Verwerfungen des Lebens auszuhalten. Gerhart Hauptmann, der als naturalistischer Bühnendichter in die Literaturgeschichte einging und für dramatische Werke wie „Vor Sonnen­aufgang“ (1889) und „Die Weber“ (1892) Berühmtheit erlangte, schrieb „Einsame Menschen“ im Alter von 28 Jahren. Seinem Frühwerk, das auf Beobachtungen aus dem familiären Umfeld des Dramatikers basiert, fühlte er sich zeitlebens am nächsten. Antje Hochholdinger, die in „Einsame Menschen“ die betrogene Ehefrau Käthe gibt, resümiert wiederum: „Käthe ist eine einfache Frau mit geringem Selbstwertgefühl, die unendlich unter der Entfremdung zu ihrem Mann leidet. Zugleich ist sie eine Dulderin und erträgt die familiären Einengungen ohne aufzubegehren.“ Gerade die Figur der Käthe erfuhr in den jüngsten Interpretationen des Stücks eine überraschende Neubewertung. Aus dem erniedrigten Hausmuttchen wurde eine ­Figur, die im Lauf des Stücks die radikalste Entwicklung durchlebt. „Käthe wird wachgerüttelt“, meint auch Antje Hochholdinger.

„Es geht in ‚Einsame Menschen‘ um nichts weniger als um die Frage nach dem geglückten Leben.“ Pauline Knof Zur Autorin: Petra Rathmanner ist Feuilletonredakteurin und Theaterkritikerin der „Wiener Zeitung“.

DAs Bittere Ende Am Landestheater Niederösterreich wird das Stück von Janusz Kica inszeniert, übrigens die erste Arbeit des Regisseurs in St. Pölten. Bekannt ist der polnische Theatermacher für seine so eleganten wie reduzierten ­Inszenierungen, die Klassiker stets zeitgenössisch aussehen lassen. In Wien ist er seit Ende der 90er Jahre regelmäßiger Gast am Theater in der Josefstadt. Heimito von Doderers Bemerkung, wonach jeder, der sich in Familie begibt, darin umkomme, bewahrheitet sich in Hauptmanns „Einsame Menschen“ neuerlich. Am Ende des Stücks, das, wie ein Kritiker einst schrieb, gleichsam „mit geballter Faust“ verfasst worden sei, steht zerstörtes Leben.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

bühne

9


nox illuminata

engel & E-Gitarren

Die Musikerin und Regisseurin Ann Allen studierte Alte Musik UnD führt die Agentur „morethanmusic“. In St. Pölten Kennt man SIe als Seele von „Nox Illuminata“, Das Heuer zum Dritten Mal im Festspielhaus STattfindet. Althea Müller im Gespräch mit Ann Allen

„Musik ist der Treibstoff meines Lebens“, leitet die gebürtige Londonerin mit einem Augenzwinkern unser Interview ein.

Ann, Sie bringen „Nox Illuminata“ 2011 zum dritten Mal nach Österreich. Was erwartet uns?

Dieses Jahr konzentrieren wir uns noch mehr auf den visuellen Bereich und verwandeln das Festspielhaus in ein neobarockes „Winterwunderland“. Die Konzerte reichen von singenden Engeln und Hirten mit Motetten venezianischer Komponisten bis hin zu brasilianischer 60er Jahre Musik, bekannt aus dem Kultfilm „Orfeu Negro“, gemischt mit Monteverdis Oper „L‘Orfeo“. Außerdem bringen wir eine italienische ­Mittelalterdisco und schließen ab mit einem entspannten, jazzy „Groove of Bach“ – hier treffen Cembalo und barocke Oboen auf E-Gitarren und Drums.

Was bedeutet Ihnen persönlich das Festival?

„Nox Illuminata“ ist meine Chance, all die Musik, die ich liebe, groß zu zelebrieren – als exzessive Feier des

„‚Nox Illuminata‘ ist meine Chance, all die Musik, die ich liebe, groß zu ­zelebrieren – als exzessive Feier des Lebens und der Liebe!“ Ann Allen Festival „Nox Illuminata“, Festspielhaus, 01. – 04.12.2011: Ausnahmekünstlerin Ann Allen zelebriert mit internationalen Gästen ein vorweihnachtliches Festival quer durch die Epochen und Stile und spannt den Bogen dabei von (Ba)Rock und Mittelalter bis Oper und Groove.

10 bühne

Lebens und der Liebe! Und die Chance, meine liebsten musikalischen und kreativen Kollegen zusammenzubringen. Wir erforschen neue Ideen und vermischen Musik, was mein persönlicher Heiliger Gral ist. Emotional gesehen ist das mein Jahreshighlight, die Realisierung meiner Träume. Natürlich bin ich dabei nonstop am Organisieren, Planen, Proben – und Lächeln!

Was zieht die Menschen an Alter Musik der Renaissance oder des Mittelalters an?

Die Faszination liegt im subtilen Mix von großer Emotion bei gleichzeitiger Kontrolle – und Fakt ist, dass die Musik sehr rhythmisch ist. Die Anziehungskraft von epochaler Musik besteht also sicherlich in ihrer Eleganz, Einfachheit und Emotionalität.

Da Sie bald einmal mehr unser Gast sind, was fällt Ihnen spontan zu Österreich ein?

Ich liebe Österreich, die Menschen sind freundlich und offen. St. Pölten und das Festspielhaus haben einen speziellen Platz in meinem Herzen, weil ich hier die kreativen Möglichkeiten bekomme, meine künstlerischen Visionen in einer herzlichen Umgebung zu verwirklichen. Außerdem habt ihr das beste indische Restaurant der Welt! Ich komme eben von einem Trip nach Indien zurück und war sehr enttäuscht, weil das Essen dort nicht annähernd so gut war wie bei Rajput, dem Inder in eurer Innenstadt …


das leben, ein abenteuer Ronja Räubertochter

„Diese Geschichte Handelt vom Selbstständig werden. Ronja sucht ihre Position in der Erwachsenenwelt.“ Dora Schneider über ihre Inszenierung Von „Ronja Räubertochter“ am Landestheater Niederösterreich. Von Andreas Reichebner

Landestheater Nieder­ österreich, 26.11.2011 „Ronja Räubertochter“ (Premiere) Nach Astrid Lindgren. In einer Bearbeitung von Barbara Hass. Mit Christine Jirku, Elisabeth Luger, Ulrike Sophie Rindermann, Katharina von Harsdorf, Rainer Doppler, Gregor Fürnweger, Paul Goga, Klaus Haberl, Othmar Schratt, Helmut Wiesinger, Stefan Wilde. Regie: Dora ­Schneider. Bühne: Christian Weißenberger. Kostüme: Silke Fischer.

Schnupperwerkstatt: Kinder können selbst Theater spielen, das Haus erkunden und den Vorbereitungen zu den Vorstellungen von „Ronja Räubertochter“ beiwohnen. Für Kinder ab 6 Jahren am Samstag 26.11.2011 von 9:30 bis 12:30 Uhr. Für Kinder ab 9 Jahren am Freitag 25.11.2011 von 14 bis 17 Uhr. Teilnahmegebühr: 15,– inklusive kleiner Jause. Anmeldung: Simone Uhrmeister, 02742/908060-694, simone.uhrmeister@landestheater.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

„Ich habe in meiner Kindheit die Bücher von Astrid Lindgren verschlungen. Es stecken so viele kluge Ansätze darin“, schwärmt Regisseurin Dora Schneider von ihren frühen literarischen Begegnungen mit der schwedischen Schriftstellerin. „Sie haben mir sehr viel Mut gemacht.“ Lindgrens Figuren sind keine konfliktlosen idealen Menschen in vollkommenen Welten. Auch Ronja, die bei ihrer Räuberfamilie aufwächst, sich mit dem Sohn der feindlichen Sippe anfreundet, wird zwischen Freundschaft, Loyalität zur Familie und ihren Wertvorstellungen hin und hergerissen. „Die Hauptfiguren sind Vorbilder, aber sie sind nicht perfekt. Sie haben auch ihre schwachen Seiten, ihre Fehler. Ronja zum Beispiel ist sehr ruppig und aufbrausend. Es ist wichtig, die Widersprüche in den ­Figuren zu zeigen, auch in ihren Beziehungen unter­ einander“, meint Dora Schneider. „Das junge Publikum darf man nicht unterfordern. Es geht in der Geschichte ums Überwinden von Vorurteilen.“ Ronja stellt Hierarchien und festzementierte Geschlechterrollen gehörig in Frage. Als Isabella Suppanz Dora Schneider, die am Haus schon u. a. Molières „Menschenfeind“ und „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab erfolgreich ­inszenierte, vorschlug, „habe ich sofort ja gesagt.“ Wie sie an das Projekt herangeht? „Bei der Regiearbeit darf man sich nicht verstellen. Man muss mit großer Ehrlichkeit und viel Fantasie an die Sache herangehen.“ Und mit Gespür für die Wirkung des Dargebotenen. Unterhaltung ist für sie dabei kein Schimpfwort. „Gehaltvoll muss es sein!“ Wenn Dora Schneider Kinder im Theater beobachtet, ist sie begeistert, mit welcher Faszination sie dabei sind. „Sie sehen sich selbst auf der Bühne, und dieses Hineingezogenwerden möchte ich erreichen. Dabei geht es aber nicht darum, Gefühle vorzuschreiben. Es muss schon Raum dafür sein, dass das junge Publikum eigene Assoziationen haben kann – im Hinblick auf ihre Freundschaften, ihre Beziehung zu den Eltern. Denn die Botschaft des Stückes ist, keine Angst zu ­haben, sich nicht zu verkriechen, das Leben zu ent­ decken, es auch als Abenteuer zu sehen!“

bühne 11


spielplan der st. pöltner bühnen dezember 2011 & jänner 2012 dezember 2011 01

Detektivgeschichten vom Franz,

Landestheater, Theaterwerkstatt

01

gaudete! 19:30 Festspielhaus, Bühne Musik/Renaissance/Vokal

01

thomas maurer 20:00 Bühne im Hof Kabarett

01

Sneak Preview „Orfeo Negro“ 20:45 Festspielhaus, Café Publik Musik/Barock/Bossa Nova Detektivgeschichten vom Franz,

16:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

02

Eines langen Tages Reise

19:30 in die Nacht, Eugene O´Neill

Landestheater, Großes Haus Österreich-Premiere,

Gastspiel St. Pauli Theater Hamburg

02

Orfeo Negro 19:30 Festspielhaus, Bühne Musik/Barock/Bossa Nova

02

Sneak Preview 20:45 „Ballare e Danzare“ Festspielhaus, Café Publik Musik/Tanz/Medieval Rock

03

Detektivgeschichten vom Franz,

14:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

03

09

Eines langen Tages Reise

Gastspiel St. Pauli Theater Hamburg

Tiga Lily Electro Swing 21:45 Tanznacht Festspielhaus, Café Publik DJ Line, Visuals

03

10

19:30 in die Nacht, Eugene O´Neill

Landestheater, Großes Haus

10:30 Christine Nöstlinger

02

03

Detektivgeschichten vom Franz,

16:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

Ballare e Danzare 19:30 Festspielhaus, Bühne Musik/Tanz/Medieval Rock

Gespenster, Henrik Ibsen 16:00 Landestheater, Großes Haus

10

Die Affäre Rue de Lourcine, 19:30 Eugène Labiche Landestheater, Theaterwerkstatt

03

tricky niki 20:00 Bühne im Hof Show/Comedy

11

weihnachtskonzert 18:00 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik/Vokal

03

Sneak Preview 21:45 „The Groove of Bach“ Festspielhaus, Café Publik Musik/Barock/Jazz

15

Die Affäre Rue de Lourcine, 19:30 Eugène Labiche Landestheater, Theaterwerkstatt

04

The Groove of Bach 18:00 Festspielhaus, Bühne Musik/Barock/Jazz

15

16. guinnes irish christmas 20:00 festival Bühne im Hof Konzert

Anschl. Party im Café Publik

05

Sagenhafter Norden 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

16

Ronja Räubertochter, 16:00 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus

07

Gespenster, Henrik Ibsen 19:30 Landestheater, Großes Haus Danach Gespräch mit dem Ensemble

16

Die Affäre Rue de Lourcine, 19:30 Eugène Labiche Landestheater, Theaterwerkstatt

09

Ronja Räubertochter,

09

Detektivgeschichten vom Franz,

10:30 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus 16:00 Christine Nöstlinger Landestheater, Theaterwerkstatt

09

Ballet National de Marseille: 19:30 Moving Target Festspielhaus, Großer Saal Tanz Österreich-Premiere Anschl. KünstlerInnengespräch im Café Publik

09

andy lee lang & the spirit 20:00 Bühne im Hof Konzert

Danach Gespräch mit dem Ensemble

16

Bauchklang und Gäste 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Vokal Anschl. DJ-Acts im Café Publik

16

gernot kulis 20:00 Bühne im Hof Comedy

17

Detektivgeschichten vom Franz,

16:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

17

Der Verschwender, Ferdinand Raimund 19:30 Landestheater, Großes Haus

Einführungsgespräch vor der Vorstellung Familienvorstellung Vormittagsvorstellung/Schulvorstellung – etwaige weitere Vormittagstermine erfahren Sie direkt in den Häusern. FEST/SPIEL/HAUS/ ST/POELTEN/

12 bühne

Festspielhaus St. Pölten

Landestheater Niederösterreich

Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 90 80 80-222 E-Mail: karten@festspielhaus.at, www.festspielhaus.at Kartenbüro: Bühne im Hof und Festspielhaus, Linzer Straße 18, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 211 30

Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten Theaterkassa Ecke Roßmarkt/Heitzlergasse, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 60-600 E-Mail: karten@landestheater.net, www.landestheater.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


08

20

18

11

21

19

12

21

gernot kulis 20:00 Bühne im Hof Comedy

Nussknacker und Mausekönig 18:00 Festspielhaus, Box Musik/Literatur Gloria 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

23

Detektivgeschichten vom Franz,

14:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

23

Ronja Räubertochter,

29

Detektivgeschichten vom Franz,

30

Detektivgeschichten vom Franz,

30

Detektivgeschichten vom Franz,

16:30 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus 16:00 Christine Nöstlinger Landestheater, Theaterwerkstatt 14:00 Christine Nöstlinger Landestheater, Theaterwerkstatt 16:00 Christine Nöstlinger Landestheater, Theaterwerkstatt

31

Der Verschwender, Ferdinand Raimund 16:00 Landestheater, Großes Haus Silvestervorstellung

31

Der Verschwender, Ferdinand Raimund 20:00 Landestheater, Großes Haus Silvestervorstellung

jänner 2012 03

ferienwerkstatt Landestheater für Kinder ab 6 Jahren, von 03.01. bis 07.01

07

Neujahrskonzert 18:00 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

Neujahrskonzert 11:00 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

Die Affäre Rue de Lourcine, 19:30 Eugène Labiche Landestheater, Theaterwerkstatt DrauSSen vor der Tür 1 9:30 My darkest star live in concert, Wolfgang Borchert Landestheater, Großes Haus Österreich-Premiere, Gastspiel Thalia Theater Hamburg

Alexander Goebel 20:00 Bühne im Hof Comedy & Konzert

Ronja Räubertochter, 16:00 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus Crystal Pite/ 19:30 Kidd Pivot Frankfurt RM Festspielhaus, Großer Saal Tanz Österreich-Premiere Anschl. KünstlerInnengespräch im Café Publik

12

26

13

27

safer six 20:00 Bühne im Hof A Cappella

DrauSSen vor der Tür 1 9:30 My darkest star live in concert, Wolfgang Borchert Landestheater, Großes Haus Gastspiel Thalia Theater Hamburg

13

Peter & Teutscher 20:00 Bühne im Hof Medizin-Kabarett

14

Ronja Räubertochter, 16:00 nach Astrid Lindgren Landestheater, Großes Haus

14

Die Affäre Rue de Lourcine, 19:30 Eugène Labiche Landestheater, Theaterwerkstatt

18

Eine Nacht in Venedig 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Operette, Gastspiel der Bühne Baden

19

Alexander Goebel 20:00 Bühne im Hof Comedy & Konzert

20

Detektivgeschichten vom Franz,

brix, buchgraber & brandl 20:00 Bühne im Hof Kabarett thomas stipsits & Manuel rubey 20:00 Bühne im Hof Kabarett

28 Einsame Menschen, Gerhart Hauptmann 19:30 Landestheater, Großes Haus Premiere

28

Laurie Anderson 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Alternative/Performance

28

andreas vitasek 20:00 Bühne im Hof Kabarett

30

Das klinget so herrlich 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

31

Einsame Menschen, Gerhart Hauptmann 19:30 Landestheater, Großes Haus

31

Budapest Festival Orchestra 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

16:00 Christine Nöstlinger

Landestheater, Theaterwerkstatt

20

Hans Hollmann liest aus 19:30 Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus Landestheater, Großes Haus

jetzt ausgestellt bis 12.02.2012 | Landesmuseum Niederösterreich

Die Bühne im Hof

Landesmuseum Niederösterreich

Julius-Raab-Promenade 37, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 35 22 91 Kartenbüro: Tel. +43 (0)2742 / 211 30 E-Mail: karten@bih.at, www.bih.at

Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 90-999 E-Mail: info@landesmuseum.net www.landesmuseum.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

„Kraut & Rüben – Menschen und ihre Kulturpflanzen“. Ein interessanter Bilder­ bogen spannt sich über naturwissenschaftliche Grundlagen, Einflüsse auf geschichtliche Ereignisse, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. Und die prägende Kraft für das Landschaftsbild ganzer Regionen. Im Zentrum steht dabei immer der Mensch und sein Umgang mit Kulturpflanzen.

bühne 13

spielplan-doppelseite zum herausnehmen!

17


ein tag mit

Christine Zauchinger

Hier wird nach wie vor praktisch jedes Stück als Unikat in der eigenen Schneiderei gefertigt! Diese strahlt Geschäftigkeit aus: Zwei Damen sitzen über ihre Nähmaschinen gebeugt, im Hintergrund leuchten bunte Zwirnspulen. Christine Zauchinger, Leiterin der Abteilung Kostümwesen, begrüßt uns in ihrem Reich und führt uns ins Nebenzimmer, wo wir inmitten von Stoffballen und Puppen eine kurze Einschulung in Sachen „Wie ein Kostüm entsteht“ erhalten. Am Anfang ist der Kostümbildner, der seine Ideen zu Papier bringt und sogenannte Figurinen als Arbeitsgrundlage für die Näherinnen anfertigt. Spätestens jetzt kommt Christine Zauchinger ins Spiel. „Der Kostümbildner sagt, was er will, und wir schauen uns dann gemeinsam an, wie das gehen könnte.“ In Folge werden die Stoffe ausgesucht, danach geht’s ans Werken – und das hält immer wieder Herausforderungen parat. „Am Papier schaut ja alles immer einfach aus, aber man muss es erst umsetzen!“ Als Beispiel zeigt Christine Zauchinger eine Jacke, deren Knopflöcher Kreuze darstellen. „Da muss man dann kreativ sein, ausprobieren.“ Nach dem Motto „Geht nicht, gibt’s nicht“ wurden die Kreuze schließlich mit der Maschine gestickt. „Aber das ist ja das Schöne an dem Beruf, dass man kreativ sein muss!“ Ist ein Teil „fertig“, kommt die Anprobe. Im Theaterschneidereien sind zunehmend vom nächsten Schritt folgt die Probe mit allen, „bei der sich der Regisseur, Bühnenbildner, KosAussterben bedroht. Das Schlagwort „Syner­ tümbildner, Dramaturg, die Maske und ich in gie“ kaschiert dabei bloSS, dass viele Häuser den Zuschauerraum setzen und schauen, wie aus Kostengründen mit Fertigen Kostümen das Ganze auf der Bühne wirkt.“ Im Fall der Fälle folgt ein letzter Feinschliff, danach ist von verleihen vorlieb nehmen müssen. Nicht das Kostüm quasi freigegeben und darf die so das Landestheater Niederösterreich. Besucher durch seine Schönheit erfreuen. „Mit Von Johannes Reichl der Premiere ist meine Arbeit abgeschlossen!“ Allerdings nur vorübergehend, denn letztlich kehrt jedes Stück zu Christine Zauchinger zuSeit 22 Jahren ist die rück, spätestens dann, wenn es im Kostümgelernte Schneiderin fundus landet. Gut 4.000 Kostüme lagern dort! Christine Zauchinger am Wie bringt man da Ordnung rein? ­Zauchinger Theater in St. Pölten tätig. tippt sich an den Kopf. „Das ist alles hier abge15 Jahre wirkte sie in speichert – ich weiß von jedem Stück, wo es der Garderobe, danach ist!“ Unterteilt ist der Fundus in einen eigein der Schneiderei. Vor nen Damen- und Herrenfundus, zudem gibt drei Jahren übernahm sie es Schuhe, Schmuck etc. Damit das Depot die Leitung der gesamten nicht völlig überquillt, schafft man alljährlich Abteilung Kostümwesen. mit dem Flohmarkt am Tag der Offenen Tür ein bisschen Platz, wobei sich Christine ­Zauchinger nur ungern von einem Stück trennt. „Das sind meine Kinder“, sagt sie liebevoll. Und diese Liebe merkt man den Kostümen auch an. Sie macht ihre Magie aus!

14 hinterbühne

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


borcherts Requiem

Regisseur Luk Perceval hat das Kriegsheim­ kehrer-Drama „DrauSSen vor der Tür“ von Wolfgang ­Borchert in ­emotional überwäl­tigendes ­Theater der ­Traumatisierten verwandelt.

Der belgische Oberspielleiter am Hamburger Thalia Theater begreift seine Inszenierung als „Requiem“, ganz der Intention des 1947 einen Tag vor der Uraufführung verstorbenen 26-jährigen Dramatikers folgend. Die musikalische Komposition zur Totenmesse liefern in der aktuellen Arbeit die drei Musiker der Band „My Darkest Star“. Deren Sänger, Hauptdarsteller Felix Knopp, wird als Unteroffizier Beckmann zur Stimme des Rufers in der Trümmerwüste des ersten Nachkriegsjahres. Von Stefan Grund Den seelischen Abgrund spiegelt das geniale Bühnenbild von Katrin Brack. Ein riesiger Spiegel am Bühnenhimmel zeigt unter dem Bild der ersten Publikumsreihen an der Rampe Beckmann, der seinen Mikrofonständer als Krücke für psychische Kriegsschäden nutzt. Dahinter dreht sich, als gewähre sie einen Blick in seinen Kopf, die große schwarze Vinyl-Langspielplatte des Leids. Knopp knurrt, röchelt, schreit, brüllt, hechelt und weint seine Fragen an Gott und all die anderen, die versagt haben, ins Mikrofon. Er wird gehetzt vom Chor der Toten und Verwundeten, für die er die Verantwortung trägt, dem Chor der Schatten, verkörpert von acht professionell agierenden Laien des Thalia-Behinderten-Theaterprojekts „Eisenhans“. Die gleichgültigen Überlebenden, die abgestumpft Leben Vorspiegelnden, werden allesamt von Barbara Nüsse gespielt, vom lieben Gott bis zum Kabarettbesitzer, vom Oberst bis zur Frau. Nüsse wächst über sich hinaus. Sie und der starke Peter Maertens als einbeiniges Beckmann-Opfer lassen den Unteroffizier fallen, in dieser Gesellschaft findet er keinen Halt. Sie ist sein Abgrund.

künstler

fragebogen

Mit Gefühl und Fantasie gibt Bühnenbildnerin ­Dorothea Wimmer den Geschichten auf der ­Bühne einen Raum. Bühne ist für mich … „eine

„­ eigene“ Welt, die ich zu einer Geschichte, welche nicht meine ist, erfinden kann, und in der ich schalten und walten und spielen kann – mit einem Spielkameraden, der Regisseurin/dem ­Regisseur …

Welches Stück würden Sie gerne einmal ausstatten und warum? … „Die kleine Meerjungfrau“ –

es ist DAS Märchen meiner Kindheit.

Welche Eigenschaften braucht man in Ihrem Job? … Durchhaltever-

mögen, Selbstvertrauen, Geduld, Fantasie, Hausverstand für deren Umsetzung.

Realität vs Fantasie bedeutet …

Leben/Traum, Küsse/Bisse, das eine geht ohne das andere nicht! Landestheater Niederösterreich, 12./13.01.2012 Wolfang Borchert: „Draußen vor der Tür.“ My Darkest Star live in concert. Österreich-Premiere. Mit Barbara Nüsse, Felix Knopp, Peter Maertens und Darstellern aus den EisenhansTheaterprojekten: Nora Fiedler, Josefine Großkinsky, Mila-Zoe Meier, Joana Orth, Swatina Wutha, Nikolas Gerlach, Paul Kai Schröder, Daniel Tietjen. Musiker: Martin Dog Kessler, Dirk Ritz, Marco Schmedtje. Regie: Luk Perceval. Bühne: Katrin Brack. Kostüme: Anja Sohre. Musik: My Darkest Star. Gastspiel Thalia Theater Hamburg. Zum Autor: Stefan Grund ist Theaterkritiker, Kolumnist und FeuilletonRedakteur der Tageszeitung „Die Welt“.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

Mich inspiriert … mein Hund, die Arbeiten der anderen – also Bücher, Museen, Filme, mein Mann, Freunde, Spaziergänge und ganz vieles sonst noch. Grenzen der künstlerischen Freiheit sind … wo man anderen in

der Arbeit zu nahe tritt oder Verletzungen rechtfertigt, indem man das Kunstmäntelchen darüber hängt.

Ohne das geht nichts … gute Filme, gutes Essen, gutes Trinken, und vor allem gute Freunde. Mein nächstes Projekt ist …

„Der ferne Klang“, Oper von Franz Schreker in Bonn und gleichzeitig „Die Affäre Rue de Lourcine“ in St. Pölten.

hinterbühne 15


das ehrlichste publikum Auf Augenhöhe

Kunst für Kinder, was ist das? So etwas wie Cartoons, nur auf einer Bühne? Alles Friede-Freude? Spielorte Fragte Künstler und KulturVErmittler, was es Wirklich heiSSt, Kinder zu unterhalten, zu fordern und zu fördern. Von Althea Müller

Kinder schauen mit dem Herzen! Die Lesung von „Nussknacker und Mausekönig“ führt die Burgschauspielerin Sabine Haupt im Advent ins Festspielhaus St. Pölten. Eine ganz besondere Rolle für sie, die sie schon oft speziell für Kinder vorlas und spielte.

Kinder schauen mit dem Herzen. Ich empfinde es als bereichernd und beglückend, für Kinder zu spielen.

Worin liegt der Reiz, etwas für ein kindliches Zielpublikum vorzutragen? Kinder sind das ehr­

des Märchen, bisweilen gruselig und phantastisch, ein romantischer Stoff, vielschichtig, sprachlich sehr anspruchsvoll, daher für kleinere Kinder überfordernd. Karl Stirners ungewöhnliches Zitherspiel kreiert eine packende Atmosphäre, unterstreicht oder konterkariert den Text. Kopf und Herz werden gleichermaßen angesprochen.

lichste, gnadenloseste, unverstellteste, dankbarste und euphorischste Publikum. Das heißt maximales Risiko, aber auch maximale „Gewinnausschüttung“, wenn es glückt. Ob bei einem effektvollen Spektakel im großen Saal oder einer Lesung in kleinerem Rahmen, man spürt unmittelbar, ob die Kinder „dran“, mit einem in Kontakt sind. Der Energiefluss läuft nicht über Kopf-Umwege,

„Nussknacker und Mausekönig“ eignet sich für Kinder ab acht Jahren – warum? Es ist ein spannen-

Was können sich Kinder von einer Theatervorstellung oder Lesung mitnehmen? Spaß, Anregung, Fragen, Irritation, Verzauberung, Ver-Rückung, Verlangsamung, Herzensbildung, Empathie – solange ein lebendiges, beidseitiges Sich-Einlassen stattfindet. Zum Theater muss man aber gegebenenfalls hinführen, deshalb kann man nicht früh genug damit anfangen, Kindern Spiel- und Theatererlebnisse zu ermöglichen: Kasperletheater, Vorstellungsbesuche mit der Schule, Einstudieren von Stücken im Unterricht. Ein Theaterbesuch muss „erlernt“ werden, so wie man zu Konzert- oder Opern­ besuchen hingeführt werden muss.

Wo liegt die künstlerische Verantwortung in der Arbeit für ein kindliches Publikum? Die Inszenie-

rungen von Kinder- und Jugendtheateraufführungen sind oft grell, oberflächlich, effektheischend, setzen sich in Ästhetik, Sprache und Erzählweise in Bezug oder Konkurrenz zu Fernsehen, Comics, Computerspielen. Darüber ärgere ich mich, denn man misstraut damit der Konzentrationsfähigkeit, Phantasiekraft und Feinsinnigkeit von Kindern, aber auch dem, was das Theater vermag: Die Kraft des unmittelbaren Erzählens und Erlebens auf der Bühne und im Zuschauerraum ist einzigartig. Natürlich müssen die Stücke altersgemäß sein, die „Begegnungen“ ansonsten aber auf Augen­höhe statt­ finden.

16 hinterbühne

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


Gnadenlose Direktheit Noch bis Jänner laufen in der Theaterwerkstatt des Landestheaters die „Detektivgeschichten vom Franz“ von Christine Nöstlinger. Ensemblemitglied Hendrik Winkler, der damit sein Regiedebüt ablegte, sieht seine Arbeit für junges Publikum als gern angenommene Herausforderung: „Kinder feiern eine Party im Zuschauerraum und kennen noch keine antrainierten Theaterbesuchsregeln“, lacht er. „Der Reiz, etwas für sie zu inszenieren, liegt in ihrer gnadenlos ehrlichen Direktheit – du bekommst es auf der Bühne unmittelbar zu spüren, ob es ihnen Spaß macht.“ Seinen grundsätzlichen Standpunkt zum Kindertheater streicht er auf die Frage nach Trends in diesem Bereich klar heraus: „Einfach gute Geschichten erzählen!“ Sehen, begreifen, umsetzen! Jeden 1. Sonntagnachmittag im Monat steht das Landesmuseum mit Basteln bis Forschen ganz im Zeichen der Kinder: „Kino“ im MikroLabor oder Rätseltouren verstärken den gerade bei den Jüngsten vorhandenen Appetit auf Wissen. „Unsere Sparten Natur, Kunst und Geschichte bieten vor allem Familien und Schulklassen interaktive Möglichkeiten, immer Neues zu entdecken“, erläutert Kulturvermittler Dr. Johannes Kritzl, „und um das Museum ‚zum Sprechen zu bringen‘, bieten wir zu den Ausstellungsthemen jeweils auch einen Aktivteil an, um das Gesehene und Erlernte spielerisch anzuwenden.“

Festspielhaus: 18.12.2011 (Familienvorstellung), Schulvor­stellungen am 19. und 20. 12.2011. Musikalische Lesung von E.T.A. Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“ (ab 8 Jahren). Mitwirkende: Sabine Haupt (Lesung), Karl Stirner (Zither). Produktion: Burgtheater Wien. Landestheater, Theaterwerkstatt: bis 20.01.2012. „Detektivge­schichten vom Franz“ (ab 4 Jahren). Nach Christine Nöstlinger. In einer Be­arbeitung für das Landestheater von Hendrik ­Winkler. Mit Christine Jirku, Ulrike Sophie Rindermann, Paul Goga, Klaus Haberl, Jürgen Weisert, Stefan Wilde, Hendrik Winkler. Regie Hendrik Winkler. Bühne und Kostüme Ilona Glöckel. Landesmuseum: Infos unter www.landesmuseum.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

„What is behind that curtain?“ – Vor 30 Jahren in­ teressierte diese existenzielle ­Frage nicht nur die amerikanische Avantgarde-Queen Laurie Anderson … Von Andreas Reichebner

laurie anderson

Hinter dem Vorhang

… sondern auch einen einfachen St. Pöltner Studenten sowie wohl noch einige abertausende andere Zweibeiner. Aber das ist eine andere Geschichte, „another story“. Laurie Anderson dabei zuzuhören, wie sie „storys“ erzählt, ist eine besondere Erfahrung. Performance ist ein beliebiges Wort in unserer Zeit geworden. Laurie Andersons Auftritte geben diesem wieder die ursprüngliche Bedeutung zurück. Die 1947 bei Chicago geborene und zur New Yorkerin gewordene Anderson verknüpft gleichnishafte Poesie, analytischen Intellekt und scharfzüngige Gesellschaftskritik mit ironischer Philosophie zu einer leichtfüßig daherkommenden „musikalischen“ Performance. Lustvoll und schalkhaft seziert sie gesellschaftliche Muster, politische Befindlichkeiten und die ewig gleichen Themen der Menschheit: „Meine Arbeit ist mehr ein Versuch, gute Fragen zu stellen und nicht mit großen Shows daher zu kommen“, sagt sie. Dabei schauspielert sie wie Stummfilmstars à la Buster Keaton, verfremdet ihre Stimme mittels Voice Encoder und erzeugt mit ihrer elektronischen ­Vio­line eine künstlerisch multimediale Atmosphäre. Ihre Geschichten bleiben in Erinnerung. Auch jene von der Hündin, die gegen jegliche Gefahren – von links, rechts, vorne und hinten – gewappnet schien. Und dann kam diese von oben (in Form von Geiern). Seitdem läuft die Hündin mit dem Blick nach oben gewandt, genau wie es New Yorker tun, seit 9/11. Anderson ist böse, auf eine humorvolle Weise. Und seit 2008 mit der fleischgewordenen, zynischen Underground-Ikone Lou Reed verheiratet. Aber das ist nicht wirklich relevant für ihre Kunst, denn sie stellt schon seit über 40 Jahren ihre listigen Fragen. Und da kommen wir endlich zu eingangs erwähntem „Was ist hinter dem Vorhang?“ (aus „Born nerver asked“, 1982). Der ehemalige St. Pöltner Student, der sich mit diesen Zeilen dem Kosmos Laurie Anderson zu nähern versuchte, fragt sich das noch immer. Laurie Anderson hat den Vorhang schon zur Seite geschoben. Festspielhaus, 28.01.2012: Laurie Anderson

Hinterbühne 17


alexander goebel MY WAY

„Als ich vor zwei Jahren begann, mein neues Programm zusammenzustellen, wusste ich: Das würde in ‚Die Krise’ reinfallen. Also nenne ich’s … ‚Gute ­Gefühle’.“ So der Entertainer und Hansdampf-in-allen-Gassen Alexander ­Goebel zu seiner aktuellen Tour. Die Zweischneidigkeit des Titels ist klar und gewollt. „Denn derzeit pfuschen wir der Natur ins Handwerk, durch Schönheits-OPs, durch Gemütsaufheller wie Prozac.“ Alles müsse hübsch anzusehen sein, Gesicht wie Emotion. „Es gibt keine Kultur des Scheiterns.“ Sagt einer, der das Scheitern immer einkalkuliert hat. Der, als er nach Österreich kam, gleich einmal als „Piefke“ gedisst wurde. „Es gibt in Österreich so eine Art vorauseilenden Rassismus.“ Er ist „Rock’n’Roll-­ Und er wird konkret: „In meinem aktuellen Programm spielen meine Band geschädigt“, zugleich und ich uns durch 60 Jahre Popkultur. durchdrungen von Kann sich jemand vorstellen, dass in ­„guten Gefühlen“, hat den Fünfzigern Sänger so taten, als wären sie Amerikaner, also Ausländer, Shakespeare mit Deep um bei uns Erfolg zu haben?“ UndenkPurple bekannt ge­ bar sei das heute. Er selbst habe sich macht, war Jesus und halt durchboxen müssen. Sagt er völlig unlarmoyant. „Dafür brauch ich auch Judas zugleich, stürm­ niemandem dankbar sein, bin auch te die Charts und hat nicht erpressbar.“ eine eigene Radio-show. Nach einigen Jahren im Wiener Reinhardt-Seminar Anfang der Siebziger, Wie das zusammen wo er sich u.a. mit seiner von ihm kongeht? Recht gut … wenn zipierten Studentenzeitung SemiNarr man Alexander Goebel nicht nur Freunde geschaffen hatte, erhielt er gleich darauf Engagements heiSSt. Von Thomas Fröhlich von den Theatermachern Haspel, Gratzer und Blaha. Bei letzterem passierte es dann, dass Goebel in dessen Volkstheater den Mercutio-Monolog aus Alexander Goebel „Romeo & Julia“ gleichsam „rockte“: „Es gab so viele hervorragende Vorgänger. Und da beschloss ich, es ganz anders zu machen. Nach den ersten beiden Zeilen hielt ich den Monolog so, wie Ian Gillan von Deep Purple ihn gemacht haben könnte.“ Was ihm postwendend eine Einladung ans Theater an der Wien zu „Jesus Christ Superstar“ einbrachte, wo er sowohl Jesus als auch Judas abwechselnd sang, und das auf deutsch und englisch. „Ein Alptraum! Es gab Tage, da wusste ich nicht, ist heute Jesus auf deutsch oder Judas auf englisch dran!“ Dazwischen lagen die im Schauspielhaus umjubelte Bühnenfassung der „Rocky Horror Picture Show“ sowie zahlreiche chartsträchtige Plattenaufnahmen. Und natürlich das „Phantom der Oper“. Neben seiner Musical-Karriere schuf sich der Allrounder aber auch einige weitere Standbeine wie das des Kabarettisten, des Moderators einer eigenen Radio-Show, des Filmschauspielers oder des klassisch versierten Vorlesers. Und über allem thront nach wie vor der Rock’n’Roll. „Ich frage mich, meine Familie und meine Freunde jedes Jahr: Geht’s no? Und bis jetzt war die Antwort: Ja.“ Wobei er sich in guter Gesellschaft befindet, wozu auch Ian Gillan beipflichten tät’.

„Es gibt keine Kultur des Scheiterns.“

Bühne im Hof, 19.01. & 20.01.2012 Alexander Goebel & Band: Gute Gefühle

18 Garderobe

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


familiensumpf

Die von Aristoteles vorgeschriebene Einheit von Zeit, Raum und Handlung bleibt in Eugene O‘Neills Schauspiel „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ gewahrt, das Geschehen ist von antiker Wucht – und doch ganz autobiografisch. Von Barbara Petsch Der US-Nobelpreisträger (1936) bewältigt schreibend seine Familiengeschichte. Regisseur Ulrich Waller spricht über den Autor und sein Werk. Gerade das „schonungslos Autobiografische“ an dem Stück, das O’Neill bis 25 Jahre nach seinem Tod 1953 gesperrt haben wollte – seine Witwe hob die Sperre auf – hat Waller an dem Werk fasziniert: „Selten hat man einem Autor, der ein Weltautor und lange Zeit der meistgespielte amerikanische Autor im deutschsprachigen Raum war, so direkt über die Schulter, direkt ins Haus und auch in die Seele gucken können.“ Das Original dauert fünf Stunden, Waller ortet „Loops und Redundanzen“, Kürzung bedeutet auch Zuspitzung, damit müsse man ­leben, meint er. Dass er bekannte Schauspieler gewann, bedeutet nicht, dass der Regisseur keine Arbeit habe, betont Waller: „Profilierten Darstellern muss man zwar nicht viel erklären, aber man kann und muss sich auseinandersetzen über Sichtweisen auf eine Figur.“ Von der abgründigen Komik, die heute im Theater üblich ist, hat O’Neill wenig, zu lachen gibt es nichts, da ist nichts zu machen, und Waller will das auch gar nicht: „Wenn die Schauspieler gut sind, ziehen sie den Zuschauer immer mehr hinein in diesen Sumpf, der sich Familie nennt, und den man vielleicht bei anderen noch komisch finden kann, hier aber nicht.“ Landestheater Niederösterreich, 02./03.12.2011, Österreich-Premiere. Eugene O’Neill: „Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Mit Michael Abendroth, Ben Becker, David Bennent, Angela Schmid, Anne Weber. Regie Ulrich Waller. Bühne Raimund Bauer. Kostüme Ilse Welter. Gastspiel St. Pauli Theater Hamburg Zur Autorin: Barbara Petsch ist seit 1985 Redakteurin bei der Zeitung „Die Presse“, seit 1987 in der Kulturredaktion bzw. im Feuilleton.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

Der tiefe Fall der Donau­monarchie als grausiger Totentanz. Von Thomas Fröhlich

hollmann liest kraus APOCALYPSE … NOW?

„In Wahrheit zerstört [der Journalismus] die geistige Empfänglichkeit der Nachwelt.“ So der 1936 verstorbene Sprachkünstler und Querdenker Karl Kraus zu einer politisch wie wirtschaftlich willfährigen Medienlandschaft. Darum geht’s auch in seinem opus magnum „Die letzten Tage der Menschheit“, das, führte man es komplett auf, rund zehn Abende beanspruchen würde: ein Marathon, orchestriert von dumpfestem Boulevard. Der Kraus-erfahrene Schauspieler und Regisseur Hans Hollmann hat eine zweistündige Szenenfolge daraus zusammengestellt, beginnend mit der Ermordung des Thronfolgers bis hin zum Zusammenbruch jeglichen zivilisierten Verhaltens, gipfelnd in Grausamkeit und Massenmord. Kraus’ Waffe ist einzig und allein seine entlarvende Sprache, von Hollmann kongenial umgesetzt. Ob als schönbrunnerisch näselnder Wiener, fluchender Fiakerkutscher oder in seinen eigenen Befehlston verliebter preußischer Offizier: Im Alleingang zeigt Hollmann alle Nuancen seines Könnens und switcht in Sekundenbruchteilen zwischen den unterschiedlichsten Protagonisten hin und her. Zur K.u.k.-Nostalgie hierzulande meint er: „Die fundamentale Verzauberung der Österreicher durch Monarchisches […] scheint mir vielmehr eine österreichische Volkseigenschaft zu sein, die, erinnert man sich an die feier­ lichen Mienen hoher Sozialdemokraten anlässlich des Festgottesdienstes [für Otto von Habsburg], geradezu etwas Liebenswertes hat.“ Hollmann erweckt ein Pandämonium zum Leben, das mitunter zu verzweifeltem Lachen reizt, aber noch öfter dafür sorgt, dass es im Halse stecken bleibt. Landestheater Niederösterreich, 20.01.2012: Hans Hollmann liest aus „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus.

„In diesem Stück wird die Sprache als schlimmste Täterin, als gefährlichste Waffe des Menschen entdeckt.“ Hans Hollmann

Blick in die seele

Garderobe 19


was der besucher braucht Ein Aha-Erlebnis

Das Landesmuseum gibt es seit 100 Jahren, seit wann beschäftigen Sie sich mit dieser Institution?

Die Kunsthistorikern Dr. Elisabeth Vavra ist Leiterin des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Krems. Zudem arbeitet sie als Kuratorin ­groSSer kulturhistori­ scher Ausstellungen, so auch fürs Landes­ museum. Zuletzt kura­ tierte sie „100 Jahre ­Landesmuseum – Gesammelte Vielfalt“. Von Mella Waldstein

Ich war schon als Schülerin Besucherin des Landesmuseums, damals noch in der Wiener Herrengasse. Beruflich war ich mit meinem damaligen Chef Prof. Dr. Karl Brunner in die Planung des Landesmuseums in St. Pölten involviert, wir hatten ja bis zum Umbau des Hauses den kleinen Raum – genannt die Schatzkammer – betreut. Dafür habe ich die Eröffnungsausstellung „Schätzereich, Geschichtereich, Nieder­ österreich“ gestaltet, die sich mit der Geschichte bis 1848 beschäftigt, sowie im vorigen Jahr die Ausstellung über den Barockbaumeister Jakob Prandtauer.

Wie gehen Sie als Kuratorin an ein kulturhistorisches Thema heran?

Ich denke anders als andere Kuratoren. In der Theorie überlege ich schon, was ich alles an Botschaften herüberbringen will, aber ich schau mir schon sehr bald die Gegebenheiten vor Ort an. Und ich investiere mehr Zeit als andere in die Zusammenarbeit mit den Ausstellungsarchitekten. Es geht nicht, eine Urkunde neben die andere zu reihen und zu erwarten, dass der Besucher sagt: „Aah, eine Urkunde!“ Denn ich weiß, was er sagt: „Um Gottes Willen, schon wieder eine Urkunde.“ Ich gehe so heran: Der Besucher hat nun soundso viele Objekte gesehen und ich muss ihm eine Verschnaufpause geben, ihm etwas zeigen, was Spaß macht, etwas Interaktives, oder womit er seine Kinder beschäftigen kann. Besucher brauchen ein Aha-Erlebnis, bei dem sie sich von der etwas trockenen ­Materie der Geschichte erholen können. Das können nicht der Ausstellungsarchitekt, der Grafiker und die Museumspädagogin alleine bewältigen, da muss auch der Kurator mitdenken.

Wie zeigte sich das bei der Jubiläumsausstellung „Gesammelte Vielfalt – 100 Jahre Landesmuseum“?

Es stellte sich die Frage: Wie kann ich den Sammlungsbestand so zeigen, dass es was anderes ergibt als die Highlights aus den diversen Sammlungen zu präsentieren.

20 galerie

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


„Es geht nicht, eine Urkunde neben die andere zu reihen und zu erwarten, dass der Besucher sagt: ‚Aah, eine Urkunde!‘“ Elisabeth Vavra

Außerdem gibt es im Haus die permanenten Ausstellungen – und wo wäre dann der Unterschied gewesen?

Wie haben Sie das Dilemma gelöst?

Die Aufgabe eines Museums ist Sammeln und Bewahren. Also wollten wir einmal zeigen, was einerseits nicht in der permanenten Ausstellung zu sehen ist, und auf der anderen Seite einen Blick hinter die Kulissen werfen. Wer dort aller arbeitet. Wir haben die Sammler vorgestellt und zeigten wie so eine Sammlung entsteht. Eine Sammlerpersönlichkeit war etwa Dr. Rupert Feuchtmüller. Ihm hat das Museum die große Barocksammlung zu verdanken.

Was hat sich bei der Konzeption von Ausstellungen generell verändert?

So viele Objekte wie früher zeigt man nicht mehr, denn man weiß in der Zwischenzeit, dass es nicht auf die Fülle ankommt, sondern auf die Vermittlung. Das Ziel ist schon Wissen zu vermitteln, aber nicht mit dieser extremen Masse. Im Vergleich zu den 1970 und 1980er Jahren haben wir eine große Konkurrenz in den Medien.

Wie kommt man zu Exponaten?

Man bekommt nicht immer das, was man haben will, oder oft nur für sechs Wochen – das mache ich nicht mehr. Wenn, dann muss das Exponat die ganze Ausstellung über zu sehen sein. Nur um mich zu präsentieren, wie viele tolle Originale ich habe – und nach sechs Wochen hängt ein Faksimile, das finde ich nicht in Ordnung. Heutzutage entscheiden die Restauratorinnen und Restauratoren, ob ein Bild verliehen wird. Vor 20 Jahren hat man den zuständigen Sammlungsleiter angerufen und gesagt; „Geh, du bitte, ich bräuchte...“

Brauchen wir überhaupt Originale?

Eine Ausstellung, die nur mehr mit Reproduktionen arbeitet und nicht mehr den Reiz des Originals hat, ist nicht das Wahre. Es bedeutet schon etwas vor einer Füll­ feder zu stehen, mit der Maria Theresia geschrieben hat, oder eine Urkunde zu ­sehen, die wirklich Leopold I. unterschrieben hat. Gerade weil wir in einer Welt der Vervielfältigung leben, ist das Original ein Thema. Das ist die Stärke des Museums.

Aktuelle Ausstellungen im Landesmuseum „100 Jahre Landesmuseum – Die Geschichte“ noch bis 15.04.2012 „Kraut & Rüben“ – bis 12.02.2012 Zur Autorin: Mella Waldstein, Journalistin und Autorin mit Schwerpunkt Kulturgeschichte, sowie Themen aus Mittel- und Osteuropa. Lebt mit Familie im Drosendorf a.d. Thaya.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

Landesgalerie ante portas Unter dem Titel „Zeit Kunst Niederösterreich“ wird ab kommendem Jahr in der aktuell im Entstehen befind­lichen Landesgalerie, die an den Standorten Landesmuseum St. Pölten und Dominikanerkirche Krems situiert sein wird, eine Plattform für zeitgenössische Künstler aus oder mit engem Bezug zu Niederösterreich geschaffen. Die ersten Ausstellungen werden in Krems Manfred Wakolbinger (s. Bild) und in St. Pölten Hans Kupelwiesergewidmet sein.

galerie 21


short cuts Festspielhaus | 16.12.2011 Bauchklang und Gäste. Ihr Sound von Electronic über Hip Hop und Reggae rein aus Stimme und Bauch heraus hat die St. Pöltner Formation Bauchklang von Indien bis Kanada geführt und ihnen mehrere Awards eingebracht. Die vorweihnachtliche Performance in ihrer Heimatstadt mit Künstlerfreunden aber bleibt auch nach Reisen und Preisen legendäre Tradition und sorgt heuer einmal mehr für ein vibrierend volles Festspielhaus.

Landestheater | ab 19.11.2011 Die Affäre Rue de Lourcine. Zwei anständige Bürger sind im Rausch zu Mördern eines Mädchens geworden. Zumindest sind sie davon überzeugt, denn die Beweislage ist erdrückend. Verzweifelt versuchen sie alle Spuren zu tilgen und die Maske des normierten Alltagswesens aufrecht zu erhalten. Regisseurin Barbara Nowotny: „Meisterhaft deckt Labiche die dunklen Geheimnisse auf, die hinter manch ehrenwerter Fassade verborgen liegen. Die Prosa-Übersetzung von Elfriede Jelinek begeistert durch ihren trockenen und schwarzen Humor.“

Bühne im Hof | 27.01.2012 Stipsits & Rubey. Eine zufällige Begegnung führt zu den wesentlichen Fragen: Was ist der Unterschied zwischen Wirklichkeit und Realität? Wo fängt Verrücktheit an? Stimmt es, dass wir 200 mal pro Tag lügen? Fragen wie diese stellen Manuel Rubey und Thomas Stipsits in ihrem Programm „Triest“. Wie urteilte die Kleine Zeitung: „Stipsits und Rubey haben sich gefunden. Sie sind herrlich respektlos, felsenfest zeitlos, mit ihrer eigenen Person gnadenlos, manchmal atemlos, aber niemals tonlos.“

22 parkett

bis 10.12.2011 | Landestheater Henrik Ibsen: Gespenster. „Die ‚Gespenster’ werden wahrscheinlich in einigen Kreisen Alarm schlagen, aber das mag geschehen. Würden sie es nicht tun, dann wäre es unnötig gewesen, das Stück zu schreiben“, so Ibsen zur deutschen Erstaufführung seines „Skandalstückes“ um Ehebruch, Inzest und Sterbehilfe 1886. Die „Gespenster“ haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, wie man sich im Landestheater über­ zeugen kann.

12.02.2012 | Bühne im Hof Wiener Comedian Harmonists. Die 30-er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Die Comedian Harmonists begeistern mit ihren legendären Musikstücken. 80 Jahre später sind die Comedian Harmonists erneut unterwegs, diesmal die Wiener. Und wieder betören sie ihr Publikum. Warum? Erstens weil sie Originalpartituren verwenden und zweitens weil die sechs Musiker des Wiener Staatsopernchors exzellent singen. Kultfaktor!

31.01.2012 | Festspielhaus Budapest Festival Orchestra. „Ein Orchester­musiker ist ein Künstler, kein Angestellter! [...] Nur ein Orchester wahrer Künstler ist in der Lage, den Traum des Komponisten zum Leben zu erwecken und dem Publikum eine erhebende Erfahrung zuteil werden zu lassen. Das ist das Ziel, zu dem das Budapest Festival Orchestra geschaffen wurde“, so Dirigent Ivan Fischer. In St. Pölten lässt man u. a. mit Rimski-Korsakows ­„Scheherazade“ 1001 Nacht wieder auferstehen.

bis 31.12.2011 | Landestheater Der Verschwender. „Ich habe viele schlechte Raimund-Aufführungen gesehen“, konstatiert Jérôme Savary. Umso glücklicher darf sich Österreich schätzen, dass der geniale französische Theatermacher in St. Pölten Raimunds „Verschwender“ in einer ihm typischen, grandiosen Aufführung zeigt. Zum letzten Mal als Silvestervorstellung um 16:00 und 20:00 Uhr!

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


500. Mitglied Einen ganz besonderen Grund zum Feiern hatte vor kurzem der Förderverein Kulturbezirk! So hat man erstmals in der Vereins­ geschichte die magische 500 Mitglieder-Schallmauer durchbrochen! Obmann Lothar Fiedler (2.v.r.) stellte im Rahmen der FestspielhausSaisoneröffnung das Neomitglied Silvia Lang vor. Gründungsobmann Herbert Binder (r.) überreichte einen „Kulturgeschenkekorb“, Obmann Stellvertreter Johannes Reichl (l.) einen Blumenstrauß! Exklusive Vorteile – informieren Sie sich auf www.kulturbezirk.at

pressestimmen „Flamand hat sein großformatiges Stück zwischen Spiegeln und Projektionslein­ wänden, Medialität und Liveperformance mit einer energiegeladenen modernen Ballettsprache zu einem intensiven Abend entwickelt.“ Helmut Ploebst, Der Standard, über „Moving Target“ am 9. Dezember im Festspielhaus. „Für die Theaterwerkstatt des Landes­ theaters hat Hendrik Winkler die ‚Detektivgeschichten vom Franz‘ bearbeitet. Mit dem Ergebnis hatten die jungen Besucher viel Freude ... Ein leicht obergescheiter, dennoch sympathischer Franz ist Stefan Wilde, als Gabi versprüht Ulrike Sophie Rindermann kecken Charme ... Liebenswürdig und mit leichter Ironie gezeichnet erscheinen alle Figuren dieser Geschichte, für die Ilona Glöckel eine richtige Bilderbuchbühne entworfen hat.“ kurier.at über „Detektiv­ geschichten vom Franz“ im Landestheater. Da lächelt Julietta zart aus dem Rollstuhl, da schmachtet Romeo heftig im Trägerleiberl, da fighten die Capulets und die Montagues mit Rotwein und mit Monstercars statt mit Dolch und Pistole, und da rockt eine richtig coole Down-Syndrom-Trägerin mit einem

ehrwürdig erblindeten Priester. Laut und schräg und sanft und schön die Inszenierung, grandios die Grupo Dancando com a Diferenca.“ Michaela Fleck, NÖN, über „Romeo und Julia“ in der Bühne im Hof. „Politik als Storytelling. Samples als Metaphern. Stimmverfremdung als Sprachvirus aus den Ganglien von William S. Burroughs: Seit den 1970er Jahren erschafft Anderson mit Stimme, Violine und Electronics eine Kunst der Verweise, deren ebenso assozia­ tive wie analytische Spiele-Welten im Laufe der Jahrzehnte zu einem regelrechten Laurie Anderson-Kosmos anwuchsen.“ Fritz Ostermayer, donaufestival.at, über Laurie Anderson, am 28. Jänner im Festspielhaus. „Wer einen Grübler wie Regisseur Michael Gruner zur Gespenster-Inszenierung einbestellt, kann auch im Landestheater Niederösterreich sein rabenschwarzes Wunder erleben: eine große, schwere, modellhafte Inszenierung, die kühn gedacht ist und überwiegend auch famos gespielt … Der Lorbeer gehört Juliane Gruner: Ihre Helene Alving ist aus dem Stoff antiker Tragödinnen gemacht.“ Ronald Pohl, Der Standard, über „Gespenster“ im Landestheater.

Von Dr. Lothar Fiedler, Obmann Förderverein Kulturbezirk St. Pölten

gewinn! spielorte verlost Eintrittskarten und Kataloge. Mitmachen ist ganz einfach: E-Mail senden an redaktion@spielorte.at

Bühne im Hof spielorte verlost 1 × 2 Karten für Tricky Niki an 3. Dezember in der Bühne im Hof. Festspielhaus spielorte verlost 1 × 2 Karten für das Budapest Festival Orchestra am 31. Jänner im Festspielhaus. Landesmuseum spielorte verlost 1 × 2 Eintrittskarten für das Landesmuseum sowie einen Katalog Ihrer Wahl. Landestheater spielorte verlost 1 × 2 Karten für „Die Affäre Rue de Lourcine “ am 10. Dezember im Landestheater.

Die nächste Ausgabe von spielorte erscheint im Jänner 2012. Leserbriefe & Einsendungen an redaktion@spielorte.at

fiedlers lokaltipp

Der Gasthof Winkler am Mühlweg 64 ist ein kleiner Familienbetrieb mit langer Tradition – seit 1904 ist er im Besitz der Familie. Schon der Einkauf und die Kontrolle der angelieferten Waren sowie natürlich auch die Verwendung und Veredlung selbiger sind bei den Winklers reine Chefsache. Kulinarisches Ziel ist das Festhalten am qualitativ hohen Niveau, aber ohne zu übertreiben. Die Vorlieben der vielen Stammgäste sind bekannt, das Team geht persönlich und flexibel auf diverse Wünsche ein. So kommen viele Gäste gerne in diesen Gasthof und verlassen ihn immer sehr zufrieden. Gasthof Winkler, Mühlweg 64, 02742/364944.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

parkett 23


Anna Schweidler „prima la musica“ Landespreisträgerin (Querflöte)

Philipp Trojan „prima la musica“ Landespreisträger (Gitarre)

Living Office* | St. Pölten

Selina Ott „prima la musica“ Bundessiegerin

www.st-poelten.gv.at

Für uns gehört es zum guten Ton, kleine und große Talente von Beginn an zu fördern. Denn Kunst und Kultur sind wichtige Impulsgeber für die Zukunft. So erspielen beispielsweise St. Pöltens Musikschulen mit ihren über 1.400 jungen KünstlerInnen ein kreatives Umfeld, in dem sich individuelle Begabungen entfalten können. Damit das für viele Menschen erlebbar wird, unterstützen wir zahlreiche Vereine und Veranstaltungen. Das schafft eine lebendige Kulturszene – der beste Garant für eine vielseitige, offene Gesellschaft. Und diese wirkt weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus.


spielorte 04