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Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

spielorte

April | Mai | Juni 2011

www.spielorte.at

Festspielhaus

tanzwütig

Die Choreografen Ekman und Maliphant Landestheater

Cinecittà Aperta

René Polleschs Kritik an der Kapitalismuskritik Bühne im Hof

für immer Jung

Ricardo Coler im Tal der Hundertjährigen


inhalt Bühne Coverbild: Cullberg Ballet: „Ekman’s Triptych – A Study of Entertainment“am 14. Mai im Festspielhaus St. Pölten.

editorial Vor 25 Jahren wurde St. Pölten Hauptstadt von Niederösterreich. Viele zweifelten damals: Ob das funktioniert? Als probates Vehikel, den vermeintlich technokratischen Hauptstadt-Gedanken auch in die Herzen der Menschen zu pflanzen, setzte man u. a. auf Kultur. Gleich ein ganzer Kulturbezirk wurde bewusst neben dem Regierungsviertel geschaffen. Wieder waren Unkenrufe zu vernehmen: Ob das funktioniert? Heute kann man getrost konstatieren: Na, und wie! Es ist auch kein Zufall, dass die renommierten Kulturredakteure Erna Cuesta und Franz Zoglauer gerade St. Pölten als Ort des ersten „IntendantInnengipfels“ ­erwählt haben, im Zuge dessen sie auf die Kraft der Bundesländer­ bühnen aufmerksam machten. „Es ist erstaunlich, in welcher kreativen Qualität und mit welchem Engagement in den Bundesländern Theater und Oper gemacht wird“, so Cuesta. Ihre Initiative soll auch die über­ proportionale Wien-Fixierung in der Kulturberichterstattung aufbrechen. Ob das funktioniert? Natürlich! Schon jetzt schreiben Wiener Medien über die tollen Produkti0nen in St. Pölten. Und das Wiener Publikum hat die Stadt ohnehin schon längst für sich entdeckt. „Ich komme gern immer wieder nach St. Pölten ins Theater!“, schreibt etwa Gerti Navratil aus Wien. Warum? Dazu genügt ein Blick in diese Ausgabe. Die Frage „Ob das funktioniert?“ kann man also getrost in die Mottenkiste stecken. Johannes Reichl

spielorte per post!

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Wunderkinder Maliphant und Ekman

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Christoph W. Gluck Orfeo ed Euridice

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„Jugendliche haben immer Recht“ Regisseur Peter Gruber

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„Geschichte ist das Hier und Jetzt“ René Pollesch im Gespräch

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Hinterbühne

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Ein Tag mit Barbara Nowotny

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Bühne frei für Kinder! Theaterwerkstätten

Spielplan: April, Mai, Juni „Österreich TANZT“ Den Speck zur Schau stellen

Garderobe

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Ricardo Coler Time is on my side

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Maurizio Grandinetti Der Weltenbummler

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„Ich möchte das Glück nicht mehr brauchen“, Klaus Haberl

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Melodramatisches Gastspiel Klangreden

Gerne senden wir Ihnen spielorte auch gratis per Post zu. Schicken Sie Ihre Kontaktdaten bitte per Mail an office@spielorte.at oder geben Sie diese telefonisch durch unter Tel. 02742/90 80 80-222.

Impressum: Medienin­haber und Heraus­geber: Förder­verein Kulturbezirk St. Pölten. c/o NÖ Kulturszene Betriebs GmbH. Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten. Redaktionsleitung: Johannes Reichl. Redaktion: Thomas Fröhlich, Althea Müller, Marion Pfeffer, ­Andreas ­Reichebner. Gast­autoren: Margarete Affenzeller, Heinz Janisch, Klaus Kieser. Foto­redaktion: Hermann Rauschmayr. Design & Layout: Living Office* St. Pölten. Bildnachweis: Cover, S. 3.: ­Urban Jörén – Cullberg Ballet: „Ekman’s Triptych“ im Festspielhaus St. Pölten; S. 4–6: zVg, Laurent Ziegler, Urban Jörén, Bernd Uhlig; S. 7: zVg; S. 8–9: Robert Lyons, Thomas Aurin; S. 10: Lukas Friesenbichler, Landesmuseum Nieder­österreich/Stefan Liewehr, Theater mit Horizont, Michael Deeg; S. 11: Hermann Rauschmayr (2); S. 14: ­Elisabeth Bolius, Eric Vigier; S. 15: Hermann Rauschmayr; S. 16: Ricardo Coler; S. 17: Priska Ketterer, Adriano ­Hartmann; S. 18–19: Lukas Beck (2), Barbara Braun; S. 20–21: Hermann Rauschmayr (2), zVg; S. 22–23: Marice Korbel, Lukas Beck, Manfred Pauker, Dorn, Peter Kanneberger, Lukas Beck, zVg, NLK/Johann Pfeiffer, Hermann Rauschmayr. ­Hersteller: Niederösterreichisches Pressehaus Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H. Gedruckt auf: Desistar (100 % Recyclingpapier). Herstellungs- und Verlagsort: St. Pölten. ­Verlagspostamt: 3100 St. Pölten. ­Kontakt: redaktion@spielorte.at, www.spielorte.at

Künstlerfragebogen Valentin Schreyer; Shortcuts

galerie

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100 Jahre Landesmuseum Zeigen, was man hat

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„Gott sei Dank Kulturbezirk!“ Kulturförderer Werner Schirak

parkett

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Shortcuts Leserforum, Pressestimmen, Gewinnspiele, Fiedlers Lokaltipp

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wunderkinder

Maliphant und Ekman

Das Festspielhaus St. Pölten setzt im Tanz auf Gegen­ sätzliches – die nächsten Gastspiele bringen Stücke von Russell Maliphant und Alexander Ekman, zwei ­Choreografen, die ein exquisiter Sinn für Theatralität kennzeichnet. Von Klaus Kieser

Dass der Tanz heute die aufregendste der Bühnengattungen ist, liegt sicher auch an seiner stilistischen Vielseitigkeit. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts bedienen sich Choreografen nicht nur aus der ganzen Palette tänzerischer Formen, vom klassischen Tanz bis zum Hip-Hop, sondern auch bei Kampfkünsten, Yoga und verschiedenen Arten des Körpertrainings. Solche Mischformen sind keineswegs Zeichen fehlender Prinzipientreue, sondern vielmehr ein Ausweis ästhetischer Neugierde. Die nächsten Tanzgastspiele im Festspielhaus St. Pölten präsentieren zwei Choreografen, die bei aller Unterschiedlichkeit eine bemerkenswerte Offenheit für Hybrides charakterisiert: Russell Maliphant und Alexander Ekman.

GedankenstroM Der britische Choreograf Russell Maliphant musste dazu seine künstlerische Herkunft quasi abstreifen, um sie, in Verbindung mit anderen Einflüssen, neu zu entdecken. Der 49-Jährige wurde an der Royal Ballet School in London ausgebildet und tanzte im Sadler’s Wells Royal Ballet, bevor er das als Korsett empfundene Ballettleben verließ und sich mit zeitgenössischen Techniken und Körperarbeit beschäftigte, vor Russell Maliphant: AfterLight ­allem mit Rolfing. 1992 begann er zu choreografieren und seinen eigenen Stil zu Festspielhaus, 08.04.2011 entwickeln, der am besten als Synthese Choreografie: Russell Maliphant. Tanz: Daniel Proietto, von Ballett und Kontaktimprovisation beSilvia Cortez, Olga Cobos. Musik: Andy Cowton, Erik Satie. schrieben werden kann. Es ist ein unspekKostüme: Stevie Stewart. Licht: Michael Hulls. Animationen: takuläres Tanzen, das seine Stücke ausJan Urbanowski, James Chorley. macht; sie fließen wie ein stetiger Gedankenstrom, scheinbar schwerelos, voll entrückter Schönheit. Wenn er etwa mit der Starballerina Sylvie Guillem in dem von ihm choreografierten Programm „Push“ (2005) tanzt, ist das eine Sternstunde des Tanzes – zwei Wunder­kinder treiben sich gegenseitig in einsame Höhen. Maliphants neues Stück „AfterLight“ kam im September 2010 in London ­heraus. Ein Jahr zuvor hatte der erste Teil des dreiteiligen abendfüllenden Werks Premiere gehabt, als Teil des Programms „In the Spirit of Diaghilev“. Vorgabe dafür war gewesen, sich im Jubiläumsjahr der Ballets Russes von diesen zu einer Choreografie inspirieren zu lassen. Maliphant nahm damals Bilder von Waslaw Nijinski und einige von dessen Zeichnungen als Anre-

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Bühne

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gung, experimentierte mit Drehungen und Abwinklungen. Das auf diese Weise entstandene Solo für Daniel Proietto ist eine Studie im Kreisen, langsam am Platz beginnend – dabei einen Arm hebend, den Oberkörper nach hinten gebogen –, um dann in den Raum auszugreifen. Es wirkt wie eine vage Reminiszenz an Nijinski in «Le spectre de la rose». Auch im weiteren Verlauf, wenn zwei Tänzerinnen (Olga Cobos und Silvina ­Cortés) dazukommen, nimmt Maliphant Bezug auf Ballette Nijinskis, „L’après-midi d’un faune“ und „Jeux“; er rekonstruiert nicht, sondern spielt intuitiv mit der Energie, die ihm die überlieferten Dokumente vermitteln. So wird die Beschäftigung mit der Tanzgeschichte künstlerisch produktiv gemacht – das Ergebnis ist eine exemplarische zeitgenössische Choreografie. Im Jänner erhielt „AfterLight“ die wichtigste britische Anerkennung im Tanz, nämlich einen „Critics’ Circle National Dance Award“ für die beste moderne Choreografie – dieselbe Auszeichnung hatte Maliphant 2006 für sein Programm „Rise and Fall“ erhalten, das „Broken Fall“ enthielt, 2003 beim Royal Ballett mit Sylvie Guillem uraufgeführt.

„Für mich hat Kunst auch immer etwas mit Entertainment zu tun!“ Alexander Ekman

Bildgewaltig Auch der Schwede Alexander Ekman darf als ­ underkind bezeichnet werden. Er ist Jahrgang 1984 und kann bereits auf W eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken: Nach der Ausbildung an der Königlichen Ballettschule in Stockholm wurde er mit 16 Jahren vom König­ lichen Schwedischen Ballett engagiert. Zwischen 2002 und 2005 tanzte er beim Nederlands Dans Theater 2, der Juniorcompagnie des weltberühmten Ensembles, dann kehrte er nach Schweden zurück und wurde für eine Spielzeit Mitglied im Cullberg Ballet. Zu diesem Zeitpunkt begann er zu choreografieren, und das gleich mit Erfolg. 2005 gewann er einen Preis beim

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Bühne

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Cullberg Ballet: Ekman’s Triptych. A Study of Entertainment Festspielhaus, 14.05.2011 Choreografie, Musik, Bühne: Alexander Ekman. Kostüme: Bregje van Balen. Licht: Michael Sylvest. Video: Elias Bengtsson.

Zum Autor: Klaus Kieser ist Tanzpublizist, Inhaber eines auf Tanzliteratur spezialisierten Verlags und leitender Redakteur der Zeitschrift „tanz“. Buchveröffentlichungen: Neuausgabe von „Reclams Ballettführer“ (mit Katja ­Schneider, 2002; Nachauflagen 2006, 2009); „Kleines Wörterbuch des Tanzes“ (mit Horst Koegler, 2006; Nachauflage 2009).

c­ horeografischen Wettbewerb von Han­ nover. 2006 entstand „Flockwork“ für das Nederlands Dans Theater 2, das ihm internationale Bekanntheit bescherte. Von da an jagten sich die Aufträge für das Multitalent, das auch schon mal die Musik komponiert oder die Ausstattung entwirft. Aufträge erhielt er etwa vom Nederlands Dans Theater 1, dem Cedar Lake Contemporary Ballet, Göteborger Ballett und natürlich vom Cullberg Ballet. Ekmans jüngstes, abendfüllendes Stück, das im Oktober 2010 in Stockholm uraufgeführt wurde, benennt schon im Titel seine Gliederung: „Triptych“. Im Untertitel „A Study of Entertainment“ verweist Ekman auf den Inhalt des dreiteiligen Werks. Es geht nämlich um Kunst und Kommerz und um ­gängige Klischees, und dies in einer fröhlich eklektischen zeitgenössischen Bewegungssprache: Ekmans Tanztheater ist provozierend, bisweilen schrill, mit Komik durchsetzt – ein rasantes, bildgewaltiges Spektakel. „Für mich hat Kunst auch immer etwas mit Entertainment zu tun“, sagt er. Seine Reflexion darüber, wie Theater, Tanz und Unterhaltung zusammengehen, erinnert in ihrem dekonstruktivistischen Ansatz an William Forsythe. Keine Frage, ­Ekman ist ein kommender Star.

christoph w. gluck

ORFEO ed EURIDICE

„Ach, ich habe sie ver­loren“, beweint Orpheus den ­Verlust seiner Eurydike – und erfüllt im Leid sein Schicksal. Von Althea Müller Das Festspielhaus präsentiert Glucks mitreißende Oper über den bekanntesten Sänger der griechischen Mytho­logie in einer großartigen halb-szenischen ­Aufführung. „Orpheus ist der Urtyp des unglücklichen und melancholischen Künstlers“, so Regisseurin Susanne Øglænd über ihre Herangehensweise, „und der Mythos fordert, dass Orpheus leidet – weil nur so die schönste Musik ent­ stehen kann.“ Kaum eine andere Geschichte zeigt so deutlich die Notwendigkeit des Kummers auf, aus dem viele Künstler erst ihre Inspiration ziehen: „Das Opfer, das Orpheus bringen muss, ist das Festhalten an seiner Trauer. Es ist ein kultivierter Zustand, in dem er sich immer wieder in das, was ihn ausmacht, hineinsteigert: in seine Sehnsucht und seinen Gesang.“ Dafür wird im Festspielhaus ein moderner Rahmen geschaffen: „Wichtig war uns, die übliche Trennung zwischen den Sängern und dem Orchester aufzuheben und sie gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Der Ort, den wir hierfür geschaffen haben, ist eine ­Konzertbühne. Nur hier kann ein exzentrischer Künstler wie Orpheus ganz bei sich sein, als Freak in seiner Sehnsuchts-Show leben. Weltfremd und trau­ matisiert, wie z. B. Michael Jackson es war. Orpheus‘ Reise in die Unterwelt ist nichts anderes als die Reise ins eigene Unterbewusste, in eine irreale Welt!“

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Bühne

Festspielhaus, 08./09.06.2011 „Orfeo ed Euridice“ von Christoph W. Gluck. Mit dem Tonkünstler-Orchester NÖ, Ann Hallenberg, Thora Einarsdottir, Sunhae Im. Musikalische Leitung: Lothar Zagrosek. Szenische Einrichtung: Susanne Øglænd. Bühne: Mascha Mazur. Kostüme: Nina Lepilina. Licht: Andreas Fuchs.

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„jugendliche haben immer Recht“

Solange die Gesellschaft keine brauch­ baren Alternativen Anbietet, bleibt den Jugendlichen oft nur Eskapismus und eines: „Voll fett“ zu sein. Von Marion Pfeffer So sieht Regisseur Peter Gruber den aktuellen Stand in der Gesellschaft und hält mit „Voll fett“ – einer Eigenproduktion der Bühne im Hof – der Gesellschaft einen Spiegel vor. Das Jugendtheater greift darin ein populistisches Thema auf: Das Saufen. „Der Alkohol ist nur eine Form, der Realität zu entfliehen, und das zeigen wir in unterschiedlichen Szenen und Zuständen“, beschreibt Gruber die Produktion. Deutlich kristallisiert sich bei allen ­Szenen die omnipräsente Hintergrundfrage heraus: Was machen eigentlich die Eltern? „Eines möchte ich klarstellen: ‚Voll fett‘ ist keine Schuldzuweisung! Viele ­Eltern bemühen sich sehr, können nur leider nicht mehr die vertrauten Personen sein, die benötigt werden, da sie sich selbst in gesellschaftlichen Zwängen befinden“, so der Regisseur. Alkohol ist sozusagen nur das Symptom. Gruber sieht es als Aufgabe des Theaters tiefer zu graben. „Theater ist letztlich eine moralische Anstalt. Es muss Probleme aufzeigen, der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Antworten muss aber jeder für sich selbst finden.“ Dies ist für Gruber auch die Verbindung zwischen dem Stück und der Jugend. „Jugendliche haben in letzter Instanz immer Recht. Denn ihre Handlungen und Haltungen reflektieren punktgenau die Befindlichkeiten unserer Gesellschaft.“

Die WElt VErändern Der Stoff des Autors ­ elmut Korherr reizt den Gustav-Klimt-Preisträger insoH fern besonders, da er selbst drei Kinder hat, die bald ins Jugendlichen-Alter kommen. „Ich wollte diese ­Generation besser verstehen. Was sind ihre Ängste, Hoffnungen, warum handeln sie so, wie sie es eben tun?“ Als Alt-68-er hat er selbst Erfahrung mit Rebellion und natürlich auch Alkohol. „Wir waren auch keine Abstinenzler, aber die

Zur Person: Peter Gruber, Regisseur, Schauspieler, Sprecher und künstlerischer Leiter der Nestroy-Spiele. „Theater ist der Versuch eines Dialoges. Es ist die Chance, Menschen für zwei Stunden zusammen zu bringen und erreichen zu können.“

Stimmung und die Accessoires waren andere.“ Ein Betrinken vor dem Betrinken, das berühmte „Vorglühen“, wäre zu seiner Zeit niemandem eingefallen. Es war eine hoffnungsvolle Zeit. Man dachte, die Jugend könnte die Welt verändern. „Wer soll denn bitte die Welt verändern, wenn nicht die Jugendlichen? Ich erwarte mir wesentlich mehr Stimmen von dieser Seite!“ Mit „Voll fett“ präsentiert er dem Publikum einen Gedankenanstoß, das Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich nicht irgendwelchen Ausflüchten und virtuellen Welten hinzugeben. „Natürlich wünsche ich mir auch, dass Jugendliche damit an die Bühne herangeführt werden und das Theater als Alternative zur VorabendSerie begreifen – jedoch mit mehr Inhalt!“ Um diesen Spagat zu schaffen, bedient er sich Stilelementen wie Rap und Gesang und erklärt „Voll fett“ zum ­„hingerotzten Musical“. „Voll fett“ – Bühne im Hof, 27.04. bis 10.05.2011 Von Helmut Korherr. Mit Claudia Kottal, Andrea Frohn, Elisabeth Veit, Reinhard Steiner, Horst Schirmbrand u. a. Musik: Franz Dorfner. Regie: Peter Gruber.

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Bühne

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Zur Autorin: Margarete Affenzeller ist Redakteurin der Tageszeitung „der Standard“ mit Schwerpunkt Theaterberichterstattung.

„geschichte ist

das Hier und Jetzt“ René Pollesch gastiert am 6. und 7. Mai mit ��„Cinecittà aperta“, dem zweiten Teil seiner Ruhr-Trilogie, Im Landes­theater Nieder­österreich. Und kritisiert darin die Kapitalismuskritik – mit Sophia-Loren-Roben und Michel Foucaults Körper-Theorien. Von Margarete Affenzeller

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Bühne

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„Gewollt ist immer eine eingängige, nichts wirklich radikalisierende ­Kapitalismuskritik, die von allen leicht abgenickt werden kann.“ René Pollesch Zum narrativen Raster von „Cinecittà aperta“ ge­ hört die Bergarbeitersaga „Rote Erde“ von Klaus Em­ merich aus den 1980ern. Worum geht’s da? Und wie haben Sie die Inszenierung, in der ursprünglich Autos über die Industriebrache in Mülheim an der Ruhr ge­ brettert sind, für eine Theaterbühne adaptiert?

Die Serie „Rote Erde“, dachten wir, würde uns etwas über das Ruhrgebiet erzählen, aber sie erzählte uns lediglich von Schauspielern, die sich ein bisschen Erde auf die Wangen schmieren und das Elend pittoresk erscheinen lassen, und den Kapitalismus als ewige und nichtssagende „Arm gegen Reich“-Geschichte präsentieren. Die Außenszenen aus Mülheim haben wir als Filmaufnahmen eingefügt.

Die Szene ist ein Filmset, der die besagte Arbeiter­ saga mit Filmklassikern des italienischen Neorealis­ mus kurzschließt. Catrin Striebeck etwa spielt in Per­ sonalunion die Arbeitertochter Pauline Boetzke und zugleich Anita Ekberg, die den Trevi-Brunnen aus „La Dolce Vita“ sucht. Warum das denn?

Beim Anblick von Bert Neumanns Bühnenbild denkt man unweigerlich irgendwann an „Cinecittà“ und Fellini und landet auch bei den Neorealisten wie Rossellini. Dessen Film „Deutschland im Jahre Null“ hat uns beschäftigt. Und vor zwei Jahren, als die Arbeit entstand, wurde an die Theater­leute herangetragen, sich mit der Finanzkrise zu ­beschäftigen. Wobei man eine gegenwärtige Jahr-Null-Situation heraufbeschwor. Gewollt war dabei natürlich eine

eingängige, nichts wirklich radikalisierende Kapitalismuskritik, die von allen leicht abgenickt werden konnte. Wenn das bürgerliche Lager sich um Kapitalismuskritik kümmert, dann stellt es ganz theatral menschliche Untugenden in den Vordergrund, wie z. B. Gier, um die Finanzkrise auf ein moralisches Problem zu reduzieren. Heraus kommt dann nur das ewig Gleiche, nämlich dass wir nur bessere Menschen werden müssten.

Sie verweben in Ihren Theaterproduktionen im­ mer geisteswissenschaftliche Diskursmasse. Theater wird zum lauten Denken. In „Cinecittà aperta“ etwa unter Zuhilfenahme von Michel Foucaults Ausfüh­ rungen zum „utopischen Körper“. Können Sie seine Kritik kurz umreißen bzw. wie kann man sie am ­Theater sichtbar/hörbar machen? Wir folgen Foucault, indem wir sagen, die Körper sind historisch, weil sie da sind, und eben nicht Subjekte der ­Historie, über die ein Film gedreht wird. Wir fragen nach einer Geschichte der Körper: Warum wird die Geschichtlichkeit der Körper verkannt, die sich in einem Besetzungsbüro um die Darstellung einer relevanten Stimme der Geschichte streiten müssen? Geschichte ist nicht ein ewiger Kampf zwischen Arm und Reich, und auch kein ewiger Kampf zwischen den Geschlechtern. Das ist sogar ausgenommen ahistorisch. Jeder Dramenklassiker ist ahistorisch. Geschichte ist das Hier und Jetzt. Und das wiederum hat nun wieder sehr mit dem Theater zu tun. Und wie man im Theater an ein Hier und Jetzt herankommen könnte, das nicht sentimental ist.

Landestheater Niederösterreich 06./07.05.2011, Österreich-Premiere René Pollesch: „Cinecittà apertà“. Ruhrtrilogie Teil 2. Mit Inga Busch, Christine Groß, Martin Laberenz, Trystan Pütter, Catrin Striebeck. Text und Regie: René Pollesch. Bühne: Bert Neumann. Kostüme: Nina von ­Mechow. Kamera: Ute Schall. Dramaturgie: Aenne Quiñones. Gastspiel einer Koproduktion der Volksbühne Berlin mit dem Ringlokschuppen Mühlheim, Rotterdamse Schouwburg und der Kulturhauptstadt Europas RUHR. René Pollesch filmisches Erzählmaterial neu: Italienischer Neorealismus trifft auf deutsche ­Bergarbeitersaga.

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Warum sind Werke des Italieni­ schen Neorealismus dafür geeignet?

Im Fall von „Deutschland im Jahre Null“ war es eine spezielle Hoffnung Rossellinis, die er am Ende des Films formuliert, dass nämlich „etwas geschehen müsste, dass man den deutschen Kindern wieder beibringen müsste, das Leben lieben zu lernen“. Ich würde sagen, etwas anderes ist eh nicht erlaubt. Da zielt der Film auch wieder nur auf das Heil der Seele und ihr Äquivalent: unsere Individualität. Und die ist vielleicht die schrecklichste Herrschaftsform. Verteidigt bis aufs Messer wird die Seele und nicht die unsterblichen Körper. Da ­blasen Film und Realität ins gleiche Horn.

Bühne

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künstler

fragebogen

Valentin Schreyer spielt aktuell die Hauptrolle in „Der Spieler“ am Landestheater Nieder­ österreich. Als Kind wollte ich immer ...

Heiliger werden und durch die Zeit reisen können.

Ein Spieler ist ...

ein Grenzgänger, der es wissen will.

Alexej sagt uns, ...

sich ins Leben zu werfen und alles zu riskieren, auch, wenn es das Leben kostet.

short cuts bis 12.02.2012 | Landesmuseum Kraut & Rüben. Haben die Menschen die Pflanzen ­gezähmt oder umgekehrt? Diese und mehr Fragen stellt und beantwortet die Austellung im NÖ Landesmuseum über heimische und „eingewanderte“ Kultur­ pflanzen. ­Kuratorin Beate Koller macht Gusto: „Mit zahlreichen ­Anekdoten über Pflanzen und Menschen wollen wir zum Schmunzeln, Nach­denken und selber Kosten anregen.“

Bevor ich auf die Bühne gehe, ...

entspanne ich, fasse ich mir ein Herz und – „Attacke!“

Eine Rolle fasziniert mich, ...

wenn ich mich darin wiederfinde und zugleich auf eine Fremdheit stoße.

Auf der Bühne fühle ich mich ...

inside-out, ausgeliefert, konzentriert, da und nicht-da und verbunden.

Ein Schauspieler hat immer die Verantwortung, ...

seine Eitelkeit nicht über den Inhalt der Geschichte zu stellen. „Der Spieler“, 02.04./06.04. Nach Fjodor Dostojewski, in einer Bearbeitung von Helmut Peschina. Mit Antje Hochholdinger, Else Ludwig, Katharina von ­Harsdorf, Rainer Doppler, Paul Matic, Valentin Schreyer, Jürgen Weisert, Helmut Wiesinger. Regie: Johannes Gleim. Bühne und Kostüme: Markus Meyer.

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08.–16.04.2011 | Landestheater Die Schöne und das Biest. Die hübsche Belle lässt sich aus Liebe zu ihrem Vater von einem Biest, halb Mensch, halb Tier, einsperren. Bald entdeckt sie die gute Seele des vermeintlichen Scheusals und versucht es von seinem Fluch zu befreien … Das alte Märchen zählt zu den schönsten unserer Zeit und verzaubert nun als Musical die ganze Familie: „Wir wollen, dass Kinder staunen und mit offenen Augen durch die Welt gehen“, so Clemens Handler und Gernot Kogler über ihr Musical.

28.–31.05.2011 | Festspielhaus Tristan und Isolde. Eine verbotene Liebe, Rausch, Ekstase und Untergang. Was wie die Inhaltsangabe zu einem soliden Erotik-Thriller klingt, ist die Geschichte von Tristan und Isolde, ein Drama über sinnliches Schmachten und überkochende Leidenschaften. Als wuchtiges Musiktheater Wagner’scher Prägung in die Geschichte eingegangen, wagt sich hier Choreograf und Tänzer Graham Smith mit Tanzpartnerin Alice Gartenschläger und der Puppenspielerin Vanessa Valk auf mitreißende Weise an die Story heran.

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ein tag mit

Barbara Nowotny

Eigentlich wollte Barbara Nowotny ja Schauspielerin werden. Doch im ­Rahmen ihrer Schauspielausbildung gelangte sie bald zur Erkenntnis, „dass mir die andere Seite eigentlich noch mehr SpaSS macht!“ Und so wurde sie Dramaturgin. Von Johannes Reichl Barbara Nowotny wird bereits früh mit dem Theatervirus infiziert. „Meine Eltern haben mich schon als Kind ins Burgtheater mitgenommen. Mit 14 gehörte ich zu jenen, die vorm Bühneneingang um Autogramme anstanden, und in der Schule belegte ich Darstellendes Spiel.“ Sie besucht eine Schauspielschule und studiert Theater­ wissenschaft sowie Germanistik. Schon während des Studiums hospitiert sie am Burgtheater, wo Nowotny u. a. als Regieassistentin von Größen wie Luc Bondy, Sebastian Hartmann, Christoph Schlingensief oder Dieter Giesing arbeitet. Letzterer nimmt sie schließlich als Gastdramaturgin mit nach Köln. „Das war dann sozusagen der Schlüssel zur Dramaturgie für mich!“

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Wir treffen die gebürtige Wienerin im Café, wo sie über einem selbstkopierten Packen aus A4 Seiten, ­einer Dramatisierung von Dostojewskis „Der Spieler“, brütet und bisweilen etwas hineinschreibt. „Ich gehe in meiner Freizeit öfters ins Café zum Lesen. Im Büro bleibt dafür kaum Zeit“, erklärt sie. Dabei setzt Nowotnys Arbeit schon lange vor dem ersten Blick ins Buch ein. „Ich bin bereits in die Erstellung des Spielplanes involviert, wo entschieden wird, ­welche Stücke überhaupt gebracht werden, welche inhaltlichen Schwerpunkte man setzt.“ Gemeinsam mit der künstlerischen ­Leiterin Isabella Suppanz wird in Folge gegrübelt, welcher Regisseur das Stück inszenieren könnte und welcher Schauspieler mit welcher Rolle besetzt wird. Nowotny erarbeitet außerdem eine Materialienmappe mit Hintergrundinformationen, die sie bei der Leseprobe austeilt „damit alle ein Hintergrundwissen über das Stück bekommen“. Und sie nimmt sich natürlich den Text vor und erstellt gemeinsam mit dem Regisseur eine Strichfassung. Wie nehmen das die Schauspieler auf, die über Striche wohl not amused sein werden? Nowotny lacht. „Natürlich gibt es Diskussionsstoff. Man muss die Entscheidungen schon gut argumentieren. Das ist ein sehr spannender Prozess!“ Zudem einer, „der Teamwork erfordert!“, wie Nowotny betont. Gerade mit dem Re­ gisseur sei gutes Einvernehmen wichtig, und sie räumt gleich mit einem Vorurteil auf: „Dramaturg ist alles andere denn ein reiner Schreibtischjob. Ich bin bei den Proben ja vielfach dabei, bringe mich ein, achte auf den Grundgedanken!“ Kommt der Tag der Aufführung näher, steigt die Arbeitskurve noch einmal exponentiell an. „Da könnte ich mir mein Bett ins Büro stellen!“ Neben den Probenbesuchen und den Korrekturen gilt es das Programmheft fertigzustellen, außerdem bereitet sich Nowotny auf die Einführungsgespräche vor, die sie leitet. „Das ist halt kein normaler nine to five Job. Du musst schon aufpassen, dass dich das Theater nicht auffrisst.“ Eine gelungene Premiere entschädigt dann aber für alle ­Mühen, zugleich müsse man aufpassen, „nicht in ein Premierenloch zu fallen. Denn mit der Premiere geht ein ­wochenlanger Arbeitsprozess plötzlich zu Ende. Daran musste ich mich erst gewöhnen.“ Großartig Zeit zum Nachdenken bleibt aber ohnedies kaum. Auf Nowotnys Schreibtisch stapeln sich bereits die nächsten Arbeiten. Das Rad beginnt sich wieder von vorne zu drehen, eines, das die Dramaturgin aber um nichts in der Welt eintauschen ­möchte. „Ich liebe das Theater. Das ist eine Welt voller Magie! Nach der ­Premiere ist vor der Premiere.“

HinterBühne 11


spielplan der st. pöltner bühnen April, Mai, Juni 2011 09

april

Johannespassion 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Barock

01

Millwood/Webber: Food Chain 19:30 Festspielhaus, Bühne Tanz/Theater

11

Die Tragische 19:30 Festspielhaus, Großer Saal

28

Lieblinge des Himmels, Klaus Haberl 19:30 Landestheater, Theaterwerkstatt Danach Gespräch mit dem Ensemble

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Hochstapler und Falschspieler 19:30 Festspielhaus, Box

Musik/Klassik

01

Roland Düringer 20:00 Bühne im Hof Kabarett

12

Edgar 10:00 Festspielhaus, Box

Tanz/Theater

29

Hochstapler und Falschspieler 19:30 Festspielhaus, Box

Tanz/Theater/Schulvorstellung

02

Angélique Kidjo 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Welt/Vokal

02

Der Spieler, nach Fjodor Dostojewski 19:30 Landestheater, Großes Haus Danach Gespräch mit dem Ensemble

06

Die Schatzinsel, nach R. L. Stevenson 10:30 Landestheater, Großes Haus

06

Abou-Khalil: 19:30 Orient und Okzident Festspielhaus, Großer Saal Musik/Welt

06

Der Spieler, nach Fjodor Dostojewski 19:30 Landestheater, Großes Haus

07

Die Schöne und das Biest 09:00 Landestheater, Großes Haus Gastspiel

08

Die Schöne und das Biest 16:00 Landestheater, Großes Haus Gastspiel

08

Russell Maliphant: AfterLight 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Tanz

08

„Heiteres Bezirksgericht“ 20:00 Bühne im Hof Kabarett/Theater

09

Die Schöne und das Biest 16:00 Landestheater, Großes Haus Gastspiel

14

Melodramen 19:30 Corinna Kirchhoff und Elisabeth Leonskaja Landestheater, Großes Haus Österreich-Premiere, Gastspiel

15

Carmina Burana 10:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik/Schulvorstellung

15

Die Schöne und das Biest 16:00 Landestheater, Großes Haus

Tanz/Theater

29

Lieblinge des Himmels, Klaus Haberl 19:30 Landestheater, Theaterwerkstatt

30

Die Schatzinsel, nach R. L. Stevenson 15:00 Landestheater, Großes Haus

30

Lieblinge des Himmels, Klaus Haberl 19:30 Landestheater, Theaterwerkstatt

30

Cassol meets Brahms (UA) 19:30 Festspielhaus, Großer Saal

Gastspiel

15

Lieblinge des Himmels, Klaus Haberl 19:30 Landestheater, Theaterwerkstatt Uraufführung

15

Edgar 19:30 Festspielhaus, Box Tanz/Theater

16

Die Schöne und das Biest 16:00 Landestheater, Großes Haus Gastspiel

16

Edgar 18:00 Festspielhaus, Box Tanz/Theater

27

Voll fett 18:30 Bühne im Hof Jugendmusical Generalprobe

27

Lieblinge des Himmels, Klaus Haberl 19:30 Landestheater, Theaterwerkstatt 18:30 Einführungsgespräch

Musik/Modern

mai 04

Clint Lutes, Maurizio 19:30 Grandinetti and some music of John Cage Festspielhaus, Box Tanz/Live-Musik – Uraufführung

05

Clint Lutes, Maurizio 10:00 grandinetti and some music of John Cage Festspielhaus, Box Tanz/Live-Musik/Schulvorstellung

05

Heidi, nach der Geschichte von 17:00 Johanna Spyri Landestheater, Theaterwerkstatt

06

Heidi, nach der Geschichte von 10:30 Johanna Spyri

Landestheater, Theaterwerkstatt

28

Voll fett 10:00 Bühne im Hof Jugendmusical

Familienvorstellung Vormittagsvorstellung/Schulvorstellung – etwaige weitere Vormittagstermine erfahren Sie direkt in den Häusern. Festspielhaus St. Pölten

Landestheater Niederösterreich

Kulturbezirk 2, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 90 80 80-222 E-Mail: karten@festspielhaus.at, www.festspielhaus.at Kartenbüro: Bühne im Hof und Festspielhaus, Linzer Straße 18, 3100 St. Pölten, Tel. +43 (0)2742 / 211 30

Rathausplatz 11, 3100 St. Pölten Theaterkassa Ecke Roßmarkt/Heitzlergasse, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 60-600 E-Mail: karten@landestheater.net, www.landestheater.net

12 Hinterbühne

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Landestheater, Theaterwerkstatt

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Cinecittà Aperta, René Pollesch 19:30 Landestheater, Großes Haus Österreich-Premiere, Gastspiel Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 18:30 Einführungsgespräch

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Clint Lutes, Maurizio 19:30 Grandinetti and some music of John Cage Festspielhaus, Box Tanz/Live-Musik

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Cinecittà Aperta, René Pollesch 19:30 Landestheater, Großes Haus Gastspiel Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 18:30 Einführungsgespräch

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Wellenklänge 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

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Cullberg Ballet: 19:30 True Stories of Castaways and other Survivors Festspielhaus, Box Tanz

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Gertrud, Hjalmar Söderberg 19:30 Landestheater, Großes Haus Wiederaufnahme

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Wolfgang Böck & Neue 20:00 Wiener Concert-Schrammeln Bühne im Hof Schrammelmusik

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Gertrud, Hjalmar Söderberg 19:30 Landestheater, Großes Haus

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Cullberg Ballet: 19:30 Ekman’s Triptych – a study of Entertainment Festspielhaus, Großer Saal Tanz

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Österreich TANZT – Eröffnung 19:30 Festspielhaus, Bühne

juni

Tanz

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Österreich TANZT 19:30 Festspielhaus, Bühne Tanz

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Eva Maria Marold 20:00 Bühne im Hof Kabarett

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Österreich TANZT 19:30 Festspielhaus, Bühne Tanz

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Gregor Seberg

20:00 Bühne im Hof Kabarett

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Österreich TANZT 19:30 Festspielhaus, Bühne Tanz

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Roland Düringer

20:00 Bühne im Hof Kabarett

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Wolfgang „Fifi“ Pissecker 20:00 Bühne im Hof Kabarett/Comedy

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Graham Smith: 19:30 Tristan und Isolde Festspielhaus, Box Tanz/Puppenspiel

07

Operetten-Revue 19:30 Bühne im Hof Operette

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Gluck: Orfeo ed Euridice 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Theater

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Gluck: Orfeo ed Euridice 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Theater

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Was das Leben erzählt 19:30 Landestheater, Großes Haus fabelhaft! niederösterreich

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Märchenzauber 15:00 Landestheater, Großes Haus fabelhaft! niederösterreich

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Die lange Nacht 19:30 der Märchenerzähler Landestheater, Großes Haus

spielplan-doppelseite zum herausnehmen!

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Heidi, nach der Geschichte von 14:00 Johanna Spyri

fabelhaft! niederösterreich

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Ricardo Coler (AR) 19:30 Bühne im Hof Vortrag

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Chris Kaye 20:00 Bühne im Hof Musikshow

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Graham Smith: 18:00 Tristan und Isolde Festspielhaus, Box Tanz/Puppenspiel

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Graham Smith: 10:00 Tristan und Isolde Festspielhaus, Box Tanz/Puppenspiel/Schulvorstellung

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Nachbarn zu Gast 19:30 Festspielhaus, Großer Saal Musik/Klassik

jetzt ausgestellt bis 20.11.2011 | Landesmuseum Niederösterreich

Die Bühne im Hof

Landesmuseum Niederösterreich

Julius-Raab-Promenade 37, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 35 22 91 Kartenbüro: Tel. +43 (0)2742 / 211 30 E-Mail: karten@bih.at, www.bih.at

Kulturbezirk 5, 3100 St. Pölten Tel. +43 (0)2742 / 90 80 90-999 E-Mail: info@landesmuseum.net www.landesmuseum.net

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

„100 Jahre Landesmuseum – Gesammelte Vielfalt“. Wie ein Museum funktioniert, welche Aufgaben damit verbunden sind, das zeigt man anhand von Kuriosi­täten, Kostbarem und verschiedenen Samm­lungen. Das Publikum wird eingeladen, aktiv zu werden. Und auch das „CSI Museum“, mit seinen wissenschaft­ lichen Recherchen und Nachforschungen wird Platz in diesem großartigen Rechenschafts­ bericht des Museums finden.

hinterbühne rubrik 13


„österreich tanzt“

Den Speck zur Schau stellen Ausloten, wohin sich der zeitgenössische Tanz bewegt. „Österreich TANZT“ präsentiert sich als DIE Plattform für die heimische Tanzszene. Von Andreas Reichebner

„Es gibt im zeitgenössischen österreichischen Tanz aktuell eine sehr positive Erweiterung des Spektrums.“ Nikolaus Selimov, Kurator

„Wir bringen des Festival in die Stadt, lassen den Tanz in St. Pölten auch unter„Österreich TANZT“ tags spürbar werden“, verspricht „Öster16.05. bis 21.05., Festspielhaus reich TANZT“ Kurator Nikolaus Selimov und öffentlicher Raum und bezieht sich damit auf das Modul in St. Pölten „ChoreoLAB“, im Zuge dessen Tanzstudierende die schützende Umgebung des „Österreich TANZT“ ist mittlerFestspielhauses verlassen und auch an weile DAS österreichische Festival öffentlichen Plätzen in der Stadt tanzen für zeitgenössischen Tanz und werden. Für Stefanie Wieser, ChoreoTanzperformances und bietet LAB-Teilnehmerin des Vorjahres, brachte Workshops, Vermittlungsprodiese Erfahrung „komplett neue Ein­ gramme für Schüler sowie das drücke! Es ist ein ‚Sich-auf-die-Leute-einTanzlabor für Tanzstudierende lassen‘. Auch mit den Bewegungen, die „ChoreoLAB“. An den Abenden sich im öffentlichen Raum verändern. werdenVorstellungen von neuen, Die Menschen haben sehr unterschiedinno­vativen Tanzproduktionen lich reagiert. Mir hat es geholfen auf meigezeigt. ner Suche nach der eigenen Bewegungsqualität, der eigenen Tanztechnik.“ Heuer wurde Wieser auch eingeladen, ihr Stück „SPECK“ im Rahmen von „Österreich TANZT“ zu zeigen. „Die Themen sind Körper, Lust und Intimität. Das Lieben des eigenen Specks, das sich zur Schau stellen und Intimes zeigen. Die Zwiespältigkeit einer Frau.“

Neue Offenheit Kurzum passend zum Leitgedanken ­„Courage – Mut – Schneid“, der heuer von den Kuratoren Aichinger und Selimov ausgegeben wurde. Vehemente Beschäftigung mit Konformismus, Offenheit, Mut zur Eigenständigkeit. „Es gibt im zeitgenössischen öster­ reichischen Tanz aktuell eine sehr positive Erweiterung des Spektrums. Es gibt neue Definitionen, es öffnet sich wieder vieles. Die physischen Bewegungen erlangen höheren Stellenwert im Vergleich zu den ästhetischen, stilistischen Einengungen performativer Konzepte vergangener Jahre“, erzählt Selimov, der seit Jahren eng mit Manfred Aichinger zusammenarbeitet. Letzterer hat schon 1981 mit „Homunculus“ eine der innovativsten Tanztheatercompagnien Österreichs gegründet. Eigenständige, offene Bewegungen, die Lust auf die eigene Technik – das wird auch im Rahmen der Workshops vermittelt, die von Ballett mit Pepp bis hin zu Hip-Hop, Bollywood Dance oder Body Funk reichen. Aichinger und Selimov stehen für eine Erweiterung des Tanzbegriffes. Lassen sich nicht zügeln in ihren Vorstellungen von Tanzartikulationen, von Tanzsprachen. „Es gibt keine ästhetischen Richtlinien. Wir zeigen eine Mischung aus etablierten Choreografen und Newcomern.“ Bühne bietet hierzu „Österreich TANZT“ als Festival für in Österreich arbeitende Choreografen mit enorm hohem Stellenwert. Nicht nur in Österreich!

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bühne frei

für Kinder!

gemeinsam Geschichten erfinden, Bühnenbilder basteln, in neue Rollen schlüpfen – in der „Theaterwerkstatt In den Ferien“ des Landestheaters schnuppern Kinder Bühnenluft. Von Althea Müller „Was mir an der Arbeit mit Kindern so gut gefällt, ist, dass sie noch nicht so eingefahren sind wie die Großen“, lächelt die freie Theaterpädagogin Ina Theißen, die die „Theaterwerkstatt in den Ferien“ leitet. „Wenn Kinder das Gefühl haben, sie können etwas sagen, dann sprudelt es – und es kommen fantastische Geschichten heraus!“ Das Angebot findet regen Anklang bei den jungen TeilnehmerInnen, die in vier Tagen spielerisch lernen, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen, um am Abschlusstag zusammen auf der Bühne zu stehen – im eigenen Stück. „Anfangs habe ich niemanden gekannt“, sagt der neunjährige Marcus, der in den Semesterferien unter dem Motto „Schatzinsel“ mit dabei ist, „aber im Lauf der Zeit weiß man, wie jemand ist.“ Ein Profi ist auch schon Kollegin Katharina (7), die eine Piratin mimt und uns erklärt, wie es läuft: „Zuerst haben wir uns geteilt, die einen haben die ­Dekoration gemacht, die anderen Szenen erfunden. Bis morgen fügen wir alles zusammen, dann spielen wir es unseren Eltern vor.“ Und das geht sich aus, fragt da natürlich der Erwachsene. „Wir schaffen das“, nickt Schiffskoch Marcus und, schon ganz Künstler: „Irgendwie muss es ja gehen!“

„Man kann zeigen, was man kann.“ Katharina (7)

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Vorschau 2011 18.–22.04. Theaterwerkstatt in den Osterferien: für Kinder ab 9 Jahre, jeweils 9.30 bis 13 Uhr 30.08.–02.09. Theaterwerkstatt in den Sommerferien: I: für Kinder von 6–8 Jahren, 9 bis 12.30 Uhr II: für Kinder ab 9 Jahre, 14–17 Uhr. 30.04. DIALOGE: Kulturvermittlung zwischen Theater und Schule, von 11.30 bis 15 Uhr Anmeldung: Simone Uhrmeister, 02742/908060-694; simone.uhrmeister@landestheater.net; Begrenzte Teilnehmerzahl! „Wir vermitteln den Kindern, dass es hier nicht um schulische Leistung geht, es kein Richtig und Falsch gibt“, führt Theißen aus. Das Programm reicht vom Erproben des schauspielerischen Talents über die Plünderung des Kostümfundus bis hin zum Kennenlernen des Kosmos „Theater“. „Für die Zeit, in der die Kinder hier sind, wird unser Haus zu ihrem Theater“, erzählt Simone Uhrmeister, Kulturvermittlerin des Landestheaters. Viele, die einmal da waren, kommen wieder. Und mit nach Hause nimmt jedes Kind etwas anderes – Marcus zum Beispiel das Wissen, dass er jetzt in der Schule weniger Lampenfieber haben wird, wenn er vor der Klasse spricht. Und alle waren sie Piraten auf hoher See – mit Fantasie und dem Selbstbewusstsein, dass die Sesselreihe die Reling sein kann und das Parkett das Meer, wenn man sich nur darauf einlässt.

Hinterbühne 15


ricardo coler

TIME IS ON MY SIDE In Ecuador gibt’s einen Ort, an dem die Menschen mindestens 100 Jahre alt werden. Ricardo Coler ist dem Geheimnis ­langen Lebens nachgegangen. Von Thomas Fröhlich

I think we should know there is a difference between a human being and a body. Ricardo Coler Bühne im Hof, 15.06.2011 Ricardo Coler: Das Tal der Hundertjährigen – Eine Reise zum Ort der ewigen Jugend. Im Rahmen des Dialoges zwischen den Kulturen. Der Vortrag auf Spanisch wird konsekutiv ins Deutsche übersetzt. Colers gleich­namiges Buch ist 2010 im Verlag Rütten & Löhning erschienen.

16 Garderobe

„Sie leben viel länger als wir; und dabei trinken sie jede Menge Alkohol, rauchen, sind Drogen nicht abgeneigt und nehmen fette und gesalzene Nahrung zu sich. Wir können es mit unserem jetzigen Wissen gar nicht verstehen, was dort abläuft.“ So der argentinische Arzt und Journalist Ricardo Coler zu einem Dorf, das es – laut beamteter Gesundheitsapostel und selbsternannter Wellness-Gurus – gar nicht geben darf. Der Platz heißt Vilcabamba, befindet sich in Ecuador und ist nachweislich frei von Herzkrankheiten, Krebs, Knochenschwäche und anderen Plagen unseres „zivilisierten“ Alltags. Seine Einwohner meiden das einzige Spital und den kargen Friedhof so ausdauernd wie sonst nirgendwo. Rollstühle gibt es dort ebenso wenig wie Altersheime oder Pflegeversicherung. Mit 70 hat man hier noch mindestens ein Drittel des Lebens vor sich – und das trotz bisweilen harter Arbeit bei guter Gesundheit, Vitalität und Freude am Leben. Coler hat sich ins „Tal der Hundertjährigen“ begeben und berichtet von seiner Reise zu einem Ort der – beinahe – ewigen Jugend.

Junge 120-Jährige Ergeben hatte sich das für Coler aus „der Beschäftigung mit den neuesten medizinischen Erkenntnissen über Langlebigkeit als auch aus persönlichen Erfahrungen mit meinem ­Vater, einem alten, kranken Mann. Und nach kurzer Recherche fand ich diesen Platz, an dem die Menschen viel länger als im Rest der Welt leben und wo ich junge Menschen getroffen habe, die in Wirklichkeit 120 oder 130 Jahre alt sind.“ Und Coler setzt nach: „Ich wollte verstehen, was uns in einer nahen Zukunft alle betreffen kann, wenn wir, sagen wir, um 50 Jahre älter ­werden als jetzt.“ Denn die Medizin könne das in abseh­barer Zeit ermöglichen. Nur müsse man halt ­gewappnet sein: „Ein menschliches Wesen in seiner Gesamtheit darf man nicht ausschließlich mit seinem Körper gleichsetzen. Langes Leben alleine bedeutet gar nichts.“ Eines sei gewiss: „Wir müssen uns dieser neuen Ära stellen – und zwar mit ein paar Ideen ­darüber, was wir eigentlich wollen.“ Denn wenn wir nicht zu leben wüssten, könnte sich eine prolongierte Angst vorm Tod als unsere einzige andauernde (und furchtbare) Leidenschaft heraus kristallisieren. Doch lasse sich das vermeiden. Indem wir nach Vilcabamba blicken. Der Gedanke hat nämlich was: die Vorstellung, ein genussvolles Leben zu führen. Und dabei tatsächlich so alt zu werden wie Keith Richards jetzt schon aussieht.

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maurizio grandinetti

DER WELTENBUMMLER

Als Artist in Residence ist man eine Zeit lang dort zuhause, wo man nicht zuhause ist. Wie das geht? Fragen wir Maurizio Grandinetti … Von Thomas Fröhlich „Es ist sehr viel Arbeit – aber es ist das, was ich tun will!“ Hört man Maurizio Grandinetti beim Sprechen zu, fällt eines sofort auf: Begeisterung. Für sein Instrument, für seine Zusammenarbeit mit Clint Lutes, für John Cage, fürs Festspielhaus. In Letzterem ist er derzeit Artist in Residence. „Für mich heißt das, Projekte in Beziehung zu St. Pölten zu entwickeln. Erst den ‚Engel der Verzweiflung’, jetzt ‚… and some music of John Cage’.“ Grandinetti ergänzt: „Ich bin nicht dauernd da, aber wenn, dann gleich länger. Zwei Monate durchgehend, dann zwei Wochen, je nach dem.“ Wobei Grandinetti immer schon einer war, der die unterschiedlichsten Welten bereist hat. In jeder Hinsicht. Seit seinen Studienjahren lag sein Hauptinteresse in der Erweiterung der musikalischen Horizonte seines Instrumentes, der Gitarre. Das führte ihn über verschiedene Stile, Formen und Repertoires zur Erforschung neuer musikalischer Sprachen, oft in Zusammenarbeit mit Musikern und Komponisten verschiedener Länder. Zur Zeit ist er als Solist, Improvisator und Mitglied von Ensembles für Neue Musik tätig. Neben der klassischen Gitarre spielt er E-Gitarre, mit der er auch barockes Musikerbe gleichsam ins 21. Jahrhundert katapultiert. „Ich reise üblicherweise sehr viel. Seit zwanzig Jahren gibt es kaum eine Woche, wo ich nicht irgendwo hin fliege.“ Was ihn unter anderem zum ­Lucerne Festival oder ins La Fenice in Venedig führt. Und nun also ins Festspielhaus. „Es ist hier unglaublich spannend. Joachim Schloemer ist ein Meister im Zusammenführen unterschiedlichster Menschen. Die Mitarbeiter sind hoch motiviert und professionell. Und das Publikum geht sehr gut mit“, zeigt er sich von seinem Arbeitsplatz angetan Was Grandinetti an John Cage schätzt? „Seine musikalischen Konzepte, die auch – anarchistische – Gesellschaftskonzepte sind.“ Und die er mit dem Tänzer Clint Lutes nun künstlerisch umsetzt. Als Reisender zwischen den Welten.

„Dass das Festspielhaus dermaßen viele Eigenproduktionen hat, ist großartig!“ Grandinetti

Festspielhaus / Box, 04.05./07.05.2011: Clint Lutes, Maurizio Grandinetti „... and some music of John Cage“ Während einer Recherchephase in seiner Heimatstadt Trumansburg (USA), im Zuge derer er auch seine Familie in die Arbeit am Stück mit einbezog, beschäftigte sich Clint Lutes mit den immer aktuellen und spannenden Themen Heimat und Herkunft. Diese Suche nach dem inneren und äußeren Zuhause wird untermalt von Grandinettis Improvisationen für Gitarre, die auf Kompositionen von John Cage, mehr noch auf dessen Konzepten, basieren.

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Garderobe 17


„Ich möchte das Glück

nicht mehr brauchen“

„Ich möchte das Glück nicht mehr brauchen“, sagt eine Figur im Stück „LieblingE des Himmels“ von Klaus Haberl. Am 15. April wird das Auftragswerk für Das Ensemble in der Theaterwerkstatt Des Landestheaters uraufgeführt. Von Heinz Janisch In einem Hotel in der Großstadt treffen die unterschiedlichsten Menschen aufeinander, und allesamt sind sie Glückssucher. Das ist der Ausgangspunkt von „Lieblinge des Himmels“. „Wir sind doch frei, oder?“, sagt eine Figur des Stückes. Es bleibt als Frage im Raum stehen … Für Klaus Haberl wird es ein spannender Rollenwechsel. Der Schauspieler – seit 2007 Mitglied des Ensembles am Landestheater – wird als Regisseur erstmals ein eigenes Stück inszenieren. Er freue sich auf die Regie-Arbeit, sagt er beim Gespräch in einem Wiener Kaffeehaus. „Ich mag und schätze das Ensemble. Wir kennen einander gut, es ist ein Grundvertrauen da.“ „Unbarmherzig“ werde er nur zum Autor sein, eine ­Distanz zum eigenen Text sei notwendig beim Inszenieren. Er selbst sieht sein neues Stück als Tragikomödie. „Es geht um die Leichtigkeit des Seins, die uns allen so schwer fällt.“

Das Stück berühre viele existenzielle Fragen. Wie glücklich kann der Mensch sein? Genügt uns der sehnsüchtige Blick in einen „Himmel“, der auf uns wartet oder wollen wir den „Himmel auf Erden“, wollen wir das Glück hier und jetzt? Wie schafft man es gelassener zu werden, im Umgang mit dem Glück, wenn man um die eigene Vergänglichkeit weiß? „Die Sterblichkeit sitzt uns allen wie ein Schatten im Genick“, sagt Haberl und verweist auf ein Zitat von Heinrich von Kleist: „Es muss ein Glück geben, das sich von den äußeren Umständen trennen lässt.“

Schreibglück Zum frühen Glück gehörte für Haberl das Schreiben. Mit 17 schrieb er erste Gedichte, die Liebe zur Lyrik, zur ­kurzen Form, ist bis heute geblieben. Erst unlängst erschien sein erster Gedichtband“ „Ein Zimmer hinaus, in dem ich wohne“ in der „edition lex liszt 12“. „Ich höre wieder das Glück“ ist im Gedicht „Jetzt“ zu lesen. Und im Gedicht „Da man allein ist“ taucht plötz-

Landestheater Niederösterreich Premiere 15.04.2011, Uraufführung Klaus Haberl: „Lieblinge des Himmels“ Mit Philipp Brammer, Rainer Doppler, Pippa Galli, Katharina von Harsdorf, Antje Hochholdinger, Christine Jirku, Elisabeth Luger, Oliver Rosskopf, Julia Schranz, Othmar Schratt, Jürgen Weisert, Helmut Wiesinger, Stefan Wilde, Hendrik Winkler. Regie: Klaus Haberl. Bühne und Kostüme: Andrea Bernd.

„Die Sterblichkeit sitzt uns wie ein Schatten im Genick.“ Klaus Haberl

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melodramen KLANGREDEN

Die Schauspielerin Corinna Kirch­ hoff und die Pianistin Elisabeth Leonskaja geben ein melodramatisches Gastspiel. Von Thomas Fröhlich

lich ein Reh auf: „An der Glücksmauer ist es gestanden, so unsicher wie ich.“ „Du erzählst in allen Gedichten Geschichten“, sagte ihm eine befreundete Lyrikerin. „Geschichten erzählen“ will Haberl auch mit seinen Theaterstücken. Sein Zweipersonen-Stück „SULZ“ zeigt ein skurriles Machtspiel zweier unglücklicher ­Figuren in einem abgelegenen trostlosen Hotel auf dem Land. Sein Stück „HAIN“ handelt von Menschen, die in ihrer ­Lebens- und Liebesunfähigkeit keinen Weg zueinander finden … „Die Stücke sind im Lauf der Jahre heller, leichter, ­luftiger geworden“, sagt Haberl. Das zeige sich auch bei „Lieblinge des Himmels“.

Freier Blick Vielleicht hat das auch mit privaten Veränderungen zu tun. Zumindest klingt es so, wenn Haberl von seiner Frau und von seinem zwölfjährigen Sohn Moritz erzählt … Als Schauspieler hat er beim „Theater der Jugend“ in Wien begonnen, er hat am Wiener Volkstheater, im Theater in der Josefstadt und an vielen anderen Bühnen gespielt. Was würde er sich wünschen, als ­Autor, Schauspieler und Regisseur? Als Autor hoffe er auf einen zweiten Gedichtband – „Gedichte kann man nicht erzwingen“. Als Schauspieler möchte er gern einmal auf der Bühne des Burg­ theaters stehen – „ein Jugendtraum“. Und als Regisseur könne er sich viel vorstellen. Schon als junger Schauspieler hat er immer wieder auch Stücke inszeniert, da freue er sich einfach über neue Herausforderungen. Klaus Haberl kommt noch einmal auf „Lieblinge des Himmels“ zu sprechen, ein Auftragswerk des Landestheaters Niederösterreich. „Auf einmal ist da ein Weg“, sagt er. „Türen gehen auf. Und sie geben den Blick frei, aufs offene Meer …“

„Ein Experiment, wie weit man mit der Sprache gehen kann.“ So umschreibt Corinna Kirchhoff die Melodramen, die sie gemeinsam mit Elisabeth Leonskaja in St. Pölten zum Besten geben wird. Moment, hör’ ich da manche sagen, Melodramen – das sind doch Filme, oftmals aus der Goldenen Ära Hollywoods … Stimmt natürlich. Doch der Begriff Melodram ist älter. Er bezeichnet einen hochdramatischen Sprechgesang mit Instrumentalbegleitung, der heutzutage nahezu vergessen ist, im 19. Jahrhundert hingegen ungemein populär war. So etwas wie ein Nebenfach des Theaters, über das schon Mozart wusste, „daß da nicht gesungen sondern declamirt wird, welches alsdann die herrlichste Wirkung thut“. Schumann, Liszt und Strauss liebten diese Symbiose von Komposition und „Klangrede“, wie Harnoncourt es ausdrückte. Sie schrieben einige der schönsten „zusammenkomponierten“ Melodramen, die nicht selten auf Texten romantischer Dichter wie Alfred Lord Tennyson oder Percy Bysshe Shelley beruhen. Dramatische Geschichten werden in einem pathetischen Stil mit viel szenischer Plastizität erzählt, wobei es einen ausgefeilten Dialog zwischen Sprache und Instrument gibt. Eine „Art Composition, die wohl noch nicht existiert, und so sind wir immer vor allem den Dichtern zu Dank verbunden, die, neue Wege der Kunst zu versuchen, uns anregen“, beschreibt Schumann die Faszination an dieser „ästhetischen Zwitter­ gattung“ zwischen Musik und Wort. Eine Faszination, der man sich auch im Landestheater schwer entziehen kann. Landestheater Niederösterreich 14.04.2011, Österreich-Premiere Melodramen. Mit Corinna Kirchhoff (Deklamation) und Elisabeth Leonskaja (Klavier). Kompositionen von Richard Strauss, Robert Schumann und Franz Liszt zu Texten von Alfred Lord Tennysson, Friedrich Hebbel, Percy Bysshe Shelley, Nikolaus Lenau und Gottfried August Bürger.

Zum Autor: Heinz Janisch, Journalist und Autor. Redakteur der ORF-Hörfunkreihe „Menschenbilder.“ Autor zahlreicher Bücher, besondere Liebe zum ­Kinderbuch.

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100 jahre landesmuseum Zeigen, was man hat

Honigtau wird von Bienen gesammelt, Briefmarken von so manchem Menschen. Das Landes­museum Niederösterreich hingegen versteht sich als ­universaler Sammler. Sein Universum ist Nieder­ österreich – und das seit ­hundert Jahren. Von Andreas Reichebner

Begonnen hat alles am 18. Dezember 1911, als auf Betreiben des Vereins für Landeskunde für Nieder­ österreich im Palais Caprara-Geymüller in Wien das Niederösterreichische Landesmuseum eröffnet wurde. Vorerst mit Objekten der Natur- und Volkskunde. Erst später kam die Kunst dazu. In den 20-er Jahren übersiedelte das Museum innerhalb Wiens in die Herrengasse 9, 1997 erfolgte schließlich der Aufbruch nach St. Pölten mit der Präsentationsfläche in der Shed-Halle, bevor 2002 das von Hans Hollein konzipierte Niederösterreischiche Landesmuseum seine Pforten öffnete.

Jäger und sammler Was in all den Jahren immer essentieller Auftrag blieb, war das Sammeln. Grundvoraussetzung, warum etwa ein Exponat im Bereich der Kunst angekauft und gesammelt wird, ist der Niederösterreich-Bezug: Durch Geburt, Wohnort des Künstlers, Thematik oder auch das Motiv. „Dabei bedarf es der Kenntnis der Sammlung. Was fehlt, was passt dazu? Und gut muss es sein“, erörtert Wolfgang Krug, Leiter des Sammlungszentrums Kunst im Kulturdepot des Landes. Anhand eines Gemäldes des biedermeierschen Landschaftsmalers Friedrich Gauermann erklärt er: „Wir haben einen Gauermann angekauft, mit einem Motiv, das wir schon hatten. Die Tierszene im Vordergrund war zwar ident, aber es gab einen feinen Unterschied zum ersten Bild: Der Hintergrund war anders!“ Das gibt dem Wissenschaftler Gelegenheit, der Entwicklung des Künstlers auf die Schliche zu kommen. An die 60.000 Arbeiten im Bereich der Kunst beherbergt das neu erbaute Kulturdepot in St. ­Pölten. Allein das Gemäldedepot hat eine Grundfläche

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„Schön ist es aus der eigenen Sammlung Werke zu präsentieren. Dann sollen sie aber auch so gezeigt werden, dass sie den Betrachter anleuchten.“ Wolfgang Krug, Sammlungsleiter im NÖ Kulturdepot 100 Jahre Landesmuseum Niederösterreich „Geschichte“ – 29.05.2011 bis 15.04.2012 „Gesammelte Vielfalt“ – 29.05. bis 20.11.2011 Erfahren Sie in gleich zwei spannenden Ausstellungen alles über die Geschichte der Institution, wie ein Museum funktioniert, wie gesammelt wird uvm. von 1000 qm. Fünf Meter hoch ragen die 170 Schiebe­wände empor. Da hängen und lagern sie, die Kunstwerke – bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Daneben befinden sich im gekühlten Fotodepot tausende Fotos, und im Grafikdepot lassen sich fast 6.000 Planschrankladen herausziehen. „Bei der Übersiedlung haben wir in zwei Monaten 6.000 Gemälde eingeordnet“, so Krug. Eine Knochenarbeit, von A–Z. Denn das ­alphabetische System, das einen Blick auf die ­Werke eines Künstlers gewährleistet, ist für Krug „die menschliche Größe, die wichtig ist.“ Oft wird um Leihgaben angefragt. „Wir haben eine Vorlaufzeit von sechs Monaten.“ In Folge wird das

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„gott sei dank

Kulturbezirk!“ Als „lokaler Mensch“ und „Kultur­genieSSer“ ist Unternehmer ­Werner ­Schirak in erster Linie St. Pöltner und hat sich der Förderung der Kultur in der Landeshauptstadt verschrieben. Von Marion Pfeffer

Objekt von den hauseigenen Restauratoren auf seine Leihfähigkeit hin überprüft sowie ob etwas restauriert werden muss.

Leidenschaft Wichtig für Krug ist es, die Geschichte um einen Künstler abzurunden, „da sind gerade dokumentarische Stücke und schriftliche Quellen interessant, um ein Künstlerleben präsentieren zu können. Werke sind ja auch Ausdruck einer persönlichen Befindlichkeit“, erörtert er seine Sammelleidenschaft. Das gilt auch für die Zeitgenossen. „Exponate aus verschiedenen Entwicklungsphasen zeigen zu können, das macht es spannend.“ Die Krönung ist für Krug aus der eigenen Sammlung Werke zu präsentieren und „für Ausstellungsideen Passendes dazu zu erwerben.“ Eben hat man mit etwa 500 eigenen ­Werken die Ausstellung „Ich ist ein anderer“ bestückt. Dafür wurde gestöbert, sortiert, eingerahmt, „zig Handgriffe sind da zu tun.“ Immer wieder stößt man im Zuge der Recherchen auch auf Unerwartetes, wie z. B. auf das verliehene Objekt „Landhausuhr“. Dieses fand Krug nach 80 Jahren im Technischen Museum wieder. „Jedes Schäfchen, das zur Herde zurückgeführt wird, ist ein Erfolg.“

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„Der Übeltäter war Paul Gessl“, erklärt Schirak schmunzelnd, angesprochen darauf, wie er Kultur für sich entdeckt hat. Der Geschäftsführer der NÖ Kulturwirtschaft begeisterte den Unternehmer für die Kulturinstitutionen, Schirak wurde Mitglied der ersten Stunde des Fördervereins Kulturbezirk St. Pölten sowie Gesellschafter des Festspielhauses. Besucht man Schirak in seinem Autohaus in der Porschestraße fallen sofort die Festspielhausprogramme ins Auge. „Exklusiv für Auto Schirak Kunden“ prangt auf dem Cover, daneben die Bestellscheine mit besonderen Konditionen des Hauses. Die Top-Kunden werden regelmäßig von ihm zu ausgewählten Events eingeladen. Die Kultur ist also eine Wirtschafts-Plattform? „Teilweise. Mit Theater und Konzerten macht man nicht jedem eine Freude. Ich begreife Kultur eher als Ausgleich zur Arbeit als mit ihr Geschäfte zu machen“, so Schirak. „Ich arbeite gerne viel. Aber bei einem Konzert so richtig dahin zu schwelgen – das ist beinahe ein Kurzurlaub.“ Das Kultur-Angebot in St. Pölten und über dessen Grenzen hinaus bekannter zu machen, ist für ihn eine Herzensangelegenheit: „Mit der Bühne im Hof, dem Landestheater Niederösterreich und dem Festspielhaus bietet ­unsere 50.000-Einwohner-Stadt eine unglaubliche Qualität und Vielfalt.“ Das müsse noch wesentlich weiter hinausgetragen werden. „Gott sei Dank gibt es den Kulturbezirk!“ fügt Schirak hinzu. „Gäbe es das Festspielhaus und das Landesmuseum nicht, dann wäre das Regierungsviertel gänzlich ausgestorben. Dabei hat dieser Ort ein unglaubliches ­Potential!“ Daher setzt er sich im Förderverein besonders für die Belebung und die Anbindung an die Innenstadt ein. „Die Lage direkt an der Traisen gleich neben der Altstadt ist Gold wert. Man muss ein Bewusstsein schaffen und intelligent alt und neu verbinden“, erklärt er eines der Projekte des Vereins. Was rät er Kultur-Anfängern? „Nehmen Sie sich etwas Zeit vor jeder Vorstellung. Gut essen gehen oder das Programmheft lesen und keinesfalls hasten. Dann kann man sich auf die Veranstaltung einlassen und genießen.“

Der Familienvater, Autohausbesitzer und Ironman-­ Teilnehmer Werner Schirak bringt sein unternehmerisches Denken in den Förderverein und ins Festspielhaus ein: „Ich bemühe mich trotz der Notwendigkeit von Finanzspritzen im Kulturbereich ein gutes Gesamtergebnis anzustreben.“ Termine des Fördervereins Kulturbezirk: 14.04.: Kleine Geschichte des Exlibris, Landesbibliothek, im Anschluss Empfang 26.05.: Preview 100 Jahre Landesmuseum, im Anschluss Empfang Mitglied werden: www.kulturbezirk.at, Tel. 02742/90 80 80-812

Galerie 21


short cuts Festspielhaus | 28./29.04.2011 Hochstapler & Falschspieler. Die Akteure überbieten sich bei Tanz, Schauspiel und Live-Musik in der Artistik der Hochstapelei und des Falschspielertums – es geht um Fremdtäuschung und Selbstbetrug, um falsche Biografien und die Piraterie der Gefühle. „Ein Abend intelligenter Unterhaltung, der Improvisation abgewonnen, insoweit nicht perfekt, aber quick­lebendig“, urteilte der südkurier.

Landestheater | 30.04.2011 Die Schatzinsel. „Freundschaft und Treue sind wichtige ­Themen in der Geschichte, aber auch die Übergangsphase vom Kind ins Erwachsenwerden“, sagt Antje Hochhold­inger, die den Kinderbuchklassiker als abenteuerliches Stück für Publikum ab sechs Jahren inszeniert hat. Und tatsächlich geht es auf der Schiffsreise von Jim Hawkins und der Piratenbande bald um mehr, als nur darum, den Schatz zu finden.

Bühne im Hof | 13.05.2011 Böck & Schrammeln. „Vüh Schmoiz, vüh Schmäh“. Wolfgang Böck, bestens bekannter Schauspieler und prädestiniert für die Rolle des fleischge­ wordenen, liebenswerten Wiener „Grantscherbns“ singt wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und die Neuen Wiener Concert-Schrammeln sorgen für den so typischen Wiener Klang. „fon de ­hausmasda und de möada“ ist ein Exkurs in das zutiefst ­Wienerische, ins ­faszinierende, mitunter äußerst morbide Lebensgefühl der e­ inzigen österreichischen Weltstadt.

22 Parkett

06.04.2011 | Festspielhaus Rabih Abou-Khalil. Musikalischer Hintergrund des Erfolgs des Deutsch-Libanesen ist seine Interpretation von globalem Jazz. Seine Musik speist sich aus arabischen Wurzeln ebenso wie europäischer Klassik und amerikanischem Jazz. Das Ergebnis vermittelt Leichtigkeit, ohne banal zu wirken. „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich auf dieser persönlichen Ebene Leute erreiche, die meine Musik berührt.“ Ein ungeahntes Hörabenteuer.

09.04.2011 | Festspielhaus Johannespassion. Dass auch weniger mehr sein kann, beweist das Freiburger BarockConsort. Mit nur acht Sängerinnen und Sängern stellt sich das Kammer­ ensemble des Freiburger Barockorchesters den Anforderungen von Bachs Johannespassion. Es erwartet uns ein radikaler Klang-Perspektivenwechsel, der scheinbar Altbekanntes in neuem Licht ertönen lässt.

13./14.05.2011 | Landestheater Gertrud. Eine Frau zwischen drei ­Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und doch alle nur sie wollen: In der ausgezeichneten Besetzung um Ausnahmeschau­spielerin Andrea Eckert werben rationaler Ehemann (Paul Matic), glühender Verehrer (Michael Rastl) und leichtfertiger Künstler (Patrick O. Beck) nach dem Theatererfolg 09/10 diesen Mai noch einmal um Gertruds Gunst – jeder auf seine Weise. Dazwischen: eine berührende Frau in liebender Ratlosigkeit.

19.05.2011 | Bühne im Hof Working Mom. Vollbusig und trotzdem arbeitslos. Eva Maria Marold geht beichten. Kabarettistisch. Als alleinerziehende, mit vier Kindern gesegnete Schauspielerin ist sie dabei unterwegs beim AMS, in der SVA, in der Kirche oder im Kindergarten. Das garantiert abenteuerliche, haarsträubende Situationen. Wie lässt sie ihre Protagonistin sagen: „Die Gier is was schiachs, aber dabei find i den Grasser gar net so schaich.“ Das System Österreich lässt grüßen.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen


Ehrung.

Mimi Wunderer-Gosch erhielt Mitte Februar aus den Händen von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich. Pröll würdigte die Ausgezeichnete als „große Persönlichkeit des niederösterreichischen Kulturlebens“ und führte aus: „Als Gründerin und Leiterin der Bühne im Hof sowie als Intendantin des Festspielhauses der ersten Stunde hat sie entscheidend dazu beigetragen, Niederösterreich kulturpolitisch aufzurüsten!“

Die nächste Ausgabe von spielorte erscheint im September 2011. Leserbriefe und Einsendungen an redaktion@spielorte.at

pressestimmen

„Überdreht, aber in gewohnter schwedischer Trockenheit werden Unterhaltungsklischees hinterfragt. Humor und eine Prise Nonkonformismus sind selbst­ tanzend mit von der Partie. Andrea Heinz, „der Standard“, über Ekman‘s Tryptich – A Study of Entertainment“ am 14. Mai im Festspielhaus

„Wer seinen Kopf mal wieder richtig durchlüften will ist hier richtig. … ­Konzentrierter hat man Pollesch lange nicht an seinem Thema arbeiten sehen.“ Christian Rakow, „Berliner Zeitung“, über Cinecittà aperta, am 6./7. Mai im Landestheater „Ein kunterbunter Mix aus Stilen und Elementen, indisch darf es scheinen, nach Lovesong und Musical klingen. ­Cherkaouis Kunst bringt all das in einen Stimmungsbogen, der durch suggestive Kraft, poetische Momente voll Eleganz besticht.“ Oliver A. Láng, „Kronen Zeitung“, über „Play“ im Festspielhaus „Gespielt wird teils exzellent: Valentin Schreyer ist als Alexej ein echter Sympathieträger, ... Paul Matic ist ein brillantlakonischer Astley; die wunderbare Else Ludwig begeistert als alte, nicht sterben wollende Babuschka. Antje Hochholdinger, Helmut Wiesinger, Rainer Doppler und Jürgen Weisert füllen ihre Rollen stets gut aus. Jubel.“ Peter Jarolin, „Kurier“, zur Premiere „Der Spieler“ im Landestheater

leserstimmen Ich halte gerade die druckfrische Aus­gabe vom Magazin „spielorte“ in den Händen. BRAVO das Magazin ist toll gelungen und sehr informativ – ich komme gerne immer wieder nach St. Pölten ins ­Theater! Alles Liebe der gesamten Redaktion, sagt Gerti Navratil, Wien Ich möchte Ihnen herzlich zu diesem tollen Magazin gratulieren. Vor lauter Begeisterung und Neugierde habe ich es gleich am Samstagvormittag ausgelesen. Nochmals danke und freundliche Grüße Maria Hohl Immer tolles Programm, tolle Ideen – ­weiter so! Gertrude Stulik, St. Pölten

gewinn! spielorte verlost Eintrittskarten und Kataloge. Mitmachen ist ganz einfach: E-Mail senden an redaktion@spielorte.at

Bühne im Hof spielorte verlost 1 × 2 Karten für den Vortrag „Das Tal der H ­ undertjährigen“ von ­Ricardo Coler am 15. Juni in der Bühne im Hof! Landestheater spielorte verlost 1 × 2 Karten für die Aufführung von René Pollesch „Cinecittà aperta“ am 7. Mai im Landestheater! Festspielhaus spielorte verlost 1 × 2 Karten für die halb-szenische Aufführung von Christoph W. Glucks „Orfeo e­ d Euridice“ am 9. Juni im Festspielhaus! Landesmuseum spielorte verlost 1 × 2 Karten und einen Katalog für die Ausstellung „Ich ist ein anderer“ im Landesmuseum! Noch bis 26. April.

fiedlers lokaltipp St. Pöltens Gastlichkeit bietet eine breite und bunte Palette für jeden Geschmack. Einen rasanten Aufstieg erlebt das Café Schubert, das eine gut sortierte Auswahl an Speisen – auch echte Hausmannskost – herrliche Biere und Weine bietet. Aufgrund seiner zentralen Lage am Herrenplatz ist es ideal gelegen für einen Happen und ein Gläschen vor oder nach dem Kunstgenuss in der Bühne im Hof, im Landestheater, im Programmkino – auch der Kulturbezirk ist nicht wirklich weit! Apropos Kulturbezirk, eine Anregung: Es wäre fein bei Abendveranstaltungen im Bezirk vor oder nach der Veranstaltung noch ­Kulinarisches genießen zu können – besonders im Sommer, an einem lauen Abend, nach dem Konzert noch im Freien zu sitzen, ein Glas Wein oder Bier zu trinken, dazu Fingerfood – das wäre herrlich! Café Schubert, Herrenplatz 1, 0650 / 808 94 80.

Das Magazin der St. Pöltner Bühnen

Parkett 23


Anna Schweidler „prima la musica“ Landespreisträgerin (Querflöte)

Philipp Trojan „prima la musica“ Landespreisträger (Gitarre)

Living Office* | St. Pölten

Selina Ott „prima la musica“ Bundessiegerin

www.st-poelten.gv.at

Für uns gehört es zum guten Ton, kleine und große Talente von Beginn an zu fördern. Denn Kunst und Kultur sind wichtige Impulsgeber für die Zukunft. So erspielen beispielsweise St. Pöltens Musikschulen mit ihren über 1.400 jungen KünstlerInnen ein kreatives Umfeld, in dem sich individuelle Begabungen entfalten können. Damit das für viele Menschen erlebbar wird, unterstützen wir zahlreiche Vereine und Veranstaltungen. Das schafft eine lebendige Kulturszene – der beste Garant für eine vielseitige, offene Gesellschaft. Und diese wirkt weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus.


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