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WIRTSCHAFTS SPIEGEL Das Wirtschaftsmagazin für Sachsen‑Anhalt www.wirtschaftsspiegel.com 02/2013 ∙ 21. Jahrgang ∙ 20401 4,90 EURO

Kammern und Wirtschaftsministerium für Reduzierung der Stromsteuer

gelandet

gewonnen

gekostet

Russen bauen neue Basis für Lufttransporter

Lottoförderung im Land bleibt auf hohem Niveau

Der Harz überzeugt mit regionalem Geschmack


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Editorial

Gert Hohlwein Geschäftsführer Wirtschaftsspiegel

Beton‑Gold statt Aktienfonds

Spectrum Wirtschaftswerbung GmbH Julius-Bremer-Straße 10 39104 Magdeburg

Die Neujahrsempfänge sind „abgearbeitet", die erste Landtagswahl liegt hinter uns ‑ die Probleme bleiben die gleichen. Obwohl hochkarätiger Politikbesuch Sachsen‑Anhalt Bestnoten bescheinigt, hat die Wirtschaft im Land zu kämpfen. EEG‑Umlage und Stromsteuern machen dem Mittelstand schwer zu schaffen. In Sachsen‑Anhalt brauchen mehr als 60 große Unternehmen dank Befreiung keine EEG‑Umlage zahlen. Kleine Handwerksbetriebe bleiben auf den horrenden Strom‑ preisen sitzen und fühlen sich mit den Kosten der Energiewende von der Politik allein gelassen

Telefon 0391 564647 www.spectrumww.de

Die Entscheidung ist gefallen ‑ die Auslagerung von IT‑Dienstleistungen an die Dataport, eine Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz in Kiel, ist beschlossene Sache. Die geplante Ausgliederung des Landesdatennetzes und des Landesrechnungs‑ zentrums war letztendlich ein Politikum. Immerhin geht es um ein Auftragsvolumen für die nächsten zehn Jahre von einer halben Milliarde Euro. Der Konjunkturbericht der Handwerkskammer bestätigt: Dem Handwerk im Norden Sachsen‑Anhalts geht es derzeit so gut wie lange nicht. Die derzeitige Wirtschafts‑ situation entwickelte sich positiv für die Handwerker: Die Finanzkrise kommt den Handwerksbetrieben sogar zu Gute. Insbesondere Privatleute würden verstärkt in‑ vestieren. „Viele setzen auf Beton‑Gold statt Aktienfonds“. Und nun viel Spaß beim Lesen. Ihr

Gert Hohlwein Geschäftsführer

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Aus dem Inhalt

Wirtschaft IHK‑Neujahrsauftakt AOK ‑ Gute Leistung Aufsteigerland Quelle des Wohlstands Bestechliche Ärzte? Lotto‑Förderung Neues Industriekraftwerk Ausbildung Grüne Woche Colbitzer Bier vor dem Aus? Handwerk Buchtipps Kultur | Freizeit

10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 22‑23 26‑27 28‑29

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Tourismus Wie schmeckt der Harz Reiseland Sachsen‑Anhalt

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Service Web@aktuell Finanzen Steuern Recht

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Rubriken Editorial Index Personalien Geschäftskontakte Wissenschaft Glosse Impressum

03 08 08‑09 30 32‑33 37 38

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Thema

Kammern und Wirtschaftsministerium für Reduzierung der Stromsteuer Zu einem Auftaktgespräch zum Jahres‑ beginn trafen sich in der Landeshaupt‑ stadt Sachsen‑Anhalts die Präsidenten der Industrie‑ und Handelskammern so‑ wie der Handwerkskammern mit Wis‑ senschafts‑ und Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff. Gesprochen wur‑ de unter anderem über energiepoliti‑ sche Fragen, insbesondere die Strom‑ preisentwicklung, sowie über die Vorfäl‑ ligkeit der Sozialversicherungsbeiträge und die gemeinsamen Erwartungen an die nächste EU‑Strukturfondsperiode.

Die Gesprächspartner äußerten ihre gemeinsame Sorge über die gegenwärtige Belastung der Unternehmen durch steigende Strompreise. Vor allem die Ungewissheit über deren künftige Entwicklung mit Blick auf die Energiewende verunsichere die Wirtschaft zusätzlich zu den ohnehin bereits hohen Belastungen, denn höhere Strompreise hätten eine bedrohliche Auswirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Unternehmen. Kammern und Wirtschaftsministerium plädieren daher gemeinsam dafür, die Stromsteuer zu reduzieren und gegebenenfalls ganz abzuschaffen, sollten die Preise weiter ansteigen. Ministerin Wolff sagte: „Richtschnur für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ist auch, dass die Strompreise bezahlbar bleiben. Nicht nur für die Unternehmen der energieintensiven Branchen Sachsen-Anhalts sondern gerade auch für unseren Mittelstand sind hohe Strompreise eine Belastung. Sie führen bei Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, zu einer Zurückhaltung bei Investitionen – eine Entwicklung, die wir jetzt schon beobachten können. Eine Absenkung oder gar Abschaffung der Stromsteuer ist eine von mehreren Optionen, um hier gegenzusteuern. Und zwar so, dass auch der Mittelstand etwas davon hat”. Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg, unterstrich: „Eine Abschaffung der Stromsteuer ist ausdrücklich zu begrüßen, die Entlastungswirkung für unsere Unternehmen wäre erheblich. Für die Wirt-

schaft sind die Energiepreise nämlich zu einem echten Standortnachteil geworden. In Deutschland besteht fast die Hälfte der Stromkosten aus Steuern und Abgaben. Besonders bitter sind die Kostensteigerungen für die mittelständischen Unternehmen. Sie profitieren weder von den Entlastungsmöglichkeiten, noch können sie an der Strombörse zu günstigen Preisen Strom beschaffen. Hinzu kommt, dass der Staat doppelt kassiert: Auf die Abgaben und Steuern wird zusätzlich noch die Mehrwertsteuer erhoben. Deswegen wäre die Abschaffung der Stromsteuer ein wichtiges Signal zur richtigen Zeit”. „Neben den besonders stark belasteten Industrieunternehmen übten zunehmend auch Unternehmer aus anderen Branchen Kritik an der Ausgestaltung der Energiewende“, betonte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Carola Schaar: „Die Politik muss jetzt handeln: Runter mit dem staatlichen Anteil am Strompreis. Es müssen endlich die wirtschaftlichen Aspekte der Energiewende stärker in den Blick genommen werden. Dabei sollten auch und insbesondere die Kosten der erneuerbaren Energien auf den Prüfstand. Nur so kann es uns gelingen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung in SachsenAnhalt zu halten”. „Von der Absenkung der Stromsteuer würden alle profitieren, auch unsere Handwerksbetriebe, die hier bisher benachteiligt wurden“, betonte Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle. „Nur für große Unternehmen gelten seit 2012 Vergünstigungen und Ausnahmeregeln, die am Ende jedoch auch unsere mittleren und kleinen Betriebe mitbezahlen müssen. Diese einseitige Bevorteilung ist nicht nachvollziehbar. Für unsere energieintensiven Handwerksbetriebe sind die Kosten in den vergangenen Jahren explosionsartig angestiegen – das bringt einen kleinen Betrieb schnell in Existenznot”. Werner Vesterling, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, ergänzte: „Viele Handwerksunternehmer haben längst

Maßnahmen ergriffen, um die Energieeffizienz zu erhöhen. Die Spielräume sind jedoch langsam ausgeschöpft. Der Fleischermeister kann die Kühltruhe nicht ausschalten. Eine Reduzierung oder Abschaffung der Stromsteuer würde den Preisanstieg dämpfen und kleine und mittlere Betriebe entlasten”. Beim Thema Sozialversicherungsbeiträge waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens darüber einig, dass die gegenwärtig vorverlagerte Fälligkeit von Sozialversicherungsbeiträgen die Betriebe unnötig belaste. Dies gelte umso mehr, da der Grund für die Einführung der Vorfälligkeit, nämlich damals bestehende finanzielle Engpässe bei der gesetzlichen Rentenversicherung, mittlerweile entfallen sei. Daher sprachen sich Kammern und Wirtschaftsministerium dafür aus, die vorverlagerte Fälligkeit von Sozialversicherungsbeiträgen rückgängig zu machen und begrüßten die dahingehend geplante sächsische Bundesratsinitiative. Dazu sagte Vesterling: „Die Folge dieser Regelung ist, dass Betriebe die Rentenversicherungsbeiträge häufig zweimal berechnen müssen. Dies führt zu einem erhöhten Bearbeitungsaufwand für die Unternehmen und zu einem Liquiditätsverlust. Die bestehende Vorverlagerung der Abführung von Sozialversicherungsbeiträgen muss abgeschafft werden”. Einig war sich die Runde auch darüber, die nächste EU-Strukturfondsperiode verstärkt dafür zu nutzen, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen zu erhöhen. Vesterling: „In Anbetracht der knapper werdenden Fördermittel ist noch mehr auf eine effiziente Nutzung zu achten. Dabei dürfen die kleinen und mittleren Betriebe aber nicht übergangen werden”.

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Das größte in Serie gebaute Trans‑ portflugzeug der Welt, eine Antonow 124, hat ein neues Dach über dem Rumpf. Am Airport Leipzig‑Halle konnte die Volga‑Dnepr‑Group eine neue Wartungsbasis direkt neben dem Tower eröffnen. Mehr als 40 Mil‑ lionen Euro investierte die russische Frachtfluggesellschaft in dieses Ob‑ jekt mit einem Vorfeld, auf dem bis zu fünf Mega‑Transporter Platz finden. Auf die Entwicklung des Flughafens Leipzig‑Halle könne man stolz sein, betonte Sachsen‑Anhalts Ministerprä‑ sident Dr. Reiner Haseloff in seinem Grußwort zur feierlichen Einweihung einer Wartungsbasis der Volga‑Dnepr Group auf dem Flughafen Leipzig‑ Halle. Gemeinsam mit seinem sächsi‑ schen Amtskollegen Stanislaw Tillich war er zu der Einweihung des Hang‑ ars angereist. Das Engagement der Volga‑Dnepr Group zeige, dass Leip‑ zig‑Halle längst mehr ist als irgendein Regionalflughafen irgendwo in Deutschland. In Mitteldeutschland ist ein wahres Tor zur Welt entstanden. Allein in Sachsen‑Anhalt arbeiteten rund 2.000 Menschen direkt oder in‑ direkt für den Flughafen. Insgesamt seien es 6.000. Der Airport sei ein gewaltiger Jobmotor. Die russische Volga‑Dnepr Group ist Weltmarkt‑ führer beim Lufttransport besonders schwerer und sperriger Lasten.


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Personalien

Mehr als 23 Jahre brachte eine Fla‑ schenpost auf dem Meer zu. Am Neu‑ jahrstag 1990 von einer Kreuzfahrt‑ Touristin ins Mittelmeer geworfen, wurde sie jetzt an der griechischen In‑ sel Kefalonia an Land gespült. Kuriose Gesetze: Macht ein fremder Hund auf eine Privatwiese sein „Ge‑ schäft”, darf man die Häufchen nicht so einfach entfernen. Der Kot wird nämlich laut Amtsdeutsch „nicht durch Verbinden oder Vermischen untrennbarer Bestandteil des Wiesen‑ grundstückes. Der Besitzer des Grund‑ stückes erwirbt dadurch kein Eigen‑ tum an diesem Hundekot”. In Alabama (USA) dürfen Männer ihre Frauen nur verprügeln, wenn sie ei‑ nen Stock dazu benutzen, der nicht länger ist, als ihr Daumen.

FOTO: PROM

Ein Verkehrsunfall erwies sich für Kat‑ zen in China als Glücksfall: Rund 600 Katzen wurden von Tierschützern vor dem Kochtopf gerettet, nachdem ein Lkw in Changsha im Zentrum des Landes verunglückt war.

GEORG BANDARAU, feierte vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag. Der Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins „Pro Magdeburg“ wechselte 2007 in die Landeshaupstadt. Zuvor war er bereits fünf Jahre lang Stadtmanager in Halberstadt. In der Funktion des Stadtmanagers in Magdeburg hatte er die Aufgabe, die Strukturen des Vereins aufzubauen und im Rahmen einer Stadtmarketingstrategie die Defizite im Binnenmarketing der Stadt abzubauen und durch die verschiedenen Projekte und Maßnahmen des Vereins die Attraktivität Magdeburgs für die Gäste und Einwohner selbst zu erhöhen. Georg Bandarau ist wie er selbst sagt, „ein begeisterter Magdeburger“ geworden.

FOTO: LANDKREIS HARZ

Index für Februar/März

DR. MICHAEL ERMRICH, Landrat im Harzkreis, könnte neuer Vorstandschef des Ostdeutschen Sparkassenverband OSV werden. Der Verbandsvorstand beschloss in seiner Sitzung Ende Januar in Potsdam einstimmig, der für den 26. März 2013 einberufenen Verbandsversammlung des OSV die Bestellung von Dr. Michael Ermrich zum Geschäftsführenden Vorstandsmitglied (Geschäftsführender Präsident) des OSV für eine volle Periode von sechs Jahren vorzuschlagen. Der Vorsitzende der Verbandsversammlung und des Verbandsvorstandes, Landrat Czupalla, betonte, dies sei ein wesentlicher Schritt zur Nachfolgeregelung für den amtierenden Geschäftsführenden Präsidenten Holtmann.

Nach ausgiebigen Neujahrsfeiern ha‑ ben Handwerker in Russland ein Was‑ serrohr versehentlich an ein Gasrohr angeschlossen. Nach einem Gelage leiteten die Handwerker Wasser in die Gasversorgung und legten diese lahm. Unterbezahlte Polizisten bessern in England durch Nebenjobs ihr Gehalt auf. Allein bei der Londoner Polizei ar‑ beiteten 104 Beamte nebenberuflich als Fotografen, 60 als Unterhaltungs‑ künstler ‑ darunter viele als Zauberer ‑ sowie rund 20 als Friseur. Auch als Ero‑ tiktänzer oder Leichenträger verdie‑ nen sich die „Bobby” Geld dazu.

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EGON BAHR wird mit dem Kaiser-Otto-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg geehrt. Damit werde sein Engagement für eine Politik der Völkerverständigung und der europäischen Einigung gewürdigt. Der SPD-Politiker Egon Bahr habe sich während der Zeit des Kalten Krieges in besonderer Weise um die Zusammenarbeit zwischen West und Ost verdient gemacht, begründete Magdeburgs Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper die Wahl des Preisträgers. Von 1972 bis 1974 war Bahr Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Überreicht wird der Preis am 18. Juli 2013 im Magdeburger Dom.

FOTO: HANDWERKSKAMMER

Einen Autofahrer in Frankreich er‑ wischte nach 34 Jahren ohne Führer‑ schein hinterm Steuer die Polizei. Der 52‑Jährige, der auf einer Straße der westfranzösischen Region Gironde kontrolliert wurde, gab zu, seit seiner Volljährigkeit im Jahr 1979 nie die Füh‑ rerscheinprüfung abgelegt zu haben.

FOTO: WIKIMEDIA/ HOLGER NOß

Kuriose Gesetze: Erschießt eine Frau ihren Ehemann, hat sie keinen An‑ spruch auf Witwenrente.

HAGEN MAUER, Metallbaumeister aus Schinne wurde von der Vollversammlung der Handwerkskammer Magdeburg als Präsident nachgewählt. Er bekleidet das oberste Ehrenamt im Kammerbezirk Magdeburg vom 16. Februar 2013 bis zum Ende der laufenden Wahlperiode. Der derzeitige Präsident, Elektromeister Werner Vesterling aus Schierke (72), hat zum 15. Februar 2013 seinen Rücktritt erklärt. Hagen Mauer wurde am 4. April 1966 in Stendal geboren und ist seit 1997 selbständig im Metall- und Stahlbau tätig. Seit 2006 ist er Vorstandsmitglied der Handwerkskammer, seit 2008 Obermeister der Metallbau-Innung Stendal. Hagen Mauer ist verheiratet und hat zwei Kinder.


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PROF. DR. AXEL DREYER, wurde von Deutschlands führende Tourismuswissenschaftler zum neuen Vorstand ihrer Deutschen Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT) gewählt. Das fünfköpfige Gremium besteht aus Fachhochschul- und Universitätsprofessoren. In der DGT ist Prof. Dreyer kein Unbekannter, denn er gehörte 1996 zu den Gründungsmitgliedern dieser noch jungen multidisziplinären Wissenschaftsvereinigung. Aus den damals zehn Wissenschaftlern ist heute eine Gemeinschaft von 164 Tourismusforschern geworden. „Die Aufbaujahre der DGT sind vorbei, nun müssen wir uns noch mehr Gehör in der Politik verschaffen“, meint Professor Dreyer. In der zunehmenden Ausdifferenzierung der Hochschullandschaft müsse vor allem auf die Qualität des Lehrangebots geachtet werden. Mit über 700 Studierenden in den Bachelor- bzw. Master-Tourismusstudiengängen zählt die Hochschule Harz bundesweit zu den größten Hochschulen mit touristischen Studienprogrammen.

FOTO: HOCHSCHULE MAGDEBURG‑STENDAL

FOTO: VNG

FOTO: HOCHSCHULE HARZ

Personalien

OLIVER HILL , ist mit Wirkung zum 1. März 2013 für die VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG) Leiter des Bereichs Gasverkauf Deutschland. Er folgt auf Olaf Schneider, der in die Führungsposition eines ostdeutschen kommunalen Energieversorgungsunternehmens wechselt. Oliver Hill ist ein „VNG-Insider“ und verfügt über exzellente, langjährige Erfahrung in der Energiewirtschaft. Seit dem Eintritt bei VNG vor 16 Jahren hat der 43-jährige Pfälzer vielfältige Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen der VNG bekleidet. Er war maßgeblich am erfolgreichen Aufbau der Geschäftsaktivitäten in Italien und Norwegen beteiligt und hat unter anderem bereits den Auslandsverkauf von VNG geleitet. Hill wird an Prof. Dr. Klaus-Dieter Barbknecht, Vorstand Gasverkauf/Personal, berichten. „Mit Oliver Hill gewinnen wir für den Bereich Gasverkauf Deutschland einen erfahrenen und ausgezeichneten Kenner der Branche. Er wird in diesem dynamischen Markt für VNG neue Akzente setzen und den Vertrieb in Deutschland erfolgreich ausbauen“, sagte Barbknecht.

SASKIA POHL, Absolventin des Studienganges Statistik an der Hochschule Magdeburg-Stendal, erhielt den mit 2.500 Euro dotierten „Gerhard-FürstPreis 2012“ des Statistischen Bundesamtes. Wer eine Messstation des Landesamtes für Umweltschutz beobachten, die unentwegt Daten zur Reinheit der Luft sammelt – wie Informationen etwa zur Ozonkonzentration oder zu Stickstoffoxiden - fragt sich, was erzählen diese Daten? Warum war gestern dicke Luft und warum wird die Atmosphäre morgen samtweich sein und duftend? Solchen und anderen Fragen hat sich Saskia Pohl in ihrer Bachelorarbeit angenommen. In ihrer Arbeit beschreibt Saskia Pohl, was alles aus den Messdaten herausgelesen werden kann. Sie quantifiziert diejenigen Größen, die Einfluss haben auf das Klima, sie beschreibt Zusammenhänge zwischen ihnen, und es gelingt ihr, gewisse Klimaeigenschaften zu prognostizieren – das alles ist feine Umweltstatistik. „Eine herausragende Leistung“, befand die Jury, mit „exzellenter Statistik“ werde gezeigt, wie aus empirischen Befunden auf erstaunliche Zusammenhänge geschlossen werden können.

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FOTO: ULI LÜCKE

Wirtschaft

Wirtschaftsstandort oder Seniorenresidenz? Neujahrsempfang der Industrie‑ und Handelskammer Magdeburg (IHK) Alle Jahre wieder: Zum traditionellen Neujahrsempfang der Industrie‑ und Handelskammer Magdeburg waren die Plätze alle besetzt. Mehr als 800 Vertreter von Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissen‑ schaft, Sport und Gesellschaft trafen sich bei einem der Höhepunkte des gesell‑ schaftlichen Lebens in Sachsen‑Anhalts.

FOTO: IHK MAGDEBURG

In seiner Eröffnungsrede betonte IHKPräsident Klaus Olbricht , das 2012 für die deutsche Wirtschaft und damit auch für die Wirtschaft unseres Landes eigentlich ein ruhiges Jahr war. Für dieses Jahr sieht er zwei große Herausforderungen:

die Bewältigung der Schuldenkrise und die Energiewende. Für Sachsen-Anhalt sei das Hauptproblem der demografische Wandel. Mittelfristig stelle sich die Frage, wie sich das Land entwickeln soll zum attraktiven Wirtschaftsstandort oder in eine große Seniorenresidenz? Deutschland und vor allem auch Sachsen-Anhalt können optimistisch in die Zukunft blicken. Olbricht zeigte sich kämpferisch und nutzte die Gelegenheit, sich bei den Unternehmern für ihr Engagement zu danken aber auch, um seinem Ärger über einige aktuelle Themen Luft zu machen. So kritisierte er die Grie-

IHK‑Präsident Klaus Olbricht (li.) und IHK‑Hauptgeschäftsführer Wolfgang März (re.) überreichen Astrid Stolze, Leiterin der Mercedes Benz Niederlassung Magdeburg und Ralf Luther, Geschäftsführender Gesellschafter der Stahlbau Magdeburg GmbH die Goldene Ehrennadel der Industrie‑ und Handelskammer Magdeburg.

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chenland-Hilfen, die in einem „Fass ohne Boden“ landeten und schimpfte über die „Weltverbesserungsbehörden in Brüssel“. Auch kritisierte der IHK-Chef die Intensität politischer Rettungsbemühungen für die Solarindustrie in Sachsen-Anhalt. Die Branche, die wie keine weitere in den vergangenen Jahren Förderung erhielt, „zusätzlich gefördert auch durch unser aller Stromrechnung”, habe es nicht verstanden, aus dieser komfortablen Situation nachhaltigen Erfolg zu generieren, kritisierte der IHK-Chef. Dem Gastredner des Abends, Professor Franz-Josef Radermacher, gelang es in seinem Vortrag einen Bogen vom Energiewunder Mensch, der als biologisches Wesen Ressourcen optimal nutzt, über die Rohstoffe in Vergangenheit und Gegenwart als Quelle des Erfolges, bis in die höhere Ökonomie zu schlagen. Er machte deutlich, dass die Industrieländer auf Kosten der ärmeren Nationen leben und warnte vor den Auswüchsen der ungezügelten Finanzwirtschaft. Während des Neujahrsempfangs der IHK Magdeburg ehrte IHK-Präsident Klaus Olbricht, Astrid Stolze, Leiterin der Mercedes Benz Niederlassung Magdeburg und Ralf Luther, Geschäftsführender Gesellschafter der Stahlbau Magdeburg GmbH und IHK-Vizepräsident, in Würdigung ihrer hervorragenden Leistungen um die Belange der regionalen Wirtschaft und ihr ehrenamtliches Engagement mit der Goldenen Ehrennadel.


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Wirtschaft

Mit über 360 Gästen aus dem Gesundheitswesen sowie aus Wirtschaft und Politik des Landes begann die AOK Sachsen-Anhalt feierlich das neue Jahr. Sie hatte, einer guten Tradition folgend, zum mittlerweile 23. Neujahrsempfang nach Halle eingeladen, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen gemeinsam zu diskutieren. Im Mittelpunkt der Neujahrsgespräche standen die Finanzentwicklung der Gesetzlichen Krankenversicherung sowie gesundheitspolitische Tendenzen im Land ab 2013. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff erklärte: „Die positive Finanzentwicklung der Kassen ist erfreulich. Die Erfahrungen zeigen, dass sich die Situation schnell wieder verschlechtern kann und dann Zusatzbeiträge notwendig werden. Ich rate den Kassen deshalb, die Überschüsse zur Zukunftsvorsorge zu nutzen.“ Quo vadis Gesundheitsversorgung? Dazu gab es von Prof. Dr. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) interessante Einblicke. Innovation, Transparenz und Praxisrelevanz lautet das Credo des WIdO, das an zentralen Fragestellungen des Systems der Gesundheitsversorgung und seiner Finanzierung arbeitet. Damit die Krankenkassen eine aktiven Rolle zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen und wirtschaftlichen Versorgung spielen können, benötigen sie vor allem eine gerechte Verteilung der Finanzmittel und genügend Handlungsfreiräume für Versorgungsverträge. Welche Auswirkungen dies konkret auf die AOK Sachsen-Anhalt hat, mit einem

FOTOS:FLOUM

Gute Versorgung und Leistungen

Mit dem Luther‑Zitat: „Wenn ich wüßte, daß morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen" überreichten Verwaltungsratchefin Susan‑ ne Wiedemeyer und AOK‑Vorstand Ralf Dralle MP Reiner Haseloff ein Apfelbaum für dessen Garten.

Marktanteil von rund 34 Prozent die größte Krankenversicherung im Land, erläuterte Susanne Wiedemeyer, Vorsitzende des Verwaltungsrates: „Die guten Finanzergebnisse beruhen auf solidem Wirtschaften und der positiven Entwicklung des Gesundheitsfonds. Das ist eine gute Grundlage für die Zukunft”. Sie verwies aber gleichzeitig darauf, dass der Gesetzlichen Krankenversicherung schon ab 2014 schwere Zeiten bevorstünden. Bereits in diesem Jahr erwartet die AOK eine Steigerung der Ausgaben um fast fünf Prozent, die der Einnahmen aber nur um 2,7 Prozent. „So setzen wir auch zukünftig auf zwei solide Maßnahmen: wir bilden Rücklagen für schwierige Zeiten und wir investieren weiterhin in die Versorgung unserer Versicherten. Wir haben Versorgungsverträge, um die man uns beneidet”, so Wiedemeyer.

Als Beispiele nannte sie den Vertrag für chronische Wunden, mit dem es gelingt, chronische Wunden in nur 2 1/2 Monaten zu schließen, gegenüber anderthalb Jahren in der Regelversorgung. Auch Patienten, die an Niereninsuffizienz leiden werden durch Fachärzte regelmäßig untersucht und dadurch viel früher und deutlich erfolgreicher behandelt als andere Versicherte, wenn eine Dialyse oft nicht mehr vermeidbar ist. Aktuell verzeichnet die AOK ein Sinken der Dialyse-Fallzahlen. Auch bei der Diagnose Multiple Sklerose sichert ein entsprechender Versorgungsvertrag, dass AOK-Versicherte bei akuten Schüben wie gewünscht zu Hause behandelt werden können und nicht ins Krankenhaus müssen. Seit Neuestem belohnt zudem ein Aktivbonus 2013 gesundheitsbewusstes Verhalten mit 50 Euro.

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Wirtschaft

Sachsen‑Anhalt ist das Aufsteigerland Er kam, sah und siegte - wie es sich für einen Bundesverteidigungsminister gehört. Zum Neujahrsempfang der CDU Sachsen-Anhalts kam auch Thomas de Maizière (CDU) und schwor in seiner Ansprache auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf ein. Zuvor würdigte er das Land Sachsen-Anhalt als den Aufsteiger der vergangenen Jahre. Nach der politischen Wende habe kein anderes Land in den neuen Ländern so viele Probleme gehabt, wie Sachsen-Anhalt. Es musste daher den schwersten Weg gehen, sagte de Maizière beim Neujahrsempfang. Dennoch habe sich das Bundesland in den vergangenen Jahren unter den neuen Ländern etwa bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, bei der Wirtschaftsleistung oder der Technologie stark nach vorne gebracht. Zum traditionellen Neujahresempfang der CDU kamen mehr als 400 geladene Gäste. Ministerpräsident Reiner Haseloff dankte Bundesverteidigungsminister de Maizière zum Auftakt, dass er

Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, Thomas de Maizère und CDU‑Landeschef Thomas Webel beim Neujahrsempfang der CDU Sachsen‑Anhalts.

die Interessen der ostdeutschen Bundesländer bei der Bundeswehrreform berücksichtigt habe. Angesichts mehrerer Kasernenschließungen in anderen Bundesländern betonte der Ministerpräsident, das hier kein Standort aufge-

geben werden musste. CDU-Landeschef Thomas Webel griff den Spielball von de Maizière in seiner Rede auf und betonte, die CDU wolle bei der nächsten Bundestagswahl im September wieder stärkste Kraft im Land werden.

Spannendes Bundestagswahljahr Mehr als 350 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zum Neujahrsempfang der FDP Sachsen-Anhalt. Neben dem Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle waren ebenfalls FDP-Bundesvorstandsmitglied und Landtagsabgeordnete in Brandenburg

Linda Teuteberg sowie der frühere Wirtschaftsminister und Ehrenvorsitzende der FDP Sachsen-Anhalt Dr. Horst Rehberger in Magdeburg. Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Dr. Lydia Hüskens kritisierte die zahlreichen die Wirtschaft hemmenden

Außenminister Dr. Guido Westerwelle, Staatsministerin Cornelia Pieper, Marcus Fa‑ ber (stellv. Landesvorsitzender) und Dr. Lydia Hüskens (stellv. Landesvorsitzende)

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Gesetze im Land, vor allem aber die Art der Umsetzung der Inklusion in den Schulen und die vorgesehenen Schulschließungen. Cornelia Pieper beschwor als Spitzenkandidatin der FDP Sachsen-Anhalt den Verband auf die Bundestagswahl im Herbst ein. Anschließend sprach Bundesaußenminister Guido Westerwelle vor vollen Rängen in Magdeburg und bilanzierte die Ergebnisse der Bundesregierung, die sich sehen lassen kann. Westerwelle konnte feststellen, dass eine vierköpfige Familie durch Maßnahmen der Bundesregierung, wie der Erhöhung des Kindergeldes, des Kinderfreibetrages, Senkung der Rentenbeiträge, Abschaffung der Praxisgebühr und vielen weiteren, 850 Euro mehr zur Verfügung hat. Außerdem ist die aktuelle Regierung in Berlin die erste in der Geschichte der Bundesrepublik, die ihre Ausgaben zum Ende der Legislatur senken konnte. Der Bundeshaushalt ist auf der Ausgabenseite im Vergleich zu 2009 um zehn Prozent gesunken. Für die Liberalen wird das Jahr 2013 ein spannendes Jahr.


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Wirtschaft

Unternehmer: Quelle des Wohlstandes . Für freien Wettbewerb im Dienste des Gemeinwohls und ein „Geraderücken des verbreitet verzerrten Unternehmerbildes“ hat sich die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer HalleDessau (IHK), Carola Schaar, ausgesprochen. „Wir Unternehmer dienen dem Gemeinwohl. Um es deutlich zu sagen: Private unternehmerische Initiative ist nicht etwa eine süße Zutat im großen Kuchen unseres Wohlstandes, sondern sie ist in Wahrheit seine einzige Quelle“, betonte Schaar anlässlich des IHK-Neujahrsempfangs vor knapp 900 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung in Halle. Wer den Wettbewerb als „kalten Turbokapitalismus“ ablehne, so die IHKPräsidentin weiter, verkenne sein eigentliches Wesen: Denn der Wettbewerb sporne nicht nur zu Höchstleistungen an und schaffe damit Wohlstand, sondern er habe gleichzeitig eine zutiefst moralische Dimension. „Auf Märkten kann nur Erfolg haben, wer

anderen nützt – indem er etwas anbietet, das anderen bei der Lösung ihrer Probleme hilft. Kurz gesagt: Wer sich dem Wettbewerb stellt, dient anderen.“

lung hoheitlicher Aufgaben etwa in der dualen Berufsausbildung oder die vielfältigen Dienstleistungen für IHK-Mitgliedsunternehmen.

Unternehmertum sei jedoch nicht nur mit Freiheit und Rechten, sondern auch mit Verantwortung und Pflichten verbunden – so insbesondere auch in der unternehmerischen Selbstverwaltung der IHK: Die Gewerbetreibenden – rund 54.000 im IHK-Bezirk HalleDessau – vertreten ihre Interessen selbst. „Sich um Angelegenheiten, die einen betreffen, selbst kümmern zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg“, betonte Schaar. Die Pflichtmitgliedschaft in der IHK sei „die vom Gesetzgeber geforderte Gegenleistung für dieses Privileg“. Die Leistungen der IHK stifteten der Wirtschaft insgesamt einen sehr großen Nutzen, zeigte sich die IHK-Präsidentin überzeugt. Dazu gehörten der konstruktiv-kritische Dialog mit Politik und Verwaltung ebenso wie die Erfül-

Um die Interessen aller Gewerbetreibenden gebührend vertreten zu können, sollten sich möglichst viele Unternehmer beteiligen, appellierte Schaar. „Wir alle müssen unser Engagement stärken und dafür sorgen, dass das ehrenamtliche Wirken im Dienste des Gemeinwohls eine möglichst stabile Legitimationsgrundlage bekommt.“ Mit Blick auf die 2013 anstehende Wahl zur IHK-Vollversammlung betonte Schaar: „Je höher die Wahlbeteiligung, desto stabiler die Legitimationsgrundlage“ und appellierte an die Unternehmerinnen und Unternehmer: „Geben Sie unserer Wirtschaft eine starke Stimme! Kandidieren Sie und – vor allem – wählen Sie!“

www.halle.ihk.de

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Premiere für duales Studium in Wirtschaftsinformatik Im September 2011 hat die KID erstmals einen Bewerber für das duale Studium der Wirtschaftsinformatik gesucht. Voraussetzung dafür war eine Kooperationsverein‑ barung mit der Otto‑von‑Guericke‑Universität Magdeburg. Im April 2012 fanden die ersten Bewerbergespräche in der KID statt. Robert Humbsch, Absolvent des Beruflichen Gymnasiums Löbau mit der Fachrichtung Informations- und Kommunikationstechnologie, setzte sich gegen zahlreiche Bewerber durch und erhielt somit den Stipendienvertrag der KID.

Am 01. August 2012 begann er mit einem zweimonatigen Berufspraktikum in der KID, um dann zum 01. Oktober 2012 den regulären Studienbetrieb mit dem ersten von insgesamt neun Semestern aufzunehmen. Die duale Ausbildung endet mit dem „Bachelor of Science Wirtschaftsinformatik“ und dem IHK-Berufsabschluss als „Fachin(v. l.) Professor Dr. Jens Strackeljan, Rektor Otto‑von‑ Guericke‑Universität Magdeburg, Robert Humbsch, dualer Student, Peter Nehl, Bereichsleiter Technik der KID Magdeburg GmbH und Klaus Olbricht, Präsident der IHK Magdeburg.

formatiker Systemintegration“. Während der Semesterferien und vorlesungsfreien Zeiten findet die Ausbildung im Unternehmen statt. Im dritten Ausbildungsjahr wird Robert Humbsch ausschließlich in der KID tätig sein und erste eigenständige Projekte im Bereich Infrastruktur und Rechenzentrum übernehmen. Begleiten wird ihn während der gesamten Ausbildungszeit Peter Nehl, Bereichsleiter Technik der KID. Er engagiert sich seit mehr als 15 Jahren in der Betreuung von Auszubildenden, Praktikanten und Studenten. Seit 13 Jahren ist Peter Nehl ehrenamtliches Mitglied in der IHK-Prüfungskommission für IT-Berufe. Mit diesem dualen Studiengang hat die KID einen neuen Weg in der Ausbildung von potentiellen Führungskräften beschritten und bietet somit jungen Studenten eine Perspektive, in ihrer Heimat erfolgreich zu werden. www.kid‑magdeburg.de 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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Wirtschaft

„Ärzte sind nicht bestechlich“ Medizinervertreter in Sachsen‑Anhalt beklagen hohen wirtschaftlichen Druck „Die Ärzte in Sachsen-Anhalt sind weder korrupt, noch lassen sie sich bei ihrer Arbeit bestechen“, erklärte Dr. Lutz Lindemann-Sperfeld, Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, im Pressegespräch zum gemeinsamen Neujahrsempfang der Heilberufler Sachsen-Anhalts am 16. Januar 2013 im Magdeburger Haus der Heilberufler. Hintergrund seiner Position sind die zu Jahresbeginn erhobenen Forderungen nach schärferen gesetzlichen Regelungen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte klargestellt, dass Ärzte keine Amtsträger oder Beauftragte der Kassen sind und sie daher nicht unter den Korruptionstatbestand fallen können. Der Vizepräsident erläuterte: „Wir haben schon heute zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten bei juristisch relevantem Fehlverhalten unserer Ärzte. Um die Dimension deutlich zu machen: Nach der Entscheidung des BGH haben uns die Staatsanwaltschaften ihre eingestellten Verfahren zur Prüfung übermittelt. Lediglich zwölf Fälle liegen vor, bei denen Ärzten der Straftatbestand der Korruption vorgeworfen wurde, die nun berufsrechtlich geprüft werden. Dabei handelt es sich um Vorfälle aus den Jahren 2004 bis einschließlich 2011. Hier wird deutlich: Ärzte arbeiten überdurchschnittlich zum Wohl ihrer Patienten.“ Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt, Dr. Burkhard

John, legte den Focus auf die Darstellung der Vorgänge in den Medien: „Leider entsteht durch die forcierte Berichterstattung der Eindruck, Ärzte würden zunehmend auf der Basis von Zuwendungen der Pharmaindustrie arbeiten oder sich für Empfehlungen bzw. Überweisungen an Krankenhäuser von diesen dafür bezahlen lassen. Das ist nicht zutreffend und bringt die Realität in der Öffentlichkeit in eine Schieflage, die wir so nicht hinnehmen. Die geringe Zahl berufsrechtlich veranlasster Prüfungen steht ebenso für berufsrechtlich sauberes Verhalten der Ärzte wie die tagtägliche engagierte Arbeit der weit überwiegenden Mehrzahl der Ärzte, die ihren Berufsethos ernst nehmen und in der Praxis nicht auf die Stunde sehen, wenn das Wartezimmer voll ist.“ Dr. Lutz Lindemann-Sperrfeld ergänzt: „Wenn wir als Ärztekammer uns etwas wünschen, dann ist es eine noch engere Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden und den Krankenkassen. Wir sind auf Informationen der Ermittlungsbehörden und Krankenkassen angewiesen, um aktiv werden zu können. Da helfen uns keine Informationen aus den Medien, sondern der direkte Kontakt ist wichtig. Plakative Meldungen der Krankenkassen dienen nicht zuletzt dazu, bei Finanzierungs- und Honorarfragen die Ärzteschaft als gierig darzustellen, um deren Position zu schwächen.“

Um die Behandlung der Patienten auch in Zukunft in hoher Qualität abzusichern, stellte der Ärztekammer-Vizepräsident im Weiteren die Initiative für eine bessere sprachliche Ausbildung ausländischer Ärzte vor. Im Jahr 2012 waren 8.525 Ärzte in Sachsen-Anhalt berufstätig. Darunter sind 786 ausländische Ärzte. Zum Teil versehen diese ihre Arbeit am Patienten mit sehr geringen Deutschkenntnissen. LindemannSperfeld: „Eine fehlende oder schlechte Verständigung kann ungewollt zu unvollständigen oder fehlerhaften Behandlungen führen. Daher plädiere ich für bundeseinheitliche Kriterien von Sprachtests an hierfür zertifizierten Einrichtungen. Das sichert eine normale Kommunikation auf den Stationen.“ Hauptsächlich in Kliniken sind ausländische Ärzte beschäftigt. Dort ist eine Verständigung unter den Kollegen enorm wichtig, da ein fachübergreifendes Zusammenspiel notwendig ist. Zahlreiche Patienten mit unklaren Diagnosen werden oft stationär behandelt. „Ich verspreche mir von höherwertigen Sprachtests eine deutlich verbesserte Arzt-Patienten-Beziehung. Vielleicht können sich darüber hinaus auch mehr ausländische Ärzte mit einer eigenen Niederlassung anfreunden, um dem Praxissterben etwas entgegen zu wirken. Dafür sind gute Deutschkenntnisse wichtig“, blickt der Vizepräsident in die Zukunft.

In Zusammenarbeit mit der IMG Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH und des Unternehmerbüros der Stadt Halberstadt im Harz konnte ein metallverarbeitender Betrieb für eine Ansiedlung in der Region gewonnen werden. Die RTW-Rohrtechnik GmbH fertigt Spezialrohre für Motorinnenräume. Derzeitig laufen die Bauarbeiten zur Errichtung des Firmengebäudes im Industrie- und Gewerbepark Ost. Auf modernsten Fertigungsanlagen werden Rohre bearbeitet und in unterschiedlichen Produktsparten ausgefertigt. Der Betrieb ist nach DIN ISO 9001 und DIN ISO 14001 zertifiziert und mit seinem spanlosen und spanenden Trennverfahren sowie der Rohrendenbearbeitung ein zugelassener Lieferant der Automobilindustrie. Derzeit entsteht die mehr als 60 Meter lange und 25 Meter breite Fertigungshalle auf einem 8.500 Quadratmeter großen Grundstück im Halberstädter Industrie- und Gewerbepark Ost. Mit der Ansiedlung werden anfänglich 14 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Eröffnung ist bereits im zweiten Quartal 2013 geplant. 14

FOTOS: UNTERNEHMERBÜRO HALBERSTADT

Metallverarbeitungsbetrieb zieht in den Harz

Trotz der Witterung wird fleißig an der Fertigungshalle der RTW‑Rohrtechnik GmbH gebaut.


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Wirtschaft

Nicht jedem ist Fortuna hold Lotto‑Förderung in Sachsen‑Anhalt blieb mit 374 Schecks 2012 auf hohem Niveau Bei LOTTO Sachsen‑Anhalt gab es im ver‑ gangenen Jahr wieder drei große Gewin‑ ner: Millionäre und andere Glückspilze, das Gemeinwohl sowie der Landeshaushalt. „LOTTO ist ein Glücksbringer für die Sach‑ sen‑Anhalter“, sagte Geschäftsführerin Maren Sieb beim Jahresauftakt‑Gespräch im Magdeburger Lotto‑Haus: „Wir recht‑ fertigen das Vertrauen der Lottospieler in unser seriöses, sicheres und dabei attrakti‑ ves Spielangebot und sind landesweit ein unentbehrlicher Förderer.“

Einschließlich Spielgebühren erwirtschaftete die Lottogesellschaft im Jahr 2012 einen Umsatz von mehr als 167 Millionen Euro (zum Vergleich: 2011 waren es noch 172 Miollionen Euro). Außerdem gehört LOTTO Sachsen-Anhalt zu den wenigen Lottogesellschaften der Bundesländer, die auch auf direktem Wege Projekte für das Gemeinwohl fördern. Für 374 Vorhaben in Kultur und Denkmalpflege, im Sport und Umwelt-

FOTOS: LOTTO SACHSEN‑ANHALT

Mit fast 31 Millionen gespielten Tippund Wettscheinen sowie Losen haben die Sachsen-Anhalter wieder große Spielfreude gezeigt, zog Geschäftsführer Klaus Scharrenberg Bilanz über das Jahr 2012. Damit glückten den Lottospielern rund 4,9 Millionen Einzelgewinne mit insgesamt mehr als 76 Millionen Euro. 39 Landesbewohner konnten sich über jeweils mindestens 50.000 Euro freuen. Drei sind dank LOTTO jetzt Millionäre – sie wohnen im Harzkreis, in Magdeburg und Halle. Allerdings wurde ein Teil, vorwiegend der kleineren Treffer, offenbar übersehen und nicht eingelöst. Damit verfielen Gewinne in Höhe von zusammen rund 700.000 Euro, die in künftigen Sonderauslosungen erneut ausgespielt werden. Die Kassen des Landes, des alleinigen Gesellschafters, hat LOTTO Sachsen-Anhalt durch Lotterie- und Sportwettensteuer, Konzessionsabgaben und weitere Abga-

ben aus den Spieleinnahmen mit mehr als 54 Millionen Euro erneut gut gefüllt. Dazu zählen fast zwölf Millionen Euro Konzessionsabgaben an den Sporthaushalt des Landes.

Die beiden neuen Lotto‑Geschäftsführer Maren Sieb und Klaus Scharrenberg präsen‑ tierten die Bilanz 2012 .

schutz sowie im Sozialbereich schrieb LOTTO Schecks über zusammen rund 7,1 Millionen Euro aus. So unterstützte LOTTO neben Veranstaltungshöhepunkten wie den Händel-Festspielen oder dem Sachsen-Anhalt-Tag unter anderem auch Sanierungsarbeiten an 42 denkmalgeschützten Kirchen, Baumaßnahmen in acht Tierheimen und Laufveranstaltungen wie den Mitteldeutschen Marathon und den Magdeburg-Marathon. Weitere 1,7 Mio. Euro aus den Einnahmen der Lotterie GlücksSpirale gingen im Rahmen der Zusammenarbeit im Deutschen Lotto- und Totoblock an bundesweite gemeinnützige Organisationen sowie in Sachsen-Anhalt an die Stiftung Gedenkstätten und an die Cranach-Stiftung in Lutherstadt Wittenberg. Damit blieb die Fördertätigkeit auf hohem Niveau. Die Spieleinsätze lagen mit insgesamt rund 160 Mio. Euro um etwa drei Prozent unter denen des Vorjahres. 2011 waren sie jedoch um vier Prozent gegenüber 2010 gestiegen. Der Rückgang im abgelaufenen Jahr ist geringer als im gesamten Deutschen Lotto- und Totoblock. Zurückzuführen ist er vor allem darauf, dass es über das gesamte Jahr 2012 nur wenige hohe Jackpots in der Hauptspielart LOTTO 6aus49 gab. „Unser wichtiger Mitarbeiter Zufall hat im vergangenen Jahr eben nicht gerade ein Leistungshoch gezeigt, bedauerte Geschäftsführer Scharrenberg. In der neuen Lotterie EuroJackpot spielten die Sachsen-Anhalter mit Einsätzen von neun Millionen Euro mit. Hier wurde der bisher höchste Jackpot mit 26 Millionen Euro geknackt. Besonders gut hat sich die Sofortlotterie RubbelLuzi mit einem Zuwachs von 8,5 Prozent entwickelt. Im statistischen Durchschnitt hat jeder Landesbewohner im Vorjahr 69,20 Euro fürs Lottospielen ausgegeben, das sind 1,70 Euro weniger als im Jahr zuvor. Der wöchentliche Pro-Kopf-Umsatz der Sachsen-Anhalter ist mit 1,33 Euro um durchschnittlich 13 Cent höher als in den anderen neuen Bundesländern. Im Vergleich zu den alten Bundesländern setzte jeder Sachsen-Anhalter jedoch im Durchschnitt wöchentlich 23 Cent weniger ein. www.lottosachsenanhalt.de

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Wirtschaft

Richtfest für Industriekraftwerk GETEC versorgt Radici Chimica Deutschland in Zeitz ab Juni mit umweltfreundlicher Energie Nach vier Monaten Bauzeit wird heute im Beisein von Sachsen‑Anhalts Ministerpräsi‑ dent Dr. Reiner Haseloff Richtfest für ein hocheffizientes Industriekraftwerk im Che‑ miepark Zeitz gefeiert. Die moderne Kraft‑Wärme‑Kopplungsanlage der Magdebur‑ ger GETEC AG wird Radici Chimica Deutschland ab Juni mit Dampf und Strom versor‑ gen – und einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz erbringen. Künftig wird der Ausstoß von etwa 100.000 Tonnen CO2‑Äquivalenten pro Jahr vermieden.

Nachdem feststand, dass die Dampfversorgung aus dem Kraftwerk Mumsdorf im Sommer 2013 stillgelegt wird, entschied sich die Geschäftsführung der Radici Chimica Deutschland GmbH im Chemiepark Zeitz für eine zukunftsfähige Weichenstellung: Gesucht wurde eine hocheffiziente und wirtschaftliche Energieversorgung, die zudem das vor Ort anfallende klimaschädliche Lachgas (N2O) vernichten sollte. „Dieser besonderen Herausforderung wird das moderne Industriekraftwerk von GETEC hervorragend gerecht“, sagte Volker Schulz, Vorstand der GETEC AG, anlässlich des Richtfestes der Anlage am Mittwoch in der Gemeinde Elsteraue (Burgenlandkreis). Planung, Errichtung, Finanzierung und Betrieb der etwa 9 Millionen Euro teuren Anlage erfolgt durch den Magdeburger Energiedienstleister im Contracting-Modell. „Die GETEC AG hat sich bei der Entwicklung von umweltfreundlichen Ener16

gielösungen einen guten Namen gemacht, der weit über Sachsen-Anhalt hinausreicht. Das betrifft auch die neue Kesselanlage für Radici Chimica in Zeitz, mit der nicht nur preisgünstig Dampf und Strom erzeugt werden kann, sondern auch anfallendes klimaschädliches Lachgas zerstört wird. Der konsequente Einsatz von Umwelttechnologien ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Sachsen-Anhalt“, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff. Das moderne und nachhaltige GETECIndustriekraftwerk verfügt über eine installierte Feuerungsleistung von 37 MW und hat eine Spitzenleistung von mehr als 45 t/h Dampf. „Damit wird der gesamte Dampfbedarf von Radici ganzjährig rund um die Uhr sichergestellt. Mittels Kraft-Wärme-Kopplung wird zudem ein Teil des Stromverbrauchs des Chemieunternehmens abgedeckt und ein Wirkungsgrad von deutlich über 90 Pro-

zent erreicht“, sagte GETEC-Vorstand Schulz. „Um flexibel auf den Energiebedarf des Werkes reagieren zu können, haben wir uns für zwei separate Großwasserraumkessel von VKK Standardkessel Köthen entschieden. Einer wird mit besonders wirtschaftlichem Braunkohlenstaub befeuert, der zweite mit Erdgas.“ Bei der Herstellung von Adipinsäure, einem Ausgangsstoff der Kunststoffproduktion, entsteht auch Lachgas. Dessen Potenzial, den Treibhauseffekt zu verstärken, ist um den Faktor 310 größer als bei Kohlendioxid. Bereits jetzt werden 97 Prozent des bei Radici anfallenden Treibhausgases zerstört. „Das neue GETEC-Kraftwerk kann diesen Wert auf etwa 99 Prozent steigern, was zur Vermeidung eines Ausstoßes von etwa 100.000 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr führt“, erläuterte Schulz. „Diese wegweisende und umweltfreundliche Kraftwerkstechnologie wurde gemeinsam mit der GETEC-Tochterfirma Carbotechnik entwickelt, in umfangreichen Versuchen getestet und hat sich seit einem Jahr in einer hessischen Referenzanlage bewährt.“ So trägt die künftige Energieversorgung auch der Nachhaltigkeitspolitik der RadiciGruppe Rechnung.


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Ausbildung

Unternehmen finden immer weniger geeignete Auszubildende Der Ausbildungsmarkt im nördlichen Sachsen‑Anhalt entwickelt sich aus Sicht der Mitgliedsunternehmen der IHK Magdeburg zu‑ nehmend schwierig. Während die Firmen verstärkt nach Fachkräf‑ ten suchen, bewerben sich immer weniger geeignete Jugendliche um eine berufliche Ausbildung. Diesen Trend bestätigt eine aktuel‑ len Online‑Umfrage des Deutschen Industrie‑ und Handelskammer‑ tages (DIHK) zu den Ausbildungsplänen seiner Mitgliedsunterneh‑ men, an der sich bundesweit 14.533 Unternehmen beteiligt haben.

Die Auswertung der Umfrage zeigt, dass im IHK-Bezirk Magdeburg 18,2 Prozent der 120 befragten Unternehmen mehr Ausbildungsplätze als im vergangenen Jahr anbieten. Fast zwei Drittel der Firmen (64,8 Prozent) wollen 2012 genauso viele Jugendliche ausbilden wie im Jahr zuvor. Weniger Ausbildungsplätze bieten nur 17,1 Prozent der befragten Unternehmen. „Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Fachkräftesicherung durch eigene Ausbildung bei unseren Mitgliedsunternehmen nach wie vor höchste Priorität besitzt”, so die Einschätzung von Rolf Lay, Vizepräsident der IHK Magdeburg. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist die Zahl der Bewerber auch im IHK-Bezirk Magdeburg rückläufig. Das verbessere zwar die Chancen der Jungen und Mädchen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Für viele Unternehmen werde es aber immer

Verschärfter Fachkräftebedarf Die Fachkräftesituation im südlichen Sachsen-Anhalt ist zunehmend angespannt. Gegenüber früheren Erhebungen in den Jahren 2007 und 2008 steigt die Zahl der Unternehmen mit einem Fachkräftebedarf, der nicht gedeckt werden kann, auf knapp 40 Prozent an. Am deutlichsten verschlechtert hat sich die Situation in der Baubranche, im Verkehrs- und Gastgewerbe. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK) zur Fachkräftesituation unter mehr als 600 Mitgliedsunternehmen. Grund für die verschärfte Lage seien die demografische Entwicklung und die günstige Situation am Arbeitsmarkt. Der Bevölkerungsrückgang und die Alterung der Gesellschaft verringerten das Arbeitskräftepotential rapide. Für die Zukunft erwarten 44 Prozent der Unternehmen, offene Stellen nicht besetzen zu können. Das sind neun Prozentpunkte mehr als in der letzten Umfrage 2008 und zwölf Prozentpunkte mehr als im Boom-Jahr 2007. In der Industrie und im Baugewerbe erwarten mehr als die Hälfte der Befragten, in Zukunft offene Stellen nicht besetzen zu können. Auf die zunehmend angespannte Situation wollen die Unternehmen mit verstärkter Aus- und Weiterbildung reagieren. Auch die Erhöhung der eigenen Attraktivität als Arbeitgeber beispielsweise über bessere Bezahlung sowie die verstärkte Einstellung älterer Arbeitnehmer werden als Gegenmaßnahmen genannt. Von der Politik wünschen sich die Unternehmen vor allem eine bessere Schulbildung, um das Potential der Auszubildenden besser nutzen zu können.

schwieriger, geeignete Auszubildende zu finden. Lay: „Bereits im vergangenen Jahr konnten lediglich 55,8 Prozent unserer Unternehmen die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts entscheidend verändern”. Um Jugendliche zu gewinnen, setzen die Ausbildungsbetriebe noch stärker auf Kooperationen mit Schulen, bieten mehr Praktikumsplätze für Schüler an oder erschließen neue Bewerbergruppen wie beispielsweise Studienabbrecher. Die Umfrage zeigt, dass viele Jugendliche gar nicht oder nur mangelhaft ausbildungsreif sind oder nur unklare Vorstellungen von ihrem Beruf haben. Für mehr als die Hälfte (56,5 Prozent) der befragten Unternehmen im IHK-Bezirk Magdeburg sind das zurzeit die beiden entscheidenden Hemmnisse, um erfolgreich auszubilden. Dazu kommt, dass aus Sicht der Unternehmen mangelhafte Softskills (Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft, Motivation) sowie unzureichende persönliche Kompetenzen der Jugendlichen eine Ausbildung zunehmend erschweren. Gleichzeitig nehme die Bereitschaft der Unternehmen zu, sich auf schwächere Bewerber einzustellen, wenn sie motiviert, leistungsbereit und zuverlässig sind, so Lay. Hierfür setzen die Betriebe verstärkt auf unternehmenseigene Nachhilfeangebote, ausbildungsbegleitende Hilfen bei den Agenturen für Arbeit oder betriebliche Praxisphasen bei Bildungsträgern.

Mit Energie für die Zukunft Die Energieversorgung in Deutschland ändert sich rapide. Wir sind aktiv dabei und bilden Nachwuchskräfte in verschiedenen Berufen aus. Weitere Informationen unter www.mitgas-karriere.de

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Wirtschaft

Investitionsbank und HypoVereinsbank starten Kooperationsprojekt Kürzere Wege, besserer Zugang zu öffent‑ lichen Fördermitteln und erweiterte Fi‑ nanzierungslösungen ‑ davon können ab sofort die Firmenkunden der HypoVer‑ einsbank in der Region profitieren. Das haben Manfred Maas, Chef der Investiti‑ onsbank Sachsen‑Anhalt (IB), und Patrick Grünauer‑Kloevekorn, Leiter der Firmen‑ kunden‑Niederlassung Mitteldeutschland der HypoVereinsbank vereinbart.

IB-Chef Maas zum Vertragsabschluss: „Unsere Interessen sind gleich. Wir geben Antrieb für das Weiterkommen der Kunden und der Region. Mit der Kooperation bündeln wir unsere Kompetenzen und werden somit noch flexibler und effizienter in der Ausgestaltung von Finanzierungslösungen - ein echter Mehrwert für die Unternehmer hierzulande." Durch die Vereinbarung erhalten kleine und mittlere Unternehmen ab sofort schnelleren Zugriff auf die Angebote aus dem KMUDarlehensfonds, die sich in der Vergangenheit als wirksame und geeignete Unternehmenshilfen bewährt haben. Das gilt speziell auch für Gründer, die neben dem ERP-Gründerkredit StartGeld durch den KMU-Darlehensfonds auf ihrem Weg in die Selbständigkeit gestärkt werden. Durch die Zusammenarbeit beider Einrichtungen in der Beratung und mit der

Manfred Maas, Chef der Investitionsbank Sachsen‑Anhalt (links), und Patrick Grünau‑ er‑Kloevekorn, Firmenkundenleiter Mitteldeutschland der HypoVereinsbank.

Vielfalt an Fördermöglichkeiten - auch über den vereinbarten Produktrahmen hinaus - können optimale, individuell zugeschnittene Finanzierungsstrategien für die Kunden entwickelt werden. Grünauer-Kloevekorn betonte: „Die engere Verzahnung zwischen der HypoVereinsbank und der Investitionsbank bringt für unsere Kunden bei der Entwicklung eines Finanzierungskonzepts deutliche Vorteile. Sie profitieren von unserer gemeinschaftlichen Beratung, vom besseren Zugriff auf

die Förderkredite und dem schnellen Abschluss." Mit der HypoVereinsbank als erste private Geschäftsbank, die im Raum Mitteldeutschland (Sachsen-Anhalt/Thüringen/Raum Leipzig) mehr als 15.500 Geschäftskunden betreut, erhöht sich die Zahl der Kooperationspartner der Investitionsbank auf 15 Kreditinstitute. Im Rahmen dieser Partnerschaften wurden allein im Jahr 2012 bereits über 420 Anträge der Investitionsbank zugeleitet.

Grüne Woche war Erfolg für Sachsen‑Anhalt Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens bezeichnete die Internationale Grüne Woche in Berlin als großen Erfolg für Sachsen-Anhalt. „Die Vielfalt der Aussteller macht den Reiz der Sachsen-Anhalt-Halle aus. Die ganz besondere Mischung aus starken Marken und kleinen regionalen Anbietern kam bei den Besuchern hervorragend an. Der Auftritt der sieben in Berlin vertretenen Landkreisen war eine Werbung für einen Besuch unseres Bundeslandes. Beeindruckend war auch die Resonanz der Besucher an den drei Regionaltagen, auf denen sich Altmark, Börde und Harz vorstellten“, so Aeikens Dr. Thomas Lange, Chef der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, sagte, bei den Besuchern sehr gut angekommen seien die mehr als 50 neuen Produkte der 18

Aussteller aus Sachsen-Anhalt. Die Mehrzahl der Unternehmen zeigte sich zufrieden mit der Grünen Woche 2013. Sachsen-Anhalt präsentierte sich in einer eigenen Halle auf rund 2.000 Quadratmeter. Von den rund 410.000 Messebesuchern gingen rund 370.000 durch die SachsenAnhalt Halle. Auf der 78. Internationalen Grünen Woche in Berlin stellten Aussteller aus 67 Ländern ihre Produkte und Angebote aus. Die Nahrungs- und Genussmittelproduzenten nutzen die internationale Ausstellung, um Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch sowie Molkereiprodukte und ein umfangreiches Wein-, Bier- und Spirituosen-Angebot und touristische Angebote vorzustellen. Sachsen-Anhalt ist seit 1991 auf der Internationalen Grünen Woche vertreten.

Und das ging in der Sachsen-AnhaltHalle über die Messestände: • 2.000 Teller Erbsensuppe • 7.500 Liter Bier • 8.000 Tassen Kaffee • 20.000 Gläser Sekt • 6.000 Wiener Würstchen • 12.500 Bockwürste • 7.000 Mettbrötchen • 4.700 Kilogramm Wurstwaren, darunter rund 6 Kilometer Salami • 1.000 Kilogramm Baumkuchen • 1.800 Kilogramm Pralinen • 5.500 Gläser Konfitüre • 4.000 Kilogramm Backmischungen • 2.000 belegte Baguettes • 2.500 Kilogramm Mehl wurden verarbeitet • 800 Kilogramm Krustenbraten


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Wirtschaft

Ukrainischer Investor baut in Colbitz Die Ecobioton GmbH errichtet im Gewerbe‑ gebiet Elbe/Heide in Colbitz (Landkreis Bör‑ de) eine Produktionsstätte für natürliches Beta‑Carotin. Das Unternehmen investiert rund 12 Millionen Euro und schafft damit 37 neue Dauerarbeitsplätze. Ebenfalls geplant ist eine eigene F&E‑Abteilung zur Qualitäts‑ sicherung und ‑weiterentwicklung.

Beta-Carotin ist ein Farbstoff, der den Produkten verschiedenster Industriezweigen zugesetzt wird. Man findet diesen u. a. in Lebensmitteln, Kosmetika und Arzneimitteln. Die Ecobioton GmbH hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich BetaCarotin zu 100 Prozent aus natürlichen Stoffen und ebensolchen Lösemitteln herstellen lässt. Dies ist einzigartig. Die Ecobioton GmbH reagiert mit der Entwicklung dieses innovativen Verfahrens auf wissenschaftliche Untersuchungen, die Bedenken der Endkonsumenten gegen die sogenannten ‚E-Farbstoffe‘ und

nicht zuletzt auf die vom EU-Parlament 2010 erlassene verschärfte Kennzeichnungspflicht synthetischer Farbstoffe in Lebensmitteln. Ebenfalls treibt das neue Verfahren den Übergang der Verbraucher zu natürlichen Lebens- und Pflegemitteln an sowie die Umstellung der Industrie auf umwelt- und menschenschonende Produktionsverfahren, erklärte Dr. Oleksandr Rudas, Prokurist des Unternehmens und Entwickler des Verfahrens. Erfreulich ist die Entscheidung für den Neubau des Werkes in Colbitz auch für Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff . Er verfolge die Pläne der Initiatoren seit einigen Jahren mit großem Interesse und freue sich, dass man sich für Colbitz entschieden hat. Diese Entscheidung zeigt seiner Ansicht wieder einmal die enorme Bedeutung der A 14 für die künftige Entwicklung der Altmark. Für Wissenschafts- und Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff zeigt die Ansiedlung

der Ecobioton GmbH, dass sich SachsenAnhalt zu einem Standort entwickelt, der es innovativen und forschungsintensiven Unternehmen ermöglicht, langfristig erfolgreich zu sein. Das Unternehmen unterhalte zudem intensive Kontakte zu den Hochschulen Sachsen-Anhalts. Eine Kooperation mit der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg ist ebenfalls angestrebt. Pradeep Kumar Jain, Gesellschafter der Ecobioton GmbH, bestätigt dies: „Für den Standort Sachsen-Anhalt haben wir uns aufgrund der zentralen Lage in Deutschland und Europa entschieden. Dank der guten Infrastruktur SachsenAnhalts erreichen wir alle unsere Kunden problemlos und zeitgerecht. Ebenfalls ausschlaggebend waren die verfügbaren Fachkräfte im Land – für unsere hochtechnologisierte und innovative Produktion benötigen wir sehr gut ausgebildetes Personal”.

Abgesang regionaler Brautradition? Colbitzer Heidebrauerei kämpft ums Überleben und sucht nach Insolvenz neue Investoren Eben noch beim Sachsen‑Anhalt‑Tag am 21. Januar 2013 auf der „Grünen Woche” in Berlin konnte der Chef der Colbitzer Heide‑ brauerei Christian August dem Minister‑ präsidenten Sachsen‑Anhalts Dr. Reiner Haseloff die Qualität des edlen Heide‑Bie‑ res wärmstens empfehlen ‑ dabei kam das von Haseloff selbstgezapfte „Schwarze” schon nicht mehr aus der Traditionsbraue‑ rei. Die vor mehr als 140 Jahren gegründe‑ te Colbitzer Heidebrauerei kämpft seit No‑ vember 2012 ums Überleben.

Nur wenige Tage später sitzt Christian August mit dem Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Udo Müller in Colbitz vor versammelter Presse und muss das Fiasko seines Unternehmens in Worte fassen. Dies übernimmt der Insolvenzverwalter. Stetig steigende Kosten, der Preisdruck am Markt, laufende Kredite zur Sanierung - der Schuldenberg häufte sich an und zwang die Brauerei in die Knie. Seit dem 2. Januar diesen Jahres ist das Verfahren eröffnet. Man sei bemüht, die Strukturen der Heidebrauerei zu reorganisieren, den Absatz zu koordinieren, neue Vertriebswege zu erschließen und auch Investoren zu finden. Schließlich geht es um die Zukunft einer Traditionsmarke und die von 14

Sachsen‑Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff zapft auf der Grünen Wo‑ che in Berlin Schwarzbier der traditionsreichen Colbitzer Heidebrauerei. Mitarbeitern, die weiterhin das Bier auf Hochtouren abfüllen. Gebraut wird derzeit im niedersächsischen Einbeck nach Originalrezeptur aus Colbitz. Der Gerstensaft der verschiedenen Sorten gelangt per LKW zur Abfüllung in das Heidedorf. Doch ab wann wieder gebraut wird, steht offen. Die Anlagen werden derzeit saniert und man ist bemüht, eine Analyse zu erstellen, ab wann wieder Gerstensaft in den Colbitzer Reaktoren gärt. Dies entscheidet

sich nach der Gläubigerversammlung im März. Die von Friedrich-Christoph Ritter 1872 gegründete Brauerei ist heute die letzte eigenständige Privatbrauerei vor den Toren der Landeshauptstadt, die an alte Brautraditionen anknüpft. Als einziges privates Brauhaus im Sachsen-Anhalt hat es die Colbitzer Heidebrauerei geschafft, mit höchsten Auszeichnungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) dekoriert zu werden. 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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FOTO: RUNDFUNK GERNRODE

Wirtschaft

Grüne Technologie erobert nicht nur Elektronikindustrie Bahnbrechende Technologie der Firmengruppe Rundfunk Gernrode Die Unternehmensgruppe Rundfunk Gernrode realisiert anspruchsvollste Lö‑ sungen für die Elektronikindustrie mit höchster Kompetenz. Laufende Investitio‑ nen und das Aufgreifen innovativer Trends machen Rundfunk Gernrode zu ei‑ nem anerkannten Partner namhafter Kon‑ zerne sowie des Mittelstandes in Deutsch‑ land und Europa.

Dipl.-Ing. Klaus-Dieter Weber veranschaulicht diese Innovation: „In der Mikro- und Nanotechnologie werden die Bauteile immer kleiner und komplexer. Mit Maßen, die weit unter 1 mm liegen, haben die zu verbauenden Elemente die Größe kleinster Staubpartikel”. Eine echte Herausforderung an die Umgebungsbedingungen in der industriellen Fertigung. Bereits kleinste Partikeleinflüsse verursachen auf Leiterplatten erhebliche Mängel, wie zum Beispiel fehlerhafte Lötverbindungen. Die ADC Technologie zur berührungslosen, antistatischen Reinigung von Leiterplatten bringt ohne Reinraum die notwendige Sauberkeit in die Elektronikbestückung und spart dabei

FOTO: H. WEGENER

Klaus-Dieter Weber, geschäftsführender Gesellschafter, setzt zielgerichtet auf nachhaltige Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Gerade wurde die neueste Entwicklung zur Produktionsreife geführt, die für Fertigungsprozesse in der Elektronikindustrie umsetzt, was weltweit gefordert wird: Ressourcen schonender Umgang mit Energie.

Reinraum ohne Reinraum ‑ ADC Technologie von Rundfunk Gernrode

Das Thema Energieeffizienz beschäftigt auch den Bundesumweltminister und hoch‑ rangige Landespolitiker (v.l.n.r.): Landtagspräsident Detlef Gürth, Peter Altmaier (MdB), Dr. Reiner Haseloff (Ministerpräsident), Prof. Dr. Wolfgang Böhmer (Minister‑ präsident a.D.) und Klaus‑Dieter Weber (Rundfunk Gernrode). 20

mehr als 99 Prozent Energie im Prozess. Eine bahnbrechende Technologie, die auch zur Präsentation auf der „4. Woche der Umwelt“ im Berliner Schloss Bellevue überzeugte und weltweit bei namhaften Elektronikproduzenten sowie in anderen sensiblen Fertigungsbereichen zunehmend Akzeptanz findet. Qualität und Zuverlässigkeit sind Firmenphilosophie des Unternehmens Rundfunk Gernrode, das 2011 mit dem begehrten „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus nahm Klaus-Dieter Weber, der sich auch als Vorstandsvorsitzender des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt und als Landesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU engagiert, zum Jahresbeginn vom Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt die Auszeichnungen der Umweltallianz SachsenAnhalt für alle Unternehmensbereiche in Empfang. Für sein besonderes Engagement in der Ausbildung wurde Weber Ende 2012 mit dem Zertifikat für ausgezeichnete Nachwuchsförderung der Bundesagentur für Arbeit geehrt. Geschickt hat der Unternehmer die Weichen für die Zukunft gestellt: Ambitionierte junge Mitarbeiter und zahlreiche Investitionen untersetzen das rasant steigende Auftragsvolumen. 2012 wurden die Produktionsflächen, Lagerkapazitäten und technischen Anlagen beachtlich erweitert. 2013 ist der Neubau eines kompletten Verwaltungsgebäudes geplant. www.rundfunk‑gernrode.de


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Marketing

Wenn Zwei das Gleiche wollen An einem herrlich sonnigen Maisonntag saß ein Blinder im Stadtpark. Auf dem Schild, das er um den Hals trug, war zu lesen: „Helft dem Blinden!“ Aber nur wenige Spaziergänger legten eine Münze in seine ausgestreckte Hand. Kaum zwanzig Schritte entfernt saß ein anderer Blinder. Fast jeder, der vorüberkam, ließ ein Geldstück in seine Mütze fallen, manche gaben sogar einen Schein. Andere, die bereits vorbeigegangen waren, sah man zurückkehren, um ihm etwas zu spenden. Auf seinem Schild stand: „Es ist Frühling – und ich bin blind!“

Beide haben die gleiche Ausgangssituation, beide wollen den Handlungsimpuls ihrer „Kunden“ durch Mitgefühle (Anreiz) stimulieren. Aber nur einer erreicht sein Ziel. Weshalb das so ist, bedarf sicher keiner tiefen Erläuterung. Auch wenn dieses Beispiel im Kontext von Wettbewerb und Konkurrenzkampf ein wenig überzeichnet wirkt, ist unbestritten erkennbar, wie entscheidend Differenzierung und Wahrnehmung sind. Denken in richtigen Kategorien, Kommunkation die in den Köpfen der Kunden funktioniert.

Georg Rieger Geschäftsführender Gesellschafter Spectrum Wirtschaftswerbung GmbH

Der Wunsch ernst genommen zu werden, das Bedürfnis nach Sicherheit und Erfolg, sind grundsätzliche Motivationsanlagen. Also emotional basierende Faktoren, die in jedes Kommunikationskonzept gehören, insbesondere im B2B-Segment. Emotionalität im B2B ist kein gewagter Luxus sondern profitable Strategie. Ingenieure sind nicht nur Funktionsträger sondern auch Menschen, die ihr emotionales Kostüm morgens nicht mit ihrem Mantel an der Garderobe abgeben. Viele B2B-Unternehmen müssen immer deutlicher feststellen, dass die Homogenität der angebotenen Leistungen immer schneller ansteigt und damit in Folge der Wettbewerbsdruck. Eine erfolgsversprechende Lösung ist, die Differenzierung der eigenen Leistung über Marken und Emotionen. Der operative Gewinn ist bei 80 Prozent der mit starkem Markenfokus geführten Unternehmen fast doppelt so hoch wie im Branchenvergleich (Booz Allen Hamilton). Marketingstrategie gehört in kompetente Hände und ist im Unternehmen immer Chefsache.

www.spectrumww.de „Es ist Frühling und ich bin blind.“

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Handwerk

Betriebsbörse Ein Service der Handwerkskammer Halle (Saale) www.hwkhalle.de

A 323 Langjährig bestehende Autolackiererei in Mansfeld‑Südharz sucht ei‑ nen Nachfolger. Das Unternehmen besteht seit 1986 und soll im Zuge der Nachfolgeregelung zusammen mit Kundenstamm, Grundstück und der gesamten Ausstattung verkauft werden. Eine gründliche Einarbei‑ tung durch den bisherigen Inhaber wird angeboten. A 321 Etablierte Bäckerei in einer Kleinstadt im südlichen Sachsen‑Anhalt sucht engagierten Nachfolger. Die langjährig am Markt bestehende Bäckerei soll mit Immobilie verkauft werden. Sie liegt verkehrsgünstig in Zentrumsnähe. A 308 Elektrofirma im südlichen Sachsen‑Anhalt sucht einen Nachfolger. Die Elektrofirma besteht seit über 10 Jahren am Markt und wird mit Anla‑ gevermögen und Kundenstamm verkauft. A 291 Nachfolger für langjährig bestehenden Dachdeckerbetrieb im Saale‑ kreis gesucht. A 289 Suche Nachfolger für Elektrobetrieb im Saalekreis. Im Rahmen einer tä‑ tigen Beteiligung wird ein junger engagierter Nachfolger für die in vier Jahren angestrebte Betriebsnachfolge gesucht. Der Firmeninhaber bie‑ tet in diesem Zeitraum seine Hilfe bei der Existenzgründung an. A 270 Etablierte, gut laufende Bäckerei in der Region Bitterfeld‑Wolfen sucht einen Nachfolger. A 223 Traditionsreiche Landfleischerei in Sachsen‑Anhalt im Salzlandkreis zu verkaufen oder zu verpachten. Die Fleischerei befindet sich seit über 100 Jahren im Familienbesitz und soll an einen geeigneten Nachfolger oder Nachfolgerin übergeben werden. Eine überleitende Mitarbeit des Inhabers bzw. eine Einarbeitung kann auf Wunsch sichergestellt wer‑ den. A 210 Handels‑ und Servicebetrieb für Landmaschinen in Sachsen‑Anhalt zu verkaufen. Objekt von ca. 6000 m², mit großer Werkhalle, genutzt für Landmaschinen‑ und LKW‑Reparaturen, gute Autobahnanbindung zur A 38. N 054 Existenzgründer sucht Kfz‑Werkstatt oder geeignetes Objekt zum Er‑ richten einer Kfz‑Werkstatt im Raum Halle/Merseburg zur Miete oder Kauf (Größe der Werkstatt 70 ‑ 100 m² und ca. 50 ‑ 70 m² Nebenräume). Kontakt: Angelika Stelzer Telefon: 0345 2999‑221 E‑Mail: astelzer@hwkhalle.de

Handwerker fordern Korrektur des Gewährleistungsrechts Die Handwerkskammer Magdeburg und die Kreishandwerkerschaften im Kammerbezirk fordern eine Korrektur des geltenden Gewährleistungsrechtes. „Handwerker, die zur Erledigung eines Auftrags das notwendige Material - zum Beispiel Ersatzteile, Wandfarbe oder Bodenfliesen - bei einem Händler kaufen und es beim Kunden einbauen, begeben sich in eine regelrechte Haftungsfalle“, sagte HandwerkskammerPräsident Werner Vesterling beim Neujahrstreffen der Kreishandwerkerschaften in Magdeburg. Stelle sich nach Einbau des Materials heraus, dass das Material mangelhaft war, müsse der Handwerker auf seine Kosten das Material ausbauen, neues Material besorgen und dieses erneut einbauen. Dies folge aus den gesetzlichen Gewährleistungspflichten des Werkvertrags mit dem Kunden. Gegenüber dem Händler, dem Hersteller oder sonstigen Zulieferern könne der Handwerker allerdings nur Gewährleistungsrechte aus dem geschlossenen Kaufvertrag geltend machen. Da aber das Gewährleistungsrecht im Kaufrecht bei Vertragsbeziehungen zwischen Unternehmen nicht so umfassend ist wie im Werkvertragsrecht, bleibe der Handwerker im Ergebnis auf den Kosten für den Ausbau und den erneuten Einbau des Materials sitzen, obwohl er für den Mangel des Materials nicht verantwortlich ist. „Das ist in höchstem Maße ungerecht“, mahnten die Kreishandwerksmeister Klaus-Günther Zehm (Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde), Henri Mechnik (HarzBode), Heinz Sallier (Wernigerode) und Hans-Erich Schulze (Altmark) und verwiesen darauf, dass sich die Tragweite der Problematik bei weitem nicht auf einen Einzelfall oder gar auf ein regionales Phänomen beschränke. Unter dieser Ungerechtigkeit leide das gesamte verarbeitende Handwerk, vom Installateur und Heizungsbauer über den Elektrotechniker oder den Kraftfahrzeugtechniker bis hin zum Straßenbauer, um nur einige Beispiele zu nennen. Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaften fordern deshalb eine Anpassung der Gewährleistungsrechte im Kauf- und Werkvertrag. Im Zuge der Umsetzung der europäischen Verbraucherrechte-Richtlinie, die bis Ende 2013 in nationales Recht umgesetzt werden muss, wäre diese Korrektur möglich. „Es ist überaus bedauerlich, dass sich die Bundesregierung nicht auf ein Lösungskonzept verständigen konnte und der nun vorliegende Gesetzesentwurf die Thematik vollständig ausspart“, sind sich Kammerpräsident und Kreishandwerksmeister einig. www.hwk‑magdeburg.de

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Handwerk

Finanzkrise lässt die Umsatzkassen klingeln Stolz präsentierten Werner Vesterling, scheidender Präsident der Handwerkskammer Mag‑ deburg und Burghard Grupe, Hauptgeschäftsführer, den Konjunkturbericht für das letz‑ te Halbjahr 2012. Er beruht auf einer Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben im Kammer‑ bezirk. Resümee: Dem Handwerk im Norden Sachsen‑Anhalts geht es derzeit so gut wie lange nicht. Die Erwartungen, dass es weiter aufwärts geht, sind aber getrübt.

Derzeit brummt die Konjunktur im Handwerksbereich. Die Finanzkrise kommt den Handwerksbetrieben sogar zu Gute. Insbesondere Privatleute würden verstärkt investieren. „Viele setzen auf Beton-Gold statt Aktienfonds“, weiß Grupe. Insbesondere das Baugewerbe profitiere davon. Aber auch andere Branchen haben gut zu tun. Die Handwerksunternehmen im Kammerbezirk hätten überwiegend höhere Umsätze, aber auch steigende Kosten gemeldet. Von den Befragten schätzen 88 Prozent ihre Lage als gut oder befriedigend ein, allerdings erwarten nur 38 Prozent eine Fortsetzung der positiven Tendenz. Die Zahl der Firmen im Kammerbezirk habe sich in den vergangenen Jahren stabilisiert. Die Betriebsauslastung liege im Durchschnitt bei sehr guten bei 80 Prozent. Grundsätzlich gebe es keine unterschiedlichen Konjunkturtendenzen im vom Harz über die Börde und die Landeshaupt-

stadt bis in den Norden des Landes reichenden Kammerbezirk. Traditionell spielt das Handwerk im ländlichen Raum aber eine größere Rolle als in den Großstädten. Hier wirkten sich die Kostensteigerungen - insbesondere im Transportbereich - besonders krass aus, andererseits seien hier die privaten Investitionen am größten. Beurteilt man die konjunkturelle Lage des Handwerks nach Landkreisen, zeigt sich ein leicht unterschiedliches Bild. So kommen in diesem Halbjahr die meisten positiven Meldungen aus den unmittelbar an die Landeshauptstadt anliegenden Landkreisen. Bei der Betrachtung der Umsatzentwicklung zeigt sich, dass 28 Prozent der befragten Unternehmen in Magdeburg sowie im Landkreis Börde und im Salzlandkreis von gestiegenem Umsatz berichten können. Im Altmarkkreis Salzwedel sprechen 26 Prozent von gestiegenem Umsatz und 22 Prozent von einem gesunkenen. Im Landkreis Stendal stehen 15 Prozent gegenüber 31 Prozent. Im Altmarkkreis Salzwedel und in Magdeburg sind zwar mit 20 Prozent beziehungsweise zehn Prozent auch Personalaufstockungen vorgenommen worden, aber bei 15 Prozent beziehungsweise 24 Prozent der Befragten musste auch entlassen werden, sodass der Saldo leicht negativ ist. Im Landkreis Stendal ist der Saldo aus Personal zu- und -abgängen zwar auch leicht negativ. Hier berichten jedoch 81 Prozent der Betriebsinhaber davon, den Personalbestand nicht geändert zu haben. Trotz aller Freude, gibt es für die Handwerks-Lobbyisten auch Grund zu Sorgen und Ärger. Kritik übten Vesterling und Grupe am geplanten Vergabegesetz , der neuen Rundfunkgebührenregelung und den Rabatten im Stromsektor. Von letzterer profitierten insbesondere die Großunternehmen, während die Handwerker die Kostensteigerung voll zu spüren bekommen, so der Präsident. Zunehmende Probleme verursache der demografische Wandel. Die Handwerksunternehmer hätten nicht nur Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal, sondern auch geeignete Nachfolger zu finden.

Bilanz zum neuen Jahr Zum Neujahrsempfang im Jahr 2013 begrüßte Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle (Saale) am 2. Januar mehr als 150 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – unter ihnen Dr. Hermann Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt und Dr. Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft des Landes Sachsen-Anhalt sowie Dr. Bernd Wiegand, Oberbürgermeister der Stadt Halle (Saale). In seiner Ansprache bilanzierte Keindorf das Jahr 2012 bei „weitgehend stabilen Beschäftigungs-, Umsatz- und Ertragszahlen” als durchaus positiv für das Handwerk. Auch viele bedeutende handwerkspolitische Ziele konnten erreicht werden. Vorausblickend schätze er unter anderem das unausgewogene Gleichgewicht bei politischen Regulierungsmaßnahmen als auch die Gefahr eines zunehmenden Qualitätsverfalls nach der Novellierung der Handwerksordnung vor zehn Jahren als brisant ein: „Vor den Folgen hatten wir gewarnt: weniger Ausbildung in den betroffenen Handwerken, Schwächung leistungsfähiger Betriebe - dafür mehr Kleinstbetriebe, mehr Gewicht auf billige Preise, weniger auf Qualität.“

Interaktive Angebote Die Handwerkskammer Magdeburg setzt bundesweit Maßstäbe mit einer neuen Handwerker-App. Derzeit können die App nur Besitzer eines iOS-Gerät - also iPhone, iPod Touch und iPad nutzen. In Kürze wird auch eine Version für Androidgeräte verfügbar sein. Videos, Fotostrecken, Hintergründe – die mobile Handwerks-App bietet nicht nur die Inhalte der alle zwei Wochen erscheinenden Wirtschaftszeitung „Handwerk in Sachsen-Anhalt“. Sie gewährt mit Bildergalerien und Kurzfilmen auch einen lebendigen Einblick hinter die Kulissen des Handwerks. Thematisch dreht sich in der App alles um praktische Tipps für Betriebsinhaber, personalisiert mit Porträts und Reportagen aus den Regionen. Das Spektrum reicht von Steuer- und Rechtsmeldungen über Personal und Marketing bis hin zu Aus- und Weiterbildung. 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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Tourismus

Wie schmeckt der Harz?

FOTO: HARZER TOURISMUSVERBAND, M. GLOGER

Auf Reisen alle Sinne kitzeln und Regionales neu erleben!

Genussregion Harz ‑ wie das beliebte Reiseziel „schmeckt“, sollen Touristen künftig verstärkt durch das Kennenlernen typischer Köstlichkeiten erfahren und die einzigartigen Orte rund um den Brocken neu und nachhaltig erleben.

Immer mehr Menschen wollen im Urlaub ganz eintauchen in den fremden Ort, sind auf der Suche nach Ursprünglichkeit und typischen Gaumenfreuden. Im Harz sollen sie fündig werden. Experten vom Wernigeröder Fachbereich Wirtschaftswissenschaften geben ihre Erkenntnisse über die damit verbundenen touristischen Chancen jetzt weiter. Am Dienstag, dem 12. Februar 2013, von 12 bis 18 Uhr sind alle Interessierten herzlich auf den Hochschulcampus zur Tagung „Wie schmeckt der Harz - auf dem Weg zu einer Genussregion?!“ eingeladen. Veranstalter ist das KAT-Kompetenzzentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien, Tourismus und Dienstleistungen an der Hochschule Harz unter der Leitung von Prof. Dr. Axel Dreyer und Prof. Dr. Sven Groß. Der Harz steht für urwüchsige Natur, mystische Landschaften, Gemütlichkeit und Tradition. Kann man das schmekken? Ja - glauben die Experten der Region. Geradlinige Gerichte und natürliche Spezialitäten, die das Wissen von Generationen vereinen, frische aromatische Produkte von regionalen Erzeugern, einheimisches Wild und Fleisch von ursprünglichen Rassen oder „geistvolle“ Ge24

tränke nach geheimer Rezeptur lassen den Gast die Einheit von Genuss und Natur spüren. Sich Zeit zu nehmen und zur Ruhe zu kommen gehört dabei sowohl zum Urlaub als auch zum gastronomischen Erlebnis. Diesem Kulturerbe auf der Spur ist die Hochschule Harz. „Auf unserer Fachtagung können sich Produzenten, Gastronomen und touristische Akteure zum kulinarischen Einsatz regionaler Produkte im Tourismus informieren“, erklärt Dreyer, Experte für Tourismuspolitik und marketing. „Wir wollen Impulse geben, um die Vernetzung von Erzeugern und touristischen Anbietern voranzutreiben“, ergänzt sein Kollege Groß, Hochschullehrer für Verkehrsträgermanagement. Zu Beginn der Tagung wird eine detaillierte Momentaufnahme zu regionalen Produkten und Kulinarik vorgestellt. Die Wissenschaftler haben die besten Beispiele aus ganz Deutschland zusammengetragen und zusätzlich die Lage im Harz analysiert. Es kommen zudem Praktiker mit interessanten Fallbeispielen zu Wort. Vorträge vom Harzer Tourismusverband, der das Qualitätslabel „typisch Harz“ betreibt, und von Anbietern regionaler Pro-

dukte, wie der Ziegenalm Sophienhof und dem Slow-Food Convivium Harz, erläutern die Chancen der aktuellen Entwicklung. Einen Blick über den Tellerrand ermöglichen die Beiträge der Regionalmarke Eifel sowie der Genussregion Oberfranken. „Das Thema ist nicht nur für eine eingeschworene Expertenrunde interessant, sondern spricht einen breiten Personenkreis an“, weiß das Team um die beiden Professoren und verrät: „Im Verlauf des Jahres sind weitere Veranstaltungen geplant.“ Der Arbeitsbereich Tourismus des KATKompetenzzentrums für Informationsund Kommunikationstechnologien, Tourismus und Dienstleistungen an der Hochschule Harz ist mit einer breiten Palette fachspezifischer Aufgaben, unter anderem in den Bereichen Verkehr, sanfte Mobilität, kulinarischer Tourismus, Hotellerie und Gastronomie, Produktinnovationen und Sporttourismus, betraut. Zu den Kernleistungen gehören touristische Marktforschung sowie Tourismusund Stadtentwicklung.

www.hs‑harz.de/tourismus


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Tourismus

Reiseland Sachsen‑Anhalt Tourismus in der Region Magdeburg‑Elbe‑Börde‑Heide und in Sachsen‑Anhalt aus Gästesicht Destinationen haben aufgrund der sich verändernden Marktbedingungen einen stetig steigenden Bedarf an Informationen über ihre Gäste. Zur Ermittlung der Gäste‑ wünsche und ‑bedürfnisse sowie zur Gewinnung von soziodemografischen Daten zur Gästestruktur sind Gästebefragungen geeignete Marktforschungsinstrumente.

Bereits zum dritten Mal nach 2001/02 und 2006/07 wurde die Permanente Gästebefragung (PEG) in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Innerhalb von 12 Monaten befragten Interviewer persönlich und mündlich im Befragungszeitraum Juli 2011 bis Juni 2012 landesweit mehr als 2.000 Übernachtungsgäste, davon 400 im Reisegebiet Magdeburg-Elbe-BördeHeide. Befragungsorte waren diverse touristisch relevante Orte in den Reisegebieten in Sachsen-Anhalt. Die Touristen wurden an primär öffentlichen, von Touristen stark frequentierten Plätzen befragt. Mit der Durchführung der PEG Sachsen-Anhalt beauftragte die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH die ift Freizeit- und Tourismusberatungsgesellschaft GmbH und die inspektour GmbH. Die Finanzierung wurde dabei durch den Magdeburger Tourismusverband Elbe-BördeHeide e.V. und die Städtische Marketinggesellschaft MMKT anteilig mit getragen und aus Fördermiteln der Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFFRE kofinanziert. Nun liegen aktuelle Daten zu Gästeverhalten und Gästebedürfnissen vor. Vergleiche zum Reiseland Sachsen-Anhalt und zu anderen Reisegebieten sind eben-

so möglich wie Zeitvergleiche über mehrere PEG-Erhebungsjahre. Im Landesvergleich bewerten die Gäste die genutzte Unterkunft im Reisegebiet Magdeburg, Elbe-Börde-Heide besser, das Preis-Leistungs-Verhältnis dagegen etwas schlechter. Die Erwartungen, die die Gäste vor ihrem Aufenthalt hatten, konnten zu über 80 Prozent erfüllt werden. Gut ein Drittel der Gäste kann sich vorstellen, in den nächsten 12 Monaten erneut in die Region zu reisen. Themeninteressen der Gäste für ihre nächsten Aufenthalte sind landesweit Städte und Natur, die bei den Gästen hoch im Kurs stehen. Im Reisegebiet Magdeburg und Elbe-Börde-Heide sind es die Themen „Städte", „KunstKultur-Musik", „Parks & Gärten”, „Natur”, „Romanik” und „UNESCO-Welterbe”, die von den Besuchern besonders nachgefragt sind. Im Ergebnis-Workshop werden die regionalen Ergebnisse differenziert für die Landeshauptstadt Magdeburg sowie die Region Elbe-Börde-Heide dargestellt und diskutiert. Dabei geht es um die Fragen, wo das Reisegebiet im Landesvergleich steht und wie es sich im Zeitvergleich entwickelt hat. Was zeichnet die Gäste in Magdeburg aus? Für welche Themen interessieren diese sich vorwiegend? Wie

Tourismus im Reisegebiet „Magdeburg, Elbe‑Börde‑Heide" bedeutet pro Jahr: • rund 1,4 Millionen Übernachtungen in ge‑ werblichen Betrieben; • mehr als 200.000 Übernachtungen in nicht‑gewerblichen Betrieben; • mehr als 950.000 Übernachtungen durch Camper und Reisemobilisten; • knapp 4,1 Millionen private Übernachtun‑ gen bei Bekannten und Verwandten und in Freizeitwohnsitzen; • 24,7 Millionen Tagesausflüge; • 980 Millionen Euro Bruttoumsatz. Tourismus im Reisegebiet „Magdeburg, Elbe‑Börde‑Heide" • schafft mehr als 12.500 (rechnerisch) Voll‑ arbeitsplätze, entspricht in etwa 18.750 tatsächlichen Arbeitsverhältnissen, • trägt mit 3,89 Prozent zum Volkseinkom‑ men bei; • lässt mehr als 23,3 Millionen Euro pro Jahr in den kommunalen Haushalt einfließen, • ist eine Wachstumsbranche, deren Ar‑ beitsplätze nicht ins Ausland verlegt wer‑ den können; • ist ein wichtiger Imagefaktor; • ist zugleich ein harter und ein weicher Standortfaktor; • wirkt positiv auf andere Branchen; • verbessert die Lebensqualität.

stark ist das Interesse an touristischen Tourenangeboten? Auf dieser Basis werden mit den Touristikern Handlungsempfehlungen für die Optimierung der Angebotspolitik und die touristische Vermarktung der Region diskutiert.

Schloss Hundisburg

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Literaur

Geniale Grenzgänge Ein Plädoyer für leidenschaftliches und souveränes Wirtschaften Peter Baumgartner hat die Erfolgsfaktoren am Limit aufgespürt, genau recherchiert und Besonderes entdeckt. Agieren in Grenzbereichen ist stets von ethischen und moralischen Entscheidungen begleitet. Der Autor durchleuchtet eine unerhörte historische Begebenheit und legt die Erkenntnisse daraus auf wirtschaftliche Machbarkeiten um. Ethik und Moral sind in der gegenwärtigen Wirtschaft oft ein knappes Gut. Die Schranken zu Mehr und immer Mehr scheinen weit geöffnet und den mal zaghaften, mal nachdrücklichen „Genug ist genug"-Rufen wird wenig Bedeutung beigemessen. In dem neuen Buch des Wirtschaftsingenieurs und Dipl.-Pädagogen geht es um Limits, die nachdenklich machen, fordern und die bewältigt werden müssen. Es handelt von genialen Grenzgängern. Der britische Polarforscher Sir Ernest Shackleton war ein solcher Grenzgänger und seine Führungskunst ist noch heute - vor allem in Krisenzeiten - vorbildhaft. Wissen, Können und Mut, Voraussetzungen für verantwortungsbewusste und nachhaltig wirkende Entscheidungen, lassen sich exzellent von seinem Handeln ableiten. Schon bei seiner Expedition zur Antarktis mit dem Schiff „Nimrod” (19071909) gab es keinen Kompromiss: Sein Mut zur Umkehr sicherte das Vermächtnis und das Überleben aller Teilnehmer. Shackleton erkannte und respektierte Grenzen, er bewegte sich am Limit, ging

nie darüber hinaus, und war erfolgreich. Auch gegenwärtig könnte, zum Wohle aller, eine tendenzielle Umkehr vorteilhaft sein - eine der Botschaften im Buch „Geniale Grenzgänge". Shackleton fängt dort an, wo andere aufhören.

„Shackleton war in seiner Zeit Weltmarktführer. Seine Philosophie fängt dort an, wo andere aufhören. Ein Ansatz, der wie auf Porsche gemünzt ist. Lesen Sie dieses Buch."

Dr. Wolfgang Porsche Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Holding Stuttgart

Peter Baumgartner, der Shackleton-Kenner in Europa, ist Wirtschaftsliteraturpreisträger und schrieb das Wirtschaftsbuch des Jahres 2008. Der in Gmunden am Traunsee/Österreich lebende Wirtschaftsingenieur und Dipl.-Pädagoge war Lehrbeauftragter an Hochschulen sowie Unternehmensberater in Österreich und Deutschland. Peter Baumgartner begeistert als motivierender Redner bei Kongressen, Mitarbeiter- oder Kundenveranstaltungen, Events oder Tagungen. Seine Themen: Human Leadership, Mut machen und Geniale

Grenzgänge. Der Redner und Autor weiß, wie man mit wahren Geschichten, die so spannend sind, dass niemand etwas dazu erfinden muss, Leser fesselt. Ausgezeichnete Managementbücher, Keynote-Vorträge, begeisterte Zuhörer und immer neue Ziele - das ist Peter Baumgartner. Geniale Grenzgänge entstammt seiner wirtschaftlichen, literarischen und sportlichen Leidenschaft. Sein erstes Buch „Manager müssen Mut machen. Mythos Shackleton" (Böhlau 2008) wurde mit dem österreichischen Wirtschaftsliteraturpreis ausgezeichnet und von managerseminare.de zum Wirtschaftsbuch des Jahres 2008 gekürt.

Der größte Raubzug der Geschichte Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden HERZLICH WILLKOMMEN auf einer spannenden Reise in die Welt des Wahnsinns, der Lügen, des Betrugs und der größten Kapitalvernichtung, die die Menschheit je erlebt hat. Vor unseren Augen findet der größte Raubzug der Geschichte statt, und wir alle sind seine Opfer. Die Reichen in unserer Gesellschaft werden immer reicher, während alle Anderen immer ärmer werden. Die Autoren fragen: Wie entsteht überhaupt Geld? Wie kommen Banken und Staat eigentlich zu Geld? Warum ist das globale Finanzsystem ungerecht? Tragen tatsächlich nur die Banken die Schuld an der ak26

tuellen Misere oder müssen auch die politischen Entscheider zur Verantwortung gezogen werden? Warum steht das größte Finanz-Casino der Welt in Deutschland, und kaum jemand weiß darüber Bescheid? Ist der Euro nicht letztlich doch zum Scheitern verurteilt? Sind Lebens-, Rentenversicherungen, Bausparverträge und Staatsanleihen noch zeitgemäße Investments? Dienen Finanzprodukte dem Kunden oder nur der Finanzindustrie? Was bedeutet es,wenn ein Staat Bankrott geht? Wer profitiert eigentlich von den Schulden unseres Staates? Kann ewiges Wachstum überhaupt funktionieren?

Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgenwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.

John Maynard Keynes,

britischer Ökonom, Politiker und Mathematiker.


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Literatur

Die Autoren des Bestsellers „Der größte Raubzug der Geschichte”, Marc Friedrich und Matthias Weik, warnen vor einem baldigen Kollaps des Finanzystems. Der Euro stehe vor dem Scheitern. Dieses spannende und engagierte Buch gibt nicht nur verunsicherten Anlegern Antworten. Bereits jetzt schon fünfmal nachgedruckt, zeigt das Buch auf, welche Kapitalanlagen jetzt noch sinnvoll sind, und von welchen nur die Finanzindustrie profitiert. Schon die nächsten Monate könnten für das finanzielle Schicksal von Staaten und deren Bürgern entscheidend sein. „Der Euro zerstört Europa, die Krisenländer sparen sich zu Tode. Wir gehen

davon aus, dass unser jetziges Finanzsystem kollabieren wird und es wird nicht mehr lange dauern, bis der große Knall kommt”, so die Autoren im Deutschen Anleger Fernsehen. „Der Aufprall für das System wird jetzt tödlich sein, da die Fallhöhe nun bereits so enorm hoch ist. Wir hätten bereits früher reagieren müssen, dann hätten wir es noch kontrolliert runterfahren können. Noch mehr Geld und immer neue Rettungsschirme erkaufen aber nur Zeit”, so die Autoren weiter. Auch Sie sind betroffen: Wer jetzt nicht richtig handelt, steht vielleicht bald mit leeren Händen da. Doch jede Krise hat auch ihre Chance. Sorgen Sie dafür, dass Sie nicht zu den Verlierern gehören!

Harz‑Quiz für Ausgeschlafene Woraus besteht ein Schärperfrühstück? Welche Sehenswürdigkeit lockt die Besucher mit seltsamen Geräuschen an? Wen nannte man noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Kamele des Harzes”? Was sind Bergfreiheiten? Und wie kam der Harz zu seinem Namen? Das „Harz-Quiz” im dekorativen schwarzen Schmuckkästchen bietet eine vergnügliche und zugleich lehrreiche Reise durch zahlreiche Wissensgebiete wie Geschichte, Architektur, Kultur, Politik, Sport, Wirtschaft, Brauch tum und Prominenz. Die Fragen sind so ausgewählt,

daß sie für Einheimische und natürlich auch für alle Besucher, Freunde und Kenner des höchsten norddeutschen Gebirges interessant und lösbar sind; die Antworten liefern spannende Zusatzinformationen. Dabei spannt sich der Bo gen von Wilhelm Busch über Alexander von Humboldt bis Max Schmeling, von der Teufelsmauer über die Hahnenkleeklippen bis zur Roßtrappe, von der Gustav-Adolf-Stabkirche über die Kaiserpfalz bis zur Nordharzautobahn und vom Harzer Roller bis zum Lumpenbier. Das Quiz kann mit zwei oder mehr Spielern gespielt

werden. Diskussionen und Anekdotentausch ergeben sich dabei ganz von selbst – ein geselliger Wissenswettstreit mit vielen interessanten Informationen und eine passende Geschenk idee für zahlreiche Anlässe. Das Harz-Quiz ist eine Quiz-Sammlung aus nahezu 60 Editionen zu unterschiedlichen Regionen und Themen. Verfasst wurden die Fragen von der in Braunschweig geborenen Autorin Helga Politz, die seit 1990 als Stadt- und Kirchenführerin in Goslar den Touristen die Schönheiten der Harzregion näher bringt. 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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Kultur | Freizeit

Wagner reloaded Cross‑Genre‑Spektakel eröffnet MDR Musiksommer Der MDR Musiksommer dieses Jahres wirft seine Schatten voraus, doch schon jetzt darf sich das Publikum auf die Eröffnung des Klassikfestivals freuen. Der Berliner Choreograph Gregor Seyffert, das MDR Sinfonieorchester unter seinem neuen Chefdirigenten Kristjan Järvi, der MDR Rundfunkchor und die finnische Rockband Apocalyptica werden im Juli 2013 ein außergewöhnliches Cross-Genre-Spektakel zur Aufführung bringen. Mit einer Weltpremiere eröffnet der Mitteldeutsche Rundfunk am 5.Juli 2013 den MDR Musiksommer 2013. Der Berliner Choreograph Gregor Seyffert konzipierte zum Wagner-Jahr ein außergewöhnliches Cross-Genre-Spektakel in einer Mischung aus Tanz, Artistik, Objekttheater, audiovisuellen Medien und Live-Konzert, das das umfassende Lebenswerk Richard Wagners erlebbar machen soll. Zu diesem Projekt, das zugleich eine Brükke schlagen soll zwischen den Kompositionen von Richard Wagner und der Rock-Avantgarde heutiger Tage, haben sich ungewöhnliche Partner zusammengefunden: Neben Gregor Seyffert und seiner Compagnie, dem MDR und der finnischen CelloRockgruppe „Apocalyptica", ist auch das Leipziger Künstlerensemble „Theater Titanick” und das Jugend Berlin-Ballett mit an Bord. Uraufführung hat das 100-minütige Werk am 5. Juli 2013 in der Arena Leipzig. Gregor Seyffert zählt zweifellos zu den interessantesten und ausdrucksstärksten Tänzern seiner Generation. Ein Künstler auf dem Höhepunkt seiner Karriere - die Ernennung zum Kammertänzer im Oktober 1999 bildet dabei nur ein weiteres Highlight einer Biografie. Gregor Seyfferts Ausdruckskraft, seine Bereitschaft, weit über seine körperlichen und emotionalen Grenzen zu gehen, die Fähigkeit, mit der Rolle zu verschmelzen und die hohe Ausdruckskraft, mit der er seine Charaktere verkörpert, sind wesentlicher Bestandteil seiner künstlerischen Qualität und machen ihn zu einem der herausragendsten Tänzer dieser Zeit.Schon im Sommer 2006 gelang es Gregor Seyffert & Com-

pagnie nach vier Jahren Vorbereitungszeit die Uraufführung des außergewöhnlichen Cross-Genre-Spektakels „Marquis de Sade" in der gewaltigen Industriekathedrale des Kraftwerkes Vockerode an der Elbe umzusetzen. Der Ticketverkauf für das Cross-Genre-Spektakel l ist bereits angelaufen. wagner‑reloaded.blogspot.de

Internationaler Telemann‑Wettbewerb Der 2001 gegründete Internationale Telemann‐Wettbewerb legt seinen Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit dem reichhaltigen Schatz der Werke Georg Philipp Telemanns und regt somit deren Verbreitung an - weit über die Grenzen Magdeburgs hinaus. Wie die Telemann‐Gesellschaft e.V. (Internationale Vereinigung) mitteilte, meldeten sich für den diesjährigen 7. Internationalen Telemann‐Wettbewerb 42 Teilnehmer (Durchschnittsalter: 27 Jahre) aus 16 Ländern an, die in zehn Ensembles musizieren werden. Im Vergleich zu den Jahren zuvor sind die Ensembles stärker besetzt und instrumental sehr viel reichhaltiger - gleiches gilt auch für die Werkauswahl des eigens zusammengestellten Konzertprogramms. In jeder der drei Wettbewerbsrunden 28

wird mindestens ein vollständiges kammermusikalisches Werk Telemanns zu hören sein, darüber hinaus aber auch Werke anderer Komponisten aus Telemanns Zeit. Mit der Veranstaltung Gesellschaftshaus Spezial am 10. März um 15 Uhr steht interessierten Besuchern bereits zum Zeitpunkt der offiziellen Einschreibung die Tür zum Gesellschaftshaus offen. Es werden besondere Einblicke gewährt. Die Wettbewerbsatmosphäre wird bereits „brodeln“ und auch in der anschließenden festlichen Eröffnung am 10. März um 17 Uhr zu spüren sein. In diesem Rahmen wird zum einen das Preisträgerensemble Meridiana zu hören sein, welches 2007 den Wettbewerb gewann, zum anderen wird die Reihenfolge der Vorspiele des Tele-

mann‐Wettbewerbs ausgelost. Die drei Wettbewerbsrunden werden im Schinkelsaal des Gesellschaftshauses Magdeburg ausgetragen. Besucher sind herzlichst willkommen. Das interessierte Konzertpublikum wird in der Finalrunde des 7. Internationalen Telemann‐Wettbewerbs am Sonnabend, dem 16. März, den Publikumspreis mitbestimmen können. Die preisgekrönten Kammermusikensembles spielem am Sonntag, dem 17. März, um 11 Uhr in einem Abschlusskonzert, welches vom MDR Figaro mitgeschnitten wird, Werke aus ihren Wettbewerbsprogrammen. Preisgelder in Höhe von insgesamt 15.000 Euro und mehrere Sonderpreise werden vergeben. www.telemann.org


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Kultur | Freizeit

Ab sofort ist die Arche Nebra mit einem neuen Auftritt im Internet präsent. Sowohl inhaltlich, als auch formal und funktional sind zahlreiche Veränderungen umgesetzt worden. Neben dem neuen, farbigeren und strukturierteren Webdesign sorgen mehr Bilder und eine intuitivere Menüführung für mehr Übersicht und Benutzerfreundlich‑ keit. Bei der Umsetzung sind zahlreiche Hin‑ weise von Nutzern und Besucherwünsche berücksichtigt worden.

„Nach über fünf Jahren war es dringend notwendig, die Website grundsätzlich neu zu gestalten“, sagt Manuela Werner, die das Web-Projekt der Arche Nebra betreut. Mit dem neuen Design wird das mittlerweile in allen Werbemitteln ausgebildete einheitliche Erscheinungsbild der Arche Nebra aufgegriffen. Dadurch wird das Profil des Hauses weiter geschärft und die Wiedererkennbarkeit gefördert. „Im Idealfall werden sich die Nutzer der Website sofort virtuell in die Arche Nebra versetzt fühlen, sich wohlfühlen und Lust auf einen Besuch bei uns bekommen. Außerdem soll unsere Website nicht

FOTO: ARCHE NEBRA

Neuer Webauftritt der Arche Nebra

zuletzt auch Spaß machen“, formuliert Manuela Werner das Ziel. Die auf den ersten Blick deutlichste Veränderung ist die vollkommen neue optische Gestaltung der Website. Gleich auf der Startseite wird jetzt die Bandbreite dessen, was man am Fundort der Himmelsscheibe tun und erleben kann, deutlich. Es gibt zum Beispiel nun direkte Zugänge zum Besucherzentrum und zum Fundort der Himmelsscheibe. Darüber hinaus sind die häufig von Besuchern gewünschten Informationen zur Himmelsscheibe selbst sofort von der Startseite

aus zugänglich. Durch diese Dreiteilung Arche Nebra, Fundort, Himmelsscheibe wird an dieser prominenten Stelle auch deutlicher, dass die Arche Nebra kein Museum für die Himmelsscheibe, sondern das Besucherzentrum am Fundort der Himmelsscheibe ist. Mittlerweile hat die Arche Nebra neben der Website noch eine Facebook-Seite, sendet Infos über den Kurznachrichtendienst Twitter und ist auf der Plattform Google+ vertreten. www.himmelsscheibe‑erleben.de

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WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 31

Web | IT

Web@ktuell

Firmen wollen keine Office‑Updates Fazit: Viele Unternehmen arbeiten noch mit Office-Versionen, die fünf Jahre und älter sind. Die klassische Büroarbeit ist in den vergangenen Jahren mobiler, flexibler und stärker vernetzt geworden. Wenn aber Unternehmen Office-Dateien im docx- oder xlsxFormat mit anderen Firmen austauschen wollen, gibt es oft Probleme. Denn das Gegenüber setzt noch eine Office-Version ein, mit der sich Dokumente in diesem Format nicht öffnen lassen. Dass dieses Szenario zutreffend sein kann, belegt die Tatsache, dass fast 60 Prozent der Unternehmen eine Officeversion verwendet, welche 5 Jahre und älter ist. Das belegt eine Umfrage des Marktforschers Experton Group aus. Firmen wollen keine Office-Updates. Wie lange ist i.d.R. eine Office-Produktgeneration bei Ihnen im Einsatz? 32,0%

Holger Dülken Geschäftsführer

23,0%

17,0%

DV‑KONTOR GmbH Gustav‑Ricker‑Str. 62 39120 Magdeburg Telefon 0391 62 69‑770 www.dv‑kontor.com

13,0% 10,0%

3,0%

< 3 Jahre

3 Jahre

4 Jahre

5 Jahre

6 Jahre

> 6 Jahre

© DV-KONTOR, Quelle: © Experton Group

Klar zum Beitritt in IT‑Verbund Die Landesregierung hat den Weg in Richtung des Beitritts Sachsen‑Anhalts zum IT‑Ver‑ bund der norddeutschen Länder „Dataport“ geebnet. Das Kabinett stimmte Ende Janu‑ ar dem vom Ministerium der Finanzen vorgelegten entsprechenden Entwurf eines Ge‑ setzes zum Staatsvertrag zwischen den beteiligten Bundesländern zu.

„Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den damit verbundenen notwendigen Personalabbau auch im öffentlichen Dienst gestalten wir mit dem vorliegenden Gesetzentwurf einen weiteren Meilenstein zur langfristigen Sicherstellung qualitativ hochwertiger ITDienstleistungen für die Landesverwaltung“, sagte Finanz-Staatssekretär Michael Richter (CIO). Das Land soll rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres dem IT-Verbund nordostdeutscher Länder beitreten. Das Landesrechenzentrum (LRZ) wird als organisatorische Einheit auf Dataport übergeleitet; Dataport gründet damit eine Niederlassung in Magdeburg. Das Land wird sich mit einem Anteil von knapp 15 Prozent beteiligen. Sachsen-Anhalt wird somit nach Hamburg und zusammen mit Niedersachen zum zweitgrößten Anteilseigner. Das sichert – im Gegensatz zu anderen Lösungsalternativen – die weitere Möglichkeit der politischen Einflussnahme auf die Einrichtung und Entwicklung des zentralen IT-Dienstleisters, wie Michael Richter erklärte.

Politisches Ziel ist es, gemeinsam mit den anderen nordostdeutschen Ländern Dataport als zentralen IT-Dienstleister für Sachsen-Anhalt zu nutzen. Schon heute werden in Deutschland zahlreiche Aufgaben im Bereich der IKT kooperativ erledigt. So gibt es beispielsweise Verbünde in den Bereichen Steuern, Polizei und Justiz. Die Entscheidung für Dataport fiel unter anderem auch, weil er der einzige länderübergreifende Verbund der öffentlichen Hand ist, in denen die Träger nicht nur Auftraggeber, sondern auch Eigentümer sind. Wie der Staatssekretär weiter mitteilte, werden die Mitarbeiter der beiden Standorte des LRZ in Magdeburg und Halle bei Dataport oder an anderen adäquaten Stellen des Landes weiter beschäftigt. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Eine erste Wirtschaftlichkeitsberechnung habe positive Einschätzungen ergeben – sowohl bei der Bewertung der monetären als auch bei den qualitativ strategischen Aspekten. Der Staatsekretär verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Leistungsfähigkeit von Dataport, die die An-

stalt den bisherigen Trägerländern in den vergangenen Jahren unter Beweis stellen konnte. Dataport ist ein Full Service Provider für Informationstechnik der Verwaltung. Träger sind bisher die Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie der kommunale „IT-Verbund SchleswigHolstein“. Dataport ist der einzige ITDienstleister der deutschen Verwaltung, der gemeinsam von Bundesländern und Kommunen getragen wird. Das Unternehmen bietet seinen staatlichen und kommunalen Kunden eine breite Palette an Produkten und Dienstleistungen. Hierzu zählen u.a. Netzdienste für Sprach- und Datenübertragung, Fachanwendungen für Verwaltungsaufgaben, Datenschutz- und Datensicherheitskonzepte, IT-Beschaffung und Schulungen. Für überregionale E-Government-Lösungen schafft Dataport eine einheitliche Infrastruktur. Außerdem betreut das ITUnternehmen die Clients seiner Kunden und stellt alle Arten des Server- und Verfahrensbetriebs in seinen Rechenzentren zur Verfügung. Dataport ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Mit 1.749 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte Dataport 2011 einen Umsatz von rund 317 Milionen Euro Euro. 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 32

Wissenschaft

Elektromobilität: Ein Standard für alle Vereinheitlichung der Tests für Systemkomponenten soll Integration der Elektromobilität vorantreiben Unterschiedliche Standards bei den Verbindungskomponenten von Elektrofahrzeu‑ gen und Ladeinfrastruktur behindern die breite Etablierung der Elektromobilität. Deutsche Automobilhersteller, Großindustrie, Energieversorger und Forschungsein‑ richtungen wollen das nun mit dem gemeinsamen Projekt „eNterop” ändern. Profitie‑ ren würden der gesamte Herstellermarkt und natürlich die Nutzer.

BMW, Continental, Daimler, Fraunhofer, RWE, Siemens, TU Dortmund und VW – die Partner im neuen Forschungsprojekt „eNterop” gehören zur Spitze der deutschen Industrie- und Forschungslandschaft. Mit ihnen arbeiten die hiesigen Treiber der internationalen Standardisierung der „Vehicle-to-Grid-Kommunikation” (V2G) für die Elektromobilität nun am nächsten Schritt: einer offenen Testplattform für die Schnittstelle zwischen Elektrofahrzeug und Ladeinfrastruktur. Das Ziel ist die Etablierung von Standards für die Versorgungs- und Kommunikationssysteme zwischen Fahrzeugen und Energienetz. Unterschiedliche Systeme müssen mitein‑ ander kommunizieren können

Bisher leidet die Einführung der Elektromobilität darunter, dass fast jeder Hersteller von Elektrofahrzeugen oder Ladesäulen und anderen Infrastrukturkomponenten eigene Systeme entwickelt. Aufwändige Kompatibilitätstests und Anpassungen zwischen den Produkten sind auf Seiten der Hersteller notwendig, wollen die kein abgeschottetes und damit limitiertes System am Markt etablieren. Der Aufwand verzögert jedoch die breite Markteinführung und ist kostenintensiv. Das Projekt „eNterop” (kurz für „drive international standardization to enter V2G operation on a broad basis”) soll das ändern.

Bis 2014 werden in dem Projekt neue standardisierte Testverfahren entwickelt, nach denen jeder Hersteller prüfen kann, ob seine Produkte den verabschiedeten ISO/IECStandards für die Elektromobilität entsprechen. Damit könnten bald die teuren individuellen Kompatibilitätstests und Investitionen in Produktanpassungen der Vergangenheit angehören. 4,6 Millionen Euro beträgt das Gesamtvolumen des zweijährigen Projekts. Es wird je zur Hälfte von der Wirtschaft und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie getragen. Der Tragweite dieser Arbeiten für die Branche ist groß, weshalb das Projekt „eNterop” auch international Leuchtturmcharakter besitzt. Elektrofahrzeuge bekommen Schlüsselpo‑ sition in Energiewende

Dr. Przemyslaw Komarnicki ist der zuständige Projektleiter am beteiligten Fraunhofer IFF und betont die Bedeutung der Arbeiten auch für die Energiewende: „Elektrofahrzeuge werden künftig zwangsläufig mehr sein, als nur Autos mit Elektromotor. Wir planen mit Ihnen als eine wichtige Komponente im intelligenten Niederspannungsnetz der Zukunft. Dort sollen sie nicht nur Stromkonsumenten sein, sondern zum Teil auch mobile Stromspeicher, so genannte Prosumer, die elektrische Energie bei Bedarf wieder ins Netz zurückgegeben

Vertreter aus Politik, Industrie und Wissenschaft tauschten sich auf der Startveran‑ staltung zu »eNterop« über den aktuellen Stand der Entwicklungen aus.

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können. Sie helfen so, die Netze zu stabilisieren, die mehr und mehr aus lokalen, regenerativen Quellen gespeist werden. Damit nehmen sie eine Schlüsselposition im Rahmen der Energiewende ein”. Unter anderem auch dafür müssen die Elektrofahrzeuge aber mit den Netzen zuverlässig kommunizieren und an jeder Ladesäule herstellerunabhängig Strom tanken oder abgeben können. Informationen über Ladezustand, Ladeart, Reichweiten, Energiepreise oder Status der Energienetze - all das sind Daten, die künftig ständig zwischen ihnen und den intelligenten Netzen, den Smart Grid, ausgetauscht werden. Das erfordert eine sichere Interoperabilität der Systeme. Diese macht es erst möglich, dass irgendwann Millionen von Elektroautos über unsere Straßen fahren und beliebig Energie konsumieren können. Unterschiedliche Systeme müssen mitein‑ ander kommunizieren können

Mit „eNterop” soll die gegenseitige Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Ladeinfrastruktur sichergestellt werden. Dafür sind mehrere Schritte notwendig. Zuerst geht es um das Schaffen von automatisierbaren Testabläufen für Soft- und Hardware. Das soll den Produzenten von Komponenten die Entwicklung standardkonformer Produkte (ISO/IEC 15118) ermöglichen, ohne aufwändige Interoperabilitätstests zwischen den Herstellern zu erzwingen. Gleichzeitig wird mit diesem Ansatz sichergestellt, dass sich der Markt frei entfalten kann, und verhindert, dass immer mehr Anbieter unterschiedliche Systeme etablieren. Zum zweiten treten die beteiligten Partner für eine offene Referenzplattform ein, um technische Hürden für neue V2G-Produkte und -Dienstleistungen abzubauen. Das soll insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Marktzugang erleichtern. Außerdem sollen laufende Modellregionen zur Elektromobilität, Förderprojekte und KMU dabei unterstützt werden, standardisierte Technik einzusetzen und zu testen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen im Gegenzug zurück ins „eNterop”Projekt, wo sie zur Weiterentwicklung der Standards beitragen. Dafür steht das »eNterop«-Konsortium im engen Austausch mit der Normungsinitiative Elektromobilität (DIN, DKE, IEC und ISO). www.iff.fraunhofer.de


WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 33

Wissenschaft

Brieföffner gewinnt Designpreis Ein Alltagsprodukt aus Biowerkstoffen stand als Idee im Vordergrund eines Projektes zwischen dem Institut für Industrial Design und dem KAT Kompetenzzentrum Inge‑ nieurwissenschaften/ Nachwachsende Rohstoffe. Dass aus der Idee ein kompostier‑ barer Brieföffner entstand, wurde im Dezember 2012 mit dem renommierten „Good Design Award“ in Chicago ausgezeichnet.

Rohstoffe die Zusammensetzung des Produkts. Das Design des Brieföffners wurde von Nadja Neubauer, einer StuFOTO: LUKAS ISPHORDING, INSTITUT FÜR INDUSTRIAL DESIGN

Der kompostierbare Brieföffner ist beim „Good Design Award 2012“ in der Kategorie Office Products in Chicago, USA, ausgezeichnet worden. Durch die Zusammenarbeit mit dem KAT Kompetenzzentrum Ingenieurwissenschaften/ Nachwachsende Rohstoffe hatte das Institut für Industrial Design der Hochschule Magdeburg-Stendal erstmalig die Möglichkeit, an diesem Designwettbewerb teilzunehmen. Aus erdölfreien Materialien hergestellt, ist das Produkt kompostierbar und so am Ende seiner Lebensdauer noch gut für die Umwelt. „Das Produkt ist für die Serienproduktion gedacht und es stehen Materialien zur Verfügung, die teilweise oder vollständig ohne fossile Rohstoffe auskommen“ erläutert Dr. Peter Gerth, Sprecher des Kompetenzzentrums Ingenieurwissenschaften/Nachwachsende

dentin am Institut für Industrial Design entworfen. An der Entwicklung sowie der Umsetzung waren Henning Seide, Thomas Bagusch und Dr. Peter Gerth beteiligt. „Die Auszeichnung unterstützt den Anspruch unseres Projekts, nachhaltige Materialien im Design zu etablieren.

Als Lehrender bin ich stolz, dass wir die Chance erfolgreich genutzt haben, mit einem seriell produzierten Produkt an einem Designwettbewerb teilzunehmen“, so Projektleiter Prof. Andreas Mühlenberend. Auch Dr. Peter Gerth zeigt sich mit dem Produkt und dem gewonnenen Preis sehr zufrieden: „Für mich ist klar geworden, dass wir mit dem Konzept ‚Neues Design und Neue Materialien’ international erfolgreich sein können und solche Erfolge auch gerne hier in Sachsen-Anhalt gemeinsam mit innovativen Unternehmen aus der Region erzielen möchten. In der Kategorie Office Products wurde neben den Magdeburgern die Firma 3M mit ihrer Marke Scotch für zwei Produkte ausgezeichnet. Der „Good Design Award“ wurde 1950 von Eero Saarinnen, Charles und Ray Eames in Chicago ins Leben gerufen und wird seit dem jährlich vom Chicago Athenaeum Museum of Architecture and Design vergeben. www.hs‑magdeburg.de

Forschungsprojekt hilft Diabetikern

Dr. Peter Gerth, Sprecher des Kompetenzzentrums Ingenieurwissenschaften/Nachwachsende Rohstoffe an der Hochschule Magdeburg-Stendal, ist besorgt: „Die Entwicklung der Diabetes ist rasant, Indien gehört zu den Ländern mit der höchsten Diabetikerrate weltweit. Wir müssen voneinander lernen". Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer neuen Generation von Schuhwerk für Diabetiker. Dabei werden die lokalen Lebensbedingungen und die örtlich verfügbaren Materialien und Produktionsanlagen berücksichtigt. Das Konzept des Schuhs basiert auf neuartigen mathematischen und biomechanischen Modellen mit individueller Anpassung an den Patienten. Nach Beendigung der Forschung an den Materialien, wird eine zweijährige klinische Studie am AR-Hospital durchgeführt, um den Schuh unter realen Bedingungen zu testen. Neben zahlreichen Workshops besichtigten die indischen Gäste auch das Schuhmuseum in Weißenfels und die Meisterschule für Orthopädietechnik in Siebenlehn. Das Hos-

FOTOS: ANJA MÜLLER

Vertreter des Dr. A. Ramachandranʼs Diabetes Hospitals Chennai in Indien, besuchten die Hochschule Magdeburg‑ Stendal. Die indischen Gäste informierten sich über die Ent‑ wicklung neuartiger Materialien für Diabetikerschuhe. In in‑ ternationaler Zusammenarbeit entwickeln Industrie und For‑ schungseinrichtungen ein neuartiges Diabetiker‑Schuhwerk mit „intelligenter” Sohle.

Dr. Peter Gerth, Sprecher des Kompetenzzentrums Ingenieur‑ wissenschaften/Nachwachsende Rohstoffe, zeigt den indi‑ schen Gästen ein Modell des Diabetikerschuhs. pital und die Hochschule Magdeburg-Stendal sind Partner im DiaBSmart-Projekt, das von der Europäischen Kommission finanziert wird. Die aktuelle Austauschreise wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gefördert. 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 34

Finanzen

Neues Jahr ‑ neue Herausforderungen! Betriebliche Altersversorgung ‑ soziale Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern Das Jahr 2013 hat begonnen und wieder gibt es gravierende Änderungen in der Finanzbranche die auch die betriebliche Altersversorgung betreffen. Aktives Handeln ist gefragt! So zogen beispielsweise die Unisextarife auch in der Betrieblichen Altersversorgung ein. Viel wurde im vergangenen Jahr darüber geschrieben. Wie diese neue Tarifwelt sich auswirkt habe ich ausführlich in einem Beitrag beschrieben. Alte Themen wie die als sicher anzunehmende Versorgungslücke aus der gesetzlichen Rentenversicherung, sind nach wie vor aktuell. Da ist z.B. die Betriebliche Altersversorgung die mit Ihrer Steuerund Sozialversicherungsfreiheit in der Ansparphase als zusätzliches Lückenschluss-Instrument 2002 ins Leben gerufen wurde. Die Politik hat sich schon etwas dabei gedacht, dass ein Recht auf Entgeltumwandlung im Betriebsrentengesetz verankert, und dem Arbeitgeber die Informationspflicht auferlegt wurde. Machen Sie lieber heute als morgen Ihren BAV Check. Haben Sie alle Ihre Mitarbeiter über ihre BAV Rechte aktiv (am besten durch einen Fach‑ mann) aufgeklärt? o Ja o Nein Haben Sie diese Aufklärung für die Personalak‑ te dokumentiert? Einzelunterschrift bei Nicht‑ teilnahme! o ja o Nein Haben Sie sich über den Anbieter informiert? Hier besonders wichtig Finanzstärke und Ab‑ sicherung im Insolvenzfall. o ja o Nein Wissen Sie die Einzelheiten des gewählten Durchführungsweges? o Ja o Nein Sind in einer Versorgungsordnung alle wichti‑ gen Dinge wie z.B. Übernahmeregelungen, Re‑ gelungen bei vorzeitigem Ausscheiden von Mitarbeitern, AG Zuschüsse und vieles mehr geregelt? o ja o Nein

Schon bei einem Nein sollten Sie aktiv werden! Sie sagen sich bestimmt gerade…was für ein Aufwand? Mitnichten, beauftragen 34

Sie einen BAV Spezialisten und geben Sie alle diese Dinge in seine Hände. Am besten suchen Sie sich einen unabhängigen Versicherungsmakler. Dieser hat eine eigene Haftung und eine entsprechende Vermögensschadenhaftpflicht. Aber Achtung, er sollte ein BAV Fachmann sein! Auch in Bezug auf Ihre Haftung gemäß Betriebsrentengesetz § 1 BetrAVG „Der Arbeitgeber steht für die Erfüllung der zugesagten Leistungen ein….” ist dies ein wichtiger Aspekt. Meine Mitarbeiter und ich sind Profis auf diesem Gebiet, haben eine Maklerzulassung und würden Ihren Auftrag gerne professionell abarbeiten. Wir achten auf die richtigen Durchführungswege. Bei einer Beitragsorientierten Leistungszusage z.B. gibt es durch die Versicherungsvertragliche Lösung bei vorzeitigem Ausscheiden eines Mitarbeiters keine Nachhaftung für den alten Arbeitgeber. Praxistipp: Immer wieder treffen wir auf andere Durchführungswege und überraschte Arbeitgeber. Kaum jemand kennt die Wichtigkeit des gewählten Konzeptes. Fazit: BAV ist und bleibt ein sehr lukrativer Weg seine Altersversorgung mit Hilfe von Steuer- und Sozialversicherungsersparnissen auf zu bauen. Denken Sie bitte neben der vom Gesetzgeber auferlegten als unangenehm empfundene Pflicht auch an Ihre soziale Verpflichtung gegenüber Ihren Mitarbeitern. Es ist so wichtig weil die gesetzliche Rente nun mal nicht ausreichend ist und von den eh schon niedrigen Ansprüchen unter bestimmten Gesichtspunkten wie vorzeitiger Rentenbeginn auch noch Prozente verloren gehen. Hier ein Beispiel: Wer ab dem Jahrgang 1964, früher als mit 67 in Rente gehen möchte, bekommt für jeden Monat 0,3 Prozent seiner Rente abgezogen. • Dies ergibt bei 24 Monaten (65 anstatt 67) 7,2 Prozent Abzug. Bitte beachten Sie, dass von der Rente auch… • Krankenversicherungsbeiträge • Pflegeversicherungsbeiträge

FRANK NAKOINZ ist Inhaber von Nakoinz Pensionsberater für betriebliche und privat geförderte Versorgungskonzepte. Leser unseres Magazins erreichen Frank Nakoinz in 39112 Magdeburg Jean‑Burger‑Straße 8 Fon 0391 2803393 Fax 0391 2803394 www.spezialisten‑rund‑ ums‑leben.de mail@pensionsberater‑ nakoinz.de

• Steuern …zu zahlen sind. Oft höre ich in meinen Präsentationen vor den Belegschaften…` Im Alter brauche ich doch weniger Geld.` Diesen Irrglauben möchte ich mit folgender Statistik des Bundesamtes widerlegen. Fazit: Beschäftigen Sie sich mit diesem Thema, ob nun AG oder Arbeitnehmer werden Sie aktiv. Gerne stehen wir Ihnen dabei zur Seite. Ein Gespräch kostet kein Geld, nur etwas Zeit…und die sollten Sie sich bei der Wichtigkeit der Sache nehmen. Frank Nakoinz


WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 35

Steuern

Die Kleinstkapitalgesellschaft Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften und Kap & Co. KG Mit Datum vom 14.12.2012 hat der Bundesrat das Gesetz zur Erleichterung für Kleinstkapitalgesellschaften (MicroBilG) akzeptiert, so dass dieses zum 28.12.2012 in Kraft getreten ist. Das Gesetz soll Erleichterungen bei der Erstellung und Offenlegung der Jahresabschlüsse bei Kleinskapitalgesellschaften schaffen. Eine Kleinstkapitalgesellschaft, was ist das überhaupt? Laut gesetzlicher Definition handelt es sich um eine Kleinstkapitalgesellschaft, wenn eine Kapitalgesellschaft an zwei aufeinander folgenden Bilanzstichtagen zwei der folgenden Größenmerkmale nicht überschritten hat: 1. Umsatzerlöse bis 700.000 Euro 2. Bilanzsumme bis 350.000 Euro 3. Mitarbeiter bis 10 durchschnittlich. D.h. dass eine GmbH, die im vorangegangenen und im laufenden Jahr z.B. 650.000 EUR Umsatz gemacht hat und 6 Mitarbeiter beschäftigt für das laufende Jahr als Kleinstkapitalgeselslchaft eingestuft wird. Welche Erleichterungen wird es nun geben? 1. Zukünftig können Kleinstkapitalgesellschaften auf die Erstellung eines Anhangs zur Bilanz verzichten. Voraussetzung ist aber, dass unter der Bilanz Angaben zu Haftungsverhältnissen und Vorschüssen sowie Krediten an die Geschäftsführung oder Aufsichtsorgane der Gesellschaft gemacht werden.

• Umsatzerlöse • Sonstige Erträge • Materialaufwand • Personalaufwand • Abschreibungen • Sonstige Aufwendungen • Steuern • Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 4. Ein zentraler Punkt ist weiterhin, dass die Offenlegungspflicht für den Jahresabschluss bei Kleinstkapitalgesellschaften nun auch durch eine bloße Hinterlegung beim elektronischen Bundesanzeiger erfüllt werden kann. Der Abschluss kann dann zwar weiterhin von jedermann eingesehen werden, dies aber nicht mehr durch einfache Abfrage über das Internet sondern nur auf gesonderten Antrag, der zudem kostenpflichtig ist. Die gesetzliche Frist zur Offenlegung des Jahresabschlusses - max. 1 Jahr nach Ende des Geschäftsjahres - muss jedoch weiterhin eingehalten werden. Ab wann gelten nun diese Neuregelungen? Alle Neuregelungen des Gesetzes zur Erleichterung für Kleinstkapitalgesellschaften gelten für Geschäftsjahre, deren Abschlussstichtag nach dem 30.12.2012 liegt. Das bedeutet, dass die Neuregelungen bereits für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr mit dem Abschlussstichtag 31.12.2012 gültig sind.

KARIN FRANEK ist Steuerberaterin und Geschäftsführende Gesellschafterin der GSP Steuerberatungsgesellschaft Magdeburg GmbH. Im Wirtschaftsspiegel schreibt sie Beiträge zu steuerrechtlichen Problemen. Sie erreichen sie telefonisch unter 03 91 56 85 70. E‑Mail: info@gsp‑magdeburg.de

2.Bei der Erstellung der Bilanz wird eine verkürzte Gliederung gestattet. Hier wird die Gliederung auf das übliche Schema mit Buchstabengliederungspunkten beschränkt, diese aber in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Für Dritte, die über den elektronischen Bundesanzeiger Einsicht in den Jahresabschluss nehmen ergeben sich damit noch weniger Detailinformationen über das Unternehmen als bisher. 3. Die Gewinn- und Verlustrechnung kann in folgender verkürzten Gliederung erfolgen:

02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 36

Recht

Arbeitsunfähigkeit – Was ist zu beachten? Wer kennt das nicht? Gerade in diesen Tagen lichten sich die Reihen der Arbeitnehmerschaft. Erkältungskrankheiten wie grippale Infekte, die echte Grippe oder auch Magen-Darm-Erkrankungen haben zur Folge, dass Arbeitnehmer arbeitsunfähig geschrieben werden. Was aber gilt es zu beachten? Diese Frage stellt sich nicht nur dem Arbeitnehmer, sondern auch dem Arbeitgeber. Wird ein Arbeitnehmer arbeitsunfähig, bekommt er zunächst von seinem Arbeitsgeber bis zu 6 Wochen sein Gehalt in voller Höhe weiterbezahlt. Im Anschluss an diese Entgeltfortzahlung erhält der Arbeitnehmer bei weiter bestehender Erkrankung von der Krankenkasse bis zu 78 Wochen lang Krankengeld. Dabei handelt es sich um bis zu 70 % seines Bruttolohns und nicht mehr als 90 % vom Nettolohn. Sollte der Mitarbeiter nach einer vorübergehenden Gesundung erneut an derselben Krankheit erkranken, bekommt er nur dann weitere 6 Wochen den Lohn von seinem Arbeitgeber, wenn er vor dieser neuen gleichartigen Erkrankung mindestens 6 Monate nicht arbeitsunfähig gewesen ist oder der Beginn seiner ersten Arbeitsunfähigkeit bereits 12 Monate zurückliegt. Ist der Arbeitnehmer dagegen erneut von einer anderen Krankheit betroffen, beginnt die Entgeltfortzahlungsfrist des Arbeitsgebers ohnehin wieder neu für bis zu 6 Wochen. Im Falle einer arbeitsunfähigen Erkrankung muss ein Arbeitnehmer bestimmte Punkte beachten: Zu beachten ist zunächst, dass nicht jede Krankheit eine generelle Arbeitsunfähigkeit bedeutet. Nur wenn der Arbeitnehmer seine arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr erfüllen kann, gilt er auch als arbeitsunfähig. Der erkrankte Arbeitnehmer muss gegenüber seinem Arbeitgeber bereits am Morgen des ersten Fehltages gegebenenfalls telefonisch Bescheid geben, dass er arbeitsunfähig erkrankt ist und wie lange die Erkrankung voraussichtlich dauern wird. Dabei triff den Arbeitnehmer eine Nachweispflicht. Der Arbeitnehmer hat nämlich die Pflicht, seine Arbeitsunfähigkeit durch eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nachzuweisen. Jeder Arbeitnehmer ist insoweit verpflichtet, im Falle seiner Erkrankung spätesten am 4. 36

Tag der Arbeitsunfähigkeit die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung dem Arbeitgeber vorzulegen. Allerdings ist der Arbeitgeber berechtigt, bei der sogenannten „Kurzerkrankung“ diese Bescheinigung zu einem früheren Zeitpunkt zu verlangen. Dies bedarf jedoch einer besonderen arbeitsvertraglichen Vereinbarung. Wird im Verlauf der Krankheit eine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nötig, dann gelten grundsätzlich dieselben Mitteilungspflichten des Arbeitsnehmers über die gesamte Krankheitszeit. Selbst also wenn nach 6 Wochen der Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung mehr zu leisten braucht und die Krankenkasse Krankengeld zahlt, muss der Arbeitnehmer die Mitteilungspflichten gegenüber dem Arbeitgeber erfüllen. Einige Besonderheiten ergeben sich bei einer Erkrankung des Arbeitnehmers im Ausland (z.B. Scheinlast). Hier ist der Arbeitnehmer verpflichtet nicht nur dem Arbeitgeber, sondern auch seiner Krankenkasse die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich anzuzeigen. Hier trifft der Arbeitnehmer also eine doppelte Anzeigepflicht, da die Arbeitsunfähigkeit gegenüber zwei Institutionen erfüllt werden muss. Die Nachweispflicht widerrum, also die Vorlage eines ärztlichen Attestes ist bei einer Erkrankung im Ausland nur gegenüber dem Arbeitgeber zu erfüllen. Jedoch gilt auch hier, dass auch das im Ausland erstellte Attest bereits am 4. Tag nach der Erkrankung im Betrieb eingehen muss. Zu beachten ist, dass sofern der Arbeitsnehmer während des Urlaubs erkrankt diese Urlaubstage ihm dann gutgeschrieben werden müssen. Ist ein Arbeitsnehmer nämlich arbeitsunfähig erkrankt kann der Urlaub nicht eingebracht werden. Krankheit und Urlaub mit seinem Erholungszweck schließen sich gegenseitig aus. Legt der Arbeitnehmer trotz wiederholter Aufforderung keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor oder verletzt er sonstige Pflichten kann dies zu Abmahnungen und sogar zu eine außerordentlichen Kündigung führen. Der Arbeitgeber kann aber auch den Lohn für die Tage, an denen der Arbeitsgeber unentschuldigt gefehlt hat, einbehalten. Schließlich ist zu beachten, dass arbeitsunfähige Arbeitnehmer nur dann zu Hause bleiben müssen, wenn dies ausdrücklich ärztlicherseits verordnet ist. Dies gilt

DANIEL HOHMANN ist seit 2008 Rechtsanwalt in der Kanzlei Thiele & Coll. Rechtsanwälte.

Er beschäftigt sich schwerpunkt‑ mäßig mit den Rechtsgebieten • Arbeitsrecht • Verkehrs‑ und Verkehrsord‑ nungswidrigkeitenrecht • Verwaltungsrecht • Familienrecht. Leser des Wirtschaftsspiegels erreichen Rechtsanwalt Hohmann unter Kanzlei Thiele & Coll. Rechtsanwälte Tel.: 0391 5974990 Fax: 0391 5974999 Kanzlei@RA‑Andreas‑Thiele.de

auch bezüglich der Bettruhe. Sofern die Heilung nicht verzögert oder gefährdet wird, dürfen erkrankte Arbeitnehmer auch einkaufen, spazieren oder ins Kino gehen. Auch ein Ortswechsel oder die Fahrt zur Familie oder Freund und Freundin ist erlaubt, sofern dies der Heilung nach ärztlicher Einschätzung dienlich ist. Ein erkrankter Arbeitnehmer darf nicht an seinem Arbeitsplatz arbeiten. Selbst der Arbeitnehmer, der vorzeitig wieder gesund wird kann vor dem Ablauf der durch den Arzt attestierten Arbeitsunfähigkeitsfrist nur dann wieder in dem Betrieb arbeiten, sofern der Arbeitgeber ausdrücklich zustimmt. Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber nicht die Einzelheiten seiner Krankheit oder die Diagnose mitteilen und sollte dies auch nicht tun. Dies kann ansonsten seine Chancen in einem späteren Kündigungsschutzprozess erheblich verschlechtern.


WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 37

Cartoon: Kai Felmy

Glosse

Und außerdem ... ... können Besucher im „Magdeburger Friseurmuseum“ ein Stück Haargeschichte erleben. Ziel der Ausstellung sei es, den Besuchern zu zeigen, wie Frisuren früher gestaltet wurden, teilte der Verein „Haar‑Verband“ kürzlich mit. Der 2008 gegründete Verein betreibt das Museum ehrenamtlich. Rund 1.200 Exponate aus mehr als 100 Jahren Friseurgeschichte werden auf der 144 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche gezeigt. Zu sehen sind historische Werkzeuge der Barbiere und Perückenmacher sowie Haarmodetrends aus unter‑ schiedlichen zeitlichen Epochen. In den nächsten Jahren soll eine Pe‑ rückenwerkstatt die Ausstellung erweitern. ... soll das Magdeburger Alpaka „Muffin“ Kindern bei ihren Problemen mit Angst, Schlafstörungen und Hyperaktivität helfen. Um an einem Tiertherapie‑Projekt teilzunehmen, reist der einjährige Alpaka‑Hengst nun in die österreichische Steiermark, wie der Zoologische Garten Magdeburg in dieser Woche mitteilte. Alpakas seien die besten Co‑ Therapeuten, wenn es darum ginge, ein Kind zu beruhigen, seine Angst zu lösen und Vertrauen wieder aufzubauen, teilte die Projekt‑ leitung mit. Gerade verhaltensauffällige Kinder hätten einen Anreiz, sich ruhig zu verhalten, weil Alpakas nur dann zutraulich werden. ... gab die Intendantin des MDR Prof. Karola Wille die neuen Kom‑ missare für den „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg bekannt . Mit Clau‑ dia Michelsen und Sylvester Groth wird das neue Ermittler‑Duo mit

zwei vielfach prämierten Schauspielern besetzt. Der für Medien zu‑ ständige Chef der Staatskanzlei des Landes Sachsen‑Anhalt, Staats‑ minister Rainer Robra, erklärte zu dieser Besetzung: „Ich freue mich, dass der MDR mit Claudia Michelsen und Sylvester Groth zwei bekannte Schauspieler für die Fortführung der Reihe ‚Polizei‑ ruf 110ʼ aus Magdeburg besetzt hat. Der MDR hat damit ein viel‑ versprechendes neues Team gefunden, das zukünftig die Aufmerk‑ samkeit auf unsere schöne Landeshauptstadt Magdeburg lenken wird. Freuen wir uns gemeinsam mit allen Sachsen‑Anhaltern auf spannende Krimis und neue Perspektiven auf Magdeburg und die reizvolle Umgebung an der Elbe.“ ... geht das Aufkommen an Hausmüll in Sachsen‑Anhalt seit Jahren zurück. Lag die Menge im Jahr 2000 noch bei 300 Kilo pro Einwoh‑ ner, fielen 2011 noch rund 211 Kilogramm an. Diese positive Ent‑ wicklung könne auf ein gestiegenes Umweltbewusstsein, eine bes‑ sere Trennung der Abfälle, angepasste Gebühren und gut organi‑ sierte Entsorgung zurückgeführt werden, teilte das Landesamt für Umweltschutz kürzlich in Halle mit. Das Aufkommen an Papier und Pappe, Glas und leichten Verpackungen sei in den vergangenen Jahren von 66 Kilogramm pro Einwohner um mehr als das Doppel‑ te auf 133 Kilo gesteigert worden. Insbesondere bei Bioabfällen würden inzwischen 104 Kilo pro Einwohner erfasst. (Quelle: Staatskanzlei Sachsen‑Anhalt) 02/2013 | Wirtschaftsspiegel für Sachsen‑Anhalt

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WS_02_2013_sr_WS_Grundlayout 07.02.2013 16:45 Seite 38

Wirtschaft | Impressum

Impressum

Festakt mit runden Zahlen Anfang Februar feierte die Traditionsdestillerie Abtshof in Magdeburg gleich mehrere Jubiläen - die 20-jährige Privatisierung, der 50. Geburtstag des Inhabers, Gideon Nissenbaum und der 70. Geburtstag des Geschäftsführers Gerhard Mette. Seit 89 Jahren werden in Magdeburg Spirituosen unter der Marke Abtshof produziert. Dabei reicht die Geschichte des Firmengeländes der Abtshof Magdeburg GmbH bis in das Jahr 1864 zurück, als sich die erste Buckauer Dampfbierbrauerei Reichhardt & Schneidewin gründete. Im Jahr 1924 gründete die Firma Hegemann & Co., Inhaber des Weingutes Marienhof aus Niederemmel-Piesport auf dem ehemaligen Brauerei-gelände die Abtshof Brennerei Magdeburg. Zunächst wurden hier Mosel- und Rheinweine für den mitteldeutschen Raum abgefüllt und Ende der 1920-er Jahre unter der Dachmarke „Abtshof“ Spirituosen produziert. Nach der politischen Wende ging aus dem Betrieb 1992 die Abtshof Magdeburg GmbH hervor. Inzwischen behauptet sich die Spezialitäten-Destillerie als leistungsstarker Mittelstandsbetrieb mit erfolgreich am hart umkämpften Spirituosen-Markt. Kräuterliköre, Fruchtliköre, Weinbrände, Klarer, Absinth, Vodka viele verschiedene Spezialitäten verlassen im Jahr den Abtshof und gehen in den Handel. Nach der Wiederzulassung des Absinth eine Spirituose aus Wermut-Auszügen -

im Jahr 1998 (seit 1923 war das als „Teufelsgetränk“ verpönte Getränk verboten) - begann im Versuchslabor bei Abtshof die Entwicklung dieser Spezialität unter Beachtung bestimmter Höchstmengen des sich ergebenden Thujongehaltes. Nach erfolgreichen Platzierungen von „Absinth 66“ als nationale Marke und die Listung bei Ketten renommierter Handelshäuser von Flensburg bis zum Bodensee, erweiterte man das Sortiment um zwei neue Absinthe. Der grüne Klassiker wird ergänzt durch den gelben „Absinth 44“ mit einem Hauch von Mariengras und den roten „Absinth 55“ mit einer sanften Vanillenote. Mit dem Absinth setzten die Geschäftsführer der Abtshof GmbH, Gerhard Mette und Gideon Nissenbaum aufs richtige Pferd. Das beweisen die vielen Auszeichnungen - die 50. Medaille in Gold von der der Deutschen Lebensmittelgesellschaft DLG gab es 2008. Regelmäßig stellt sich Abtshof den Qualitätsprüfern im In- und Ausland und bekommt stets Spitzenpreise. Im Jahr 2002 wurde mit der Fertigstellung des Besucher Centers die Möglichkeit geschaffen, den Besuchern alles Wissenswerte über die Herstellung von Spirituosen im Rahmen von Betriebsbesichtigungen sowie Verkostungen zu vermitteln. Nach einem Betriebsrundgang gibt es hier die Möglichkeit, alles Wissenswerte über Herstellung und die Vielfalt der Abtshof-Spitzenerzeugnisse zu erfahren.

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Abtshof‑Inhaber Gideon Nissenbaum, Sachsen‑Anhalts Wirtschaftsministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff, Magdeburgs Bürgermeister Dr. Rüdiger Koch und Abtshof‑ Geschäftsführer Gerhard Mette beim Festakt.

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Wirtschaftsspiegel Ausgabe 1/2013