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Thüringen

März 2011 www.spd-thueringen.de

Grenzenlose Solidarität Über 5000 Euro für Frauen in Westafrika

E dito r i a l

100 Jahre und kein bisschen leise… …sind wir Frauen in diesen Tagen. Mit Stolz kann die Frauenbewegung rund um den 100. Internationalen Frauentag auf viele Errungenschaften zurückblicken. Ob Frauenwahlrecht, Mutterschutzgesetz, die verfassungsrechtliche Gleichstellung, Anti-Baby-Pille, das Recht auf Abtreibung oder Kampf gegen häusliche Gewalt, viel haben wir erreicht und doch sind wir längst nicht am Ziel. Die jüngsten Diskussionen um die Vertretung von Frauen in Unternehmensvorständen und Aufsichtsgremien zeigt, dass die alte Blockadefront älterer Herren immer noch funktioniert. Und sie zeigt auch, dass eine Frau an der Regierungsspitze nicht zwangsläufig für eine moderne Frauenpolitik steht. Die Sozialdemokratie hat sich in den letzten 100 Jahren als verlässlicher Partner der Frauen in Deutschland erwiesen. Gemeinsam haben wir viel erreicht und sind doch nicht am Ziel, denn vor allem gelebte Gleichberechtigung ist eine dauerhafte Aufgabe. Herzlichst Eure Heike Taubert

Im Rahmen der großen Sammelaktion, zu der die ASF Thüringen im letzten Jahr aufgerufen hatte, kam es nicht zuletzt aufgrund des großen Engagements der früheren Landtagsabgeordneten Rosemarie Bechtum zu Spenden in Höhe von 5113,38 Euro für das Frauenzentrum in Erfurts westafrikanischer Partnerstadt Kati (Mali). Anfang Februar dieses Jahres konnten Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein und die ASF-Landesvorsitzende Cornelia Klisch die Gesamt-Spendeneinnahmen der Aktion in Höhe von 25.000 Euro für die Grundsteinlegung eines Frauenzentrums in der westafrikanischen Stadt übergeben. Hauptteile des Zentrums sind neben einer Färberei und Schneiderei, auch Räume für die weitere Ausbildung von Frauen, insbesondere auch die Fortsetzung von Bildungsmaßnahmen. Viele Frauen leiden in Mali Analphabetismus und auch wenn bis zur sechsten Klasse etwa fünfzig Prozent der Mädchen die Schule besuchen, so wird doch spätestens ab dem vierzehnten Lebensjahr die Ausbildung der Mädchen beendet, da sie in diesem Alter entweder verheiratet werden oder bereits Kinder bekommen. Insbesondere für Frauen die früh verwitwen oder sich aus anderen Gründen von ihren Ehemännern trennen, ist es sehr schwer ihre Familien durch eigene Arbeit oder eigene Einkünfte versorgen zu können. Bittere Armut ist oft die Folge. Umso bemerkenswerter ist es, welche unschätzbare Leistungen die Frauen tagtäglich erbringen. Oft sind sie die wich-

tigste Stütze des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gefüges in Westafrika. Cornelia Klisch warb beim Besuch der Delegation des Erfurter Stadtrates deshalb nicht nur für den Aufbau des Frauenzentrums, sondern auch für dessen Akzeptanz und intensive Nutzung. Die vielen fröhlichen Gesichter bei der Grundsteinlegung waren dabei der größte Dank für alle Spenderinnen und Spender aus ganz Thüringen. 

Glos s e

100 Jahre Frauentag – und noch nichts erreicht? von Susanne Köhler (stellv. Landesvorsitzende ASF Thüringen) Nein. In dieses Lamento werde ich nicht einstimmen. Frauen, überlegt doch mal, wie gut wir es inzwischen haben! Wir dürfen nicht nur wählen, sondern sogar auch gewählt werden – gesetzt den Fall, wir können uns gegen unsere männliche Gegenkandidaten zur Wehr setzen und bekommen Beruf, Ehrenamt und Familie unter einen Hut. Und schon allein das Wort „Beruf“ muss wie Zucker auf unseren über Jahrhunderte ausgehungerten Lippen schmecken: Schon seit

Susanne Köhler

mehr als 30 Jahren dürfen selbst Frauen in den alten Bundesländern ohne schriftliche Einwilligung ihrer Ehemänner eine Stelle annehmen, einfach so! Das ist auf keinen Fall nichts, aber natürlich gibt es noch mehr. Frauenparkplätze zum Beispiel. Sie sollen die Sicherheit der Frauen erhöhen, da sie videoüberwacht werden oder nahe an Fluchtwegen gelegen sind. (Sie sollen übrigens nicht, wie die meisten Leute denken, durch ihre extrabreiten Dimensionen die Autos der

Grundsteinlegung für den Bau eines Frauenzentrums im westafrikanischen Kati.

Männer vor den Unfähigkeiten der Frauen schützen. Das ist auch überflüssig, da das perfekte Frauenauto – noch so eine wunderbare Errungenschaft – sowieso nur eine extrem kompakte fahrbare Einkaufstasche ist.) Dann gibt es natürlich eine extra Beauftragte. Was den ausländischen Mitbürgern, Senioren und behinderten Menschen gewährt wird, soll auch den Frauen gegönnt werden – gleiches Recht für alle Minderheiten der Gesellschaft. Doch damit nicht genug. Frauen haben sogar vier ganze Tage im Jahr, an denen die ganze Welt nur auf sie schaut. Als erstes ist da der Internationale Frauentag zu nennen, der jetzt 100. Geburtstag hat. ... Fortse tzu ng au f Seite 4


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sTandorTbesTiMMung MiT blick nach aFghanisTan Podiumsdiskussion am 8. März: 100 Jahre Frauentag

im landtag diskutieren Thüringens sozialministerin heike Taubert, die ärztin dr. cornelia klisch, die Journalistin karin Vollrath sowie die Politikwissenschaftlerin Frangis spanta (von links).

100 Jahre Internationaler Frauentag – mit einer großen Veranstaltung im Thüringer Landtag würdigt die SPD-Fraktion dieses bedeutende Jubiläum. Drei Thüringerinnen mitten aus dem Leben - die Journalistin Karin Vollrath, die Ärztin Dr. Cornelia Klisch sowie Sozialministerin Heike Taubert - wollen in einer Podiumsdiskussion beleuchten, wo moderne Frauen zu Beginn des 21. Jahrhundert stehen. Schließlich sind die Lebensentwürfe Thüringer Frauen so unterschiedlich wie die Frauen in Thüringen selbst. Junge Frauen stehen dabei beispielsweise noch immer vor der Frage, ob sie Kind(er) und Karriere miteinander vereinbaren können und wollen. Der Blick auf Thüringen und die Verhältnisse in Deutschland sollen an diesem Nachmittag aber nicht die einzige Perspektive bleiben. „International“ will die SPDFraktion an diesem Abend nämlich tatsächlich sein. Stellvertretend für die vielen Frauen in dieser Welt wird eine junge Frau aus Afghanistan - Frangis Spanta - den Blick auf die Regionen lenken, in denen es Frauen besonders schwer haben. Frangis Spanta arbeitet zurzeit als Projektkoordinatorin an der Willy Brandt School of Public Policy in Erfurt, wo sie für die Ausbildung künftiger afghanischer Führungskräfte zuständig ist. Sie hält sich aber auch regelmäßig in Afghanistan auf, um beim Wiederaufbau zu helfen.

Termin: dienstag, 8. März 2011, 17:00 uhr, Foyer des Thüringer landtags, mit anschließendem empfang mit dem sPd-landesvorsitzenden christoph Matschie.

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den rechTseXTreMisMus wirksaM bekäMPFen Sozialministerin hielt Regierungserklärung zum Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit Als „Meilenstein für Thüringen“ hat SPDFraktionsvorsitzender Uwe Höhn das Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit bezeichnet, das von Sozialministerin Heike Taubert (SPD) im Januar-Plenum dem Thüringer Landtag in einer Regierungserklärung vorgestellt wurde. Mit diesem Programm besteht nun die Möglichkeit, dem Rechtsextremismus auch fiskalisch untersetzt und auf breiter zivilgesellschaftlicher Ebene wirksam entgegenzutreten. „Dass das nötig ist beweisen nicht zuletzt die leider immer wieder vorkommenden Übergriffe Rechtsextremer, die nicht selten schwerste Verletzungen oder gar den Tod der Opfer zur Folge haben“, sagte der SPD-Abgeordnete Peter Metz in seiner Rede zur Regierungserklärung. Das Programm nimmt aber auch die Mitte der Gesellschaft in den Blick, in der rechtsextremes Gedankengut auch immer mehr vertreten ist. So sollen etwa Lehrer fortgebildet und lokale Aktionspläne in jedem Landkreis erarbeitet werden. Denn zur Bekämpfung des Rechtsextremismus gehöre „eine starke entschlossene und empörte Zivilgesellschaft“, betonte Metz. Eine Besonderheit des Landesprogramms ist seine Entstehungsgeschichte. Die Landesregierung wurde durch einen gemeinsamen Beschluss aller Fraktionen mit der Erarbeitung beauftragt. Der Re-

gierung und besonders der SPD-Fraktion lag jedoch daran, die Erarbeitung des Landesprogramms nicht bloß als ministerielle Aufgabe zu betrachten, sondern alle an der Erarbeitung Interessierten mit einzubeziehen. Deshalb wurden von Beginn an Vertreter von über 50 Institutionen, wie der Kirche oder den Gewerkschaften, am Erarbeitungsprozess beteiligt. Das Programm fußt somit auf einem breiten Konsens. 

heike Taubert engagiert gegen rechts: die sozialministerin beim Probesitzen der sPd im Vorfeld eines geplanten nazi-aufmarsches in erfurt.

PriVaTsPhäre iM inTerneT besser schüTzen Justizpolitikerin Marx: Datenschutz in Thüringen künftig durch eine Stelle koordinieren / Mehr Aufklärung über Gefahren Mit zahlreichen Veranstaltungen wurde Anfang Februar der internationale „Safer Internet Day“ begangen. Dies war Anlass für die justizpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dorothea Marx, spürbare Verbesserungen beim Datenschutz zu fordern. „Datenschutz, so wie er in Thüringen praktiziert wird, ist nicht mehr zeitgemäß“, kritisierte Marx insbesondere die getrennten Zuständigkeiten beim Datenschutz im Freistaat. Während der Datenschutzbeauftragte für das staatliche Handeln verantwortlich sei, kümmere sich das Landesverwaltungsamt ausschließlich um die privaten Datenverarbeiter. „Der Sinn dieser Regelung ist keinem Bürger zu vermitteln“, so die Justizpolitikerin. Marx bekräftigte deshalb ihre Forderung nach einer einheitlichen Zuständigkeit des Datenschutzbe-

auftragten – sowohl für den staatlichen als auch für den privaten Bereich. Sie macht zudem darauf aufmerksam, dass die Privatsphäre im Internet keineswegs nur durch das Agieren in sozialen Netzwerken wie Schüler- oder StudiVZ oder facebook gefährdet sei. Nicht weniger dramatisch sei die alltägliche Preisgabe und Verarbeitung persönlicher Daten bei Einkäufen im Internet oder der Benutzung von Suchmaschinen wie google. „Datenspuren jedes Nutzers werden miteinander verknüpft, um daraus zu kommerziellen Zwecken Persönlichkeitsprofile zu erstellen“, sagt Marx. Die Justizpolitikerin: „Es ist daher höchste Zeit, Aufklärung und Widerspruchsmöglichkeiten über Profilbildung im Netz zu verstärken.“ Es könne nicht sein, dass streng reglementierte Zugriffsrech-

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Datenschutz, so wie er in Thüringen praktiziert wird, ist nicht mehr

te des Staates auf Nutzerdaten zur Bekämpfung schwerer Straftaten mit Argusaugen beobachtet würden, während einer willkürlichen Ausforschung von Konsumenten und Nutzern im Internet zu kommerziellen Zwecken mit Unkenntnis oder Gleichgültigkeit begegnet werde. 

iMPr essuM seiten 1, 4: SPD-Landesverband Thüringen Juri-Gagarin-Ring 37, 99084 Erfurt Telefon: (0361) 2 28 44 -0

zeitgemäß«

seiten 2, 3: SPD-Fraktion im Thüringer Landtag Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt Telefon: (0361) 3 77 23 36

Dorothea Marx

satz/layout: Dirk Malewski Anzeigen: Berliner vorwärts Verlagsgesellschaft mbH


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Nicht länger auf Freiwilligkeit setzen Pelke unterstützt Forderung nach Frauenquote in Führungspositionen „Vollkommen unverständlich“ ist für SPDFrauenpolitikerin Birgit Pelke, dass derzeit von 187 Vorstandsmitgliedern deutscher DAXUnternehmen nur vier weiblich sind. Birgit Pelke Die gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion unterstützt deshalb die Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote in den Führungsetagen der Wirtschaft. „Die Wirtschaft hatte lange genug Zeit, um die im Grundgesetz festgeschriebene Gleichstellung von Mann und Frau auch in der Praxis umzusetzen“, so die Landtagsabgeordnete. Die Politik müsse deshalb mit verbindlichen Regeln die Unternehmen zur Einstellung von mehr Frauen in Führungspositionen verpflichten. „Auf Freiwilligkeit haben wir lange genug gesetzt“, so Pelke. Sie fordert daher eine Frauenquote von 40 Prozent

in Vorständen und Aufsichtsräten deutscher Unternehmen. „Die Argumentation vieler Wirtschaftsvertreter, wonach Frauen für Führungspositionen zumeist schlechter qualifiziert seien als männliche Mitbewerber, ist schlicht diskriminierend und längst nicht mehr zutreffend“, sagt Pelke. Den klaren Widerspruch der Frauenpolitikerin erntete der Erfurter IHK-Präsidenten Dieter Bauhaus. Dieser hatte ausgeführt, für mehr Gleichstellung ausschließlich auf einen Umbruch in der deutschen Unternehmenskultur zu setzen. „Ein solcher Umbruch wird erst dann erfolgen, wenn mehr Frauen an der Unternehmensführung beteiligt sind und über die Politik des Unternehmens mitentscheiden können“, prophezeit SPD-Frau Pelke. Erst dann entstünde die zwingende Notwendigkeit, Strukturen zu verändern und etwa für flexiblere Arbeitszeiten und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sorgen. 

Anrührende Bilder aus einer anderen Zeit Die Fotoausstellung „Siebenbürgen“ des Thüringer Fotografen Andreas Berner (im Foto rechts) ist in diesen Tagen auf der Etage der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag zu sehen. Andreas Berners Interesse als Fotograf gilt nicht der Gegenwart, nicht dem Flüchtigen. Auf seinen Reisen sucht er nach Dingen außerhalb unserer Zeitrechnung – Denkmälern des Verschwindens, wie sie beispielsweise im rumänischen Siebenbürgen zu finden sind. Die atmosphärischen Bilder zeigen alte Orgeln, verfallene Kirchenburgen und Dorfansichten, aber auch Menschen, die dem Betrachter unverstellt entgegenblicken. Entstanden sind die Bilder auf einer Reise im Jahr 2009, auf der Berner von der Erfurter Dichterin Nancy Hünger begleitet wurde. „Kunstvoll im Gang“ heißt die Ausstellungsreihe, zu der die SPD-Fraktion im Thüringer Landtag nun schon seit vielen Jahren einlädt. Sie ist zu einem beliebten Forum für Künstler und Kunstfreunde aus der Region geworden ist. 


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Die SPD gratuliert

Frauenpower braucht das Land!

zum 80. Geburtstag: Dieter Potyka Hans-Joachim Barth

von Iris Gleicke, Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion

zum 75. Geburtstag: Karl Kanis Walter Gross Hans-Joachim Hanf Karl-Heinz Lisiecki Heinz Poppner Joachim Jahn Gudrun Galle zum 70. Geburtstag: Eckard Mang Volker Hildmann Hans-Werner Rühling Hans-Joachim Selk Karl Brenn Hilmar Rieder zum 65. Geburtstag: Siegfried Schulz Klaus Engelhardt zum 60. Geburtstag: Rainer Krumbein Gudrun Schreiber Peter Schmidt Christoph Stade Wolfgang Richter Eyke Siebecke

wir danken für 40 Jahre Mitgliedschaft Michael Diefenbach für 25 Jahre Mitgliedschaft Wolfgang Borde für 10 Jahre Mitgliedschaft Thomas Kretschmer Jens Günzerodt Angela Schubert Sebastian Zimmermann Bernd Wagner Ulf Grießmann Gabriele Matzulla berücksichtigt bis 26.02.11

Term i n e Mi 09.03. | 18:00 Uhr Politischer Aschermittwoch (Arnstadt, Goldene Henne) Fr 11.03. - Sa 12.03. „Kaminabend & mehr“ Erfahrungsaustausch sozialdemokratischer Frauen (Tiefurt bei Weimar) Anmeldung & Info: 0361-228440 oder thueringen@spd.de

Mo 14.03. | 18:00 Uhr Aktivierungstreffen Arbeitskreis Christen in der SPD (Erfurt, Landesgeschäftsstelle) Anmeldung: 0361-228440 oder thueringen@spd.de

Frauen und Technik: Zwei Welten prallen aufeinander! Weder Jahrzehnte des aktiven Feminismus in Deutschland West noch der relativ hohe Frauenanteil in technischen und Ingenieurberufen in Deutschland Ost vermochten das Vorurteil beseitigen, dass Technik Männersache sei. Doch ich bin immer stolz darauf gewesen, Frau und Ingenieurin zu sein. Die Kombination verrät aber immer noch die Zugehörigkeit zu einer raren Spezies. Und das, obwohl junge Frauen in Deutschland zu der am besten ausgebildeten Frauengeneration aller Zeiten gehören. Die Studien-, Ausbildungs- und Schulabschlüsse der Mädchen sind – so wird es immer wieder berichtet – seit vielen Jahren im Schnitt besser als die ihrer männlichen Mitschüler oder Studenten. Außerdem zeigen sie im Gegensatz zu diesen auch mehr soziale Kompetenz und eine höhere Mobilität. Trotzdem sind Frauen hierzulande in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Dies schränkt ihre beruflichen Perspektiven ein und bedeutet einen gesellschaftlichen Verlust an Potenzial, der vor dem Hintergrund künftigen Nachwuchsmangels im Ingenieurbereich fahrlässig in Kauf genommen wird.

ein Eigeninteresse an technisch hoch qualifizierten Frauen identifiziert. Um genau diese Entwicklung zu stärken, rief Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im Jahr 2001 den ersten Girls‘ Day ins Leben. Diese bundesweite Aktion legt den Schwerpunkt auf technische und techniknahe Berufe und ermöglicht jungen Schülerinnen erste Einblicke in die berufliche Praxis. Die Unterrepräsentation von Frauen bezieht sich jedoch nicht nur auf technische Berufe. Auch in der Politik brauchen wir mehr Frauen! Aus diesem Grund ermöglicht die SPD-Bundestagsfraktion auch dieses Jahr am 14. April zum Girls‘ Day 60 Mädchen, Abgeordneten bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Iris Gleicke MdB

Der Frauenanteil der Hochschulabsolventen in Deutschland liegt bei 50,8 Prozent. Doch nur 19,9 Prozent der Physik- und Astronomiestudenten sind Frauen und in der Elektrotechnik beträgt ihr Anteil verheerende 8,9 Prozent! Auch Männer haben erkannt, dass der Frauenmangel in den Ingenieurberufen ein echter gesellschaftlicher Mangel und ein handfestes ökonomisches Problem ist. Und Firmen haben

Da die Einsichtigen in Politik und Wirtschaft das Problem offenbar gezielt angehen, könnte man meinen, dass alles zum Besten bestellt sei. Doch junge Frauen zu unterstützen, erfordert von der Politik Ausdauer und Hartnäckigkeit. Deshalb werde ich mich als ehrenamtliche Präsidentin des Zentralverbandes der Ingenieurvereine für mehr Frauen in technischen Berufen auch künftig intensiv dieser Aufgabe widmen. 

100 Jahre Frauentag – und noch nichts erreicht? (Fortsetzung) . . . F o rts etz u n g vo n S e ite 1

100 Jahre erheben Frauen nun schon die gleichen Forderungen – das wirft sowohl ein gutes Licht auf die Ausdauer und den unermüdlichen Optimismus der Frauen wie auch auf die hartnäckige Resistenz der Gesellschaft gegen ihre Forderungen, zumindest gegen die wirklich wichtigen. Dann gibt es noch, gleich im Anschluss, den Equal Pay Day, an dem die Frauen mit roten Handtaschen darauf aufmerksam machen dürfen, dass sie weniger Geld für mehr Arbeit verdienen – nicht dass sich dadurch tatsächlich etwas ändert, aber es ist doch jedes Jahr wieder ein guter Grund, etwas von dem wenigen Geld für eine schöne rote Handtasche auszugeben. Beim Girl‘s Day schließlich dürfen junge Mädchen und Frauen einen Tag lang den Duft der männlichen Berufswelt schnuppern. Damit wäre das dann auch erledigt und den Rest des Jahres überlassen wir dieses etwas strenge Parfum lieber wieder

den Männern. Der vierte Tag des Jahres, der sich ganz den Frauen widmet, ist schließlich der schönste, denn er ist nicht von solch hässlichen unterschwelligen Kampftönen begleitet wie die anderen drei, sondern widmet sich dem Allersüßesten, was das Frauenleben zu bieten hat: der Mutterschaft. Blumen, Herzen und Gedichte (Bist immer fleißig im Betrieb, Mutti, ich hab dich lieb!), zur höchsten Glückseligkeit sogar Frühstück ans Bett – das macht die Frauen und den Handel froh! Vier Tage im Jahr, liebe Frauen. Und nur die ganz bösen Zungen behaupten, die restlichen 361 seien Männertage. Natürlich gibt es noch viel mehr. Frauenbücher, Frauenzeitschriften und sogar ein Frauenmagazin im Fernsehen. Es gibt einen Sehtest für Frauen (den mit den Schuhen) und natürlich jede Menge exklusive Einkaufsmöglichkeiten für das schwache Geschlecht. Als besonders lobenswert sei hier die Eröffnung des

ersten Spezialgeschäftes für Vollverschleierung in Berlin hervorgehoben. Weiße Damenschokolade und Sekt in der Dose runden das Angebot angemessen ab. Dass mir also bloß niemand auf die Idee kommt, zum 100. Geburtstag des Frauentages nicht rückhaltlos zu gratulieren, sondern immer noch zu meckern. Habt einfach Freude daran, euer kompaktes Frauenauto auf dem nahe dem Firmeneingang gelegenen Frauenparkplatz abzustellen, eure rote Handtasche vom Rücksitz zu nehmen, in der sich ausreichend Frauenbücher und -zeitschriften für die Mittagspause befinden sowie weiße Damenschokolade für zwischendurch und eine Dose Sekt für alle Fälle, und euer geräumiges Büro in der Vorstandsetage aufzusuchen. Zugegeben, das ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Aber die weiße Schokolade würden wir zur Not auch den Männern überlassen. 

vorwärts Thüringen - 03/2011  

Informationen der Thüringer Sozialdemokratie

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